Frühes postnatales Testosteron ist ein Indikator für Sprachfertigkeiten

Eine interessante Studie zu Geschlechterunterschieden bei der Sprache:

Highlights

•There was a sex difference in salivary testosterone in infants aged 1–3 months.
•Testosterone in infancy predicted vocabulary in boys and in girls in toddlerhood.
•The sex difference in vocabulary was mediated by testosterone in infancy.
•Testosterone in infancy may contribute to early language development.

Abstract
During the first few years of life, girls typically have a larger expressive vocabulary than boys. This sex difference is important since a small vocabulary may predict subsequent language difficulties, which are more prevalent in boys than girls. The masculinizing effects of early androgen exposure on neurobehavioral development are well-documented in nonhuman mammals. The present study conducted the first test of whether early postnatal testosterone concentrations influence sex differences in expressive vocabulary in toddlers. It was found that testosterone measured in saliva samples collected at 1–3 months of age, i.e., during the period called mini-puberty, negatively predicted parent-report expressive vocabulary size at 18–30 months of age in boys and in girls. Testosterone concentrations during mini-puberty also accounted for additional variance in expressive vocabulary after other predictors such as sex, child’s age at vocabulary assessment, and paternal education, were taken into account. Furthermore, testosterone concentrations during mini-puberty mediated the sex difference in expressive vocabulary. These results suggest that testosterone during the early postnatal period contributes to early language development and neurobehavioral sexual differentiation in humans.

Wenig Testosteron in einer bestimmten Phase führt also zu besseren sprachlichen Fähigkeiten.

Das passt gut zu der sonstigen Forschung in dem Bereich:

Unterschiede in den Interessen der Geschlechter

Eine Studie bespricht Unterschiede zwischen Männern und Frauen

The magnitude and variability of sex differences in vocational interests were examined in the present meta-analysis for Holland’s (1959, 1997) categories (Realistic, Investigative, Artistic, Social, Enterpris- ing, and Conventional), Prediger’s (1982) Things–People and Data–Ideas dimensions, and the STEM (science, technology, engineering, and mathematics) interest areas. Technical manuals for 47 interest inventories were used, yielding 503,188 respondents. Results showed that men prefer working with things and women prefer working with people, producing a large effect size (d=0.93) on the Things–People dimension. Men showed stronger Realistic (d=0.84) and Investigative (d=0.26) interests, and women showed stronger Artistic (d=0.35), Social (d=0.68), and Conventional (d=0.33) interests. Sex differences favoring men were also found for more specific measures of engineering (d=1.11), science (d=0.36), and mathematics (d=0.34) interests. Average effect sizes varied across interest inventories, ranging from 0.08 to 0.79. The quality of interest inventories, based on professional reputation, was not differentially related to the magnitude of sex differences. Moderators of the effect sizes included interest inventory item development strategy, scoring method, theoretical framework, and sample variables of age and cohort. Application of some item development strategies can substantially reduce sex differences. The present study suggests that interests may play a critical role in gendered occupational choices and gender disparity in the STEM fields.

Das sind teilweise sehr deutliche Unterschiede, gerade im Bereich Sachen-Menschen. hier die Zahlen:

Männer Frauen interessen Dinge Personen

Männer Frauen interessen Dinge Personen

 

Männer Frauen Interessen Dinge Personen

Männer Frauen Interessen Dinge Personen

Männer Frauen Interessen Dinge Personen

Männer Frauen Interessen Dinge Personen

Und hier die weiteren Auswertungen:

Zusammenfassung Interessen Männer Frauen

Zusammenfassung Interessen Männer Frauen

 

Hier sieht man, dass die Unterschiede in den oberen Bereichen immer größer werden und sich im Bereich Things-People nur eine Überlappung von 46,9% ergibt. Es ist insofern wie so meist kein binärer Unterschied, aber dennoch ein sehr deutlicher. In den Top 25% ist die Rate Frauen zu Männer daher relativ gering.

Natürlich ergibt sich hieraus nicht, ob diese Unterschiede Kultur oder Biologie sind oder eine Mischung aus beidem. Es passt aber gut zu der „Extrem male Brain“Theorie oder dem allgemeinen Unterschied zwischen systematischen und empathischen Gehirn

Geschlechterunterschiede und werden die Schlauen schlauer?

Eine interessante Studie behandelt Geschlechterunterschiede und hat dabei interessante Ergebnisse:

By studying samples of intellectual outliers across 30 years, researchers can leverage right-tail data (i.e., samples at or above the 95th percentile on tests of ability) to uncover missing pieces to two psychological puzzles: whether there are sex differences in cognitive abilities among smart people, and whether test scores are rising (a phenomenon known as the Flynn effect) among smart people. For the first puzzle, data indicate that the high male-to-female ratio among extremely high scorers on measures of math ability has decreased dramatically, but is still likely one factor among many explaining female underrepresentation in some professions. For the second puzzle, data indicate that the right tail has risen at a similar rate as the general (or middle portion of the) distribution; it is thus likely that the entire curve is rising at a relatively constant rate, consistent with the Flynn effect, which may explain why a greater number of gifted students have been identified in recent years. However, the causes for these gains and whether they reflect real gains in intelligence continue to remain a mystery. We show how these two puzzles are linked and stress the importance of paying attention to the entire distribution when attempting to address some scientific questions.

Quelle: Studying Intellectual Outliers: Are There Sex Differences, and Are the Smart Getting Smarter?

Es sind inbesondere einige interessante Grafiken enthalten, die die Geschlechterunterschiede in verschiedenen Fertigkeiten und deren Entwicklung im Laufe der Jahre behandeln:

Geschlechterunterschiede

Geschlechterunterschiede

Hier sieht man die Annährung der Geschlechter über die verschiedenen Jahre, aber auch, dass es in bestimmten Bereichen nach wie vor deutliche Geschlechteruntershciede gibt, die zuletzt recht konstant sind. Die Grafiken zeigen das Verhältnis Mann-Frau in den obersten Leistungsbereichen. In den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften kommen da immer noch zwischen 3 und 4 Männer auf eine Frau. In den Sprachen steigt der Unterschied sogar, es kommen in zB ACT-Englisch etwa 2 Frauen auf einen Mann.

Geschlechterunterschiede Sprachen Naturwissenschaften

Geschlechterunterschiede Sprachen Naturwissenschaften

Auf dieser Grafik sieht man, dass es auch im Schnitt deutliche Unterschiede gibt und das der Abstand teilweise sehr gleich geblieben ist. Dabei ist der Unterschied im mathematischen Teil deutlich größer als im sprachlichen Bereich. Es ist auch gut zu sehen, dass die Schankungen relativ parallel verlaufen.

Geschlechterunterschiede Sprachen Naturwissenschaften

Geschlechterunterschiede Sprachen Naturwissenschaften

Auch bei diesen Aufschlüsselungen zeigt sich das gleiche Bild. Hier zeigt sich auch, dass anders als im obersten Bereich Mädchen relativ konstant besser in den Bereichen Englisch und Lesen abschneiden, dafür schlechter in Mathe und Naturwissenschaften.

Geschlechterunterschiede Sprachen Naturwissenschaften

Geschlechterunterschiede Sprachen Naturwissenschaften

Und auch bei EXPLORE zeigen sich diese Unterschiede relativ konstant.

Aus der Besprechung:

In contrast to the male-to-female ratios (Fig. 1) and average scores for males and females (Figs. 2 and 3) across multiple measures of cognitive ability showing sex differences, the Flynn effect across these same measures shows striking sex similarities. The math measures were also where rapid change occurred in the male-to-female ratios among high scorers, as well as where the Flynn-effect gains were concentrated. Finally, we cannot predict whether the ratios and gains will remain stable or change in the future, so future investigations will be needed, perhaps in the next 30 years.

Der Intelligenzzuwachs tritt also bei Männern und Frauen gleichzeitig ein, es bleibt aber im Schnitt bei Geschlechterunterschieden. Bei den Spitzenwerten gab es einige deutliche Veränderungen, wenn ich auch sagen würde, dass es sich gerade in der letzten Zeiten relativ beruhigt hat.

Hier noch einige andere Artikel dazu, die dazu passen:

 

Verbale und mathematische Fähigkeiten sowie Intelligenz und Studienfachwahl

Ein Leser hatte auf einen Artikel im Discover Magazine hingewiesen, der einige interessante Grafiken anführte:

Das erste Bild zeigt die Zusammenhänge von mathematischen und sprachlichen Fähigkeiten und dem Studienfach:

Mathematik Sprache Fähigkeiten

Mathematik Sprache Fähigkeiten

 

Es zeigen sich auch hier einige interessante Zusammenhänge gerade zwischen den erforderlichen Fähigkeiten und der Studienfachwahl, die auch schon in diesem Beitrag Thema waren. Es wäre hier interessant, den typischen Frauen- und Männeranteil, der in diesen Studienfächern besteht, mit den Ergebnissen abzugleichen, es lässt sich aber auch so ganz gut sehen, dass viele der klassischerweise männlich besetzten Fächer mit hohen Mathefähigkeiten einhergehen, während die Naturwissenschaften, die eher noch einen hohen Frauenanteil haben, wie etwa Biologie aber auch noch im Verhältnis zu etwa Physik die Chemie, einen vergleichsweise geringeren Anspruch daran haben.

Viele klassische Frauenstudiengänge wie Sozialwissenschaften oder Lehrberufe stellen hingegen in dieser Hinsicht eher geringe Ansprüche an die mathematischen Fähigkeiten.

Auf dem zweiten Bild wird insbesondere noch der Faktor Intelligenz berücksichtigt:

Sprache Mathe Intelligenz

Sprache Mathe Intelligenz

 

In dem Artikel heißt es dazu:

I also wanted to compare aggregate smarts to intellectual balance. In the plot to the right on the x-axis you have the combined value of math and verbal scores in standard deviation units. A negative value indicates lower values combined, and a positive value higher. Obviously though you can have a case where two disciplines have the same average, but the individual scores differ a lot. So I wanted to compare that with the difference between the two scores. You can see then in the plot that disciplines like classics are much more verbal, while engineering is more mathematical. Physical scientists tend to be more balanced and brighter than engineers. Interestingly linguists have a different profile than other social scientists, and cognitive psych people don’t cluster with others in their broader field. Economists are rather like duller physicists. Which makes sense since many economists are washed out or bored physicists. And political science and international relations people don’t stack up very well against the economists. Perhaps this is the source of the problem whereby economists think they’re smarter than they are? Some humility might be instilled if economics was always put in the same building as physics.

In regards to my own field of interest, the biological sciences, not too many surprises. As you should expect biologists are not as smart as physicists or chemists, but there seems to be two clusters, with a quant and verbal bias. This somewhat surprised me. I didn’t expect ecology to be more verbal than genetics! And much respect to the neuroscience people, they’re definitely the smartest biologists in this data set (unless you count biophysicists!). I think that points to the fact that neuroscience is sucking up a lot of talent right now

Es wäre die Frage, ob alle Bereiche per se Anforderungen abbilden. Wenn beispielsweise Frauen häufiger in der Biologie anzutreffen ist, weil sie von den Naturwissenschaften ihren Interessen und Fähigkeiten am meisten entspricht, dann würde sich dort auch eine Häufung von sprachlichen Fähigkeiten ergeben. Dann wäre die Sprache nicht unbedingt eine Voraussetzung, sondern würde nur „mitgeschleppt“.

Interessant wäre auch, inwiefern mit steigender Intelligenz auch sozusagen zwangsläufig bessere Werte sowohl bei mathematischen als auch sprachlichen Fähigkeiten auftreten. Dagegen scheinen zumindest diejenigen zu sprechen, die „classical Language“ studieren (also wohl solche Sprachen wie Latein oder Alt-Griechisch etc).

Räumliches Denken als Voraussetzung für die Naturwissenschaften

Über den Blog von Erwin Schmidt habe ich eine interessante Studie zu Übereinstimmungen von Fähigkeiten im räumlichen Denken und Naturwissenschaften gefunden:

The importance of spatial ability in educational pursuits and the world of work was examined, with particular attention devoted to STEM (science, technology, engineering, and mathematics) domains. Participants were drawn from a stratified random sample of U.S. high schools (Grades 9 –12, N = 400,000) and were tracked for 11+ years; their longitudinal findings were aligned with pre-1957 findings and with contemporary data from the Graduate Record Examination and the Study of Mathematically Precocious Youth. For decades, spatial ability assessed during adolescence has surfaced as a salient psychological attribute among those adolescents who subsequently go on to achieve advanced educational credentials and occupations in STEM. Results solidify the generalization that spatial ability plays a critical role in developing expertise in STEM and suggest, among other things, that including spatial ability in modern talent searches would identify many adolescents with potential for STEM who are currently being missed.

Quelle: Spatial Ability for STEM Domains: Aligning Over 50 Years of Cumulative Psychological Knowledge Solidifies Its Importance

Demnach würde das räumliche Denken eine wichtige Rolle in der Frage spielen, ob man es in den STEM-Fächern, also science, technology, engineering, and mathematics, zu einem Experten bringt.

Hier ein paar andere Artikel zu dem Thema:

In der Studie ist einiges interessantes drin:

räumliches Denken und Schulfächer

räumliches Denken und Schulfächer

In der Grafik sieht man die die Verteilung der Fähigkeiten im sprachlichen, mathematischen und räumlichen Denken unter Berücksichtigung der Lieblingsfächer und der Hassfächer in der Schule.

Hier sieht man deutlich, dass die Fächer zu den Fähigkeiten passen. Wer Mathe und Wissenschaften mag, der ist üblicherweise auch gut in Mathe und räumlichen Denken, wer schlecht in räumlichen Denken ist, der mag auch die dazu passenden Fächer nicht.

Im Studium und mit steigender Qualifikation zeigt sich ein ähnliches Bild

Studiengang Fähigkeiten räumliches Denken

Studiengang Fähigkeiten räumliches Denken

Gerade in den Bereichen Mathematik und Computerwissenschaften, Physik und den Ingenieurwissenschaften scheint ein sehr gutes räumliches Denken und hohe mathematische Fähigkeiten eine Rolle zu spielen, in der Biologie spielen sie dagegen eine geringere Rolle, ebenso wie in der Medizin

 

Und auch nach dem Abschluss ist das Bild stimmig:

 

Beschäftigungen mathematische und sprachliche Fähigkeiten

Beschäftigungen mathematische und sprachliche Fähigkeiten

Auch später zeigen sich entsprechende Übereinstimmungen. Wer Physik, Ingenieurwissenschaften oder Mathematik studiert hat, der hat gute Mathematikfähigkeiten, schneidet aber nicht so gut in den Sprachlichen Fähigkeiten ab, wie jemand, der sich für die Geisteswissenschaften interessiert.

räumliches Denken frauen männer

räumliches Denken Frauen Männer

In dieser Grafik wird deutlich, dass der Anteil hochbegabter im Bereich des räumlichen Denkens in den STEM-Bereichen sehr hoch ist. 20% der Männer, die später in dem Bereich arbeiten, gehörten zu Besten (1%) im Bereich des räumlichen Denkens

Es spricht damit viel für einen Zusammenhang zwischen gutem räumlichen Denken und der Berufswahl, gleichzeitig ist auch der Zusammenhang zwischen Testosteron und gutem räumlichen Denken gut erforscht.

Sprache und Testosteron

Leser Dummerjan hatte auf eine interessante Studie hingewiesen, nach der Testosteron den Spracherwerb verzögern kann. Leider habe ich den Volltext der Studie nicht gefunden, hier ist der Abstract:

Background:  Preliminary evidence suggests that prenatal testosterone exposure may be associated with language delay. However, no study has examined a large sample of children at multiple time-points.

Methods:  Umbilical cord blood samples were obtained at 861 births and analysed for bioavailable testosterone (BioT) concentrations. When participating offspring were 1, 2 and 3 years of age, parents of 767 children (males = 395; females = 372) completed the Infant Monitoring Questionnaire (IMQ), which measures Communication, Gross Motor, Fine Motor, Adaptive and Personal–Social development. Cut-off scores are available for each scale at each age to identify children with ‘clinically significant’ developmental delays. Chi-square analyses and generalized estimating equations examined longitudinal associations between sex-specific quartiles of BioT concentrations and the rate of developmental delay.

Results:  Significantly more males than females had language delay (Communication scale) at age 1, 2 and 3 years (p-values ≤. 01). Males were also more likely to be classified as delayed on the Fine-Motor (p = .04) and Personal–Social (p < .01) scales at age 3 years. Chi-square analyses found a significant difference between BioT quartiles in the rate of language delay (but not Fine-Motor and Personal–Social delay) for males (age 3) and females (age 1 and 3). Generalized estimating equations, incorporating a range of sociodemographic and obstetric variables, found that males in the highest BioT quartile were at increased risk for a clinically significant language delay during the first 3 years of life, with an odds ratio (OR) of 2.47 (95% CI: 1.12, 5.47). By contrast, increasing levels of BioT reduced the risk of language delay among females (Quartile 2: OR = 0.23, 95% CI: 0.09, 0.59; Quartile 4: 0.46, 95% CI: 0.21, 0.99).

Conclusion:  These data suggest that high prenatal testosterone levels are a risk factor for language delay in males, but may be a protective factor for females.

Zu den Unterschieden bei der Sprache von Mann und Frau hatte ich schon ein paar Artikel:

Diese Studie macht noch einmal deutlich, dass auch hier die Hormone eine Rolle spielen.

Aus einem Artikel zu der Studie:

The research team wanted to test whether this developmental delay could be due to prenatal exposure to sex steroids such as testosterone, as male fetuses are known to have ten times the circulating levels of testosterone compared to females. The team proposed that higher levels of exposure to prenatal testosterone might increase the likelihood of language development delays. Dr. Whitehouse’s team measured levels of testosterone in the umbilical cord blood of 767 newborns before examining their language ability at one, two, and three years of age. The results showed that boys with high levels of testosterone in cord blood were between two and three times more likely to experience language delay. However, the opposite effect was found in girls, where high levels of testosterone in cord blood were associated with a decreased risk of language delay. Dr. Whitehouse said the finding is significant in that it gives a biological explanation for why boys’ language development differs to that of girls.

Männerparkplätze wegen schweren Einparkens

Vielleicht nur ein Marketinggag, aber trotzdem interessant:

Die Stadt Triberg im Schwarzwald hat in einem Parkhaus zwei Männerparkplätze ausgewiesen. „Das sind die einzigen im Parkhaus, in die man rückwärts einparken muss“, sagt Bürgermeister Gallus Strobel.

Das ist aus meiner Sicht durchaus sexistisch – und wie so meist beiden Geschlechtern gegenüber. Denn es hätte auch ein Schild „Vorsicht, rückwärts einparken!“ oder etwas in der Art gereicht. Parkplätze als Männerparkplätze auszuweisen, nicht weil es den Männern etwas bringt, sondern weil sie schwieriger zu beparken sind, weist zum einen Männern besondere Fähigkeiten als Gruppe zu (also Essentialismus), in der sie nur im Schnitt besser sind (das räumliche Denken). Tatsächlich werden viele Männer in diese Parkplätze besser einparken können als viele Frauen, aber eben auch einige Frauen besser als einige Männer. Das ist zum einen der Aufbau von Druck auf Männer, diesen Anforderungen zu genügen und zum anderen eben auch eine Diskriminierung von Frauen, die diese Fähigkeiten abgesprochen bekommen.

Klar, man könnte anführen, dass die Frauen ja bereits in dem gleichen Parkhaus Frauenparkplätze haben (vgl. dazu auch „Frauenparkplätze sind diskriminierend gegenüber Männern„), und das diese auch nach fehlerhaften Kriterien zugewiesen sind, nämlich ein erhöhtes Schutzbedürfnis von Frauen in Tiefgaragen, aber da wird zumindest eine Schutzfunktion angenommen und deswegen ein Sonderraum zugewiesen, es geht nicht schlicht um die Frage, ob dort jemand technisch besser einparken kann.

Aus dem weiteren Text:

Fakt ist auch: Es geht mitnichten um Sicherheit im Parkhausverkehr. „Es geht auch um Humor und Marketing“, gibt Strobel zu, der seit 2002 Bürgermeister ist.

Insofern durchaus eine gelungene Aktion, Aufmerksamkeit werden sie bekommen. Vielleicht ja auch eine gute Gelegenheit mal über Frauenparkplätze nachzudenken, wenn ich auch nicht glaube, dass da irgendwer ran will, weil man sich da zu leicht verbrennt.

Eine britische Studie, für die rund 2500 Menschen beim Einparken beobachtet wurden, belegt: Im Schnitt brauchten die Herren zwar nur 16 Sekunden, um ihren Wagen in die Lücke zu stellen, die Damen 21 Sekunden – aber dafür stand das Auto dann so, wie es sich gehört. Mehr als die Hälfte der Frauen parkte korrekt, die Fahrzeuge der Männer standen zu 75 Prozent schief in der Parklücke.

Dabei geht es um diese Studie. Die durch Beobachtungen von Parkplätzen durchgeführt wurde. Männer parkten schneller, aber dafür schiefer, Frauen langsamer und mit mehr Korrekturen, aber gerader und zentraler ein. Der Aussagegehalt ist relativ gering, weil dies zunächst deutlich macht, dass es den Männern anscheinend gar nicht darauf ankam, gerader zu parken, sie wollten nur parken. Die Zielsetzungen der Teilnehmer waren damit ganz unterschiedlich, so dass sich ihre Leistungen nicht vergleichen lassen. Es kann eben sein, dass Männer ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen haben und deswegen schneller in einem Zug einparken, auch wenn sie dann nicht gerade stehen, während Frauen ein schlechteres räumliches Vorstellungsvermögen haben und deswegen möglichst zentral in die Lücke fahren wollen, um sicher zu gehen, dass sie nirgendswo anecken. Es fehlt auch eine Vergleichbarkeit in den Altersgruppen und dem Zweck des Parkens. Wer große Einkäufe einladen will und mit Kindern unterwegs ist, die ebenfalls noch aussteigen müssen, oder aus dem Wagen gehoben werden müssen, der wird vielleicht auch mehr auf ein zentrales Einparken achten.

SPIEGEL ONLINE: Hatten Sie schon Ärger mit einer Frauengruppe?

Strobel: (lacht) Alice Schwarzer hat sich noch nicht bei mir gemeldet. Aber ich hatte ja auch mit gewissen humorlosen Reaktionen der Political Correctness gerechnet. Bisher gab es aber nur zwei Beschwerde-E-Mails, sonst bekommen wir nur Zustimmung. Auch von Frauen. Die Frauen hier in der Stadt empfinden das als gerecht – aber auch als Herausforderung. Es gibt viele, die in die Männerparkplätze fahren. Und das ist ja auch legitim. Dürfen sie gern machen.

Immerhin ein entspannter Umgang mit dem Thema. Mal sehen, was ansonsten noch kommt. Es wäre interessant zu sehen, worauf sich die Zustimmung bezieht. Eher auf das Ausweisen von Männerparkplätzen, auf das kenntlich machen besonders schwieriger Parkplätze, auf die Herausforderung?

Strobel: Es ist einfach unglaublich. Solch eine Reaktion hatte ich nicht erwartet. Ich bin schon den ganzen Tag am Telefon, das Fernsehen will kommen. Ich sag’s Ihnen ganz offen: Ich freue mich. Und vielleicht haben wir auch einen Nerv in der Gesellschaft getroffen.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Strobel: Vielleicht gibt es das Empfinden, dass man es in diesem ganzen Gender-Bereich manchmal überzieht. Ich kann das abschließend noch nicht sagen, aber ich denke über dieses Thema nach.

Das ist eine Reaktion, die ich mir durchaus vorstellen kann. Etwas Politische Unkorrektheit wird durchaus als befreiend angesehen. Hier hätte man aus meiner Sicht den satirischen Charakter noch etwas mehr hervorheben sollen, dass hätte es besser gemacht.