„Frauen wollen nur fair kämpfen dürfen“

In einem leider inzwischen gelöschten Artikel auf dem Blog „Goldgeleckt“ fand ich den folgenden Satz:

Feminismus bedeutet nicht, dass Frauen bevorzugt werden sollten, sondern im selben Level gegen den selben Endboss kämpfen dürfen, wie Männer auch – und dass sie nicht gewinnen lassen werden. Sondern fair kämpfen. Und entweder siegen sie oder eben nicht.

Ich glaube, dass das eine sehr verbreitet Haltung ist, die man häufiger in der Geschlechterdebatte antrifft: Der Gedanke, dass Frauen eben gar nicht die gleichen Chancen haben, dass sie behindert werden und dass man ihnen weit aus weniger die Möglichkeit gibt zu kämpfen.

1. Teilweise mag das sein

Ich kann mir vorstellen, dass in Beförderungen durchaus Überlegungen wie „wird sie noch mal schwanger werden“ etc auftauchen können. Dagegen stehen Bemühungen Frauen in entsprechende Positionen zu bringen, etwa auch um ein modernes Image aufzubauen etc. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass einige Männer tatsächlich Sexisten sind, die bei einer Frau sehr skeptisch sind oder das eine Frau lieber die einzige Frau in der Runde ist. Ich kann mir auch vorstellen, dass einige Frauen zu sehr an Sexismus und Diskriminierung und daran, dass sie schlechter bezahlt werden, glauben, dass sie es erst gar nicht versuchen oder das sie alles unter diesem Frame betrachten und sich damit auch selbst Steine in den Weg legen, weil niemand gerne mit jemanden zusammen arbeitet, der sich als verfolgt und benachteiligt ansieht und die Schuld immer auf andere verlagert.

2. Die meisten Frauen kämpfen nicht auf dem gleichen Level

Der Gedanke, dass Frauen einfach nur auch endlich mal gegen den gleichen Endgegner antreten und sich beweisen können klingt gut. Allerdings wird dazu gerne vergessen, dass man dafür die ganzen Level davor auch spielen muss – also bereits den richtigen Charakter auswählen (den Vollzeitarbeiter statt die Halbtagskraft, den Ingenieur statt den Sozialpädagogen), dass man evtl bereit sein muss, Überstunden zu machen, dass man sich Jobs aussucht, die stressig sind, bei denen es um Geld und Status statt einem guten Verhältnis von Freizeit und Arbeit und dem helfen von Leuten geht, dass man den Erfolg wollen muss.

Dass dies bei Frauen weitaus seltener der Fall ist sieht man zB wenn man sich die an einen Beruf angelegten Anforderungen bei Männern und Frauen ansieht:

Interessen und Arbeitsbereiche

Interessen und Arbeitsbereiche

oder auch in einer Auswertung der Überstunden:

Auch Alter und Geschlecht der Befragten spielten bei der Wochenarbeitszeit eine Rolle. So hatten Frauen mit 4,2 Prozent deutlich seltener überlange Arbeitszeiten als Männer (14,8 Prozent). Das sei teilweise dem Umstand geschuldet, dass Frauen seltener Führungspositionen bekleideten, hieß es. Allerdings arbeiteten Frauen in Führungspositionen ebenfalls deutlich seltener überlang (25,1 Prozent), als ihre männlichen Kollegen in der Führungsebene (44,2 Prozent).

Oder an den gewünschten Stunden pro Woche:

gewuenschte_stunden_pro_woche_brigitte

oder in der grundsätzlichen Einstellung auch in Bezug auf Kritik und Anecken können, auch wenn man es damit nicht allen Recht macht:

7 selbstwahrnehmung

All das scheint mir schwer damit zu vereinbaren zu sein, dass sie sich wirklich mit dem gleichen Charakter, den gleichen Spielweg zu dem gleichen Endgegner durcharbeiten wollen.

Wenn man im Bild bleiben will, dann scheinen mir Frauen eher SIMS spielen zu wollen, wo es keine Endgegner gibt.

3. Es wäre schön, wenn das tatsächlich der Fall wäre

Es wäre für mich eine der wesentlichen Verbesserungen des Feminismus, wenn dieser dazu umschwenken würde, dass man auch tatsächlich gegen den gleichen Endgegner antreten möchte und das notwendige dafür tun möchte, damit das gelingt. Dass man dazu eben auch in gleicher Weise vorarbeiten und hart trainieren und die richtigen Eigenschaften steigern muss. Dass sie tatsächlich fair kämpfen wollen, also akzeptieren, wenn sie in einem fairen Kampf nicht gewinnen, wenn sie nicht genau so hart trainieren und sich auf den Wettbewerb einlassen. Aber eben nicht heulen, dass das böse unsichtbare Patriarchat sie behindert hat.

Ich glaube die Ansage „wir wollen einen fairen Kampf“ wäre für die absolut meisten Männer überhaupt kein Problem. Denn den führen sie gegenwärtig schon, eben hauptsächlich untereinander.

Wenn die Frauen aber tatsächlich in einen fairen Kampf einsteigen wollen, dann müssen sie eben aufhören Diskriminierung zu rufen. Dann müssen sie eben zu den gleichen Bedingungen wie die anderen Bewerber in den Ring steigen. Es bedeutet also aus meiner Sicht, dass sich nicht die Männer umstellen müssen, sondern eher die Frauen.

Wolf of Wall Street: Intrasexuelle Konkurrenz und intersexuelle Selektion als Anreiz

(im Prinzip motiviert er seine Mitarbeiter damit, dass sie Status über Geld aufbauen können und dann alle Frauen mit ihnen schlafen wollen, wenn man es unter dem Gesichtspunkt intrasexueller Konkurrenz unter Männer und intersexueller Selektion sieht, macht er ihnen deutlich, dass sie sich dann ein höherwertiges Signalling mit Statusobjekten leisten können und sie im Wettkampf aufgrund des Geldes weit oben stehen werden)

Von klugen souveränen Richterinnen und thronenden, kräftemessenden Richtern

In der Süddeutschen ist ein Bericht über immer mehr weibliche Richterinnen, Rechtsanwälte, der interessante Verhaltenszuweisungen enthält:

Zu den früheren Zuständen:

Männliche Anwälte brüllen, schmeißen mit Akten, trommeln auf den Tisch. »Das lassen die Richter an sich abtropfen«, sagt Doris Dierbach. »Das gehört offenbar zum normalen männlichen Verhalten.« Bei Frauen ist das anders. »Ich habe mal den Kopf geschüttelt, da ist ein Richter in Hamburg aufgesprungen und hat sich über die Richterbank gelehnt: ›Sie schütteln in meinem Gerichtssaal nicht den Kopf‹, rief er.« Dierbach sagte: »Ich wüsste keine Norm, wonach Sie mir das verbieten können.«

Es wäre in der Tat ein Unding, wenn Richter auf Frauen anders reagieren als auf Männer, dort sensibler sind und ein anderes Verhalten abfordern. Denn letztendlich muss es dem Richter egal sein, ob der Rechtsanwalt männlich oder weiblich ist.

Und zur gegenwärtigen Situation:

Selbst in Bayern werden seit zehn Jahren mehr Frauen in der Justiz eingestellt als Männer, vergangenes Jahr lag ihr Anteil an den Neueinstellungen bei 65 Prozent. Zwar sind immer noch die meisten Richter männlich, aber der Trend spricht für die Frauen: Mehr als die Hälfte der Richter unter 40 Jahren ist weiblich. Für Doris Dierbach bedeutet das: »Jetzt treffe ich auf viele Vorsitzende Richterinnen – kluge, souveräne Frauen. Ich weiß, bei denen kriege ich ein vernünftiges Urteil, die sind diskussionsfähig, die kann man anrufen. Die thronen nicht über einem. Das ist kein Kräftemessen, kein dummes Gezerre. Aber auch die jungen Juristen haben sich geändert, die empfinden Frauen nicht mehr als Provokation, wenn sie Widerworte geben.« Nur eine Konstante ist geblieben: Die Angeklagten sind zu 90 Prozent Männer. Kurz und ungerecht heißt das: In Zukunft sitzen die Frauen auf der Richterbank und die Männer im Knast.

Meiner Meinung nach keine Frage des Geschlechts, sondern wohl eher einer anderen, gewandelten Rechtskultur. Früher mögen Richter autoritärer gewesen sein, konnten sich das auch noch erlauben. Heute ist dies weniger der Fall. Die „Originale“, die ihre eigenen Prozessordnungen gelebt haben sterben so langsam aus. Mit den jungen männlichen Richtern und auch mit den meisten älteren wird man ebenso reden können.  Zumal man über die Diskussionsstile junger Richterinnen auch schon anderes gelesen hat.

Im ganzen ein recht sexistischer Titel: Als würden alle Richterinnen klug und souverän sein und nur vernünftige Urteile schreiben, die Richter aber nicht. Das Bild der guten Richterin und des patriarchischen Richters, der seine Allmachtphantasien auslebt, hier sehr billig gezeichnet.

Interessant aber auch eine Aufstellung von Frauen diskriminierenden, aber inzwischen abgeschafften Gesetzen auf Seite 2:

– Bis 1953 konnten verheiratete Frauen kein eigenes Bankkonto eröffnen.

– Bis 1957 gab es eine Steuervorschrift, die Ehepaare, bei denen Mann und Frau arbeiteten, höher besteuerte – die Frau sollte damit »ins Haus zurückgeführt« werden.

– Bis 1958 bestimmte der Ehemann den Wohnort.

– Die Frau war auch nicht unbeschränkt geschäftsfähig. Wenn sie einen Kühlschrank kaufte, galt das Geschäft als vom Ehemann abgeschlossen. Mancher Mann schaltete eine Zeitungsanzeige, in der er warnte, seiner Frau etwas zu verkaufen – er werde nicht dafür aufkommen. Rechtlich war das korrekt.

– Bis 1959 hatte der Vater das »Letztentscheidungsrecht« darüber, wie das Kind zu erziehen sei.

– Bis 1974 bekamen nur die Kinder deutscher Väter, aber nicht die Kinder deutscher Mütter die deutsche Staatsbürgerschaft. Erkannte zum Beispiel ein amerikanischer Soldat das Kind mit seiner deutschen Freundin nicht an, war das staatenlos.

– Bis 1977 musste der Ehemann zustimmen, wenn seine Frau arbeiten wollte. Und das ging auch nur dann, wenn sie ihre »häuslichen Pflichten« nicht vernachlässigte.

– Bis 1977 war die Frau verpflichtet, den Haushalt zu führen, also, ihrem Mann hinterherzuputzen.

– Erst von 1978 an konnten Frauen in den ersten Bundesländern Schutzpolizisten werden.

– Bis 1995 durften nur Männer Feuerwehrleute werden, Frauen nicht.

Kann ja mal wer was in den Kommentaren zu schreiben.

Dann noch ein Verweis auf ein altes Urteil:

Manche Richterin zitiert noch heute sarkastisch das Urteil des Bundesgerichtshofs, der 1966 den Frauen die Ehe erklärte: »Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt. Wenn es ihr infolge ihrer Veranlagung oder aus anderen Gründen versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.«

Das Urteil wird ja gerne als tatsächliche, richterlich angeordnete Pflicht zum Beischlaf mit Freude angesehen, dabei geht es nur darum, wer nach dem damaligen Schuldprinzip am Scheitern der Ehe schuld war. Und da werden es wohl die meisten es wohl verständlich finden, dass man nicht alle schuld von sich weisen kann, wenn man beim Sex nur daliegt wie ein Brett.

Der Sachverhalt wird im Urteil wie folgt dargestellt:

Im weiteren Berufungsverfahren hat der Kläger vorgetragen, die Zerrüttung der Ehe sei aus der Einstellung der Beklagten zum ehelichen Verkehr entstanden. Sie habe ihm erklärt, sie empfinde nichts beim Geschlechtsverkehr und sei imstande, dabei Zeitung zu lesen; er möge sich selber befriedigen. Der eheliche Verkehr sei eine reine Schweinerei. Sie gebe ihm lieber Geld fürs Bordell. Sie wolle auch nicht mit einem dicken Bauch herumlaufen; mit Kindern wüßte sie garnichts anzufangen. – In diesem Sinne habe die Beklagte sich auch Dritten gegenüber geäußert.

Die Beklagte habe sich beim ehelichen Verkehr entsprechend verhalten. Auf dieser Einstellung beruhe es, daß er sich mehr und mehr seiner Angestellten, der Zeugin Da., zugewandt und die Zeugin in seine Stuttgarter Wohnung aufgenommen habe. Zum letzten Verkehr mit der Beklagten sei es 1950 gekommen.

Die Beklagte hat der Scheidung widersprochen. Sie hat behauptet, die Zerrüttung der ehelichen Gesinnung beim Kläger habe ihre Ursache in dieser Hinwendung zu der Zeugin Da.. Bis 1950 hätten die Parteien etwa wöchentlich miteinander verkehrt. Sie habe nie Widerwillen oder Gleichgültigkeit gegen den Geschlechtsverkehr oder gegen eine Mutterschaft geäussert. Im November 1950 habe ihr die Zeugin Beziehungen zum Kläger eingestanden. Trotz dieser Belastung des ehelichen Verhältnisses sei es aber bis zum März 1952 durchweg noch alle vier Wochen zum Verkehr gekommen.

Klingt nicht so idyllisch.

Aber weiter damit, warum Frauen besser sind:

»Frauen theoretisieren nicht so viel«, sagt Lore Maria Peschel-Gutzeit. »Frauen haben weniger Zeit, die müssen das Kind vom Kindergarten abholen, noch einkaufen und die Waschmaschine füllen. Die Rechtsprechung wird durch mehr Frauen flotter werden. Meine Herren im Senat gingen stundenlang zum Essen, ich habe durchgearbeitet.« Sie musste ja heim zu den drei Kindern. Frauen erklären auch mehr. »Männer schreiben nur: A – B – C. Frauen erklären, warum aus A erst B und dann C folgt«, sagt die Richterin am Oberlandesgericht München Andrea Titz. Sie erlebt das, wenn sie Examensklausuren korrigiert. »Für ein Urteil ist es ja kein Schaden, wenn man es auch verstehen kann

Also Frauen theoretisieren nicht so viel, begründen aber besser? Erfordert das begründen keine Theorie? Das die Männer dann eben später weitergearbeitet haben und sich dazwischen noch über den Fall ausgetauscht haben bleibt dann eben unerwähnt.

Interessant auch die Passage zur Entwicklung im Familienrecht:

. So wie Peschel-Gutzeit, die lange die einzige Richterin an ihrem Familiensenat in Hamburg war. Häufig ging es darum, ob eine Ehefrau nach der Scheidung wieder arbeiten muss. »Mein Senatsvorsitzender sagte immer: ›Das kann man doch dieser armen Frau nicht zumuten‹«, berichtet Peschel-Gutzeit. »Und ich sagte: ›Wieso? Die Kinder sind groß, sie hat zwei gesunde Hände.‹« Dann hatte der Familiensenat den umgekehrten Fall: Eine Frau, die schon lange erfolgreich im Beruf stand, und ihr Mann, der ewige Student, verlangte nach der Trennung Unterhalt von der Frau. »Da waren meine männlichen Kollegen alle der Meinung, der Mann soll arbeiten«, sagt Peschel-Gutzeit. »Ich habe gesagt: ›Der arme Mann. Ob man ihm das zumuten kann?‹« Natürlich bestimmt die eigene Lebenserfahrung auch das Urteil, weiß die ehemalige Richterin. »Wenn da drei Junggesellen sitzen oder drei geschiedene Männer, die Ärger mit dem Unterhalt für ihre Frauen haben – das fließt alles ein.«

Ich denke auch, dass viele männliche Richter, mit Frau zuhause, die sich um den Haushalt kümmert, eher für Männer ungünstige Urteile gesprochen haben als Richterinnen, die täglich selbst arbeiten und das dann auch von anderen Frauen erwarten.

Und zur Familienfreundlichkeit:

Aber die Zeit der Junggesellen und der Patriarchen ist vorbei. Stattdessen kommen nun – die Mütter. »Es war eine Revolution von oben«, sagt die Vizepräsidentin des Oberlandesgerichts München, Ursula Schmid-Stein. Das bayerische Justizministerium hat die Gerichtspräsidenten dazu vergattert, die Mütter sofort wieder unterzubringen, wenn sie aus der Babypause kommen. Jede Stelle ist nun auch teilzeitfähig – »nur die des Präsidenten nicht«, sagt Schmid-Stein. Der ist ein Mann.

Das OLG München, zu dessen Bezirk mehr als 1000 Richter gehören, hat erkannt, worin der große Reiz des Staatsdienstes für viele Juristinnen liegt: Sie können einen verantwortungsvollen Beruf und die Familie verbinden. Trotz besserer Noten gehen deswegen viele Frauen ganz bewusst nicht in die Großkanzleien, wo sie oft 16 Stunden am Tag arbeiten müssen. Sie wählen die freie Zeiteinteilung, das große Geld in den Law firms machen die Männer. Die Justiz hingegen – wird Frauensache.

Dass das dann auf der anderen Seite den Gender Pay Gap vergrößert wird hier nicht erwähnt. Beide Seiten der Medaille werden selten zusammen in einem Artikel erwähnt.

Und hier noch einmal ein kleiner Hieb:

Uta Fölster, die Präsidentin des Oberlandesgerichts Schleswig, sagt, natürlich sei es sinnvoll, dass Männer und Frauen gemeinsam Recht sprechen: »Frauen können Frauen besser einschätzen und Männer Männer. Die Welt besteht nun mal aus Männern und Frauen. Auch die Welt vor Gericht.« – Ihre Kollegin Schmid-Stein aus München meint: »Juristisch macht es keinen Unterschied, aber ein Gericht sollte die gesellschaftliche Wirklichkeit spiegeln.«

Ein weiterer Beleg für die Effizienz von Juristinnen – die männlichen Kollegen haben für dieselbe Erkenntnis Jahrhunderte gebraucht.

Allerdings auch in anderen Zeiten und damals würden ihnen viele Frauen zugestimmt haben.

„Der wesentliche Unterschied zwischen Männern und Frauen“

Dieses Bild fand ich mittels des folgenden Tweet von Roosh:

https://twitter.com/rooshv/status/332492868881117186

Was sagt ihr dazu:

Unterschied Männer Frauen

Unterschied Männer Frauen

Es wäre eine – essentialistisch überspitzte – Betonung des Umgangs mit Wettbewerb. Männer würden sich demnach eher diesem Stellen und ihn als Motivation sehen, Frauen eher auf Gleichbehandlung setzen und versuchen die Maßstäbe zu ändern, also versuchen, die Konkurrenz abzubauen.

Es wäre ja durchaus ein Trend, der sich im Feminismus niedergeschlagen hat, dessen Botschaft ja häufig gerade ein Abbau der Privilegien, eine Verringerung des Wettbewerbes, ein „Jeder kann so sein, wie er will, man darf das nicht bewerten“ ist. Fatshaming und Frauenquote, Privilegientheorien und weibliche Schutzräume ließen sich hier durchaus gut einbauen.

Christine Bauer-Jelinek zu Karriere, Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts und dem Geschlechterkampf an sich

Christine Bauer-Jelinek hat ein Interview in der FAZ, indem sie einiges Interessantes sagt:

Hauptsächlich sehe ich, dass in der öffentlichen Debatte die Unterschiede der Geschlechter völlig verzerrt geschildert und bewertet werden. Die Frauen scheinen durch die Bank die besseren Eigenschaften zu haben. Man stellt uns als die besseren Menschen dar. (…) Denn die Klischees sind allgegenwärtig: Männer sind nur auf Zerstörung und Aggression aus, heißt es, sie sind Diktatoren und Technokraten, sie sind schuld an der Finanzkrise und der Euro-Krise. Frauen dagegen sind sozial, sensibel, empathisch, kommunikativ, fleißig, verantwortungsvoll, bescheiden – ich könnte die Liste ewig fortsetzen. Kurz: Sie sind die besseren Chefs und die besseren Menschen.

Das ist denke ich nur teilweise richtig. Es ist richtig, dass diese Haltung sehr häufig zu hören ist, aber im Gegenzug gibt es in anderen Bereichen sicherlich auch noch viel „Das können Männer besser“. Es gibt sicherlich immer noch Misstrauen gegenüber Frauen für bestimmte Positionen und im technischen Bereichen. Allerdings hat das den Nachteil, dass es eben bereits einer Ächtung unterliegt. Ein Politiker kann sich nicht mehr erlauben es zu sagen, hingegen darf er durchaus Lobgesänge auf Frauen der oben genannten Art halten ohne damit politisch unkorrekt zu sein.

Ja, im Beruf wird der Mann zum Feind stilisiert, den es zu bezwingen gilt. In meinen Coachings bin ich oft verblüfft, mit welcher Verachtung und welchem Zorn Frauen über Männer sprechen. Keinen Fehler können sie machen, der nicht „typisch Mann“ ist. Daheim wird der Mann zum Depp degradiert, er wird regelrecht unterdrückt: Hobbykeller müssen dem Familienzimmer weichen, die Sportschau ist tabu, es gibt keine männlichen Rückzugsräume mehr. Die Frau sucht die Möbel aus, und der Mann darf sie nur noch hereinschleppen. Und wenn er vor Frust verstummt, dann bohrt sie: „Woran denkst du? Sprich zu mir!“

Es ist – aber das mag der Kürze des Interviews geschuldet sein – ei etwas schlicht und insbesondere zu essentialistisch gemaltes Bild der Zustände. Richtig ist, dass einige Frauen so verfahren und in vielen Beziehungen Frauen wesentlich mehr Macht und Gestaltungsraum haben als der Genderfeminismus das landläufig zugeben will. Aber nicht alle Frauen unterdrücken ihre Männer, genau so wenig wie alle Männer ihre Frauen unterdrücken. Häufig liegt es in solchen Beziehungen dann eben auch am Mann selbst: Wenn ihm die Möbel egal sind und er lieber dort klein beigibt als seine Vorstellungen mit seiner Frau zu diskutieren, dann ist das erst einmal sein Problem. Im Job mag es etwas anderes sein. Dort halte ich ein Feindbild Mann, wenn es denn bei einigen Frauen so besteht, nicht für einen guten Weg, weil es im Endeffekt eine Verantwortungsverschiebung ist mit der die jeweilige Frau es sich zu einfach macht. Sie muss ja schließlich mit ihren Kollegen auskommen, wenn sie weiter kommen will.

Und zu Frauen in Führungspositionen und dem Einwand, dass Männer eher unter sich sein wollen:

Die Veränderung bedeutet vor allem den Siegeszug der political correctness: Jeder kleine Scherz auf Kosten der sakrosankten Frauen wird bestraft. Aber auch meine Coaching-Erfahrungen sprechen gegen Ihre These. Die Männer sind neugierig und offen für Frauen. Wie lassen sich sonst die Frauenförderprogramme erklären? Warum werden Frauen allerorten gepäppelt und bevorzugt, wenn man sie nicht an der Spitze sehen will?

Hier spielt meiner Meinung nach rein, dass ein gewisses Frotzeln und ein Scherz auf Kosten des Anderen bei Männern ein Spiel innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz ist, dass nicht unbedingt feindselig sein muss, sondern auch eine gewisse Nähe erzeugen kann. Es geht insofern darum, dass man deutlich macht, dass man so vertraut ist, dass man sich diese Scherze erlauben kann, dass sie nicht als Angriff verstanden werden. Es sind insofern „Costly Signals“ die Signalisieren, dass man dem anderen genug vertraut, dass er daraus keine Fehlschlüsse herleitet und es als Angriff überbewertet. Was auch gleich deutlich macht, warum es so fatal sein kann sich wegen dieser Sprüche aufzuregen.

Natürlich können es innerhalb dieses Spiels auch Tests oder tatsächliche Provokationen sein, was dann ernster zu nehmen ist. Dann allerdings hängt es ebenfalls damit zusammen, wie man sie behandelt: Auch auf dem Schulhof hat der wenig Respekt verdient, der bei einem Streit zur Lehrerin ging und den anderen anschwärzte. Insofern eine schwierige Lage: Wer zu heftig reagiert, verliert Status, wer zu viele Spitzen gegen sich ergehen lässt ebenfalls. Männer sind dieses Spiel vielleicht einfach gewohnter.

Und zu den gläsernen Decken:

Sie finden also, es gibt keine gläserne Decke?

Doch, ich würde sogar sagen, die Top-Manager bunkern sich hinter massiven Mauern ein. Aber diese Mauern sollen Konkurrenten aller Art fernhalten, nicht nur Frauen. Es ist ein Irrtum, dass Männer nur mit Männern solidarisch sind und sich die Frauen deshalb gegen sie verschwören müssten. Das ist einer der größten Trugschlüsse der Frauenbewegung.

Das ist ein Aspekt, der gerne Übersehen wird: Männer sind nicht ein einiges Netzwerk, aus dem die Frauen ferngehalten werden. Sie stehen alle ebenfalls in Konkurrenz untereinander und kämpfen dort um den Aufstieg nach oben. Wenn ein Bündnis mit einer Frau ihnen mehr bringt als ein Bündnis mit Männern oder sie andere Vorteile davon haben, Frauen zu unterstützten (zB politisch korrekter erscheinen oder einen als gefährlich eingeschätzten Mann ausbremsen, indem man eine weniger gefährliche Frau mit Frauenförderung nach oben bringt) dann werden sie das machen.

Und zu Veränderungen durch Frauen:

Könnte eine gesunde Mischung von Führungsfrauen und -männern die Spielregeln gemeinsam in Richtung von mehr Chancengleichheit verändern?

Das ist eine Illusion. In der Wirtschaft kommt nach oben, von wem sich ein Unternehmen Gewinne verspricht. Sie werden nicht Vorstand, wenn Sie signalisieren, Sie wollen eine menschliche Arbeitswelt schaffen und alles schön sozial machen. Wer Macht will, muss dem System dienen – ganz unabhängig von der Geschlechterfrage.

Klingt ganz schön düster.

Ich kenne einfach zu viele erfolgreiche Frauen, die sich ganz locker mit diesem harten System arrangieren, davon massiv profitieren und es sogar vorantreiben. Diese Frauen sind nicht besser als Männer – sie sind die besseren Männer!

Haben Sie dafür Beispiele?

Hat Margaret Thatcher ein soziales Großbritannien geschaffen? Zeigt IWF-Chefin Christine Lagarde Mitgefühl mit der wirtschaftlichen Not der Griechen? Macht Angela Merkel Anstalten, die EU zu einer Wertegemeinschaft zu entwickeln? Dreimal nein. Diese Frauen machen nichts anders, als Männer es gemacht hätten.

Es ist schon lustig, dass die Interviewerin es als düster empfindet, dass Unternehmen Geld verdienen wollen und Leute nach oben bringen, die dafür sorgen, dass sie das machen. Soziale Maßnahmen müssen insoweit in Geld auszudrücken sein: Zufriedenere Arbeiter, Anwerben von besseren Kräften, besseres Image, dass alles können Erfolge sein, die sich niederschlagen. Aber die sind eben nicht einfach nur typisch weiblich.

Und zur Hausarbeit:

Frauen mögen sich die Berufswelt erarbeitet haben, aber Männer nicht die Haushalte.

Kein Wunder: Es ist den Frauen gelungen, durch ihr Streben in den Beruf das Ansehen dieser Aufgaben so massiv abzuwerten, dass niemand sie mehr machen will. Wir haben gepredigt: „Daheim verblöde ich, Kindererziehung reicht nicht.“ Kein Wunder, dass kein Mann daheim bleiben will. Man erobert nur etwas, das verteidigt wird

Also bitte, wer hatte jemals Lust auf Hausarbeit? Kindererziehung ist noch eine andere Sache. Jedenfalls gewährt der Beruf finanzielle Unabhängigkeit.

Ach was, die Frau wechselt nur die Abhängigkeit – vom Ehemann zum Arbeitgeber. Und wollen Sie stattdessen die Männer in die Abhängigkeit der Ehefrau schicken? Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will Frauen nicht am Herd sehen. Mich wurmt es, dass heute einfach niemand mehr am Herd stehen will, niemand gern die Kinder erzieht und die Alten pflegt. Die Gesellschaft sollte Männern und Frauen helfen, auch die schönen Seiten dieser Aufgabe zu genießen.

Es ist etwas wahres daran: Für Männer lohnt es sich nicht unbedingt Hausmann zu werden, wenn dieser Job als schlecht gilt. Man kann ihn nicht als gut für Männer darstellen und andererseits die Unterdrückung der Frau aus ihm ableiten. Hinzu kommen noch die speziellen Männerprobleme in diesem Bereich: Geringer Status, geringes Geld, geringe Nachfrage nach Männern mit wenig Status und wenig Geld.

Und zum Ton in der Geschlechterdebatte:

Wie erklären Sie es sich, dass jedes Jahr mindestens ein Buch erscheint, in dem eine Frau anderen Frauen vorwirft, zu lahm, zu machtgeil, zu doof oder zu lieb zu sein?

Ich habe die Frauen nur so offen kritisiert, wie die Männer längst kritisiert werden. Aber ich fürchte, Sie müssen sich von zwei Illusionen verabschieden: Frauen sind nicht nur sehr unterschiedlich, sie sind unsolidarisch. Warten Sie ab, wenn erst viele Frauen um Spitzenpositionen konkurrieren. Ich fürchte, dann geht der Kampf erst richtig los.

Ich glaube auch nicht an eine zu starke Geschlechtersolidarität, weder bei Männern, noch bei Frauen. Beide Geschlechter bestehen nun einmal zwangsläufig aus Einzelwesen, die sich, wenn sie in einer Konkurrenzsituation stehen, an ihren eigenen Interessen orientieren. Wenn die eine Frau meint, dass ihr ein Mann als Verbündeter besser passt oder sie mehr fördert, dann werden sie eben ihr möglichstes tun, um die andere Frau aus dem Rennen zu werfen. Ebenso werden es die Männer machen

Armageddon: Ein Heldenepos mit einer Ansammlung von Alphamännern

Der Sonntag ist ja zum Rumgammeln da. Gerade läuft die Wiederholung von Armageddon.

Der Film ist eine unglaubliche Ansammlung von Alphamännern. Bruce Willis als Harry Stamper ist ein absoluter Alphamann, emotional etwas eingeschränkt, aber immer in voller Kontrolle der Situation, außer bei seiner Tochter, die er über alles liebt und (über-)beschützen will, immer Anführer,  A.J. Frost (Ben Affleck) ist der aufstrebende junge Alpha, der nie nachgibt um nach oben zu kommen, der Konflikt zwischen ihm und Harry, der eh schon bei der Arbeit besteht wird durch seine Beziehung zu Harrys Tochter noch verschärft, Dan Truman (Billy Bob Thornton) als NASA Chef ist immer beherscht, versucht Ordnung ins Chaos zu bringen, lenkt die Meute von Bohrern. Der Pilot, der meint, der letzte zu sein, der den Erfolg gegen die inkompetenten Bohrer retten zu können. Der Rest der Crew dient auch dem Comic Relief, ist aber ansonsten relativ unbekümmert angesichts des drohenden Weltuntergangs und immer für einen Spruch gut. Auch die Frauen, sofern sie nicht Love-Interest/Tochter sind (Liv Tyler) sind ebenfalls hart und bestimmt, Alphafrauenheldinnen, wie beispielsweise die Pilotin/Ausbilderin.

Ein klassischer Heldenactionfilm. Das Ende ist etwas kitschig, der Pathos an einigen Stellen etwas viel aber ich finde die Charakterzeichnung ganz gelungen. Bereits die Einführungsszene, in der Bruce Willis von der Ölplattform aus Umweltaktivisten mit Golfbällen beschießt zeichnet ein Bild des Alphamannes, der sein eigenes Bild macht.

Selbst bei einem Weltuntergangsfilm, bei dem die Helden die Welt retten, was ja eigentlich eine ausreichende Motivation sein sollte, wird das ganze noch auf eine menschlichere Ebene gebracht und mit klassischen evolutionären Zielen verknüpft, die wir Menschen besser emotional begreifen können als das Retten eines Planeten (!): Dem Beschützen des Nachwuchs und die Liebe zu einer Partnerin/dem Nachwuchs und dem Wunsch, dass Personen, die einem nahe stehen, den eigenen Wert erkennen und einen dafür bewunden.

Das wird neben den Szenen mit Liv Tyler auch an einer Szene deutlich, in dem einer der Bohrmänner am letzten Tag noch einmal Frau und Kind besucht, die von ihm getrennt leben:

Denise: What are you doing here?

Chick: I was just passing by on the, uh, I came…

Tommy: [comes onto the porch with a toy] Who’s he?

Denise: That man’s a salesman. Would you go inside? Thank you.

Chick: [Tommy goes inside the house] He got big.

Denise: You can’t come around like this. The court says you can’t. It confuses him.

Chick: No I know. I just… I wanted to say that I’m sorry about everything, and… I got something coming up, something kinda big. You just might be proud of me. Would you do something for me? Would you just give him this. You don’t have – you don’t have to tell him who it’s from just…

[puts a toy shuttle on the porch]

(…)

Später sieht der Junge die Startvorbereitungen zur Mission:

Tommy: Mom, that salesman’s on TV.

Denise: That man’s not a salesman. That’s your daddy.

Vergebung und Anerkennung durch statusaufbauende heldenhafte Taten. Klassisch.

Im poststrukturalistischen Feminismus würde man wohl sagen, dass es ein Haufen heteronormativer Kackscheiße ist, der die bestehenden Rollenbilder stützt und ein Bild hegemonialer Männlichkeit stützt, ein Machwert des Patriarchats also.

Mir scheint es realistischer, dass wir aufgrund unser evolutionären Vergangenheit auf solche Charaktere reagieren.

David Geary: Male, Female

David Geary ist mit „Male, Female“ ein herausragendes Buch gelungen.

David Geary stellt in seinem Buch „Male, Female“ die evolutionäre Entwicklung von Geschlechterunterschieden dar. Dabei geht er äußerst systematisch vor.

Eine kurze Übersicht über den Inhalt:

  • Erstes Kapitel: Eine kurze Einführung zum Thema und zur Vorgehensweise
  • Zweites Kapitel: Eine Darstellung der Gründe für die verschiedenen Geschlechter und die Mechanismen der natürlichen Selektion. Es werden die Gründe und Vorteile der sexuellen Reproduktion, die evolutionär wirksamen evolutionären Drücke, die Red Queen Theorie etc dargestellt
  • Drittes Kapitel: Es wird die sexuelle Selektion in ihren Gründzügen dargestellt. Dabei wird auf die verschiedenen Kosten des Sexes eingegangen und auf die darauf folgende Konkurrenz um gute Partner, sowohl durch intersexuelle Konkurrenz als auch durch intrasexuelle Konkurrenz. Es geht also um Partnerwahl und Monopolisierung von Partnern. Dabei erfolgt eine Darstellung über die verschiedenen Formen dieser Selektion.
    • üblicherweise werden Männer, gerade bei Säugetieren weniger in den Nachwuchs investieren, für sie lohnt es sich daher weitere Partner nach einer Befruchtung zu besorgen, was eine starke Konkurrenz um die Weibchen auslöst. Er stellt dar, dass die These, dass männliche Säugetiere stärker um Paarungspartner konkurrieren und weibliche Säugetiere üblicherweise wählerischer in ihrer Partnerwahl sind und mehr in die Versorgung des Nachwuchses investieren für die überwiegende Mehrzahl der Säugetiere bestätigt werden kann, geht dann aber auch auf die Tiere ein, bei denen dies nicht so ist, die ein „Sex-Role-Reversal“ durchführen und benennt die evolutionären Gründe und Besonderheiten dafür.
    • Er behandelt die Frage, nach welchen Kriterien die Partnerwahl erfolgt und wie dies mit „guten Genen“ zusammenhängt, gerade unter Berücksichtigung eines guten Immunsystems und allgemeiner Gesundheit. Er geht auf die Vererbbarkeit dieser Eigenschaften ein, auf costly Signaling und die Handicap-Theorie, auf Spermienkonkurrenz und Besonderheiten im weiblichen Reproduktionstrakt, die eine Befruchtung durch einen guten Partner wahrscheinlicher machen.
    • Er stellt zudem dar, dass auch der direkte Zugang zu den Weibchen oder die Kontrolle benötigter Ressourcen als Strategie gewählt wird, um die Fortpflanzung mit einer Bestenauslese im Wege der intrasexuellen Konkurrenz zu ermöglichen. Gleichzeitig stellt er auch dar, dass diese Strategien in einigen Spezien auch von Weibchen verwendet werden und führt die biologischen Gründe dafür an
    • Kurzum: David Geary ordnet die verschiedenen Möglichkeiten, Sexualität und Partnerwahl zu gestalten in Systeme ein, die gewissen Regeln folgen. Dabei erfolgt diese Einordnung ganz allgemein und ist nicht auf Menschen bezogen, sondern auf allerlei andere Lebewesen. Alle Konstellationen kommen vor, machen Sinn, man versteht, warum sie sich entwickeln konnten und warum gerade diese Spezies sich dazu entwickelt hat, diesen Weg zu verfolgen und nicht einen anderen. Und das faszinierende an diesem sich entwickelnden System ist, dass man bereits erahnt, wo sich der Mensch einordnen wird, man sieht die Argumente dafür bereits in dem System, man begreift, warum die Evolution hier bei einem bestimmten Ergebnis gelandet ist.
  • Im Vierten Kapitel baut David Geary sein entwickeltes System weiter aus und stellt nun dar, wie andere Faktoren, wie etwa die Lebenserwartung, in dieses System passen und wie die Lebenszyklen der Lebewesen ganz allgemein zu ihren Lebensumständen passen und sich an diesen ausrichten. Dabei erläutert er verschiedene Strategien, wie etwa auf eine Vielzahl von Nachkommen mit „geringer Qualität“ zu setzen bei kurzer Lebenszeit und bei langer Lebenszeit auf wenige Nachkommen mit „hoher Qualität“ (die durch hohe Betreuungskosten erkauft wird) zu setzen. Es wird dargestellt, welche Funktion die verschiedenen Lebensphasen haben, also etwa die Frage, ab wann ein Lebewesen Erwachsen wird und wie sich sexuelle Strategien darauf auswirken (zB indem bei starker intrasexueller Konkurrenz zwischen Männchen diese später erwachsen werden als die Weibchen, damit sie sich voll entwickeln können, bevor sie als Konkurrenz angesehen werden). Es wird dargestellt, wie und unter welchen Umständen sich Vaterschaft entwickeln kann, wie sich Geschlechterunterschiede auf körperliche Unterschiede, das Spielverhalten und das soziale Verhalten auswirken, alles aber nach wie vor abstrakt und unter Darstellung der verschiedenen Systeme im Tierreich und die Gründe dafür. Es wird auch auf das Wechselspiel zwischen den Genen und der Umgebung beim Aufwachsen eingegangen.
  • Im fünften Kapitel nährt sich David Geary dem eigentlichen Thema „Menschen und geschlechtliche Unterschiede“ langsam, in dem er die sexuelle Selektion bei Primaten und während der menschlichen Evolution darstellt.
    • Ein Hauptaspekt ist dabei „Male-Male-Competition“, also der Wettbewerb unter den Männchen um die Weibchen und die Auswirkungen weiblicher Partnerwahl. Dabei stellt er über die verschiedenen Primatenarten die dortige Vorgehensweise dar und erläutert, warum bei diesen soziale Dominanz so wichtig für die Fortpflanzung ist. Es geht dabei insbesondere darum, dass Männchen versuchen, den Zugang anderer Männer zu den Weibchen durch Drohungen und Gewalt einzuschränken. Dabei ist die Entwicklung einer Dominanzhierachie oft hilfreich. Er verweist darauf, dass DNA-Proben nachgewiesen haben, dass dominante Primatenmännchen mehr Nachkommen haben, wenn auch nicht immer so viele, wie es nach ihrem Platz in der Hierarchie der Fall sein müsste. Er stellt dar, dass Schimpansen auch als Gruppe mit anderen, benachbarten Schimpanzengruppen konkurrieren und in Kämpfen Schimpansen der anderen Gruppe, gerade wenn sie von dieser isoliert sind, töten. Diese Konkurrenz unter den Gruppen erlaubt der siegreichen Gruppe ihre Territorium zu vergrößern und mehr Ressourcen zu erlangen, was dann auch den Frauen der Gruppe zugute kommt. Es werden dann einige Aspekte der weiblichen Partnerwahl bei Schimpansen besprochen, ebenso wie female-female-Kompetition und männliche Partnerwahl, beispielsweise indem dargestellt wird, warum männliche Schimpansen ältere Schimpansinnen sehr jungen vorziehen (weil diese besser in der Kinderbetreuung sind und Schimpansen keine langfristige Bindung eingehen).
    • Von den Betrachtungen der Primaten und nach Darlegung der dort herrschenden Grundlagen, die mit den allgemeinen Strategien aus den vorherigen Kapiteln abgeglichen und in Verbindung gebracht werden, geht es dann zu unseren Vorfahren der Menschen. Es wird dargestellt, was an Fossilien vorhanden ist, was man über Männer und Frauen aus diesen ablesen kann und welche Schlußfolgerungen daraus gezogen werden können. Beispielsweise wird dargestellt, dass bei unseren Vorfahren vor etwa 4 Millionen Jahren die Männer noch deutlich größer waren als die Frauen, was auf polygny und starke Konkurrenz unter Männern (male-male-competition) hindeutet. Die Unterschiede sind aber mit der Zeit, auch wenn sie heute noch existieren, zurückgegangen. Die Fossilien und die dort zu erkennenden Unterschiede werden dann in die bei den Primaten entdeckten Schemata eingeordnet. Dabei kommt David Geary zu der These, dass die Vorfahren, gerade australopithecine Vorfahren, im Verhalten eher den Gorillas ähnelten als unseren näheren Verwandten, den Schimpansen und Bonobos. Es werden dann die Auswirkungen dieser Theorien auf das Verständnis der evolutionären Geschichte der Fortpflanzungsstrategien der Menschen dargestellt.
  • Im sechsten Kapitel stellt David Geary die Evolution der Vaterschaft dar. Er verweist noch einmal darauf, dass die Übernahme der Kindesbetreuung und Versorgung durch das Männchen im Tierreich sehr selten ist und auch bei den Primaten selten. Schimpansen und Bonobos beispielsweise kümmern sich nicht viel um den Nachwuchs. Er vertieft hier seine Theorie, das wir bezüglich dieser Theorien näher am Gorilla sind. Es werden die Kosten und Vorteile der Vaterschaft dargestellt, auch in Bezug auf die Gefahr in fremden Nachwuchs zu investieren. Es wird dann dargestellt, wie die Vaterschaft über die menschlichen Kulturen hinweg ausgeübt wird und das übergreifend und im Schnitt betrachtet Frauen üblicherweise mehr in die Elternschaft investieren als Männer. Es werden die Faktoren betrachtet unter denen sich eine Investition des Vaters lohnt und die Mechanismen, die dabei beim Menschen bestehen, über die Genetik, die Hormone, die Qualität der Beziehung zu dem Partner und zu kulturellen Unterschieden, mit denen mit dieser Interessenlage umgegangen wird.
  • Im siebten Kapitel geht es um die Partnerwahl beim Menschen. Es werden verschiedene Wahlsysteme dargestellt, insbesondere auch die Partnerwahl durch die Eltern des Paares. Es werden die Auswahlkriterien der Männer und Frauen besprochen, zB in Verweis auf D. M. Buss (vgl auch Männer finden körperliche Schönheit attraktiv, Frauen finden sozialen Status attraktiv). Er stellt dar, dass Männer bei Frauen Aussehen höher bewerten, Frauen hingegen Einkommen. Es werden die verschiedenen Vorlieben mit den dahinter stehenden biologischen Strategien abgeglichen und diese mit den Partnerwahlkriterien und Strategien aus den ersten Kapiteln verglichen.
  • Im achten Kapitel geht es um die Konkurrenz um Partner. Hier stellt David Geary dar, dass Darwin insbesondere die Konkurrenz der Männchen um die Weibchen behandelt hat, weil diese im Tierreich häufiger ist, bei Menschen aber eine besondere Lage aufgrund der aktiven Vaterschaft besteht. Um so mehr Männer in den Nachwuchs zu investieren bereit sind um so eher konkurrieren auch die Frauen um die Männer. Es wird dann ein Kulturvergleich bezüglich des Konkurrenzkampfes um Frauen durch die Männer vorgenommen. Dabei wird dargestellt, dass der Konkurrenzkampf insbesondere über kulturellen Erfolg geführt wird. Männer in allen Kulturen sind hoch motiviert einen hohen sozialen Status zu erlangen und sich die in der Kultur als wertvoll angesehenen Ressourcen zu verschaffen. Das sind insbesondere die Ressourcen, die benötigt werden, um ein Überleben zu unterstützen und um interessante Paarungspartner anzuziehen. Dabei ist es kulturell bedingt, ob dies eine Kuhherde oder ein modernes Arbeitseinkommen ist. Frauen bevorzugen im Gegenzug kulturell erfolgreiche Männer als Partner, diese Männer haben daher mehr „reproduktive Optionen“. Dabei verweist David Geary aber auch darauf, dass dieses Streben nach kulturellen Erfolg nicht nur unter Berücksichtung tatsächlicher weiblicher Wahl, sondern auch unabhängig davon. Diese bei den Menschen vorgefundenen Verhaltensweisen werden dann wieder in die vorher im Tierreich erarbeiteten Theorien eingebettet und mit den Theorien zu unser evolutionären Entwicklung sowie mit der Forschung zu Geschlechtshormonen, Risikobereitschaft und genetischen Erwägungen abgeglichen.
    Dann folgt eine Betrachtung der weiblichen Konkurrenz untereinander um gute Männer.  Dabei wird Schönheit und die kulturelle Betonung von Schönheitsmerkmalen sowie die Abwertung der Schönheit anderer Frauen als Strategie angeführt. Ebenso wird dargestellt, dass Frauen soziale Informationen über Konkurrentinnen manipulieren und auch andere Wege nutzen um Konkurrentinnen von potentiellen Partnern fernzuhalten oder deren Freundschaft mit anderen Frauen zu behindern. Es wird auch dargestellt, dass gerade in Gesellschaften die auf Monogamie aufbauen, Frauen ebenfalls um kulturelle Ressourcen konkurrieren, wenn auch nicht so deutlich wie Männer.
  • Im neunten Kapitel wird die Evolution und die Entwicklung des menschlichen Gehirns dargestellt. Dabei wird davon ausgegangen, dass Männer und Frauen aufgrund ihrer verschiedenen evolutionären Interessen und Partnerwahlstrategien auch verschiedene Interessen daran haben, ihre Umgebung zu gestalten um diese effektiv kontrollieren zu können. Die dahinter stehenden Motive werden auf die Geschlechterunterschiede in der elterlichen Investition und bei den Kosten und Vorzügen der sexuellen Konkurrenz zurückgeführt. Aufgrund dieser haben Männer und Frauen im Schnitt andere soziale und politische Vorstellungen. Frauen hätten nach seiner Vorstellung eher eine Vorliebe für die gleiche Verteilung von sozialen Ressourcen und eine größere Investition in Kinder (zB über geförderte Kindergartenpläzte), während Männer eher eine Politik unterstützen würden, die auf eine Dominanz ihrer Gruppe ausgerichtet ist. Es wird dargestellt, dass der Wunsch von Männern, mehr sexuelle Partner zu haben als Frauen dies wollen, sich auch in von ihnen gewählten sozialen Strategien niederschlägt. Ebenso wirkt sich die Konkurrenz darauf aus, inwieweit über emotionale Gesichtsausdrücke Emotionen mitgeteilt werden und inwiefern diese verborgen werden. Männer verbergen dabei ihre Emotionen üblicherweise mehr.
  • Das zehnte Kapitel stellt die Geschlechterunterschiede in der Kindheit und beim Spielen dar. Ausgehend von der in vorherigen Kapitel dargestellten These, dass die Kindheit dazu dient, dass Lebewesen auf sein Erwachsensein und die diesbezüglichen Anforderungen vorzubereiten. Dabei wird dargestellt, dass viele der körperlichen Unterschiede, die sich im Laufe des Erwachsenwerdens zeigen, in einem direkten Zusammenhang mit der Konkurrenz unter Männern (male-male-Competition) stehen. Dabei wird auch ein interessanter Aspekt betrachtet, nämlich die Auswirkung von Fernkampfwaffen (zB Wurfspeer) auf die Evolution des Menschen. Diese erfordert zB kräftige Brustmuskulatur, die bei Frauen gerade nicht entwickelt ist. Damit einher geht dann die Fähigkeit die Flugbahn von Speeren zu berechnen etc. Es wird dargestellt, dass die Geschlechterunterschiede am Anfang oft geringer sind und dann mit fortschreitendem Alter größer werden. Es wird dargestellt, welche Form des Spiels für Mädchen und Jungen typisch ist und wie dies mit der Vorbereitung auf das Erwachsenenalter zusammenhängt. Unterschiede sind dabei beispielsweise das Spielen mit Kampfsituationen, das Betreuen von Kindern, die Erkundung der Umgebung, das Spielen mit Objekten und Werkzeugnutzung. Jungen, die später innerhalb der Male-Male-Competition überleben müssen, sollten dann eben eine Vorliebe für „rough and tumble-Play“, also für Toben und Raufen haben, weil sie Jäger werden auch eher die Gegend erkunden können und Werkzeuge und Waffen erstellen wollen. Mädchen müssten hingegen eine Vorliebe für spielerische Kinderbetreuung und soziale Situationen haben, um so ihr Erwachsenenleben (in der Steinzeit) meistern zu können.
  • Im Kapitel Elf geht es immer noch um das Erwachsenwerden, allerdings steht diesmal die soziale Entwicklung der Mädchen und Jungen im Vordergrund. Dabei stellt David Geray dar, dass Mädchen und Jungen etwa ab 3 Jahren ihre Gruppen nach Geschlechtern trennen. Die sozialen Aktivitäten untereinander werden in einen evolutionären Rahmen eingebettet und es wird aufgezeigt, wie sich die Geschlechterunterschiede zu den reproduktiven Strategien verhalten, die in früheren Kapiteln dargestellt werden. Es werden die verschiedenen Wege beleuchtet, nach denen Männer und Frauen soziale Netzwerke bilden (vgl hier für Männer) und dies in einen Zusammenhang mit intrasexueller Konkurrenz gebracht. Dann wird noch auf die kulturelle Unterschiede und die sozialen Anteile an Unterschieden eingegangen.
  • Im zwölften Kapitel wird auf psychologische Geschlechterunterschiede eingegangen. Dabei werden Geschlechterunterschiede im Gehirn und in den geistigen Fähigkeiten besprochen und die Verbindung zu den Geschlechterunterschieden in der Wahl der Paarungspartner und dem Kampf um Parungspartner dargestellt. Es werden Unterschiede in der Gehirngröße und Gehirnorganisation besprochen, sowie die Auswirkung pränataler und postnataler Hormone. Ebenso wird auf die unterschiedliche Expression bestimmter Gene bei den Geschlechtern eingegangen. Dabei geht es weniger um die evolutionäre Erklärung als um die Darstellung vieler Unterschiede. Allerdings werden auch mögliche Ursachen angesprochen und eine Einordnung in die verschiedenen bereits dargelegten Systeme vorgenommen. Es wird ebenso behandelt, inwieweit Geschlechterunterschiede bei der Verarbeitung sozialer Informationen und dem Verstehen anderer Leute bestehen. Beispielsweise führt er an, dass Mädchen und Frauen, die mit Rivalen des gleichen Geschlechts konkurrieren, dies meist auf einer nicht physischen Ebene tun, sondern auf einer Beziehungseben – über Gerüchte, Tratsch, Abwertung von Konkurrentinnen etc und daher auch die entsprechenden gehirnbezogenen und kognitiven Systeme entwickelt haben um innerhalb diese beziehungsbezogene Aggressivität konkurrieren zu können. Männer hingegen haben, da Auseinandersetzungen eher auf einer körperlichen Eben abliefen, mehr Muskeln entwickelt. Für andere Bereiche werden entsprechende Betrachtungen vorgenommen
  • Im dreizehnten Kapitel geht es dann um Unterschiede in biologischen und physikalischen Fähigkeiten. Dabei geht es bei biologischen Fähigkeiten um das intuitive Verständnis von Pflanzen und Tieren. Die bestehenden Studien über traditionelle Kulturen legen dabei nahe, dass Frauen ein größeres Wissen über Pflanzen und Männer über Tiere haben. Allerdings bleibt die Frage offen, ob es sich hierbei um Gebiete handelt, in denen die Geschlechter aufgrund evolutionärer Vorgänge in dem jeweiligen Gebiet schneller lernen oder ob dies an kulturellen Gegebenheiten liegt. Bezüglich des intuitiven Verständnis physikalischer Vorgänge geht es darum, inwieweit das Gehirn kognitive Fähigkeiten, die Personen gestatten, auf Objekte in der realen Welt zu reagieren, entwickelt hat, sich Gegebenheiten räumlich vorzustellen und Objekte als Werkzeug zu benutzen. Die dabei auftretenden Geschlechterunterschiede werden besprochen und dabei auch auf den Einfluss pränataler und postnataler Hormone eingegangen. Dabei wird beispielsweise dargestellt, dass ein intensiver körperlich geführter Wettkampf unter Männer mit Wurfwaffen und auch die Jagd dazu geführt haben könnte, dass Männer Objekte mit Wurfwaffen besser treffen, aber auch besser einschätzen können, ob Objekte sie treffen und die Objekte besser Abwehren oder ihnen Ausweichen können (der Selektionsvorteil ist recht einsichtig). Diese Fähigkeit verbessert das Drehen von Objekten im Raum und andere Fähigkeiten im räumlichen Denken. Frauen hingegen haben Vorteile dabei, sich die Lage von Objekten zu merken, was auf das Sammeln von Nahrung durch Frauen zurückzuführen sein könnte. Auch insoweit werden Zusammenhänge mit pränatalen und postnatalen Testosteron untersucht.

Die Stärke des Buches liegt insbesondere in der Darstellung der sexuellen Selektion, insbesondere der intrasexuellen Selektion. Deren Bedeutung hatte ich mir vor dem Lesen diese Buches nicht so bewusst gemacht, ich hatte eher auf die intersexuelle Selektion abgestellt. Eine weitere Stärke ist die langsame und gründliche Entwicklung der Standpunkte, angefangen bei allgemeinen Unterschieden im Tierreich und den Gründen dafür, der Einordnung über die Primaten, die Frühmenschen und schließlich der Vergleich mit dem modernen Menschen. Dabei werden alle Betrachtungen mit reichhaltig zitierten Studien belegt und gut aufgearbeitet.

Für den Bereich der intrasexuellen Konkurrenz ist das Buch genial. Andere Aspekte hätte ich gerne in er Kombination noch etwas länger ausgeführt gehabt, aber es ist eher ein geringer Abstrich, dass Buch ist uneingeschränkt empfehlenswert und ein Muss für jeden, der sich mit dem Thema „Geschlecht“ auseinandersetzen will.

Hymowitz zum Gender Pay Gap

Kay Hymowitz zum Gender Pay Gap und warum er nicht verschwindet (via The Spearhead):

Let’s begin by unpacking that 75-cent statistic, which actually varies from 75 to about 81, depending on the year and the study. The figure is based on the average earnings of full-time, year-round (FTYR) workers, usually defined as those who work 35 hours a week or more.

But consider the mischief contained in that „or more.“ It makes the full-time category embrace everyone from a clerk who arrives at her desk at 9 am and leaves promptly at 4 pm to a trial lawyer who eats dinner four nights a week—and lunch on weekends—at his desk. I assume, in this case, that the clerk is a woman and the lawyer a man for the simple reason that—and here is an average that proofers rarely mention—full-time men work more hours than full-time women do. In 2007, according to the Bureau of Labor Statistics, 27 percent of male full-time workers had workweeks of 41 or more hours, compared with 15 percent of female full-time workers; meanwhile, just 4 percent of full-time men worked 35 to 39 hours a week, while 12 percent of women did. Since FTYR men work more than FTYR women do, it shouldn’t be surprising that the men, on average, earn more.

The way proofers finesse „full-time“ can be a wonder to behold. Take a recent article in the Washington Post by Mariko Chang, author of a forthcoming book on the wealth gap between women and men. Chang cites a wage difference between „full-time“ male and female pharmacists to show how „even when they work in the same occupation, men earn more.“ A moment’s Googling led me to a 2001 study in the Journal of the American Pharmacists Association concluding that male pharmacists worked 44.1 hours a week, on average, while females worked 37.2 hours. That study is a bit dated, but it’s a good guess that things haven’t changed much in the last decade. According to a 2009 article in the American Journal of Pharmaceutical Education, female pharmacists‘ preference for reduced work hours is enough to lead to an industry labor shortage.

The other arena of mischief contained in the 75-cent statistic lies in the seemingly harmless term „occupation.“ Everyone knows that a CEO makes more than a secretary and that a computer scientist makes more than a nurse. And most people wouldn’t be shocked to hear that secretaries and nurses are likely to be women, while CEOs and computer scientists are likely to be men. That obviously explains much of the wage gap.

But proofers often make the claim that women earn less than men doing the exact same job. They can’t possibly know that. The Labor Department’s occupational categories can be so large that a woman could drive a truck through them. Among „physicians and surgeons,“ for example, women make only 64.2 percent of what men make. Outrageous, right? Not if you consider that there are dozens of specialties in medicine: some, like cardiac surgery, require years of extra training, grueling hours, and life-and-death procedures; others, like pediatrics, are less demanding and consequently less highly rewarded. Only 16 percent of surgeons, but a full 50 percent of pediatricians, are women. So the statement that female doctors make only 64.2 percent of what men make is really on the order of a tautology, much like saying that a surgeon working 50 hours a week makes significantly more than a pediatrician working 37.

A good example of how proofers get away with using the rogue term „occupation“ is Behind the Pay Gap, a widely quoted 2007 study from the American Association of University Women whose executive summary informs us in its second paragraph that „one year out of college, women working full time earn only 80 percent as much as their male colleagues earn.“ The report divides the labor force into 11 extremely broad occupations determined by the Department of Education. So ten years after graduation, we learn, women who go into „business“ earn considerably less than their male counterparts do. But the businessman could be an associate at Morgan Stanley who majored in econ, while the businesswoman could be a human-relations manager at Foot Locker who took a lot of psych courses. You don’t read until the end of the summary—a point at which many readers will have already Tweeted their indignation—that when you control for such factors as education and hours worked, there’s actually just a 5 percent pay gap. But the AAUW isn’t going to begin a report with the statement that women earn 95 percent of what their male counterparts earn, is it?

Im weiteren kommt sie dann auf 7%. Ähnliche Zahlen gibt es auch aus Deutschland:

Dann zu der Frage, ob man aus dem ungleichen Lohn auch auf eine Diskriminierung schließen kann:

The point is that we don’t know the reason—or, more likely, reasons—for the 7 percent gap. What we do know is that making discrimination the default explanation for a wage gap, as proofers want us to do, leads us down some weird rabbit holes. Asian men and women earn more than white men and women do, says the Bureau of Labor Statistics. Does that mean that whites are discriminated against in favor of Asians? Female cafeteria attendants earn more than male ones do. Are men discriminated against in that field? Women who work in construction earn almost exactly what men in the field do, while women in education earn considerably less. The logic of default discrimination would lead us to conclude that construction workers are more open to having female colleagues than educators are. With all due respect to the construction workers, that seems unlikely.

Dies macht meiner Meinung nach deutlich, dass es nicht so einfach ist, einfach nur auf die Zahlen abzustellen. Es passt auch nicht zu den simplen Privilegierungstheorien.

Und zu den Gründen für den Gehaltsunterschied:

Here’s what the authors found: right after graduation, men and women had nearly identical earnings and working hours. Over the next ten years, however, women fell way behind. Survey questions revealed three reasons for this. First and least important, men had taken more finance courses and received better grades in those courses, while women had taken more marketing classes. Second, women had more career interruptions. Third and most important, mothers worked fewer hours. „The careers of MBA mothers slow down substantially within a few years of first birth,“ the authors wrote. Though 90 percent of women were employed full-time and year-round immediately following graduation, that was the case with only 80 percent five years out, 70 percent nine years out, and 62 percent ten or more years out—and only about half of women with children were working full-time ten years after graduation. By contrast, almost all the male grads were working full-time and year-round. Furthermore, MBA mothers, especially those with higher-earning spouses, „actively chose“ family-friendly workplaces that would allow them to avoid long hours, even if it meant lowering their chances to climb the greasy pole.

In other words, these female MBAs bought tickets for what is commonly called the „mommy track.“

Womit wir mal wieder bei der weiblichen Wahl wären, die immer wieder auftaucht:

Das Ganze war hier schon häufiger Thema:

„Warum Frauenquoten dreifach paradox sind“

Die Personalberaterin von Boyen argumentiert im Spiegel gegen die Frauenquote und führt drei Gründe an, warum diese Paradox ist:

Die erste Paradoxie der Quote besteht also darin, dass sie Frauen abwertet, bevor sie anderen Frauen helfen kann.

Nämlich die Frauen, die es bereits nach oben geschafft haben und deren Erfolge dadurch entwertet werden, weil sie mit Quotenfrauen in einem Topf geworfen

Die zweite Paradoxie der Quote lautet daher: Sie bringt eine Segnung, die zwar alle gut finden, die aber für sich selbst kaum eine Frau haben will.

Es ist bemerkenswert, wie oft dieses Argument auftaucht und wie selten es im Feminismus und an anderer Stelle aufgegriffen wird. Frauen haben meist eine Lebensplanung, bei der immer höherer beruflicher Status, auch um den Preis einer Einschränkung der sonstigen Lebensqualität eine geringere Rolle spielt als bei Männern. Was nicht so verwunderlich, da für Männer der Wunsch nach einem hohen Status wesentlich wichtiger war, da er über den Fortpflanzungserfolg entscheiden konnte.

Das Ganze war hier schon häufiger Thema:

Ich halte das für einen sehr wesentlichen Grund, warum gerade an der Spitze, in den stressigsten und zeitaufwändigsten Positionen selten Frauen zu finden sind
Und als drittes Paradox:
Es gibt eine dritte Paradoxie, die für Ärger sorgt: Die Quote will Gleichberechtigung durch Diskriminierung erreichen. Auf der Strecke bleibt eine Menge benachteiligter Männer. Man mag nun einwenden: Was sind schon einige Ungerechtigkeiten gegen die Jahrtausende der Unterdrückung, die Frauen erdulden mussten? Leider wollen aber die wenigsten Männer ihre Karriereentwicklung makrohistorisch deuten. Was sie wollen, ist eine Gehaltserhöhung!
Wir sind eben gerade keine Lebewesen, die ihre eigenen Ziele ohne Not den Zielen der Gruppe unterordnen. Vielmehr sind wir von Genen konstruiert, die daraufhin selektiert worden sind, sich entweder in dem jeweiligen Körper oder aber dem Körper von Verwandten weitergeben zu lassen. Unselbstnütziger Altruismus nützt diesem Ziel meist nicht. Die Frauenquote erfordert bei einer kurzfristigen Umsetzung, dass Männer sehr geringe Chancen auf eine Beförderung haben. Da es keine Kollektivschuld der Männer zugunsten der Frauen gibt ist das für den einzelnen Mann ungerecht. Insbesondere wenn man hinzunimmt, dass ein wesentlich geringer Anteil der Frauen die Jobs überhaupt will. Zu dem Problem auch: „Frauenquote bedroht Männerkarrieren“
Drei Tipps hat die Autorin auch noch:
  • Frauen sollten auch unverdiente Privilegien annehmen und in dieser Hinsicht „männlich denken“
  • Karriereunwillige Frauen sollen es sich noch mal überlegen, Karriere könne Spass machen
  • Männer sollten sich, wenn sie sich diskriminiert fühlen an ihren Gleichstellungsbeauftragten (sic!) wenden und etwas dafür tun, dass sie sich an den Frauen vorbeikämpfen können

Normalverteilungen und männliche Genies und Trottel

Noch einmal aus dem Interview mit Helena Cronin:

There’s also a curious fact — it’s one that’s been uncovered by evolutionary biology — about the shapes of the distribution curves for most male-female differences. Darwin remarked on it and it holds robustly across other species, too. It’s that males are far more variable than females — they are over-represented both at the top of the heap and at the bottom of the barrel. For some characteristics, people might not care. But what about this implication? Fewer women are likely to be dunces but also fewer will be geniuses. When I mentioned this in a seminar in the States, I was sharply corrected by a group of feminists: „There’s no such thing as genius“. I later discovered that this had become a fairly standard ‚feminist studies‘ line. I couldn’t help wondering whether ‚genius‘ had been airbrushed out because there weren’t many women in the picture. Darwinian theory also suggests that it’s important to look at differences in disposition and interests, as well as abilities. Will the top piano student become the international star? Being competitive, status-conscious, dedicated, single-minded, persevering — it can make all the difference to success. And these are qualities that a lot of men are far more likely to possess, often in alarming abundance.

Das Männer eine höhere Ausfallrate, aber auch eine höhere Vertretung in der Spitze haben ist durch Forschung belegt. Es lohnt sich bei männlichen Nachkommen eben mehr, dass Risiko einzugehen, weil auch der potentielle Gewinn höher ist, weil Männer in der Theorie mehr Nachkommen bekommen können als Frauen.

Wenn man annimmt, dass besondere Begabungen es eher ermöglichen, besonderes zu leisten, dann müsste man davon ausgehen, dass Männer in der Spitze deutlich vertreten sind, denn diese Spitze ist ja ein sehr sehr geringer Teil der Menschheit.

Hinzu kommt, dass Männer im Schnitt wettbewerbsorientierter, statusbezogener, auf eine Sache konzentrierter sind als Frauen. Was dann eben ein Talent noch mehr zuspitzen kann.

Natürlich verstößt der Gedanke, dass Menschen besondere Eigenschaften haben, die sie Unterscheiden, auch gegen den Gedanken, dass alle Menschen gleich sind und durch die Gesellschaft geformt sind. Auch wenn dieser Gedanke ansonsten, abseits der auf die Gesellschaft bezogenen Theorien ja häufig geteilt wird. Einen Menschen, der ein besonderes Talent für Musik, Mathematik oder einfach nur ein ganz besonderes Gedächtnis hat, werden die meisten kennen. Die Abwehr dieser Annahme kommt meist nur, wenn man dann davon spricht, dass diese Eigenschaften nicht nur bei einzelnen Menschen, sondern auch bei Geschlechtern verschieden vorhanden sein können und das aus biologischen Gründen des Gehirnaufbaus und der Hormone.