„Der Mann ist demnach das handelnde Subjekt der Weltgeschichte und das Maß aller Dinge.“

In einem Blog fand ich eine Herleitung des Sexismus als etwas, was gerade (weiße) Männer machen:

Sexismus ist nicht einfach immer dann, wenn Menschen benachteiligt sind, die ein Geschlecht haben. Sexismus ist ein Konzept mit historischen und philosophischen Dimensionen, die miteinander verwoben sind.
Ich versuche es so einfach wie möglich zu formulieren.

Wie auch beim Rassismus fängt es mit der Vorstellung an, was normal ist.

Normal ist der (weiße) Mann, das ist ein Narrativ, der sich aus einer langen Geschichtsschreibung ergeben hat, die von (weißen) Männern dominiert wurde und in vielen Teilen der Welt immer noch wird. Der Mann ist demnach das handelnde Subjekt der Weltgeschichte und das Maß aller Dinge.

Als jemand, der sich viel mit der Evolutionbiologie beschäftigt, denkt man vielleicht etwas weiter zurück. Und da würde man erst einmal feststellen, dass es wahrscheinlich schon vor unserem Menschsein Sexismus gab, weil auch in vormenschlichen Gruppen genau wie in heutigen tierischen Gruppen Männer Anführer gewesen sind, eher Kriege geführt haben, eher die damaligen Legenden beherrscht haben, und das ganz überwiegend als schwarze Menschen, denn der weiße Mann ist ja erst wesentlich später, nach der Auswanderung aus Afrika, entstanden.

Die ersten menschlichen Sexisten, soviel ist sicher, waren schwarz. Schlicht weil die ersten Menschen schwarz waren. Aber auch diese Idee, dass nur ein Geschlecht gehandelt hat, wirkt auf mich immer etwas naiv. Auch damals dürfte die Mutter eine wichtige Stellung gehabt haben, dürfte es Schamaninen, wichtige Ehefrauen, Mütter des Anführers oder gar weibliche Anführer gegeben haben, wie es sie heute auch gibt, wenn auch in geringerer Zahl.

In patriarchalen Gesellschaften hatten (und haben) die Männer Namen, Frauen sind „die Frau von“. Männer machten Politik und prägten die Geisteswissenschaften. So entstand ein Kreislauf, in dem Frauen nicht die Möglichkeit hatten, etwas zur Geschichte beizutragen und deswegen Männer sich darin bestätigt fühlen konnten, dass Frauen dazu auch gar nicht imstande sind.

Aus meiner Sicht wesentlichere Gründe als diese rein kulturellen dürften die folgenden sein:

  • Männer sind körperlich stärker als Frauen und weit aus eher auf Kampf hin optimiert.
  • Frauen mussten stillen und Kinder aus Gefahren weghalten, sie waren weitaus häufiger schwanger und sollten auch dann nicht in der Nähe von Gefahren sein
  • Mateguarding ist bei Frauen wichtiger als bei Männern, weil eine schwangere Frau problematischer ist als die Schwängerung einer anderen Frau, das gilt auch bei einer Tochter: Wenn sie von dem falschen geschwängert wurde, dann mussten die Eltern die Kosten für die Aufzucht tragen statt des Vaters. Frauen eher einzuschränken und weniger Freiheiten zu lassen folgt insofern (auch gerade vor der Erfindung von Verhütungsmitteln und vor einer einigermaßen sichern Gesellschaft) aus biologischen Unterschieden

Mitunter ging (bzw. geht) man so weit, Frauen überhaupt einen Intellekt oder gar eine Seele abzusprechen, was sie im Grunde auf die Stufe von Tieren stellt. Ein Mensch, so ist es auch in vielen Sprachen zu erkennen, ist erst einmal ein Mann. Mann ist gleich Mensch. Eine Frau ist ein weiblicher Mensch, also eine Abweichung der Norm.

Das wäre klassisches Beauvoir: Die Frau als das Andere. Bei zwei Geschlechtern mit Arbeitsteilung waren aber beide zu einem gewissen Teil „das Andere“.

Aus der Dominanz der Männlichkeit ergibt sich außerdem ein Konzept von Besitz und Besitztum, sowie von Subjekt und Objekt: Männer sind Subjekte und werden als diejenigen wahrgenommen, die etwas leisten und etwas erschaffen. Sogar die Kraft der Schöpfung wird der Männlichkeit beigeordnet (ungeachtet dessen, dass Kinder schon immer von Frauen geboren wurden). Auch Simone de Beauvoir sieht die schöpferische Transzendenz noch als männlich an, die in sich ruhende Immanenz dagegen als weiblich. Frauen sind Objekte. Sie machen nicht, sie sind. Männer treffen in patriarchalen Gesellschaften Entscheidungen, über Frauen wird verfügt.

Gut, dass über Männer nie verfügt worden ist. Etwa in Weltkriegen, in Bergwerken, in Fabriken oder bei der Frage, wer eher ins Rettungsboot kommt.  Gut das Frauen nie über Männer verfügt haben, etwa über ihre Söhne oder Männer oder ihre Landsleute (die weiße Feder wäre ein Stichwort)

Selbst wenn man das so sehen würde: Wir leben im Jahr 2017. Mit einem Grundgesetz, dass Frauen seit vielen Jahrzehnten gleichstellt. Mit einer Frau als Kanzlerin und Frauen, die jeden Beruf antreten können, den sie wollen.

(…)

Sexismus ist nicht gleich Benachteiligung. Sexismus ist eine Struktur, die unter anderem verschiedene Formen der Benachteiligung bewirkt. Lassen wir die Frage nach der Verhältnismäßigkeit ruhig mal außen vor: der Sexismus, unter dem Männer leiden ist im Prinzip derselbe Sexismus, unter dem die Frauen leiden. Wenn wir gegen den Sexismus kämpfen, dem die Frauen ausgesetzt sind, kämpfen wir ebenso für die Befreiung der Männer von diesem Sexismus. Es gibt nicht den einen und den anderen Sexismus. Ihr müsst Euch nicht gegen Feminismus stellen, es sei denn, Ihr wollt genau den Sexismus, unter dem ihr zu leiden vorgebt, stärken.

Was auch schlecht begründet ist. Warum muss da eine Wesensgleichheit bestehen? Warum können Frauen da nicht ihre eigenen Vorteile sichern, etwa im Familienrecht über Vorteile wie dem Residenzmodell, Unterhalt, dem vorrangigen Behalten und bessern Kontakt zu den Kindern?

Es ist immer wieder erstaunlich, dass diese Theorien, die angeblich so sorgsam darauf achten, dass Frauen keine Objekte sein sollen, sie dann nie Subjekt werden lassen und sie absolut passiv sehen.

Vermutlich wollt Ihr das

Aber Schuldvorwürfe gibt es ja bekanntlich nicht.

„Männer kann man nicht diskriminieren“ als einer der schädlichsten Ansichten für Männerrechte

„Männer können nicht diskriminiert werden“ oder „Einen Sexismus gegen Männer kann  es nicht geben“ ist aus meiner Sicht einer der schädlichsten Ansichten, mit der sich Männerrechtler auseinandersetzen müssen.

Denn mit diesem simplen Satz, der gerne als „wissenschaftliche Erkenntnis“ verkauft wird, lässt sich Männerförderung oder die Abwehr von Sexismus oder die Verurteilung von Abwertungen von Männern leicht abtun, als etwas, was einfach gar nicht in der Agenda aufgenommen werden muss.

Die Argumentation hinter dieser Aussage ist recht einfach:

In der intersektionalen Theorie kann es immer nur eine Gruppe geben, die die Regeln für die Gesellschaft in diesem Bereich vorgibt und die „die Macht“ hat. Das sind im Geschlechterbereich, wie man an den Vorstandspositionen sieht, eindeutig die Männer. Wenn diese die Macht haben, dann machen sie auch die gesellschaftlichen Regeln und diese sind damit erstens ihr Fehler und zweitens für sie vorteilhaft. Wer die Regeln macht, der kann daher nicht als Opfer angesehen werden, Opfer kann nur sein, wer die fremden, durch gesellschaftliche Macht abgesicherten, also institutionalisierten Regeln gegen sich hat. Im Bereich des Geschlechts also Frauen.

Damit Männer unter institutionalisierten Regeln leiden könnten, müssten diese von Frauen mit Macht ausgestaltet sein. Was unmöglich ist, da Frauen ja nicht in den Vorstandspositionen etc vertreten sind. Sie sind überall dort, wo Macht ausgeübt wird, in der Minderheit. Also kann es keine von Frauen mittels institutionalisierter Macht festgelegte Regeln geben, also auch keinen Sexismus oder keine auf dem Geschlecht beruhende Diskriminierung von Männern.

Allenfalls könnten Männer Regeln aufstellen, die für sie selbst oder Teile der Männer nachteilhaft sind. Das wäre dann aber ihre eigene Schuld. Der Versuch, diese Nachteile zu beseitigen, wäre dann auch allenfalls darauf ausgerichtet, die Rollen noch vorteilhafter für Männer zu machen als sie ohnehin schon sind. Es wäre also nicht etwa Befreiung, sondern Machtausbau.

Der einzige Weg einer legitimen Männerbewegung wäre damit, nicht die Nachteile abzubauen, sondern Männern die Macht zu entziehen und Frauen die Gesellschaft mitgestalten zu lassen, so dass neue, gerechtere Regeln entstehen, die nicht mehr auf institutionalisierter Macht beruhen. Der einzige Weg, wie man also legitim Nachteile für Männer abbauen könnte, wäre der Kampf für Frauenrechte.

Aus dieser Sicht erscheint ein Meme wie dieser hier von „Nohatespeech“ vollkommen berechtigt.

Männerrechtler, wie lächerlich, die wollen doch nur Privilegien sichern

Männerrechtler, wie lächerlich, die wollen doch nur Privilegien sichern

Diese Begründung ist an vielen Stellen angreifbar. Leider wird sie auch kaum wirklich mit Argumenten verteidigt, sondern als geradezu selbstverständlich vorausgesetzt. Für sie notwendige Komponenten wie „Macht“ oder „Institutionalisiert“ oder „Diskriminierung“ werden nicht überprüft oder kritisch hinterfragt, sondern über stark vereinfachte Überlegungen zu den Gruppen „Mann“ und „Frau“ dargelegt. Oft sind die Gedanken dazu eher ein Zirkelschluss. Warum haben Männer Macht? Weil sie die Regeln machen. Machen Männer die Regeln? Klar, sie haben ja die Macht, anders ist es gar nicht möglich. Können Männer institutionalisierte Diskriminierung erleiden? Nein, weil sie die Macht haben und die Regeln machen. Und so weiter.

Was diese Theorie tatsächlich voraussetzt wird häufig gar nicht wirklich aufgeschlüsselt. Es scheint mir das Folgende zu sein:

  • „Macht“ ist etwas, was einer Gruppe zukommt, weil Mitglieder der Gruppe Macht haben
  • Eine Gruppe, die „Macht“ hat, setzt diese für Gruppeninteressen ein
  • Das Einsetzen für Gruppeninteressen erfolgt durch Regeln, die die Macht sichern
  • Nur Gruppen mit „Macht“ können Regeln schaffen und institutionalisieren
  • „Macht“ ist etwas, was aufgrund dieser Regeln besteht und bewahrt wird und nicht aufgrund anderer Faktoren

1. Haben Männer Macht?

Männer, so die gängige feministische Reaktion haben natürlich die Macht. Sie stellen die allermeisten Wirtschaftsbosse, sie stellen die meisten Politiker, sie verdienen mehr Geld (die berühmten 23%), was soll da noch an Macht für Frauen übrig bleiben?

Da schwingt zum einen ein großer Anteil Apex Fallacy oder Gipfeltrugschluss mit, denn es haben eben nicht DIE Männer Macht, sondern einzelne Männer haben Macht. Eine Menge Männer haben aber auch gerade keine Macht. Männer stellen nicht nur die meisten Personen in klassischen Machtpositonen, sie stellen auch die meisten Bettler, Obdachlosen, die meisten Gefängnisinsassen und die meisten Drogensüchtigen. Die Positionen der vom Lebensstandard her niedrigsten Menschen ist also ebenfalls männlich und es besteht damit innerhalb der Gruppe Männer ein großer Unterschied.

2. Verwenden Männer, die Macht haben, diese für die Errichtung gesellschaftlicher Regeln, die die Macht für Männer absichern?

a) Führungskräfte

Die meisten Männer haben nicht die Macht eines Vorstandsmitgliedes, sondern die gleiche Macht, Regeln zu machen, wie jeder andere Mensch auch. Nämlich keine. Und selbst Vorstandsmitglieder haben keine Macht, gesellschaftliche Regeln zu machen. Sie können allenfalls kontrollieren, wer nach oben kommt, indem sie Leute befördern, so dass hier ein „Old Boys Network“ nur Männer nach oben lassen könnte. Auch das würde aber nur einen kleinen Teil der Männer betreffen. Tatsächlich zeigen Untersuchungen eher, dass Frauen durchaus befördert werden würden, würden sie sich auf die Stellen bewerben oder wären sie bereit, sich den Anforderungen dafür zu stellen, die häufig mit einer entsprechenden Beeinträchtigung des Privatlebens verbunden sind. Der wesentliche Faktor dabei, wer weniger verdient, ist nicht das Geschlecht, sondern der Umstand, wer die Kinder betreut. Dazu kann man natürlich anführen, dass genau die Zuweisung der Kindererziehung zu Frauen ja deutlich macht, dass Männer die Regeln machen, sie schieben Frauen diesen Job zu und sich selbst die Jobs, die Geld bringen. Aber das ist eine sehr einfache Betrachtung, bei der nicht berücksichtigt ist, dass zum einen die Frauen üblicherweise an dem Geld der Männer partizipieren und zweitens es durchaus erstrebenswert und ein sehr gewünschtes Ergebnis sein kann, wenn man mehr Zeit mit den Kindern hat.

Demnach müsste man erst einmal definieren, was überhaupt Regeln sind, die Vorteile absichern und welche Vorteile dabei eine Rolle spielen. Der Vorteil für die Kindererziehung von Erwerbsarbeit freigestellt zu sein ist ja nun durchaus etwas, was weit verbreitet als Vorteil angesehen wird. Würde ein Lottogewinner verkünden: „ich habe jetzt so viel Geld, ich habe meinen Job gekündigt und werde mich in Zukunft ganz meinen Kindern widmen“, dann wäre man nicht erstaunt, sondern würde das für durchaus nachvollziehbar halten.

Es stellt sich also die Frage, was man darunter verstehen kann, dass man seine eigene Position absichert:

Hier könnte man schlicht darauf abstellen, das derjenige seine Position absichert, der seine eigenen Vorstellungen von einem guten Leben besser umsetzen kann. Damit könnten dann, wenn Männer und Frauen verschiedene Vorstellungen von einem guten Leben haben, sogar beide ihre Vorstellungen zum Teil umsetzen. Das kann dann auch beinhalten, dass der Mann eher Status und Ressourcen will und die Frau eher eine andere Life/Work-Balance. Bereits dann könnte es dazu kommen, dass die Männer zwar eine starke Konkurrenz um Beförderungen aufgebaut und ausgestaltet haben, dort aber teilweise unter sich bleiben, weil das gar nicht dem typischen Lebensentwurf vieler Frauen entspricht. Frauen hätten demnach die gleichen Möglichkeiten, sich innerhalb dieser Konkurrenz gegen Männer durchzusetzen, so dass es eben nicht darum geht, dass einseitig Männer befördert werden, sondern sie wollen dies gar nicht, weil es ihnen weitaus weniger wert ist.

b) Politiker

Bezüglich der Politiker ist zunächst daran zu erinnern, dass es in Deutschland wie in vielen westlichen Ländern, eine Mehrheit von Frauen gibt, gerade von stimmberechtigten Frauen im Vergleich zu stimmberechtigten Männern. Sie bilden damit die eigentliche Macht, weil Politiker um sie konkurrieren müssen, um gewählt zu werden. Was uns gleich zu einem weiteren nicht berücksichtigten Faktor bringt: Männer, die an der Macht sind, müssen nicht per se Männerinteressen unterstützen. Es kann ihren eigenen Interessen mehr nützen, Fraueninteressen zu vertreten.

c) Hat der Mann als der Haupterwerbstätige per se Macht?

Erzeugt Arbeitsteilung, bei der der eine das Geld verdient, per se Macht? Man könnte darauf abstellen, dass der Mann damit das Geld kontrolliert und die Frau es nur mit seinem Willen einsetzen kann. Das ist jedoch ein sehr schneller Schritt: Es können natürlich andere Faktoren dazu führen, dass er diese Kontrolle über sein Geld aufgibt. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn das Gehalt auf ein Kontro überwiesen wird, bei dem sie ebenso Kontoinhaber ist und sie gleichwertigen Zugriff hat. So dürfte es in vielen Familien ausgestaltet sein, schon aus Praktibilitätsgründen, da  sie einen Großteil der Ausgaben vornimmt.

Eine klassische Verteilung sieht vor, dass sein Geld auf ein gemeinssames Konto geht, von dem aus die Familienausgaben bestritten werden. Die Eheleute haben keinen Ehevertrag gemacht, was bedeutet, dass sie vom Vermögensaufbau, von seinen Rentenanwartschaften und über den Unterhalt auch von seinem Einkommen im gleichen Maße profitiert. Üblicherweise zahlt man von seinem Gehalt noch eine Immobilie ab, bei der beide ins Grundbuch eingetragen sind.

Eine Entziehung des Geldes kommt dabei in den wenigsten Familien vor, so dass diese Machtposition sehr eingeschränkt ist. Eine solche könnte auch über das Familienrecht schnell wieder eingeschränkt werden.

3. Macht von Frauen

Was zudem in der ganzen Betrachtung ausgeblendet wird wäre Macht von Frauen. Neben reinen Ressourcen gibt es auch andere Formen von Macht, wobei man alles als Macht definieren könnte, was einen dazu bringt, dass der eigene Wille durchgesetzt werden kann. Da ist der Umstand, dass Frauen üblicherweise weitaus eher die Entscheidung treffen, ob es überhaupt zu einer Beziehung kommt, der Mann muss dabei die Frau umwerben. Die Zufriedenheit der Frau bestimmt weitaus eher, wie die Beziehung verläuft. Männer stimmen in Streitigkeiten in Beziehungen häufig schlicht zu, weil sie ihre Ruhe haben wollen, was auch bedeuten kann, dass die Frau hier ein mehr an Macht hat. Frauen kontrollieren auch eine für Männer wichtige „Ressource“, nämlich Sex.

Eine Vielzahl von gesellschaftlichen Regeln räumen Frauen Sonderrechte zu und legen Männern Verhaltensregeln auf. Das sind beispielsweise Regeln, dass man Frauen gegenüber Zuvorkommend sein soll, sie beschützen soll, sie Hilfe und Rettung weitaus eher verdient haben als Männer. Dementsprechend führen Männer häufig auch einen Wettbewerb darum, wer nützlicher für Frauen sein kann und wer ihre Gunst eher erlangen kann. Sie nehmen erhebliche Mühen auf sich, um sich in diesem Wettkampf als würdig und beachtenswert zu zeigen und fürchten häufig die Wertungen von Frauen in diesem Bereich. Alle Taten, die typischerweise gegen Frauen verübt werden, gelten als besonders fürchterlich und bestrafenswert.

Das alles sind gesellschaftliche Regeln, die zugunsten von Frauen ausgestaltet sind und nach dem obigen Grundregeln ebenfalls auf Macht von Frauen hindeuten müssten.

4. Macht ist nicht binär

Die Theorie setzt voraus, dass eine Gruppe Macht hat und deswegen die andere Gruppe keine Macht haben kann. Sie sieht Macht also als etwas, was nur im ganzen bestehen kann und ein Nullsummenspiel ist, bei der also ein Machtgewinn der einen Gruppe einen Machtverlust der anderen Gruppe gegenüberstehen muss.

Dagegen kann man ein Modell stellen, welches diese Binarität und das Nullsummenspiel ablehnt. So kann beispielsweise Macht etwas sein, was verschiedene Bereiche betrifft, die üblicherweise einer Gruppe im Schnitt wichtiger sind. Frauen könnten also beispielsweise viele Beziehungsfragen und Fragen des häuslichen Lebens eher ausgestalten und hier die Regeln bestimmen, Männer eher Regeln des Geschäftslebens. Theoretisch könnte daraus sogar, wenn dies für beide Vorteil ist, weil Männer eher diese Regeln machen wollen und Frauen eher jene, folgen, dass es sich nicht um ein Nullsummenspiel handelt, sondern um ein kooperatives Spiel, bei denen beide dadurch, dass sie ihn den ihnen wichtigeren Bereichen ihre Regeln vorfinden, freier handeln können und dadurch einen Kooperationsgewinn erzielen.

Oder man könnte ein Modell darstellen, bei dem sich bestimmte Verhältnisse nicht unbedingt schlicht aus sozialer Macht, sondern aus einer Vielzahl von Faktoren ergeben, zum einen den systemimmanenten Gegebenheiten (etwa: Um Führungspositionen gibt es einen hohen Wettbewerb, weil diese besonders wichtig sind und deshalb besser bezahlt werden), persönlichen Vorlieben, die im Schnitt der Gruppen Geschlecht voneinander abweichen (Männer sind eher bereit für Status lange Arbeitsstunden in Kauf zu nehmen) etc entstehen. Dann wäre es gar nicht per se Macht, die zu diesen Ausformungen führt, sondern diese wären eine Folge davon, wie sich Leute mit den Gegebenheiten arrangieren. Macht wäre in diesem Zusammenhang für viele der auf die Macht zurückgeführten Umstände gar nicht entscheidend und würde daher auch gar nichts darüber aussagen, welches Geschlecht wie Regeln gestaltet.

5. Werden Männer „institutionalisiert benachteiligt“

Welche Strukturen, so wird vielleicht eine Feministin einwenden, bestehen denn, die Männer tatsächlich institutionalisiert benachteiligen, wenn Männer überall in den Machtpositionen sind, Frauen eine lange Geschichte der Unterdrückung haben, die zu einem bestimmten Frauenbild geführt hat und eine Vielzahl negativer Vorurteile geprägt hat, denen Männer eben gerade nicht ausgesetzt sind?

Dazu kann man teilweise nach oben verweisen: Dass Frauen nicht in direkten Machtpositionen sind bedeutet eben nicht, dass für sie keine Macht ausgeübt wird. Und Frauen haben eine der wichtigsten Machtpositionen, die der zahlenmäßig größten Wählergruppe. Sie sind auch in einer sehr starken Konsumentengruppe, über die sie ebenfalls Macht dahingehend ausüben, dass eher ihre Wünsche erfüllt werden.

Aus dem obigen ergibt sich zudem, dass natürlich auch Männer einer Vielzahl von Vorurteilen ausgesetzt waren: Sie galten als weniger schutzwürdig, Angriffe auf sie weniger verwerflich, sie galten als eher entbehrlich und ihr Wert als Mensch wurde ebenso nach ihrer Nützlichkeit bewertet. Die Frau hingegen galt als wertvoll, als jemand, den man nicht angreifen darf und um dessen Gunst man kämpfen und dessen Gunst man erlangen musste.

Frauen brauchen mit diesen Regeln gar nicht unbedingt Frauen in Machtpositionen, es reicht, wenn Männer in Machtpositionen ihre Interessen vertreten wollen.

Das dies geschieht sieht man an einer Vielzahl von Parteien. Die SPD hat sich gar ins Stammbuch geschrieben, dass man um die menschliche Gesellschaft zu erreichen, die männliche Gesellschaft überwinden muss. Alle Parteien haben Frauenverbände. Die Grünen betreiben offene Männerabwertungen. Familiengesetze sind weitaus eher auf die Absicherung der Frau ausgerichtet als auf die des Mannes. Ausschüsse zum Familienrecht sind demnach auch üblicherweise mit einer Mehrheit von Frauen besetzt und es gibt ein eigenes Ministerium, welches für Frauenbelange, aber nicht für Männerbelange zuständig ist. Frauenbeauftragte sichern Frauen weiter gegen Diskriminierung ab. Frauenförder- und Schutzprogramme gibt es in reichem Maße. All dies sind durchaus Absicherungen weiblicher Macht.

Dem Mann wurde also seine Rolle als der Starke, den man nicht beschützen muss und der schon alleine zurecht kommt, zum Verhängnis. Ironischerweise bedient „Männer können nicht diskrimiert werden“ genau dieses Basis weiblicher Macht.

Chauvinismus und Feminismus

Meinungen und Deinungen stellt in einem interessanten Artikel die Definition von Chauvinismus dar:

3. Die Abwertung, Verunglimpfung und Bevormundung eines Geschlechts aufgrund der Überzeugung, das dieses Geschlecht per se dem anderen unterlegen ist und somit keine gleiche Behandlung verdient hat.

Ich ergänze um eine Passage aus der Wikipedia:

Von der Frauenbewegung wurde in den 1970er Jahren der Begriff male chauvinism (englisch für „männlicher Chauvinismus“) geprägt. Er bezeichnet patriarchalisch geprägte bzw. sich so verhaltende Männer, die glauben, allein aufgrund ihres Geschlechts einen Überlegenheitsanspruch über Frauen herleiten zu können (siehe auch Machismus). Reiner Frauenhass wird als Misogynie bezeichnet. Androzentrismus dagegen bezeichnet eine gesellschaftlich/überindividuell praktizierte Denk-, Sicht- und Orientierungsweise (z. B. von Institutionen), nach der eine Überlegenheit von Männlichkeit nicht direkt behauptet, sondern eine männlichkeitsorientierte Perspektive unhinterfragt in den Mittelpunkt gestellt wird. Das gesellschaftlich dem „Weiblichen“ Zugeschriebene wird hingegen als Abweichung vom vermeintlich Normalen aufgefasst, bis dieses somit – ähnlich wie bei anderen Zentrismen – erst indirekt, verdeckt und schließlich auch praktisch zu etwas Unterlegenem wird

Das es männlichen Chauvinismus gibt ist denke ich durchaus klar: Es gibt natürlich Männer, die meinen, dass Frauen in die Küche gehören und der Mann in der Familie und der Gesellschaft das sagen haben sollte.

Es dürfte sich jedoch entgegen feministischer Vorstellungen um eine zumindest in der westlichen Welt eher selten anzutreffende Einstellung handeln.

Interessanter finde ich die Frage, wie chauvinistisch der (radikale/poststrukturalistische/gegenwärtige) Feminismus selbst ist.

Abwertungen eines Geschlechts, von Male Tears bis zu „Dudes“ sind da ja an der Tagesordnung und von einem Ally, also einem Verbündeten, wird erwartet, dass er such unterordnet, den Frauen zuhört und versteht. Mitdiskutieren darf er nicht, den ihm fehlt dazu die weibliche Perspektive.

Insofern könnte man Deutungshoheit als eine Form des Chauvinismus sehen und auch Angaben wie „Männer können nicht diskriminiert werden“ sind in diese Richtung interpretierbar.

Im Feminismus ist das weibliche das Normale, das Gute, das Männliche ist irgendwie verseucht, toxische Männlichkeit, ein Ausdruck von Rape Culture und somit des Schlechten. Die Überlegenheit des Weiblichen und die Abwertung des Männlichen wird dabei auch nicht direkt behauptet, sondern es wird eine feministische und damit weibliche Sicht unhinterfragbar in den Mittelpunkt gestellt.

Da könnte man meiner Meinung nach durchaus chauvinistische Züge feststellen. Was meint ihr?

„Männerhass = irritierte Männer, Frauenhass = tote Frauen“

Das hier bereits einmal besprochene Argument ist mir nun noch einmal bei Twitter über den Weg gelaufen:

 

https://twitter.com/VanguardVivian/status/512094215460093952

 

Der Text sicherheitshalber noch einmal

Misandry → irritated men.

Misogyny → dead women.

That’s the difference.

Erstaunlich, dass man so etwas tatsächlich denken kann. Denn viele Beeinträchtigungen von Männern treffen diese ja sehr deutlich, von „4 Tote, darunter auch Frauen und Kinder“, dem Wehrdienst, dem Umstand, dass von Männern auch von Frauen Schutz eingefordert wird oder die Abwehr von Gefahren und auch die Entziehung von Kindern oder eine Falschbeschuldigung führt nicht zu einer leichten irritation, sondern zu handfesten Nachteilen.

Zudem sollte gerade im Netzfeminismus auch sehr deutlich werden, dass nicht alles, was dort als Misogyny angesehen wird – ein Blick, ein Kinofilm, das Vorhandensein von Kindern – gleich tödlich ist. Natürlich kann man anführen, dass wegen dieser Einstellung, die sich in Kleinigkeiten zeigt, Frauen getötet werden. Aber das ist ja auch bei Männern so: Wenn man meint, dass ein Mann nichts wert ist, wenn er seine Freundin nicht beschützt, dann führt das eben langfristig ebenso zu Toten.

„Männer verachten verletzt nur Gefühle, Frauen verachten hat ernste Konsequenzen“

Tom174 erklärte bei Erzählmirnix noch einmal, warum der Feminismus davon ausgeht, dass Männer nicht diskriminiert werden können:

Im Emmaforum wurde mir das so erklärt:
“Isildur, Ihr ″zweierlei Maß″ ist NICHT zweierlei Maß.
Wenn Frauen Männer verachten, verletzt das ein Männergefühle. Wenn Männer Frauen verachten, endet das mit Vergewaltigung, Körperverletzung, Mord, Prostitution und globalem Patriarchat (um nur ein paar Dinge zu nennen).

Wenn Schwarze Weiße hassen, verletzt das ein paar weiße Gefühle (und komm mir jetzt nicht mit den Enteignungen weißer Farmer, die von vornherein nichts da zu suchen hatten). Wenn Weiße Schwarze verachten, saufen die Menschen auf Flüchtlingsbooten im Mittelmeer ab und halbe Kontinente können still und leise verhungern oder an AIDS verrecken (um nur ein paar Dinge zu nennen).

Wenn Arbeiter Bonzen verachten, verletzt das Bonzengefühle. Wenn Bonzen Arbeiter verachten, gibt’s Verhältnisse wie auf der Arabischen Halbinsel, Hetzer wie Sarrazin und Verzweiflungsselbstmorde wie in Frankreich oder Indien (um nur ein paar Dinge zu nennen).

Wenn Juden Nazis verachten, verletzt das ein paar Nazigefühle. Wenn Nazis Juden verachten… lassen wir das.

Um es klar auszudrücken: Frauen sind weltweit eine unterdrückte Klasse. Frauen können sich soviel über Männer lustigmachen, wie sie wollen. Die Unterdrückerklasse hat weder zu bestimmen, was die Unterdrückten zum Lachen bringt, noch haben Männer auch nur ein einziges Wort in Sachen Feminismus mitzureden. ”
(…)
“- Sexismus gegen Männer gibt’s nicht. Rassismus gegen Weiße gibt’s nicht. Antisemitismus gegen Nazis gibt’s nicht. Homophobie gegen Heteros gibt’s nicht. Disablismus gegen Gesunde gibt’s nicht. Klassismus gegen Reiche gibt’s nicht. Die Herrscherklasse kann man nicht diskriminieren.”

Klingt in der Grobeinteilung ja durchaus logisch. Allerdings hat Diskriminierung von Männern durchaus Auswirkungen: Wenn Männer zum Militärdienst eingezogen werden, dann sterben eben Männer, wenn sie gefährlichere Arbeiten machen, dann sterben mehr Männer, wenn Männer Unterhalt zahlen müssen, Zugewinn abgeben müssen, ihre Rentenanwartschaften aufgeben, dann erleiden sie echte finanzielle Nachteile. Es gibt kaum eine folgenlose Diskriminierung.