Konservative Geschlechterrollen: Versorgung der Familie durch den Mann

Aus den beiden vorherigen Bestandteilen konservativer Geschlechterrollen folgt dann auch, dass der Mann für die Versorgung der Familie zuständig ist:

Die Frau ist diejenige, die das Nest bereitet, die die Kinder versorgt und die zu unschuldig ist, um neben diesen Pflichten noch die Versorgung stemmen zu können: Dies ist Aufgabe des Mannes, der die Versorgung der Frau und der Kinder  sicherzustellen hat.

Der Mann als Versorger ist eine alte, sehr alte Rolle, denn genau diese gesteigerte Versorgereigenschaft war es ja, die Vaterschaft evolutionär überhaupt interessant machte. Das Mann und Frau zusammen das Kind versorgten und beide ihren Teil beitrugen erlaubte eine höhere Unselbständigkeit des Kindes und damit auch die Möglichkeit es in einem sehr unfertigen Zustand zu gebähren, was wiederum erlaubte, dass die Menschheit insgesamt ein größeres Gehirn entwickelte, welches sich noch nach der Geburt erheblich entwickeln konnte und nicht bereits wichtige Aufgaben übernehmen musste. Dabei war die  Bereitschaft und Fähigkeit des Mannes, diese Unterstützung zu leisten, ein wichtiges Partnerwahlkriterium für die Frau, die eine Langzeitstrategie wählte. Gleichzeitig machte dies für den Mann das Signalisieren entsprechender Eigenschaften immer interessanter.

Dies ist in der konservativen Rolle so ausgestaltet, dass der Mann nach Möglichkeit die Frau sogar komplett freistellt, quasi ein costly Signal für seinen Wert und ein Zeichen der entsprechenden Stärke, die gleichzeitig eine umfassende Kinderbetreuung erfordert und eine Idealisierung dieser Aufgabe bei der Frau.

Dies als verpflichtende Aufgabe des Mannes auszubauen bedeutet, dass er immer diese Aufgabe hat: Sei es über Abgaben an den Staat, der zur Not den Ersatzvater/Ersatzmann stellen konnte oder aber auch über Unterhaltsforderungen selbst nach dem Abbruch der Beziehung.

Männerrechte

Männerrechte sind erstaunlicherweise ein heikles Thema. Dies wohl, weil sie als Opposition zu Frauenrechten gesehen werden und insofern als Versuch, seine Machtposition als Gruppe Mann auszubauen. Dabei könnte man sich hier den Spruch aus dem Feminismus zu eigen machen, dass es in den Männerrechten auch nur um die Vorstellung geht, dass Männer Menschen sind und insofern Beeinträchtigungen aufgrund ihres Geschlechts auch ihnen gegenüber abzulehnen sind.

Dabei werden Männerrechte insbesondere in den Bereichen diskutiert, in denen

  • Männern besondere Pflichten auferlegt werden
  • Männern bestimmte Rechte nicht oder nur eingeschränkt gewährt werden
  • Männer abgewertet werden.

Dies scheinen mir die drei Hauptbereiche zu sein, in denen eine Diskussion um Männerrechte stattfindet und sinnvoll ist.

a) Männerrechte und auferlegte Pflichten

Bei der Auferlegung von bestimmten Pflichten können Männerrechte beeinträchtigt sein, weil ein mehr an Pflichten eben eine zusätzliche Belastung von Männern ist. Typische Pflichten sind dabei:

  • Schutzpflichten gegenüber Frauen, Kindern oder der Gemeinschaft an sich
  • Versorgerpflichten gegenüber Frauen, Kindern oder der Gemeinschaft an sich

Die Schutzpflichten können dabei gesetzlich geregelt sein und insofern „echte Pflichten“ darstellen, wie etwa ein Wehrdienst oder eine Feuerwehrpflicht oder sie können aus bestimmten Geschlechterrollen kommen, etwa indem von „echten Männern“ erwartet wird, dass sie bestimmte Schutzaufgaben übernehmen, sei es indem sie einer frierenden Frau eher den eigenen Mantel geben, auch wenn sie dann selbst frieren oder sich bei Gefahr schützend vor sie stellen oder eben in dem sie Frauen sonst von den Unbillen des Lebens abschirmen. Regeln wie „Frauen und Kinder zuerst“ sind eine Ausprägung solcher Pflichten, ebenso wie Anforderungen Leuten beizustehen. Das kann sich auch daran zeigen, dass Frauen, die Schutzpflichten übernehmen, als besonders heldenhaft angesehen werden, während es bei Männern als normaler und damit weniger besonders angesehen wird.

Die Versorgerpflichten können ebenfalls gesetzlich geregelt sein, zB indem über gesetzliche Regelungen zum Unterhalt und zu sonstigen Folgen einer Ehe eine Versorgung meist der Frau erzwingen. Sie können auch aus reinen Geschlechterrollen kommen, indem vom Mann erwartet wird, dass er eine Familie ernähren kann und daran auch seine Attraktivität bemessen wird.

Gründe dafür, dass solche Rollen auferlegt werden können vielfältig sein: Es können konservative Vorstellungen sein, man kann diese als Ausgestaltung biologischer Vorgänge sehen, man kann die Erwartungshaltungen der Frauen hier als ursächlich sehen, es können feministische Forderungen mit hineinspielen, es kann eine Mischung aus allem sein, die diese Pflichten hier auferlegen und die Frage, inwieweit dies berechtigt ist, damit zu einer Frage um Männerrechte macht.

b) Männerrechte und Einschränkung von Rechten

Auch in der Einschränkung von Rechten bzw. deren Nichtgewährung kann ein männerrechtliches Problem liegen. Diese Rechte können Männern durch Gesetz vorenthalten werden, beispielsweise indem sie das Sorgerecht nicht automatisch erhalten oder wiederum aus den Geschlechterrollen kommen, etwa indem an Männer andere Anforderungen gestellt werden, was das Eingehen von Risiken oder den Umgang mit Kritik oder Schmerzen angeht (ein Mann, der nach Kritik seines Chefs heult wird weit mehr Abzug erleiden als eine Frau, ebenso wird ein bei schmerzen jammernder Mann weniger Verständnis erhalten).

Die Gründe, aus denen diese Einschränkungen von Männerrechten erfolgen, können ebenso wie bei den Pflichten aus den gleichen Gründen auftreten: Konservative Vorstellungen, was ein Mann aushalten muss oder was sein Platz ist, Vorstellungen davon, dass bestimmte Rechte Frauen zustehen, Vorstellungen davon, dass Männer in bestimmten Bereichen mehr leisten müssen etc.

c) Männerrechte als Abwehr von Abwertungen

Ein dritter Bereich ist aus meiner Sicht die Abwehr von Abwertungen. Männer sind keine schlechteren Menschen, sie sind vielleicht anderes als Frauen, aber das rechtfertigt es nicht, ihre Art und Weise als moralisch verwerflich darzustellen. Natürlich ergibt sich daraus auch nicht, dass diese moralisch richtig ist. 

Häufige Bereiche, in denen Männerrechte durch Abwertungen beeinträchtigt sind, sind:

  • Die Sexualität: Der Mann als Schwein, die Abwertung von männlichen Interessen an schönen Frauen, Busen, schnellen Sex, als primitiv und verachtenswert. Die Dämonisierung männlicher Sexualität
  • Die Einordnung von Männern als Unterdrücker von Frauen

In diesem Bereich ist eine Überschneidung von Männerrechten mit einem Antifeminismus vorhanden, nämlich insoweit als im (radikalen) Feminismus diese Abwertungen gegenüber Männern erfolgt, indem Männern hier wie oben dargestellt abgewertet werden. Ein Einsatz für Männerrechte erfordert insofern, diesen einseitigen Abwertungen eigene Positionen gegenüber zu stellen und deutlich zu machen, dass Unterschiede nicht per se eine Unterdrückung als Grund haben müssen. Es ist aus meiner Sicht auch eine männerrechtliche Position darzustellen, dass männliche Sexualität ihre eigenen Rechte hat und hier die weiblichen Vorstellungen keinen Deutungsvorgang in moralischer Hinsicht haben.

Mann als Versorger (hier: Breaking Bad Zitat)

Ein Zitat aus der Serie „Breaking Bad“:

“A man provides for his family. And he does it even when he’s not appreciated, or respected, or even loved. He simply bears up and he does it. Because he’s a man

 

Mit dem Zitat will der Drogenhändler den Hauptdarsteller Walter White dazu bringen, weiter für ihn Drogen anzufertigen. Insofern steht sicherlich die manipulative Absicht im Vordergrund. Dennoch denke ich, dass es für viele Männer und Frauen als Bild durchaus stimmt: Die Versorgung ist eine Pflicht des Mannes, kann er sie nicht erfüllen, dann hat er in den Augen vieler versagt

Steigert eine Frau als Hauptverdiener das Scheidungsrisiko?

Eine Studie zu der Frage, inwieweit Ehen mit weiblicher Hauptverdienerin eher geschieden werden:

Using German panel data from 1984 to 2007, we analyze the impact of labor division between husband and wife on the risk of divorce. Gary Becker’s theory of marriage predicts that specialization in house- and market work, respectively, reduces the risk of separation. Tradition- ally, the breadwinner role is assigned to the husband, however, female employment has risen substantially and egalitarian gender attitudes are more common today. Our results suggest that specialization per se does not enhance marital stability. Female breadwinner-couples have a higher probability of divorce than couples with a traditional labor division, whereas the egalitarian one has no effect.

Quelle: Labor division between wife and husband and the risk of divorce: New evidence for Germany (PDF, Volltext)

Aus der Studie zu vorherigen Studien:

From the international perspective, it is quite common to use the wife’s in-come as proportion of total household income as variable of main interest. With respect to the estimated effect of it the analyses can be divided into two groups. One group consists of those studies that ¯nd a destabilizing im- pact of female’s relative income. Early examples are Booth et al. (1984) and D’Amico (1983) (using wives‘ potential earnings). The second group do not ¯nd any statistically signicant effect of this ratio. Examples are Tzeng and Mare (1995), Bumpass et al. (1991), and Spitze and South (1985). Tzeng and Mare (1995), however, ¯nd that a change in wife’s earnings raises the probability of divorce which cannot be found for changes in husband’s earn- ings. Similarly, Weiss and Willis (1997) suggest that an unexpected increase in wife’s wage earning capacity destabilizes a marriage, whereas an unex- pected increase in husband’s wage earning capacity lowers the probability of divorce. In her review of the relevance of the independence hypothesis, Oppenheimer (1997) emphasizes the weaknesses of those studies that have found a posi- tive relationship between the wife’s income proportion and risk of divorce. The independence hypothesis says that women’s rising labor force partici- pation has increased their financial independence and has therefore reduced the value of marriage (Oppenheimer (1997)). She states that the independence hypothesis is based on the traditional gender-specifc specialization and should not be relevant anymore for modern couples. However, some recent studies show the opposite. Kesselring and Bremmer (2006) (using a sample of the US Current Population Survey), Liu and Vikat (2004) (register-based data for Sweden), as well as Jalovaara (2003) (register-based data for Finland) and evidence for the independence effect despite the fact that Scandinavian countries usually stand for egalitarian gender attitudes. The authors show that if the female’s earnings become a larger proportion of the total family income, the likelihood of divorce increases. This effect is not compensated by the stabilizing effect of a higher family income. Only Sayer and Bianchi (2000) confirm Oppenheimer’s predictions after controlling for a huge set of indicators like demographic characteristics, children, marital duration, time spouses spent together, and a gender ideology index. Hence, empirical evidence is not clear.

Meiner Meinung nach ist es wahrscheinlich eher ein Statusproblem. Demnach hängt viel davon ab, inwieweit anderweitig Status demonstriert werden kann. Die Fähigkeit zu Versorgen ist insoweit ein Kriterium innerhalb des Statusbegriffs, aber natürlich ein wichtiges wie sich an der Sexual Strategies Theorie erkennen lässt.

Väter und Elternzeit

Ein interessanter Artikel zur Elternzeit von Vätern in der Süddeutschen:

Zunächst etwas zu den Ansichten der Männer bezüglich des Vaterseins:

83 Prozent der Befragten sagen, einen guten Vater zeichne aus, „so viel Zeit wie möglich mit seinen Kindern zu verbringen“. Und immerhin 71 Prozent der 20 bis 45-jährigen Väter finden an sich besonders gut, dass sie ihr Kind auch wickeln und füttern. Zwei Drittel der Väter finden, ihr Leben sei durch die Geburt ihres Kindes „glücklicher und erfüllter“ geworden. Von den Männern, die Elternzeit nehmen oder genommen haben, sagen das sogar 75 Prozent.

Also durchaus ein starkes Interesse an der Vaterschaft. Gleich dahinter dann der Satz:

Allerdings liegt hier der Verdacht nahe, dass viele Befragte „sozial erwünschte Antworten“ gegeben haben. Statistiker bezeichnen so das Problem, dass Befragte genau die Antworten geben, die die Gesellschaft von ihnen erwartet.

Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass der Satz nach einer Umfrage zu Frauen und Karriere bei Frauen dort so stehen würde, wenn diese angeben würden, dass ihnen Karriere wichtig ist etc.

Begründet wird der Satz damit, dass die positive Haltung der Väter sich nicht in der tatsächlichen Tätigkeit widerspiegelt:

81 Prozent, also etwa vier von fünf Männern, schrecken nämlich davor zurück, Elternzeit zu nehmen. Bei den übrigen 19 Prozent bleibt es meist bei den üblichen zwei Monaten, dem Väter-Pflichtprogamm gewissermaßen. Frauen bleiben hingegen oft zwölf Monate zuhause, nur so schöpft das Paar die 14 Monate aus, für die das Elterngeld maximal gezahlt wird.

Männer glauben häufig, die Elternzeit könne ihrer Karriere schaden: Immerhin 45 Prozent der Befragten sagen, die Konsequenzen seien „sehr oder eher negativ“, wenn sie ihren Chef bitten, während der Vätermonate zuhause bleiben zu können.

Viel Zeit mit der Familie zu verbringen würde voraussetzen, nicht zu sehr in der Arbeit eingespannt zu sein. Allerdings haben 90 Prozent der Männer einen Vollzeitjob und 58 Prozent der angestellt Beschäftigten geben dies auch als ihre Wunschlösung an. Teilzeit arbeiten würden 40 Prozent gerne, nur ein Prozent kann sich eine Stelle mit weniger als 20 Wochenstunden vorstellen.

Tatsächlich arbeiten gerade einmal fünf Prozent der Väter in Teilzeit. Das liegt aber nicht nur an unflexiblen Arbeitgebern. Immerhin die Häfte der befragten Männer gab nämlich an, in ihrem Betrieb wäre Teilzeit problemlos möglich.

Das die Konsequenzen in der Tat sehr negativ sein können, wenn die Väter sich eine längere Elternzeit nehmen würden, könnte ich mir auch gut vorstellen. Ich halte diese Ängste der Männer für durchaus berechtigt.  Zumal im Gegenzug Frauen wenig Interesse daran haben, der Haupternährer zu sein und sich der Kredit für das Haus und für das Auto, die Lebenshaltungskosten etc, ja nicht von selbst abzahlen. Das Leben dürfte mit einem Kind eher teurer werden und viele Männer sich in einer entsprechenden Verantwortung sehen.

Die klassische Einteilung, der Mann geht einer Erwerbsarbeit nach, die Frau versorgt die Kinder und arbeitet wenn es möglich ist, halbtags, scheint demnach noch immer sehr beliebt zu sein.

Ich denke sie wird es auch bleiben.

Erwachsen werden

Ein Kollege hatte vorher immer gemeint, dass ihn ein bestimmter, durchaus lukrativer Arbeitsbereich nicht interessiert, weil er eben auch sehr arbeitsreich und trocken ist. Jetzt interessiert er sich plötzlich für Fortbildungen aus diesem Bereich. „Irgendwie muss man sich ja spezialisieren“ meint er.

3 Wochen später zeigt er stolz die erste Bilder seines Babys (als Fötus) herum.

„Jetzt muss ich wohl langsam erwachsen werden“ meint er.

Das kommt dem wahren Grund wahrscheinlich schon etwas näher.