Der Feminismus kennt keinen sachlichen Umgang mit Kritik

Elitemedium twitterte etwas sehr wahres:

Da der Feminismus Instrumente zum sachlichen Umgang mit Kritik nicht kennt, ist er auch nicht in der Lage Streit im eigenen Lager zu regeln.

Einer der Gründe, warum sich der Feminismus so sehr durchgesetzt hat, ist aus meiner Sicht die  starke Ideologisierung, die dazu führt, dass man auf alles losgeht, was irgendwie nicht „Richtig“ ist. Wobei „richtig sein“ bedeutet „Genau richtig sein“, in die richtige Richtung oder fast richtig ist genau so falsch (der „Nicht gut genug Aktivismus„). Feminismus ist ein Wettstreit, wer mehr der richtigen „Opfer“ als solche bewertet und die damit verbundene „Diskriminierung“ bekämpft.

Im IDPOL zählt nur das Opfer und im Intersektionalismus wird das noch einmal erweitert um die „Münchhausen per proxy“ Haltung, dass man andere Opfer erkennen und für sie einspringen muss.

Weil man mit dem Interesektionalismus beliebig viele unterdrückte Gruppen schaffen kann, von denen immer eine von dem anderen nicht nach Gebühr beachtet werden wird, muss es hier immer wieder interne Streitigkeiten geben.

Vernünftige Instrumente eine solche Streitigkeit zu lösen kann es nicht geben, da der moderne (intersektionale) Genderfeminismus denjenigen, der eine erkannte Opferstellung nicht verteidigt und Abweichler angreift, eben als Täter sieht, der selbst Opfer angreift.

Diese aggressive Haltung macht Widerstand gegen den Feminismus so gefährlich, weil ein klarer Feind interne Streitigkeiten am besten blockiert. Solange zB ein MANN ein Hemd mit NACKTEN FRAUEN trägt ist der Feind klar, auch wenn die gleichen Feministinnen sich unter sich vielleicht die Augen auskratzen würden, wenn man sie fragt, ob die nackten Frauen oder weiße nackte Frauen auf einem Hemd das größere Problem sind. Auch das könnte ein guter Grund dafür sein, dass der Streit nach außen, das Anschließen an den Shitstorm so beliebt ist, denn es ermöglicht einfach mal den Kopf auszuschalten und sich auf den Feind zu konzentrieren. Natürlich wird in jeder feministischen Aktion auch eine Feministin was zu meckern haben, aber wenn man Glück hat, dann kann man erst einmal über die Gegenseite herziehen und der In-Group frönen.

Julie Borowski und Kritik an der Männerrechtsbewegung

Julie Borowski ist sicherlich dem ein oder anderen hier auch aufgrund feminismuskritischer Videos

(zB hier, aber auch 1,2,3,4) bekannt.

Sie hat nun, wie auch Genderama bereits berichtete, einen Artikel dazu geschrieben, was ihr an „MRAs“ also dem Mens Rights Movement gefällt und was nicht, geschrieben.

Ich finde den Text durchaus interessant.

Das Gute:

As a critic of feminism, I’ve checked out the Men’s Rights Movement (MRM). Some things I like, some things not so much. They have good points when it comes to divorce, custody, and how courts are biased towards women. These are real equality issues that need to be addressed.

Also, I dislike how men have become the punch line in today’s society. Just check out commercials and sitcoms. The husbands are portrayed as complete idiots with the maturity of five year olds. The wives, on the other hand, are brilliant personality-less parental figures to their dumb husbands.

One of my pet peeves is how it’s somehow acceptable to insult your husband in public. Haha, I don’t know how he dresses himself in the morning! It’s laughable when a woman does it. The other way around? That wouldn’t fly!

Das Schlechte:

Then I check out Men’s Rights Activists forums… oh boy. I acknowledge that not every comment represents the whole movement, of course. But there’s a significant amount of: women are gold digging you-know-whats! Marriage is always a bad deal for men because women are lazy moochers! Women wear makeup to trick you into procreating with them!!  THEY ARE LIARS!

Whoa….

It just reminds of man-hating feminists who talk about all men being cheating scumbags and implying that all men are rapists. Both of these groups have clearly been burnt by the opposite sex. What heterosexual person hasn’t been? They’re taking it to an unhealthy place and blaming an entire gender for crappy things someone did.

Also wichtige Themen, die aus einer Männerperspektive besprochen werden und die Abwertungen etc aufzeigen, die hier alltagstauglich geworden sind und auch den diesbezüglichen Doppelstandard deutlich machen.

Und auf der anderen Seite das verbitterte einiger, das Denken in einem Feindbild, das negative über das andere Geschlecht. Da hatte ich auch schon in verschiedenen Artikeln:

Aus meiner Sicht muss eine Männerrechtsbewegung, die mehr in den Mainstream möchte und „Anschlussfähig“ sein will – durchaus anders als ein Feminismus – darum bemüht sein, dass er die Verbitterung rausbekommt und nicht auf ein Feindbild springt. Der Feminismus kann sich das weitaus eher erlauben, weil die Abweisung von Männern für Frauen eine durchaus verbreitete Strategie ist, in der dann eben der Mann die Gunst der Frau erobern muss, sich als gut genug erweisen muss. Diese Strategie verfängt bei Männern weitaus weniger bei der Masse.

In gewissen Teilen kann man „ich lass mich doch nicht von diesen Schlampen ausbeuten“ sicherlich als Mittel benutzen, um den starken Mann rauszukehren. Die meisten Männer wollen aber gar nicht in einen Geschlechterkrieg. Sie wollen mit Frauen gut auskommen und zusammenarbeiten. Sie wollen auch nicht verbittert und als schwach erscheinen. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit schreckt schnell ab, weil sie gar nichts gegen Frauen haben wollen (was allein schon eine Theorie wie die Rape Culture Theorie stark abwertet. Männer wollen weitaus eher beschützen und der Held sein als Frauen als Opfer herabwürdigen).

Was sagt ihr zu ihrer Kritik?

„Nicht über meine Filterblase hinaus“ vs. „Das Thema verstehen und deswegen von allen Seiten betrachten“

„Der Jüngling“ hat mal wieder einen interessanten Artikel geschrieben, in dem es darum geht, wie man ein Thema angeht. Ich finde das vieles von meiner eigenen Position wieder:

Wirklich interessant aber wird es, wenn eine der seltenen Gelegenheiten eintritt, tatsächlich auf eine Feministin zu treffen.

Meine Erfahrung hierbei ist: Sie sind mir nicht gewachsen – argumentativ. Woran liegt das? Bin ich superintelligent oder im Besitz der letzten Wahrheit? Das behaupte ich nicht; ich habe eine andere Ursache ausgemacht, nämlich dass die feministischen Führerinnen und Informationsquellen ihre Leserinnen schlicht falsch informieren. Eine Antje Schrupp rät ihren Anhängerinnen, sich in eine Filter-Bubble einzuschließen; das Dossier der Emma über die pöhsen Maskulisten gibt kaum ihre inhaltlichen Positionen wieder sondern arbeitet fast ausschließlich mit Ad-Hominem-Argumenten und Diffamierungen; und eine Magda rät auf Freitag.de dazu, nicht die originalen Quellen des Maskulismus zu studieren, da dies unnötig sei und es reiche, die feministische Sekundärlektüre zu lesen, um sich ein Urteil zu bilden. Da aber Antimaskulistinnen nur Strohpuppen abbrennen, wie zum Beispiel, dass Maskulisten nur verlorenen, männlichen Privilegien hinterhertrauern oder einen solchen Verlust befürchten würden; dass sie rechts seien und in ideologischer Nähe zu einem Massenmörder wie Breivik; dass es sich um Frauenhasser handeln würde; führt diese Fehlinformation dazu, dass eine Feministin chancenlos ist, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt mit einem Maskulisten, der sich gut auskennt – besonders wenn er links-liberal ausgerichtet ist.

Das ist auch meine Erfahrung: Die meisten Feministinnen machen sich nicht die Mühe, sich wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Sie wollen nicht das Thema an sich verstehen, sie wollen häufig genug noch nicht einmal die feministische Theorie selbst verstehen, häufig reicht es ihnen die Position zu kennen ohne die Begründung dafür nachvollziehen zu wollen. Es geht in dem Bereich eben eher um IDPOL, also den Aufbau einer Identität, um eine moralische Wertung.

Das ist auf der Stufe der „MeinFeminismu-Feministinnen“ besonders ausgeprägt, weil sie sich häufig einem theoretischen Überbau komplett verweigern und lediglich einzelne Positionen beziehen, was fast zwangsläufig dazu führt, dass sie noch anfälliger dafür sind, sich in interne Widersprüche zu verstricken. Aber auch im theoretischen Feminismus erfolgt keine ernsthafte Hinterfragung der eigenen Position und es besteht kein Wunsch, diese tatsächlich zu hinterfragen bzw. sich mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen.

Der Jüngling schreibt weiter:

Auf meiner Seite hingegen besteht nicht die Gefahr, dass mir derselbe Fehler unterläuft. Ich informiere mich über Feminismus nicht nur bei Antifeministen, sondern auch bei den Originalquellen. In meinem Regal steht nicht nur „Wir Alphamädchen“, sondern auch „SCUM“, „Hilfe, mein Sohn wird ein Macker“, „Nur ein toter Mann ist ein guter Mann“, „Die neue F-Klasse“ und weitere; ich leihe mir auch einschlägige Titel (Schwarzer, de Beauvoir) in der Bibliothek aus; ich surfe tagtäglich die wichtigsten feministischen Seiten an, wie z.B. EMMA,Mädchenmannschaft oder KleinerDrei (mehr als 3.000 Fans bei Facebook), um nur wenige zu nennen. Ich bin rundum informiert, ich kenne jede feministische These, und habe auf nahezu alles sofort eine Antwort parat. Feminist-Splaining funktioniert bei mir nicht.

Das ist der entscheidende Unterschied: Ich kenne den Feminismus tatsächlich; die meisten Feministinnen kennen zum Maskulismus nur Diffamierungen, Lügenmärchen und die Nazi-Keule. Das führt dazu, dass eine Feministin aufläuft, wenn sie außerhalb ihrer Filter-Bubble mal auf einen Maskulisten trifft und sich auf eine Diskussion einlässt.

Das ist bei mir ebenso, man könnte mich – wenn man die Reihe biologischer Bücher ausblendet und in das richtige Bücherregal schaut – problemlos für einen Feministen halten. Auch die Reihe von biologiekritischen Büchern wie etwa das Buch von Cordelia Fine ist recht lang. Ich kann problemlos bei feministischer Theorie mitreden und bei den paar Malen, bei denen das im „realen Leben“ erfolgte war es auch so, dass ich in der Regel wesentlich mehr über Feminstische Theorie wusste als die betreffende Feministin. Im Netz macht man immer wieder die Erfahrung, dass viele Feministinnen entweder keine Ahnung haben oder die Diskussion vorher noch nicht geführt haben. Im letzteren Fall zeigt sich dies daran, dass sie voller Überheblichkeit ein altbekanntes Argument vorbrachten und anscheinend nicht darauf vorbereitet waren, dass man das recht leicht aushebeln kann. Leider erschlägt man die Gegenseite dann auch schnell: Wenn man auf diverse Sonderfälle oder Studien verweist, die deutlich machen, dass die Geschlechterrollen nicht rein sozial konstruiert sind oder diverse Fälle anführen kann, bei denen der radikale Feminismus einfach recht erkennbar im negativen Sinne radikal ist, dann wird man gerade bei jemanden, der aus seiner Blase noch nicht herausgekommen ist, auch kaum eine Erwiderung erwarten können.

Warum lese ich feministische Theorie im Original bzw. versuche die diesbezüglichen Theorien nachzuvollziehen? Weil es aus meiner Sicht der beste Weg ist, ein Thema zu verstehen. Man muss sich nicht nur mit der Theorie beschäftigen, die die eigene Position bestätigt, sondern auch mit den Gegenargumenten und überlegen, warum sie nicht zutreffen. Erst wenn man man auch das verstanden hat, hat man das Thema wirklich durchdrungen. Das ist mein Anspruch an mich bei einem solchen Thema und dafür ist das Lesen der Originalschriften zwingend erforderlich, weil man dann dort die tatsächlichen Gedankengänge, auf die sich die Vertreter stützen, abgleichen kann und in voller Länge aufnehmen kann. Liest man nur die kurze Abhandlung, mit der jemand die gegnerische Position zusammenfasst, dann ist das nicht das gleiche, weil man dabei zwangsläufig bestimmte Teile weglassen muss.

Es hilft einem auch ansonsten, viel zu dem Thema gelesen zu haben: Einmal fällt ein wichtiges Autoritätsargument weg. Mir wird in Diskussionen oft entgegen gehalten, dass ich doch einfach mal Butler, Fine, Voss und wen nicht noch alles lesen sollte, da stehe doch drin, dass ich unrecht habe. Ich kann recht einfach darauf verweisen, dass ich es habe. Und, das wäre ein zweiter Vorteil, ich kann häufig sagen, dass es da eben nicht drin steht und das dort sogar etwas anderes drin steht, als viele Feministinnen glauben und auch etwas zu den dort verwendeten Argumenten sagen. Ich kann zB darauf verweisen, dass Butler in ihren Büchern selbst zugibt, dass sie keine Ahnung von Biologie hat und ich kann darauf verweisen, dass sie sich mit David Reimers nur sehr unzureichend auseinandergesetzt hat und das sie sich auf keinerlei Studien stützt, sondern strikt philosophisch-abstrakte Überlegungen anstellt. Ich kann anführen, dass Voss auf die modernen biologischen Theorien quasi nicht eingeht, in dem kurzen Abschnitt, in dem er das macht, allerdings darauf hinweist, dass diese den Diskurs dominieren, also in der Wissenschaft überwiegend vertreten werden. Ich kann darauf verweisen, dass Fine gar nicht die biologischen Theorien widerlegt, wie viele Feministinnen meinen, sondern vielmehr in dem Buch wiederholt anführt, dass diese stimmen könnten, es aber noch nicht bewiesen ist (und ob die Feministin sich da anschließen oder Fine widersprechen will). Was einem gleich zum dritten Grund bringt, warum man solche Bücher lesen sollte: Sie bringen einem in der Regel sehr gute Gegenargumente, bei dem der andere entweder die Quelle, auf die sie sich bisher berufen hat, abwerten muss oder dies dann zugestehen muss.

Ebenso wie „Der Jüngling“ habe ich daher das Gefühl, dass ich mich ohne Probleme auf jede Diskussion mit einer Feministin einlassen kann, ich habe theoretische Diskussionen schon diverse Male durchgespielt und mir überlegt, wie ich eine solche Diskussion aufbauen könnte, welche Argumente man wie entkräftet, wie man ein paar schöne Fallen aufstellen könnte, die klassische feministische Positionen aushebeln etc. Ich würde gerne mal mit Alice Schwarzer oder zumindest Marthadear oder einer anderen der theoretischeren Feministinnen diskutierten. Ich vermute, dass Alice Schwarzer dabei noch am besten wegkommt, weil sie ein Profi ist, der diverse Debatten dieser Art schon geführt hat, sie ihre Schäfchen im trockenen hat und sie nicht mehr so moralisch entrüstet wäre, wie Laura Dornheim oder Marthadear in solchen Diskussionen. Sie würde vermeintlich wesentlich mehr ausweichen und die Sache herunterspielen, wohingegen jemand, der solche Sätze wie „Für ganz viele Frauen ist es extrem schlimm einfach schon auf die Straße zu gehen“ sagt und glaubt eigentlich recht einfach in die Enge zu treiben sein sollte. Bei Alice wäre es interessant, ob man sie dazu bringen könnte, sich von ihren älteren, sehr radikalen Aussagen, etwa der Zwangsheterosexualität, zu distanzieren oder nicht.

Aber natürlich ist es leicht, in seinem Kopf der Sieger einer solchen Diskussion zu sein: Man muss ja gar nicht so theoriefest sein, wenn die Gegenseite es schafft, einen damit zu beschäftigen, dass man sich von Strohmännern distanziert, dann kann sie eine Diskussion bezüglich moralischer Positionen ebenso an sich ziehen und das Gespräch für sich gewinnen. Je nach Moderation läßt sich mit „Frauen verdienen weniger und das muss geändert werden“ und „Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist schlecht, da muss man was ändern“ und „Als Mann kann man sich das eben nicht vorstellen, als Frau ist es Alltag“ recht weit kommen, als Gegenargument gegen Erwiderungen reichen dann Variationen von „Damit werden die Probleme nur heruntergespielt“ und „Machtwahrung“ wahrscheinlich erstaunlich weit. In einer Talkshow lassen sich Argumente wie „Frauen verdienen weniger“ und „jede dritte Frau wird vergewaltigt“ letztendlich nicht wirklich widerlegen, da man dort nicht die Zeit und auch nicht die Möglichkeit hat, die Fakten und die Studien darzustellen, man kann allenfalls die Hauptargumente anführen und der Zuschauer kann entscheiden, wem er glaubt oder ob er interessiert genug ist, mehr zu lesen.

Ich finde es dennoch immer schade, wenn jemand es ablehnt, sich mal mit den Argumenten der Gegenseite zu beschäftigen. Ich glaube, dass man daran sehr viel lernen kann und finde daher den Ansatz, den „der Jüngling“ verfolgt, sehr empfehlenswert. 

Ich würde jedem, der über ein Thema diskutieren will, 2-3 Bücher von beiden Seiten zu lesen, erst dann versteht man das Thema wirklich. Ich würde also Feministinnen etwa diese Bücher empfehlen, aber auch zB Warren Farrell “Myth of Male Power“ . Ich würde jedem, der Pickup kritisieren will, raten tatsächlich einmal David De Angelo und Mystery oder Neil Strauss im Original zu lesen, aber eben auch jedem Maskulisten Judith Butler und Simon de Beauvoir uä, jedem der biologischen Theorien anhängt Fine oder Fausto-Sterling. Es erweitert den Horizont und regt zu kritischen Denken an.

 

Systemische Zusammenhänge

LoMi  nennt drei aus seiner Sicht wesentliche Probleme von “Evolutionisten”

Das Problem der Evolutionisten scheint mir zu sein:
– sie mögen keine systemischen Zusammenhänge
– sie bevorzugen Linearität, nichtlineare Dynamiken sind ihnen suspekt
– Sie meiden Kontingenz wie die Pest

Nachdem ich bereits Kontingenz aufgegriffen habe hier etwas zu den „Systemischen Zusammenhängen“.

Ich habe mich dabei erst einmal auf die Suche nach einer Definition gemacht und folgendes gefunden:

Jeder systemische Ansatz zeichnet sich dadurch aus, dass man sich nicht auf den Problemträger konzentriert, sondern ein ganzes System in den Blick nimmt. Der Einzelne wird nur in soweit als Individuum betrachtet, wie er als Element auf das System wirkt und wie er dessen Wirkungsfeld ausgesetzt ist. So sieht die systemische Beratung und Therapie in jedem Individuum auch einen „Symptomträger“ und berücksichtigt damit, dass die Problematik, die sich am Individuum zeigt, nicht dessen ureigene und isoliert zu betrachtende Sympto­matik sein muss. Aus systemischer Sicht manifestiert sich am Problemträger eine Störung, die ihre Ursache im Gesamt­system in einem gestörten Ablauf hat. Ebenso ist natürlich der Erfolg eines Individuums zugleich der Fort­schritt eines lebendigen, lernenden Systems.

(…)

Von einer „systemischen“ Betrachtungs­weise sprechen wir dann, wenn wir die Dinge als System betrachten, wenn wir also einzelne Teile im Zusammenhang mit dem größeren Ganzen sehen, dem sie angehören, und die Ursachen für Probleme nicht bei den Teilen, sondern im Zustand des Systems sehen.

Dann weiter auf der Wikipedia:

Der soziologische Systembegriff geht auf Talcott Parsons zurück. Parsons betrachtet dabei Handlungen als konstitutive Elemente sozialer Systeme. Er prägte den Begriff der strukturell-funktionalen Systemtheorie. Der Begriff Struktur bezieht sich dabei auf diejenigen Systemelemente, die von kurzfristigen Schwankungen im System-Umwelt-Verhältnis unabhängig sind. Funktion dagegen bezeichnet den dynamischen Aspekt eines sozialen Systems, also diejenigen sozialen Prozesse, die die Stabilität der Systemstrukturen in einer sich ändernden Umwelt gewährleisten sollen. Die strukturell-funktionale Theorie beschreibt also den Rahmen, der Handlungsprozesse steuert. Ist die Struktur eines Systems bekannt, kann in funktionalen Analysen angegeben werden, welche Handlungen für die Systemstabilisierung funktional oder dysfunktional sind. Handlungen werden also nicht isoliert betrachtet, sondern im Kontext der strukturellen und funktionalen Aspekte des jeweiligen Sozialsystems.

Zur strukturellen und funktionalen Analyse sozialer Systeme entwickelte Parsons das AGIL-Schema, das die für die Strukturerhaltung notwendigen Funktionen systematisiert. Demnach müssen alle Systeme vier elementare Funktionen erfüllen:

  1. Adaptation (Anpassung),
  2. Goal Attainment (Zielerreichung),
  3. Integration (Integration) und
  4. Latency (Strukturerhaltung)

Einzelne Handlungen werden also nicht isoliert, sondern im Rahmen eines strukturellen und funktionalen Systemzusammenhanges betrachtet. Handlungen sind dabei Resultate eben jenes Systemzusammenhanges, der durch diese Handlungen gestiftet wird (handlungstheoretische Systemtheorie). Parsons beschreibt den Zusammenhang zwischen System und Systemelementen also als rekursiv und berücksichtigt damit wechselseitige Ermöglichungs-, Verstärkungs- und Rückkopplungsbedingungen.

Niklas Luhmann erweitert die Theorie Parsons und verwendet nicht mehr den Handlungsbegriff, sondern den sehr viel allgemeineren Begriff der Operation. Systeme entstehen, wenn Operationen aneinander anschließen.[2] Die Operation, in der soziale Systeme entstehen, ist Kommunikation. Wenn eine Kommunikation an eine Kommunikation anschließt (sich auf diese zurückbezieht und sie zugleich weiter führt), entsteht ein sich selbst beobachtendes soziales System. Kommunikation wird durch Sprache und durch symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien (Geld, Wahrheit, Macht, Liebe) wahrscheinlich gemacht.

Die Besonderheit in der Sichtweise Luhmanns besteht darin, dass Kommunikation – als die Operation sozialer Systeme – nicht als Handeln gesehen wird, das durch einzelne Menschen vollzogen wird. Im Besonderen geht es nicht um Einwirkungen von Mensch zu Mensch, die ein Beobachter als Kausalität (Monokausalität, Multikausalität oder Kausalkette) feststellen kann. Ebenso wenig geht es um Informationsübertragung, die als Metapher aufgefasst werden kann. Der Begriff Kommunikation beschreibt eine Operation, in dersoziale Systeme entstehen. Kommunikation kann nur an Kommunikation anschließen, und auf diese Weise verlaufen diese Operationen simultan und parallel zu den Operationen anderer Systeme (z. B. den Gedanken als Operationen psychischer Systeme, synonym Bewusstseinssysteme). Auch Personen bestehen nicht als Handelnde, sondern als von der Kommunikation konstruierte Einheiten („Identifikationspunkte“).[3]

Luhmann unterscheidet drei Typen sozialer Systeme:

Gesellschaft ist das umfassende System, das sich in Funktionssysteme ausdifferenziert. Auf diese Weise entstehen unter anderem das Recht, die Wirtschaft, die Wissenschaft, die Politik, die Religion als funktional ausdifferenzierte Systeme. Diese Systeme – nicht die Menschen – beobachten unter Verwendung spezifischer Unterscheidungen (Recht/Unrecht im Rechtssystem, wahr/falsch im Wissenschaftssystem, Allokation/Nichtallokation im Wirtschaftssystem, Immanenz/Transzendenz im Religionssystem oder Regierung/Opposition im politischen System). Diese Unterscheidungen oder Codes bilden den Rahmen, innerhalb dessen das Teilsystem Formen ausbilden kann. Der Code sorgt für die operative Schließung des Systems. Für die Offenheit des Systems sorgen Programme, nach denen für die eine oder andere Seite einer Entscheidung optiert wird. Als Beispiel für ein Systemprogramm können etwa Theorien in der Wissenschaft genannt werden, die über eine Zuordnung zu einer der beiden Seiten wahr/falsch entscheiden.

Und weiter aus einem Artikel über Luhmanns Systemtheorie:

Differenz von System und Umwelt statt Differenz von Teil und Ganzem
Verbreitete Vorstellungen von Systemen betreffen Einzelteile, die zu einem Ganzen verbunden werden oder sich selbst zu einem Ganzen verbinden. Eine Gesellschaft besteht nach diesen (nicht von Luhmann vertretenen) Vorstellungen aus einzelnen Menschen und ihren Beziehungen. Diese Ideen stammen teilweise aus der Antike. Gesellschaftliche Prozesse wie die Entstehung oder Organisation wurden mit sozialen oder göttlichen Mächten erklärt.[24]

Für Luhmann hingegen ist erstes Kriterium die von ihm behauptete Tatsache, dass ein System sich prinzipiell gegen seine Umwelt abgrenzt. Es gibt also immer etwas, was zum System gehört, und etwas, was nicht dazu gehört (Umwelt). Diese Differenz System/Umweltliegt der gesamten Systemtheorie zugrunde.

Autopoiesis
Eine weitere wesentliche Voraussetzung für das Vorhandensein eines Systems ist die Fähigkeit, sich selbst (wieder-)herzustellen, also die Autopoiesis. Der Merksatz im Luhmannschen Sinne lautet: Wenn es sich nicht selbst macht, ist es kein System. Dabei bezog sich Luhmann auf das Konzept der chilenischen Neurobiologen Humberto Maturana und Francisco Varela. Diese wendeten das Konzept der Autopoiesis auf organische Prozesse an und meinten damit, dass Systeme sich mit Hilfe ihrer eigenen Elemente selbst herstellen. Lebewesen sind die ursprünglichen Beispiele für autopoietische Systeme. Für den Beobachter ereignet sich Leben von selbst, ohne dass ein äußerer herstellender Prozess eingreift. Luhmann überträgt dieses Konzept nicht nur auf biologische Systeme, sondern auch auf psychische Systeme und insbesondere soziale Systeme. Auch diese reproduzieren sich selbst mit Hilfe ihrer systemeigenen Operationen (zur weiteren Erklärung dieser Operationen: siehe unten).

Geschlossenheit der Operationen
Luhmann versteht unter Operation die Reproduktion eines Elements eines autopoietischen Systems mit Hilfe der Elemente desselben Systems.[25] Ein System entsteht und erhält sich dadurch, dass Operationen aneinander anschließen.[26] Wenn organische Prozesse als Operationen aneinander anschließen, entsteht ein organisches System. Wenn Gedanken als Operationen aneinander anschließen, entsteht ein psychisches System (auch: „Bewusstseinssystem“). Wenn Kommunikationen als Operationen aneinander anschließen, entsteht ein soziales System (auch: „Kommunikationssystem“).

Ein System besteht so lange, wie Operationen jeweils nächste gleichartige Operation ermöglichen. Operationen müssen anschlussfähig sein. Wie eine Operation abläuft, hängt von der jeweils vorangegangenen Operation ab. Deshalb werden diese Systeme als operational geschlossen aufgefasst. So schließt z.B. im psychischen System stets Bewusstsein an Bewusstsein an: Bewusstsein ist der Operationsmodus psychischer Systeme. Systemfremde Operationen wie Kommunikationen können daran nicht anschließen. Entsprechend können Bewusstseinsinhalte auch nicht an organische Operationen angeschlossen werden oder umgekehrt. „So wenig wie ein Organismus jenseits seiner Haut weiterleben…“ oder „ein Auge Nervenkontakt mit dem, was es sieht, herstellen kann“, so wenig kann „ein psychisches System sein Bewußtsein operativ in die Welt hinein verlängern“[27]. Dieser Ausschluss gilt sogar für die Umwelt des eigenen Körpers. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass jedes dieser Systeme unabhängig voneinander existieren könnte. „Selbstreferentielle Geschlossenheit ist (…) nur in einer Umwelt, ist nur unter ökologischen Bedingungen möglich.“[28] Aufgabe der Systemtheorie ist es also, zu erklären wie es möglich ist, dass alle diese Systemtypen trotz irreduzibler Geschlossenheit zusammenhängen und in Kontakt stehen.

Ziel scheint es also zu sein, verschiedene Systeme zu erkennen, die in sich geschlossen sind, deren Input und Output zu betrachten und dann die Zusammenhänge mit anderen Systemen zu zeigen. Der Mensch selbst ist in diesem System relativ unwichtig, sind insoweit nur Kommunikationsempfänger oder -sender bzw. treten eher in ihrer Funktion auf.

Bestimmte Systeme innerhalb der Gesellschaft zeigt beispielsweise diese Grafik aus der Wikipedia auf:

Funktionssysteme

Funktionssysteme

Der Vorteil in dieser Betrachtung ist sicherlich, dass man bestimmte Vereinfachungen macht und diese dann mit anderen Vereinfachungen in Bezug setzen kann. Wenn die Wirtschaft ein System der Verteilung ist mit Geld als Medium der Gestaltung, und gleichzeitig die Politik ein System der Kontrolle, dann ergibt sich eine eine gegenseitige Beeinflussung, indem entweder die Politik die Verteilung beeinflusst um die Kontrolle zu halten oder die Wirtschaft die Politik beeinflusst, um eine für einzelne günstigere Verteilung zu erreichen etc.

Meiner Meinung ist der Vorteil dieser Systeme, den Menschen zum Teil auszublenden und statt dessen die Systeme zu betrachten, aber gleichzeitig ein entscheidender Nachteil der Betrachtung. Denn es geht dadurch auch einiges an Zusammenhängen verloren.

Nehmen wir beispielsweise eine evolutionäre Betrachtung, die den Menschen als ein auf die Weitergabe der Gene ausgerichtetes Vehikel der Gene sieht, bei dem verschiedenste Selektionen stattgefunden haben, die bestimmte verschiedene Bereiche betreffen: Partnersuche, soziale Eingebundenheit, Kooperation und Absicherung vor Ausnutzung etv aber auch grundlegende Bedürfnisse wie Schlaf, Ernährung, Sex, Sicherheit, körperliches Wohlbefinden. All das könnte man natürlich als „biologische Systeme“ ausgliedern, die dann in einen Zusammenhang gebracht werden.

Wichtiger aber finde ich, dass bei einer Betrachtung des Menschen viele Zusammenhänge erst deutlich werden, wenn man mit einbezieht, warum wir uns gerade so verhalten.

Politik und Wirtschaft beispielsweise folgen sowohl ihren eigenen Regeln der Kontrolle und der Verteilung, stellen aber auch gleichzeitig Statussysteme dar, in denen der einzelne Aufsteigen kann. Ein Politiker kann insofern mehr daran gelegen sein, diesen Status zu erlangen, um den Status wegen und nicht, weil er etwas damit regeln möchte. Und ein Wirtschaftsmensch kann auch das Geld in einen solchen Zusammenhang einordnen: Es stellt nur ein Möglichkeit für ihn dar, seinen Status darzustellen, und das in einem System, in dem der Vergleich mit der Umgebung maßgeblich ist: Der Brocker, der eine Million im Monat verdient kann sich dann trotz des Umstandes, dass er faktisch ausgesorgt hat, schlecht fühlen und neidisch sein auf denjenigen, der 2 Millionen verdient. Und auch Sport und die damit verbundene Begeisterung wird nicht unbedingt in dem System selbst über den dortigen Erfolg verständlich, sondern viel eher unter dem Gesichtspunkt eines Stellvertreter-Wettbewerbs und Konzepte der Gruppenzugehörigkeit.

Die Analyse der jeweiligen Systeme kann damit aus meiner Sicht nicht ohne eine Betrachtung der Natur des Menschen erfolgen, weil man sonst auch die Natur der Systeme nicht erfassen kann. Zwar kann man Wirtschaft einfach unter dem Gesichtspunkt der Verteilung verstehen, aber unseren Wunsch nach sinnlosen Luxusartikeln versteht man weitaus besser, wenn man das damit verbindet, dass man damit über ein Costly Signal gleichzeitig seinen eigenen Wert darstellen kann. Unser Streben nach hohen Positionen versteht man besser, wenn man sie auch als Folge sexueller Selektion begreift und in ein System relativen Status und eines Platzes in der Hierarchie versteht.

Die Systemtheorie scheint mir insoweit das „System Mensch mit seinen Untersystemen“ zu sehr auszublenden. Es sieht die Gesellschaft als eine konstruierte Ansammlung menschlicher Systeme, die scheinbar nebeneinander stehen und interagieren, ohne da eine Hierarchie verschiedener Wünsche und Bedürfnisse zu sehen, die der Konstruktion der Gesellschaft zugrunde liegen.

Insoweit ist die Verwebung der Bedürfnisse des Menschen und deren soziale Umsetzung in Handlungen und Strukturen vielleicht schlicht komplexer als sie auf einfache Systeme zu reduzieren. Und die Darstellung der Systeme erscheint mir auch zu gradlinig, es lässt viele Handlungsmotivationen, die in diese Systeme einfließen und sie mit anderen Bereichen verbinden außer Betracht. Die Komplexität der Verknüpfung ist insoweit eine Illusion, weil die Systeme selbst starke Vereinfachungen sind, die viele tatsächliche Faktoren nicht wiedergeben können. Wahrscheinlich kann man dies durch die Anzahl der Systeme theoretisch erhöhen, aber das Kriterium der Abgeschlossenheit des jeweiligen Systems scheint mir viele Erklärungsansätze schwer einbaubar zu machen. Es verhindert in meinem Verständnis dringend benötigte übergeordnete menschliche Komponenten.

Insofern könnte man sagen, dass es in der evolutionären Biologie durchaus systematische Verbindungen und Beeinflussungen gibt und man bis zu einem gewissen Ansatz auch systemische Darstellungen vornehmen könnte, dass aber gleichzeitig der systemische Ansatz – so wie ich ihn verstehe – auch erhebliche Nachteile hat, die eine systemische Darstellung gar nicht unbedingt so vorteilhaft sein lassen.

Natürlich ist allerdings mein Wissen über die Systemtheorie stark begrenzt. Ich lasse mich hier gerne eines besseren belehren.

Kritikrunde: Der „C&A-Maskulismus“

Bei Elmar und Co ist häufig die Rede von einem „C&A-Maskulismus„. Dabei scheint es den Betreffenden darum zu gehen, dass Arne und Ich in irgendeiner Form eine Verschwörung betreiben um 1. die Vorherrschaft im Maskulismus anzutreten und 2. alle anderen rauszudrängen.

So schreibt Elmar beispielsweise:

Arne Hoffmann berichtete letztens über eine neue FES-Studie über Maskulismus und prompt folgt die Herde der C&A-Maskulisten brav dem neuen Trend. Doch während Arne seinem treuen Vasallen auf die Schulter klopft, gibt es noch eine andere Sichtweise auf die Affaire, die – sollte sie richtig sein – deutlich macht, daß wir Maskulisten mit unserer in posts gegossenen Empörung politisch naiv genug waren, uns mal wieder von den Feministen vorführen zu lassen.

Also das Bild einer Herde der übrigen Blogger mit Arne und mir als Anführer. Die „Fundamentalisten“ hingegen außerhalb dieses simplen Herdentriebes mit eigenen Meinungen

In einem weiteren Artikel ergänzt Elmar seine Kritik las Reaktion auf eine Stellungnahme von Schoppe:

Ich finde nicht, daß Arne und Evochris die wichtigsten Personen sind. Sie sind sicher am sichtbarsten, aber ihr Einfluß gefällt mir oft nicht und es freut mich, daß Schoppe, diese blogger in (8) für kritisierbar erklärt. Mein Eindruck ist, daß es andere blogger und Kommentatoren gibt, deren kluge und ideenreiche Beiträge durch diese mainstream-Macher zu stark in den Hintergrund gedrängt werden, ihr Wunsch nach Dominanz schadet mehr als er nützt. Schoppe appelliert nicht ganz zu Unrecht an eine Fraktionsdisziplin und vermutlich hat der die Idee, daß Geschlossenheit mehr nützt und Disput – wenigstens im gegenwärtigen Stadium – eher schadet. Doch wie wollen wir das abschätzen? Nach meiner Ansicht ist es für eine Fraktionsdisziplin viel zu früh, denn die Breite maskulistischer Perspektiven entfaltet sich gerade erst und Fraktionsdisziplin macht nur Sinn, wenn man schon über eine gewisse politische Wirksamkeit verfügt. Doch davon sind wir weit entfernt.

Und zu den Zielen des „C&A-Maskulismus“ schreibt Elmar an gleicher Stelle:

 In letzter Zeit ist tatsächlich sichtbar geworden, daß einige, die sich für gemäßigt halten, ganz andere Motive und Positionen haben als C&A. aranxo und LoMi sind paradigmatisch und mit LoMi kann ich sehr konstruktiv diskutieren. Der Grund dafür liegt darin, daß von C&A das label der Mäßigung in einem anderen Sinn benutzt wird, als viele andere blogger und Kommentatoren es tun. Mit den inhaltlichen Positionen Gemäßigter wie LoMi oder aranxo kann der Fundamentalismus prima leben und er opponiert auch nicht gegen sie – wenngleich es schwierig ist, herauszubekommen, was Gemäßigte eigentlich vertreten. Vor allem LoMi hat eine recht theoretisch Vorstellung von Mäßigung, die man nicht einfach vom Tisch wischen kann.

Wogegen der Fundamentalismus hingegen in Wahrheit opponiert – und das ist bisher von uns leider nicht richtig dargestellt worden – ist die Idee von an den mainstream anschlußfähiger Positionen. Männerstreik hat diese Idee als erster gehabt, aber er rastet leider immer aus, so daß sie nur schlecht sichtbar war.

Arne, Christian und z.B. auch Leszek betonen immer wieder, daß sie nur mit bestimmten feministischen Positionen kein Problem haben. Radikalfeminismus und einen gewissen Genderfeminismus lehnen sie ab, aber wenn es um das geht, was sie Equity-Feminismus nennen, dann hellen sich ihre Mienen auf.

(…)

Tja. Ich glaube eher, daß die C&A-Fraktion zum Teil aus Leuten besteht, die durch ihre Beschäftigung mit dem Feminismus gewieft genug geworden sind, um gelernt zu haben, wie man personlichen Vorteil aus dem Maskulismus schlagen kann. Andere sind naiv und wieder andere benutzen die Affaire um ihre persönlichen ressentiments auszuleben.

Also der Gedanke, dass man sich (wohl durch Anbiederung (mitttels Biologismus?) an den Feminismus (wohl den Equity-Feminimus?)) Posten für später sichern will. Vielleicht auch in der Masku-Szene, wenn sie denn mächtig wird.

Ich habe mich bisher eigentlich für einen Blogger gehalten, der gerne und häufig auf andere Blogs verlinkt und neue Blogs gerne weiterempfiehlt. Und gerade Elmar kann sich aus meiner Sicht nicht beschweren. Ich habe auf viele seiner Artikel verlinkt. So gesehen die perfekte Starthilfe für seinen Blog, wenn seine Ideen die Leser überzeugen, selbst wenn meine Artikel kritisch waren. Ich vermute mal, dass die Tage als ich auf ihn verlinkt habe, zu seinen stärkeren gehört haben dürften. Ich wüsste auch nicht, wie ich andere Blogger vom Artikelschreiben abhalten sollte oder jemals irgendjemanden davon abgehalten habe, einen Artikel zu schreiben (wie auch?). Üblicherweise ist die Kritik wohl eher, dass ich zuviel radikale Stimmen auf meinem Blog in den Kommentaren zulasse als das ich jemanden hindere, etwas zu sagen, solange es nicht beleidigend ist.

Persönliche Vorteile aus dem Maskulismus? Bisher eher nicht, außer dem Spass am bloggen. Als anonymer Blogger auch eher schwierig.

Aber ich lasse mich ja da eines besseren belehren. Wer also schon immer Kritik an der Dominanz des „C&A-Maskulismus vorbringen will, der kann das gerne in den Kommentaren machen. (Ich erteile jetzt schon eine Amnesty für die Zeit nach der Revolution, dürfte bei dem dann vorhandenen Posten ja in meiner Hand liegen). Wer als Vasall Arnes und meiner Herde nur mein Lob blöken möchte kann das natürlich auch gerne wie immer machen.  Vielleicht können wir auch schon die Posten verteilen.

Robert Claus: Maskulismus

Es gibt mal wieder eine feministische Studie zum Thema Maskulismus.

Maskulismus – Antifeminismus zwischen  vermeintlicher Salonfähigkeit  und unverhohlenem Frauenhass

Finanziert wurde sie wohl von der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Allerdings leider keine wesentlichen neuen Erkenntnisse und auch keine wirkliche Aufarbeitung der maskulistischen Szene. Der inhaltliche Stand scheint 2012 zu sein, mit kommt es so vor als hätte der Autor einfach die bisherigen Studien genommen und daraus eine neue Studie gemacht. Rosenbrock und Kemper lassen grüßen. Einige Auszüge:

Männliches Miteinander – modernisierte Bünde Der Maskulismus sieht es als Problem an, dass Männer entmündigt und als Gruppe zersplittert seien. Folglich arbeitet er daran, eine Männergruppe zu (re)etablieren, die ihre ‚Männlichkeit’ kollektiv als positiv empfindet. Dieses positive Selbstverständnis bestünde darin, eigene ‚männliche’ Interessen, Vorstellungen und Werte gegen eine ‚feministisch ideologisierte Gesellschaft’ durchzusetzen. Zugleich werden alle (pro-)feministisch orientierten Männer (und Frauen) aus dieser Gemeinschaft ausgeschlossen und zum ‚lila Pudel’, dem politischen Feind, erklärt. Insofern basiert die Idee der maskulistischen Männergruppe auf dem Ideal einer ungestörten Männergemeinschaft. Ihr Ziel ist es, patriarchale Macht zu modernisieren – sie ist eine Organisationsform, die in bündischer Tradition steht. Zugleich jedoch zeichnet sich in den männlichkeitspolitischen Stoßrichtungen von Agens und MANNdat ein deutlicher Widerspruch ab. Während Erstere die Entdeckung der männlichen Fürsorge betreiben, vertritt MANNdat ein im Grunde rein traditionelles Männlichkeitsbild des ‚harten Abenteurers’.

Da sieht man auch, dass eine Aufarbeitung abseits des gelben Forums und Sons of Perseus nicht wirklich stattgefunden hat. Natürlich sind – jedenfalls in meiner Form des Maskulismus auch Frauen, Männer, die nicht der Männerrolle entsprechen, aber diese auch nicht per se dämonisieren oder homosexuelle Männer willkommen.

Ist Männlichkeit verhandelbar? Jenseits eines stark vereinfachten Verständnisses der Zielgruppe ‚Männer’ sowie der simplen Übereinkunft im Feindbild Feminismus birgt die Frage nach den Begriffen Männlichkeit und Mannsein enorme Sprengkraft. Dementsprechend wird sie zumeist umschifft. Während ein großer Teil der ‚Bewegung’ ‚Mannsein’ als unhinterfragbare Norm versteht, versuchen andere den Begriff der ‚Männlichkeit’ mit konservativen Werten zu füllen und machen ihn dadurch zugleich reflektierbar, wenn auch in einem engen Rahmen. Wie in Kapitel 7.1 angeführt, hängen an dieser Debatte auch Fragen der Ausrichtung maskulistischer Männerpolitiken. Denn hier klafft eine deutliche und im Maskulismus bisher nicht ausdiskutierte Lücke zwischen Konzepten, Männlichkeit wieder traditioneller zu gestalten (Mannsein =Außendrang, Durchsetzungskraft und Härte) einerseits sowie Männlichkeit flexibler und moderner auszulegen (Männlichkeit = auch emotional und fürsorglich). Nur muss man darüber auch diskutieren können, um darüber diskutieren zu können …

Ist in der Tat ein Punkt. Wobei die Wahlmöglichkeiten hier sehr einfach dargestellt werden. Das von mir favorisierte Modell, dass es Häufungen geben kann, aber auch Abweichungen und das beides okay ist, kommt anscheinend als Modell nicht vor.

Feminismus, Geschlechterforschung und gleichstellungspolitische Projekte werden in den kommenden Jahren um eine Auseinandersetzung mit dem Maskulismus nicht herumkommen. Gesellschaftliche Modernisierung zeitigt Frustration in Anbetracht der Möglichkeiten des gesellschaftlichen Reichtums einer- sowie der Begrenztheit des individuellen Erfolgs andererseits. Ideologien natürlicher Herrschaft bilden eine Option der Bearbeitung dessen. Die gesellschaftlichen Anknüpfungspunkte des Maskulismus sind reichhaltig vorhanden und das feministische Geschlechterwissen keineswegs so hegemonial, wie behauptet wird. Zwar konnten in einigen gesellschaftlichen Teilbereichen feministische Erfolge erzielt werden, doch sind sexualisierte Gewalt und ökonomische Macht von Männern sowie der Ausschluss von Frauen aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens immer noch Realität. Darüber hinaus könnte der Maskulismus perspektivisch den Druck auf (pro-) feministische, gleichstellungspolitische sowie dekonstruktivistische Projekte erhöhen und sie verstärkt in defensive Auseinandersetzungen zwängen. Die Kritiken an Frauenförderungsmaßnahmen wurden in dieser Arbeit analysiert. Zugleich betrifft dies emanzipatorische Männlichkeitspolitiken.

Das ist ja immerhin mal eine interessante Einschätzung, Man wird um eine Auseinandersetzung mit dem Maskulismus nicht herumkommen. Weitere Texte bei:

Fragen zu biologischen / evolutionären Konzepten aus dem Blog?

Wenn man sich etwas in die Materie eingearbeitet hat, dann erscheinen einem die Zusammenhänge zwischen evolutionären Selektionsdruck, Genmathematik, Spieletheorie und den rein biologischen Begründungen aus meiner Sicht sehr einleuchtend. Natürlich muss man dazu Grundzüge wie etwa die sexuelle Selektion und die Bedeutung der Fortpflanzung etc verstehen.

Wie in vielen Bereichen ist es aber erst dieses gesamte Bild, was den Vorgang stimmig macht. Und das kommt natürlich bei vielen Blogbeiträgen zu kurz.

Daher hier noch einmal die Frage:

  • Welche Zusammenhänge sind euch unklar?
  • Zu welchen Theorien sollte ich noch mal was schreiben?
  • Wo seht ihr erhebliche Lücken in den Theorien?
  • Was erscheint euch sehr unwahrscheinlich?
  • Welche Punkte übersehe ich vollkommen?
  • Welche Fragen bleiben sonst offen?