„Free to be“ Jungs und Mädchen 40 Jahre nach der gescheiterten Gender-Revolution

Christina Hoff Sommers hat einen interessanten Artikel zum Spielverhalten von Kindern und dem Versuch die Geschlechter dabei auszublenden:

In 2009, David Geary, a University of Missouri psychologist, published the second edition of Male, Female: The Evolution of Human Sex Differences. This thorough, fair-minded, and comprehensive survey of the literature includes more than 50 pages of footnotes citing studies by neuroscientists, endocrinologists, geneticists, anthropologists, and psychologists showing a strong biological basis for many gender differences. And, as Geary recently told me, “One of the largest and most persistent differences between the sexes is children’s play preferences.” The female preference for nurturing play and the male propensity for rough-and-tumble hold cross-culturally and even cross-species. Researchers have found, for example, that female vervet monkeys play with dolls much more than their brothers, who prefer balls and toy cars. Nor can human reality be tossed aside. In all known societies, women tend to be the nurturers and men the warriors. Harvard psychologist Steven Pinker points to the absurdity of ascribing these universal differences to socialization: “It would be an amazing coincidence that in every society the coin flip that assigns each sex to one set of roles would land the same way.”

Bei biologischer Betrachtung verwundert das nicht: Spielen ist Vorbereitung auf die Erwachsenenzeit und es ist gerade bei Säugetieren wie dem Menschen in prähistorischen Zeiten, also denen, die für uns evolutionär interessant sind, kaum zu umgehen, dass Frauen eine Vorliebe für Spiele evolvieren, die sich dann auch mit Kindern beschäftigen und insoweit mit Pflege und Betreuung dieser. Ebenso wenig verwundert es, dass in einer Spezies mit starker intrasexueller Konkurrenz unter Männern Jungs überall auf der Welt solche Kampfsituationen darstellen und spielen wollen. Dafür muss es auch keine direkte evolutionäre Präferenz für eine Spielzeugpistole geben, die natürlich so aufgrund der kürze der Zeit nicht entstanden sein kann, aber eine evolutionäre Präferenz für Spielzeug, mit dem man in der jeweiligen Kultur intrasexuelle kämpferische  Konkurrenz unter Männern gewinnen könnte würde die diesbezügliche Vorliebe ebenso erklären. Auch Pinkers Argument ist aus meiner Sicht von hohem Gewicht: Wenn es reiner Zufall wäre, dann überrascht es, dass die gleiche Vorliebe überall auf der Welt zu finden ist.

Of course, we can soften and shape these roles, and that has been, in every epoch, the work of civilization. But civilization won’t work against the grain of human nature, and our futile attempts to make it do so can only damage the children that are the subjects of the experiment. Though few would deny that parents and teachers should expose children to a wide range of toys and play activities, almost any parent will attest that most little girls don’t want to play with dump trucks and few boys show an interest in Hello Kitty tea sets. “Free to Be” purports to be an anthem to freedom; but to “liberate” children from their gender will require unrelenting adult policing, monitoring, correcting, and shaming. Enlightened opinion tells us not to do that with gender non-conforming children; but surely it is just as misguided to do it with kids who conform to the conventions of their sex.

Der fett gedruckte Satz ist aus meiner Sicht wichtig und wird gerne verkannt: Es ist heutzutage akzeptiert, dass man Kindern Auswahl geben soll. Da ist der Genderfeminismus keineswegs der Vorreiter, der er zu sein glaubt. Die meisten Kinder wählen dennoch geschlechtertypisches Spielzeug – das ist aber eine Häufung, die aus biologischer Sicht durchaus zu erwarten ist und nicht per se schlecht ist. In dem Bereich liegt der Fehler des Feminismus, der aus der Häufung eine Unterdrückung herleitet.

Auch der letzte Satz ist wichtig: Natürlich soll man Kinder, die sich nicht nach dem Stereotyp verhalten die Möglichkeit zur Abweichung geben, damit sie frei sind, sich so zu verhalten, wie sie wollen. Das kann man dann aber bei Kindern, die sich nach dem Stereotyp verhalten nicht einfach umkehren und diese dazu zwingen, sich anders zu verhalten, weil es aus der eigenen Überzeugung besser wäre sollte dann auch klar sein.

The writer Andrew Sullivan is right when he describes the sex difference as “so obvious no one really doubted it until very recently, when the blank-slate left emerged, merging self-righteousness with empirical delusion.” That delusion was jumpstarted in 1974 with the advent of “Free To Be… You and Me.” Today, an army of gender scholars and activists is marching in support of the genderless ideal. But these warriors forget that ignoring differences between boys and girls can be just as damaging as creating differences where none exist. “Free to Be” is a cautionary example of how an idealistic social fantasy can turn into a blueprint for repression.

Dieser Aspekt wird häufig übersehen: Befreiung von Regeln, von denen man nicht befreit werden möchte, ist eben ebenfalls Unterdrückung.

Weitere Artikel dazu:

David zu „geschlechterneutraler Erziehung“ und dem biologischen Geschlechterunterschieden

Ein Kommentar von David sollte noch einmal etwas mehr Raum bekommen:

Ich mache mal den biologistischen Geschichtenerzähler für heute:

Gestern habe ich mich bei einer kleinen Feier mit 2 jungen Muttis unterhalten, beide Psychologinnen. Beide wurden von ihren Kindern erstaunt, wieviel Eigeninitiative und Mitwirkung sie an ihrer eigenen Entwicklung zeigen, wieviel Charakter, Temperament und “Persönlichkeit” die Kinder mitzubringen scheinen und wie unterschiedlich Geschwister selbst bei gleichem Erziehungsstil sein können.

Nicht nur stellen Mütter große Unterschiede zwischen Energielevel und Ängstlichkeit fest, sondern auch die sprachliche wie motorische Entwicklung zeigt bekanntlich eine große Varianz, bis hin zu den Präferenzen, die schon von frühester Kindheit an unterschiedlich sind.

Eine der beiden meinte, sie war “geschockt”, als ihr Sohn ausschließlich zu Jungsspielzeug griff, obwohl sie peinlich genau darauf geachtet habe, dass ihm Spielzeug nicht als etwas geschlechtstypisches begegnet. Wenn man ihm Puppen gebe, spiele er damit “Auto” mit gezielten Unfällen. Seit sie nebst einer Tochter einen nun 2-jährigen Sohn hat, ist sie vollkommen von ihren früheren gendertheoretischen Überzeugungen abgekommen (ich hatte sie glaube ich schon mal erwähnt). Diesen Sinneswandel erleben ja viele Mütter von Söhnen, die bekannteste ist wohl Susan Pinker.

Beide fanden es jeweils sehr entlastend, dass sich “das Gerede vom unbeschriebenen Blatt” als völliger Unsinn entpuppt, und somit auch nicht jedes Defizit oder jedes auffällige, untpyische Verhalten der Erziehung geschuldet ist. Kinder kommen – auch geschlechtsunabhängig – mit bisweilen weit unterschiedlichen Verhaltensdispositionen zur Welt. Es gibt wohl kaum eine Mutter, die etwas anderes sagen würde (man kann natürlich entgegen halten, dass Mütter wie Väter auch Persönlichkeit in ihren Kindern sehenwollen…nur stimmt diese längst nicht immer mit den eigenen Wünschen überein)

Dies ist selbstverständlich empirisch längst unstrittig nachgewiesen. Die Varianz der Verhaltensdispositionen ist ein Fakt, ist real.

Lassen wir ausgehend von der Tatsache, dass Kinder generell mit unterschiedlichen Dispositionen zur Welt kommen, mal alle “Klischees” beiseite. Blenden wir aus, dass Geschlechter (Gender) mit allen möglichen Erfahrungen und Vorstellungen verbunden sind, wie unterschiedlich und in Abgrenzung voneinander sie sich verhalten. Tun wir so, als wüssten wir davon nichts, als hätten wir von diesen “Stereotypen”, die das ordnendste Prinzip unserer sozialen Umwelt sind (weswegen es die erste und wichtigste Information ist, die wir intuitiv über einen Menschen in Erfahrung bringen wollen), noch nie gehört.

Dann muss man sagen, gibt unser Wissen über die grundlegende Biologie der Geschlechter es absolut her, dass die Varianz der der frühkindlichen Verhaltensdispositionen mit diesem zusammenhängt.
Wenn Kinder unterschiedlich sind, ist es mehr als nur naheliegend, dass ein Teil der Unterschiede damit zusammenhängt, dass noch nicht mal alle die gleichen 46 Chromosomen haben. Dass nur die beiden verschiedenen Gonosomen-Sets gegenseitig miteinander zur Reproduktion kompatibel sind, aber niemals (!) 2 gleiche Sets (22+XX /22 + XY) untereinander.

Nun zeigen diese phänotypischen Ausprägungen recht starke dimorphe Unterschiede (von größtenteils sich nicht reproduzierenden Pathogenen mal abgesehen), von Geschlechtsorganen, über (Hormon-)Stoffwechsel, bis hin zur Neurophysiologie. Unser Wahrnehmungsapparat ist außerdem ganz offensichtlich sehr stark auf die Detektion dieser Dimorphismen optimiert, er kommt auf einen Präzisionsgrad von 99% in wenigen Millisekunden allein bei Betrachtung des wenig dimorphen Gesichts (!).

Anhand evolutionärer Betrachtungen (die ich jetzt mal nicht ausführe) ist es nun sehr leicht plausibel zu machen, dass unterschiedliche Selektionsdrücke hier eine dimorphe, teilweise auch nur quantitativ unterschiedliche Entwicklung bedingt haben und dass diese sich (so wie bei den meisten Tierarten) auch in unterschiedlichen Verhaltensdispositionen niederschlägt. Bei den meisten Säugetieren ist nicht nur das Fortpflanzungsverhalten betroffen, sondern es findet auch eine Rollensegregation statt, insbesondere auch bei den artverwandten Primaten.
Das Wissen über die Wirkung von Hormonen macht diese unterschiedlichen Verhaltensdispositionen ebenfalls mehr als wahrscheinlich.

Was erwarten wir nun ausgehend von diesem Wissen von unserer sozialen Realität, die wir bisher ausgeblendet haben?

Werfen wir mal einen Blick aus dem Fenster:
Oh Schreck, die Geschlechter verhalten sich tatsächlich sehr unterschiedlich. Wie der mikroskopische Blick auf die Chromosomen vermuten lässt, ist das Geschlecht die aussagekräftigste menschliche Variable zur Vorhersage von Verhalten. Alle Kulturen, selbst sehr isoliert voneinander entwickelte, gestalten diese weitläufig aus, mit großer Variablität aber auch überwältigenden Gemeinsamkeiten über Geschichte und Kultur hinweg.
Die Geschlechter verhalten sich so geschlossen unterschiedlich, dass laut Genderfeministinnen keines der XY-Individuen von einem spezifischen, recht variantenreichem Verhalten (sexistische Diskriminierung) betroffen sein kann. Dass gleichzeitig geschlossen alle XY-Individuen von einem spezifischen Verhalten (rape) profitieren.
Bücher, die diese vielfältigen Unterschiede behandeln, sind Bestseller.
Keine Feministin wird abstreiten, dass Geschlecht in der sozialen Realität eine wesentliche, wenn nicht DIE entscheidende Rolle spielt.

Ist diese Beobachtung konsistent mit unserer Hypothese? Ja, eindeutig.

Ist sie damit formal verifiziert? Nein.

Aber ist denn so verbohrt, überhaupt noch mehr als diese Empirie zu benötigen, um die These zu verwerfen, dass es diese Verhaltensdispositionen nicht gibt? Dass die Unterschiede alle kulturell _entstanden_ sind, noch bevor sie genetische Spuren hinterlassen haben könnten?

Einige Sozialkonstruktivisten sind es. Und komischerweise hören wir ihnen auch noch interessiert zu.

Weihnachtswünsche und Kinderspielzeug nach Geschlecht

Eine Studie hat untersucht, was Kinder sich vom Weihnachtsmann wünschen:

Sex-typed toy preferences were assessed in a nonrestrictive, ecologically valid manner. Letters to Santa Claus requesting Christmas presents, written by 154 elementary school-age children, were analyzed for number and sex-stereotypy of toys requested. Girls requested more toys than boys and children more often requested nonsex-typed (neutral) than sex-typed toys. Girls were especially likely to request neutral toys, while boys were equally likely to request neutral or masculine-typed toys. However, children preferred sex-appropriate to sex-inappropriate toys. The results support efforts to investigate both neutral and sex-typed toy preferences in natural contexts.

Quelle: Letters to santa claus: Elementary school-age children’s sex-typed toy preferences in a natural setting

Vieles hängt natürlich von der Einordnung des Spielzeuges ab. Interessant aber, dass die Kinder jedenfalls kein Spielzeug haben wollen, dass dem anderen Geschlecht zugeordnet ist. Das kann damit zusammenhängen, dass sie das aufgrund sozialer Umstände nicht als für sich passend empfinden, es kann aber eben auch daran liegen, dass sie dieses Spielzeug schlicht nicht interessiert, zumal zB CAH-Mädchen entsprechende Grenzen der sozialen Zuordnung ja anscheinend besser überwinden.

Zur Zuordnung habe ich auch noch eine interessante Studie gefunden:

Miller found that 41 of the 50 toys were rated as either boys‘ or girls‘ toys. Although most of the toys were rated as more appropriate for one gender or the other, there were also a few neutral toys (e.g., a rocking horse, a bank, an Etch-A-Sketch, Play-Doh, and some painting and drawing materials). The girls‘ toys included dolls, stuffed animals, and domestic items. The boys‘ toys included vehicles, balls, guns, and construction toys. Beyond these broad categories, Miller also found that the boys‘ and girls‘ toys had strikingly different characteristics. Boys‘ toys encouraged more fantasy play that was symbolic or removed from daily domestic life, whereas girls‘ toys encouraged fantasy play that was centered on domestic life. In other words, boys could use their toys to build something new or to imagine flying off to outer space, whereas girls could use theirs to pretend to iron clothes and wash dishes. Boys‘ toys were also rated higher on sociability (permitting play with others as opposed to solitary play), competitiveness, aggressiveness, and constructiveness. Girls‘ toys were rated higher on creativity, manipulability, nurturance, and attractiveness.

Wenn man davon ausgeht, dass Jungs auf ein prähistorisches Jäger und Kämpferleben vorbereitet werden sollen, dann leuchtet es ein, dass sie fiktive Szenarien durchspielen, in denen es auch um intrasexuelle Konkurrenz geht oder neue Gegenden zu erforschen und rumreiche Taten zu vollbringen und wenn sie ein höheres Interesse daran haben, zu konstruieren etc dann schlägt sich dies eben auch im Spielzeug nieder. Natürlich spielt man so etwas dann auch eher gegeneinander, weil man dann eben auch das trainieren soll. Aber auch manipulieren, versorgen und kreativ sein hat eben eine starke soziale Einbindung, auch hier kann einiges an Fantasie erforderlich sein, gerade wenn man es mit sich alleine spielt.

Weiter aus der Studie:

Study 1 demonstrated that toys are still seen as strongly gender stereotyped in very predictable ways. Dolls and toys focused on domestic activities were consistently seen as being for girls; weapons, vehicles, and action figures that represent aggression or violence were consistently seen as being for boys. However, there were many toys that were seen as generally appropriate for children of both genders.

In Study 2, we confirmed that girls‘ toys were more likely to be rated as focused on appearance and attractiveness, and were more likely to be seen as attractive themselves. Girls‘ toys were also rated as more nurturant and more likely to focus on the development of domestic skills. We did not confirm the hypotheses based on previous research that girls‘ toys would be higher on manipulability or creativity.

We confirmed that boys‘ toys were more likely to be rated as violent than were girls‘ toys. Also confirmed was the finding that boys‘ toys were more competitive. Although the previous research did not lead directly to these predictions, boys‘ toys were also rated as more sustaining of attention, more exciting, more fun, more dangerous or risky, and more in need of adult supervision than were girls‘ toys.

Young children spend many hours playing with toys, and these activities certainly contribute to their developmental progression. Toy play is also an integral part of the process of children’s gender development. This is so much the case that children’s preferences for and their knowledge about the gendered nature of toys have often been used as a measure of their gender development.

We can see that toys do provide gendered experiences. Girls are likely to have experiences with their toys that emphasize the development of nurturance and domestic skills. It is reasonable to assume that such experiences would also benefit boys, because in the modern world the care of children and the home is increasingly being done by people of both genders (Barnett & Hyde, 2001; Wood & Eagly, 2002).

Girls are also likely to have experiences that emphasize the importance of attractiveness and appearance. This was found to be especially the case for strongly feminine toys, and in many ways it was the defining feature of this category. There has been particular concern about the impact of fashion dolls such as Barbie on girls‘ views of themselves. Clearly, these toys come with accessories and clothing that emphasize appearance and grooming, and girls do focus on the dolls‘ physical attractiveness as what they like about them (Markee, Pedersen, Murray, & Stacey, 1994). It is certainly arguable that this is a problematic aspect of strongly feminine toys.

Boys are more likely to have experiences with toys that are violent and aggressive and that involve competition, danger, risk, and excitement. Indeed, violence in particular was one of the defining features of strongly masculine toys. We suggest that this is possibly the most problematic aspect of boys‘ toys. Certainly there has been grave concern about violence in television and video games (Anderson & Bushman, 2001; Bushman & Huesmann, 2001), both of which are more likely to be part of boys‘ experiences than girls.‘ Most of the concern about violence in boys‘ toys has dealt with guns (Watson & Peng, 1992), although there has been some analysis of the extent to which the promotion of action figures centers on aggression and violence (Klugman, 1999). To our knowledge, there has been no previous mention of the extent to which boys‘ toys are associated with danger, risk, and excitement.

Meiner Meinung nach verlaufen die Kausalitäten genau anders rum: Nicht das Spielzeug erzeugt das Interesse, das Interesse führt zur Wahl eines bestimmten Spielzeuges. Leider wird dieser Weg aus meiner Sicht in der soziologischen Forschung zu wenig überprüft.

Barbie vs. He-Man

Ein Bild macht gerade in diversen Medien die Runde:

Barbie vs. He-Man

Barbie vs. He-Man

 

He-Man ist aus meiner Sicht weniger ein Schönheitsideal als ein Ausdruck eines Helden mit viel Status, der wohl eher auf intrasexuelle Konkurrenz, also Konkurrenzkampf unter Männern ausgerichtet ist. Deswegen bekämpft er sich ja auch mit einer feindlichen Gruppe, Skeletor und Co.

Das zeigt die verschiedene Ausrichtung der Geschlechter eigentlich ganz gut. Bei Frauen ist Schönheit wichtiger, bei Männern Status und Bestehen in der intrasexuellen Konkurrenz. Danach richten sich auch die Spielpräferenzen.
Der Einwand, dass beide Geschlechter mit Puppen spielen, bei Männern würde man sie nur einfach Action-Figuren nennen, geht insofern an der Sache vorbei. Denn die Spielzeuge von Männern und Frauen sind eben nach deren Präferenzen im Schnitt ausgerichtet und dabei wollen eben Mädchen häufiger als Jungen Schönheit, Pflege, Miteinander und Gesellschaft spielen und Männer intrasexuelle Stellvertreterwettkämpfe austragen. Dazu ist eben He-Man besser geeignet als Barbie, Playmobil-Ritter besser als My Little Pony etc.

Das He-Man über sein relativ weiches Alter Ego Prinz Adam ein ziemliches Weichei sein kann macht insofern eine Identifikation oder ein Träumen von der Heldenrolle nur einfacher.

Ergebnisse und Empfehlungen des Beirats Jungenpolitik

Das Bundesministerium für Senioren, Frauen und jugendliche stellt die Ergebnisse und Empfehlungen des Beirats Jungenpolitik vor.

Die gesamten Empfehlungen findet man hier.

Aus der dazugehörigen Pressemitteilung:

Der Abschlussbericht des Beirats enthält einen guten Überblick über die Wünsche und Vorstellungen junger Männer. So wollen fast alle beispielsweise gerne Väter werden. Gleichzeitig orientieren sich aber viele an hergebrachten Vorstellungen zu einem männlichen Berufsleben. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist kein Thema für junge Männer – obwohl sie gerne Zeit mit ihrer Familie verbringen möchten und männliche Bezugspersonen für Kinder wichtig finden. Auf Herausforderungen, die dadurch in Partnerschaften auf sie zukommen, sind sie nicht vorbereitet. Ihnen fehlen realistische Vorstellungen zur Vielfalt moderner Lebensformen. Jungen und junge Männer haben zudem Lust auf Teilhabe und auf gesellschaftliche Mitgestaltung – das ist eine nachdrückliche Erfahrung des Jungenbeirats. Aber sie fühlen sich aktuell nicht angesprochen, nicht einbezogen und häufig nicht respektiert. Das ist eine Aufforderung die Ansprache von Jungen und Mädchen sowie Kommunikations- und Partizipationsstrukturen zu überdenken.

In einer etwas feministischeren Sichtweise liest sich das wie folgt:

Calmbach und Debus schreiben in dem Bericht für Familienministerin Kristina Schröder (CDU), den Jungen fehle es „anzunehmenderweise teilweise an Reflexionsräumen und Austausch zu Vor- und Nachteilen verschiedener Modelle bzw. zu möglichen Problemen und Umgangsweisen mit diesen“. Einfacher gesagt: Die Männer, die schon Väter sind, und auch die Mütter und andere Bezugspersonen, drücken sich darum, die Problematik mit ihren Söhnen zu besprechen. Und die jungen Männer untereinander entziehen sich dem Thema ebenfalls – womöglich, aus Angst, als uncool oder unmännlich wahrgenommen zu werden. Die Konsequenz, die sich aus diesem Kapitel des 222 umfassenden Abschlussberichts des Beirats für Jungenpolitik ziehen lässt ist ein Plädoyer, ein Appell an Eltern, Lehrer, Betreuer: Sprecht mit den Jungs! Bringt sie zum Nachdenken! Schafft ebendiese Reflexionsräume, die ihnen fehlen. Sonst werden die Mädchen, die in 15 Jahren genau wissen werden, was sie wollen, noch immer mit ähnlich verunsicherten Männern konfrontiert sein wie die 30-Jährigen von heute.

Der verunsicherte Mann, der einfach nicht seine Rolle überdenken möchte. Das er vielleicht eine andere Rolle weit weniger möchte kommt dabei wohl nicht in den Sinn.

Dennoch ein interessanter Bericht. Hier ein paar Stellen (S.91):

In den meisten Jungengruppen entwickelten sich bereits nach kurzer Zeit Hierarchisierungen i.d.R. entlang von Alter, Lebensweltnähe, Artikulationsfähigkeit und häufig auch dem Körperbau (Muskularität, Sportlichkeit, teilweise Körpergröße). Diese drückten sich u.a. darin aus, dass den ranghöheren Jungen mehr zugehört wurde, während bei Redebeiträgen rangniedrigere Jungen häufiger unterbrochen wurden oder die zuhörenden Jungen unruhig wurden und den Sprecher nicht ansahen. In der Prekären bzw. Materialistisch-hedonistischen Lebenswelt wurden rangniedrige Jungen zudem schwulenfeindlich beschimpft. Wenn sie sich gegen Dominanzgesten ranghöherer Jungen wehrten, wurde ihnen teilweise (mehr oder weniger ernst) Gewalt angedroht. Die ranghöheren Jungen fielen teilweise dadurch auf, souverän auch Brüche mit den in anderen Kapiteln beschriebenen Männlichkeitsanforderungen zu zeigen, also beispielsweise von Selbstzweifeln oder Verliebtheit zu berichten. In manchen Jungengruppen bildete sich zusätzlich zu einer klar hierarchisierten Jungengruppe eine „Insel“ einzelner Jungen mit Merkmalen ranghöherer Jungen (v.a. Alter und Artikulationsfähigkeit), die jenseits der Hierarchie standen und Sonderpositionen einnahmen.

Also Hierarchien, Rangausbildung und intrasexuelle Konkurrenz. Dazu passend konnten sich die rankhöheren Jungen auch mehr Brüche erlauben.

Bei den Mädchen sah es so aus (auch S. 91)

In den Mädchengruppen entwickelten sich teilweise Hierarchisierungen, die aber subtiler abliefen und von außen schwieriger erkennbar waren. Abgesehen von den Mädchen der Prekären bzw. Materialistisch-hedonistischen Lebenswelt, bei denen ein sehr hohes UnruheLevel herrschte, hörten sich die Mädchen aller anderen Gruppen gegenseitig aufmerksam zu und unterbrachen sich nur selten. Allerdings bildeten sich entlang der Frage des Paarstatus und des Alters insbesondere in der Diskussion zu Männlichkeits- und Weiblichkeitsbildern Ungleichheiten heraus, da ältere Mädchen mit Partner sich mehr Raum nahmen als jüngere Mädchen ohne Partner. Hierarchisierungen zeigten sich v.a. auch, wenn selbst organisiert Gruppen gebildet werden sollten, in Pausengesprächen und Gesprächen bei der Collagenerstellung sowie in der Quantität und Intensität, in der sich bestimmte Mädchen aufeinander bezogen. Hier fanden subtile Ausgrenzungen statt, indem manche Mädchen, obwohl sie sich in den meisten Fällen gerade erst kennengelernt hatten, Freundinnenschaft performten, eine solche Aufmerksamkeit gegenüber anderen Mädchen aber nicht zeigten. Teilweise bemühten sich mehrere Mädchen um die Aufmerksamkeit desselben (i.d.R. älteren, sehr artikulationsfähigen und schlanken) Mädchens, was ein Machtungleichgewicht mit sich brachte. In vielen Gruppen gab es eher mehrere unterschiedliche und teils widersprüchliche Stränge der Hierarchisierung. Ein eindeutiges Oben und Unten wie in den meisten Jungengruppen war kaum zu beobachten. Die Strategie, über die Performance von Freundinnenschaft Hierarchien herzustellen, steht im Kontext dazu, dass sich die Mädchen insgesamt stärker aufeinander bezogen als die meisten Jungen. Mehrfach wurden nach Beendigung der Fokusgruppen-Diskussion von einigen oder allen Mädchen Telefonnummern und Facebook-Namen ausgetauscht

Also auch wie zu erwarten keine klaren Hierarchien, sondern eher versteckte. Dafür subtilere Ausgrenzungen.

Zu der Ausbildung von Selbstbewußtsein (S. 92)

Die Mädchen speisen ihr Selbstbewusstsein vor allem aus fürsorglichen und sozialen Kompetenzen. „Hard Skills“ und andere, weniger von der sozialen Umwelt abhängige Fähigkeiten bzw. Eigenschaften spielen nur lebensweltspezifisch und dann vor allem ergänzend eine bedeutsame Rolle (Expeditive, Experimentalistische Hedonistinnen, Materialistische Hedonistinnen).

Jungen nennen vor allem körperliche Leistungsfähigkeit und Sportlichkeit als Ressourcen, die sie an sich mögen und aus denen sie entsprechend Selbstbewusstsein schöpfen. Das trifft vor allem auf die Konservativ-bürgerlichen und die Materialistisch-hedonistischen Jungen zu.

Auch recht klassisch. Frauen wollen für fürsorgliche und soziale Kompetenz wahrgenommen werden, Männer für körperlichen Wettbewerb. Dann folgt klassisches „Doing Gender“:

Diese geschlechterstereotypen Aspekte werden von Jugendlichen in der Regel jedoch um neutrale oder geschlechteruntypische Eigenschaften ergänzt. Vor allem bei den Jungen der Konservativ-bürgerlichen Lebenswelt gelten fürsorgliche Kompetenzen als (wichtige) Quelle von Selbstbewusstsein. Hier zeigt sich ein offensichtlicher Bruch mit geschlechterstereotypen Vorstellungen, der vor dem Hintergrund der lebenswelttypischen Familien- und Partnerschaftsorientierung jedoch plausibel ist. I Soziale Kompetenzen gelten Jungen auch in anderen Lebenswelten als Quelle von Selbstbewusstsein, es zeigt sich jedoch kein so offensichtlicher Bruch mit geschlechtertraditionellen Vorstellungen. Sozialökologische Jungen nennen beispielsweise Offenheit, Lust an Austausch und Kritikfähigkeit als Eigenschaften, die ihr Selbstbewusstsein auszeichnen. In anderen bildungsnahen Lebenswelten werden auch Offenheit, Freundlichkeit und Toleranz als wichtige Facetten des eigenen Selbstbewusstseins genannt.

Männer, die sich um Leute sorgen oder kümmern? Wer hätte je davon gehört? Als ob Männer sich jemals um Leute, seien es Freunde oder Verwandte kümmern würden.  Nicht, dass Männer Freundschaften hätten oder Väter sind und in Beziehungen ihren Partner unterstützen. Warum sollte man man so etwas männertypisch finden? In der Tat ein Ausbruch aus der Männerrolle.

Auch den Satz finde ich interessant:

Im Vergleich der unterschiedlichen Ungleichheitsverhältnisse fällt auf, dass sozioökonomische Ungleichheiten fast gar nicht von Mädchen oder Jungen aus sozial benachteiligten Verhältnissen thematisiert werden und auch Mädchen nur eingeschränkt ihre eigene Betroffenheit von Sexismen in den Raum stellen

Also anscheinend kein Aufschrei bei der Jugend.

Zu sonstigen Diskriminierungen:

In fast allen Lebenswelten

  • haben Mädchen eine breiter gefächerte Ungleichheitswahrnehmung als Jungen. Im Fokus stehen dabei soziale Interaktionen (insbesondere interpersonale Diskriminierungen) und Vorurteile. Sie zeigen sich zudem deutlich empathischer mit Ungleichheitsbetroffenen als Jungen. Mädchen berichten in allen Lebenswelten häufiger als Jungen von Mobbingerfahrungen sowie davon, Opfer von Gewalt geworden zu sein. Vor allem abwertende oder gar bedrohliche „Anmachen“ haben fast alle Mädchen schon einmal erlebt. Dabei ist zu vermuten, dass auch Jungen Gewalt widerfahren ist, sie davon aber aufgrund der mit Männlichkeit verbundenen Souveränitätsanforderung nicht berichten;
  • fokussieren Jungen in ihrer Ungleichheitswahrnehmung stärker eigene Benachteiligungen und Diskriminierungserfahrungen, aber auch auf die Gesellschaft bezogene, wie Chancenungleichheit am Arbeitsmarkt und ökonomische Ungleichheiten (Kapitalismuskritik, Gender Pay Gap). Viele Jungen mit Rassismuserfahrungen zeigen sich dabei auffällig sensibler bezüglich anderer Diskriminierungs-Verhältnisse wie beispielsweise Sexismus als mehrheitsdeutsche Jungen derselben Lebenswelt. Fast alle Jungen vermeiden es, so weit möglich, in ihrer Thematisierung eigener Ungleichheitserfahrungen als Opfer zu erscheinen.

Jungen nehmen also insoweit durchaus eigene Ungleichserfahrungen wahr und auch eigene Benachteiligungen. Sie wollen aber keine Opfer sein.

Zu den Erfahrungen in der Schule:

Jungen aus den bildungsnäheren Lebenswelten (vor allem Konservativ-Bürgerliche, Sozial- ökologische und Adaptiv-Pragmatische) gehen von höheren Leistungserwartungen seitens der Lehrkräfte an Jungen als an Mädchen aus. Sie haben den Eindruck, dass Mädchen für gleiche Leistungen besser bewertet werden.

Materialistische Hedonisten bzw. Jungen aus der Prekären Lebenswelt sind der Meinung, für dieselben Unterrichtsstörungen härter bestraft zu werden als Mädchen. Auch die Mädchen gehen davon aus, dass sie in dieser Hinsicht in der Schule bevorzugt werden. Ungleichheiten oder Ungerechtigkeiten, die an Leistungserwartungen, Notenvergaben oder an fachlich gebundene Aspekte geknüpft sind, tauchen weder bei den Jungen noch den Mädchen dieser Lebenswelten auf. 32 Vgl. dazu die Debatte um Racial Profiling.

Mädchen sehen sich vor allem in den MINT-Fächern und im Sportunterricht benachteiligt. In den MINT-Fächern fühlen sich in erster Linie die formal höher gebildeten und lebensweltlich modern geprägten Mädchen ungerecht benotet, nicht ausreichend gefördert, aber auch durch abfällige Bemerkungen von Lehrkräften bloßgestellt. Hinzu kommen Diskriminierungs-Erfahrungen, die vor allem Mädchen formal niedriger gebildeter, aber in etwas geringerem Maß auch Mädchen privilegierterer Lebenswelten in der Schule in Form abwertender frauenfeindlicher Sprüche und sexualisierter Übergriffe durch ihre Mitschü- ler erfahren. Diese Erlebnisse machen Schule für viele Mädchen zu einem unangenehmen Ort.

Das waren jetzt nur ein paar rausgegriffene Stellen. Eine größere Besprechung findet sich auch bei Sciencefiles. Interessant ist, dass in einer Stellungnahme des Beirats Jungenpolitik auch viel über Mädchen geredet wird und ein Vergleich angestellt wird. Im Gegensatz zu den Untersuchungen über Gewalt gegen Frauen. Man erkennt schon die Ausrichtung der Studie, die aus meiner Sicht schon eher den klassischen sozialwissenschaftlichen-feministischen Theorien zugeneigt zu sein scheint. Es verwundert insofern nicht, dass sich Connell im Literaturverzeichnis findet.

Gründe für schlechtere Noten für Jungs

Ein Artikel in der Süddeutschen zu schlechteren Noten für Schüler im Gegensatz zu Schülerinnen:

Etwas überrascht waren die Forscher jedoch, als sie diese Ergebnisse mit den realen Schulnoten verglichen: Die Jungen erzielten im Durchschnitt durchweg schlechtere Noten als die Tests erwarten ließen. Das galt selbst für diejenigen, die bei den unabhängigen Tests im Lesen genauso gut abgeschlossen hatten wie die Mädchen. Zeigt sich hier etwa eine Benachteiligung der Jungen? (…)

„Am wichtigsten für die Notenvergabe durch die Lehrer ist die Einstellung der Schüler zum Lernen“, sagt auch Studienautor Cornwell. Es gehe um Fertigkeiten wie „die Konzentration des Kindes, das Durchhaltevermögen, die Lernbereitschaft, Selbständigkeit, Flexibilität und das Organisationsvermögen“. Aber genau an diesen Fähigkeiten mangelt es den Jungen, wie eine weitere Befragung der Lehrer der getesteten Schüler ergab. Das Missverhältnis zwischen Testergebnissen und Schulnoten beruhe auf derartigen „nicht-kognitiven Fertigkeiten“, schreiben die Autoren.

„Das bestätigt frühere Ergebnisse“, kommentiert Marcel Helbig. „Viele Studien zeigen, dass Jungen eine geringere Leistungsbereitschaft aufweisen als Mädchen.“ Die eigentlich interessanten Forschungsfragen seien, wieso das so ist und was man dagegen tun könne.

Als „weitgehend widerlegt“ bewertet Helbig die These, wonach eine Feminisierung der Schulen durch die wachsende Anzahl von weiblichen Lehrkräften den Jungen schadete. 2010 etwa veröffentlichte Helbig gemeinsam mit Kollegen eine Studie, die anhand von IGLU-Daten zeigte, dass „weder Jungen noch Mädchen bei Kompetenzentwicklung oder Noten in Mathematik, Deutsch oder Sachkunde von einem Lehrer gleichen Geschlechts profitierten“. Gegen diese Annahme spreche außerdem, dass Jungen bereits seit mehr als hundert Jahren schlechtere Noten als Mädchen bekommen, also auch zu Zeiten, in denen die Pädagogik noch von Männern dominiert war.

Ein anderer Artikel in der Süddeutschen geht genau in die andere Richtung:

Sie würden lieber toben, statt Mandalas zu malen, lieber mit dem Experimentierkasten hantieren, als Weihnachtsschmuck zu basteln. In der Praxis erlebt der Pädagoge, was auch Gespräche mit Teilnehmern seiner Forschungsgruppen bestätigen: Mit einem hohen Bubenanteil tun sich Lehrerinnen schwerer als Lehrer. Klassen, die als schwierig gelten, empfindet er selbst oft gar nicht so: „Es sind halt einfach Jungs“, sagt er. Ihnen falle es eben nicht so leicht, immer funktionieren zu müssen, in der Schule würden sie oft zu schnell diszipliniert.

Mayers Mittel sind andere: häufigere Pausen, auch mal die Klassenzimmertüren öffnen, Rennen auf dem Flur erlauben, Fußballspielen im Pausenhof, gemeinsam Musik machen, „das leitet Energien ab und hilft, persönliche Beziehungen aufzubauen. Da kann man leichter mal einen beiseite nehmen und mit ihm reden“.

Männer, so hört Mayer aus seinen vielen Gespräch mit den Teilnehmern seiner wissenschaftlichen Studie heraus, seien eher in der Lage, die Ausbrüche von Jungs mit Humor zu nehmen. Wenn die Buben ausnahmsweise einmal von einem Mann unterrichtet würden, dann seien sie meist begeistert. „Wenn einer unserer Studenten in die Schule geht, ist er in der Regel der Star und wird umlagert.“

Im Ganzen scheint das Problem zu sein, dass in diesen jungen Jahren die Jungs nicht so leicht in den Schulalltag zu integrieren sind, lieber toben wollen und insofern weniger Leistungsbereitschaft im Schulbereich zeigen.

Verständlich, wenn man bedenkt, dass stillsitzen und Wissen aufnehmen etwas ganz anderes ist als Rough and tumble Play und die Vorbereitung auf intrasexuelle Konkurrenz unter Männern, die wohl in früheren Zeiten eher wichtig war.

Hormone und Spielverhalten

Eine interessante Studie zum Spielverhalten von Kindern und der diesbezüglichen Wirkung von Hormonen:

We investigated playmate and play style preference in children with congenital adrenal hyperplasia (CAH) (26 females, 31 males) and their unaffected siblings (26 females, 17 males) using the Playmate and Play Style Preferences Structured Interview (PPPSI). Both unaffected boys and girls preferred same-sex playmates and sex-typical play styles. In the conflict condition where children chose between a same-sex playmate engaged in an other-sex activity or an other-sex playmate engaged in a same-sex activity, boys (both CAH and unaffected brothers) almost exclusively chose playmates based on the preferred play style of the playmate as opposed to the preferred gender label of the playmate. By contrast, unaffected girls used play style and gender label about equally when choosing playmates. Girls with CAH showed a pattern similar to that of boys: their playmate selections were more masculine than unaffected girls, they preferred a boy-typical play style and, in the conflict condition, chose playmates engaged in a masculine activity. These findings suggest that prenatal androgen exposure contributes to sex differences in playmate selection observed in typically-developing children, and that, among boys and girls exposed to high levels of androgens prenatally, play style preferences drive sex segregation in play.

Quelle: Prenatal hormones and childhood sex-segregation: Playmate and play style preferences in girls with congenital adrenal hyperplasia

Ich finde es interessant, weil hier untersucht wird, welches Spielverhalten und welche Spielkameraden jeweils gesucht werden. Wie zu erwarten wenn man von biologischen Unterschieden ausgeht werden gleiche Spielverhalten und das gleiche Geschlecht bevorzugt. Allerdings bevorzugten Mädchen mit CAH eher das Spielverhalten von Jungs.

Die allgemeinen Unterschiede werden wie folgt dargestellt:

hildhood sex segregation is a robust phenomenon and the developmental trajectory of same-sex affiliation has been well documented (Fabes, Martin, & Hanish, 2003; Jacklin & Maccoby, 1978; LaFreniere, Strayer, and Gauthier, 1984; Maccoby and Jacklin, 1987; Martin and Fabes, 2001; Ruble & Martin, 1998; Wasserman & Stern, 1978). The magnitude of the preference for same- versus other-sex affiliation is quite large, increases at least into middle childhood, and appears to be resistant to change (Maccoby and Jacklin, 1987; Powlishta, Serbin, and Moller, 1993; Serbin, Tonick, and Sternglanz, 1977). However, while the behavioral features of children’s sex-typed playmate preferences are generally understood, the underlying mechanisms are not.

The extant literature on childhood sex segregation in general implicates cognitive, social, and biological processes with the general consensus that the full explanation integrates these theoretical perspectives. Independent effects of gender labels and play styles in children’s playmate selections have also been investigated with some researchers hypothesizing that the sex differences in play style themselves probably contribute to children’s preferences for same-sex play partners. For example, it has been demonstrated that boys and girls differ in toy choices, activity levels, and rough-and-tumble play. Compared to boys, girls play more with dolls and doll furnishings, are less active, and are less interested in rough, outdoor play. By contrast, compared to girls, boys play more with construction and transportation toys, are more active and are more interested in rough, outdoor play (Berenbaum & Hines, 1992; DiPietro, 1981; Eaton & Enns, 1986; Hines & Kaufman, 1994; Maccoby & Jacklin, 1974; Pasterski, et al., 2005; Pasterski, et al., 2007; Ruble & Martin, 1998; see Hines, 2009 for review).

Also auch hier Unterschiede, wobei Mädchen lieber mit Puppen spielen, weniger aktiv sind, weniger interessiert an rauen Spielen draussen sind. Männer spielen eher mit Konstruktionen und Transportspielzeug und sind eher aktiver und mehr an rauen Spiel draussen interessiert.

Aus der Besprechung der Ergebnisse:

The findings from the current study elucidate a potential underlying mechanism responsible for the observed pattern of childhood sex segregation. For boys and for girls with CAH, playmate selection relates mostly to the play style of the playmate, irrespective of the playmate’s gender. Playstyle and playmate preferences of girls with CAH were both shifted significantly in the masculine direction compared to unaffected girls. In addition, for girls with CAH play style was more important than gender label in choosing playmates, as evidenced by their selecting female playmates engaged in a masculine activity when these two dimensions were put into conflict. As noted above, play style is influenced by prenatal androgen exposure. Girls with CAH show masculinized play styles (Hines, 2009) and amniotic fluid testosterone, as well as maternal testosterone during pregnancy, correlates with male-typical play styles in healthy girls (Auyeung, et al., 2009; Hines, et al., 2002). Thus, playmate preference may be a secondary effect of the influence of androgen on play style. Although social sanctions may also contribute to boys’ rejection of feminine play styles, this is unlikely for girls with CAH who appear not to be subjected to such sanctions. In fact, girls with CAH have been shown to receive increased parental encouragement of girl-typical play (see Pasterski, et al., 2005).

Mädchen mit CAH zeigen einen maskulinen Spielstil, obwohl ihre Eltern versuchen, sie eher zu einem weiblichen Spielstil zu bringen.

Und weiter:

This study demonstrates that not only are there sex and CAH-related differences in play styles, but also in the extent to which play style matters when choosing a playmate. We found that the majority of boys and girls with CAH chose playmates based on the preferred play style of the playmate rather than the gender label of the playmate. By contrast, the group of unaffected girls chose playmates based on the playmate’s gender and play style roughly equally. Although there are stronger social sanctions on cross-gender play for boys than there are for girls, these stronger sanctions are unlikely to account for the male-typical pattern displayed by girls with CAH since they are not subject to the sanctions. The implication is that prenatal androgen influences not only preferences for play styles, but also makes these play styles of greater importance when choosing a playmate. The findings also suggest that, although prenatal androgen exposure influences both children’s play style preferences and their playmate preferences, the shift in the masculine direction for playmate preference may be indirect, via the altered preference for a masculine play style. Thus, both in boys and in girls with CAH, prenatal exposure to high levels of androgen may make certain toys and activities so appealing that they drive playmate selection.

Es ist wieder eine dieser Studien, die aus meiner Sicht schwer durch soziale Theorien oder Rollenbilder zu erklären sind. Denn in diesem Fall müßten die CAH-Mädchen als Mädchen eher mit ihresgleichen spielen und sich da den weiblichen Rollenbildern anpassen. Sie bevorzugen aber abweichend davon den männlichen Spielstil und männliche Spielpartner

Wurffähigkeiten bei Männern und Frauen

Im Spiegel ist ein interessanter Bereich über die unterschiedlichen Wurffähigkeiten von Männern und Frauen:

Um das Phänomen zu ergründen, verglich der Sportwissenschaftler Jerry Thomas von der University of North Texas die Wurftechnik fünf Jahre alter US-Boys und US-Girls. Bereits hier beobachtete er große Unterschiede: Die Jungs beschleunigten einen Tennisball im Durchschnitt auf etwa 42 Kilometer pro Stunde, die Mädchen brachten es auf nur knapp über 30. Mit wachsender männlicher Kraft und dem Alter wurde der Unterschied noch größer.

Mit 13 warfen Jungs im Schnitt mit 85 Kilometer pro Stunde, die Mädchen hingegen nur mit 61. Mit 15 Jahren warf selbst der schlechteste Junge noch weiter und härter als das beste Mädchen in seiner Klasse, fand Thomas heraus.

Wir haben hier also sehr große Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die so hoch sind, dass selbst der schlechteste Junge besser war als das beste Mädchen. Also keine Überlappung in den Normalverteilungen.

Grund ist wohl zu einem großen Teil die Wurftechnik:

Vor allem in der Technik unterscheiden sich die Geschlechter. Bis zu einem Alter von vier Jahren werfen Jungen und Mädchen beide mit einem recht steifen Arm. Um mehr Schwung und damit auch größere Weiten zu erzielen, muss aber eine koordinativ schwierigere Bewegung ausgeführt werden – eine sehr komplexe Angelegenheit, die Jungen ab etwa vier Jahren besser beherrschen. Viele Frauen: Schlechtes Timing, wenig Wumms

Experten unterteilen Würfe in drei Phasen. Dabei werfen Rechtshänder im Idealfall, indem sie zunächst den linken Fuß vorsetzen. Während des Ausholens rotiert die Hüfte, in der letzten Phase die Schulter. Der ganze Körper ist im Einsatz, der Arm vollführt eine Bewegung wie eine Peitsche, bevor der Ball die Hand verlässt. Bei den meisten Mädchen ist die Wurfbewegung statischer. Viele Rechtshänderinnen stellen statt den linken Fuß automatisch den rechten voran. Die Bewegung kommt nur aus dem Arm. Aber das Hauptproblem ist: Das Timing bei der Schulter-Hüft-Rotation stimmt nicht. Wenn überhaupt erfolgt es oft gleichzeitig – eine gute Beschleunigung ist so nicht möglich. Sogar bessere und ältere Sportlerinnen haben dieses Problem oft.

Die Kinder haben also eine verschiedene Technik, wobei die Jungs die effektivere Technik schneller bzw. überhaupt erlernen. Interessant ist insoweit, dass sich die Geschlechtsunterschiede erst ab etwa 4 Jahren zeigen. Bei einem rein kulturellen Unterschied wäre das eher nicht zu erwarten.

Zu den Gründen dafür:

Jerry Thomas vermutet die Ursache im weiblichen Nervensystem. Auch evolutionsbiologische Erklärungen könnten möglich sein: Während der männliche Urmensch auf der Jagd seine Wurffähigkeiten trainiert habe, hätten die Frauen den Urzeit-Haushalt geschmissen und den Nachwuchs aufgezogen. Mit einem Baby auf dem Arm sei eine einwandfreie Schulter-Hüft-Rotation nicht möglich gewesen, mutmaßt Thomas. Wissenschaftlich gesichert ist das nicht.

Nur kurz sei darauf hingewiesen, dass eine Ursache im Nervensystem und eine evolutionsbiologische Erklärung sich nicht ausschließen, sondern vielmehr ergänzen: Auch das Nervensystem ist durch Evolution entstanden.

Legt man die gängigen Evolutionstheorien zugrunde, dann wäre ein Unterschied im Werfen geradezu zu erwarten. Alle Forschung weist darauf hin, dass unsere evolutionären Vorfahren die Arbeiten nach Geschlecht aufgeteilt haben und insbesondere die Männer jagten. Hinzu kommt, dass auch der Kampf eine männliche Domäne gewesen sein dürfte. Bei all diesen Tätigkeiten war die Wurfwaffe von enormer Bedeutung: Ein Wurfspeer ermöglicht die Jagd ohne sich in die Nähe des Tieres zu bewegen und somit vor seiner Gegenwehr weitgehend gefeit zu sein. Ebenso ergibt sich ein enormer Vorteil bei einem Kampf: Wer sich in einen Nahkampf begibt, der hat eine höhere Chance auf eine Verletzung als jemand, der den anderen mittels einer Fernkampfwaffe zu besiegen versucht.

Wenn dieses Bild zutrifft, dann würden Wurfeigenschaften und das schnellere Erlernen dieser einen erheblichen Selektionsvorteil gerade für Männer bewirken. Diese hätten hierdurch in vielen Bereichen sowohl ein bessere Chance auf eine gute Jagd als auch bei einem Kampf. Gute Werfer werden sich daher eher fortgepflanzt haben als schlechte Werfer.

Interessant auch die weitere Studie zu den Aboriginis:

Ein Vergleich mit Aborigine-Kindern dürfte den Mädchen aber Mut machen: In der Kultur der australischen Ureinwohner werden von Beginn an beide Geschlechter für die Jagd trainiert. Entsprechend besser werfen die Mädchen, fand Thomas heraus. Kaum irgendwo auf der Welt kommen sie so nah an die Leistungen der Jungen heran – bei den Tests von Thomas erreichten sie immerhin 78,3 Prozent der Wurfgeschwindigkeit ihrer männlichen Konkurrenz.

Also selbst dann, wenn beide Geschlechter für die Jagd trainiert werden werfen die Jungs besser. Dass spricht für eine biologische Komponente.