„Männer sind es gewohnt, nur von Gleichrangigen kritisiert zu werden, nicht von Frauen“

Antje Schrupp bespricht ein Bild von Facebook:

 

Männer anschreien

Männer anschreien

Dazu merkt sie an:

Das Plakat ist interessant, weil es ja tatsächlich von vielen Männern (nicht nur von Strache) als wahr empfunden wird.

Dass die objektive Realität messbar eine andere ist, weil ja weiße Männer unvergleichlich viel mehr Redezeit haben als andere Menschen, weil sie viel, viel seltener angeschrien, unterbrochen, beschimpft usw. werden als jede andere demografische Gruppe, weil im Gegenteil ja Menschen wie sie selbst es sind, die andere am allerhäufigsten anschreien, unterbrechen, beschimpfen (wie man in jedem Thread und in jeder Talkshow sieht) tut da nichts zur Sache.

 Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie einfach das Weltbild vieler Feministinnen ist: In ihnen gibt es keine schreienden. meckernden, keifenden oder ungerechtfertigt Anschuldigungen vorbringenden Frauen und wahrscheinlich sogar noch weniger Feministinnen, die so etwas machen würden.  Das wäre ja sogar unabhängig davon, ob Männer in Talkshows eher unterbrechen oder Männer an sich häufiger anschreien: Das wäre dann eben schlechtes Benehmen der betreffenden Männer und würde Frauen nicht berechtigen, sich ebenfalls schlecht zu benehmen. Ich würde das Plakat auch losgelöst von der Person Strache sehen, er hat es selbst nur aus dem Internet, wo es vorher schon auftauchte. Es ist eine erstaunliche Perspektive, denn natürlich werden Männer von Müttern, Freundinnen, Lebensgefährten, Ehefrauen, Chefinnen etc auch angeschrien, unterbrochen, beschimpft.
Hier geht es aber um etwas ganz anderes: Es geht darum, wie bestimmte Meinungen gerade von radikalen Linken empfunden werden, die ihre Meinung absolut setzen und dabei eine Einteilung in absolute Opfer- und absolute Tätergruppen vornehmen und jede Kritik als Hochverrat und Tabubruch ansehen. Diese Meinung wird hier von einem Typ symbolisiert, der dies besonders häufig praktiziert, der Feministin. Denn diese steht in der „linken Unterdrückungshierarchie“ eben besonders hoch und das gibt ihr eine bestimmte Macht, Leute abzuwerten. Das gerade der Feminismus auch für „Shitstorms“ durch das Anfachen moralischer Entrüstung bekannt sind zeigen eine Vielzahl von Fällen.

Worum es geht ist nämlich tatsächlich „Entitlement“: Menschen reagieren emotional nicht einfach auf die realen Verhältnisse, sondern auf die Differenz zwischen den realen Verhältnissen und dem, worauf sie glauben, einen Anspruch zu haben. Und weiße, bürgerliche Männer glauben (so ist weiße Männlichkeit ja konstruiert), einen Anspruch darauf zu haben, dass sie nur von „Gleichrangigen“ kritisiert werden dürfen, nicht aber von „anderen“. Sie glauben, einen Anspruch darauf zu haben, dass ein Argument nicht als im öffentlichen Diskurs legitim gilt, solange sie es nicht verstehen und teilen. Sie empfinden es als übergriffig, wenn andere Menschen, auch noch solche, die „unter“ ihnen stehen, eine andere Meinung haben als sie und sich um ihre Meinung auch gar nicht scheren.

Das muss man wohl denken, wenn man Teil dieser Ideologie ist, in der der Mann Täter ist. Dass Männer sich als gleichrangig ansehen und deswegen aus ihrer Sicht natürlich das Recht haben ihrerseits zu kritisieren oder auf Kritik zu reagieren und sich gegen Abwertungen zu wehren, dass sie natürlich das Recht haben, bestimmte Positionen nicht zu teilen und daher auch nicht zu akzeptieren, dass sie natürlich eine Meinung, die sie als Täter ansieht und sie abwertet, weil sie weiß, heterosexuell und männlich sind, als Angriff auf sie sehen und das diese Ansichten nicht als von unten kommend, sondern von oben aufgedrückt wahrgenommen werden, das kann einem dann wohl gar nicht in den Sinn kommen.

Die schlechte Nachricht: Diese Auseinandersetzung um gesellschaftliche Hegemonie wird nicht ohne Schmerzen abgehen. Und zwar eben tatsächlich Schmerzen auf Seiten derjenigen, die von den weißen bürgerlichen Männern jetzt als ihre Gegner_innen definiert werden, so wie die Frau auf dem Plakat: Denn da sie ja subjektiv das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden, fühlen sie sich umso mehr berechtigt, jetzt ihrerseits zuzuschlagen. Ihre Gewalt ist reine Notwehr, sozusagen.

Es ist auch erstaunlich, dass sie anscheinend gar nicht wahrnehmen will, dass weiße, bürgerliche, heterosexuelle Männer nicht die Frau als Gegner auserkoren haben, sondern das sie bereits seit langem das Feindbild dieser Frau sind. Da braucht man gar nicht groß suchen, es reicht in Google „weiße heterosexuelle Männer“ als Suchbegriff einzugeben und der Hass auf diese ist gut zu erkennen.

Die gute Nachricht: Es scheint sich tatsächlich etwas zu ändern. Denn während sie Emanzipation und Gleichstellung noch ignorieren konnten, weil sie dachten, das betrifft sie ja nicht, merken sie nun so langsam, dass es tatsächlich auch um sie geht. Dass die Welt, so wie sie sie sich bisher zurechtphantasiert haben, nicht die ganze Realität ist. Dass es da noch andere gibt, die ihren Platz behaupten.

Was wir hier erleben ist das Ende des Patriarchats. In einem intakten Patriarchat wäre so ein Plakat völlig undenkbar.

Mit dem letzten Satz hat sie Recht. Nur ist es eben nicht das Ende des Patriarchats, weil es kein Patriarchat gibt. Frauen sind nicht unterdrückt. Sie interessieren sich nur weniger für Macht und Status, weswegen sie in entsprechenden Positionen auch seltener zu finden sind.

Was Antje auch ausblendet: Es sind nicht nur Männer, die das so erleben. Eine der 53% der weiblichen Wähler in den USA würde ebenso beschimpft werden oder überhaupt eine Frau, die den modernen radikalen Feminismus nicht akzeptiert. Der moderne Feminismus verbietet sich per se Kritik und reagiert aggressiv, weil er argumentativ seine Position kaum verteidigen kann.

Was ist „Macht“

Kardamon schlug in den Kommentaren eine eigene Diskussion dazu vor, wie man Macht eigentlich definieren muss.

Er schrieb dazu:

Das Ding mit „Macht“…

Ich hab damals noch die Weber’sche Definition gelernt, die da hiess: „Macht ist Chance zur Einflussnahme“..

Und weiter wurde von meinem Soziologie-Professor gelehrt:

„Verdammen Sie „Macht“ nicht. Dadurch verschwindet sie nicht. „Macht“ ist immer da. Es kommt nur darauf an, wer sie ergreift.“

Im wesentlichen haben wir drei Faktoren, die Macht begründen:

– Macht durch Besitz: „das ist mein Unternehmen, also sag ich, welche Regeln hier gelten“

– Macht durch Organisation: „wir haben uns miteinander abgesprochen – diese Regeln akzeptieren wir nicht“

– Macht durch Können: „ich beherrsche diesen Fertigungsprozess, wenn du als Boss jene Regel weiterhin durchsetzen willst, dann schau, wie du jemand anderen findest, der diesen Fertigungsprozess beherrscht“

Für mich sind diese Definitionen einleuchtend. Immer noch. Hat auch was von Occam’s Razor

Dagegen scheint mir all das post-moderne, relativistische, post-strukturalistische Gesabbel über Wirkungsmächtigkeit, Diskurs-Hoheit, Privilegien, etc…“ eine Vernebelungstaktik zu sein, um die Machtlosen machtlos zu halten…

Die Wikipedia schreibt dazu:

Macht bezeichnet sozialwissenschaftlich einerseits die Fähigkeit einer Person oder Interessengruppe, auf das Verhalten und Denken einzelner Personen, sozialer Gruppen oderBevölkerungsteile einzuwirken. Andererseits stellt eine Extremposition der Macht die Durchsetzungsfähigkeit dar, einseitig definierte Ziele zu erreichen, ohne sich selbst äußeren Ansprüchen gegenüber beteiligten Personen zu unterwerfen oder diesen entgegenkommen zu müssen (wollen). Dies ist bei Vorliegen der Möglichkeit einer Einflussnahme mittels Strafandrohung der Fall, wobei auf die Zielpersonen ein unterdrückender Zwang ausgeübt wird, sich zu fügen. Im Falle von gegensätzlichen oder unvereinbaren Interessenpositionen der Zielpersonen ist es daher beispielsweise für Personen, die absolute Macht ausüben, nicht erforderlich, ein Austauschverhältnis oder einen Kompromisseinzugehen. Vor allem diesbezüglich grenzen sich die in weiten Teilen deckungsgleichen Begriffe Macht und Einfluss voneinander ab, wobei die Übergänge fließend sind. Die beiden Sichtweisen werden auch als „Macht über… haben“ und „Macht zu tun“ umschrieben. Als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften ist Macht in seinem Bedeutungsumfang umstritten.

Gemäßigte (alltägliche) Machtverhältnisse beschreiben hingegen mehrseitige (Austausch-)Verhältnisse, bei denen oft eine Seite die stärkere Ausgangs- oder Verhandlungsposition ausübt (beispielsweise durch die verfügbare Möglichkeit der Einflussnahme durch Belohnung, Bevorzugung oder durch überlegenes Wissen) und das von anderer Seite akzeptiert wird. Von anderer Seite wird auf Widerspruch verzichtet, nichts gegen die Ausübung der Macht unternommen, oder eine Duldung, Befolgung oder Anpassung vollzogen.

Macht spielt praktisch in allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle und bedingt auf unterschiedliche Weise das Entstehen von Sozialstrukturen mitausdifferenzierten persönlichen, sozialen oder strukturellen Einflusspotenzialen.[1][2][3] Bezüglich der Wortherkunft von Macht (siehe unten) kann der Begriff auch so verstanden werden, dass soziale Macht nur einen – wenn auch sehr bedeutenden – Unterfall eines grundsätzlicheren Machtbegriffs bildet.

Und unter Begriffsgeschichte findet sich dort:

Auch wenn sozial legitimierte bzw. politische Machtausübung nur eine Erscheinungsform von Macht ist, steht sie doch im Mittelpunkt der Theoriebildung und des Denkens.

Zuerst beschäftigte sich die griechische Sophistik aus philosophischer Sicht mit dem Machtproblem. Thukydides behandelt im Melierdialog die Frage der inneren Macht desRechts. Während sich die Abgesandten der Insel Melos auf den Nutzen des Gerechten berufen, vertreten die Athener ihnen gegenüber die reine, nicht weiter zu legitimierende Machtposition einer Großmacht: Recht gebe es nur bei Gleichheit der Kräfte. Machtausübung sei somit in der menschlichen Natur fundiert. Platon setzt sich mit dieser sophistischen Position im Gorgias auseinander: Die anscheinend Mächtigen seien in Wirklichkeit ohnmächtig, da sie nicht das tun, was eigentlich das Ziel jedes vernünftigen Strebens sei, sondern nur, was ihnen gerade als das beste erscheine; d. h., sie tun nicht, was sie „eigentlich“ wollen würden, wüssten sie es „besser“. Aristoteles behandelt das Machtproblem im Rahmen der Theorie von Herrschaft und Knechtschaft. Politische Herrschaft sei im Unterschied zur Despotie eine Herrschaft von Freien über Freie, die sich im Herrschen und Beherrschtwerden ablösen.

Im lateinischen Sprachbereich wird zuerst bei Cicero zwischen potestas im Sinne von Amtsgewalt und auctoritas im Sinne von Ansehen als zwei Formen der Macht explizit unterschieden. Anknüpfend an diese Unterscheidung geht Augustin davon aus, dass Menschen eigentlich nicht über Menschen herrschen können, sondern nur über dasVernunftlose. Die Scholastik hat daraus die Frage abgeleitet, ob der gedachte paradiesische Urzustand ohne alle Formen von Herrschaft gedacht werden muss. Thomas von Aquin schränkt die Machtausübung auf vernünftige Formen der Herrschaft über Freie ein, die zum Guten hinführen. Wilhelm von Auvergne spezifiziert, dass potentia eine Form der potestas sei, die nur durch den Gehorsam der Untergebenen wirksam ist. Wilhelm von Ockham fokussiert vor allem die Aneignungsmacht der Menschen gegenüber der herrenlosen Natur durch die gemeinsame Herrschaft der Menschen gegenüber der Natur. Im Eigentum wiederum liegt nach Ockham eine wichtige Machtquelle und zugleich die materielle Grundlage für eine politische Zwangsgewalt, die von der göttlichen Macht unabhängig, jedoch von der Zustimmung der Beherrschten abhängig ist. Deren Widerstand gegen politische Machtausübung ist damit nicht länger Widerstand gegen die gottgewollte Ordnung, wie es Paulus im Kap. 13 des Briefs an die Römer fordert: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet.“[8]

Marsilius von Padua geht noch weiter in der Delegitimierung geistlicher Machtausübung: Diese ist für ihn ein Widerspruch in sich. Zur Aufrechterhaltung des Friedens dürfe es nur eine einheitliche Macht geben, die mit Zwangsgewalt ausgestattet ist. Die Macht leite sich zwar von Gott her, aber zu ihrer Durchsetzung benötige sie Zwangsinstrumente, die am ehesten in einer Wahlmonarchie gegeben sind. Während sich die Spätscholastik bis zu Calvin hin weiter um die Rechtsbegründung von Macht konzentrierte, begriffMachiavelli die Macht umgekehrt von ihren Auswirkungen her; sie bedürfe anders als die Autorität nicht der Legitimation, sondern ist eine praktische Tatsache, die nur beschrieben und quasi technologisch optimiert werden kann. Jean Bodin fordert demgegenüber die Stärkung des Souveräns durch Legitimitätsbeschaffung, was jedoch nicht heißt, dass dieser in seinem Handeln durch Gesetze gebunden ist.[9]

Für Thomas Hobbes ergibt sich aus der Theorie der natürlichen Aneignungsmacht der Menschen gegenüber der Natur und den naturbedingten Machtunterschieden die Vorstellung eines naturrechtlich begründeten Herrschaftsanspruchs eines jeden auf alle anderen. Nur durch Machtkonzentration auf ein von der Rechtsordnung erschaffenes Subjekt – den Staat – kann der aus diesen konfligierenden Ansprüchen aller gegen alle folgende Krieg verhindert werden. Damit löst Hobbes in seinem Werk Leviathan das Problem der Begründung von Macht vollständig aus dem Rahmen der Rechtstheorie der Macht.

Im Gegensatz zu Thomas Hobbes liefert Spinozas Naturzustand keine normativen Kriterien für den Machtgebrauch. Das natürliche Recht eines Jeden erstreckt sich auf alles das, was durchzuführen in seiner Macht steht. Damit werden natürliches Recht und Macht gleichgesetzt. Aber auch Tugend ist an Macht gebunden, und Macht erscheint als Tugend, wenn sie aus sich heraus Wirkungen produziert und sich der Mensch an diesen Wirkungen erfreut, ohne dass er dieses durch die Überwindung von Widerständigkeit definiert.[10] Kant entpersonalisiert den Machtbegriff, denkt ihn unabhängig von persönlicher Herrschaft und setzt die Staatsmacht des Obrigkeitsstaates, dem man Gehorsam schuldet, mit Gewalt gleich, ohne deren rechtliche Legitimation als zwingend mitzudenken.[11] Gewalt ist eine Macht, die dem Widerstand anderer Mächte übergeordnet ist.

Die Versuche zu einer theoretischen Bestimmung der Macht in der politischen Philosophie des Deutschen Idealismus, der Romantik und der Restauration zu Beginn des 19. Jh. sind durch die Erfahrung der Französischen Revolution und des politisch-militärischen Zusammenbruchs der deutschen Kleinstaaten im Gefolge der Napoleonischen Kriegebestimmt. Sie reflektieren die bedrohliche Radikalität einer durch die Auflösung konstitutionell-monarchischer Macht freigesetzten Gewaltsamkeit der innerstaatlichen Auseinandersetzungen und identifizieren sich zugleich teils enthusiastisch mit der durch nationale Vereinheitlichung und bürokratische Zentralisierung möglich gewordenen Machtpolitik. So wendet sich die politische Philosophie Fichtes, Hegels und Adam Müllers zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Voraussetzungen nationalstaatlicher Machtpositionen im Sinne einer Renaissance machiavellistischer Politik, aber auch in zunehmendem Maß den geistig-moralischen und religiösen Legitimationsgrundlagen politischer Macht zu.[12]

Fichte führt unter dem Einfluss der von ihm republikanisch gedachten Verfassung zunächst Macht und Recht wieder enger zusammen. An die Stelle der Staatsgewalt tritt bei ihm der Begriff der durch Vertrag zu legitimierenden Staatsmacht, die Angreifern entgegentritt; potestas und potentia sind nicht mehr geschieden. Für Adam Müller ist nur eine auf kollektiven Glaubensvorstellungen basierende Macht im Unterschied zur rein physischen Macht legitim.

Im Rahmen von Hegels metaphysischer Begriffstheorie, der Lehre von der begrifflichen Natur alles Seienden, ist die Macht als die Macht des Allgemeinen bestimmt, d. h. als die Macht des Übergreifens des machthabenden Begriffs gegenüber den ihm untergeordneten Momenten. Gegenüber der mächtigen Sphäre des Privatrechts und des Privatwohls stellt der Staat die übergeordnete sichernde Macht des Allgemeinen dar, so Hegel in § 261 der Grundlinien der Philosophie des Rechts. Zugleich erscheint Hegels Machtbegriff modern insofern, als er quasi interaktiv im Sinne eines Verhältnisses zum Anderen ausgeweitet ist. Macht ist endlich, solange ihr ein Nein entgegengesetzt und sie mit Gewalt ausgeübt wird. Sie ist absolut erst als Freiheit.[13]

Aus diesem Gedanken, dass Macht dort am größten ist, wo sie unsichtbar ist, entwickelt sich im 19. Jahrhundert die kreative Übertragung des Machtbegriffs und der Analyse machtdominierter Verhältnisse auf viele andere gesellschaftliche Bereiche, z. B. durch die Analyse der Religion als Machtphänomen durch Nietzsche oder die Analyse der Klassenbeziehungen durch Karl Marx und Friedrich Engels.

Für Marx und Engels stellt die Verwandlung von persönlichen Machtverhältnissen in sachliche Machtverhältnisse das Eigentümliche moderner Gesellschaften dar, welches alstranszendentale Macht des Geldes und als Herrschaft des Kapitals zum Ausdruck kommt.[14]

Einen anderen Ausgangspunkt der Theoriebildung zum Phänomen der Macht bildet Friedrich Nietzsches Wille zur Macht, eine Formel zur Bezeichnung des unersättlichen Verlangens nach Ausübung der Macht, eines schöpferischen Triebs, der elementares Motiv alles Lebendigen ist und jenseits jeder moralischen Wertung steht. Dieses Konzept einer trieb- und elitentheoretischen Begründung von Macht wird im 19. Jahrhundert weiter ausgebaut zum postulierten Gegensatz zwischen vitalistischer Aktivität und kultureller Verfeinerung bzw. Dekadenz. Es macht sich vor allem in den antimarxistischen Elitentheorien – etwa bei Vilfredo Pareto – geltend.

Für Max Weber ist der Machtbegriff „soziologisch amorph“; er definiert ihn wie folgt: „Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.“[15] Diese unterschiedlichen Machtbasen werden in der Folge in der soziologischen undsozialpsychologischen Theoriebildung immer weiter differenziert.

Zudem werden dort verschiedene Theorien zur Macht behandelt:

Hannah Arendt[3] definiert in ihrer Studie Macht und Gewalt „Macht“ positiv als das Zusammenwirken von freien Menschen im politischen Raum zugunsten des Gemeinwesens. Dabei geht es nicht um die Durchsetzung privater Interessen. Obwohl die Individuen pluralistisch handeln und unterschiedliche Perspektiven einnehmen, schließen sie sich dennoch zeitlich und örtlich begrenzt zu einer Gemeinsamkeit des Sprechens und Handelns zusammen, z. B. beim Volksaufstand in Ungarn 1956. Diese Macht tritt nicht hierarchisch als Institution oder Rechtsordnung auf, sondern als Möglichkeit, die Geschichte zu beeinflussen. Sie kann in Verfassungen, Institutionen usw. einfließen, die aber wiederum wandelbar sind. Im Unterschied zu Webers Definition kann Macht nach Arendt nicht gespeichert werden und kann somit begrifflich leicht – und in der Konsequenz streng – von Ressourcen und Gewalt unterschieden werden. Dabei setzt Arendt nicht voraus, dass die beteiligten Menschen gemeinsame Meinungen, Prämissen oder Ideologien vertreten. In jeder neuen Generation können demnach freie Individuen erneut im politischen Raum Vereinbarungen treffen und umsetzen. Ansätze einer Verwirklichung sah sie in der Revolution in den Vereinigten Staaten, die zu der Verfassung der Vereinigten Staaten führte, und in den Versuchen, direkte Demokratie in Form von Räten einzurichten.
Zygmunt Bauman beschreibt die Macht in der Postmoderne als etwas Flüssiges bzw. Flüchtiges. Sie bewegt sich für ihn mit der Geschwindigkeit elektronischer Signale durch die postmoderne Gesellschaft und ist unabhängig von Zeit und Raum. Diesen Zustand der Macht charakterisiert er als „post-panoptisch“.[19] Sie konkretisiert sich im Setzen gesellschaftlicher Bedingungen und im Ausüben von Herrschaft. In der Postmoderne sind für ihn diejenigen herrschend, die sich im globalen Raum frei bewegen können und dazu über die ökonomischen, rechtlichen und sozialen Ressourcen verfügen.[20]
Michel Foucault entwirft das Konzept der strategischen-produktiven Machtvorstellung. Macht wird dabei nicht von einer gesellschaftlichen Instanz (sei sie Individuum oder Gruppe) besessen und ausgeübt, sie existiert im heterogenen Verhältnis der Instanzen (also zwischen z. B. Herrschenden und Beherrschten). Machtbeziehungen sind überall da, wo es Gesellschaft gibt. Siehe auch: Pastoralmacht, Bio-Macht, Gouvernementalität.
Norbert Elias beschreibt Macht als Aspekt jeder menschlichen Beziehung, d.h. als mehr oder weniger labile, veränderliche Stärkeverhältnisse innerhalb eines Beziehungsgeflechts bzw. einer Figuration. Die offene, tatsachenbezogene Erörterung der Allgegenwart von Machtaspekten sei jedoch ein tief verwurzeltes Tabu, dessen Bruch Menschen unangenehm und peinlich ist, weshalb Machtphänomene verschleiert werden[21]. Aufgrund der Missverständlichkeit des Machtbegriffs zieht Elias den Begriff der Machtbalance vor, um verdinglichende Implikationen (‚Macht besitzen‘)[22] und unbewusst-emotionale Wertungen zu reduzieren [23] sowie die Labilität von Beziehungsstärke zu verdeutlichen[24]. Zur näheren Beschreibung von Machtphänomenen, -prozessen und -dynamiken entwickelt er u.a. die Theorie von Etablierten-Außenseiter-Beziehungen, die Theorie der Ausbildung von Zentralpositionen (genannt Königsmechanismus), die Symboltheorie, theoretische Ansätze der Wissens- und Wissenschaftssoziologie[25][26] und die Theorie vom Zusammenhang von Psychogenese und Soziogenese im Prozess der Zivilisation. Elias‘ gesamte Prozesssoziologie ist insofern eine „Theorie der Machtbeziehungen“[27].
John R.P. French Jr. und Robert Alan Dahl: Ihr Konzept nennt sich positionelle Macht. Laut French/Dahl ist Macht „die Fähigkeit von Akteur A einen Akteur B zu einer Handlung zu bewegen, etwas zu tun, was Akteur A von ihm verlangt, abzüglich der Wahrscheinlichkeit, dass der Akteur B die von Akteur A gewollte Handlung auch ohne den Einfluss von Akteur A getan hätte.“[28] J. French und R. Dahl ist es mit dieser Definition gelungen, Macht in einer Formel auszudrücken, die wiederum wie bei Max Weber von der Quelle der Macht abstrahiert und ergebnisbezogen angewendet werden kann.[29]
Björn Kraus setzt sich aus einer erkenntnistheoretischen Perspektive mit dem Thema Macht auseinander. Er fragt also nicht nach der Bewertung oder Verteilung von Macht, sondern danach, was mit diesem Begriff überhaupt beschrieben werden kann.[30] Ausgehend von Webers Macht-Definition[31] kommt er zu dem Schluss, dass der Begriff der Macht differenziert werden muss. Zentral für seinen Ansatz ist dann die Differenzierung des Machtbegriffs in „instruktive Macht“ und „destruktive Macht“.[32] Konkret bezeichnet instruktive Macht die Chance, das Verhalten oder Denken eines anderen zu bestimmen.[33] Destruktive Macht bezeichnet die Chance, die Möglichkeiten eines anderen zu reduzieren.[33] Die Relevanz dieser Unterscheidung wird vor allem an der Möglichkeit der Verweigerung gegenüber Machtbestrebungen deutlich. Gegenüber instruktiver Macht ist Verweigerung möglich – gegenüber destruktiver Macht nicht. Mit dieser Unterscheidung können Machtverhältnisse differenzierter analysiert und erst damit etwa Fragen der Verantwortung adäquat reflektiert werden.[34]
John J. Mearsheimer: Macht ist für ihn rein materieller Natur. Sie wird auch als relationale Macht bezeichnet. Sie ist von Ressourcen abhängig. Als relevante Ressourcen gelten: Territorium, Rohstoffe, Export, Bevölkerungszahlen und Finanzstärke. Die wichtigste Ressource ist die militärische Fähigkeit, sie ist das universelle Machtpotenzial. Mearsheimers Definition ist eine politische. Sie lässt deutlich seine realismusbehaftete Theorieperspektive erkennen.
Im Rahmen seiner Engpasskonzentrierten Strategie sieht Wolfgang Mewes den jeweiligen Minimumfaktor als entscheidenden Machtfaktor. Insbesondere ökonomische Gesellschaften (Abteilungen, Betriebe, Märkte, Volkswirtschaften) hätten die Eigenart, dass nicht jeder der benötigten Faktoren, sondern nur der jeweils knappste bestimme, wie weit sie sich entwickeln und wachsen können. Danach hätten in jeder Organisation und in jedem Markt diejenigen Macht, die den limitierenden Faktor besitzen bzw. freien Zugang zu ihm haben. Weil Menschen Wünsche, Bedürfnisse, Probleme, Engpässe und Sehnsüchte haben, besitze derjenige potentiell Macht, der sie befriedigen kann. Macht werde dadurch ausgeübt, dass die ersehnten Dinge (z. B. das Glas Wasser für den Verdurstenden) gewährt oder verweigert werden.[35]
Hans Morgenthau sieht Macht als zentrales Ziel der Staaten in den internationalen Beziehungen. In Politics among nations schrieb er, jeder Staat handele nach einem „im Sinne von Macht verstandenen Begriff von Interesse“.[36] Macht ist bei Morgenthau Selbstzweck und kann erworben, vergrößert und demonstriert werden.
Joseph Nye: Von ihm stammt das Modell der „weichen Macht“ (soft power). Dieses Konzept bezeichnet die Fähigkeit, einen Akteur durch bestimmte (meist immaterielle) Mittel dahingehend zu beeinflussen, dass er identische Ziele und Bestrebungen entwickelt, wie der handelnde Akteur sie selbst besitzt. Die Mittel, einen anderen Akteur dazu zu bewegen, dasselbe zu wollen, was man selbst will, wird als Soft power ressources bezeichnet. Sie sind die Quelle der Macht (vgl. „Wen man nicht zum Feinde haben will, den soll man sich zum Freunde machen“, auch wenn der Spruch etwas abgewandelt ist). Soft power ist zusammengefasst eine Machtkonzeption, die sich aus positioneller, relationaler und struktureller Macht addiert.[37]
Heinrich Popitz[38] definiert Macht in seiner soziologischen Abhandlung „Phänomene der Macht“ als das Vermögen, sich als Mensch gegen andere Kräfte durchzusetzen. Macht ist Verändernkönnen. Im Sinne von „Verändernkönnen“ ist die Geschichte der menschlichen Macht die Geschichte des menschlichen Handelns.
Marshall B. Rosenberg[39] spricht im Kontext seines Modells der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) von zwei verschiedenen Formen von Macht: strafender und beschützender Macht. Strafende Machtanwendung hat zum Ziel, Menschen in den Einklang mit moralischen Vorstellungen zurückzuweisen, von denen sie, laut Ansicht der Machtanwender, Abstand genommen haben. Beschützende Anwendung von Macht stellt laut diesem Modell im Konfliktfall den Frieden wieder her und hat zum Ziel, dass die Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und gewahrt werden.
Susan Strange: Sie prägte den Begriff der strukturellen Macht. Für Strange bedeutet er das Machtpotenzial, das Strukturen wie Sicherheit, Kreditkapazitäten, Wissenschaft und die Produktion auf die beteiligten Akteure haben. Akteure sind „mächtig“, wenn sie Macht über diese Strukturen besitzen. Mächtig sind Akteure also immer dann, wenn sie in der Lage sind, Strukturen so anpassen zu können, dass es dem eigenen Vorteil gereicht und sich die anderen Konkurrenten/Akteure anpassen müssen. So besitzen sowohl Strukturen selbst als auch alle, die auf sie einwirken können, Macht. Stranges Modell ist sehr vielschichtig und komplex. Es bezieht sich auf globalsoziale Interaktionen und schafft es daher, eine Vielzahl von Größen der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zu vereinen und in ein machttheoretisches Konzept einzubauen.
Max Weber: Für Weber ist Macht eine Form der Willensdurchsetzung. In seiner Definition ist Macht „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“[40]
Michael Mann: Im Rahmen seiner dreibändigen „Geschichte der Macht“ entwickelte Mann das IEMP-Modell, das die vier Machtquellen (ideological, economic, military, political) zusammenfasst.
Niklas Luhmann: In Luhmanns Systemtheroie representiert Macht ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium.
Arnold Brecht: Er unterscheidet vier verschiedenen Typen nach ihren jeweiligen Machtressourcen: rohe Gewalt oder ihre Androhung, Prestige oder Autorität, finanzielle Mittel oder aber persönliche Anziehung.
Hanna F. Pitkin: Sie unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Machtarten: Die Macht über andere Personen (power over) und die Fähigkeit, irgendetwas zu tun (power to).
Gerhard Göhler: Er stellt eine alternative Unterscheidung vor zwischen „transitiver Macht“, die den eigenen Willen auf andere überträgt und auf diese Weise Einfluss nimmt, und „intransitiver Macht“, die in sich selbst, in der Gesellschaft erzeugt und aufrechterhalten wird.

Ich würde auch darauf abstellen, dass es beim Machtbegriff letztendlich darum gehen muss,wer seinen Willen eher umsetzen kann.

Eine Definition des Machtbegriffs kann die Betrachtung, wer Macht hat, ändern. Sie kann daher für Betrachtungen in der Geschlechterdiskussion durchaus interessant sein. Feministische Theorie scheint mir aber weniger eine ausgefeilte Definition zu verwenden, sondern eher einfach sehr selektiv zu gucken und die Frage, ob jemand Macht ausübt nur in ganz bestimmten Konstellationen zu prüfen, in anderen aber nicht.

Das patriachale Paradigma

Auf der Seite „Rette sich wer kann“ wird das patriarchale Paradigma beschrieben:

Zu dem, was dort unter Paradigma verstanden wird:

Es ist die Kenntnis, Erkenntnis- und Wissens”glocke” in der wir uns als Gruppe befinden, ein Netzwerk der Umgangsformen.

Salopp gesagt: Innerhalb eines Paradigmas werden dessen Elemente als normal und selbstverständlich empfunden.

Tradiert wird ein Paradigma – vereinfacht ausgedrückt – über Sprach-Konversationen (Verbalisierung + Gestik, Mimik), die mit dem Gefühlsbereich gekoppelt sind. Kleine Kinder erlernen die Gegebenheiten ihres Paradigmas, tragen sie gleichzeitig weiter und manifestieren sie damit. Ein Paradigma ist ein Selbstläufer, solange es funktioniert.

Also ein grundsätzliche Denkweise, eine Glaubensrichtung, der man folgt und innerhalb derer man lebt.

Zum „patriarchalen Paradigma:

Beschreibung des patriarchalen Paradigmas:

Alle Aspekte des Lebens in den Industrieländern sind geprägt durch das „patriarchale Netzwerk der Umgangsformen“ – Patriarchat genannt.

Dieses Netzwerk patriarchaler Konversationen offenbart sich in einem Lebensstil wo

  • Kampf,
  • Wettbewerb,
  • Hierarchie,
  • Gewalt und Zwang,
  • Macht,
  • Wachstum,
  • Fortschritt,
  • Kontrolle natürlicher Ressourcen,
  • Kontrolle und Beherrschung anderer durch die Inbesitznahme von Wahrheit,

charakteristisch sind.

Wettbewerb und Kampf Wollen wir beispielsweise etwas gegen soziale Ungerechtigkeit unternehmen, sprechen wir vom ‚Kampf gegen Armut und Ausbeutung’

Finde ich eine interessante Auflistung. Sie ist relativ willkürlich und so gesehen auch nicht positiv in dem, was dort über Frauen ausgesagt wird: Sie haben anscheinend nichts mit Wettbewerb, Macht, Wachstum und Fortschritt zu tun. Diese Eigenschaften werden in den Bereich des männlichen verlegt. Es ist letztendlich eine recht essentialistische Betrachtung der Geschlechter, die sich anscheinend nicht vorstellen kann, dass auch Frauen Fortschritt wollen und an einem Wachstum interessiert sind, auch an Macht interessiert sind und im Wettbewerb bestehen wollen.

Es zeigt auch, dass die biologischen Theorien insoweit flexibler sind und lediglich davon ausgehen, dass mehr Männer als Frauen bestimmte Eigenschaften, darunter auch die obenaufgelisteten haben, während andere Eigenschaften eher  bei Frauen als bei Männern aufzufinden sind, das aber eben nicht absolut.

Letztendlich werden hier viele Aspekte intrasexueller Konkurrenz angesprochen, die unter Männern im Schnitt stärker ausgeprägt sind. Sie werden eben nur rein sozial begründet und unter einem reinen Machtanspruch und in einem negativen Kontext dargestellt.

Das böse Männliche, verkörpert in bestimmten als negativ angenommenen Eigenschaften

Macht und sozialer Status

Macht und Status sind beide gewisse Anzeichen für eine hohe Position in der Gruppe und damit auch gleichzeitig ein für die Partnerwahl interessantes Zeichen.

1. Sozialer Status

Ich hatte bereits einen Artikel zum sozialen Status und Evolution geschrieben, in dem ich verschiedene Grundlagen dargelegt habe. Aus meiner Sicht geht es für die Partnerwahl um eine direktere Form von sozialen Status als rein die formelle Position in der Gesellschaft.

Aber erst einmal grundsätzliches zB aus der deutschen Wikipedia:

Sozialer Status bezeichnet in Soziologie wie in Sozialpsychologie eine soziale Position innerhalb einer sozialen Struktur oder die Zuordnung der Position zu einem System sozialer Rangordnung. Soziale Struktur ist als ein Netzwerk aufeinander bezogener Statuspositionen zu verstehen, die von den einzelnen Statusinhabern und ihren Gegenspielern in einer Hierarchie unterschiedlich hoch eingestuft, d. h. nach verschiedenen Kriterien oder Statusdimensionen bewertet werden: Macht, Einfluss, Einkommen, Vermögen, Prestige und ähnliche Kriterien. Die so wertmäßig eingestuften Statusgruppen (auch soziale Klassen genannt)[1] bilden das System der sozialen Schichtung einer Gesellschaft. Die Sozialpsychologie verwendet diese Begriffe auch für kleinere soziale Einheiten wie soziale Gruppen und Organisationen.

Hier ist bereits angesprochen, dass Status nach verschiedenen Kriterien gebildet werden kann, die ich einmal etwas anderes definieren möchte:

  • Macht: Die Fähigkeit seinen eigenen Willen durchzusetzen, also Unabhängigkeit von dem Willen anderer, Anführereigenschaften etc
  • Einfluss: Wenn man kennt
  • Vermögen: Welche Ressourcen man kontrolliert und gegen andere durchsetzen kann
  • Prestige: Was andere einem an Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet zutrauen bzw. das zutrauen hoher Fähigkeiten aufgrund (angeblicher oder tatsächlicher) Taten

All dies kann man natürlich direkt in evolutionäre Vorstellungen einbinden, die sowohl den Faktor betreffen, wie wertvoll man als Verbündeter oder als Partner sein kann. Wer sich häufig duchsetzt, wer viele andere Leute kennt, die sich durchsetzen, wer viele Ressourcen hat und wem diese nicht von anderen weggenommen werden und wer bekannt dafür ist, großes Vollbringen zu können, der kann sowohl ein wertvoller Verbündeter sein oder zumindest ein gefährlicher Gegner, weswegen man ihn entsprechen behandeln muss oder er könnte ein interessanter Partner sein, weil er zum einen gute Gene haben wird, die es ihm ermöglicht haben, sich gegen andere durchzusetzen, aber auch eigene Kinder gut versorgen und wahrscheinlich auch beschützen und ausbilden kann.

Auch die englische Wikipedia enthält einiges interessantes:

Status refers to the relative rank that an individual holds; this includes attendant rights, duties, and lifestyle, in a social hierarchy based upon honor or prestige. Status has two different types that come along with it: achieved, and ascribed. The word status refers to social stratification on a vertical scale.

In society, pariah status groups are regarded with disdain or treated as outcasts by the majority of the population. The term derives from the Paraiyar (Pariah caste), members of which are treated as outcasts in Hindu society.

In modern societies, occupation is usually thought of as the main determinant of status, but other memberships or affiliations (such as ethnic group, religion, gender, voluntary associations, fandom, hobby) can have an influence.

The importance of social status can be seen in the peer status hierarchy of geeks, athletes, cheerleaders, nerds, and weirdos in Hollywood stereotypes of American high schools.[1][2] Achieved status is when people are placed in the stratification structure based on their individual merits or achievements. This status can be achieved through education, occupation, and marital status. Their place within the stratification structure is determined by society’s bar, which often judges them on success, success being financial, academic, political and so on. America most commonly uses this form of status with jobs. The higher you are in rank the better off you are and the more control you have over your co-workers.

In pre-modern societies, status differentiation is widely varied. In some cases it can be quite rigid and class based, such as with the Indian caste system. In other cases, status exists without class and/or informally, as is true with some Hunter-Gatherer societies such as the Khoisan, and some Indigenous Australian societies. In these cases, status is limited to specific personal relationships. For example, a Khoisan man is expected to take his wife’s mother quite seriously (a non-joking relationship), although the mother-in-law has no special „status“ over anyone except her son-in-law—and only then in specific contexts. All societies have a form of social status. Status is an important idea in social stratification. Max Weber distinguishes status from social class,[3] though some contemporary empirical sociologists add the two ideas to create socioeconomic status or SES, usually operationalised as a simple index of income, education and occupational prestige.

Für die Frage, was uns besonders in unserer evolutionärern Vergangenheit geprägt hat, ist eher auf nichtmoderne Gesellschaften abzustellen. in diesen kann es, gerade weil die Gesellschaften wesentlich größer sind zu einem sehr „formellen Status“ kommen, der mit dem ursprünglichen Status nichts zu tun hat. Beispielsweise wird ein Klischeenerd als Studierter und auf seinem Gebiet sehr kompetenter Mensch einen guten Job haben, und insoweit auch ein gutes Einkommen. Weil er aber abseits seines Berufs vielleicht sozial wenig erfahren ist (es ist ein klischeehaftes Beispiel, welches nicht besagten soll, dass alle Nerds so sein müssen), schafft er es nicht diesen höheren formellen Status in voller Höhe in einen direkten sozialen Status zu übermitteln. Er hat keine Macht über Leute, keinen Einfluss und kein Prestige außerhalb seines Berufs und innerhalb seines Berufs auch nur, was berufliches angeht. Er wird daher anders wahrgenommen als dies seinem Status entspricht.

Hingegen kann der Sänger einer Hinterhofband, der bei einem Konzert 200 Leute begeistert, in diesem Augenblick einen subjektiven hohen sozialen Status kreiieren, wenn andere den Eindruck gewinnen, dass die 200 Leute bei dem Konzert begeistert sind, wenn er auf der Bühne stehend und die Reaktionen der Zuschauer steuernd als machtvoll wahrgenommen wird, Prestige hat, Einfluss hat (200 Leute kommen wegen ihm, auch die eigenen Freundinnen und Freunde etc). Bei einem passenden Auftreten kann er damit einen hohen sozialen Status aufbauen, die ihn zum einen attraktiv machen oder eben als Verbündeten interessant machen würde (wenn wir noch in der Steinzeit leben würden)

Weil die heutige Gesellschaft wesentlich mehr Unterteilungen in Privat und Beruflich und dort vielleicht wieder in lauter verschiedene Kreise hat, können Statusverhältnisse auch erheblich abweichen. Wer meint, dass sein Boss ein Wicht ist, den er hasst, und jedesmal die Stunden zählt, bis er aus dem Büro ist, der wird ihm über die reine Berufstätigkeit hinaus keinen Status zusprechen. Wer ihn dort auch auf eine privatere Weise kennenlernt und ihn für seine Fähigkeiten bewundert und als stark wahrnimmt, der wird ihm darüber hinaus einen besonderen Status zuweisen.

Sprich: Auch hier wirkt sich die Subjektivität von Status und die zergliedertere Struktur der Gesellschaft aus und auch der Umstand, dass wir aufgrund dieser Zergliederung Status anders bilden als früher.

Um so eher in der jeweiligen Gesellschaft der formelle Status mit dem sozial wahrgenommen Status übereinstimmt, beispielsweise in einem ärmeren Land, in dem ein guter Job mit entsprechenden Gehalt einen aus der Masse heraushebt und die Lebensqualität erheblich verbesser, um so einfacher ist es über diesen Weg sozialen Status aufzubauen. Um so eher sie auseinander fallen, um so mehr wird die direktere Form von Status interessant.

2. Macht

Macht ist zunächst die Möglichkeit, seine eigenen Vorstellungen auch gegen den Willen oder die Interessen anderer durchzusetzen.

Aus der Wikipedia heißt es dazu:

Als sozialwissenschaftlicher Begriff bezeichnet Macht einerseits die Fähigkeit, auf das Verhalten und Denken von Personen und sozialen Gruppen einzuwirken, andererseits die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, ohne sich äußeren Ansprüchen unterwerfen zu müssen. Die beiden Sichtweisen werden auch als „Macht über“ und „Macht zu“ bezeichnet. Macht gilt als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften und ist als solcher in seinem Bedeutungsumfang umstritten (essentially contested).

Machtverhältnisse beschreiben mehrseitige (Austausch-)Verhältnisse, bei denen oft eine Seite über größere Macht verfügt (zum Beispiel durch Belohnung, Bestrafung, Wissen) und das von anderer Seite akzeptiert wird. Es wird auf Widerspruch verzichtet, nichts gegen die Ausübung der Macht unternommen, oder die andere Seite lässt sich zu Duldung oder Befolgung zwingen.

Macht spielt praktisch in allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle und bedingt auf unterschiedliche Weise das Entstehen von Sozialstrukturen mit ausdifferenzierten persönlichen, sozialen oder strukturellen Einflusspotenzialen.[1][2][3] Mit Bezug auf die Etymologie von „Macht“ kann der Begriff auch so verstanden werden, dass soziale Macht nur einen – wenn auch sehr bedeutenden – Unterfall eines grundsätzlicheren Machtbegriffs bildet.

Macht ist damit ein Bestandteil von Status, es kann aus ihr Status erwachsen, sie ist aber insbesondere eine subjektive Einschätzung nicht unbedingt der Position in der Gruppe, sondern der Frage, was derjenige tatsächlich umsetzen kann. Reine Macht hat insofern etwas bösartigeres, weil sie eben eine Umsetzung auch gegen den Willen der anderen erlaubt, ein potentielles Zwingen zu einem bestimmten Ergebnis.

Macht ist insofern ein direktes Ergebnis eines gewonnen Konkurrenzkampfes und insofern auch ein starkes Zeichen guter Gene.

In heutiger Zeit kann Macht eher noch als früher aus passenden Positionen in der Gesellschaft geltend gemacht werden, die nicht ohne weiteres angegriffen werden können. Gleichzeitig ist früher eine direktere Macht vorhanden gewesen. Wer der Stammeschef war, der konnte einen anderen aus der Gruppe schmeißen, was vielleicht gleichbedeutend mit dem Tod sein konnte, töten lassen, ihm Ressourcen wegnehmen, sprich: er hatte eine recht direkte Macht über die Person. Ein heutiger Chef kann einen entlassen, was nicht das Ende der Welt sein muss. Er kann einem weitere Aufgaben geben oder einem eine Predigt halten. Sobald man die Betriebsräume verlässt, hat er aber kaum noch Macht über einen.

Was wir daher als Macht wahrnehmen, kann auch insofern sehr verschieden sein. Vielleicht besteht auch gerade wegen dieser direkteren Macht körperlicher Auseinandersetzungen bei einigen Frauen eine gewisse Tendenz hin zu Männern, die diese theoretisch noch ausüben können, von Soldaten, Polizisten oder anderen Männern in Uniform hin zu Gangstern oder Motorad/Rockern/Gangmitglied. Natürlich hat zB ein Polizist nur eine sehr eingeschränkte Macht, er kann aber aufgrund seiner Befugnisse als machtvoll wahrgenommen werden. Und so gesehen hat ein Rocker gar keine gesellschaftliche Macht, aber seine Bereitschaft einen anderen direkt zu verprügeln und eine Selbstsicherheit damit durchzukommen, verleihen ihm Anzeichen von Macht in der direkten Wahrnehmung.

3. Das Verhältnis zueinander

Macht und Status überschneiden sich in gewisser Weise. Bereits bei der Betrachtung von Status wurde deutlich, dass Macht ein Kriterium von Status sein kann. Macht selbst kann also Status bewirken. Zudem stellt eine hohe Position in der Gruppe eben auch eine gewisse Macht zur Verfügung.

Status ist aus meiner Sicht ein besseres und sicheres Kriterium, weil es einen breiteren Bereich abdeckt und Macht mit einbezieht. Weil die Position in der Gruppe auch eine wesentlich sozialerer Komponente haben kann und Status auch solche Leute einbezieht, die einen unterstützen, weil sie es wollen und nicht weil sie es müssen, ist es ein höherwertiges Signal, gerade in einer kleinen Gruppe und gerade in Bezug auf eine langfristigere Strategie. Macht ist in einer gewalttätigeren, unmoderneren Gesellschaft etwas sehr relatives, wenn man sie gegen eine Gruppe durchsetzen muss. Erst mit der Möglichkeit, Eigentum anzuhäufen und über diese Ressourcen Spezialisten mit Schutz und Ausübung direkter Macht zu beauftragen, kann darüber eine gewisse Sicherheit geschaffen werden.

In einer Jäger und Sammler Gemeinschaft ist eine Absicherung nur durch Macht und ohne darüber hinausgehenden Status wohl eher schwierig. Denn unter diesen Bedingungen ist eine Diktatur wesentlich schwieriger, weil jemand, der sich zuviel herausnimmt, immer noch relativ schnell umgebracht oder zumindest durch ein Verbünden mit anderen kleine gehalten werden kann.

Das ist aus meiner Sicht der Grund, warum Status eine sehr hohe Bedeutung erlangen kann.