Wie können Männer mit ihren Privilegien umgehen?

Lightyear mag mich zwar nicht mehr, aber ich wollte dennoch noch einen Text von ihm besprechen, in dem es darum geht, wie Männer mit ihren Privilegien umgehen:

Wie können nun Männer* mit den Privilegien, von denen sie tagtäglich profitieren nun umgehen?

Das ist eine Frage, die wirklich konkret leider viel zu wenig beantwortet wird. Insofern finde ich es gut, dass Lightyear das Thema aufgreift

(Zur Erinnerung: männliche Privilegien haben mit struktureller / institutionalisierter Gewalt zu tun, was nicht als “kulturell-böswillige Erfindung” zu bewerten, sondern sozial, kulturell, historisch entstanden / gewachsen ist; vgl. Meuser/Scholz 2005: 224).

Was wäre denn, wenn männliche Privilegien eine als „kulturell-böswillige Erfindung“ zu bewerten wären? Dann könnte man sie wahrscheinlich leichter abschaffen, so muss man aber hart daran arbeiten, weil Privilegien eben tief in der Gesellschaft verwurzelt sind.

– Klassische Geschlechterrollenklischees reflektieren: Zunächst ist es eine wichtige Voraussetzung zu erkennen, dass Mann* und Frau* keine natürlichen Kategorien sind.

Dass sind sie zwar doch, aber nur unter der Prämisse, dass es nur Häufungen und dazwischen durchaus fließende Übergänge, und also nur verschiedene Mittelwerte bei einer Normalverteilung sind.

– Reflektiere in Gruppen Verhaltensmuster von Männern*.

Da wären wir hier ja schon mal gar nicht so schlecht dabei, Verhaltensmuster werden hier immer wieder reflektiert. Ich vermute aber eher, dass man da im wesentlichen herausfinden soll, wie schlecht Männer doch sind und wie ihre Verhaltensmuster die Strukturen etc schaffen, die Frauen unterdrücken. Also ein eifriges im Kreis sitzen und sich jeweils die Büßerpeitsche über den Rücken ziehen

– Reflektiere deine eigenen Verhaltensweisen inklusive der Auswirkungen dieser Verhaltensweisen auf Menschen in einer sozialen Situation.

Also wohl „wie verhalte ich mich und warum unterdrückt der männliche Anteil meiner Verhaltensweisen die Frauen, während der Teil, den ich schon „entprivilegisiert habe, Frauen fördert.

– Verzichte auf alle Formen der (sexualisierten) Gewalt und der Kontrolle über Menschen.

Der erste Teil ist relativ einfach. Sexuelle Gewalt wende ich nicht an (bzw nur konsensual). Kontrolle über Menschen? Das ist natürlich ein großes Wort. Gerade wenn es wie im Feminismus sehr einseitig gebraucht wird, denn dort nehmen sich eben die Frauen bzw. die Feministinnen die Deutungshoheit heraus, was sie stört und was abzustellen ist und üben damit natürlich eine starke Form der Kontrolle aus. Das ist aber wahrscheinlich gute, weil weibliche Kontrolle.

– Beobachte dich selbst: verhältst du dich dominant? Andere darauf hinweisen, dass sie sich evt. dominant verhalten.

Gut, dass sich Feministinnen nie dominant verhalten, beispielsweise indem sie erklären, dass ihre Meinung die einzig richtige sei und man sie zu akzeptieren habe. Aber das sind ja auch Frauen. Als Mann soll man also nicht dominant sein, weil das böse ist. Ich halte auch nichts davon Menschen zu dominieren, aber das Problem ist halt, dass Frauen eine gewisse Form von Dominanz, gerade spielerische, enorm geil finden. Auch schön: Andere darauf hinweisen, dass sie evtl dominant verhalten. Ich hatte das gleich mal bei Lightyear selbst gemacht als er recht aggressiv vertrat, dass meine Meinung falsch war. Hat er leider nicht positiv aufgenommen. Muss toll sein in so einer feministischen Männergruppe: Alle arbeiten an der besseren Welt und versuchen das möglichst vorsichtig zu formulieren. Kekse gibt es aber nicht und als richtig und wichtig vortragen darf man es dann in weiblicher Gesellschaft auch nicht, denn damit transportiert man ja wieder Rollenbilder und nimmt Frauen Raum. Irgendwie kann das eigentlich nur in einer gewissen Unterwürfigkeit enden, eben in Gewissheit der eigenen Erbschuld für die Sünden der Männer.

– Männlichkeiten einfach abzuschaffen ergibt keinen Sinn, es ist ja in den Köpfen verwurzelt

Wäre es aber nicht verwurzelt wäre es anscheinend eine gute Lösung. Aber sonst hat der Feminismus nichts gegen Männer, sie sollen sich eben nur nicht Verhalten wie welche. Und Männer verhalten sich eben wie Schweine, so dass man ihr Verhalten eigentlich abschaffen sollte, dass geht aber leider nicht. Nein, wir haben wirklich nichts gegen Männer – solange sie sich die Büßerpeitsche über den Rücken ziehen und sich schlecht fühlen zumindest nicht.

Was schwer abzustellen ist, sind männliche Verhaltensweisen. Das ist das, was mann als männliches Privileg unbewusst kennen gelernt hat: Daher sollte eher auf klassische männliche Symboliken verzichtet werden, oder diese zumindest reflektieren (Schusswaffen als „ästhetisches Symbol“, Autos als Statussymbol, Mimik, Gestik, breitbeinig sitzen (zB. in Öffis, auch Frauen* ernst nehmen). Klarerweise hilft es nicht, die Symbolik zu ändern, wenn die Verhaltensweise dieselbe bleibt.

Auch geil: Bitte kein Signalling mehr mit klassisch männlichen Statussymbolen. Keine tollen Autos, keine Schußwaffen, kein breitbeiniges Sitzen bitte auch keine „männliche Mimik“ (hat da jemand mal ein Bild zu? Ist das so etwas in der Art?

männliche mimik 1

männliche Mimik 1

Oder eher so etwas:

maennliche mimik 2

maennliche Mimik 2

Und wie unterscheidet es sich von dieser sicherlich nicht zu beanstandenden Mimik:

eine sicherlich hinreichend reflektierte Mimik

eine sicherlich hinreichend reflektierte Mimik

Und auch dieses von Feministinnen genehmigte Beispiel kann vielleicht helfen:

Feminist Male Ryan Gosling

Feminist Male Ryan Gosling

Gut, dass Frauen männliche Männer einfach Mist finden. Wenn die männliche Mimik abgeschafft ist, dann wird die Welt ein besserer Ort. Und wenn alle Männer Kleinwagen fahren, dann ist die Welt gerettet.

– Strategien: Pluralität! Viele Formen! Aber nicht die eine bessere Form von Männlichkeit.

Wie wäre es, wenn man einfach so ist, wie man sein möchte? Die abwägige Auffassung, dass man deswegen Frauen nicht gleichberechtigt behandeln kann, und das so Privilegien verwirklicht werden, erscheint mir wenig plausibel. Warum sollte man zwangsläufig alles bunt durchmischen, wenn man das gar nicht will?

– Daher ist es notwendig, vielfältige Identitäten denkmöglich und schließlich lebbar zu machen

Ich verstehe das so, dass man sie nicht generell in der Gesellschaft lebbar machen soll, sondern für sich. Also die Anforderung an den Einzelnen mit vielen Identitäten in seine Persona einzubeziehen. Das erste wäre die eine Sache: Natürlich soll jeder leben können, wie er will, solange er andere nicht ebenfalls in der Ausübung ihrer Persönlichkeit behindert. Da es nahezu alle Ausprägungen von Zwischenstufen zwischen den Geschlechtern auch nach den biologischen Theorien gibt, ist es klar, dass man diese trotz aller Häufungen nicht unterdrücken sollte. Gleichzeitig sehe ich aber wenig Sinn darin, mein Leben so auszurichten, dass nun auch 0,018% der Bevölkerung berücksichtigt werden. Sollte ich das mit allen möglichen Konstellationen machen, in denen die Bevölkerung 0,018% Anteile haben könnte, dann wäre eine Regelung schlicht nicht möglich. Bezüglich der zweiten Variante: Nein, ich muss nicht eine besonders weibliche Seite üben, damit sie mir denknotwendig erscheint und damit ich sie leben kann. Wenn es mir eine interessante Erfahrung erscheint, dann kann ich das natürlich ausprobieren. Aber männlich sein schränkt Frauen nicht ein. An dieser Fehlannahme krankt das ganze Konzept.

Die Fortsetzung finde ich besonders gut:

sowie „Sexualität ihrer vermeintlichen Natürlichkeit zu berauben und sie als ganz und gar von Machtverhältnissen durchsetztes, kulturelles Produkt sichtbar zu machen“ (Jagose 2001: 11).

Sexualität ihrer vermeintlichen Natürlichkeit zu berauben und sie als kulturelles Produkt sichtbar machen, dass ganz von Machtverhältnissen durchsetzt ist. Das klingt nach Spass im Schlafzimmer. Die Fussnote scheint mir auf Einführungsliteratur zur Queer Theory zu verweisen. Eine Zusammenfassung findet sich wohl hier. Anscheinend ist es zum Teil eine recht lange Darlegung, dass man den naturalistischen Fehlschluss nicht richtig verstanden hat, denn „natürlich“ heißt eben nicht „Moralisch richtig“ und insofern ist es auch unwichtig Sexualität ihrer Natürlichkeit zu berauben. Für jemanden, der heterosexuell ist, ist es eben verständlich, dass er den Wunsch hat, Sex mit dem anderen Geschlecht zu haben, für jemanden, der homosexuell ist, ist es verständlich, Sex mit dem gleichen Geschlecht zu haben etc. Eine moralische Wertung ergibt sich daraus nicht. Und über Machtverhältnisse nachzudenken, nur weil man seinen Penis in eine Vagina steckt bringt einen auch nicht weiter. Eher im Gegenteil, was den eigentlichen Akt betrifft (abgesehen davon, dass bestimmte Machtverhältnisse bestimmte Leute anregen). Der ganze Mist, dass mit Sex per se Macht ausgedrückt wird, mag für Mitbegründer der Queertheory und Männerfeinde wie Adrienne Rich interessant gewesen sein, aber so lange beide Spass daran haben und es machen wollen muss es rein gar nichts mit Machtverhältnissen zu tun haben.

Das Sex immer im Kontext von Macht zu sehen ist, ist glaube ich einer der größten Trugschlüsse des Feminismus.

Wichtig ist es außerdem, den Stellenwert von Sexualität in (Liebes)Beziehungen zu hinterfragen sowie zu überlegen, weshalb körperliche Nähe als Sexualität definiert wird. (Oftmals wird allein Penetration als „Sex“ definiert. Damit wird Sex als heterosexuelle, männliche Norm gesetzt, welche abzulehnen ist und kritisiert werden muss).

Gott, was für eine Sexualitätsfeindlichkeit. Sex zu wollen ist eben auch schon irgendwie Patriarchat und der Mann sollte sich gefälligst schämen, dass er da schon wieder Macht ausüben möchte. Ein viel einfacherer Grundsatz: Wenn dir Sex in einer Beziehung wichtig ist und du meinst, dass du davon zu wenig hast, dann such dir eine andere Beziehung, in der beide besser zusammen passen. Wenn du in deiner Beziehung Körperlichkeit willst, dann kannst du eben keine mit einem führen, der das nicht will. Das gilt ebenso andersherum. Und natürlich hat Sex viel mit Penetration zu tun, jedenfalls wenn zumindestens einer der beiden etwas hat, mit dem man penetrieren kann. Sei es beim Blowjob, beim vaginalen Sex oder beim Analsex. Wenn zwei Frauen Sex haben, dann kann es ihnen auch vollkommen egal sein, wenn ein Heterosexueller oder ein schwuler Mann beim Sex gerne penetriert. Dadurch ändert sich für die homosexuelle Frau nicht und wenn sie ihrerseits gerne einen Dildo, ihre Finger oder was auch immer nimmt oder will, dass das der Partner macht, dann sei ihr dabei entstehende sexuelle Lust ebenso gegönnt als wenn sie andere Praktiken verwendet. Was soll eigentlich dieses „ich kann nicht penetrieren also darf allen anderen das auch nicht wichtig sein!“?

Mit „queer“ sollen Identitäten verhandelt und politisiert werden und eine Auseinandersetzung mit Identitäten und den Grenzen von „Identitäts- und Reformpolitik“ stattfinden (vgl. Holzleithner 2001; Jagose 2001: 167).

Es ist eben ein Fall von „das Private ist politisch“. Was man selbst will ist unwichtig, wenn es nicht in das große Ganze passt und das wiederum muss sich auch noch nach extremen Sonderfällen ausrichten. Das eine Welt auch gut sein kann, in der Minderheiten einfach Minderheiten sind ohne das deswegen alle anderen ihr Verhalten ändern müssen kommt da nicht vor. Alles ist Diskriminierung, sogar, wenn man seinen Penis gerne in seine dies auch wollende Freundin steckt. Weil man damit Macht ausübt. Krank irgendwie.

– „Eine queere Forderung lautet deshalb, dass es nicht darum gehen kann, Politik auf einer Identität aufzubauen, die das Ergebnis von Herrschaft ist. Vielmehr ginge es darum, diejenigen gesellschaftlichen Praktiken und Kontexte, die diese Zuschreibung von ‚Identität‘ begünstigen, aufzuzeigen und anzugreifen“ (Jagose 2001: 167-168). Weiters ist es wichtig festzuhalten, dass queer an keine „bestimmte Identitätskategorie gebunden ist“ (Jagose 2001: 14). Der Begriff stellt auch keine neue Identität dar, sondern möchte vielmehr Kritik an Identitäten üben, um aufzudecken, wie Begriffe konstruiert sind (vgl. Villa 2007: 178).

Es muss den typischen männlichen Feministen stark frustrieren, wenn er sich in Geschlechtslosigkeit übt und er dann doch nur ein Dudebro ist. Denn gleichzeitig weiß er ja, dass er seine Privilegien nie ablegen kann. Er bleibt Mann und muss sich immer noch irgendwie selbst hassen. Er kann aber immerhin etwas Vergebung erhoffen, wenn er seine Identität aufgibt und bloß kein Mann ist. Gleichzeitig sollte er aber wohl nie von einer Frau verlangen, keine Frau zu sein. Das wäre gewiss Sexismus. Um Herrschaftsfrei zu sein muss er sich ganz der Herrschaft der Frau unterwerfen. Denn Frauen haben ja nie Macht und ihre Identität kann daher nie das Ergebnis von Herrschaft sein. Eigentlich erstaunlich, dass man dann im Kontext „Rasse“ so vehement darauf besteht, dass man sich aus einer anderen Kultur nichts aneignen darf, weil das denen etwas wegnimmt.

Lightyear schließt mit weiteren Fragen:

Weitere Fragen, welche für die Reflexion von Privilegien hilfreich sein können
• Wer macht die reproduktive Arbeit (Raum fegen, Abwasch, Essen vorbereiten, emotionale Beziehungsarbeit, Kindererziehung)?
• Wie ist unser Redeverhalten?
• Wie ist zahlenmäßig das Verhältnis Frauen* – Männer* in Gruppen?
• Warum nehmen Frauen* weniger am öffentlichen Leben teil?
• Haben wir gewaltfreie, liebevolle Beziehungen und Umgangsformen?
• Welche Rolle spielen Liebe und Beziehungen, gehen wir in der Sexualität achtsam miteinander um?
• Wie sind die ökonomischen Verhältnisse, wie gleichen wir diese aus?
• Wer organisiert / plant Kinderbetreuung, wer führt diese schließlich durch?
• Ist unsere Utopie und Praxis offen für vielfältigste Lebensentwürfe (kulturell, sexuell, religiös, spirituell, körperlich)?

Es gibt viel zu tun, wenn man seine Privilegien über Bord wirft. Und alles ist der Ideologie unterworfen, von der Aufteilung der Arbeit über das Redeverhalten, der Zusammensetzung des Freundeskreises oder der Zusammensetzung bei anderen Aktivitäten. Unter dieser Basis stelle ich mit ein liebevolles Zusammenleben eher schwieriger vor, gerade wenn auch Sex irgendwie in Richtung Unterdrückung geht. Hier stellt sich natürlich auch die Frage: Wie tief muss man es hinterfragen und reflektieren, wenn man aus ganz freien Willen und ohne irgendwelche Machtverhältnisse gerne „traditionell“ lebt, also sie die Kinderbetreuung etwas mehr übernimmt und er mehr verdient? Muss man beständig anführen, dass man das alles hinterfragt hat, damit andere nicht denken, man stärke hier doch die Geschlechterrollen?

 

Thesen zum Maskulismus (von Lightyear)

Als Reaktion auf meine Thesen zum Feminismus hat Lightyear2000 auch vier Theorien erstellt (in diesen Tweets 1, 2, 3) die insoweit den Nachweis bringen sollen, dass man viel behaupten kann, die Widerlegung dann aber schwierig ist.

Diese Thesen sind:

1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer

2. Maskulisten haben keine Praxis

3. Maskulisten bashen Feminismus, haben sonst keine eigenen Ideen

4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.

Schauen wir mal:

1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer

Da würde ich zum ersten darauf verweisen, dass in den Studien zur häuslichen Gewalt davon gesprochen wird, dass beide Seiten Gewalt ausüben. Ich wüsste jetzt – abseits eines radikalen Maskulismus, der ein „Frauen beuten nur aus“ vertritt, aber in der Hinsicht sehr selten ist – nicht, wo überhaupt eine „Alleintäterschaft“ von Frauen vertreten wird.

Ich kann auch ohne weiteres hier kundtun: Männer und Frauen haben beide an der Gesellschaft teil und gestalten diese insofern auch beide. Üblicherweise werden verschiedene „Kompromisse“ gefunden bzw. in einem Bereich setzt sich eher die Frau, in anderen eher der Mann durch.

2. Maskulisten haben keine Praxis

Leider hat Lightyear immer noch nicht so recht erklärt, was er eigentlich unter „Praxis“ versteht. Es scheint mir damit nicht einfach konkrete Arbeit gemeint zu sein, sondern die Anwendung der Theorien auf tatsächliche Lebensverhältnisse.

Ansonsten müsste ich auf Manndat, Agens, Väteraufbruch  und andere Vereine verweisen. An praktischen Anwendungen würde ich das Hinwirken zb auf ein Wechselmodell sehen, oder auf Bereitstellung auch für Hilfe für Männer, die von Gewalt betroffen sind oder für die Stärkung von Vaterrechten. Was sonstige allgemeinere „Praxis“ angeht würde ich es so sehen, dass aus zB den biologischen Theorien folgt, dass Männer nicht essentialistisch gesehen werden können, sondern es allenfalls Häufungen gibt und das aus der Figur des naturalistischen Fehlschluss folgt, dass Männer auch wenn das Selektionsdrücke waren, die nach Niederschlagung in unserer Biologie zur Ausprägung einer entsprechenden Kultur geführt haben, nicht auf die Rolle als Versorger, Beschützer etc festgelegt werden können und insofern um mit Warren Farrell zu sprechen nicht „disposabel men“ sein sollten, sondern den gleichen Anspruch auf Schutz und Unterstützung haben wie Frauen.

3. Maskulisten bashen Feminismus, haben aber sonst keine eigenen Ideen

Das überschneidet sich aus meiner Sicht etwas mit dem obigen Punkt, aber ergänzend dazu würde ich sagen, dass in einem Maskulismus wie beispielsweise dem von Warren Farrell die Theorie vertreten wird, dass Männer und Frauen ein Nullsummenspiel betreiben, wenn es eigentlich um Kooperation zwischen den Geschlechtern geht.

Dies kann man mit der Spieltheorie weiter ausbauen, etwa indem man die klassische Beziehung als Prisoners Dilemma versteht und vieles zwischen den Geschlechtern als Versuch des Signals, dass man fair spielen will und gleichzeitig als Absicherung gegen „defect“. Von dieser Betrachtung ausgehend muss es zu einer Neuverhandlung bestimmter Regeln zwischen den Geschlechtern kommen, denn früher hatte es für beide bei einer Heirat oder auch nur Sex erheblich andere Auswirkungen „defect“ zu spielen. Heirat ist insofern mit Verhütung, Unterhalt, Zugewinn, Versorgungsausgleich, Arbeit beider Geschlechter, staatlicher Unterstützung und dem Wegfall sozialer Stigmata ein ganz anderer Vertrag geworden, deren Regelungen vielleicht nicht mehr zeitgemäß sind. Ein wesentlicher Teil maskulistischer Arbeit und Ideen bezieht sich gerade auf diesen Bereich und seine Auswirkungen, vom Sorgerecht bis zum Unterhalt.

4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.

Eigentlich will aus meiner Sicht kaum jemand zurück in die 50er. Den diese Privilegien sind ja nur bei sehr einseitiger Betrachtung. „Vorstand der Familie“ ist ein sehr relativer Begriff, genug Männer werden auch damals unter dem Pantoffel gestanden haben. Und es bedeutete eben auch allein für die Versorgung der Familie verantwortlich zu sein, schwer an außerehelichen Sex zu kommen, sich von einer nicht mehr genehmen Partnerin quasi nicht trennen zu können und zudem für den Fall, dass das nicht gelang ein meist lebenslanger Unterhaltsanspruch ohne das die Frau verpflichtet war einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (wenn ich mich nicht täusche), sofern sie nicht etwas falsch gemacht hatte, was ihn zur Treue berechtigt.

Es mag für Feministen kaum vorstellbar zu sein, aber ich habe gerne vor der Ehe die Möglichkeit, Beziehungen auszuprobieren und nicht dafür beschämt zu werden oder auch einfach nur Sex zu haben. Und ich finde es gut, wenn eine Frau ebenfalls etwas verdient. Was genau an den 50er Jahren so attraktiv für Männer gewesen sein soll entzieht sich mir da eher.

Wenn damit allgemein konservative Geschlechterrollen gemeint sind: Dagegen gibt es natürlich auch Widerstand im Maskulismus. Es ist ja nicht so, dass die konservativen Rollenzuweisungen hier durchgängig bejaht werden, sie werden eben auch als Einschränkungen für Männer gesehen und der Versuch, sie als zwingend zu befolgen vorzugeben, abgelehnt

 

Was würdet ihr gegen Lightyears Thesen anführen, vielleicht auch an Artikeln auf eurem Blog? Oder welche Ausführungen stützen vielleicht sogar seine Thesen? Wie steht ihr allgemein zu diesen?