Die Veränderung der Gefühle nach dem Sex

Ein Artikel behandelt die Veränderungen von Gefühlen nach dem Sex bei Männern und Frauen:

This article develops the Aflective Ship Hypothesis, which suggests that women experience positive affective shifts following first-time intercourse as a means to facilitate a longer-term, more committed relationship. The hypothesis predicts a negative affective shift in men who pursue a short-term mating strategy; this shift is hypothesized to function to curtail commitment by motivating the man to terminate the relationship. Study 1 (N = 177) documented sex differences predicted by the affective shift hypothesis. Study 2 (A‘ = 203), using a somewhat different methodology involving reports of presex and postsex feelings, found that men with high numbers of sex partners, but not men with low numbers of partners, experienced a decrease in their partner’s physical and sexual attractiveness following first-time sexual intercourse. In contrast, women, more than men, experienced increases in feelings of love and commitment following first-time sex.

Quelle: The affective shift hypothesis: The functions of emotional changes following sexual intercourse

Also durchaus die Ergebnisse, die man nach evolutionären Betrachtungen erwarten würde. Gerade bei Männern, die viel Auswahl haben, also eher auf eine Kurzzeitstrategie ausgerichtet sind, wird diese noch bestärkt, bei Männern, die auf eine Langzeitstrategie setzen oder einen Patner den sie haben, lieber sichern sollten, tritt der Effekt nicht ein.

Hingegen tritt bei Frauen, die von einer Strategie, die auf viele Männer setzt, weit weniger haben, weil sie ja nur einmal schwanger werden können, eher eine Erhöhung der Bindungsbereitschaft nach dem Sex ein.

Es würde insoweit auch erklären, warum gerade Männer, die viele Frauen haben, immer wieder neue Frauen brauchen und warum Frauen sich bei Sex, aus dem nicht  mehr wird im Schnitt eher verletzt fühlen als Männer.

Romantik und Beziehungsmanagement

Ein Artikel im Tagesspiegel stellt die Frage, ob „die Liebe noch eine Chance hat„:

Das Problem daran ist die alltägliche Verkürzung der Gleichberechtigung auf eine vordergründige Behauptung von Gleichheit. Niemand bestreitet, dass Frauen und Männer die gleichen Rechte haben. Doch im Leben, im Alltag, in der Politik geht es nicht mehr um die Schönheit und die Bedeutung der Unterschiede, es geht nur noch um das Prinzip „auch“: Ihr stellt sieben Aufsichtsräte – dann wollen wir das auch. Ihr habt eure karrierefördernde Seilschaft – dann machen wir das auch. Wir können Wochen vor und ein paar Monate nach der Geburt nicht arbeiten – dann sollt ihr auch ein paar Monate exklusiv mit dem Baby verbringen. (Als ob Männer heute dazu noch genötigt werden müssten – eher muss man die bedauern, die immer noch zu fixiert auf Karrierenormen sind, um sich auf ihre Kinder einzulassen. Eine der schönsten Phasen im Leben des Verfassers waren zwei Monate zwischen zwei Jobs, in denen er jeden Tag 24 Stunden Zeit für seinen zwei Jahre und zwei Monate alten Sohn W. hatte.)

Hier wird aus meiner Sicht die Kritik an der Gleichstellung statt Gleichberechtigung, die berechtigt ist, unnötig mit der Beziehung verbunden. Gleichstellungspolitik mögen viele Frauen gutheissen, aber sie wird so in einer Zweierbeziehung ja nicht praktiziert – wie auch? Auch ist er denke ich etwas optimistisch, was Väter und die Vätermonate angeht: Die Vätermonate erlauben Väter denke ich schon etwas, was sie sonst nicht umsetzen könnten, einfach weil es unüblich war und immer noch ist, dass ein Vater sich eine längere Auszeit nimmt.

Was wird die Kinder von heute prägen? Sie werden mit arbeitenden, karrierebewussten Müttern groß. Und viele wachsen in Familien und mit Kindern aus anderen Familien auf, von denen manche neu zusammengesetzt werden. Da werden kaum noch Geschichten von der Liebe fürs Leben erzählt werden, eher solche von Trennungen, weil man nicht mehr zueinander passte. Für die Kinder von heute wird morgen normal sein, dass Mutter und Vater in ihrer Beziehung „gleich“ waren.

Dass Männer und Frauen unterschiedlich sind, dass lernen die meisten Kinder recht schnell – einfach, weil die Unterschiede nicht zu übersehen sind.  In der Tat wachsen mehr Kinder mit Trennung auf. Aber das ist meine ich ein Problem in sich, es folgt nicht aus der Gleichheit.

Moderne Paarbeziehungen sind nicht mehr geprägt durch ein romantisches Ideal wie „Der eine für den anderen“. Warum sollte sich eine arbeitende Frau Gedanken darüber machen, wie sie ihren karrierebewussten Gatten kräftigt und für den nächsten Machtkampf in Form bringt? Warum sollte ein arbeitender, den Haushalt zur Hälfte mitführender Mann sich Gedanken darüber machen, wie er seiner Frau, die das Haus, das Familienleben auch nicht mehr als er gestaltet, für eben diese nicht marktkonforme, „nur“ familiäre Arbeit besonders dankt? Beide sind gleich: gleich belastet, gleich gestresst, gleich müde, wenn es um gegenseitiges Interesse und Zuwendung geht. Sie können froh sein, wenn das Aushandeln von Pflichten und die Lösung von Konflikten nach der Koordination von mindestens drei Terminkalendern (ihrer, seiner und der mindestens eines Kindes) wirklich partnerschaftlich verläuft – sprich: gleichberechtigt. Aus Gefühlsfragen sind Managementfragen geworden.

Aus meiner Sicht eine etwas einfache Sicht moderner Paarbeziehungen. Denn spätestens wenn Minder da sind wird ja meist zu einer Rollenverteilung, nach der einer der Partner mehr Kinderbetreuung macht, der andere eher das Familieneinkommen erwirtschaftet, zurückgekehrt.

Und natürlich kann man den eigenen Partner auch dann stärken, wenn beide arbeiten. Jeder erzählt dann eben seine Sorgen und der andere versucht sich damit auseinander zu setzen, sie zu lösen oder auch einfach nur noch einmal zuzuhören. Natürlich bringt ein eigenes Einkommen Selbständigkeit, aber das muss nicht dazu führen, dass man den anderen nicht mehr unterstützten möchte.

Und auch vorher konnte ein Partnerschaft Managementsache sein. Denn man musste eben auch da die unterschiedlichen Bereiche miteinander abstimmen und die Beziehung verwalten. Es wird auch in früheren Zeiten genug Ehen gegeben haben, in denen die Ehepartner sich nicht mehr viel zu sagen gehabt haben und nebeneinander hergelebt haben und der eine die Sorgen des anderen nicht verstehen konnte, weil es ganz verschiedene Welten waren. Oder der Partner, der zu Hause geblieben ist, hat sich mit dem allein sein überfordert gefühlt oder später einfach gelangweilt, den ganzen Tag mit einem Säugling zusammen.

Liebe braucht das Mysterium – und dafür ist heute weniger Raum denn je. Das Mysterium entsteht aus der Ungleichheit. Denn dort wirken die Anziehungskräfte. Es geht nicht um das gerecht Geteilte, sondern um das dunkle Ungleiche. Mit der romantischen Liebe ist es vorbei. Wir befinden uns in der Phase des Übergangs in die Zeit der gleichberechtigten Bedürfnisbefriedigung. Nichts spricht dafür, dass Frauen und Männer das gemeinsam hinbekommen wollen.

Frauen und Männer werden nicht gleicher, wenn sie beide arbeiten. Sie haben mit hoher Wahrscheinlichkeit verschiedene Jobs, verschiedene Arten damit umzugehen und das Mysteriöse in einer Beziehung entsteht nicht dadurch, dass einer die Kinder versorgt. Es entsteht aus den Eigenarten von Mann und Frau.

Und natürlich war auch gerade die frühere Ehe eine starke Bedürfnisbefriedigung: Er wollte eine Frau, die für Haushalt, Kinder und Sex sorgt und sie wollte eine Versorgung, weil sie selbst nicht arbeiten durfte. Was kann mehr ein Bedürfnismanagement sein?

Neue Freiheiten sind insoweit auch eine Chance für die Liebe. Mit mehr Unabhängigkeit werden wir freier für Partner, die wir sexuell, geistig und auf einer persönlichen Eben wollen. Es erlaubt eine Wahl abseits finanzieller Interessen, die natürlich zu ihren eigenen Problemen führt.

Aber deswegen muss die Romantik und die Liebe nicht sterben.

Sexuelle Ökonomie: Sex als weibliche Ressource in heterosexuellen Interaktionen

Baumeister hat einen interessanten Artikel zum sexuellen Markt geschrieben:

A heterosexual community can be analyzed as a marketplace in which men seek to acquire sex from women by offering other resources in exchange. Societies will therefore define gender roles as if women are sellers and men buyers of sex. Societies will endow female sexuality, but not male sexuality, with value (as in virginity, fidelity, chastity). The sexual activities of different couples are loosely interrelated by a marketplace, instead of being fully separate or private, and each couple’s decisions may be influenced by market conditions. Economic principles suggest that the price of sex will depend on supply and demand, competition among sellers, variations in product, collusion among sellers, and other factors. Research findings show gender asymmetries (reflecting the complementary economic roles) in prostitution, courtship, infidelity and divorce, female competition, the sexual revolution and changing norms, unequal status between partners, cultural suppression of female sexuality, abusive relationships, rape, and sexual attitudes.

Quelle: Sexual Economics: Sex as Female Resource for Social Exchange in Heterosexual Interactions

Zunächst stellt Baumeister die Grundlagen dar, nach denen sich ein solcher Markt richten würde:

An economic approach to human behavior was defined by (subsequent) Nobel laureate Gary Becker (1976) as having four main assumptions.

  • First, the behavior of individuals is interconnected in market systems in which individual choices are shaped by costs and benefits in the context of stable preferences.
  • Second, scarce but desirable resources are allocated by price shifts and other market influences.
  • Third, sellers of goods or services compete with each other (as buyers also sometimes do, but not as much).
  • Fourth, people seek to maximize their outcomes.

Das dies gängige Marktmechanismen sind wird den meisten einleuchten. Mehr Widerstand hingegen wird wohl die Übertragung dieser Marktgesetze auf so etwas wie Sex erzeugen.

Die dahinter stehenden Mechanismen stellt Baumeister wie folgt dar:

 

Treating sex as a female resource means that each culture (we define culture as an information-based social system) will endow female sexuality with value, unlike male sexuality. Women will receive other valued goods in return for their sexual favors. Male sexuality, in contrast, cannot be exchanged for other goods. Put another way, women become the suppliers of sex, whereas men constitute the demand for it and play the role of purchasers and consumers. Even though in one sense a man and a woman who are having sexual intercourse are both doing similar things, socially they are doing quite different things. Thus, the first prediction based on the social exchange theory of sex is that interpersonal processes associated with sexual behavior will reveal a fundamental difference in gender roles. Men will offer women other resources in exchange for sex, but women will not give men resources for sex (except perhaps in highly unusual circumstances). In any event, the bottom line is that sexual activity by women has exchange value, whereas male sexuality does not. Female virginity, chastity, fidelity, virtuous reputation, and similar indicators will have positive values that will be mostly absent in the male (see Table 1). Put another way, it will matter more to the formation and continuation of a relationship whether the woman is a virgin than whether the man is; whether the woman engages in sex with another partner than whether the man does, and so fort

Interessant ist dann die Auflistung von Punkten, die sich auf den Preis für Sex auswirken:

 

Wenn man die Grundannahme eines sexuellen Marktes akzeptiert, dann scheinen mir diese Faktoren relativ unstrittig. Sie folgen den üblichen Gesetzen von Angebot und Annahme.

Hier sieht man auch, dass Pornographie als Sexersatz den Preis für Sex senkt und damit letztendlich die Verhandlungsposition der Frau schwächen kann. Dies gilt ebenso, wenn unverbindlicher Sex akzeptierter ist, da auch dann ein leichterer Zugang dazu besteht und dieser schwerer mit Bedingungen verknüpft werden kann.
Baumeister dazu:

Assuming that most men would prefer to have sex with affectionate female partners (as opposed to prostitutes or by masturbating while watching pornography), the women in a community would potentially have a monopoly if they could band together to reduce competition among themselves. A rational economic strategy that many monopolies or cartels have pursued is to try to increase the price of their assets by artificially restricting the supply. With sex, this would entail having the women put pressure on each other to exercise sexual restraint and hold out for a high price (such as a commitment to marriage) before engaging in sex. Economic history suggests that such efforts, as in the case of Organization of Petroleum Exporting Countries (OPEC) are only intermittently successful and may often be undermined as individuals seek to underbid each other. Still, monopolies are sometimes sufficiently successful that most developed nations have found it necessary to enact laws against them. It would therefore not be surprising that economic self-interest would occasionally drive women to work together to restrain the availability of sex.

Dagegen spricht dann eben, dass ein solches Kartell schwierig zu unterhalten ist, wenn die Kosten eines Ausbrechens gering sind. Seit der Erfindung und weiträumigen Einführung der Pille sowie der Sozialsysteme ist dies der Fall: Die Kosten für Sex sind gesunken und damit auch die Disziplin in den eigenen Reihen.

Die Betrachtung als sexueller Markt, auf dem intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen herrscht erklärt auch knappe Kleidung etc:

A woman is analogous to an entrepreneur bringing a new product to market, and so enhancing appeal is a rational strategy. Advertising is also a viable, rational way to increase demand for one’s product. Flirting, wearing sexy clothes, and in general creating the impression that sex with her would be especially pleasant and satisfying, would be economically sensible strategies for a woman to pursue. The importance of stimulating demand helps resolve a seeming paradox that has spawned a long, ideologicallycomplicateddebate.Feminists have long objected, with considerable justification, to the fact that women who wear sexy clothes sometimes become the targets of male harassment (or worse). They assert that women should be permitted to dress however they please without attracting unwelcome male attention. Opponents point out that wearing sexually revealing or enticing clothes may convey an impression that some men might reasonably misperceive as indicating that she is sexually available. After all, they say, why dress in such a sexually revealing fashion if she does not want to attract sexual attention? The social exchange analysis makes it understandable that it is fully rational for a woman to seek to stimulate more male desire than she wishes to satisfy.

Sexy Kleidung ist insofern Werbung für das eigene Produkt und das Ziel, diese Werbung möglichst umfassend vornehmen zu können, insoweit verständlich.

Die Auswirkungen auf die Entscheidung, mit wem man Sex hat, sind dann wie folgt:

Sexual decision making is likely to be more complex for the woman than the man. Faced with a suitor desiring sex, she may feel pulled in conflicting directions. Her own sexual desires, as well as the potential advantage to be gained over other women by underbidding (i.e., offering sex at a slightly lower price to attract the man she wants) would encourage her to consent to having sex without asking for much in return. Meanwhile her desire to get a good price for her sexual favors would counsel restraint, as would her concern over developing a bad reputation and thereby lowering her own individual market value. The man’s role is not subject to such competing, contradictory forces, and so men may be able to decide easily, quickly, and consistently whether they desire sex with a particular woman or not.

Interessant auch die Ausführungen dazu, warum die Betrachtung als Markt ungern vorgenommen wird:

ctical and concrete discussions of sexual exchange. However, incompatibility might arise because antagonistic exchange relationships are divisive whereas sexual relationships are often sought as positive, even communal bonds. Explicit acknowledgment of exchange processes in sexuality would certainly raise a set of difficulties that could well make people reticent. Few couples will exactly match the average going rate for sexual exchange, and so one or the other of them is getting a poor deal. To acknowledge that would reveal the man and woman as having an essentially antagonistic relationship at precisely the moment when they are presumably trying to form a united partnership, and so downplaying the exchange process would be valuable for avoiding the divisive recognition of exchange. A too-precise negotiation of how much the man should contribute might also force the woman to acknowledge that she will charge one man more than another, more attractive man, thereby striking a blow to his ego. Her prestige could also be at stake, especially if to make explicit negotiations she came under pressure (comparable to the disclosures required of house sellers) to reveal what she was offering in terms of willingness to perform various acts, actual physical traits undisguised by clothing and makeup, and extent of prior sexual activity. In any case, however, the reluctance to acknowledge sexual exchange is itself an intriguing challenge for further research.

Meiner Meinung nach ist hier insbesondere zu beachten, dass es ein unterbewußter Markt ist und wir diese Berechnungen zwar als solche unterbewußt vornehmen, es aber Vorteile bringt, dies zu verbergen: Liebe als reinen ökonomische Angelegenheit zu behandeln bedeutet, dass man bei der Verschlechterung des Deals einen anderen Deal suchen wird. Es geht aber gerade darum, sich gegenseitig zu signalisieren, dass man den Deal in dieser Form in jedem Fall halten wird, weil dies dem anderen signalisiert, dass er den Deal auch eingehen kann. In dem Leugnen des Tauschcharakters liegt also so gesehen eine Betonung des Festhaltens an dem Deal um jeden Preis aus Gründen, die außerhalb der Marktgesetze liegen.

Ich hatte diese Bedeutung von Liebe und deren Absicherung über „große Gefühle“ hier bereits einmal in dem Artikel „Versorgereigenschaften als Attraktivitätsmerkmale und Gründe für die Paarbindung“ dargestellt.

Über den Punkt hinaus

„Ich glaube ich bin über den Punkt hinaus, wo ich einfach nur mit ihm schlafe“ sagt sie.

„Hattest du nicht gesagt“ frage ich nach „dass er geil ist, aber eine Beziehung in einer Katastrophe enden muss?“

„Ja, aber wenn wir uns einen Tag lang nicht sehen, dann sagen wir uns schon, wie sehr wir uns vermissen“

„Wie oft schlaft ihr miteinander?“

Sie wird rot. „Also jetzt pro Tag?“

„Nein, aber das beantwortet meine Frage auch“ Ich grinse  frech „Ihr könnt direkt euren Facebookstatus ändern“

„Oh man, dabei wollte ich das gar nicht, es sollte einfach nur Sex sein. Aber es ist total schön mit ihm. Warum hatte ich noch mal gesagt, dass es nichts werden kann?“

„Weil er eine Scheiß-Egal-Haltung hat und du meintest, dass du deswegen bei jedem Streit unterliegen wirst, weil du zu schnell nachgibst und das in anderen Beziehungen auch schon schief gegangen ist.“

„Richtig. Aber er ist jetzt ganz süß, es ist ihm gar nicht scheißegal. Er kümmert sich richtig gut um mich und ist kuschelig“

„Ach ja, die Hormone. Bindung, Oxytocin. Ich habe ja gesagt, dass zuviel Sex gefährlich ist und du nicht mehr als einmal die Woche mit ihm schlafen solltest, wenn du wirklich nichts festes willst“

„Du immer mit deinen Hormonen! Als ob du weniger Sex in einer solchen Situation gehabt hättest“

„Ich verliebe mich ja auch nicht so schnell wie du und plane dann gleich Kindernamen“

„Stimmt, aber ich glaube ich muss das mal mit ihm klären. Irgendwie ist es mehr als Sex“

„Ihr werdet heiraten und Kinderkriegen. Ich finde ja Hochzeiten mit Buffet nicht schlecht, da muss man nicht so lange auf die Gänge warten“

„Blödmann! Aber ich muss los, wir sind verabredet. Nächste Woche frage ich ihn, wo wir eigentlich stehen. Irgendwann muss man das ja mal klären“

Versorgereigenschaften als Attraktivitätsmerkmale und Gründe für die Paarbindung

Was wirklich vielen Probleme zu bereiten scheint ist „Der Mann als guter Versorger“ als Attraktivitätsmerkmal aus Sicht der Frau und dem Ausnehmen von Männern oder gar die Abgrenzung zu purer Gier abseits von Liebe, wenn man so verdreht wie imion und Zhen denkt. Meiner Meinung nach ist diese Abgrenzung gut vorzunehmen ohne dabei eine Abwertung von Frauen zu Huren vorzunehmen. zu Bedenken ist dabei zunächst die Ausgangslage und dann die Umsetzungsmechanismen. Des weiteren ist zu bedenken, wie sich eine dauerhafte Versorgung sicherstellen läßt.

1. Ausgangslage

Die Ausgangslage ist dabei, dass die Aufzucht eines Menschenkindes sehr aufwändig ist. Menschenkinder sind von allen Primaten am längsten unselbständig, sie haben noch nicht einmal mehr einen stark ausgeprägten Greifreflex, mit dem sie sich selbständig an der Mutter festhalten können, sondern müssen aktiv getragen werden. Ihre Sillzeit ist lang, erst mit ca 14 Jahren, unter steinzeitlichen Bedingungen erst später, erreichen sie überhaupt eine eigene Fortpflanzungsfähigkeit und erst mit ca. 18 jahren sind sie ausgewachsen. Innerhalb dieses Zeitraums profitieren Menschenkinder enorm von einer Unterstützung und Versorgung. Daher besteht eine hohe Motivation sich einen Partner zu suchen, der erstens eine Versorgung übernehmen kann und zweitens auch bereit ist sie zu übernehmen.

2. Anzeichen für eine gute Versorgungsmöglichkeit 

Interessant sind damit bei der Partnerwahl Anzeichen dafür, dass der potentielle Partner ein guter Versorger ist. Dabei ist zu bedenken, dass in der Steinzeit, da die Leute Nomaden waren, wenig Wert angesammelt werden konnte. Natürlich konnten Kleidung, Waffen, sonstiger Besitz diese Funktion erfüllen, aber eine übermäßige Anhäufung von Reichtum war nicht möglich. Auch Nahrung konnte vor der Sesshaftigkeit nur eingeschränkt gelagert und damit angesammelt werden. Interessante Faktoren für die Beurteilung waren damit körperlich: Wie ist sein Versorgungszustand, welche langfristigen Zeichen einer guten Ernährung lassen sich finden (Haar, Muskeln), aber eben auch, da wir Gruppentiere sind, die Eingebundenheit in die Gruppe. Selbst der stärkste Mann konnte nicht gegen mehrere Männer, die sich verbunden bestehen, so dass Bündnisse entsprechend wichtig wurden und damit die Frage, wer wen unterstützt, letztendlich der Status innerhalb der Gruppe, der daher auch heute noch von erheblicher Bedeutung ist. Hinzukommt, dass Männer mit einem hohen Status auch eher bei Jagden anderer an der Beute beteiligt sein würden, was sich ebenfalls vorteilhaft auswirkt.

3. Anzeichen für einen Versorgungswillen 

All dies bringt für eine Langzeitstrategie wenig, wenn derjenige seine möglicherweise vorhandenen Versorgungsleistungen nicht in zB eine bereits Schwangere oder seine Kinder investieren will, sondern sie zB lieber zur Werbung einer neuen Partnerin einsetzt. Es war also wichtig zu erkennen, inwieweit sich der Mann an die Frau binden will, sein Versprechen, mit ihr zusammenzubleiben und sie zu unterstützen, ernst gemeint war. Damit haben Männer ebenfalls einen guten Grund genau diese Eigenschaft zu signalisieren. Ich hatte in „Rache, starke Gefühle, Ehrenkodexe und Verhandlungspositionen“ bereits dargelegt, dass es hierfür günstig sein kann, deutlich zu machen, dass man über seine Logik hinaus durch Gefühle, Bindungshormone etc gebunden ist, dass man also selbst wenn man wollte den anderen nicht verlassen könnte. Liebe, wie wir sie empfinden ist damit zum einen tatsächliche Bindung an eine Person, zum anderen aber auch Zeichen an den anderen, dass man nicht mehr rational, sondern gefühlsmäßig gebunden handeln wird. Es ist insoweit umgesetzte Spieletheorie, nach der ein Versprechen, dann sicherer ist, wenn man die Entscheidung für die Erfüllung aus der Hand gibt, weil der andere so (eher) vertrauen kann, dass man auch so verfährt, wie man es verspricht. Deswegen ist es auch attraktiv bei einem Mann, wenn dieser Gefühle darstellen kann, man erkennt, dass er Bindungen aufbauen kann etc.

4. Anzeichen dafür, dass er nicht nur ausgenutzt wird

Wenn der Mann aber signalisiert, dass er ihr so verbunden ist, dass er sie und ihren Nachwuchs versorgen will, weil er sie liebt, über Bindungshormone mit ihr verbunden ist, bei ihr bleiben wird, dann werden im Gegenzug auch seine Anforderungen relevant, weil die Männer, die ihre Versorgungsleistungen in eigene Kinder investiert haben, mehr Gene im Genpool hinterlassen haben, als die Männer, die Versorgungsleistungen in fremde Kinder investiert haben. Damit der Mann bereit ist zu investieren bzw. für eine positive Selektion auf Männer, die bereit für eine Investition sind, ist damit Vaterschaftswahrscheinlichkeit ein wesentlicher Punkt. Um so sicherer ein Vater sein kann, dass er der Vater ist, um so eher lohnt sich eine väterliche Investition. Frauen, deren Gene sie zu einer „echten Bindung“, eben einem Verliebtsein befähigen, die eine Bindung an einen sie ebenfalls liebenden Mann errichten konnten, konnten hierfür die beste Absicherung bieten. Denn auch hier sind die Gefühle, die das logische Denken überschreiben, wie bereits hier dargestelllt, dass beste Signal in dieser Richtung. Ein „Ich kann gar nicht anders wollen als dir treu sein, weil ich voller Hormone bin, die dich besonders machen und an mich binden“. Auf diese Weise ist verständlich, dass gegenseitige Bindungen entstehen können, mit denen das gegenseitige Versprechen durch entsprechende irrationale Gefühle abgesichert wird.

5. Einordnung in proximate cause und ultimate cause

Zu bedenken ist hierbei, dass die Versorgung zunächst nur ultimate Cause ist. Gerade in Verbindung mit der angestrebten Sicherheit für den Mann ist es zur Umsetzung dieses Ziels im proximate Cause zieldienlicher, diese Betrachtung nur Unterbewußt vorzugeben. Demnach müsste eine Frau nicht bewusst einen Versorger suchen, sondern nur im proximate cause eine Vorliebe für Männer entwickelt haben, die in der Steinzeit eine Versorgung sichergestellt haben. Das würde nicht erfordern, dass tatsächlich eine Versorgung als attraktiv empfunden wird, aber eben Status, gutes Aussehen, gewisse Resourcen, und Verbundenheit zu der jeweiligen Frau. Im Gegenzug dann eben auch gutes Aussehen der Frau, Treue etc

6. Berücksichtigung von anderen Strategien

Zudem ist natürlich auch hier zu berücksichtigen, dass Menschen nicht alle gleich sind, sondern ein menschlicher Genpool besteht, der viele verschiedene Strategien zuläßt. Innerhalb einer Welt, in der Frauen und Männer sich verlieben und tatsächlich an den Partner gebunden sind kann ebenso eine Variante betehen, die die Liebe auf beiden Seiten ausnutzt. Entweder bei Männern, die gut darin sind Gefühle vorzutäuschen oder bei Frauen, die dies ebenfalls gut können und dadurch Versorgungsleistungen erlangen können. Dies bedeutet aber nicht, dass alle Männer und alle Frauen diesem Typus entsprechen würden.

Zudem ist auch zu  berücksichtigen, dass innerhalb der vorherrschenden, gerade dargelegten Strategie weitere Unterstrategien erfolgreich eingebunden werden können. „Liebe deine Partnerin, aber begehre gleichzeitig andere fruchtbare Frauen, gerade wenn es deine Partnerin nicht merkt“ kann ebenso eine solche Unterstrategie sein wie „Liebe deinen Partner, aber wenn ein Mann dich besonders erregt, dann begehre ihn ebenfalls, gerade wenn dein Partner nichts merkt“.

„Ultimate Cause“ und „Proximate Cause“

Eine wichtige Unterscheidung zum Verständnis von Evolutionsbiologie und damit auch für das Verständnis des Menschen und der Geschlechterunterschiede ist die Unterscheidung zwischen Ultimate Cause und Proximate Cause.

  • Unter dem Proximate Cause versteht man ein Ereignis, dass direkt zu dem Endzustand geführt hat.
  • Unter dem Ultimate Cause versteht man den „eigentlichen Grund“, der das Ereignis erklärt

Ein Beispiel außerhalb der Biologie wäre (aus dem Wikipedia-Artikel übernommen):

Warum sank das Schiff?

  • „Proximate Cause“: Weil es aufgrund eines Lochs in der Schiffshülle unterhalb der Wasserlinie und des durch dieses eindringende Wasser mehr Gewicht erhielt als das Wasser, was es verdrängte und daher sank.
  • „Ultimate Cause“: Weil es einen Eisberg rammte, der ein Loch in der Hülle verursachte.

In der Biology bietet sich diese Unterscheidung ebenfalls an. Mit dem „Ultimate Cause“ wird dabei der evolutionäre Druck beschrieben, der zur Ausprägung bestimmter Eigenschaften eines Lebewesens geführt hat. Mit dem „Proximate Cause“ wird hingegen die Auswirkung dieses evolutionären Drucks auf das Lebewesen dargestellt.

Ein einfaches Beispiel wäre, die Frage, warum viele Lebewesen mit ihrer Nahrund Fette, Proteine, Kohlenhydrate aufnehmen

Ultimate Cause: Lebewesen benötigen zum Betreiben der Körperfunktionen bestimmte Nährstoffe. Es besteht daher ein evolutionärer Druck sich diese Nährstoffe anzueignen. „

Proximate Cause“: Lebewesen haben Geschmacksnerven, die auf bestimmte Muster, die üblicherweise bei wichtigen Nährstoffen vorliegen ansprechen. Sie haben zudem Geruchssinne, die ebenfalls bestimmte Gerüche, die bei Nährstoffen und deren Zubereitung anfallen, entsprechende Signale senden. Daher bevorzugen Lebewesen Nahrungsmittel, die diese Sinnesorgane ansprechen.

Wie man an der modernen Lebensmittelindustrie des Menschen sieht müssen die Erklärungen nicht übereinstimmen. Süssstoffe beispielsweise haben – zur Freude der Hersteller von Diätprodukten – keinerlei Nährwert. Sie erfüllen also den „Ultimate Cause“ nicht, den Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Weil sie aber entsprechende Signale an die Geschmacksnerven senden erfüllen sie den Proximate Cause, nämlich Lebensmittel essen, deren sensorischer Input darauf hindeutet, dass sie den Ultimate Cause dienen. Es handelt sich insoweit um eine „unzureichende Umsetzung“, da eine Täuschung möglich ist. Diese Täuschung war aber evolutionstechnisch egal, da die Umsetzung „dicht genug“ an einer Lösung war um den Ultimate Cause zu erfüllen.

Es finden sich viele solche Fälle in denen die Umsetzung des „Ultimate Cause“ gut genug war, heute aber „fehleranfällig“ ist.

Beispiele:

a. verschiedene Partnerwahlkriterien bei Männern und Frauen

  • Ultimate Cause: Die verschiedenen Kosten der Fortpflanzung (Frau: minimal Schwangerschaft, Stillen etc, minimaler Zeiteinsatz: 9 Monate plus, eher 6-7 Jahre; Mann: minimal Ein Schuß Sperma, 3 Minuten) führen dazu, dass Männer andere Kriterien an einen Partner anlegen, die bei Frauen die Bereitschaft und Möglichkeit, sich an den Kosten der Schwangerschaft und Aufzucht zu beteiligen höher Bewerten als bei Männern.
  • Proximate Cause: Biologisch einprogrammierte Attraktivitätsmerkmale, die Anzeichen dafür geben, inwieweit der andere den biologischen interessen entspricht. Bei Männern in bezug auf Frauen insbesondere Anzeichen für Gesundheit und Fruchtbarkeit sowie bei Eingehung einer langfristigen Bindung Anzeichen für Gebundenheit zur Vermeidung der Fehlinvestition in fremden Nachwuchs. Bei Frauen in Bezug auf Männer Anzeichen für hinreichende Ressourcen und die Fähigkeiten, diese zu erlangen und das Interesse an einer langfristigen Bindung, also die Bereitschaft, diese Ressourcen auch zu teilen sowie Hinweise auf Gesundheit etc. Dabei können Kriterien wie Status innerhalb der Gruppe wichtige Indizien für die Fähigkeit Ressourcen zu erlangen und zu verteidigen sein. 
  • Umgehung: Ressourcen können heutzutage mittels Kredit erworben werden, Statusverhalten ist auf die Kleingruppe bezogen gewesen und erforderte unter Steinzeitbedingungen erheblich mehr Aufwand bzw. war mit einem höheren Risiko verbunden (wer zu dick auftrug wurde dadurch, dass er wenig Essen von einer Jagd mitbrachte schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, weil er betteln muss und sich dann weniger Statusdisplay erlauben kann, während wir heute einen geringen Teil unseres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen). Muskeln sind kein Zeichen einer guten Ernährung über einen längeren Zeitraum mehr verbunden mit vielen Tätigkeiten mehr, sondern dank billiger Nahrung und billiger Fitnessstudios für jeden zu erreichen Symmetrische, große Brüste sind nicht mehr unbedingt Zeichen guter unmutierter Gene und eines geordneten wachstums, sondern evtl. eines Schönheitschirugs oder zumindest eines gut sitzenden, gepolsterten BHs

b. Sex und Fortpflanzung

  • Ultimate Cause: Geschlechtliche Fortpflanzung erfordert eine Übergabe der Gene und deren Verbindung miteinander
  • Proximate Cause: Das Ineinanderstecken von Geschlechtsorganen spricht – richtig gemacht – gewisse Nerven an, die das Belohnungszentrum stimulieren und eine Ausschüttung von Glückshormonen und Bindungshormonen bewirken. Die Ausschüttung bestimmter Hormone durch den Sex vermindert den Sexualtrieb kurzzeitig.
  • Umgehung: Dank Verhütungsmittel haben wir zwar noch den Spass am Sex, aber nicht mehr unbedingt die Fortpflanzung. Paare können ein Leben lang Sex haben, ohne den Ultimate Cause des Sex gerecht zu werden; Cybersex, Masturbation vor Pornos; 

Feste Partnerschaft und der Wunsch nach vielen Sexualpartnern

Bei Hooking up Smart wird in dem Beitrag „The Truth about Male Sexuality“ ein Kommentar zu dem Thema „feste Partnerschaft bringt den meisten Sex, warum suchen sich Männer nicht eine solche statt On-Night-Stands?“ wiedergegeben:

This simply does not compute to the male mind. But that’s very hard to explain to the female mind. Sexual variety, if we can get it, is an end in itself, its own reward. We’re born that way. (…)

In men, the drive to settle down & be deeply in love with someone you want to share your life with, AND the daily desire to still fuck everything that moves if you possibly can, coexist perfectly naturally, without dissonance. They are compartmentalized. They are both true. (…)

I love being in love & in a committed relationship but every time there is the chance of easy sex with someone I find attractive, my body cries out plaintively in a way that is directly comparable to a childless 38 year old woman looking at other peoples babies & weeping with desperation to fill her womb with one of her own. (…)

Regular sex with only one woman is not the male goal. Falling in love might be, but monogamy is more of a price men pay than the happy ending it is for women. It’s really giving up his natural destiny to fulfill hers. Again, there is simply no way to translate this for women, just how much a man gives up to be with only them.

Nein, dass ist keine Entschuldigung für das Fremdgehen. Denn natürlich muss es ein Mann nicht machen und natürlich bedeutet ein höheres biologisches Verlangen etwas zu tun nicht, dass es gut ist, so zu handeln. 

Aber das bedeutet nicht, dass dieses Verlangen nicht da ist und auch nicht, dass es nicht höher ist als bei Frauen. Natürlich gibt es wie immer auch kein „Alle Männer sind so und alle Frauen sind so“. Es ist eben mal wieder ein fließender Übergang.

Aber dennoch scheint mir der Wunsch – aus dem nicht unbedingt ein Handeln folgen muss – bei Männern durchaus verbreiteter zu sein. Die meisten Männer werden nach wie vor mit einer hübschen Frau schlafen wollen, Frauen scheinen dies weniger zu wollen. Männer können in der Tat beides gut nebeneinander leben. Was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum man von diversen Promis Fremdgehgeschichten hört und warum Tiger Woods trotz sehr hübscher Frau fremd gehen wollte.

Ich denke, dass für Männer Abwechselung interessanter ist als für Frauen. Was auch leicht durch die verschiedenen Fortpflanzungszeiten zu erklären ist. Für eine Frau bringt es mehr immer mit dem selben hochwertigen Partner zu schlafen als immer mit abwechselnden als für den Mann. Denn sie kann auch wenn sie mit 50 Männern schläft nur einmal schwanger werden, während er, wenn er mit 50 Frauen schläft theoretisch 50facher Vater werden könnte. Was ihn heute ruinieren würde, in der Steinzeit aber mangels Unterhaltsvorschriften zu einer effektiven Verbreitung entsprechender Gene führen konnte.