Über den Punkt hinaus

„Ich glaube ich bin über den Punkt hinaus, wo ich einfach nur mit ihm schlafe“ sagt sie.

„Hattest du nicht gesagt“ frage ich nach „dass er geil ist, aber eine Beziehung in einer Katastrophe enden muss?“

„Ja, aber wenn wir uns einen Tag lang nicht sehen, dann sagen wir uns schon, wie sehr wir uns vermissen“

„Wie oft schlaft ihr miteinander?“

Sie wird rot. „Also jetzt pro Tag?“

„Nein, aber das beantwortet meine Frage auch“ Ich grinse  frech „Ihr könnt direkt euren Facebookstatus ändern“

„Oh man, dabei wollte ich das gar nicht, es sollte einfach nur Sex sein. Aber es ist total schön mit ihm. Warum hatte ich noch mal gesagt, dass es nichts werden kann?“

„Weil er eine Scheiß-Egal-Haltung hat und du meintest, dass du deswegen bei jedem Streit unterliegen wirst, weil du zu schnell nachgibst und das in anderen Beziehungen auch schon schief gegangen ist.“

„Richtig. Aber er ist jetzt ganz süß, es ist ihm gar nicht scheißegal. Er kümmert sich richtig gut um mich und ist kuschelig“

„Ach ja, die Hormone. Bindung, Oxytocin. Ich habe ja gesagt, dass zuviel Sex gefährlich ist und du nicht mehr als einmal die Woche mit ihm schlafen solltest, wenn du wirklich nichts festes willst“

„Du immer mit deinen Hormonen! Als ob du weniger Sex in einer solchen Situation gehabt hättest“

„Ich verliebe mich ja auch nicht so schnell wie du und plane dann gleich Kindernamen“

„Stimmt, aber ich glaube ich muss das mal mit ihm klären. Irgendwie ist es mehr als Sex“

„Ihr werdet heiraten und Kinderkriegen. Ich finde ja Hochzeiten mit Buffet nicht schlecht, da muss man nicht so lange auf die Gänge warten“

„Blödmann! Aber ich muss los, wir sind verabredet. Nächste Woche frage ich ihn, wo wir eigentlich stehen. Irgendwann muss man das ja mal klären“

Versorgereigenschaften als Attraktivitätsmerkmale und Gründe für die Paarbindung

Was wirklich vielen Probleme zu bereiten scheint ist „Der Mann als guter Versorger“ als Attraktivitätsmerkmal aus Sicht der Frau und dem Ausnehmen von Männern oder gar die Abgrenzung zu purer Gier abseits von Liebe, wenn man so verdreht wie imion und Zhen denkt. Meiner Meinung nach ist diese Abgrenzung gut vorzunehmen ohne dabei eine Abwertung von Frauen zu Huren vorzunehmen. zu Bedenken ist dabei zunächst die Ausgangslage und dann die Umsetzungsmechanismen. Des weiteren ist zu bedenken, wie sich eine dauerhafte Versorgung sicherstellen läßt.

1. Ausgangslage

Die Ausgangslage ist dabei, dass die Aufzucht eines Menschenkindes sehr aufwändig ist. Menschenkinder sind von allen Primaten am längsten unselbständig, sie haben noch nicht einmal mehr einen stark ausgeprägten Greifreflex, mit dem sie sich selbständig an der Mutter festhalten können, sondern müssen aktiv getragen werden. Ihre Sillzeit ist lang, erst mit ca 14 Jahren, unter steinzeitlichen Bedingungen erst später, erreichen sie überhaupt eine eigene Fortpflanzungsfähigkeit und erst mit ca. 18 jahren sind sie ausgewachsen. Innerhalb dieses Zeitraums profitieren Menschenkinder enorm von einer Unterstützung und Versorgung. Daher besteht eine hohe Motivation sich einen Partner zu suchen, der erstens eine Versorgung übernehmen kann und zweitens auch bereit ist sie zu übernehmen.

2. Anzeichen für eine gute Versorgungsmöglichkeit 

Interessant sind damit bei der Partnerwahl Anzeichen dafür, dass der potentielle Partner ein guter Versorger ist. Dabei ist zu bedenken, dass in der Steinzeit, da die Leute Nomaden waren, wenig Wert angesammelt werden konnte. Natürlich konnten Kleidung, Waffen, sonstiger Besitz diese Funktion erfüllen, aber eine übermäßige Anhäufung von Reichtum war nicht möglich. Auch Nahrung konnte vor der Sesshaftigkeit nur eingeschränkt gelagert und damit angesammelt werden. Interessante Faktoren für die Beurteilung waren damit körperlich: Wie ist sein Versorgungszustand, welche langfristigen Zeichen einer guten Ernährung lassen sich finden (Haar, Muskeln), aber eben auch, da wir Gruppentiere sind, die Eingebundenheit in die Gruppe. Selbst der stärkste Mann konnte nicht gegen mehrere Männer, die sich verbunden bestehen, so dass Bündnisse entsprechend wichtig wurden und damit die Frage, wer wen unterstützt, letztendlich der Status innerhalb der Gruppe, der daher auch heute noch von erheblicher Bedeutung ist. Hinzukommt, dass Männer mit einem hohen Status auch eher bei Jagden anderer an der Beute beteiligt sein würden, was sich ebenfalls vorteilhaft auswirkt.

3. Anzeichen für einen Versorgungswillen 

All dies bringt für eine Langzeitstrategie wenig, wenn derjenige seine möglicherweise vorhandenen Versorgungsleistungen nicht in zB eine bereits Schwangere oder seine Kinder investieren will, sondern sie zB lieber zur Werbung einer neuen Partnerin einsetzt. Es war also wichtig zu erkennen, inwieweit sich der Mann an die Frau binden will, sein Versprechen, mit ihr zusammenzubleiben und sie zu unterstützen, ernst gemeint war. Damit haben Männer ebenfalls einen guten Grund genau diese Eigenschaft zu signalisieren. Ich hatte in „Rache, starke Gefühle, Ehrenkodexe und Verhandlungspositionen“ bereits dargelegt, dass es hierfür günstig sein kann, deutlich zu machen, dass man über seine Logik hinaus durch Gefühle, Bindungshormone etc gebunden ist, dass man also selbst wenn man wollte den anderen nicht verlassen könnte. Liebe, wie wir sie empfinden ist damit zum einen tatsächliche Bindung an eine Person, zum anderen aber auch Zeichen an den anderen, dass man nicht mehr rational, sondern gefühlsmäßig gebunden handeln wird. Es ist insoweit umgesetzte Spieletheorie, nach der ein Versprechen, dann sicherer ist, wenn man die Entscheidung für die Erfüllung aus der Hand gibt, weil der andere so (eher) vertrauen kann, dass man auch so verfährt, wie man es verspricht. Deswegen ist es auch attraktiv bei einem Mann, wenn dieser Gefühle darstellen kann, man erkennt, dass er Bindungen aufbauen kann etc.

4. Anzeichen dafür, dass er nicht nur ausgenutzt wird

Wenn der Mann aber signalisiert, dass er ihr so verbunden ist, dass er sie und ihren Nachwuchs versorgen will, weil er sie liebt, über Bindungshormone mit ihr verbunden ist, bei ihr bleiben wird, dann werden im Gegenzug auch seine Anforderungen relevant, weil die Männer, die ihre Versorgungsleistungen in eigene Kinder investiert haben, mehr Gene im Genpool hinterlassen haben, als die Männer, die Versorgungsleistungen in fremde Kinder investiert haben. Damit der Mann bereit ist zu investieren bzw. für eine positive Selektion auf Männer, die bereit für eine Investition sind, ist damit Vaterschaftswahrscheinlichkeit ein wesentlicher Punkt. Um so sicherer ein Vater sein kann, dass er der Vater ist, um so eher lohnt sich eine väterliche Investition. Frauen, deren Gene sie zu einer „echten Bindung“, eben einem Verliebtsein befähigen, die eine Bindung an einen sie ebenfalls liebenden Mann errichten konnten, konnten hierfür die beste Absicherung bieten. Denn auch hier sind die Gefühle, die das logische Denken überschreiben, wie bereits hier dargestelllt, dass beste Signal in dieser Richtung. Ein „Ich kann gar nicht anders wollen als dir treu sein, weil ich voller Hormone bin, die dich besonders machen und an mich binden“. Auf diese Weise ist verständlich, dass gegenseitige Bindungen entstehen können, mit denen das gegenseitige Versprechen durch entsprechende irrationale Gefühle abgesichert wird.

5. Einordnung in proximate cause und ultimate cause

Zu bedenken ist hierbei, dass die Versorgung zunächst nur ultimate Cause ist. Gerade in Verbindung mit der angestrebten Sicherheit für den Mann ist es zur Umsetzung dieses Ziels im proximate Cause zieldienlicher, diese Betrachtung nur Unterbewußt vorzugeben. Demnach müsste eine Frau nicht bewusst einen Versorger suchen, sondern nur im proximate cause eine Vorliebe für Männer entwickelt haben, die in der Steinzeit eine Versorgung sichergestellt haben. Das würde nicht erfordern, dass tatsächlich eine Versorgung als attraktiv empfunden wird, aber eben Status, gutes Aussehen, gewisse Resourcen, und Verbundenheit zu der jeweiligen Frau. Im Gegenzug dann eben auch gutes Aussehen der Frau, Treue etc

6. Berücksichtigung von anderen Strategien

Zudem ist natürlich auch hier zu berücksichtigen, dass Menschen nicht alle gleich sind, sondern ein menschlicher Genpool besteht, der viele verschiedene Strategien zuläßt. Innerhalb einer Welt, in der Frauen und Männer sich verlieben und tatsächlich an den Partner gebunden sind kann ebenso eine Variante betehen, die die Liebe auf beiden Seiten ausnutzt. Entweder bei Männern, die gut darin sind Gefühle vorzutäuschen oder bei Frauen, die dies ebenfalls gut können und dadurch Versorgungsleistungen erlangen können. Dies bedeutet aber nicht, dass alle Männer und alle Frauen diesem Typus entsprechen würden.

Zudem ist auch zu  berücksichtigen, dass innerhalb der vorherrschenden, gerade dargelegten Strategie weitere Unterstrategien erfolgreich eingebunden werden können. „Liebe deine Partnerin, aber begehre gleichzeitig andere fruchtbare Frauen, gerade wenn es deine Partnerin nicht merkt“ kann ebenso eine solche Unterstrategie sein wie „Liebe deinen Partner, aber wenn ein Mann dich besonders erregt, dann begehre ihn ebenfalls, gerade wenn dein Partner nichts merkt“.

„Ultimate Cause“ und „Proximate Cause“

Eine wichtige Unterscheidung zum Verständnis von Evolutionsbiologie und damit auch für das Verständnis des Menschen und der Geschlechterunterschiede ist die Unterscheidung zwischen Ultimate Cause und Proximate Cause.

  • Unter dem Proximate Cause versteht man ein Ereignis, dass direkt zu dem Endzustand geführt hat.
  • Unter dem Ultimate Cause versteht man den „eigentlichen Grund“, der das Ereignis erklärt

Ein Beispiel außerhalb der Biologie wäre (aus dem Wikipedia-Artikel übernommen):

Warum sank das Schiff?

  • „Proximate Cause“: Weil es aufgrund eines Lochs in der Schiffshülle unterhalb der Wasserlinie und des durch dieses eindringende Wasser mehr Gewicht erhielt als das Wasser, was es verdrängte und daher sank.
  • „Ultimate Cause“: Weil es einen Eisberg rammte, der ein Loch in der Hülle verursachte.

In der Biology bietet sich diese Unterscheidung ebenfalls an. Mit dem „Ultimate Cause“ wird dabei der evolutionäre Druck beschrieben, der zur Ausprägung bestimmter Eigenschaften eines Lebewesens geführt hat. Mit dem „Proximate Cause“ wird hingegen die Auswirkung dieses evolutionären Drucks auf das Lebewesen dargestellt.

Ein einfaches Beispiel wäre, die Frage, warum viele Lebewesen mit ihrer Nahrund Fette, Proteine, Kohlenhydrate aufnehmen

Ultimate Cause: Lebewesen benötigen zum Betreiben der Körperfunktionen bestimmte Nährstoffe. Es besteht daher ein evolutionärer Druck sich diese Nährstoffe anzueignen. „

Proximate Cause“: Lebewesen haben Geschmacksnerven, die auf bestimmte Muster, die üblicherweise bei wichtigen Nährstoffen vorliegen ansprechen. Sie haben zudem Geruchssinne, die ebenfalls bestimmte Gerüche, die bei Nährstoffen und deren Zubereitung anfallen, entsprechende Signale senden. Daher bevorzugen Lebewesen Nahrungsmittel, die diese Sinnesorgane ansprechen.

Wie man an der modernen Lebensmittelindustrie des Menschen sieht müssen die Erklärungen nicht übereinstimmen. Süssstoffe beispielsweise haben – zur Freude der Hersteller von Diätprodukten – keinerlei Nährwert. Sie erfüllen also den „Ultimate Cause“ nicht, den Körper mit Nährstoffen zu versorgen. Weil sie aber entsprechende Signale an die Geschmacksnerven senden erfüllen sie den Proximate Cause, nämlich Lebensmittel essen, deren sensorischer Input darauf hindeutet, dass sie den Ultimate Cause dienen. Es handelt sich insoweit um eine „unzureichende Umsetzung“, da eine Täuschung möglich ist. Diese Täuschung war aber evolutionstechnisch egal, da die Umsetzung „dicht genug“ an einer Lösung war um den Ultimate Cause zu erfüllen.

Es finden sich viele solche Fälle in denen die Umsetzung des „Ultimate Cause“ gut genug war, heute aber „fehleranfällig“ ist.

Beispiele:

a. verschiedene Partnerwahlkriterien bei Männern und Frauen

  • Ultimate Cause: Die verschiedenen Kosten der Fortpflanzung (Frau: minimal Schwangerschaft, Stillen etc, minimaler Zeiteinsatz: 9 Monate plus, eher 6-7 Jahre; Mann: minimal Ein Schuß Sperma, 3 Minuten) führen dazu, dass Männer andere Kriterien an einen Partner anlegen, die bei Frauen die Bereitschaft und Möglichkeit, sich an den Kosten der Schwangerschaft und Aufzucht zu beteiligen höher Bewerten als bei Männern.
  • Proximate Cause: Biologisch einprogrammierte Attraktivitätsmerkmale, die Anzeichen dafür geben, inwieweit der andere den biologischen interessen entspricht. Bei Männern in bezug auf Frauen insbesondere Anzeichen für Gesundheit und Fruchtbarkeit sowie bei Eingehung einer langfristigen Bindung Anzeichen für Gebundenheit zur Vermeidung der Fehlinvestition in fremden Nachwuchs. Bei Frauen in Bezug auf Männer Anzeichen für hinreichende Ressourcen und die Fähigkeiten, diese zu erlangen und das Interesse an einer langfristigen Bindung, also die Bereitschaft, diese Ressourcen auch zu teilen sowie Hinweise auf Gesundheit etc. Dabei können Kriterien wie Status innerhalb der Gruppe wichtige Indizien für die Fähigkeit Ressourcen zu erlangen und zu verteidigen sein. 
  • Umgehung: Ressourcen können heutzutage mittels Kredit erworben werden, Statusverhalten ist auf die Kleingruppe bezogen gewesen und erforderte unter Steinzeitbedingungen erheblich mehr Aufwand bzw. war mit einem höheren Risiko verbunden (wer zu dick auftrug wurde dadurch, dass er wenig Essen von einer Jagd mitbrachte schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, weil er betteln muss und sich dann weniger Statusdisplay erlauben kann, während wir heute einen geringen Teil unseres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen). Muskeln sind kein Zeichen einer guten Ernährung über einen längeren Zeitraum mehr verbunden mit vielen Tätigkeiten mehr, sondern dank billiger Nahrung und billiger Fitnessstudios für jeden zu erreichen Symmetrische, große Brüste sind nicht mehr unbedingt Zeichen guter unmutierter Gene und eines geordneten wachstums, sondern evtl. eines Schönheitschirugs oder zumindest eines gut sitzenden, gepolsterten BHs

b. Sex und Fortpflanzung

  • Ultimate Cause: Geschlechtliche Fortpflanzung erfordert eine Übergabe der Gene und deren Verbindung miteinander
  • Proximate Cause: Das Ineinanderstecken von Geschlechtsorganen spricht – richtig gemacht – gewisse Nerven an, die das Belohnungszentrum stimulieren und eine Ausschüttung von Glückshormonen und Bindungshormonen bewirken. Die Ausschüttung bestimmter Hormone durch den Sex vermindert den Sexualtrieb kurzzeitig.
  • Umgehung: Dank Verhütungsmittel haben wir zwar noch den Spass am Sex, aber nicht mehr unbedingt die Fortpflanzung. Paare können ein Leben lang Sex haben, ohne den Ultimate Cause des Sex gerecht zu werden; Cybersex, Masturbation vor Pornos; 

Feste Partnerschaft und der Wunsch nach vielen Sexualpartnern

Bei Hooking up Smart wird in dem Beitrag „The Truth about Male Sexuality“ ein Kommentar zu dem Thema „feste Partnerschaft bringt den meisten Sex, warum suchen sich Männer nicht eine solche statt On-Night-Stands?“ wiedergegeben:

This simply does not compute to the male mind. But that’s very hard to explain to the female mind. Sexual variety, if we can get it, is an end in itself, its own reward. We’re born that way. (…)

In men, the drive to settle down & be deeply in love with someone you want to share your life with, AND the daily desire to still fuck everything that moves if you possibly can, coexist perfectly naturally, without dissonance. They are compartmentalized. They are both true. (…)

I love being in love & in a committed relationship but every time there is the chance of easy sex with someone I find attractive, my body cries out plaintively in a way that is directly comparable to a childless 38 year old woman looking at other peoples babies & weeping with desperation to fill her womb with one of her own. (…)

Regular sex with only one woman is not the male goal. Falling in love might be, but monogamy is more of a price men pay than the happy ending it is for women. It’s really giving up his natural destiny to fulfill hers. Again, there is simply no way to translate this for women, just how much a man gives up to be with only them.

Nein, dass ist keine Entschuldigung für das Fremdgehen. Denn natürlich muss es ein Mann nicht machen und natürlich bedeutet ein höheres biologisches Verlangen etwas zu tun nicht, dass es gut ist, so zu handeln. 

Aber das bedeutet nicht, dass dieses Verlangen nicht da ist und auch nicht, dass es nicht höher ist als bei Frauen. Natürlich gibt es wie immer auch kein „Alle Männer sind so und alle Frauen sind so“. Es ist eben mal wieder ein fließender Übergang.

Aber dennoch scheint mir der Wunsch – aus dem nicht unbedingt ein Handeln folgen muss – bei Männern durchaus verbreiteter zu sein. Die meisten Männer werden nach wie vor mit einer hübschen Frau schlafen wollen, Frauen scheinen dies weniger zu wollen. Männer können in der Tat beides gut nebeneinander leben. Was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum man von diversen Promis Fremdgehgeschichten hört und warum Tiger Woods trotz sehr hübscher Frau fremd gehen wollte.

Ich denke, dass für Männer Abwechselung interessanter ist als für Frauen. Was auch leicht durch die verschiedenen Fortpflanzungszeiten zu erklären ist. Für eine Frau bringt es mehr immer mit dem selben hochwertigen Partner zu schlafen als immer mit abwechselnden als für den Mann. Denn sie kann auch wenn sie mit 50 Männern schläft nur einmal schwanger werden, während er, wenn er mit 50 Frauen schläft theoretisch 50facher Vater werden könnte. Was ihn heute ruinieren würde, in der Steinzeit aber mangels Unterhaltsvorschriften zu einer effektiven Verbreitung entsprechender Gene führen konnte.

Sind romantische Beziehungen bzw. langfristige Liebesbeziehungen eine vergleichsweise moderne Erfindung?

Immer wieder taucht das Argument auf, dass romantische Liebe eine reine Erfindung der Neuzeit ist und es vorher nur Zweckheiraten gab. Das ist meiner Meinung nach so nicht richtig.

Der Wikipediaeintrag zur Liebesbeziehung schreibt dazu das Folgende:

Die „Liebesheirat“ ist eine Idee, die unter dem Einfluss der Romantik um 1800 zum Ideal des Bürgertums wurde. Vorher war die stetige Paarbeziehung, die in aller Regel als Ehe geführt wurde, in allen Schichten eine Zweckgemeinschaft (Vernunftehe). Die Aufgaben zwischen Mann und Frau im Hauswesen und im Berufsleben waren zwar aufgeteilt, allerdings arbeiteten beide häufig im Sinn einer Produktionsgemeinschaft zusammen. Das änderte sich nach 1750 zunehmend.

Liebesbeziehungen gab es zu jeder Zeit in der Geschichte, allerdings oft außerhalb der Institution Ehe. Zumindest den Männern wurde in fast allen Kulturen das Recht zugestanden, ein außereheliches oder auch voreheliches Verhältnis mit einer oder auch mehreren Geliebten zu haben. In der Antike spielten die Hetären eine wichtige Rolle, die nicht mit Prostituierten gleichzusetzen sind. Auch Liebesbeziehungen unter Männern wurden im antiken Griechenland akzeptiert.

Im Mittelalter wurden sexuelle Bedürfnisse oft freizügig ausgelebt, wie zahlreiche bildliche Darstellungen offen zeigen. Nicht in jedem Fall handelte es sich dabei um regelrechte Liebesbeziehungen. Die Kirche vertrat dagegen die Lehre, dass geschlechtliche Beziehungen allein der Fortpflanzung dienen sollen, und erklärte 1215 im Vierten Laterankonzil die Ehe zum Sakrament.

(…)

Zur Zeit der Aufklärung entwickelte sich, einigen entgegengesetzten Ansätzen zum Trotz, eine Festlegung der Rollen von Mann und Frau. Dabei kam dem Mann an erster Stelle die Rolle des Berufsmenschen und der Frau die der fürsorgenden Hausfrau und Mutter zu. Diese Polarisierung der Geschlechtscharaktere verfestigte sich im 19. Jahrhundert in der Phase des Biedermeier. Die Bedeutung der Kleinfamilie wuchs.

Im Zuge der Romantik verbreitet sich das Konzept einer „Ehe, die im Himmel geschlossen wird“, einer Liebesehe, die über das Willkürliche hinausgeht.

Es mag sein, dass die Verbindung der Liebe als Voraussetzung für eine Ehe nach christlichen Muster noch nicht so alt ist, aber Liebe gab es meiner Meinung nach schon früher, wie es der Artikel ja letztendlich auch darstellt. Wäre die Liebe eine neue Erfindung, dann hätten wir nicht die Chemie uns zu verlieben.

Ich denke, dass Menschen schon weit vor unserer Zeitschreibung Liebe und den Wunsch nach festen Beziehungen hatten und auch, dass der Wunsch nach einer lebenslangen Beziehung bereits entstanden war. Diese mag in einer anderen Form als der heutigen Ehe ausgestaltet gewesen sein, aber das sind nur Ausgestaltungen, die nichts daran ändern, dass es das Konzept bereits früher gab.

Romantisch ausgedrückt: Liebe gab es schon immer.

Weniger romantisch: Liebe ist eine biochemische Reaktion, die dazu dient, eine langfristige Paarbindung zu ermöglichen. Das Gehirn ist insoweit kein unbeschriebenes Blatt, sondern durch Evolution entstanden. Es mag zu bestimmten Zeiten viele arrangierte Beziehungen gegeben haben, aber es gab auch genauso viele Ausreißer und Liebesheiraten. Und natürlich kann auch in arrangierten Beziehungen eine romantische Liebe entstehen.

Das die Menschen, also Männer und Frauen ein Wahlrecht hatten, sieht man an den Spuren sexueller Selektion. Bei den Frauen an Brüsten, Kindchenschema im Gesicht, bei Männern an Gesichtspartien wie dem deutlichen Kinn und – wenn man Geoffrey Miller folgt – überhaupt an dem Gehirn der Menschen, dass nach seiner Auffassung ebenfalls seine hohe Leistung aufgrund sexueller Selektion entwickelt hat.

 

„Extra Pair Copulation“ oder „Mit einer anderen schlafen wollen“

Gerade gibt es wieder eine kleines Drama im Freundeskreis.

Eine Freundin wollte erst nichts von einem Bekannten (kein Pickuphintergrund) von ihr. Er hat eifrig gebaggert, sie haben auch mal rumgeknutscht, aber es ging nicht recht voran. Sie konnte sich niemals vorstellen, was mit ihm anzufangen.

Irgendwann meinte er dann, dass er sie auch nicht mehr wollte, jedenfalls nicht für eine Beziehung, und wandte sich anderen Prokekten zu. Nun wollte sie ihn plötzlich doch (die Neediness fiel eben weg). Aus einem Absturz wurde eine Freundschaft mit Vorzügen und bei ihr entstand der Wunsch nach etwas Festerem. Die nächste Zeit war dann beziehungsähnlich, man verbrachte die meisten Nächte miteinander, kuschelte und hielt Händchen. Es wurde immer fester, was dazu führte, dass er immer mehr blockte. Er traf sie nur noch jede zweite oder dritte Nacht, war wenn er dort war wie ein Freund, aber eben ansonsten darauf bedacht, die Sache nicht zu stark werden zu lassen.

Irgendwann fragt sie nach, wo sie nun eigentlich stehen. Er sagt, dass er ja gesagt habe, dass er keine Beziehung mit ihr wollte. Sie versucht es noch eine Zeit zu erforschen, dann trifft sie die Entscheidung, dass sie nichts einfach nur so will, sondern ganz oder gar nicht, und macht sich rar. Sie blockt alle weiteren sexuellen Versuche ab und macht deutlich, dass sie entweder mehr oder nur eine normale Freundschaft haben will. Im Gegenzug fährt er seine Flirtbemühungen wieder hoch, sagt aber auch nicht, was er wollte. Sie blieb hart.

Es folgte ein Urlaub seinerseits aus dem beständig gechattet und gesmst wird. Er schreibt ihr, dass er sie vermisst und das die zeit zusammen so schön war. Aber er sagt immer noch nichts von Beziehung, auch wenn es sehr danach klingt. Sie nimmt sich daher für das Wochenende, an dem er wiederkommt, etwas mit einer Gruppe von Freunden vor, sie will nicht zu verfügbar erscheinen, nicht so als würde sie auf ihn warten, es ist aber eine Gruppe mit teilweisen gemeinsamen Freunden, er kann also – als Freund – sich auch einfach der Gruppe anschließen. Das macht er natürlich auch, schließlich hat er sie ja vermisst.

Sie bleibt recht neutral den Abend über, läßt ihn abblitzen, er soll ja merken, dass sie nur zu ihren Bedingungen wieder etwas mit ihr haben kann. Dementsprechend geht sie auch recht früh nach Hause – allein. Er macht noch etwas weiter Party. Eine Bekannte einer anderen Freundin – nach späterer Aussage von ihr „hässlich, dumm und eine Schlampe“ – findet ihn auch ganz gut, nimmt ihn mit nach Hause, es folgt heavy Petting, er will mehr, aber sie hat wohl Last-Minute-Resistance und es kommt trotz seiner Bemühungen nicht zum Sex. Ihr erzählt er, dass sie noch weiter Party gemacht haben, aber nichts passiert ist.

Der Flirt geht weiter und ihr rarmachen zahlt sich aus. Sie wird – wenn auch nichts weiter läuft – den Eltern vorgestellt und er gibt alle Andeutungen, dass er mehr will, ohne aber von Beziehung zu sprechen. Sie meint es läuft gut. Sie treffen sich, aber alles bleibt anständig, schließlich hat sie ja deutlich gemacht was sie will. Sie sieht sich als zu 90% vergeben an.

Aber natürlich hat die Nacht folgen. „Dumm und Hässlich“ versteht nicht, warum er nach dem Abend immer abweisender wurde, immer weniger auf SMS geantwortet hat. Sie fragt Bekannte was da nun eigentlich los ist.“Dumm und Hässlich““ erfährt davon, dass er jetzt mit ihr flirtet, aber bisher wohl nur flirtet. Sie geht zum Gegenangriff über und schreibt sie über Facebook an, die beiden chatten, „Dumm und Hässlich“ redet sich alles von der Seele, beschreibt im Detail was sie gemacht haben, wie er sie geküsst hat, wie nett er war, welch eifühlsame Berührungen er gemacht hat, wie er sie im Arm gehalten hat. All diese Berühungen, Gesten, Worte kommen ihr sehr bekannt vor. So ist er auch bei ihr. Und genau das fand sie so schön, dachte sie ist die kleine besondere Schneeflocke, bei der er solche Gefühle entwickeln kann. Jetzt sind es alles hohle Gesten in ihrer Wahrnehmung.

Sie fühlt sich betrogen, obwohl sie gar nicht zusammen waren. Sie glaubt ihm nicht mehr, dass seine Gefühle echt und tief waren, denn wie hätte er sonst mit einer anderen schlafen können? Will man, wenn man verliebt ist, nicht nur mit einer einzigen Person schlafen, nämlich der, die man liebt? Mein Einwand, dass sie ja noch gar nicht zusammen waren und er eben nur Penisgefühle für „Dumm und hässlich“ hatte für sie hatte geht in allgemeinen „Männer sind Schweine“ Rufen unter. Es ist richtig, dass Liebe eine Fokussierung auf eine Person bewirkt. Insbesondere die Stoffe Vasopressin, Serotonin und Oxytocin sind daran schuld. Dem entgegen steht allerdings der Sexualtrieb, der bei Männern deutlich stärker ausgeprägt ist, deutlich stärker auf optische Reize reagiert und Sex eher auf einer sachlichen Ebene sehen kann, bei der es um reine Lustbefriedigung geht.

Das Männer von Sex mit mehreren Frauen mehr Vorteile bei einer Anreicherung ihrer Gene im Genpool haben als Frauen ist eine der Hauptunterschiede zwischen den Geschlechtern, die allein schon erheblich verschiedene Selektionsdrücke bewirkt. Ich glaube daher, dass Männer im Schnitt eher in der Lage sind mehrere Frauen zu lieben und eine Frau zu lieben und mit einer anderen, selbst weniger attraktiven Frau schlafen zu wollen.

Das bedeutet nicht, dass Frauen nicht auch fremdgehen, aber meiner Erfahrung nach ist es bei ihnen eher (nicht immer) ein Zeichen, dass die Beziehung sehr schlecht läuft und sie sich bereits innerlich getrennt haben oder aber der Mann als sehr attraktiv bewertet wird. Jedenfalls ist selbst treuen Männern das Gefühl nicht fremd Lust auf eine andere Frau zu haben. Sie sehen es dann eher so, dass sie die Beziehung nicht gefährden wollen, aber sie fühlen durchaus den sexuellen Reiz einer anderen Frau.

Es scheinen sowohl bei Serotonin als auch Vasopressin und auch bei Oxytocin, dessen Wirkung bei Fruaen durch Östrogen verstärkt wird Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu existieren. Testosteron scheint die Wirkung von Oxytocin negativ beeinflussen zu können.

Aber noch ein paar Soundschnipsel aus der folgenden Diskussion:

  • „Ich glaube nicht, dass es überhaupt treue Männer gibt. Ich kenne so nette , die so wunderbare Beziehungen haben und dennoch fremd gehen. Vielleicht sollte einem schon ein Mann reichen, der es wenig macht, es gut verbirgt und genug Respekt hat, dass es keiner, den du kennst weiß“
  • „Ich glaube, dass es Treue Männer gibt. Meine Freundin X und ihr Freund sind so niedlich zusammen, die können keine Minute getrennt sein, und meine Eltern lieben sich auch wirklich“
  • „Ich glaube es hilft, wenn man sich als Mann in seiner Jugend ausgelebt hat. Aber mitunter siehst du eine Frau und denkst „wie geil wäre es noch mal Single zu sein und die einfach so mal zu knallen“. Aber es geht ja nicht, man ist ja vergeben.“
  • „Ich würde für keinen Mann die Hand ins Feuer legen“
  • „Man will ja auch seinen Freund nicht bevormunden. Er soll ja ruhig einfach so mit anderen weggehen und man will das Gefühl haben, dass er von sich aus jedes Angebot ablehnt, weil er gar keine andere Frau will“
  • „Ich hatte mal einen Freund, der war auf alle Fälle treu. Der war so lieb und hat alles für mich gemacht. Aber es war zu langweilig mit ihm“

Soziologin zu Geschlechterrollen, Liebe und Kinderwunsch

Im Spiegel ist ein interessantes Interview mit einer Soziologin, die ein Buch geschrieben hat, in dem es darum geht, warum die Liebe weh tut.

 

Aus dem Interview:

Die Moderne hat bestimmte Männer hervorgebracht – und wir ziehen nun Erklärungsmuster aus der Biologie heran, um das zu rechtfertigen. Dabei gibt es genug historische Beispiele für andere Formen von Männlichkeit. Im 19. Jahrhundert etwa war sie wesentlich durch Leidenschaft und den Willen zur Bindung definiert. Selbst wenn es eine Biologie der Geschlechter gäbe, könnte sie durch soziale Normen verändert werden. Genau diese Normen sollten wir diskutieren, nicht eine hypothetische „biologische Natur“. Die unterschiedliche Sexualität von Frauen und Männern ist ein Spiegel ihrer sozialen Stellung. Im Ernst, denken Sie darüber nach: Geben Sie den Frauen Macht und Geld, machen Sie sie zu Staatsführern, und lassen Sie die Männer in Konferenzen den Frauen den Kaffee servieren, ihre Kinder aufziehen und das Abendessen machen – dann wären die Männer diejenigen, die sich nach einer gefestigten, monogamen Beziehung sehnen.

Das halte ich für falsch. Es sei denn, wir machen das für ein paar tausend Jahre, damit die Evolution Zeit zum arbeiten hat. Das Problem wird eher sein, dass die Frauen mit der Macht und dem Geld im Schnitt weniger anfangen können, jedenfalls wenn sie es nur bekommen, wenn sie eine 60+ Stundenwoche machen und die Familienzeit zurückschrauben.

Und auch in Matriarchaten, in denen die Frauen die Macht und das Eigentum haben, scheinen sich die Männer nicht nach Monogamie zu sehnen.

Aber weiter:

Den Frauen möchte ich sagen: Macht euren Kinderwunsch nicht abhängig vom Wunsch nach romantischer Liebe. Wenn ihr Kinder wollt, bekommt sie allein – oder in einer Gemeinschaft mit anderen Frauen, die ebenfalls Kinder wollen. Oder mit Männern, die Kinder wollen, aber nicht eure Partner sind. Es braucht keine traditionelle Familienstruktur, um Kindern aufzuziehen. Ich glaube wirklich, dass Homosexuelle in vielem die Avantgarde der Gesellschaftsentwicklung bilden, etwa bei der Frage der Trennung von Elternschaft und sexuell-romantischen Beziehungen: Manchmal korrespondieren sie, manchmal nicht. Und wenn sie nicht korrespondieren, sollte man sie getrennt verfolgen. Ich glaube, wir werden in diese Richtung gehen. Wir sollten es.

Schade wird nur sein, dass viele Frauen das gar nicht trennen wollen. Und das sicherlich auch nicht ganz ohne Grund. Hinzu kommt, dass Kinder eine gewisse Beeinträchtigung bei weiteren sexuell-romantischen Beziehungen mit neuen Partnern darstellen können  – natürlich kann es auch gut klappen, aber es macht es sicherlich nicht einfacher.

Ich finde ihre Ratschläge nicht so durchdacht. Weil sie die aus unserer Biologie folgenden Probleme einfach ausblendet, statt sich Gedanken zu machen, wie man am besten mit ihnen umgeht.