Evolutionäre Theoriewoche: Kulturelle Ausgestaltungen biologischer Grundlagen (7. Tag)

Dieser Beitrag ist Teil der evolutionären Theoriewoche

Das heutige Thema ist:

Kulturelle Ausgestaltungen biologischer Grundlagen

Evolutionäre Theorien erkennen natürlich an, dass es nicht die Biologie allein ist, die das menschliche Leben bestimmt. Vielmehr geht man von einem „integrierten Modell“ aus, in welchem es biologisch-evolutionär geprägte Grundlagen gibt, aber auch kulturelle und soziale Faktoren sich auswirken.

Zum einen können soziale und kulturelle Faktoren dazu führen, dass bestimmte biologische Programme interessanter werden, etwa die Faktoren einer Kurzzeitstrategie in der Partnerwahl der Frauen, wenn die soziale Kontrolle aufgrund der Pille zurückgeht statt Enthaltsamkeit.

Ein anderes Beispiel wäre, dass gerade Männer, biologisch auf Statusaufbau und Ressourcenaufbau ausgerichtet sind, gleichzeitig aber auch auf Kooperation und Zusammenarbeit in einer Gruppe. Wie groß die Gruppe wird und wen man in die Gruppe einbeziehen kann, dass ist natürlich auch wesentlich von der „Zivilisationsstufe“ abhängig. Während Jäger und Sammler nur kleinere Gruppen bilden können, weil sie irgendwann in zu großer Konkurrenz um Wild und Früchte stehen ist die Gruppengröße in der heutigen Welt beliebig groß, weil wir weltweite Zusammenarbeitsmöglichkeiten haben. Wir können auch, weil wir einen effektiven Staat haben, friedlich kooperieren, weil die Kosten dafür, sich Sachen mit Gewalt anzueignen, in vielen Bereichen zu groß geworden sind. Dennoch konkurrieren viele Männer eben nach wie vor durch Statusobjekte, Positionen in der Hierarchie etc.

Gerade der Bereich, in dem wir unsere Stärken darstellen und unsere Schwächen verbergen, also Bereiche des Signalling, erfordern an die jeweilige Lage angepasste Verhaltensweisen. In einer Welt, die Kooperation betont und betonen kann ist ein Schrumpfkopf am Gürtel allenfalls der Beweis, dass man verrückt und gefährlich ist, aber kein Statussymbol, die teure Rolex, der Sportwagen oder eine erfolgreiche „Ich mache die Regeln und bin der Anführer“-Haltung kann dennoch ein entsprechendes Signal sein.

Auch die Verfälschungsmöglichkeit hat gleichzeitig zugenommen, von früher ehrlichen Signalen wie schönen Brüsten, die man heute mit Silikon aufpeppen kann bis zu Statussignalen im Verhalten.

Auch in diesem Bereich interessant: Wie haben evolutionär geprägte Zeichen oder Verhaltensweisen sich in unsere Zeit „gerettet“? Wie wurden sie über andere Zeiten verschieden ausgestaltet und welche grundlegenden Regeln lassen sich dabei erkennen?

„Nicht einmal ein Viertel der Frauen findet einen Hausmann erstrebenswert“

Ein Spiegelartikel beleuchtet die Beliebtheit des Hausmannmodells:

In den Familien stößt das Rollenkarussell allerdings auf weniger Gegenliebe, als man vermuten könnte. Das ist ein Ergebnis der jährlichen Familienstudie des Hausgeräteherstellers Vorwerk. Demnach können sich nur 48 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer vorstellen, dass der Mann im Beruf einen Gang zurückschaltet, um seiner Frau eine bessere Karriere zu ermöglichen. Irritierend: Nicht einmal die Hälfte der Frauen wünscht sich eine andere Rollenverteilung.

Eigentlich wenig irritierend. Es ist ein Trend, der sich durch diverse Umfragen zieht. Viele Frauen sind durchaus zufrieden mit der Rollenverteilung, ebenso wie viele Männer. 

Im Jahr 1993 erschien das mehr Befragten als gute Idee, nämlich 54 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer. Damit ist der Rückgang bei Frauen fast ebenso stark wie bei Männern.

Auch die Bereitschaft der Männer, halbtags zu arbeiten, damit ihre Partnerinnen überhaupt einem Beruf nachgehen können, ist leicht gesunken. Ein völliger Rollentausch erscheint knapp der Hälfte der Männer sogar ganz ausgeschlossen. Allerdings findet auch nicht einmal ein Viertel der Frauen einen Hausmann erstrebenswert.

Da wird der Feminismus sicherlich schließen, dass diese Frauen eben zu sehr in ihrer Rolle aufgegangen sind und sich wegen dieser patriarchischen Gehirnwäsche nichts anderes vorstellen können. Dass Frauen immer wieder entsprechende Wünsche bzw. Ablehnungen äußern und der Hausmann eben wenig Status hat, erscheint dort wohl wenig einsichtig.

Auch hier muss man die Wechselwirkung beachten, die im Feminismus stets ausgeblendet wird: Wenn Frauen keine Hausmänner wollen, dann lohnt es sich für Männer nicht Hausmann zu sein. Wenn weniger als ein Viertel der Frauen einen Hausmann interessant finden, dann schließt ein Mann mit der Bereitschaft für diese Rolle und deren Übernahme einen großen Teil potentieller Kandidatinnen für sich aus. Geht seine Ehe schief, sind seine neuen Chancen eine Frau zu finden, die wieder einen Hausmann will deutlich geringer als wenn er seinen Job behält. Eine in Hinsicht auf eine Scheidung freiere Gesellschaft kann insofern auch Geschlechterrollen stabilisieren, wenn sie dazu führt, dass Menschen sich eine Entscheidung besonders gut überlegen, die für sie wenig interessant ist. Das gilt natürlich auch für die Frauen, die befürchten müssen, dass sie dann zu Unterhaltszahlungen herangezogen werden und ihre Kinder nur für Umgang am Wochenende sehen, wenn es nicht klappt. 

Folgt man der Umfrage, stehen im Vergleich mit den neunziger Jahren generell viele Zeichen weiblicher Eigenständigkeit weniger hoch im Kurs. So etwa, dass sich voll berufstätige Paare die Hausarbeit teilen, dass Männer auch mal weniger verdienen als ihre Partnerinnen, oder Paare bei der Heirat den Geburtsnamen der Frau annehmen.

Das Männer weniger verdienen als ihre Partnerin steht also nicht hoch im Kurs, ebenso wenig, dass man den Namen der Frau annimmt. Beides evolutionär durchaus erklärbar: Einmal über schlechte Versorgereigenschaften und geringeren Status, das andere Mal wie in dem Artikel bereits ausgeführt. 

Nach wie vor ticken Männer und Frauen sehr unterschiedlich, wenn es um das Verhältnis von Partnerschaft und Beruf geht. So würde die Hälfte der Frauen in eine andere Stadt ziehen, damit ihr Mann dort eine neue Stelle annehmen kann. Umgekehrt käme das aber nur für ein Viertel der Männer in Frage.

Da der Mann üblicherweise der Hauptverdiener ist, ist es verständlich, dass man sich eher nach seinem Job richtet. Vielleicht auch noch eine Nachwirkung der Patrilokalität.

Hausarbeit ist immer noch Frauensache – das ist angesichts der anderen Ergebnisse fast schon folgerichtig. 80 Prozent der Mütter sehen die Hauptlast der Familienarbeit bei sich, die meisten Männer würdigten das aber auch ausreichend.

Da scheint also eine gewisse Einigkeit zu bestehen. 

Immerhin ist die Elternzeit beliebt, immer mehr Befragte können sich eine Elternzeit des Mannes vorstellen. Binnen zwanzig Jahren ist der Anteil unter den männlichen Befragten um elf Prozentpunkte gestiegen, auf jetzt 44 Prozent. Außerdem scheint es nicht viele Männer zu geben, die nach der Geburt eines Kindes vor dem Babygeschrei ins Büro flüchten. Nur acht Prozent der Mütter berichten, dass ihre Partner dann ihr Arbeitspensum erhöht hätten.

Im ganzen also anscheinend durchaus eine gestiegene Familienbezogenheit der Männer.

Der Spiegelartikel wertet noch wie folgt:

Wie die Ergebnisse politisch zu werten sind, ist freilich Ansichtssache: Man kann sie als Rückkehr zu einer probaten Verteilung der Aufgaben in den Familien werten. Oder als Resignation in einem gesellschaftlichen Kampf, in dem Frauen es leid sind, immer wieder gegen gläserne Decken zu stoßen.

Sicherlich beides im Prinzip möglich: Warum allerdings die Frauen es eher leid sein sollten bei sich verbessernden Verhältnissen und allseits geführten Quotendiskussionen wird nicht gesagt. 

 

Zusammenspiel biologischer mit kulturellen Faktoren über Kalibrierung durch gesellschaftliche Mittelwerte

Eine Art, wie Natur und Umwelt zusammen spielen könnten wäre die Aufnahme bestimmter Daten aus der Umwelt zur Kalibrierung bestimmter Verhaltensprogramme.

Ein Beispiel wäre der Abstand, ab dem eine unbekannte Person „zu nahe“ ist, also in die Privatsphäre eingedrungen ist. Dieser Wert ist in einigen Kulturen niedriger als in anderen Bereichen. Es gibt aber überall auf der Welt einen gewissen Abstand, ab dem Leute Nähe unbekannt finden. Insofern würde das Gehirn hier aufnehmen müssen, welche Entfernung in der jeweiligen Kultur normal ist und dann diesen Wert für seine Überlegungen zugrundelegen um danach die Vorstellungen zu kalibrieren.

Ein Faktor mit mehr Geschlechterbezug könnte die Frage sein, ab welchem Verhalten eine Frau als „schlampig“ gilt und ab welchem nicht. Das würde sich dann zB nach der Art und Weise und der Anzahl der Geschlechtspartner richten und insoweit auch nach einem Mittelwert ausgerichtet werden.

Eine solche Ausrichtung nach den direkten kulturellen Erfahrungen der Umgebung hätte insbesondere den Vorteil, dass sie weniger starr ist und sich damit der Umgebung besser anpassen kann. Bei z.B. einem streng konservativen Stamm würde ansonsten ein moderater Wert riskant, weil zu hoch sein, bei einem liberaleren Stamm hingegen würde man vielleicht aufgrund von Prüderie Nachteile haben. Mittels kultureller Ausgestaltung hingegen könnte jeweils ein Wert aus der Umgebung aufgenommen und verarbeitet werden.

Das allerdings würde beispielsweise bedeuten, dass man trotz geänderter Sexualmoral niemals davon weg kommen würde, dass zB bestimmte Frauen verurteilt würden. Man kann nur die Werte verschieben und evtl die Spanne ausdehnen.

So könnten bestimmte kulturelle Prozesse, die scheinbar unabhängig von der Biologie sind, doch eine biologische Komponente haben.

Costly Signals und Kultur

Aus meiner Sicht ist das Setzen von Signalen für die verschiedenen Aspekte von „Guten Genen“ ein Aspekt, der gerade beim Menschen vieles erklärt. Hiergegen wurde bereits eingewendet, dass die ursprüngliche Bedeutung von „Costly Signals“ wesentlich enger war und sich insbesondere auf körperliche Merkmale bezog und die Kosten dort meist wesentlich deutlicher erhöht wurden, etwa durch eine höhere Chance getötet zu werden, weil man durch lange Schwanzfedern eingeschränkt ist.

1. Lohnt sich Signaling nur bei sehr hohen Kosten?

Das Prinzip hinter dem Setzen von Signalen ist, dass diese den eigenen Wert gegenüber einem potentiellen Partner (sei es für Kooperation oder Fortpflanzung) signalisieren sollen. Bei nahe jeder menschlichen Interaktion ist dies von Relevanz, da immer die Frage ist, ob derjenige, mit dem man sie durchführt, der richtige ist, man ihm vertrauen kann, man nicht einen besseren bekommt. Bei jeder menschlichen Interaktion ist es daher wichtig, der anderen Seite die notwendigen Zeichen hierfür so deutlich wie möglich zu übersenden und es ist im Gegenzug für den Empfänger wichtig, diese Zeichen zu empfangen und „ehrliche Signale“ von „unehrlichen Signalen“ zu unterscheiden. Um so kooperativer dabei eine Spezies ist, um so weniger können solche Signale über „Kann sich vor Raubtieren schützen trotz Nachteil X“ gesendet werden. Diese haben in einem auf Handel ausgerichteten menschlichen Zusammenleben schlicht keinen Raum. Im übrigen kommen Signale außerhalb dieser Kategorie auch bei Tieren vor. Der komplizierte Gesang der Singvögel und dessen fehlerfreie Wiederholung zeigt beispielsweise an, dass dieser Teil des Gehirns fehlerlos erstellt ist und damit einen genetisch hohen Wert besitzt, was dann auf den übrigen Genanteil hochgerechnet wird. Komplizierte Balztänze haben eine ähnliche Funktion.

2. Intelligenz erzeugt Komplexität, Komplexität schlägt sich auch in den Signalen nieder

Ein weiterer Faktor ist, dass es in einer intelligenteren Spezies mit einem komplexen Sozialleben zu erwarten ist, dass der Partnerwert gerade auch über die Fähigkeit, in sozialen Situationen zu bestehen, dargestellt wird. Denn gerade im Zusammenspiel mit anderen und in der Konkurrenz mit anderen zeigt sich am deutlichsten der Vorteil von Intelligenz. Die Erkennung von „guten Partnern“ ist insoweit gerade unter den Bedingungen, in denen Menschen leben und evolviert sind, eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann. Daraus wiederum folgt, dass auch das Senden solcher Signale von überaus hoher Wichtigkeit ist. Deswegen ist es gerade in solchen auf hohe Zusammenarbeit ausgelegten Arten zu erwarten, dass die Position in der Gruppe, die Bündnisse, die bereits bestehen, die Ressourcen, die man gegen andere verteidigen kann oder von ihnen zugewiesen bekommt, als Signale ausgewertet werden. Um so komplexer ein Lebewesen in ein Beziehungsnetz eingebunden ist und um so eher das Lebewesen durch Arbeitsteilung und Zusammenarbeit Vorteile erlangen kann, um so eher ist es auf Signale angewiesen.

3. Kultur als Signal

Bei dieser Betrachtung ist es zu erwarten, dass Lebewesen, die ein besonders starkes Interesse an der Darstellung von Signalen und deren Erkennung haben, soziale Praktiken entwickeln, die gerade dieser Darstellung dienen. Soziales Interesse der jeweiligen Lebewesen wird gerade auf die Erkennung von Signalen und die Erlangung von Darstellungsmöglichkeiten gerichtet sein.

Darunter würden fallen:

Nimmt man all diese Bereiche, in denen Menschen Signale aussenden sollten, um ihren Wert anzuzeigen, dann wird deutlich, dass Costly Signals einen großen Teil der heutigen Kultur ausmachen oder auf diese zuzurückzuführen sind. Dabei greifen die Kategorien natürlich auch ineinander. Insbesondere bewirken viele Zeichen einen sonstigen hohen Wertes auch eine Erhöhung des Partnerschaftswerts für das andere Geschlecht.

4. Wandelbarkeit von Signalen

Weil die Art, nach der man diese Eigenschaften demonstrieren kann, auch davon abhängen, inwieweit Technik und Kultur oder andere Ausprägungen die Darstellung erlauben, kann ein Signal, welches früher ehrlich war, heute aussagelos sein.

Beispielsweise wäre in der Steinzeit die Herstellung oder der Besitz eines fehlerlosen Tontopfs (symmetrisch, ohne Ungenauigkeiten in der Ausführung etc.) ein Zeichen sowohl hoher Handwerkskunst als auch hoher Ressourcen gewesen. In Zeichen industrieller Herstellung ist aber Perfektion die Norm und nur ein zeichen der zeitunaufwändigen Herstellung, ein Tonkrug (zB als Blumentopf), der Unperfektheiten aufweist, kann heute als Zeichen einer Zeitaufwändigen manuellen Herstellung gerade aufgrund dieser ein besseres Zeichen sein.

Ebenso kann ein überaus verzierte Kleidung aus Seide, mit filigranen Schuhen auf Absätzen und Spitzenkragen ein Zeichen dafür gewesen sein, dass man sich zum einen die teure Seide leisten konnte (Ressourcen) und zum anderen nicht körperlich oder auch gar nicht arbeiten musste, weil andere dies für einen machen (Status). Mit einer Steigerung von Tätigkeiten im geistigen Bereich sinkt hingegen der Nutzen hiervon, zudem drückt praktischere Kleidung dann wieder eher Kooperationsbereitschaft aus, also auch die Bereitschaft wertvolle Arbeit zu leisten aus, die in einer Leistungsgesellschaft wichtiger ist als in einer Ständegesellschaft.

In einer Gesellschaft, in der mangels effektiver Verhütung sexuelle Treue besonders wichtig war, mag die Keuschheit und Unberührtheit einer Frau als Signal betont werden, während in Zeiten effektiver Verhütung Treue in einer Beziehung Keuschheit als Signal ablehnt und sexuelle Signale eine höhere Bedeutung erhalten. Eine Frau, die sich früher für Nacktfotos zur Verfügung gestellt hat, hat in bestimmten Bereichen Signale gesetzt, die negativ waren, etwa indem sie die üblichen Signale von Keuschheit und Unberührtheit durch starke sexuelle Signale überlagerte. Da heute diese Werte kulturell herabgestuft sind und emotionale Treue wichtiger ist, fällt der Malus in diesem Bereich teilweise Weg und die stärkere Aufwertung sexueller Signale führt dazu, dass das Ausziehen für den Playboy gesellschaftsfähig geworden ist. Auch heute aber müssen bestimmte Regeln eingehalten werden, die die Bilder „Stilvoll“ im Gegensatz zu „billig“ machen, wobei der Unterschied meist daran liegt, dass in den Bildern zwar eine Bewertung des Körpers (=Rückschluss auf „gute Gene“) erlaubt wird, aber ein sexuelles Anbieten durch entsprechende, den Sex ermöglichende Stellungen und die Betonung der eigenen sexuellen Erregung unterbleibt.

Solange die Macht von Kirchen besonders hoch war, konnte Religionszugehörigkeit ein Costly Signal dafür sein, dass man Bestandteil der Gruppe ist und insofern kooperationsfähig, dass man einen normalen sozialen Umgang pflegt (im Gegensatz dazu mit dem Teufel im Bunde zu sein).

5. Aufnahme als Zeichen trotz heute fehlender Ehrlichkeit

Viele Zeichen, die heute kulturell bestehen, fehlt es allerdings aufgrund des technischen und kulturellen Wandels an Ehrlichkeit. Weil sie aber einmal Costly waren, nehmen wir sie teilweise auch heute noch als Costly wahr. So ist der Besuch in einem feinen Restaurant insbesondere deswegen als Zeichen interessant, weil die Bediensteten einem besonders zuvorkommend und ehrergiebig behandeln und dabei selbst Zeichen eines hohen Status über ihre Kleidung tragen. Ebenso dient der Preis als Costly Signal von Ressourcen, obwohl diese heute auch mit einem normalen Gehalt zu stemmen sind. Ebenso können zB falsche Brüste als Imitat guter Gene gefallen, obwohl wir wissen, dass sie falsch sind. Und die Anonymität und der in das Berufsleben verlagerte Wettbewerb der heutigen Welt in Vergleich zu steinzeitlichen Welten erlaubt uns stärker, auch Statusverhalten, welches eigentlich nicht zu unserem Status passt vorzugeben. Es bestehen also viele Möglichkeiten, heute Zeichen, die früher eine hohe Aussagekraft hatten, zu fälschen.