Die perversen Männer mal wieder, die Frauen zu Objekten reduzieren

Katrin Rönicke, die ich eigentlich immer für eine ganz vernünftige gehalten habe, zieht in einem Artikel in der Taz über männliche Sexualität her:

Pornosüchtig, objektophil, aufdringlich – männliche Sexualität weist eine obskure Originalität auf. Warum wir empathisch darüber sprechen sollten.

Empathisch. So so. Empathie bezeichnet „die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie wird gemeinhin auch die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen, wie zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz und Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl gezählt.“ Mal sehen, wie sehr sie das umsetzt.

Was geht in den Köpfen von Männern vor, wenn sie an Frauen denken?
Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was in Männern vorgeht, die süchtig nach Internetpornos sind, was Männer antreibt, die sich für Telefon- oder Cybersex verschulden, die Geld an andere Männer zahlen, damit die ihnen beibringen, wie man eine flachlegt.

Was soll darin schon vorgehen? Sexualität über Pornos zu befriedigen ist halt recht einfach und Sex kann natürlich eine Sucht werden. Und besser darin zu werden, dass einen Frauen attraktiv finden hat nicht nur etwas mit „eine flachlegen“ zu tun, es ist eben in integraler Bestandteil unseres Lebens beim anderen Geschlecht gut anzukommen. Es ist ja auch nicht so, dass Frauen dafür wenig ausgeben oder sich darüber nicht informieren: Frauenzeitschriften haben genug Artikel dazu, wie man „Mister Right“ findet oder wie man den Kollegen im Büro erobert oder wie man seine Beziehung aufpeppt. Und mit Mode, Fitnessstudio und Friseur geben Frauen auch gerne Geld für etwas aus, was sie beim anderen Geschlecht interessanter macht.

Wie wenig Empathie muss man eigentlich haben, wenn man nicht verstehen kann, warum Leute gerne besser beim anderen Geschlecht ankommen wollen, und sei es nur für Sex? Ich hätte gedacht, dass das jedem unmittelbar einleuchtet.

Was steckt hinter einer verqueren Sicht auf Sex, in der Frauen bloß Mittel zum Zweck sind, wie in neunzig Prozent aller Onlinepornos, in denen Frauen keine Seele zu haben scheinen?

Da wäre die interessante Frage aus meiner Sicht eher, ab wann sie Frauen eine Seele zuspricht? Warum dürfen Frauen nicht einfach als jemand dargestellt werden, der einfach gerade nur Sex hat? Und warum sollten sie dadurch ihre „Seele“ verlieren? „Mittel zum Zweck“ ist da auch ein sehr merkwürdiger Vorwurf. Wer eine Komödie schaut, der macht das um zu lachen und nicht um die Seele der Schauspieler kennen zu lernen. Und Pornos schaut man eben, damit man eine sexuelle Stimulation statt einer humoristischen Stimulation erfährt.

Da ist auch jemand wie Erika Lust, selbst Porno­regisseurin, ratlos: „Die Sexindustrie akzeptiert Sex mit Hunden und Pferden, Pornos mit Omas, Fäkalsex. Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. Doch Frauen wird nur sehr selten Raum gegeben.“

In der Tat gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Aber das extrem Perverse ist eben selten. Der Durchschnittsporno hat damit nichts zu tun. Und welchen Raum soll man Frauen da auch geben? Es ist eben eine bestimme Zielgruppe und man erwartet auch in „Sex and the City 2“ nicht, dass dort „Männern Raum gegeben wird“, indem etwa ein paar Aktionszenen eingebaut werden oder Sexszenen mit nackten jungen Frauen eingebaut werden. Das zu verstehen erfordert aus meiner Sicht auch sehr wenig Empathie.

Bedürfnisse und Fantasien von Frauen sind schwierig und machen die Sache kompliziert. Es ist auch kein Zufall, dass Pornos, wie Erika Lust sie dreht, in denen Frauen ein eigenes Begehren, ein Gefühlsleben, Spaß und auch optische Diversität zugestanden bekommen, Femporn genannt werden – feministischer Porno.

Und es ist auch kein Zufall, dass „Femporn“ niemanden interessiert, auch Frauen nicht.

Dazu aus einem anderen Artikel:

Der ganzen Diskussion um feministische Pornos liegt ein Missverständnis zugrunde. Wir alle wissen, dass Männer stärker über visuelle Reize funktionieren und Frauen eher auf erotische Geschichten reagieren. Das bestätigen psychologische wie neurologische Studien. Aber heisst das, dass nur ein Pornofilm mit einer Handlung ein guter Porno ist? Natürlich wird Pornografie vornehmlich für Männer gemacht, und manches ist für Frauen schwer erträglich. Aber es sei hier etwas verraten: Auch Männer können nicht mit jedem Angebot etwas anfangen. Und es gibt nicht wenige Frauen, die auch herkömmliche Porno­grafie ziemlich scharf finden.

Wenn feministische Pornografinnen betonen, Frauen brauchten vor allem schöne Kleider und eine tolle Geschichte, um in die Gänge zu kommen, dann tönt das so, als müsse man ihnen die expliziten Szenen fast heimlich andrehen. Als ob sie das nötig hätten. Viele Frauen können mit den verquasten feministischen Pornofilmen einfach nichts anfangen und stehen eher auf Herkömmliches. Denn Frauen und Männer mögen unterschiedlich begehren, aber eines haben sie gemeinsam: Der Lust sind die Erfordernisse des politisch Korrekten egal. Frauen, die schon die Kompatibilität von Feminismus und Stöckelschuhen fragwürdig finden, stossen in Tiefen des weiblichen Begehrens auf noch viel grössere Widersprüche. Kann man im normalen Leben Stärke und Unabhängigkeit propagieren und sich im Bett dennoch gern dominieren, vielleicht sogar schlagen lassen? Wie kann eine Frau die Darstellung einer Vergewaltigung erregend finden, wenn die reale Vorstellung zu den tiefsten Ängsten gehört? Darüber sprechen Frauen ungern, weil sie glauben, es könne etwas nicht stimmen mit ihnen. Sie fürchten, missverstanden zu werden – und das wohl zu Recht.

Frau Binswanger hat anscheinend weit weniger Probleme damit Männer zu verstehen und versteht aus meiner Sicht auch die meisten Frauen wesentlich besser.

Und auch die Pornhubauswertung spricht eher für die Sicht von Frau Binswanger:

Porno Männer Frauen Kategorien

Porno Männer Frauen Kategorien

Da suchen Frauen nach Analsex, großen Schwänzen, Fisting und Bondage und Dreiern.

Männer dagegen stehen in großer Zahl darauf, Frauen entlang von Stereotypen nach „Fickbarkeit“ einzusortieren. Schublade auf: Asiatin rein. Schublade auf: Teenporn rein. Wer sich mal durch die Selbstverständlichkeiten der 08/15-Pornoindustrie gewühlt hat, ist hinterher desillusioniert und als Frau auch ein bisschen angewidert vom Gedanken, dass richtig viele Männer so etwas geil finden.

Was nun daran schlimm sein soll, wenn man sich das aussucht, was einen anspricht, würde mich ja schon interessieren. Wer eben gerade den Gedanken anregend findet, einer jungen Asiatin beim Sex zuzuschauen, der ist sicherlich auch nicht schlimmer als eine Frau, welche sehen will, wie es sich zwei Schwule mit großen Schwänzen besorgen. Geschmackliche Vorlieben dürften dabei Frauen genauso haben und die von ihnen am meisten gesuchten männlichen Pornodarsteller sind auch nicht etwa fatpositiv, sondern eher „Normschön“.

Orte zum Abspritzen
Dem setzt ein Bordell, das jetzt in Barcelona eröffnet wird, noch etwas drauf: Es ist das erste, in dem nicht Menschen, sondern Silikonpuppen zum Sex bereitstehen. Wieder sind es nur Männer, die mit einer verhaltensoriginellen Sexualität von sich reden machen.

Zumindest sind sie die Zielgruppe, die angebotenen Frauen entsprechen dem schon bekannten Prinzip des Mainstream-Porn: Asiatin, Schwarze, Teen, vollbusige Blondine. Im Gegensatz zu einer menschlichen Prostituierten bieten sie nicht viel mehr als einen Ort zum Abspritzen. Sie sind eine stille Hülle, die schnell vergisst. Aber es gibt offenbar ausreichend viele Männer, denen es nicht wichtig ist, dass jemand einen sexuellen Akt in schöner Erinnerung behält.

Sexpuppen sind „stille Hüllen, die schnell vergessen“ und es ist schlimm, dass Männer, die mit einer Puppe Sex haben es nicht wichtig finden, dass die PUPPE diesen sexuellen Akt nicht in schöner Erinnerung behält? Bizarr.

Es mag auch bizarr sein, Sex mit einer Silikonpuppe zu haben, aber auch hier handelt es sich um einen ziemlichen Einzelfall und der Markt für männliches Sexspielzeug dürfte nach wie vor kleiner sein als der Markt für weibliches Sexspielzeug. Ich vermute mal mehr Frauen haben einen Vibrator als Männer eine Sexpuppe. Und da reduzieren die Frauen den Mann gar nur auf sein Geschlechtsorgan! Welches auch den Akt nicht in schöner Erinnerung behalten wird und danach in dunkle Schubladen verbannt wird. Schweinerei.

„Männer sind Schweine“, sangen die Ärzte in den Neunzigern; ein Song, der mich deswegen so tief verstörte, weil ich die darin beschriebenen Verhaltensweisen ja direkt vor meinen Augen hatte: Jungs in meinem Alter, die mit vollejakulierten Socken rumprahlten, Männer im Fernsehen, die fremdgingen, betrogen, und Männer in den ersten Pornos, die man so sah, die sich benahmen, als seien sie testosterongesteuerte Affen – wobei ich mich bei diesem Vergleich sogleich fragte, ob ich den Affen unrecht tat.

Dieser Satz erschreckt mich, weil ich Katrin wirklich für relativ normal und nicht für eine Männerhasserin gehalten habe. Aber es hier so darzustellen als wären alle Männer wilde Tiere, dass ist schon recht harter Tobak. Und da geht sie noch ganz empathisch vor. Gut, dass sie sich diese Beschränkung auferlegt hat. Wann prahlen Männer (sie ist ja auch nicht mehr die Jüngste) den mit „vollejakulierten Socken“ herum? Und seit wann gehen im Fernsehen nur Männer fremd und betrügen? Und was hätte es überhaupt für eine Relevanz, dass Männer im Fernsehen fremd gehen?

Die Männer in den ersten Pornos, die man so sah, benahmen sich, als seien sie testosterongesteuerte Affen
Ich habe im Laufe meines Lebens Männer kennengelernt, die mit ihren über 30 Jahren 14-Jährigen Avancen machten und versuchten, sie ins Bett zu kriegen. Ich lernte, was Hebephilie ist: eine Sexualpräferenz für pubertierende Jungen und Mädchen. Ich las das Blog eines jungen Mannes, der zu seiner Pädophilie stand. Sehr berührend, unter schicksal-und-herausforderung.de kann man es immer noch lesen.

Und so geht es auch weiter: Auch der Anteil der Männer, die als 30jährige Männer 14-jährigen Mädchen Avancen machen dürfte gering sein. Und natürlich gibt es auch Frauen, die 14jährigen Jungs Avancen machen. (zB diese, diese, diese, diese oder diese)  Nur ist es da eben eher so, dass sie auf Bereitschaft zum Sex stoßen, wenn sie passabel aussehen.

Ich traf pornosüchtige Männer und solche, die als eines ihrer Lebensziele hatten, wenigstens ein Mal in einem Porno mitgespielt zu haben – und das auch taten. Ich traf Männer, die Frauen wechselten wie andere ihre Unterwäsche, und solche, die Frauen ihre Wünsche aufdrängten, ohne nach deren Wünschen zu fragen: Rasier dich zwischen den Beinen, hab Sex mit mir, von hinten bitte, ach, komm schon, du bist doch keine frigide Kuh. Ich kenne Männer, die bei Prostituierten waren – ich kenne keine einzige Frau.

Ja, Männer haben ein anderes Verhältnis zu Casual Sex. Was sehr viel mit Testosteron und dessen Wirkung auf den Sexualtrieb zu tun hat:

Was, liebe Katrin geht es dich an, wenn Männer das Spass macht? Und natürlich müssen sich Frauen auch nicht mit Männern einlassen, die nicht auf ihre Wünsche eingehen. Genauso wenig wie Männer sich auf Frauen einlassen müssen, die nicht auf ihre Wünsche eingehen.

Ich habe mich damit abgefunden, dass männliche Sexualität Auswüchse annimmt, wie ich sie von Frauen nicht kenne. Ich habe gelernt, damit zu leben, und vor allem: Ich habe keine Angst mehr davor. Übergriffige Typen kriegen Ansagen. Die anderen ein offenes Ohr. Meistens hoffe ich, dass sie nicht der Pickup-Artist-Bewegung anheimfallen, eine Truppe von Typen, die anderen Typen erklärt, wie man Frauen „klarmacht“, also ins Bett kriegt.

Ja, schlimm, diese Pickupbewegung. Nicht das es noch Männer gibt, die wissen, wie man anziehend auf eine Frau wirkt. Wie sie mit einem schlafen will, und das nicht nur zum „Klarmachen“, sondern für was auch immer, eine Nacht, eine Beziehung, ein Leben. Dabei ist es eigentlich sogar einfacher einen Pickuper loszuwerden.

Wie fürchterlich so etwas sein kann habe ich hier auch mal an meinem eigenen Fall geschildert:

Und wie soll sie als Hetero auch Auswüchse weiblicher Sexualität selbst kennenlernen? Von Shittests bis zur Vorliebe für „Bad Boys“, von Sado Masochismus bis zum Hinhalten als Machtspiel und zum Orbitersammeln? Frauen, die sich an alte reiche Männer binden, damit sie von deren Geld leben können, Frauen, die ihre Sexualität freiwillig verkaufen, Frauen, die nach dem einem Schläger gleich wieder den nächsten haben, weil das auch irgendwie ihr Typ ist und sie einen dominanten Mann wollen etc Es gibt zu so ziemlich alles im Bereich der Sexualität ein Gegenstück, welches man genau so anprangern könnte.

Ziemlich frauenverachtende Scheiße, die da läuft, aber auch hier: Ziemlich viele Männer bieten sich als Zielgruppe bereitwillig an. Sie leiden darunter, dass sie Probleme dabei haben, Mädchen anzusprechen, und sie wollen bitte dringend Sex. Die Silikonpuppen im Bordell sind, so gesehen, nur eine weitere logische Evolutionsstufe der verkorksten männlichen Sexualität.

Wieder eine sehr empathische Wertung. Und wenig Ahnung von Pickup. Im übrigen gilt der alte Satz: Wenn die männliche Sexualität verkorkst ist, dann ist weibliches Selektionsverhalten bzw deren Reaktion auf Männer evolutionär der wesentliche Grund. Eine friedliche Bonobo-Welt scheitert insofern eher an den Frauen.

Ich höre schon alle aufschreien: Ich bin ein Mann und ich bin gar nicht so! Sex ist für mich viel mehr als nur rein, raus, Ejakulation! Da gratuliere ich aber. Nur: Schauen Sie mal in Onlineforen, in denen Männer sich über ihre Silikonpuppen austauschen. Die „Dolls“, wie die Puppen unter den Eingeweihten genannt werden, sind für viele längst Ersatzmenschen geworden. Einer, der sich „Halvar“ nennt, bezeichnet in einem dieser Foren seine Puppe als „Teil meines Lebens, ich freue mich abends nach Hause zu kommen und nicht allein zu sein. Ich genieße die Zweisamkeit vor dem Fernseher auf der Couch oder die Nächte in denen man sich an die Doll ankuschelt. Sie sind einfach ein Teil von mir.“

Auch hier wieder: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Warum muss sich ein Mann überhaupt für seine Sexualität entschuldigen aber auch: Was gehen ihn die Leute an, die sich über Silikonpuppen austauschen? Er kann für sie nichts und hat mit ihnen nichts zu tun. Genauso wenig wie Frauen sich ein „Zofenforum“ vorhalten müssten, in denen Frauen sich darüber austauschen, wie geil es ist, wenn einen der Meister benutzt.

Das Erstaunliche ist, dass diese Männer eine Form von Nähe gefunden haben. Menschenersatznähe. Und sie alle sagen sehr deutlich: Weder haben sie Bock auf die Mitleidstour noch auf Psychoanalyse durch Tantra-Yogis, Klemmschwestern und andere Spielverderber. Viele Puppen-Fans scheinen eher objektophil veranlagt zu sein, also auf Dinge zu stehen statt auf Menschen. Andere haben „jemanden“ gefunden, der mit ihrer Sozialphobie bestens kompatibel ist. Alles harmlos, klar.

Was wäre denn daran nicht harmlos? Sie belästigen keine Frauen, wenn sie ihre Silikonpuppen mögen. Genauso wenig wie Frauen jemanden etwas tun, wenn sie als Menschenersatznähe auf Katzen oder Pferde zurück greifen.

Jahrhunderte im Patriarchat
Aber auffällig ist es eben schon, so wie es auffällig ist, dass mehr männliche Babys Koliken bekommen und häufiger schreien als weibliche. Die männliche Sexualität scheint labiler, anfälliger zu sein und ich glaube, es wird Zeit, darüber zu sprechen. Nicht psychologisierend, nicht verurteilend oder stigmatisierend, sondern so, wie moderne Menschen das tun: offen, empathisch und wissenschaftlich begleitet.

„Nicht psychologisierend, nicht verurteilend oder stigmatisierend, sondern so, wie moderne Menschen das tun: offen, empathisch und wissenschaftlich begleitet“. Ich musste den Satz gerade noch einmal zitieren. Ist das ihre Selbstwahrnehmung? Das sie nicht verurteilt und stigmatisiert, wenn sie im gleichen Test Männer mit Tieren vergleicht? Fühlt sie sich wirklich modern, wenn sie Leuten vorhält, dass sie Sex mit wechselnden Partnern haben? Oder findet sie es „wissenschaftlich“ extreme Einzelfälle repräsentativ für die Gesamtheit der Männer und deren verkorkste Sexualität darzustellen? Von der Empathie möchte ich gar nicht erst wieder anfangen.

Durch die Jahrhunderte im Patriarchat haben wir gelernt, alles „Männliche“ hinzunehmen und nicht zu hinterfragen, die Folgen sind für Männer und für Frauen gleichermaßen kacke: toxische Maskulinität, sexuelle Ausbeutung von Frauen und Gewalt.

„Kacke“. In einem Zeitungsartikel. Wohl eine Anlehnung an die alte „sexistische Kackscheiße“, diesem Kleinkinderjargon des Feminismus? Und toxische Maskulinität und sexuelle Ausbeutung wird auch gleich noch mit rein gemixt.

Feministinnen bringen all das auf den Tisch und natürlich wehren sich viele dagegen und wittern Männerfeindlichkeit.

Weil sie da ist. Also die Männerfeindlichkeit. Nicht das, was Feministinnen meinen an „kackscheiße“ auf den Tisch zu bringen.

Doch genauso, wie es wichtig ist zu fragen: Warum geht ein Großteil der weltweiten Gewalt von Männern aus

Wegen Testosteron.

ist es an der Zeit sich zu trauen, den verhaltensoriginellen „männlichen“ Sexualitäten auf den Grund zu gehen. Und der erste Schritt ist laut zu sagen: Sorry, Jungs, aber das ist mir echt suspekt, was ihr da macht.

Dann schau halt nicht hin. Eigentlich eine sehr einfache Lösung. Das allermeiste betrifft dich schlicht nicht und wenn ein Mann jeden Tag zu Pornos Selbstbefriedigung betreiben will oder eine Silikonpuppe als Freundin hat, was hat es dich dann zu scheren?

Ich, als gefährlicher Pickuper (nach Onyx)

Onyx kommentiert eine Stelle aus meinem „Was anders wäre“ Beitrag, in dem ich anmerke, dass es mich störte als gefährlich angesehen zu werden, weil ich ein Mann bin . Sie meinte, dass sich dies mit meinem Verhältnis zum Pickup beißt, da ich ja gerade damit einer „Lehre“ anhänge, vor der Frauen zu Recht Angst haben müssen.

Sie führt dazu an:

Betrachtet man allerdings den Hintergrund, dass diese Antwort von jemandem stammt, der die Pick up-Ideologie vertritt und propagiert, dass Frauen angeblich freche Arschlöcher anziehend finden, die einfach alles anbaggern und angrabschen, was Brüste hat, darf man sich schon fragen, ob hier nicht jemandem nur seine eigene Medizin nicht schmeckt.

Es ist immer wieder erstaunlich, was Onyx um ihren Hass zu rechtfertigen für Strohmänner aufbaut. Ich vermute, dass sie es sogar glaubt. Aber gehen wir die Vorwürfe und auch die Folgenden mal durch:

a) Frauen finde freche Arschlöcher anziehend

Ja, wobei Arschloch in diesem Kontext nicht bedeutet, dass man die Frau belästigt. Sondern eben frech im Sinne von Herausfordernd, etwas arrogant im Sinne von Cocky/Funny, Selbstbewußt und in der Lage sich einen gewissen Wert zu geben und Frauen Grenzen zu setzen. Aber eben auch in der Hinsicht, dass sie sich durchaus trauen, etwas zu machen, wenn sie erkennen, dass die Zeit dafür ist und nicht Gelegenheit um Gelegenheit verstreichen lassen, weil sie zu höflich und nett sind.

b) Alles Anbaggern

Das an sich ist ja erst einmal nichts schlimmes. Warum soll man eine Frau, die einem gefällt, nicht ansprechen dürfen?

c) Angrabschen, was Brüste hat

Nach dem bekannten Mystery-Modell des Flirtens kommt Kino, als körperlicher Kontakt, in der dritten Stufe von Komfort, also wenn sie einem bereits Zeichen gegeben hat, dass sie einen gut findet, man ihr deutlich gemacht hat, dass man sie aus einem guten Grund gut findet, man ein gewisses Vertrauen aufgebaut hat etc. Und dann grabscht man in diesem Modell auch üblicherweise nicht an die Brüste, sondern eskaliert über Berührungen an unverfänglicheren Stellen.

Andere in Bereich Pickup mögen direktere Stile bevorzugen, etwa extreme Figuren wie Julien Blanc, zu diesem schrieb ich aber:

Ich finde sein Verhalten dort stark übergriffig, wenn es wirklich Leute sind, die er gerade erst auf der Straße getroffen hat, es also keine vorherige Interaktion gegeben hat, in dem sie Interesse gezeigt haben. Selbst dann wäre es immer noch stark übergriffig, je nachdem wie viel Druck er ausübt.

Sicherlich kann dies durchaus effektiv sein, weil ein paar der Frauen bei solchen Handlungen vielleicht dieses dominante Verhalten durchaus anziehend finden und rückwärts rationalisieren, dass er was haben muss, wenn sie so mit sich umgehen lassen. Zumal er abgesehen von diesen Videos in anderen Videos durchaus Charme hat und selbstsicher wirkt. Ich kann mir vorstellen, dass er es eher verkaufen kann als andere, was aber dennoch die Übergriffigkeit nicht rechtfertigt.

Dann führt Onyx einige weitere Punkte an, die Pickupper nach ihrer Meinung glauben:

d) dass man ein Nein nicht ernstnehmen muß, weil das nur Shittests sind

Eigentlich ist das Konzept: „Einige Neins können Shittests sein, aber nicht alle Neins sind Shittests“ nicht schwierig zu verstehen. Onyx scheint damit trotzdem Probleme zu haben.

Die meisten Situationen, in denen es um Shittests geht, spielen sich weit vor körperlichen Punkten ab. Onyx macht daraus zur Aufrechterhaltung ihres Feindbilds direkt Vergewaltigungen.

e) dass Frauen auf Arschlöcher stehen, die sich einfach ungefragt nehmen was sie wollen

Hier wäre wieder auf das Modell von Mystery zu verweisen, in dem man sich gerade nicht nimmt, was man will. Sondern verschiedenste Phasen durchläuft, die einen Verführungsprozess darstellen. Was ich allerdings tatsächlich glaube, ist das Frauen keinesfalls ausdrücklich gefragt werden wollen wie in dem lebensfernen feministischen Konzept von „Yes means Yes“. Sie wollen, dass man die Stimmung erkennt und gemäß dieser handelt.

f) dass es völlig ok ist, Frauen zu belügen und zu manipulieren, um sie zum Sex zu bringen, selbst wenn sie ausdrücklich sagen, dass sie keinen wollen

Pickup ist amoralisch und stellt lediglich bestimmte Werkzeuge bereit, die man in bestimmten Situationen nutzen kann oder nicht. Man muss im Pickup aus meiner Sicht nicht lügen (wenn man es aber wie immer im Flirtbereich natürlich kann). Der Begriff „Manipulieren“ ist ein großes Wort in diesem Zusammenhang. Wenn ich bestimmte Gefühle in einer Frau wecke, die erst Attraktion und dann Komfort in ihr hervorrufen und sie deswegen mit mir schläft, dann sind dies natürlich ihre tatsächlichen Gefühle und ihr Wunsch, mit mir zu schlafen ist ebenfalls echt.
Ich hatte es schon an anderer Stelle gesagt: ich persönlich mag es, wenn eine Frau flirten kann. Ich fühle mich dann auch nicht manipuliert, im Gegenteil es macht den Gesamtvorgang besser, wenn sie die Bälle, die man ihr zuspielt, auch zurückspielen kann. Nach meiner Erfahrung geht es den meisten Frauen ähnlich: Sie finden es schön, wenn jemand nicht das übliche langweilige Flirten anwendet, und sie auf ein Podest stellt, sondern frecher, herausfordernder, dabei aber auch selbstbewußter ist. Sie genießen das Spiel.

Wäre natürlich gut zu wissen, was Onyx eigentlich genau meint. Ich vermute mal, dass sie Last Minute Resistance vor Augen hat, weil sie mir das auf ähnliche Weise schon einmal vorgehalten hat. Dazu habe ich einen ausführlichen Artikel geschrieben, ich vermute mal, dass Onyx da aber leider nicht drauf eingehen wird.

g) dass es völlig ok ist, Frauen gezielt betrunken zu machen, wenn sie nüchtern keinen Sex wollen

Das bezieht sich auf diese Ausführungen hier. Wieder will es Onyx in die Richtung der Vergewaltigung drücken. Im Feminismus ist eben jeder Sex mit Alkohol eine Vergewaltigung der Frau. Tatsächlich nutzen beide Geschlechter Alkohol für Sex. Gerade für Frauen hat das aus meiner Sicht sogar eine Doppelfunktion: Es macht sie etwas lockerer und es ist sowohl sozial akzeptierter, wenn man etwas betrunken mit einem Mann auf einer Party abstürzt und gibt einem zudem eine gewisse Plausible Deniability, dass es eben nur am Alkohol lag. Aus gutem Grund gehen Männer und Frauen gerne zusammen einen trinken und es findet sich genau deswegen, damit alle etwas lockerer werden, an typischen Partylokations Alkohol. Es geht eben häufig nicht darum, dass man ansonsten gegen den Sex wäre, es geht eher darum, die Überleitung zum Sex einfacherer zu machen.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass man das ja ansonsten nicht gezielt macht, also einfach Alkohol trinkt, um Spass zu haben. Aber das ist doch ziemlich naiv. Natürlich ist uns die Wirkung von Alkohol in dieser Richtung allen gut bekannt, sowohl Männern als auch Frauen. Und natürlich kann man angeheitert sein, aber noch vollkommen in der Lage, Entscheidungen zu treffen und deutlich zu machen, ob man Sex will oder nicht.

h) dass Männer frech sein müssen, weil das Frauen eben so wollen

Ja, aber frech ist immer noch nicht übergriffig.

i) dass Frauen allem Feminismus zum Trotz irgendwie heimlich doch überrumpelt und überwältigt werden wollen

Auch wieder diese Nähe zur Vergewaltigung. Überwältigungsfantasien haben tatsächlich viele Frauen. Und viele mögen es in der Tat auch, wenn ein Mann, den sie wollen, die Führung in diese Richtung übernimmt. Männer, die einen gekonnt an die Wand drücken können, sind durchaus ein gängiges weibliches Motiv. Und Männer, die zu vorsichtig sind, und bei denen nichts passiert, sind häufig eher Männer, denen eine gewisse Verachtung entgegen gebracht wird, wenn die Frau nichts dagegen gehabt hätte, dass es etwas passiert. Dennoch: Alles zu seiner Zeit: Wenn Attraction und Komfort bestehen, wenn man in der dritten Phase ist, dann wäre der richtige Zeitpunkt dafür, dass man, wenn sie darauf steht, überwältigenden Sex mit ihr hat. Auch das geht es aber nicht darum, ein Nein einfach zu ignorieren, wie Onyx es sich anscheinend vorstellt. Wenn man alles richtig gemacht hat, dann wird schlicht kein Nein kommen.

Onyx schreibt weiter:

Denn genau eine solche Haltung führt dazu, dass Männer als “gefährlich” wahrgenommen werden. Vor denen man sich vorsehen muß. Die man nie auch nur eine Sekunde zu lang zu nett ansehen darf. Mit denen man nichts trinken darf. Jedenfalls wenn man nicht an Sex interessiert ist. Weil deren seltsames Geschlechterbild davon ausgeht, dass es keine zwischengeschlechtliche Interaktion gibt, die nicht irgendeine sexuelle Komponente hat. Wenn man also keinen Sex will, muß man grimmig schauen, immer mißtrauisch sein, bloooß nicht irgendwie sexy aussehen, einfach auf Abstand gehen, um ja keine Signale auszusenden, die mißverstanden werden könnten. Weil sonst hat man ja jede noch so bescheuerte Anmache provoziert. Ihr wisst schon…

Auch das ist falsch. Natürlich gibt es auch im Pickup Interaktionen mit Frauen, die keine sexuelle Komponente hat, etwa mit den Frauen, mit denen man nicht schlafen will (wobei: Viele Frauen mögen es sehr gerne, wenn man harmlos mit ihnen flirtet und das auch deutlich macht, nur um des Spasses willen). Und auch bei Frauen, die nicht auf einen stehen lohnt es sich nicht, krampfhaft weiter zu machen. Es kann sich aber natürlich lohnen, sie als Freundin zu haben, einmal um der Freundschaft willen, aber natürlich auch, weil „Wingfrauen“ die Sache sehr viel einfacher machen, weil man „preselected bei women“ bedient, weil sie Freundinnen haben und weil es Frauen beruhigt, wenn man in Begleitung einer anderen Frau ist. Ich habe relativ viele Freundinnen in meinem Freundeskreis und über Südländerin auch in meinem erweiterten Freundeskreis, mit denen ich schon wegen Südländerin nicht flirte, aber dennoch gerne weggehe. Cocky/funny und andere Elemente aus dem Pickup finden die meisten diese Frauen dennoch lustig. Sie mögen auch so viele Elemente, die ich aus dem Pickup übernommen habe und ich bin sicher, dass sie lieber mit Leuten rumhängen, die in der Hinsicht „nonneedyness“ ausstrahlen als mit Singlemännern ohne Pickuperfahrung, die dann unbeholfen flirten.

Julien Blanc war glaube ich für alle Feministen und sonstigen Pickuphasser wie Onyx ein Segen. Hätte es ihn und seine merkwürdigen Ratschläge nicht gegeben, sie hätten ihn erfinden müssen.

Was Onyx eben nicht versteht: Jemand, der Flirten kann und Selbstvertrauen in diese Richtung hat, ist häufig für Frauen viel angenehmer, weil er eben nicht das Verhalten zeigen muss, was sie oben beschreibt. Er muss eben nicht auf bescheuerte Weise anmachen, er kann die Sache viel entspannter angehen. Wenn bei jemanden, der sich mit Pickup auskennt, ein zu langer Blick in die Augen folgt, dann fällt er eben nicht über die jeweilige Frau her. Er nimmt es als Zeichen für Interesse (Indikator of Interest) und geht dann in die nächste Phase über, nämlich in dem schaut, ob sie sich für ihn qualifiziert, also etwas vorhanden ist, welches über ihr Aussehen hinaus ein gutes Interesse von ihm rechtfertigt. Wenn das erfolgt, dann vergewaltigt er sie entgegen Onyx Meinung immer noch nicht, sondern wird versuchen Vertrauen aufbauen, Gemeinsamkeiten entdecken etc. Sie kann also noch über lange Zeit deutlich machen, dass sie eigentlich gar nicht interessiert war.

Gründe, warum bestimmte Pickup-Techniken bei dir als Frau tatsächlich nicht wirken

In Pickupdiskussionen kommt es immer wieder dazu, dass Frauen sagen, dass dieser oder jener Trick sie eher abschrecken, jedenfalls aber bei ihnen nicht wirken würde.

Hier ein paar Gründe, warum dies durchaus stimmen kann

1. Die Strategie ist gar nicht auf dich ausgerichtet

Es ist erstaunlich, dass viele Frauen zugleich das Argument bringen, dass alle Frauen verschieden sind, dann aber nicht verstehen können, dass deswegen auch verschiedene Pickupstrategien je nach Frau zum Tragen kommen.

Ein klassisches Beispiel ist der Neg, also die Verteilung einiger Spitzen, die deutlich machen, dass man sie nicht auf ein Podest stellt. Dazu hatte ich Mystery bereits wie folgt zitiert:

The better looking the girl, the more aggressive you must be with using negs. A 10 can get 3 negs up front, while an 8 gets only 1 or 2 over a longer time. You CAN go overboard if they think you are BETTER than them. You can drop the self-esteem right from under them (just like most 10s do to guys) and this isn’t good.

Daraus folgt natürlich auch, dass es kein Wunder ist, dass du Negs blöd findest, wenn du eine 5 bist. In dem Bereich gibt es dann einen anderen, weniger oft zitierten Spruch aus dem Pickup-Bereich:

Negging (or giving negative feedback) is a dangerous game to play, but once mastered, is the key to flirting and chemistry.  I suggest you practice this with caution.  The general rule of thumb is to treat princesses like ugly girls, and ugly girls like princesses.

 

Klar, eine Frau, die sich hässlich findet (und das kann auch im Vergleich zu dem jeweiligen SMV des Mannes sein) kann es toll finden, wenn sie endlich mal jemand wie eine Prinzessin behandelt. Weswegen sehr schöne Männer oder Statushohe Männer auch viel netter sein können, wenn sie es mit Stil machen, weil bei ihnen Attraction eh schon da ist und man eine Frau, die im Verhältnis zu einem nicht auf einem Podest steht, eben auch nicht von einem solchen stoßen muss. (Herausfordernd und Frech zu sein kann sich trotzdem lohnen, es ist aber etwas anderes als der Neg).

2. Die Strategie ist sogar darauf ausgerichtet, dich auszusortieren

Was auch nicht verstanden wird, ist dass es sinnvoll sein kann, bestimmte Techniken anzuwenden, die dazu führen, dass bestimmte Frauen das Interesse verlieren oder das es nicht stört, sondern sogar hilfreich sein kann, wenn bestimmte Frauen einen nicht mögen.

Wenn man zB einen One Night Stand oder jedenfalls Sex ohne Bindung will, dann kann es sinnvoll sein, sich als jemanden darzustellen, der für eine aufregende Nacht spricht, auch wenn das Frauen abschreckt, die eine feste Bindung wollen. Oder vielmehr: Das kann ein zusätzlicher Vorteil einer solchen Strategie sein. Denn mit dieser Frau wird man eben keinen Sex haben und es ist insofern verschwendete Zeit.

Eine Frau die sagt „Pickup funktioniert nicht, ich würde niemals mit einem solchen Diskoaufreißer schlafen, ich bin auf lange Beziehungen aus und habe keine One Night Stands“ hat nicht verstanden, dass er froh sein kann, dass er sich nicht mit ihr aufhalten muss. Es bringt ihm mehr, wenn ausgeflippte Partygirls auf ihn stehen, die die Selbstbestätigung brauchen, dass sie ein Typ, der in der Masse auffällt, aussucht. Dann kann sich zB der Fellhut von Mystery lohnen, auch wenn andere Frauen denken, dass man so einen Typ in ihrer Clique ja peinlich finden würde. Es lohnt sich wahrscheinlich schon, die Frauen auszusortieren, die darüber nachdenken, was andere über sie denken, wenn sie mit einem solchen Typen schlafen, weil diese auch eher denken, was andere denken, wenn sie überhaupt mit einem Typen schlafen.

3.Die Betrachtung als Strategie verstellt den Blick auf die Wirkung

Ein Zitat nach Bismark lautet „Je weniger die Leute wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie!“. Das kann im Flirtbereich ähnlich sein. Als ich als Kind einmal einen Bauernhof besucht habe, war ich ein paar Monate Vegetarier, weil es mir nicht mehr schmeckte. Wo ich vorher ein leckeres Stuck Fleisch gesehen habe, sah ich auf einmal die großen Kalbsaugen oder die niedlichen Schweine und ihre Verarbeitung zu Fleisch. Das ist im Flirtbereich dann teilweise noch abstrakter, weil man sich die Wirkung eben noch weniger vorstellen kann, wenn man die Wirkung nicht kennt (oder sie gar auf einen nicht zutrifft)

Wenn man einem Mann erzählt, wie man Hautunebenheiten als Frau mit Schminke kaschiert, wie man die Augen betont, wie man die Brust passend einkleidet und ihn dann fragt, ob ihm die Tricks gefallen, dann wird er auch eher nein sagen. Gibt man dazu noch die Wahl „willst du lieber eine Frau, die es schafft, dass du sie mit Schminke gut findest oder eine, die du ohne Schminke gut findest“ dann werden die meisten sagen, dass sie natürlich lieber die Frau nehmen, die natürlich schön ist. Selbst wenn diese dann einfach das Glück hat, dass sie eine größere Brust und reinere Haut hat.

Die Kosmetikindustrie und die BH-Branche zeigen, dass die Tricks dennoch funktionieren.

4. Du hältst etwas für eine Pickupstrategie, was überhaupt kein Pickup ist oder dort sogar abgelehnt wird

Wenn man die Berichte mit dem Inhalt „ein Pickup-Betreiber hat mich angemacht und es war furchtbar“ liest, dann fragt man sich häufig, wie diejenigen darauf kommen. Im deutschsprachigen Bereich sind Onyx und Robin gute Quellen für entsprechende Schilderungen. Ein paar Beispiele, die Robin anführte und in denen es jeweils besser gelaufen wäre, wenn derjenige sich tatsächlich an die Pickupgrundsätze gehalten hätte, hatte ich bereits hier besprochen.

In den Kommentaren eines neueren Artikels bei Onyx kommt zB diese Geschichte:

Dein Tipp, als Frau PU-Seiten zu lesen, kommt für mich zu spät. Hätte ich vor 2 Jahren in Deinen Blog geschaut, wäre mir Einiges an Erfahrungen erspart geblieben.
Jetzt ist es eben passiert. Ich bin auf einen dieser Pickup-Soziopathen reingefallen.
Dabei bin ich eigentlich weder dämlich noch verzweifelt (Dachte ich zumindest).
Aber: ich bin nett zu jedermann und noch dazu gutgläubig. Lieb, nett, hübsch, Single, sehr zurückhaltend. Das perfekte Opfer.
So kam es, dass mich der “nette” Nachbar (15 Jahre älter), den ich übrigens kein bißchen interessant oder attraktiv fand, ins Visier genommen hat.
Im Nachhinein merke ich, dass er die komplette Pickup-Strategie 1:1 an mir abgearbeitet hat: erst netter Smalltalk. Dann Komlimente. (Auch zweifelhafte Komplimente wie: ” Du bist eine tolle Frau; wenn Du mehr Sport machen würdest, würden die Männer Schlange bei Dir stehen.”) Dann wieder totales Ignorieren bis hin zu krasser Abweisung. Dann wieder Nettigkeiten, Interesse, Flirten, Anbandeln, Berührungen, Zuneigung. Dann wieder Desinteresse. Und alles immer im Wechsel. Bis ich total verwirrt war. Immer wenn ich auf sein Interesse halbwegs reagiert habe, hat er wieder einen Schritt zurückgemacht bzw. irgendwas Seltsames gesagt oder getan.
Nach 1,5 Jahren voller emotionaler Wechselbäder habe ich ihm 1x einen Kaffee bei mir zu Hause angeboten. Wieso? Ich weiß es selber nicht. Alles Manipulation nehme ich an.
Dann der eigentliche Schock: er ist regelrecht über mich “hergefallen”, ich konnte nichts dagegen tun. Einzelheiten erspare ich mir. Es war nicht lustig.
Ja und seitdem ignoriert er mich, wenn wir uns begegnen, tut so, als würden wir uns nicht kennen.Grausamer geht es eigentlich nicht.

Ja, der klassische „1.5 Jahres Trick“, den alle Pickup-Profis ständig empfehlen. Welche Pickupseite empfiehlt ihn nicht? Es wird ja auch beständig geraten, bei Interesse einen Schritt zurückzumachen, denn nur so geht der volle 1,5 Jahres Plan auf und man kann dann endlich „regelrecht über sie herfallen“. #

Nein ernsthaft, wer mir einen Pickupratgeber zeigen kann, in dem dieser Plan so drinsteht, der mag einen Link dazu in den Kommentaren posten. Ich bezweifele, dass es das irgendwo als Rat gibt.

Wer Pickup kritisieren will, der möge sich doch wenigstens einmal das grobe Schema bei Mystery  anschauen: Passt das Verhalten da gar nicht rein, dann lohnt sich vielleicht die Überlegung, dass es gar kein Pickup war. Netter Smalltakt und Komplimente? Netter Smalltalk kann in die Anfangsphase passen, eher aber in den Komfortbereich, Komplimente können der Qualifizierung dienen oder auch Komfort sein. Aber dann wieder Desinteresse, wenn sie Interesse zeigt? Da rät Pickup nicht zurückzuweichen, sondern Komfort auszubauen und dann zu Kino-Test überzugehen, also zu testen, wie sie auf Berührungen reagiert. Wenn sie negativ reagiert ist die nächste Stufe nicht über sie herfallen, sondern Mehr Attraction und mehr Komfort aufbauen und es dann noch einmal zu versuchen. Sprich: Hätte er sich an die klassischen Pickupschemata gehalten, dann hätte er erstens keine 1 1/2 Jahre rumgemacht und zweitens wäre es wohl eher besser für sie gelaufen.

Der Jüngling hatte dazu bereits  geschrieben:

Diese – pardon – Arschlöcher kotzen mich an. Nicht nur, weil ein solches Verhalten inakzeptabel ist und psychische Schäden anrichtet, sondern auch, weil damit PickUp in Verruf kommt. Da spricht man eine Frau an und muss sich auf einmal rechtfertigen, weil man in eine bestimmte Schublade gesteckt wird.

Ich hatte in den Kommentaren angemerkt:

Ich frage mich, wo das Pickup gewesen sein soll: 1 1/2 Jahre rumbaggern mit mal Interesse, mal Desinteresse, dann direkt über sie herfallen?

Wo soll denn das überhaupt einer Pickupschule entsprochen haben.

Bei jeder Geschichte die nicht aus schüchternen „ich liebe dich, du mich, du mich auch?“ besteht „Das hat er nur gemacht wegen Pickup“ zu schreien ist doch wirklich albern.

Im Gegenteil: Es ist weit eher zu vermuten, dass er mit den passenden Kenntnissen eben nicht einfach über sie hätte herfallen müssen. Er hätte mit cocky comedy angefangen, vielleicht etwas komfort aufgebaut, eskalierendes Kino und nicht den Überfall angewendet.

Mich kotzt sowohl ein solches Verhalten als auch die voreilige Bezeichnung als Pickup an

(…)

wenn man sonst [wenigstens] tatsächliche Pickuptechniken sehen könnte. Also meinetwegen zumindest mal einen klassischen Opener gefolgt von anderem definitiven Material, muss ja nicht gleich das Erdbeerfeld sein, aber zumindest irgendetwas, was es so nur im Pickup gibt.

Das Lustige ist ja, dass das Unangenehme meist eine völlige Abkehr von Pickup ist, hätten sie (wenn sie überhaupt Pickup gemacht haben) in der Situation Pickup weiter durchgezogen, dann wäre dadurch die Situation wesentlich besser und nicht schlechter geworden. (…)
Was sie da jeweils erkennbar wollte, ist das jemand in den Komfortbereich wechselt. Hätte derjenige Pickup konsequent betrieben, dann hätte sie es eher als schönen abend erlebt.

Aber klar, gerade bei Onyx und co ist einfach jedes schlechtes Erlebnis Pickup. Ende gelände. Ist ja auch einfacher

Das wird einem schnell den Vorwurf des „No true Scotsmen“ einbringen. Allerdings kann man aus meiner Sicht schon verlangen, dass derjenige, der behauptet, dass etwas Pickup ist, es zumindest mal im groben mit dem abgleicht, was im Pickup gelehrt wird. Dazu reicht es aus meiner Sicht nicht aus, dass man dort einzelne Elemente wiederfindet: Pickup hat so ziemlich alles verwertet, was es im konventionellen Flirten auch gibt, wenn es dort erfolgreich ist, es hat es aber eben auf eine bestimmte Form in ein Konzept eingebunden. Ohne dieses Konzept und nur in Rückgriff auf einzelne Elemente kann man kaum von Pickup sprechen.

In die gleiche Sparte fällt auch, dass schlechtes Pickup oder falsch angewendetes Pickup nicht gegen Pickup spricht.

Vgl auch:

Überblick: Pickup und Game

1. Allgemeine Grundlagen

2. Bestimmte Techniken

3. Pickup und Beziehungen und Komfort

4. Kritik an Pickup

5. Pickup und ich & Pickup und andere

6. Reguläres Flirten

7. Pickup und Wissenschaft

8. Videos etc von Pickupern

9. Anekdoten

10. „Nice Guys“

11. Nein heißt Nein

12. Vermischtes

Julien Blanc und Pickup

Monentan sorgt ein Pickup-Ausbilder von RSD (Real Social Dynamics), Julien Blanc, für Aufregung. Er soll Tipps gegeben haben, nach denen man einfach zu Frauen hingeht und ihren Kopf in den eigenen Schritt in Simulation eines Blowjobs drückt.

Feministinnen sehen darin, dass solche Seminare angeboten werden einen Nachweis bzw. eine erneute Bestätigung der Rape Culture und rufen dazu auf, Veranstaltungen überall zu stören, wo er auftreten will.

1. Material zu Julien Blanc

Dass Video, in dem er dies macht, ist wohl inzwischen leider gelöscht, ich habe nur noch diese Ausschnitte gefunden:

Aus dem Video:

When you go to Tokyo…if you’re a white male, you can do what you want. Just grab her, pull her in. She’ll giggle. Just say PIKACHU or POKEMON or something to take the pressure off. I’m romping through the streets (of Tokyo) just grabbing girls and it’s like (motions) head on dick (pfft) head on dick, yelling ‘PIKACHU’ with a Pikachu shirt on…Every foreigner who is white does this. When you see that one foreigner in the crowd in Tokyo and your eyes will lock and you know that he knows and he knows that and it’s this guilty look like you both fucked a hooker or something.

Hier beschreibt er zunächst, dass man sich als weißer Ausländer in Japan wohl so ziemlich alles erlauben kann und das er deswegen dazu übergegangen ist, sehr sehr direkt zu sein auf die oben geschilderte Art.

Ich finde sein Verhalten dort stark übergriffig, wenn es wirklich Leute sind, die er gerade erst auf der Straße getroffen hat, es also keine vorherige Interaktion gegeben hat, in dem sie Interesse gezeigt haben. Selbst dann wäre es immer noch stark übergriffig, je nachdem wie viel Druck er ausübt.

Sicherlich kann dies durchaus effektiv sein, weil ein paar der Frauen bei solchen Handlungen vielleicht dieses dominante Verhalten durchaus anziehend finden und rückwärts rationalisieren, dass er was haben muss, wenn sie so mit sich umgehen lassen. Zumal er abgesehen von diesen Videos in anderen Videos durchaus Charme hat und selbstsicher wirkt. Ich kann mir vorstellen, dass er es eher verkaufen kann als andere, was aber dennoch die Übergriffigkeit nicht rechtfertigt.

Ich habe in ein paar Videos von ihm reingeschaut, auf der Suche nach dem beanstandeten Material und er scheint abgesehen von seinem Japanausflug relativ normales Pickup zu verwenden.

Hier gibt er vernünftige Ratschläge, nach dem was ich gehört habe ist es alles auch nicht übergriffig. Er scheint eher ein gutes Auftreten zu haben.

Auch hier habe ich nichts besonderes entdeckt:

Anderes Material spricht dafür, dass er eine starke Dominanz-Schiene fährt, mit einem sehr autoritären und auch beleidigenden Ton, der sehr herausfordernd ist. Eine Menge Push-Pull, alles sehr schnell, so dass auch hier weil sie keine Zeit zu reagieren hat, eine Rationalisierung eintreten kann, dass er einen hohen Status hat und man das so akzeptiert hat. Auch dies ist kein Stil, den ich gut finden würde. Aber die Ego-Nummer, in der man selbst großartig ist, alles machen kann, alle Kritik weglächelt, habe ich auch – wenn auch in milderer Form und weit weniger aggressiv – schon in Aktion gesehen und sie klappt durchaus.

Ich bin dafür etwas frecher zu sein als man eigentlich normalerweise ist. Ich bin dafür auch durchaus sexuell und herausfordernd zu sein. Und die passenden Signale vorausgesetzt kann man auch einiges recht spontan machen. Sie niederzumachen finde ich jedoch falsch. Es würde mich interessieren, wie Frauen seine Interaktion erleben, also ob sie es witzig und frech finden oder zu einem großen Teil einfach nur aufdringlich. Bei der oben gezeigten Verkäuferin und den älteren Frauen wirkte es auch mich eher aufdringlich und so als würden sie nicht wissen, was sie machen sollen.

2. Julien Blanc Pickup als „Troll Game“

Auf „Return of Kings“ findet sich ein Text dazu, in dem seine Art Pickup zu betreiben, wie folgt beschrieben wird:

In her video, #TakeDownJulienBlanc creator Jennifer Li says:

What is messed up about this guys behavior is that one – he knows that what he is doing is wrong because he says in his video, “I didn’t know how much I could get away with,” and you don’t say I’m going to get away with something , if you don’t think that what you’re doing is wrong.

“I didn’t know how much I could get away with,” is  the voice of a child who was never taught boundaries. It is the voice of a child who never had a father to teach him right from wrong, or to give him meaningful challenges by which to discover the limits and abilities of his own powers.

Other RSD coaches have said that for Julien, the drama is the sex. Julien will actually continue to fuck with a girl he knows will go home with him because he enjoys creating an emotional roller coaster that more than getting laid. If that doesn’t sound like behavior learned from women, I don’t know what is.

Years before #TakeDownJulienBlanc, Julien made videos where he said his favorite way to open girls was to point and call them a dog. While this opener would offend women, it got their attention. Julien’s game is to troll women and then win them over by reframing his actions. If you’re offended by what he does, congrats, his game worked.

When Jezebel did a hit piece fellow RSD coach Jeffy Allen, Julien was jealous because he wanted to be the subject of that much drama. He emailed offensive messages to Jezebel editors hoping they’d cover him. I have no doubt that Julien is relishing much of the controversy that surrounds him now. No one would give him attention when he was a fatherless young man who wanted girls to talk to him, and now he’s got his own hashtag.

Das ist eine der Erfahrungen die man in dem Bereich häufiger macht: Es ist erstaunlich, mit wie viel man durchkommt, wie folgenlos bestimmte Sachen bleiben und das Frauen vieles davon auch einfach gut finden, es als Zeichen davon sehen, dass man selbstbewußt genug ist um soziale Regeln zu brechen, dass man genug Status hat, um über den Regeln zu stehen. Wir sind in einem Netz sozialer Ängste gefangen, die daraus entstanden sind, dass man wesentlich bekannter in seinem Umfeld war als in der heutigen anonymen Welt und sich schlechtes Verhalten damit erheblich nachteiliger auswirken konnte. Wenn man das übertreibt, dann kann man wie wohl Julien Blanc, einfach die Reaktionen der anderen ausblenden, sie für unwichtig erklären, und sich alles erlauben. Man schockiert damit, was man sich erlaubt um danach wieder relativ normal aufzutreten als wäre nichts passiert. Übrig bleibt bei den einen Verärgerung, bei den anderen die Einschätzung, dass man wohl jemand ist, der das darf. Gerade wenn man vorher ein Außenseiter war, dann kann das vielleicht zusätzlich befreiend wirken, weil es tatsächlich eine Form sozialer Macht ist. Allerdings um die Beeinträchtigung anderer erkauft.

3. Muss man deswegen gegen Pickup sein oder ist damit Pickup insgesamt abzulehnen?

Die Elemente, die Julien Blanc unangenehm und übergriffig machen, sind keine essentieller Bestandteil von Pickup. Sie entsprechen nicht kaum aus der Theorie herauszulösenden Elementen wie etwa dem Patriarchatsbegriff im Feminismus.

Man kann problemlos auf sie verzichten. Viele Ausrichtungen im Pickupbereich gehen in eine ganz andere Richtung, etwa indem man in „indirekt Game“ wesentlich zurückhaltender auftritt und eher einen Vorwand hat. „Direct Game“, bei dem man zusätzlich sehr aggressiv auftritt, ist insofern eine besondere Spielart von Julien Blanc, die sicherlich auch andere vertreten, die man aber nicht anwenden muss. Es steht jedem frei, Pickup auf eine Art zu praktizieren, die nicht erfordert, dass man die Köpfe von Frauen in den eigenen Schoss drückt.

4. Sollte man jetzt alle RSD-Seminare stören?

RSD ist eine große Gesellschaft, in der ganz verschiedene Stile zusammenkommen. Darunter sind genug, die einen vollkommen anderen Stil vertreten als das extreme Verhalten von Julien Blanc.

5. Weitere Artikel zu Pickup

„Frauen sind Neanderthalerinnen, die nur darauf warten, vor dem Typen, der am lautesten mit seiner Keule rasselt, verzückt auf die Knie zu sinken“

Robin rantet über Pickup.

Jemand schon mal was von “PickUp” gehört? (…) Dabei geht es um das für gewisse Kerle einzig interessante Thema: Ficken!

Nein, es geht um so viel mehr: Es geht um sexuelle Anziehung und Vertrauen, es geht um das, was Frauen attraktiv finden und was sie auch für eine Beziehung anzieht. Es geht darum, die Fehler zu verstehen, die man bisher gemach hat und sich weiterzuentwickeln und es geht auch darum ein erfülltes Sexleben zu haben. Das ist auch nichts schlimmes: Sex ist eine tolle Sache

Grundlage dieses Konzepts, das sich durch lächerlichen Fachsprech selbst den Anstrich angeblicher Wissenschaftlichkeit gibt, ist die Annahme, dass wir alle Opfer von Evolution und Biologie sind und rein gar nichts dagegen tun können.

Auch wenn sich Pickup und evolutionäre Psychologie und Evolutionsbiologie perfekt ergänzen sind nicht alle Pickupvertreter Anhänger biologischer oder evolutionärer Erklärungen. Es gibt hier auch soziale Erklärungsansätze oder der Erklärungsansatz wird schlicht als egal angesehen. Vielen Leuten im Pickupbereich ist Wissenschaftlichkeit auch schlicht egal. Sie sind Praktiker und machen, was klappt und was sich bewährt hat. Pickup ist wahnsinnig erfolgsbezogen. Wenn jemand mit einer Methode mehr Erfolg hat, dann ist er der neue Guru. Das sich dadurch die Wissenschaft ändert wäre den meisten wohl egal.

Weder Sozialisation, noch Kultur können uns das austreiben.

Können sie anscheinend auch nicht, sie können nur innerhalb der Grenzen modifizieren und ausgestalten. „Attraction is not a choice“ würde David DeAngelo sagen. Und das zeigt sich insoweit auch durchaus in der Geschichte. Wann war der Mann mit sozialem Status und Game nicht atraktiv? Wann waren junge, fruchbare Frauen nicht besonders attraktiv? Klar, dass gefällt einem nicht unbedingt. Aber das ändert nichts daran, dass bestimmte Attraktivitätsmuster vorgegeben sind. Selbst wenn man das sozial begründet ändert es wenig an unser gegenwärtigen Situation.

Damit ist unser ganzes Leben völlig auf Fortpflanzung ausgelegt, somit auch jede hervorragende Leistung eines Mannes in egal welchem Gebiet nur dazu da, sich als Alphamann zu profilieren und überhaupt hat Michelangelo die Sixtinische Kapelle ja nur angemalt, um die Chicks zu beeindrucken! (Wobei, war der nicht schwul?)

Bei einem Rant, wie Robin ihn hier vom Stapel läßt, kann man natürlich gerne etwas undifferenziert sein. Allerdings scheint hier selbst für einen Rant doch recht deutlich durch, dass Robin obwohl sie hier ja seit ein paar Jahren mitliest, nicht verstanden hat, warum Fortpflanzung eine so wichtige Rolle innerhalb der evolutionären Theorien spielt und warum es für die Theorien, nach denen eine sexuelle Selektion bewirkt hat, dass Frauen sich das Ergebnis einer intrasexuellen Konkurrenz zu nutze machen um genetisch vorteilhafte Partner zu erkennen, egal ist, ob Michelangelo schwul ist. Es geht nur darum, dass sich die Folgen dieser Evolution auch in seinem Kopf befinden. Es ist auch nicht wichtig, ob Michelangelo irgendjemanden beeindrucken wollte, der Wunsch, Großes zu leisten und dafür Anerkenntnis zu erhalten, kann auch abstrakt sein, solange dann großes geleistet wird und man Status aufbaut.

Die Prämisse von PU in aller Kürze:
Frauen sind Neanderthalerinnen, die nur darauf warten, vor dem Typen, der am lautesten mit seiner Keule rasselt, verzückt auf die Knie zu sinken.

Dass man immer auf den Neanderthalern rumhacken muss! Die können doch nun wirklich nichts dafür und waren vermutlich gar nicht so dumm. Wenn sind Frauen natürlich Homo Sapiens und wie männliche Homo Sapiens auch damit in der Grundkonfiguration zumindest 160.000 Jahre alt. Viele machen sich dabei nicht bewußt, dass die Steinzeit nicht so lang her ist. Sie begann vor etwa 2,6 Millionen Jahren und endete erst vor ca. 12.000 Jahren. Wenn man also davon ausgeht, dass der Homo Sapiens ganz überwiegend in der Steinzeit geprägt wurde, dann ist das keine sehr gewagte Hypothese. Zumal ansonsten wegen der Out of Afrika Theorie und des fehlenden Rückflusses ansonsten die dann entstandenen neuen Entwicklungen zu Abweichungen zwischen den in verschiedenen Gegenden lebenden Menschen führen müsste.

Aber das war eher ein Exkurs: Zurück zur Zusammenfassung von Robin:

Mit der Keule  rasseln reicht natürlich nicht aus. Die Theorien im Pickup sind deutlich differenzierter. Sie berücksichtigen sowohl Attraktion, von dem Keulenrasseln ein Teil sein kann, aber wo auch berücksichtigt wird, dass man nicht zu sehr protzen darf, weil es sonst needy wirkt, als auch die Frage, wie man am besten mit dem Keulenrasseln beginnt, wieviel man rasselt, was man macht, wenn andere schöne Keulen haben und wann man mit dem Rasseln aufhören muss, und schauen muss, und schauen muss, dass sie sich einem gegenüber qualifiziert und deutlich macht, dass sie auch gut rasseln kann und man zusammen rasseln sollte. Und dann muss eben der Übergang zu Komfort auch noch dazukommen, also Vertrauen etc.

Bedauerlicherweise (für PUAs) sind diese Urtriebe bei Frauen von einer Patina aus Erziehung, Kultivierung und fehlgeleiteter Emanzipation überzogen, die Frauen tatsächlich weisgemacht hat, es gäbe mehr im Leben als nach dem perfekten Mann zu suchen, dem sie dann Kuchen backen und die Höhle heimelig gestalten können. Aber PUAs haben das durchschaut und die Fähigkeit, die versteckten Evo-Knöpfchen zu finden und zu drücken, zur Kunst erhoben! Halleluja!

So überzogen sind die Urtriebe gar nicht, sie sind nicht überwachsen und verschüttet, sondern sie liegen durchaus offen und warten auf Signale. Zwar anders als Robin sich das vorstellt, aber dennoch.

Warum sie das allerdings mit der Vorstellung verbinden muss, dass Pickuper eine Frau wollen, die dann Kuchen backt und die Höhle heimelig macht, dass führt sie leider wie alles nicht weiter aus. Eine solche Passage findet sich auch im Pickup nicht. Nur weil sexuelle Anziehung keine Wahl ist, die man treffen kann, legt einen das nicht auf die Rolle als Hausfrau fest. Man kann natürlich auch nicht Hausfrau sein und auf Alphamänner stehen, zB als Alphafrau daneben. Eine Rollenzuteilung, nach der sie den Haushalt führt, ist weder mit Pickup noch mit evolutionärer Psychologie verbunden. Gerade wenn es nur um Sex geht, dann kann auch in beider Hinsicht das Kuchen backen und die Höhle heimelig gestalten relativ egal sein. Das mag sie dann für einen anderen machen oder auch gar nicht, es betrifft eine Kurzzeitstrategie nicht. Ein gutes Beispiel wären unsere nächsten Verwandten, sowohl bei den Chimpansen als auch den Gorillas stehen die Weibchen auf ranghohe Männchen (bei den Gorillas teilweise notgedrungen) und sind gleichzeitig die „Erwerbstätigen“, ohne das sie für den Mann Dienste erledigen. Sie sind sozusagen emanzipierte Alleinerziehende, die eine Unterstützung durch den Mann nicht wollen oder brauchen (gut, sie würden sie auch faktisch nicht bekommen, weil ihre Biologie das gar nicht vorsieht, aber das ist eine andere Sache).

Es ist ganz einfach: Da Frauen nur auf Alphamänner stehen, muss man sich selbst als einer präsentieren, um zum Schuss zu kommen. Dominanz und Status sind alles!

Ein hübscher Strohmann. Natürlich stehen nicht alle Frauen nur auf Alphamänner, aber Alphamänner kommen weit überproportional gut an, wenn sie das noch mit dem passenden Komfort kombinieren können.

Das Schöne an diesem Konzept aber ist, dass man schnell jeden Typen zum “Alpha” labern kann, der Erfolg bei Frauen hat. Klar, Anzüge tragen, Ferrari fahren, überhaupt mit Geld um sich werfen und sich einen Scheißdreck darum scheren, was andere von einem halten, ist natürlich das ultimative Ziel, aber wenn irgendein langhaariger Loser ohne Job und Geld eine klarmacht, dann ist langhaarig, erfolglos und Pleite sein halt in dessen Peer-Group auch irgendwie Status. Niemals nicht kann das vielleicht einfach nur daran liegen, dass der Typ gut aussieht. Denn das kann man ja nur sehr eingeschränkt beeinflussen, womit sich kein Geld verdienen lässt!

Auch hier ein ziemlicher Strohmann. Robin stellt hier Thesen als Pickup dar, die dort so gar nicht vertreten werden. In ihrer Darstellung ist es natürlich beliebig, es fehlt halt nur eine Anbindung an derartige Behauptungen aus dem Pickup-Bereich.

Natürlich kann man auch Alpha-Eigenschaften definieren, ebenso wie sozialen Status. Das Alphamann-Konzept ist ja auch nicht vom Pickup erfunden worden, es hat einen weiten zoologischen Unterbau. Ich nehme mal die klassische Definition aus der Wikipedia, die ich bereits in meinem Artikel zu Alphamännern zitiert habe:

In social animals, the alpha is the individual in the community with the highest rank. Where one male and one female fulfill this role, they are referred to as the alpha pair (the term varies when several females fulfill this role – it is extremely rare among mammals for several males to fulfill this role with one female). Other animals in the same social group may exhibit deference or other symbolic signs of respect particular to their species towards the alpha.

Der „höchste Rang“ ist sicherlich auch noch ein relativ unbestimmter Begriff. Aber wir Menschen können uns eigentlich sehr gut etwas darunter vorstellen, wir nehmen Zeichen für Achtung und Respekt und Demutsgesten symbolischer Art durchaus gut auf, weil wir eben Tiere mit einem Statuskonzept sind.

Was Robin als Beliebigkeit deutet ist schlicht die Folge davon, dass in verschiedenen Gruppen der Rank innerhalb der Gruppe  nach verschiedenen Kriterien ausgebildet werden kann. Rank ist insofern ein Begriff, der kulturell ausgestaltet werden kann, aber dabei dennoch einen Wesenskern hat: Respekt, Anerkennung und eine gewisse Form der Unterordnung innerhalb der Gruppe bzw. bei der Person, die die Sache betrachtet.

Einen Anzug zu tragen und Ferrari zu fahren und mit Geld um sich zu schmeißen kann danach Alpha sein oder auch nicht. Denn Geld verleiht einem nur eingeschränkte Anerkennung und führt auch nicht dazu, dass einem Leute gerne folgen wollen. Es kann recht offensichtlich sein, dass die Leute allenfalls das Geld respektieren und dem Geld hinterherlaufen, den Mann dazu aber verachten. Es kann auch der Eindruck entstehen, dass der Mann nicht davon ausgeht, dass ihn die Leute respektieren und er sie und ihre Gesellschaft kaufen muss. Beides sind keine Eigenschaften eines Alphamannes. Gibt man dem rangniedrigsten Mitglied einer Affengruppe einen Stapel Bananen wird er damit auch nicht zum Alpha. Er kann damit seine Position vielleicht kurzzeitig verbessern, aber es wird in der Regel klar bleiben, wer tatsächlich der Alpha der Gruppe ist.

Und wenn ein langhaariger Loser ohne Job und Geld eine klarmacht, dann spricht das bei einer hinreichenden Defintion von „Looser“ auch nicht dagegen, dass er dennoch ein Alphamann ist. Denn auch wenn er kein Geld hat, dann kann eben sein Charisma, seine allgemeine Ausstrahlung oder seine sonstigen Eigenschaften dazu führen, dass er in der Gruppe derjenige ist, den die anderen aus seinem sozialen Umfeld am meisten respektieren.

Und natürlich kann auch sein gutes Aussehen eine Rolle spielen. Das ist im Pickup eigentlich relativ unstreitig. Gleichzeitig kann eben auch ein hässlicher Mann, der genug Status hat, bei Frauen sehr gut ankommen. Diverse Hollywoodstars oder Rockstars bestätigen dies recht nachhaltig.

Zudem: Natürlich muss man auch nicht der coolste Typ von allen sein um überhaupt irgendeine Frau zu bekommen. Es geht darum, genug sexuelles Interesse bei der jeweiligen Frau aufzubauen und welche Hürde man dabei überspringen muss, hängt natürlich auch von der jeweiligen Frau ab. Eine 5 verlangt insofern eine andere Vorgehensweise als eine 10 und das natürlich auch in Abhängigkeit von Faktoren wie der eigenen Schönheit. Hier ist auch zu bedenken, dass es natürlich ein „Übergamen“ geben kann. Einer 10 wird ein bestimmtes Verhalten vielleicht interessant finden, bei dem sich eine 5 wundert, warum er, wenn er so cool ist, gerade sie anmacht. Eine schüchterne Frau wird bei einem sehr energiegeladenen Auftreten vielleicht einfach daran zweifeln, dass die beiden eine tatsächliche Basis haben.

Das macht diese Theorie im Grunde absolut nicht falsifizierbar, da alles Status sein kann und jeder erfolgreiche Flirt durch PU erklärt wird.

Die Beliebigkeit von Status ist ein Strohmann, weswegen das Argument eh schon ins Leere geht. Das ein Begriff sozial verschieden ausgefüllt werden kann, macht ihn nicht beliebig, solange er bestimmten Regeln folgt, denen die Ausformung unterliegt. Innerhalb dieser könnte man natürlich auch Studien über Theorien aus dem Pickup-Bereich erstellen und dabei genaue Parameter aufstellen, die jeweils sicherstellen, dass auch die passenden Aussagen überprüft werden können. Das scheint mir für Studien im sozialen Bereich auch nicht ungewöhnlich zu sein. Beispielsweise kann man durch unabhängige Personen bewerten lassen, ob diese Person in den jeweiligen Situationen nach bestimmten Kriterien Status hatte oder nicht und dann den Flirterfolg damit vergleichen. Oder man stellt bestimmte Personen in Situationen dar, in denen sie einen unterschiedlichen Status haben, beispielsweise bei Interaktionen innerhalb einer Gruppe, und lässt im Anschluss die Attraktivität der Personen bzw. die Bereitschaft mit diesen zu schlafen oder mit ihnen auf ein Date zu gehen bewerten. Dabei kann man auch Schauspieler bestimmte Rollen spielen lassen um so zu schauen, wie sich deren Bewertung bei gleicher körperlicher Attraktivität durch verschiedene Rollen verändert.

Selbst Basics, die schon unsere Großeltern wussten (beispielsweise, dass man gepflegt besser ankommt, als wenn man zehn Meter gegen den Wind stinkt) werden von PU vereinnahmt und so präsentiert, als hätte man die Relativitätstheorie entdeckt.

Warum sollte eine umfassend Flirttheorie auch solche Basics ausnehmen? Das wäre ja eine sehr merkwürdige Theorie, die solche Basics nicht mit einbezieht. Insofern ein merkwürdiger Vorwurf. Auch der Vorwurf der Übertreibung bei der Aneignung ist allenfalls durch ein schlechtes Beispiel erläutert: Seitenlange Ausführungen, nach denen Pickup die persönliche Hygiene erfunden hat, habe ich jedenfalls aus dem Bereich noch nicht gelesen. Allenfalls ein „braucht man ja nicht zu sagen: Aber man sollte gepflegt aufteten“).

PUAs glauben, Frauen seien die Herrscherinnen des Schlafzimmers, denn Eier sind teuer, Sperma ist billig blabla und außerdem haben Frauen ja eigentlich eh kaum ne eigene Libido. Dies führe bei Frauen zu der Vorstellung, dass Männer Bittsteller sind, die um Sex betteln, da sie den ja so viel nötiger haben als Frauen.

Viele PUAs haben ebenfalls die Überzeugung, dass Frauen genauso viel Sex wollen wie Männer und würden anderes vielleicht als Limiting Belief abtun oder auf eine soziale Begründung abstellen. Es ist auch insoweit eine zwar unzutreffende aber hilfreiche Einstellung, da sie einen unproblematischer Sex von Frauen fordern lässt. Aus meiner Sicht ist PUA eher eine Angebotsverbesserung, bei der Frauen dann doch zuschlagen wollen, dass ändert aber nichts daran, dass man bei Männern die gleichen Probleme nicht hätte. Bester Beweis: Die Schwulenszene mit einer wesentlich lockeren Einstellung zu Sex bei der Game in dieser Hinsicht weit aus weniger erforderlich ist. Frauen haben natürlich eine Libido, aber sie ist insofern schwächer ausgestaltet, gerade was unverbindlichen Sex ohne große persönliche Beziehung betrifft.

Ein echter Alpha interessiert das natürlich nicht! Alphas können ja jede haben. Wer also den Eindruck vermittelt, überhaupt kein Interesse an der Frau ihm gegenüber zu haben, macht sich selbst umso interessanter. Logisch, ne? Umgesetzt in ein konkretes Flirtverhalten äußert sich das in einem “Mädel, ich als ultimativer Macker bin ja so viel besser als du”-Gehabe. Das kann erreicht werden durch eine enervierend süffisante Haltung oder auch schlicht Beleidigungen.

Kein Wunder, dass Robin Pickup nicht mag: In ihrer Darstellung, die zwar nichts mit Pickup zu tun hat, klingt es auch fürchterlich. Beleidigungen im Pickup? Ich dachte wir hätten inzwischen hinreichend geklärt, dass Beleidigungen nichts mit Pickup zu tun haben und Negs keine Beleidigungen sind:

Hier aus früheren Ausführungen dazu von mir:

Es geht also nicht darum, sie zu beleidigen, sondern etwas mit ihr zu spielen und ihr das Gefühl zu geben, dass man nicht wie die anderen ist. Es ist im Endeffekt die Darstellung eines höheren Status, der dadurch verdeutlicht wird, dass man sie trotz eines hohen Wertes nicht automatisch will. Es kann richtig ausgeführt dazu führen, dass sie sich fragt, warum er sich nicht wie die anderen verhält und warum er sie nicht genau wie die anderen automatisch will. Es geht nicht darum, sie fertig zu machen, sondern darum, sie etwas neugierig zu machen. Mit der richtigen Frau wird es ein hin und her, ein Spiel zwischen beiden, durch das Spannung aufgebaut wird. Es geht insofern darum, das sie einen als normale Person von gleichen Wert sehen kann, indem man ihr deutlich macht, dass man ihr nicht bereits nur wegen ihrer Schönheit verfallen ist.

Weil es darum geht, dass man die Frau nicht wie die anderen auf ein Podest stellt, muss man es eben auch an die jeweilige Frau anpassen und ein „übernegen“ vermeiden. Jede Beleidigung ist letztendlich ein solches Übertreiben, es geht nicht darum, dass sie beleidigt ist, sondern, dass sie sich fragt, warum dieser Typ sie nicht will. Protzen ist auch nicht Pickup, da es schlicht needy wirkt. Wer einen tatsächlichen hohen Wert hat, der muss mit ihm nicht protzen, er hat ihn und er wird auch so deutlich, ohne das er über Gebühr betont wird.

Dieser Typ schaffte es also, mich massiv anzumachen und mir gleichzeitig das Gefühl zu geben, dass er mich für eine absolute Idiotin hält (die vermutlich froh sein soll, von diesem Gottesgeschenk an die Weiblichkeit überhaupt beachtet zu werden). Am meisten habe ich noch im Gedächtnis, dass er alles hinterfragte, was ich von mir gab. Wirklich ALLES. Darunter auch Aussagen zu meinem Alter (abgesehen von meiner Mutter dürfte ich selbst die Person sein, die am besten weiß, wie alt ich bin), zu meinem Studium (nicht zu den Inhalten, sondern tatsächlich, WAS ist studiere!) und so weiter. Gönnerhafte Kommentare zu meinen Dartkünsten (ich ließ mich zu einem Spiel breitschlagen… und war BESSER als er) hätten den Sack dann zugemacht, wäre er nicht schon vorher zu gewesen.

Ich frage mich wirklich, warum sie meint, dass dieser Typ Pickup verwendet hat. Wenn er das gemacht hätte und sich etwas mit der Theorie auseinandergesetzt hätte, dann hätte er gemerkt, dass eine spielerische Herausforderung und etwas frech sein gut ist, beleidigen und angeben aber schlecht sind. Er hätte passend kalibriert und statt auf protzen eher auf cocky comedy gesetzt bzw. den Übergang zur Komfortzone nicht verpasst. Denn:

Das Tragische daran ist, dass ich den Kerl wirklich süß fand, rein optisch gesehen. Genau mein Typ! Ein freundliches Gespräch hätte ihm alle Optionen eröffnet.

Also: Attraktion war vorhanden. Interessanterweise hat sich Robin sogar auf ein Spiel mit ihm eingelassen, obwohl sie ihn hier als Arschloch schildert (oder weil?), er hätte also die IOIs aufnehmen können und es wäre zeit gewesen aus der „A2 Phase“ in der es darum geht, dass sie ihn gut findet, in die „A3 Phase – Male-to-Female Interest“ zu kommen. Da hätte er nur etwas finden müssen, was ihm erlaubt sie gut zu finden. Also ein paar Ansichten von ihr nicht hinterfragen, festzustellen, dass sie und er was gemeinsam haben, an ihrem Studium etwas zu finden, weswegen sie ein toller Mensch ist, der zu ihm passt. Ein „Endlich mal eine Frau, die vernünftig Dart spielt und keine Angst hat ihre Meinung zu sagen“ hätte er passend umschalten können, vielleicht noch mit ein paar Spielereien im Sinne eines Bait Hook release. Irgendwas, womit er ihren Geltungsdrang, besser zu sein, in etwas positives Reframed und vielleicht darin umdeutet, dass sie sich ja anzustrengen scheint um ihm einen guten Kampf zu liefern. Und dann eben der Übergang zu Komfort. Wenn sie schon von der Bar weg waren und sie mit ihm Dart gespielt hat, dann wären sie ja schon im Bereich „isolation“ gewesen und er hätte damit beste Voraussetzungen gehabt:

The ultimate goal of comfort is both of you can relax together, sharing intimacies without worrying. Before you build comfort, isolate the target from her friends possible, whether physically or verbally.

Robins Klage, dass er mal lieber besseres Pickup verwendet hätte und die Stufen weiter durchgezogen hätte liest sich dann wie folgt:

 Aber nee, lieber führt Mann sich wie ein Arschloch auf, weil voll Alpha und so. Doch leider wird man durch Arschloch-Benehmen nicht zu einem guten Flirter, sondern zu einem Arschloch!

Robin berichtet dann von einem weiteren Mann, einem Freund von einer Freundin, der mit Pickup angefangen hatte. Er schien sehr davon besessen zu sein, dass Größe wichtig ist.

So saß ich mit beiden in einer Bar und bekam mit, wie sie sich anfingen zu streiten. Das Thema war schnell ermittelt, als sich meine Ex-Kollegin mit blitzenden Augen zu mir drehte und zische: “Kannst du dem bitte mal sagen, dass er groß genug ist?!”

Ich musterte ihn von Kopf bis Fuß. “Alter, du bist groß genug.”
Er lächelte über so viel Naivität. “Aber es wäre besser, wenn ich NOCH größer wäre.”
“Wie groß bist du denn?”
“Eins-dreiundachzig.”
“Ähm, das reicht doch?!”
“Fünf Zentimeter mehr wären aber besser,” erwiderte er im jammerigsten Tonfall.
Ich facepalmte innerlich und wusste genau, worauf das hinauslief, aber ich fragte dennoch nach, wieso er das für besser hielt.
Die Antwort natürlich: “Frauen stehen auf große Männer!”

Da hat er auch grundsätzlich recht. Größe ist ein sehr relevantes Kriterium für viele Frauen und die meisten wollen einen Freund, der größer ist als sie. Auch hier allerdings hätte der als Beispiel für dir Fürchterlichkeit von Pickup vorgezeigte allerdings das Leben für Robin und seine Freundin angenehmer machen können, wenn er die Pickup-Prinzipien tatsächlich beherzigt hätte. Denn dann hätte er gemerkt, dass es egal ist, ob große Männer etwas attraktiver sind und dass das Jammern über diesen Umstand letztendlich auch nur ein Limiting Belief ist, da er es nicht ändern kann. Er hätte sich zudem bewußt gemacht, dass es nichts falscheres gibt als ausgerechnet vor seiner Freundin darüber zu jammern. Statt dessen hätte er (lustigerweise genau die von Robin oben kritisierte) Einsicht gehabt, dass körperliches unwesentlich(er) ist, wenn man Status und Game hat, hätte an seinem Inner Game gearbeitet und sich vielleicht zudem bewußt gemacht, dass 1.83 eine durchschnittliche Größe ist.

Der nächste Typ ging dann wie folgt vor:

Nein, eigentlich SPRANG er mir eher in den Weg. Es war in meiner Stammdisco. Ich befand mich auf dem Weg in den Raucherbereich, als sich plötzlich ein Typ vor mich warf und sofort anfing, auf mich einzureden.

Ich kann leider auch hier nicht wiedergeben, was es genau war. Dieses Mal nicht, weil ich betrunken war (kaum), sondern weil es schwer ist, sich so viel Bullshit auf einmal zu merken. Wasserfallartig texte dieser Kerl mich zu und redete offensichtlich nur, weil er ein Wortminimum zu erfüllen hatte!

Auch hier fragt man sich, warum das Pickup sein soll – es gibt genug Männer, die noch nie von Pickup gehört haben, aber „Zulabern“ für eine gute Idee halten. Dabei geht Pickup zwar davon aus, dass man am Anfang meist mehr reden muss als die Frau, aber dennoch stellen die meisten Opener zumindest darauf ab, dass sie Interesse bekunden kann, dass man sie bei einem indirekten Opener irgendetwas fragt, auf das sie reagieren muss, dass man in eine Interaktion eintritt, bei der sie ebenfalls zumindest ein wenig in die Sache investiert. „Wortschwall“ ist kein Pickup.

„Aber ich habe dadurch gelernt, dass die Strategie vieler PUAs darin besteht, eine Frau einfach sinnlos vollzulabern, bis sie entkräftet aufgibt und in seine Arme sinkt. So ein Exemplar schien ich vor mir zu haben.“

Ein etwas geringer Anhaltspunkt. Tatsächlich scheint mir diese Vorgehensweise in dieser undifferenzierten Form eher typisch Nicht-Pickup zu sein. Was dann vielleicht auch seine nachfolgende Überraschung erklärt als sie ihn fragt, ob er Pickup ausprobiert.

Den tollsten Vertreter dieser Spezies traf ich dann aber noch etwas später in der selben Disco. Bis dahin war das ein hammergeiler Abend gewesen. Ich war mit Mitbewohner David unterwegs, die Musik war ultragenial, wir tanzten viel, ich fühlte mich superwohl. Einfach ein richtig schöner Abend!
Irgendwann verzog ich mich für eine Zigarette, während Mitbewohner David weiter auf der Tanzfläche abging. Ich stand da, die Kippe in der Hand und war einfach richtig happy. Das war der Zeitpunkt, als einer dieser Möchtegern-Aufreißer auf mich zu kam und meinen Blick suchte. Ich lächelte ihn knapp an – nicht, weil er mir gefiel, sondern weil ich gelernt habe, dass man das so macht, wenn man ein menschliches Wesen vor sich hat.

Das war leider für ihn ein Signal, mich anzulabern. Und was er sagte war: “Wow, du siehst ja so richtig unzufrieden aus!”

Mir fiel ALLES aus dem Gesicht. Wie gesagt – mir ging es gerade richtig gut! Alles war toll! Und dann kommt dieser Kerl und erzählt mir, ich würde unzufrieden aussehen?!

Richtig, der alte Pickup-Trick jemanden NEGATIVE Stimmungen zu unterstellen. Das führt meist zu einer sehr positiven Anmache (nicht!). Wie ordnet Robin es ein:

Natürlich – der meinte das ja gar nicht so! Ich sah im Gegenteil ZU zufrieden aus! Was natürlich nicht geht… eine zufriedene Frau ist eine selbstsichere Frau und selbstsichere Frauen lassen sich nicht von PUAs abschleppen! Es galt also, mich zu verunsichern. Ihr wisst schon, Dominanz zeigen, damit er einen auf Alpha machen kann!

Aber statt völlig zusammen zu brechen, was wohl sein Ziel gewesen war, wurde ich ein bisschen sauer. “Ähm, Hallo? Was ist denn das bitte für ein Spruch?” ging ich direkt auf Konfrontationskurs. Das brachte ihn ins Schwimmen, auch wenn er versuchte, Contenance zu bewahren. Ich war aber so von den Socken, dass ich ein Mädel hinter mir anhaute. “Stell dir vor, was der gerade zu mir gesagt hat!”
Sie hörte es sich an und wirkte ebenso verblüfft. “Also wirklich, sowas sagt man doch nicht,” meinte sie tadelnd.
Er versuchte, das Ganze als Witz hinzustellen (“Du siehst unzufrieden aus” – höhö, superwitzig). Da war mir schon klar, dass ich hier jemanden vor mir hatte, der ein Programm abspulte. Und diese Erkenntnis war immerhin interessant genug, dass ich nicht direkt flüchtete. Mal sehen, was der sonst noch so probierte.

Nein Robin, das hat mit Pickup nichts zu tun. Weil es gar nicht darum geht dich zu verunsichern. Der Neg hat eine ganz andere Richtung. Aber das hatte ich ja oben schon geschrieben. Man nutzt ihn bei Frauen, die zu häufig aufs Podest gestellt werden um ihnen deutlich zu machen, dass man sich insoweit nicht davon beeinflussen lässt. Nicht um sie niederzumachen. Gerade selbstsichere Frauen kommen aus meiner Sicht besser mit Pickup zurecht: Sie lassen sich eher auf einen spielerischen Wettstreit ein, der etwa durch Cocky Comedy entsteht, weil sie meinen, dass sie mithalten können und es genießen, dass jemand mal ein paar Spannungen hält, statt sie gleich wieder abzubauen. Der Typ mag ein Programm abgespult haben, Pickup war es aber nicht. Wenn es ein Beispiel für schlechtes Flirten ist, dann eher für konventionelles Flirten, in dem Männer meinen, dass sie Frauen retten müssen, und sei es vor sich selbst und ihrer schlechten Laune. Die als weiße Ritter herbeieilen, um die holde Maid zu unterhalten.

Ich hätte es mir nicht schlimmer ausmalen können. Wir, naja, “unterhielten” uns über das Studium (ich antwortete einsilbig). Als ich auf Nachfrage meinte, dass ich gerne wieder zurück nach Hause will, wenn ich fertig bin, antwortete der doch tatsächlich: “Klar, du machst definitiv den Eindruck, total heimatverbunden zu sein!”
Von der völlig idiotischen Überschwänglichkeit abgesehen: Wir kannten uns ZWEI Minuten. Steh ich drauf, von einem komplett Fremden zu hören, was ich für eine Persönlichkeit habe?

Der arme Kerl. Da dachte er endlich, er könnte etwas Punkte wieder gut machen, indem er ihr Heimweh gut findet und Robin geht wegen einer Pickup-Paranoia an die Decke.

An dieser Stelle dann wieder mein Standardspruch: “Probierst du gerade PickUp bei mir aus?”
Wieder kein “Hä?”. Wie lame.

Das „Hä“ könnte auch einfach daraus folgen, dass er keine Ahnung hatte, was sie eigentlich meint. Der arme Kerl hatte vielleicht einfach nur versucht so gut wie möglich zu flirten, indem er Hilfe anbietet.

Später sah ich ihn an der Tanzfläche stehen und mich beobachten. Er winkte mich zu sich. Dumm, wie ich bin, ging ich hin und wandte den Kopf, weil ich dachte, dass er mir etwas sagen wolle. Stattdessen packte er meine Hand. Ich, konsterniert, wollte sie wegziehen, doch er umklammerte mein Handgelenk so fest, dass ich mich wirklich losreißen musste. “Darauf steht wirklich keine Frau!” teilte ich ihm mit, als ich das geschafft hatte.

Seine Antwort: “Scheiß auf dich!” – und ein beleidigter Abgang.

Tja, PUAs und ihre verletzten Gefühlchen.

Eher wohl Männer und ihre verletzten Gefühle. Mit Pickup hatte auch das nichts zu tun. Auch hier wäre Robins Leben angenehmer gewesen, wenn er tatsächlich Ahnung von Pickup gehabt hätte. Dann hätte er nämlich gerade nicht versucht, ihr Handgelenk zu greifen. Er hätte sich entweder ganz im Sinne von Style mit einem „Nett, dich getroffen zu haben“ verabschiedet“ und hätte bei einer anderen neu angefangen oder bei ihr einen neuen Ansatz versucht. Entweder indem er es zugegeben hätte und sie gefragt hätte, ob sie sich jetzt mal normal unterhalten können oder indem er irgendwie anders an das vorherige Gespräch anschließt.

All das war nicht gerade dazu angetan, meine Begeisterung für PU zu erhöhen. Abgesehen davon, dass ein Mann, der sein ganzes Leben danach ausrichtet, mit möglichst vielen Frauen möglichst viel Sex zu haben, in meinen Augen so tiefsinnig wie eine Regenpfütze ist, wirkt die Verzweiflung, die sich in der Nutzung kleiner PU-Psychospielchen äußert, für mich so ziemlich als das Gegenteil von “Alpha”.

Lustigerweise zeigen alle Beispiele, die sie gebracht hat, dass die Interaktionen mit Pickup wesentlich besser verlaufen wären. So hat sie ein paar Jungs niedergemacht, die wahrscheinlich keine Ahnung von Pickup hatten. Ihr geheiligter Zorn geht – wieder mal – fehl.

Pickup hätte die Abende für sie angenehmer machen können.