Richard Dawkins und Steven Rose

Zu Steven Rose und seiner Kritik an Dawkins:

Steven Rose seems to have a rather different worry about neo-Darwinism. The main message discernible through his polemic is that thinkers like Dawkins fail to appreciate the complexity of biological processes. Rose, a biochemist who works on memory, describes some of the intricate chemical arrangements by which strings of DNA influence the development of adult organisms. In particular, he gives us an idea of the elaborate feedback mechanisms that allow our bodies to develop and maintain stable structures.

Much of this is of interest in its own right, but it is hard to see why Rose thinks it amounts to an objection to neo-Darwinism. It is scarcely as if his opponents deny that genes work through complicated mechanisms. The reason they skip the chemical details is simply that they don’t think they are crucial to our understanding of natural selection. You don’t need to know about gasoline molecules to be a good car mechanic. Rose seems to be missing his target. It is one thing to argue, as Gould does, that neo-Darwinism fails in its ambitions. But Rose is pointing to ambitions his opponents never had.

A rather different reason for caring about biochemical complexity emerges in his penultimate chapter, where Rose takes issue with public announcements that scientists have now identified the gene “for“ criminality, or homosexuality, or alcoholism, or what you will. He is rightly outraged by the moronic political thinking that normally accompanies these declarations. He knows that the influence of DNA chemistry is far too fragile and environmentally mediated for any simple gene-character determinism. However, this point again misses his ostensible opponents. While there are too many vulgar sociobiologists ready to hold forth about “criminal genes“ and so on, it is striking that no leading neo-Darwinian theorist is quoted by Rose as doing so. This is no accident. Dawkins and his associates are not genetic determinists, nor does their theory require that they be. But the fervor of Rose’s political commitments makes him impatient with such nice distinctions. “Genes bad, environment good“ seems to be the slogan, and anybody who thinks that genes matter to evolution is lumped together with Nazi eugenicists.

Perhaps there is another reason for Rose’s antipathy to the neo-Darwinians. Theoretical biologists sometimes seem to be divided by esthetic considerations as much as scientific ones. Where purists like Dawkins thrill to the cold logic of mathematical rigor, pluralists like Gould get their pleasures from the tangled bank of biological diversity. I suspect this is why the debate often seems so intangible. They aren’t arguing about the facts, but about which is more fun — the ingenious equations of population genetics or the curious contrivances of the flamingo’s beak and the panda’s thumb. Given this, it is not surprising that the two sides can’t agree. Who is to say if there is more value in the lucidity of mathematics or in the variety of nature?

Even though he earns his living as a hard scientist, Rose is clearly not someone who is inspired by mathematical lucidity. Halfway through the book he explains, in presumed sympathy with his readers, that he is among those who “hate equations and find these algebraic representations hard to follow.“ A number of other comments confirm his aversion to mathematical science. High school students may well be puzzled by his claim that it has only recently become possible to model mathematically “what might be happening when several variables alter at the same time,“ or by his assertion, three pages later, that “today both heat and light are seen as forms of electromagnetic radiation.“

In the end it may be this impatience with mathematical abstraction, rather than his political commitments, that explains Rose’s antagonism to the neo-Darwinians. He repeatedly starts off toward some technical issue, only to veer away as the crucial point looms near, as if it would be improper to allow mathematical niceties to cloud our judgment. Some readers may sympathize. But those who find pleasure in mathematical clarity as well as in biological oddity are likely to find this a frustrating book. If you want to find out about the logic of modern Darwinian theory, you will do better to look elsewhere.

Und zu seinem Buch „Darwins gefährliche Erben

Als der Abt Gregor Mendel seine revolutionären Kreuzungsexperimente machte, hatte er wohl nur eines im Sinn: die Evolutionstheorie zu widerlegen. Die Grundeinheiten der Vererbung, auf die er dann stieß, hielt er fälschlich für unveränderliche Teilchen, von denen jedes für die Ausprägung eines einzigen Merkmals zuständig sein sollte.

Heute gibt es Biologen, die alles auf das Wirken bestimmter Gene zurückführen – von Gewalttätigkeit und Drogensucht bis hin zu Homosexualität und politische Gesinnung. Der englische Neurobiologe Steven Rose macht hierfür eine Ideologie des Reduktionismus und Ultra-Darwinismus verantwortlich. Für ihren rigorosesten Verfechter hält er Richard Dawkins: „Johannes der Täufer der Soziobiologie“.

In Dawkins‘ Soziobiologie dreht sich alles um das isolierte, „ egoistische“ Gen: der Organismus als Überlebensmaschine, die dazu dient, die Reproduktion der Gene zu gewährleisten. In allem, was er ist und tut, zeigt sich, daß er der Diktatur der Gene unterworfen ist.

Für Steven Rose hingegen ist nicht das Gen, sondern der Organismus die elementare Einheit des Lebens. Und für den Organismus ist charakteristisch, daß er permanent auf seine Umgebung einwirkt, sich dadurch selbst formt und verändert. Dabei lassen ihm seine Gene durchaus einen Freiheitsspielraum. Den gesteht Dawkins nur dem Menschen zu. Er beruft sich dabei auf eine Metaphysik des freien Willens, die jedoch nach Auffassung von Rose in der Biologie nichts zu suchen hat.

Hier wird eigentlich schön deutlich, dass er gar nicht versteht, warum das egoistische Gen so elementar ist: Einwirkung auf die Umwelt durch den Organismus ist bei evolutionärer Betrachtung unwesentlich, weil diese Informationen nicht langfristig an die nächsten Generationen weitergegeben werden, weitergegeben werden eben nur die Gene. Allenfalls wird die Veranlagung auf die Umwelt weiterzugeben, soweit sie auf Genen beruht, in die nächsten Generationen übertragen. Die Idee des egoistischen Gens ist eigentlich recht einfach zu verstehen, scheint aber für einige Leute schlicht nicht ins Weltbild zu passen. Sie verschließen sich damit selbst dem Verständnis dieses Konzepts. Notgedrungen muss ihre Kritik daran entsprechend schwach ausfallen.

Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl

1. Grundlegendes

2. Evolutionär relevanter Zeitraum

3. Sexuelle Selektion

4. Signalling

5. Kinder/Jugend/Spielen

6. Hormone

7. Verschiedene Konzepte

8. Geist vs Körper

9. Partnerwahl

10. Status

11. Schönheit

12. Sex:

13. Liebe

14. Vaterschaft

15. Geschlechterunterschiede

16. Sozialverhalten

17. Kritik

18. Spieltheorie

19. Videos

Folgt aus den biologischen Theorien, dass soziale Geschlechtergerechtigkeit irrelevant ist?

Elmar kommentiert bei LoMi wie folgt:

Der Biologismus formuliert seine eigene Teleologie. Und die ist für Männerrechte keineswegs gleichgültig, denn sie erklärt, daß Geschlechtergerechtigkeit in sozialen und nicht in wirtschaftlichen Zusammenhänge, politische Macht oder was sonst Status verleihen möge, einfach irrelevant ist.

Was ich und vermutlich zum Teil du auch wollen, eine soziale Realität ohne Ausbeutung, kann der Biologismus einfach nicht verstehen, denn sie ist für ihn unnatürlich und einfach nur eine Folge der Tatsache, daß du und ich irgendwelche Betas, Gammas oder Omegas sind, die sich einfach über zu wenig Status im Vergleich zu den alpha-Männern beschweren.

Deshalb ist Biologismus maskulistisch kontraproduktiv.

Wenn man davon ausgeht, dass „Biologismus“ hier biologische Theorien meint, wie ich sie vertrete, dann erstaunt mich diese Theorie mal wieder.

Richtig ist, dass evolutionäre Prozesse erst einmal keine „Gerechtigkeit“ kennen, ziellos sind (wenn sie auch in eine bestimmte Richtung verlaufen können) und die Theorien keine Rücksicht darauf nehmen, dass sie Männern oder Frauen gefallen.

Das bedeutet aber nicht, dass man diese nicht zusammen mit Geschlechtergerechtigkeit oder anderen maskulistischen Forderungen vertreten kann.

Elmar unterstellt hier schlicht einem naturalistischen Fehlschluss (Die Gleichsetzung von “Natürlich” mit “Gut, Richtig oder schön”).  Ein solcher Fehlschluss wird aber gerade innerhalb der biologischen Theorien abgelehnt.

Wenn es eine Ausbeutung der Betas, Omegas oder Betas gibt, dann kann man die auch dann anprangern, wenn man meint, dass Betas einen geringeren Wert auf dem sexuellen Markt haben. Es gibt aber auch keine biologische Regel, dass Betas, Omegas oder Gammas per se ausgebeutet werden müssen.

Im übrigen gibt es natürlich auch weibliche Betas, Gammas oder Omegas, die einen männlichen Beta, Gamma oder Omega vielleicht schlicht als gleichwertig oder eben sogar höherwertig auf dem Partnermarkt ansehen.

Und männliche Alphas, die an einer weiblichen Beta schlicht nicht interessiert sind.

Aber auch die Feststellung, dass es einen unterschiedlichen Partnerwert gibt rechtfertigt keine Ausnutzung. Genauso lässt es Ausnutzung nicht verschwinden, wenn man davon ausgeht, dass es keinen unterschiedlichen Partnermarktwert sowohl innerhalb der Gruppe der Männer als auch der Frauen gibt. Schon gar nicht kann man gegen eine Ausbeutung angehen, wenn man dabei von falschen Grundlagen bei Männern und Frauen ausgeht. Im Gegenteil: Dann wird man eher entweder Ausbeutung sehen, wo vielleicht keine ist oder falsche Mittel zu deren Beseitigung vorschlagen.

Meiner Meinung nach ist der größte Fehler, den man machen kann, von einer falschen Theorie auszugehen und auf der Basis dieser dann eine Lösung für das Problem zu suchen – ein einfaches Beispiel wäre eine Theorie, bei der die Erde der Mittelpunkt des Universums ist, und sich die Sonne um die Erde dreht. Auf dieser Basis eine Berechnung für einen Weltraumflug durchzuführen ist sicherlich möglich – es gibt ja Modelle der Planetenbewegungen auf dieser Basis, muss aber zwangsläufig dazu führen, dass man sein Ziel nicht erreicht.

Das dies zu Fehlern führt sieht man im Gleichheitsfeminismus. Dort wird eben jeder Unterschied mit Machtstrukturen zugunsten der Männer begründet. Dabei handelt es sich teilweise eher um Unterschiede, die auch ein unterschiedliches Interesse an zB beruflichen Status zur Folge haben oder eine andere Arbeitsverteilung in der Familie begründen.

Auch daraus folgt aber nicht, dass man diese Arbeitsteilung per se als gerecht, weil biologisch bedingt, annehmen muss. Wer sie nicht will, der kann natürlich jederzeit eine andere vornehmen. Und es folgt auch nicht aus der Biologie, dass man die Regelungen im Familienrecht auf die vorgenommene Weise ausgestalten muss, um damit eine Absicherung für den Fall der Trennung herbeizuführen. Im Gegenteil: soziale Netze wie eine Rentenversicherung, einen Krankenversicherung, Unterhaltsregelungen sind insoweit evolutionär vollkommen neue kulturelle Ausgestaltungen, die typische evolutionäre Kostenberechnungen vollkommen umwerfen. Nichts in der Biologie bedingt einen Unterhalt, einen Zugewinn oder einen Versorgungsausgleich. Nichts in der Biologie rechtfertigt die Annahme einer kulturell geschaffenen Rape Culture oder die Einstellung, dass Frauen per se sozial inkompetent sind.

Man kann meiner Meinung nach auch Unterschiede anerkennen, aber dennoch für gleiche rechtliche Regelungen für Männer und Frauen sein. Und man kann gleichzeitig der Auffassung sein, dass in bestimmten Bereichen gleiche Regelungen sich zu ungunsten eines Geschlechts auswirken können (Unterhaltsregelungen sind ja erst einmal geschlechterneutral gehalten, belasten aber üblicherweise eher Männer). Das bedeutet nicht, dass man dann Gesetze nach Geschlechtern verschieden gestalten soll, sondern eher, dass eine gerechtere neutrale Lösung gefunden werden muss und dies dann eher von einem Geschlecht gefordert werden wird.

Aus bestimmten Ansichten mag eine andere Einstellung dazu kommen, was man als Ausbeutung ansieht. Wenn Männer und Frauen im Schnitt andere Interessen und andere Triebe etc haben, dann folgen daraus auch andere Payoffs für bestimmte Verhalten etc. Aber Ausbeutung ist ja gerade weil Werte subjektiv sind, auch ein Punkt, den man außerhalb biologischer Theorien anders beurteilen kann.

Fragen zu biologischen / evolutionären Konzepten aus dem Blog?

Wenn man sich etwas in die Materie eingearbeitet hat, dann erscheinen einem die Zusammenhänge zwischen evolutionären Selektionsdruck, Genmathematik, Spieletheorie und den rein biologischen Begründungen aus meiner Sicht sehr einleuchtend. Natürlich muss man dazu Grundzüge wie etwa die sexuelle Selektion und die Bedeutung der Fortpflanzung etc verstehen.

Wie in vielen Bereichen ist es aber erst dieses gesamte Bild, was den Vorgang stimmig macht. Und das kommt natürlich bei vielen Blogbeiträgen zu kurz.

Daher hier noch einmal die Frage:

  • Welche Zusammenhänge sind euch unklar?
  • Zu welchen Theorien sollte ich noch mal was schreiben?
  • Wo seht ihr erhebliche Lücken in den Theorien?
  • Was erscheint euch sehr unwahrscheinlich?
  • Welche Punkte übersehe ich vollkommen?
  • Welche Fragen bleiben sonst offen?

Fehldarstellungen von Evolutionärer Psychologie in Gender-Büchern

Eine Studie behandelt klassische Falschdarstellungen von Evolutionärer Psychologie:

Abstract: Evolutionary psychology has provoked controversy, especially when applied to  human sex differences. We hypothesize that this is partly due to misunderstandings of  evolutionary psychology that are perpetuated by undergraduate sex and gender textbooks.  As an initial test of this hypothesis, we develop a catalog of eight types of errors and  document their occurrence in 15 widely used sex and gender textbooks. Consistent with our  hypothesis, of the 12 textbooks that discussed evolutionary psychology, all contained at  least one error, and the median number of errors was five. The most common types of  errors were ―Straw Man,‖ ―Biological Determinism,‖ and ―Species Selection.‖ We  conclude by suggesting improvements to undergraduate sex and gender textbooks.

Quelle: Misrepresentations of Evolutionary Psychology in Sex and Gender Textbooks

Eine interessante Stelle aus dem Artikel:

The idea that human nature—including differences between the sexes—is  biologically influenced was once relatively standard, indeed, taken for granted by most social scientists (Degler, 1991). In the early 1900‘s, however, a number of scholars,  influenced by the incipient disciplines of cultural anthropology and behaviorism, began to  question this assumption. The gradual revelation of the crimes committed by the Nazis  alarmed the public and academics alike and further promoted concerns about the social and  political implications of biological approaches to human nature (Laland and Brown, 2011).  These concerns and skepticism have persisted, to some degree, as protection against what  some scholars view as an attempt to justify inequitable social policies and institutions  (Lopreato and Crippen, 1999; Lord and Sanderson, 1999). That is, biologically based views  of human nature are, within certain academic communities, seen as a form of apologetics  for an unjust social system and for myriad other social evils (e.g., sexism, racism,  classism). This seems especially true for broadly liberal disciplines that aspire actively to  ameliorate social suffering

Also ein starkes Mißtrauen gegenüber biologischen Erklärungen gerade nach der Nazizeit, weil man das Gefühl hatte das damit nur unliebsame Systeme geschützt werden sollten. Das ist ja in der Tat ein sehr häufiger Vorwurf („ihr wollt nur die 50er wieder“), der aber eben meist auf Fehlvorstellungen darüber, was eigentlich vertreten wird beruht

However, recent research has shown that, despite popular assumptions, liberalism  does not predict a rejection of applying evolutionary theory to humans (Perry and Mace, 2010). Furthermore, from the imperfect data we possess, EPs appear no more likely to  adhere to conservative political beliefs than other social scientists (Tybur, Miller, and  Gangestad, 2007). Therefore, political ideology, although a probable source of some  hostility toward EP, is not a powerful predictor of a scholar‘s willingness to apply EP to human behavior.

Evidence indicates that, in fact, a misunderstanding of the basic principles of EP is a  more powerful predictor of hostility toward it than is political ideology (Perry and Mace, 2010). A student, for example, who is taught that EP ignores the importance of culture  might understandably develop a skeptical, perhaps even hostile, attitude toward EP. A  similar problem led to hostility toward behaviorism, especially as propounded by B.F.  Skinner. Students were taught that Skinner eschewed instincts altogether and that he completely ignored internal processes (Jensen and Burgess, 1997). Instincts and internal processes quite clearly exist, so this led to dismissals of Skinner and accusations that his framework was entirely wrong (in fact, embarrassingly so). These errors were included in  textbooks and propagated to the next generation of students, who continued to reject ―Skinnerism‖ (DeBell and Harless, 1992). We suggest that a similar process involving sex  and gender textbooks may explain some of the hostility toward EP. Thus, a combination of  liberal ideology and broad misunderstanding of the content of EP may combine to lead sex and gender scholars to view EP as a conservative and wrongheaded approach to explaining human sex differences.

As a first step in testing our hypothesis that a cycle of ignorance contributes to the  hostility directed toward EP, we coded its presentation in sex and gender textbooks. We  predict that presentations of EP will be frequently inaccurate.  It is important to note that sex and gender scholars and sociologists probably hold a more negative view of EP and have more misconceptions than scholars in many areas of  psychology (e.g., cognitive scientists, developmentalists, neuroscientists, linguists, etc.)  (Geher and Gambacorta, 2010; Lopreato and Crippen, 1999; Perry and Mace, 2010). Many psychologists who do not identify as EPs have fully integrated the Darwinian revolution into their research and possess an acute knowledge of evolution and natural and sexual selection.

Eine sehr wahrscheinliche These: Viele Kritiker von evolutionärer Psychologie beschäftigen sich weder mit den konkreten Theorien noch den Gründen, aus denen sie angenommen werden. Das führt dazu, dass sehr schnell Fehlvorstellungen über die konkreten Theorien vorkommen.

Zu den Fehlern, die überprüft worden sind:

E1) Lack of Evidence/Lack of Falsifiability. The assertion that many or all claims by EPs (1) lack substantive confirmatory evidence and/or (2) are unfalsifiable.

R1) (1) Evidence supports many claims made by EPs. Buss, Haselton, Shackelford, Bleske,  and Wakefield (1998, Table 1) summarized 30 empirical discoveries about human nature  generated by explicit evolutionary theorizing, including mother-fetus conflict and  landscape preference. More recently, Buss and Schmitt (2011, Table 1) summarized 17  robust empirical findings regarding sex differences in desire for sexual variety. Many more  empirical findings are reviewed in introductory evolutionary psychology textbooks (e.g., Badcock, 2000; Barrett, Dunbar, and Lycett, 2002; Buss, 2008; Cartwrigtht, 2000; Gaulin  and McBurney, 2004; Workman and Reader, 2004). (2) Most hypotheses proposed by EPs  are falsifiable. Buss‘s introductory textbook (1999) presented 11 methods and data sources  for testing evolutionary hypotheses (p. 54) and concluded that at least two of the methods  must support a hypothesis for it to have a ―firm empirical foundation‖ (p. 65). Ketelaar and  Ellis (2000) devoted a full article to falsifiability and demonstrated that the charge that EP claims are generally unfalsifiable is unwarranted. Last, Schmitt and Pilcher (2004) laid out a rigorous program for testing evolutionary based hypotheses, and this emphasized the importance of generating and testing empirical predictions.

Textbook Example: ―Sociobiology has some success in applying evolutionary theory to animal behavior, but because it is virtually impossible to test the natural selection principles on which it is based, empirical support for evolutionary links to human behavior is weak.‖  (Lindsey, 2011, p. 25).

Ein alter Kritikpunkt, man könne eben nicht zurück in die Steinzeit reisen und dort die Menschen beobachten. Ich hatte hier auch schon einmal etwas dazu geschrieben: Kritik an evolutionärer Psychologie

E2) Biological Determinism/Dichotomy between Nature & Nurture. (1) The assertion that EPs contend that biology determines or can explain all human behavior. (2) The  assertion that some phenomena are entirely cultural whereas others are entirely biological.

R2) (1) EPs do not contend that human nature is ―hardwired‖ by genes or determined  exclusively by ―biology.‖ In fact, introductory evolutionary psychology textbooks warn  about deterministic views of human nature (e.g., Buss, 2008; Gaulin and McBurney, 2004).  For example, Rossano (2003) states, ―Evolutionary psychologists firmly reject both genetic  determinism and environmental determinism and, instead, contend that both genes and  environment must be considered in understanding the human mind‖ (p. 28). (2) EPs believe  that understanding human nature requires an interactionist framework; i.e., incorporating both biology and culture. As Tooby and Cosmides (1992) point out:  Evolution shapes the relationship between the genes and the environment such that  they both participate in a coordinated way in the construction and calibration of  adaptations. Thus, evolutionarily patterned structure is coming in from the  environment, just as much as it is coming out from the genes. (p. 86)  In short, nature and nurture are inseparable in the EP account.

Textbook Example: ―What‘s more, if these [biological] explanations are true, no amount  of political initiative, no amount of social spending, no great policy upheavals will change  the relationships between women and men‖ (Kimmel, 2013, p. 22).

Die biologischen Ansätze stellen in der Tat darauf ab, dass es ein Zusammenspiel von Kultur und Natur gibt, wobei teilweise die Kultur bestimmte biologische Anlagen ausformt. Natürlich können wir dabei auch Umstände schaffen, die wesentliche Veränderungen bewirken, ein Beispiel ist der Zugang zu effektiver und preisgünstiger Verhütung, ein anderer unser Sozialsystem, beides kulturelle Errungenschaften die auch das Verhältnis zwischen den Geschlechtern erheblich verändert haben. Zudem können sich eben auch Unterschiede zwischen Leuten und auch zwischen Völkern zeigen, die eine andere Ausrichtung begünstigen.

E3) Naturalistic Fallacy. The assertion that EPs contend that what exists is either ipso  facto good or morally desirable simply because it exists.

R3) The accusation that EPs are guilty of the naturalistic fallacy is belied by numerous  writings from early sociobiologists (e.g., Alexander, 1979; Symons, 1979) and more  recently from evolutionary psychologists. In The Selfish Gene, Richard Dawkins (1976)  writes, ―I am not advocating a morality based on evolution. I am saying how things have  evolved. I am not saying how we humans morally ought to behave‖ (pp. 2-3). Many introductory textbooks on evolutionary psychology contain explicit warnings about  committing the naturalistic fallacy (e.g., Bridgeman, 2003; Buss, 1999; Cartwright, 2000;  Palmer and Palmer, 2002; Rossano, 2003).

Textbook Example: ―Biological arguments reassure us that what is is what should be, that  the social is natural. Finally, such reassurances tell us that these existing inequalities are not our fault, that no one is to blame, really‖ (Kimmel, 2013, p. 22).

Der naturalistische Fehlschluss kommt in der Tat sehr häufig vor. Gerne eben auch als Vorwurf, dass man es eben so wolle oder so für richtig halte und wie man so etwas sagen könne. Was alles gar nichts damit zu tun hat, wie bestimmte Sachen sind. Es ist in der Tat ein Punkt, auf den in Büchern über das Thema sehr häufig hingewiesen wird.

E4) Political/Ideological Agenda/Consequentialist Fallacy. (1) The assertion that EPs have a conservative, rightwing political agenda and that this agenda significantly influences  their research. (2) The assertion that evolutionary accounts are morally dubious and  possibly dangerous if widely disseminated.

R4) (1) To the extent that we have empirical data on the political views of EPs, this  assertion appears to be false. Most of the early sociobiologists were liberals or social  democrats (including E.O. Wilson and Richard Dawkins), while Robert Trivers, who developed the theory of parental investment, was a political radical who coauthored a paper  with Huey Newton (Segreståle, 2000; Trivers, 2002). A recent study of EPs found that their political views match those of social scientists in general—0 of 31 EPs identified with the Republican Party (Tybur et al., 2007). Even if it were true that EPs have more conservative views than other social scientists, it would not automatically follow that they are more likely than others to use their scholarship to advance a conservative agenda. We know of no data addressing this possibility, and the textbooks making this assertion do not provide any evidence for it. (2) Unfortunately, almost any view of human nature can be used to justify self-serving behavior that harms other people, ranging from the extremes of Nazism on the right to communism on the left (Pinker, 2002). The communists, for example, perpetrated numerous ghastly crimes, which were justified by a singular commitment to human flexibility, environmental determinism, and equality (Pipes, 2001). However, the factual content of a theory or proposition is not determined by the perceived good or ill it may do to society.

Textbook Example: ―Another concern is the claim that gender differences have evolved over time, which implies that gender differences are inevitable and unchangeable. Biology then becomes an excuse for accepting differences and not advocating for social change‖ (Rider, 2005, p. 117).

Wie oben schon gesagt in der Tat ein sehr häufiger Vorwurf. Es scheint für einige schwer zu verstehen zu sein, dass man nach der Prüfung bestimmter Fakten zu einem Ergebnis kommt und dies vertritt, weil man es für wahr hält und das zur Folge hat, dass man die daraus herzuleitenden Fakten akzeptieren muss. Es ist nicht das „Wollen“, dass das „sein“ schafft. Wir können die Realität nicht immer und unter allen Bedingungen unserem Wollen anpassen.

Ich schrieb dazu schon einmal: 

„Was ist das Anliegen, wenn man sagt, dass die Welt eine Kugel und nicht eine Scheibe ist? Was will man damit bewegen? Reicht es aus, dass man Männer und Frauen verstehen will, ein Interesse an dem Thema hat, die Forschung überzeugend findet und merkt, dass etwa poststrukturalistische Theorien keinerlei Grundlage haben?

Selbst wenn unsere Welt mit den biologischen Erklärungen die absolute Hölle auf Erden wäre würde es sie genau so wenig falsch machen wie es die Erde flach macht, wenn dies zu einer besseren Welt führen würde.“

E5) Species Selection. The assertion that evolution via natural and sexual selection operates to ensure species survival or that the survival of the species is the ―goal‖ of  evolution.

R5) Charles Darwin (1859/1958; 1871) argued that natural and sexual selection targeted the individual, not the species. In the 1960s, evolutionary biologists revolutionized the field by formalizing the insight that it was not the individual but the gene that was the fundamental unit of selection (Dawkins, 1976; Hamilton, 1964a,b). Although there is debate about the importance of differing units or levels of selection (e.g., group, individual, gene; Wilson and Wilson, 2007), biologists are nearly unanimous that species level selection does not occur:  In the early post-Darwinian period when thinking about selection was rather confused, it was often said that such and such a character had evolved because it was ―good for the species.‖ This is quite misleading. The selected character had originated because it benefited certain individuals of a species and had gradually spread to all others. The species as an entity does not answer to selection. (Mayr, 1997, p. 2092)

Textbook Example: ―Evolutionary theory argues that in any species, including humans, certain characteristics persist across generations—passed along genetically—because they help the species survive‖ (Lips, 2006, p. 132).

Ein klassisches Fehlverständnis, da die Evolution eben bei den Genen ansetzt und daher nur über das Individuum oder Verwandtenselektion arbeiten kann, eine Gruppenselektion hingegen, in dem Sinne, dass die Gruppe an sich gefördert wird, findet nicht statt, da hier die klassischen Selektionsmechanismen nicht greifen können.

E6) Straw Man Argument (Not Otherwise Specified). A misrepresentation of the opponent‘s position which creates the illusion that the argument in question has been refuted when, in fact, the actual position of the opponent has not been addressed.

R6) Straw Man arguments must be examined case by case but often involve oversimplifying the arguments of EPs to make them appear careless or reductionist. For example, many critics of EP assert that the theory posits that all men are promiscuous when, to our knowledge, this is not a serious position of EPs.

Textbook Example: Because each Straw Man argument is somewhat unique, aside from those that fall into specified errors we have already cataloged, each requires its own explanation (see Appendix for detailed comments on each coded Straw Man error).

Strohmänner gibt es in der Tat wie Sand am Meer in der Kritik an evolutionärer Psychologie. Es wird ein vermeintliches Argument dargestellt, dass so aber gar nicht vertreten wird und dies dann entkräftet.

E7) Intentionalistic Fallacy. The assertion that EPs contend that humans intentionally attempt to enhance their inclusive fitness and are explicitly aware of such intentions. For example, the claim that using contraception and engaging in sex for the sake of pleasure rather than reproduction refutes evolutionary arguments regarding natural and sexual selection.

R7) EPs do not believe that humans are consciously aware of the ―evolutionary logic of  their behavior. E.O. Wilson, the founder of sociobiology, made the point that the brain ―has been programmed to perform as if it knows [emphasis added] the underlying evolutionary logic of its affective biases (Wilson, 1975, p. 4). Similarly, John Tooby and Leda Cosmides (1992), two of the founders of evolutionary psychology, state ―…the biological concept of functionality differs from the folk notion of functionality as goal-seeking behavior. Although some of our evolved psychological mechanisms propably operate through goal-seeking, surely none of them has fitness maximization as a mentally represented goal‖ (p. 54). Even in cases where humans explicitly represent goals (e.g., I need to protect my child;  I would like to have sex), EPs do not posit that they are aware of the evolutionary logic  guiding the specific goal in question (see for example, Buss, 1999; Geary, 2005).

Textbook Example: The sociobiological view of sex differences assumes that sexual intercourse will lead – or is intended to lead – to reproduction. Today, I doubt that the majority of men are thinking about establishing paternity and the majority of women are thinking about their partners‘ ability to support a child when deciding whether or not to engage in sex. (Helgeson, 2012, p. 114)

In der Tat ist der Unterschied zwischen dem Grund für die Selektion der Gene, die ein bestimmtes Verhalten bewirken, und den tatsächlichen Zielen der Menschen für viele Kritiker schwer zu verstehen. Menschen wollen nicht das „Ziel“ einer Evolution erreichen, sie können vollkommen davon unabhängige bewußte Ziele haben und dennoch nach diesen Kriterien selektiert worden sein.

Natürlich ist Fortpflanzung etwas, was in einem starken Zusammenhang mit Evolution und damit auch mit der Selektion aller Lebewesen steht. Aber das bedeutet nicht, dass Menschen bewusst Fortpflanzung betreiben wollen müssen. Es reichte vollkommen aus, sie mit einem Sexualtrieb zu versehen, dessen Befriedigung Nachwuchs zur Folge hatte.

E8) Mechanical Demonstration. The assertion that if a scholar lacks knowledge of the specific proximate mechanism(s) contributing to a behavior, then that scholar is unable to legitimately make any claims about the evolutionary function of the behavior. For example, the claim that sex differences in cognition cannot have an evolutionary basis because the precise genes, neurotransmitters, and evolutionary pressures giving rise to them are not perfectly understood.

R8) It is, of course, desirable to have perfect knowledge of all of the physiological, genetic, and historical components of a hypothesized adaptation, but this is not necessary to make informed hypotheses about human adaptations. George Williams (1966) developed rigorous criteria for evaluating adaptations (reliability, efficiency, and economy) and these criteria can be used for evaluating evident design features of humans (e.g., the eye, opposable thumbs, fever) without knowing the precise physiological basis of the adaptation in question (see also Buss, 1999; Tooby and Cosmides, 1992). We also note that scholars using non-evolutionary perspectives routinely and fruitfully advance hypotheses about the causes of behavior without providing a comprehensive account of all mechanisms involved in the causal pathway.

Textbook Example: Evolutionary psychologists fail to specify the biological mechanisms from evolution to behavior. Their basic arguments are that evolution occurred over millions of years and, voila, we have a certain pattern of gender differences in the 21st century. But evolution can act only through genes, and genes influence behavior because they direct the synthesis of certain proteins and not others, leading to differing levels of biochemicals such as neurotransmitters or hormones. This is the era of the Human Genome Project, in which specific genes that create specific medical conditions and behaviors are being identified. Evolutionary psychology has failed to incorporate this work, and fails to specify which genes and biochemicals are responsible for the patterns of gender differences that they claim have evolved. (Hyde and Else-Quest, 2013, p. 35)

Ein „Argument aus Unwissenheit“, die allerdings in vielen Fällen noch nicht einmal wirkliche Unsicherheit ist. Wir mögen insoweit noch nicht immer genau verstehen, was biologisch abläuft, aber wir haben zumindest Vorstellungen und Modelle davon. Es ist insoweit der Versuch immer weiter in die Tiefe zu gehen, irgendwann auf ein „das können wir noch nicht genau erklären“ zu stoßen und damit zu unrecht die ganze Theorie als widerlegt oder falsch oder nicht vertretbar abzulehnen. Natürlich können auch die sozialen Theorien nicht genau erklären, warum ein Mensch Geschlechterrollen folgt und wie dieser Unterordnungsprozess unter die Rolle genau abläuft, aber da werden solche Kriterien dann nicht angewendet.

An der Studie sind als Anhang Fehler in der Darstellung aus verschiedenen „Genderbüchern“, etwa Kimmel oder Connell, dargestellt, die interessant zu lesen sind.

Gendrift

Gendrift ist ein Vorgang, bei dem es um die Zusammensetzung der Genfrequenz innerhalb einer Gruppe geht. An einem einfachen Beispiel erklärt:

In einer Gruppe von Urzeitmenschen gibt es 90Menschen mit der Augenfarbe blau, eine kleine Familie von 10 Personen hat aber die Augenfarbe grün. Aufgrund von sozialen Vorurteilen gegen Grünaugenmenschen beschließen die 10 Personen, sich von der Gruppe zu trennen und in eine andere Gegend auszuwandern. In ihrer alten Gruppe sind nunmehr 100% Blauaugenmenschen, die Gene für grüne Augen sind plötzlich in weit geringerer Zahl vorhanden. In der Gruppe der Auswanderer hingegen sind nunmehr 100% Grünaugen vorhanden und vielleicht keine Gene für blaue Augen mehr vorhanden.

Wird die Gruppe der Grünaugen nun durch einen Zufall getötet, dann kann auch dann, wenn die Mutation vorteilhaft gewesen wäre, das Gen für Grüne Augen aussterben und es kann reiner Zufall sein, dass alle Menschen blaue Augen haben. Umgekehrt gilt das gleiche.

Der gleiche Vorgang noch einmal aus der Wikipedia:

Als Gendrift (genetische Drift; das niederdeutsche Wort Drift ist verwandt mit dem deutschen treiben, auch Alleldrift oder Sewall-Wright-Effekt genannt) bezeichnet man in der Populationsgenetik eine zufällige Veränderung der Genfrequenz innerhalb des Genpools einer Population. Gendrift ist ein Evolutionsfaktor. Eine quantitative Erweiterung stellt die Genshift dar, bei der ganze Segmente von Genen zusammen ausgetauscht werden. Dies hat oft besonders ausgeprägte funktional-qualitative Änderungen zur Folge.

Gendrift und Genshift stellen eine Art Komplement zur natürlichen Selektion dar. Die natürliche Selektion hat keinen zufälligen Einfluss auf die Änderung der Genfrequenz einer Population, sondern ist direkt gekoppelt an den Überlebens- und Reproduktionserfolg von Individuen, also deren Angepasstheit an ihre Umwelt.[1] Die genetische Drift bzw. Shift dagegen hat keine derartigen Ursachen, sondern ist rein zufallsbestimmt (stochastisch).

Da eine zufällige Änderung der Genfrequenz in kleineren Populationen statistisch mehr ins Gewicht fällt, stellen die Gendrift und Genshift einen wichtigen Faktor der Evolution von Gründerpopulationen und somit der Artbildung dar. Sie basiert auf der Tatsache, dass eine abgeschnittene Zufallspopulation, die in einem bestimmten Gebiet lebt, nur einen kleinen Ausschnitt der möglichen Genfrequenzen besitzt, die außerdem in einem anderen Verhältnis zueinander stehen als in der Gesamtpopulation. Die evolutionäre Weiterentwicklung dieser Population ist abhängig von diesen verschobenen Genfrequenzen.

Als Flaschenhalseffekt wird eine besondere Art der Gendrift bezeichnet, bei der die Populationsgröße durch ein zufälliges Ereignis stark vermindert und dadurch die in der Population vorkommende Variabilität verringert wird. Die Allelfrequenzen unterscheiden sich hinterher meist von denen der ursprünglichen Population, die verminderte Variationsbreite (Polymorphismus) erhöht die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und erschwert zukünftige adaptive Veränderungen.

Gendrift kann auch in größeren panmiktischen Populationen auftreten, nach Aufteilung in kleinere Teilpopulationen. Voraussetzung sind zufällige Veränderung von Genen und Weitergabe der veränderten Gene. Gendrift kann dabei phänotypische Veränderungen bewirken, muss es aber nicht.

Bedeutungserweiterung: Als Gendrift wird auch die Verbreitung solcher Veränderungen in größere Populationen bezeichnet. Heute bezeichnet man als Gendrift auch das Eindringen bewusst oder zufällig veränderter Gene in andere Bereiche.

Das Phänomen wird gerne als Argument gegen evolutionäre Erklärungen angesetzt, weil es nach dieser Ansicht zuviel Unberechenbarkeit in die evolutionären Spekulationen bringt. Elmar hat dazu was in einem seiner Artikel:

Biologen ist an dieser Stelle vermutlich bereits klar, daß (4) nonsense ist aufgrund genetischer Drift und des Phänomens des linkage disequilibrium.

  • (5) Genetische Drift: Durch natürliche Ereignisse, wie Ausgründungen von Populationen oder Katastrophen sind Populationen in der Realität nicht nur endlich, sondern klein. Und je kleiner sie sind, desto höher ist der Einfluß weiterer Zufalle auf die Genfrequenz in der nächsten Generation. So kann ein Gen, dessen phänotypische Ausprägung eine historisch-lokalen Fitness-Vorteil bringt, doch zufällig aussterben, , während ein Gen mit anderer, womöglich sogar nachteiliger Ausprägung um so schneller fixiert wird, je kleiner die Population ist. Die natürliche Selektion ist in kleinen Population zu langsam, um das auszugleichen. Erst in unendlich großen Populationen spielen solche endlichen random distortion überhaupt keine Rolle mehr und die natürliche Selektion ist der einzig relevante Mechanismus.

Diese Zusammenhänge wurden 1973 von Tomoko Ohta als nearly neutral theory of molecular evolution beschrieben. Das Problem, daß (5) für (4) macht, liegt auf der Hand: Selbst wenn P sein eigenes U wirklich hat, verhindert das Phänomen der genetischen Drift, daß wir wissen können, welche U das ist. Denn wie sollen wir Jahrtausende der Evolution auf molekularer Ebene detailiert nachvollziehen? Und da wir die Existenz von U nicht apriori, sondern nur empirisch sichern können, gleitet uns damit sogar die Existenz von U aus den Händen: Mit (4) alleine kann man gegen Feministen gar nichts ausrichten – und das alles ganz im Rahmen der aktuellen Evolutionsbiologie.

Meiner Meinung nach überbewerten Elmar und andere Kritiker da dieses Phänomen. Denn zum einen ist ein genetischer Drift ja nichts, was Gene beliebig durcheinander wirbelt: Er setzt an Wesen an, die bereits einer starken Selektion unterlegen haben und deren Genzusammensetzung daraus folgt. Durch genetischen Drift bekommt man nicht plötzlich ein drittes Bein oder Superkräfte. Es ändert sich lediglich die genetische Zusammensetzung der Gruppe. Diese Zusammensetzung ändert sich, weil bestimmte Gene sich relativ zufällig mehr anreichern.

Um so zentraler die Eigenschaft dabei ist, um so weniger ist sie durch einen Gendrift betroffen. Denn dann sind die Gene dafür so umfassend in den Personen enthalten, dass lediglich bestimmte Ausprägungen von den zufälligen Ereignissen betroffen sind.

Nehmen wir etwa die höhere Körperstärke von Mannern gegenüber Frauen: Sie beruht auf der Wirkung von Testosteron und selbst wenn die stärksten Männer und die schwächsten Frauen alle von einem sehr selektiven Kometen getroffen werden, ändert sich nichts daran, dass deren Gene immer noch diesen wesentlichen Unterschied weitergeben werden und demnach auch eine entsprechende Selektion stattfinden würde, zumal hier dann die stärkeren Frauen weniger fruchtbar wären und zudem innerhalb der Schwangerschaft nach wie vor die Kosten der höheren Muskeln tragen müssten und zudem durch die sonstigen Folgen von Schwangerschaft, Stillen etc eingeschränkt wären.

Um so höher und langanhaltender der Selektionsdruck bisher auf eine bestimmte Eigenschaft war, um so geringer der Einfluss einer Gendrift. Diese bewirkt dann lediglich gewisse Änderungen in der Ausprägung, wird sich aber gerade bei so starken unterschiedlichen Selektionsunterschieden wie Mann und Frau kaum auswirken.

Die Auswirkungen eines genetischen Drifts für evolutionäre Berechnungen sind damit weit geringer als Kritiker dies darstellen wollen. Die meisten evolutionären Betrachtungen gerade bei den Geschlechtern sind davon aus meiner Sicht nicht betroffen.

Wer ein gutes Beispiel nennen kann, bei dem der genetische Drift dennoch eine Rolle gespielt haben könnte, der mag das in den Kommentaren mitteilen.