Bin ich ein Maskulist?

Die von dem BMFSJ in Auftrag gegebene Studie hat auch Kriterien genannt, mit denen bestimmt worden ist, ob jemand Maskulist ist.
Die Stelle aus der Studie lautete:

Methodisch wurden in dieser Untersuchung 16 Einstellungsitems verwendet, um die verschiedenen Dimensionen des Maskulismus zu erfassen. Grundlagen waren zunächst qualitative Interviews; das Spektrum maskulistischer Merkmale wurde in ein Set von Indikatoren übersetzt und schließlich für die standardisierte Repräsentativbefragung operationalisiert in Form von Items. Zu diesen auf einer vierstufigen Skala verwendeten Items gehören Statements wie:

  • Gleichstellungspolitik ist nur ein anderer Name für Frauenförderung.
  • Wenn Frauen weniger verdienen als Männer, dann haben sie eben den falschen Beruf gewählt.
  • Frauen sind jetzt genug gefördert worden, jetzt sind die Männer dran.
  • Männer und Frauen haben die gleichen Rechte, aber unterschiedliche Pflichten.
  • Durch die gesetzliche Regelung für mehr Frauen in Führungspositionen werden Männer benachteiligt.
  • Die Rolle der Frau in der Gesellschaft besteht darin, eine gute Hausfrau und Mutter zu sein.
  • Im Bemühen um Gleichstellung von Mann und Frau schießt man über das Ziel hinaus.
  • Bei Trennungen sollten Väter die gleichen Chancen wie Mütter haben, das Sorgerecht zu bekommen.
  • Gleichstellung von Frauen und Männern bedeutet mehr Gerechtigkeit (Ablehnung).
  • Gleichstellungspolitik befasst sich noch nicht ausreichend mit den Bedürfnissen und Anliegen von Müttern (Ablehnung).
  • Durch den Feminismus werden in unserer Gesellschaft die Männer systematisch benachteiligt und Frauen bevorzugt u. a.

Zur Berechnung wurden zwei unabhängige Verfahren eingesetzt:
(1) Über die Items wurde via Clusteranalyse die Gesamtheit der Männer in Bezug auf ihre maskulistischen Einstellungen segmentiert.
(2) Mit den Items wurde additiv ein Summenscore gebildet (Likert-Skalierung), diese ordinale Skala kategorisiert und mit den Ergebnissen der Clusteranalyse abgestimmt.

Zum engeren Kreis und harten Kern der Maskulisten gehört die Gruppe jener, die auf allen Items den höchsten Wert angegeben haben.

Zum weiteren Kreis überzeugter Maskulisten gehören jene, die 90 % des maximalen Summenscores erreichen (aber nicht 100 %). Als Empfängliche für maskulistische Einstellungen gelten jene, die auf dem Summenscore 50 bis 90 % des Summenscores erreichen. Distanzierte gegenüber maskulistischen Einstellungen sind jene mit einem Summenscore von 10 bis 50 %. Gegnerschaft gegenüber maskulistischen Einstellungen markiert ein Summenscore von unter 10 %.

Wenn ich das richtig verstehe, dann gab es also wahrscheinlich noch weitere Statements, da müsste man noch nach der vollen Liste fragen.

Und wenn ich es weiter richtig verstehe, dann sollte man die Aussagen auf einer Skala von 1 (Ablehnung) bis 4 (volle Zustimmung?) bewerten?

Ich gehe sie einfach mal schnell durch

  • Gleichstellungspolitik ist nur ein anderer Name für Frauenförderung.

Gleichstellung ist insbesondere ein Konzept, welches schnell zu Ungerechtigkeiten führt. Gleichheit im Sinne des Art 3 GG heißt eben nach dem Bundesverfassungsgericht, dass Gleiches nicht ohne sachlichen Grund ungleich behandelt werden darf. Es bedeutet auch, dass auch für die Gleichbehandlung von Ungleichen ein sachlicher Grund vorliegen muss. Männer und Frauen verhalten sich nicht gleich. Männer wählen beispielsweise andere Berufe, machen mehr Überstunden, setzen weniger aus, finden Geld und Status wichtiger und erstrebenswerter und sich dafür auch eher bereit weniger Zeit mit der Familie zu haben als Frauen. Insofern ist eine Gleichstellung häufig eine Diskriminierung des Mannes und insoweit Frauenförderung. Zudem verfolgt die Politik auch selten Gleichstellung zugunsten des Mannes. So hat der uneheliche Mann kein Sorgerecht ab Geburt des Kindes und das Residenzmodell reduziert ihn oft auf Umgang und Unterhalt.

Natürlich kann es auch sinnvolle Gleichstellungen geben. Insofern hätte man hier eher konkrete Gleichstellungen nehmen sollen. Ich gebe dem mal eine 3/4

  • Wenn Frauen weniger verdienen als Männer, dann haben sie eben den falschen Beruf gewählt.

Das ist eine Aussage, die so viel zu viel offen lässt und damit schlecht gestellt ist. Natürlich trägt auch die Berufswahl von Frauen zu dem im Schnitt über alle Frauen gerechneten geringeren Verdienst bei. Das wird insoweit in einer Vielzahl von Studien bestätigt. Einen größeren Teil machen die Unterbrechungen, die geringeren Fortbildungen, das weniger an Überstunden etc aus. Insofern würde ich hier 2/4 geben.

  • Frauen sind jetzt genug gefördert worden, jetzt sind die Männer dran.

Ein Umschwenken auf eine Förderung von Männern insbesondere im Familienrecht würde ich interessant finden. Hier ist in jedem Fall noch einiges zu machen. Eine Gleichstellungspolitik für Männer muss es aber auch nicht sein, aus den oben genannten Gründen, die gegen Gleichstellunspolitik sprechen. Auch hier fehlt es an Konkretheit. Die Frage kann so alles oder nichts heißen. 3/4

  • Männer und Frauen haben die gleichen Rechte, aber unterschiedliche Pflichten.

Es ist schwer Rechte zu finden, die Männer haben, aber Frauen nicht. Hingegen haben Männer eben beispielsweise so etwas wichtiges wie das automatische Sorgerecht nicht. An Pflichten wäre die Wehrpflicht, auch wenn sie gegenwärtig ausgesetzt ist. Auch über Unterhaltspflichten könnte man sich streiten, wobei die Gesetze da neutral formuliert sind. Auch hier finde ich eine Zuordnung schwierig. 2/4

  • Durch die gesetzliche Regelung für mehr Frauen in Führungspositionen werden Männer benachteiligt.

Klar werden da teilweise Männer benachteiligt. Insbesondere wenn man Regelungen aufstellt, bei denen Frauen auch bei schlechterer Qualifikation bevorzugt befördert werden sollen. Gravierender ist wohl, dass allgemein der Frauenanteil erhöht werden soll, auch wenn das teilweise noch Selbstverpflichtungen zur Abwehr der Zwangsquote sind, und dadurch Männer übergangen werden. 3/4

  • Die Rolle der Frau in der Gesellschaft besteht darin, eine gute Hausfrau und Mutter zu sein.

Ich möchte keine Hausfrau und Mutter als Partnerin und gehe davon aus, dass Frauen ebenso arbeiten gehen sollten wie Männer. Also die niedrigste Note 1/4

  • Im Bemühen um Gleichstellung von Mann und Frau schießt man über das Ziel hinaus.

Definitiv. Gerade weil man dabei radikale Extremisten ans Steuer lässt 4/4

  • Bei Trennungen sollten Väter die gleichen Chancen wie Mütter haben, das Sorgerecht zu bekommen.

Das ist auch eine sehr merkwürdig gestellte Frage. Die meisten Männer haben bei Trennung das Sorgerecht und es bleibt beim gemeinsamen Sorgerecht. Kann es sein, dass der „Itemsersteller“ da die rechtliche Lage nicht hatte? Aber wenn sie es nicht haben, dann sollen sie natürlich die gleichen Chancen haben, gegen ein gemeinsames Sorgerecht kann man schwer etwas anführen 4/4

  • Gleichstellung von Frauen und Männern bedeutet mehr Gerechtigkeit (Ablehnung).

Auch hier ist die Frage, wie man das konkret versteht. Natürlich ist die gesellschaftliche Gleichstellung („Frauen und Männer sind gleich viel wert“) und die rechtliche Gleichstellung („Frauen und Männer müssen die gleiche Rechte haben“) durchaus gerecht. „Gleichstellung“ in der Hinsicht, dass in allen wichtigen Positionen zumindest 50% Frauen sein müssen (oder mehr) ist hingegen ungerecht. In letztern Fall würde ich eine 1/4 geben, wenn das Ablehnung ist, bei der allgemeinen Betrachtung aller Punkte zusammen würde ich die ersten für absolut essentiell halten, die letzte aber für komplett falsch. Was gibt man dann?

  • Gleichstellungspolitik befasst sich noch nicht ausreichend mit den Bedürfnissen und Anliegen von Müttern (Ablehnung).

Auch das aus meiner Sicht eine schlecht formulierte Position. Sicherlich haben viele Mütter noch ein Bedürfnis auf zB einen besseren Zugang zu Kindergärten oder längere Nachmittagsbetreuung in der Schule. Das haben Väter aber auch. Anliegen und Bedürfnisse, die nur Mütter haben, und um die sich noch gekümmert werden sollte, fallen mir keine ein. Insofern 1/4

  • Durch den Feminismus werden in unserer Gesellschaft die Männer systematisch benachteiligt und Frauen bevorzugt u. a.

DER Feminismus. Das wäre ja schon der erste Fehler. Wenn er den Feminismus aus den Gender Studies meint, dann werden dort Männer abgewertet und Frauen zu ihrem Nachteil zu Opfern gemacht. Der moderne Feminismus ist für niemanden gut, weil er im wesentlichen virtue Signalling für den Ausübenden erlaubt und ansonsten Gruppenhass predigt. Allerdings hat mit der Twitteraccount des BMFSJ schon mitgeteilt, dass Männer per se nicht diskriminiert werden können und das BMFSJ beschäftigt auch radikale Feministinnen und setzt sich überwiegend für Frauen ein. Keine Ahnung, was man da an Punkten gibt.

 

Wie seht ihr die Punkte?

„Es wird Zeit für plakative Forderungen, für Extrempositionen die nur im indirektem Zusammenhang mit Jungen- und Männerrechten stehen“

Wie Arne auch bereits berichtete gibt es auf dem Blog „Scheidende Geister“ einen Beitrag, der die Auffassung vertritt, dass man in in Zusammenhang mit Jungen- und Männerrechten plakativerer Forderungen vertreten sollte.

Der Autor führt an:

Vielleicht wird es Zeit für plakative Forderungen, für Extrempositionen die nicht in direktem Zusammenhang mit Jungen- und Männerrechten stehen, trotzdem aber diese Position stärken:

Ich glaube ja eher, dass zu lange Extrempositionen vertreten worden sind. Es fehlt eher ein öffentliches Bewußtsein, dass dort gewisse Probleme bestehen, die angegangen werden sollten und die Thematik ist teilweise eben schwerer zu verstehen, weil es zB um Familienrecht geht. Männer wollen denke ich nicht als schwach angesehen werden, sie wollen ungern als Jammerer erscheinen und Männerrechte lassen sich weitaus schwerer auf einfache Parolen wie „Ausländer raus“ oder „Rapefugees“ herunterbrechen. Die meisten Männer können nicht recht fassen, was eigentlich ungerecht ist, was genau geändert werden muss und wie man die Position eigentlich positiv fassen kann, ohne gleich als Frauenfeind dazustehen.

Mal sehen, was er vertritt:

Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk – abschaffen. Sicher bringen die in den Dritten Programmen und Spartensendern gute, teilweise auch ausgewogene Sendungen. Aber bei den großen Programmen, die für den Diskurs relevant sind, verfolgen sie nur die immer gleiche Linie. Und sie erzeugenNachrichten über ihre Social-Media-Präsenz. Ergebnis der Abschaffung: wäre weniger feministische Ideologie.

Ich wäre zumindest für eine Abschaffung des Rundfunkbeitrages, weil er aus meiner Sicht eher eine Sondersteuer ist. Die Forderung, die öffentlich rechtlichen Sender abzuschaffen finde ich aber viel zu weit weg vom Thema und sie hat aus meiner Sicht auch wenig Aussicht auf Erfolg. Warum sollten Politiker sich solcher Mittel begeben? Und es ist ja nicht so, dass der Feminismus nur von den öffentlich rechtlichen Sendern lebt. Die privaten werden auch gerne über den Frauenmarsch berichten und Spiegel und Co bieten ebenfalls eine gute Plattform. Eher sollte man sich bemühen, repräsentative Leute hervorzubringen, die man in einer Talkshow unterbringen könnte.

Die Prioritäten der Politik polemisch als tödliches Problem benennen. Merkels Kabinett kümmert sich um ein neues Sexualstrafrecht, statt die Liste der Terrorismus-Gefährder abzuarbeiten. Ergebnis: Die Priorität für feministische Themen sinkt.

Aus meiner Sicht wenig erfolgsversprechend. Der Nachweis, dass man wegen des neuen Sexualstrafrechts nicht die Liste der Terrorismus-Gefährder abarbeiten konnte scheint mir eher unmöglich, es wäre billiger Populismus. Das Sexualstrafrecht dürfte im Justizministerium angesiedelt sein, die Liste der Terrorismus-Gefährder dürfte eher eine Sache der Exekutive, also der Polizei sein.

BAFöG für Geisteswissenschaften abschaffen. Das ist ungerecht, aber es muss sein, da sich aus diesen Kreisen die feministische Ideologie rekrutiert. Und es werden nicht so viele Geisteswissenschaftler benötigt wie ausgebildet werden. Ergebnis: Weniger Geisteswissenschaftler bedeuten weniger feministische Ideologie. Nebeneffekt: Bedarfsgerechtere Ausbildung.

Das würde wahrscheinlich schon am Gleichbehandlungsgrundsatz scheitern. Denn das man zB Lehrer  nicht braucht als Staat erscheint mir relativ willkürlich. Und die meisten Richter werden auch annehmen, dass man Rechtswissenschaften als Geisteswissenschaft durchaus benötigt. Aber auch sonst gibt es eine Vielzahl von Disziplinen, die darunter fallen, die natürlich gebraucht werden, von den verschiedensten Sprachen über Soziologie oder Geschichte oder Pädagogik

Kein Geld mehr für Anti-Rechts und Aussteigerprogramme für Rechts. Da gibt es sicherlich erhebliche Schäden an wichtigen Projekten, aber es muss sein, schließlich werden viele feministische Ideologen bei solchen gemeinnützigen Vereinen durchgefüttert. Ergebnis: Weniger feministische Ideologen.

Das ist genau das, was die Männerbewegung braucht: Leute, die sich explizit gegen Antirechtsprogramme richten.

Ersatzlose Abschaffung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Da gehen sicher auch wichtige Referate mit drauf, aber die wenigen wirklich wichtigen kann man in andere Ministerien überführen. Das Ministerium für alle außer Männer ist voll von feministischen Ideologen. Ergebnis: Weniger Ideologen.

Auch utopisch. Was soll das bringen? Und warum sollten sie ein solches Ministerium aufheben? Und warum sollten sich überhaupt Männer dieser Forderung anschließen? Eher würde ich anführen, dass sie dort eben auch auf Männerbelange eingehen. Außerdem muss Familienpolitik ja nun irgendwo gemacht werden. Wenn nicht dort, dann werden die Leute eben ins Justizministerium versetzt und das ganze hat nur einen neuen Namen.

Das sind die Punkte, die mir spontan einfallen. Die Richtung ist klar: Neben konkreten Sachforderungen sollten richtungsändernde Forderungen treten. Es ist nicht zu erkennen, dass diese Forderungen von Männerrechtlern kommen. Natürlich benötigt man weiterhin die wissenschaftliche Faktenbasis und Aggregatoren (wie Blogs), die diese Faktenbasis auch zugänglich machen.

Für weitere Vorschläge bin ich offen.

Ich glaube, dass man Problembewußtsein schaffen muss. Das kann über Blogs passieren, über Youtubevideos, über Personen wie Milo oder Bearing, die immer bekannter werden. Oder man wird wohl Geld in die Hand nehmen müssen und beispielsweise spendenfinanziert Plakate kleben, wie andere NGOs auch.

Teil des Standardrepertoires von Forderungen von Männerrechtlern sollte bereits sein:

  • Gender Studies abschaffen
  • Frauenbeauftrage / Gleichstellungsbeauftragte abschaffen
  • Frauenquoten abschaffen

Die von mir beschriebenen Maßnahmen sind kostenfrei und sie bekämpfen das Problem an der Wurzel, nicht erst im Nachhinein in der Diskussion.

Sie erfordern aber bereits einen erheblichen Druck, es sind aus meiner Sicht recht fortgeschrittene Forderungen, die bereits einen Stimmungswandel in der Bevölkerung voraussetzen. Vorher kann man weder den nötigen Druck dafür aufbauen noch würden sich Politiker veranlasst sehen zu handeln.

Und man kann und muss Allianzen eingehen, vielleicht auch mit Personen, die einem politisch nicht so nahe stehen. Neoliberale würden sich manchen Forderungen anschließen, Konservative anderen Forderungen. Das mag im Einzelfall weh tun, ich sehe aber keine Alternative für die Männerrechtsbewegung. Sie muss sich die Hände schmutzig machen und auch mal kein Gentlemen sein.

Allianzen sind sicherlich immer wichtig. Aber ebenso kann man sich vereinnahmen lassen. Mit jedem ins Bett zu springen kann die Idee auch schlicht verwässern und abwerten. Einigkeit kann einiges bewirken. Aber genug Männer wird gerade das Extreme abschrecken. Zudem arten Bündnisse, die eigentlich nicht zusammen passen, immer in Streit aus.

Es kann okay sein, parallel an gleichen Zielen zu arbeiten, dann sind eben für verschiedene Leute verschiedene Gruppen vorhanden.

Maskulinismus und Maskulismus

Arne zitiert einen Beitrag der WDR Nachrichten:

Die virtuelle Welt muss dieselben Spielregeln und Gesetze haben wie die reale Welt“, forderte die Chefredakteurin des vor 40 Jahren erstmals veröffentlichten Frauenmagazins. Im Internet organisierten sich sogenannte Männerrechtler, Maskulinisten, die Feministinnen für Hexen und Nazis hielten, sagte Schwarzer.

Dazu merkt er an:

(Ich weiß nicht, warum es so schwierig ist, wenigstens die korrekte Bezeichnung der Gruppe zu lernen, über die frau herzieht; gemeint sind natürlich Maskulisten.)

Meine Vermutung ist ja eher, dass mit der Verwendung des Begriffs Maskulinisten eher eine Abwertung verbunden sein soll, der Begriff also ganz bewußt gewählt wird. Ich hatte mal eine Unterscheidung wie folgt gehört:

  • Maskulinisten; Menschen, die Männerherrschaft wollen
  • Maskulisten: Menschen, die sich für Männerrechte einsetzen

Das Feministen dann eher die Bezeichnung Maskulinisten verwenden, weil alles außer radikalen Feminismus eh ein Einsetzen für die aus ihrer Sicht bereits bestehende Männerherrschaft  ist, erscheint mir dann naheliegend.

Dennoch ist es interessant, die Begriffe mal etwas näher zu betrachten:

In der Wikipedia findet sich das Folgende:

Maskulinismus

Maskulinismus ist eine Ideologie naturbedingter männlicher Überlegenheit oder des Androzentrismus, welche sich in Männerbünden und antifeministischen Bewegungen artikuliert. Eine Kernthese des Maskulinismus lautet, dass Männer von Müttern und Frauen unterdrückt werden und sich auf ihre Männlichkeit zurückbesinnen sollten. Eine alternative Bedeutung von Maskulinismus ist das Eintreten für die Rechte und Bedürfnisse von Männern.

Gelegentlich wird der Begriff Maskulismus als Synonym für Maskulinismus verwendet; jedoch unterscheiden andere Autoren strikt zwischen den beiden Begriffen.

Die Darstellung mit den unterdrückten Männern und der Zurückbesinnung auf die Männlichkeit trifft eher einen älteren Stand, etwa nach dem Gelben Forum und Sons of Perseus. Vielleicht auch zumindest was die Rückbesinnung auf das männliche angeht Seiten wie etwa Rooshs Return of men.

Nun ist mir klar, dass die Wikipedia in dem Bereich sehr ideologisch ist und es wahrscheinlich schwierig wäre, den Artikel zu ändern ohne in einen Editorenkrieg zu geraten. Der Eintrag, der eher zu Maskulismus wie wir ihn hier verstehen wäre wohl – worauf auch eine Weiterleitung zum Begriff Maskulismus verweist – der Artikel zur Männerrechtsbewegung

In dem Wikipediaartikel zum Maskulinismus heißt es weiter

In den Vereinigten Staaten entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert maskulinistische Männer- und Väterrechtsgruppen als Reaktion auf den Feminismus. Antifeministische Gruppierungen seit den 1970er Jahren, die Rechte und Bedürfnisse proklamieren, die sie als männertypisch betrachten, verwenden für ihre Bewegung den abgewandelten Begriff Maskulismus oder Männerrechtsbewegung.

Das wäre immerhin schon etwas klarer in dem Artikel.

Zur Geschichte des Begriffs heißt es dort weiter:

Laut dem Oxford English Dictionary wurde der Begriff masculinism (dt.: Maskulinismus) zum ersten Mal im Jahr 1911 in einem Aufsatz in der Zeitschrift The Freewoman verwendet.[13] Im Merriam Webster wurde das englische Wort masculinist (dt.: Maskulinist, maskulinistisch) erstmals 1918 aufgezeichnet.[14] Den englischen Ausdruck masculist (dt.: Maskulist) prägte und popularisierte Charlotte Perkins Gilman schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als maskulistisch charakterisierte sie misogyne Männer, wie den Autor Otto Weininger, das androzentrische politische und kulturelle Handeln von Männern und deren Widerstand gegen das Frauenwahlrecht als Maskulismus. 1914 betitelte sie eine Vortragsreihe Studies in Masculism, in der sie den Ersten Weltkrieg als „masculism at its worst“ verdammte.

Als Maskulinismus beschreibt Michael Kimmel eine der „antifeministischen Antworten“ amerikanischer Männer auf die erstarkende Frauenbewegung und die Erosion der traditionellen Geschlechterrollen gegen Ende des 19. und zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Maskulinisten dieser Strömung des Antifeminismus opponierten gegen eine angenommene Verweiblichung der amerikanischen Kultur und wollten reine Männer-Bereiche und -Institutionen („purified pockets of virility“) schaffen, in denen Jungen zu der Manneskraft und Härte erzogen werden sollten, die ihrem Geschlecht gemäß seien.

Das wäre dann eine Auffassung, die heute in der Männerrechtsbewegung keine große Rolle mehr spielt (Roosh und Co sehen sich deswegen ja auch nichts als Teil der Männerbewegung sondern bevorzugen die Bezeichnung „Neomasculinity“

Die weitere Geschichte wird dann wie folgt dargestellt:

Begrifflichkeiten seit den 1970er Jahren

Der amerikanische Soziologe Arthur Brittan definiert Maskulinismus als die „Ideologie des Patriarchates“, die männliche Dominanz naturalisiere und legitimiere.[17][18] Diese Überzeugung wird von einem Teil der Vertreter der Männerrechtsbewegung („men’s rights movement“) vertreten;einige Männerrechtler bezeichnen sich selbst als Maskulinisten[21] oder werden so betitelt.[19] Michael Meuser untersuchte Maskulinismus als dezidiert antifeministischen Diskurs in der deutschsprachigen Männerliteratur seit Ende der 1980er Jahre, in der „in einer Umdeutung feministischer Thesen Männer als das unterdrückte Geschlecht bezeichnet werden, in dem Bestreben die Fraglosigkeit dominanter Muster von Männlichkeit wiederherzustellen“.[22]

Eine Untersuchung des Wortes „Maskulinismus“ im englisch- und französischsprachigen Raum hat ergeben, dass der Begriff auf Englisch (masculinism) sich üblicherweise auf eine patriarchale Ideologie oder eine androzentrische Sichtweise bezieht. Auf Französisch (masculinisme) wird das Wort seit den 1990er Jahren vornehmlich für antifeministische Trends verwendet. Antifeministen sind sich selbst nicht einig, wie sie sich bezeichnen sollen, und schwanken zwischen den Wörtern „Maskulinist“ (masculinist), „Maskulist“ (masculist), „Hominist“ und „Aktivist für die Rechte von Männern“ oder „von Vätern“.[8]

Aus Sicht einer radikalen Feministin wäre wohl fast jede Bewegung, die Männer nicht als Unterdrücker, sondern sogar als Leute, die benachteiligt sein können, einstuft androzentrisch, weil ja auf Männer ausgerichtet.

Analog zum Begriff Feminismus bezeichnen Männerrechtler wie Ferrell Christensen eine politische Anschauung, die davon ausgeht, dass (auch) Männer diskriminiert würden und diese Diskriminierung beseitigt werden müsse, als Maskulismus.[9] Daniel Boyarin argumentiert dagegen, dass der Ausdruck Maskulismus aufgrund seiner terminologischen Ähnlichkeit zu Feminismus problematisch sei, da Maskulismus historisch ein Projekt männlicher Dominanz über Frauen sei, wohingegen Feminismus nicht das Ziel einer weiblichen Dominanz über Männer verfolge.[23] Daniel Boyarin verwendet also „Maskulismus“, im Zusammenhang mit der traditionellen Lesart der Bibel, als Begriff für traditionelle Männlichkeitsideologie, und nicht als Begriff für die spezielle (jüngere) politische Strömung der Männerrechtsbewegung.

Das Maskulismus nicht Maskulismus heißen darf, weil das ja die Bösen sind, während die Feministen die guten sind und das nicht anders sein darf, ist ja wirklich eine nette Begründung.

Wie seht ihr den Unterschied zwischen „Maskulismus“ und „Maskulinismus“?

Meint ihr, das es sinnvoll wäre, den Artikel zum Maskulinismus zu überarbeiten und den Unterschied deutlich zu machen?

Wie könnte man das machen?

 

Maskulismus, Männerrechte und Familienrecht

1. Maskulismus

2. Maskulismus und Feminismus

3. Arten von Maskulismus

4. Theorien im Maskulismus

5. Kritik am Maskulismus

6. Wie geht es weiter

7. Verhältnis zum Antifeminismus

8. Vermischtes

9. radikaler Maskulismus

10. Antifeminismus

11. Die Bloggenden und die Arbeitenden

12. Maskulistische Theoriewoche

13. Konservative Geschlechterrollen

14. Bücher

15. Vereine und Blogs

16. Väter

17. Familienrecht

a) Ehe an sich

b) Unterhalt

c) Sorgerecht und Umgang

d) Falschbeschuldigung /Sexualstrafrecht

e) Gewalt in der Beziehung

f) Homosexualität

g) Versorgungsausgleich

18. Internationales

19. Jungen und Schule

Julie Borowski und Kritik an der Männerrechtsbewegung

Julie Borowski ist sicherlich dem ein oder anderen hier auch aufgrund feminismuskritischer Videos

(zB hier, aber auch 1,2,3,4) bekannt.

Sie hat nun, wie auch Genderama bereits berichtete, einen Artikel dazu geschrieben, was ihr an „MRAs“ also dem Mens Rights Movement gefällt und was nicht, geschrieben.

Ich finde den Text durchaus interessant.

Das Gute:

As a critic of feminism, I’ve checked out the Men’s Rights Movement (MRM). Some things I like, some things not so much. They have good points when it comes to divorce, custody, and how courts are biased towards women. These are real equality issues that need to be addressed.

Also, I dislike how men have become the punch line in today’s society. Just check out commercials and sitcoms. The husbands are portrayed as complete idiots with the maturity of five year olds. The wives, on the other hand, are brilliant personality-less parental figures to their dumb husbands.

One of my pet peeves is how it’s somehow acceptable to insult your husband in public. Haha, I don’t know how he dresses himself in the morning! It’s laughable when a woman does it. The other way around? That wouldn’t fly!

Das Schlechte:

Then I check out Men’s Rights Activists forums… oh boy. I acknowledge that not every comment represents the whole movement, of course. But there’s a significant amount of: women are gold digging you-know-whats! Marriage is always a bad deal for men because women are lazy moochers! Women wear makeup to trick you into procreating with them!!  THEY ARE LIARS!

Whoa….

It just reminds of man-hating feminists who talk about all men being cheating scumbags and implying that all men are rapists. Both of these groups have clearly been burnt by the opposite sex. What heterosexual person hasn’t been? They’re taking it to an unhealthy place and blaming an entire gender for crappy things someone did.

Also wichtige Themen, die aus einer Männerperspektive besprochen werden und die Abwertungen etc aufzeigen, die hier alltagstauglich geworden sind und auch den diesbezüglichen Doppelstandard deutlich machen.

Und auf der anderen Seite das verbitterte einiger, das Denken in einem Feindbild, das negative über das andere Geschlecht. Da hatte ich auch schon in verschiedenen Artikeln:

Aus meiner Sicht muss eine Männerrechtsbewegung, die mehr in den Mainstream möchte und „Anschlussfähig“ sein will – durchaus anders als ein Feminismus – darum bemüht sein, dass er die Verbitterung rausbekommt und nicht auf ein Feindbild springt. Der Feminismus kann sich das weitaus eher erlauben, weil die Abweisung von Männern für Frauen eine durchaus verbreitete Strategie ist, in der dann eben der Mann die Gunst der Frau erobern muss, sich als gut genug erweisen muss. Diese Strategie verfängt bei Männern weitaus weniger bei der Masse.

In gewissen Teilen kann man „ich lass mich doch nicht von diesen Schlampen ausbeuten“ sicherlich als Mittel benutzen, um den starken Mann rauszukehren. Die meisten Männer wollen aber gar nicht in einen Geschlechterkrieg. Sie wollen mit Frauen gut auskommen und zusammenarbeiten. Sie wollen auch nicht verbittert und als schwach erscheinen. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit schreckt schnell ab, weil sie gar nichts gegen Frauen haben wollen (was allein schon eine Theorie wie die Rape Culture Theorie stark abwertet. Männer wollen weitaus eher beschützen und der Held sein als Frauen als Opfer herabwürdigen).

Was sagt ihr zu ihrer Kritik?

Thesen zum Maskulismus (von Lightyear)

Als Reaktion auf meine Thesen zum Feminismus hat Lightyear2000 auch vier Theorien erstellt (in diesen Tweets 1, 2, 3) die insoweit den Nachweis bringen sollen, dass man viel behaupten kann, die Widerlegung dann aber schwierig ist.

Diese Thesen sind:

1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer

2. Maskulisten haben keine Praxis

3. Maskulisten bashen Feminismus, haben sonst keine eigenen Ideen

4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.

Schauen wir mal:

1. Im Maskulismus sind Männer immer Opfer

Da würde ich zum ersten darauf verweisen, dass in den Studien zur häuslichen Gewalt davon gesprochen wird, dass beide Seiten Gewalt ausüben. Ich wüsste jetzt – abseits eines radikalen Maskulismus, der ein „Frauen beuten nur aus“ vertritt, aber in der Hinsicht sehr selten ist – nicht, wo überhaupt eine „Alleintäterschaft“ von Frauen vertreten wird.

Ich kann auch ohne weiteres hier kundtun: Männer und Frauen haben beide an der Gesellschaft teil und gestalten diese insofern auch beide. Üblicherweise werden verschiedene „Kompromisse“ gefunden bzw. in einem Bereich setzt sich eher die Frau, in anderen eher der Mann durch.

2. Maskulisten haben keine Praxis

Leider hat Lightyear immer noch nicht so recht erklärt, was er eigentlich unter „Praxis“ versteht. Es scheint mir damit nicht einfach konkrete Arbeit gemeint zu sein, sondern die Anwendung der Theorien auf tatsächliche Lebensverhältnisse.

Ansonsten müsste ich auf Manndat, Agens, Väteraufbruch  und andere Vereine verweisen. An praktischen Anwendungen würde ich das Hinwirken zb auf ein Wechselmodell sehen, oder auf Bereitstellung auch für Hilfe für Männer, die von Gewalt betroffen sind oder für die Stärkung von Vaterrechten. Was sonstige allgemeinere „Praxis“ angeht würde ich es so sehen, dass aus zB den biologischen Theorien folgt, dass Männer nicht essentialistisch gesehen werden können, sondern es allenfalls Häufungen gibt und das aus der Figur des naturalistischen Fehlschluss folgt, dass Männer auch wenn das Selektionsdrücke waren, die nach Niederschlagung in unserer Biologie zur Ausprägung einer entsprechenden Kultur geführt haben, nicht auf die Rolle als Versorger, Beschützer etc festgelegt werden können und insofern um mit Warren Farrell zu sprechen nicht „disposabel men“ sein sollten, sondern den gleichen Anspruch auf Schutz und Unterstützung haben wie Frauen.

3. Maskulisten bashen Feminismus, haben aber sonst keine eigenen Ideen

Das überschneidet sich aus meiner Sicht etwas mit dem obigen Punkt, aber ergänzend dazu würde ich sagen, dass in einem Maskulismus wie beispielsweise dem von Warren Farrell die Theorie vertreten wird, dass Männer und Frauen ein Nullsummenspiel betreiben, wenn es eigentlich um Kooperation zwischen den Geschlechtern geht.

Dies kann man mit der Spieltheorie weiter ausbauen, etwa indem man die klassische Beziehung als Prisoners Dilemma versteht und vieles zwischen den Geschlechtern als Versuch des Signals, dass man fair spielen will und gleichzeitig als Absicherung gegen „defect“. Von dieser Betrachtung ausgehend muss es zu einer Neuverhandlung bestimmter Regeln zwischen den Geschlechtern kommen, denn früher hatte es für beide bei einer Heirat oder auch nur Sex erheblich andere Auswirkungen „defect“ zu spielen. Heirat ist insofern mit Verhütung, Unterhalt, Zugewinn, Versorgungsausgleich, Arbeit beider Geschlechter, staatlicher Unterstützung und dem Wegfall sozialer Stigmata ein ganz anderer Vertrag geworden, deren Regelungen vielleicht nicht mehr zeitgemäß sind. Ein wesentlicher Teil maskulistischer Arbeit und Ideen bezieht sich gerade auf diesen Bereich und seine Auswirkungen, vom Sorgerecht bis zum Unterhalt.

4. Maskulisten wünschen sich ihre Privilegien zurück, die vor 50 Jahren noch hatten.

Eigentlich will aus meiner Sicht kaum jemand zurück in die 50er. Den diese Privilegien sind ja nur bei sehr einseitiger Betrachtung. „Vorstand der Familie“ ist ein sehr relativer Begriff, genug Männer werden auch damals unter dem Pantoffel gestanden haben. Und es bedeutete eben auch allein für die Versorgung der Familie verantwortlich zu sein, schwer an außerehelichen Sex zu kommen, sich von einer nicht mehr genehmen Partnerin quasi nicht trennen zu können und zudem für den Fall, dass das nicht gelang ein meist lebenslanger Unterhaltsanspruch ohne das die Frau verpflichtet war einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (wenn ich mich nicht täusche), sofern sie nicht etwas falsch gemacht hatte, was ihn zur Treue berechtigt.

Es mag für Feministen kaum vorstellbar zu sein, aber ich habe gerne vor der Ehe die Möglichkeit, Beziehungen auszuprobieren und nicht dafür beschämt zu werden oder auch einfach nur Sex zu haben. Und ich finde es gut, wenn eine Frau ebenfalls etwas verdient. Was genau an den 50er Jahren so attraktiv für Männer gewesen sein soll entzieht sich mir da eher.

Wenn damit allgemein konservative Geschlechterrollen gemeint sind: Dagegen gibt es natürlich auch Widerstand im Maskulismus. Es ist ja nicht so, dass die konservativen Rollenzuweisungen hier durchgängig bejaht werden, sie werden eben auch als Einschränkungen für Männer gesehen und der Versuch, sie als zwingend zu befolgen vorzugeben, abgelehnt

 

Was würdet ihr gegen Lightyears Thesen anführen, vielleicht auch an Artikeln auf eurem Blog? Oder welche Ausführungen stützen vielleicht sogar seine Thesen? Wie steht ihr allgemein zu diesen?

Kritikrunde: Der „C&A-Maskulismus“

Bei Elmar und Co ist häufig die Rede von einem „C&A-Maskulismus„. Dabei scheint es den Betreffenden darum zu gehen, dass Arne und Ich in irgendeiner Form eine Verschwörung betreiben um 1. die Vorherrschaft im Maskulismus anzutreten und 2. alle anderen rauszudrängen.

So schreibt Elmar beispielsweise:

Arne Hoffmann berichtete letztens über eine neue FES-Studie über Maskulismus und prompt folgt die Herde der C&A-Maskulisten brav dem neuen Trend. Doch während Arne seinem treuen Vasallen auf die Schulter klopft, gibt es noch eine andere Sichtweise auf die Affaire, die – sollte sie richtig sein – deutlich macht, daß wir Maskulisten mit unserer in posts gegossenen Empörung politisch naiv genug waren, uns mal wieder von den Feministen vorführen zu lassen.

Also das Bild einer Herde der übrigen Blogger mit Arne und mir als Anführer. Die „Fundamentalisten“ hingegen außerhalb dieses simplen Herdentriebes mit eigenen Meinungen

In einem weiteren Artikel ergänzt Elmar seine Kritik las Reaktion auf eine Stellungnahme von Schoppe:

Ich finde nicht, daß Arne und Evochris die wichtigsten Personen sind. Sie sind sicher am sichtbarsten, aber ihr Einfluß gefällt mir oft nicht und es freut mich, daß Schoppe, diese blogger in (8) für kritisierbar erklärt. Mein Eindruck ist, daß es andere blogger und Kommentatoren gibt, deren kluge und ideenreiche Beiträge durch diese mainstream-Macher zu stark in den Hintergrund gedrängt werden, ihr Wunsch nach Dominanz schadet mehr als er nützt. Schoppe appelliert nicht ganz zu Unrecht an eine Fraktionsdisziplin und vermutlich hat der die Idee, daß Geschlossenheit mehr nützt und Disput – wenigstens im gegenwärtigen Stadium – eher schadet. Doch wie wollen wir das abschätzen? Nach meiner Ansicht ist es für eine Fraktionsdisziplin viel zu früh, denn die Breite maskulistischer Perspektiven entfaltet sich gerade erst und Fraktionsdisziplin macht nur Sinn, wenn man schon über eine gewisse politische Wirksamkeit verfügt. Doch davon sind wir weit entfernt.

Und zu den Zielen des „C&A-Maskulismus“ schreibt Elmar an gleicher Stelle:

 In letzter Zeit ist tatsächlich sichtbar geworden, daß einige, die sich für gemäßigt halten, ganz andere Motive und Positionen haben als C&A. aranxo und LoMi sind paradigmatisch und mit LoMi kann ich sehr konstruktiv diskutieren. Der Grund dafür liegt darin, daß von C&A das label der Mäßigung in einem anderen Sinn benutzt wird, als viele andere blogger und Kommentatoren es tun. Mit den inhaltlichen Positionen Gemäßigter wie LoMi oder aranxo kann der Fundamentalismus prima leben und er opponiert auch nicht gegen sie – wenngleich es schwierig ist, herauszubekommen, was Gemäßigte eigentlich vertreten. Vor allem LoMi hat eine recht theoretisch Vorstellung von Mäßigung, die man nicht einfach vom Tisch wischen kann.

Wogegen der Fundamentalismus hingegen in Wahrheit opponiert – und das ist bisher von uns leider nicht richtig dargestellt worden – ist die Idee von an den mainstream anschlußfähiger Positionen. Männerstreik hat diese Idee als erster gehabt, aber er rastet leider immer aus, so daß sie nur schlecht sichtbar war.

Arne, Christian und z.B. auch Leszek betonen immer wieder, daß sie nur mit bestimmten feministischen Positionen kein Problem haben. Radikalfeminismus und einen gewissen Genderfeminismus lehnen sie ab, aber wenn es um das geht, was sie Equity-Feminismus nennen, dann hellen sich ihre Mienen auf.

(…)

Tja. Ich glaube eher, daß die C&A-Fraktion zum Teil aus Leuten besteht, die durch ihre Beschäftigung mit dem Feminismus gewieft genug geworden sind, um gelernt zu haben, wie man personlichen Vorteil aus dem Maskulismus schlagen kann. Andere sind naiv und wieder andere benutzen die Affaire um ihre persönlichen ressentiments auszuleben.

Also der Gedanke, dass man sich (wohl durch Anbiederung (mitttels Biologismus?) an den Feminismus (wohl den Equity-Feminimus?)) Posten für später sichern will. Vielleicht auch in der Masku-Szene, wenn sie denn mächtig wird.

Ich habe mich bisher eigentlich für einen Blogger gehalten, der gerne und häufig auf andere Blogs verlinkt und neue Blogs gerne weiterempfiehlt. Und gerade Elmar kann sich aus meiner Sicht nicht beschweren. Ich habe auf viele seiner Artikel verlinkt. So gesehen die perfekte Starthilfe für seinen Blog, wenn seine Ideen die Leser überzeugen, selbst wenn meine Artikel kritisch waren. Ich vermute mal, dass die Tage als ich auf ihn verlinkt habe, zu seinen stärkeren gehört haben dürften. Ich wüsste auch nicht, wie ich andere Blogger vom Artikelschreiben abhalten sollte oder jemals irgendjemanden davon abgehalten habe, einen Artikel zu schreiben (wie auch?). Üblicherweise ist die Kritik wohl eher, dass ich zuviel radikale Stimmen auf meinem Blog in den Kommentaren zulasse als das ich jemanden hindere, etwas zu sagen, solange es nicht beleidigend ist.

Persönliche Vorteile aus dem Maskulismus? Bisher eher nicht, außer dem Spass am bloggen. Als anonymer Blogger auch eher schwierig.

Aber ich lasse mich ja da eines besseren belehren. Wer also schon immer Kritik an der Dominanz des „C&A-Maskulismus vorbringen will, der kann das gerne in den Kommentaren machen. (Ich erteile jetzt schon eine Amnesty für die Zeit nach der Revolution, dürfte bei dem dann vorhandenen Posten ja in meiner Hand liegen). Wer als Vasall Arnes und meiner Herde nur mein Lob blöken möchte kann das natürlich auch gerne wie immer machen.  Vielleicht können wir auch schon die Posten verteilen.

„Wenn du Kritik an meiner Meinung äußerst, dann gehörst du zur Gegenseite“

Eine leider im radikalen Maskulismus (und auch im radikalen Feminismus) anzutreffende Auffassung ist ein sehr starkes Freund-oder-Feind-Denken, dass oft geradezu einen gewissen Verschwörungscharakter hat.

Es scheint mir insbesondere in der Ausrichtung:

„Du kritisierst etwas an meiner maskulistischen Theorie oder meinen maskulistischen Ansichten, die dir zu weit gehen, also musst du Feminist sein“

Das ist natürlich ein altes Spiel, bei dem man ein „wer nicht für uns ist, der ist gegen uns“ benutzt, um jedem, dem es auf eine Zuordnung zur Gruppe ankommt, mit einem Ausschluss aus der Gruppe zu drohen, indem man ihm dem Feind zuordnet.

Das klappt aber natürlich auch nur, wenn man zum einen eine sehr geschlossene Gruppe hat, über deren Zusammensetzung man bestimmen kann und zum anderen sich derjenige, der damit bedacht wird, einerseits nicht aus dieser Gruppe ausgeschlossen und andererseits der anderen Gruppe nicht zugeordnet werden möchte.

Und es scheint einige radikale (und nach meiner Beobachtung häufig auch: fundamentale) Maskulisten zu überraschen:

Ich möchte gar nicht dem radikalen Maskulismus oder einem Maskulismus mit einem solchen Gruppendruck zugeordnet werden.

Ich möchte einem Maskulismus zugeordnet werden, der im Grundsatz humanistisch ist, der Kritik an sich selbst zulässt und der die recht simple Logik versteht, dass man einen Teil einer Bewegung ablehnen oder kritisieren kann, mit einem anderen Teil dieser Bewegung aber einverstanden sein kann und deswegen noch lange nicht gegenteilige Ziele vertreten kann. Das einzige, was die Frage, ob ich ein Feminist / ein feministisches U-Boot bin, wenn ich aus meiner Sicht zu radikale oder falsche Punkte kritisiere, bewirkt, ist, dass ich denjenigen für zu dumm / zu radikal/zu fanatisch halte, diesen recht einfachen Unterschied zu verstehen.

Es wird solche Menschen vielleicht auch erschrecken, dass man einen Großteil feministischer Theorie für vollkommen falsch halten kann, aber dennoch einen gemäßigten Feminismus neuer Machart für möglich und für richtig halten würde. Und das man Humanismus im Geschlechterbereich durchaus so definieren kann, dass man beide Seiten betrachten muss und einen daher die Bezeichnung als Feminist in dem Sinne, dass man natürlich auch gegen ungerechtfertigte Benachteiligungen von Frauen vorgehen würde, gar nicht ablehnen muss.

 

 

Robin Urban und die Frage, ob im Maskulismus nicht mehr über Männer geredet werden sollte

Robin hat ein paar Fragen und rantet vorher noch etwas über maskulistische Blogs. (zu vorheriger Kritik am Begriff des Antifeminismus vergleiche auch hier)

Tja, ne. Komm ich mittwochs (ja, MITTWOCHS!!! Verklagt mich doch!) leicht angetrunken von einem Besuch von der Arbeit und will mich einfach nur noch ein bisschen durchs Internet klicken.

Meine Güte, schon in der Einleitung Rebellion! Eine Studentin, die an einem Mittwoch betrunken ist. Wer hätte das jemals gehört (außer so ziemlich alle Clubs und Studentenkneipen, die Mittwochs Studentenabend haben, weil man an dem Tag eben nur Studenten locken kann).Aber gut, weiter geht es.

Und was seh ich da, mal wieder? Auf irgend so ner Maskulistenseite? Oder etwas, was sich dafür hält?

Klar: “Feminismus, Feminismus, Feminismus”. Oder wahlweise auch: “Frauen, Frauen, Frauen”. Und ich so: Meh, meh, meh.

Meine These ist ja, dass es Robin insbesondere so stört, dass so viel über Feminismus und Frauen geredet wird, weil sie gerne möchte, dass der Feminismus recht hat und sie sich aufregen kann, sie aber recht wenig Argumente für ihre Positionen und gegen die Kritik am Feminismus hat. Sie möchte insofern gerne, dass man den Feminismus einfach mal in Ruhe lässt.

Aber schauen wir mal:

Ich weiß nicht, warum mich das gerade so nervt. Eigentlich geht’s mir total gut. Super Abend gehabt, jetzt war der Plan eigentlich: noch was cooles lesen und dann schlafen gehen.

Es freut mich immerhin, dass Robin den Plan, etwas cooles zu lesen, umsetzt, indem sie auf eine Maskulistenseite (oder etwas, was sich dafür hält) geht. Das spricht immerhin trotz ihres Ungemaches für sie.

Ich habe ja schon mehrmals kritisiert, dass sich der Maskulismus meiner Meinung nach zu sehr am Feminismus abarbeitet, statt sich mal um existentielle Fragen rund um Männlichkeit zu kümmern.

Aus meiner Sicht ist Feminismus natürlich ein Kernthema im Maskulismus, weil diese Theorien eben momentan auf der politischen Ebene für viele Probleme für Männer sorgen – gemeinsam mit konservativen Strömungen, die ebenfalls stark auf Frauenschutz abstellen, diese aber aus einer anderen Sicht angehen. Natürlich muss es Männer interessieren, wenn in der Geschlechterpolitik die Stimmen vorherrschen, die von einem Gegeneinander der Geschlechter ausgehen und alles als Machtkampf um Gruppenrechte gehen. Natürlich muss es Männer interessieren, wenn in diesen Strömungen vertreten wird, dass man Männer überhaupt nicht diskriminieren kann und diese eine RapeCulture unterhalten um Frauen durch Angst zu unterdrücken. Natürlich muss es sie interessieren, wenn Frauenförderung auf Gleichheit bei eigentlicher Ungleichheit abstellt und die eigentlich unterschiedlichen wie erheblich mehr Überstunden, karrierefördernde Studiengänge, weniger Aussetzen über Jahre etc nicht gewertet wird.

Aber mal sehen, was Robin für die existentiellen Fragen der Männlichkeit hält.

Nun könnte man einwenden, dass ich die Sache vielleicht zu, hm, feminin angehe. Zu emotional. Aber ich frage mich echt, ob es nicht Dinge, Fragen, Erfahrungen gibt, über die Männer sich gerne austauschen würden, über die ich aber trotzdem noch nie was auf maskulistischen Seiten (oder die, die sich dafür halten) gelesen habe?

Ja, das könnte durchaus sein.

Ich habe das schon so oft in meinem Leben erlebt: Da sitzt frau mit ein paar anderen Frauen zusammen und plötzlich dreht sich das Gespräch um die erste Menstruation. Oder überhaupt um Menstruation. Ein sehr, SEHR ergiebiges Thema.

Echt? Frauen reden über ihre erste Menstruation? Und das sind dann existentiellen Fragen der Weiblichkeit? Warum? Natürlich gehört die Menstruation zur Weiblichkeit (und auch zur Partnerschaft mit Frauen, ich hatte auch schon einen Artikel dazu, wobei mich in dem Fall Maren nur fragte, was ich mit solchen Artikeln bezwecke). Ich kann mir den tiefen Sinn solcher Unterhaltungen allerdings über ein Bonding der jeweiligen Frauen tatsächlich nicht erschließen. Wenn die existentiellen Fragen der Weiblichkeit in Diskussionen über die ersten Tage behandelt werde können, dann wäre das aus meiner Sicht sogar der beste Beleg dafür, dass der Feminismus tatsächlich unnötig geworden ist.

Sicherlich kann das für viele Frauen peinlich, überraschend und besonders gewesen sein oder auch aus anderen Gründen sowohl eine Geschichte abgeben als auch den Übergang in eine neue Lebensphase deutlich gemacht haben, aber es klingt mir eher nach einer Übermystifizierug von einem biologischen Vorgang. Persönlich hätte ich vermutet, dass sich in dem Zusammenleben mit anderen eher etwas durch Brüste verändert, da diese immerhin nach außen sichtbar sind und auch deutlicher Begehren wecken.

Und wenn ich so darüber nachdenke, was für ein Einschnitt meine erste Periode in meinem Leben dargestellt hat, wie sehr ich mir darüber einen Kopf gemacht habe, wie oft ich darüber in der BRAVO las – geht es Männern/Jungs nicht genau so? Klar, die menstruieren nicht – aber auch bei denen ist der Übergang zur Geschlechtsreife mit einem unverhofften Verlust an Körpersäften markiert. Stichwort: erster Samenerguss.

Ich glaube, dass die Anzahl von Männerrunden, die sich jemals als Erwachsene über ihren ersten Samenergusss unterhalten hat, verschwindend gering ist. Ich habe das konkrete Ereignis noch nicht einmal im Kopf. Sicher war es damals etwas besonderes und sicher hat man danach die Masturbation zu einem wichtigen Bestandteil seines Lebens gemacht und Penisgefühle noch etwas anderes bewertet, aber der erste Samenerguss kommt entweder bei ersten Masturbationsversuchen oder eben nachts und auch dann muss man nicht so viel machen, Blut macht da wohl die schwierigeren Flecken als Samen.

Vielleicht verdrehen jetzt einige die Augen. Vielleicht findet ihr es saublöd, dass ich mich frage, wie sich ein Junge wohl so fühlt, wenn er plötzlich morgens aufwacht und die Bettdecke an ihm klebt. Oder wie es ist, darauf zu warten, man sich vielleicht nicht normal fühlt, weil alle anderen in der Klasse schon “können”, nur man selber nicht – oder umgekehrt.

Ich kann mich ehrlich gesagt auch an keine Gespräche dazu erinnern, ob ein Freund schon kommen kann oder nicht. Es ist ja auch  nichts, was man dann monatlich vortäuschen muss, wie eine Menstruation und bei dem es vielleicht deswegen mehr auffällt. Man könnte hier recht einfach lügen, wenn man sein Gesicht wahren will. Aber wie gesagt, diesbezügliches Austauschen habe ich nicht erlebt.

Der Feminismus beschäftigt sich ja nicht nur mit Sexismus.

Der Maskulismus auch nicht. Er beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Geschlechter untereinander, mit Sex, mit Partnerschaft, mit Familienmodellen, aber auch mit den Männerkrankheiten, Beschneidungen, den Unterschieden zwischen Mann und Frau etc. Im Feminismus nimmt allerdings der Sexismus einen sehr großen Platz ein, da ja quasi alles Sexismus ist, das Private nach Ansicht vieler dort eben auch immer politisch ist, jedes geschlechterkonforme Verhalten oder auch nur die Darstellung typischer Situationen die Geschlechterrollen prägt und damit Sexismus ist, weil dadurch Frauen an der freien Entfaltung gehindert werden. Hierzu schreibt Robin lieber nichts, weil ab und zu über Menstruationstassen geredet wird.

Nein, es geht ja auch um Weiblichkeit oder das, was darunter verstanden wird. Den weiblichen Körper, seine Funktionen etc.pp. Und da gibt es nun halt einige Baustellen. Die erste Periode (oder halt die Menstruation überhaupt) habe ich ja schon genannt. Was noch? Tja, Mutterschaft. Ist natürlich nur Müttern vergönnt (aber trotzdem – sind wir nicht alle dem Druck unterworfen, uns fortzupflanzen?). Dann diese vielen Fragen, die in der Pubertät erstmals auftauchen (und sich leider oft darüber hinaus retten). Das erste Mal und die Angst davor. Sind meine Brüste zu klein/zu groß/zu seltsam etc.? Findet er meinen Geruch/Geschmack eklig? Rasur, ja oder nein? Masturbation und die Scham, die damit einher geht? etc.etc.

Allerdings wird dies auch nicht abstrakt gemacht, als reine Erfahrung der Weiblichkeit, sondern Mutterschaft wird entweder als Rollenbild kritisiert („warum eigentlich die Mutter und nicht der Vater? Warum darf die Mutter dies oder das nicht?“) oder idealisiert dazu genutzt, eine besondere Vormachtstellung der Frau zu begründen. Die biologischen Vorgänge darum herum wären schnell schon wieder Biologismus.

Das erste Mal und die Angst davor ist eben etwas typisch weibliches. Die Angst der meisten Jungs geht eher darum, dass sie das erste Mal erst sehr spät erleben. Sie haben keine Angst vor dem ersten Mal, sie haben Angst davor, dass das nicht passiert und man in der Friendzone stecken bleibt. Dazu wiederum findet sich in diese Blog einiges (was Robin dann aber auch wieder nicht gefällt). Natürlich gibt es die Angst, dass der Penis zu klein ist . Aber auch hier hat man einmal den Vorteil, dass die Größe weit weniger thematisiert wird, weil den steifen Penis kaum ein anderer Junge sieht und die Unterschiede im schlaffen Zustand eben nicht so deutlich sind und das es auch ein Thema ist, über welches man nicht redet. Warum auch, man kann es eh nicht ändern.

Ja, vielleicht denke ich da grade zu “weibisch”. Aber sind das nicht alles tiefemotionale, da hochintime Fragen, die auch ein männliches Äquivalent haben? Und warum redet darüber keineR?

Weil es für Männer keine solchen tiefemotionalen, dafür aber durchaus hochintime Fragen sind. Wir haben schlicht nichts davon uns mit Freunden darüber auszutauschen. Im Gegensatz zur besten Freundin bei Freunden untereinander wissen unsere besten Freunde häufig wenig über das intime Leben innerhalb von unseren Beziehungen.

Was hindert X anonyme maskulistische Blogger daran, sich mal mit diesen durchaus persönlichen Themen rund um Männlichkeit zu beschäftigen?

Wir sehen keinen Sinn darin würde ich vermuten. Anscheinend sehen das die meisten feministichen Blogger ähnlich, ich sehe da auch keine Artikel, die wirklich das erste Mal und die erste Menstruation oder ihr Sexleben nur unter den Aspekten von Weiblichkeit (und nicht Unterdrückung oder Sexismus) besprechen. Robin selbst macht das meines Wissens nach auch nicht, obwohl sie ja auch anonym bloggt. Oder habe ich einen Artikel zu ihrem ersten Mal und ihren Tagen verpasst?

Sich auszutauschen? Ohne blöde Flapsigkeiten? Wo Frauen das doch auch so gut hinkriegen?

Da hätte ich doch gerne mal ein paar Links zu Artikeln aus dem Feminismus, wo Frauen das so gut hinbekommen.

Warum dieses Schweigen… oder diese Scham? Findet ihr das etwa alle völlig unwichtig?

Bisher hat Robin auch noch nicht wirklich dargestellt, wofür das genau wichtig sein soll. Was bringt es, wenn wir hier über unseres erstes Mal oder die typische Unsicherheit der Pupertät diskutieren. Es sind Phasen, die man durchläuft, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sie mich wesentlich prägen. Und auch hier erscheint es mir wichtiger, das man darüber diskutiert, wie man die Dämonierung männlicher Sexualität heute angeht, damit Jungs entspannter in die Pubertät gehen können und wissen, dass es okay ist, nackte Frauen toll zu finden. Wenn ich Jungs über ihre Unsicherheit hinweghelfen will, dann bringt es mir nichts, lange über diese Unsicherheit zu reflektieren, sondern eher über Lösungswege nachzudenken, die ihnen im Umgang mit Frauen helfen. Das man am Anfang unsicher ist und das man vielleicht auch sich seiner Sexualität schämt, dass ist aus meiner Sicht etwas, auf das sich die meisten Männer recht schnell einigen können, es braucht keine hundert Artikel dazu, in denen jeder über sein erstes Mal berichtet.

Übertrage ich hier meine ach so hysterisch-feminine Gefühlswelt auf Männer, die das gar nicht wollen oder was?

Wahrscheinlich eher ja. Mehr würden wir wissen, wenn du uns über deine erste Menstruation und dein erstes Mal etc erzählst und uns dann sagst, warum das so wichtig für die Diskussion und die Selbstfindung ist.

Aber mal sehen, was Robin wissen will:

– Wie hast du deinen ersten Samenerguss erlebt? Wie waren deine Gefühle/Gedanken davor und danach?

Ich habe tatsächlich keine Erinnerung daran.

– Wie hast du, gerade als Junge, Masturbation erfahren? Wie ist es heute? Hattest du Schuldgefühle etc.?

Als Befreiung von einem gewissen Druck, aber auch als eine gewisse Sucht. Als einen wichtigen Grund einen eigenen Zimmerschlüssel zu haben. Als Suche nach ansprechenden Bildern und Texten (Vorinternetzeit) und dem verstecken dieser.

Teilweise fühlte ich mich etwas schmutzig. Ich erinnere mich, ein Mädchen, in das ich etwas verliebt war, in meinen Phantasien auszulassen, weil es mir falsch vorkam.

– Wie sind deine Eltern mit dem Einsetzen deiner Pubertät umgegangen? Wie hat sich das Verhältnis geändert?

Pubertät ist kein Ein-Aus-Zustand. Es gibt fließende Übergängen. Natürlich werde ich mich ungerecht behandelt gefühlt haben und sie sich über mich aufgeregt haben. Aber ansonsten hat es aus meiner Sicht keinen so deutlichen Übergang gegeben.

– Was fühltest/dachtest du bei deinem ersten Mal?

„Wow, das ist großartig! Es fühlt sich wunderbar an, richtig geil, etwas zu geil… Mist!“ Glücklicherweise ist die Erholungsphase in jungen Jahren ja sehr kurz.

„Hast du jemals mit deinem Körper gehadert bzw. dich unzulänglich gefühlt?“

Klar, wer nicht. Natürlich wäre man gerne sportlicher, größer, hätte dies und das anders. Wäre gerne allgemein schöner.

Speziell auf intime Stellen bezogen? (hach, wie sie das Wort “Penis” vermeidet… höhö.)

Jeder Junge hat irgendwann ein Maßband in der Hand und Vergleichswerte für heranwachsende Penise sind schwer zu finden. Klischeehafterweise kann ich ich aber nicht beschweren.

Hattest du, obschon (heute) heterosexuell, jemals erotische Gefühle zu einem männlichen Freund/Bekannten/Lehrer etc.? Wie war das für dich?

Nein. Es gab tatsächlich noch keinen Jungen, bei dem ich dachte, dass ich ihn gern küssen würde. Ich fand einige Stellen bei „Queer as Folk“ durchaus ansprechend, aber wohl eher, weil es Sex war.

– Gibt es Dinge, die du dich nicht traust, gegenüber deiner Frau/Freundin/Sexualpartnerin anzusprechen?

Es gibt bestimmte Sachen, über die ich gar nicht reden möchte, weil es weder ihr noch mir etwas bringen würde. In sexueller Hinsicht bin ich da allerdings sehr offen. Da würde ich eigentlich alles ansprechen

Das sind alles Fragen, direkt abgeleitet und umgepolt aus meiner weiblichen Erfahrungswelt heraus und von Dingen, die ich erlebt/diskutiert/mit anderen Frauen thematisiert habe.

Allerdings weniger in deinem Blog. Da arbeitest du dich lieber daran ab, dass der Maskulismus doch bitte mal den Feminismus in Ruhe lassen soll.

„Aber naja – wenn bei solchen Themen immer so getan wird, als wärt ihr alles beinharte Kerle, die niemals auch nur über irgendwas in Bezug auf eure Männlichkeit nachgedacht habt, dann erwartet bitte keine Taschentücherschlacht, wenn ihr dann doch mal eine sensible Seite zeigt.“

Nett. der Strohmann „wenn ihr bei bestimmten Themen, die ich wichtig finde, nicht sensibel seid, dann spreche ich euch das Recht ab, in anderen Bereichen sensibel zu sein“ ist aber leider doch sehr strohig. Vielleicht sind wir eben lieber sensibel bei der Frage, ob wir ein gemeinsames Sorgerecht bekommen oder ob man uns anderweitig dämonisiert als bei der Frage, wie unser erstes Mal war. Warum soll das eine dadurch entwertet werden, dass man das andere nicht sensibel sieht oder meint, dass es einem wenig bringt, wenn man sich darüber austauscht?

„Mich würde es extrem beeindrucken, ein paar dieser Fragen beantwortet zu sehen“

Und ein Mädchen zu beeindrucken ist schließlich das, was allen Männer wichtig sein sollte.

Gerade, weil sie völlig ohne irgendeinem Bezug zum Feminismus auskommen.

Redet gefälligst über eure Gefühle beim ersten Mal und lasst meinen Feminismus in Ruhe!!. Der ist gut und ich möchte nicht dauernd darüber lesen, was daran alles fehlerhaft ist.

Mich würde es übrigens sehr beeindrucken, wenn Robin sich mal Kernthesen des Genderfeminismus vornimmt und diese bespricht. Oder Punkte wie den Gender Pay Gap. Etwas, mit dem sie sich tatsächlich mit der eigentlichen Geschlechterdebatte auseinandersetzen muss. Aber gut.

Einen Maskulismus zu erleben, der sich tatsächlich mal nur mit Maskulinität auseinander setzt, wäre ja so wahnsinnig erfrischend.

Klar, dann kann man das interessiert lesen und muss sich nicht damit auseinandersetzen, wie das Geschlechterverhältnis sonst so ist und was im Feminismus sonst alles so vertreten wird. Das Äquivalent einer Frauenzeitschrift: Politik und Wissenschaft raus, statt dessen „wie hast du dich damals gefühlt und was sagt das über deine Männlichkeit aus“ rein.

Warum der Maskulismus nicht zu Potte kommt

Adrian gibt in einem Kommentar einige Punkte an, die seiner Meinung nach dazu führen, dass der Maskulismus nicht zu Potte kommt

Die Diskussionen in diesem Blog zeigen m. E. sehr schön warum der Msakulismus nicht zu Potte kommt:

1.) Er hat sich ein Feindbild aufgebaut, noch bevor er gesellschaftlichen Einfluss genommen hat.

2.) Er vertritt eine Opferideologie, noch bevor er gesellschaftlichen Einfluss genommen hat.

3.) Er ist weitestgehend fatalistisch, hat keine positive Zukunftsperspektive, sondern lamentiert nur über gegenwärtige Ungerechtigkeiten, und übertreibt diese im hohem Maße.

4.) Er verklärt und idealisiert die Geschlechterverhältnisse der Vergangenheit

5.) Er kümmert sich nicht um Männer, sondern ist lediglich gegen Feministen im besten und gegen Frauen im schlimmsten Falle.

Zu den einzelnen Punkten:

1.) Er hat sich ein Feindbild aufgebaut, noch bevor er gesellschaftlichen Einfluss genommen hat.

Ein Feindbild kann einen stark machen, wenn es genug Leute teilen, bietet aber auch eine große Angriffsfläche. Ein Problem wird hier auch sein, dass genau dieses Feindbild bereits gegenteilig in Beschlag genommen wurde: Etwas gegen den Feminismus zu sagen ist rückständig, gerade wenn es von Männern kommt und Feminismus nicht differenziert wird nach einem Radikalfeminismus und einem auf gleiche Rechte für Frauen ausgerichteten Feminismus. Gegen Frauen zu sein wirft da noch viel größere Probleme auf: Männer wollen üblicherweise nicht als Frauenfeindlich wahrgenommen werden.

2.) Er vertritt eine Opferideologie, noch bevor er gesellschaftlichen Einfluss genommen hat.

Hinzu kommt auch hier, dass Opfer sein gegen die Männerrolle verstößt und zudem auch damit belastet ist, dass das Bild des Opfers viel besser durch die Frau besetzt wird. Es fällt auch schwerer ein Geschlecht als Opfer wahrzunehmen, dass die allermeisten wichtigen Positionen besetzt, auch wenn das eine Apex-Fallacy sein kann.

3.) Er ist weitestgehend fatalistisch, hat keine positive Zukunftsperspektive, sondern lamentiert nur über gegenwärtige Ungerechtigkeiten, und übertreibt diese im hohem Maße.

Die Übertreibungen hatte ich auch schon kritisiert. Da würde ich auch gerne von weg kommen. Alle Frauen beuten einen aus/bei jedem Sex steht man wegen Falschbeschuldigung mit einem Bein im Knast/die feministischen Medien haben sich verschworen/der Staatsfeminismus lenkt alle Bereiche unseres Lebens.

Davon muss man weg und realistischer werden. Es bringt nichts sich eigene Mythen analog zu „jede 6 Frau wird vergewaltigt“ oder „Frauen verdienen 23% weniger“ zu schaffen.

4.) Er verklärt und idealisiert die Geschlechterverhältnisse der Vergangenheit

Das wäre wohl der konservative Maskulismus, der ja durchaus nicht die einzige Ausprägung ist. In der Tat hat dieser aber durchaus seinen Einfluss: Hier können sehr starke Rollenbilder transportiert werden, die Abweichungen problematisch erscheinen lassen. In diese Kategorie gehört wohl auch die Überschneidung von Überfremdung und Geburtenrückgang, die eine Rückbesinnung auf konservativere Zeiten erforderlich macht.

5.) Er kümmert sich nicht um Männer, sondern ist lediglich gegen Feministen im besten und gegen Frauen im schlimmsten Falle.

Das mag allerdings auch daran liegen, dass genau dieser Einfluss des radikalen Feminismus als einer der negativsten Faktoren gesehen wird, bei dem ein Vorgehen erforderlich ist. Die Idee ist wohl auch, dass Männer sich um sich selbst kümmern können und dann ihre Wahlmöglichkeiten ausleben können, wenn der radikale Feminismus ihnen nicht dazwischen funkt.

Andere Thematiken wie das Familienrecht sind zudem schwer zu überblicken. Es gibt allerdings durchaus auch insoweit verschiedenste Vorstellungen, über Männerhäuser oder Aufklärung bei Gewalt gegen Männer, Kampagnen zum Sorgerecht, der Versuch einer Lobbyarbeit und einer Einflussnahme auf die Politik.

Natürlich hat der Maskulismus noch nicht den Professionalitätsgrad des Feminismus erreicht, dazu ist er aber auch noch zu weit von deren Geldtöpfen entfernt.