Männliche Sexualität, nackte Haut und Feminismus

Lucien Maverick bringt in dem Blogbeitrag „Modern Feminism is a Joke! (Part IV)“ ein paar interessante Punkte zu männlicher Sexualität und Feminismus:

She also have videos showing how clothing ads are a way for men to have their sexist desires be shown on television. I have a question for you, FF, does the fact that men are attracted to women just bug you? For real, she has a problem with any outfit or anything that shows that men are attracted to women. Anything even slightly sexual is something that we have to fight against. (…) I would have a modicum of respect for FF if it weren’t for the fact that her and all those like her seem to feel the need to make personal discomfort into some massive conspiracy against women. Not to mention, biology, bitch! Yes, we have ads that display women being sexual. Yes, there is porn. Yes, we have clothing in the world that shows women’s features. I hate to break it to you, but men have been into women for a long time. Men like boobs. Sorry, but no amount of old-Irish Catholic clothing is going to stop men from liking boobs. Your refusal to understand this is interesting. So is Rebecca Watson’s, so is Eve Bit First’s. All of these women seem to not understand that the liking of boobies is perfectly natural. (…) Question – how should men act around women who they are sexually interested in? Do men just NEVER bring it up? Do we just pretend that things that naturally evolved to evoke a sexual response don’t exist? The fact that women have breasts all the time, not just when they are nursing young evolved directly for the purpose of engaging the sexual desires of men.

Ich sehe auch wenig Sinn darin, meine Sexualität in diesem  Punkt zu leugnen oder zu verbergen und mir scheint ebenfalls die in vielen Teilen des  Feminismus dazu herrschende Meinung relativ männerfeindlich. Zu den sexnegativen Elementen in großen Teilen des Feminismus hatte ich ja hier auch schon das ein oder andere geschrieben:

Der Feminismus sollte sich ein entspannteres Verhältnis dazu zulegen, dass heterosexuelle Männer sich gern Frauen anschauen. Die Überfrachtung durch „Frauen werden zu Objekten reduziert“ (vgl auch hier) und „Mit solchen Darstellungen soll das Patriarchat gefestigt und Frauen unterdrückt werden“ ist meiner Meinung nach nicht haltbar.

Kerstin Palm zu biologischen Geschlechtertheorien und Evolutionärer Psychologie

Kommentator Chomsky verwies in dem Beitrag „Kritik an evolutionärer Psychologie“ in einem Kommentar auf einen Vortrag von Kerstin Palm (PDF), (Homepage) der feministische Kritik an evolutionsbiologischen Betrachtungen enthält. Mal sehen, was sie zu bieten hat:

„Das ästhetische Beurteilungsvermögen ist aus evolutionsbiologischer Sicht also eine angeborene Befähigung zur zeichengestützten Bewertung potentieller Sexualpartnerinnen und -partner, ein funktionales Instrumentarium zur Sicherung der maximalen Selbstfortsetzung.“

Das finde ich gar nicht so schlecht und passend formuliert. Ich hätte es allerdings eher auf die Weitergabe der Gene bezogen, was präziser wäre.

„Einige Studien berichten davon, dass Männer große Augen, eine kleine Nase und ein kleines Kinn und/ oder volle Lippen bei Frauen besonders attraktiv fanden, andere sahen bestätigt, dass kindlich aussehende Frauen von Männern bevorzugt wurden. Dem standen aber Studien, auch von Grammer selbst, entgegen, die eher erwachsen und reif aussehende Frauen mit leicht hervorstehenden Backenknochen und leicht eingefallenen Wangen als besonders attraktiv bewertet fanden“

Es ist eben mal wieder so, dass die Biologie in diesem Bereich flexibler ist als sie dargestellt wird. Bei all diesen Merkmalen handelt es sich um Attraktivitätsmerkmale, die im Schnitt sehr häufig als attraktiv empfunden werden, aber verschiedene Funktionen erfüllen.

Die kleine Nase und die großen Augen sind  Anzeichen für Jugendlichkeit, die gerade Männer bei Frauen attraktiv finden. Die Backenknochen und die leicht eingefallenen Wangen entstehen jedoch in der Pubertät und sind ein Zeichen für Östrogene, und damit Fruchtbarkeit.

Natürlich kann der eine Mann dies und der andere Mann das bevorzugen.

Ebenso ist es bei Männern, die sie nachfolgend beschreibt. Hier kommt es insbesondere sehr auf die Frage an, weil es einmal um sexy und zum anderen um langfristige Beziehung gehen kann. Die Antwort von Frauen auf die Frage „mit wem willst du einen One Night Stand“ oder „mit wem würdest du dir eine Beziehung vorstellen können“ unterscheidet sich üblicherweise und teilweise sogar mit dem Zyklus.

Und wenn das Durchschnittsgesicht bewertet wird, dann geht es um Symmetrie ein klassisches Zeichen guter Gene. Wenn ein deutliches Kinn bewertet wird, dann geht es um Testosteron, ein klassisches Zeichen für verschiedene andere Sachen.

Natürlich kann es auch hier Unterschiede zwischen den Frauen geben.

Ich sehe da erst einmal keine Widerspruchlichkeit.

Auch bei dem Hüft-Taile-Verhältnis von 0,7 zeigen sich in der Tat verteilt über die Welt unterschiede. Aber das spricht nicht dagegen, dass dieses Verhältnis nicht biologisch festgelegt ist. Schließlich haben wir auch verschiedene Hautfarben und diese sind ebenfalls biologisch festgelegt. Die Abweichungen zeigen sich aber üblicherweise auch mit einiger Entfernung voneinander (Zuwanderung ausser acht gelassen), was mit evolutonären Vorgaben durchaus zu vereinen ist.

„Zum zweiten fällt auf, dass die von Grammer dargestellte Attraktivitätstheorie der Geschlechterdifferenz auf zwei divergierenden Begründungen fußt, die es ermöglichen, einen scheinbar widersprüchlichen Befund als plausibel darzustellen. Attraktivität bei Frauen weist auf Gesundheit hin, die der Fortpflanzung zuträglich ist, bei Männern hingegen auf Gesundheitsgefährdung, die aber zugleich durch widerständige innere Stärke nicht bedrohlich, sondern sogar ebenfalls zuträglich für die Fortpflanzung ist“

Hier zeigt sich sehr schön, dass sie sich mit den Theorien nicht auseinandergesetzt hat.

Es ist auch für sie schwer zu verstehen, denn sie kommt ja aus einem Dogma der Gleichheit.

Männer und Frauen sind aber nicht gleich. Männer und Frauen tragen insbesondere vollkommen andere Kosten der Fortpflanzung und stehen damit unter gänzlich anderen Evolutionsdrücken.

Weil Frauen vorsichtiger mit Sex sein müssen als Männer, weil sie schneller auf den Kosten sitzen bleiben, liegt auf Männern ein stärkerer Wettbewerb um die Frauen, der sich einmal in einer intersexuellen Selektion, also einer Auswahl der Männer durch die Frauen niederschlägt, und zum anderen einer intrasexuellen Konkurrenz, die sich in einem Kampf/wettbewerb der Männer um die Frauen niederschlägt.

Hierbei ist Testosteron ein Costly Signal. Es macht stark, aber es belastet das Immunsystem. Wir finden solche Signale zuhauf im Tierreich, etwa bei allen Vögeln mit langen Schmuckfedern: Hier würde Palm vermutlich auch anmerken, dass mit ungleichen Maß gemessen wird, denn das weibchen unterliegt ganz anderen Regeln als das Männchen, bei dem Männchen soll plötzlich etwas, was das Weibchen aus gutem Grund nicht hat, schön sein. Das ist aber evolutionsbiologisches Einmaleins, wer sich auch nur etwas mit evolutionären Betrachtungen der Geschlechter beschäftigt, der kommt am Pfauenschwanz nicht vorbei.

Hier ein paar Artikel dazu:

Und ihre Probleme damit:

„Diese Logik ließe sich durchaus umkehren und beispielsweise postulieren, dass Frauen mit auffälligen Extremmerkmalen wie einem sehr breiten Kinn oder Bartwuchs ebenfalls im Sinne der Evolutionstheorie attraktiv sein müssten, da sie signalisieren, dass sie trotz ihres immunschwächenden Testosteronüberschusses in der Lage ist, gesund zu sein.“

Das könnte man. Aber bei Frauen schlägt Testosteron natürlich auch voll auf die Fruchtbarkeit durch und sie unterliegen nicht dem gleichen Selektiondruck wie Männer. Vielmehr zeigen entsprechende genetische Betrachtungen, dass sich Frauen in weitaus größerer Zahl fortgepflanzt haben als Männer. Ebenso wie die Pfauenhenne nicht auf den Pfauenschwanz angewiesen ist ist die menschliche Frau auf ein kräftigeres Kinn und Bartwuchs angewiesen. Das Argument ist um so schlechter, wenn man bedenkt, dass Selektion – leider für den Genderfeminismus – nicht darauf ausgerichtet ist Unterschiede zwischen den Geschlechtern verschwinden zu lassen. Vielmehr besteht eher ein gewisser Druck, die Geschlechter leichter erkennbar zu machen. Ein die Fruchtbarkeit vermindernder Testosteronschub als Merkmal für einen besonders guten weiblichen Partner hat daher bereits erhebliche Anfangshürden zu überwinden. Im Rahmen der – im Tierreich durchaus seltenen – doppelten Partnerwahl hat aber auch die Frau Kennzeichen entwickelt, die das für sie relevante Hormon anzeigen – Brüste. Eine wesentlich bessere Methode als die Verwendung von Testosteron.

Auch dies ist letztendlich evolutionsbiologisches Ein-mal-Eins und sollte jedem, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat, bewußt sein. Der „feministschen Biologiekritik“ ist es aber wohl nicht bekannt.

„Und ebenso müsste auch ein eher durchschnittliches, also wenig extrem geschnittenes Männergesicht als attraktiv gelten, da es in dieser Logik gute Gesundheit und damit hohe Reproduktionsfähigkeit anzeigte. „

Richtig. Symmetrische Gesichter sind auch interessant. Aber Anzeichen für Testosteron sind in vielen Fällen eben noch interessanter. Weil bei Männern, die in harter intrasexueler Konkurrenz stehen, die Durchsetzungsfähigkeit in dieser, die in einem Zusammenhang mit dem Testosteronspiegel stehen kann, ein intressanteres Merkmal ist.

„Hier zeigt sich deutlich, dass die Erklärung für eine postulierte Geschlechterdifferenz willkürlich gewählt ist und eigentlich keinen Erklärungscharakter hat, sondern eher alte seit dem 18. Jh. kursierende Geschlechterklischees von dem sich selbst behauptenden Individualsubjekt Mann und dem in der Masse versinkenden Gattungssubjekt Frau bedient“

Nur dann, Frau Palm, wenn man die Theorien nicht versteht. Ansonsten muss man sich schon damit auseinandersetzen, warum eine Frau biologisch andere Attraktivitätsmerkmale aufweist, die sie evtl eher in der Masse versinken lassen als den Mann. Im übrigen ist diese These auch nur bezüglich der Gesichter wahr. Schöne Frauen versinken eben gerade nicht in der Masse. Symmetrie ist eben auf der einen Seite Gleichheit, auf der anderen Seite Perfektion, die aus der Masse heraushebt. Frau Palm vergißt auch, dass die Frau neben dem Gesicht weitere Attraktivitätsmerkmale hat – Haar, Busen, Hintern, Beine, Bauch, die ebenfalls aus er Masse hervorheben. Und sie hat das Glück des stärkeren Geschlechtstriebs des Mannes (LINK!) der sein übriges tut.

„Abgesehen von der unbegründeten Aufteilung der Menschheit in zwei Geschlechter und ihrer heterosexuellen Orientierung,“

Natürlich kann sie auch das nicht in ihrer Ideologie unterbringen. Was eigentlich noch deutlicher zeigt, wie tief sie sich in das Thema eingearbeitet hat, nämlich gar nicht. Aber sie will dazu später noch was sagen, also schauen wir mal, was noch kommt.

„Mit anderen Worten: die Feststellung, dass es bestimmte geschlechtergruppenspezifische Kriterien für die Partnerwahl gibt, sagt noch nichts darüber aus, ob diese Kriterien im Rahmen kultureller und sozialer Aushandlungsprozesse bzw. Positionszuweisungen oder durch eine in der Evolution ausgebildete biologische Anlage entstanden sind, also warum diese vorhanden sind“

Das ist erst einmal richtig. Es ist stets ein Nachweis erforderlich, dass diese Merkmale auf biologischen Anlagen beruhen. Es gibt auch hierzu interessante Studien, sei es eben durch vergleich von Homosexuellen, Transsexuellen, CAH und CAIS etc und ihrer Partnerwahl oder auch dem Wandel von Partnerwahlkriterien mit dem Zyklus, mit Gerüchen, mit Pheromonen oder dem Vergleich mit anderen Völkern. Aus meiner Sicht zeigen gerade Homosexuelle und die Unveränderbarkeit ihrer Präferenzen, dass diese biologisch bedingt sind. Auch das diese bei CAIS-Frauen quasi nicht vorkommt, ist interessant und passt in das biologische Erklärungsmodell.

Nun aber zur Homosexualität:

„Wie erklärt sich nun die Evolutionspsychologie vor diesem Hintergrund das Phänomen der von der Heterosexualität abweichenden sexuellen Orientierungen und Begehrensmuster in Bezug auf Schönheitsempfinden?“

Ich verlinke einfach mal auf Artikel, die ich bereits habe:

Die Studien und Theorien dazu sind eigentlich mit wenig suchen zu finden.

“ Auffällig ist hier, dass Sexualitäten jenseits der Heterosexualität meistens gar nicht in den Möglichkeitshorizont der evolutionsbiologischen Attraktivitätsforschung rücken“

Natürlich rücken sie. Und zwar wie oben bereits beschrieben. Aber was genau kann bei homosexuellen Sex nicht passieren? Und worum genau geht es aus Sicht der Evolution beim Sex?“

Wer jetzt „Die Schaffung neuen Lebens“ und „Die Weitergabe von Genen“ geantwortet hat, der hat schon mehr von dem Thema verstanden als Kerstin Palm.

„Jedenfalls kann festgehalten werden, dass homosexuelle Menschen eine aus evolutionstheoretischer Sicht unerklärliche Existenz haben und daher auch für eine Forschung, die evolutionstheoretische Verhaltens- und Präferenzerklärungen anstrebt, nicht integrierbar erscheinen. „

Das schreibt sie erst einmal. Und führt dann später selbst Erklärungen an, nämlich Verwandtenselektion und Vorteile bei der Gruppenbildung, die sie dann ablehnt.

Es gibt aber natürlich noch weitere, ich habe sie in dem Artikel schon angeführt:

  • Schlichte Fehler in einem der hormonellen Vorgängen
  • Optimierung für ein Geschlecht: Ausgleich über andersgeschlechtliche Geschwister
  • Zusammenspiel von Genen ergibt eine ungünstige Kombination
  • Interessen der Mutter vs. Interessen der Kinder (Fraternal Birth Order)
Kerstin Palm sieht andere Gründe:

„Hier zeigt sich deutlich, dass die Tendenz neodarwinistischer Biologie, alle Merkmale direkt an einen Fortpflanzungszweck gebunden zu sehen, eine bestimmte Forschungslogik vorgibt, die dann die weiteren Untersuchungen bestimmen und ganz andere außerhalb dieser Logik liegenden Deutungsmuster von vornherein unterbindet.“

Es ist schade, dass sie noch nicht einmal die Argumente nennt, aus denen heraus die Fortpflanzung als so wichtig angesehen wird. Das hat ja seinen guten Grund: Wenn keine Gene weitergegeben werden, dann kann die Mutation oder Selektion so gut sein, wie sie möchte, es hat keinerlei Auswirkungen. Ich hatte hier auch schon einmal mehrere Artikel dazu.

Und das wirkt sich auch gleich aus:

„Es könnte ja beispielsweise auch eine biologische Theorie entworfen werden, die besagt, dass Sexualität bei vielen Lebewesen gar nicht mehr primär auf Fortpflanzung ausgerichtet ist, sondern ein erfülltes Sexualleben einfach das Wohlbefinden und die sozialen Bindungen steigert. Diese Theorie würde sogar dem zentralen Paradigma der modernen Biologie, der Evolutionstheorie, nicht widersprechen, da sie im Sinne dieser Theorie postulieren würde, dass sich sexuell und sozial glückliche Lebewesen einfach einer erhöhten Lebensqualität erfreuen, die sich positiv auf ihre Gesamtkonstitution auswirken würde“

Was aber bringt eine erhöhte Lebensqualität und eine positive Gesamtkonstitution? Wie wirkt sie sich aus? Nehmen wir an, wir haben einen Homosexuellen, der sein Leben aufgrund des nicht auf Fortpflanzung ausgerichteten Sexes mit anderen Männern genießt und dem es deswegen bestens geht. Er hat aber keine Kinder. Wie also sollen sich seine Gene in der nächsten Generation auswirken?

Sie können es nicht, weswegen sich der Mensch auf diese Weise nicht entwickelt haben kann.

Natürlich kann Sex Spannungen abbauen und entsprechende Lebensformen existieren ja auch, zB bei den Bonobos. Aber das hat Konsequenzen: Bonobos sind nämlich leider auch nich in einer der feministischen Biologiekritik entsprechenden Welt: Sie konnten eine entsprechden Sexualität nur entwickeln, indem sie auf Spermienkonkurrenz setzten. Bonobomännchen haben deswegen, weil es für sie bei Sex eben biologisch immer um Fortpflanzung geht und nicht nur um Spass, riesige (enorme! gewaltige!) Hoden. Und die Weibchen eine biologische Möglichkeit die Spermien gegeneinander antreten zu lassen. Bei Bonobos findet die intrasexuelle Konkurrenz beim Sex statt, bei uns aber wesentlich deutlicher auch davor.

„die biologische Forschung liest erneut bzw. immer noch die alten Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit, daran geknüpftem heterosexuellem Begehren und biologisch fundierten dichotomen Geschlechterrollen in ihre Prämissen und Theoriebildungen ein und reproduziert damit unreflektiert weiterhin die heterosexuelle Matrix in einer ausgeprägt unveränderten Weise.“

Man darf raten, ob sich Frau Palm jemals mit den Gründen dafür, dass es zwei Geschlechter gibt beschäftigt hat. Die Red Queen Theorie, inszwischen mit einem guten Forschungsunterbau versehen, könnte es ihr erklären, aber das wird sie gar nicht wollen.

Es darf angemerkt werden, dass der Vortrag als feministische Forschung in einem Buch gelandet ist, Herausgeberin unter anderem Frau Sigurd Schmitz, die Frau, bei der auch Heinz Voss promoviert hat. Was eigentlich schon vieles sagt.

Die Piratenpartei und der Feminismus: Ein offener Brief

Liebe Piraten,

ihr seid eine junge Partei, die in vielen Punkten erst ihren Weg finden muss. Gerade bei den Frauenfragen ist dies noch nicht geschehen, wie zahlreiche Diskussionen unter euch zeigen

Wie ein Pirat den Feminismus kennen lernte,  Piraten der feministischen SeeNerd gegen Femi-NerdPostgender, Feminismus, Antifeminismus Und GenderpopenderPostgender? Damit sind die Piraten von gesternKleiner Rant in die ungefähre Richtung der PiratenPiraten, Feminismus & KlischeedenkenLiebe EMMA!Feminismus und MännlichkeitNehmt den Männern den Feminismus aus der Hand!Kann eine Feministin Piraten wählen?Gender Trouble bei den PiratenEqualismus als gesellschaftliche Plattformneutralität (und ein bisschen Feminismus)Der Feminismus kauft dir keine Schokoladenfabrik, Genosse!Liebe EMMA-Redaktion. Ihr könnt mich mal!, Frauen im Boot bringt Unglück, Postgender in der Piratenpartei; Den eigenen Respekt bekommt man nicht von AnderenPiraten-Post-Gender: Nichts tun, wenns brennt?Was du nicht sehen willst ist trotzdem da oder warum Postgender im Falle der Piratenpartei antifeministisch istPostgender,  Warum mach ich den Scheiß eigentlich? und sicherlich noch viele mehr

Ihr habt inzwischen auch ein Positionspapier des KegelclubsKegelklub/PositionspapierEqualismus, in dem es heißt:

Zu den wichtigsten Zielen, die wir unterstützen und für deren Verwirklichung wir uns einsetzen wollen, zählen die Dekonstruktion des sozialen Geschlechtes, die Gleichstellung und echte Chancengleichheit der verschiedenen Geschlechter und die Abkehr vom binären Geschlechterdenken.

Aber ihr solltet auch hier eure Wurzeln beachten und überlegen, ob das feministische Dekonstruieren, also ein poststrukturalistischer Feminismus das Richtige für euch ist.

Ihr seid angetreten für Transparenz, für neue Wege, für Aufbrechen des Politikbetriebes. Ihr seid eine Schar junger Menschen, hauptsächlich Männer, die zum Großteil in technischen Bereichen anzusiedeln sind. Ihr seid sachlich denke Personen, die gerne Vorgängen auf den Grund gehen. Ihr seid zu einem nicht geringen Teil Nerds.

Warum wendet ihr das nicht auch auf den Genderbereich an?

Laßt euch nicht vom unwissenschaftlichen Genderfeminismus einwickeln und hinterfragt seine Grundlagen. Sie sind einfacher zu hinterfragen als ihr denkt.

Nehmt die Privilegientheorien. Kritik läßt sich, wie diese beiden Artikel „Kritik: „Männer sind privilegiert“  und Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus zeigen, recht schnell vorbringen.

Nehmt die Konstruktion der Geschlechter durch die Gesellschaft. Der zugrundeliegende Poststrukturalismus ist nicht eure Denkweise. Ihr denkt in Fakten, nicht in Beliebigkeiten. Ihr seht, dass E=mc2 keine sexistische Gleichung ist und wenn ihr euch die Argumente anschaut, die gegen diese Theorien sprechen, dann werdet ihr sehen, dass sie die wesentlichen Fragen nicht beantworten kann.

Warum soll alles konstruiert sein, wenn wir Wesen sind die langsam durch Evolution entstanden sind und wir ganz klassisch in das Schema passen, dass sich auch bei anderen Säugetieren und Primaten findet? Was ist überhaupt der Beleg dafür, dass alles konstruiert ist? Wie kann die genderfeministische Theorie die Zwillingsexperimente erklären, wie den Zusammenhang von Transsexualität mit Hormonrezeptoren?

Nerds sind nicht dafür bekannt, soziale Ansichten nachzubeten. Sie sind dafür bekannt logisch an eine Sache heranzugehen und sie im Detail auseinanderzunehmen. Diese Möglichkeit bietet euch die normale Foschung im Geschlechterbereich.

Die logischen Abwägungen der Sexual Strategies Theory sind nerdy, die abstrakte Betrachung von Schönheit als Attraktivitätsmerkmale ist nerdy, die Nachweise für die Red Queen Theory über Zwitterfische und ihre Geschlechterwahl ist nerdy.

Wer wäre ein besserer Beleg als Sheldon Cooper selbst:

Sheldon Cooper: New topic. Where are you in your menstrual cycle?

Penny: What?

Sheldon Cooper: I’ve been doing some research online, and apparently female primates, you know, uh… Apes, chimpanzees, you… They find their mate more desirable when he’s being courted by another female. Now, this effect is intensified when the rival female is secreting the pheromones associated with ovulation. Which brings me back to my question, where are you in…?

[Penny slams the door in his face]

Sheldon Cooper: Clearly, I’m 14 days too early

Die meisten von euch werden eh eher Dawkins lesen als Butler. Ihr müßt euch nur bewußt machen, wie sehr sich die beiden widersprechen.

Auch die Sokal-Affäre sollte euch näher sein als der Poststrukturalismus. Ihr glaubt nicht, dass der Mond der Hintern einer dicken Frau ist und würdet auch insoweit nicht auf eine Diskursanalyse, sondern auf Wissenschaft verlassen.

Es ist Zeit den Genderfeminismus mit spockscher Logik zu betrachten und festzustellen, dass er keine Grundlage hat und gegen wissenschaftliche moderne Feststellungen verstößt. Und das dann auch darzulegen.

Ihr seid in vielen Fällen genau der Nachweis, dass Männer nicht privilegiert sind. Weil Nerds genug gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren und die Vorteile von Frauen in der Gesellschaft nur zu deutlich wahrnehmen. Weil ihr die Friendzone kennt. Lasst euch nicht einlullen von unlogischen Betrachtungen über Geschlechter.

Und keine Angst, das bedeutet nicht, dass ihr ein veraltetes Frauenbild vertreten müßt. Lasst euch keine Strohmänner entgegen stellen, die Biologie ist bezüglich der Einzelperson nicht festgelegt und flexibel.

Lasst euch euren Postgenderansatz nicht ausreden: Sein lassen ist ein guter Weg um den Geschlechtern gerecht zu werden, während verzweifelte Quoten nur zu Ungerechtigkeiten führen.

Fragt euren Kegelclub nach den Grundlagen, die üblicherweise nicht mehr behandelt werden dürfen. Fragt sie nach männlichen und weiblichen Privilegien, danach wie Sprache so allmächtig werden kann, fragt sie zur Wissenschaftsfeindlichkeit ihrer Theorien, fragt sie was eigentlich die Kernargumente sind, mit denen Butler ihre Ansicht begründet. Fragt sie, wie die Queertheorie mit sexueller Selektion vereinbar ist.

Ihr seid eine Partei der Hinterfragung und der Transparenz. Lasst nicht zu, dass auch bei euch einfach „Biologismus“ gerufen wird um eine Ideologie abzusichern!

Wer gegen die Auswirkungen verschiedener Spielarten des Feminismus ist, insbesondere den Genderfeminismus, der ist nicht frauenfeindlich. Haltet diesen Ausführungen lieber den Equityfeminismus entgegen, der für Gleichberechtigung ist, aber nicht für krampfhafte Gleichstellung über alle Unterschiede hinweg.

Er ist besser mit eurem Postgenderansatz vereinbar.

Beste Grüße

Christian

Was man nach Meinung einiger Feministen sagen darf und was nicht am Beispiel einer Diskussion bei der Mädchenmannschaft

Bei der Mädchenmannschaft stellt eine der Gastautorinnen (Emma) in dem Artikel „Wenn Browser Frauen wären – Sexismus im Informatikunterricht“ Sexismus in einem Englischkurs für Informatiker dar. Von ihr angeführte Punkte sind:

  • die Studenten geben auf die Nachfrage des Dozenten mehrheitlich an, dass der erste Computer, an dem sie gearbeitet hatten, der Computer ihres Vaters war. Die Autorin verweist hingegen darauf, dass es der Computer ihrer Eltern war (obwohl es wohl der Rechner ihrer Mutter war). Mir ist nicht ganz klar, ob sie darin schon einen Sexismus sieht, weil es ja vielleicht einfach der Wahrheit entspricht, dass es für viele der Computer ihres Vaters war. Sie kritisiert aber wohl, dass die Angabe, dass es der Rechner des Vaters ist, nach einer gewissen Zeit aufgrund der vielen Wiederholungen nur noch mit „Natürlich“ kommentiert wird.
  • ein Student macht den Witz, dass es der „Computer seiner Großmutter war“. Die Autorin erkennt Sexismus, ihre Großmutter ist fitter am Rechner als ihr Großvater.
  • Dann sollen die Studenten sagen, was sie gegenwärtig für Rechner und Browser nutzen. Sie benutzt Linux und Opera, dafür fühlt sie sich nicht hinreichend gewürdigt, was wohl bei anderen mit dieser Angabe der Fall war, hat das Gefühl, dass der Dozent sie als Alien („Eine Frau die Linux benutzt?“) ansieht.
  • dann nutzt der Dozent noch Folien, die Browser mit Frauen vergleichen. Firefox ist eine heiße Frau etc. (die Bilder und den Text findet man hier)
  • dann erklärt er eine „Sekretärin“ zu benötigen, weil er bestimmte Unterlagen erstellt hat und dafür Geld einsammeln möchte und bestimmt dazu, Tanja, eine der 4 Frauen von 33 teilnehmenden Studenten.

Die Autorin wechselt schließlich den Kurs, weil es ihr zu sexistisch ist. Ihr nächster Englischkurs ist bei einer DozentiIN und alles ist gut.

Zunächst zu den Beanstandungen.

  • Den ersten Punkt sehe ich nicht als sexistisch an. Natürlich kann es sexistisch sein mit der passenden Betonung, aber der Umstand, dass die meisten den Computer ihres Vaters genutzt haben, wäre ja auch und gerade in einer Welt nach feminstischer Vorstellung zu erwarten, wo Frauen eben eingeredet wird, dass sie von Technik nichts verstehen. Das darf man dann auch durchaus festhalten. (Exkurs: Interessant ist, dass Mutter und Großmutter hier eine gewisse Technikliebe haben und die Autorin zudem die Möglichkeit anführt, dass der Dozent sie zunächst für einen Jungen hält und erst auf den zweiten Blick seine Meinung revidiert (das kann auch einfach Darstellung eines übertriebenen Sexismus sein, der eine Frau in einer Informatikervorlesung erst gar nicht zuläßt). Die Autorin wird vielleicht darauf verweisen, dass sie eben in einer sehr emanzipierten Familie aufgewachsen ist und es gerade als Bestätigung der gesellschaftlichen Prägung sehen, aber es ist ebenso leicht mit einer genetischen Variante zu erklären, die eben „männlichere Frauen“ im Programm hat.Exkurs Ende)
  • Den zweiten Vorfall finde ich auch nicht so schlimm, es ist ein zu erwartender Witz, der auf der Monotonie der Schilderungen aufbaut und diese durchbricht. Und die Großmutter ist der bessere Witz, weil Überraschender. Ich würde vermuten, dass die meisten Großmütter mit Computern wenig am Hut haben, noch weniger als die meisten Großväter, die damit auch wenig am Hut haben.
  • die dritte Reaktion ist schwer einzuschätzen. Aus seinem übrigen Verhalten heraus kann man einen Sexismus nicht ausschließen. Es ist aus meiner Sicht auch nicht auszuschließen, dass er sich hier bewusst war, dass eine Äußerung von ihm hier auch schnell sexistisch sein könnte, nämlich entweder zu viel in genau die von der Autorin befürchteten Richtung oder zu wenig, und das er deswegen zu lange geschwiegen hat und dann lieber weiter gezogen ist als etwas falsches zu sagen.
  • die vierte Variante ist meiner Meinung nach unpassend von ihm gewesen. Es klingt so als hätte er sich auf einen Männerkurs eingestellt und gedacht, dass es dort schon lustig ankommen wird, sich aber keine Gedanken gemacht, das Frauen das durchaus beleidigend finden könnten. Mit ein wenig Sensibilität und Empathie, die zu einer Unterrichtsvorbereitung dazu gehört, hätte er das sicherlich erkennen können und zumindest eine geschlechtsneutrale Variante wählen können. Hier hat er seine Grenzen als Dozent an einer Universität meiner Meinung nach überschritten. Ich bin da durchaus bei der Autorin, so etwas muss in einer öffentlichen Bildungseinrichtung nicht sein. Es wäre interessant gewesen, ob es ihm bei einem Hinweis peinlich gewesen wäre und er sich entschuldigt hätte und ob er sein Programm geändert hätte.
  • auch bei der Sekretärin ist er meiner Meinung sexistisch gewesen. Auch hier hätte er sich entsprechend eindenken müssen und zumindest die Frage stellen müssen, wer als Sekretär oder Sekretärin zur Verfügung steht. Einfach so die Frau auszusuchen ist da sicherlich der falsche Weg. Ich könnte es mir gut als Versuch eines Flirts vorstellen, er versucht über die Hervorhebung als Sekretärin eine gewisse persönliche Bindung aufzubauen. Aber auch das wäre natürlich in dieser Form auf einer öffentlichen Position zu beanstanden.

Das Interessante sind dann aber die Kommentare:

In diesen geht es darum, was sie hätte machen sollen, um den Sexismus zu bekämpfen und was andere, auch männliche Teilnehmer hätten machen sollen. Die Kommentare, die meinen, dass sie sich hätte auf eine bestimmte Weise verhalten können, werden dann von Kiturak in einem Kommentar kritisiert:

k, @Kommentator_innen: Geht’s noch, ernsthaft? Ich meine, keine Ahnung, müssen wir mit dieser Feminismus-Sache echt nochmal GANZ VON VORN anfangen? Emma erlebt Sexismus, kotzt sich in einem feministischen Blog aus. Unser Job: Beistand, Rückendeckung, (geek-)feministische Soli. NICHT unser Job: Auf die Idee kommen, Leuten vorzuschreiben (ich hätte ja gesagt, zu mansplainen, aber der Dreck kommt ja von Leuten, die sich hier als Frauen vorstellen?), wie sie sich verhalten sollen.

Um es vielleicht nochmal für die letzten, die echt aus dem Festival du Racisme-thread NICHTS mitgenommen haben, klar auszudrücken:

Sexismus.Ist. Gewalt.

Wir schreiben nicht denen, die Gewalt erleben, vor, wie sie sich hätten verhalten müssen. Richtig? Kein victim blaming. Keeeeein victim blaming. (…)

Das also bei so etwas besprochen wird, wie sie sich hätte verhalten sollen, ist schon des Guten zuviel und eigentlich nicht hinnehmbar. Sie wundert sich auch, dass so etwas von Frauen kommen kann, hält es für typisches Mansplaining und zweifelt sogar das Geschlecht der Kommentatoren an (ist das nicht sexistisch?). Das überhaupt so etwas an Kommentaren durchgeht wird gleich als Grund benannt, dass man keinen Gastartikel einsenden wird. Es ist quasi eine Billigung der Gewalt gegen Frauen. Man beachte auch die Selbstverständlichkeit mit der die Kritik erfolgt und die Herabwürdigung zu etwas, was nur Männer machen. Es folgt noch eine Ankündigung, dass sie, wenn man als Gastautorin so mies behandelt wird, jedenfalls nie Gastautorin sein wird.

Eine weitere Kommentatorin findet das ebenfalls unfassbar.

Die Moderation hat auch ein gewisses Verständnis für die Aufregung bei Kiturak:

kiturak, bitte, ich verstehe, warum du dich aufregst, aber die Netiquette gilt auch für dich (und alle anderen, die sich ärgern).

Ich hingegen finde es vollkommen normal auch zu überdenken, wie sie selbst hätte Stellung nehmen können. Der Gedanke, dass man keinerlei Vorhaltungen in diese Richtung machen darf, folgt ähnlich wie bei der Vergewaltigung aus dem Gedanken der Privilegierung und des Opferschutzes. Ein Mann hat aus seiner privilegierten Haltung heraus eben nicht das Recht ein Handeln des von ihm benachteiligten Opfers zu fordern und andere Männern, die ja auch privilegiert sind, können auch nicht erwarten, dass das Opfer dies für sie deutlich macht, sie müssen vielmehr aus sich selbst heraus dafür sorgen, dass die Privilegien erkannt und abgebaut werden bzw. aufgrund ihrer Mithaftung wegen ihrer Privilegien dafür sorgen, dass auch andere Männer ihre privilegierte Haltung abbauen und das Opfer entlastet wird. Das ist erst einmal ein hohe Hürde, die da vor den Männern aufgebaut wird. Denn sie müßen ja gleichzeitig etwas für jemanden anders machen, was ihnen nur den indirekten Vorteil bringt, dass sie in einer weniger sexistischen Welt leben, sich dafür aber den evtl Nachteilen aussetzen und sie müßen zudem erkennen, wann eine solche Einmischung tatsächlich erforderlich ist. Dies ist ja bei den obigen Beispielen durchaus nicht klar. Hätte man bereits aufstehen müssen und alle Anwesenden ermahnen müssen, dass sie den Computer nicht so leichtfertig als ihrem Vater gehörig ansehen sollen, sondern den Anteil ihrer Mutter daran kritischer hinterfragen sollen? Mußte man das „Natürlich“ des Lehrers bereits als sexistisch ansehen ohne konnte man ihm hier zugestehen, dass er erkennt, dass dies lediglich eine Folge unseres patriarchischen Systems ist, dass die Mütter von der Technik fernhält?

Auch bei den späteren Beispielen läuft man die Gefahr als „weißer Ritter“ darzustehen, der sich todesmutig vor die Frau wirft und ihr damit das Recht abzusprechen, selbst zu entscheiden, was sie eigentlich als zu viel ansieht und die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten. Denn möglicherweise ziehen die Frauen es vor, den Sexismus über sich ergehen zu lassen und fürchten eher Nachteile durch den Dozenten für den Fall eines Ansprechens auch durch Dritte. Oder sie bewerten die Vorgänge abweichend und finden selbst, dass Firefox eine heiße Frau ist oder das Gleichsetzung von Software mit Frauen ein subversiver Akt ist, um die Männlichkeit der Informatik zu kritisieren. Vielleicht wollten diese lieber das Ganze in einem persönlichen Gespräch oder über eine Frauenbeauftragte lösen und sehen die Bevormundung selbst als sexistisch an. Es gibt also durchaus gute Gründe dafür, dass Frauen solche Punkte selbst ansprechen sollten. Und es gibt natürlich auch verschiedene Ansprechmöglichkeiten und es kann sinnvoll sein, diese zu diskutieren.

Darin bereits ein Opferblaming zu sehen halte ich für ein sehr überzogenes Beispiel von Feminismus. Es scheint mir aber im radikalen Feminismus sehr verbreitet zu sein, wofür auch die Selbstverständlichkeit spricht, mit der Kiturak davon ausgeht, dass es der einzig richtige Weg und alles andere falsch, falsch, falsch ist.

Ich würde mir wünschen, dass die Mädchenmannschaft noch weiter geht und allgemein auch sachliche Feminismuskritik zuläßt, vielleicht zumindest in besonderen Artikeln zu dem Thema. Aber so weit ist es anscheinend noch nicht.

Eher sieht man an Kituraks Reaktion eine der aus meiner Sicht unangenehmsten Seiten des Feminismus: Überkorrektes, ideologisches Zensieren, dass alle anderen Meinungen am Liebsten ausblenden würde.

„Feminismus als Puritanismus in Verkleidung“

Die Feministin Lucy Wadham nutzt den Dominique Strauss-Kahn Fall zu deutlichen Worten:

Although I have always considered myself a feminist, I was, in the days following Dominique Strauss-Kahn’s arrest, unable to join the sisterhood in condemning a man — albeit of dubious moral record — for the crime of attempted rape before he had actually been found guilty.(…)

Levy goes on to condemn the fuzzy logic that Strauss-Kahn must have raped Diallo because he publicly confessed to cheating on his wife. „In other words,“ writes Levy, „all adulterous men are rapists. I imagine, dear male readers that some of you may be starting to feel a little uneasy …“

Levy is what I would call an old guard feminist who, like me, laments the battles that now being fought in the name of equality.

For the Strauss-Kahn case has uncovered the divide, not between men and women so much as between old and new feminists. Old feminists, from Genevieve Clark to Erica Jong, believed that the goal was political and sexual freedom for women, not the political and sexual subordination of men.

Im alten Feminismus ginge es demnach um politische und sexuelle Freiheit für Frauen, im neuen Feminismus nach ihrer Meinung um die die politische und sexuelle Unterordnung der Frauen.

Allerdings gibt es in diesem Bereich viele Definitionen:

Mal ist es also der Altfeminismus, der energischer für die Rechte kämpft, mal ist es der neue Feminismus. Mal ist der neue Feminismus eher darauf ausgerichtet Männer einzubinden und nicht auszugrenzen, mal der alte Feminismus. Es ist wohl eine Frage, welcher Richtung man angehört. Interessant aber auch hier wieder die Gruppenbildung, die ein Feindbild ermöglichst

I cannot accept the idea that womanhood automatically implies victimhood, nor do I think that it is a desirable state of affairs when women see men as the enemy.

Das finde ich eine sehr lobenswerte Aussage, die ich so unterschreiben kann. Frauen müssen keine Opfer sein und es ist nicht erstrebenswert, Männer als den Feind zu sehen.

The man-hating tirades of my female colleagues are nothing but puritanism in disguise and I suspect that our feminist forebears would be dismayed by the climate of inquisition that seems to dominate relations between men and women today.

Hier meint sie also, dass die übrigen Feministinnen zu männerhasserisch sind und eigentlich nur eine sexfeindliche Haltung durchdrücken wollen. Gerade im sexfeindlichen Feminismus bietet sich ein puritanischer Ansatz durchaus an.

Eine weibliche kritische Stellungnahme zum Feminismus

Dieser Artikel einer Frau gegen den Feminismus machte in einigen Blogs die Runde (via):

So here is my rationale for why I oppose ALL and EVERY FEMINIST THEORY. If you are a feminist but do not subscribe to any of these assumptions/beliefs, then let me know. But I expect there is not one feminist who doesn’t broadly speaking accept these tenets: 1) Feminism is based on an assumption that overall, men as a group hold power in society and this power, damages women as a group.

Das ist zumindest für den poststrukturellen Feminismus richtig. Mir fällt allerdings auch kein Feminismus ein, der nicht in Gruppeninteressen denkt. Pinker hatte dies ja auch schon für den Genderfeminismusdargestellt

2) The above assumption, no matter what feminists say, relies on a belief in and a reinforcement of the essentialist binary view of gender (i.e. that male v female men v women masculine v feminine are real and important distinctions. That is how feminists justify their belief that ‘men’ hold power over ‘women’)

In der Tat ist der Verdacht aufgrund des Phänotyps im Feminismus schnell vorhanden. Meiner Meinung nach ist das Geschlecht natürlich eine wichtige Unterscheidung, allerdings keine starre und keine am Phänotyp ausgerichtete. Männer und Frauen sind auch nach biologischen Theorien nicht alle gleich, vielmehr bilden ihre Fähigkeiten und Eigenschaften sich überschneidende Normalverteilungen mit verschiedenen Mittelwerten. Es gibt demnach „Männliche Frauen“ und „weibliche Männer“. Aber wie entkommt ein Mann im Feminismus seinem Phänotyp und seinem Gehirngeschlecht? Erst einmal gar nicht, denn er ist bereits aufgrund seines Phänotyps privilegiert.

3) This means that in order to present these assumptions as ‘fact’, men are demonised by feminism as a whole. Feminism is, by its very nature, misandrist. e.g. concepts such as ‘rape culture’ and ‘patriarchy’ and ‘violence against women and girls’ and ‘the male gaze’ and ‘objectification’ rely on making out men are not decent people, in general, as a group. To be accepted as decent human beings, the onus is placed by feminists onto men to prove their worth, and to prove why they differ from the (socialised or innate) ‘norm’ of dominant masculinity.

Das sieht man auch schön an diesen Beiträgen „Ein männlicher Feminist und sein Kampf mit dem männlichen Privileg„, in dem ein Mann genau das versucht oder dem Beitrag „Liebe Frauen, alles unser Fehler, wir werden uns bessern„, indem sich Männer für alles Leid, das Männer Frauen angetan haben entschuldigen, oder diesem Beitrag „Welche Mitspracherechte haben Männer im Feminismus?„, in dem eine Feministin den Männern direkt sagt, dass sie nicht erwarten können, dass die Frauen ihnen vertrauen, weil die Gruppe Männer der Gruppe Frauen eben so viel angetan hat.

4) The focus on men’s power over women in ‘patriarchal’ society ignores other divisions between people and is essentially, ‘heteronormative’. It makes out the division between heterosexual (cis) men and (cis) women is the one that is dominant in society, and the one that is most important for feminist analysis/critique. So feminist theorists such as bell hooks and Julia Serano and Beverly Skeggs, even when they are referring to other divisions such as ethnicity, class and transgender identities, are still relying on the reification of the man v woman binary to support all their arguments about gender.

Männer und Frauen gibt es zwar nicht, aber sie bilden immer noch die Machtgruppen in der Gesellschaft. Das ist durchaus eine passende Beschreibung. Andere Kriterien werden in der Tat häufig ausgeblendet, allerdings dürfte die Ansicht, dass alles nur eine Frage der Machtverteilung und Erhaltung zwischen zwei ansonsten gleichen Gruppen ist die größte Ausblendung sein, denn es werden dabei die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau ignoriert (vgl. zu den Argumenten auch Steven Pinkers Ausführungen in „The Blank Slate“)

5) Feminism does not allow for these above challenges to be made to it without it having a hissy fit or banning its critics from websites/fora or saying ‘but you don’t understand’ or ‘feminism is not monolithic’. Feminism cannot stand up to critique.

Das ist ja seit langem meine Rede. Kritik wird im Feminimus nicht als Anlass zum Diskutieren gesehen, sondern als Angriff, der nicht hinzunehmen ist. Bereits die andere Meinung ist (trotz der internen Zersplittertheit des Feminimus eine Dogmaverletzung und der Beweis für Frauenfeindlichkeit.  Es erfolgt eine Konzentration auf die eigene Meinung, der Rest wird ausgeblendet. Objektivität scheint eher als störend angesehen zu werden. Wer Theorien vertritt, die in der übrigen Wissenschaft durchaus führend sind, wie etwas die biologischen Theorien zur Entwicklung der Geschlechter durch pränatale und postnatale Hormone (vgl. Heinz Jürgen Voss in seinem Buch „Making Gender Revisited“, der dort bestätigt, dass diese Theorien den wissenschaftlichen Diskurs bestimmen), der wird in vielen feministischen Blogs gesperrt werden und schlicht mit „Biologismus“ abgetan werden. Die interne Kritikfähigkeit des Feminismus scheint mir auch sehr gering zu sein. Kritik wird Moral entgegengehalten.

6) Feminism is based on self-interest. The adoption of a feminist analysis of women in society is presented by feminists as in women’s interests. This is why feminists are able to look with contempt and/or pity on non-feminist women. As if they are somehow not valuing themselves as women and as people. But making a whole political ideology out of self-interest of a particular group in society, is, in my opinion, conservative and selfish. When feminists mock people who ask about men’s discrimination with their ‘whatabouttehmenz’ taunt, they are mocking women who think and care about others, and men who think about and care about each other and themselves. So feminism expects women to be selfish and men to be self-less. And people who do not or will not fit into the binary, to not exist at all.

Feminismus ist eben eine Interessenvertretung bestimmter Frauen für sich selbst. Männer und ihre Anliegen spielen dort nur eine geringe Rolle. Frauen werden als durch das Patriarchat manipuliert dargestellt, sie können noch nicht einmal mehr entscheiden, welche Zeitschrift sie lesen wollen. Sie sind Gefangen in der Rolle, können ihre eigenen Interessen nicht mehr artikulieren und unterstützen nur deswegen die heutige Gesellschaft.  Ein positives Frauenbild von denen, die nicht den eigenen Lebensvorstellungen entsprechen, haben viele feministische Richtungen nicht.