Parasitismus und Symbiose

Weil die beiden Begriffe aus meiner Sicht in der Geschlechterdebatte zu häufig verwechselt werden, (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9)  hier mal kurz ein paar Definitionen:

Parasitismus:

Parasitismus (altgriechisch παρά para „neben“, σίτειν sitein „mästen, sich ernähren“; auch Schmarotzertum) im engeren Sinne bezeichnet den Ressourcenerwerb mittels eines in der Regel erheblich größeren[1] Organismus einer anderen Art, meist dient die Körperflüssigkeit dieses Organismus‘ als Nahrung. Der auch als Wirt bezeichnete Organismus wird dabei vom Parasiten geschädigt, bleibt aber in der Regel am Leben. In seltenen Fällen kann der Parasitenbefall auch zum Tod des Wirtes führen, dann aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Im weiteren Sinne kann Parasitismus als eine Steigerung der Fitness des Parasiten verstanden werden, die bisweilen verbunden ist mit einer Verminderung der Fitness des Wirtes.

Symbiose:

Symbiose (von griechisch σύν sýn ‚zusammen‘ sowie βίος bíos ‚Leben‘)[1] bezeichnet in Europa die Vergesellschaftung von Individuen unterschiedlicher Arten, die für beide Partner vorteilhaft ist.

vgl. auch diesen Artikel zu den Vorteilen der Arbeitsteilung

Warum wollen Menschen soviel Gleichheit?

Ein Modell zur evolutionären Entwicklung des Wunsches nach Gleichheit wird in diesem Artikel (PNAS) besprochen:

The evolutionary emergence of the egalitarian syndrome is one of the most intriguing unsolved puzzles related to the origins of modern humans. Standard explanations and models for cooperation and altruism—reciprocity, kin and group selection, and punishment— are not directly applicable to the emergence of egalitarian behavior in hierarchically organized groups that characterized the social life of our ancestors. Here I study an evolutionary model of groupliving individuals competing for resources and reproductive success. In the model, the differences in fighting abilities lead to the emergence of hierarchies where stronger individuals take away resources from weaker individuals and, as a result, have higher reproductive success. First, I show that the logic of within-group competition implies under rather general conditions that each individual benefits if the transfer of the resource from a weaker group member to a stronger one is prevented. This effect is especially strong in small groups. Then I demonstrate that this effect can result in the evolution of a particular, genetically controlled psychology causing individuals to interfere in a bully–victim conflict on the side of the victim. A necessary condition is a high efficiency of coalitions in conflicts against the bullies. The egalitarian drive leads to a dramatic reduction in within-group inequality. Simultaneously it creates the conditions for the emergence of inequity aversion, empathy, compassion, and egalitarian moral values via the internalization of behavioral rules imposed by natural selection. It also promotes widespread cooperation via coalition formation.

Quelle:  On the evolutionary origins of the egalitarian syndrome

Der Wunsch nach Gleichheit soll also letztendlich ein evolutionär entwickeltes Gruppenverhalten sein, dass dem Individuum Vorteile absichert. Im Gegensatz zu einer kulturellen Entwicklung, bei der wir uns über die egoistische Natur erheben und eine darüber hinaus gehende Moral entwickeln.

Dazu heißt es in dem Artikel:

The origins of moral values have intrigued scholars for millennia. Darwin saw human morality as derived from animal “social instincts” (59) that transform to a “moral sense or conscience as soon as . . . intellectual powers become . . . well developed” (ref. 59, p. 8). In a modern perspective, viewing human conscience as a mere by-product of intelligence is an oversimplification. Boehm (6) convincingly argues that additional processes and factors such as moralistic punishment, internalization of culturally enforced norms, symbolic language and gossiping, and social selection for altruism and self-restraint applied by groups to its members need to be considered. That notwithstanding, identifying evolutionary roots for and the dynamics of genetically controlled egalitarian social instincts is a necessary step in getting a better understanding of the origins of a uniquely human sense of right and wrong.

Und aus der Diskussion der Studie:

Animals living in a group have common interests such as defense from predators and acquisition and defense of various resources (including mating opportunities) from competitors that include conspecifics. These common interests, however, do not necessarily mean an elimination or a significant reduction of competition between group members. A variation between individuals in their fighting abilities (which is always present due to various environmental, genetic, developmental, and stochastic factors) implies that some of them can take resources from others by force. Then natural selection is expected to drive the evolution of a particular psychology with stronger individuals attempting to rob weaker individuals with the latter giving up resources without fighting back. A result is the emergence of group hierarchies in which resources are appropriated in a very nonequal way with high-rank bullies usurping a disproportionally large share (12). The more limited are the subordinates’ options outside the group, the stronger the expected degree of despotism (52). Resisting high-rank bullies alone is costly and unlikely to be successful. However, the same forces that shape the emergence of highly despotic groups dialectically create conditions for the evolution of counterdominant coalitionary behavior and psychology (11). As I have shown above, in such groups seeking personal benefits can lead to a particular other-regarding preference: All others should be more equal. A necessary condition for this preference is that the share of group reproduction obtained by a high-rank bully grows faster than his share of the group resource (increasing marginal efficiency). A way to fulfill the preference is to help the weak against the strong, even at a cost. When everybody acts to enforce equality among all other members of the group, a group-level equality develops. In the model studied here, universal, genetically controlled inequity aversion evolves as a result of each person promoting beneficial to himself (i.e., selfcentered) equality among all other individuals within the context of within-group competition. This evolution could have been the force that drove the egalitarian transition in our lineage. Once the tendencies for egalitarianism (or pair bonding) (40) are well grounded in genes, they can be elaborated and augmented by cultural norms

Also ein Modell, bei dem Zusammengearbeitet wird, um zu starke Hierarchien, die ein Ausnutzen ermöglichen, zu verhindern. Wie der Artikel darlegt klappt das insbesondere in kleinen Gruppen, auch weil man dort Hierachien besser verhindern kann. Diese Prozesse formen dann die Grundlage für ein Ausrichten auf Gleichheit, dass dann kulturell ausgeformt werden kann.

 

Nochmal zu Signalling Theorie, Kultur und deren biologische Grundlagen

Eines der großen Schwierigkeiten für jedes Lebewesen ist es die Signale, die ihm andere Lebewesen seiner Spezies senden, richtig zu erfassen und auszuwerten.

Dabei ist es insbesondere wichtig zu erkennen, auf welche Signalen man vertrauen kann. Nach der Signalling Theorie sind „honest Signals“, also ehrliche Signale, auf die man vertrauen kann, in der Regel die, die für den Sender mit gewissen Kosten verbunden sind oder nicht leicht zu fälschen sind.

Gerade bei sozial lebenden Tieren geht es dabei nicht nur im das reine Erkennen von Fruchtbarkeitsmerkmalen oder körperlichen Anzeichen von hohem Fortpflanzungswert, sondern auch um Gruppendynamiken. Denn zum einen wird es wichtig zu erkennen, wer welche Position in der Gruppe hat, damit man seinen eigenen Platz findet oder aber erkennt, wen man meiden sollte, mit wem eine Zusammenarbeit Sinn macht oder wer anderweitig aufgrund der Gruppenstruktur Vorteile bringt.

Um so stärker dabei Intelligenz und soziales Leben ausgestaltet sind und um so komplizierter die Kultur ist um so stärker muss dann auch die Bedeutung der Zeichenerkennung werden.

Dabei wäre zum einen davon auszugehen, dass es bestimmte Signalarten gibt, die allgemein einen hohen Wert darstellen können. Das wäre insbesondere die Position in der Gruppe, Anzeichen dafür, dass andere demjenigen einen hohen Wert zusprechen, eigenes selbstbewußtes  Auftreten, welches darauf hindeutet, dass derjenige davon ausgeht, eine hohe Position in der Gruppe zu haben, viele Ressourcen etc.

Des weiteren müssten ein gewisses Gewicht darauf liegen, die Regeln der jeweiligen Gruppe zu verstehen und zu erkennen, was jeweils in dieser Gruppe möglich ist.

Hier ergibt sich auch eine große Möglichkeit für die Ausgestaltung von Kulturen. Weil die Kenntnis von Regeln dann wieder selbst ein Zeichen von Wert ist ist es interessant, solche Regeln besonders schnell zu erkennen um sie einschätzen und gegebenenfalls anwenden zu können.

In diesem Zusammenhang können Regeln entstehen, die rein kulturell sind, die also lediglich den Vorteil haben, dass man mit ihnen zeigen kann, dass man Regeln und Trends erkennt und umsetzen kann.

Viele gerade der grundlegenderen und bei  vielen Völkern vorhandenen Regeln werden aber einen „Unterbau“ haben und gerade der Darstellung besonderer Werte und Eigenschaften dienen oder die Position in der Gruppe anzeigen sollen.

Weil wir eine Spezies sind, die Regeln aufgrund von Intelligenz und Sprache ganz besonders komplex ausgestalten kann haben Zeichen aus meiner Sicht eine besonders hohe Bedeutung innerhalb der Spezies. Wir können aufgrund unserer Eigenschaften extremere Ausgestaltungen vornehmen als andere Wesen, was uns glauben lässt, dass wir alles frei ausgestalten können.

Wir bewegen uns aber zu einem großen Teil immer noch innerhalb der Grundgerüste, die auch andere Primaten haben: Status, Gruppenhierarchien, Anzeigen eines hohen Partnerschaftswertes und eines hohen Wertes für Bündnisse. Dazu das Anzeigen von Intelligenz, aber auch der Fähigkeit, die richtigen Bingungen eingehen zu können etc

Roy Baumeister: Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?

Roy Baumeisters Buch „Is There Anything Good About Men?: How Cultures Flourish by Exploiting Men“ (deutsch: „Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?: Wie Kulturen davon profitieren, Männer auszubeuten„) klingt nach einem Buch, welches für Leser dieses Blogs thematisch interessant sein könnte.

Baumeister zu seinem Buch in einem Vortrag:

My purpose in this talk is not to try to balance this out by praising men, though along the way I will have various positive things to say about both genders. The question of whether there’s anything good about men is only my point of departure. The tentative title of the book I’m writing is “How culture exploits men,” but even that for me is the lead-in to grand questions about how culture shapes action. In that context, what’s good about men means what men are good for, from the perspective of the system.

Es geht also nicht um „Männer sind besser“, sondern beide sind gut, werden aber verschieden „verwertet“.

Dazu auch noch das Folgende:

Hence this is not about the “battle of the sexes,” and in fact I think one unfortunate legacy of feminism has been the idea that men and women are basically enemies. I shall suggest, instead, that most often men and women have been partners, supporting each other rather than exploiting or manipulating each other. Nor is this about trying to argue that men should be regarded as victims. I detest the whole idea of competing to be victims. And I’m certainly not denying that culture has exploited women. But rather than seeing culture as patriarchy, which is to say a conspiracy by men to exploit women, I think it’s more accurate to understand culture (e.g., a country, a religion) as an abstract system that competes against rival systems — and that uses both men and women, often in different ways, to advance its cause.

Also keine Opferolympiade, aber eben auch keine einseitige Betrachtung als Patriarchat, sondern ein Verstehen der Zusammenhänge aus denen heraus sich eine bestimmte Kultur durchgesetzt hat.

Zum Einsatz der Männer schreibt er:

Seeing all this, the feminists thought, wow, men dominate everything, so society is set up to favor men. It must be great to be a man.

The mistake in that way of thinking is to look only at the top. If one were to look downward to the bottom of society instead, one finds mostly men there too. Who’s in prison, all over the world, as criminals or political prisoners? The population on Death Row has never approached 51% female. Who’s homeless? Again, mostly men. Whom does society use for bad or dangerous jobs? US Department of Labor statistics report that 93% of the people killed on the job are men. Likewise, who gets killed in battle? Even in today’s American army, which has made much of integrating the sexes and putting women into combat, the risks aren’t equal. This year we passed the milestone of 3,000 deaths in Iraq, and of those, 2,938 were men, 62 were women.

Ein Einwand, der in der Männerbewegung schon lange verwendet wird, beispielsweise von Warren Farrell. Es zeigt eben die andere Seite der Geschlechterverhältnisse, bei der deutlich wird, dass es nicht um eine einseitige, privilegierende Männerbevorzugung geht. Männer tragen eben auch viele der Lasten der Gesellschaft.

Baumeister zum Aufbau des Systems:

Most cultures have tended to use men for these high-risk, high-payoff slots much more than women. I shall propose there are important pragmatic reasons for this. The result is that some men reap big rewards while others have their lives ruined or even cut short. Most cultures shield their women from the risk and therefore also don’t give them the big rewards.

Also erst einmal eine verschiedene Verteilung von Risiken, die auch zu anderen Nutzen führt. Letztendlich ein Tausch/Kompromiss. Zu diesem „Trade/off“ schreibt er weiter:

Tradeoff example: African-Americans suffer from sickle cell anemia more than white people. This appears to be due to a genetic vulnerability. That gene, however, promotes resistance to malaria. Black people evolved in regions where malaria was a major killer, so it was worth having this gene despite the increased risk of sickle cell anemia. White people evolved in colder regions, where there was less malaria, and so the tradeoff was resolved differently, more avoiding the gene that prevented malaria while risking sickle cell anemia.

The tradeoff approach yields a radical theory of gender equality. Men and women may be different, but each advantage may be linked to a disadvantage.

Hence whenever you hear a report that one gender is better at something, stop and consider why this is likely true — and what the opposite trait might be good for.

Da gibt es natürlich viele Beispiele: Männer haben mehr Kraftmuskeln, Frauen haben einen geringeren Energiebedarf, Frauen sind besser in Empathie, Männer weniger empfindlich etc

Ein weiterer Unterschied könnte eine verschiedene Motivation in bestimmten Bereichen sein:

Maybe women can do math and science perfectly well but they just don’t like to. After all, most men don’t like math either! Of the small minority of people who do like math, there are probably more men than women. Research by Eccles has repeatedly concluded that the shortage of females in math and science reflects motivation more than ability. And by the same logic, I suspect most men could learn to change diapers and vacuum under the sofa perfectly well too, and if men don’t do those things, it’s because they don’t want to or don’t like to, not because they are constitutionally unable (much as they may occasionally pretend otherwise!). Several recent works have questioned the whole idea of gender differences in abilities: Even when average differences are found, they tend to be extremely small. In contrast, when you look at what men and women want, what they like, there are genuine differences. Look at research on the sex drive: Men and women may have about equal “ability” in sex, whatever that means, but there are big differences as to motivation: which gender thinks about sex all the time, wants it more often, wants more different partners, risks more for sex, masturbates more, leaps at every opportunity, and so on. Our survey of published research found that pretty much every measure and every study showed higher sex drive in men. It’s official: men are hornier than women. This is a difference in motivation.

Das finde ich ein gutes Beispiel: Theoretisch, den Fähigkeiten nach, könnten Frauen sogar mehr Sex haben als Männer. Aber sie wollen es eben nicht, weil sie eine geringere „Motivation“ in Form eines geringen Sextriebs haben. Wir könnten vielleicht viele Arbeiten anders aufteilen, aber beide Geschlechter haben häufig eine andere Motivationslage, die die bisherige Aufteilung stützt.

Likewise, I mentioned the salary difference, but it may have less to do with ability than motivation. High salaries come from working super-long hours. Workaholics are mostly men. (There are some women, just not as many as men.) One study counted that over 80% of the people who work 50-hour weeks are men. That means that if we want to achieve our ideal of equal salaries for men and women, we may need to legislate the principle of equal pay for less work. Personally, I support that principle. But I recognize it’s a hard sell.

Der Lohnunterschied als reines Motivationsproblem bzw. als Problem verschiedener Interessen war hier auch schon häufiger Thema.

Einen Grund für diese Unterschiede sieht Baumeister in den unterschiedlichen Fortpflanzungsquoten bei Männern und Frauen:

Consider this question: What percent of our ancestors were women? (…) Recent research using DNA analysis answered this question about two years ago. Today’s human population is descended from twice as many women as men. I think this difference is the single most underappreciated fact about gender. To get that kind of difference, you had to have something like, throughout the entire history of the human race, maybe 80% of women but only 40% of men reproduced.

Bereits dieser Unterschied bedingt nach Baumeister, dass Männer wesentlich mehr zu den Extremen gelangen:

For men, the outlook was radically different. If you go along with the crowd and play it safe, the odds are you won’t have children. Most men who ever lived did not have descendants who are alive today. Their lines were dead ends. Hence it was necessary to take chances, try new things, be creative, explore other possibilities. Sailing off into the unknown may be risky, and you might drown or be killed or whatever, but then again if you stay home you won’t reproduce anyway. We’re most descended from the type of men who made the risky voyage and managed to come back rich. In that case he would finally get a good chance to pass on his genes. We’re descended from men who took chances (and were lucky).

Männer sind also eher das Produkt von risikobereiten Vorfahren, während Frauen aufgrund ihrer hohen Fortpflanzungsquote weniger das „Ob“ als das „Wie“ im Auge behalten mussten und insoweit weit weniger auf Risikobereitschaft selektiert worden sind.

Bei den Unterscheiden stellt sich Baumeister dann die Frage, ob Frauen sozialer sind als Männer:

The gist of our view was that there are two different ways of being social. In social psychology we tend to emphasize close, intimate relationships, and yes, perhaps women specialize in those and are better at them than men. But one can also look at being social in terms of having larger networks of shallower relationships, and on these, perhaps, men are more social than women. It’s like the common question, what’s more important to you, having a few close friendships or having lots of people who know you? Most people say the former is more important. But the large network of shallow relationships might be important too. We shouldn’t automatically see men as second-class human beings simply because they specialize in the less important, less satisfying kind of relationship. Men are social too — just in a different way.

Auch hier geht es also wieder um Unterschiede, nicht ein besser oder schlechter. Männer haben insofern einfach eine andere Art ein entsprechendes Freundesnetzwerk aufzubauen als Frauen.

Er erläutert die Unterschiede auch an dem Beispiel der Fairness:

Fairness is another example. Research by Major and others back in the 1970s used procedures like this. A group of subjects would perform a task, and the experimenter would then say that the group had earned a certain amount of money, and it was up to one member to divide it up however he or she wanted. The person could keep all the money, but that wasn’t usually what happened. Women would divide the money equally, with an equal share for everybody. Men, in contrast, would divide it unequally, giving the biggest share of reward to whoever had done the most work. Which is better? Neither. Both equality and equity are valid versions of fairness. But they show the different social sphere orientation. Equality is better for close relationships, when people take care of each other and reciprocate things and divide resources and opportunities equally. In contrast, equity — giving bigger rewards for bigger contributions — is more effective in large groups. I haven’t actually checked, but I’m willing to bet that if you surveyed the Fortune 500 large and successful corporations in America, you wouldn’t find a single one out of 500 that pays every employee the same salary. The more valuable workers who contribute more generally get paid more. It simply is a more effective system in large groups. The male pattern is suited for the large groups, the female pattern is best suited to intimate pairs.

Dazu, warum gerade Männer auf das Leben in der großen Gruppe ausgelegt sind, habe ich schon hier was geschrieben.

Aus diesem Gruppengefüge soll dann auch die Kultur entstanden sein. Baumeister zu der feministischen Begründung dazu:

Gender inequality seems to have increased with early civilization, including agriculture. Why? The feminist explanation has been that the men banded together to create patriarchy. This is essentially a conspiracy theory, and there is little or no evidence that it is true. Some argue that the men erased it from the history books in order to safeguard their newly won power. Still, the lack of evidence should be worrisome, especially since this same kind of conspiracy would have had to happen over and over, in group after group, all over the world.

In der Tat: Die Patriarchatstheorien sind Verschwörungstheorien, für die es keine Beweise gibt und gegen die sehr viel spricht. Eine Erklärung, wie sich trotz der Gleichheit immer wieder die  Männer durchsetzen konnten, kenne ich nicht.

Baumeisters eigene Erklärung sieht Kultur als direkte Folge der männlichen Gruppentheorien:

Let me offer a different explanation. It’s not that the men pushed the women down. Rather, it’s just that the women’s sphere remained about where it was, while the men’s sphere, with its big and shallow social networks, slowly benefited from the progress of culture. By accumulating knowledge and improving the gains from division of labor, the men’s sphere gradually made progress. Hence religion, literature, art, science, technology, military action, trade and economic marketplaces, political organization, medicine — these all mainly emerged from the men’s sphere. The women’s sphere did not produce such things, though it did other valuable things, like take care of the next generation so the species would continue to exist. Why? It has nothing to do with men having better abilities or talents or anything like that. It comes mainly from the different kinds of social relationships. The women’s sphere consisted of women and therefore was organized on the basis of the kind of close, intimate, supportive one-on-one relationships that women favor. These are vital, satisfying relationships that contribute vitally to health and survival. Meanwhile the men favored the larger networks of shallower relationships. These are less satisfying and nurturing and so forth, but they do form a more fertile basis for the emergence of culture.

Eine Entwicklung der Kultur und der größeren Gemeinschaften aus dem lockeren Verbund der Männer erscheint mir durchaus logisch und würde auch erklären, warum Matriarchate eher kleine Volksstämme sind und selten große Reiche.

Baumeister führt dazu weiter aus:

Thus, the reason for the emergence of gender inequality may have little to do with men pushing women down in some dubious patriarchal conspiracy. Rather, it came from the fact that wealth, knowledge, and power were created in the men’s sphere. This is what pushed the men’s sphere ahead. Not oppression.

Da könnte man natürlich einwenden, dass sie zwar dort kreiert worden sein mögen, sie nun mehr aber gleich zu verteilen sind. Allerdings hat dies eben auch biologische Folgen, wenn ein Umstand über einen evolutionär interessanten Zeitraum einem bestimmten Geschlecht zugeordnet ist, was eben wieder zu den verschiedenen Fähigkeiten und Motivation passt.

Baumeister führt dann an, wozu Männer in Kulturen gut sind:

  • First, culture relies on men to create the large social structures that comprise it. Our society is made up of institutions such as universities, governments, corporations. Most of these were founded and built up by men. Again, this probably had less to do with women being oppressed or whatever and more to do with men being motivated to form large networks of shallow relationships. Men are much more interested than women in forming large groups and working in them and rising to the top in them.
  • The second thing that makes men useful to culture is what I call male expendability. This goes back to what I said at the outset, that cultures tend to use men for the high-risk, high-payoff undertakings, where a significant portion of those will suffer bad outcomes ranging from having their time wasted, all the way to being killed. (…) Thus, men create the kind of social networks where individuals are replaceable and expendable. Women favor the kind of relationships in which each person is precious and cannot truly be replaced.
  • The phrase “Be a man” is not as common as it once was, but there is still some sense that manhood must be earned. Every adult female is a woman and is entitled to respect as such, but many cultures withhold respect from the males until and unless the lads prove themselves. This is of course tremendously useful for the culture, because it can set the terms by which males earn respect as men, and in that way it can motivate the men to do things that the culture finds productive

Klinkt etwas nach „Das Patriarchat ist an allem schuld“ aber anders als dort ist die Kultur nicht der Hauptwiderspruch, dessen wegfallen das irdische Paradies ausbrechen lassen würde, sonder ohne diese Form der Ausbeutung des Mannes wären die anderen Vorteile, die dieses System mit sich bringt, nicht mehr nutzbar.

Testosteron, Lügen und prosoziales Verhalten

Eine Studie hat untersucht, wie sich Testosteron auf die Bereitschaft zu Lügen auswirkt:

Lying is a pervasive phenomenon with important social and economic implications. However, despite substantial interest in the prevalence and determinants of lying, little is known about its biological foundations. Here we study a potential hormonal influence, focusing on the steroid hormone testosterone, which has been shown to play an important role in social behavior. In a double-blind placebo-controlled study, 91 healthy men (24.32±2.73 years) received a transdermal administration of 50 mg of testosterone (n = 46) or a placebo (n = 45). Subsequently, subjects participated in a simple task, in which their payoff depended on the self-reported outcome of a die-roll. Subjects could increase their payoff by lying without fear of being caught. Our results show that testosterone administration substantially decreases lying in men. Self-serving lying occurred in both groups, however, reported payoffs were significantly lower in the testosterone group (p<0.01). Our results contribute to the recent debate on the effect of testosterone on prosocial behavior and its underlying channels.

Quelle: Testosterone Administration Reduces Lying in Men

In der Studie werden dann auch weitere Studien zur Wirkung von Testosteron behandelt:

Our findings contribute to the recent debate on a potential effect of testosterone on prosocial behavior [6], [9], [22]. So far, two studies suggest an effect of testosterone administration on prosocial behavior [6], [9]. However, these data are open to several interpretations regarding the underlying channel. Three hypotheses emerge from the debate [22]: 1) Testosterone has a direct influence on prosocial preferences, i.e., testosterone administration makes people more prosocial. 2) Testosterone increases concerns for social status, which may then lead to more prosocial behavior. 3) Testosterone affects beliefs about the behavior or beliefs of other players. One study [6] finds that single-dose administration of testosterone increases proposer offers in the ultimatum game in a sample of 60 women (but see [19], [23]). The authors interpret higher offers as an expression of testosterone enhanced status concerns, i.e., proposers want to avoid status threatening rejections and therefore behave more prosocially. However, high offers cannot be interpreted as prosocial behavior per se, but may be strategically motivated. Offers in the ultimatum game depend on beliefs about the rejection behavior of the other player. Recent research suggests that testosterone could render an individual’s belief about other people more pessimistic. For example, testosterone administration reduces trustworthiness judgments of unfamiliar faces [10] and testosterone is positively related to vigilant responses to angry faces [24]. In fact, testosterone could therefore lead proposers to expect a higher rejection threshold, which would also explain higher offers in the ultimatum game. The second study opts for a different behavioral paradigm to investigate the relation between testosterone and prosocial behavior [6]. This study finds that testosterone administration increases contributions in a public good game for high 2D:4D ratio individuals in a sample of 24 women. It is possible that testosterone administration rendered subjects more prosocial. However, as in [6] it cannot be ruled out that an effect of testosterone on beliefs drives the results since the incentive structure of the public good game was such that even a perfectly selfish player with certain beliefs would contribute to the public good.

Ich hatte die Studie bezüglich des Testosterons und dem höheren Beitrag zum Gemeinwohl hier auch bereits besprochen. Es scheint als habe Testosteron eine durchaus soziale Ader. In dem oben verlinkten Beitrag habe ich spekuliert, dass dies besonders wichtig ist, weil Männer gerade auf die Bündnisse untereinander angewiesen sind, sei es im Bezug auf Jagd oder auch Kampf. Eine andere Studie zu höheren Investitionen in die Gruppe hatte ich hier besprochen.

Aus der weiteren Besprechung in der Studie:

potential interpretation for our findings is that testosterone administration affects a concern for self-image [25], or pride [16], i.e., enhances behavior which will make a subject feel proud and leads to the avoidance of behavior considered “cheap” or dishonorable. Subjects in our testosterone group may therefore lie less. This is intriguing because pride could be an affective mechanism underlying a link between testosterone and dominance behavior. An interpretation of our findings in terms of pride is in line with anecdotal and correlational evidence indicating that testosterone plays a positive part in heroic altruism [17]. It is also in line with reports that high testosterone individuals display more disobedient behavior in prison environments where proud individuals may be less willing to follow the strict rules and comply with orders [26], [27]. Finally, a relation between pride, testosterone, and the willingness to engage in “cheap” behavior also fits the observation that the five inmates with the lowest testosterone levels in a sample of 87 female prison inmates were characterized as “sneaky” and “treacherous” by prison staff members [27]. Further experiments manipulating whether lying is an honorable action (e.g., lying for charity) or not (lying for self) are needed to clarify the role of pride in the effect of testosterone on human social behavior. An alternative interpretation of our results, which we cannot rule out, is that testosterone has a direct effect on prosocial behavior, making people more honest per se.

Das Fett markierte finde ich eine interessante Möglichkeit: Wenn Testosteron den Stolz beziehungsweise das allgemeine Statusdenken und Dominanzdenken betrifft, dann würde das meiner Meinung nach viele andere Punkte auch erklären. Es würde dann insbesondere von den kulturellen und sozialen Einstellungen abhängen, wie jemand diesen Konflikt umsetzt. Das mag in einem Experiment wie dem oben genannten dazu führen, dass man zu stolz ist, um zu betrügen, einen anderen Mann mag es verleiten, nicht vor einem körperlichen Konflikt zurückzuschrecken und diesen durch Gewalt zu entscheiden. Es würde auch gut in ein System der intrasexuellen Konkurrenz einzupassen sein, bei der Stress und niedrige Hierarchiestufen den Testoteronspiegel senken und somit vielleicht Tricks und Betrügereien lohnender machen, während bei einem hohen Testosteronspiegel die Wahrheit als Costly Signal in Kauf genommen werden kann.

Kritik am Kommunismus

Kommunismus

Der Kommunismus ist in der Wikipedia wie folgt definiert:

Kommunismus (vom lateinisch communis ‚gemeinsam‘) bezeichnet politische Lehren und Bewegungen, die zuerst die Gütergemeinschaft zum Ziel haben, im weiteren Sinne die klassenlose Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist und die Produktion des gesellschaftlichen Lebens rational und gemeinschaftlich geplant und durchgeführt wird.

Meiner Meinung nach stehen diesem Gesellschaftssystem einige Bedenken entgegen:

– unbedingter Altruismus ist keine evolutionär stabile Strategie, Alturismus beim Menschen ist im Rahmen der Durchsetzung eigener Interessen, der Interessen von Verwandten und der Interessen einer In-Group im Rahmen einer (vermutete, indirekten) Reziprozität entstanden.

Wettbewerb erzeugt Wohlstand, was aus dem oben genannten folgt.

– Menschen wollen einen hohen Wohlstand. Ein System, dass ihnen dies nicht bietet, erscheint damit zunächst weniger begehrenswert

– Der Gegensatz von Privateigentum=Ausbeutung, Arbeiter=Ausgbeuteter ist heute nicht mehr haltbar. Die Abgrenzung wird theoretisch und beliebig, Armutsverhältnisse verlaufen nicht anhand dieser. Durch die Möglichkeit für gute Ideen Finanzierungen zu erhalten verwischen die Grenzen immer mehr. Ein Angestellter kann sehr reich werden, innerhalb eines Unternehmens aufsteigen, sich dort ein gutes Einkommen verdienen. Der Staatsdienst, obwohl weniger ausbeuterisch, zahlt häufig schlechter und bietet andere Vorteile wie sichere Arbeitsplätze etc.

– Eine Verteilung von Gütern ohne Markt scheint nicht zu klappen. Märkte können nicht geplant werden, sondern entstehen. Eine Planwirtschaft wird daher immer eine Mangelwirtschaft sein.

– Persönliches Interesse am Erfolg ist ein hoher Motivationsfaktor, der ohne Privateigentum schnell verschwindet.

– Viele Leute wollen sich selbst ausbeuten

– Ebensoviele Leute wollen gerne Luxusgegenstände, die ihnen der Kapitalismus bietet. Luxusgegenstände sind neben ihrer Nutzungsfunktion auch Costly Signals, die etwas über uns aussagen und werden deshalb begehrt. Im Kommunismus sind Luxusgüter üblicherweise nicht die Güter, die selbst hergestellt werden, sondern die kapitalistischen Güter

– Die Menschen sind nicht gleich. Einige haben Fähigkeiten, die andere nicht haben. Für Personen mit besonderen Fähigkeiten ist der Kommunismus kein attraktives System. Sie geben mehr auf als die anderen, ohne dadurch etwas zu gewinnen. Dies führt zu Demotivation oder einer Schattenwirtschaft bzw. Korruption

– Wir sind Hierarchietiere. Der Mensch neigt dazu Hierarchien zu bilden, was der Kommunismus nicht hinreichend anerkennt. Die Menschen, die im Kommunismus am oberen Ende der Hierarchie stehen wollen werden daher um höherwertige Postionen ebenso kämpfen wie in jedem anderen System. Wenn ihnen Regeln dies nicht in einem offenen Wettbewerb ermöglichen, dann wird ein inoffizieller Wettbewerb geführt.

– Der Kommunismus ist nicht gegen Ausbeutung und Parasitentum abzudecken.

– Der Kommunismus muss all diese Unzulänglichkeiten überdecken, wenn das System funktionieren soll. Dazu muss entweder ein besonderes Gemeinschaftsgefühl erzeugt werden, dass zugleich Ausgrenzung anderer voraussetzt und starke Regeln zum wohle der Gemeinschaft oder durch Zwang ein Einsturz des Systems verhindert werden. Die starken Regeln führen wiederum dazu, dass der Kommunismus schnell intolerant wird oder einen Lebensstil erzwingt.

Interessant auch die Rubrik in der Wikipedia zur „Kritik am Realsozialismus“

– fehlende Basisdemokratie: Das von Lenin verhängte Partei- und Fraktionsverbot lähme die notwendige gesellschaftliche Partizipation und Eigeninitiative der Arbeiter und gefährde so den Aufbau des Sozialismus (Rosa Luxemburg).

– Bürokratie: Durch die Isolierung Sowjetrusslands konnte eine neue Bürokratenschicht die „Macht an sich reißen“, was zu einer „Entartung“ des Arbeiterstaates führte (Leo Trotzki).

– Zentralismus: Die von oben nach unten aufgebaute sowjetische Kaderpartei sei strukturell unfähig, die Wirtschaftsprobleme des Landes zu lösen (Wolfgang Leonhard).

-Ideologische Manipulation: Stalins und Maos „Marxismus-Leninismus“ sei ein Bruch mit den ursprünglichen Ideen von Marx, Engels und Lenin und pervertiere sie (George Orwell, Oskar Negt, Iring Fetscher).

– Totalitarismus: Die Herrschaftsform der Sowjetunion lasse strukturell keine Demokratisierung zu und schalte die freie Entfaltung der Menschen ähnlich total aus wie der Faschismus (Hannah Arendt).

– die Gesellschaftsformation der Sowjetunion und Chinas sei kein Sozialismus/Kommunismus, sondern eine bürokratisch erstarrte Form des asiatischen Despotismus (August Wittvogel, Rudolf Bahro, Rudi Dutschke),

– Imperialismus: Die innerstaatliche Diktatur und ökonomische Schwäche der Sowjetunion führe zu äußerem Expansionsdrang und Hegemonialansprüchen, die den Weltfrieden gefährden (Konsens von Reformkommunisten, Antikommunisten und manchen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt)

Meiner Meinung nach passen diese Schwierigkeiten des „Realsozialismus“ genau zu der angesprochenen Kritik. Es sind keine Umsetzungsschwierigkeiten, sondern Folgen des Fehlers im System. Sie ergeben sich wie daraus, dass Basisdemokratie dazu führen würde, dass Leute ihre Interessen und nicht mehr die Gemeinschaftsinteressen durchsetzen wollten und interne Spannungen darüber, was nun eigentlich richtig ist und wie man als Gesellschaft leben will täglich ausgetragen werden müßten.

Basisdemokratie müßte ja, wenn man das System beibehalten würde , den Vorbehalt haben, dass nicht über den Kommunismus an sich entschieden wird. Das keine Öffnung hin zum Kapitalismus eintritt etc. Sieht man sie nur auf einer unteren Ebene, dann verzögern sie eben dort den Entscheidungsprozess, sind langsamer als Hierarchien und erfordern schlichte „Wahlwerbung und Beeinflussung“, weil sich immer Lager bilden werden, die die Interessen ihrer Seite durchbringen wollen.

Zentralismus ist ebenfalls ein Problem, welches genau daraus folgt, dass man im Kommunismus soviel steuern muss, was sonst der Markt erledigt. Es ist kaum zu umgehen, dass dies in einer planenden Stelle zusammenlaufen muss und sich daher ein Machtapparat ausbildet.

Ideologische Manipulation folgt schlicht daraus, dass man eh einen Apparat schaffen muss, der ein starkes „Wir-Gefühl“erzeugt. Uneigennützigkeit ist in unserer Spezies an einem In-Group Out-Group-Modell entwickelt worden (uneingeschränkte Uneigennützigkeit ist keine evolutionär stabile Strategie, da sie zu leicht ausgenutzt werden kann). Nicht umsonst hat der Osten gegenwärtig starke rechtsradikale Tendenzen, weil die praktische Umsetzung der Einigkeit und Wohltätigkeit genau diese Manipulation erfordert. Auch aus China und Russland habe ich durchaus vergleichbares gehört. Der heutige weltweite Kapitalismus kann in übrigen wesentlich einfacher darauf abstellen, dass zwar jeder Konkurrent, aber auch jeder Handelspartner, Zulieferer und Kunde ist. Es muss sein In-Gouping wesentlich weniger vor Ausbeutung schützen, weil jeder jeden ausbeutet aber auch jeder mit jedem zusammenarbeitet und kann daher leichter eine tolerante Gesellschaft aufbauen (toleranter in dem Sinne, dass es nicht darauf abstellen muss, dass andere schlechter sind, es lohnt sich so gesehen nicht rassistisch zu sein (es kann sich natürlich trotzdem lohnen Leute auszubeuten, aber das ist erst einmal unabhängig von ihrer Rasse oder Herkunft). Wenn man also eh eine Propagandaabteilung unterhalten muss, damit alle auf die eigene In-Group eingeschworen werden, dann liegt ein Machtmittel offen dar, welches man auch für Ideologisierung und Führerkult nutzen kann. Weil man den Leuten verklickern muss, dass sie Teil etwas besonderes sind, für das sich die Zurückstellung eigener Interessen lohnt, muss man ihnen auch erzählen, dass die Führung, der sie vertrauen sollen, ebenfalls die eigenen Interessen zurückstellt, weil sonst der Glaube an eine große Gruppe kaum möglich ist. Deswegen ist jedes Vorgehen gegen die Führung auch ein Vorgehen gegen die In-Group-Effekte und damit eine Schwächung der kommunistischen Idee. Es bietet sich an gegenwärtige Führer zu ideologisieren und abgesetzte Personen als Verräter, als Ausnahmen, darzustellen. Eine starke Förderung der In-Group ist mit offener Kritik an dieser in einem Konflikt. Abweichler auszusortieren und mittels der Propaganda zu Verrätern zu erklären ist damit ein guter Weg, das System zu sichern. Auch sicherlich ein Grund, warum der „Urkommunismus“ eher atheistisch war: Religionen bieten Platz für gesonderte Normen, unterschiedliche Religionen betonen Verschiedenheit.

Totalitarismus setzt ebenfalls an diesem Problem an. Wer Einheitlichkeit vorgibt muss Freiheit beschneiden. Wer dabei ist Freiheit zu beschneiden, der kann sie auch noch etwas mehr beschneiden, um sich selbst etwas dadurch zu sichern. Wenn zudem die Führung zwangsläufig als gut und gerecht dargestellt werden muss, dann ist Kritik an ihr eine Schwächung der In-Group, also der Gemeinschaft und natürlich auch eine Gefährdung der Führung an sich, denn der Vorwurf, sich nicht schlicht am Gemeinschaftsinteresse ausgerichtet zu haben, ist der sicherste Weg die Macht zu verlieren. Das muss aber nicht zu einer strikten, freiheitlichen Umsetzung der Gruppeninteressen führen, da diese eh nicht perfekt sein kann. Man kann das Gruppenwohl immer noch selbstloser, noch besser, noch unverschnörkelter fördern, so dass man fast zwangsläufig bei Immunisierungstendenzen ankommt. Das kann man durch Wahlen ändern. Allerdings hat ein „demokratischer Kommunismus“ eben das Problem, dass er erst einmal erklären muss, warum immer wieder neu gewählt wird. Wenn die Führung wegen ihrer Tendenz, statt der Gruppeninteressen ihre Eigeninteressen zu fördern, immer wieder neu gewählt werden muss, dann setzt das bereits am Grundgedanken des Kommunismus an. Ein echtes Mehrparteien- bzw. Mehrkandidatensystem hat gleiche Schwierigkeiten: Abgrenzung der Parteien oder Kandidaten untereinander erfordert die Aussage, dass man etwas anders machen würde, es also nicht nur die Linie der Gruppenförderung gibt, die sachlich und nach besten Gewissen umgesetzt wird. Eine Kandidatenfeststellung, die nur darin besteht, dass man sagt „Ich werde genau wie meine Kollegen das beste für die Gruppe machen, da wir alle den Gemeimwohl verpflichtet sind, wie unser gesamter Staat ist es eigentlich egal, wen ihr von uns wählt“ ist nicht wirklich spannend und wird daher in der Regel durch ein zumindest faktisches Einparteiensystem ersetzt, indem es kein echte Wahl gibt, sondern nur eine Bestätigung der Führung. Eine Abwahl in einem kommunistischen System würde insoweit das Zugeständnis erfordern, dass das System fehlerhaft war. Ersetzt man die Wahl durch ein Berufungssystem, dann verlagert man die Schwierigkeiten lediglich auf die Berufungskommision, die dann wieder Macht erlangt. Zudem ist ein Führerkult ein effektives Mittel der In-Group-Förderung. Es erlaubt zudem den Aufbau von Vertrauen, was ein wesentliches Mittel von Führung ist. Eine anonyme Führung ist nicht verantwortlich und wird selten akzeptiert, eine nicht anonyme Führung muss aber als gut angesehen und aufgebaut werden. Da dies durch Konkurrenz nicht geschehen kann, liegt es nahe, diesdurch Verklärung zu leisten. Anoymität an der Spitze erschwert hier wieder die Arbeit.Warum sollte man aber einen verklärten Führer ablösen und die neue Führung dann genauso aufbauen? Und warum sollte der erst einmal verklärte Führer gehen, wenn ihn alle lieben und er – wie alle wissen – perfekt für den Job ist?

Bürokratie ist ebenfalls eine Folge davon, dass alle Macht beim Staate sitzt und dieser damit der beste und sicherste Arbeitgeber ist. In einem Kommunismus müssen die besten Positionen beim Staat sein, weil alle Positionen staatlich sind. Aufgrund der Vorteile der Abschottung gegen Kritik und der Propaganda ist es zudem ein leichtes Staatspositonen attraktiv zu besetzen. Kritik an der Besetzung lässt sich so leicht unterdrücken, weil sie dem In-Group-Gedanken widerspricht und damit staatsfeindlich ist. Da zudem keine anderen Entfaltungs und Förderungsmaßnahmen möglich sind und eigentlich jede Förderung über die, die allen zukommen soll, ein verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz und das Allgemeinwohl ist, muss man eh gegen gesellschaftliche Regeln verstoßen, wenn man eine Förderung vornehmen möchte. Warum sollte das Kind des #Führungsposition eine bessere Förderung erhalten, wenn der Staat alles für eine bestmögliche Förderung macht und wir alle gleich und der In-Group verpflichtet sind? Der kommunistische Gedanke macht eine Sonderförderung direkt zu einem Verstoß gegen die Gruppeninteressen. Da aber jeder fördern will und der Staatsdienst dazu der beste Weg ist, ist das System besonders anfällig für Vetternwirtschaft und Korruption.

Der Imperialismus ist ebenfalls interessant. Kommunismus hat einen klaren Wettbewerbsnachteil. Der wirkt sich auf die Technik und den Fortschritt aus. Ein kommunistisches System muss in den Bereichen Technik und Entwicklung und auch im Bereich Luxusgüter und Lebensstil zwangsläufig hinter einem kapitalistischen System zurückbleiben. Aus Sicht des Kommunismus mag das mit der Ausbeutung der Arbeiter zusammenhängen oder unmoralisch sein, aber das ändert nichts daran, dass ein Wohlstandsgefälle besteht, das immer mehr wächst und damit auch immer deutlicher wird. Es fällt aber schwer an eine Überlegenheit des eigenen Systems zu glauben, wenn die anderen schlicht besser leben. Die meisten kommunistischen Systeme wählen die offensichtlichen Gegenmaßnahmen: Abschottung, damit das Wohlstandsgefälle nicht mehr wahrgenommen wird (über Verbot von „Westfernsehen“ und Reisen wie in der DDR oder über Internetsperren wie China) und über „Out-Grouping“ und weitere Stärkung der In-Group. Der Kapitalist muss daher böse sein, muss seinen Wohlstand nur durch Ausbeutung erlangt haben, während der Kommunist zwar etwas ärmer ist, aber dafür sozialer, menschlicher, gerechter. Das Bild wird natürlich schwerer umsetzbar, wenn man gleichzeitig Unterdrückungsmaßnahmen gegen die eigene Bevölkerung einleiten muss, damit sie nicht in den Kapitalismus abwandern oder sich zu gut über die dortigen Zustände informieren. Wer erfährt, dass der ausgebeutete VW-Arbeiter besser lebt als mancher Bonze im kommunistischen System, der fragt sich eben, ob er nicht besser im Kapitalismus lebt, selbst wenn dieser zB andere Länder ausbeutet. Das fragt er sich um so mehr um so stärker die Unterdrückung ist, die er selbst erhält, weil ihn diese gleichzeitig daran zweifeln läßt, dass das System zu seinem eigenen besten arbeiet. Es dürfte den meisten Menschen lieber sein, durch ihre Arbeit einen Kapitalisten zu mehr Geld zu verhelfen, der ihnen im Gegenzug einen guten Lohn zahlt als in einem korrupten System die Bonzen durchzufüttern und dabei noch schlechter zu leben als bei einer Ausbeutung durch den Kapitalisten. Ein Gegenmittel ist dabei dann der Imperialismus. Wenn man den anderen überzeugen kann, dass der Kapitalist es nur noch kurzzeitig besser hat, weil das eigene System noch nicht läuft, durch den Kapitalismus ausgebremst wird, es aber nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der böse Kapitalist von dieser Welt verschwunden ist, der macht ein „überlaufen“ zum Kapitalismus unlogischer und zu einem weiteren Verstoß gegen die Gruppeninteressen, denn es ist dann keine Wahl nebeneinander stehender Systeme, bei dem eben das eine Kommunistisch und das andere kapitalistisch ist, sondern ein Überlaufen zum Feind und damit eine Schädigung der In-Goup. Der Kapitalismus als Feindbild ermöglicht daher eine Ideologisierung und Verlagerung aller Fehler auf eine Outgroup. Sie präsentiert ein Ziel auf welches man zuarbeiten kann. Kommunistischer Imperialismus ermöglicht die Präsentation einer besseren Zukunft und über den Kampf ein schließen der Reihen: Wenn wir geschlossen stehen, dann werden wir eine bessere Welt schaffen. Wir sind besser, weil wir eine Gruppe bilden, während der Kapitalismus nur Eigeninteressen kennt. Wenn die Ausbeutung ein Ende hat, dann werden wir alle gleich sein und im Luxus leben. Wir müssen die anderen Arbeiter, Bestandteil unserer In-Group, nur befreien, woran sie tatkräftig mitarbeiten werden. Es hat damit die klassische Funktion, die ein Out-Grouping schon immer hatte.

Und zudem noch ein paar Argumente für den Kapitalismus /gegen die Kritik am Kapitalismus

– Der Ausbeutungsgedanke kann nicht universell gesehen werden, sondern nur im Verhältnis von Lohn und Arbeit. Wer für einen Job gut bezahlt wird, wird nicht ausgebeutet.

– Es wird sogar nicht wenigen Arbeitern lieber sein, lediglich ihre Arbeitskraft verkaufen zu können und kein Risiko für das eingesetzte Kapital zu tragen. Der Arbeitnehmer kann jeden Monat seinen Lohn verlangen, ob es dem Betrieb gut oder schlecht geht. Wenn der Betrieb den passenden Gewinn nicht erzielt oder aus anderen Gründen nicht konkurenzfähig ist, kann er schlicht den Arbeitgeber wechseln. Diese Freiheit hat ein Kapitalist häufig nicht.

– Ein Staat ist nicht in der Lage im gleichen Wege wirtschaftlich zu handeln, wie ein privater. Noch nie in der Geschichte hat ein staatlich geführtes Unternehmen mehr Gewinn und mehr Fortschritt gebracht als ein privates Unternehmen. Dies ist darin begründet, dass private Unternehmen ein interesse am Gewinn haben, den staatliche Unternehmen nicht haben.

– Der Staat kann sich selbst keine Konkurrenz machen, in einer vollständig verstaatlichten Gesellschaft existiert daher ein Monopol für eine Ware. Monopole beeinträchtigen den Wettbewerb

– Menschen mögen Freiheit und Luxus. Sie sind bereit dazu anderen Menschen mehr zuzugestehen, wenn sie selbst ebenfalls dadurch einen höheren Lebensstandard erreichen. Der Bandarbeiter in einem VW-Werk hätte sicherlich nicht mit dem Bandarbeiter in einem Wartburgwerk tauschen wollen. Weil ihm das Gemeinschaftseigentum keine bei ihm ankommenden Vorteile gebracht hätte, im Gegenteil, er hätte aufgrund der geringeren Wirtschaftsleistung für vergleichbare Arbeiten weitaus weniger erhalten und in einem Staat gelebt, der ihn wesentlich mehr einschränkt als jeder Kapitalist. Das fängt bei einfachen Sachen wie einer Banana an und geht über die Ausreisefreiheit bis hin zu dem Recht, Kritik an der eigenen Führung zu üben. In einem (modernen) kapitalistischen System kann man kommunistische Gedanken äußern. In einem kommunistischen System aber keine kapitalistischen (jedenfalls nicht offiziell).

Kooperation und Wettbewerb

Eine interessante Studie zu Kooperation und Wettbewerb und den dabei vorhandenen Geschlechterunterschieden:

Men’s but not women’s investment in a public goods game varied dynamically with the presence or absence of a perceived out-group. Three hundred fifty-four (167 male) young adults participated in multiple iterations of a public goods game under intergroup and individual competition conditions. Participants received feedback about whether their investments in the group were sufficient to earn a bonus to be shared among all in-group members. Results for the first trial confirm previous research in which men’s but not women’s investments were higher when there was a competing out-group. We extended these findings by showing that men’s investment in the in-group varied dynamically by condition depending on the outcome of the previous trial: In the group condition, men, but not women, decreased spending following a win (i.e., earning an in-group bonus). In the individual condition, men, but not women, increased spending following a win. We hypothesize that these patterns reflect a male bias to calibrate their level of in-group investment such that they sacrifice only what is necessary for their group to successfully compete against a rival group

Quelle: Sex Differences in In-Group Cooperation Vary Dynamically with Competitive Conditions and Outcomes (PDF)

Männer investieren also mehr in eine Gruppe, wenn Konkurrenz in Form einer anderen Gruppe vorhanden ist. Das Kooperation und Wettbewerb Hand in Hand gehen können wird gerne übersehen. Es ist richtig, dass wir eine kooperative Spezies sind, aber daraus folgt nicht, dass wir nicht auch eine am Wettbewerb interessierte Spezies sind. Wir kooperieren, um uns im Wettbewerb besser behaupten zu können. Kooperation kann gerade dazu dienen, sich leichter im Wettbewerb zu behaupten.

Die Studie spricht dafür, dass Männer eher bereit sind diesbezüglich Investitionen durchzuführen. Wenn man davon ausgeht, dass die evolutionäre Vergangenheit von Männern eher von Konkurrenz geprägt war und Gruppenbildung für sie für die Jagd und für intrasexuelle Konflikte besonders wichtig war, dann wäre das Ergebnis  der Studie gut zu erklären.

Testosteron und Kooperation

Eine interessante Studie zur Wirkung von Testosteron auf Frauen:

Collaboration can provide benefits to the individual and the group across a variety of contexts. Even in simple perceptual tasks, the aggregation of individuals‘ personal information can enable enhanced group decision-making. However, in certain circumstances such collaboration can worsen performance, or even expose an individual to exploitation in economic tasks, and therefore a balance needs to be struck between a collaborative and a more egocentric disposition. Neurohumoral agents such as oxytocin are known to promote collaborative behaviours in economic tasks, but whether there are opponent agents, and whether these might even affect information aggregation without an economic component, is unknown. Here, we show that an androgen hormone, testosterone, acts as such an agent. Testosterone causally disrupted collaborative decision-making in a perceptual decision task, markedly reducing performance benefit individuals accrued from collaboration while leaving individual decision-making ability unaffected. This effect emerged because testosterone engendered more egocentric choices, manifest in an overweighting of one’s own relative to others‘ judgements during joint decision-making. Our findings show that the biological control of social behaviour is dynamically regulated not only by modulators promoting, but also by those diminishing a propensity to collaborate.

Quelle: Testosterone disrupts human collaboration by increasing egocentric choices (Full Text, PDF)

Aus der Diskussion in der Studie:

Our finding that testosterone increased egocentric choices accords with a broader literature concerning testosterone’s role in social choice, and in particular with an interpretation of that literature which proposes that testosterone’s role is to increase dominance or status-related behaviours [18,19]. High social status is associated with elevated testosterone in humans [13,19], chimpanzees [34] and other mammals [35]. A greater drive for social status leading to greater assertiveness during social interactions might reasonably be expected to impair an individuals’ ability to appropriately weight the opinion of another, consistent with our findings. Indeed, the increased egocentricity in an individual’s choices that we observe could be interpreted as a form of signalling, whereby the individual is signalling their dominance in the context of a collective decision. Increased dominance can be detrimental to collaborative decision-making, as shown previously during reasoning tasks where high variance in the verbal contributions of group members (i.e. groups with highly dominant individuals) led to a significantly attenuated performance benefit from collaboration [6]. Other possible effects of testosterone previously related to its role in status-related behaviour [18] may also contribute to less effective information aggregation in our dyads, for example in reducing trustworthiness ratings of faces [17] and decreasing the ability to infer emotional states through photographs of eyes [16]. In addition to potential status-related effects of testosterone, our finding of increased egocentricity has interesting parallels with testosterone’s role in sexual and reproductive behaviours, where testosterone relates to more self-orientated behaviour as evident in reduced parenting and increased courtship in birds [31,32], rodents [36] and rural Senegalese men [37]. Importantly, our task involves no conflict over resources as accurate integration of information is in the best interest of the dyad members, which suggests that the effects of testosterone we observed are not caused by it rendering individuals more selfish.

Und etwas später:

Social animals reap benefits from collaboration across a wide variety of tasks, ranging from those involving information aggregation (as seen here), reasoning [6] or the division of resources such as food or money [1–3]. Indeed, the potential benefits frominformation aggregation, for example, are used to support the use of juries (i.e. groups of observers) in the criminal justice system [5]. However, collaborating too freely is not always beneficial, and therefore the biological mechanisms controlling the balance between more collaborative and self-oriented behaviours must dynamically tune behaviour to the social environment. While a previous focus has been on factors promoting collaboration [9–11], here we highlight an opposing biological influence that increases self-orientated or status-related behaviours at the expense of collaboration. Our data show that the humoral agent testosterone modulates the delicate trade-off between collaboration and a more egocentric disposition.

Es scheint also, als würde Testosteron eine gewisse Wirkung haben, die sich in der Zusammenarbeit, zumindest bei Frauen auswirkt. Interessant ist, dass die Forscher hier selbst betonen, dass es in der Sache um nichts ging und das dies vielleicht Auswirkungen gehabt haben könnte. Eine andere Studie in der es um Verhandlungen ging, hat im Gegensatz dazu feststellt, dass Frauen, die Testosteron erhielten, fairer waren und daher besser miteinander verhandeln konnten.

Aus einer Besprechung der Studie in der Süddeutschen:

Bei dieser Abwägung sorgt Testosteron dafür, dass die eigenen Interessen nicht zu kurz kommen, wie die Forscher zeigten. In Zweierteams sollten sich die Probandinnen einigen, welches von zwei Bildschirm-Mustern die stärkeren Kontraste aufwies. Die Muster wurden kurz hintereinander präsentiert, und die Unterschiede waren sehr gering.

Dabei waren die Probandinnen ohne Testosteron deutlich im Vorteil. Sie diskutierten unvoreingenommener darüber, was jede von ihnen wahrgenommen hatte, und waren eher bereit, sich die Meinung der Partnerin anzuhören. In der Testosteron-Gruppe hingegen war eine solche Abstimmung die Ausnahme. Frauen, zuvor eine Hormonpille geschluckt hatten, ließen sich kaum von ihrer Meinung abbringen. Das egozentrische Verhalten führte zu deutlich schlechteren Trefferquoten als in der Placebo-Gruppe.

Wie eine frühere Studie gezeigt hat, kann Testosteron jedoch auch die Bereitschaft zur Kooperation erhöhen – aber nur, wenn sich die Beteiligten dadurch materielle Gewinne oder gesellschaftliches Ansehen erhoffen. Testosteron führt nämlich auch dazu, dass Menschen solche Verdienste stärker schätzen. In den Londoner Versuchen hingegen gab es keinerlei Belohnung für die richtige Antwort.

Es scheint also, also würde Testosteron insbesondere das Festhalten an der eigenen Meinung fördern, was eine Kooperation ohne besonderes Ziel erschweren kann. Ohne Testosteron schien die Bestätigung der eigenen Meinung egaler zu sein, was dann die Zusammenarbeit förderte. Es wäre interessant inwiefern das Ergebnis inbesondere bei Frauen auftritt oder aber auch auf Männer übertragbar ist.

Männer mit hohem Status (aber nicht Frauen) finden mehr Beachtung

In einer Studie wurde ermittelt, wie sich Status bei den Geschlechtern auswirkt:

Two studies tested the hypothesis that people attend preferentially to high status men (but not women). Participants overestimated the frequency of high status men in rapidly presented arrays (Experiment 1) and fixated their visual attention on high status men in an eye-tracking study (Experiment 2). Neither study showed any evidence of preferential attention to high status women, but there was evidence that physically attractive women captured attention. The results from both studies support evolutionary theories regarding differential prioritization of social status and physical attractiveness in men versus women. These findings illustrate how examination of early-in-the-stream social cognition can provide useful insights into the adapted mind.

Quelle: High Status Men (But Not Women) Capture the Eye of the Beholder

Aus der Studie:

Examination of basic social perceptual processes provides important insights into adaptive constraints on the human mind. Indeed, people are confronted with myriad stimuli and therefore attend primarily to social information that will help them address fundamental adaptive challenges. Whereas physical attractiveness is valued in women to a relatively greater extent than to men (e.g., Li et al., 2002), social status is valued in men to a relatively greater extent than to women (e.g., Sadalla et al., 1987). Several previous investigations have demonstrated attentional bias to physically attractive women (e.g., Maner et al., 2003), but little work has examined potential attentional bias to high status men. If social status is valued in men more so than women, then high status men (but not women) are expected to capture attention. Results from two experiments provided consistent evidence that perceivers vigilantly attended to men displaying cues to high social status. In Experiment 1, limiting participants’ attentional capacity caused them to estimate a higher percentage of high status men within an array of photos. Experiment 2 provided similar evidence using an eyetracking method. In contrast, we found no evidence that high status women captured attention. Taken together, these findings suggest that high status men (but not women) capture attention, particularly under conditions of limited attentional capacity. Although attention was not captured by high status women, it was captured by women who were physically attractive. This is consistent with a large body of literature suggesting that attractive women are preferred as mating partners (by men) and serve as potent intrasexual rivals (for other women). These findings are also consistent with several previous studies suggesting that both men and women attend preferentially to signs of attractiveness in women (e.g., Maner et al., 2007). We also observed some evidence that male physical attractiveness captured attention. Evidence for preferential processing of male attractiveness has varied somewhat across studies (see Maner, DeWall, and Gailliot, 2008; Maner et al., 2007; Maner et al., 2003, 2007). Thus, whereas attention to female attractiveness seems to be consistent across situational contexts and levels of perceptual processing, attention to male attractiveness appears to be more flexible, and may depend on the peculiarities of the situation, the stimuli, and the particular cognitive process under investigation.

Das passt gut zu dem, was man bei einer evolutionären Betrachtung erwarten müsste. Bei intelligenten Gruppentieren sind Bündnisse das wichtigste, da mit der Fähigkeit strategisch zu handeln und Gefälligkeiten zu erwidern eine bessere Koordination möglich ist, mit der nicht mehr das stärkste Lebewesen gewinnt, sondern das, welches die meisten Verbündeten hat. Das ist insbesondere bei Männchen wichtig, da diese in einer starken auch körperlichen intrasexuellen Konkurrenz stehen, was bei (Menschen-) Weibchen eher nicht der Fall ist.

Ich hatte das bereits in einigen Artikel ausgeführt:

Es ist aus dieser Sicht verständlich, dass der Status des Mannes Interesse weckt bzw. das Verhalten statushoher Männer stark beachtet wird. Für die Männer kann es wichtig sein, innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz auf dem neusten Stand zu sein und dort eben gerade zu wissen, was die statushohen Männer machen, für Frauen ist dies ebenfalls wichtig und gibt zudem interessante Informationen für die Partnerwahl. Hingegen ist für Frauen die Schönheit innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz wesentlich entscheidender, ebenso wie dies für Männer bei Frauen interessanter ist, weil diese von einem Statuszuwachs weniger profitieren.

Frohe Weihnachten 2011!

Allen Lesern ein schönes Weihnachtsfest, wenn sie denn feiern!

Ich sehe es eher als Familienfest, da mich der religiöse Aspekt nicht interessiert, aber ich mag unsere Familientraditionen, mit gemeinsamen Singen unter dem Weihnachtsbaum, einer genau geplanten Geschenkeverteilung in bestimmten Reihenfolgen, überschwenglicher Freude über die Geschenke, Kartoffelsalat und Würstchen heute, dann morgen die Weihnachtsgans.

Das alles sind schöne Sachen, und es ist zudem eine gute Gelegenheit auch ein paar Schulfreunde wiederzutreffen, da es ja gerade an Weihnachten die Leute immer mal wieder zu ihren Eltern zieht.

Ein Thema für die, die nicht feiern oder zwischendurch natürlich gerne hier etwas diskutieren wollen um nicht aus der Übung zu kommen ;.)

Weihnachten ist das Fest der Geschenke. Geschenke sind aus evolutionärere Sicht zunächst erst einmal etwas merkwürdiges, weil man damit Ressourcen weggibt ohne etwas zu erhalten.

Allerdings wird Schenken dann sinnvoll, wenn man davon ausgehen kann, dass Großzügigkeit durch ein Geschenk der anderen Seite ausgeglichen wird. Es ist die Reziprozität, also das Prinzip der Gegenseitigkeit, dass Schenken biologisch ermöglicht. Ich hatte dazu auch schon einmal etwas in „Kooperatives Verhalten und Gruppenbildung“ geschrieben. Ein Großteil menschlichen Handelns und Denkens ist darauf ausgerichtet diese Reziprozität zu ermöglichen, sei es unser Gedächtnis für Personen, unser Gerechtigkeitssinn, unser Gefühl der Dankbarkeit und unserer Verständnis von Schuld. Wir sind darauf ausgerichtet etwas zurück zu bekommen, wenn auch möglicherweise erst später und auf andere Art. Deswegen kann Schenken eine Verpflichtung begründen und das zu geringe Geschenk peinlich sein und Verärgerung auslösen. Und deswegen kann ein zu großzügiges Geschenk ebenfalls Verärgerung auslösen, weil es als eine Gegenschuld begründend angesehen wird. Schenken ist also eine heikle Sache.

Etwas abgemildert wird dies dadurch, dass man mit Schenken auch einfach nur Darstellen kann, dass man jemand ist, der schenkt, der also das System nicht ausnutzt und daher eines eigenen Geschenks würdig ist. Schenken kann zudem ein „Costly Signal“ sein, dass die eigene Fähigkeit dazu darstellt. Das Ermöglicht großzügige Spenden an „Die Armen“, die das natürlich nicht zurückgeben können oder an die Gemeinschaft an sich.

Wo seht ihr die Grundlagen des Schenkens? Über welches Geschenk habt ihr euch am meisten geärgert, mit welchem ganz daneben gelegen?

Jedenfalls noch einmal: Frohe Weihnachten!