Konservative Geschlechterrollen: Religion als Stabilisator

Religion, in unserem Bereich eben das Christentum, erlaubt die Berufung auf eine höhere Autorität, die es erlaubt moralische Regeln abzusichern und auf ein festeres Fundament zu stellen.

Entsprechend wurden damit diverse Tabus aufgestellt: Von der Abwertung des Ehebruchs bis hin zu der Absicherung der Geschlechterrollen als von Gott vorgegebene Rolle für Mann und Frau. Aber auch eine weitere Absicherung vor einem Ausbruch des Mannes aus der Ehe zugunsten seines Sexualtriebs: Das Verbot der Homosexualität aber auch das sonstige Verbot sexueller Aktivitäten.

Damit konnte man Verstöße gegen entsprechende Verbote moralisch noch verwerflicher darstellen, da sie nicht nur gegen irdische Verbote, sondern auch gegen göttliche Gebote verstießen.

Ein Ausbrechen aus den zugewiesenen Rollen konnte damit wesentlich erschwert werden. Und da Gott sich nicht irrt und seine Regeln nicht veralten können, kann man auch Veränderungsbegehren leichter abwehren

Konservative Geschlechterrollen: Der Schutz der Familie

In der konservativen Wertvorstellung ist die Familie die wichtigste Instanz und ihre Einheitlichkeit und ihr Fortbestand schützenswert. Allerdings kann dieser Schutz dann eben auch ins Gegenteil umschlagen: Der Schutz der Familie kann eben auch zu Lasten derer Mitglieder gehen:

Wer die Familie schützt, der kann zB Vaterschaftstests erschweren, weil das Aufdecken eines Seitensprunges eben die Familie gefährdet. Gerade im Zusammenspiel damit, dass die Frau schutzbedürftig ist und die Kinder erziehen muss kann Schutz der Familie sich eben auch gerade gegen den Mann richten. Es kann bedeuten, dass der Mann entsprechend mehr verliert, wenn er sich „aus der Verantwortung stehlen will“. Es kann bedeuten eben gerade die Unterhaltspflichten möglichst hoch anzusetzen und den nachehelichen Unterhalt möglichst lang.

Es kann eben auch bedeuten, dass man die Ehe als „Costly Signal“ erhält, indem man sich einen Ausstieg sehr gut überlegen muss: Steig aus der Familie aus und du musst zahlen wie vorher, nur das du deine Kinder nicht mehr bei dir hast.

So kann man auch verhindern, dass sich der Mann nach einer neuen, jüngeren Frau umschaut und die Monogamie aufkündigt.

Hier trägt eben auch der Gedanke, dass die Frau die unschuldige und schützenswerte ist, zusammen mit den Kindern, bei. Es ist dagegen der männliche Sexualtrieb, den man auf die richtige Bahn leiten muss, um die Familie zu schützen.

Konservative Geschlechterrollen: Der Mann als Beschützer

Da dem Mann insoweit im weiteren das „Außen“ zugewiesen war und der Frau das „Innen“ im Sinne eines Heimes, war er auch verantwortlich dafür, den Schutz der Frau sicherzustellen. Natürlich zuallererst seiner Frau, aber aus der Übernahme der generellen Schutzfunktion eben auch schließlich aller Frauen und natürlich seiner Kinder und daraus folgend allen Kindern.

Das wirkt sich sowohl in einem Militärdienst bzw. der Pflicht, in den Kampf zu ziehen als auch dem sonstigen Schutz aus.

Auch hier ist ein evolutionärer Bezug natürlich vorhanden, denn der Schutz der Kinder und seiner Frau vor allen Gefahren stellt natürlich zum einen tatsächlich einen wichtigen Teil der Sicherstellung der Weitergabe der Gene dar und es dürfte auch Attraktivitätsmerkmale bedienen, da die Frau eben auf Schutz in vielen Situationen angewiesen war. Natürlich umfasste dies auch den Schutz vor Konkurrenz, also Mate Guarding.

Aber auch hier wurde das ganze im Wege eines Essentialismus ausgebaut: Ein echter Mann beschützt alles, er ist in der Lage Gefahren abzuwehren und ist er dies nicht, dann ist er eben auch kein echter Mann und damit entbehrlich: Der Ursprung des „disposable Mann„.

 

Konservative Geschlechterrollen: Das Kind gehört zur Mutter

Aus den letzten drei Artikeln folgt, dass wenn dem Mann das Verdienen zugewiesen ist, der Frau in gleicher Weise die heimische Sphäre zugeordnet sind und dabei insbesondere die Aufzucht und die Betreuung der Kinder. In dieser essentialistischen Betrachtung der Geschlechter bedeutet das, dass Kinder der Frau zugewiesen sein müssen.

Wenn der Mann der Verdiener ist, dann kann er in dieser Betrachtung eben nicht der Kinderbetreuer sein, diese Rolle bleibt der Frau zugewiesen.

Natürlich ist es auch in dieser Hinsicht eine Ausgestaltung der biologischen Unterschiede, die eben nur absolut gesetzt werden. Und wie man an den gesetzgeberischen Vorgaben zum automatischen Sorgerecht für Mütter bei nichtverheiraten Eltern sieht, wohingegen Väter dies nur mit Zustimmung der Mütter erhalten, oder auch bei dem Umstand, dass Kontinuität bei der Frage des Sorgerecht und dem Aufenthaltsbestimmungsrecht immer noch die entscheidende Rolle spielt und dies Frauen begünstigt, wirkt sich dies immer noch aus.

Konservative Geschlechterrollen: Versorgung der Familie durch den Mann

Aus den beiden vorherigen Bestandteilen konservativer Geschlechterrollen folgt dann auch, dass der Mann für die Versorgung der Familie zuständig ist:

Die Frau ist diejenige, die das Nest bereitet, die die Kinder versorgt und die zu unschuldig ist, um neben diesen Pflichten noch die Versorgung stemmen zu können: Dies ist Aufgabe des Mannes, der die Versorgung der Frau und der Kinder  sicherzustellen hat.

Der Mann als Versorger ist eine alte, sehr alte Rolle, denn genau diese gesteigerte Versorgereigenschaft war es ja, die Vaterschaft evolutionär überhaupt interessant machte. Das Mann und Frau zusammen das Kind versorgten und beide ihren Teil beitrugen erlaubte eine höhere Unselbständigkeit des Kindes und damit auch die Möglichkeit es in einem sehr unfertigen Zustand zu gebähren, was wiederum erlaubte, dass die Menschheit insgesamt ein größeres Gehirn entwickelte, welches sich noch nach der Geburt erheblich entwickeln konnte und nicht bereits wichtige Aufgaben übernehmen musste. Dabei war die  Bereitschaft und Fähigkeit des Mannes, diese Unterstützung zu leisten, ein wichtiges Partnerwahlkriterium für die Frau, die eine Langzeitstrategie wählte. Gleichzeitig machte dies für den Mann das Signalisieren entsprechender Eigenschaften immer interessanter.

Dies ist in der konservativen Rolle so ausgestaltet, dass der Mann nach Möglichkeit die Frau sogar komplett freistellt, quasi ein costly Signal für seinen Wert und ein Zeichen der entsprechenden Stärke, die gleichzeitig eine umfassende Kinderbetreuung erfordert und eine Idealisierung dieser Aufgabe bei der Frau.

Dies als verpflichtende Aufgabe des Mannes auszubauen bedeutet, dass er immer diese Aufgabe hat: Sei es über Abgaben an den Staat, der zur Not den Ersatzvater/Ersatzmann stellen konnte oder aber auch über Unterhaltsforderungen selbst nach dem Abbruch der Beziehung.

Konservative Geschlechterrollen: Die unschuldige, sorgende Frau

Das Gegenstück zum starken Mann wäre dann die der Frau zugewiesene Geschlechterrolle, die eine gewisse Unschuld mit sich bringt: Zumindest sollte eine Frau so sein, es ist auch in diesem Fall ein gewisses Idealbild:

Nick hatte es schon einmal als das Ideal der bürgerlichen Dame bezeichnet: Es ist eine gewisse Anständigkeit, eine Unschuldigkeit, die sie allerdings im Gegenzug auch vom Geschäftsleben ausnahm, weil die Unschuldigkeit auch mit einer gewissen Schwäche einhergeht: Wer moralisch gut ist, höheren Idealen verpflichtet, „rein“, der ist nur eingeschränkt für die harte Geschäftswelt geeignet.

Die zugewiesenen Stärken sind in dem Zusammenhang eher das Bereiten eines Heimes, die Betreuung der Kinder, die Unterstützung des Mannes und die Schaffung des „Nestes“ im Sinne eines Heimes.

Natürlich hat sich auch dies heute geändert: Auch konservative Richtungen wie beispielsweise die CSU akzeptieren inzwischen Geschäftsfrauen und eine anderweitige Beteiligung von Frauen in den meisten Lebensbereichen. Aber dennoch sind diese Rollenbilder noch aktiv und wirken sich entsprechend aus.

 

Konservative Geschlechterrollen: Der starke Mann

Die konservativen Geschlechterrollen geben vor, dass Männer stark sein sollen. Darunter kann man sicherlich vieles verschiedenes verstehen, aber im Grundsatz erforderte „ein Mann sein“ immer Punkte wie

  • stark sein
  • seine Gefühle beherrschen
  • etwas leisten
  • etwas sein
  • sich hervortun
  • sich Herausforderungen stellen
  • nicht klagen

Und viele weitere Vorgaben dieser Art. Sie bilden aus meiner Sicht den Grundsatz vieler Probleme für Männer und insoweit wäre dem Genderfeminismus sicherlich zuzustimmen, dass eine Lockerung der konservativen Geschlechterrollen durchaus einige Vorteile mit sich bringen würde.

Allerdings ist natürlich gleichzeitig auch zu beachten, dass viele dieser Eigenschaften Ausprägungen intrasexueller Konkurrenz und Signalling in Hinblick auf einen hohen Partnerwert sind. Es sind idealisierte Anforderungen an bestimmte Aspekte eines Alphamanns. Natürlich gehören auch viele positivere Eigenschaften dazu, die gerne unter den Tisch gekehrt werden, von Fürsorge und Schutz, von Kooperation und Partnerschaft. Es wäre auch zu hinterfragen, inwieweit man es tatsächlich als konservativ betrachten kann, es gibt wohl kaum eine Gesellschaft, die sich wirklich von diesem Ideal, sei es in aufgelockerter Form, von ihnen verabschiedet hat. Natürlich gab es auch andere Formen, etwa Sturm und Drang oder der „Softie“, aber letztendlich haben sich diese nicht wirklich durchgesetzt.

Arne Hoffmann zu starren Geschlechterrollen und Traditionalismus

Leszek stellt in einem Kommentar zunächst das Verhältnis der „Linken Männerbewegung“ zu Geschlechterrollen und einer „Rückkehr zum Traditionalismus wie folgt dar:

Die linke Männerrechtsbewegung hat überwiegend keinen Bock auf Überkompensationen, da diese in der Regel weder in psychologischer noch in politischer Hinsicht zielführend sind. Darüber hinaus akzeptiert die linke Männerrechtsbewegung im Gegensatz zu Geschlechtertraditionalisten wie Thomas Fügner einerseits oder radikalen Feministinnen andererseits aber alle selbstbestimmten männlichen Identitäts- und Lebensentwürfe, solange diese anderen Menschen nicht schaden und lehnt vereinheitlichende Leitbilder grundsätzlich ab:

Dann zitiert er Arne Hoffmann im gleichen Kommentar wie folgt:

“Als Alternative sowohl zum Traditionalismus (“Männer müssen hart sein und dürfen nicht jammern”) als auch zum Genderismus (“Männlichkeit ist eine Art Krankheit, von der die Menschen geheilt werden müssen”) fordert linke emanzipatorische Männerpolitik den Respekt vor jedem Individuum, wie es ist und sein will, solange es andere Menschen dadurch nicht schädigt. Jeder Versuch, menschlichen Individuen ein autoritäres “Du sollst” bezüglich ihrer geschlechtsbezogenen Identität in den Kopf zu setzen wird von dieser linken Männerpolitik radikal abgelehnt: die traditionalistische Botschaft: “Sei ganz Mann” ebenso wie die genderistische Botschaft “Sei so wenig männlich, wie es geht”. Beide Botschaften sind zwei Seiten derselben Medaille, da beide die geschlechtsbezogenen Identitäten von Männern und Frauen gemäß bestimmter Rollenvorgaben strukturieren wollen. Erst jenseits solcher Dogmen beginnt die Freiheit. Nur wenn man über beide Ideologien hinausgeht, hat man es mit einem wirklich emanzipatorischen Ansatz zu tun. Denn Emanzipation bedeutet, sich von den Zwängen einer fremdbestimmten Männerrolle zu befreien.”

(aus: Arne Hoffmann – Plädoyer für eine linke Männerpolitik, 3. Kapitel: Geschlechterrollen – Männer emanzipieren sich, S. 90 f.)

Ich würde ergänzen: Jeder kann so sein, wie er will (wie er ist). Niemand kann aber erwarten, dass andere das gut finden müssen oder anderes nicht attraktiver oder sympatischer. Das wäre aus meiner Sicht ein wesentlicher Unterschied zum Genderfeminismus, der darauf abstellt, dass es keine Unterschiede geben kann (solange man sich nicht „mackerisch“ verhält oder ein WHM ist).

Konservativer und linker Maskulismus

Toxicvanguard schreibt in einem Kommentar

Die meisten rechtskonservativen Männerrechtler versuchen weniger mehr als den Status Quo wiederherzustellen; dort wurden sie als Männer zwar fast gleich unfair behandelt wie jetzt, hatten aber jedoch wenigstens eine Familie und eine Frau, über die sie wenigstens das Gefühl hatten, doch noch etwas Einfluss und Wert in dieser Gesellschaft zu haben. Du hattest sozusagen wenigstens einen kleinen Ausgleich dafür zur Klasse der disposable Males zu gehören.

Das scheint tatsächlich der häufige Gedankengang zu sein. Es ist weniger eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den Nachteilen der Rolle, etwa der Unterhaltspflicht, als vielmehr der Versuch sie wieder auszufüllen. Insofern ist es häufig eher eine Mehrverpflichtung der Männer.

Allgemein wird aus meiner Sicht der Einfluss konservativer Wertvorstellungen zum Nachteil der Männer unterschätzt. Häufig ist es weniger die „feministische Verschwörung“, sondern eher der konservative Anteil, der dazu führt, dass Männern Pflichten auferlegt werden. Die Verschärfungen des nachehelichen Unterhalts hin zu einer stärkeren Betonung der reinen Ehezeit ist beispielsweise meines Wissens nach auf die CDU zurückzuführen. Gerade dort lebt eben auch der Gedanke, dass der Mann Unterhalt zu zahlen hat, weil die Frau ja die Kinder versorgt bzw der Gedanke, dass man dafür die Voraussetzungen schaffen soll.

Zum Glück lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen, denn der Staat würde ohne die Steuerabgaben der Frauen erst recht sterben und die Frauen wollen auch sicher nicht zurück, ausser ein Kollaps steht kurz bevor, dann fallen wir vielleicht wieder in alte Rollenbilder zurück.

In der Tat: Ich will auch nicht zurück in die alten Zeiten. Denn die Hausfrauenehe ist mit das gefährlichste, was einem Mann im Fall einer Scheidung passieren kann.

Gleichzeitig sieht es aber im linken Maskulismus nicht wirklich besser aus; auch dort glaubt man durch das stumpfe Wiederholen von gescheiterten Taktiken irgendwann ans Ziel zu kommen. Man kopiert dabei die Mechanismen des Feminismus, wundert sich dann, dass statt Mitleid nur Hass als Antwort kommt. Gleichzeitig verschlechtert sich das Bildungsniveau von Jungen und Männern stetig und Quoten werden im “Jahr des Mannes” durchgedrückt, während sich immer mehr Männer aus dieser Gesellschaft zurückziehen.

Ein Kopieren von gescheiterten Taktiken würde ich eher nicht sehen. Vielleicht allenfalls darin, dass auch an einer Opferrolle gearbeitet wird und daran, dass man in verschiedenen Punkten gleichzuziehen versucht, zB  was sexuelle Belästigung etc betrifft.

Andere Richtungen weiten die Opferrolle (und den Hass) denke ich eher aus, in dem sie auf eine Ausbeutung von Männern durch herzlose Frauen, die in den Männern nichts weiter als nützliche Idioten sehen, abstellen, was aber ein sehr radikaler Ansatz ist, der aus meiner Sicht stark im Abnehmen ist.