Karl Marx

 

Es folgt ein Gastbeitrag von ElMocho

Karl Marx wurde 1818 geboren und studierte von 1835 bis 1841 Jura in Bonn und Berlin. Wie alle Studenten seiner Zeit in Deutschland war er stark von der idealistischen Philosophie Hegels beeinflusst.
Hier müsste jetzt eigentlich eine Rekapitulation der Geschichte der idealistischen Philosophie seit Descartes im 17. Jahrhundert erfolgen, aber dazu habe ich weder Zeit noch Lust. Lenin sagte, dass niemand, der Hegels Philosophie nicht kenne, Marx verstehen könnte. Womit er wohl recht hat.
Fesgehalten sei, dass Hegels Philosophie das Verhältnis des menschlichen Geistes zur Welt so bestimmt, dass der Geist primär ist (anders als im Materialismus, der den Geist als Hervorbringung der Materie verstehen will), aber es ist nicht der subjektive menschliche Geist, sondern ein „objektiver Geist“, der die Welt (und dann auch den Menschen) aus sich hervorbringt.
Der Geist entäußert sich zur Welt und damit auch zum Menschen. Indem der Mensch sich die Welt erkennend und handelnd aneignet, kommt der Geist wieder zu sich selbst.
„Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich Resultat, dass es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein.“ So heißt es in der „Phänomenologie des Geistes“, seinem Hauptwerk von 1806. Man sieht eine extrem schwierige und verschwurbelte Sprache, in die man sich erst hineinlesen muss.
Man erkennt hier auch unschwer das Vorbild der Erschaffung der Welt aus dem Nichts durch Gott. Im menschlichen Geist, der die Welt und Gott erkennt, kommt Gott gewissermaßen zu sich selbst.
Dieses zu sich selbst kommen geschieht aber nicht nur theoretisch durch die Erkenntnis, sondern auch praktisch, und zwar durch Arbeit. In der Arbeit eignet sich der Mensch für Hegel die Welt an, indem er sie seinen Zwecken dienstbar macht. Menschen töten Tiere, um sie zu essen, sie nehmen Pflanzen ihre Früchte, sie graben Kohle aus der Erde, um sich am Feuer zu wärmen usw. In der Arbeit wird die Natur vom Menschen verarbeitet und damit „humanisiert“.
Hegel bewertet diesen Prozess der Erkenntnis und Aneignung der Welt durch den Menschen uneingeschränkt positiv.
Marx hingegen weist darauf hin, dass Arbeit eben nicht nur Aneignung der Natur ist, sondern auch Verausgabung der menschlichen Kräfte bedeutet. Arbeit ist zwar unerlässlich, aber sie ist auch eine Last für den Arbeiter (Zumal in der modernen Wirtschaft Arbeit immer auch Arbeitsteilung bedeutet). Der Arbeiter in einer Fabrik produziert nichts für seine eigenen Bedürfnisse, er vollzieht einfach stupide immer gleiche Vorgänge, die eigentlich keinen Sinn haben (Marx hat hier die Industriearbeit des 19. Jahrhunderts vor Augen), und das Produkt der Arbeit ist nicht seines, sondern es gehört dem Kapitalisten der ihm im gegenzug den Arbeitslohn bezahlt, von dem er lebt.
Der wichtigste philosophische Text von Marx sind die „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“ von 1844, die Marx nie selber veröffenticht hat und die erstmals 1932 erschienen. Viele wichtige Marxisten, z.B. Lenin, kannten diese Texte also garnicht, und ihr Marxbild ist entsprechend zu relativieren.
https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konomisch-philosophische_Manuskripte_aus_dem_Jahre_1844
Für den Industriearbeiter ist die Arbeit also keine Aneignung der Welt (wie für Hegel), sondern nur eine Plackerei, der er sich unterwirft, um leben zu können:
„Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet, ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, Zwangsarbeit. Sie ist daher nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses, sondern sie ist nur ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen. Ihre Fremdheit tritt darin rein hervor, daß, sobald kein physischer oder sonstiger Zwang existiert, die Arbeit als eine Pest geflohen wird. Die äußerliche Arbeit, die Arbeit, in welcher der Mensch sich entäußert, ist eine Arbeit der Selbstaufopferung, der Kasteiung. Endlich erscheint die Äußerlichkeit der Arbeit für den Arbeiter darin, daß sie nicht sein eigen, sondern eines andern ist, daß sie ihm nicht gehört, daß er in ihr nicht sich selbst, sondern einem andern angehört.“
https://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1844/oek-phil/1-4_frem.htm
Der Arbeiter produziert nicht um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, sondern nur um des Lohnes willen, mit dem er das Lebensnotwendige für sich und seine Familie auf dem Markt erwirbt.
Die Arbeit ist daher nicht mehr die Betätigung der menschlichen Kräfte zur Aneignung der Welt wie bei Hegel, sondern sie ist zu einem bloßen Lebensmittel geworden. Marx spricht in diesem Zusammenhang von „entfremdeter Arbeit“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Entfremdete_Arbeit)
Das Geld ist gewissermaßen an die Stelle der menschlichen Wesenskräfte getreten, mit denen er sich die Welt aneignet. Geld steht für alles andere:
„Was durch das Geld für mich ist, was ich zahlen, d.h., was das Geld kaufen kann, das bin ich, der Besitzer des Geldes selbst. So groß die Kraft des Geldes, so groß ist meine Kraft. Die Eigenschaften des Geldes sind meine – seines Besitzers – Eigenschaften und Wesenskräfte. Das, was ich bin und vermag, ist also keineswegs durch meine Individualität bestimmt. Ich bin häßlich, aber ich kann mir die schönste Frau kaufen. Also bin ich nicht häßlich, denn die Wirkung der Häßlichkeit, ihre abschreckende Kraft ist durch das Geld vernichtet. Ich – meiner Individualität nach – bin lahm, aber das Geld verschafft mir 24 Füße; ich bin also nicht lahm; ich bin ein schlechter, unehrlicher, gewissenloser, geistloser Mensch, aber das Geld ist geehrt, also auch sein Besitzer.“
Man kann sich hier fragen, wie denn eine nichtenfremdete Arbeit, ohne Arbeitsteilung und ohne Warenaustausch über Geld auf dem Markt denn aussehen könnte? Doch wohl nur, indem jeder das, was er für sein Leben braucht, selber herstellt und konsumiert, also etwa wie die Amazonas-Indianer, die jagen, Früchte sammeln, und den Rest des Tages frei haben.
Das will Marx natürlich nicht. Seine Vorstellung ist vielmehr, dass der Fortschritt von Gesellschaft und Technik erhalten bleibt, aber die Entfremdung aufgehoben wird, indem das Privateigentum an dem Produktionsmitteln aufgehoben und die Lohnarbeit abgeschafft wird. Wie das nun genau geschehen soll, darüber hat er sich wenig geäußert, klar war für ihn nur, dass die notwendge Veränderung eine revolutionäre sein müsste und keine allmähiche Verbesserung der Lebensverhältnisse der Arbeiter durch Reformen.
Seine Anhänger wussten also, dass sie den bürgerlich-kapitalistischen Staat gewaltsam zerschlagen mussten, aber was danach zu geschehen hatte, das war unklar. Dies wurde Marx schon zu seinen Lebzeiten vorgeworfen, z.B. von dem Anarchisten Bakunin.Leszek Kolakowski schreibt dazu in seiner Geschichte des Marxismus:
„Bakunin nahm ein Problem in Angriff, das Marx nicht erwogen hatte und das alles andere als ein imaginäres war: Auf welche Weise hat man sich eine zentralisierte Wirtschaftsmacht ohne politischen Zwang vorzustellen? Und wenn die Zukunftsgesellschaft die Scheidung in Regierte und Regierende aufrechterhalten sollte, wie kann dann die Entstehung eines neuen Privilegiensystem verhindert werden, sofern bekannt ist, daß das Machtprivileg eine natürliche Tendenz zur Selbstverewigung aufweist? Diese Fragen sollten sich von nun an häufig in den Kritiken wiederholen, die Anarchisten und Syndikalisten gegen den Marxismus richteten. Daß Marx sich den Sozialismus nicht als eine despotische Herrschaft vorgestellt hat, in der der politische Apparat seine Privilegien auf der Grundlage des Monopols an der Verwaltung der Produktionsmittel sichern würde, scheint mehr als evident. Und doch stellte Bakunin ihm zu diesem Problem Fragen, die Marx nicht beantwortete. Man kann sagen, daß Bakunin der erste gewesen ist, der den Leninismus gewissermaßen aus dem Marxismus deduziert hat, womit er einen außergewöhnlichen Scharfsinn bewies.“
Und, so könnte man ergänzen, worin er von der Geschichte der Sowjetunion bestätigt wurde, die einen Versuch darstellte, die Marxschen Vorstellungen mit Hilfe der Staatsgewalt (Verwaltung der Produktionsmittel durch den Staat) in die Tat umzusetzen.
Alexander Solschenizyn führt das System der Zwangsarbeitslager, in dem unter Stalin Millionen Menschen inhaftiert waren, in sofern direkt auf Marx (und seinen Freund und Mitarbeiter Engels) zurück. Er schreibt:
„Friedrich Engels forschte und befand, dass der Mensch nicht mit der Geburt der sittlichen Idee , auch nicht mit dem Bweginn des Denkvorgangs seinen Ursprung genommen hat, sondern mit einem zufälligen und sinnlosen Arbeitsakt: Der Affe griff nach einem Stein – und damit begann´s. Karl Marx wiederum bezeichnete in seiner „Kritik des Gothaer Programms“ (1875) ohne zu zögern die Produktive Arbeit als einziges Mittel zur Besserung von Verbrechern; wieder stand die Arbeit vor dem Denken und Grübeln, der sittlichen Selbsterkenntnis, vor Reue, vor der Sehnsucht. Er selbst hatte sein Lebtag nicht die Spitzhacke geschwungen, auch nicht mit dem Schubkarren Bekanntschaft gemacht, weder Kohle gefördert noch Holz geschlagen, und ob er Kleinholz für die Küche machen konnte, wir wissen es nicht; was tut´s, er schreib es nieder, und das Papier wehrte sich nicht.“
(Solschenizyn, Archpel Gulag)
Man sieht also dass der Marxismus eine hochkomplizierte Theorie ist, in der es keineswegs darum geht, einfach alles zu zerstören (wie z.B. Danisch meint). Der humanistische Impuls von Marx, der auf die Befreiung des Menschen von Ausbeutung und Unterdrückung zielt, ist durchaus glaubhaft, allerdings führt das Fehlen jeder konkreten politischen Strategie zur Umsetzung des Programmes dazu, dass die Versuche dazu immer wieder in Diktaturen und massiver Naturzerstörung enden.

Kulturmarxismus

Zurecht verweist Neuer Peter darauf, dass hier immer mehr Diskussionen in einer Diskussion darüber enden, ob es einen Kulturmarxismus gibt oder nicht. Also scheint es angebracht hier einmal einen Artikel zu bieten, in dem das Thema ausdiskutiert werden kann und auf den man Leute verweisen kann, wenn dazu wieder eine Diskussion aufkommt.

Der 1. Mai bietet sich für ein solches Thema natürlich an, ebenso wie seinerzeit schon bei dem Artikel zu Kritik am Kommunismus.

Der Wikipedia-Eintrag zum Kulturmarxismus gibt das Folgende her:

Cultural Marxism ist ein politisches Schlagwort der amerikanischen Rechten, das eine angebliche Verschwörung der „Linken“ beschreibt.

Laut dem Politikwissenschaftler Thomas Grumke habe die amerikanische neue extreme Rechte eine Umdeutung des Feindbildes vorgenommen, da die klassische Red Scare nicht mehr funktioniere. Teil dieser Strategie ist es, Kampfbegriffe wie „Cultural Marxism“ in die Debatte einzuführen. Als Kampfbegriff der amerikanischen neuen Rechten beschreibt „Cultural Marxism“ einen angeblichen konspirativen Versuch der „Linken“, durch Angriffe auf den American Way of Life die Kultur und Moral der USA zu zerstören. Nach der Legende sei der Ausgangspunkt des Kulturkrieges auf die 1930er Jahre zurückzuführen, als eine kleine Gruppe jüdischer Philosophen aus dem Deutschen Reich in die Vereinigten Staaten flüchteten. Diese Vertreter der Frankfurter Schule wurden an der Columbia University tätig, wo sie eine Form des Marxismus entwickelt hätten, der sich nicht mit dem Wirtschaftssystem, sondern mit der Kultur auseinandersetze. Diese Gruppe habe sich seitdem zum Ziel gesetzt, den weißen Amerikanern den Stolz auf ihre europäische Abstammung und Ethnie auszureden, sowie „christliche“ Familienwerte als reaktionär und rückständig darzustellen. Auch werde aus diesem Grund sexuelle Befreiung gelobt. William Sturgiss Lind definiert neben den Philosophen der Frankfurter Schule auch Feministinnen, Homosexuelle, Multikulturalisten, Migranten und Umweltschützer als feindliche „Kulturkrieger“. [1]

Die Anschläge in Norwegen 2011 wurden von dem Norweger Anders Behring Breivik unter anderem damit begründet, Norwegen gegen den Islam und den „Kulturmarxismus“ verteidigen zu wollen.

Eine andere Erklärung für den Kulturmarxismus habe ich hier gefunden:

Relativ unbeachtet vom syndikalistischen und libertär-klassenkämpferischen Lager hat sich in den letzten Jahren eine von der politischen Rechten in den USA ausgehende Verschwörungstheorie entfaltet, die einen angeblichen, immer einflussreicheren, „Kulturmarxismus“ ausmacht. Dabei handelt es sich um eine Verschwörungstheorie, die, kurz gesagt, postuliert, dass mächtige neo-marxistische Kräfte unter dem Deckmantel der Politischen Korrektheit versuchen Ehe, Familie und die gesamte traditionelle westliche Kultur zu zerstören, um dadurch die Bedingungen für eine soziale Revolution zu schaffen. Als Ursprung dieser Strategie zur Zerstörung der gesamten westlichen Zivilisation gelten für die Anhänger dieser Verschwörungstheorie insbesondere die Theoretiker der Frankfurter Schule.

Nimmt man diese Definition des Kulturmarxismus, dann haben wir folgende Elemente

  1. Theoretiker, die neo-marxistischen Theorien anhängen
  2. besonders auf politische Korrektheit achten
  3. das Ziel haben, damit Ehe, Familie und die gesamte traditionelle westliche Kultur zu zerstören
  4. dies aber nicht aus Gründen der politischen Korrektheit wollen, sondern auf diesem Weg die Bedingungen für eine soziale Revolution schaffen wollen

Dafür, dass tatsächlich ein Kulturmarxismus handelt ist also maßgeblich, dass die genannten Ziele nur Mittel zum Zweck sind und eigentlich nur die Basis für eine Revolution schaffen sollen.

Und da ist aus meiner Sicht der größte Haken an der ganzen Sache, der es sehr unwahrscheinlich macht, dass dies im größeren Umfang tatsächlich passiert. Denn die meisten, die hinreichend überzeugt von diesen Ideen sind, werden sie aus meiner Sicht eben auch als solche vertreten und der Nachweis, dass sie eigentlich etwas ganz anderes wollen, erscheint mir kaum möglich.

Ich kann mit durchaus vorstellen, dass es

  1. Personen gibt, die sich stark mit marxistischer Theorie befasst haben
  2. meine, dass zu einer gleichen Gesellschaft dann eben auch eine aus ihrer Sicht möglicht diskriminierungsfreie Gesellschaft gehört und daher auch die Theorien zur politischen Korrektheit bzw. die Privilegierungsgtheorien gut und richtig finden
  3. vieles an einer konservativen Gesellschaft schlecht finden und damit auch ein Kritik an Ehe und Familie im klassischen Sinne und auch an westlicher Kultur verbinden

All dies wäre aber kein Beweis für einen Kulturmarxismus, denn dieser erfordert eben nicht, dass man an beidem interessiert ist, sondern, dass man das eine nur als Mittel zum Zweck sieht.

Wenn man also beispielsweise feministische Strömmungen als Kulturmarxismus sieht, dann fehlt es aus meiner Sicht gerade an diesem Element. Es gibt natürlich feministische Theorien, die auch eine Kapitalismuskritik enthalten und insoweit auch Marxistische Elemente haben (zu Unterschieden und Kommunismus und Feminismus an sich verweise ich auf diesen Artikel mit einem Kommentar von Leszek), aber sie verfolgen doch auf der Ebene der Theorie und der Aktivstinnen eine starke auf Frauen bezogenene Ausrichtung, die sich zwar entsprechenden kommnunistischen Theorieelementen bedienen mag oder sich sogar vorstellen könnte, dass ein sozialistisch ausgerichtete Welt frauenfreundlicher ist („Konkurrenz und Wettbewerb ist Patriarchat, Frauen kooperieren friedlich“ oder so), dass bedeutet aber nicht, dass sie den Feminismus zwangsläufig als Mittel zum Zweck sehen.

In einem Artikel zu Feminismus und Kommunismus zitierte ich aus der Wikipedia wie folgt:

Patriarchat und Kapitalismus

Ein Zusammenhang zwischen dem Kapitalismus und den Geschlechterverhältnissen wurde innerhalb des Feminismus diskutiert, und zwar ob die Unterdrückung und Benachteiligung der Frauen ein „Nebeneffekt“ (Nebenwiderspruch) oder eine notwendige Voraussetzung des Kapitalismus seien. Sozialistische und marxistische Feministinnen betrachten die Frauenunterdrückung als immanentes Element des Kapitalismus. Sie beziehen neben der Produktions- auch die Reproduktionssphäre geschlechtliche Arbeitsteilung in ihre Analysen mit ein. Nach Frigga Haug gehe es um eine „Kritik der Produktionsweise des Kapitalismus, die auf Frauenunterdrückung in Form der Aneignung unentlohnter Arbeit basiert und des Fraueneinsatzes in geschlechtstypischer Arbeitsteilung bedarf.“ (zitiert nach Carstensen u.a.: S.3) Von feministischer Seite wurde kritisiert, dass die Unterdrückung der Frau zu einem Nebenwiderspruch der Produktion degradiert würde.

Das ist letztendlich eine Frage der eigenen Prioritäten, zeigt aber aus meiner Sicht durchaus, dass man bestimmte Theorien verbinden kann und damit beide Ziele verfolgen kann, ohne das man eines eigentlich gar nicht will, was ja letztendlich eine Theorie des Kulturmarxismus ist.

Mir erscheint insofern auch die Theorie des Kulturmarxismus eine Verschwörungstheorie zu sein, die über die in Amerika gern genutzte Angst vor dem Kommunismus einen Kampf auch Widerstand gegen andere ungeliebte Theorien errichten will.

Was es letztendlich bringen soll erschließt sich mir, abgesehen von diesem Anschlußeffekt, dem an die Wand malen des Kommunismus, nicht wirklich, denn letztendlich ist es eine sehr billige Weise, gegen bestimmte Ideologien vorzugehen. „Du willst eigentlich etwas ganz anderes, nämlich eine marxistische Gesellschaft“ ist aus meiner Sicht ein Argument, welches eine Diskussion blockiert, denn es vermeidet schlicht eine Auseinandersetzung mit dem, was der andere als sein Ziel angibt. Wenn dessen Theorien insoweit aber schlüssig sind (was sie aus meiner Sicht weder für einen Kommunismus noch einen Genderfeminismus sind) dann kommt es darauf schlicht nicht an.

Zudem ist es schlicht nervig, wenn Leute einem erzählen, dass man etwas ganz anderes will, was mit dem eigenen Thema schlicht nichts zu tun hat und noch nicht einmal die Folge davon ist

Insofern ist die These vom Kulturmarxismus aus meiner Sicht nicht sehr plausibel und wenig geeignet, tatsächlich etwas zu klären.

Wer das Gegenteil darlegen will, der muss einen Beweis dafür bringen, dass die anderen Theorien nur Mittel zum Zweck sind. Einen solchen habe ich bisher noch nicht gelesen, auch wenn ich teilweise entsprechende Kommentare nur überflogen habe.

 

 

Feminismus und Kommunismus

Leser Leszek schreibt zu der Frage, welche Gemeinsamkeiten Kommunismus und Feminismus haben:

Ich schreibe mal auf, was mir spontan so einfällt. Da ich selbst kein Marxist bin, mag es sein, dass ich vieles übersehe, was einem überzeugten, theoretisch informierten Marxisten zu dem Thema noch alles einfallen würde. Jeder, der möchte, darf meine Ausführungen gerne ergänzen oder korrigieren.

Das erste Problem ist, was man hier unter dem Begriff „Marxismus“ verstehen soll: die Philosophie und Soziologie von Karl Marx oder das Weltbild bestimmter einflussreicher marxistischer Richtungen oder bestimmte marxistische Theorieelemente, die von der Mehrheit marxistischer Strömungen geteilt werden? Ich beziehe das mal alles potentiell mit ein und kennzeichne es entsprechend.

Der erste wesentliche Unterschied zwischen Marxismus und Genderfeminismus, hinsichtlich dessen fundamentale Unvereinbarkeit gegeben ist, ist die spezifische Sichtweise, nach der privilegierte und benachteiligte Gruppen bestimmt werden. Im klassischen Marxismus gibt es hierfür ein entscheidendes Kriterium: Das Verhältnis zu den Produktionsmitteln. Wer diese besitzt und kontrolliert, gehört zur herrschenden Kapitalistenklasse, wer dagegen keine Produktionsmittel besitzt und gezwungen ist seine Arbeitskraft zu verkaufen, gehört nicht dazu. (Auf genauere Ausarbeitungen und Differenzierungen von Marx Verständnis von Klassen gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein.) Die Kategorie „Geschlecht“ ist für die Zuordnung zur Gruppe der Privilegierten oder der Benachteiligten gänzlich irrelevant.

Es ist im Rahmen dieses Modells also völlig unmöglich Männer AN SICH der herrschenden Klasse zuzuordnen. Männer, die keine Produktionsmittel besitzen und gezwungen sind ihre Arbeitskraft zu verkaufen sind Teil der Arbeiterklasse, Frauen, die am Besitz von Produktionsmitteln teilhaben sind Teil der Kapitalistenklasse.

Es ist sicherlich möglich, durchschnittliche Unterschiede hinsichtlich der spezifischen Problemlagen von Männern und Frauen der Arbeiterklasse herauszuarbeiten, aber es ist NICHT möglich, eine Zuordnung zur Kapitalistenklasse oder zur Arbeiterklasse ausgehend von der Kategorie „Geschlecht“ vorzunehmen.

Das genderfeministische Verständnis von struktureller Ungleichheit, nach dem Männer an sich privilegiert, Frauen an sich benachteiligt sind, steht dem marxistischen Verständnis somit diametral entgegen. Im Genderfeminismus besitzt der in prekären Beschäftigungsverhältnissen schuftende Unterschichtsmann eine „patriarchale Dividende“ gegenüber der weiblichen Unternehmerin. Es sollte klar sein, wie absurd dies aus marxistischer Perspektive klingt.

Der Marxismus vertritt eine strukturell-soziologische Sichtweise auf den Kapitalismus. Die einzelnen Unternehmen stehen im Wettbewerb zueinander und müssen sich auf dem Markt behaupten. Das dahinter stehende Prinzip lautet: Wachse oder stirb. Jeder Unternehmer ist gezwungen Profite zu erwirtschaften, um sich gegenüber seinen Konkurrenten auf dem Markt behaupten zu können. Die Ausbeutung der Arbeiter resultiert nicht aus einer „bösen Gesinnung“ der Kapitalisten, sondern daraus, dass jeder Unternehmer darauf angewiesen ist, möglichst hohe Profite zu erwirtschaften, um im Rahmen des bestehenden Konkurrenzdrucks der Unternehmen untereinander, bestehen zu können.

Der einzelne Kapitalist handelt, so wie er handelt, nicht weil er „böse“, „gierig“, „antisozial“ wäre, sondern weil die soziologische Struktur des kapitalistischen Systems ihm keine andere Wahl lässt als Profitmaximierung oder Abstieg – so die Perspektive der marxistischen Kapitalismusanalyse und -kritik.

Solche Formen von Kapitalismuskritik, bei denen im Gegensatz dazu, die soziologische Struktur des kapitalistischen Systems nicht berücksichtigt wird, sondern stattdessen nur auf bestimmte Personen oder Gruppen geschimpft wird, werden im Marxismus und im „Neo-Marxismus“ abwertend als „verkürzte, regressive oder personalisierte Kapitalismuskritik“ bezeichnet. Manche Marxisten und „Neo-Marxisten“ verwenden hierfür auch den Begriff „strukturell antisemitisch“. Es gibt kaum etwas, womit man sich in marxistischen und „neo-marxistischen“ Kreisen unbeliebter macht, als eine solche rein „personalisierte Kapitalismuskritik“ zu vertreten, die ausschließlich auf bestimmte Personen oder Gruppen fixiert ist und dabei die strukturell-soziologische Funktionsweise des kapitalistischen Systems unberücksichtigt lässt.

Dem Genderfeminismus geht es hingegen darum, mittels Quoten mehr Frauen in Vorstände und Aufsichtsräte zu bringen. Aus marxistischer Perspektive kann genau daraus aber keine grundlegende Veränderung entstehen, da Frauen in diesen Positionen natürlich genau dem gleichen Zwang zur Profitmaximierung unterworfen sind wie Männer in diesen Positionen.

Das Geschlecht der Mitglieder der herrschenden Klasse ist aus marxistischer Perspektive völlig gleichgültig: die weibliche Unternehmerin ist genauso auf die Ausbeutung der Arbeiter angewiesen, um sich auf dem Markt behaupten zu können wie der männliche Unternehmer.

Die Position im Produktionsprozess bestimmt das Verhalten – nicht das Geschlecht.

Durch einen Austausch des Personals nach Geschlecht kann daher in marxistischer/“neo-marxistischer“ Perspektive keine Änderung der ökonomischen Verhältnisse entstehen.

Weiter unten entwirft Roslin eine Verschwörungstheorie, nach der Sozialisten/Marxisten/Neo-Marxisten ein bewusstes Interesse daran hätten mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände zu bringen, weil sie sich davon weniger Wettbewerb und Profitstreben und mehr Kooperation und Umverteilung erhoffen würden – also quasi eine Art Annähehrung an den Sozialismus von oben.

Man braucht schon einen nahezu vollständigen Mangel jeglicher Kenntnis marxistischer und „neo-marxistischer“ Literatur, um eine derart absurde, allen theoretischen Grundlagen marxistischen und „neo-marxistischen“ Denkens widersprechende Behauptung aufzustellen. Das Gegenteil von Roslins Annahme ist der Fall. Eine Sichtweise, nach der der Kapitalismus verbessert oder gar der Sozialismus eingeführt werden könne, indem man mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände bringt, würde in marxistischen/“neo-marxistischen“ Kreisen unverzüglich einen Vorwurf der „verkürzten, regressiven oder personalisierten Kapitalismuskritik“ oder des „strukturellen Antisemitismus“ nach sich ziehen. Personen, die so argumentieren würden, wie Roslin dies hier unterstellt, würden in marxistischen/“neomarxistischen“ Kreisen bestenfalls lächerlich gemacht, im Extremfall angefeindet. Was den strukturell-soziologischen Charakter ihrer Kapitalismuskritik angeht, nehmen es Marxisten und „Neo-Marxisten“ nämlich sehr genau.

Dass der Kapitalismus ein „gesellschaftliches Verhältnis“ darstellt, dass nicht durch Personalaustausch geändert werden kann, wird in marxistischen und „neo-marxistischen“ Kreisen vielmehr gerade als DIE große Errungenschaft marxistischer Kapitalismusanalyse gesehen. Die Annahme, man käme durch Frauenquoten dem Sozialismus näher ist daher fundamental antimarxistisch und widerspricht massiv den theoretischen Grundlagen und dem Identitätsgefühl sämtlicher marxistischer/“neo-marxistischer“ Strömungen. Es dürfte daher wohl weltweit keinen einzigen marxistischen oder „neo-marxistischen“ Theoretiker geben, bei dem ein solcher Gedankengang nachweisbar wäre. Und das ist auch ganz simpel der Grund dafür, dass bei diesen ganzen absurden verschwörungstheoretischen Behauptungen über Marxisten/“Neo-Marxisten“ von konservativer Seite nie eine präzise Quellenangabe gegeben wird, in welchem marxistischen oder „neo-marxistischen“ Text denn eine solche Position vertreten wird. Solche Quellenangaben werden nicht gegeben, weil es solche Quellen nicht gibt. Konservative Kritiker (und da ist Roslin natürlich keinesfalls allein) lesen in der Regel gar keine marxistischen/“neo-marxistischen“ Schriften und wissen nicht, was in diesen tatsächlich drin steht – sie stellen nur wilde Behauptungen darüber auf. Es handelt sich hier um konservative Diskursstrategien, nicht um ernsthafte wissenschaftliche Analyse und Kritik

Im marxistischen Denken kommt der Solidarität zwischen (männlichen) Arbeitern und Arbeiterinnen eine herausragende Bedeutung zu: Geschlechtersolidarität (innerhalb der Arbeiterklasse) ist Klassensolidarität. Nur im gemeinsamen solidarischen Kampf der Männer und Frauen der Arbeiterklasse kann der Kapitalismus überwunden werden. Frauenfeindlichkeit und Männerfeindlichkeit gelten daher gleichermaßen als schädlich für die Klassensolidarität und als Behinderung des Klassenkampfes. Dieses Verständnis von Geschlechtersolidarität (innerhalb der Arbeiterklasse) als Klassensolidarität durchzieht auch alle frauenrechtlichen Traditionen der klassischen sozialistischen Arbeiterbewegung. Der Unterschied zum Genderfeminismus liegt auf der Hand: Der Genderfeminismus spaltet mit seiner Männerfeindlichkeit die Klassensolidarität, das Feindbild des „weißen, heterosexuellen Mannes“ behindert den von Arbeitern und Arbeiterinnen solidarisch geführten Klassenkampf, der Ausschluss der „weißen, heterosexuellen Männer“ von der sozialen Revolution würde eine erfolgreiche soziale Revolution in westlichen Gesellschaften unmöglich machen.

Karl Marx war (genau wie sein anarchistischer Gegenspieler Michael Bakunin) ein Gegner eines abstrakten Gleichheitsbegriffs, welcher menschliche Individuen oder Gruppen einem Vielfalt und Individualität zerstörenden „Gleichheitsdiktat“ unterwerfen würde. Marx und Bakunin ging es um die Demokratisierung der ökonomischen Sphäre – eine darüber hinausgehende „Gleichmachung“ menschlicher Individuen und Gruppen, eine Reduzierung menschlicher Vielfalt lehnten sie dagegen radikal ab.

Da dieser Aspekt des Denkens von Karl Marx in der Marx-Einführung von Terry Eagleton zutreffend dargestellt wird, werde ich im Folgenden einen Auszug daraus diktieren:

„Ebensowenig ist eine Gesellschaftsordnung möglich, in der alle Menschen gleich sind. Die Klage, der „Sozialismus würde uns alle gleich machen“, entbehrt jeder Grundlage. Dergleichen hatte Marx keineswegs im Sinn. Er war ein eingeschworener Feind der Gleichförmigkeit. Tatsächlich hielt er Gleichheit für einen bürgerlichen Wert. Er sah darin die Übertragung dessen, was er den Tauschwert nannte – eine Ware wird in ihrem Wert dem der anderen angeglichen -, auf die politische Sphäre. Die Waren seien, sagte er einmal, „verwirklichte Gleichheit“. Ein andermal spricht er von einer Form des Kommunismus, die eine allgemeine soziale Gleichmacherei verlangt, und bezeichnet sie in den „Ökonmisch-philosophischen Manuskripten“ als „eine abstrakte Negation der ganzen Welt der Bildung und Zivilisation“. Außerdem verband Marx den Gleichheitsbegriff mit dem, was er als die abstrakte Gleichheit der bürgerlichen Demokratie verstand, wo unsere formale Gleichheit als Wähler und Staatsbürger dazu dient, die realen Ungleichheiten des Besitzes und der Klasse zu verschleiern. In der „Kritik des Gothaer Programms“ lehnte er auch das Prinzip der Lohngleichheit ab, da Menschen je andere, individuelle Bedürfnisse haben: Einige leisten schmutzigere oder gefährlichere Arbeit als andere, wieder andere haben mehr Kinder zu ernähren und so fort.

Was nicht heißen soll, dass Marx die Idee der Gleichheit gänzlich von der Hand gewiesen hat. Ideen nur deshalb abzulehnen, weil sie von der Mittelklasse entwickelt worden waren, gehörte nicht zu Marx Gewohnheiten. Er blickte keineswegs verächtlich auf die Mittelklasse herab, sondern war ein überzeugter Anhänger ihrer großen revolutionären Werte: Freiheit, Selbstbestimmung und Selbstentfaltung. Selbst abstrakte Gleichheit hielt er für einen gehörigen Fortschritt gegenüber den Hierarchien des Feudalismus. Er glaubte eben nur, dass diese wünschenswerten Prinzipien nicht zum Tragen kommen können, solange es den Kapitalismus gibt. Trotzdem pries er die Mittelklasse als die revolutionärste Gesellschaftsschicht der Geschichte, ein Umstand, den seine Gegner aus der Mittelklasse merkwürdigerweise gerne übersehen. (…) Nach Marx Ansicht krankt der herrschende Gleichheitsbegriff daran, dass er zu abstrakt ist. Zu sehr vernachlässige er die Individualität von Dingen und Menschen – das, was Marx im wirtschaftlichen Kontext „Gebrauchswert“ nennt. Der Kapitalismus standardisiert die Menschen, nicht der Sozialismus. Das ist einer der Gründe, warum Marx eher zurückhaltend mit dem Begriff des Rechts umgeht. So schreibt er: „Das Recht kann seiner Natur nach nur in Anwendung von gleichem Maßstab bestehen, aber DIE UNGLEICHEN INDIVIDUEN (UND SIE WÄREN NICHT VERSCHIEDENE INDIVIDUEN, WENN SIE NICHT UNGLEICHE WÄREN) sind nur an gleichem Maßstab messbar, soweit man sie unter einen gleichen Gesichtspunkt bringt, sie nur von einer bestimmten Seite her fasst, z.B. im gegeben Fall sie nur als Arbeiter betrachtet und weiter nichts in ihnen sieht, von allem anderen absieht.“ (Zitat Marx Ende, Hervorhebungen von mir).

(…) Gleichheit im Sozialismus heißt nicht, dass jeder genauso wie der andere ist – eine absurde Behauptung, wenn es je eine gab. (…) Genauso wenig heißt es, dass jedem genau das gleiche Maß an Besitz und Ressourcen gewährt wird. Echte Gleichheit heißt nicht, dass alle unterschiedslos behandelt werden, sondern dass man die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen in gleicher Weise berücksichtigt. So ist die Gesellschaft beschaffen, die Marx vorschwebt. Menschliche Bedürfnisse sind nicht kommensurabel. Sie lassen sich nicht mit dem gleichen Maßstab messen. Nach Marx Ansicht hat jeder das gleiche Recht, sich selbst zu verwirklichen und aktiv an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teilzunehmen. (…) Dadurch würde bewirkt, dass jedem, so weit wie möglich, gestattet wäre, sich als das besondere Individuum, dass er ist zu entfalten. Letztlich existiert für Marx die Gleichheit um des Unterschieds willen.

(Terry Eagleton – Warum Marx Recht hat, S. 125 – 128).

Marx Kritik an einem abstrakten, Vielfalt und Individualität negierenden Gleichheitsbegriff ist im sogenannten Neo-Marxismus insbesondere von der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule aufgegriffen und weiterentwickelt worden.

Max Horkheimer vertrat z.B. (ob nun zu Recht oder Unrecht) die Ansicht, dass Karl Marx das antagonistische Verhältnis der beiden Werte Freiheit und Gerechtigkeit (verstanden als Gleichheit) nicht ausreichend mitreflektiert habe. Für Horkheimer galt: Je mehr Gerechtigkeit (im Sinne von Gleichheit), desto weniger Freiheit und je mehr Freiheit, desto weniger Gerechtigkeit (verstanden als Gleichheit). Um zu einer freien sozialistischen Gesellschaft zu gelangen, ist es nach Horkheimer daher sehr wichtig, dieses dialektische Verhältnis der beiden Wertes Freiheit und Gleichheit und die sich daraus ergebenden Komplikationen mitzureflektieren, um zu einem angemessenen Gleichgewicht zwischen diesen Werten zu gelangen.

Im gleichen Geiste sprach Erich Fromm sinngemäß einmal davon, dass er, obwohl keinesfalls Gegner der Frauenbewegung, es bedauere, dass die Frauenbewegung dazu beitrage die menschliche Vielfalt zu reduzieren.

Und Theodor Adorno verfasste in seinem Hauptwerk “Minima Moralia“ bekanntlich eine der schärfsten Polemiken gegen einen abstrakten Gleichheitsbegriff, die es in der Philosophiegeschichte überhaupt gibt:

“Das geläufige Argument der Toleranz, alle Menschen, alle Rassen seien gleich, ist ein Bumerang. Es setzt sich der bequemen Widerlegung durch die Sinne aus, und noch die zwingendsten anthropologischen Beweise dafür, daß die Juden keine Rasse seien, werden im Falle des Pogroms kaum etwas daran ändern, daß die Totalitären ganz gut wissen, wen sie umbringen wollen und wen nicht. Wollte man dem gegenüber die Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt, als Ideal fordern, anstatt sie als Tatsache zu unterstellen, so würde das wenig helfen. Die abstrakte Utopie wäre allzu leicht mit den abgefeimtesten Tendenzen der Gesellschaft vereinbar. Daß alle Menschen einander glichen, ist es gerade, was dieser so paßte. Sie betrachtet die tatsächlichen oder eingebildeten Differenzen als Schandmale, die bezeugen, daß man es noch nicht weit genug gebracht hat; daß irgend etwas von der Maschinerie freigelassen, nicht ganz durch die Totalität bestimmt ist. Die Technik der Konzentrationslager läuft darauf hinaus, die Gefangenen wie ihre Wächter zu machen, die Ermordeten zu Mördern. Der Rassenunterschied wird zum absoluten erhoben, damit man ihn absolut abschaffen kann, wäre es selbst, indem nichts Verschiedenes mehr überlebt.

Eine emanzipierte Gesellschaft jedoch wäre kein Einheitsstaat, sondern die Verwirklichung des Allgemeinen in der Versöhnung der Differenzen. Politik, der es darum im Ernst noch ginge, sollte deswegen die abstrakte Gleichheit der Menschen nicht einmal als Idee propagieren. Sie sollte statt dessen auf die schlechte Gleichheit heute, die Identität der Film- mit den Waffeninteressenten deuten, den besseren Zustand aber denken als den, in dem man ohne Angst verschieden sein kann.“

Den gravierenden Unterschied zwischen den Reflektionen zur Gleichheit in den Philosophien von Karl Marx und den Denkern der Frankfurter Schule einerseits und dem abstrakten Gleichheitsbegriff der Genderisten, in dem gerade solche kritischen Reflektionen, wie die von Marx, Adorno und Horkheimer völlig fehlen, muss ich hoffentlich nicht weiter ausführen.

Eine weitere Differenz zwischen Marxismus und Genderfeminismus sollte noch erwähnt werden. Wenden wir die Kategorien der marxistischen ökonomischen Analyse auf den Genderismus an, dann können wir schwerlich zu einem anderen Ergebnis kommen, als dass die herrschende Kapitalistenklasse an der Förderung des Genderfeminismus ein Interesse besitzt: Mehr Frauen auf dem Arbeitsmarkt führt zu einer Vergrößerung der „industriellen Reservearmee“, wie Marx es nannte und ermöglicht daher Lohnsenkungen, (was es den zeitgenössischen großen Unternehmen wiederum erleichtert auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben).

http://de.wikipedia.org/wiki/Industrielle_Reservearmee

(Es versteht sich hoffentlich von selbst, dass eine solche rein deskriptive Analyse kein Plädoyer gegen weibliche Erwerbsarbeit sein soll. Alles, was die Wahlmöglichkeiten für Frauen und Männer erweitert, ist grundsätzlich natürlich zu befürworten. Aber man sollte sich dennoch keinen Naivitäten darüber hingeben, dass die herrschenden Kreise in Politik und Wirtschaft bestimmte Dinge etwa aus ideologischen Gründen (oder gar aus Menschenfreundlichkeit) fördern würden anstatt auf der Grundlage ihrer eigenen Interessen.)

Kritik am Kommunismus

Kommunismus

Der Kommunismus ist in der Wikipedia wie folgt definiert:

Kommunismus (vom lateinisch communis ‚gemeinsam‘) bezeichnet politische Lehren und Bewegungen, die zuerst die Gütergemeinschaft zum Ziel haben, im weiteren Sinne die klassenlose Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist und die Produktion des gesellschaftlichen Lebens rational und gemeinschaftlich geplant und durchgeführt wird.

Meiner Meinung nach stehen diesem Gesellschaftssystem einige Bedenken entgegen:

– unbedingter Altruismus ist keine evolutionär stabile Strategie, Alturismus beim Menschen ist im Rahmen der Durchsetzung eigener Interessen, der Interessen von Verwandten und der Interessen einer In-Group im Rahmen einer (vermutete, indirekten) Reziprozität entstanden.

Wettbewerb erzeugt Wohlstand, was aus dem oben genannten folgt.

– Menschen wollen einen hohen Wohlstand. Ein System, dass ihnen dies nicht bietet, erscheint damit zunächst weniger begehrenswert

– Der Gegensatz von Privateigentum=Ausbeutung, Arbeiter=Ausgbeuteter ist heute nicht mehr haltbar. Die Abgrenzung wird theoretisch und beliebig, Armutsverhältnisse verlaufen nicht anhand dieser. Durch die Möglichkeit für gute Ideen Finanzierungen zu erhalten verwischen die Grenzen immer mehr. Ein Angestellter kann sehr reich werden, innerhalb eines Unternehmens aufsteigen, sich dort ein gutes Einkommen verdienen. Der Staatsdienst, obwohl weniger ausbeuterisch, zahlt häufig schlechter und bietet andere Vorteile wie sichere Arbeitsplätze etc.

– Eine Verteilung von Gütern ohne Markt scheint nicht zu klappen. Märkte können nicht geplant werden, sondern entstehen. Eine Planwirtschaft wird daher immer eine Mangelwirtschaft sein.

– Persönliches Interesse am Erfolg ist ein hoher Motivationsfaktor, der ohne Privateigentum schnell verschwindet.

– Viele Leute wollen sich selbst ausbeuten

– Ebensoviele Leute wollen gerne Luxusgegenstände, die ihnen der Kapitalismus bietet. Luxusgegenstände sind neben ihrer Nutzungsfunktion auch Costly Signals, die etwas über uns aussagen und werden deshalb begehrt. Im Kommunismus sind Luxusgüter üblicherweise nicht die Güter, die selbst hergestellt werden, sondern die kapitalistischen Güter

– Die Menschen sind nicht gleich. Einige haben Fähigkeiten, die andere nicht haben. Für Personen mit besonderen Fähigkeiten ist der Kommunismus kein attraktives System. Sie geben mehr auf als die anderen, ohne dadurch etwas zu gewinnen. Dies führt zu Demotivation oder einer Schattenwirtschaft bzw. Korruption

– Wir sind Hierarchietiere. Der Mensch neigt dazu Hierarchien zu bilden, was der Kommunismus nicht hinreichend anerkennt. Die Menschen, die im Kommunismus am oberen Ende der Hierarchie stehen wollen werden daher um höherwertige Postionen ebenso kämpfen wie in jedem anderen System. Wenn ihnen Regeln dies nicht in einem offenen Wettbewerb ermöglichen, dann wird ein inoffizieller Wettbewerb geführt.

– Der Kommunismus ist nicht gegen Ausbeutung und Parasitentum abzudecken.

– Der Kommunismus muss all diese Unzulänglichkeiten überdecken, wenn das System funktionieren soll. Dazu muss entweder ein besonderes Gemeinschaftsgefühl erzeugt werden, dass zugleich Ausgrenzung anderer voraussetzt und starke Regeln zum wohle der Gemeinschaft oder durch Zwang ein Einsturz des Systems verhindert werden. Die starken Regeln führen wiederum dazu, dass der Kommunismus schnell intolerant wird oder einen Lebensstil erzwingt.

Interessant auch die Rubrik in der Wikipedia zur „Kritik am Realsozialismus“

– fehlende Basisdemokratie: Das von Lenin verhängte Partei- und Fraktionsverbot lähme die notwendige gesellschaftliche Partizipation und Eigeninitiative der Arbeiter und gefährde so den Aufbau des Sozialismus (Rosa Luxemburg).

– Bürokratie: Durch die Isolierung Sowjetrusslands konnte eine neue Bürokratenschicht die „Macht an sich reißen“, was zu einer „Entartung“ des Arbeiterstaates führte (Leo Trotzki).

– Zentralismus: Die von oben nach unten aufgebaute sowjetische Kaderpartei sei strukturell unfähig, die Wirtschaftsprobleme des Landes zu lösen (Wolfgang Leonhard).

-Ideologische Manipulation: Stalins und Maos „Marxismus-Leninismus“ sei ein Bruch mit den ursprünglichen Ideen von Marx, Engels und Lenin und pervertiere sie (George Orwell, Oskar Negt, Iring Fetscher).

– Totalitarismus: Die Herrschaftsform der Sowjetunion lasse strukturell keine Demokratisierung zu und schalte die freie Entfaltung der Menschen ähnlich total aus wie der Faschismus (Hannah Arendt).

– die Gesellschaftsformation der Sowjetunion und Chinas sei kein Sozialismus/Kommunismus, sondern eine bürokratisch erstarrte Form des asiatischen Despotismus (August Wittvogel, Rudolf Bahro, Rudi Dutschke),

– Imperialismus: Die innerstaatliche Diktatur und ökonomische Schwäche der Sowjetunion führe zu äußerem Expansionsdrang und Hegemonialansprüchen, die den Weltfrieden gefährden (Konsens von Reformkommunisten, Antikommunisten und manchen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt)

Meiner Meinung nach passen diese Schwierigkeiten des „Realsozialismus“ genau zu der angesprochenen Kritik. Es sind keine Umsetzungsschwierigkeiten, sondern Folgen des Fehlers im System. Sie ergeben sich wie daraus, dass Basisdemokratie dazu führen würde, dass Leute ihre Interessen und nicht mehr die Gemeinschaftsinteressen durchsetzen wollten und interne Spannungen darüber, was nun eigentlich richtig ist und wie man als Gesellschaft leben will täglich ausgetragen werden müßten.

Basisdemokratie müßte ja, wenn man das System beibehalten würde , den Vorbehalt haben, dass nicht über den Kommunismus an sich entschieden wird. Das keine Öffnung hin zum Kapitalismus eintritt etc. Sieht man sie nur auf einer unteren Ebene, dann verzögern sie eben dort den Entscheidungsprozess, sind langsamer als Hierarchien und erfordern schlichte „Wahlwerbung und Beeinflussung“, weil sich immer Lager bilden werden, die die Interessen ihrer Seite durchbringen wollen.

Zentralismus ist ebenfalls ein Problem, welches genau daraus folgt, dass man im Kommunismus soviel steuern muss, was sonst der Markt erledigt. Es ist kaum zu umgehen, dass dies in einer planenden Stelle zusammenlaufen muss und sich daher ein Machtapparat ausbildet.

Ideologische Manipulation folgt schlicht daraus, dass man eh einen Apparat schaffen muss, der ein starkes „Wir-Gefühl“erzeugt. Uneigennützigkeit ist in unserer Spezies an einem In-Group Out-Group-Modell entwickelt worden (uneingeschränkte Uneigennützigkeit ist keine evolutionär stabile Strategie, da sie zu leicht ausgenutzt werden kann). Nicht umsonst hat der Osten gegenwärtig starke rechtsradikale Tendenzen, weil die praktische Umsetzung der Einigkeit und Wohltätigkeit genau diese Manipulation erfordert. Auch aus China und Russland habe ich durchaus vergleichbares gehört. Der heutige weltweite Kapitalismus kann in übrigen wesentlich einfacher darauf abstellen, dass zwar jeder Konkurrent, aber auch jeder Handelspartner, Zulieferer und Kunde ist. Es muss sein In-Gouping wesentlich weniger vor Ausbeutung schützen, weil jeder jeden ausbeutet aber auch jeder mit jedem zusammenarbeitet und kann daher leichter eine tolerante Gesellschaft aufbauen (toleranter in dem Sinne, dass es nicht darauf abstellen muss, dass andere schlechter sind, es lohnt sich so gesehen nicht rassistisch zu sein (es kann sich natürlich trotzdem lohnen Leute auszubeuten, aber das ist erst einmal unabhängig von ihrer Rasse oder Herkunft). Wenn man also eh eine Propagandaabteilung unterhalten muss, damit alle auf die eigene In-Group eingeschworen werden, dann liegt ein Machtmittel offen dar, welches man auch für Ideologisierung und Führerkult nutzen kann. Weil man den Leuten verklickern muss, dass sie Teil etwas besonderes sind, für das sich die Zurückstellung eigener Interessen lohnt, muss man ihnen auch erzählen, dass die Führung, der sie vertrauen sollen, ebenfalls die eigenen Interessen zurückstellt, weil sonst der Glaube an eine große Gruppe kaum möglich ist. Deswegen ist jedes Vorgehen gegen die Führung auch ein Vorgehen gegen die In-Group-Effekte und damit eine Schwächung der kommunistischen Idee. Es bietet sich an gegenwärtige Führer zu ideologisieren und abgesetzte Personen als Verräter, als Ausnahmen, darzustellen. Eine starke Förderung der In-Group ist mit offener Kritik an dieser in einem Konflikt. Abweichler auszusortieren und mittels der Propaganda zu Verrätern zu erklären ist damit ein guter Weg, das System zu sichern. Auch sicherlich ein Grund, warum der „Urkommunismus“ eher atheistisch war: Religionen bieten Platz für gesonderte Normen, unterschiedliche Religionen betonen Verschiedenheit.

Totalitarismus setzt ebenfalls an diesem Problem an. Wer Einheitlichkeit vorgibt muss Freiheit beschneiden. Wer dabei ist Freiheit zu beschneiden, der kann sie auch noch etwas mehr beschneiden, um sich selbst etwas dadurch zu sichern. Wenn zudem die Führung zwangsläufig als gut und gerecht dargestellt werden muss, dann ist Kritik an ihr eine Schwächung der In-Group, also der Gemeinschaft und natürlich auch eine Gefährdung der Führung an sich, denn der Vorwurf, sich nicht schlicht am Gemeinschaftsinteresse ausgerichtet zu haben, ist der sicherste Weg die Macht zu verlieren. Das muss aber nicht zu einer strikten, freiheitlichen Umsetzung der Gruppeninteressen führen, da diese eh nicht perfekt sein kann. Man kann das Gruppenwohl immer noch selbstloser, noch besser, noch unverschnörkelter fördern, so dass man fast zwangsläufig bei Immunisierungstendenzen ankommt. Das kann man durch Wahlen ändern. Allerdings hat ein „demokratischer Kommunismus“ eben das Problem, dass er erst einmal erklären muss, warum immer wieder neu gewählt wird. Wenn die Führung wegen ihrer Tendenz, statt der Gruppeninteressen ihre Eigeninteressen zu fördern, immer wieder neu gewählt werden muss, dann setzt das bereits am Grundgedanken des Kommunismus an. Ein echtes Mehrparteien- bzw. Mehrkandidatensystem hat gleiche Schwierigkeiten: Abgrenzung der Parteien oder Kandidaten untereinander erfordert die Aussage, dass man etwas anders machen würde, es also nicht nur die Linie der Gruppenförderung gibt, die sachlich und nach besten Gewissen umgesetzt wird. Eine Kandidatenfeststellung, die nur darin besteht, dass man sagt „Ich werde genau wie meine Kollegen das beste für die Gruppe machen, da wir alle den Gemeimwohl verpflichtet sind, wie unser gesamter Staat ist es eigentlich egal, wen ihr von uns wählt“ ist nicht wirklich spannend und wird daher in der Regel durch ein zumindest faktisches Einparteiensystem ersetzt, indem es kein echte Wahl gibt, sondern nur eine Bestätigung der Führung. Eine Abwahl in einem kommunistischen System würde insoweit das Zugeständnis erfordern, dass das System fehlerhaft war. Ersetzt man die Wahl durch ein Berufungssystem, dann verlagert man die Schwierigkeiten lediglich auf die Berufungskommision, die dann wieder Macht erlangt. Zudem ist ein Führerkult ein effektives Mittel der In-Group-Förderung. Es erlaubt zudem den Aufbau von Vertrauen, was ein wesentliches Mittel von Führung ist. Eine anonyme Führung ist nicht verantwortlich und wird selten akzeptiert, eine nicht anonyme Führung muss aber als gut angesehen und aufgebaut werden. Da dies durch Konkurrenz nicht geschehen kann, liegt es nahe, diesdurch Verklärung zu leisten. Anoymität an der Spitze erschwert hier wieder die Arbeit.Warum sollte man aber einen verklärten Führer ablösen und die neue Führung dann genauso aufbauen? Und warum sollte der erst einmal verklärte Führer gehen, wenn ihn alle lieben und er – wie alle wissen – perfekt für den Job ist?

Bürokratie ist ebenfalls eine Folge davon, dass alle Macht beim Staate sitzt und dieser damit der beste und sicherste Arbeitgeber ist. In einem Kommunismus müssen die besten Positionen beim Staat sein, weil alle Positionen staatlich sind. Aufgrund der Vorteile der Abschottung gegen Kritik und der Propaganda ist es zudem ein leichtes Staatspositonen attraktiv zu besetzen. Kritik an der Besetzung lässt sich so leicht unterdrücken, weil sie dem In-Group-Gedanken widerspricht und damit staatsfeindlich ist. Da zudem keine anderen Entfaltungs und Förderungsmaßnahmen möglich sind und eigentlich jede Förderung über die, die allen zukommen soll, ein verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz und das Allgemeinwohl ist, muss man eh gegen gesellschaftliche Regeln verstoßen, wenn man eine Förderung vornehmen möchte. Warum sollte das Kind des #Führungsposition eine bessere Förderung erhalten, wenn der Staat alles für eine bestmögliche Förderung macht und wir alle gleich und der In-Group verpflichtet sind? Der kommunistische Gedanke macht eine Sonderförderung direkt zu einem Verstoß gegen die Gruppeninteressen. Da aber jeder fördern will und der Staatsdienst dazu der beste Weg ist, ist das System besonders anfällig für Vetternwirtschaft und Korruption.

Der Imperialismus ist ebenfalls interessant. Kommunismus hat einen klaren Wettbewerbsnachteil. Der wirkt sich auf die Technik und den Fortschritt aus. Ein kommunistisches System muss in den Bereichen Technik und Entwicklung und auch im Bereich Luxusgüter und Lebensstil zwangsläufig hinter einem kapitalistischen System zurückbleiben. Aus Sicht des Kommunismus mag das mit der Ausbeutung der Arbeiter zusammenhängen oder unmoralisch sein, aber das ändert nichts daran, dass ein Wohlstandsgefälle besteht, das immer mehr wächst und damit auch immer deutlicher wird. Es fällt aber schwer an eine Überlegenheit des eigenen Systems zu glauben, wenn die anderen schlicht besser leben. Die meisten kommunistischen Systeme wählen die offensichtlichen Gegenmaßnahmen: Abschottung, damit das Wohlstandsgefälle nicht mehr wahrgenommen wird (über Verbot von „Westfernsehen“ und Reisen wie in der DDR oder über Internetsperren wie China) und über „Out-Grouping“ und weitere Stärkung der In-Group. Der Kapitalist muss daher böse sein, muss seinen Wohlstand nur durch Ausbeutung erlangt haben, während der Kommunist zwar etwas ärmer ist, aber dafür sozialer, menschlicher, gerechter. Das Bild wird natürlich schwerer umsetzbar, wenn man gleichzeitig Unterdrückungsmaßnahmen gegen die eigene Bevölkerung einleiten muss, damit sie nicht in den Kapitalismus abwandern oder sich zu gut über die dortigen Zustände informieren. Wer erfährt, dass der ausgebeutete VW-Arbeiter besser lebt als mancher Bonze im kommunistischen System, der fragt sich eben, ob er nicht besser im Kapitalismus lebt, selbst wenn dieser zB andere Länder ausbeutet. Das fragt er sich um so mehr um so stärker die Unterdrückung ist, die er selbst erhält, weil ihn diese gleichzeitig daran zweifeln läßt, dass das System zu seinem eigenen besten arbeiet. Es dürfte den meisten Menschen lieber sein, durch ihre Arbeit einen Kapitalisten zu mehr Geld zu verhelfen, der ihnen im Gegenzug einen guten Lohn zahlt als in einem korrupten System die Bonzen durchzufüttern und dabei noch schlechter zu leben als bei einer Ausbeutung durch den Kapitalisten. Ein Gegenmittel ist dabei dann der Imperialismus. Wenn man den anderen überzeugen kann, dass der Kapitalist es nur noch kurzzeitig besser hat, weil das eigene System noch nicht läuft, durch den Kapitalismus ausgebremst wird, es aber nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der böse Kapitalist von dieser Welt verschwunden ist, der macht ein „überlaufen“ zum Kapitalismus unlogischer und zu einem weiteren Verstoß gegen die Gruppeninteressen, denn es ist dann keine Wahl nebeneinander stehender Systeme, bei dem eben das eine Kommunistisch und das andere kapitalistisch ist, sondern ein Überlaufen zum Feind und damit eine Schädigung der In-Goup. Der Kapitalismus als Feindbild ermöglicht daher eine Ideologisierung und Verlagerung aller Fehler auf eine Outgroup. Sie präsentiert ein Ziel auf welches man zuarbeiten kann. Kommunistischer Imperialismus ermöglicht die Präsentation einer besseren Zukunft und über den Kampf ein schließen der Reihen: Wenn wir geschlossen stehen, dann werden wir eine bessere Welt schaffen. Wir sind besser, weil wir eine Gruppe bilden, während der Kapitalismus nur Eigeninteressen kennt. Wenn die Ausbeutung ein Ende hat, dann werden wir alle gleich sein und im Luxus leben. Wir müssen die anderen Arbeiter, Bestandteil unserer In-Group, nur befreien, woran sie tatkräftig mitarbeiten werden. Es hat damit die klassische Funktion, die ein Out-Grouping schon immer hatte.

Und zudem noch ein paar Argumente für den Kapitalismus /gegen die Kritik am Kapitalismus

– Der Ausbeutungsgedanke kann nicht universell gesehen werden, sondern nur im Verhältnis von Lohn und Arbeit. Wer für einen Job gut bezahlt wird, wird nicht ausgebeutet.

– Es wird sogar nicht wenigen Arbeitern lieber sein, lediglich ihre Arbeitskraft verkaufen zu können und kein Risiko für das eingesetzte Kapital zu tragen. Der Arbeitnehmer kann jeden Monat seinen Lohn verlangen, ob es dem Betrieb gut oder schlecht geht. Wenn der Betrieb den passenden Gewinn nicht erzielt oder aus anderen Gründen nicht konkurenzfähig ist, kann er schlicht den Arbeitgeber wechseln. Diese Freiheit hat ein Kapitalist häufig nicht.

– Ein Staat ist nicht in der Lage im gleichen Wege wirtschaftlich zu handeln, wie ein privater. Noch nie in der Geschichte hat ein staatlich geführtes Unternehmen mehr Gewinn und mehr Fortschritt gebracht als ein privates Unternehmen. Dies ist darin begründet, dass private Unternehmen ein interesse am Gewinn haben, den staatliche Unternehmen nicht haben.

– Der Staat kann sich selbst keine Konkurrenz machen, in einer vollständig verstaatlichten Gesellschaft existiert daher ein Monopol für eine Ware. Monopole beeinträchtigen den Wettbewerb

– Menschen mögen Freiheit und Luxus. Sie sind bereit dazu anderen Menschen mehr zuzugestehen, wenn sie selbst ebenfalls dadurch einen höheren Lebensstandard erreichen. Der Bandarbeiter in einem VW-Werk hätte sicherlich nicht mit dem Bandarbeiter in einem Wartburgwerk tauschen wollen. Weil ihm das Gemeinschaftseigentum keine bei ihm ankommenden Vorteile gebracht hätte, im Gegenteil, er hätte aufgrund der geringeren Wirtschaftsleistung für vergleichbare Arbeiten weitaus weniger erhalten und in einem Staat gelebt, der ihn wesentlich mehr einschränkt als jeder Kapitalist. Das fängt bei einfachen Sachen wie einer Banana an und geht über die Ausreisefreiheit bis hin zu dem Recht, Kritik an der eigenen Führung zu üben. In einem (modernen) kapitalistischen System kann man kommunistische Gedanken äußern. In einem kommunistischen System aber keine kapitalistischen (jedenfalls nicht offiziell).