Franziska Giffey: „Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor“

Verschiedentlich habe ich bei Facebook und Twitter jetzt ein Zitat von Franziska Giffey gelesen, die designierte Familienministerin, gelesen, in dem es um eine Kindergartenpflicht geht. Tatsächlich ist das wohl eher ein Landesthema als ein Bundesthema aber es ist ja dennoch nicht uninteressant.

Als konkreter Punkt findet sich bei Frau Giffey auf ihrer Homepage:

  • Wenn über 60% der Neuköllner Kinder in Klasse 1 mit Entwicklungsverzögerungen und fast 40% mit Sprachstörungen starten, weil sie in ihrem bisherigen jungen Leben nicht die Förderung und Anregung erfahren haben, die für einen guten Schulbeginn notwendig wären, dann sind das Alarmsignale, denen nur mit einer verbindlichen frühen und institutionalisierten Förderung für alle begegnet werden kann.
  • Es ist ein Fehler gewesen, die Vorklassen an den Grundschulen abzuschaffen.
  • Die qualitativ hochwertige Förderung der Kinder durch einen verbindlichen Kitabesuch bleibt eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Erlangung der Schulreife. Eine gute Vorbereitung auf den Schulbesuch in der Kita ist zielführender als die frühe Einschulung. Es sind gemeinsame Anstrengungen im Land und in den Bezirken nötig, um ausreichend Kitaplätze und qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen.
  • Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor. Wir müssen es schaffen, dass 100 Prozent der Kinder mit guten Voraussetzungen in der Schule ankommen. Denn was in der frühkindlichen Förderung versäumt wird, kann nicht mehr aufgeholt werden und setzt sich in Frustration und verfehlten Schulkarrieren fort.

Der Satz:

  • Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor.

ist natürlich interessant. Eine Umsetzung könnte in der Tat bei der Integration sehr hilfreich sein, aber eben auch die Rückkehr von Frauen in den Beruf beschleunigen, wenn es allgemein so durchgesetzt wird, was dann eigentlich auch Regelungen beim Unterhalt nach sich ziehen müsste.

Andere sehen darin wiederum eine Einschränkung der Elternrechte, insbesondere dem Recht sein Kind selbst zu erziehen.

Man kann auch Punkte dagegen halten wie die Bindung an die betreuenden Eltern in diesem besonderen Zeitraum und dafür eben die gleichmäßige Vorbereitung und damit eine Verbesserung der Chancengleichheit für die Kinder, die am besten möglichst früh deutsch sprechen sollten, damit sie überhaupt eine Chance haben.

Die meisten Eltern werden ihre Kinder schon heute in den Kindergarten geben, Kindergrippen hingegen werden wohl einen deutlich niedrigeren Anteil haben.

Was haltet ihr von dem Vorschlag?

Ab welchen Alter wäre eine Pflicht sinnvoll, wenn ihr sie richtig findet?

Ab welchen Alter sollte ein Kind auch abseits einer Pflicht in eine Krippe?

 

„Kindergarten-Studie: So weit sind Mädchen Jungen voraus“

Der Spiegel hat einen interessanten Artikel zum Leistungsstand von Kindern im Kindergarten:

Kindergartenpersonal dokumentierte, wie die Zweijährigen sich im Alltag verhielten – mit eindeutigem Ergebnis: Als Kleinkinder zwischen 30 und 33 Monaten können demnach nicht nur mehr Mädchen alleine essen und sich anziehen. Sie sind auch sozialer als Jungen in dem Alter, berichten die Wissenschaftlerinnen im Fachmagazin „Early Childhood Educational Journal“.

Die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern fanden sie beim Toilettengang. Während mehr als jedes fünfte Mädchen (21 Prozent) keine Windeln mehr trug und Bescheid sagen konnte, wenn es zur Toilette musste, waren es bei den Jungen nur 8 Prozent.

Mehr als zwei Drittel der Mädchen (68 Prozent) zeigten zudem Interesse daran, ein Klo zu benutzen, während das nicht einmal jeder zweite Junge tat (42 Prozent).

Fast zwei Drittel der Mädchen konnten schon alleine essen und trinken, wohingegen das nur bei knapp der Hälfte der Jungen der Fall war.

Auch beim Sozialverhalten hatten die Mädchen die Nase vorn: Sie machten häufiger bei Spielen im Kindergarten mit und interagierten mehr mit Gleichaltrigen.

„Soziale Fähigkeiten und Alltagsaktivitäten hängen zu einem großen Teil mit dem Sprachverständnis, motorischen Fähigkeiten und Selbstregulierung von Kindern zusammen“, sagt Meland. „Gut ausgeprägte Sprachkenntnisse könnten dazu beitragen, dass Mädchen ihre Bedürfnisse besser zum Ausdruck bringen können.“

Insoweit aus biologischer Sicht nichts ungewöhnliches. Gerade bei einer Spezies mit hoher körperlicher intrasexueller Konkurrenz, wie bei menschlichen Männern, tritt  bei dem betroffenen Geschlecht oft eine gewisse Entwicklungsverzögerung ein, damit diese Kinder nicht zu früh in die Konkurrenz eingebunden werden und stärker werden können. Zudem sind die besseren sprachlichen Fähigkeiten bei Mädchen ebenfalls gut dokumentiert.

Allerdings gaben die Forscherinnen zu bedenken, dass die Kindergarten-Betreuung in Norwegen größtenteils in Frauenhand ist, diese stellen rund 93 Prozent des Personals. Das könne die Beobachtungen, auf die sich die Studie unter anderem stützt, beeinflusst haben.

Wie eigentlich auch in Schule etc. Hier wäre schon interessant, wie das in eine feministische Benachteiligungssystematik eingebaut wird. Vielleicht würden sie es sogar als Bestätigung sehen „Solange Mädchen von Frauen umgeben sind, wie im Kindergarten oder in der Schule schneiden sie besser ab, wenn sie in die Universitäten oder später in den Beruf kommen, dann fallen sie ab“. Aber es wäre schon ein merkwürdiges Bild, wenn Frauen aus diesem Vorsprung nichts machen können, sondern nur auf das Geschlecht der Lehrer und Vorgesetzten reagieren.

Die Studie findet sich hier.

Ich habe mal die wesentlichen Ergebnisse herauskopiert:

Kindergarten Mädchen Jungs Eigenschaften

Kindergarten Mädchen Jungs Eigenschaften

Kindergarten Mädchen Jungs Eigenschaften Tabelle 4

Kindergarten Mädchen Jungs Eigenschaften Tabelle 4