Wenn die Frau mehr verdient als der Mann

In der Süddeutschen findet sich ein Artikel zu dem Fall, dass eine Frau mehr verdient als der Mann und sich daraus ergebenden Problemen:

Die Einleitung macht deutlich, dass dies kein typischer Fall ist:

Bei einem von zehn Paaren verdient die Frau mehr Geld als der Mann. Das hält nicht jeder aus – das Rollenbild vom Vater als Ernährer ist hartnäckig.

 In 9 von 10 Fällen verdient damit der Mann mehr, was bereits deutlich macht, dass die meisten Familien klassische Rollenbilder leben.

„Ein Mann muss stark sein und es aushalten können, wenn seine Frau mehr verdient. Doch ich glaube, schon wegen der traditionellen Rolle als Familienernährer, können das nicht so viele“, sagt sie. Ihr Mann muss beispielsweise aushalten, dass sie über die Ausgaben bestimmt. „Größere Dinge besprechen wir natürlich – wohin es in Urlaub geht oder ein neuer Fernseher.“

Das ist ja schon eine interessante Aussage: Sie verdient, also bestimmt sie auch über die Ausgaben? In den meisten Familien, in denen der Mann mehr verdient wird diese Aufteilung nicht so sein und man wäre wahrscheinlich ein Chauvi, wenn man es so deutlich sagen würde.

Das Einkommen sei für sie kein Kriterium bei der Partnerwahl, sagt Ortmann. „Manchmal habe ich mir aber schon gewünscht, mein Mann würde mehr verdienen“, erzählt sie. „Das hätte mich entlastet. Die Familie allein zu ernähren, ist eben eine riesige Verantwortung.“ Das tun zwar immer mehr Frauen – mittlerweile um die sechs Millionen – trotzdem ist Ortmann eine Ausnahme. Es ist bekannt: Die Mehrheit der Familien wählt noch immer das Familienmodell, das ihre Eltern lebten.

Ich hatte schon neulich einmal angemerkt, dass man bestimmte Sätze nur dann in Artikeln liest, wenn etwa Geschlechterthemen ausgeblendet werden oder die Frau die andere Rolle innehat: Wann hat man in einem Artikel zur Arbeitsverteilung zwischen Mann und Frau oder noch eher zu Lohnunterschieden von Mann und Fraue schon einmal das simple Zugeständnis gelesen, dass das höhere Gehalt nicht einfach nur Privileg, sondern auch eine „riesige Verantwortung“ ist.

Auch interessant wäre, worauf sie die Erkenntnis stützen, dass man das Familienmodell wählt, weil es die Eltern auch so gelebt haben, was hier wohl mit der Formulierung im letzten Satz gemeint ist und auf erlerntes Verhalten abstellt. Denn für andere Frauen könnte ja Gehalt durchaus eine Rolle spielen und mit dem höheren Gehalt entscheidet sich auch häufig schon, wer aussetzt und wer nicht.

Die Soziologin Daniela Grunow von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat Paare in acht europäischen Ländern befragt und herausgefunden, dass sie sich sogar für dieses Modell entscheiden, wenn beide gleich viel verdienen.

Auch das ist interessant und wäre durch Vorlieben auch gut zu erklären: Der Mann möchte den Status des Jobs und die Rolle als Ernährer und Versorger nicht aufgeben, der Frau bedeutet dies weniger und Zeit mit dem Kind dafür mehr.

Nach Angaben des Bundesfamilienministeriums ist das bei etwa 20 Prozent aller deutschen Mehrpersonenhaushalte der Fall. „Sobald ein Paar zusätzliche Verpflichtungen eingehen muss, also beispielsweise Kinder betreuen, trifft es geschlechtsspezifische Absprachen“, sagt Grunow. Und die fallen in der Regel traditionell aus. Das heißt, die Frau bleibt daheim oder geht in Teilzeit.

Auch hier sollte man „Absprachen“ hervorheben.

Ein Dilemma für die berufliche Laufbahn der Frau, von den niedrigeren Rentenansprüchen ganz zu schweigen.

Solange beide verheiratet sind wird aber beides sich nicht wesentlich auf den Lebensstandard der Frau auswirken und für den Fall einer Scheidung bei Heirat wird es auch den Mann teuer zu stehen kommen, der dann eben die Hälfte seiner Rentenansprüche im Rahmen des Versorgungsausgleichs abgeben muss.

Bis zum Zeitpunkt des Kinderkriegens sei der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen gar nicht so groß, sagt Professor Grunow. Aber bei den Öffnungszeiten der deutschen Krippen und Kindergärten ist es trotz Ausbau des Betreuungsangebots so gut wie unmöglich, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten. Es sei denn, sie können sich zusätzliche private Kinderbetreuer leisten.

Und sie wollen das. Ich kenne auch von genug Leuten den Gedanken, dass sie es sich leisten können, die Mutter freizustellen, die dann nicht erwerbstätig sein muss, gerade auch dann, wenn sie ohnehin eine niedrigere Qualifikation als der Partner hat.

Die sozialpolitischen Maßnahmen wie das Ehegattensplitting erleichterten Paaren zudem die Entscheidung, nur noch auf einen Hauptverdiener zu setzen.

Was ich auch interessant in der feministischen Diskussion finde ist, dass häufig über das Ehegattensplitting geschimpft wird bzw über die Steuerklassen (auf die es gar nicht ankommt,  was man an Steuern zahlt richtet sich nicht nach der Steuerklasse, diese regeln lediglich die „Vorschüsse“), ich kenne aber auch keinen feministischen Artikel, der ein anderes Steuersystem entwickelt hat, welches eingesetzt werden soll.

Aber in der Tat kann es sich gerade bei einem Ehepartner mit geringerer Qualifikation durchaus nicht sonderlich lohnen, wenn sie noch halbtags arbeitet, wobei man Rente etc dabei auch nicht ausblenden sollte.

In dieser Situation geben sie eben der Karriere des Mannes Vorrang. Nicht unbedingt, weil sie diese als wichtiger erachten. „Da spielen eher solche traditionellen, sehr stark verankerten Überzeugungen eine Rolle, wie: Das Kind braucht die Mutter doch viel mehr“, sagt Grunow. Das mag für die Stillzeit stimmen. Und danach? „Welches Konzept deutsche Männer von sich als Babyväter haben, spielt dabei auch eine Rolle.“ Bis auf ab und an mal Windeln wechseln und sich das Baby auf den Bauch legen, haben sie meist nämlich keines.

Das erlebe ich schon anders. Moderne Väter machen heute schon einiges mit den Kindern, selbst wenn sie arbeitsbedingt die geringe Zeit haben. Aber vielleicht ist mein Einblick da auch sehr selektiv.

„Das Kind braucht die Mutter doch viel mehr“ ist auch eine Erfahrung, die einige Väter machen, weil eben über Elternzeit und Stillen eine andere Bindung und Nähe vorliegt. Die Mutter vermittelt dann eine andere Form der Sicherheit als der unbekanntere Vater, selbst wenn der sich alle Mühe gibt. Aber dabei alles nur auf Tradition zu schieben scheint mir auch etwas einfach: Viele Frauen sehen es durchaus auch als ein Recht, welches sie nicht missen wollen. Die Aussage „Ich bin doch nicht neun Monate schwanger um dann nichts von dem Kind zu haben und gleich wieder voll zu arbeiten“ habe ich schon häufiger gehört, ebenso wie es meist Mütter waren, die früh wieder angefangen haben, Vollzeit zu arbeiten und es dann nicht ausgehalten haben, in den Staatsdienst oder einen anderen Job gewechselt sind, der günstigere Arbeitzeiten hat als der vorherige Karrierejob, weil ihnen der Anteil an der Fremdbetreuung zu hoch war.

Dass Elterngeld und Elternzeit für Väter das ändern können, zeigt das Beispiel Schweden, wo es beides schon seit den Siebzigerjahren gibt. Dort ist es normal, dass Eltern sich die Kinderbetreuung teilen. So losgelöst von den Traditionen sind nicht einmal die Ortmanns. Auch Miriam arbeitet weniger als ihr Mann, um die Kinder pünktlich um 17 Uhr vom Hort und vom Kindergarten abzuholen. Dass sie trotzdem mehr verdient, liegt an dem Studienfach, das sie einst belegte.

Auch da zeigt sich also eine klassischere Rollenverteilung: Frauen, die Vollzeit arbeiten, arbeiten mit Kind meist dennoch weniger, selbst wenn der Mann weniger verdient.
Wer wie sie etwas im mathematischen, technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich studiert, hat später auch bessere Chancen, gutes Geld zu verdienen. Bekanntermaßen tun das die wenigstens Frauen. Häufig entscheiden sie sich für kulturwissenschaftliche oder soziale Fächer. Dabei sind ihnen Einkommen und Aufstiegschancen nicht weniger wichtig als den Männern. Davon ist der Soziologe Fabian Ochsenfeld überzeugt. Wie seine Kollegin Daniela Grunow forscht er an der Goethe-Universität zum Thema Berufswahl. Frauen interessierten sich tatsächlich eher für diese Fächer, sagt Ochsenfeld. Er hält das allerdings für anerzogen.
Da wüsste ich auch gerne, worauf er das stützt: Natürlich wollen viele ein gutes Einkommen haben und Aufsteigen, aber häufig verschiebt sich die Perspektive, wenn das Kind da ist. Und mit kulturwissenschaftlichen und sozialen Fächern sind die Aufstiegschancen eben häufig auch deutlich schlechter. Wobei für die Kinder ja auch schon mehr Karrieren aufgegeben worden sind als es überhaupt gibt: Es machen eben die wenigsten tatsächlich Karriere, da die Positionen an der Spitze naturgemäß begrenzt sind.

Umfragen zeigten, dass Mädchen in ärmeren Schwellenländern wie beispielsweise in Indien schon in der Schule viel technik- und mathematikaffiner seien. Wenn dort in die Ausbildung einer Frau investiert werde, müsse sich das hinterher finanziell lohnen. „Wir in den reichen Industrienationen sind dagegen freier in der Berufswahl, haben weniger materiellen Druck. Darum betrachten wir sie als expressiven Akt“, erklärt Ochsenfeld. Mit dem Beruf zeigt man, wie man tickt, ob man kreativ, sozial engagiert oder eben ein technikbegeisterter Nerd ist.

Das wäre dann das „Gender Equality Paradox: Um so mehr Freiheiten man den Leuten lässt und um so reicher und gleichberechtigter das Land, um so eher entscheiden sie sich für die klassischen Berufe. Wo ein Beruf hingegen darüber entscheidet, ob man aus der Unterschicht herauskommt und ein besseres Leben führt ist es häufig anders.

Natürlich können zusätzlich auch anderweitige Unterschiede, etwa im pränatalen Hormonspiegel eine Rolle spielen, wenn es um Unterschiede zwischen Völkern geht.

Letzteres wird in den westlichen Ländern Mädchen eben nicht zugestanden. „Bleibt ein Junge zwölf Stunden im Keller, um mit der Eisenbahn zu spielen oder mit dem Computer, ist das in Ordnung. Bei einem Mädchen in der Regel nicht“, vermutet Ochsenfeld. Von ihm werde Vielfalt und soziale Kompetenz gefordert. Das verhindere eine Interessenspezialisierung, die aber für techniknahe oder naturwissenschaftliche Fächer nötig sei.

Hier haben wir wieder ein sehr einfaches Modell. Die meisten Mädchen haben genauso wie die meisten Jungs ab einem gewissen Alter einen Computer im Zimmer. Und die Eltern werden nur sehr eingeschränkt überwachen können, ob die Mädchen Bibis Schminktipps auf Youtube schauen oder Programmiertutorials. Und auch die Jungs werden viel sinnloses am Computer machen, was ihnen erst einmal keine besonderen Fähigkeiten verleiht. Eher dürften andere, auch biologische Grundlagen die Interessenverteilung begründen

Miriam Ortmanns Mann hat sich mittlerweile selbständig gemacht und trägt seit Jahren zum ersten Mal fast ebenso viel zum Haushaltseinkommen bei wie seine Frau. Aber für die Gelddinge bleibt vorerst sie verantwortlich: „Ich habe einfach ein Händchen für Zahlen.“
Auch hier wieder so ein Satz, den man in umgekehrten Fall so wohl nicht so unproblematisch finden würde: Seine Frau verdient endlich mehr, er will die Kontrolle über das Geld aber nicht hergeben. Aber auch hier ist es interessant, dass er anscheinend ja die Anlage zum Geldverdienen bereits gehabt hat, sie also niemanden geheiratet hat, der gar keine Aussichten darauf hatte, mehr zu verdienen.

Überstunden

Auf Twitter wurde ich auf eine Quelle mit einigen interessanten Grafiken zu Überstunden hingewiesen:

Dabei ist insbesondere die Grafik zu der Verteilung nach Geschlecht interessant:

ueberstunden-nach-geschlecht2

Wie man sieht ist der Anteil der Männer an den Überstunden durchgängig höher.

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Hier sieht man, dass ein Großteil der Überstunden nicht abgegolten werden, weder in Freizeit noch in Geld, also in dem Gehalt enthalten sind. Der Faktor „nicht bezahlte Überstunden“ wird übrigens in den klassischen Berechnungen zum Gender Pay Gap nicht berücksichtigt, weil diese ja nicht registriert und gemeldet werden.

ueberstunden-und-taetigkeit

Hier sieht man auch gut, dass die Überstunden sich auch auf das Gehalt auswirken. Wer wenig bekommt muss im Gegenzug auch häufig weniger damit rechnen Überstunden zu machen, wer viel bekommt, bei dem werden Überstunden eher erwartet. Jede Beförderung ist damit indirekt auch eine Entscheidung dafür, ob man bereit ist mehr Überstunden zu machen.Wer dazu nicht bereit ist, etwa weil er Zeit für Familie und Kinder haben will, der muss sich eben überlegen, ob er die Beförderung (und das damit verbundene Geld) ablehnt

ueberstunden-nach-gehaltsklasse

In das gleiche Horn stößt auch die nächste Grafik: Mit steigenden Gehalt steigen auch die Überstunden. Statt einer 40 Stundenwoche eine 50 Stundenwoche zu haben macht sich dabei schon deutlich bemerkbar.

ueberstunden-anteile-gehaltsklasse

Auch hier sieht man, dass mit steigenden Gehalt diese im Lohn inbegriffen sind. Man wird dafür bezahlt einen bestimmten Job zu machen, mit soviel Einsatz, wie dafür erforderlich ist. Ab gewissen Lohnbereichen machen nahezu alle Mitarbeiter unbezahlte Überstunden.

vgl auch:

Frauen bewerben sich nicht, auch wenn sie den Job bekommen würden, wenn sie es machen würden

Ein interessanter Artikel im Independent stellt dar, dass Frauen gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, sich aber häufig nicht auf die Stellen bewerben.

 

Women have more of a chance of doing well in the graduate job market than men, but not enough are applying, according to a new report.

Despite women making up 54 per cent of the student population, only 47 per cent apply to graduate schemes, the Association of Graduate Recruiters’ (AGR) findings into diversity and inclusion show.
When women do apply, however, they are relatively more successful at getting job offers than men, averaging 49 per cent of hires.

Wieder einmal passt die Wirklichkeit nicht zu dem feministischen Narrativ. Es sind weniger die bösen Männerbünde als vielmehr die Frauen selbst, die der Sache im Weg stehen.

Asking graduate Employers about the diversity of their applicants as well as their hires, for the first time, AGR’s report, overall, reveals that improving the gender diversity of graduate programmes is largely a challenge of attracting women in the first place.

The trend applies across the board; women are consistently more successful in the selection process regardless of which industry they apply to. If women do apply for graduate programmes, they have a better chance than men of getting through to the final stages.

Man schaue die feministischen Blogs durch – findet man dort anspornende Artikel, dass die Frauen ihre Opferhaltung ablegen und sich bewerben sollen, weil die Welt besser ist, als man dachte. Nein.

The gender diversity challenge also varies by sector, according to the survey. While IT and engineering firms average 27 per cent and 25 per cent of female hires respectively, these sectors are doing relatively well compared with the 17 per cent and 15 per cent of female students studying those subjects.

Eine Frau, die IT oder Ingenieurwesen studiert hat also eine sehr sehr gute Chance angestellt zu werden. Doppelt so viele Frauen werden genommen wie der Anteil der Frauen in den Studiengängen ist.

Law firms – which average 58 per cent female hires – still have a significant gender diversity challenge, as 63 per cent of legal students are women.

Klar, weil bei den großen Anwaltsfirmen auch mit die schlechtesten Arbeitszeiten sind und es ein Job ist, bei dem man sich aufreiben muss.

Employers have also reported that student perceptions of their industry was one of their greatest challenges in attracting a more diverse workforce, with 83 per cent calling for sector-wide investment to tackle the gender issue.

Alle sind also auf der Jagd nach den Frauen um die Quote verbessern zu können. Es bleibt aber schwer sie zu finden.

“Graduate employers want to hire women, there are lots of opportunities out there and these candidates are more likely to succeed, so we need to address why they’re not applying. Industry-wide collaboration to tackle student perceptions will be a key step forward.
“We know women are hugely successful in the selection process, more so than, men. We just need them to realise it. We need to boost confidence and encourage more female graduates to reach their potential.”

Was könnte mehr helfen als der Feminismus, der Frauen erklärt, dass sie in der sexistischen Welt nie eine Chance haben werden?

Zum gleichen Thema:

Die Arbeit der Männer als deren Machtfaktor vs. andere Lebensplanung von Frauen

Adrian schrieb in einem Kommentar:

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass die Tatsache, dass die meisten Männer arbeiten, als Machtfaktor dargestellt wird, der Frauen unterdrückt.

  • Tatsache ist, dass eine Frau, die einen erfolgreichen Mann ehelicht, immer noch ohne Mühe an seinem Sozialprestige und an seinem Geld partizipieren kann.
  • Der zweite Punkt, der hier geflissentlich übersehen wird, sind Kinder. So gut wie alle Frauen hören spätestens um die 30 ihren biologischen Wecker ticken. Es ist höchst absurd zu behaupten, das Interesse von Frauen bestünde darin, mal schnell ein Kind auszubrüten und sich danach wieder mit Feuereifer in die Arbeit zu stürzen.
  • Drittens ist es nicht möglich, dass Mann und Frau sich in der Mitte treffen, selbst wenn sie es wollten. Wir leben nicht in einer Gesellschaftsordnung, die es Eltern möglich macht, nach der Geburt eines Kindes ihre Jobs auf Teilzeit bei Vollzeitlohn umzustellen. Die Realität ist: einer muss weitgehend aussetzen, der andere weiter arbeiten wie bisher. In der Mitte treffen wäre nur möglich, wenn Männer und Frauen gleichermaßen schwanger werden könnten.
  • Viertens machen Frauen auch weiterhin nichts, um ihr Leben in den Dienst einer Karriere zu stellen. Ihre Studien- und Berufswahl ist weiterhin auf das Endziel Partnerschaft und Kind mit hauptversorgendem Mann ausgerichtet, obwohl sie jede Möglichkeit hätten, etwas anderes zu tun. Doch warum sollten sie?
  • Fünftens leben Frauen wunderbar so wie es momentan ist: Bequemer als Männer, wohlhabender als Männer, gesünder als Männer. Und nebenbei haben sie mit dem Feminismus eine Ideologie an der Hand, die bereit steht, jede ihrer egoistisch-narzisstischen Meckereien tatkräftig zu unterstützen.
  • Sechstens ist es bezeichnend, dass oben eine Welt entworfen wird, in der alle Männer Jobs als Vorstandsvorsitzende haben, die in ihren gläsernen Bürotürmen Strategien entwickeln um die Masse der an die Bürotürme klopfenden Frauen draußen zu halten.
  • Siebtens lässt sich auch an obigem Artikel wunderbar konstatieren, was ein Mann für eine Frau ist: ein Instrument zur Durchsetzung ihrer individuellen Bedürfnisse.

Das wäre also:

  1. Die meisten Frauen sind weniger abhängig, sondern partizipieren an seinem Geld und seinem Sozialprestige („Frau Doktor)
  2. Frauen wollen Zeit mit dem Kind verbringen, sie sehen das häufig als wichtiger an als Karriere
  3. Irgendjemand muss das ganze finanzieren, und wenn die Frau Zeit mit dem Kind verbringen will, dann wird das der Mann sein
  4. Frauen planen ihr Leben auch üblicherweise so, dass es genau auf diese Arbeitsteilung ausgelegt ist
  5. Es geht Frauen auch keineswegs schlecht dabei, Beruf und Karriere ist nicht etwas, was einem per se gut tut und nur ein Vorteil ist.
  6. Die Darstellung der Männer als die die Karriere machen, ist eine Apex Fallacy: Sie unterschlägt, dass die meisten Menschen normale Jobs haben und auch die meisten Frauen keine Karriere gemacht hätten, sondern einen normalen Job gehabt hätten
  7. Sie können ihren Lebensplan weit aus eher dann umsetzen, wenn ein Mann die Erwerbstätigkeit übernimmt

Das sind aus meiner Sicht durchaus gewichtige Punkte, die in der Geschlechterdebatte zu kurz kommen und auch immer wieder dazu führen, dass eine Diskriminierung gesehen wird, wo keine ist.

Mathematisch hochbegabte Männern und Frauen und ihre Leben

Eine interessante Studie hat Geschlechterunterschiede zwischen mathematisch hochbegabten Schülern bzw deren Situation und Verhalten 50 Jahre später erforscht:

Two cohorts of intellectually talented 13-year-olds were identified in the 1970s (1972–1974 and 1976–1978) as being in the top 1% of mathematical reasoning ability (1,037 males, 613 females). About four decades later, data on their careers, accomplishments, psychological well-being, families, and life preferences and priorities were collected. Their accomplishments far exceeded base-rate expectations: Across the two cohorts, 4.1% had earned tenure at a major research university, 2.3% were top executives at “name brand” or Fortune 500 companies, and 2.4% were attorneys at major firms or organizations; participants had published 85 books and 7,572 refereed articles, secured 681 patents, and amassed $358 million in grants. For both males and females, mathematical precocity early in life predicts later creative contributions and leadership in critical occupational roles. On average, males had incomes much greater than their spouses’, whereas females had incomes slightly lower than their spouses’. Salient sex differences that paralleled the differential career outcomes of the male and female participants were found in lifestyle preferences and priorities
and in time allocation.

Quelle: Life Paths and Accomplishments of Mathematically Precocious Males and Females Four Decades Later

In der Studie sind einige interessante Ergebnisse aufgetaucht:

Art der Beschäftigung

Art der Beschäftigung

In der Tabelle sieht man die verschiedenen Beschäftigungsbereiche. Man sieht, das Männer häufiger in die Vorstände und in die Wissenschaft gegangen sind, Frauen hingegen eher in den Gesundheitsbereich, Lehrer geworden sind, Berater und auch einem sehr viel größeren Anteil keiner Berufstätigkeit nachgegangen sind und den Haushalt geführt haben.

Auch interessant ist, wen sie geheiratet haben, hier unter Betrachtung des Einkommens des Ehegatten:

Einkommen Ehegatte

Einkommen Ehegatte

Hier sieht man, dass die Frauen im Schnitt einen Mann geheiratet haben, der mehr verdient als sie, obwohl sie allesamt hochbegabt waren. Die sehr hochbegabten haben einen Mann geheiratet, der einen Verdienst etwa auf dem Niveau des Durchschnitts der hochbegabten Männer hat, er verdient etwas weniger als sie. Die ganz hochbegabten Frauen haben hingegen einen Mann geheiratet, der im Schnitt noch mehr verdient als die sehr hochbegabten Frauen, allerdings verdienen sie mehr. Den hochbegabten Frauen war also anscheinend der diesbezügliche Status der Männer wichtig.

Bei den hochbegabten Männern zeigt sich ein anderes Bild. Die Frauen verdienen allesamt eher wenig, die der hochbegabten, eher noch weniger als die des Schnitts, wobei die Gehälter der sehr und außerordentlich hochbegabten Männer noch deutlich über denen der Frauen liegen.

Interessant wäre es hier eine Aufschlüsselung nach Schönheit für die Hochbegabten und deren Ehegatten zu haben.

Eine weitere Grafik schlüsselt die Arbeitsstunden und die Stunden, die auf den Haushalt etc aber auch auf die Familie verwendet worden sind auf.

3 arbeitenzeiten Männer Frauen

Dabei zeigt sich, dass die Männer wesentlich mehr Stunden in die Karriere gesteckt haben als die Frauen. Wo diese mit einer relativ normalen Wochenarbeitszeit von 40 Stunden ausgekommen sind, haben die Männer eher 55 Stunden geleistet. Das spiegelt sich in den Zeiten, die für Haushalt und Familie aufgewendet worden sind. Hier ist das Bild quasi umgedreht.

Arbeitsstunden Bereitschaft idealer Job

Arbeitsstunden Bereitschaft idealer Job

Diese Grafik zeigt die Bereitschaft für den idealen Job eine hohe Anzahl von Arbeitsstunden aufzuwenden. Hier sieht man, dass nahezu alles Männer, aber nur etwa 70% der Frauen bereit waren, Vollzeit zu arbeiten. Und bei 50 Stunden sind wir bei doppelt so vielen Männern. In den obersten Bereichen, also bei 75+ Stunden dürften es schon mindestens 6 mal so viele Männer sein.

 

Interessen und Arbeitsbereiche

Interessen und Arbeitsbereiche

Hier sind weitere Unterschiede dargestellt, in denen es um die Wünsche geht, die jeweils an den Job gestellt werden. Wenn der Balken auf rechten Seite auftaucht, dann haben Männer dies eher gewollt, wenn der Balken auf der linken Seite auftaucht, dann haben Frauen dies eher gewollt.

Hier kann man sehen, dass eine außergewöhnliche Bezahlung für Männer weitaus wichtiger ist, ebenso wie die Möglichkeit, Risiken einzugehen, nach Erfolg bezahlt zu werden, Prestige zu haben, befördert werden zu können.

Frauen wollten im Gegenzug eher eine bestimmte Wochenarbeitszeit nicht überschreiten, saubere Arbeitsbedingungen haben, Flexibilität bei den Arbeitsstunden, eine gute Arbeitsatmosphäre und das Wochenende frei haben.

Es verwundert wenig, dass sich diese Wünsche dann auch in geringeren Gehältern niedergeschlagen haben.

Auf sich selbst bezogenen Aussagen

Auf sich selbst bezogenen Aussagen

Dann wurden Aussagen daraufhin abgefragt, ob sie die jeweilige Person für sich selbst als zutreffend ansieht.

Männer stimmen Aussagen zu, die sich darauf beziehen, dass ihre Leistungen wichtig sind und anerkannt werden und das sie sich auch gegen Widerstand durchsetzen. Frauen betonen eher den Ausgleichsgleichsgedanken und wollen etwas für die Gemeinschaft und das Wohl aller tun. Sie wollen Verantwortung lieber teilen und auch deren Folgen.

Zufriedenheit mit dem Leben

Zufriedenheit mit dem Leben

In der letzten Grafik geht es darum, wie die Leute ihre Zufriedenheit insgesamt bewerten. Da zeigen sich keine sehr großen Unterschiede. Eher sind die Frauen sogar etwas zufriedener mit ihren der Richtung ihrer beruflichen Karriere, wenn sie auch den Erfolg etwas zurückhaltender beurteilen. Dafür sind sie insgesamt etwas zufriedener mit dem Leben.

Zusammnefassend zeigt diese Studie aus meiner Sicht schön, dass Frauen und Männer verschiedene Schwerpunkte setzen und andere Vorstellungen davon haben, wie man ein gutes Leben führt. Dies spiegelt sich auch in den geführten Leben wieder. Das sagt erst einmal nichts darüber aus, ob diese Vorstellungen biologisch oder sozial bedingt sind (wenn auch andere Betrachtungen eher biologische Faktoren nahelegen).  Aber es macht auch deutlich, dass man bestimmte Sachen ändern muss, wenn man zB mehr Frauen an der Spitze haben will: Diese müssen Geld und der Spitze an sich und dem Kampf darum einen höheren Wert zumessen und dafür auch bereit sein, mehr Arbeitstunden zu investieren. Gleichzeitig macht es deutlich, dass viele Frauen sich bereits aus dem Wettbewerb fernhalten und diesen gar nicht als erstrebenswert ansehen.

 

Macht-Status-Theorie

Status ist aus meiner Sicht ein sehr wichtiger Begriff zum Verstehen des menschlichen Handelns und der menschlichen Gesellschaft.

In den biologischen Theorien spielt Status eine große Rolle im Bereich der intrasexuellen Konkurrenz und vermindert dort üblicherweise zu hohe Kosten von Konkurrenzkämpfen, indem man sich in ein System einordnet, statt mit jedem einzelnen einen Kampf auszutragen. Es kann zudem eine hohe Bedeutung innerhalb der sexuellen Selektion haben, wenn Status als Auswahlkriterium für die Partnerwahl herangezogen wird, weil die Fähigkeit, sich gegen andere des gleichen Geschlechts durchzusetzen besondere Fähigkeiten voraussetzt.

Abgesehen davon spielt Status und Hierarchie aber auch in vielen (vermutlich sogar in allen) anderen Theorien zu menschlichen Gesellschaft eine gewisse Rolle. Sei es über eine grobe Einteilung in soziale Schichten als auch bei der Betrachtung menschlicher Interaktionen.

Interessant fand ich dabei die soziologische Macht-Status Theorie:

Deren Grundlagen aus der Wikipedia:

Wenn man in sozialen Beziehungen sein Handeln an dem Verhalten des Anderen orientiert, geschieht dies in zwei Dimensionen – der Macht- und der Statusdimension. Dabei entstehen durch diese beiden Dimensionen und die persönliche Bewertung, Emotionen. Erlangt ein Akteur Macht, ist das gleichbedeutend mit einem Machtverlust für einen anderen Akteur. Kemper unterscheidet bei den Akteuren zwischen:

  • Ego, also die Selbstperspektive des Akteurs
  • Alter, also die Sicht von anderen Akteuren
  • Der dritten Partei, hier kann es sich um Aspekte wie Gott, Schicksal oder Ungreifbares handeln

Die drei möglichen Akteure sind gleichzeitig auch diejenigen, an die sich die Emotionen richten können.

Sein Verhalten an dem Verhalten der anderen orientieren ist etwas, was man bei einer Interaktion fast zwangsweise in einem bestimmten Umfang machen muss, da man die Aktionen der Gegenseite mit einplanen und berücksichtigen muss.

Die Bedeutung von Macht und Status[Bearbeiten]
Macht bedeutet nach Weber „jede Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance besteht.“ Diese Macht kann man zum Beispiel in Form von physischer Gewalt, Maßnahmen wie Hausarrest oder emotionaler Gewalt aber auch durch indirekte Machtformen wie Manipulation, Betrug und Gerüchte, ausgeübt werden. Sobald sich ein Machtgefüge gefestigt hat, kann derjenige mit der größten Macht sicher sein, dass sein Wille befolgt wird, während dem Akteur mit geringer Macht klar ist, dass ein Verstoß gegen das Machtgefüges Bestrafung bedeutet.

Status hingegen wird von den Akteuren freiwillig erteilt. Dies geschieht etwa durch Akzeptanz, Unterstützung und Liebe. Besitzt man einen hohen Status erhält man auch größere Vorzüge von den anderen Akteuren. In kleineren Gruppen sind große Statusunterschiede zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern unwahrscheinlicher, in großen Gruppen gibt es „zentrale“ und „periphere“ Mitglieder. All diese Macht-Status-Beziehungen kann man in einem zweidimensionalen Achsenkreuz abbilden.

Macht und Status spielt auch in der Makroebene eine Rolle, hier spricht man aber von Freiheit (als Adäquat zur Macht) und Gerechtigkeit (als Adäquat zum Status). Als Beispiel hierfür kann man soziale Bewegungen ansehen, die freiheits- und gerechtigkeitsmotiviert sind. Auch innerhalb der Gruppen gibt es Metaprozesse, um Macht und Status zu erlangen, bzw. zu verringern.

Demnach wäre Macht etwas tatsächliches, Status etwas was zwischenmenschlich ausgehandelt oder angenommen wird. Natürlich kann die Akzeptanz eines hohen Status dann auch wieder Macht schaffen. Und Macht wiederum eine Akzeptanz, dass man den eigenen Willen durchsetzen könnte und man dies besser freiwillig zugesteht. Die beiden Verhältnisse beeinflussen sich demnach gegenseitig.

Zu den Zusammenspiel beider:

In jeder sozialen Interaktion spielen Macht und Status entscheidende Rollen: Ist man mit seinem aktuellen Macht oder Status-Rang nicht einverstanden, führt das Neidgefühlen, zu Frustrationen und Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit führt zu einem Veränderungsprozesse im Macht-Status-Gefälle. Man kann diese Unzufriedenheit aber nicht nur für die eigene Situation empfinden, sondern auch wenn ein anderer Akteur nicht angemessen Macht bzw. Status erhält.

Das wäre ja eine Darstellung einer Konkurrenzsituation auf das das Modell ja auch wohl mehr zugeschnitten ist. Hier kommen Macht und Status und Gerechtigkeit zusammen, der Wunsch anerkannt zu werden und der Wunsch in der Hierarchie aufzurücken. Wir messen uns nicht unbedingt an einem objektiven Maßstab, sondern an unser direkten Umgebung oder unseren Bekannten, weswegen sich ein Millionär herabgesetzt und schlecht fühlen kann, wenn sein Nachbar die schickere Yacht hat, obwohl er mehr hat als die meisten Leute. Und wenn wir uns einer Gruppe zuordnen, dann wollen wir auch, dass diese Anerkennung erfährt und ihre Leistung (und damit indirekt unsere) gerecht bewertet wird, soweit es Vorteile bringt.

Statusdefizit
Ein Statusdefizit entsteht, wenn man der Ansicht ist, ein ungenügendes bzw. unangemessenes Statuslevel zu besitzen. Dies kann zu verschiedenen Reaktionen führen:

Um mehr Status zu erlangen, werden hohe Risiken aufgenommen. Man setzt zum Beispiel sein gesamtes Erspartes im Spielcasino ein, in der Hoffnung zu mehr Geld zu kommen und dadurch auch an Prestige zu gewinnen.
Man versucht in der Gruppe Aufmerksamkeit zu bekommen, indem man sich selbst in einer Opferrolle präsentiert. Dieses Verhalten hat eine höhere Erfolgschance, wenn man den anderen Gruppenmitgliedern seine vermeintliche Opferrolle genau darlegen kann. Um seinen Status zu sichern wird oft die Beschwerde über ungerechte, schreckliche oder aufreibende Ereignisse berichtet. Innerhalb einer Beziehung gibt es diesbezüglich eine Reziprozität: Mal beschwert man sich bei anderen, ein anderes Mal hört man sich die Beschwerden anderer an.
Man kann innerhalb einer Gruppe auch an Status gewinnen, indem man Witze erzählt und den Kasper spielt. Man erhält dadurch Aufmerksamkeit und in gewisser Weise auch Zuspruch. Durch gemeinsames Lachen befinden sich für kurze Zeit alle Beteiligten auf derselben Statusebene gestellt.

Auch diese Theorien betonen die Wichtigkeit von Status für Menschen. Ein Status, der als unverdient niedrig wahrgenommen wird, wird als ungerecht angesehen (im Feminismus wohl auch gerne aufgrund einer Apex-Fallacy), wir versuchen Verbündete zu gewinnen etc. Zudem gibt es Praktiken wie das Lachen, die Statusunterschiede verwischen um das Gruppengefühl zu stärken und zu erleichtern.

Machtdefizit

Wenn ein „Ego“ seine eigene Macht als ungenügend betrachtet, fühlt es sich in gewisser Weise verwundbar und empfindet Angst. Um die dabei entstehenden Emotionen nun genauer beschreiben zu können, muss man bei einem Machtdefizit unterscheiden, ob Ego dieses Defizit auf sich selbst zurückführt oder auf Alter, einen anderen. Führt „Ego“ das Machtdefizit auf sich selbst zurück, fühlt er neben der Angst auch Hilflosigkeit und Unsicherheit; . „Ego“ versucht nun seine Macht wiederzuerlangen, bzw. die Macht von „Alter“ zu verringern, indem es die Abhängigkeit von der machthabenden Person zu verringern versucht, indem es sich Verbündete sucht oder Propaganda betreibt.

Ein Defizit an Macht, gerade im Verhältnis zum eigenen Status, bedeutet innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz und der allgemeinen Konkurrenz, dass andere geneigt sein könnten, sich des eigenen Status zu bemächtigen. Insofern schaltet der Körper wohl um auf erhöhte Wachsamkeit und erhöhte Aufmerksamkeit für Gefahren und besondere Vorsicht, also Angst und Unsicherheit und eine gewisse Hilflosigkeit. Wenn man einen Feind ausgemacht hat, also den Alter, der einem die Macht nimmt, dann wird evtl auf Angriff umgeschaltet oder versucht sich anderweitig von dessen Einfluss frei zu machen.

Bei jeder sozialen Interaktion spielen Macht und Status eine tragende Rolle und es entstehen Emotionen. Kemper unterscheidet hierbei zwischen drei Typen: Strukturell, antizipatorisch und resultierende Emotionen.

Strukturelle Emotionen leiten sich aus stabilen Macht- und Statusbeziehung ab, sie bilden sich also nicht direkt aus Interaktionen. In dyadischen Beziehungen empfindet jeder Akteur, entsprechend seiner Macht bzw. seinem Status oder der Macht bzw. dem Status anderer, Emotionen. Um die Entstehung von strukturellen Emotionen genauer betrachten zu können, schlüsselt Kemper zuerst zwischen Ego und Alter auf und dann noch einmal, ob die jeweiligen Macht- / Status-Verhältnisse mangelnd, angemessen oder überhöhte sind.
Nimmt man zum Beispiel adäquate eigene Macht, so fühlt Ego Sicherheit; hat Alter zu viel Macht, fühlt Ego aufgrund der Reziprozität und dem damit einhergehenden eigenen Machtverlust, Angst. Bei zu viel zugesprochenem eigenen Status empfindet Ego Scham. Dies geschieht, weil man, nach Goffman, eine Rolle spielt und so versucht sich in einem guten Licht darzustellen, erhält man aber mehr Status, als man selbst für angemessen erachtet, empfindet man Scham und in besonderen Fällen auch Schuld.

Antizipatorische Emotionen (auch vorausschauende Emotionen) können die Folge eines geplanten Interaktionsprozesses sein. Sie ergeben sich aus im Voraus erdachten strukturellen Veränderungen in Beziehungen und sind, je nachdem ob man von Grund auf optimistisch bzw. pessimistisch eingestellt ist und ob man viel bzw. wenig Selbstbewusstsein besitzt, ausgeprägt.
Resultierende Emotionen sind das Ergebnis von tatsächlich durchgeführten Interaktionen und den Auswirkungen auf die Macht-Status-Beziehungen. Erhält man zum Beispiel ein Lob von jemandem, ergibt sich daraus Freude.
Kemper versucht, das Modell an manchen Stellen zu vereinfachen und geht deshalb auch bei den strukturellen Aspekten einer Beziehung vornehmlich von den Emotionen Mögen und Nicht Mögen aus; also einem zusammenfassenden Urteil, ob die gesamte Macht-Beziehung angemessen ist.

Ich würde das so beschreiben, dass wir jeweils die Auswirkungen auf Status und Macht bzw. deren Anzeichen prüfen, sowohl bei uns als auch bei anderen bzw. bei den verschiedenen Handlungen. Der König kann insoweit aufgrund seines Amtes eine hohe Sicherheit verspüren, wird sein Kanzler stärker oder ein anderer König baut sein Heer auf, dann mag dies Unsicherheit in Vorbereitung auf die Auseinandersetzung mit einem anderen „Alpha“ bewirken, während er seinem Leiddiener gegenüber immer noch einen sicheren Status hat, hier also der „Silberrücken“ ist. Wer einen Status als der beste Fechter der Stadt hat, der wird selbstbewußter in ein Duell gehen als jemand, der sich eher für einen mittelmäßigen Fechter hält und weiß, dass er gegen jemanden mit einem hohen Status in dem Bereich antritt. Er mag auch bereits deswegen Angst haben, weil der andere ein schlechter Fechter ist, aber der Sohn eines statushohen Mannes, der ihn töten wird, wenn er seinem Sohn etwas tut oder der seinen Einfluss nutzen wird, seine Karriere zu zerstören.

Dazu habe ich neulich auch einen interessanten anderen Gedanken gelesen: Der Umstand, dass man bei jemanden mit hohem Status, sagen wir einem Promi oder einer ganz besonderen Autorität auf einem Gebiet oder auch nur einem Prüfer bei einem Test, nervös wird und das Gefühl hat, schlechter zu sein und auf dessen Wohlwollen angewiesen zu sein, könnte auch ein Schutzmechanismus sein, dem anderen den umfassenden Status deutlich sichtbar zuzugestehen um Statuskämpfe zu vermeiden.

Kemper geht davon aus, dass in jeder sozialen Interaktion Macht und Status eine entscheidende Rolle spielen und man mit ihnen die Entstehung von Emotionen erklären kann. Auch Liebe und Mögen sind Emotionen, wobei man sagen muss, dass es schwer ist, den Unterschied zwischen beiden klar zu definieren. Bei den sieben idealen Beziehungstypen greift Kemper daher wieder auf die zwei Dimensionen Macht und Status zurück: Bei einer Liebesbeziehung muss mindestens einer der Akteure extrem viel Status an einen anderen Akteur erteilen, während die Machtverteilung variabel ist. Mögen sich die Akteure besteht ein angemessener Status bei ihnen und ein geringes Machtdifferential. Anhand dieser Definitionen und den Macht- /Statusdimensionen entwickelte er die idealen Beziehungstypen:

  • Anhimmelung durch Fans: Ein Akteur, der Fan, findet, dass der andere Akteur es Wert ist, viel Status zu empfangen. Der Fan empfindet viel Zuneigung zu dieser Person, während die angehimmelte Person oft noch gar nichts davon weiß.
  • Ideelle Liebe: Beide Akteure empfinden gegenseitig eine hohe Zuneigung, geben sich also viel Status, haben aber keine Macht übereinander. Dieser Beziehungstyp ist oft nur kurzlebig, oft geht die Ideelle Liebe weiter in die Romantische Liebe über.
  • Romantische Liebe: Es findet eine hohe Statuszuschreibung bei beiden Akteuren statt. Gerade durch das „nicht mehr ohne den anderen können“ und das gute Gefühl entsteht zudem auch noch viel Macht zwischen den beiden Akteuren. Idealerweise sollte die Statuszuschreibung hoch bleiben, während die Macht langsam wieder sinkt. Nach der ersten Anhimmelungsphase in diesem Beziehungstyp treten oft Probleme auf, die aber in der Phase der „Aufrechterhaltung“ auch angesprochen werden müssen.
  • Göttliche, Elterliche oder Mentoren-Liebe: Beide Akteure haben einen hohen Status, aber nur einer von ihnen (das Göttliche, die Eltern oder der Mentor) hat viel macht über den anderen Akteur. Kemper führt das Beispiel der Göttlichen Liebe noch einmal genauer aus: Gott liebt die Menschen und hat dennoch extrem viel Macht über sie und bekommt zudem extremen Statuszuspruch. Die anderen Beziehungstypen sind in abgeschwächter Form auch so strukturiert.
  • Untreue Liebe: Beide haben zwar viel Macht übereinander, aber nur einer der Akteure empfängt hohen Status. In diesem Beziehungstyp hat der Betrogene an Status verloren, während der Betrüger sein Geheimnis wahren will und weiterhin Status empfängt.
  • Unerwiderte Liebe: Der Akteur, dem die Liebe zugesprochen wird empfängt auch viel Status und hat zeitgleich auch viel Macht über den Akteur, der ihm den Status zuspricht. Der Akteur ohne Macht und Status gibt dem anderen viel, weil er hofft, dass es erwidert wird. Dieser Beziehungstyp kommt oft bei Heranwachsenden vor, die Blind vor Liebe sind.
  • Eltern-Kind-Liebe: Man kann hier zwischen zwei Liebestypen unterscheiden – zum Einen die bei Nummer 4 beschrieben elterliche Liebe und zum andern der elterlichen Liebe bei Kleinkindern. Bei letzterem bekommt das Neugeborene extrem viel Status zugeschrieben, was immer es braucht, um zu überleben, bekommt es auch, obwohl es nichts zurückgibt. Und obwohl die Eltern keinen Status zurückbekommen haben sie die komplette Macht über das Neugeborene.

Hier finde ich das Modell nicht so stark, weil Liebe eine andere Chemie hat als Status (und das sogar im Sinne der Körperchemie). Aber sicherlich spielen auch in solche Beziehungen Status und Macht mit hinein. Ich würde auch vermuten, dass Kinder ein anderes Verhältnis zu Autorität und Status haben.

Zuzustimmen ist aber, dass in all diese Bereiche auch leicht eine Statusfrage hineinspielen kann – weil wir eben eine hierachisch denkende Spezies sind.

„Gender Ambitionen Gap“ statt „Gender Pay Gap“

In dem Artikel „When It Comes To Women There’s No Equality Gap, There’s An Ambition Gap“ wird die Erwartungshaltung bezüglich der Karriere auf interessante Weise umgedeht:

Aus dem Lohnunterschied ergibt sich nicht, dass Frauen beim Lohn diskriminiert werde, sondern dass sie nicht ambitioniert genug sind, um einen höheren Lohn zu erzielne

Aus dem Artikel:

When we talk about women and equality, the emphasis is always placed on when companies are going to open their doors to women, or when there will no longer be a glass ceiling. The thing is, in 2014, we don’t need to wait around for a red carpet to be rolled out for us. No person who is smart enough to run a company really thinks that they shouldn’t hire a woman because she isn’t as smart or capable. The number one reason there aren’t more women running countries and companies is because there aren’t more women who want to run countries and companies.

Also ein Betonen der Eigenständigkeit der Frau und ein Verweis darauf, dass die Gläserne Decke vielleicht gar nicht so solide ist, sondern die Frauen nur einfach nicht den steilen Berg hinaufkraxeln wollen.

Es ist insoweit die „Autonomiekeule„: Frauen entscheiden sich für bestimmte Lebensgestaltungen, weil sie so leben wollen.

There is an achievement gap between men and women. I think this is in large part to our cultural expectations of women. There are plenty of men who run companies and countries that have a wife and kids. It doesn’t stop there for these people. Men who are married are actually more capable of achieving more because they have a wife who takes care of the household minutiae, allowing them to spend more time focusing on work. When women get married, they become less capable of achieving more, in general, because they put themselves into this role of helper.

Hier geht es dann allerdings doch wieder in die Richtung der Geschlechterrolle. Frauen unterliegen gewissen kulturellen Erwartungen und die lassen sie eher zum Helder als zum Macher werden. Die klassische Arbeitsteilung führt zu einer gewissen Aufgabenverteilung, die den Mann für die Arbeit frei(er) stellt und die Frau für die Familie. Dementsprechend ergeben sich auch die Karrieremöglichkeiten.

As far as we have come as women, we still don’t have the ambition that men have. We want to be helpers rather than doers. We are content to say “my husband’s success is my success, because he couldn’t do it without me caring for our children, doing his laundry, making his meals.”

We think we are selfish when we do something that isn’t for other people, men call that living.

Auch hier wieder die Vorstellung, dass es egoistisch sein muss, Karriere zu machen, und selbstlos, wenn man „der Helfer“ ist. Das kann man natürlich auch genau andersrum sehen: Der eine geht zur Erwerbsarbeit und sichert damit selbstlos die Versorgung der Familie und erlaubt dem anderen egoistisch Zeit mit der Familie und den Kindern zu verbringen: Er ist insofern ebenfalls der Helfer dieses Lebensstils.

Es ist eh erstaunlich, dass Karriere so unkritisch als etwas gesehen wird, was einfach nur ein Gewinn ist: Es ist natürlich auch Konkurrenz, harte Arbeit, Verantwortung und Stress. Es kommt eben darauf an, wie man die Arbeit sieht und aus welchem Blickwinkel man es sieht. Hier darf man ruhig einmal darauf verweisen, dass viele Frauen auch kein Leben wollen, indem sie die Kinder kaum sehen, weil diese schon schlafen, wenn sie nach Hause kommen. Genau das kann nämlich Karriere auch bedeuten.

Zudem ist es für die Frau eben auch leichter, sich über den Status des Mannes zu definieren, weil es zu sexuellen Selektionskriterien passt: Sich einen guten Versorger geangelt zu haben bedeutet sich gegen die weibliche Konkurrenz durchgesetzt zu haben und ist insofern auch ein „ehrliches Zeichen“ für eigene Qualitäten. Ein Mann mit einer hochstehenden Frau hingegen hat solche  Selektionskriterien eher gegen sich: Seine Frau brauch ihn nicht als Versorger, er hat einen geringeren Status, die üblichen Attraktivitätsmerkmale greifen nicht (natürlich kann man sozialen Status auch anders ausgleichen, aber es bleibt eben erst einmal eine ungewöhnliche Wahl)

If we really want to close the equality gap, we need to think about how we can close the ambition gap: encourage women to dream big, and not to settle for a helper role.

Guter Ansatz. Er hat aber einige Hindernisse gegen sich. Eben auch, weil es vielen Frauen wesentlich schwerer fällt sich für eine Verschiebung der Work-Life-Balance sehr stark auf die Seite von „Work“ zu entscheiden.