Judith Butler zu Transsexualität und sozialer Konstruktion der Geschlechter

In einer Diskussion mit Sanczny wurde ich auf dieses Interview mit Judith Butler verwiesen, dass sehr interessant ist, weil sie da um Transfeindlichkeit zu vermeiden, ziemlich um einige wesentliche Konzepte herumeiert.

Sie wird mit einer Ansicht einer Feministin konfrontiert, die darauf abstellt, dass eine Geschlechtsanpassung bei Transsexuellen nur deswegen erforderlich ist, weil die (patriarchale) Gesellschaft überhaupt in Mann und Frau einteilt und entsprechende Normen vorgibt.

Judith Butler dazu:

I have never agreed with Sheila Jeffreys or Janice Raymond, and for many years have been on quite the contrasting side of feminist debates.  She appoints herself to the position of judge, and she offers a kind of feminist policing of trans lives and trans choices.  I oppose this kind of prescriptivism, which seems me to aspire to a kind of feminist tyranny.

If she makes use of social construction as a theory to support her view, she very badly  misunderstands its terms.  In her view, a trans person is “constructed” by a medical discourse and therefore is the victim of a social construct.  But this idea of social constructs does not acknowledge that all of us, as bodies, are in the active position of figuring out how to live with and against the constructions  – or norms – that help to form us.  We form ourselves within the vocabularies that we did not choose, and sometimes we have to reject those vocabularies, or actively develop new ones.  For instance, gender assignment is a “construction” and yet many genderqueer and trans people refuse those assignments in part or in full.  That refusal opens the way for a more radical form of self-determination, one that happens in solidarity with others who are undergoing a similar struggle.

One problem with that view of social construction is that it suggests that what trans people feel about what their gender is, and should be, is itself “constructed” and, therefore, not real.  And then the feminist police comes along to expose the construction and dispute a trans person’s sense of their lived reality.  I oppose this use of social construction absolutely, and consider it to be a false, misleading, and oppressive use of the theory.

Hier bleibt sie noch verhältnismäßig nahe an üblichen Theorie. Während die eine Richtung des Feminismus darauf abstellt, dass alles frei und quasi „natürlich“ sein muss, dass also jemand in einem männlichen Körper schlicht keinen Zwang sehen sollte, sich umoperieren zu lassen und aus jedem Gefühl, dass man sich umoperieren lassen sollte, folgt, dass nicht hinreichend Freiheit besteht, stellt sie darauf ab, dass jeder sich quasi so „zurechtpuzzeln“ können soll, wie er es will. Demnach sollte man also wählen können, ob man sich mit diesem oder jenen Verhalten und diesem oder jenem Körper wohler fühlt. Wichtig wäre demnach lediglich, wie man sich selbst sieht, und wenn an sich eben als anders sieht, etwa eben als jemand, der eigentlich einen weiblichen Körper haben sollte, dann sollte man diesen Weg eben wählen können.

Sie sagt weiter:

I do know that some people believe that I see gender as a “choice” rather than as an essential and firmly fixed sense of self.  My view is actually not that.   No matter whether one feels one’s gendered and sexed reality to be firmly fixed or less so, every person should have the right to determine the legal and linguistic terms of their embodied lives.  So whether one wants to be free to live out a “hard-wired” sense of sex or a more fluid sense of gender, is less important than the right to be free to live it out, without discrimination, harassment, injury, pathologization or criminalization – and with full institutional and community support.  That is most important in my view.

Der erste Satz ist sehr interessant. Er ist auch noch nicht per se ein Umbruch, weil auch bisher im Feminismus vertreten wird, dass man seiner Geschlechterrolle nicht ohne weiteres entfliehen kann, sondern in dieser gehalten wird, weil man in Machtverhältnisse und gesellschaftliche Regeln eingebunden ist. Interessant ist aber ihre Verwendung von Begriffen wie „Hard wired“. Und auch interessant, dass sie darauf abstellt, dass jeder so leben können soll wie er will, und zwar mit der vollen Unterstützung der Institutionen und der Gesellschaft. Es wäre interessant hier nachzufragen, wie sie das bei Konzepten von Männlichkeit sieht. Ich vermute hier würde es durchaus zu einer Einschränkung kommen.

I know that some subjective experiences of sex are very firm and fundamental, even unchangeable. They can be so firm and unchanging that we call them “innate”. But given that we report on such a sense of self within a social world, a world in which we are trying to use language to express what we feel, it is unclear what language does that most effectively. I understand that “innate” is a word that conveys the sense of something hired-wired and constitutive. I suppose I would be inclined to wonder whether other vocabularies might do the job equally well. I never did like the assertion of the “innate” inferiority or women or Blacks, and I understood that when people tried to talk that way, they were trying to “fix” a social reality into a natural necessity. And yet, sometimes we do need a language that refers to a basic, fundamental, enduring, and necessary dimension of who we are, and the sense of sexed embodiment can be precisely that.

Hier spricht sie davon, dass einige Erfahrungen in Bezug auf das Geschlecht sehr fest und fundamental und sogar nicht zu verändern sind. Sie scheint sich mir da aber nach wie vor dagegen zu wehren, da eine biologische Grundlage zu sehen. Sie spricht nur davon, dass sie so fest erscheinen, dass wir sie auf eine bestimmte Weise bezeichnen und das damit teilweise lediglich Begriffe bereit gestellt werden, die bestimmte Sichtweisen auf das Selbst ermöglichen. Ich vermute mal, dass sie damit meint, dass Transsexuelle oft einfach den Bezug zum anderen Geschlecht brauchen, also die Bezeichnung „ich bin eine Frau“ bei einer M->F Transsexuellen, um eine Identität zu haben, in die sie sich einordnen können und das da „Geschlechtslosigkeit“  oder „Mischung aus Mann und Frau“ einfach nicht ausreicht. Natürlich müsste das dann ebenso für Männer und Frauen an sich gelten. Es bleibt aber bei einer gesellschaftlichen Konstruktion, sie sieht anscheinend lediglich ein starkes Bedürfnis nach

Interessanterweise wird sie dann direkt auf Milton Diamond angesprochen, also auf David Reimer, bei dem sie in „Undoing Gender“ noch einfach davon ausging, dass Money da schlicht die Probleme durch seine Art die Zwillinge zu testen verursacht hat.

Judith Butler dazu:

 In the works by Milton Diamond that I have read, I have had to question the way he understands genetics and causality. Even if a gene structure could be found, it would only establish a possible development, but would in no way determine that development causally. Genetics might be yet another way of getting to that sense of being “hard-wired” for a particular sex or gender. My sense is that we may not need the language of innateness or genetics to understand that we are all ethically bound to recognize another person’s declared or enacted sense of sex and/or gender. We do not have to agree upon the “origins” of that sense of self to agree that it is ethically obligatory to support and recognize sexed and gendered modes of being that are crucial to a person’s well-being.

Das ist eine typische Antwort, die ich auch schon häufig erhalten habe: „Warum ist es denn überhaupt wichtig, warum wir uns auf eine bestimmte Weise verhalten, wenn es eigentlich darauf ankommt, dass man jede Form von Geschlecht unterstützen sollte?“ Es ist natürlich gerade dann, wenn sich der Feminismus darauf beruft, dass in bestimmte Formen von Geschlecht Macht eingebunden ist und soziale Regeln daran festmachen, die rein willkürlich sind, weil alles sozial konstruiert ist, von sehr hoher Wichtigkeit. Denn genau an diesem Punkt macht der Feminismus eben unglaublich viel fest, was er sonst so nicht vertreten könnte. Wenn er beispielsweise darauf abstellt, dass Männer risikobereiter sind, weil Mädchen mehr kontrolliert werden und ihnen weniger Platz zum experimentieren gegeben wird und es tatsächlich aber am Testosteron liegt, dann bricht diese Theorie zusammen. Wenn man beispielsweise feststellt, dass sprachliche Fähigkeiten durch Testosteron teilweise beeinträchtigt werden, dann ist es im Gegenzug nicht verwunderlich, wenn Mädchen in dem Bereich bessere Fähigkeiten zeigen etc.

CW: If “gender” includes the way in which we subjectively experience, contextualize, and communicate our biology, do you think that living in a world without “gender” is possible?

JB: Sometimes there are ways to minimize the importance of gender in life, or to confuse gender categories so that they no longer have descriptive power. But other times gender can be very important to us, and some people really love the gender that they have claimed for themselves. If gender is eradicated, so too is an important domain of pleasure for many people. And others have a strong sense of self bound up with their genders, so to get rid of gender would be to shatter their self-hood. I think we have to accept a wide variety of positions on gender. Some want to be gender-free, but others want to be free really to be a gender that is crucial to who they are.

Das ist erst einmal eine sehr spannende Frage. Kann man die Geschlechter abschaffen oder brauchen wir sie, um unser Selbst darzustellen? Hier scheint Butler zumindest in einigen Bereichen für die Erhaltung der Geschlechter, und damit sind dann wohl Mann und Frau gemeint, zu sein (was nicht ausschließt, dass Leute, die das nicht brauchen, sich als andere Geschlechter oder als Queer ansehen). Butler scheint mir hier eine Mittelposition einzunehmen: Mann und Frau sein zu wollen wäre demnach vollkommen okay. Wäre vielleicht interessant, dieses Passagen Feministinnen mal entgegen zuhalten in einer Diskussion.

CW: I have seen where – especially online – people who identify as “gender critical feminists” (TERFs) assert that transwoman are merely mutilated men. What are your thoughts about using “gender critical feminism” to make such assertions?

JB: I do not know this term, but I reject totally the characterization of a transwoman as a mutilated man. First, that formulation presumes that men born into that sex assignment are not mutilated. Second, it once again sets up the feminist as the prosecutor of trans people. If there is any mutilation going on in this scene, it is being done by the feminist police force who rejects the lived embodiment of transwomen. That very accusation is a form of “mutilation” as is all transphobic discourse such as these. There is a rather huge ethical difference between electing surgery and being faced with transphobic condemnation and diagnoses. I would say that the greatest risk of mutilation that trans people have comes directly from transphobia.

Also eine deutliche Abkehr von Transfeindlichkeit. Aus meiner Sicht insofern auch auf der Grundlage ihrer sonstigen Werke zu erwarten.

CW: Many trans people assert that women/females can have a penis and that men/males can have a vagina. What are your thoughts about that?

JB: I see no problem with women having a penis, and men having a vagina. People can have whatever primary characteristics they have (whether given or acquired) and that does not necessarily imply what gender they will be, or want to be. For others, primary sexual characteristics signify gender more directly.

Auch eigentlich zwingend folgend aus dem, was sie bisher gesagt hat: Wenn das einzige, was zählt, ist, wie man sich fühlt, dann ist der Körper in der Tat egal. Und in der Tat wäre für die Frage, welches „Gender“ man hat, der Körper auch egal. Es ist nur die Frage, auf was man für die Bezeichnung dann abstellt. Hier werden die meisten den Körper im Vordergrund sehen, aber den Wunsch einer Person bei entsprechender Aufmachung durchaus akzeptieren.

Es wird dann noch einmal ganz direkt nachgefragt:

CW: Do you think “sex” is a social construct?

JB: I think that there are a variety of ways of understanding what a social construct is, and we have to be patient with terms like these. We have to find a way of understanding how one category of sex can be “assigned” from both and another sense of sex can lead us to resist and reject that sex assignment. How do we understand that second sense of sex? It is not the same as the first – it is not an assignment that others give us. But maybe it is an assignment we give ourselves? If so, do we not need a world of others, linguistic practices, social institutions, and political imaginaries in order to move forward to claim precisely those categories we require, and to reject those that work against us?

Da sagt sie eigentlich so richtig nichts oder verstehe ich das falsch? Die Aussage, die ich daraus noch ziehe ist, dass sie zwischen dem Geschlecht, welches einem bei der Geburt zugewiesen wird und dem, was wir als unser Geschlecht empfinden, unterscheiden will. Und das letzteres eben eine Fremdzuweisung ist. Sie lässt dann offen, ob wir dieses „zweite Geschlecht“ uns selbst „geben“. Einfach verständlich ist es wohl, wenn man hier zwischen dem äußeren und dem inneren Geschlecht unterscheidet und zunächst feststellt, dass beide nicht übereinstimmen müssen. Wenn man unter dem inneren Geschlecht das „Gehirngeschlecht“ versteht, dann wäre es eben gerade nicht konstruiert, was auch Transsexualität sehr leicht verständlich machen würde.

CW: What, if anything, would you like trans people to take from your work?

JB: Gender Trouble was written about 24 years ago, and at that time I did not think well enough about trans issues. Some trans people thought that in claiming that gender is performative that I was saying that it is all a fiction, and that a person’s felt sense of gender was therefore “unreal.” That was never my intention. I sought to expand our sense of what gender realities could be. But I think I needed to pay more attention to what people feel, how the primary experience of the body is registered, and the quite urgent and legitimate demand to have those aspects of sex recognized and supported. I did not mean to argue that gender is fluid and changeable (mine certainly is not). I only meant to say that we should all have greater freedoms to define and pursue our lives without pathologization, de-realization, harassment, threats of violence, violence, and criminalization. I join in the struggle to realize such a world.

Ich finde es erst einmal interessant, dass sie deutlich macht, dass sie „Gender Trouble“ vor langer Zeit geschrieben hat und da verschiedene Punkte noch nicht hinreichend mit einbezogen hat. Sie scheint nunmehr von einer gewissen Festigkeit von Gender auszugehen, die nicht zu ändern ist. Warum dies nicht der Fall sein soll, wenn alles sozial konstruiert ist, dass sagt sie leider nicht.

Es wäre interessant, wie sie diese neuen Erkenntnisse im Bezug auf Mann und Frau verwertet. Würde das dazu führen, dass sie auch insoweit von einer Festigkeit der Identität ausgeht und von einem Recht von Mann und Frau darin nicht gestört, belästigt und bedroht zu werden? Das wäre ja ein interessanter Ansatz, der sich in das Machtschema Mann oben – Frau unten, wie es im Feminismus vorherrscht, quasi nicht einbauen lässt.

Ich vermute, dass sie es allenfalls in Hinblick auf Transsexualität so sieht und eine Übertragung in die sonstige feministische Theorie nicht wirklich geplant ist.

Genderfeministinnen auf Transsexualität anzusprechen scheint mir allerdings immer eine gute Idee. Sofern sie nicht transfeindlich sein wollen bleibt ihnen nichts anders übrig als diese gewünschten Rollen als fest anzusehen. Wie diese dann aber fest sein sollen und wie sie entstehen, wenn die gesamte Sozialisation ansonsten am Körper festmacht oder warum geschlechtsanpassende Operationen in einer „perfekten Welt ohne Geschlechterrollen“ noch erforderlich sein sollten, dass sind dann quasi nicht zu beantwortende Fragen. Umgekehrt tauchen die Probleme auf, wenn sie bei Männern und Frauen von starren rein konstruierten Rollen ausgeht, da dann eben Transsexualität nicht mehr in das Schema passt.

Advertisements

Wie Heterosexualität genutzt wird, um die Sexualität der Frauen zu unterdrücken und das Patriarchat zu erhalten

In der gestrigen Diskussion zu Homosexualität und dessen Verhältnis zum Feminismus schrieb Adrian, dass sich an der Schwulenverfogung und -diskriminierung  sehr schön die These des Patriarchats ad absurdum führen ließe.

Das erinnerte mich daran, dass ich die These, wie Heterosexualität im Feminismus in die Unterdrückung der Frau hineinspielt, eh noch einmal näher untersuchen wollte.

1. Judith Butler

Dazu hatte ich schon einmal Butler zitiert:

Doch was bestimmt den manifesten und latenten Text der Körperpolitik? Wie haben bereits das Inzesttabu und das vorgangige Tabu gegen die Homosexualität als generativen Momente der Geschlechteridentität betrachtet, d.h. als Verbote, die die Identität gemäß den kulturell intelligiblen Rastern einer idealisierten Zwangsheterosexualität hervorbringen. Diese Disziplinarproduktion der Geschlechteridentität bewirkt eine falsche Stabilisierung der Geschlechteridentität im Interesse der heterosexuellen Konstruktion und Regulierung der Sexualität innerhalb des Gebietes der Fortpflanzung. Die Konstruktion der Kohärenz verschleiert jede Diskontinuitäten der Geschlechteridentität, wie sie umgekehrt in den hetero-, bisexuellen, schwulen und lesbischen Zusammenhängen wuchern, in denen die Geschlechtsidentität nicht zwangsläufig aus dem Geschlecht folgt und das Begehren oder die Sexualität im allgemeinen nicht aus der Geschlechtsidentität zu folgen scheinen; d.h. in denen keine dieser Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit die anderen ausdrückt oder widerspiegelt.

Danach entstehen nach Butler also bestimmte Regeln für bestimmte Körper, in dem diese über die „Zwangsheterosexualität“ (also die Heterosexualität als einzige gesellschaftlich zugelassene Form der Sexualität) in einen Fortpflanzungszusammenhang gebracht werden: Die Frau gehört zum Mann, weil nur diese sich fortpflanzen können. Daraus folgen dann auch die weiteren Regeln, eben beispielsweise, dass es Aufgabe der Frau ist die Kinder zu gebären und groß zu ziehen etc.

Dies mag für einen Poststrukturalisten und Sozialkonstruktivisten ein überzeugendes Konzept sein, aus biologischer Sicht erscheint es aber geradezu grotesk. Das Heterosexualität der häufigste Fall der Sexualität ist, ist angesichts einer Selektion auf Fortpflanzung wenig verwunderlich. Das heißt wiederum nicht, dass es daneben nicht andere Formen der Sexualität geben kann. Auch die Vorstellung, dass man gesellschaftliche Regeln schaffen muss, damit Leute in der Mehrheit eher heterosexuellen Verkehr haben ist eher eine Betrachtung vom falschen Ende her: Weil wir auf heterosexuellen Verkehr selektiert sind, haben wir entsprechende gesellschaftliche Regeln, die auf diesen Fall ausgerichtet sind. Dessen ungeachtet kann es natürlich eine besondere soziale Hervorhebung heterosexueller Praktiken geben, die Homosexualität einschränkt.

2. Homosexualität und das Patriarchat

Einen anderen interessanten Text zur Homosexualität und dem Patriarchat, der ungefähr auch in diese Richtung geht, habe ich hier gefunden:

Heterosexism is part of the system of patriarchy. In a heterosexist society, it is assumed that the natural order of things is for men and women to be together in romantic, sexual and marital relationships. Anything other than male-female relationships is considered unnatural and immoral. This maintains patriarchy by keeping men and women in their prescribed gender roles. Homosexuality and same-sex relationships disrupt the hierarchy of the genders by breaking down traditional gender roles. In a same-sex relationship, there is not the patriarchal element of a man having authority over and possession of a woman. This is not to say, of course, that every heterosexual relationship follows a typical gender role pattern or that every homosexual relationship does not. It is simply to say that the mere concept of same-sex relationships threatens the basis of patriarchy because the gender roles necessary for the dominance of men to continue are disrupted. If we become more open to different types of relationships, we will see more possibilities for men, women, and genderqueer people than the heterosexist model which we have been taught. This is a threat to patriarchy, and so those who step outside the gender and sexual orientation norm are deemed unnatural and immoral. Heterosexism forces us to believe that it is only natural and normal to be heterosexual, which in turn forces the belief that male dominance is only natural and normal.

Weil also sowohl Geschlechterrollen typischen Regeln folgen und als natürlich angesehen werden und auch die Heterosexualität als natürlich angesehen wird, ist Homosexualität ein Aufbrechen der Regeln und damit ein Problem, denn jeder Regelbruch erzeugt einen weiteren. Mit dieser strikten Zuordnung wiederum nicht zu konkurrieren scheint die Darstellung von Gangbangs, Dreiern, lesbischen Aktivitäten, Scheidungen, umfangreiche Regelungen im Familienrecht, die Frauen am männlichen Erfolg beteiligen und insoweit eigentlich die Hierarchie beeinträchtigen oder Flirtregeln, die im wesentlichen auf die weibliche Auswahl abstellen und die Frau insoweit in den Mittelpunkt stellen.

3. Adrienne Rich

Die Feministin Adrienne Rich baut die These, dass Heterosexualität ein wesentlicher Stützpfeiler männlicher Macht ist, noch weiter aus:

Rich argues that heterosexuality is a violent political institution making way for the „male right of physical, economical, and emotional access“ to women. She urges women to direct their energies towards other women rather than men, and portrays lesbianism as an extension of feminism. Rich challenges the notion of women’s dependence on men as social and economic supports, as well as for adult sexuality and psychological completion. She calls for what she describes as a greater understanding of lesbian experience, and believes that once such an understanding is obtained, these boundaries will be widened and women will be able to experience the „erotic“ in female terms.

In order to gain this physical, economical, and emotional access for women, Rich lays out a framework developed by Kathleen Gough (both a social anthropologist and feminist) that lists “eight characteristics of male power in archaic and contemporary societies”. Along with the framework given, Rich sets to define the term lesbianism by giving two separate definitions for the term. Lesbian existence, she suggests, is “both the fact of the historical presence of lesbians and our continuing creation of the meaning of that existence. The other, lesbian continuum, refers to the overall “range – through each woman’s life and throughout history – of woman-identified experiences, not simply the fact that a woman has had or consciously desired genital sexual experience with another woman”. Below are the characteristics in which male power has demonstrated the suppression of female sexuality.

  1. To deny women their own sexuality: destruction of sexuality displayed throughout history in sacred documents.
  2. Forcing male sexuality upon women: rape, incest, torture, a constant message that men are better, and superior in society to women.
  3. Exploiting their labor to control production: women have no control over choice of children, abortion, birth control and furthermore, no access to knowledge of such things.
  4.  Control over their children: lesbian mothers seen as unfit for motherhood, malpractice in society and the courts to further benefit the man.
  5. Confinement: women unable to choose their own wardrobe (feminine dress seen as the only way), full economic dependence on the man, limited life in general.
  6. Male transactions: women given away by fathers as gifts or hostesses by the husband for their own benefit, pimping women out.
  7. Cramp women’s creativeness: male seen as more assimilated in society (they can participate more, culturally more important).
  8. Men withholding attainment of knowledge: “Great Silence” (never speaking about lesbian existence in history), discrimination against women professionals.

All of the characteristics show how the denial of sexuality for women is a means to control and suppress any transition, creativeness, and economic advancement of women. All of the above are forces that inhibit men to further ignore women as historically, culturally, and currently important. The characteristics show that society has forgotten that it is necessary (in order to function) to include women in both public and private spheres. Furthermore, the ignorance of a female’s choice in sexuality has caused her position in society to be thought of as less, and more importantly, secondary to that of a man. A recurring point that Rich points out is the destruction of lesbian experiences in history (misplacement of documents, or destroying them in general) has led to a society in which having a lesbian experience, or being a lesbian all together is seen as ‘the other’ and unacceptable to most men and women.

Also eine Form des Polit-Lesbentums in dem in der Verbindung mit Frauen die Befreiung aus der Unterdrückung durch den Mann liegt. Die einzelnen Punkte scheinen mir heute im wesentlichen überholt:

a. To deny women their own sexuality: destruction of sexuality displayed throughout history in sacred documents.

Also der Versuch lesbische Frauen zu verstecken, obwohl es sie anscheinend nach dieser Auffassung in der Geschichte in vielfacher Weise gegeben hat. Dafür macht ja andererseits die heutige Kultur einiges wieder gut: Lesbischer Sex ist im Internet jederzeit verfügbar, genug Frauen kokettieren damit/probieren es aus, indem sie eine Freundin küssen. Hier könnte man anmerken, dass das eben eine Umdeutung lesbischer Aktivitäten als Anregung für Männer ist, aber immerhin wird lesbischer Sex wesentlich häufiger und problemloser dargestellt als schwuler Sex.

b. Forcing male sexuality upon women: rape, incest, torture, a constant message that men are better, and superior in society to women.

Da ist es ja mal recht konkret benannt: Die komplette Gewalt, sowohl in Bezug auf allgemeine Gewalt als auch sexuelle Gewalt, ist nicht etwa Gewalt von einzelnen Männern gegen Frauen, sondern dient dazu, die Gruppe der Frauen auf ihren Platz zu verweisen und ihnen deutlich zu machen, dass die Gruppe der Männer ihnen überlegen ist. Jede Gewalt gegen Frauen dient dazu, dass man die Frauen auf ihren Platz verweist, an der Seite der Männer, und sie so davon abhält lesbischen Fantasien und Vorlieben nachzugehen.

c. Exploiting their labor to control production: women have no control over choice of children, abortion, birth control and furthermore, no access to knowledge of such things.

Auch alles keine Punkte, die heute noch zutreffen. Frauen können abtreiben, verhüten, bestimmen, wann sie Kinder bekommen, sie haben problemlosen Zugang zu dem dazu notwendigen Wissen
d. Control over their children: lesbian mothers seen as unfit for motherhood, malpractice in society and the courts to further benefit the man.

Männliche Kontrolle über die Kinder und Gerichte, die dabei die Väter bevorzugen: Vergangenheit. Im Gegenteil, Frauen haben die Kontrolle über die Kinder und üblicherweise werden diese von Gerichten den Frauen zugesprochen. Wenn eine lebsische Frau bereits ein Kind hat und es innerhalb der Ehe betreut hat, dann wird es auch trotzdem ohne weiteres zur Mutter gehen.

e. Confinement: women unable to choose their own wardrobe (feminine dress seen as the only way), full economic dependence on the man, limited life in general.

Heute können sich Frauen so männlich anziehen, wie sie wollen, sie können sich über Erwerbsarbeit selbst versorgen und müssen sich auch ansonsten nicht anstrengen. Selbst wenn sie sich in die Abhängigkeit eines Mannes begeben sind sie über die Ehe nachhaltig abgesichert.

f. Male transactions: women given away by fathers as gifts or hostesses by the husband for their own benefit, pimping women out.

Die Tochter als Verfügungsmasse des Vaters oder gar des Ehemannes ist heute nicht mehr vorstellbar. Es mag zwar Zuhälter geben, aber das betrifft nur eine geringe Zahl der Frauen (tatsächlich habe ich mal gelesen, dass die Anzahl bisexueller unter den Prostituierten eher höher ist, was durch höheres Testosteron und damit ein anderes Verhältnis zu Sexualität durchaus zu erklären wäre, ich habe aber keinen Link dazu).

g. Cramp women’s creativeness: male seen as more assimilated in society (they can participate more, culturally more important)

Der Einfluss von Frauen auf die Gesellschaft ist meiner Meinung nach lediglich in bestimmten Bereichen geringer, ich sehe auch nicht, dass sie ansonsten innerhalb der Gesellschaft ausgeblendet und insoweit in ihrer Kreativität beeinträchtigt sind. Gerade in vielen sozialen Kreisen sind Frauen wesentlicher Bestandteil der Kultur und nehmen ebenso an dieser Teil. Hier scheint eine gewisse Apex-Fallacy zu bestehen.

h. Men withholding attainment of knowledge: “Great Silence” (never speaking about lesbian existence in history), discrimination against women professionals.

Dazu hatte ich eigentlich das Wesentliche auch bereits oben gesagt. Ich vermute hier wird Rich allerdings auch wesentlich mehr lesbische Geschichte sehen als die anerkannte Geschichte hergibt und das das weniger an der Unterdrückung dieser Geschichte liegt, sondern eher an deren Aufbauschung durch Frau Rich. Denn der Anteil lesbischer Frauen ist meines Wissens innerhalb der Gesellschaften auf der Erde einigermaßen konstant, so dass es wenig verwunderlich ist, wenn lesbische Frauen ansonsten wenig auffallen, weil sie eben nur in geringerer Zahl existierten.

Im ganzen würde ich sagen, dass man entweder davon ausgehen kann, dass Adrienne Richs Thesen falsch sind oder zugestehen muss, dass diese Bedingungen heute nicht mehr zutreffen und damit eigentlich eine wesentliche Änderung eingetreten sein müsste und insoweit die Folgerungen aus ihren Thesen für die heutige Gesellschaft nicht mehr aktuell sind

Hier übrigens die insoweit unkritische Darstellung von Rich bei der Mädchenmannschaft:

„Wenige Jahre später erschien ihr bekanntes Gedicht­band “Diving Into The Wreck”, welches bis heute als Meister­werk der feministischen Literatur gilt. Von 1976 bis zu ihrem Tod lebte sie in einer Partnerinnen­schaft mit der jamaikanischen Autorin Michelle Cliff. Ihr Essay “Zwangs­heterosexualität und lesbische Existenz” (1980) sowie ihre Liebesgedichte an Frauen, z.B. die “Twenty-One Love Poems” (1977), machten sie zu einer Identifikations­figur in der lesbischen Bewegung. In den Jahr­zehnten bis zu ihrem Tod unterrichte Rich an renommierten US-amerikanischen Universitäten und war weiter­hin politisch aktiv.“

 

4. Weitere Zitate zur Unterdrückung der Frau durch Heterosexualität

Hier habe ich noch einige weitere Zitate aus dem Bereich gefunden:

„Heterosexual hegemony … is being simultaneously eroded and reconstructed. …The forms of sexuality considered natural have been socially created and can therefore be socially transformed.“ (219) „New social policies would focus on transforming social relations and would be based on empowering of lesbians, gay men, sex-trade workers, women and people of colour.“ (emphasis added, 229) „The Regulation of Desire: Sexuality in Canada“ by Gary Kinsman, Black Rose Books, 1987
„Heterosexuality like motherhood, needs to be recognized and studied as a political institution. . .the model for every other form of exploitation.“ Adrienne Rich, „Compulsory Heterosexuality and Lesbian Existence,“ Signs: Journal of Women in Culture and Society, 5 No.4 (1980) 637
„Heterosexuality is a die-hard custom through which male-supremacist institutions insure their own perpetuity and control over us. Women are kept, maintained and contained through terror, violence, and the spray of semen…[Lesbianism is] an ideological, political and philosophical means of liberation of all women from heterosexual tyranny… “ Cheryl Clarke, „Lesbianism, An Act of Resistance,“ in This Bridge Called My Back: Writing by Radical Women of Color, ed. Cherrie Moraga (Women of Color Press,1983), pp.128-137.
„The opposite of heterosexual desire is the eroticising of sameness, a sameness of power, equality and mutuality. It is homosexual desire.“ Sheila Jeffreys, Anticlimax: A Feminist Perspective on the Sexual Revolution (London: Women’s Press,1990) p.300

„Female heterosexuality is not a biological drive or an individual women’s erotic attraction or attachment to another human animal which happens to be male. Female heterosexuality is a set of social institutions and practices… Those definitions… are about the oppression and exploitation of women [by men].“ Marilyn Frye, Willful Virgin: Essays in Feminism, 1976-1992 ( Freedom: Crossing Press,1992) p.132

 

 

5. Homophobie und Anerkennung der Homosexualität als Lebensform

Allerdings scheinen die diesbezüglichen sozialen Regeln innerhalb der westlichen Welt, also gerade bei dem angeblich von den heterosexuellen weißen alten Männern geprägten Kulturen doch eine gewisse Durchlässigkeit und Toleranz zu kennen.

 

 

Homosexualität Deutschland Akzeptanz

Homosexualität Deutschland Akzeptanz

Danach liegt Deutschland sogar ziemlich an der Spitze der Akzeptanz von Homosexualität. Dazu von der gleichen Seite noch eine andere Grafik:

 

 

Deutschland Moral Sexualität Homosexualität

Deutschland Moral Sexualität Homosexualität

 

In Deutschland lehnen damit ungefähr die gleiche Zahl an Menschen vorehelichen Sex und Scheidungen ab, wie Homosexualität, was eben auch für einen starken religiösen Bezug spricht.

Wenn die feministische Theorie richtig ist, dann versagen gerade in den westlichen Staaten die patriarchalen Strukturen total und das Patriarchat ist nicht mehr haltbar, weil es sich nicht mehr auf die Ablehnung der Homosexualität stützten kann.

 

Theorien innerhalb der Gender Studies

Auf der Seite der Uni Freiburg habe ich eine Auflistung der im Feminismus und den Gender Studies nach der dortigen Ansicht vorherrschenden „Herangehensweisen“ gefunden

Momentan dominieren innerhalb der feministischen Theoriediskussion und der Gender-Forschung konstruktivistische, diskurstheoretische, postrukturalistische, dekonstruktivistische, kulturalistische wie auch postmoderne Herangehensweisen. Diese Bezeichnungen werden teilweise beinahe wie Synonyme verwendet, sie stehen in einem engen Zusammenhang, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte und verweisen auf unterschiedliche grundierende Theoriestränge:

Ich hätte sie wohl auch nicht so fein unterschieden, aber man lernt ja immer gerne dazu

  • Der ‚Konstruktivismus‘ lässt sich zunächst in eine ‚sozialkonstruktivistische und eine ‚kognitionstheoretische‘ Richtung ausdifferenzieren. Beide gehen davon aus, dass es keine menschenunabhängige Welt gibt, oder sie uns zumindest nicht als solche zugänglich ist. Arbeitet der Sozialkonstruktivismus heraus, dass vermeintlich Naturgegebenes immer schon kulturell geformt ist, hebt die kognitionstheoretische Richtung auf die erkenntnistheoretische Ebene ab. Gegenbegriffe zum Sozialkonstruktivismus sind ‚Essentialismus‘, ‚Ontologismus‘ und ‚Biologismus‘, während sich der kognitionstheoretische Konstruktivismus gegen den philosophischen Realismus und den Positivismus wendet. Beim kognitionstheoretischen Konstruktivismus kann noch einmal zwischen einer diskurstheoretischen und einer biologischen Ausrichtung unterschieden werden. Während im diskurstheoretischen Konstruktivismus die Diskurse, d.h. das, was überhaupt gesagt werden kann, die Perzeption (also das, was als ‚Wirklichkeit‘ wahrgenommen wird) prägen, ist es beim biologischen (kognitionstheoretischen) Konstruktivismus zunächst die Struktur des menschlichen Wahrnehmungsapparates, die über Wahrnehmbarkeit und Wahrnehmungsform entscheidet. Der biologische Konstruktivismus spielt in der feministischen und gender-theoretischen Debatte allerdings nur selten eine Rolle, die beiden anderen Ausrichtungen haben dafür aber einen um so höheren Stellenwert. Dabei wird zwischen den beiden Ebenen, auf die sie jeweils fokussieren, oft nicht wirklich unterschieden.

Finde ich schon an sich eine gewagte Theorie: Keine menschenunabhängige Welt. Das ist keine ganz kleine Hürde für eine Theorie. Wie man sie wissenschaftlich untermauern sollte ist mir nicht verständlich. Gut, mit der Zugänglichkeit wird es etwas mehr eingeschränkt, aber wie vergleichende Untersuchungen zeigen haben verschiedene Völker teilweise recht gleiche Vorstellungen von ihrer Umwelt entwickelt und es gibt relativ viele „universelle Gemeinsamkeiten

  • Der Begriff ‚Kulturalismus‘ entspricht inhaltlich in etwa dem Sozialkonstruktivismus. Den Gegenbegriff zu ‚kulturalistisch‘ stellt die Bezeichnung ‚naturalistisch‘ dar. Es geht hier also darum, dass z.B. das Geschlecht erst durch die Kultur als solches konstruiert wird und nicht naturgegeben ist.

Hier wird also sozusagen der Konstruktor etwas näher bezeichnet. Auch hier wieder ein beängstigende Nähe zum Standard Sozial Science Model, welches eigentlich vollkommen veraltet ist.

  • Dekonstruktion‘ bezeichnet das vor allem von Derrida entwickeltes Verfahren der Entverselbständlichung und Entnaturalisierung. Durch das Verfahren der Dekonstruktion wird deutlich gemacht, dass es sich bei vermeintlich Natürlichem im Grunde um kulturelle Konstruktionen handelt. Zentral ist die Kritik am Denken in binären Oppositionen, wie es sich nicht nur in der Gegenüberstellung Mann/Frau, sondern auch in Kultur/Natur, Geist/Materie oder auch Tag/Nacht ausdrückt.

Demnach wäre Dekonstruktion die Darstellung, dass alles konstruiert ist, indem man eine soziale Erklärung für den gleichen Vorgang findet. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann hat Derrida dieses Verfahren allerdings zur Textanalyse entwickelt. Er hat es aber später wohl auf alle Bedeutungsträger ausgeweitet. Allerdings kann man eben Texte deutlich besser zerlegen als Lebewesen. Da man aber in diesen Theorien davon ausgeht, dass die Identitäten und Normen nicht von der Biologie beeinflusst sind, kann man sie als dekonstruierbar ansehen und ihre einzelnen Bestandteile ermitteln.

Zur Dekonstruktion aus der Wikipedia:

Die Dekonstruktion geht grundsätzlich davon aus, dass die Thematisierung bestimmter Gegenstände (sei es in wissenschaftlicher Theoriebildung, sei es in anderen Wissenssystemen, Darstellungsformen oder Gattungen) andere zugleich ausgrenzt. Anstatt nur auf explizit mitgeteilte Information konzentrieren sich dekonstruktive Analysen daher auch und besonders auf diejenigen Faktoren, welche ausgegrenzt wurden. Systematisch grundlegend dafür ist eine sinnkritische Einklammerung der Sinn- und Verweisungsbeziehungen etwa der Elemente eines Textes. Dies ermöglicht dann Fragen zu stellen wie: welche Ausgrenzungs- und Etablierungsmechanismen, welche Strategien des Glaubwürdigmachens, welche hierarchischen Strukturen eines Signifikantengefüges erlauben, das entsprechende materielle Gefüge als sinnhaften Bedeutungsträger zu verstehen und auf eine bestimmte Bedeutung oder „Aussageabsicht“ zu reduzieren? An welche Konstitutionsbedingungen sind die entsprechenden Sinn- und Geltungsansprüche gebunden? Dies kann insbesondere auch Konflikthaftigkeit, Aggressivität, verdeckte Gehalte und Intentionen sichtbar machen.

Diese Ausgrenzung durchzieht ja auch den Feminismus. Aus der Theorie, dass man Gegensatzpaare bilden muss und deren Stellung zueinander ermitteln muss, erklärt sich einiges in der feministischen Theorie. Dort ist das Gegensatzpaar eben Mann und Frau bzw. „männlich“ und „weiblich“ bzw. weitere Geschlechter oder in einem Intersektionalismus die weiteren Kategorien, wie Rasse, Klasse etc.  Wenn eines der beiden in der Gesellschaft mehr betont wird, dann muss das andere Ausgegrenzt bzw. das andere etabliert werde. Hier kommt wohl auch die beständige Angst her, dass etwas zu viel Raum einnimmt. Wenn etwas mehr Raum einnehmen kann, dann eben weil die Geschichte, die man wahrnimmt, auf eine bestimmte Weise gestrickt wird. Auch wer körperlich mehr Raum einnimmt würde danach in der Dekonstruktion als jemand auffallen, der sich selbst einen höheren Geltungsanspruch einräumt und daher eine Ausklammerung der anderen vornehmen möchte.

  • Begriff ‚diskurstheoretisch‘ stellt ebenfalls die Verbindung zu einem bestimmten Denker her: Zu Michel Foucault und seinem Diskursbegriff. „Als Diskurse gelten … ‚Redeweisen‘, sprachliche ‚out-fits‘ von sozialen Klassen und Berufsständen, Generationen, Epochen, literarischen Gattungen, wissenschaftlichen Disziplinen und spezifischen sozialen oder kulturellen Milieus. Zudem wird betont, dass es nicht nur sprachliche Formen – mündliche oder schriftliche – der Bedeutungszuschreibung gibt, sondern auch noch andere, ähnlich funktionierende Zeichensysteme kulturelles Symbolisation. So können architektonische Grundformen ebenso interessieren wie Bestattungsriten oder Kleidermoden. Wenn von diskursiven Praxis oder von diskursiven Formationen die rede ist, ist damit der Komplex einer bestimmten ‚Redeweise‘ und ihrer institutionellen Bedingungen, die Art und Weise der Medialisierung und der Zusammenhang von Kenntnissen und Wissen innerhalb eines bestimmten historischen Zeitraums gemeint.“ Diskurse regeln, was zu einem bestimmten Zeitpunkt sagbar ist. Durch die Zurückverfolgung von Diskursen wird die historische Kontingenz von Begriffen, Kategorien und Theorien aufgedeckt.

Der kulturelle Bereich wird sicherlich zu einem gewissen Teil von Diskursen ausgeformt, soweit es der biologische Unterbau des Menschen zulässt. Und hier können natürlich bestimmte Riten und in der Kultur vorgegeben Betrachtungsweisen wesentlich werden. Ein gutes Beispiel ist zB, dass sich die Religion häufig nach der in der Gesellschaft vorgegebenen Religion richtet, sofern diese auch die Eltern haben. Allerdings sind eben schon genug Politker daran gescheitert einen bestimmten Diskurs, der für sie dienlich ist, vorzugeben. Ein Diskurs ist nicht so einfach steuerbar, wie man es sich im Feminismus vorstellt.

  • Der Begriff ‚postmodern‘ bezeichnet eine bestimmte historischen Epoche, der u.a. auch die poststrukturalistische Theorierichtung zuzuordnen ist. Zentrale Gedanken sind u.a. eine Abwendung vom Fortschrittsdenken der so genannten Moderne, ein Plädoyer für Heterogenität (z.B. von Lebens-, Denk- und Handlungsformen) und der Versuch die Kluft zwischen ‚Kunst‘ und ‚Massenkultur‘ zu überwinden. Seyla Benhabib charakterisierte das postmoderne Denken durch die drei Thesen vom „Tod des Menschen“, dem „Tod der Geschichte“ und dem „Tod der Metaphysik“.38 Die Postmoderne drückt sich nicht nur in der Theorie, sondern z.B. auch in der Architektur, der Literatur und der bildenden Kunst aus und insbesondere auch im Lebensgefühl.

Das Fortschrittsdenken ist soweit wahrscheinlich auch nur patriarchisch.

Aus der Wikipedia dazu:

Elemente postmodernen Denkens und Urteilens sind:

  • Absage an das seit der Aufklärung betonte Primat der Vernunft (ratio) und an die Zweckrationalität (die bereits in der Moderne erschüttert wurden)
  • Verlust des autonomen Subjekts als rational agierende Einheit
  • Neue Hinwendung zu Aspekten der menschlichen Affektivität und Emotionalität
  • Ablehnung oder kritische Betrachtung eines universalen Wahrheitsanspruchs im Bereich philosophischer und religiöser Auffassungen und Systeme (sog. Metaerzählungen oder Mythen wie Moral – wodurch Postmoderne zum Amoralismus wird – , Geschichte, Gott, Ideologie, Utopie oder Religion, aber auch, insofern sie einen Wahrheits- oder Universalitätsanspruch trägt, Wissenschaft)
  • Verlust traditioneller Bindungen, von Solidarität und eines allgemeinen Gemeinschaftsgefühls
  • Sektoralisierung des gesellschaftlichen Lebens in eine Vielzahl von Gruppen und Individuen mit einander widersprechenden Denk- und Verhaltensweisen
  • Toleranz, Freiheit und radikale Pluralität in Gesellschaft, Kunst und Kultur
  • Dekonstruktion, Sampling, Mixing von Codes als (neue) Kulturtechniken
  • Zunehmende Zeichenhaftigkeit der Welt (siehe auch Semiotisches Dreieck und Baudrillard)
  • Versuche der Abkehr von ethno- und androzentrischen Konzepten

Man tauscht also Rationalität gegen Emotionalität, lehnt wissenschaftliches Vorgehen ab, führt eine Beliebigkeit ein und versucht alle festen Formen aufzugeben. Eine einheitliche Gemeinschaft wird abgelehnt, dagegen eine starke Verschiedenheit in Verbindung mit Toleranz gefordert.

Foucault, Butler und Feminismus als Verlagerung eigener Probleme nach außen

In dem Forum von Roosh findet sich ein interessanter Text zu Foucault, David Reimer, Judith Butler und Gründen dafür, dass diese Theorien interessant für viele so interessant sind.

Erst einmal zu den gernellen Theorien:

Let’s talk about Foucault and how his theories cloud feminist’s & social constructionist’s minds.

First, let me talk about post-structuralist thought in general. I am not an expert on this strand of philosophy; the philosophy is about analyzing modern society through a critical theory lens. A common theme is the deconstruction of binaries like gender. This is where feminist post-structuralists come in. Judith Butler is a perfect example of this sort of feminist. They do not believe that there are any differences between men & women and their approach is primarily used in psychoanalysis & literary criticism. Of course, the main problem is the extensive use of Freud and Foucault.

Foucault was a French philosopher who was popular through the mid-1900’s until his death in the 1980’s. He is famous for many things, but his work on power & gender is most relevant here.

Let’s first consider his genealogical approach to analyzing history & society. He believes that the truth is randomly discovered and rarely self-evident or fixed. His approach to historical & social analysis is by looking to relations based on power, knowledge and the body. He does not consider a particular individual’s intentions or aims when considering their actions, but a contextual analysis of power in a given situation based on historical subjectivity. In sum, pure social relevatism.

Foucault is a favorite writer for feminists for this approach that eschews reality in favor of theoretical analysis of power balances – most importantly over Foucault’s focus on the oppression of the body. Foucault was a clear social constructionist and believed that biological explanations of male & female differences was rooted in inequality & misogyny. Note how when you are debating a feminist and you bring up biological differences, the response is rarely disputing that fact but focusing on that you are bringing up biological differences in order to oppress women. That is a Foucauldian approach – focus on perceived power imbalances and ignore claims of fixed truth.

Ich hatte Foucault schon einmal im Zusammenhang mit Judith Butler kurz angesprochen. Der Vorteil, dass man alles erstens subjektiv und zweitens als reinen Machtkampf sehen kann, ist sicherlich etwas, was diese Theorien sehr interessant gemacht hat. Man konnte sozusagen hinter die Geschlechter sehen und dort die vermeintlichen Marionettenspieler in Form der Mächtigen und der Gruppenkämpfe sehen

Zu David Reimers:

As it relates back to David Reimer & Judith Butler, the analysis is this: Reimer did not commit suicide because he was denied his biological birthright – he committed suicide on the basis of oppressive power imbalances that denied him an autonomous relationships with his body. The issue wasn’t his removal of his penis & testicles – although that was a violation of his autonomy – but the real violation was his forced performance of femininity at the hands of authority figures. Due to restrictive norms placed onto the bodies of men & women – based on male privilege & heterosexuality – Reimer committed suicide out of his inability to properly identify with his ambiguous sexuality.

The power imbalances that authority figures manipulated in order to force David into either binary role, a man or a woman, are a reflection of fictions of sex as biological & an approach to sex relating purely to reproductive abilities. Further, the approach here is that Money & the authorities were reinforcing homophobic approaches to gender that force men to pretend they are masculine in order to never have to deal with the existential terror of admitting attraction to their father. For women, it is the same. Feminine women are that way because they are repressing lesbian impulses towards their mother.

The Freudian analysis here is that masculine men & feminine [women] are psychologically immature and need to drop the performance in order to become a self-identified human. Reimer was a person who killed himself because he could not reconcile his identity outside of gendered norms he was so thoroughly soaked in. Unable to create persona outside of masculinity & femininity, he faced that Freudian existential terror and killed himself in order to not deal with it.

Ich habe schon einmal zitiert, was Judith Butler zu David Reimer geschrieben hat. Die soziale Konstruktion und die Zerrissenheit wird dort von Butler dargestellt.

Die Schlußfolgerungen zum Feminismus sind dann wie folgt:

There are many posts of women who are completely unmoored from feminine sensibility. Many of the women assume, as feminists, it is the insufficiency of social scripts handed to women & people that prevent them from becoming „people.“ Let’s step through this.

Let’s analyze this female. She is completely a stereotypical disaffected Millennial, with the typical obsession with power, feminism and inequality. Her self-hatred bleeds through strongly & is spelled out directly sometimes. She uses feigned indifference in order to wish away her inability to develop a healthy individual identity.

She talks a big game about not being a man or woman and hating the concept of gender. This is where the Freudian analysis is applicable. Someone like her probably absolutely loathes masculine men & feminine women – especially when they are joined in a romantic relationships. She probably assuages herself that such bourgeois „expressions“ of gender are outdated and based on misogyny & homophobia.

Der Gedanke wäre also, dass ein Teil derjenigen Frauen, die keine klare weibliche Identität entwickeln können,  statt dessen diese weibliche Identität als  Ausdruck von Misogyny und Homophobie ansehen, damit sie sich selbst nicht damit beschäftigen müssen, warum sie diese Identität nicht entwickeln können. Weil man weiß, dass diese Rollen nichts für einen selbst sind werden sie und alle ihre Ausdrucksformen als schlecht geächtet. Es würde auch erklären, warum das breitbeinige Sitzen, Kinder, Küssen oder überhaupt Geschlechterperformance schon entsprechende Trigger sein können. Es passt auch zu der Theorie, dass Feminismus für einige eine Form der Krankheitsbewältigung ist und für Depressive interessant sein kann.

 

I will never understand some people’s temporal issues. It does not matter one bit if an idea is „outdated“ – what is most relevant is whether said idea is right or wrong.

The misogyny bit is based out of narcissism. As I have asserted before, accusations of misogyny are generally rooted in a female searching for male worship. Here, this female would regard such a stereotypical gender expression as misogynistic because it reflects on gendered norms – i.e. such expressions are not real but performances. The fact such a person would take so easily to the idea of life being a performance suggests narcissism, but also the narcissism is exposed by framing gender oppression through the lens of female oppression. If gender norms are oppressive to both sexes, then why view it through the female lens – because it is all about privileging men & oppressing women? The logical inconsistency is obvious here, but recall the Foucauldian sleight of hand – they will refocus the discussion on power disparities while ignoring real world logical inconsistencies. In a vain attempt to garner the attention of the masculine man (whom she finds sexually attractive) she will use anger, confrontation & general irascibility as an attempt to refocus said man’s attention on her.

Den Narzissmus könnte man darin sehen, dass eben das „frauenfeindliche patriarchische Modell“ der attraktiven weiblichen Frau nicht akzeptiert wird und daher als überholt angesehen und durch etwas ersetzt wird, in dem man selbst attraktiver ist. Deswegen sind Fatshaming, und die Pro-Fettbewegung ebenso feminstische Anliegen wie „Normschönheit“ oder „Thin-Shaming“  oder die Bekämpfung aller Normen, die irgendwie Vorgaben für Frauen bezüglich des Partnerwertes machen. Alles und nichts soll schön sein und damit auch jede Frau und insbesondere man selbst.

 

As for the homophobia, recall the Freudian analysis of the masculine man /feminine women using such fictions in order to never have to confront their homosexual desire for their same-sex parent. Recall my very first thread here about a homosexual man asserting homosexual approaches to masculinity are superior to heterosexual approaches. Once again, we have an argument for social constructions of masculinity & the concept of performance. His argument can be boiled down to the fact masculine men are just performers either using masculinity to advance their misogyny or using it to hide from their homosexual impulses.

The whole „intellectual“ arc of Butler, Foucault & Freud is steeped in narcissism and selfishness. People who subscribe to these theories are people who are unable to come to terms with their identity as a person. Instead of working on their issues like a healthy person would, they port it across society.

Take Judith Butler. She assumed every single female has the similar issues with femininity she has. You see this so often in feminism when it relates to the natural feminist – white, heterosexual, middle-class+ – they stress intersectionality so hard. They need hard & fast rules so they don’t get in narcissistic battles over whose experiences are representative of everybody’s.

That is the selfishness of gender deconstruction. The need to deconstruct other’s identities is based out of the fear of dealing with their existential issues. They believe so strongly that masculine men are that way because they are terrified of dealing with homosexual impulses is telling. They know, deep down, they are terrified of dealing with their psychological issues. They assume others have the same issues related to their sexuality & gender expression.

Also der Versuch lieber den anderen zu dekonstruieren statt sich mit der eigenen Identität auseinanderzusetzen. Und ein System, dass verhindert, dass man bei der eigenen Person tatsächlich einmal anfängt die eigene Identität zu durchdenken statt externe Positionen bei anderen aufgrund deren Akzeptanz der Rollen für die Probleme verantwortlich zu machen.

A bunch of people who haven’t realized that everybody else does not have the same issues they have. So blindingly obsessed with power that they forget the real reason we are all here – to do right by each other.

David Reimer was just a pawn in the game for social power by social constructionists. When his genitals were remove without his consent, they were more worried about gendered power structures. When he candidly talked about his denial of his male birthright they only speculated they did not have enough information to understand why he felt that way. Even when he tasted the cold, unforgiving steel of a shotgun, it still was about restrictive gender norms.

Yes, Butler, Foucault & all your „intellectual“ sympathizers, what matters most isn’t analyzing the world not through arbitrary & tainted lens of truth but considering the world through your self-absorbed understanding of power relations.

Masculinity & femininity? It’s misogyny, homophobia or whatever the hateful oppression of the day is – never consider your own psychology. What matters most is that society at large kowtow to your delusions so you can sleep better at night.

That’s all it is – demanding a good night’s sleep at the expense of a man’s life, at the expense of intellectualism

Den Gedanken, dass IDPOL auch davon getrieben wird, dass man sich selbst von Verantwortung freispricht und sie in die Gesellschaft verschiebt, um sich nicht mit sich selbst auseinandersetzen zu müssen, finde ich interessant. Es erklärt zumindest, warum im Feminismus schnell eine Opferolympiade darum beginnt, wer noch mehr durch die Gesellschaft beeinträchtigt ist und auch darum,  noch mehr externe Gründe zu finden, die einen negativen Zustandes des Einzelnen erklären. Um so stärker die hegemoniale Männlichkeit/das Patriarchat/der Rassismus im Bereich der Intersektionalität ist, um so weniger ist man für seinen Zustand verantwortlich.

Insofern wären diese Theorien insbesondere zur Verantwortungsverschiebung interessant und dies gerade für Leute, die dies besonders wollen und sich möglichst wenig mit sich selbst (außerhalb der Betrachtung, wie externe Einflüsse einen betreffen) zu beschäftigen.

Judith Butler in „Undoing Gender“ zu David Reimer

Judith Butler in Undoing Gender zu David Reimers:

David was born with XY chromosomes and at the age of eight months, his penis was accidentally burned and severed in the course of a surgical operation to rectify phimosis, a condition in which the foreskin thwarts urination. This is a relatively risk-free procedure, but the doctor who performed it on David was using a new machine, apparently one that he hadn’t used before, one that his colleagues declared was unnecessary for the job. He had trouble making the machine work, so he increased the power to the machine to the point that it effectively burned away a major portion of the penis. The parents were, of course, appalled and shocked, and they were, according to their own description, unclear how to proceed. Then one evening, about a year after this event, they were watching television, and there they encountered John Money, talking about transsexual and intersexual surgery, offering the view that if a child underwent surgery and started socialization as a gender different from the one originally assigned at birth, the child could develop normally, adapt perfectly well to the new gender, and live a happy life. The parents wrote to Money and he invited them to Baltimore, and so David was subsequently seen at Johns Hopkins University, at which point the strong recommendation was made by Dr. John Money that David be raised as a girl. The parents agreed, and the doctors removed the testicles, made some preliminary preparation for surgery to create a vagina, but decided to wait until Brenda, the newly named child, was older to complete the task. So Brenda grew up as a girl, and was monitored often, given over on a periodic basis to John Money’s Gender Identity Institute for the purposes of fostering adaptation to being a girl. Then between the ages of eight and nine, Brenda found herself developing the desire to buy a toy machine gun. Between the ages of nine and eleven, she started to make the realization that she was not a girl. This realization seems to coincide with the desire to buy certain kinds of toys: more guns, apparently, and some trucks. Although there was no penis, Brenda liked to stand to urinate. And she was caught in this position once, at school, and the other girls threatened to “kill” her if she continued. At this point, the psychiatric teams that were intermittently monitoring Brenda’s adaptation offered her estrogen, and she refused this. Money tried to talk to her about getting a real vagina, and she refused; in fact, she went screaming from the room. Money had her view sexually graphic pictures of vaginas. Money even went so far as to show Brenda pictures of women giving birth, holding out the promise that Brenda might be able to give birth if she acquired a vagina. And in a scene that could have been the model for the recent film But I’m a Cheerleader! 3 she and her brother were required to perform mock coital exercises with one another, on command. They both later reported being very frightened and disoriented by this demand and did not tell their parents at the time. Brenda is said to have preferred male activities and not to have liked developing breasts. And all of these attributions to Brenda are made by another set of doctors, this time a team of psychiatrists at Brenda’s local hospital. The local psychiatrists and medical professionals intervened in the case, believing that a mistake had been made in sex reassignment here, and eventually the case was reviewed by Milton Diamond, a sex researcher who believes in the hormonal basis of gender identity and who has been battling Money for several years. This new set of psychiatrists and doctors offered her the choice of changing paths, which she accepted. She started living as a boy, named David, at the age of fourteen. At this point, David started requesting, and receiving, male hormone shots, and also had his breasts removed. A phallus, so it was called by Diamond, was constructed for him between the age of fifteen and sixteen. David, it is reported, does not ejaculate, although he feels some sexual pleasure there; he urinates from its base. It is a phallus that only approximates some of its expected functions and, as we shall see, enters David only ambivalently into the norm. During the time that David was Brenda, Money continued to publish papers extolling the success of this sex reassignment case. The case was enormously consequential because Brenda had a brother for an identical twin, and so Money could track the development of both siblings and assume an identical genetic makeup for both of them. He insisted that both were developing normally and happily into their different genders. But his own recorded interviews, mainly unpublished, and subsequent research, have called his honesty into question. Brenda was hardly happy, refused to adapt to many so-called girl behaviors, and was appalled and angered by Money’s invasive and constant interrogations. And yet, the published records from Johns Hopkins claim that Brenda’s adaptation to girlhood was “successful,” and immediately certain ideological conclusions followed. John Money’s Gender Identity Clinic, which monitored Brenda often, concluded that Brenda’s successful development as a girl “offers convincing evidence that the gender identity gate is open at birth for a normal child no less than for one born with unfinished sex organs or one who was prenatally over or underexposed to androgen, and that it stays open at least for something over a year at birth” (Money and Green, 299). Indeed, the case was used by the public media to make the case that what is feminine and what is masculine can be altered, that these cultural terms have no fixed meaning or internal destiny, and that they are more malleable than previously thought. Even Kate Millett cited the case in making the argument that biology is not destiny. And Suzanne Kessler also co-wrote with Money essays in favor of the social constructionist thesis. Later Kessler would disavow the alliance and write one of the most important books on the ethical and medical dimensions of sex assignment, Lessons from the Intersexed, which includes a trenchant critique of Money himself. uals to talk to Brenda about the advantages of being a girl. Brenda was subjected to myriad interviews, asked again and again whether she felt like a girl, what her desires were, what her image of the future was, whether it included marriage to a man. Brenda was also asked to strip and show her genitals to medical practitioners who were either interested in the case or monitoring the case for its adaptational success. When this case was discussed in the press, and when psychiatrists and medical practitioners have referred to it, they have done so in order to criticize the role that John Money’s institute played in the case and, in particular, how quickly that institute sought to use Brenda as an example of its own theoretical beliefs, beliefs about the gender neutrality of early childhood, about the malleability of gender, of the primary role of socialization in the production of gender identity. In fact, this is not exactly everything that Money believes, but I will not probe that question here. Those who have become critical of this case believe that it shows us something very different. When we consider, they argue, that David found himself deeply moved to become a boy, and found it unbearable to continue to live as a girl, we have to consider as well that there was some deep-seated sense of gender that David experienced, one that is linked to his original set of genitals, one that seems to be there, as an internal truth and necessity, which no amount of socialization could reverse

(…)

Although David comes to claim that he would prefer to be a man, it is not clear whether David himself believes in the primary causal force of the Y chromosome. Diamond finds support for his theory in David, but it is not clear that David agrees with Diamond. David clearly knows about the world of hormones, asked for them and takes them. David has learned about phallic construction from transsexual contexts, wants a phallus, has it made, and so allegorizes a certain transsexual transformation without precisely exemplifying it. He is, in his view, a man born a man, castrated by the medical establishment, feminized by the psychiatric world, and then enabled to return to who he is. But in order to return to who he is, he requires—and wants, and gets—a subjection to hormones and surgery. He allegorizes transsexuality in order to achieve a sense of naturalness. And this transformation is applauded by the endocrinologists on the case since they understand his appearance now to be in accord with an inner truth. Whereas the Money Institute enlists transsexuals to instruct Brenda in the ways of women, and in the name of normalization, the endocrinologists prescribe the sex change protocol of transsexuality to David for him to reassume his genetic destiny, in the name of nature

(…)

Indeed, what I hope to underscore here is the disciplinary framework within which Brenda/David develops a discourse of self-reporting and self-understanding, since it constitutes the grid of intelligibility by which his own humanness is both questioned and asserted. It seems crucial to remember, as one considers what might count as the evidence of the truth of gender, that Brenda/David was intensely monitored by psychological teams through childhood and adolescence, that teams of doctors observed her behavior, that teams of doctors asked her and her brother to disrobe in front of them so that genital development could be gauged, that there was the doctor who asked her to engage in mock coital exercises with her brother, to view the pictures, to know and want the so-called normalcy of unambiguous genitalia. There was an apparatus of knowledge applied to the person and body of Brenda/David that is rarely, if ever, taken into account as part of what David is responding to when he reports on his feelings of true gender. The act of self-reporting and the act of self-observation takes place in relation to a certain audience, with a certain audience as the imagined recipient, before a certain audience for whom a verbal and visual picture of selfhood is being produced. These are speech acts that are very often delivered to those who have been scrutinizing, brutally, the truth of Brenda’s gender for years. And even though Diamond and Sigmundsen and even Colapinto are in the position of defending David against Money’s various intrusions, they are still asking David how he feels and who he is, trying to ascertain the truth of his sex through the discourse he provides. Because Brenda was subjected to such scrutiny and, most importantly, constantly and repeatedly subjected to a norm, a normalizing ideal that was conveyed through a plurality of gazes, a norm applied to the body, a question is constantly posed: Is this person feminine enough? Has this person made it to femininity? Is femininity being properly embodied here? Is the embodiment working? What evidence can be marshalled in order to know? And surely we must have knowledge here. We must be able to say that we know, and to communicate that in the professional journals, and justify our decision, our act. In other words, these exercises interrogate whether the gender norm that establishes coherent personhood has been successfully accomplished. The inquiries and inspections can be understood,along these lines, as the violent attempt to implement the norm, and the institutionalization of that power of implementation.

Undoing Gender ist immerhin von 2004. Dennoch scheint sie sich in ihren Schriften nicht mit der diesbezüglichen Forschung zu den Fällen und anderen Fällen dieser Art und den daraus sich ergebenden weiteren Theorien auseinandersetzen zu wollen. Sie hält daran fest, dass es einfach nur deswegen schief gegangen ist, weil man die Geschlechtsidentität, die man errichten wollte immer wieder hinterfragt hat, sie anscheinend nicht richtig errichtet hat. Sie sieht anscheinend nichts falsches in dem Experiment an sich, nur in seiner Durchführung.

Zum Verhältnis von Sprache und Realität bei Judith Butler

Leser El Mocho hat eine interessante Kritik an Judith Butler geschrieben, die ich gleich mal etwas prominenter herausstellen möchte:

Judith Butler ist bekannt für ihre Theorie, die sich „gegen die Annahme eines faktischen, materiellen körperlichen Geschlechts (wendet), das mit einem sozialen Konstrukt (gender) überschrieben wird. Sie geht davon aus, dass der Begriff des biologischen Geschlechts und der damit zusammenhängende Rekurs auf Naturalität selbst „eine kulturelle Norm, die die Materialisierung von Körpern regiert“ ist. (http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6rper_von_Gewicht#Materialit.C3.A4t_des_Geschlechts)

Das da die Frage naheliegt, wer denn der Konstrukteur dieses Konstruktes sei, bzw. woher denn diese kulturelle Norm stammt, wenn sie schon bei der Identitätsbildung von Menschen ansetzt, also praktisch bevor diese überhaupt handelnd aktiv werden können, weiß Butler selber. Sie schreibt:

„If gender is a construction, must there be an “I” or a “we” who enacts or performs that construction? How can there be an activity, a constructing, without presupposing an agent who precedes and performs that activity? How would we account for the motivation and direction of construction without such a subject?“ (Bodies that matter, p. 7)

Und antwortet auf die Frage:

„I would suggest that it takes a certain suspicion toward grammar to reconceive the matter in a different light. For if gender is constructed, it is not necessarily constructed by an “I” or a “we” who stands before that construction in any spatial or temporal sense of “before.” Indeed,- it is unclear that there can be an “I” or a “we” who has not been submitted, subjected to gender, where gendering is among other things, the differentiating relations by which speaking subjects come into being. Subjected to gender, but subjectivated by gender, the “I” neither precedes nor follows the process of this gendering, but emerges only within and as the matrix of gender relations themselves.” (a.a.O.)

“Suspicion toward grammar” verstehe ich so, dass sie meint, die Grammatik würde uns zwingen, zu einem Verb (einer Tätigkeit) immer ein Subjekt (das die Tätigkeit ausführt) hinzu zu denken, obwohl dies in der Realität keineswegs notwendig wäre. Etwas später im Text heißt es entsprechend:

„Construction is neither a subject nor its act, but a process of reiteration by which both “subjects” and “acts” come to appear at all. There is no power that acts, but only a reiterated acting that is power in its persistence and instability.” (p. 9) und weiter:

“Construction is neither a single act nor a causal process initiated by a subject and culminating in a set of fixed effects. Construction not only takes place in time, but is itself a temporal process which operates through the reiteration of norms; sex is both produced and destabilized in the course of this reiteration.” (p. 10)

Für mich ergeben sich da ein paar fundamentale Fragen: Wie ist das Verhältnis von Sprache und Realität? Muss nicht die Realität der Sprache notwendig voraus gehen? Muss es nicht erst Menschen (und vor allem erst eine Welt, die zumindest so stabil ist, dass in ihr evolutionäre Prozesse ablaufen können) geben, bevor es Sprache geben kann? Ist nicht der Übergang von Nicht-Sprache zu Sprache höchst fließend, von den einfachen Signallauten niedriger Tiere bis zu den schon relativ komplexen Signalsystemen nichtmenschlicher Primaten? Und wenn dem so ist, ist dann nicht Sprache notwendig von der Welt konstruiert durch Evolution (indem sie einer bestimmten Spezies einen erheblichen Selektionsvorteil verschafft) und nicht umgekehrt?

Vielleicht kenn ich Butlers Werk nicht genug, aber in diesem Buch geht sie auf diese Fragen nirgendwo ein. Und andere Sozialkonstruktivisten tun dies auch nicht; ist dies nicht ein Schwachpunkt, an dem jeder Sozialkonstruktivismus scheitern muss?

Dies gilt aus meiner Sicht zumindest für radikale Formen des Sozialkonstruktivismus, die nicht nur davon ausgehen, dass es keinen nicht durch die Gesellschaft bestimmten Zugang zur Realität gibt, sondern dass die Realität überhaupt nur das Ergebnis sozialer Prozesse ist.

Der Prozess der Konstruktion wird genauer so beschrieben:

„To “refer” naively or directly to such an extra-discursive object will always require the prior delimitation of the extra- discursive. And insofar as the extra-discursive is delimited, it is formed by the very discourse from which it seeks to free itself.” (p. 11)

Und an anderer Stelle: „The body posited as prior to the sign, is always posited or signified as prior.” oder : “To posit by way of language a materiality outside of language is still to posit that materiality and the materiality so posited will retain that positing as its constitutive condition.” (p 30)

Demnach konstruiert der Diskurs also, indem er zwischen sich selbst und den außerdiskursiven Objekten unterscheidet? Damit wird der Relativismus auf die Spitze getrieben, als würde die Existenz der Welt davon abhängen, ob sich irgendwelche menschlichen Diskurse auf sie beziehen. Hier wird ganz deutlich, dass Butler offenbar unfähig ist, sich eine unabhängig vom menschlichen Bewusstsein existierende Welt vorzustellen, sie existiert immer nur in Beziehung auf den sie erkennenden Menschen.

Natürlich ist die Welt für uns nur zugängig, indem wir uns erkennend auf sie beziehen, aber daraus folgt ja nicht, dass die ohne dieses Erkennen nicht existieren würde.

Butler fragt nirgendwo nach der Sprache, sie wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Das ist aus meiner Sicht eine große Ignoranz, aber sie ist üblich bei geisteswissenschaftlich orientierten Philosophen. Letzten Endes läuft dies auf eine solipsistische Position heraus, die das eigene Subjekt für absolut setzt, indem es die Existenz der Welt von sich abhängig macht.

Aber Butler geht ja wesentlich um Sex und Gender und nicht um allgemeine Erkenntnistheoretische Fragen. Sie schreibt:

„To “concede” the undeniability of “sex” or its “materiality” is always to concede some version of “sex,” some formation of “materiality.” Is the discourse in and through which that concession occurs not itself formative of the very phenomenon that it concedes? … there is no reference to a pure body

which is not at the same time a further formation of that body.“ (p. 10) und:

“What will and will not be included within the boundaries of “sex” will be set by a more or less tacit operation of exclusion. … there is no reference to a pure body which is not at the same time a further formation of that body.” (p. 11)

Hier passiert wieder das gleiche wie oben. Das Sexualität eine besondere Strategie im Rahmen der natürlichen Auslese sein könnte und nicht davon abhängt, wie Menschen dieses Phänomen verstehen und beurteilen, bleibt außerhalb von Butlers Horizont.

Warum kommen Menschen fast ausschließlich mit bestimmten physischen Geschlechtsmerkmalen zur Welt? Warum gibt es zwei Geschlechter?

Judith Butler hat auf diese Fragen keine Antwort und übergeht sie stillschweigend.

Die Einleitung zu Butlers Buch kann übrigens hier: http://schwarzemilch.files.wordpress.com/2009/02/butlerintroduction.pdf

Herunter geladen werden.

Judith Butler

Der poststrukturalistische Genderfeminismus und die Queertheorie sind gegenwärtig die vorherrschenden theoretischen Ansätze im Feminismus. Judith Butlers Theorien spielen in diesem Bereich eine große Rolle, so dass es Zeit wird, sich mit diesen näher zu beschäftigen.
Judith Butler

Judith Butler

1. Grundsätzliche Einordnung
Judith Butler ist dem Poststrukturalismus zuzuordnen. Sie ordnet den Bereich Geschlecht und Gender in eine Diskursanalayse ein, indem insbesondere performative Handlungen das Geschlecht hervorrufen.
Sie bedient sich dabei stark bei Sigmund Freud, Michel Foucault, Jaques Derrida, Jaques Lacan und Lous Althusser.
2. Foucault
Den Grundgedanken, dass Geschlecht ein Ausdruck der Machtverhältnisse innerhalb der Gesellschaft ist und die zur Erhaltung der Macht errichtenen Geschlechternormen die Geschlechter hervorrufen, hat sie von Foucault.
Dieser geht ebenfalls davon aus, dass unsere Gesellschaft über den Umgang mit Wissen und Macht hervorgerufen wird. Foucault geht davon aus, dass die Mächtigen innerhalb einer Gesellschaft diese so umgestalten, dass sie ihre Macht sichert. Dazu nutzen sie die Möglichkeit Wissensvorsprünge auszubauen und Diskurse zu lenken, indem sie das Wissen kontrollieren. Aus diesem Wissen heraus wird zudem das Gerüst der Gesellschaft aufgebaut. Indem bestimmte Regeln für die Gesellschaft aus der Vergangenheit heraus legitimiert werden, wird den Leuten ein richtiges Verhalten vorgegeben, dass dann von ihnen einzuhalten ist. Dabei stabilisieren sich die Regeln selbst, wenn es gelingt, einen Verstoß gegen die Regeln mit einem gesellschaftlichen Malus zu versehen, eine Befolgung der Regeln aber mit einem Bonus. Sobald das System hinreichend eingerichtet ist, versucht jeder innerhalb dieser Regeln möglichst gut darzustehen und einen Malus nach Möglichkeit zu vermeiden. Dadurch will letztendlich jeder innerhalb der Regeln leben, erkennt dabei aber nicht, dass diese eben reine Kultur sind, keine Basis haben, weil die Zuweisung, was richtig und was falsch ist, beliebig nach den Vorstellungen der Mächtigen gestaltet werden kann. Hier wird der Diskurs wichtig, der bestimmt, was überhaupt vertreten werden darf. Foucault sieht Wissenschaft insofern nicht als objektiv, sondern eben als Teil des Diskurses an: Die Gesellschaft bestimmt, was vertretbar ist und was nicht und was als Meinung präsentiert werden darf und was nicht.
2. Judith Butlers Übertragung
Butler überträgt diesen Gedanken, wie Foucault bereits vor ihr auf das Geschlechterverhältnis, wo nach ihrer Auffassung ebenfalls bestimmte Geschlechternormen errichtet worden sind, die die Errichtung der Geschlechter und deren Verhalten bewirken. Diese knüpfen an die unterschiedlichen Körper von Mann und Frau an, die aber insoweit lediglich das Unterscheidungsmerkmal bilden, dass dann über verschiedene kulturell geschaffene Regeln zur Errichtung der Geschlechterrollen führt. Körper materialisieren sich nie unabhängig von ihrer kulturellen Form, sind also immer an ihre kulturspezifische Wahrnehmung gebunden.
Diese kulturspezifischen Merkmale der Geschlechterrollen werden dann durch beständige Wiederholung gleichsam eingeübt.
Nach dieser Vorstellung gibt es ersteinmal keine Frau als Subjekt, sondern das was als Frau definiert wird ist beständig einer kulturellen Betrachtung und Veränderung unterworfen. Eine „Frau“ mit einem männlicheren Körper ist in dieser Hinsicht teilweise schon wieder den männlichen Regeln unterworfen, ist also nicht per se Frau, sondern irgendwo dazwischen. Ein Transsexueller wäre nach erfolgter Operation über seinen Körper neuen Geschlechternormen unterworfen, die aber wiederum im Fluss sind und wer welchen Normen unterworfen ist, ist ebenso im Fluss, was die Abgrenzung der Geschlechter schwierig macht. Allein der Diskurs kann nach diesen Vorstellungen festlegen, was eigentlich eine Frau und was ein Mann ist. Denn der Diskurs hätte nach diesen Theorien etwa die Macht, einem Mann mit einem zB geringen Bartwuchs die Männereigenschaft abzusprechen und ihn den Frauen zuzuordnen (wenn ich es richtig verstehe). Darauf, dass die Abgrenzung dennoch in den meisten Kulturen abgesehen von den geringen Zahlen der Intersexuellen und Transsexuellen unproblematisch ist, geht sie meines Wissens nach nicht ein.
Für Butler schafft der Diskurs damit auch gleichzeitig den Körper -durch die Sprache materialisert sich das Geschlecht, Diskurs und Materie sind insofern miteinander verbunden. Die Sprache und der Diskurs stehend damit auf einer Stufe mit der Materie. Das Sprache und Diskurs die Materie nicht verändern und die Materie unterschiedlich bleibt ist nicht relevant, weil das übergeordnete Subjekt aus den drei Elementen, Diskurs, Sprache und Materie, eben durch diese alle drei geschaffen wird. Eine Frau kann nicht Frau sein, wenn die Eigenschaft Frau nicht durch den Diskurs in seiner gerade gültigen Form geschaffen, dies durch Sprache vermittelt wird und die Unterscheidung zu anderen Geschlechtern anhand körperlicher Faktoren, an denen diese Normen ansetzen können, erfolgen kann. (vgl auch „Butler zur Konstruktion der Geschlechter„)

Genau wie bei Foucault ist dabei Wissen über diese Normen, dass über Machtfaktoren zu einer Wahrheit erklärt wird (die es aber nicht gibt, sondern nur Diskurse) ein wesentlicher Faktor. Wenn also an bestimmten Merkmalen die Eigenschaft Frau festgemacht wird und das Wissen diskursiv hergestellt wird, dass Frauen schlechter in räumlichen Denken sind und dies noch durch eine entsprechende Geschichtsschreibung historisch abgesichert wird, dann konstituiert dieses Wissen gleichzeitig, was Frauen tatsächlich können. Ein Verstoß gegen dieses Wissen, etwa dadurch, dass eine Frau in einem Bereich tätig sein will, der mit räumlichen Denken zu tun hat, wird dann als Verstoß gegen eine Geschlechternorm verstanden.
Dabei scheint mir Butler die Macht, die die Geschlechternormen konstruiert, als denzentrales, System von Normen zu verstehen, das übersubjektiv aufgebaut wird.
3. Psychoanalyse
Hier greift sie dann auch auf Freud und Lacan sowie weitere zurück, deren Theorien sie zur Bildung der Geschlechternormen heranzieht. So wird in ihren Werken diskutiert, inwieweit das Freudsche Konzept der Geschlechterherausbildung, diese Normen errichtet. Das wären dann insbesondere der Ödipuskomplex, nachdem der heranwachsende Junge seine Mutter begehrt und seinen Vater ersetzen will sowie das Inzestverbot und das Verbot der Homosexualität
4. Sigmund Freud 
Freud setzt bei der Urhorde an, deren Stammesvater ein Despot ist, der von den Söhnen verehrt und gehasst wird, insbesondere weil der Despot alle Frauen der Horde besitzen will. Deswegen haben diese den Despoten umgebracht. Die neue Gemeinschaft habe dann neue gesellschaftliche Regelungen geschaffen, die verhindern sollen, dass so etwas noch einmal passiert. Diese sehen vor, dass die Männer nur außerhalb ihrer Sippe heiraten dürfen, was also das Inzestverbot begründet hat (abenteuerliche Just so Geschichte, aber was soll man sagen).
Im Ödipuskonflikt geht Freud davon aus, dass Jungen einen Hass auf den Vater entwickeln, die Mutter aber ebenso wie diese Begehren. Wegen dieses Begehrens wiederum entwickeln sie Schuldgefühle gegenüber dem Vater sowie eine Angst vor Bestrafung, insbesondere durch Kastration (weswegen der Penis in unserer Phallokratie auch eine so enorme Bedeutung hat). Sie verlagern ihr Begehren der Mutter dann aus Angst vor der Kastration durch den Vater auf andere Frauen.
Die Mädchen wiederum begehren die Mutter, Wechseln dann aber zum Vater, weil sie in ihrem Penisneid die Mutter, die ja ebenfalls keinen Penis hat, für das Fehlen des eigenen Penis verantwortlich machen. Den der Penis wird, warum auch immer, vielleicht auch nur, weil man ihn sehen kann, als Normalfall gesetzt. Und da das Mädchen einen Penis will, ihrer aber „kastriert“ ist, begehrt sie den Penis des Vaters und dies überträgt sich auf ihre Vorliebe für Männer. Tata, Heterosexualität!
Butler wirft meinem Verständnis nach diese Figuren aber mehr in den Raum, macht anhand dieser deutlich, wie Normen enstehen können, die sich dann im Diskurs verfestigen, ohne sich (wie so oft) tatsächlich einer Meinung anzuschließen.
5. Jacques Lacan
Lacan hebt diese Situation aus dem konkreten (also der jeweilige Vater und die jeweilige Mutter) in das Abstrakte. Es komme nicht mehr darauf an, dass der Vater selbst die Kastrationsangst erzeuge, diese könne über eine Stellvertretung durch andere als „Gesetz des Vaters“ auch von anderen ausgesprochen werden. Diese Stellvertretung wiederum wirke sich dann auf die gesellschaftlichen Normen aus, die dann an die Stelle des Vaters treten. Aus der Angst vor der Kastration durch den vater wird die Angst vor einer symbolischen Kastration durch eine paternalistische Gesellschaftsnorm.
Dies fügt sich gut in die oben dargestellt Theorie ein, weil damit das Inzesttabu und die Heterosexualität über das Gesetz des Vaters zu einer gesellschaftlichen Norm ausgebaut wird, die aufgrund der Angst vor Kastration zugleich zu einer Überbewertung des Phallus, einer Phallokratie führt, in der eben gerade das besonders männliche, phallische bewahrt und zum höchsten Gut erklärt wird und Homosexualität zum Abweichen von der Norm erklärt wird, was dann wieder mit den bereits dargestellten Abzügen belegt wird.
Im Gegensatz zu Freud stellt Lacan allerdings darauf ab, dass das Kind sich in einem gewissen Stadium über Spiegel selbst entdeckt. über dieses Studium im Spiegel entsteht nach Lacan letztendlich das Ich. Weil es aber gleichzeitig im Spiegel etwas fremdes erkennt, nämlich etwas, was sich im Spiegel befindet und von seiner sonstigen, nicht Spiegelgestützten Wahrnehmung abweicht, verkennt es sich gleichzeitig selbst, weil es das Spiegelbild nicht gänzlich mit seinem Selbstbild in Einklang bringen kann, es spaltet sich in ein „imaginäres Ich“ und ein „soziales Ich“. Diese Spaltung kann erst durch die Sprache überwunden werden, die das Subkjekt formt. Hier greift das oben genannte ein, die Mutter spricht zuerst mit dem Kind, der Vater nimmt hingegen die verbietende Rolle ein und errichtet das angesprochene „Gesetz des vaters“ und die Kastrationsangst, die dann über Dritte die Gesellschaftsnorm des Begehrens errichtet.
Hier sind wir also schon etwas dichter an der eigentlich Theorie, nachdem das Kind zunächst versucht, sich selbst zu erkennen, dann aber über Diskurs und Sprache konstruiert wird und dabei in das sozial über das Gesetz des Vaters vorgegebene Begehren gepresst wird.
6. Jacques Derrida
Hinzu kommen die Theorien von Jacques Derrida, nach denen man die Geschlechterrollen wieder dekonstruieren kann, ermitteln kann, worauf sie beruhen um sich dann von ihnen zu lösen. Hierauf baut dann letztendlich auch bei Foucault der Versuch auf, diese errichteten Geschlechternormen und die Teile der Gesellschaft, die sie errichten, herauszufinden und wieder zu verändern.
Da bei Butler alles aufgrund immer wiederkehrender Wiederholung bestehen bleibt und dadurch die durch Inzestverbot und das Verbot der Homosexualität errichtete Normengebäude, folgend aus dem Gesetz des Vaters, hergestellt werden, müssen ihrer Auffassung nach neue Performitäten entgegengesetzt werden, die helfen, diese Gesetze wieder abzubauen. Es versteht sich, dass man nach diesem Aufbau insbesondere die Rolle des gesetzgebenden Vaters als Oberhaupt der Familie und die Phallokratie, also die Überbetonung der im Penis verkörperten Männlichkeit abbauen muss, da diese den Grundpfeiler des Gerüstes bildet.
7. Louis Althusser
Louis Althusser steuert diesem Mix noch den marxistischen Überbau bei. Durch diesen wird näher dargestellt, wie die Phallokratie ihre Geschlechternormen weiter absichert. Sie bedient sich dabei besonderen Akteuren, denen jeweils eine bestimmte Rolle zugewiesen ist. Ziel der Gesellschaft ist es eine obligatorische Ideologie der herrschenden Klasse (hier: phallokratische Penisträger) zu errichten. Diejenigen mit Macht versuchen die Herrschaft des Penis abzusichern (vermutlich um ihre Kastrationsangst zu bekämpfen) und das Gesetz des Vaters strikt zu befolgen. Das geschieht mit Hilfe eines Staatsapparates, der über aufgezwungene Rituale und durch die Anrufung der Subjekte durch Institute des großen Anderen, hier also wieder der Phallokratie (oder auch der hegemonialen Männlichkeit). Dabei wird nicht nur repressiv vorgegangen, sondern die Subjekte erhalten die Möglichkeit, sich als Subjekt innerhalb einer Gesellschaft zu konstituieren. Deswegen empfinden sich diese innerhalb ihrer Unterwerfung als frei. Hieraus entwickelte Foucault seine Diskurstheorie, in der die Mächtigenüber die Beherrschung des Diskurses dieses Verhältnis herstellen.
Die Normen stellen eine Unterdrückung dar, werden aber von allen akzeptiert, weil sie ihnen einen Platz vorgeben.
Erkennt man aber, dass es eigentlich nur sich verselbständigte Kastrationsängste sind, die zu gesellschaftlichen Regeln gemacht worden sind, dann kann man – quasi erwacht – aus diesem Zustand ausbrechen und bessere Regeln machen.
Dazu muss man aber die Phallokratie und damit auch die hegemoniale Männlichkeit abbauen.
Der Genderfeminismus nach Butler will genau dies.
Sein Gerüst klingt aus meiner Sicht – wenn ich es richtig verstanden habe – aber überaus wackelig.