„Frauen sind sicher keine schlechteren Menschen“ David zu Hypergamie und Partnerwahl

David sagte zum gestrigen Artikel etwas, was ich so unterschreiben würde und was ich deswegen gleich noch einmal hervorheben möchte:

Da wir hier keine Zwangsehe haben, ist die Ehe ebenso wie die Berufswahl (die wir ja Frauen gerne vorhalten) eine freie Lebensentscheidung, die Männer offenbar in Massen gerne treffen, meist ohne Ehevertrag.
Okay, man kann argumentieren, dass es als Mann ohne Ehe nahezu unmöglich ist, Kinder zu haben und mit ihnen langfristig zusammenzuleben (auch mit Ehe stehen die Chancen eher schlecht).

Eben, auch Männer haben in dieser Hinsicht die Wahl, auf was sie sich einlassen und das einfach nur unter Zwang einzuordnen ist eben ein Opfermaskulismus.

Aber Frauen sind sicher keine schlechteren Menschen.

Das finde ich einen wichtigen Satz.

“Hypergamie” wird hier maßlos überhypet, wahrscheinlich, weil sich viele halt als benachteiligt auf dem Partnermarkt sehen. Könnte bei dem einen oder anderen auch mit seinem Frauenbild zusammenhängen.

Da würde ich ebenfalls zustimmen. Ich denke auch, dass der Faktor häufig der eigenen Entlastung dient („nicht ich werde abgelehnt, Frauen sind einfach zu geldgeil und heiraten nur weit nach oben“). Paare bilden sich aber in allen Schichten und meist auf gleichen Bildungsniveau, über gemeinsame Bekannte oder den Job etc. Der einfache Angestellte kann mit seiner hübschen Kollegin zusammensein, während der Abteilungsleiter, obwohl er mehr verdient, schlechter bei Frauen ankommen kann, weil er eben weniger witzig etc ist.

Dass Frauen tendenziell statushohe Männer bevorzugen, ist nicht moralisch anders zu bewerten, wie die Bevorzugung junger, physisch attraktiver Frauen durch Männer. Auch Männer “stehen” übrigens auf statushohe Männer, als Freunde oder allgemein in der Bewertung.

In der Tat ist Status über unsere gesamte Art wichtig, wobei noch eine gewisse Tendenz hinzukommen kann, „unter sich“ zu bleiben. Wer immer nur mit dem Chef rumhängt wird vielleicht beim Rest als Aussenseiter wahrgenommen, weil er sich für etwas besseres hält etc.

Äußerlich unattraktive Männer oder ungebildete Frauen haben es ebenfalls nicht grade einfach auf dem Partnermarkt. Kaum ein erfolgreicher Mann gibt sich heute noch mit der Krankenpflegerin oder der Sekräterin ab.

Ja, ich denke auch, dass diese Konstellation heute abgenommen hat, während sie vor 20 Jahren noch üblicher war. Man lernt seine Partnerin häufig im Studium oder später im Beruf kennen, aber eher auf der gleichen Ebene. Man erwartet eben von einer Partnerin mehr als das sie Hausfrau ist und sich um die Kinder kümmert.

Und ein gesellschaftlicher Aussteiger ohne Status hat, wenn er über Aussehen und Humor verfügt, keinerlei Schwierigkeiten, Frauen flachzulegen.

„Game-Status“ bzw. Status in der Kleingruppe ist eben etwas anderes als gesellschaftlicher Status per se.  Wer Cool, witzig etc ist und Game hat, der wird auch bei Frauen entsprechend ankommen. Und tolle Frauen gibt es eben in jeder gesellschaftlichen Schicht.

Ich würde sagen, dass der „gesellschaftliche Aussteiger“ durchaus seine Abzüge hat, was etwa das Interesse von Frauen mit einer gewissen Auswahl für eine Langzeitbeziehung angeht. Aber es ist ja nicht so, dass nur die oberen 10% in ihrem Bereich eine Frau bekommen. Im Gegenteil: Die meisten Menschen auf allen Schichten haben eine Partnerschaft. Und die, die keine haben, können durchaus studiert sein, wenn sie eben ansonsten schlecht im flirten sind oder/und wenig Frauen in ihrem Umfeld haben.

Da werden graduelle Unterschiede zu Essenzialismen aufgeblasen und dann wild moralisiert, in wirklich feministischer Manier.

Auch da würde ich zustimmen. Punkte wie „Hypergamie“ wirken sich durchaus über den Schnitt aus aber bei den Chancen des einzelnen spielen andere Faktoren eine wesentlich größere Rolle.

Angst vor Unmännlichkeit bzw. Homophobie als Hindernis

Wolfgang Wenger stellt, was auch Arne bereits aufgegriffen hat, in seinem Blog die These auf, dass Männer sich nicht für Männer einsetzen, weil sie befürchten, für homosexuell gehalten zu werden.

Homophobie heißt nicht, das Männer Angst vor Homosexualität haben, sondern dass sie Angst haben, als homosexuell zu gelten!!!!

Und wie gelten sie als homosexuell? Wenn sie sich um Männerangelegenheiten kümmern!

Es gibt inzwischen viele Organisationen, die sich für Männer und Jungen einsetzen: Vafk, MANNdat, AGENS, Inclusion (http://www.forum-inklusion.eu/) und nicht zuletzt mein eigener Verein junge(n)welten e.V. (http://www.jungenwelten.de/)

ALLE haben einen Mangel an Unterstützung durch Männer.

Männer labern lieber oder beklagen sich – Hilfe fordern sie von anderen, von Strukturen, von Institutionen, sogar von Organisationen, die Frauen unterstützen!

Männer bezeichnen sich als BABYS, die unterstützt und gefördert werden müssen, wenn man sie auffordert, sich selbst zu organisieren und durchzusetzen. Was SEHR wichtig wäre!!!

Aus meiner Sicht ist der Zusammenhang mit der Furcht für Homosexuell gehalten zu werden, eher dünn. Eher plausibel erscheint mir, dass sie „um Hilfe bitten“ als Zeichen der Schwäche sehen, die sie sich so als Männer nicht eingestehen wollen. Sie wollen nicht als schwach angesehen werden.

Da spielt intrasexuelle Konkurrenz unter Männern, aber eben auch Geschlechterrollen mit hinein. Und darein kann auch wiederum Homophobie im Sinne von Wolfgang hineinspielen, weil schwul sein eben in Verbindung mit „unmännlich sein“ gelesen wird oder jedenfalls als Verstoß gegen die Geschlechterrolle.

Aktiv in dem Bereich zu werden, dass bedeutet eben auch sich angreifbar zu machen. Einer der armen Männer zu sein, die Hilfe brauchen. Das ist ein Verstoß gegen die Geschlechterrollen. Und die meisten Männer haben denke ich gelernt, dass sie sich in der Richtung lieber nicht angreifbar machen.

Ich vermute, dass „Labern und sich beklagen“ einfach in einer anonymeren Form möglich ist als aktive Mitarbeit. Mitarbeit macht einen eher sichtbar und setzt einen daher auch eher Kritik aus. Man kann sich leicht sagen, dass man neben der Arbeit und neben weiteren Bereichen dafür die Zeit nicht hat.

Worin genau besteht die Verletzbarkeit in dem Bereich?:

  • Das Fordern von Männerrechten passt nicht dazu, ein starker Mann zu sein (Wirst du armer Mann von Frauen unterdrückt?)
  • Es besteht eine starke Tabuisierung dagegen, Frauen „Rechte wegzunehmen“ oder ihnen die Verantwortung zuzuweisen. Es kann als Angriff auf die eigene Beziehung verstanden werden, weil es als Angriff auf Frauen verstanden wird.
  • Man ist sehr schnell in der Situation sich rechtfertigen und viel erklären zu müssen – und die Argumente werden schnell auch so verstanden, dass man etwas gegen Frauen hat.
  • Der Status von Männerrechtsgruppen ist sehr fraglich: Zu schnell ist man in einer Gruppe, die nicht akzeptiert ist/zu unseriös/zu frauenfeindlich/was auch immer gilt

Vor diesen potentiellen Gefahren flüchten sich Männer anscheinend gerne in ein „es betrifft mich ja nicht„, solange dies möglich ist. Wenn es sie betrifft, etwa bei einer Scheidung, dann wird eher das konkrete Problem gesehen als der große Zusammenhang, also der Kampf um die eigenen Rechte.

Vielleicht wäre es für eine breitere Unterstützung sinnvoll, kleinere Bereiche mit konkreten Fragen abzutrennen und diese als Frage nicht der Benachteiligung darzustellen, sondern als Ausdruck der Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

Ich könnte es mir beispielsweise in den Bereichen „Unterhalt“ und „Sorgerecht“ gut vorstellen, dass man dort entsprechende Kampagnen starten könnte, die man als „wir leben in einer emanzipierten Welt, da ist es ganz klar, dass Männer auch das gemeinsame Sorgerecht für ihr Kind haben müssen/dass Frauen selbst arbeiten müssen und Unterhalt beschränkt ist“. Vielleicht wäre es geschickt diese Punkte anhand von bestimmten Fällen, die die Ungerechtigkeit der gegenwärtigen Regelung ansprechen, zB wie hier, aufzuarbeiten, damit es überschaubar und abgrenzbar wird.

Das Narrativ des weiblichen Opfers ist leicht vertretbar. Es ist bekannt, es passt zur ohnehin bestehenden Rolle, es ist leicht abstrakt forderbar. Männer fühlen sich denke ich eher unwohl, wenn sie sich in diese Rolle begeben und suchen dann nach einem Halt, der bei so allgemeinen Themen wie „Jungs werden in der Schule benachteiligt“ oder „Männer werden allgemein benachteiligt“.

Es ist aber jedenfalls eine interessante Beobachtung, dass in vielen der Vereine Männer nur sehr eingeschränkt mitarbeiten und viele Frauen eher aktiv sind. Dazu würden mich Erfahrungen anderer interessieren, die in dem Bereich aktiv sind.

Wie mit Männern umgehen, die sich über Benachteiligungen beschweren?

Auf der Seite der EMMA wird die Frage gestellt, wie man denn damit umgeht, wenn Männer anführen, dass sie auch benachteiligt werden:

Sie ist eine junge Feministin. Und jedes Mal, wenn sie das thematisiert, tönen ihr solche Sätze entgegen: Die „armen Männer“ werden doch inzwischen „total ausgenutzt“. Jetzt ist sie auf der Suche nach knackigen Argumenten, die sie ihren Gegnern entgegenschleudern kann. Wer hat Ideen?

Aus den Antworten:

Jolanda rät:

Wenn im Bekanntenkreis mal wieder einer von den armen Männern rum jammert, dann bestätige ich ihn betont übertrieben, „ja, ja die Männer sind schon arm dran, haben wirklich nichts mehr zu melden …“ etc. Die Reaktionen sind folgende, entweder: 1) „Verarschen kann ich mich alleine“ – ich lächle vielsagend und damit ist das Thema erledigt. 2) Keine Reaktion – plötzlich bestätigt auf der Seite „arm“ und „nichts zu melden“ zu sein, wollen die Jungs auch nicht und lassen das Thema dann von selbst. 3) Der Jammerer geht auf meine Überteibung ein und damit ist das Thema auch durch. Das wars dann.

Das ist kein schlechter Tipp. Im Prinzip eine klassische Agree und Amplify-Taktik, also zustimmen und dann übertreiben. Und gleichzeitig der wunde Punkt vieler Männer: Ihnen steht die Opferrolle nicht. Sie lassen einen schlecht dastehen, so dass bei einer Bestätigung das Ziel voll erreicht ist und der andere an Gesicht verliert.

Was wäre die Gegenmaßnahme? Wahrscheinlich einfach ebenfalls Agree and Amplify „Stimmt, was regen sich die Männer so auf, nur behinderte Mädchen Zusatzhilfen bekommen und behinderte Jungs nicht, die kleinen Bastarde, die sollen mal lieber echte Männer werden, das sehe ich genau so. Und das Frauen im Trennungsjahr keine Arbeit aufnehmen müssen und statt dessen vollen Unterhalt verlangen können, dass ist noch nun wirklich nichts, was ist schon ein Jahr? Das muss man als echter Mann abkönnen. Und das männliche Schüler halt seltener aufs Gymnasium kommen liegt halt auch nur daran, dass sie nicht hart genug sind. Das haben die Kinder verdient“. Sollte man aber nicht zu verbittert klingen.

SaKi rät:

ie pädagogische Fachwelt hat sich unter einschlägigen Begriffen wie Genderforschung/- bewusstsein oder Diversity schon längst professionell mit Bevorzugung oder Benachteiligung aufgrund des Geschlechts auseinandergesetzt. D.h. pädagogische Theorie und Praxis sollte dies verhindern. Als schließlich in den letzten Jahren prozentual Mädchen mit guten Zeugnissen und an Gymnasien gleich auf waren mit Jungs, wurde sich nochmals speziell auf die Jungs konzentriert. Es gab auch einen Medienaufschrei, dass haben belesene TierfreundE sicherlich mitbekommen – wie gesagt, die vermutete Problematik ist nicht untergegangen.
Also muss sich dein Bekannter (stellvertretend) keine Sorgen machen. Er könnte sich im Gegenzug dafür einsetzen, dass Männer leichter Ihr Berufsleben mit der Familie vereinbaren können, oder für die Forschung zur „Pille für den Mann“ – damit sein Liebesleben selbstbestimmter wird…es gäbe schon was zu tun.

Also quasi den Schwung des Angriffs ummünzen in ein das eigene Lager ziehen: Schau, du musst einfach nur den Feminismus unterstützen, dann werden auch die Männerprobleme beseitigt, wir sind auf deiner Seite! Dass das so nicht stimmt, sondern dort eher das Feindbild Mann hochgehalten wird, wurde hier ja schon oft genug behandelt. Entsprechendes müsste man wohl erwidern.

Chibi-Chan rät:

Ich persönlich mache das so, dass ich einfach nur in einem Satz sage, dass ich das komplett anders sehe und die Position meines gegenübers für ignorant und populistisch halte. Das klingt zwar hart, ist aber die Wahrheit und ich sage es höflich und nett aber bestimmt. Entweder mein Gegenüber ist aufgeschlossen und fragt mich genauso höflich nach meiner Position und geht auf eine wirkliche Diskussion mit mir ein oder eben nicht.+

Das wäre ja dann ein Abblocken durch eine deutlich negative Reaktion, aber immerhin mit einer gewissen Gesprächsbereitschaft.

Lia rät:

Hier wurde vorgeschlagen, Antifeministen zu beschämen, indem man sie zu Jammerlappen erklärt (Ooooh, Du Armer). Das ist eine sehr gute Taktik, denn Männer können es nicht mit ihrem Selbstbild vereinbaren, schwach zu sein. Männer sind lieber „Hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder“, sie gehen durch’s Feuer und jammern nicht!
Diese Taktik wurde in Streitgesprächen auch schon von Bascha Mika angewandt („Muss ich Ihnen sagen, Sie sind ein Jammerlappen“) oder Thea Dorn („Ich weine gleich“). Damit kann man Dritte erreichen, aber der Angesprochene wird eher davon ausgehen, dass man reaktionär sei und vielleicht gewalttätig werden, um sein Männlichkeit zu beweisen.

Also auch die Abwertung der Männlichkeit nach klassischen Schema, allerdings noch gezielter auf die Person (Nicht „ihr Männer“, sondern „du armer“). In der Tat kann man damit Männer, die es nicht ertragen können als weich zu gelten, in Rage bringen. Man kann es einfach abwehren, indem man dabei ruhig bleibt und es an sich abprallen lässt. Wahlweise kann man sie als schlechten Menschen darstellen, weil sie sich über einen lustig macht, wenn man tatsächlich etwas erlitten hat („ich habe meine Tochter seit 3 Monaten nicht gesehen, aber mach dich ruhig darüber lustig, es ist schon schlimm, wenn man sein Kind liebt“) oder das persönliche zurückweisen.

Aber im Ganzen ist es ja schön, dass Feministinnen häufig darauf angesprochen werden. Das zeigt, das sich da ein gewisser Widerstand entwickelt.

 

Kognitive Dissonanz

Wenn man Geschlechterthemen diskutiert oder diskutieren will, dann kommt man immer wieder mit Leuten in Kontakt, die die eigene Meinung absolut setzen und sich weigern, diese zu hinterfragen und andere Meinung bereits als Angriff sehen und sich mit den Gegenargumenten nicht auseinander setzen wollen.

Hiermit in Verbindung steht denke ich die sog. Kognitive Dissonanz:

Kognitive Dissonanz bezeichnet in der (Sozial-)Psychologie einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere Kognitionen hat – Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten –, die nicht miteinander vereinbar sind, also eine Art von „Störgefühl“.

Etwas mehr ins Detail:

Kognitive Dissonanz tritt unter anderem auf,

  • wenn man eine Entscheidung getroffen hat, obwohl die Alternativen ebenfalls attraktiv waren;
  • wenn man eine Entscheidung getroffen hat, die sich anschließend als Fehlentscheidung erweist;
  • wenn man gewahr wird, dass eine begonnene Sache anstrengender oder unangenehmer wird als erwartet;
  • wenn man große Anstrengungen auf sich genommen hat, nur um dann festzustellen, dass das Ziel den Erwartungen nicht gerecht wird;
  • wenn man sich konträr zu seinen Überzeugungen verhält, ohne dass es dafür eine externe Rechtfertigung (Nutzen/Belohnung oder Kosten/Bestrafung) gibt.

Ist die Dissonanz stark genug, kann ihre Bekämpfung eine dauerhafte Änderung von Einstellungen und Verhalten herbeiführen. Starke Dissonanz entsteht insbesondere bei einer Gefährdung des stabilen, positiven Selbstkonzepts, wenn also jemand Informationen bekommt, die ihn als dumm, unmoralisch oder irrational dastehen lassen. In der Alltagssprache werden solche Momente als peinliche Momente bezeichnet.[1] Kognitive Dissonanz motiviert Personen, die entsprechenden Kognitionen miteinander vereinbar zu machen, wobei unterschiedliche Strategien benutzt werden, wie beispielsweise Verhaltensänderungen oder Einstellungsänderungen. Falls nötig, werden die eigenen Überzeugungen und Werte geändert, was über temporäre Rationalisierungen weit hinausgeht.

In der Geschlechterdebatte werden insbesondere die Verhalten der Geschlechter häufig in Widerspruch zur eigenen Ideologie gesehen. Es muss insofern das Verhalten dieser in Einklang mit der Ideologie gebracht werden. Man nimmt wahr, dass andere nicht nach der eigenen Ideologie leben, aber hält trotzdem an dieser Fest und muss damit einen Weg finden, wie man beides in Einklang bringt.

Weiter aus der Wikipedia:

Da Dissonanz als unangenehm empfunden wird, versuchen Personen, die Kognitionen in Einklang zu bringen (sie in eine „konsonante“ Beziehung zu bringen), um den negativen Gefühlszustand zu beenden. Die Dissonanzauflösung (auch Dissonanzreduktion genannt) kann an jedem der vier Entstehungsschritte ansetzen:

  • Der Widerspruch zwischen Verhalten und Einstellung wird heruntergespielt („So schlimm ist mein Verhalten nun auch wieder nicht.“)
  • Das Verhalten wird als erzwungen dargestellt („Ich musste so handeln.“)
  • Die physiologische Erregung wird gedämpft, meist durch Alkoholkonsum[7]
  • Die Erregung wird auf andere Ursachen zurückgeführt („Die Scheinheiligkeit der Leute nervt mich“).[8]
  • Nichtwahrnehmen, Leugnen oder Abwerten von Informationen
  • Selektive Beschaffung und Interpretation von dissonanzreduzierenden Informationen

Das wäre dann also so etwas wie „Frauen machen eigentlich genau das gleiche wie Männer“ „Frauen müssen wegen ihrer Sozialisation so handeln“ „Die ganze sexistische Kackscheiße stört mich“, das Einschließen in eine Filterbubble und das Ausschließen anderer Meinungen durch nicht Veröffentlichen von Kommentaren“, das Lesen rein feministischer Literatur“ oder auf der anderen Seite „Männer werden genauso viel sexuelle belästigt wie Frauen (um mal kontrovers zu starten“ „Männer können nicht anders wegen ihrer Sozialisation/weil sie sonst keine Frauen bekommen“ „Die Scheinheiligkeit der (ausbeuterischen) Frauen nervt mich“ kein Interesse für andere Theorien bzw. die Wahrnehmung des Verhaltens der Frau als rein ausbeuterisch.

Ich würde zur Vermeidung dieses Phänomens beiden Seiten raten, die Position der anderen Seite nachzuvollziehen versuchen, auch mal Bücher außerhalb der eigenen Ideologie lesen und sich auf Argumentationen einlassen.

Jammerfeminismus und Jammermaskulismus

In den Kommentaren ging es darum, wie sich Opfer sein im Feminismus und im Maskulismus unterscheidet. Dazu gab es die folgenden Kommentare:

Anlass war dieser Kommentar von Matthias zu dem ich etwas zu Opfer sein im Maskulismus ausführte. Leszek schlug vor, daraus einen Artikel zu machen.

Ich sagte dazu:

Sicherlich ein interessantes Thema. Wir können ja schon mal etwas vor-brainstormen

Ich hatte ja irgendwo schon einmal darauf verwiesen, dass auch der Maskulismus seine Standpunkttheorie hat, etwa in dem Sinne, dass alles was die Frau macht entweder einfach und problemlos oder eben Ausbeutung ist. Dazu diverse Verschwörungstheorien (“alle Richter sind Diener des Matriarchats” oder eben “die feministische Weltverschwörung”) Es scheint nicht so viele Wege zu geben, eine solche Einseitigkeit letztendlich umzusetzen.

Ich würde sagen, dass im Jammerfeminismus die Rolle häufig besser passt. Wohl deswegen kommt häufig im Jammermaskulismus noch mehr Aggressivität hinzu?

Welche Gemeinsamkeiten / Unterschiede würdest du denn sehen?

Leszek schrieb:

Ich denke, erstmal müssten wir eine Verhältnisbestimmung zwischen “Jammermaskulismus” und “Radikalmaskulismus” (bzw. den Äquivalenten beim Feminismus) vornehmen.

Ist das immer kongruent oder muss es das nicht zwangsläufig sein?

Gemeinsamkeiten:

Klar, die verschwörungstheoretischen Konstrukte “Patriarchat” einerseits und “Feminat/Femokratie” andererseits.

Dann die verallgemeinerten Zuschreibungen negativer Eigenschaften auf das jeweils andere Geschlecht: Frauen sind Parasiten/Männer sind patriarchalische Gewalttäter.

Die Tendenz das andere Geschlecht jeweils nur als privilegiert anzusehen: Es wird undenkbar, dass es auch auf Seiten des anderen Geschlechts signifikante Diskriminierungen und soziale Problemlagen geben kann.

Ich sehe die Aggressivität im Jammerfeminismus auch nicht unbedingt als geringer als im Jammermaskulismus. Der Opfernarzissmus begünstigt auf beiden seiten die Haltung: Ich bin Opfer, deswegen kann ich mir alles erlauben. Ist Dir mal aufgefallen, dass es gerade Jammerfeministinnen sind, die sich besonders gerne auf Valerie Solanas berufen?

Dann, wie Du richtig sagst, das erkenntnistheoretische Privileg/Standpunkttheorie. Wobei Jammerfeministinnen das ja explizit theoretisch ausgearbeitet haben, bei Jammermaskulisten ist das mehr implizit vorhanden, aber zum Glück noch ohne theoretische Basis. Wäre mir jedenfalls nicht bewusst.

Seitenblick stellte sein Ansicht wie folgt dar:

Eine Überlegung zur präziseren Erfassung der Jammerfraktionen:

Ich beobachte grob zwei recht verschiedene Typen des Jammerns bzw. der Jammerer.

Jammerer vom Typ 1 benutzen es wie eine Art Luftholen nach einer anstrengenden Sache. Dann kommt mal einiges laut raus, manches kommt überspitzt und – von außen betrachtet – ungerecht, und überhaupt sind alle doof.

Danach – und das ist der Witz – sind bei diesen Leuten wieder Energien da, um etwas zu verändern. Typ-1-Jammerer sagen anschließend manchen Leuten mal die Meinung, verabschieden sich vielleicht auch von belastenden Situationen, gehen die Problemfelder an, räumen also mal ein bisschen auf.

Und gut ist’s. Danach kommt Typ 1 auch erst mal ohne Jammerei durchs Leben. Bis zum nächsten Anlass.

Jammerer Typ 2 geht ganz anders vor. Dieser Typ findet mehr und mehr Gefallen an der Jammerei und richtet sich darin geradezu behaglich ein. Die Vorteile (bemitleidet werden, arme Unschuld sein etc.) schmecken halt so gut – da ignoriert man auch den Nachteil, dass man bei der Dauerjammerei als handelndes Subjekt nur noch sehr eingeschränkt vorkommt.

Zum inneren Einrichten gehört, die Jammeranlässe immer zu repetieren, ja geradezu zu zelebrieren. Für Letzteres braucht man eine Gruppe von Mitjammerern.

Weil es ein Prozess ist, zum Typ-2-Jammerer zu werden, kommt eine immer stärker werdende selektive Wahrnehmung dazu (der Jammer-Anlass wird verallgemeinert, manchmal sogar zu einem geschichtsbestimmenden oder metaphysischen Prinzip erklärt). Man erkennt diesen Typ m.E. an dem Verhältnis zwischen Jammerei und Aktion. Muss ich ausführen, welche Seite eindeutig die Oberhand hat?

Ich finde beide Typen bei sogenannten Maskulisten und Feministen und sonstigen -isten.

Leszek ergänzte noch wie folgt:

Ich habe den Eindruck, dass Jammermaskulisten im Schnitt passiver sind als Jammerfeministinnen. Die Verknüpfung von Jammern und konkretem Engagement scheint Jammerfeministinnen tendenziell leichter zu fallen.

Jammerfeministinnen haben m.E. nicht selten einen eher höheren Bildungsgrad (Gender Studies-Studentin oder so), ich weiß nicht, ob das bei Jammermaskulisten genauso ist.

Ich habe den Eindruck, dass bei Jammerfeministinnen der Opfernarzissmus häufiger in unrealistischen Appellen an die Umwelt zum Ausdruck kommt, ihre Ansprüche zu erfüllen. Jammermaskulisten scheinen mir hier im Schnitt pessimistischer zu sein.

Jammerfeministinnen sind häufiger sexualfeindlich als Jammermaskulisten, allerdings – auch bei Jammermaskulisten kommen sexualfeindliche Einstellungen m.E. häufiger vor als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Frage ist also, wie gejammert und gelitten wird, ob es Unterschiede im Maskulismus und Feminismus gibt, was damit erreicht werden soll und welche Umstände jeweils das Jammer erleichtern.