Biologische Selektion, insbesondere sexuelle Selektion und kulturellen Praktiken

Bereits häufiger wurde in einer Diskussion der Unterschied zwischen sexueller Selektion und kulturellen Praktiken vermischt. Daher hier eine kurze Abgrenzung:

  • kulturelle Praktiken sind solche, die jederzeit änderbar sind und insoweit keine biologische Grundlage haben
  • Biologische Selektion setzt voraus, dass das Verhalten oder die Vorlieben aufgrund biologischer Grundlagen entstehen oder zumindest, dass aufgrund dessen bestimmte Gene selektiert werden, die mit einem bestimmten Verhalten in Verbindung stehen

Beides kann Überschneidungen haben: Kochen beispielsweise ist eine kulturelle Praxis. Wird sie lange genug praktiziert, dann kann dies zu einer Selektion führen, die damit in Verbindung steht, beispielsweise eine Veränderung des Verdauungstrakts weg zu einem solchen, der rohes Fleisch oder rohe Pflanzen verdaut, hin zu einem, der gekochte Nahrung verdaut. Das wiederum kann dazu führen, dass kulturelle Praxis und biologische Selektion sich gegenseitig beeinflussen: Weil die Verdauung immer mehr auf nicht rohe Speisen ausgerichtet ist, kann die kulturelle Praxis, Nahrung zu kochen immer schwerer aufgegeben werden. Kochen selbst ist aber nichts, was „in unseren Genen liegt“. Es passt nur sehr gut zur Ausrichtung unseres Körpers, da wir Probleme mit der Verdauung haben.

Bei sexueller Selektion gibt es

  • intersexuelle Selektion: Also Selektion durch das andere Geschlecht: in unseren Genen ist abgespeichert, was wir attraktiv finden, dass kann sich auf den Körper oder Verhalten oder aber auch zB Punkte wie Status, Ressourcen, soziale Verbindungen beziehen.
  • intrasexuelle Selektion: Also Selektion durch das eigene Geschlecht: Gene, die einem dabei helfen, sich im Wettkampf um Fortpflanzungsmöglichkeiten durchzusetzen, reichern sich an, was sich auf „Körper“ und „Geist“ (im Sinne des Gehirns) auswirken kann. Beispielsweise kann eine Selektion auf direkte Konkurrenz stattfinden (zB bei Gorillas, die andere Männchen von ihrer Frauengruppe mit Gewalt fernhalten) oder auf das Streben, möglichst hoch in einer Hierarchie zu stehen (etwa bei Schimpansen), um so die eigene genetische Qualität und Überlegenheit zu signalisieren, damit die Weibchen sich eher mit einem Paaren wollen. In dem einen Fall ändern sich beispielsweise Muskeln und Körpergröße, in dem anderen Fall das Gehirn.

Auch dabei können kulturelle Praktiken bestimmte Selektionen begünstigen oder am Anfang dieser stehen. Solange aber das Verhalten nicht durch eine biologisch bedingte Motivation oder Vorliebe oder darauf ausgerichtete Denkweise begünstigt ist, die genetisch in die nächste Generation übertragen wird, also vererbbar ist, handelt es sich nur um eine kulturelle Praxis.

Natürlich kann die Abgrenzung, wann was vorliegt schwierig sein und es kann sich um bloße Vermutungen handeln. Theorien können hier aber dennoch auf bestimmte Fakten gestützt werden, die dafür sprechen.

Das können beispielsweise unterschiedliche Hormonstände sein, die sich nachweisen lassen, oder bestimmte Gruppen mit biologischen Besonderheiten, die zu einem bestimmten Verhalten führen, aber auch das Vorfinden einer Regel über das gesamte Tierreich kann dies nahelegen („Status ist über alle Wesen mit Hierarchien ein Partnerwahlkriterium“ „bei Tieren mit starker intrasexueller Konkurrenz, die auch körperlich ausgetragen wird, ist das Geschlecht, welches von dieser betroffen ist, größer und kräftiger“ etc

Unterschiede in körperlicher Kraft und Selektionen auf Kampf bei Männern und Frauen

Eine interessante Studie untersucht die „Kampffähigkeiten“ der Geschlechter:

In many nonhuman species, has received little attention as an explanatory variable in the social sciences. Multiple lines of evidence from archaeology, criminology, anthropology, physiology, and psychology suggest that fighting ability was a crucial aspect of intrasexual competition for ancestral human males, and this has contributed to the evolution of numerous physical and psychological sex differences. Because fighting ability was relevant to many domains of interaction, male psychology should have evolved such that a man’s attitudes and behavioral responses are calibrated according to his formidability. Data are reviewed showing that better fighters feel entitled to better outcomes, set lower thresholds for anger/aggression, have self-favoring political attitudes, and believe more in the utility of warfare. New data are presented showing that among Hollywood actors, those selected for their physical strength (i.e., action stars) are more likely to believe in the utility of warfare.

Quelle: The Importance of Physical Strength to Human Males (PDF, Volltext)

Die Ausgangslage wird in dem Artikel wie folgt dargestellt:

Convergent evidence from multiple sciences shows that these same selection pressures have actively designed the phenotype of human beings, particularly that of the adult male. Both anthropological (Low 1988) and genetic (Hammer et al. 2008) evidence indicates that humans, like many other mammalian species, are effectively polygynous—in other words, there is greater fitness variance among males than among females. This means that the upper limit of a man’s potential reproductive success is far greater than a woman’s, but there is also a much greater chance that he will die without leaving any descendants at all. Consequently, there was stronger selection on males to be willing to get involved in violent, aggressive competition with other males (Daly and Wilson 1988) as the benefits of competition were proportionally larger and the costs of failure smaller. Moreover, in addition to shaping a male psychology that is willing to use risky aggression to resolve conflicts of interest with other males, the selection pressures associated with effective polygyny will also have favored the evolution of anatomical and physiological traits in males that are important for success in such encounters.

Das ist für Leser dieses Blogs nichts neues: Das Männer einer hohen intersexuellen Selektion und einer starken Konkurrenz unterliegen, war wiederholt Thema. Dazu findet sich auch eine interessante Passage in dem Artikel:

Contrary to common belief, human violence has been steadily declining over recorded history (Daly and Wilson 1988; Eisner 2001). The modern pacification of human beings has led scholars to underestimate the frequency of aggression in ancestral societies (Payne 2004). Indeed, it is difficult for the average citizen of the Western world, without anthropological training, to appreciate the pervasiveness of aggression and violence among the males of many small-scale societies. Lawrence Keeley (1996) shows that across a spectrum of contemporary foraging societies (e.g., Jivaro, Yanomamo, Mae Enga, Dugum Dani, Murngin, Huli, and Gubsi) the percentage of all male deaths that arise from violent confrontations with other males can average more than 30%.

In contrast, in the modern United States homicide is only the fifteenth most common cause of death, accounting for 0.8% of male deaths in 2007 (Centers for Disease Control and Prevention 2010). To put this in perspective, if modern Western societies had homicide rates as high as some foraging peoples, a male graduate student would be more likely to be killed than to get a tenure-track position.

While modern foraging people are not the ancestors of modern humans, their lifestyles resemble those of our ancestors in important ways, including the lack of modern medicine, police, formalized written systems of law, nation-state militaries, and other features of modern society with implications for the possibility and utility of using physical aggression to resolve conflicts of interest (Kelly 1995).

More direct evidence of the prevalence of combat during human evolutionary history comes from archaeological records and excavations from which forensic evidence has been gathered (Keeley 1996; Walker 2001). These show a high prevalence for physical aggression as well as the male bias in frequency. Similar findings emerge from examinations of the historical record going back hundreds of years (Daly and Wilson 1988).

The most compelling evidence that human males have undergone selection for the efficient deployment of physical aggression is the sheer number of features that (when compared with women) show evidence of special design for this purpose. Table 1 lists some of the documented sex differences that likely resulted from more intense selection on males for physical aggression. Because of the inherent similarities between damaging the phenotypes of prey and conspecific competitors, it is difficult to know how much of this design was the result of selection for hunting ability rather than success in aggressive encounters with conspecifics. Nonetheless, once a design feature had been favored by natural selection because of its benefits in one domain, the cost of participating in the other would be lowered: for example, if males evolved features that allowed for the efficient pursuit and subduing of prey, these same features would have lowered the costs of conspecific aggression, and vice versa.

Demnach finden sich in den verschiedensten Stämmen Anzeichen für Gewalt im Rahmen intrasexuellen Wettbewerbs und dies wird auch durch archäologische Funde gestützt. Zudem zeigen sich entsprechende Selektionen an den Menschen, wobei diese eben abzugrenzen sind zu den Selektionen für eine Jagd und der für Kämpfe gegen Menschen.

Interessant ist, welche Auswirkungen dieser Selektion man heute noch finden kann:

Körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau als Selektion auf Kampf

Körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau als Selektion auf Kampf

Ich hatte meinerseits auch schon einmal eine Liste zusammengestellt, die im wesentlichen damit übereinstimmt:

  • Männer wiegen etwa 15% mehr als Frauen
  • Männer sind im Schnitt 15 cm größer als Frauen
  • das Hüfte-Taile Verhältnis ist anders, Männer haben schmalere Hüften
  • Das Brust-Tailen Verhältnis ist anders: Männer haben normalerweise einen größeren Brustumfang
  • Der Oberkörper von Männern ist im Schnitt 40-50% stärker
  • der Unterkörper von Männern ist im Schnitt 30% stärker
  • Männer haben relativ zu ihrer Körpergröße mehr Lungenvolumen (ca. 30%)
  • Ellenbogen und Knie sind beim Mann c42-60% stärker
  • die Haut von Männern ist dicker und fettiger
  • Männer haben mehr Körperbehaarung als Frauen
  • Frauen haben einen höheren Körperfettanteil
  • Frauen haben einen niedrigeren Blutdruck, Frauenherzen schlagen dafür etwas schneller
  • Männer haben mehr androgene Hormone, Frauen mehr Estrogene
  • Männer haben im Schnitt 5,2 Millionen rote Blutkörperchen pro Kubikmililiter, Frauen 4,6 Millionen
  • Männer haben mehr Hämoglobin als Frauen und können daher mehr Sauerstoff speichern
  • Männer haben im Verhältnis zu ihrem Körper ein um 10% größeres Herz
  • Der Grundumsatz von Männern ist etwa 10% höher als der von Frauen
  • Männer haben stärkere Knochen
  • Frauen wandeln mehr ihrer Nahrung in Fett um, Männern mehr in Muskeln
  • Männer können mehr Hitze abgeben, weil sie mehr Schweißdrüsen haben
  • Frauen haben mehr weiße Blutkörperchen (bessere Imunabwehr)
  • Männer haben mehr Gerinnungsfaktoren und Inhibitoren im Blut (schnellere Wundheilung)

Im Text werden dann auch noch ein paar Zahlen genannt:

Consequently, it is intriguing to note that in modern humans sex differences in muscularity are most pronounced for the upper body, with males on average having 78% greater upper-arm muscle volumes than females while the difference for thigh muscle volumes is only 50% (Lassek and Gaulin 2009), and that these differences in muscle volume lead to predictable differences in strength. For example, Stoll et al. (2000) found that adult males are able to exert 77% more force across various measures of upper-limb strength, but only 58% more force on measures of lower-limb strength. In young adults specifically, Bohannon (1997) found sex differences in strength of 92% for upper- and only 58% for lower-limb muscle actions. These patterns are consistent with the idea that upper-body strength in particular has been of critical importance in male intrasexual competition. Finally, the literature on strength assessment demonstrates the importance of upper-body strength in judgments of fighting ability

Die Studie geht dann noch darauf ein, inwieweit Körperkraft mit der Einstellung zu beispielsweise Krieg einhergeht. Dies wird wie folgt begründet:

According to the recalibrational theory of anger, anger is an adaptation designed by natural selection to regulate conflicts of interest in ways that lead the target of anger to increase the weight placed on the interests of the angry individual when making decisions (Sell 2005, 2011; Sell et al. 2009). The anger system responds to cues indicating that the target does not value the angry individual’s welfare very highly: for example, the target imposes large costs on the angry individual for trivial benefits; the target thinks the angry individual is weak, ineffectual, or unworthy of trust; or the target is uninterested in the wants or needs of the angry individual. Once triggered, the anger system then deploys negotiative tactics such as cost imposition and benefit withdrawal that incentivize the target to recalibrate the weight they will put on the angry individual’s welfare in the future.

Das ist auch eine interessante Darstellung für Leute, die Beeinflussungen des Verhaltens aus der Biologie ablehnen: Bestimmte „Geisteszustände“ sind sozusagen „Konfigurationen“ des Körpers für bestimmte Situationen, die sich als evolutionär vorteilhaft herausgestellt haben: Stress mag zB „Fight or flight“ hervorrufen, Ärgerlich sein kann einem helfen seine Position zu verteidigen und nicht als zu leicht unterzubekommen angesehen zu werden, Angst hilft einem, sich zu schützen. Ich hatte dazu schon mal etwas geschrieben.

Die Studie weiter

Because cost infliction is one tactic that anger deploys to bargain for better treatment, and because personal fighting ability is one subcomponent of one’s ability to impose costs generally, it follows that males who are better fighters will have more power to bargain for better treatment. This increase in bargaining power will make anger more effective for better fighters (all else being  equal), and lead better fighters to feel entitled to better treatment from others, deploy anger more readily, use physical aggression more frequently, and succeed more in conflicts. These relationships have been shown empirically in multiple U.S. samples (Sell et al. 2009) and among non-Westerners such as East Indians (Archer and Thanzami 2007), the Aka of the Central African Republic (Hess et al. 2010), and the Tsimane of Bolivia (Sell et al. 2012). (…)

In contrast to the situation in ancestral environments, interpersonal physical aggression is rarely used within modern Western societies to resolve conflicts of interests. However, if human males evolved facultative mechanisms that are calibrated by assessments of their own fighting ability and the fighting ability of others, then these processes are predicted to continue to exert effects on behavior in contemporary environments in ways that are not rational. Just as human phobias are calibrated for ancestral dangers (Marks and Nesse 1994), our faculties that govern interpersonal conflicts, feelings of entitlement, political decision-making, sexual attitudes, and a host of other domains of human interaction were designed in an environment in which violence was much more common than today. In such an environment, one’s probability of successfully imposing one’s will on another and the probability of resisting another’s will were partly a function of one’s personal fighting ability and the fighting ability of those one could count as allies. This idea, that decision-making mechanisms and motivational systems evolved as solutions to problems faced by our ancestors in past environments, and that consequently they may not necessarily produce optimal outcomes in contemporary environments, is a core element to the evolutionary psychological approach (e.g., Tooby and Cosmides 1990).

If ancestral males could benefit from making facultative adjustments to their sense of entitlement and willingness to impose on others according to assessments of their own personal fighting ability, then we should expect evidence for such mechanisms to persist in modern humans. Specifically, this predicts that in our modern world, even when the rational effect of upper-body strength has been minimized owing to modern weaponry, comparatively low rates of violent interpersonal aggression, the existence of large and well-regulated police forces and judicial systems, and the extinction of or markedly reduced exposure to natural predators, a man’s mental faculties will still respond in predictable ways to his personal fighting ability. In other words, the effect of physical  strength on the minds of modern men in theWestern world should be far greater than is warranted from a reasoned analysis.

Die Studie stellt dann fest, dass kräftigere Schauspieler eher dem Repubikanischen Lager nahestehen, weniger kräftigere eher den Demokraten und das sich Mitglieder dieser jeweiligen Lager im Schnitt eher für Fortsetzung kriegerischer Aktivitäten bzw. für deren Beendigung aussprechen. Da sind also einige Unsicherheiten drin, da eine reine Parteizuordung erfolgt und die Schauspieler nicht zu ihren Ansichten befragt worden sind.

Interessant ist vielleicht noch, dass sich durch die dort gebildeten Lager zieht: Aktionsstars sind ehe Republikaner, Dramadarsteller eher Demokraten, Komödianten auch, innerhalb dieser Lager sind die kräftigeren dann wieder eher Republikaner.

Die Schlußfolgerung der Studie:

Upper-body strength in adult males is a crucial variable that appears to have impacts on a wide range of mental mechanisms that were designed by natural selection at a time when personal physical aggression was far more common and individual differences in fighting ability were far more relevant for the resolution of conflicts, the deployment of anger and aggression, the calibration of political attitudes, and the consequences of warfare. Despite the steady decline in physical aggression and violent deaths that have accompanied Western civilization, the human mind is still designed for ancestral environments (Tooby and Cosmides 1990), and this is evidenced by many lines of research. Sex differences in body size and strength, perceptual and spatial abilities, and physiological systems still show combat design in adult men. The existence of assessment mechanisms in the minds of men and women that track and respond to cues of upper-body strength also testify to the importance fighting ability had for our ancestors. And finally the persistence of associations between upper-body strength and psychological and behavioral variables in modern men shows how powerful the selection pressures were: physically stronger men have been shown to feel more entitled to better outcomes, to set a lower threshold for the triggering of anger and physical aggression, to have more self-favoring attitudes about income redistribution, and to believe more in the utility of warfare.

Einige der Schlußfolgerungen sind aus meiner Sicht etwas dünn. Aber die körperlichen Unterschiede lassen darauf schließen, dass hier eine Selektion in diese Richtung erfolgte. Nimmt man die Untersuchung über die Unterschiede im Gesicht und deren Selektion auf die Auswirkung von Gewalt hin, dann würde ich die Theorie, dass eine entsprechende Selektion erfolgt ist schon für sehr schlüssig halten. Mentale Selektionen in diese Richtung sind dann ebenfalls zu erwarten. Gleichzeitig ist ebenso damit zu rechnen, dass Männer Systeme entwickeln die Kosten von solchen Konfrontationen gering zu halten, etwa durch Hierarchien oder die Verlagerung von Konkurrenzkämpfen in einen unblutigen Bereich.

Evolutionäre Theoriewoche: Natürliche und sexuelle Selektion (3. Tag)

Dieser Beitrag ist Teil der evolutionären Theoriewoche

Das heutige Thema ist:

Natürliche und sexuelle Selektion / Konkurrenz

Natürliche und sexuelle Selektion von Mutationen nach dem Prinzip egoistischer Gene ist das zentrale Element in der Evolutionsbiologie.

Natürliche Selektion ist dabei noch relativ bekannt, auch wenn es hier viele Fehlvorstellungen gibt. Es geht eben nicht im das „Überleben des Stärkeren“, sondern um die Verbesserung von Fortpflanzungsmöglichkeiten durch Selektion auf daran an besten angepasste Gene. Wobei Fortpflanzung hier weit zu verstehen ist und umfasst, dass man lang genug leben muss, damit man sich fortpflanzen kann.

Sexuelle Selektion ist unbekannter, aber ebenso von hoher Bedeutung. Aus einem Übersichtsartikel:

  • Neben der “natürlichen Selektion” gibt es noch die sexuelle Selektion. Dabei ist zu unterscheiden zwischen “intrasexueller Selektion (Konkurrenz innerhalb eines Geschlechts) und intersexueller Selektion (Zucht des einen Geschlechts durch das andere zur Auswahl von Fortpflanzungspartnern).
  • bei der sexuellen Selektion wirken sich die verschiedenen Kosten des Sex aus und die Wahrscheinlichkeit sie zu tragen aus. Als Kosten sind insbesondere zu berücksichtigen: Die evolutionär relevanten Mindestkosten des Sex bzw. die Frage, ob Nachwuchsbetreuung erfolgt und wer sich dieser besser entziehen kann. Bei Menschen trägt die Frau über die Schwangerschaft die höheren evolutionär relevanten Mindestkosten, bei einem Mann betragen diese lediglich die Kosten des Sex an sich. Gleichzeitig kann der Mann, da Menschen Säugetiere sind (im Gegensatz zu bestimmten Fischen, bei denen erst die Eier abgegeben und anschließend befruchtet werden) und damit zwischen Sex und Geburt zumindest 9 Monate liegen, sich unter steinzeitlichen Bedingungen theoretisch leicht den Kosten der Schwangerschaft entziehen, während die Frau dies nicht kann und über die Stillzeit zudem noch weitere Kosten trägt.
  • sexuelle Selektion führt häufig dazu, dass das Geschlecht,welches einer Auswahl unterliegt (dies können auch beide Geschlechter sein) Eigenschaften, die günstige Faktoren für die Weitergabe der Gene sind, darstellen will. Dies kann durch Körperausformungen (Pfauenschwanz, weibliche Brüste beim Menschen) oder Ausformungen im erweiterten Phänotyp (Bieberdamm, Darstellung von Verfügugnsgewalt über Ressourcen) erfolgen oder dadurch, dass man zeigt, dass man trotz bestimmter zusätzlicher Lasten überlebt (Handicap-Prinzip; zB ebenfalls der Pfauenschwanz, Großzügiges Teilen beim Menschen). Dies kann auch zu einer Verselbständigung bestimmter Merkmale führen, die dann allein deswegen weiter entwickelt werden, weil sie attraktiv sind (Sexy Son Theorie)
  • Evolutionäre Strategien bei der sexuellen Selektion beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Frauen aufgrund ihrer höherer Kosten im Gegenzug von Männern für die Gelegenheit zur Fortfplanzung (=Sex) eine langfristige Beteiligung an den Kosten der Aufzucht verlangen und dies über eine emotionale Bindung abgesichert sehen wollen, dann erhöhen sich die Kosten für diese Art der Bindung für Männer, was dann wieder eigene Strategien, insbesondere bei der Partnerwahl für eine langfristige Bindung ändert.
  • bei Intrasexuelle Konkurrenz geht es um den Zugang zu Ressourcen, die der Fortpflanzung dienen. Darunter kann bei abstrakter Betrachtung auch der dazu erforderliche Fortpflanzungspartner gerechnet werden. Wie dieser zu den Beschränkungen des Zugangs zu ihm steht ist dann wieder eine Frage intersexueller Konkurrenz.
  • Intrasexuelle und intersexuelle Selektion beeinflussen sich: Wenn eine Spezies eine starke intrasexuelle Selektion vornimmt, dann erlauben Gene, die in diesem Wettkampf Vorteilhaft sind, die bessere Weitergabe der eigenen Gene (Sexy Son Theorie). Die Verwertung der Faktoren, die eine Durchsetzung innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz ermöglichen in der intersexuellen Konkurrenz durch biologisch abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale kann also die Weitergabe der eigenen Gene erleichtern und entsprechende Gene können sich daher im Genpool anreichern. Gleichzeitig lohnt es sich dann wiederum, diese Merkmale mehr zu zeigen und auch Personen des auswählenden Geschlechts, die diese Merkmale beim anderen Geschlecht mögen zu bevorzugen, weil deren Nachkommen dann ebenfalls erfolgreiche Partner wählen werden (usw.).

Wichtig für das Verständnis ist aus meiner Sicht auch, dass intersexuelle Selektion dann im starken Umfang stattfinden kann, wenn die Kriterien in den Genen abgespeichert sind, also eine biologische Vorliebe für eine bestimmte Eigenschaft entstanden ist.

 

 

Geschlechterunterschiede im Gesicht als Anpassung an Kampf?

Eine Studie wirft die These auf, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf eine verstärkte Anpassung der Männer an Kämpfe beruhen könnte:

When humans fight hand-to-hand the face is usually the primary target and the bones that suffer the highest rates of fracture are the parts of the skull that exhibit the greatest increase in robusticity during the evolution of basal hominins. These bones are also the most sexually dimorphic parts of the skull in both australopiths and humans. In this review, we suggest that many of the facial features that characterize early hominins evolved to protect the face from injury during fighting with fists. Specifically, the trend towards a more orthognathic face; the bunodont form and expansion of the postcanine teeth; the increased robusticity of the orbit; the increased robusticity of the masticatory system, including the mandibular corpus and condyle, zygoma, and anterior pillars of the maxilla; and the enlarged jaw adductor musculature are traits that may represent protective buttressing of the face. If the protective buttressing hypothesis is correct, the primary differences in the face of robust versus gracile australopiths may be more a function of differences in mating system than differences in diet as is generally assumed. In this scenario, the evolution of reduced facial robusticity in Homo is associated with the evolution of reduced strength of the upper body and, therefore, with reduced striking power. The protective buttressing hypothesis provides a functional explanation for the puzzling observation that although humans do not fight by biting our species exhibits pronounced sexual dimorphism in the strength and power of the jaw and neck musculature. The protective buttressing hypothesis is also consistent with observations that modern humans can accurately assess a male’s strength and fighting ability from facial shape and voice quality.

Quelle: Protective buttressing of the hominin face

Protective Buttressing ist sozusagen das Einziehen besonderer Stützpfeiler in der Architektur, also ein Verstärken von besonders belasteten Bereichen. Die Studie führt einige interessante Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf:

Although humans are generally viewed as exhibiting low to moderate levels of sexual dimorphism (McHenry, 1994; Plavcan, 2001, 2012; Reno et al., 2003), the relatively low body mass dimorphism of humans is largely a consequence of human females having substantial fat stores (Pond & Mattacks, 1987). When fat-free masses are compared, men are 41% more massive (Mayhew & Salm, 1990; Lassek & Gaulin, 2009) and have 48–65% more muscle mass than women (Illner et al., 2000; Abe, Kearns & Fukunaga, 2003; Kim et al., 2004; Shen et al., 2004). As in gorillas (Zihlman & McFarland, 2000) and australopiths (McHenry, 1986, 1991, 1996), the upper body of humans exhibits more sexual dimorphism in size and strength than do the legs (Abe et al., 2003; Raadsheer et al., 2004; Lassek & Gaulin, 2009; Price et al., 2012). Among young adults, the muscles of the arm are 69–109% stronger in males than in females, whereas strength dimorphism of leg muscles range from only 23 to 66% (Bohannon, 1997). The most sexual dimorphic part of the human body, in terms of muscular strength, may be the neck. Maximum moments produced by the muscles of the neck are 100–150% greater in men than in women (Vasavada, Li & Delp, 2001). Pronounced sexual dimorphism in cervical muscles is surprising given that humans do not fight by biting with the jaws. However, as discussed above, energy absorption by the muscles of the neck can protect against concussion when the head is struck. Thus, humans do show very high levels of sexual dimorphism in the parts of the postcranial musculoskeletal system that appear to be most important in fighting (Lassek & Gaulin, 2009; Puts, 2010; Carrier, 2011; Sell, Hone & Pound, 2012; Morgan & Carrier, 2013).

Because sexual dimorphism is often greatest in those characters that enhance a male’s capacity to dominate other males (Clutton-Brock & Harvey, 1977; Parker, 1983; Andersson, 1994), the observation that the face is the primary target when males fight leads to the expectation of sexual dimorphism in buttressing of the human face (Puts, 2010). The protective buttressing hypothesis predicts that the most dimorphic parts of the hominin skull will be those that are most frequently injured during fighting, namely the mandible, nasal region, zygomatic arch, orbit and maxilla.

Also erheblich mehr Muskeln bei Männern, aber auch an Stellen, an denen sie eigentlich nur zum Auffangen von Energie Sinn machen.

As predicted, the parts of the human facial skeleton that exhibit marked sexual dimorphism are also the parts of the skull that most frequently fracture when people fight (Table 1). First, as described above, the face of humans exhibits much more sexual dimorphism than the neurocranium and fractures of the face as a result of fighting are much more common than fractures of the neurocranium (Shepherd et al., 1990; Boström, 1997). Second, although relative frequency of fracture type varies among the studies included in Table 1, the sites of facial fracture are the same in each study. Of the mandibular fractures in the Bristol study, 25.4% were to the condyle or coronoid, 35.6% were to the ramus, 35.6% to the angle, and 3.4% to the symphysis. Additionally, the nasal region, zygoma and orbit are also sites of frequent injury and exhibit relatively high sexual dimorphism. Thus, a dramatic correspondence exists between the parts of the skull that are most sexually dimorphic and the parts that most frequently fracture during fighting.

Es zeigen sich also gerade dort mehr Unterschiede, wo zur Vermeidung eines Kampfes Verstärkungen notwendig waren.

Given that humans have relatively small canine teeth, exhibit low canine sexual dimorphism (Frayer & Wolpoff, 1985; Wood et al., 1991; Plavcan & van Schaik, 1997) and rarely bite during fighting (Shepherd et al., 1990; Boström, 1997), it is puzzling that humans exhibit significant sexual dimorphism in the strength of their jaw adductor muscles. Five studies that measured maximum bite force in men and women indicate that, on average, men produce 34.3 ± 10.5% (mean ± S.D.) greater forces than women (Klatsky, 1942; Waltimo & Könönen, 1993; Braun et al., 1995; Raadsheer et al., 2004; van der Bilt et al., 2008). This level of sexual dimorphism is only 7–20% below estimated sexual dimorphism in bite force of gorillas and orangutans (Demes & Creel, 1988; Eng et al., 2013); species in which biting is an important male fighting behaviour. The human masseter muscle also exhibits substantial gender differences in the proportion of fast-twitch (type II) muscle fibres. The average cross-sectional area of type II fibres in the masseter muscle averages 66.9% in males and only 8.3% in females (Tuxen, Bakke & Kenrad, 1992; Tuxen, Bakke & Pinholt, 1999). Type II muscle fibres shorten faster and generate force more quickly when stimulated than type I fibres (Close, 1967). Although human sexual dimorphism in adductor muscle strength and fibre type cannot be explained by aggressive biting behaviour during fighting or by mastication, because diets of human males and females are largely similar, the observed human dimorphism is consistent with the hypothesis of protective buttressing of the face. If the jaw adductor muscles do function to protect against mandibular dislocation and fracture, as suggested above, greater muscle strength and shorter force activation times in males would be expected because of their higher incidence of fighting and facial injury.

Des weiteren wurde auch untersucht, ob aus dem Gesicht Rückschlüsse auf die Eigenschaften als Kämpfer hergeleitet werden können:

The facial features that allow observers to assess a male’s strength, fighting ability and propensity to behave aggressively include the ratio of facial width to height (Carré et al., 2009, 2010), face width, chin breadth, eyebrow prominence and nose size (Windhager et al., 2011; Třebický et al., 2013). These metrics represent aspects of the skull that experience high rates of fracture due to interpersonal violence and are features that increased in robusticity coincident with the evolution of hand proportions that allow the formation of a fist (discussed above). Generally, facial masculinity is viewed as an honest signal conveying information about formidability (Sell et al., 2009; Puts et al., 2012b; Třebický et al., 2013). Puts (2010) proposed that, in addition to acting as a signal, the greater facial robusticity of males may have evolved to protect the face from injury when males fight, as we are suggesting here. It is also likely that masculine features of the face convey direct information about the degree to which the face, the primary target during interpersonal violence, is vulnerable to injury. Male contest competition involves both offence and defence and a robust facial skeleton may make an individual more formidable simply because he is less susceptible to serious injury.

Das wäre für Männer durchaus eine wichtige Information.

Es ist aber auch unter dem Gesichtspunkt der Partnerwahl interessant: Viele Aspekte, die innerhalb des intrasexuellen Konkurrenzkampfes einen Vorteil bieten, werden auch in der intersexuellen Selektion wichtig, denn entsprechende genetische Informationen werden dann auch an einen Sohn weitergegeben. Das könnte erklären, warumfür Frauen ein markantes, kräftiges Kinn attraktiv sein kann: Es spricht eben für ein robusteres Gesicht.

George Clooney

George Clooney

Wenn es eine sexuelle Selektion auf diesen Umstand gegeben hätte, dann hätte das diesen Zugang noch zusätzlich verstärkt.

Schönheit und Attraktivität sind eine Folge von Adaptionen zur bestmöglichen Partnerwahl (David Buss)

Leser Roslin weist auf einen interessanten Text von David Buss hin

For most of the past century, mainstream social scientists have assumed that attractiveness is superficial, arbitrary, and infinitely variable across cultures. Many still cling to these views. Their appeal has many motivations.

  • First, beauty is undemocratically distributed, a violation of the belief that we are all created equal.
  • Second, if physical desirability is superficial („you can’t judge a book by its cover“), its importance can be denigrated and dismissed, taking a back seat to deeper and more meaningful qualities.
  • Third, if standards of beauty are arbitrary and infinitely variable, they can be easily changed.

Da hat er aus meiner Sicht die Motivationen dafür, dass Schönheit rein subjektiv und sozial bedingt sein soll gut zusammengefasst. Deswegen kann eben auch „Schönheit“ ein Privileg sein, weil man „rein zufällig“ mit dem gerade herrschenden sozial konstruierten Schönheitsideal übereinstimmt. Zudem ist Schönheit als fester Faktor eben auch eine Form intrasexueller Konkurrenz, die man dann ebenfalls gerne ausschaltet, wenn man sie nicht erreichen kann oder dies anstrengend findet. Zudem ist eben Schönheit auch etwas, was viele eher einer Kurzzeitstrategie und dem sexuellen zuordnen und damit eher abwerten, wenn sie Langzeitkriterien wie Bindung, Vertrauen etc betont wissen wollen. Zudem ist ein Teil vielleicht einfach auch Unverständnis gegenüber der stärkeren Gewichtung dieses Kriterium durch Männer bei Frauen als es andersherum für Frauen eine Rolle spielt.

Two movements in the 20th century seemed to lend scientific support for these views.

  • The first was behaviorism. If the content of human character was built through experienced contingencies of reinforcement during development, those contingencies must have created standards of attractiveness.
  • The second was seemingly astonishing ethnographic discoveries of cross-cultural variability in attractiveness. If the Maori in New Zealand found particular types of lip tattoos attractive and the Yanomamo of the Amazon rain forest prized nose or cheek piercings, then surely all other beauty standards must be similarly arbitrary.

Es ist eigentlich eine interessante Frage, wie Behaviorismus und Feminismus zusammenspielen. Beide gehen von einer sehr starken gesellschaftlichen bzw. sozialen Konstruktion des Menschen aus. Dem Behaviorismus fehlt wohl die Einordnung in eine gesellschaftliche Unterdrückungstheorie, in der Machtstrukturen abgesichert werden.

Gerade in der Erforschung der kulturellen Unterschiede wurde wohl auch viel auf die Unterschiede abgestellt und die Besonderheiten der Gemeinsamkeiten nicht hinreichend beachtet. Hinzu kommt, dass viele kulturelle Ausschmückungen auch Ausformungen von Status oder kostspielige Signale (Costly Signals) sind. Wer zB teure Ringe leisten kann oder wessen Tattoos die Geschichten großer Taten erzählten, der konnte eben darüber Status gewinnen. Wer über Männlichkeitsrituale deutlich machen konnte, dass er mutig und stark ist und in den Kreis der Männer (oder der Frauen) aufgenommen ist, der gewinnt eben darüber an Attraktivität. Hinzu kommen Übertreibungen bestimmter Schönheitsmerkmale, etwa Überlange Hälse, kleine Füsse, Kleidung, die einen zB über Federschmuck größer oder die Schulter breiter macht.

The resurgence of sexual selection theory in evolutionary biology, and specifically the importance of preferential mate choice, created powerful reasons to question the theoretical position long held by social scientists. We now know that in species with preferential mate choice, from scorpionflies to peacocks to elephant seals, physical appearance typically matters greatly. It conveys critical reproductively valuable qualities such as health, fertility, dominance, and ‚good genes.‘ Are humans a bizarre exception to all other sexually reproducing species?

In der Tat handelt es sich um einen enorm tiefen Einschnitt bis vorteilhafte Schemata für eine Partnerschaft wegfallen können. Gerade durch sexuelle Selektion entstandene Partnerwahl ist bis zu einem gewissen Grad ein sich selbst stützender Prozess: Wer Partner wählt, die nicht dem Schema der anderen entsprechen, der bekommt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Kinder, die nicht dem Schema der anderen entsprechen und daher mit geringerer Wahrscheinlichkeit selbst einen guten Partner bekommen. Eine Änderung lohnt sich also nur, wenn dadurch eine Partnerwahl sichergestellt wird, die diesen Nachteil durch andere Vorteile ausgleicht. Das ist aber bei einer freien Wahl nicht der Fall, im Gegenteil, diese ist hoch gefährlich. Denn es kann sich eben ein kultureller Trend festsetzen, der auf eine geringere Fruchtbarkeit abzielt (sagen wir mal breite Schultern oder Schnurbärte bei Frauen). Ich kann mir eine positive Selektion darauf, dass Schönheit vollkommen frei gegeben wird, schlichtweg nicht vorstellen. Sie wäre wohl immer nachteilhaft.

Evolutionary theorizing, long antedating the hundreds of empirical studies on the topic, suggested that we were not. In mate selection, Job One, as someone in business might say, is the successful selection of a fertile partner. Those who failed to find fertile mates left no descendants. Everyone alive today is the product of a long and literally unbroken line of ancestors who succeeded. If any had failed at the critical task, we would not be here today. As evolutionary success stories, each modern human has inherited the mate preferences of their successful ancestors.

Hier führt es Buss auch noch einmal kurz aus: Alle Menschen, die heute leben, sind Nachkommen von Menschen, die einen fruchtbaren Partner gefunden haben, und das seit vielen Generationen. Wer eine falsche Entscheidung getroffen hat, der hat dann eben keine Nachkommen gehabt. Gene, die dazu führen, dass man eine richtige Entscheidung trifft, reichern sich daher schnell im Genpool an. Partnerwahl ist nicht irgendetwas nebensächliches innerhalb von Selektionsvorgängen, es ist einer der Vorgänge bei dem sehr schnell eine positive Selektion auf ein bestimmtes Merkmal hin eintreten kann. Gene von jemanden, der sich nicht fortpflanzt, können nicht in die nächste Generation kommne.

Cues recurrently observable to our ancestors that were reliably, statistically, probabilistically correlated with fertility, according to this theory, should become part of our evolved standards of beauty. In both genders, these include cues to health—symmetrical features and absence of sores and lesions, for example.

Man muss sich in der Tat bewusst machen, dass körperliche Schönheit erst einmal eine Sammlung wichtiger Hinweise ist, die etwas über die Vorteile, diese Person zu wählen aussagen. Sie nicht zu verwerten, sondern sich rein kulturell festgelegten Regeln anzuvertrauen bedeutet einen enormen Wissenschatz ungenutzt zu lassen. Im Endeffekt werden bestimmte am Körper ablesbare Informationen verwertet und stark vereinfacht in einen Partnerwert umgewandelt, der dann als Gefühl, dass diese Person als Partner interessant ist, ausgegeben wird. Dabei gibt es Informationen, die für beide Geschlechter wichtig sind, und Informationen, die für ein Geschlecht wichtiger sind als das andere. Symmetrie beispielsweise verrät, dass der Bauplan sauber umgesetzt worden ist, weswegen es kein Zufall ist, dass starke Attraktivivätsmerkmale wie zB die weibliche Brust aber auch das Gesicht und der übrige Körper doppelt bzw. gespiegelt angelegt sind.

Since fertility is sharply age-graded in women, more so than in men, cues to youth should figure prominently in gender-specific standards of attractiveness. Clear skin, full lips, an unclouded sclera, feminine estrogen-dependent features, a low waist-to-hip ratio, and many other cues to female fertility are now known to be pieces of the puzzle of universal standards of female beauty.

Fruchtbarkeit ist ein wichtiges Kriterium, es bringt eben zur Weitergabe der Gene wenig viele Ressourcen in eine nichtfruchtbare Selektion zu stecken. Da diese im starken Maße alterabhängig ist und Menschen zudem in einer Paarbindung leben, wird das Alter bei Frauen ein noch wichtigerer Faktor. Dazu kommen Merkmale, die auf einen hohen Anteil von Östrogen hinweisen, da auch dies die Fruchtbarkeit erhöht.

Women’s evolved standards of male attractiveness are more complex. Masculine features, hypothesized to signal healthy immune functioning in men, are viewed as attractive more by women seeking short-term than long-term mates, more when women are ovulating than when in the luteal phase of their menstrual cycle, and more by women higher in mate value, perhaps because of their ability to attract and control such men. Women’s judgments of men’s attractiveness are more dependent on multiple contexts—cues to social status, the attention structure, positive interactions with babies, being seen with attractive women, and many others. The greater complexity and variability of what women find attractive in men is reflected in another key empirical finding—there is far less consensus among women about which men are attractive than among men about which women are attractive.

Das enthält neben dem hier schon oft besprochenen Umstand, dass Status Männer attraktiv macht einige interessante Passagen. Buss stellt darauf ab, dass Frauen mit einem hohen Partnerwert und solche, die in der fruchtbaren Phase sind, eher auf Kurzzeitstrategien bei Männern achten, also mehr auf das, was man im Pikcup unter Attraction zusammen fasst. Dann nennt er auch einige soziale Komponenten der weiblichen Partnerwahl, wie eben den sozialen Status, die „Aufmerksamkeitsstruktur„, also die Frage, wer aus der Gruppe die meiste Aufmerksamkeit bekommt, auf wen die anderen reagieren, sprich in gewisser Weise die soziale Hierarchie der Gruppe („Leader of Men„), die Frage, wie man auf Kinder reagiert und mit ihnen umgeht als Basis für „gesunde Gefühle“ („Willing to emote, protector of loved ones„) und wie andere Frauen einen bewerten („preselected by other Women„) (hier sieht man mal wieder, dass Pickup und Evolutionäre Psychologie teilweise zu gleichen Ergebnissen gekommen sind).

The theory that ‚beauty is in the eyes of the beholder‘ in the sense of being superficial, arbitrary, and infinitely culturally variable can safely be discarded. I regard it as one of the ‚great myths‘ perpetrated by social scientists in the 20th century. Its scientific replacement—that beauty is ‚in the adaptations of the beholder‘ as anthropologist Donald Symons phrases it—continues to be disturbing to some. It violates some of our most cherished beliefs and values. But then so did the notion that the earth was not flat or the center of the universe.

Wenn man versteht, was sexuelle Selektion ist und warum sie so wichtig ist und welche enorme Bedeutung Fortpflanzung und Partnerwahl innerhalb der Evolution haben, dann erscheint einem der Gedanke, dass Schönheit rein kulturell sein kann, sehr abwegig. Es ist dann eine geradezu bizarre Annahme, dass gerade wir Menschen erst die biologischen Regeln der Partnerwahl abgelegt haben sollen um sie dann durch kulturelle Regeln, die ziemlich genau dem entsprechen, was unsere biologischen Regeln vorgegeben haben müssten, wenn man uns mit unseren Verwandten vergleicht und unsere Situation bei der Partnerwahl spieltheoretisch auschlüsselt. Die Probleme, die damit verbunden wären, eine rein freie, kulturell bestimmte Partnerwahl zu entwickeln und dann durchzuführen wären enorm, eine solche Theorie ist abseits der bloßen Behauptung kaum zu begründen oder logisch darzustellen (wie soll die Selektion gegen die biologischen Regeln erfolgt sein, die wir unstreitig einmal hatten? Wie wurde eine absolute Auseinanderzüchtung der Menschen aufgrund der kulturellen Zuchtprogramme vermieden (wenn eine rein kulturelle Zucht betrieben wird, dann kommt man fast automatisch zu vielen sehr unterschiedlichen Rassen wie bei Hunden). Warum verhalten wir uns noch genauso als würden wir diesen Regeln folgen?). Sprich: Wenn man sich etwas mit biologischen Modellen beschäftigt, dann erkennt man erst, wie unlogisch die rein kulturellen Theorien sind.

Dass die biologischen Theorien dafür aus anderen Gesichtspunkten eine komische Vorstellung sein, etwa weil sie uns ungerecht erscheinen oder weil sie Vorstellungen von Gleichheit und höheren Kriterien der Partnerwahl entwerten (die letztendlich nur höher erscheinen, weil sie für ein in Paarbindung lebendes Wesen eher ein Kooperationsmodell mit der Bündelung der Arbeitsleistung bilden) und weil uns der Gedanke nicht gefällt, dass so ein emotionaler Vorgang recht trockenen Selektionen gefolgt ist, die den Vorgang entzaubern, sollte uns nicht daran hindern, uns diesen Theorien logisch zu nähren.

„Ich denke nicht, daß Maskulismus auf Biologismus angewiesen ist“

Elmar brachte in der weiteren Diskussion um biologische Theorien einiges, was in diese Richtung ging:

„Ich denke nicht, daß Maskulismus auf Biologismus angewiesen ist, er ist “viel leichter” zu haben. Das sollte euch alles freuen.

Elmar kritisiert da im wesentlichen vom Ziel her – ihm gefallen die Erklärungen nicht, er will lieber andere, die er aber noch nicht hat, aber sie wären garantiert besser, auch wenn er keinerlei Ansatz davon wirklich benennen kann.

Biologie passt insofern einfach nicht in die von ihm gewünschte Welt. Sie muss deshalb Biologismus und damit schlecht sein.

Eine ähnliche Haltung hatte ich schon einmal in dem Artikel „Wahrheit vs. Wollen: Feministische Theorie und die eigene Suppe“ besprochen:

Wer viel über Geschlechterfragen diskutiert und dazu noch einiges über Evolutionsbiologie gelesen hat, der stößt in diesen Argumenten immer wieder auf ein in feministischen Kreise sehr verbreitetes Gegen”argument”.

“Es wäre doch viel schöner, wenn alles nicht festgelegt ist, deswegen glaube ich nicht an biologische Gründe”

Das ist für einen wissenschaftlich denkenden Menschen so ziemlich das sinnloseste Argument, dass man machen kann, denn der Wirklichkeit ist es relativ egal, was besser ist, wenn dies einfach nicht stimmt.

Ebenso ist es natürlich ein sehr schwaches Argument, wenn man meint, etwas leichter haben zu können (wohlgemerkt: Dieses leichtere hat Elmar noch nie ausgeführt). Es ist egal ob man meint, dass es viele Männer uninteressant finden, es ist auch egal, ob man damit Angriffsfläche bietet.

Wegen all dieser Erklärungen kann man eine Erklärung nicht ablehnen, ein guter Grund eine Theorie abzulehnen ist simpel lediglich der, dass sie falsch ist.

Argumente, die darlegen, dass die biologischen Theorien falsch sind, nennt Elmar allerdings gar nicht. Er will sich eigentlich auch gar nicht mit den Theorien beschäftigen. Er will sie nur loswerden.

Dass das Nichtbeachten biologischer Erklärungen natürlich enorme Konsequenzen haben kann, zeigen Fälle wie David Reimer oder die Kibbuzerfahrungen. Ob wir da mal Besprechungen von Elmar hören werden? Oder ob er die Studie von Udry mal bespricht? Ich bezweifele es.

Wenn man eine klassische evolutionäre Erklärung verwendet, nach der Männer mehr auf Status aus sind, weil Status sich im Wege sexueller Selektion als gutes Zeichen für einen hochwertigen Partner entwickelt hat, dann erklärt das vieles, was Elmar letztendlich nicht erklären kann, wenn er es nicht ebenfalls soziologisch in ein Machtkampfverhältnis einordnet wie etwa der Feminismus oder Frauen zu Ausbeutern macht. Die evolutionären Theorien dazu haben zudem den Vorteil, sich nahtlos in die sonstige Biologie einzuordnen und stimmig in die Größenunterschiede etc eingeordnet zu werden.

Wenn diese Theorien stimmen, dann hat das natürlich auch Auswirkungen. Man kann sie in diesem Fall nicht einfach wegdenken, denn sie wirken sich in sehr vielen Verhältnissen zwischen Mann und Frau und auch auf sehr viele gesellschaftliche Phänomene aus: Vom Gender Pay Gap bis hin zu Frauenquoten, von der Partnerwahl bis hin zu dem unterschiedlichen Spielverhalten liefern sie gute Erklärungen zu vielen Phänomenen, die sozial betrachtet nur schwer zu verstehen sind, ohne einen Geschlechterkrieg zu erklären.

Die evolutionären Theorien erklären menschliches Verhalten ohne, dass man Bösartigkeit etc braucht. Wenn man akzeptiert, dass auf Frauen und Männer ein anderer Evolutionsdruck lastete, dann kann man aufhören, sich über Unterschiede im Schnitt aufzuregen. Etwas, was einen wohl keine soziale Erklärung bieten kann. Wenn man weiß, dass es Männer und Frauen in allen Varianten gibt, dann kann man aufhören, sich über Häufungen zu ärgern und auch akzeptieren, dass viele Menschen auf eine bestimmte Weise leben wollen. Man kann aufhören in jedem Geschlechterunterschied ein Zeichen für eine Unterdrückung zu sehen und sich bei jedem geschlechterstereotypen Verhalten zu ärgern.

Biologische Ansätze mit kulturellen Ausformungen sind meiner Meinung nach – wenn man Fehlvorstellungen vermeidet, dass sie bedeuten, dass alle Männer oder alle Frauen auf eine bestimmte Weise sein müssen – der beste Weg sich unter den Geschlechtern auf ein Miteinander zu einigen, weil sie per se ein großes „jeder ist, wie er ist, ob er sich stereotyp verhält oder nicht“ enthalten. Homophobie oder Transsexuellenfeindlichkeit sind ebenfalls realtiv sinnlos, wenn man davon ausgeht, dass beides nur rein biologische Efffekte sind und die eigene Männlichkeit oder Weiblichkeit nicht betreffen können.

Ich meine daher, dass man es gerade mit einer biologischen Betrachtung sehr einfach haben kann. Dass sollte aber nicht der Grund dafür sein, dass man diese Theorien vertritt.