Die männliche Konkurrenz um Frauen in der evolutiven Vergangenheit des Menschen (Gastartikel)

Es folgt ein Gastartikel von Matthias (aus seinem unten genannten Buch)

Dschingis Khan ist leider kein Einzelfall. Brutale Herrscher haben es oft in der Geschichte zu erstaunlich großen Paarungs- und Fortpflanzungserfolgen gebracht. Ismail der Blutrünstige, ein marokkanischer König, der im frühen 18. Jahrhundert lebte, hat der Überlieferung nach 700 Söhne gezeugt. Töchter wurden erst gar nicht mitgerechnet, aber auch von denen muss er eine vergleichbar große Anzahl gehabt haben. Er hält damit den Weltrekord an Vaterschaften, wenn seine Geschichte so stimmt. Zum Vergleich: Der angebliche Rekord an Mutterschaften beträgt „nur“ 69 Kinder. Er bezieht sich auf eine Russin im 19. Jahrhundert, die mehrfach Drillinge hatte.

Hier spiegelt sich zweierlei wider: zum einen wieder einmal der große Geschlechtsunterschied in den potentiellen Reproduktionsraten, der sich in solchen Extremfällen sehr gut zeigt. Denn nur in solchen Fällen erreichen Menschen einen Fortpflanzungserfolg, der nur oder fast nur von ihrer potentiellen Reproduktionsrate begrenzt wird. Zum anderen zeigen Extremfälle wie Ismail der Blutrünstige oder Dschingis Khan, dass Paarungs- und Fortpflanzungsprivilegien von Männern sehr hart erkämpft werden, hier „sogar“ mit tödlicher Gewalt, und dass unter Umständen sehr wenige Männer hinterher sehr viele Frauen haben und dafür unzählige andere Männer unterdrückt oder umgebracht wurden. Es ist traurig, dass ausgerechnet Jahrhundertmörder ihre Gene häufig viel öfter weitergegeben haben als andere Männer.

Sicherlich sind Dschingis Khan und Ismail der Blutrünstige sehr extreme Beispiele für sexuelle Selektion beim Männchen. Den unnatürlich hohen Fortpflanzungserfolg, den sie gehabt haben, konnte ein Steinzeitmensch oder Buschmann mit Speer und Keule niemals erreichen, auch wenn er zu den durchsetzungsstärksten Männchen seiner Zeit gehörte und Anführer einer erfolgreichen Männchenkoalition war. Man kann allerdings davon ausgehen, dass es das, was von Dschingis Khan und Ismail dem Blutrünstigen historisch überliefert ist, im Kleinen häufig in der evolutiven Vergangenheit des Menschen gegeben hat. Es zieht sich offensichtlich wie ein roter Faden, treffender gesagt, wie eine Blutspur durch die Geschichte unserer Art.

Vielleicht haben Sie schon einmal etwas vom Massaker von Talheim gehört oder gelesen. 1983 war ein Bauer beim Pflügen auf Knochen von Menschen gestoßen. Sie wissen, dass Knochen viele Informationen liefern können: DNAAnalysen sind möglich, ebenso Rekonstruktionen von Gesichtern anhand von Schädelknochen, Geschlechtsbestimmung, Bestimmung des Alters usw. Man erhält durch sie eine Fülle von Informationen, die teils sogar Aufschluss über die geografische Herkunft, Essgewohnheiten, Verwandtschaftsbeziehungen, einige Krankheiten und über die Todesursache liefern können. Im Falle dieser Knochen ist zum einen ziemlich klar, dass es in der Tat ein Massaker war, dass diese Menschen umgebracht worden sind, so z.B. durch Erschlagen. Die Opfer stammten wohl aus drei oder vier Familien, die vor etwas mehr als 7000 Jahren gelebt haben. Eine davon bestand aus vier Männern und acht Kindern – und keiner Frau. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer: Die Frauen dieser Familie wurden offensichtlich von den Angreifern nicht getötet, sondern geraubt. Was alles im Einzelnen passiert ist – am Massaker waren noch andere Menschengruppen beteiligt – lässt sich nicht vollständig aufklären. Es waren auch Frauen, vermutlich vor allem ältere mit Kindern, getötet worden, darunter eine 20-Jährige, die aufgrund ihres Alters natürlich ebenfalls hätte geraubt werden können. Doch auch eine 20-Jährige kann sich sehr gewehrt und damit die eigene Tötung provoziert haben oder war vielleicht auffallend unattraktiv. Dennoch: Dass eine der ermordeten Familien nur aus Männern und Kindern bestand bzw. dass von dieser Familie nur die Knochen von Männern und Kindern, nicht von Frauen gefunden wurden, spricht stark dafür, dass hier Frauen geraubt worden waren.

Einen ähnlichen Fall, der ebenfalls etwa 7000 Jahre zurückliegt, gab es in Österreich, genauer gesagt, in Schletz im Weinviertel. Da wurden auch Knochen gefunden, Knochen, die davon zeugen, dass dort eine ganze Siedlung ausgerottet wurde. Wer war unter den Mordopfern deutlich unterrepräsentiert? Frauen! Offensichtlich hatte hier ein systematischer Frauenraub stattgefunden.48 Hierfür spricht auch, dass insbesondere die Knochen junger Frauen bei diesem Skelettfund fehlten.

Frauenraub findet sich offenbar auch in der Geschichte der Indianer. Bei den Pueblo-Indianern war es offenbar sogar ein Frauenraub im großen Stil. Eine Begräbnisstätte hatte einen erheblichen Frauenmangel, die andere einen erheblichen Frauenüberschuss. Es ist zwar nicht vollständig klar in diesem Falle, dass die Frauen wirklich geraubt worden sind – theoretisch könnten sie freiwillig ihren Wohnort gewechselt haben. Doch es sind, was zur FrauenraubThese passt, damals viele junge Männer gestorben, offensichtlich durch Kriegshandlungen. Offenbar sind auch einige Frauen, deren Skelette Spuren von Gewalteinwirkungen aufweisen, dahingemetzelt worden und anschließend nicht sachgemäß bestattet, sondern nur irgendwie verscharrt worden. Auch das stützt die These vom Frauenraub.50 Denn geraubt werden ja nicht alle Frauen, sondern vor allem bzw. ausschließlich junge und hübsche. Außerdem wehren sich sicherlich auch einige Frauen gegen den Raub und kommen dabei um. Was auch dagegen spricht, dass die Frauen freiwillig einen anderen Wohnort aufgesucht haben, ist die Annahme, dass ihnen dann normalerweise Männer früher oder später gefolgt wären.

Auch bei den brasilianischen Indianern gilt Frauenraub als einer der typischsten Anlässe für Stammesfehden.51 Es gibt also weniger Gründe, solche Ureinwohner bzw. Naturvölker als besonders „edel“ oder moralisch überlegen anzusehen, es sind eben auch nur Menschen.

Frauenraub findet sich auch in ganz anderen Kulturen, so z.B. offensichtlich ebenfalls bei den Wikingern. Eine Handschrift aus dem 12. Jahrhundert deutet darauf hin, dass Island nicht primär von Männern und Frauen aus Skandinavien besiedelt wurde, sondern eher von skandinavischen Männern, die mit ihren Schiffen aufbrachen, sich auf den britischen Inseln ein paar Frauen zusammenraubten und mit diesen dann nach Island fuhren und dort eine Population begründeten. Historische Beweise dieser Art allein mögen nicht in jedem Falle der Wahrheit entsprechen. Dieser allerdings schon, denn eine mtDNA-Analyse von 1700 Menschen aus Island, von den britischen Inseln, aus Skandinavien und anderen Regionen zeigte, dass etwa 60% der weiblichen Vorfahren der heutigen Isländer keine Skandinavier, sondern Kelten waren. Eine vorangegangene Analyse der NRY-DNA der Männer kam dagegen zu dem Ergebnis, dass die männlichen Vorfahren der Isländer zu etwa 80% aus Skandinavien stammten. Hier waren also Wikinger auf Frauenraub gewesen.52

Frauenraub ist laut dem britischen Militärhistoriker John Keegan generell eine der häufigsten Konfliktursachen in primitiven Gesellschaften.53 Vermutlich wussten Sie das auch schon. Einige von Ihnen werden sicher schon einmal vom Raub der Sabinerinnen oder in sonstigen Zusammenhängen von Frauenraub gehört haben. Weibchenraub kennt man sogar von Schimpansen.54 Die Beweise dafür sind vielfältig: Sie reichen von der historischen Überlieferung über z.B. Isotopenanalysen von Knochen bis zur modernen DNA-Analyse. Und diese Belege für Frauenraub passen sehr gut zur verhaltensbiologischen Erwartung. Die neueren Befunde durch die modernen DNA-Analysen werden dabei durch die anderen Beweise für Frauenraub ebenfalls bestätigt. Zweifel an entsprechenden Forschungsarbeiten sind also kaum angebracht.

Vergessen darf man vor lauter Frauenraub eines nicht: Die Konkurrenz der Männer um die Frauen fand und findet beileibe nicht nur auf der intrasexuellen Ebene statt. In modernen Gesellschaften ist sie weitaus eher auf der intersexuellen Ebene ausgeprägt. Dennoch aber ist es wichtig zu wissen, dass die erhebliche intrasexuelle männliche Konkurrenz in unserer evolutiven Vergangenheit und die Anpassungen beider Geschlechter an diese auch heute einen großen Einfluss auf das geschlechtsspezifische Verhalten beider Geschlechter haben, gerade in Sachen Partnerwahl.

Erläuterungen:

Dieser Abschnitt stammt aus dem Kapitel „Die männliche Konkurrenz um Frauen in der evolutiven Vergangenheit des Menschen“ und ist der kürzeste Abschnitt dieses Kapitels.

Im Abschnitt vorher fand auch Dschingis Khan Erwähnung, ebenso die NRY-Region des Y-Chromosoms und die mtDNA. Unter der NRY-Region des Y-Chromosoms versteht man den großen Teil des Y-Chromosoms, der in der Prophase der Meiose I nicht mit dem X-Chromosom rekombiniert („Crossig over“) und deshalb wirklich nur von Vätern auf Söhne vererbt wird. Die mtDNA ist die mitochondriale DNA, die von Müttern auf Nachkommen beider Geschlechter vererbt wird.

Hier  kann man sehen, was vor und nach diesem Textabschnitt im Buch kommt. Hier  kann man es kaufen!

Laurie Penny, die „Fuck Zone“ und „gute Männer sind wie Einhörner“

Laurie Penny hat einen Anti-Valentins-Rant verfasst, den ich in Auszügen sehr interessant finde:

It’s not that I didn’t get upset and frustrated. There were times when I badly wanted a partner, and for much of that time, I felt like I had to choose between having one and being my best self. That self, the self that was dedicated to writing, travelling and doing politics, that had many outside interests and more intense friendships, was not something men seemed to value or desire—at least not in that way. I don’t mean to suggest that I don’t also have gigantic, awkward flaws that make me largely unbearable to be with—just that boys rarely stuck around long enough to find that out. Plenty of them were perfectly happy to sleep with me, but after a little while, when I became a real person to them, when it became more than just sex, they turned mean or walked away.

Finde ich vor dem Hintergrund erstaunlich, dass sie erkennbar nur von sich selbst ausgeht und in keiner Weise darüber nachdenkt, wie sie wohl auf Männer wirkt und was diese an ihr interessant finden könnten. Das Männer ihren Erfolg und ihre politischen Interessen nicht interessant finden ist wenig verwunderlich, wenn sie Aussagen wie

Romantic love is a systemic lie designed to manipulate women into lifelong emotional labour. But I still get butterflies sometimes.

macht oder wenn sie es als Zumutung und zum Schweigen bringen empfindet, wenn man aus Rücksicht auf die Männer nicht mehr sagen darf, dass Männer nun einmal Frauen unterdrücken

These days, before we talk about misogyny, women are increasingly being asked to modify our language so we don’t hurt men’s feelings. Don’t say, “Men oppress women” – that’s sexism, as bad as any sexism women ever have to handle, possibly worse. Instead, say, “Some men oppress women.” Whatever you do, don’t generalise. That’s something men do. Not all men – just somemen.
This type of semantic squabbling is a very effective way of getting women to shut up. After all, most of us grew up learning that being a good girl was all about putting other people’s feelings ahead of our own. We aren’t supposed to say what we think if there’s a chance it might upset somebody else or, worse, make them angry. So we stifle our speech with apologies, caveats and soothing sounds. We reassure our friends and loved ones that “you’re not one of those men who hate women”.
Welcher Mann sehnt sich bei einer derartigen Frau nicht nach einer langen Beziehung?
Es scheint also als würde Laurie weniger in die Friendzone und eher in die Fuckzone kommen. Dazu schrieb ich mal:

Häufig kann es aber genau so gut sein, dass gerade in der Konstellation Mann-Frau auch hier die Attraction nicht hinreichend hoch ist. Er kann sich vorstellen, mit ihr zu schlafen, aber er will sich nicht dauerhaft an sie binden und dafür andere Frauen aufgeben. Sie ist sozusagen schön genug für Sex, aber nicht schön genug für eine Beziehung. Eine andere Variante ist: Sie wäre zwar gut genug aussehend für eine Beziehung, aber ihre Art und Persönlichkeit sind nicht nach seinem Geschmack, so dass er zwar kurze Zeit Sex mit ihr haben kann, ansonsten aber an ihr nicht interessiert ist.

Wer zu häufig in der Fuckzone landet, der sollte gerade als Frau die Auswahl seiner Männer beachten: Es spricht dann einiges dafür, dass die jeweilige Frau zu hoch rangeht oder zu nervig ist für die Klasse der Männer, die sie auswählt. Wenn man gut aussieht, dann ist es eben ein Persönlichkeitsproblem, also quasi im Komfortbereich zu verorten.

Da scheint mir bei Laurie Penny auf jedenfalls die Persönlichkeit ein größeres Problem zu sein, je nach dem welche Männer sie sich aussucht könnte auch Schönheit ein Problem sein.

Laurie Penny

Laurie Penny

 Sie scheint nicht die eigentlich hinreichend bekannte Tatsache zu verstehen, dass Männer Casual Sex aufgrund des stärkeren Sexualtriebs so ziemlich mit jeder für sie einigermaßen passablen Frau haben und das nichts weiter über daraus hinausgehendes Interesse aussagt. Sie scheint auch darunter zu leiden, dass die Männer sie nur für Sex benutzen und darüber hinaus kein weitergehendes Interesse an ihr haben. Sie scheint sich aber nicht bewußt zu machen, warum die Männer es nicht mit ihr aushalten, bis sie „ihre eigentlichen Charakterfehler erkennen können“. Sie scheint also schlicht keinerlei Reflextionsvermögen diesbezüglich zu haben oder aber ihre innere mentale Barriere ist zu stark um sich das bewußt machen zu können.

Auch diese Stelle fand ich interessant:

Nothing frustrates me so much as watching young women at the start of their lives wasting years in succession on lacklustre, unappreciative, boring child-men who were only ever looking for a magic girl to show off to their friends, a girl who would in private be both surrogate mother and sex partner. I’ve been that girl. It’s no fun being that girl. That girl doesn’t get to have the kind of adventures you really ought to be having in your teens and twenties. It’s not that her dreams and plans don’t matter, but they always matter slightly less than the boy’s, because that’s what boys are taught to expect—that their girlfriend is there to play a supporting role in their life.

Das klingt als wolle sie gleichzeitig „echte Männer“, was ich bei Feministinnen immer lustig finde. Gleichzeitig scheint mir hier auch eine gewisse intrasexuelle Konkurrenz durchzuschimmern: Diese „Magischen Mädchen, mit denen man bei seinen Freunden angeben kann“ dürften ja üblicherweise hübsch sein. Es ist eine gewisse Form von „diese anderen Frauen biedern sich bei den Jungs an, indem sie sie umsorgen und für Sex zur Verfügung stehen, statt unabhängig und abenteuerlustig zu sein wie ich“.

Wie wenig sie den Partnermarkt versteht zeigt sich dann auch daran, dass sie meint, dass Männer die Frauen nur als mit „einer Unterstützungsrolle ausgestattet“ ansehen. Die meisten Männer dürften eher sehr bemüht um eine Freundin sein und ihre Beziehung als durchaus sehr wesentlich ansehen.

Dazu passt auch diese Stelle:

Today, whatever else we are, women are still taught that we have failed if we are not loved by men. I’ve lost count of the men who seem to believe that the trump card they hold in any debate is “but you’re unattractive”. “But I wouldn’t date you.” How we feel about them doesn’t matter. Young women are meant to prioritise men’s romantic approval, and young men often struggle to imagine a world in which we might have other priorities.

Mir scheint, sie ist wirklich unfähig eine andere Perspektive als die eigene, geschweige denn eine männliche Perspektive, einzunehmen. Für sie ist es wahrscheinlich unvorstellbar, dass beide Geschlechter regelmäßig danach bewertet werden, wie attraktiv sie für das andere Geschlecht sind und das Beleidigungen üblicherweise gerade den Partnerwert betreffen. Natürlich hören auch Männer häufig, dass sie „keine abbekommen würden“, sie werden als „Wichser“ bezeichnet, sie fühlen sich schlecht, wenn ihre Freunde Freundinnen haben und sie nicht. Und natürlich ist „du bist unattraktive“ oder „ich würde keine Beziehung mit dir wollen“ eine gern genommene Beleidigung, weil sie eben gerade wenn sie von Männern kommt, die mit nahezu jeder Frau schlafen würden, den Partnerwert nachhaltig abspricht. Frauen können damit weitaus weniger beleidigen, weil es ihr Default-Zustand ist: Sie wollen per se nicht mit den meisten Männern schlafen. Ein Mann muss erst besonders gut aussehen oder sich besonders um sie bemüht haben, damit dies der Fall ist. Es ist der Grund, warum man in Bars und Clubs „Ladies Nights“ hat und keine „Boys Nights“: Wenn man Frauen einen Grund gibt in den Klub zu kommen, dann hat man damit den Männern einen Grund gegeben, in den Klub zu kommen. Ihre Vorstellung, dass es dabei dann darum geht, dass Männer Frauen „romantisch bestätigen“, ist aus dieser Sicht eher lebensfremd.

Ich kann mir aber vorstellen, dass es ein wunderbarer Selbstschutz ist: Männer beuten einen in einer Beziehung eben nur aus, sie erwarten, dass sie der Mittelpunkt sind, andere Frauen sind doof genug, das zu machen, aber Laurie eben nicht! Sie lässt sich nicht von den Männern unterdrücken und erlebt lieber Abenteuer!

Vielleicht ist Laurie Penny also auch Feministin, weil sie einfach nicht damit zurecht kommt, dass sie bei Männern nicht ankommt und verarbeitet das auf diese Weise.

Sie führt weiter aus:

“In patriarchal culture,” as bell hooks observes in All About Love: New Visions, “men are especially inclined to see love as something they should receive without expending effort. More often than not they do not want to do the work that love demands.”

Es ist lustig, dass sie sich oben davon freisagt, dass man als Frau Arbeit in die Liebe stecken sollte und anscheinend nicht bereit ist, dafür etwas zu tun und gleichzeitig den Männern vorhält, dass sie ihrerseits nichts tun.

Es erscheint mir angesichts dessen, dass üblicherweise der Mann in der Beziehungsanbahnung weitaus mehr machen muss als die Frau, auch eine typisch unrealistische Verfälschung der tatsächlichen Abläufe. Und auch in einer Beziehung sind es häufig genug die Männer, die versuchen müssen ihre Frau glücklich zu bekommen: Wie gut eine Beziehung läuft bewertet sich eben danach, wie glücklich die Frau ist (A happy wife, a happy life„). Das sich die Männer dabei nicht um Laurie bemühen kann durchaus sein.

Laurie meckert weiter:

 Even the very best and sweetest of men have too often been raised with the expectation that once a woman is in their lives romantically, they will no longer have to do most of the basic chores involved in taking care of themselves. When I’ve spoken critically about this monolithic ideal of romantic love in the past, most of the pushback I’ve received has been from men, some of it violent, and no wonder. Men usually have far more to gain from this sort of traditional arrangement. Men are allowed to think of romantic love as a feeling, an experience, a gift that they expect to be given as a reward for being their awesome selves. That sounds like a great deal to me. I wouldn’t want that challenged.

Puuuh, was für eine verschrobene Sicht. Da sagt sie den Männer Sätze wie

Romantic love is a systemic lie designed to manipulate women into lifelong emotional labour. But I still get butterflies sometimes.

und die widersprechen ihr auch noch! Unvorstellbar, wirklich, die arme Laurie. Dabei ist es doch ganz klar, dass Männer sonst gar nichts machen, sondern sich selbst als Belohnung für alles sehen, während die Frau ackert.

Ich bin weit eher geneigt, dass viele Frauen das Prinzip, dass sie die Belohnung sind, insbesondere ihre gute Laune, weitaus eher umsetzen können als viele Männer

Women, by contrast, learn from an early age that love is work. That in order to be loved, we will need to work hard, and if we want to stay loved we will need to work harder. We take care of people, soothe hurt feelings, organise chaotic lives and care for men who never learned to care for themselves, regardless of whether or not we’re constitutionally suited for such work. We do this because we are told that if we don’t, we will die alone and nobody will find us until an army of cats has eaten all the skin off our faces.

Hier scheint sie die Vorstellung der aufopfernden bürgerlichen Hausfrau, die selbstlos für die Familie werkelt zu beschwören. Immer nur „Care Arbeit“ leistend ohne jemals etwas zurückzubekommen. Und der Mann ist der Pascha im Haus. Und jede Frau die das nicht macht bekommt eben Angst damit gemacht, dass sie einsam stirbt und ihre Katzen sie auffressen.

Natürlich kann man da auch das gegenteilige Bild malen: Der Mann, der sich totarbeitet, damit die Familie gut leben kann, dessen Frau zuhause sitzt und wie Peggy Bundy Fernsehn schaut und Bonbons ist. Man kann dagegen auch das Bild des Mannes stellen, der ganz unter dem Pantoffel seiner Frau steht.

Little boys are told they should “get” girlfriends, but they are not encouraged to seriously consider their future roles as boyfriends and husbands. Coupledom, for men, is not supposed to involve a surrendering of the self, as it is for women. Young men do not worry about how they will achieve a “work-life balance”, nor does the “life” aspect of that equation translate to “partnership and childcare”. When commentators speak of women’s “work-life balance”, they’re not talking about how much time a woman will have, at the end of the day, to work on her memoirs, or travel the world, or spend time with her friends. “Life”, for women, is envisioned as a long trajectory towards marriage. “Life”, for men, is meant to be bigger than that.

Ach, die alte Darstellung, dass es Frauen schwerer haben, weil sie nicht einfach nur auf Arbeit festgelegt sind, sondern eine Wahl haben.

No wonder single girls are stigmatised, expected at every turn to expected to explain their life choices. No wonder spinsterhood is supposed to be the worst fate that can befall a woman. “Spinster” is still an insult, whereas young men get to be fun-loving bachelors, players and studs. There would be serious social consequences if we collectively refused to do the emotional management that being a wife or girlfriend usually involves—so it’s important that we’re bullied into it, made to feel like we’re unworthy and unloveable unless we’re somebody’s girl. Today, we’re even expected to deliver the girlfriend experience in the workplace, as “affective labour”—the daily slog of keeping people happy—becomes a necessary part of the low-waged, customer-facing, service-level jobs in which women and girls are over-represented.

Ist das eigentlich ein „ich bin Single und das darf mir keiner vorwerfen, warum sind alle so gemein zu mir“? Frauen werden bei ihr also in die Beziehung geprügelt, wo sie ausgebeutet werden. Und nur sie widersetzt sich heroisch. Das Frauen einfach so eine Beziehung wollen und das Männer auch genug in diesen machen, dass wird einfach ausgeblendet.

That’s an ideological reason to be single. Now here’s a practical one. The truth is that most men in their teens and twenties have not yet learned to treat women like human beings, and some never do. It’s not entirely their fault. It’s how this culture trains them to behave, and in spite of it all, there are a few decent, kind and progressive young men out there who are looking for truly equal partnerships with women.

 Nein, im Feminismus hassen wir Männer nicht, wir beklagen nur, dass sie Frauen eben nicht als Menschen behandeln können und wir sagen sogar, dass es nicht vollständig ihre Schuld ist. Wir gestehen sogar zu, dass es ein paar ganz wenige Männer gibt, die nicht ganz schlecht sind. Wie kann man nur immer wieder behaupten, der Feminismus habe etwas gegen Männer? Wir halten euch nur vor, dass ihr eben scheiße seid, weil ihr es seid, aber ihr könnt euch ja bessern. Ich wundere mich ja wirklich, warum Männer keine Beziehung mit ihr wollen.

The trouble is that there aren’t enough of them for all the brilliant, beautiful, fiercely compassionate women and girls out there who could really do with someone like that in their lives. Those men are like unicorns. If you meet one, that’s great. You might think you’ve met one already—I’ve often thought so—but evidence and experience suggest that a great many unicorns are, in fact, just horses with unconvincing horns. If you don’t manage to catch a real unicorn, it doesn’t mean there’s anything wrong with you. Either way, you should have a plan B.

„Der Grund warum ich Single bin ist, dass es einfach kaum gute Männer gibt, das kann man mir doch wirklich nicht vorwerfen! Wie Einhörner sind sie, quasi nicht existent. Wirklich, es liegt an den Männern! Nicht daran, dass mich keiner gut genug für etwas ernsteres findet“

Ich finde mit Laurie Penny gewinnt die These, dass Feminismus ein Kampfmittel der intrasexuellen Konkurrenz unter Frauen ist, durchaus an Gewicht.

Werbung und Appelle an die Männlichkeit

Mir sind ein paar Werbespots aufgefallen, die ich ganz interessant finde:

1. Opel mit WLAN

Da Kinder keine Autos kaufen dürfte der Werbespot eher auf erwachsene Männer abzielen. Er stellt recht offensichtlich intrasexuelle Konkurrenz um Signalling dar, und zwar über einen Stellvertreterkampf der Jungen um den cooleren Vater. Dieser coole Vater soll man sein können, auch mit kleineren Geldbeutel als für die Oberklasse. Eben durch etwas, was die Jugendlichen Cool finden. Erst wird durch den Bully cool vorgelegt, dann mit dem WLAN-Opel gekontert, das hübsche Mädchen guckt anerkennend (was in intrasexueller Konkurrenz ja das entscheidende ist, Opel bewirkt preselected by women, es setzt auch schön um, dass man für Frauen attraktiv ist ohne diesen sexuellen Vorteil direkt anzusprechen, er wird auf den Sohn verlagert), Sohn steigt voller Stolz mit Mädchen und Freund an, der Vater ist cool, der Bully steht alleine am Straßenrand. Da hat er eben eindeutig verloren.

2. Mit Check24 riesig sparen

Er ist doppelt so groß, weil er so viel spart. Größer sein als die anderen, besser in der Konkurrenz, dazu eine hübsche Frau, die seinen riesigen Stecker begeistert mit offenen Mund empfängt und ebenso begeistert einführt:

Check24 und der Penisstecker

Welcher Mann hätte diesen Blick und diese Handhabung nicht gern in einer anderen Situation?

Check24 und der Penis Stecker

„Nichts ist schöner für mich als den großen Stecker meines Mannes einzustöpseln“

Es ist fast so als hätten die Macher des Spots kurz überlegt, ob es zu viel ist und dann lieber noch eine Schippe drauf gelegt, falls es zuwenig sein sollte.

Er schneidet ihr dann noch mit seiner Riesenmotorsäge ein Herz zurecht und sie haucht ihm einen Kuss zu. Die Botschaft:

Spare auch du, dann ist deine Frau zufrieden und guckt deinen Penis an, wie diese Frau den Stecker. Du wirst ein Riese sein, besser als alle anderen Männer.

3. Nespresso – What else

 

Die Botschaft hier: Auch du kannst so cool sein, wei George Clooney, egal wie du aussiehst. Du musst dir nur unseren Werbespot merken und den Kaffee trinken, dann wollen dich die schönen Frauen. Du steigst in der intrasexuellen Konkurrenz auf. Wirklich. Es ist egal, dass du etwas dick und nicht so toll wie George bist. Unsere Marke und ihren Werbespot zu kennen ist ein wichtiges Kulturelles Signal für den Mann von Welt. Sei nicht unwissens, sei cool und merke dir, dass es ein toller Kaffee ist, den Frauen mögen. Oder wahlweise: Wenn du weißt, wie man mit unserem Kaffee umgeht, dann wollen andere Männer dich imitieren, weil sie sehen, dass Frauen dich wollen.

 

Sprich:

Die Werbung baut immer noch auf sehr klassische Aspekte auf: Unser Produkt ist ein gutes Signal, welches einen hohen Partnerwert anzeigt. Das wird leichter oder stärker verschlüsselt angegeben, denn die direkte Botschaft „Das Produkt macht dich bei Frauen attraktiv“ würde billig wirken. Deswegen ist es eher der schlaue Sparer, der Vater, der will, dass sein Sohn zu ihm aufblickt und der witzige Kaffeetrinker. Aber die Botschaft wird doch recht zentral positioniert und mit dem Produkt verknüpft.

Man muss keine Titten zeigen, um eine „Sex sells“ Strategie zu fahren.

 

„Warum Frauen untereinander konkurrieren“

Ein Text einer Autorin behandelt das Thema, warum Frauen untereinander konkurrieren, also eigentlich intrasexuelle Konkurrenz.

Sie schreibt zur Ausgangslage:

Women compete, compare, undermine and undercut one another — at least that is the prevailing notion of how we interact. It’s considered exceptional, or at least noteworthy, that famous women like Amy Schumer and Beyoncé and Taylor Swift acknowledge that other women are talented, and frequently work with those other women without, in most cases, being catty about it. This makes them feminist heroes. Feeling on guard around other ladies is normal for a lot of women, and it’s exhausting. I exhausted myself for years trying to understand how other girls could have gone from my closest allies to my scariest foes. I write an advice column and get a fair number of questions from women asking how to handle not trusting other women, so I know I’m not alone.

Mir scheint es auch so, dass Frauen eher als Männer von bester Freundin zu größter Freundin wechseln können, vielleicht auch, weil sie mehr übereinander wissen und die Sache insofern emotionaler ist. Eine wesentliche Ursache scheint mir auch zu sein, dass weibliche Konkurrenzkämpfe im Wege der prosozialen Dominanz ausgetragen werden und damit viel subtiler sind. Sie werden auch häufiger verdeckt ausgetragen und während sich beide anlächeln, da man ja bei dieser Konkurrenzart der sorgende und freundliche sein muss, wenn man gewinnen will, während männliche Wettkämpfe oft direkter sind, deswegen aber auch eher gewisse Streitschlichtungsmechanismen kennen.

Im Artikel heißt es weiter:

A good amount of research has been done on female competitiveness, both in condescending and eye-opening ways. A literature review by Tracy Vaillancourt in 2013 found that women by and large express indirect aggression toward other women, and that aggression is a combination of “self-promotion,” making themselves look more attractive, and “derogation of rivals,” being catty about other women.

Das wären ja die klassischen zu erwartenden Mittel innerhalb der evolutionär entstandenen intrasexuellen Konkurrenz: Den anderen schlecht aussehen lassen und sich selbst gut.

In der Studie heißt es dazu im Abstract:

Indirect aggression includes behaviours such as criticizing a competitor’s appearance, spreading rumours about a person’s sexual behaviour and social exclusion. Human females have a particular proclivity for using indirect aggression, which is typically directed at other females, especially attractive and sexually available females, in the context of intrasexual competition for mates. Indirect aggression is an effective intrasexual competition strategy. It is associated with a diminished willingness to compete on the part of victims and with greater dating and sexual behaviour among those who perpetrate the aggression.

Sexuelle Schönheit wäre ein Attraktivitätsmerkmal von hoher Bedeutung, ebenso wie ihre Eigenschaft, Vatersicherheit zu geben. Es verwundert daher nicht, dass beides zur Abwertung verwendet wird. Ich hatte diese Studie aber auch schon hier besprochen.

Im Artikel werden die Theorien, aus denen Konkurrenz besteht, dann wie folgt dargestellt:

There are two main theories of why women are competitive in indirectly aggressive ways. Evolutionary psychology, which uses natural selection to explain our modern behaviors, says that women need to protect themselves (read: their wombs) from physical harm, so indirect aggression keeps us safe while lowering the stock of other women. Feminist psychology chalks up this indirect aggression to internalizing the patriarchy. As Noam Shpancer writes in Psychology Today, “As women come to consider being prized by men their ultimate source of strength, worth, achievement and identity, they are compelled to battle other women for the prize.” In short: When our value is tied to the people who can impregnate us, we turn on each other.

Ich würde den evolutionären Ansatz so wiedergegeben, dass Frauen körperlich nicht wirklich konkurrieren können, da sie jedenfalls schwächer sind als Männer und wegen der Schwangerschaft insoweit auch körperliche Gewalt wesentlich kostengünstiger ist.

Die feministische Theorie scheint mir da weit weniger überzeugend: Zum einen berücksichtigt sie nicht, dass Männer um Frauen konkurrieren und Frauen um Männer und das in den meisten Spezien der Fall sein dürfte, wenn auch in anderer Form. Die (teilweise wesentlich härtere) Konkurrenz um Frauen durch die Männer passt da dann nicht ins Bild. „Internalisierter Sexismus“ ist eh eine sehr schwache Erklärung: Sie lässt Frauen erst einmal die blöden sein, die noch nicht mal merken, dass sie nur benutzt werden. Und es hat ja auch heute meines Wissens nach nicht nachgelassen, obwohl Frauen viel unabhängiger von Männern sind.

Der Ausweg der Autorin:

In high school, I decided that all of my female friends were stupid and traded them for guy friends. I loved horror movies and heavy metal, and used these interests to become a “guys’ girl.” I thought that by segregating myself, I would save myself from the awareness that I wasn’t ever going to be pretty/perfect/cool enough, and occasionally I would get to make out with a male pal because hormones were running rampant. When another guys’ girl joined our group, she and I became fast friends by lamenting how stupid girls were, and when we met new boys, we threw each other under the bus to flirt with them. I felt sick when she did this to me, felt a sick thrill of power when I did it to her.

Instead of openly hating women, I used hate’s sneaky little sister and told myself that I pitied women who worked hard to be conventionally attractive, who had jobs that utilized their feminine wiles, who were “too girlie.” “Poor her,” I’d cluck at parties, “wanting attention so badly. I wonder who hurt her. Let’s discuss this art rock band I saw last week.” Self-promotion: check. Degradation of rivals: check.

Dass „männlichere Frauen“ oft besser mit Männern zurechtkommen, weil es dort eben diese Zickigkeit nicht gibt und man evtl noch aufs Podest gestellt wird hatte ich schon mal hier geschrieben. Da stellt dann eine andere Frau die Konkurrenz wieder her und das kann dann dazu führen, dass die Frau ganz glücklich ist, wenn sie die einzige in der Clique ist oder sich jedenfalls die anderen Frauen nicht für die gleichen Männer wie sie interessiert. Interessanterweise hat sie damit letztendlich genau die gleichen Taktiken angewendet, die sie bei Frauen eigentlich nicht mochte.

Dieses „sie will so dringend Aufmerksamkeit, dass sie sich an Männer anbiedert“ ist im übrigen ja auch ein Vorwurf, der im Feminismus gerne gemacht wird, wenn andere Feministinnen Männer nicht deutlich genug als Feind einordnen. Interessanterweise findet man viele klassische Prozesse intrasexueller Konkurrenz im Feminismus wieder, insbesondere die Abwertung der anderen Frauen: Die biedern sich eben nur an, haben ihren eigenen Wert vergessen und stattdessen Sexismus internalisiert, nur damit Männer mit ihnen schlafen. Man möchte fast ein „die Schlampen“ ergänzen, aber das wäre ja slutshaming.

Sie stellt dann noch eine dritte Theorie vor:

Research tells us that women are compelled to level the playing field by any means necessary to make sure we have access to the best genetic material, but since these are not real concerns in our modern lives, our competitiveness becomes something a bit more private and understandable.

That’s the third theory of female competitiveness that I’d like to propose: We aren’t competing with other women, ultimately, but with ourselves — with how we think of ourselves. For many of us, we look at other women and see, instead, a version of ourselves that is better, prettier, smarter, something more. We don’t see the other woman at all.

It’s a fun-house mirror that reflects an inaccurate version of who we are, but we turn on her anyway, because it’s easier. But we don’t need to lower the stock of other women, either for the future of the species or for our own psyches. When we each focus on being the dominant force in our own universe, rather than invading other universes, we all win.

Da hat sie einfach nicht verstanden, dass evolutionär verankerte Denkweisen nicht einfach wegfallen, wenn sie sich nicht mehr lohnen, sie bestehen häufig schlicht als Begehren oder Anreiz fort. Es ist heute nicht mehr sinnvoll, fett- und zuckerhaltige Speisen zu mögen, weil wir jederzeit unseren Nährstoffbedarf decken können. Genauso konkurrieren wir immernoch um die besten Gene, weil wir die Anzeichen dafür als attraktiv und anregend in Menschen begreifen. Das alles hat wie man der Theorie des egoistischen Gens entnehmen kann auch nichts mit dem Wohl der Spezies zu tun. Es ist einfach häufig eine unterbewußte Reaktion auf bestimmtes Verhalten. Aus meiner Sicht bleibt intrasexuelle Konkurrenz die beste Erklärung. Aber natürlich kann man sich auch bewußt machen, dass dies kein sinnvoller Weg ist und entsprechendes Verhalten trotz dieser Impulse vermeiden. Wie immer wenn Biologie ins Spiel kommt, ist dies aber durchaus schwierig. Das kann man dann natürlich als inneren Kampf mit sich selbst sehen, es ist aber weniger ein dritter Weg als die Folge der evolutionären Theorien.

 

„Männlichkeit ist so zerbrechlich“ #MasculinitySoFragile

Mal wieder gab es einen feministischen Hashtag auf Twitter, diesmal dazu, dass Männlichkeit ein Konzept sei, bei dem sich Männer immer wieder versichern müssten, dass sie tatsächlich Männer sind und das entsprechend absichern wollen.

Ich habe mal nach einem Artikel dazu gesucht und diesen hier gefunden, der passt, auch wenn er schon älter ist:

The traditional idea of masculinity is still strongly abundant throughout western culture today. From the age we are old enough to understand the concept, to the time we kick the bucket. Countless times I have witnessed boys in the playground in tears told to “stop crying and be a man”. Numerous physical education lessons where boys were told through roars of laughter and condescending giggles that they “throw like a girl”.

Das wäre also im wesentlichen, dass Männer in dem Konzept der Männlichkeit unsicher sind, weil sie bei entsprechender Sicherheit keine solchen Abwertungen des weiblichen vornehmen müssten bzw. sich selbst nicht so einengen müssten und ihre Männlichkeit durch alles bedroht sehen würden, was als „nichtmännlich“ gilt.

My question isn’t why this constant competition of one upmanship and why it’s still prevalent in a supposedly evolved culture. But if it’s so integral to our society, then how is it so fragile?

All it takes would be a few ‘effeminate’ actions to bring the entire system down on its head.

Ich glaube das hat sie eine etwas falsche Vorstellung von der Verletzlichkeit oder der Anfälligkeit von Männlichkeit. Nur, weil wir jemanden sagen, dass er wirft wie ein Mädchen bleibt er ja ein Mann. Er verliert vielleicht ein paar Punkte in der Konkurrenz um die Spitze, aber das ändert nichts an seinem Mann sein.

Einiges davon sind auch einfach nur Sprüche, mit denen man eben klarkommen muss, ein sich messen. Natürlich kann das für Männer, die sich tatsächlich nicht so sicher in ihrer Geschlechterrolle fühlen, aber meinen das nicht zugegeben zu dürfen,


Would that be so terrifying? To not hide a friendship behind the term bromance, because it’s weird to hang out with the same sex, but to instead call a spade a spade?

Ich finde gerade eine „Bromance“ ist ja eher ein zugehen auf Homosexualität, weil es eben eine Freundschaft einer Beziehung gleich stellt

No you’re not wearing a manbag, you’re wearing a handbag.

Gut, der Begriff „Manbag“ hat glaube ich keine deutsche Entsprechung. Aber die Handtasche ist in der Tat ein sehr weibliches Aufbewahrungsutensil. Allerdings ist es auch verständlich, dass man klare Signale senden möchte, das geht denke ich Frauen nicht anders.

Not because you have a vagina but because you have the same limbs as a woman. That’s not guyliner on your face, it’s eyeliner, because you have eyes, not guys. Well, you might have guys, but that’s neither here nor there. You want to give someone of your gender a hug or do something that might be considered feminine or homosexual? You can do so as long as you say “no homo” as you do it. 
Of course there are many males in society who have no qualms with abolishing these norms, but I can still see it like the big pink elephant in the room.

Bei den meisten Männern ist es weder Guyliner noch Eyeliner. Schminken für Männer ist noch nicht sehr populär oder habe ich etwas verpasst. Abgesehen von der Gothicscene würden es wohl auch die meisten Frauen merkwürdig finden und entsprechend reagieren.

When you ask a girl if another female is attractive, they will have no qualms with being completely honest, we don’t question our sexuality when we do it, and we don’t question others when we ask them the same thing.

Das ist schon lustig: Wenn man eine Frau fragt, ob eine andere Frau hübsch ist, dann kann das wegen intrasexueller Konkurrenz durchaus stark vermintes Gebiet sein. Sie mögen dann ihre Sexualität nicht hinterfragen, wohl aber ihren Partnerwert. Was ja auch der Grund dafür ist, dass viele Feministinnen extreme Probleme mit Werbeplakaten mit „normschönen“ Models haben.

But ask a self proclaimed masculine guy if another guy is attractive and all hell breaks loose. They won’t even look at them, and will start melodramatically claiming that they aren’t gay. I just asked you if a guy was attractive, not if you wanted to bang them. 
But how are we to stop this ridiculous facade that’s so damaging to our society that you can practically choke on its toxicity?

Kommt mir auch eher wie ein Strohmann vor. Wenn mich eine Frau fragen würde, ob ein anderer Mann schön ist, dann würde ich eben was dazu sagen, ob er attraktiv ist. Das kommt durchaus häufiger vor, wobei ich häufig daneben liege, weil Frauen auf ganz verschiedene Typen stehen.

I don’t think these overtly hetero guys really mock homosexuals for having sex with men, but because they’re jealous of the freedom that homosexuals have had to attain to even come out.

Das wäre ja ein Argument für Adrian. Wir sind vielleicht auch durchaus neidisch darauf, dass Schwule das so unkompliziert haben, aber deswegen will man ja noch lange nicht mit einem Mann schlafen. Es ist denke ich eher eine Form intrasexueller Konkurrenz und eben auch fehlendes Verständnis für die Hingezogenheit zum eigenen Geschlecht.

All these various types of homosexual men are the complete embodiment of what these poor masculine guys need. But can we blame you for hating on someone who hasn’t had to suppress their emotions and boundaries their entire life?

Auch interessant: Schwule müssen ihre Emotionen und Grenzen nicht unterdrücken? Das klingt ja fast nach einer Privilegierung. Genug Schwule werden sich mit einem Coming Out eher schwerer getan haben. Die meisten Männer müssen auch nicht beständig Emotionen unterdrücken, sie sind ganz zufrieden mit den Emotionen, die sie haben und zeigen.

Yes it’s a ridiculous construct, but one that is so salient we might as well consider it nature instead of nurture. Did you know studies show that it’s likely for a man’s self esteem to drop if someone holds the door open for them? Also that when they find out their female counterparts who they’re in relationships with perform a task better than them that that can also bruise their ego? That sure doesn’t sound healthy to me.

Das ist ja auch reichlich übertrieben. Klar können bestimmte Punkte auch am männlichen Ego kratzen, andererseits auch nicht ganz ohne Grund, wenn ihn seine Freundin beständig überflügelt. Ansonsten scheinen mit viele Partnerschaften durchaus darauf ausgerichtet zu sein, dass der Partner in anderen Sachen gut ist als man selbst

Internalised sexism, misogyny, homophobia, transphobia, racism, bigotry and violence all stems from this traditional gender ideal of masculinity. This is why it needs to be redefined into something harmless, something where freedom of expression is the norm and eccentricity is celebrated.
This is why mental health is such a stigma for men, because when they want to reach out they are taught they can’t which results in a higher suicide risk. And everyone knows what happens when feelings are bottled up inside for too long, there will come a point where you explode, and that explosion is sure as hell going to result in some casualties.

Das wäre dann der „Befreiungsansatz“. Männer leiden unter der Männerrolle, die das Patriarchat geschaffen hat und der Feminismus will sie ja gerade davon befreien. Die meisten Männer sind aber gar keine Sexisten, Frauenfeinde, nicht schwulenfeindlich und auch nicht transphob, nicht rassistisch und üben auch keine Gewalt aus. Hier wird mehr Befreiungsnotwendigkeit suggeriert als eigentlich vorhanden ist.

Es ist auch interessant, dass sie da anscheinend die Frau als so frei ansieht, die doch ansonsten gerade als in ihren nachteiligen Geschlechterrollen feststeckend bezeichnet wird und dabei die Feindlichkeit gegen das eigene Geschlecht und ihre Schlechtigkeit so sehr verinnerlicht hat, dass sie noch nicht einmal gegen das Patriarchat stimmen kann, um sich davon zu befreien.

So richtig konsistent ist der Feminismus da nicht: Auf der einen Seite die unterdrückte Frau, die auf der anderen Seite doch wieder die gute ist, die wenigstens Gefühle ausleben kann.

How many boys need to kill themselves? How many transgender people must be murdered? How many women sexually assaulted while their children have to stand by and watch, helpless?

„Wenn ihr euch nicht ändert, dann seid ihr eben potentielle Mörder und Vergewaltiger, im Feminismus aber liegt das Heil“ ist merkwürdigerweise keine Betrachtung, mit der man die meisten Männer begeistert und sie davon ausgehen lässt, dass Feminismus nichts gegen Männer hat. Denn diese Schuldzuweisungen für Männer generell, die schlicht nichts mit der Lebenwirklichkeit der Männer zu tun hat, ist eben nicht sehr überzeugend.

Because if you raise a man to think he is nothing but his gender and the pride he has in it, once that is stripped of him, even for one moment, I’d hate to be a bystander when that mask is ripped off. Because it’s going to be the most terrifying thing to ever witness. 

So next time you tell someone to grow a pair or be a man, understand that masculinity is a killer and it has no place in this world

Der Mann als tickende Zeitbombe, wenn nicht gar tickende Atombombe („die angsteinflössenste Sache die man sehen kann“). Welch Dramatik! Dabei sind die allermeisten Männer zum einen durchaus mit ihrer Männlichkeit im reinen und zum anderen auch vollkommen ungefährlich.

Interessanterweise sind es auch eher Kinder, die sich in ihren Rollen wohlfühlen, die mit Abweichungen besser umgehen können und sich nicht an das starre Konzept klammern müssen. Hatte ich hier eine Studie zu, finde ich aber gerade nicht.

Nun aber zu den Tweets

Jemanden vorsichtig abzulehnen ist immer ein guter Weg, weil man eben nur sein eigenes Verhalten planen kann, aber nie weiß, wie der andere tickt. Im übrigen reagieren Frauen super angepisst, wenn man sie zurückweist. Auch dort kann es insofern für Männer besser sein, dass man vorsichtig ist. Der umgekehrte Fall ist nur schlicht häufiger, weil Männer nach wie vor ansprechen müssen.

Könnte natürlich daran liegen, dass er schlicht Männerhass ist, weil er eben Männlichkeit unnötig dämonisiert. Da finden doch Männer einfach nicht, dass sie – allesamt – wandelnde Bomben, Mörder und Vergewaltiger sind, wie können sie nur so wenig Selbstreflektion haben!?!

Weitere Tweets gehen in die gleiche Richtung – Männlichkeit sei so zerbrechlich, dass Männer bei dem kleinsten Infragestellen ausrasten und gewalttätig werden oder sich in selbstzerstörerische Wettbewerbe schmeißen.

Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten:

Gerade Feministinnen sind in der Tat zerbrechlich und stellen Frauen auch so dar: Ein Vortrag in dem dargestellt wird, dass es gar keine Rape Culture gibt? Man braucht Katzenbabybilder um das überhaupt ertragen zu können. „Mikroaggressionen“ sind regelmässig geeignet das Ende der Welt auszurufen. Das können dann extreme Kleinigkeiten sein, die schon das Patriarchat belegen. Wer widerspricht wird geblockt. Wer nichtkonformes in die Timeline trägt wird auch geblockt, zumindest aber gemaßregelt.

Hier scheint mir die eigene Zerbrechlichkeit eher auf die Gegner übertragen worden zu sein.

Intrasexuelle Konkurrenz und Sexismus am Beispiel von Computerspielen

Die Studie liegt schon einige Zeit in meinem Entwürfeordner, jetzt hat Kommentator Yeph auch noch mal darum gebeten, sie hier zu besprechen, hier nun also eine Studie, in der es darum geht, inwieweit Männer aggressive, sexistische Bemerkungen im Rahmen intrasexueller Konkurrenz nutzen.

Hier der  Abstract:

Gender inequality and sexist behaviour is prevalent in almost all workplaces and rampant in online environments. Although there is much research dedicated to understanding sexist behaviour, we have almost no insight into what triggers this behaviour and the individuals that initiate it. Although social constructionist theory argues that sexism is a response towards women entering a male dominated arena, this perspective doesn’t explain why only a subset of males behave in this way. We argue that a clearer understanding of sexist behaviour can be gained through an evolutionary perspective that considers evolved differences in intra-sexual competition. We hypothesised that female-initiated disruption of a male hierarchy incites hostile behaviour from poor performing males who stand to lose the most status. To test this hypothesis, we used an online first-person shooter video game that removes signals of dominance but provides information on gender, individual performance, and skill. We show that lower-skilled players were more hostile towards a female-voiced teammate, especially when performing poorly. In contrast, lower-skilled players behaved submissively towards a male-voiced player in the identical scenario. This difference in gender-directed behaviour became more extreme with poorer focal-player performance. We suggest that low-status males increase female-directed hostility to minimize the loss of status as a consequence of hierarchical reconfiguration resulting from the entrance of a woman into the competitive arena. Higher-skilled players, in contrast, were more positive towards a female relative to a male teammate. As higher-skilled players have less to fear from hierarchical reorganization, we argue that these males behave more positively in an attempt to support and garner a female player’s attention. Our results provide the clearest picture of inter-sexual competition to date, highlighting the importance of considering an evolutionary perspective when exploring the factors that affect male hostility towards women.

Quelle: Insights into Sexism: Male Status and Performance Moderates Female-Directed Hostile and Amicable Behaviour (PDF, Volltext) (weitere Daten)

Die Frage in der Studie war demnach:

Wie reagieren Männer darauf, dass Frauen in eine ansonsten männliche Hierarchie und den dort bestehenden Wettbewerb eindringen?

Und ihre Vermutung ist, dass die Männer, deren Platz dadurch gefährdet ist, erst einmal feindselig reagieren und die Frauen runtermachen, damit ihr eigener Statusverlust geringer ist. Sie sehen diese durch ihre Forschung bestätigt.

Ich finde die Frage sehr spannend. Sie ist eine Untersuchung wert. Denn Konkurrenz unter Männern verläuft nach bestimmten Regeln, die auch evolutionäre Hintergründe haben und ein evolutionär bedeutsames Ziel ist dabei, in der Hierarchie aufzusteigen, weil einen das attraktiver für Frauen macht. Wenn sich nun Frauen in diese Hierarchie einmischen, dann kann das natürlich durchaus Auswirkungen haben. Ich könnte mir vorstellen, dass es ganz unterschiedliche Folgen haben kann:

  • Eine Hierarchie, die jemand nutzen will, um sich gegenüber Frauen zu profilieren, kann schlecht als besonderer Nachweis von  Männlichkeit ausgewiesen werden, wenn einen Frauen dort übertreffen. Es wäre zu vermuten, dass dazu eher Wettbewerbe genutzt werden, in denen Männer überwiegend gegeneinander antreten.
  • Wer sich gegenüber Frauen beweisen will, indem er besondere Leistungen erbringt, könnte sein Scheitern besonders nachdrücklich vor Augen geführt bekommen, indem die Frau besser ist als er. Wenn „nur“ Männer besser sind als er, dann kann er sich immer noch im Verhältnis zu ihr positionieren („Okay, ich bin nur dritter, aber das könnte ja trotzdem noch gut genug für sie sein“). Der direkte Vergleich hingegen lässt diese Positionierung nicht mehr zu.
  • Allerdings muss die Bewertung ja auch nicht in direkter Konkurrenz erfolgen. Dies ist letztendlich allenfalls dann erforderlich, wenn in einem „gschlossenen System“ eine andere Ebene nicht gibt. In vielen Systemen ist dies gar nicht der Fall: Nimmt man beispielsweise Karriere und Beruf als einen der wesentlichen Faktoren, in denen sich Männer um Status und innerhalb von Hierarchien konkurrieren, dann kann man hier Frauen durchaus ausblenden, weil man zB als Oberarzt, Abteilungsleiter, erfolgreicher Unternehmer oder was auch immer an der abstrakten Position bemessen wird bzw. aus daraus folgenden Statussymbolen bzw. der sich daraus ergebenden Position. Die Bewertung ist in dem Fall relativ unabhängig davon, ob eine Frau über einem steht. Der Oberarzt ist ein Oberarzt, ob die Chefärztin oder ein Chefarzt über ihm steht.

Aber nun zur eigentlichen Studie:

Diese stellt die theoretischen Überlegungen wie folgt dar:

From an evolutionary perspective, intrasexual competition is common and is one of the strongest forces shaping sex differences [8]. This is also true in humans and the fact that direct conflicts were largely fought by men [9] can help explain sex differences in body structure [10,11]. In a similar manner, these biological sex differences also shaped sex-specific competitive strategies. As a man’s access to resources and mates (i.e. fitness) is determined by his position in a hierarchy [12–14], it is important for men to understand and navigate dominance hierarchies enforced through overt signals of dominance [15]. In contrast, there is no evidence that a woman’s fitness is determined by her position in a hierarchy, making overt hierarchical navigation less important. In addition, because direct conflicts are relatively more costly for women [16], women generally use more subtle competitive strategies that reduce the social status of rivals and minimize retaliation [17,18]. The sexes thus differ in how social hierarchies are navigated, and the correlation between the placement within a hierarchy and fitness. Despite these historical sex-differences in competition, men and women currently interact and compete for the same professional positions and accolades [2,3]. The modern competitive environment has shifted in such a way that individual status is determined by performance metrics largely unrelated to physical differences. Nonetheless, gender differences in perceptions of hierarchies and behaviours associated with negotiating them could potentially explain the increased hostility women experience in competitive scenarios. Nowhere is this more apparent than in online environments where physical differences are inconsequential, yet women receive more than four-times the negative comments from men [19,20].

Es hat natürlich erst einmal etwas lustiges, wenn sich feministische Seiten auf eine Studie stürzen und sie freudig zitieren, die erkennbar von biologischen Unterschieden ausgeht und das im wesentlichen gar nicht thematisieren. Andererseits können sie sich ja die Ergebnisse zu eigen machen ohne die Begründung zu teilen. Hier scheint mir aber im letzten Satz auch eine kürzliche Studie übersehen zu werden, nachdem eher Männer mehr gemobbt werden oder habe ich das falsch in Erinnerung?

Dann weiter aus der Studie zu den verschiedenen Ansätzen:

To explore social constructionist and evolutionary explanations for sexist behaviour, we examine how individual performance and social standing affect female-directed male behaviour using an online first-person shooter video game, Halo 3 (see methods for greater details´regarding the game). According to social constructionist theory, men behave in a sexist manner towards women to remove them from a male-dominated arena (i.e. backlash) [6].

Social constructionist theory thus predicts that focal male players should be relatively more negative and less positive towards a female (outgroup member) compared to a male-voiced teammate when encountered regardless of the focal player’s in-game performance or status.
In contrast, evolutionary theory suggests that sexist behaviour is in response to a threat to a male’s position in the hierarchy, which if reduced, limits his access to potential mates. Evolutionary theory thus predicts that a male’s behaviour should be moderated by status and performance, such that only lower-status males that have the most to lose with a hierarchical reorganization by the introduction of a female competitor will be hostile towards female players. It also predicts that higher-status males should decrease the frequency of negative comments and increase their frequency of positive comments as female-voiced players represent a potential mate. Evolutionary theory also makes a secondary prediction regarding male-male interactions: the frequency of positive and negative comments should follow a typical hierarchical response such that poorer performance and lower status should evoke submissive behaviour (more positive and fewer negative statements).

Diese evolutionären Überlegungen finde ich sehr kurz gehalten. Denn sexistisches Verhalten ist nur eine Möglichkeit auf das Eindringen zu reagieren. Dazu finde ich bei dieser Fragestellung auch den Aufbau interessant:

Es wurden Spieler beim Egoshooter „Halo 3“ beobachtet und sowohl ihr Spielerfolg als auch die dabei stattfindenden Gespräche ausgewertet. Dabei bilden immer 4 Spieler ein Team, welches gegen 4 andere Spieler antritt (ich habe nie Halo 3 gespielt, aber so entnehme ich es der Studie). Es wurden dann einmal Spiele gespielt, in denen die Spieler nicht als weiblich oder männlich zu identifizieren waren und einmal wurden vorher aufgezeichnete Stimmen, die entweder männlich oder weiblich waren während des Spiel verwendet.

Die verwendeten Sätze waren dabei:

Pre-game

           “Hi everybody”

           “I like this map”

           “Alright team let’s do this”

In-game

           “Nice job so far”

           “Nice shot there”

           “That was a great kill you just had”

           “This game is going good so far”

           “I think I just saw a couple of them heading this way”

Post-game

That was a good game everyone”

 “I had fun playing that game”

Thanks for the game, bye”

Miscellaneous

Yes”

No”

I can’t talk right now”

 

Ausgewertet wurde dabei, was männliche Spieler zu durch die Stimme als weiblich identifizierte Teamkolleginnen sagten. Es wurde also insofern quasi „Konkurrenz in der Gruppe bei Zusammenarbeit zur Erreichung eines Ziels“ überprüft, wenn ich das richtig verstehe.

Da würde sich für mich natürlich die Frage stellen, ob da überhaupt eine wesentliche Konkurrenzsituation besteht. Die eigentliche Konkurrenz besteht ja nicht innerhalb der Gruppe, sondern gegenüber der anderen Gruppe.Es wäre also erst einmal zu frage, inwieweit das ganze überhaupt als Konkurrenz gewertet wird. Ebenso wäre zu fragen, wie verbissen die jeweiligen Leute überhaupt um die Position innerhalb der Gruppe kämpfen. Es wäre ja auch genauso möglich, die Frauen zu unterstützen um mit ihnen ins Gespräch zu kommen oder sie spielerisch herauszufordern. Sicherlich ist es ärgerlich, wenn man beispielsweise der „schlechteste Spieler“ in der Gruppe ist, aber nach meiner Erfahrung mit Egoshootern kann eine hohe Todesrate auch an einem sehr aggressiven Spielstil liegen. Soweit ich das gesehen habe, kann man entweder „Capture the Flag“ oder „Deathmatch“ spielen. Ich habe in der Studie keine Angabe gefunden, was eigentlich gespielt wurde. Habe ich da was übersehen?

Interessant ist natürlich, was nun eigentlich genau gesagt wurde. Dafür sind Beispiele in den oben verlinkten Zusatzdaten genannt:

Negative-Female
“Lasher dude you suck dick.”
“Yeah, stop stealing my kills, you little piece of shit.”
“Shut up, you whore. She’s a nigger though.”
“Should’ve made me a sandwich, bitch.”
“It’s the bitch stealing my kills.”

Negative-Male
“Lasher, you sucked.”
“Freaking retard.”
“I liked your lag trick, jackass.”
“You suck dick.”
“Bitch had my laser, thank you very much.”

Positive-Female
“Ooh, you should nice.”
“After this game party up.”
“Do ya thing, girl.”
“Yeah, that was beautiful.”
“I love you, I love you.”

Positive-Male
“Party up.”
“Good game, guys.”
“Good game Lasher.”
“I’m so proud of you being the highest level player in here.”
“That was awesome, that was so sick.”

Neutral-Female
“Are you there?”
“Lasher man, what’s up?”
“Are you good at this game?”
“Lasher or whatever, what’s your gamertag?”

Neutral-Male
“You wanna jump in the jeep?”
“Are you gonna use them rocket?”
“You guys wanna team?”
“From where, which direction?”

Ich finde es schwer, da eine neutrale Bewertung vorzunehmen. Wenn zu einem schlechten Spieler „Nice Job so far“ oder „Nice Shoot“ gesagt wird, dann wäre es ja auch nicht verwunderlich, wenn er das als Spot auffasst und eher negativ interpretiert und das auch anders von einer Frau interpretiert als von einem Mann. Während es bei einem Mann vielleicht tatsächlich als „mist, er hat recht“ eingestuft wird schwingt eben bei einer Frau dann evtl auch noch mit, dass sie einen tatsächlich für einen Versager und einen uninteressanten Mann bewertet. Ebenso lassen „yes“ „no“ und „i cant Talk right now“ jemanden der eine Frau als Aufforderung zum Flirten sieht vielleicht eher ebenso bestimmte Antworten geben. Wenn es so verstanden wird, dann wäre ein „Stop stealing my kills, bitch“ als Ratonalisierung auch durchaus eher verständlich.

Die Ergebnisse sind dann wie folgt:

Sexismus in videospielen

Sexismus in videospielen

Ich finde hier interessant, dass die Anzahl der negativen Kommentare insgesamt sehr gering ist. Die Skala reicht nur von 1-5, was relativ wenig ist. Es wäre interessant, ob gute Spieler überhaupt weniger sprechen und es liegt nahe, dass die, die sich auf neutrale Kommentare, die nur auf das Game Play bezogen sind, eher konzentrierter auf das Spiel sind. Auch interessant: Die Spieler, die am wenigsten starben, machten absolut weniger feindselige Kommentare gegenüber Frauen, aber auch gegenüber Männern. Sie machten aber immer noch im Verhältnis mehr negative Kommentare gegenüber Frauen. Was die Aussage, dass gute Spieler weniger sexistisch sind, aus meiner Sicht etwas einschränkt. Es legt nahe, dass diese Leute eher entweder aufs Spiel konzentriert waren oder aber generell weniger negativ gegenüber Teamkollegen waren, vielleicht weil sie als bessere Spieler auch eher ein Interesse daran hatten, Anführer zu sein und das Zusammenspiel zu fördern oder generell eher auf Teamplay aus waren, statt auf Trashtalk. Auch interessant: Bei den Leuten, die am meisten starben geht dann erst die Anzahl der negativen Kommentare gegenüber Männern über die der negativen Kommentare gegenüber Frauen hinaus. Die schlechteren Spieler sind anscheinend allgemein aggressiver und weniger am Zusammenspiel interessiert.

Bei den Kills ist das Bild interessant. Die Anzahl der negativen Kommentare gegenüber Männern bleibt relativ gleich, unabhängig vom Erfolg. Die Anzahl der negativen Kommentare gegenüber Frauen ist jedoch bei nicht so erfolgreichen Spielern relativ hoch. Hier liegt es vielleicht nahe, dass die erfolgreicheren Spieler die Hände voll und genug zu tun hatten und keine Zeit hatten, blöde Sprüche zu machen. Es wäre interessant, wodurch die negative Quote verursacht wurde. Waren sie weniger zielorientiert, schießen sie schlechter, war für sie interessanter, was der weibliche Spieler macht, damit sie Sprüche machen konnten?

Weitere Zahlen:

Sexismus in Videospielen

Sexismus in Videospielen

Hier sieht man einen sehr hohen Einfluss positiver und neutraler Kommentare auf das Ergebnis eines Spiels und auch einen gewissen, aber deutlich geringeren Einfluss negativer Kommentare.

Sexismus in Videospielen

Sexismus in Videospielen

Aus der Studie dazu:

We first examined whether game outcome, experimental manipulation, or metrics of individual performance affected the number of positive statements. There was a significant positive correlation between the number of positive statements and deaths (β = 0.20, χ2 = 14.61, p<0.0001, Table 1) with focal individuals that died more often stating more positive comments. There was also a significant interaction between experimental manipulation and the maximum skill level achieved by focal players (β = -0.31, χ2 = 7.01, p = 0.008) on the number of positive statements (Fig 1). In the female-voiced manipulation, lower-skilled players were less positive, while higher skilled players were more positive (Fig 1).

We next examined whether the number of positive statements made by focal players was correlated with their performance metrics relative to the experimental player. There was a positive correlation between the number of positive statements and the relative difference in deaths (β = 0.13, χ2 = 9.44, p = 0.002) such that focal players that had a relatively greater number of deaths than the experimental player made more positive statements. Focal players with a higher skill achieved relative to the experimental player also made more positive comments (β = 0.29, χ2 = 5.12, p = 0.02); there was a near-significant interaction with manipulation such that the experimental player in the female-voiced treatment received more positive comments when focal players were of a higher skill level, but fewer positive comments when the experimental player was higher in skill (Fig 2). There was also a negative correlation between the relative difference in the number of kills and the number of positive statements (β = -0.17, χ2 = 9.05, p = 0.003) such that focal players that had relatively fewer kills than the experimental player made more positive statements. There was no effect of the manipulation or any of the other manipulation by performance interactions (Table 2). For the examination of negative statements, there were two focal players in the femalevoiced manipulation that made 10 more negative statements than the next highest individuals (greater than 5 standard deviations from the mean). As a result, we removed them from our analysis to ensure they did not skew our results towards significance. Focal players stated more negative statements in the female-voiced (2.66±0.36) compared to the male-voiced manipulation (1.90±0.34, χ2 = 5.88, p = 0.0015; Table 1). The maximum skill level achieved by focal players was negatively correlated with the number of negative statements (β = -0.18, χ2 = 3.99, p = 0.046). There was also a significant interaction of the manipulation with both measures of focal player performance. Overall, there were a greater number of negative comments made by focal players in both manipulations as they died more often (i.e. their team performance decreased). However, focal players made a greater number of negative statements in the female-voiced manipulation when dying less (i.e. greater performance), and a greater number

Insgesamt scheint mir die Auswertung dafür zu sprechen, dass gute Spieler allgemein weniger reden und wenn, dann das Spiel betreffend. Sie machen allgemein weniger Kommentare, sowohl negative als auch positive. Interessanterweise wurde gar nicht untersucht, wie sich das Verhältnis von negativen zu positiven Kommentaren aufgeteilt auf Männer und Frauen verändert oder habe ich das übersehen? Würde mich interessieren, wenn das mal einer auswerten könnte.

Eine andere Stellungsnahme der Studie findet sich hier:

As someone who has looked at a myriad of studies about „video games and misogyny,“ I’ve seen a lot of flawed ones but this one is pretty amusing. The first problem is that hostility in this context doesn’t necessarily have a concrete criteria. For example, „Go fuck yourself, Dick,“ when directed at a male is very literally a gendered insult but it’s far less likely to qualify as legitimate harassment than, „Go fuck yourself, Cunt,“ when directed at a female. In most peoples mind it’s inherently worse because it’s an identical insult but it’s happening to a woman and women need to be protected and defended. I find this line of reasoning fairly patronizing.

The problem with most of these studies is that their very premise automatically puts women in a corner that requires them to be protected which means what might be attributed to standard trash talk for male players might be taken more seriously for female players even though the insults are very much identical.

This is less of a video game thing and more of a societal thing. Usually when crimes or harassment is directed at women it’s inherently worse in our society just by virtue of their gender. Male rape is a joke, and female rape is a very serious topic; domestic violence is very serious when it’s man on woman, but not woman on man; women serve less jail and prison time for equivalent crimes than men do; hell we have programs in schools to get more women into Universities even though they make up the majority of University students. There’s very much a protective mindset that kind of skews things especially in cases like this where hostility is very subjective.

I think given that societal mindset, it’s more likely that men and women are getting trash talked just as often or equally proportionate to their percentage of the player-base and because assholes online often try to get the biggest reaction out of players they go for things that they know will upset them. So when directed at women the insults might be more gendered than otherwise.

It’s interesting to look into, for sure, but I’m not too convinced it’s inherent misogyny. I think it’s bullies being good at getting under people’s skin.

Das finde ich interessant, weil es einen Punkt hineinbringt, der in der Studie gar nicht angesprochen wird: Das gesagte muss nicht Ausdruck einer tatsächlichen Haltung sein, Ein Troll muss nicht seine tatsächliche Meinung angeben, er muss nur etwas finden, was den anderen provoziert. Und mit einem weiblichen Namen hat er schlicht einen Anhaltspunkt, was sie provozieren könnte. Nämlich, dass ihr als Frau bestimmte Fähigkeiten abgesprochen werden. Wenn ihm trollen Spaß macht kann es sogar sein, dass ihm dies wichtiger ist als der Erfolg im Spiel. Er hätte dann nicht mehr das Ziel, der beste Spieler zu sein, sondern schlicht die Frau zu provozieren. Er würde dann auch wiederum schlechter abschneiden. Und hinzu kommt, dass für jemanden der trollt der als Frau zu erkennende Spieler gleichzeitig ein herausstechendes Ziel ist (bei 10% Frauen im Spiel fällt sie zum einen auf, zum anderen hat man einen guten Einstieg in eine Provokation. Ich vermute mal, dass ein männlicher Spieler mit einer Sprechbehinderung, einem komischen Akzent oder einer bestimmten Rasse oder etwa einem bestimmten ausländischen Land (etwa Nazisprüche bei einem Deutschen) ebenfalls mehr negatives auf sich ziehen würde.

Es ist auch in der Studie nicht gesagt, auf welchem Spielerlevel überhaupt gespielt wurde. Wenn es ein Einstiegslevel war, dann ist eben auch wahrscheinlicher, dass dort jemand einfach nur zum trollen ist, derjenige also das Spiel selbst als gar nicht so wichtig ansieht. Auf einem höheren Level dürfte hingegen das Spiel selbst immer mehr an Bedeutung erhalten.

In der Hinsicht finde ich auch den Kommetar einer weiblichen Spielerin dazu interessant:

Eine solche findt sich zB hier:

Also, just to throw this out there, when I used to play Halo 3 (just as an example) I would get a mixture of hostile messages and perverse ones. I had a girly gamertag so I was an obvious target in pregame and postgame lobbies. Didn’t even have to speak and the sexist remarks would come flooding in. More often than not, I would get a message about something sexual or about my body. Shit, I got friend requests everyday I played just because I was female. But in terms of them being hostile, especially when beating them? Those were more seldom used than the sexual stuff. I’d get told I was a fat bitch or that my boyfriend was playing or something if I was winning. I’ve written too much this comment already, so I’ll leave it here. I could write all day long about my Halo 3 days alone.

Und in einem weiteren Kommentar:

The „shut up“ one just seems like someone who’s trying to hurl as many offensive things as they can think of, tbh. If anything, I’d just furrow my brow at it and go about my business. The sandwich one is laughably trite. That’s like intro to insulting women 101 stuff and it really doesn’t bother people at this point. The „stealing my kills“ one just seems straight salty to make up for a lackluster performance. Given the context, it may even be a generic remark, anyways, since I can hear anyone saying it to literally any other player, regardless of gender.

Context is kinda important for all of these, though. But as it stands, none of them particularly bother me. And really, I do think it’s the sexual messages that are the worst (that and the „lost puppy“ and „white knight“ players you come across). Even when I do hear a comment about my skill/ability in relation to my gender, it rarely even catches my attention to warrant a response. The perverted stuff, though? Those are the ones you gotta watch out for. People will treat you like a piece of meat and/or seek out and destroy any little flaw they find in your appearance. Even if you’re some kind of insanely gorgeous supermodel whom plays video games at a pro level, you are either hideous trash that plays like an infant or a plaything to be objectified.

Und schließlich:

It’s funny that, in my time using gamertags/profiles that did not specify my gender, I was largely ignored. When someone did trash talk to me, it was generic in nature. But having an online handle that indicated you were female meant it was like open season. Without getting into it too much, I had explicit messages sent to me asking about my body measurements, my masturbation „habits,“ asking for nude pictures, love letters, suicidal love letters („love me or I’ll kill myself“), invitations to have sex or give oral, and many other, various things. And that’s just on Halo 3, not to mention all the other games I played or sites I visited.

Eine andere viel zitierte Besprechung ist die in Forbes:

Dort zweifelt man auch an, ob die Studie tatsächlich Sexismus belegt:

I would also argue that saying more negative things around women does not necessarily equal sexism unless those things are overtly sexist, which the study does not claim. It may mean that some men feel more comfortable expressing their frustration around women than around men. Perhaps they are more likely to act tough around other men, or—as the study suggests—be more submissive around other men. This doesn’t mean they’re more or less sexist.

Auch ein interessanter Einwand: Das unterschiedliche Verhalten berücksichtigt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, bei Männern ist man sich vielleicht einfach unsicherer, was zurückkommt oder ist weniger bereit Schwäche zu zeigen, indem man zB anzeigt, dass man das als „Stehlen eines Kills“ ansieht. (interessant wäre natürlich auch, ob die weiblichen Spieler eher Kills geklaut haben oder ob sich das Spielverhalten ansonsten unterschieden hat).

What this specific study suggests is that there’s a link between men who slip down the male hierarchy and an increase in aggression toward women. Then again, it’s also just one game that some people aren’t good at. They might be perfectly fine at many other games and still be aggressive. The study is limited in what it teaches us about human interaction. It’s not a bad study, but it’s only one and it can only reveal so much.

Auch dieser Einwand ist richtig. Es gibt viele Arschlöcher, die sehr gut in ihrem Job sind. Das das Ergebnis „Schlechtere Männer sind sexistisch“ so positiv aufgenommen wird ist eh interessant: Das würde ja immerhin bedeuteten, dass „Karrieremänner“ weniger sexistisch wären, Frauen also in höheren Positionen weniger Sexismus ausgesetzt wären. Etwas, was gegen den „Old Mens Club“ und das Ausschließen von Frauen auf allen Ebenen gerade zum Machterhalt sprechen würde. Insofern scheint mir dir positive Bezugnahme erneut wenig durchdacht.

Der Forbes-Artikel stellt dann noch da, wie falsch solche Studien immer wieder interpretiert werden, gerade wenn sie Anlass dazu geben, Männer abzuwerten und sexistisches Verhalten zu betonen. Auch das wäre etwas, was schlecht in ein Patriarchat passt. Sollte man nicht meinen, dass dort eine solche Studie weit weniger negativ für Männer dargestellt wird? Die Schlagzeile „Sexisten sind Loser“, die sich aus der Studie gerade nicht ergibt, waren sehr sehr häufig zu lesen.

Die Studie hat jedenfalls einiges an Interesse auf sich gezogen, was die Forscher zurecht freut:

Er ist auch ansonsten an Diskussion interessiert und scheint mir Kritik aufzugreifen.

 

Was sagt ihr zu der Studie?

Evolutionäre Theoriewoche: Natürliche und sexuelle Selektion (3. Tag)

Dieser Beitrag ist Teil der evolutionären Theoriewoche

Das heutige Thema ist:

Natürliche und sexuelle Selektion / Konkurrenz

Natürliche und sexuelle Selektion von Mutationen nach dem Prinzip egoistischer Gene ist das zentrale Element in der Evolutionsbiologie.

Natürliche Selektion ist dabei noch relativ bekannt, auch wenn es hier viele Fehlvorstellungen gibt. Es geht eben nicht im das „Überleben des Stärkeren“, sondern um die Verbesserung von Fortpflanzungsmöglichkeiten durch Selektion auf daran an besten angepasste Gene. Wobei Fortpflanzung hier weit zu verstehen ist und umfasst, dass man lang genug leben muss, damit man sich fortpflanzen kann.

Sexuelle Selektion ist unbekannter, aber ebenso von hoher Bedeutung. Aus einem Übersichtsartikel:

  • Neben der “natürlichen Selektion” gibt es noch die sexuelle Selektion. Dabei ist zu unterscheiden zwischen “intrasexueller Selektion (Konkurrenz innerhalb eines Geschlechts) und intersexueller Selektion (Zucht des einen Geschlechts durch das andere zur Auswahl von Fortpflanzungspartnern).
  • bei der sexuellen Selektion wirken sich die verschiedenen Kosten des Sex aus und die Wahrscheinlichkeit sie zu tragen aus. Als Kosten sind insbesondere zu berücksichtigen: Die evolutionär relevanten Mindestkosten des Sex bzw. die Frage, ob Nachwuchsbetreuung erfolgt und wer sich dieser besser entziehen kann. Bei Menschen trägt die Frau über die Schwangerschaft die höheren evolutionär relevanten Mindestkosten, bei einem Mann betragen diese lediglich die Kosten des Sex an sich. Gleichzeitig kann der Mann, da Menschen Säugetiere sind (im Gegensatz zu bestimmten Fischen, bei denen erst die Eier abgegeben und anschließend befruchtet werden) und damit zwischen Sex und Geburt zumindest 9 Monate liegen, sich unter steinzeitlichen Bedingungen theoretisch leicht den Kosten der Schwangerschaft entziehen, während die Frau dies nicht kann und über die Stillzeit zudem noch weitere Kosten trägt.
  • sexuelle Selektion führt häufig dazu, dass das Geschlecht,welches einer Auswahl unterliegt (dies können auch beide Geschlechter sein) Eigenschaften, die günstige Faktoren für die Weitergabe der Gene sind, darstellen will. Dies kann durch Körperausformungen (Pfauenschwanz, weibliche Brüste beim Menschen) oder Ausformungen im erweiterten Phänotyp (Bieberdamm, Darstellung von Verfügugnsgewalt über Ressourcen) erfolgen oder dadurch, dass man zeigt, dass man trotz bestimmter zusätzlicher Lasten überlebt (Handicap-Prinzip; zB ebenfalls der Pfauenschwanz, Großzügiges Teilen beim Menschen). Dies kann auch zu einer Verselbständigung bestimmter Merkmale führen, die dann allein deswegen weiter entwickelt werden, weil sie attraktiv sind (Sexy Son Theorie)
  • Evolutionäre Strategien bei der sexuellen Selektion beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Frauen aufgrund ihrer höherer Kosten im Gegenzug von Männern für die Gelegenheit zur Fortfplanzung (=Sex) eine langfristige Beteiligung an den Kosten der Aufzucht verlangen und dies über eine emotionale Bindung abgesichert sehen wollen, dann erhöhen sich die Kosten für diese Art der Bindung für Männer, was dann wieder eigene Strategien, insbesondere bei der Partnerwahl für eine langfristige Bindung ändert.
  • bei Intrasexuelle Konkurrenz geht es um den Zugang zu Ressourcen, die der Fortpflanzung dienen. Darunter kann bei abstrakter Betrachtung auch der dazu erforderliche Fortpflanzungspartner gerechnet werden. Wie dieser zu den Beschränkungen des Zugangs zu ihm steht ist dann wieder eine Frage intersexueller Konkurrenz.
  • Intrasexuelle und intersexuelle Selektion beeinflussen sich: Wenn eine Spezies eine starke intrasexuelle Selektion vornimmt, dann erlauben Gene, die in diesem Wettkampf Vorteilhaft sind, die bessere Weitergabe der eigenen Gene (Sexy Son Theorie). Die Verwertung der Faktoren, die eine Durchsetzung innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz ermöglichen in der intersexuellen Konkurrenz durch biologisch abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale kann also die Weitergabe der eigenen Gene erleichtern und entsprechende Gene können sich daher im Genpool anreichern. Gleichzeitig lohnt es sich dann wiederum, diese Merkmale mehr zu zeigen und auch Personen des auswählenden Geschlechts, die diese Merkmale beim anderen Geschlecht mögen zu bevorzugen, weil deren Nachkommen dann ebenfalls erfolgreiche Partner wählen werden (usw.).

Wichtig für das Verständnis ist aus meiner Sicht auch, dass intersexuelle Selektion dann im starken Umfang stattfinden kann, wenn die Kriterien in den Genen abgespeichert sind, also eine biologische Vorliebe für eine bestimmte Eigenschaft entstanden ist.

 

 

„Josef, der Antipatriarch“

Ich wurde auf einen interessanten Artikel in der Süddeutschen Zeitung hingewiesen, der Josef (also quasi der „soziale Vater“ von Jesus als Thema hat.

In dem Artikel heißt es:

Seit Jahrhunderten steht dieser Mann wie überflüssig herum. In vielen Darstellungen hält er eine Laterne in der Hand, auf dass er zu irgendetwas nütze sei. Er beleuchtet die Krippe, in der das Kind liegt. Er ist ja nicht dessen biologischer Vater, sondern dessen Nähr- und Ziehvater; der rechtliche und soziale Vater, wie man das heute nennt. Die Evangelisten erklären dazu: Maria ist schwanger vom Heiligen Geist. Aber von dem hört und sieht man im Stall zu Bethlehem nichts. Und so kommt Josef zur besten Nebenrolle der Welt: Weil er ein so gutmütiger Kerl ist, darf er mit hinein in den göttlichen Stall.

Die Rolle des Josefs ist aus väterrechtlicher Sicht ja durchaus interessant. Er ist nicht der Vater, diese Rolle ist Gott/dem heiligen Geist zugewiesen, wobei das Konzept der genauen Empfängnis da ja auch etwas unklar bleibt, wenn man den (auf einer falschen Übersetzung beruhenden) Jungfrauenkult mitnimmt. Die Abstammung von Jesus zu David erfolgt aber gleichzeitig wieder über den Vater.

Zu Maria gibt es einen großen Kult, gerade in der katholischen Kirche hat sie eine sehr bedeutende Stellung erlangt. Um Josef bleibt es hingegen eher ruhig, man kann ihn nicht so stark ausleuchten, weil man sonst das Göttliche bezüglich Jesus ja wiederum etwas zurücknehmen würde.

Aber weil niemand auf die Idee kommen soll, Josef könnte vielleicht doch der biologische Vater sein, hat man ihn beizeiten zum alten Mann gemacht. Das ist Unfug, nach den biblischen Texten war er ziemlich viril, denn Jesus hat einen Haufen Brüder und Schwestern gehabt (siehe Matthäus 13,55 ff). Weil Maria aber in der katholischen Dogmatik ewige Jungfrau ist, macht die Exegese lustige Verrenkungen, sie zu „Vettern und Basen“ zu erklären. Josef widersetzt sich nicht der Rollenbeschreibung, die ihn zum Opa macht: In der ganzen Bibel redet er nichts; kein einziges Wort aus seinem Mund ist überliefert. Er gilt daher als ein wenig trottelig, als gutmütiger Tropf, als heiliger Adabei. Das ist falsch. Es ist Zeit für die Rehabilitierung des heiligen Josef.

Hier ist es mal wieder erstaunlich, dass Sexualität so etwas negatives hat. Schon bei der Frage, ob Jesus verheiratet war, tendieren die heutigen Auslegungen ja dazu, ihn geradezu asexuell zu halten, weil Sex und Gott in dieser Vorstellung nicht zusammenpassen. Das ein Gott eine Frau begehrt, dass er sie verführt, dass er geradezu animalischen Sex mit ihr will, dass ist bei den alten Griechen und Römern Alltag, im Christentum aber würde es wohl gegen Reinheitsgedanken verstoßen.

Josef ist von Beruf Zimmermann, und ein mutiger Mann ist er nicht nur deswegen, weil er zupackend ist und die Mutter und ihr Kind schützt – erst vor dem Gesetz, das mit der Steinigung der ungetreuen Frau drohte; dann vor König Herodes und seinen Todesschwadronen, die das Neugeborene umbringen wollten. Josef floh deswegen mit Maria und dem Kind nach Ägypten. So steht es in der Bibel. Die Evangelien legen Wert darauf, ihn als beherzten Mann zu zeigen. Deswegen ist Josef ein Held des Alltags.

Auch diese Szenen kommen zumindest in meiner Erinnerung der Bibel reichlich kurz. Die Stelle de guten Vaters und Hirten ist in der Bibel eben schon besetzt: Mit Gott und Jesus, wenn auch in eher unbiologischer Weise

Die Kirchenlehrer haben die Geschichte von der Jungfrauengeburt fast zwei Jahrtausende lang missbraucht, um die Sexualität zu verdammen, um Jungfräulichkeit und sexuelle Enthaltsamkeit als das große Ideal zu preisen. Die Kirchenlehrer haben aus der Jungfrauengeburt eine Sexuallehre, ein sexuelles Dogma gemacht, sie haben so getan, als sei die Lehre von der Jungfrauengeburt ein Spezialgebiet der Sexualkunde. Geschlechtsakt und Zeugung werden aus dieser Sicht zu einem Akt der Befleckung, nur Maria darf als die „Unbefleckte“ beschrieben werden. Das ist ein Missverständnis.

Die Verdammung der Sexualität ist wohl einfach die Folge einer Betonung der Langzeitstrategie, also der Paarbildung. Der Kampf gegen die Triebe wird übertrieben und ausgeblendet, dass auch diese eine Teil der Langzeitstrategie sind und auch in dieser wichtig sind. Unsexuelle Motive erscheinen uns denke ich daher „rein“, weil die Kurzzeitstrategie so sexuell geprägt ist. Sie werden daher eher mit ihr in Verbindung gebracht. Solange Herrscher und Könige noch ungestört mit diversen Frauen schlafen könnten, sei es über Sklaven, Kriege oder Vielehe, war dieser Gedanke schwerer abzuwerten.

Jungfrauengeburt meint etwas ganz anderes, nichts Biologisches, sondern etwas Geistliches. Die Wahrheit über diese Jungfräulichkeit findet man nicht bei einer gynäkologischen Untersuchung. Die Evangelisten, die von der Jungfrauengeburt schreiben, sind Theologen, keine Sexologen. Sie sprechen nicht von der menschlichen Fortpflanzung, sondern vom Fortschritt des Menschlichen. Die Jungfrauengeburt ist Chiffre für die emanzipatorische Idee, sie ist ein Freiheitsbegriff. Die Sprache der Bibel und des Credos ist hier eine mythische, keine historische oder naturwissenschaftliche.

Der Fortschritt der Menschen, das „mehr an Zivilisation“ ist eben auch ein Bestandteil des Ausblendens von Trieben. Weg vom Tierhaften, triebhaften, der Biologie, hoch zur Seelenverwandtschaft (die nicht weniger biologisch ist, aber uns weniger so erscheint).

Jungfrauengeburt“ soll besagen, dass etwas ganz Neues zur Welt kommt, das nicht männlicher Macht entspringt. Die Weihnachtsgeschichte beginnt mit dem Abschied vom Patriarchat. Das Neue kommt ohne Zutun männlicher Potenz zur Welt – durch die Kraft des Geistes. „Geist“ ist in der hebräischen Bibel feminin, eine Die, eine schöpferische, weibliche, pfingstliche Kraft: sie reformiert, sie revolutioniert, sie macht neu. Daher heißt es im Magnifikat, im Lobgesang Marias: „Gott stürzt die Mächtigen vom Thron“.

Es verwundert nicht, dass ein Zurückdrängen der Sexualität und eine Betonung der Langzeitstrategie eher mit „Männlichkeit“ verbunden wird. Für (Alpha-)Männer lohnt sich aufgrund der niedrigeren (Fix-)Kosten des Sex eben, wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, im noch höheren Maße als für Frauen und kann, da die Kosten der Schwangerschaft auf die Frau verlagert werden können, auch relativ problemlos umgesetzt werden, zumindest von den Mächtigen und Erfolgreichen. Übersehen wird dabei, dass die Langzeitstrategie ebenso Vorteile bietet und insoweit „männlich“ (und weiblich) ist. Es betont nur einen anderen Aspekt, den der Paarbindung, der Versorgung und Förderung des Nachwuchses, die Übernahme von Verantwortung für diesen. Es ist insofern in gewisser Weise eine Strategie, die eher dem „Beta“ zugeordnet wird, weil eben die Langzeitstrategie so vorteilhaft für die an der Spitze sein kann.

In dieser Hinsicht scheint mir auch das „Zurückdrängen der Mächtigen“ zu verstehen zu sein: Es betont Kooperation und nicht Wettbewerb, und auch dies ist kein Zurückdrängen des Männlichen, sondern lediglich eine andere Ausrichtung einer Gesellschaft hin zu einem Zurückdrängen intrasexueller Konkurrenz. Der sich aus einer starken Konkurrenz ergebende „Herrschaftsanspruch“ ist es wohl, den man am ehesten mit einer patriarchischen Gesellschaft in Verbindung bringt.

Die Legende von der Jungfrauengeburt legt also die Axt ans Stammbaum-Denken und die klassischen Machtstrukturen. Die Geschichte, dass alles vorbestimmt ist durch die Abstammung, und dass es nur einen Vater geben kann, ist zu Ende. Die Weihnachtsgeschichte ist also auch eine tröstliche Geschichte für all die Menschen, die in komplexen Familienstrukturen leben. Schon für das Kind in der Krippe sind die Verhältnisse kompliziert. Aber es wird dort nicht, wie heute so oft, um die Rangordnung von Vätern und die richtige Zuordnung von Kindern gestritten: Ist es derjenige, der mit der Mutter verehelicht ist? Ist es der, der es zeugt oder der, der es wickelt? Man kann erschrecken über das Gezerre, das vor den Gerichten stattfindet, wenn es darum geht, ein Kind aus dem Kreidekreis der Begehrlichkeiten auf eine Seite zu ziehen.

Die Bedeutung der Vaterschaft war wahrhaftig nicht mit der „Jungfrauengeburt“ zu Ende. Ganz im Gegenteil: Mate Guarding, Vatersicherheit, der Einsatz für ein Kind, bei dem man sich sicher war, dass es von einem selbst abstammt, das Alles hat nach wie vor eine hohe Bedeutung.
Sicherlich: Heute leben wir eher in Patchworkfamilien und Kinder entwickeln auch Beziehungen zu neuen Partnern und Partnerinnen. Dennoch ist die Zuordnung zum biologischen Vater nach wie vor eine wichtige Frage.

Josef ist der Antityp zum patriarchalen Männerbild. Deswegen belächelte man ihn mitleidig als heiliges Weichei, machte aus ihm einen alten, impotenten Mann. Viele Jahrhunderte lang galt ein strikt antijosefisches Männerbild. Immer war die gekränkte Mannesehre am Werk und die Vorstellung, die Frau gehöre dem Mann – und wenn sie fremdging und schwanger wurde, dann war die Leibesfrucht ein „falsches Früchtchen“, ein fremdes Gut, das weggeworfen gehörte.

Auch hier ist meiner Meinung nach die biologische Betrachtung präziser: Denn ein Mann, der nach einem „fremdgehen“ das fremde Kind betreut, würde wohl auch bei den meisten Frauen als „Weichei“ gelten. Eben weil dieses Festhalten an der „betrügenden“ Frau deutlich macht, dass er sich selbst einen geringen Wert zurechnet, ebenso wie seine Frau dies zu tun scheint, und seine eigenen genetischen Interessen nicht umsetzt. Das dieses Signal verarbeitet wird und sich eher in einer gewissen Geringschätzung ausdrückt ist evolutionär zu erwarten. Beleidigungen und Abwertungen leiten sich häufig aus dem evolutionären Partnerwert und Anzeichen dafür, dass dieser gering ist, ab. Und Handlungen, die die vereinbarte Kooperation „wir beide bringen unsere Gene zusammen in die nächste Generation und konzentrieren unsere gemeinsamen Kräfte darauf“ infrage stellen, werden eben selten positiv aufgenommen. Das ist abzugrenzen, dass man eine neue Partnerschaft mit jemanden eingeht, der schon ein Kind aus einer anderen Beziehung hat, da ist immerhin kein Bruch der gegenseitigen Kooperation vorhanden.

Die Weihnachtsgeschichte ist der Abschied von diesen und anderen klassischen Machtstrukturen; sie lehrt den Auf- und Ausbruch aus den überlieferten Verhaltensweisen, sie lehrt den Neuanfang. Es gab die reformatorischen Neuanfänge, die antipatriarchalen Aufbrüche immer wieder: Franz von Assisi, der sich von seinem reichen Vater lossagte; die Waldenser; Luther, der zuerst, als er Mönch wurde, seinem Vater den Gehorsam aufkündigte und später dann auch noch dem Papst. Es kann einem auch Marie Juchacz einfallen, die vor 95 Jahren als erste Frau im Deutschen Reichstag redete: „Meine Herren und Damen“.

Das Christentum ist eine Religion, die den Abbau von Hierarchien und die Kooperation als Ziele benennt. Natürlich hat man auch auf dieser Basis einiges an Hierarchien geschaffen und Wettbewerb damit gestützt:
Die Kirchen selbst haben Hierarchien aufgestellt und innerhalb dieser Macht ausgeübt, Krieg im Namen von Religionen wurde geführt. Der Aufruf friedfertig zu sein wurde eben häufig lediglich auf die In-Group bezogen, gegenüber der Out-Group hingegen galt er nicht, die musste man eher „bekehren“ oder als Heiden ausrotten. Und auch genug christliche Nationen haben sich energisch bekämpft, teilweise wie man an der Reformation sieht auch gerade wegen der Auslegung der Religion und relativ unbedeutender Einzelheiten.
Natürlich: Mit einer Verringerung des intrasexuellen Wettbewerbes unter Männern oder vielmehr der Verlagerung dieses Wettbewerbs auf wirtschaftliche Fragen und weg vom tatsächlichen Kampf was die In-Group betraf hat man auch die Emanzipation der Frau vorbereitet. Zu dieser beigetragen hat aber weit weniger das Christentum, mit dem man nach wie vor den Mann als (göttlich gewolltes) Oberhaupt der Kirche ansehen konnte, sondern technischer Fortschritt und letztendlich die Verhütung sowie der gehobene Lebensstandard.
Dieser machte es auch erforderlich, dass man allgemein friedlicher miteinander umging und Kooperation erhöhte. Es ist also weniger so, dass eine Botschaft in linearer Weise eine Veränderung bewirkt hat, sondern eine Botschaft konnte Fuß fassen, weil die tatsächlichen Grundlagen vorhanden waren und sich dann immer weiter ausbreiten, weil sie durch gesellschaftliche und technische Umstände begünstigt wurde, wobei in Wechselwirkung dann die Botschaft wieder die gesellschaftlichen und technischen Umstände begünstigte, die ihrer Verbreitung dienlich waren.

Mit einer simplen Abwertung des „Patriarchats“ oder gar des Mannes hat es insofern wenig zu tun. Es werden eher andere Strategien betont, die auch schon immer bestanden.

Die Privilegien hübscher Frauen

Im Selbstmachsamstag wurde von Slavo ein Bericht einer hässlichen Frau gepostet, die anhand der Behandlung ihrer hübscheren Freundinnen an sich selbst zweifelt. Ein Teil der Diskussion findet man bereits dort, ich möchte den Text aber auch noch mal aufgreifen:

I am an ugly woman. Objectively, I really am. Please don’t argue with me on this one, Reddit. I am not overweight, actually in better shape than most women my age, I dress well, I am great with makeup.

But last weekend the world just had to remind me that despite all this, people will go out of their way to kick me.

I don’t often go clubbing, but Saturday night was a special occasion. A friend was celebrating her 21st, and it was also the weekend after a long week of brutal exams. It felt like a good time to blow off some steam. Because I don’t often go clubbing, I really tried this night to look nice. There was an outfit that I had bought a long time ago, but that I’d never worn because it was a little sexier than what I usually wear. A close friend had picked it out for me when we were shopping, and, in that „you go girl“ kind of way had urged me to buy it. I did my makeup painstakingly, straightened my hair which always takes forever because my hair is huge, put on that too-sexy-for-me outfit.

And when I looked in the mirror I was even surprised at myself. „Wow, is that me? I actually look…nice!“

Im folgenden hat sie dennoch keinen Erfolg mit ihrem Aussehen und das macht sie traurig. Was ich verstehen kann. Man hat sich gerade so gut wie möglich zurecht gemacht, alles sitzt perfekt, so gut es eben geht, und man fühlt sich gut.

Aber die Wirkung ist sehr gering.

Das ist für sie persönlich natürlich ernüchternd. Schade, dass kein Bild dabei war.

I showed my friends. They all said I looked great. And they MEANT it too. Like, genuine happy encouragement. I could tell they were sincere and it made me feel so good, like for once I wasn’t just masquerading as an attractive girl with fancy makeup and clothes, but that I WAS the attractive girl. I hadn’t felt so attractive in ages, Reddit.

Ich fürchte da irrte sie. Sie meinten eher, dass sie für ihre Verhältnisse gut aussieht. Was sicherlich auch der Fall war. Aber sie war deswegen noch lange nicht das attraktive Mädchen.

„When we got to the club, we got a nasty surprise. We had been told that tonight there was no cover charge for girls, and so none of us had brought much cash on our person“

Es würde mich schon interessieren, mit wie viel Geld sie da losgezogen sind und wie hoch der Eintritt war. Klar, wenn man einen sehr teuren Eintritt zahlen muss, in einem angesagten Club, dann kann das die mitgebrachten Beträge leicht übersteigen.

Well, our info was wrong. They did indeed ask for a cover. Only one of us 6 girls had cash, and she only had enough to cover two people. When we got to the door and found this out, a group of guys behind us volunteered to help us out. They each forked over a couple of bucks to cover my friends, but not one of them offered to cover me.

Klar ist das für sie unangenehm. Allerdings sind die Jungs eben auch in keiner Weise verpflichtet Frauen auszuhalten. Ihre Strategie, den hübscheren Mädchen auszuhelfen, gibt ihnen immerhin die Möglichkeit, was mit einer anzufangen, aber dazu muss man eben nicht auch noch Geld auf die Freundin verschwenden. Interessant aber auch, dass jeder „a couple of bucks“ gegeben hat, was wenig klingt. Hatten die Frauen dann vor den Abend ohne Geld zu verbringen? Oder vermeidet sie da nur ein Nennung der Beträge, weil es ihren Wunsch, dass die Jungs einfach auch für sie zahlen, dann noch irrationaler zahlen würde.

One by one my friends were let in and they waited on the other side of the door until everyone got through. There was an ATM machine nearby and at this point I was wishing I could just slip away and get the cash from there, but I was holding up the line, my friends weren’t about to enter without me, and it was rather chilly and no one waiting in line was getting any happier. The guys were doing everything to avoid eye contact with me. They were looking at the ground, the street, pretending to look through their wallets for cash to cover one more girl.

Interessant, dass die Jungs hier das Gefühl hatten nach einer Ausrede suchen zu müssen: Sie waren ja in keinerlei Verpflichtung die Mädels auszuhalten, schon gar nicht die, die sie nicht interessiert. Es ist auch keine Unhöflichkeit per se, jemanden kein Geld zu schenken. Allenfalls macht es es weniger offensichtlich, was man eigentlich damit erreichen will, wenn man nicht nur für das hübsche Mädel zahlt. Es kann aber auch genau der gegenteilige Effekt eintreten: Zahlt man auch noch für die Freundin des Mädels, das man möchte, wirkt es noch eher needy.

It was so painfully obvious that I felt like just going home. Luckily, my friend with the extra cash covered me so I was allowed in.

Ihre Freunde scheinen sie echt zu mögen: Eine von ihnen hat anscheinend noch das Geld zusammen, läßt es aber die Erzählerin aussitzen und erst wenn es zu peinlich wird, zahlt man mit eigenem Geld, statt auf die Großzügigkeit der Männer zu warten.

Well, once we were inside I thought I could just forget about that incident. I had dressed up and come out, to have a good time and relax. So for a while I danced with my friends. It wasn’t long before other guys started dancing with us. We kind of paired off slowly, there was a guy whose two buddies had started dancing with other girls and he was left alone. At that point I too had lost track of my friends and was alone. He started dancing with me, but the whole time he seemed really distracted. Not once did he really look at my face, he was kinda looking around the club the whole time, like he was browsing the scene for another, more attractive girl he could bounce to. In less than 10 minutes, he had seen one. He peaced out without a word, and I saw him dancing a few minutes later with a very attractive brunette. The way he acted with her was just SO different than when he had danced with me. He was face to face with her, smiling, dancing enthusiastically.

Die Überschätzung des eigenen Marktwertes kann schon grausam sein. Da denkt sie, sie ist auf einer Stufe mit ihren hübschen Freundinnen und die Jungs würden mit der Gruppe tanzen, also auch mit ihr und verkennt, dass er viel zu schön für sie war (was ich mal daraus schließe, dass er dann mit der sehr attraktiven Brünette tanzt). Der Text ist schon merkwürdig: Sie scheint jedes Konzept von ihrer vorher so großzügig eingeräumten Hässlichkeit verloren zu haben und der Auffassung zu sein, dass etwas Makeup und ein Kleid alles ändern. Aus meiner Erfahrung ist bei „nicht so hübschen Frauen“ das Kleid, dass sie immer etwas „zu sexy“ fanden, meist eine sehr schlechte Wahl. Es ist eben dann häufig der Versuch ein „Costly Signal“ zu stemmen, welches man nicht gehoben bekommt. Und das betont dann eher die eigenen Nachteile.

That made my stomach drop. I went to the bar, found one of my friends who was sitting there with a guy. She introduced us, he bought everyone drinks. After a while I felt like a bit of a third wheel so I went back to the dance floor.

Eventually my group of girls regathered together. Everyone had a guy, except for one of them who had a bf at home. So I danced with her, with our friends and their guys near us.

Schon interessant, dass sie beständig versucht, bei den schönen Freundinnen dazuzugehören und für deren Männer interessant zu sein. Ich sehe keine Anzeichen, dass sie sich umorientiert, sich eingesteht, dass die anderen hübscher sind, und dann versucht mit einem Mann zu flirten, der eben eher zu ihrem „Sexuellen Marktwert“ (SMV) passt. Anscheinend waren diese für sie auch nicht interessant.

There was a photographer going around the club, taking pictures of the people there. I assume it was for some promo for their website or something. He got to our group, and literally circled us several times, taking several pics from different angles. I was kind of psyched about this, so I did my best to look like I was having a good time, made sure he could snap me at my best. But after a while I realized he wasn’t circling us to get our best angles. He was trying to get a frame without ME. If I moved closer to the center of the group, for instance, he would tilt his camera a little the other way. I couldn’t believe it until finally, he actually came up to me and asked me to get out of the shot.

Hart. Und verständlich, dass sie es als schlechten Tag sieht. Nicht sehr einfühlsam von ihm. Es zeigt aber auch, dass ihre übrigen Freunde anscheinend wesentlich besser aussehen als sie. Und schöne Menschen sind eben weit aus werbewirksamer als nichtschöne Menschen.

I felt so ugly right then. For all the effort I had put into looking and feeling good that night, it seemed like it just didn’t matter.

Aus meiner Sicht ist ihr Fehler, dass sie sich grenzenlos überschätzt zu haben scheint. Sich schön zurecht machen macht eben aus einer 5 keine 10. Wenn sie zB eine 6 geworden ist, dann hätte sie, wenn sie sich nach männlichen Sechsen umgeschaut hätte, vielleicht einen schönen Abend gehabt. Es ist schon interessant, dass in ihrem Text nur Männer vorkommen, die sich für ihre Freundinnen interessieren, andere Männer scheinen nicht im Klub gewesen zu sein. Oder: Sie war vielleicht gleichzeitig gemein zu „hässlichen Männern“, die sie in ihrer ganzen Erzählung nicht wahrnimmt.

Es war nicht gemein, dass die Jungs nicht für sie gezahlt haben. Es war nicht gemein, dass der andere Junge nicht mit ihr tanzen wollte. Es war sicherlich etwas hart von dem Fotografen, sie nicht im Bild haben zu wollen, aber sie scheint sich hier auch etwas dumm angestellt zu haben, wenn er immer wieder an ihr vorbeifotografiert und sie ihm dann immer wieder ins Bild springt.

Zusammenfassend ist es eine Geschichte, in der sie will, dass die Jungs sie genauso begehren, wie die hübschen Mädels. Sie möchte dazugehören, auch wenn sie die Voraussetzungen ihrerseits nicht erfüllt. Vielleicht auch der Grund, warum viele Frauen Freundinnen in der eigenen annährenden Schönheitsliga vorziehen, wenn sie die freie Wahl haben oder eben in dieser Hinsicht ein dickes Fell haben müssen. Die Vorteile von Schönheit sind eben in dieser Hinsicht enorm und sie nicht bewilligt zu bekommen, kann sehr hart für das eigene Ego sein.

Ihr Verständnis von „Nettigkeit“ ist insofern nicht die allgemeine Höflichkeit, sondern ein Teilhaben an der bevorzugten Behandlung der schönen Mädchen. Auch wenn sie selbst keinerlei Bemühungen zeigt, ihrerseits weniger hübsche Männer wahrzunehmen.

Man stelle sich vor, dass den Text ein kleiner Mann mit Halbglatze geschrieben hätte, der mit seinen großen Sportlerfreunden weggeht. Er hätte sich seine besten Klamotten angezogen, sich zurecht gemacht, aber TROTZDEM wollen die Mädchen nur mit den großen Sportlerfreunden reden. Und keiner der Frauen, die sich für die großen Sportlerfreunde interessieren, interessiert sich auch für ihn. Eine Frau, die in der Nähe seiner Sportlerfreunde getanzt hat, wendet sich sogar ab und tanzt einen anderen großen, sportlichen Mann an, als seine Freunde weg sind.

Man hätte ihm wohl schlicht gesagt, dass er mal auf den Boden der Tatsachen zurückkehren soll und das alles ja wohl sehr verständlich ist. Auch bei dem Fotografen hätte man wohl eher gesagt, dass es wohl klar ist, dass sie eher seine Freunde drauf haben wollen.

Ich hatte schon neulich einmal diesen Spruch zitiert:

„Frauen wollen nicht behandelt werden wie Männer, sie wollen behandelt werden, wie schöne Frauen“

Ich denke, dass das der eigentlich Punkt ist, über den sie sich beschwert.