Binäre Einteilung in Gruppen und Oben und Unten und die Erlaubnis, nach oben zu treten wie man will

Mitunter finde ich gerade wegen der notwendigen Kürze einzelne Tweets ganz passend und auf den Punkt gebracht. Zum Beispiel diesen:

„Social Justice“ paradigm consists of splitting all social markers into Binaries of Punching Up/Down & allowing Hate Speech to Punch Uppers

Das ist eine gute Zusammenfassung der intersektionalen Theorien:

  • Definiere zwei Gruppen für jede Kategorie, deren Eigenschaften deren Mitgliedern zugewiesen werden („Männer sind Privilegiert, egal was sie machen“)
  • Definiere eine Gruppe als „Oben“ und eine Gruppe als „unten“
  • Definiere alle Anfeindungen von unten nach oben als gerechtfertigte Verteidigung gegen die Unterdrückung

Man könnte ergänzen:

Wundere dich, dass Leute die Einteilung in diese starren Gruppen verbundenen mit der Zuweisung binärer Eigenschaften und die Erlaubnis, sie wegen dieser Gruppenzuordnung anzugreifen, als Feindseligkeit empfinden und rechtfertige damit noch, dass deine Arbeit benötigt wird.

Kritik an „White Privilege“

Eine kurze Kritik an den Konzept der „Weißen Privilegien„:

But the concept of white privilege has also received a lot of backlash. Here’s a quick list of seven reasons why the term has failed to resonate with many people:

1) They’re white, and don’t feel that privileged.

Many white persons have had to work hard, make sacrifices, experience repeated rejection, come from a broken family, have gone through a divorce, struggle with addiction, or are below the poverty line and trying desperately to make ends meet. #privilege?

2) It’s totalizing.

The white privilege narrative assumes that many people in our society are systematically mistreated because of blanket assumptions made based on the color of their skin. Then it claims that ALL white people are privileged simply because they’re white.

3) It seems bourgeois.

Thinking about white privilege appears itself to be a privilege of single, young adults who have the time and resources to think about it.

4) It sometimes resorts to banal examples.

A survey put out by Pacific Educational Group—a prominent promoter of the idea of white privilege —asks respondents if they “can choose blemish cover or bandages in ‘flesh’ color and have them more or less match the color of my skin.”

5) It feels like it distracts from other pressing issues.

In Intellectual Takeout’s backyard of St. Paul, MN, the public school district has spentmillions training staff to check their white privilege. Meanwhile, less than 40% of St. Paul’s students are at grade level in reading and math.

6) It seems to require a quasi-religious faith.

In a well-read article from last December, Joseph Bottum compared white privilege to the Christian idea of original sin—you can’t necessarily see it, you don’t necessarily recognize it in yourself, but you’re still supposed to believe it’s there.

7) It focuses solely on race.

Most who have gone through the modern education system have received years of instruction on the dignity of all human persons and the virtue of being colorblind. Thus, they’re confused when they hear that they are still subconsciously racist and not focusing enough on race.

As a society, we shouldn’t question the need to be self-reflective, sometimes self-critical, and we should go out of our way to help those in need. But it seems legitimate to question whether the “white privilege” narrative is the best vehicle for accomplishing those things.

vgl auch:

Zu den Zerwürfnissen im Feminismus (Katrin Rönicke)

Katrin Rönicke schildert die Zerwürfnisse und das vergiftete Klima im Feminismus:

Was dann passierte ist rückblickend schwer in Worte zu fassen, zumal ich keine objektive Beobachterin bin, sondern eine am Konflikt Beteiligte. Das Ergebnis ist jedenfalls, dass der Netzfeminismus in viele kleine Teile zerfallen ist, dass Konflikte schwelen und viele Leute miteinander nicht nur nicht reden, sondern sich aktiv aus den fraktionierten Bereichen der ehemals gemeinsam agierenden Szene ausschließen. Barbara, Susanne und ich verließen 2011 wegen eines extrem groß gewordenen Misstrauens gegen uns die Mädchenmannschaft, die seither komplett andere Wege geht. War sie einst ein auf den Mainstream gerichtetes Medium, so ist sie nun davon abgekommen. Sprache, Stil und Themen orientieren sich stark an einer linken, radikalen Zielgruppe. Lange Zeit setzte man vor allem auf Angriff, statt Dialog – wie es heute ist, kann ich nicht beurteilen, da ich schon lange nicht mehr mitlese.

Es ist auch nicht so sehr von Bedeutung, wer was genau wann gegen wen gesagt hat und wo die Konfliktlinien verlaufen. Interessant ist, dass dieses Phänomen kein Einzelfall ist – die Geschichte passierte auch in den USA. Laut einem Artikel in The Nation mit dem vielsagenden Titel „Feminism’s Toxic Twitter Wars“ betraf es die Vorreiterinnen von Feministing genauso wie die Gründerin der unglaublich tollen Plattform Jezebel, Anna Holmes, genauso wie frische Gesichter und marginalisierte Gruppen. Schwarze und transgender Bloggerinnen schilderten darin, dass sie vor jedem Blogpost Angst hätten, dass andere Feministinnen wegen einer Ungenauigkeit oder einer unbedachten Ausdrucksweise darüber herfallen könnten. Anna Holmes, die Jezebel2010 verlassen hat, gibt darin zu Protokoll, dass sie heute keine solche Webseite mehr gründen würde, da die weibliche Blogosphäre sich „sehr viel mehr wie eine abgeschottete, abwehrende und morsche Umwelt anfühlt“. Was es ziemlich gut trifft – auch hierzulande.

Es ist schon passend, dass die Feministinnen da nicht analysieren können, was genau eigentlich passiert ist: Sie sind Opfer der beständigen Abwärtsspirale von IDPOL bzw einem Nicht-Gut-Genug-Feminismus geworden, der immer zu einer Selbstzerfleischung führen muss. Diejenigen, die direkt bestimmte Ziele verfolgen und sich dort an anderen abarbeiten können, mögen davon weniger betroffen sein, aber der gesamte theoretische intersektionale Feminismus wird immer über sich herfallen.

Ich vermute, dass zu der Zeit der Intersektionalismus an Gewicht gewonnen hat, denn er ist besonders zerstörerisch, da er die Privilegientheorie noch deutlich in die eigenen Reihen trägt und damit noch mehr Ansätze bietet, wie der jeweilige Artikel „Nicht gut genug“ sein kann. Und auch die Auswirkungen eines Fehlverhaltens sind dann deutlicher, weil es bedeutet, dass derjenige zB rassistisch ist, also zum anderen Lager gehört. Das dagegen der sehr untheoretische, eher an der zweiten Welle orientierte Feminismus der Mädchenmannschaftgründerinnen nicht gegenhalten konnte ist eigentlich klar. Sie waren allein schon nicht fanatisch genug dafür.

Katrin schildert demzufolge auch weiter:

Spricht man mit Feministinnen aus der Frauenbewegung der 70er und 80er Jahre, dann schlagen diese nicht selten die Hände über den Kopf, wenn man ihnen von diesen Entwicklungen erzählt. Eine Bekannte von mir ist Gründerin und Geschäftsführerin eines größeren Frauenkultur- und Bildungszentrums einer großen Stadt. Sie meinte kopfschüttelnd, sie habe gehofft, die Zeiten in denen sie vor jeder Rede in der Szene sich habe entschuldigen müssen, dass sie heterosexuell und weiß und Mittelschicht und was nicht alles sei, seien vorbei. Aber genau diese Zeiten sind wieder da. Unter dem sogenannten „Privilegien“diskurs verstehen manche, dass jene, die man als „privilegiert“ ausmacht, nicht das gleiche Recht zu sprechen hätten, wie jene, die man als „marginalisiert“ kennzeichnet. Die Grenzziehungen hier können ziemlich willkürlich verlaufen. Entscheidend ist, dass diese „Identitätenpolitik“ vor allem darauf abzielt, die sozialen, psychischen und ethnischen Hintergründe schwerer wiegen zu lassen, als das was eine zu sagen hat. Die Mädchenmannschaftschmiss aufgrund dieser Logik eine Autorin raus: Auf dem fünften Geburtstag des Blogs, eine Veranstaltung, die ein Mix aus Workshops und Party war, gab es einen Workshop von einer der Autorinnen derMädchenmannschaft, Hannah Wettig. Sie ist professionelle Journalistin und als solche regelmäßig in Nord-Afrika unterwegs. Die arabische Revolution hat sie vor Ort miterlebt und so bot sie einen Workshop zur Rolle der Frauen in den Arabischen Revolutionen an. Im Nachhinein warf man ihr vor, dass eine Weiße hier über die (nicht anwesenden) arabischen Frauen geredet habe. Dies sei Rassismus.

Das Unverständnis der nichtintersektionalen Feministinnen ist ja schon fast etwas lustig. Sie erkennen anscheinend die dortigen Mechanismen nicht und verstehen nicht, dass diese Theorien Fanatismus begünstigen und keinen Spass verstehen. Ich vermute allerdings auch, dass sie auf eine entsprechende Auseinandersetzung nicht wirklich vorbereitet gewesen sind, was erstaunlich naiv ist, aber zu ihrem vergleichsweise untheoretischen Feminismus passt.

Es zeigt auch, dass eine kritische interne Auseinandersetzung und Aufarbeitung des Konflikts nach wie vor nicht wirklich erfolgt ist. Oder einfach gescheut wird. Eine wirkliche Kritik am Intersektionalismus und der dabei entstehenden Abwärtsspirale ist innerhalb des Feminismus wohl nicht zu erwarten.Es ist auch schwierig, weil dort eben der Rassismusvorwurf lauert. Und weil man weiß, dass die andere Seite zu allem bereit ist und nur darauf wartet, die anderen als Abtrünnige bezeichnen zu dürfen.

Im zweiten Teil geht es wie folgt weiter:

Wer feministisch agieren will und diese Haltung in seine Arbeit hinein trägt, begibt sich häufig allein deswegen auf glattes Eis, weil andere sich nicht widergespiegelt sehen. Aussehen, Alter, Herkunft und Bildung – das sind nur einige Kategorien, entlang derer sich ja auch wirklich einige Ausgrenzungen in der Gesellschaft abspielen. Es wird aber zu einem Dilemma, wenn man überall nur noch absichtliche Ausgrenzungen sieht. Das jüngste Beispiel ereignete sich auf dem Chaos Communication Camp 2015. Ich lache mittlerweile über diese ganzen Geschichten. Diese hier geht so: Auf dem CCCamp2015 gab es einen Vortrag der „Women on Waves“, eine Aktivistinnengruppe, die Frauen aus Ländern, in denen Abtreibung illegal ist ermöglicht, auf dem Meer, also an einem Ort, wo es nicht verboten ist, sicher abzutreiben. Eine tolle Sache, könnte man denken. Aber nein: Die Gruppe muss sich via Twitter vorwerfen lassen, „cis-sexistisch“ zu sein. Weil sie sich nicht an Transmänner wende. Und wo wir gerade beim Camp sind: Es sind die gleichen Annahmen und es ist die gleiche Herangehensweise, wie die der Gruppe, die zum 29C3, also dem 29. Congress des Chaos Computer Clubssogenannte „Creeper Cards“ schleppte, voraussetzend, dass die Hacker-Community ein Haufen Sexisten sind, die solcherlei Behandlung dringend brauchen. Dabei ich persönlich noch nie eine offenere und inklusivere Szene erlebt, als diese

Auch hier leider noch keine Einordnung in die Privilegientheorie, die ja – auf die eigenen Reihen angewendet – den ganzen Zirkus bewirkt. Wo es vorher einen Feind gibt, nämlich den Mann, gibt es nun weitere Kriterien vielerlei Privilegierungen, die man alle beachten muss. Und wer bei einer Abtreibung nicht Transmänner bedenkt – etwas was schlicht und ergreifend ein so seltener Fall ist, dass man ihn in der Tat ausblenden kann – der hat eben seine Privilegien nicht hinreichend reflektiert und eine Gruppe ausgegrenzt.

Der Netzfeminismus ist zu einer sehr zersplitterten Bewegung geworden. Es spaltet sich entlang verschiedener Konflikte. Das eine ist die Frage nach der „Calling Out Culture“ – also wie sehr basiert das Handeln und der Aktivismus darauf, auf andere mit dem Finger zu zeigen und sie bloßzustellen? Wie viel ist echter Dialog ist gewollt? Viele hantieren mit dem Wort „Intersektionalität“ – schreiben aber gleichzeitig Bücher, die voll mit so vielen Unterstrichen sind, dass sie das Gegenteil von leichter Sprache sind und selbst ich für das Lesen von 80 Seiten eine Zugfahrt von 8 Stunden dafür brauchte. Das Problem ist nicht, dass es solche Bücher gibt – das ist an sich sogar ziemlich witzig eigentlich. Das Problem ist, dass die eigenen Definitionen zum Standard erhoben werden sollen. Koste es, was es wolle. So wird unglaublich viel kaputt gemacht.

Auch hier spricht aus meiner Sicht erstaunliches Unwissen aus dem Artikel. Call out Culture? Wer Rassismus/Cissexismus/was auch immer an Privilegien duldet, der ist selbst der Feind. Dialogbereitschaft? Ein Dialog kann nur mit jemanden stattfinden, der selbst Intersektionalität akzeptiert: Und die möglichen Formen eines „Dialogs“ sind:

  • Einer erzählt, was der andere falsch gemacht hat und der andere bereut zutiefst und bedankt sich
  • beide reden darüber, was andere falsch gemacht haben und was für ein Skandal das ist.

Wenn ihr der Text zu schwer ist, dann ist es eben ihr Problem, man muss nicht den Erklärbären für Selbstverständlichkeiten spielen. Es ist nicht Sache der Opfer anderen zu erklären, was sie falsch machen.

Etwa zeitgleich gründete sich auf twitter die sogenannte „Blockempfehlung“. Eigentlich sollte der Account nur die eigene (feministische oder antirassistische oder beides) Peergroup vor Accounts warnen, die misogyn, rassistisch, was weiß ich seien. Damit man die gar nicht erst ertragen muss. Dann aber gab es wieder einen kleinen Disput um eine Detailfrage – ich lasse jetzt mal weg, warum. Es ist egal geworden. Jedenfalls empfahl der Account, der sich wohl einer Seite zugehörig fühlte, schwupps Maike von Wegen zu blocken, engagierte Kämpferin für die Rechte Alleinerziehender und klare Feministin.

Auch wieder erstaunlich naiv: Selbst kleinste Formen von Fehlverhalten sind nicht zu ertragen. Denn über die kleinsten „Mikroaggressionen entsteht ja das ganze System. Wer Kleinigkeiten durchgehen lässt, der ist damit der Feind. Und Feinde in den eigenen Reihen aufzuspüren war schon immer befriedigender, da man damit viel eher zeigen kann, wie kompromisslos man für die richtige Sache kämpft.

Und so können die Maskulisten, das sind diejenigen Kerle, die der Meinung sind, der Feminismus sei böse und die Emanzipation der Frau schon viel zu weit gegangen, einfach zugucken, wie sich die „Femis“ selbst ausknocken

Vielleicht, liebe Katrin, ist dieser Teil des Feminismus auch tatsächlich böse. Lies dir doch mal deine eigene Beschreibung davon durch: Ein Klima der Angst, in dem man nichts mehr falsches sagen darf, Hetze gegen jeden der es macht. Kleinigkeiten werden übertrieben hochgeschaukelt. Leute werden fertig gemacht, die eigentlich nichts gemacht haben. Das ist böse.

Und der Strohmann, dass die Emanzipation zu weit geht, da hätte ich nach deiner eigenen Kritik auch etwas mehr von dir erwartet. In der Tat geht es auch zu weit, wenn dieser Teil des Feminismus sich verhält wie auf der 29C3 verhält, das sagst du ja selbst.

Und auch ihre Vorschläge, wie man die Kriese beendet sind interessant:

Als drittes und wichtigstes bleibt dazu zu ermutigen, einander zu verzeihen. Wenn man merkt, dass man selbst Gräben gegraben hat und andere vor den Kopf gestoßen, dann kann man sich auch entschuldigen. Um zu verzeihen müssen wir uns fragen, ob wir in einer Welt leben wollen, in der unsere Verbindungen sich durch Absolutismus nach innen und absolutes Misstrauen nach außen kennzeichnen. Oder ob wir lernen wollen, einander zuzuhören und unsere Unterschiede auszuhalten. Wenn wir das nicht schaffen, werden wir in die Extreme verfallen. Wer nicht verzeihen kann, kann in der Regel auch nicht gut kritisieren. Und am Ende haben wir nichts gewonnen.

Katrin, die wollen dir gar nicht zuhören. Entweder du schließt dich dem Intersektionalismus an oder du bist der Feind. Das sind Fanatiker, die im Gegensatz zu dir sehr wohl gewinnen wollen – Einigkeit ist unwichtig, wenn man dafür Kompromisse machen muss, die gegen IDPOL verstoßen.

Sie endet mit einem Appell:

Wissen Sie, ich will den Feminismus gar nicht gewinnen“, schnaubt sie. „So viele Feministinnen werden irgendwie in feministischen Kriegen gefangen und sie denken, der einzige Weg zu gewinnen wäre, die Hauptfeministin zu killen. Aber was wird davon gewonnen, wenn wir eine andere Feministin attackieren? Verdammt nochmal gar nichts. Immer, wenn du etwas runtermachst, bist du nur eine Frau, die auf den Trümmern steht und sagt: ‚Aber wir haben die Zukunft noch nicht gestaltet!‘ Geht weg von den Kriegen. Schafft etwas Neues.“

Dazu habe ich oben gerade eigentlich schon alles gesagt. Sie versteht nicht, dass es eben nicht einfach nur um Macht geht, sondern um den einzigen richtigen Weg aus Sicht der Fanatikerinnen eine bessere Welt zu schaffen: Wenn sie Intersektionalität aufgeben und Kompromisse machen, dann sind sie aus ihrer Sicht die Bösen, eben Rassisten, Sexisten und was es da noch alles gibt. Sie wollen nicht die Hauptfeministin killen, sondern eine Rassistin und cissexistin. Natürlich könnt ihr euch jederzeit anschließen. Darunter ist es ihnen ziemlich egal, ob ihr Feministinnen seid.

Jazz Hands, Klatschen als Trigger und Schwule, die sich das Verhalten schwarzer Frauen aneignen

Ich hatte es seinerzeit gar nicht richtig verarbeitet, da es aber zum einen gerade noch mal erwähnt wurde und es im übrigen ja auch eine Anekdote ist, die den Irrsinn im Feminismus gut zeigt.

Die NUS ist die National Union of Students und diese hatte wie jedes Jahr auch 2015 eine Frauenkonferenz. Von dort gibt es zwei Meldungen, die ich interessant fand:

Zum einen zum Klatschen:

A U.K. student feminism conference is asking attendees to refrain from clapping and use “jazz hands” instead so as to not trigger anxiety in others.

The National Union of Students (NUS) Women’s Campaign announced the clapping “ban” at the West Midlands conference on Twitter Tuesday, shortly after receiving a request from the Oxford University Women’s Campaign.

“@nuswomcam please can we ask people to stop clapping but do feminist jazz hands? it’s triggering some peoples’ anxiety. thank you!” Oxford representatives wrote.

Ein Statement dazu war beispielsweise:

“Jazz hands are used throughout NUS in place of clapping as a way to show appreciation of someone’s point without interrupting or causing disturbance, as it can create anxiety,” said Nona Buckley-Irvine, general secretary at the London School of Economics Students’ Union. “I’m relatively new to this and it did feel odd at first, but once you’ve used jazz hands a couple of times it becomes a genuinely nice way to show solidarity with a point and it does add to creating a more inclusive atmosphere.”

Oder auch hier:

LSE SU women’s officer Gee Linford-Grayson added: ‚As someone who is new to the NUS conference culture it surprised me at first, but actually within a few rounds of jazz hands applause it began to make a lot of sense, as loud clapping and whooping can be intimidating and distracting when you’re speaking on stage.

‚Plus who doesn’t like jazz hands?!‘

The annual event decides the female issues for the NUS to campaign on, and elects the campaign’s representatives.

An NUS spokesperson said: ‚The request was made by some delegates attending the conference.

‚We strive to make NUS events accessible and enjoyable for all, so each request is considered.‘

„Whooping“ war auch nicht erwünscht, wohl auch, weil einige Menschen weder Whoopen nocht klatschen können und auch, weil es einigen Leuten Angst macht.

Wenn man ein schlechtes Bild von Frauen erzeugen will, dann muss man eigentlich nur in einem machohaften Tonfall solche Meldungen vortragen. „Ja, mal lieber nicht klatschen, wenn Frauen in der Nähe sind, das halten die nicht aus, da sind die zu zart für. Besser man richtet ihnen eine kleine Ecke ein, wo sie in Ruhe heulen können, vielleicht mit ein paar Katzenbabykindern und etwas Knete zum spielen, Tierbabybilder, da werden Frauen immer ruhig“

Die nächste Forderung dort betraf Intersektionalität und kulturelle Aneignung:

Weiße, Schwule Männer sollten aufhören, sich wie schwarze Frauen zu verhalten.

According to the NUS Women Conference document, Motion 512’s supporters believe that the “appropriation of Black women by white gay men is prevalent within the LGBT scene and community.” It states that this appropriation is found in the “emulation of the mannerisms, language (particularly AAVE- African American Vernacular English) and phrases that can be attributed to Black women.” Furthermore, the NUS Women’s Campaign motion supporters find it offensive when white gay men say they have an “inner black woman.” The motion claims that white gay men “benefit from both white privilege and male privilege.

Der Vorschlag lautete: 

Motion 512: Dear White Gay Men: Stop Appropriating Black Women
Submitted by: NUS LGBT Committee
Speech for: NUS LGBT Committee
Speech against: Free
Summation: NUS LGBT Committee
Conference Believes:
1. The appropriation of Black women by white gay men is prevalent within the LGBT scene and community.
2. This may be manifested in the emulation of the mannerisms, language (particularly AAVE- African American
Vernacular English) and phrases that can be attributed to Black women. White gay men may often assert that
they are “strong black women” or have an “inner black woman”.
3. White gay men are the dominant demographic within the LGBT community, and they benefit from both white
privilege and male privilege.
4. The appropriation of Black women by white gay men has been written about extensively. This quote is taken
from Sierra Mannie’s TIME piece entitled: “Dear white gays, stop stealing Black Female culture”:
27
You are not a black woman, and you do not get to claim either blackness or womanhood. There is a clear line between appreciation and appropriation. I need some of you to cut it the hell out. Maybe, for some of you, it’s a presumed mutual appreciation for Beyoncé and weaves that has you thinking that I’m going to be amused by you approaching me in your best “Shanequa from around the way” voice. I don’t know. What I do know is that I don’t care how well you can quote Madea, who told you that your booty was getting bigger than hers, how cute you think it is to call yourself a strong black woman, who taught you to twerk, how funny you think it is to call yourself Quita or Keisha or for which black male you’ve been bottoming — you are not a black woman, and you do not get to claim either blackness or womanhood. It is not yours. It is not for you.”

Conference Further Believes:
1. This type of appropriation is unacceptable and must be addressed.
2. Low numbers of Black LGBT women delegates attend NUS LGBT conference. This can be attributed to many
factors, one of which may be the prevalent appropriation by white gay men, which may mean that delegates
do not feel comfortable or safe attending conference.
Conference Resolves:
1. To work to eradicate the appropriation of black women by white gay men.
2. To work in conjunction with NUS LGBT campaign to raise awareness of the issue, to call it out as unacceptable
behaviour and, where appropriate, to educate those who perpetuate this behaviour.

Schwarze schwule Männer dürfen also anscheinend immerhin „womanhood claimen“. Warum sie das dürfen ist mir ein Rätsel, aber schwarzen schwulen Männern ein entsprechendes Verhalten zu untersagen, das wäre vermutlich selbst dieser Konferenz zu offensichtlich falsch gewesen.

Immerhin dürfen sich ja auch weiße schwule Männer nach wie vor wie weiße Frauen verhalten.

 

Kulturelle Aneignung / Cultural appropriation

Im Zusammenhang mit der Intersektionalität und darauf aufbauend „Critical Whitness“gibt es auch immer wieder den Vorwurf der „Kulturellen Aneignung“ oder eben auf englisch „Cultural appropriation“.

Darunter versteht man, dass Personen aus einer anderen Kultur sich Symbole oder Praktiken einer anderen Kultur zu eigen machen. Problematisch wird dabei gesehen, dass diese Praktik oder dieses Symbol eine neue Bedeutung bekommt , die meist nichts mehr mit der eigentlichen Bedeutung zu tun hat und meist schlicht mit Spass/Freizeit/Mode zu tun hat.

Ein Beispiel war gerade auf Twitter kurz Gegenstand einer Diskussion:

„Hausverbot für „Weiße“ mit Dreadlocks, Mohawks und Tunneln. Also inwiefern ist das jetzt unterstützend für die Kämpfe von poc ?“

In der Twitter-Diskussion kamen dann die Argumente, dass das eben Rassismus sei, weil es eine kulturelle Aneignung ist, denn so werden diese Symbole zB als Widerstandsymbole entwertet. Dabei spielt man wohl auf diesen kulturellen Hintergrund in der Rastafari-Bewegung und in der Black-Power-Bewegung an:

Gleichzeitig wollten sich die Rastafari auch bewusst von der „importierten“ Kultur und dem Schönheitsideal der weißen Oberschicht, also der britischenKolonialmacht, abgrenzen und so gegen die Zerstörung ihrer Kultur protestieren. Da die verfilzten Locken der Rastafari dem Schönheitsideal der Weißen nun so gar nicht entsprachen, wurden sie von Außenstehenden als bedrohlich oder abstoßend empfunden. Schnell verbreiteten sich aus diesen Gründen allerlei negative Gerüchte auch über die Rastafari selbst, so dass die übrigen Leute begannen, sich auch vor ihnen zu fürchten und nicht nur die Frisur abstoßend zu finden. Daher „dread“ von „Furcht“ oder „dreadful“ von „schrecklich“, „furchtbar“.

Diese entwickelten sich schnell zum Symbol der Rastafari, und mit dem Erfolg der Reggae-Musik wurden auch die Dreadlocks weltweit bekannt und beliebt.

Da viele Rastafari Marihuana („Ganja“) rauchen, entstand auch im westlichen Kulturkreis das Klischee des dreadlocktragenden Kiffers.

Für manche Menschen afrikanischer Herkunft ist ihre, von gewelltem und krausem Haar geprägte, Frisur ein Ausdruck ethnischen Stolzes. So wurde von Afroamerikanern während der Bürgerrechts- und Black-Power-Bewegung in den 1950er und 1960er Jahren das – damals besonders bei Frauen populäre – Glätten der Haare als Anpassung und Unterwerfung an die europazentrierte Kultur der Weißen interpretiert und daher abgelehnt.

Auch Malcolm X trug zunächst kurze glatte Haare (den sogenannten Conk), was er später als „ersten Schritt zur Verleugnung seiner Identität als Schwarzer“ bezeichnete.[10]

Mit der Entwicklung der schwarzen Bürgerrechtsbewegung wurden stattdessen „original afrikanische“ Frisuren beliebt, um Individualität und Freiheit zum Ausdruck zu bringen, aber auch als eine Zurückweisung von Unterdrückung und Imperialismus, als Zeichen schwarzer nationalistischer oder pan-afrikanischer politischen Überzeugungen, als Symbole für schwarze Einheit und Macht sowie um die afrikanischen Wurzeln zu betonen. Zu diesen Frisuren zählte zunächst der Afro-Look, später kamen in Zusammenhang mit der Verbreitung des Reggae auch die Dreadlocks hinzu.Inzwischen ist das Tragen von Dreadlocks jedoch vom Mainstream vereinnahmt worden und hat seine explizit politische Aussage verloren.[11]

Die Anti-Establishment-Philosophie der Rastafari, wiederholt in vielen Reggae-Liedern der 1970er Jahre, zeigte auch in der weißen Bevölkerung Wirkung, besonders bei politisch links-gerichteten Jugendlichen, so dass auch hier Dreadlocks populär wurden. Parallel zur startenden Reggaebewegung wurden Dreadlocks in den 70er Jahren in der Goatranceszene populär, als die in Goa ansässigen Hippies begannen, Haartracht, Schmuck und auch Einstellungen der indischen Sadhus zu übernehmen und zu einer neuen Subkultur umzuformen. Daher sind Dreadlocks auch in der heutigen Goaszene noch sehr verbreitet. Ebenso in der Alternativbewegung, die als Oberbegriff für links-alternative Lebensweisen fungiert. So sind Dreads auch in den Bewegungen der Antiglobalisierungs- und Umweltaktivisten vertreten.

Hier spielt der hierarchische Aufbau nach Gruppen im Intersektionalismus hinein. Dazu hatte ich schon verschiedene Artikel:

Auch hier spielen, wie häufig im Feminismus, einige recht einfache Regeln der Über- und Unterordnung bzw. klare Schema von „Gut“ und „Böse“herein. Ich würde sagen, dass kulturelle Aneignung im wesentlichen folgenden Regeln unterliegt:

  • Bei der Frage, ob es sich um eine Aneignung handelt ist zunächst die übliche Hierarchisierung vorzunehmen. Nur wenn die Gruppe unterhalb der Gruppe steht, in der die Aneignung erfolgt, dann handelt es sich um eine unzulässige Aneignung. Die Hierarchien sind insoweit im Einzelfall schwierig, es ist aber sicher, dass Weiße sich jedenfalls nichts aneignen dürfen, da sie insoweit „Oben“ stehen. Gleichzeitig darf sich von Schwarzen / PoCs jedenfalls nichts angeeignet werden, da sie „unten“ stehen, also diskriminiert werden und keine Privilegien haben. Asiaten stehen irgendwo in der Mitte, wenn ein Schwarzer einen Kimono anzieht wäre es aber schon wieder interessant. Eine Lederhose dürften aber beide unproblematisch anziehen.
  • Der Vorwurf ist um so eher zu erwarten, um so eher man dem jeweiligen Symbol eine besondere Widerstandsfunktion oder eine besondere Symbolik zuweisen kann. Demnach sind eben Rasta-Locken oder Dreadlocks insoweit sehr aufgeladen, Kaffee oder Tee trinken, auch wenn es sicherlich auch einmal ein besonderer kultureller Brauch war oder vielleicht sogar ein Abgrenzungskriterium hingegen taugt weit weniger für einen solchen Vorwurf.
  • Gleichzeitig gilt aber der Grundsatz, dass alles vorgeworfen werden kann, was irgendwie der Abgrenzung dient, auch den Vorwurf der kulturellen Aneignung begründen kann, wenn er aus der nichtprivilegierten Gruppe kommt.

Ein paar Beispiele finden sich bei der Mädchenmannschaft:

Es ist nicht „nur“ ein Foto. Es ist die renitente, kontuinierliche, systematische Aufrechterhaltung der bestehenden Machtverhältnisse, die tausende solcher Fotos sowie eine Gesellschaft produziert, die mehrheitlich der Meinung ist, diese Fotos seien akzeptabel.

Wer bei Google „cultural appropriation“ in die Suchleiste tippt, bekommt einen Eindruck davon, wie gut People of Color es finden, dass die Devotionalien ihrer jeweiligen Kultur von weißen Leuten getragen werden, die es nicht interessiert, was sie damit tun und wen sie damit beleidigen.

Spoiler alert:

Japaner_innen sind NICHT hellauf begeistert davon, dass Polyesterkimono als Karnevals- oder Halloweenkostüme verkauft werden.

Inder_innen sind NICHT erfreut von Hipstern, die sich Bindis auf die Stirn kleben.

Cherokee, Sioux, Choctaw und andere Ureinwohner_innen Amerikas finden es NICHT großartig, dass die gleichen Hipsterkids sich Warbonnets über den Kopf ziehen.

Und Schwarze auf allen Kontinenten sind NICHT total glücklich darüber, dass man Schwarze Models prinzipiell nur mit geglätteten Haaren sieht, aber blonde/brünette Weiße bedenkenlosDreadlocks (und anscheinend auch „Afro“-Perücken) spazieren tragen können, ohne um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bangen.

Interessant auch das die Erwiderung zu dem Argument im gleichen Artikel, dass viele Angehörige dieser Kulturen damit kein Problem haben:

Ich habe selten eine Diskussion mitverfolgt, in der sich nicht früher oder später jemand mit dem Einwand zu Wort meldete, man kenne eine Person of Color, der das ganze nichts ausmache. Manchmal ist es auch eine PoC selbst, die kommentiert, sie fände den diskutierten Vorfall nicht rassistisch. Als eine Person of Color, der es nicht egal ist, habe ich schockierende Neuigkeiten für euch:

Liebe Weiße,

wenn ihr ein paar Uncle Toms [Ergänzung, März 2015: Auf Wunsch der Autorin nun gestrichen, da es sich um einen „African American Vernacular English“-spezifischen Begriff handelt] Leute kennt, die in etwa so ignorant sind wie ihr, gleichzeitig aber einer anderen Ethnizität angehören, könnt ihr daraus keine Legitimation für euer menschenverachtendes Verhalten ableiten.

Wenn euch eine weiße Person sagt, dass ihr sie „dummes Stück“ nennen dürft, weil ihr so gute Freunde seid, lautet eure Schlussfolgerung wahrscheinlich (/hoffentlich) auch nicht, dass jede andere weiße Person es gleichermaßen geschwisterlich auffassen wird.

Hört auf, euch am kulturellen Erbe nichtweißer Ethnizitäten zu bereichern. Ihr dürft unseren Kram nicht tragen.

Warum?

Weil wir ihn selber nicht tragen dürfen, ohne von euch stereotypisiert und exkludiert zu werden. Ihr habt eine Situation geschaffen, in der People of Color in ihren Nationaltrachten oder mit ihrer Naturhaarstruktur mehrheitlich mit rassistischen Klischees konnotiert werden. (Nicht, dass uns das ansonsten nicht passieren würde – wir sind konstant einem Rassismus ausgesetzt, dessen Allgegenwärtigkeit vehement geleugnet wird.)

Ihr habt die Privilegienolympiade gewonnen. Zeigt ein bisschen Anstand, indem ihr eure Medaillen/Warbonnets/Bindi/Kimono/Afroperücken nicht zur Schau stellt.

Das klassische Eifersuchtsargument, welches auch sonst aus meiner Sicht häufig den Boden der „Privilegientheorie“ bildet:

Ihr dürft das nicht haben, denn ich habe es ja auch nicht so wie ich es will.

Ich finde es ja immer wieder faszinierend, dass man einerseits Multi-Kulti. Verständnis unf Akzeptanz füreinander und die Aufgabe von Rassismus will, zum anderen aber Gruppenidentitäten erbittert verteidigt.

Kulturelle Aneignung ist meiner Meinung nach schlicht eines der besten Mittel um gegen Rassismus vorzugehen. Um so normaler und internationaler bestimmte Zeichen werden, um so weniger kann man sie als Mittel des Out-Groupings einsetzen. Wer will, dass jemand mit Dreadlocks nicht blöd angemacht wird, der sollte eben befürworten, dass diese möglichst verbreitet werden.

Es bliebe die Erwiderung, dass diese nicht – wie etwa im Karneval – als Verkleidung benutzt werden sollten, da dies eine Form der Abwertung sei, die Stereotype erzeugt. Aber das hängt meiner Meinung nach doch stark von der Form der Verkleidung ab. Auch hier kann ich mir vorstellen, dass die meisten Angehörigen einer entsprechenden Kultur das entspannt sehen können, wenn es friedlich und als Spass erfolgt und insbesondere, wenn es die weitergehende Vergangenheit betrifft, wie eben bei der ursprünglichen Kleidung von Indianern. Gerade bei Japanern, die ja nun als entsprechende Industrienation nicht gerade stark unterdrückt sind, sollte man meinen, dass da eine gewisse Lockerheit herrscht.

Ansonsten könnte man vielleicht noch anführen, dass es Leute stört, wenn für sich besonders wichtige Symbole entwertet werden, etwa solche mit einem ansonsten starken Tabu gegen eine profane Benutzung. Das wäre vielleicht gerade bei besonderen religiösen Symbole der Fall. Da ist unsere Kultur vergleichsweise Tolerant. Würde ein Papstkostüm besonderes Aufsehen hervorrufen? Oder ein solches hier? Es sind wahrscheinlich eher die Gruppen, die selbst am intolerantesten sind, die solche Taus aufrechterhalten.

Eine weitere Zusammenstellung von Stimmen findet sich in diesem Beitrag auf dem Mädchenblog:

Auch Teariffic beschäftigt sich mit dem Thema; auch hier ist Critical Whiteness ein wichtiger Punkt:

Zweitens ist es mir wichtig zu betonen, dass es einen Unterschied zwischen kultureller Adaption und Aneignung gibt. Adaption ist im Zuge der Globalisierung kaum vermeidbar und ist per se nicht negativ. Das Feiern von Weihnachten in nicht-christlichen Ländern oder multi-kulturelle Küche sind die geläufigsten Beispiele dafür.
Bei der Aneignung ist es allerdings immer mit Privilegien und Rassismus verbunden.

Hier ist mir die Abgrenzung nicht wirklich klar: Ich würde anhand des Beispiels vermuten, dass Adaption „nach oben“ erfolgt, also zB wenn Schwarze etwas von Weißen übernehmen, Aneignung aber „nach unten“, wenn also zB Weiße etwas von Schwarzen übernehmen. In dem Artikel findet sich dazu noch das folgen Zitat: „(…)Appropriation implies taking for oneself, to seize possession (or “adopt”) without consent or consideration in a way that detracts from the source culture’s ability to access or enjoy that which you have taken. It is stealing. It is inherently negative. Unlike cultural adoption or depiction, there is no good kind of cultural appropriation.“ Da spielt dann also vielleicht auch noch mit rein, dass man etwas seiner Symbolik beraubt, aber tatsächlich „stehlen“ kann wahrscheinlich auch nur der, der Macht hat, was einen wieder in die Hierarchie bringt.

Weiter beim Mädchenblog:

Andrew Chin spricht an, wie unsensibel sich Weiße (und in dem Fall die US-amerikanische Gesellschaft) asiatische Kultur aneignen:

The limits of this „willingness to understand“ extend also to a willingness to share cultural power: whites are generally willing to engage in cultural and social transactions with Asian Americans only to the extent that white domination of American culture and society is not challenged. The eating of sushi and the wearing of Chinese-character tattoos as fashion trends do nothing to protect Asian Americans from continuing racial discrimination.

Da geht es also wieder um Macht. Aber richtig logisch erscheint es mir nicht: Denn man wird eben keinen Nazi mit einem Tattoo mit chinesischen Schriftzeichen sehen. Und ein Nazi mit Springerstiefeln und „Ausländer raus“-Schriftzug wird wohl auch eher keinen Döner kaufen.

The Angry Black Woman analysiert das Problem:

I thought it would be appropriate to first define what we mean when we talk about Cultural Appropriation. What is it? What do you mean when you apply that term? If we can all express that and put up a few loose boundary markers around the subject, that will make discussing its effects and manifestations a little easier.
As a writer of color, I’m used to discussing cultural appropriation in the artistic sphere. Remember, though, that the issue extends beyond art – spirituality, style/fashion, speech, attitudes and more. Let’s bring them all in.

Bei Thisisnotindia wird auch nochmal grundlegendes erklärt:

While Hindu iconography is commonplace and used pretty much everywhere, you will never see it imprinted on commonly used items such as t-shirts, pants, shirts or tattooed on bodies.
The context of religion, politics and history is erased completely —- only to be replaced by the vacuous and profitable hook found in the imagery of elephant-heads, multi-hands, multi-heads, and hanging tongues. When Hindu iconography is reduced to its consumerist shock value in the West, it becomes a question of cultural neocolonialism.

Da wäre also wieder der Aspekt, dass es seiner eigentlichen Bedeutung beraubt wird und damit wertlos wird. Wobei man ja auch beispielsweise in Asien Leute mit bescheuerten Aussagen in Englisch auf dem T-Shirt herumlaufen sieht. Es ist eben ein typisches Phänomen, wenn eine Sprache oder eine Symbolik fremd aber für die meisten nicht lesbar ist.

Lady Lukara bloggt bei Reality Rags einen Text mit einer etwas anderen, differentzierteren Sichtweise und fordert respektvollen Dialog (der in den durchaus interessanten Kommentaren auch entsteht):

Ich liebe Multikulti, das ist für mich nicht nur ein Wort, es fühlt sich bis ganz tief in mir drin gut an, wenn Kulturen sich kennenlernen, verstehenlernen und vermischen, auf allen Ebenen! Ich bin Weltbürgerin, yes!!! Natürlich meine ich nicht die „Veroberflächlichung“ zu Fashionstatements. Wie oben schon erklärt finde ich es wichtig, dass der Ursprung und die Bedeutung der Symbole, Rituale und Trachten erhalten und respektiert werden muss, weil sie das Leben ungemein bereichern und ich bin dafür, dass diese respektvolle Bereicherung allen, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, zugänglich sein sollte, da dies – entgegen der ganzen beschissenen Abschottung – uns zusammenführen mag, uns Verständnis und Gemeinsamkeiten unserer Kulturen entdecken lassen kann.

Das finde ich schon eher eine passende Herangehensweise – Keine Abschottung, aber vielleicht ein gewisses Gefühl dafür behalten, was es für die andere Kultur bedeutet.

Kritik an Intersektionalität

Dies ist ein Gastartikel von Maddes8cht. Der Artikel nimmt Bezug auf eine Diskussion mit einem anderen Kommentator, Lightyear2000, der feministische Positionen vertritt. 

Mein perönliches Problem und meine Hauptkritik am Konzept der Intersektionalität, so, wie sie überall beschrieben wird, liegt in der Annahme, dass Diskriminierungen hierarchisch angeordnet sind, und dass diese Hierarchie in einer bestimmten Gesellschaft gewissermaßen fest gegeben ist.

Mit pseudowissenschaftlichem Eifer arbeiten sich Leute daran ab, welche Kategorien in dieses Hierarchiesystem noch hineingehören, welche wichtiger und welche weniger wichtig sind, aber immer scheint dabei klar sein zu müssen, welche Seite die diskriminierte und welche die privilegierte ist.

Das Problem mit Dogmen ist meistens, dass das Dogma selbst gar nicht bewusst ist.

Es wird alles mögliche daraus abgeleitet, in Frage gestellt, umgeordnet. Allein das Dogma selbst nicht.
Es wird nicht deshalb nicht in Frage gestellt, weil das jemand verbietet, sondern weil man gar nicht mehr wahrnimmt, dass es in Frage gestellt werden könnte, dass es angreifbar ist.

Für Feministen scheint lediglich die Richtung angreifbar zu sein. Das sieht man übrigens wunderschön an LJ2k, er nimmt an, wir möchten Frauen die Position als Diskriminierte streitig machen und sie als die privilegierten betrachten. Dass man es auch so sehen könnte, dass es keine in allen Punkten eindeutig gültige Diskriminierungshierarchie gibt, und Frauen in bestimmten Dingen diskriminiert, in anderen aber privilegiert sein könnten, hat in der Intersektionalität keinen Platz.

Das Denken ist so stark von diesem Gedanken besetzt, dass es offenbar nur ein entweder – oder geben kann. Und damit ist der Gedanke unausweichlich, dass Männerrechtler an dieser Stelle die Polarität wohl umkehren wollen und sich selbst als die diskriminierteren sehen oder darstellen „wollen“.

LJ2k gibt zwar an, dass auch in seinem Weltbild Männer zu Opfern werden können – aber nur im Rahmen des intersektionalen Glaubensbildes:
Aufgrund der Diskriminierung durch andere Faktoren, wie Soziale Klasse, Hautfarbe, sexulelle Orientierung, Behinderung, etc.
Niemals aber ALS MANN.
Das erlaubt LJ2k, zu behaupten, dass er auch Männer als Opfer und Frauen als Täter sehen kann.
Es ändert nichts daran, dass in seinem Bild Männer IMMER das grundsätzliche Privileg als Mann haben und Frauen IMMER als Frau diskriminiert sind.

Der Gedanke, dass Männer ALS MÄNNER diskriminiert sein können wäre im Gedankengebäude der Intersektionalität gleichbedeutend damit, Frauen ihre originäre Diskriminierung ALS FRAU abzusprechen. In diesem System gibt es keinen Platz für die Vorstellung, dass in einer Kategorie von Diskriminierung die Diskriminierung Situationsabhängig mal in die eine, mal in die andere Richtungen wirken kann. Diskriminierung für die „privilegierte“ Position gibt es nur durch einen Anteil an einer anderen Diskriminierungskategorie.

Die ganze Vorstellung einer festen Hierarchie ist aber Quatsch.
Sie mag an gewissen Stellen halbwegs stimmen, aber nicht grundlegend.
Wer als Weißer in Harlem in einen Laden geht, kann dort durchaus als weißer diskriminiert werden. Wer als bekannter Hetero in eine Schwulenbar geht, kann erleben, dass er als Hetero diskriminiert wird.
Und wer als Mann unter Feminstinnen oder auch in einen Frauenzirkel gerät (z.B. als Vater unter Müttern auf dem Spielplatz) kann als Mann diskriminiert werden.
Dies alles sind keine Ausnahmen, denn auch die umgekehrte (in dem Fall also die „gewohnte“, vom Intersektionalismus als Norm behauptete ) Diskriminierung ist meist Situativ. Weil Diskriminierung an sich eine individuelle und situative Erfahrung ist.

Intersektionalität könnte ich erst akzeptieren, wenn dieses hierarchische Denken beendet wird.
Diskriminierungserfahrungen können immer in beide Richtungen wirken. Es mag Kategorien geben, in denen es eine deutliche Gewichtung gibt und eine Seite sehr deutlich diskriminiert wird, die andere dagegen nur in Ausnahmefällen.
Aber Möglich sind immer beide Richtungen. Selbst Schwerstbehinderte können sich zu einer Ingroup solidarisieren, innerhalb derer sie nichtbehinderte diskriminieren.
Es wäre wichtig, dass Intersektionalität diesen Umstand anerkennt, die eigentlich eine Binsenweisheit sein sollte.
Denn erst dann wäre sie auch offen für die Möglichkeit, dass in bestimmten Kategorien sogar recht gleichgewichtig in beide Richtungen Diskriminiert wird.
Oder sich das Gewicht in einer Diskriminierungskategorie langsam verschiebt.
Oder am erstaunlichsten: Zu erreichen, dass Diskriminierung langsam verschwinden und sich auflösen kann.
Denn bei aller emotionaler Kampfrethorik im angeblichen Kampf „gegen“ Diskriminierung scheint genau das innerhalb des Gedankengebäudes „Intersektionalität“ gar nicht möglich zu sein.

Ich kann mir vorstellen, dass vieles von der vehementen Abwehr und Aggressivität der Feministinnen von dieser absurden Hierarchisierungsfantasie des Intersektionalismus herrührt. Viele der Unterstellungen gegen alles aus der modernen Männerbewegung hat in diesem Denken ihre logische Wurzel.
Es gibt da keine Grautöne. Die Illusion von „Differenziertheit“ wird allein durch eine Vielzahl von Diskriminierungskategorien erzeugt. In sich ist die Hierarchie jedoch starr. Die Idee, dass jemand in einer Kategorie in der Position des angeblich „privilegierten“ Diskriminierungserfahrung geltend machen will ist immer gleichbedeutend mit einem Angriff auf die Hierarchie, denn die einzig mögliche Sichtweise im Intersektionalismus ist ja, dass die Hierarchie dann anders herum sein müsste.
Sehr schön zu beobachten ist das regelmäßig an den Unterstellungen gegen Männerrechtler, genau das zu betreiben. Es wird dann behauptet, für Männerrechtler seien „immer die Männer Opfer und die Frauen immer Täter“, also eine Umkehrung dessen, was Feministen behaupten.

Interessanterweise „fordert“ Intersektionalismus zwar für alle Kategorien Gleichberechtigung oder Gleichstellung ein, doch im Grunde ist das Konzept einer erreichten „Gleichberechtigung“ mit der hierarchischen Intersektionalität unvereinbar: Die Hierarchie selbst kann nicht angezweifelt werden, und innerhalb der Hierarche gibt es immer eine klare Zuordnung in privilegierte und diskriminierte.

Das ist praktisch, denn so kann „Gleichberechtigung“ immer nur gefordert, Theorieimmanent jedoch niemals erreicht werden. Ein perfekter Selbstläufer.

Ich finde es bedeutsam, darauf hinzuweisen, dass dabei eine Gleichberechtigung nicht einfach deshalb nie erreicht wird, weil Feminismus „nie genug“ bekommt. Eine Gleichberechtigung kann nicht erreicht werden, weil die Theorie es nicht erlaubt.
Gemäß der Theorie besteht eine 100% einseitige Diskriminierung, solange die Kategorie überhaupt besteht. Da möglicherweise die Auswirkungen der Diskriminierung subtil sind (und subtiler werden, je mehr dagegen angekämpft wird…), muss man eben danach suchen. Und wenn man nach „Diskrimnierungen“ sucht, kann man eigentlich immer was finden, was man so sehen möchte.
Intersektionalismus liefert also die Begründung dafür, immer neue Diskriminierungsformen suchen und finden (oder besser „erfinden“) zu müssen.

Intersektionalität errichtet dabei ein moralisches Kastensystem mit einer nur scheinbar umgekehrten hierarchischen Pyramide.
Angeblich soll der weiße heterosexuelle Mann an der privilegierten Spitze dieser Pyramide stehen.
Betrachtet man jedoch die Zahlenverhältnisse, so ist leicht zu sehen, dass jede weitere Diskriminierungsebene die Anzahl der Betroffenen einschränkt.
Die angebliche „Spitze“ der Hierarchie wird, weil unverdient privilegiert, als der Moralische Abschaum dargestellt.
Die moralische „Königsklasse“, die super-diskriminierte, ist die schwarze, lesbische, dicke, alte und (idealerweise mehrfach, mindestens physisch und psychisch) behinderte Frau.
Sie ist Zahlenmäßig deutlich kleiner als andere Klassen in diesem System, wie zum Beispiel Schwule Männer.
Wie in allen Kastensystemen ist der „Bodensatz“ die Zahlenmäßig größte Gruppe: Die WHM. Die moralische Überlegenheit erlaubt den höheren Kategorien, auf sie herabzusehen und sie zu beschimpfen. Die angemessene Reaktion der Pariahs ist die Demutsgeste, mit der die eigene moralische Unterordnung dokumentiert wird. Die Verneigung vor dem Feminismus und der Überlegenheit der Frau. Wer vom Bodensatz diese Demutssgeste nicht leistet, wird bestraft.

Intersektionalität ist keine „differenzierte“ Sichtweise, wie sie gerne für sich in Anspruch nimmt. Intersektionalität ist schwarz/weiß denken in Reinform. Die Kategorisierung von schwarz/weiß denken. Eine pseudowissenschaftliche Implementierung eines moralischen Kastensystems.

Das absolute Gegenteil von „differenzierter“ Denkweise.

Feministische Theoriewoche: „Intersektionalität“ (Tag 6)

Dieser Beitrag ist Teil der feministischen Theoriewoche.

Das heutige Thema ist

„Intersektionalität“ 

als ein zentrales Element der gerade im Netz und im „modernen Feminismus“ vorherrschenden Theorie.

1. Was besagt Intersektionalität?

2. Was leitet der Feminismus daraus her/wie setzt er diese Theorie ein?

3. Welche Argumente/Studien sprechen für/gegen diese Theorie?

Abgrenzung im Intersektionalismus: Wer darf sich wo einmischen?

Da Verhältnis im intersektionalen Feminismus zu bestimmten kulturellen Praktiken ist, wenn ich es richtig verstehe, dass jeweils die davon Betroffenen entscheiden müssen, ob sie diese gut finden oder nicht.

Deswegen ist es nicht an „westlichen Feministinnen“ beispielsweise kulturelle Praktiken wie ein Kopftuch oder eine Vollverschleierung zu kritisieren, sie können da allenfalls „Ally“ sein, also Frauen aus diesem Kulturkreis unterstützen, wenn diese damit nicht einverstanden sind.

Da würde mich interessieren, wo die Grenzen verlaufen: Darf eine amerikanische Feministin die deutsche oder französische Gesellschaft kritisieren oder könnte man hier sagen, dass die Frauen eben in einer Demokratie leben und die Regeln auch dort mitgestalten und anscheinend diese Ausprägungen der „Rape Culture“ so mittragen?

Und ab welchem Grad der Kritik überhaupt? Auch im arabischen Raum werden ja genug Frauen gegen Kopfbedeckungen oder Vollverschleierung sein.

Wenn man anführen würden, dass nur eine Frau aus dem jeweiligen Raum überhaupt dies kritisieren dürfte, dürfen dann PoCs oder Frauen aus einer anderen Kultur entscheiden, wie Frauen in Deutschland leben wollen?

Oder gibt es dann wieder Praktiken, die einen gewissen Spielraum lassen, bei denen man also die jeweiligen Frauen entscheiden lassen kann? Das würde aber nicht erklären, warum diese Zustimmung dann nicht nachgehalten wird sondern der Anteil der Frauen üblicherweise als „internalisierter Sexismus“ oder „wohlwollender Sexismus gegen Frauen“ abgetan wird.

Gibt es hier im Feminismus ein logisches Konzept, welches abgrenzt, wann man wie die Intersektionalität hereinspielen lässt, also eine Praxis, die man als sexistische Praxis auslegen würde, nicht kritisiert werden darf?

Oder geht es dabei nur um die Entscheidung der Einzelnen, also den Umstand, dass die einzelne Frau stets ein Kopftuch tragen darf, ihr aber nicht vorgehalten werden darf, wenn sie stattdessen sehr viel Haut zeigt? Aber auch hier scheint der Feminismus ja in seine Kritik nicht einzubeziehen, dass viele Frauen eben hier schlicht den gesellschaftlichen Regeln folgen und nicht aus eigenen Antrieb handeln.

Vielleicht ist die Lösung einfach nur ein schlichtes „privilegierte dürfen unprivilegierten nicht reinreden“. Also Weiße nicht Farbige. Allerdings würde dann eine Erkärung fehlen, warum man davon ausgeht, dass Privilegierte in der Hinsicht unfreier und beeinflusster sind und daher bei ihnen klar erkannt werden kann, dass ihr Verhalten auf gesellschaftlichen Regeln beruht und überall das Patriarchat nachgewiesen werden kann, dies allerdings bei den anderen Kulturen nicht der Fall ist. Letztendlich erklärt man damit man ja indirekt – insoweit ja auch zum Poststrukturalismus passend – dass es keine Kriterien für Sexismus und Diskriminierung gibt, weil man diese ja sonst in gleicher Weise bei den PoCs anwenden könnte und über ein subjektives Element und ein einmischen nicht geredet werden müsste. Es würde reichen, die Machtstrukturen in dieser Gesellschaft zu bestimmen.

Intersektionalität bzw. intersektionaler Feminismus

Der gerade im Netz sehr populäre und vorherrschende Teil des Feminismus ist der intersektionale Feminismus. Zur Intersektionalität findet sich in der Wikipedia das Folgende:

Intersektionalität beschreibt die Überschneidung (engl. intersection = Schnittpunkt, Schnittmenge) von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person. Intersektionelle Diskriminierung liege vor, „wenn – beeinflusst durch den Kontext und die Situation – eine Person aufgrund verschiedener zusammenwirkender Persönlichkeitsmerkmale Opfer von Diskriminierung wird.

Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Handicapism oder Klassismus addieren sich nicht nur in einer Person, sondern führen zu eigenständigen Diskriminierungserfahrungen. So wird ein gehbehinderter Obdachloser gegebenenfalls nicht nur alsObdachloser und als Gehbehinderter diskriminiert, sondern er kann auch die Erfahrung machen, als gehbehinderter Obdachloser diskriminiert zu werden.

Das neue Erkenntnisinteresse in der Intersektionalitätsforschung gilt den Verflechtungszusammenhängen, welche sich durch das Zusammenwirken verschiedener Diskriminierungsformen ergeben

In der englischsprachigen Wikipedia werden „Key Concepts„, also Schlüsselkomponenten der Theorie dargestellt:

Interlocking matrix of oppression
Collins refers to the various intersections of social inequality as the matrix of domination. This is also known as „vectors of oppression and privilege“ (Ritzer, 2007, p. 204). These terms refer to how differences among people (sexual orientation, class, race, age, etc.) serve as oppressive measures towards women, and ultimately change the experiences of living as a woman in society. Collins, Audre Lorde (in Sister Outsider), and bell hooks point towards either/or thinking as an influence on this oppression and as further intensifying these differences. Specifically, Collins refers to this as the construct of dichotomous oppositional difference. This construct is characterized by its focus on differences rather than similarities (Collins, 1986, p. S20).

For example, society commonly uses dichotomies as descriptors such as black/white or male/female. Additionally, these dichotomies are directly opposed to each other and intrinsically unstable, meaning they rarely represent equal relationships. In a 1986 article, Collins further relates this to why black women experience oppression.

 

Standpoint epistemology and the outsider within
Both Collins and Dorothy Smith have been instrumental in providing a sociological definition of standpoint theory. A standpoint is an individual’s unique world perspective. The theoretical basis of this approach involves viewing societal knowledge as being located within an individual’s specific geographic location. In turn, knowledge becomes distinctly unique and subjective—it varies depending upon the social conditions under which it was produced (Mann and Kelley, 1997, p. 392).

The concept of the outsider within refers to a special standpoint encompassing the self, family, and society (Collins, 1986, p. S14). This relates to the specific experiences to which people are subjected as they move from a common cultural world (i.e., family) to that of the modern society (Ritzer, 2007, p. 207). Therefore, even though a woman (especially a Black woman) may become influential in a particular field, she may feel as though she never quite belongs. Essentially, their personalities, behaviors, and cultural beings overshadow their true value as an individual; thus, they become the outsider within (Collins, 1986, p. S14).

Resisting oppression
Speaking from a critical standpoint, Collins points out that Brittan and Maynard claim „domination always involves the objectification of the dominated; all forms of oppression imply the devaluation of the subjectivity of the oppressed“ (Collins, 1986, p. S18). She later notes that self-evaluation and self-definition are two ways of resisting oppression. Participating in self-awareness methods helps to preserve the self-esteem of the group that is being oppressed and help them avoid any dehumanizing outside influences.

Marginalized groups often gain a status of being an „other“ (Collins, 1986, p. S18). In essence, you are „an other“ if you are different from what Audre Lorde calls the mythical norm. „Others“ are virtually anyone that differs from the societal schema of an average white male. Gloria Anzaldúa theorizes that the sociological term for this is „othering“, or specifically attempting to establish a person as unacceptable based on certain criterion that fails to be met (Ritzer, 2007, p. 205).

Individual subjectivity is another concern for marginalized groups. Differences can be used as a weapon of self-devaluation by internalizing stereotypical societal views, thus leading to a form of psychological oppression. The point Collins effectively makes is that having a sense of self-value and a stable self-definition not obtained from outside influences helps to overcome these oppressive societal methods of domination.

Mich würde neben diesen Punkten aber vielmehr ein Punkt interessieren, der mir viel maßgeblicher zu sein scheint:

Der Umstand, dass man innerhalb der verschiedenen Diskriminierungsmerkmale immer nur ein Gefälle in eine Richtung haben kann. Denn das scheint mir ein fester Bestandteil der Intersektionalen Theorien zu sein:

Eine Gruppe hat immer mehr Macht als die andere Gruppe und demnach muss in dieser Binarität einer der Unterlegene und damit Diskriminierte und der andere der Überlegene und damit der Diskriminiernde/Privilegierte sein.

  • Weiß ist gegenüber allen anderen Hautfarben privilegiert
  • Männer sind gegenüber Frauen privilegiert
  • Heterosexuelle sind gegenüber Homosexuellen privilegiert

Und so weiter.

Es ist so gesehen eine „Systemtheorie„, die die Machtverhältnisse und Regeln in einem System (zB Geschlecht) sehr stark vereinfacht hat und die Zusammenhänge mit anderen Systemen (Rasse etc) untersucht. Und genau an diesen starken Vereinfachungen der jeweiligen Systeme krankt eben diese Theorie, gerade weil sie die Systeme nur abstrakt betrachtet und die menschlichen Motivationen nicht miteinbezieht. Aus einem sehr komplexen Verhältnis der Geschlechter zueinander, welches sich in unterschiedlichen Motivationen, Bedürfnissen und gegenseitigen Abstimmungen aufeinander ergibt, bleibt nur übrig, dass Männer mehr Macht haben, weil sie in vielen Bereichen der Gesellschaft an der Spitze stehen. Weibliche Macht über andere Bereiche bleibt insofern vollkommen ausgeblendet, auch weibliche Partizipation an den Früchten dieser Macht und der Aufwand mit dem dies Erfolg erarbeitet wird. Auf die mittleren Bereiche wird ebenso wenig geschaut wie auf die unteren Bereiche. Kurz: Die Aufnahme des Systems ist absolut unvollständig und die Verallgemeinerung, dass Macht nur in eine Richtung ausgeübt werden kann fehlerhaft. Damit bricht die gesamte Analyse zusammen und die grobe Einteilung in Klassen, die sich unterdrücken kann nur zu fehlerhaften Betrachtungen führen.