Leute als Rassisten/Sexisten zu bezeichnen hilft nicht gegen Rassismus/Sexismus

Ein interessanter Artikel zu der Reaktion von Leuten auf Vorwürfe, Rassisten (oder Sexisten) zu sein.

Er verweist zunächst auf ein Experiment, indem es um den Abbau von Vorurteilen gegenüber Transsexuellen ging und in dem die Leute gebeten worden sind, sich in deren Lage zu versetzen und dann ein Gespräch mit ihnen aus dieser Perspektive geführt wurde. Durch dieses nichtkonfrontative Einfühlen gewannen die Leute eine andere Perspektive und zeigten auch drei Monate später noch eine positivere Einstellung.

In dem Artikel heißt es dann:

This is the direct opposite of the kind of culture the internet has fostered — typically focused on calling out racists and shaming them in public. This doesn’t work. And as much as it might seem like a lost cause to understand the perspectives of people who may qualify as racist, understanding where they come from is a needed step to being able to speak to them in a way that will help reduce the racial biases they hold.

Das ist bekanntlich ja auch der Ansatz des Feminismus: Die Angehörigen der „Tätergruppe“ (Weiße, Heterosexuelle, Männer etc) mit Vorwürfen überziehen und fordern, dass diese gefälligst alles lassen, was auch nur irgendwie diskriminierend sein könnte, was angesichts der Ausweitung auf „Micro-Aggressionen“ nicht umsetzbar ist. Es geht so weit, dass man noch nicht einmal verlangen darf, dass einem gesagt wird, was man falsch gemacht hat, weil man das gefälligst selbst erkennen muss.

Die Schuld ist universell und nur durch tägliche Buße und tägliches hinterfragen immer wieder erneut abzubauen.

The first thing to understand is how white Americans, especially in rural areas, hear accusations of racism. While terms like “racist,” “white privilege,” and “implicit bias” intend to point out systemic biases in America, for white Americans they’re often seen as coded slurs. These terms don’t signal to them that they’re doing something wrong, but that their supposedly racist attitudes (which they would deny having at all) are a justification for lawmakers and other elites to ignore their problems.

Imagine, for example, a white man who lost a factory job due to globalization and saw his sister die from a drug overdose due to the opioid painkiller and heroin epidemic — situations that aren’t uncommon today. He tries to complain about his circumstances. But his concerns are downplayed by a politician or racial justice activist, who instead points out that at least he’s doing better than black and brown folks if you look at broad socioeconomic measures.

Maybe he does have some level of white privilege. But that doesn’t take away from the serious problems he sees in his world today.

Vor allem besteht eben kein Zusammenhang zwischen dem, was er macht (zB nach besten Wissen und Kräften seine Familie ernähren und seinen Job erledigen) und dem Umstand, dass es anderen schlechter geht. Er hat auch keine tatsächliche Handlungsoption, er macht ja nichts falsch. Er kann auch nicht Nichtweiß, nichtheterosexuell oder nichtmännlich werden. Und natürlich hat er eigene Probleme, dass Gefühl, dass diese für einen Politiker unwichtig sind und das seine Arbeit abgewertet wird oder gar Unterdrückung ist muss geradezu als ungerechter Vorwurf erscheinen. Weil er es auch ist.

This is how many white Americans, particularly in working-class and rural areas, view the world today. So when they hear politicians and journalists call them racist or remind them about their privilege, they feel like elites are trying to distract from the serious problems in their lives and grant advantages to other groups of people. When Hillary Clinton called half of Trump voters “deplorable,” she made this message explicit.

Das ist ein sehr einfacher Effekt. Denn natürlich ist jeder sich erst einmal selbst der nächste und sieht es nicht ein, dass ihm etwas vorgeworfen wird, für das er nichts kann. Er mag durchaus eine gerechte Welt wollen, aber das er für die Ungerechtigkeiten haftet, weil er ein Mann, Weiß und Heterosexuell ist, dass ist verständlicherweise unverständlich. Kündigt man dann noch an, dass man seine Gruppe verachtet, dann verstärkt das ein Gruppengefühl und erzeugt eine „Wir gegen die“-Situation. Unzufriedenen Menschen eine Gruppenidentität zu geben, noch eine die sie abwertet, kann verständlicherweise genau das Gegenteil von dem erreichen, was man bewirken will.

“Telling people they’re racist, sexist, and xenophobic is going to get you exactly nowhere,” said Alana Conner, executive director of Stanford University’s Social Psychological Answers to Real-World Questions Center. “It’s such a threatening message. One of the things we know from social psychology is when people feel threatened, they can’t change, they can’t listen.”

Arlie Hochschild, a sociologist and author of Strangers in Their Own Land: Anger and Mourning on the American Right, provided an apt analogy for white rural Americans’ feeling of neglect: As they see it, they are all in this line toward a hill with prosperity at the top. But over the past few years, globalization and income stagnation have caused the line to stop moving. And from their perspective, people — black and brown Americans, women — are now cutting in the line, because they’re getting new (and more equal) opportunities through new anti-discrimination laws and policies like affirmative action.

As a result, Hochschild told me that rural white Americans “feel like a minority group. They feel like a disappearing group. Both minority and invisible.”

Das sich jemand ausgeschlossen und ausgegrenzt fühlt und zudem das Gefühl hat, dass andere, die genau das gleiche machen wie er oder sich sogar schlechter verhalten, gefördert werden, erzeugt natürlich Unmut. Es gibt ein bekanntes Experiment, bei dem man dem einen Affen für eine Tätigkeit Gurkenscheiben gibt und er dann sehen muss, wie ein anderer Affe für die gleiche Tätigkeit ein beliebteres Essen bekommt. Auch wenn ihm vorher die Belohnung fair erscheint, wird er sich spätestens wenn er die höhere Belohnung des anderen sieht, unfair behandelt fühlen.

Ein Teil der Reaktionen auf die Taten von Flüchtlingen speist sich denke ich aus der gleichen Quelle: Wer erklärt, dass weiße Männer der Abschaum sind, der eine Vergewaltigungskultur unterhält und dann gleichzeitig Taten von Flüchtlingen oder aus der islamischen Welt nicht kritisiert, der gibt indirekt auch eine höhere Belohnung für gleiches Verhalten: Der eine wird gescholten für Taten, die man leicht hinterfragen kann (Auf dem Oktoberfest wird pausenlos vergewaltigt) und bei anderen wird es klein geredet. Das weckt das Interesse die Ungerechtigkeit darzustellen und darzustellen, dass der andere eigentlich schlechter ist und schon hat man gerade bei Leuten, die sich allgemein ungerechtfertigt abgewertet fühlen und ein positives Gruppengefühl brauchen eine Pegidabewegung oder AfD-Wähler.

One can pick the facts here — particularly since black and Latino Americans still trail white Americans in terms of wealth, income, and educational attainment. But this is how many white Americans feel, regardless of the facts.

Weil eben der einzelne Mann auch nichts dafür kann. Es kann nicht von ihm erwartet werden, dass er eine schlechtere Ausbildung akzeptiert und er kann auch nichts dafür machen, dass diese Gruppen eine bessere erhalten. Genauso wenig, wie er es bei ärmeren Weißen machen kann, die es auch genug gibt. Warum sollte er sich deswegen vorwerfen lassen ein Rassist zu sein oder warum sollten seine Probleme deswegen nicht auch Bedeutung haben?

So when they hear accusations of racism, they feel like what they see as the “real” issues — those that afflict them — are getting neglected. This, obviously, makes it difficult to raise issues of race at all with big segments of the population, because they’re often suspicious of the motives.

Das dürfe sogar noch mehr im Geschlechterbereich der Fall sein. Denn die meisten Männer versuchen ja natürlich Frauen zu fördern, nämlich ihre Partnerin, ihre Töchter oder Freundinnen oder andere Verwandten. Sie sehen sie als Teil ihrer Gruppe und nicht als gegnerische Gruppe und sehen es dann noch weniger ein, dass man sie gegeneinander ausspielen will.

What’s more, accusations of racism can cause white Americans to become incredibly defensive — to the point that they might reinforce white supremacy. Robin DiAngelo, who studies race at Westfield State University, described this phenomenon as “white fragility” in a groundbreaking 2011 paper:

White people in North America live in a social environment that protects and insulates them from race-based stress. This insulated environment of racial protection builds white expectations for racial comfort while at the same time lowering the ability to tolerate racial stress, leading to what I refer to as White Fragility. White Fragility is a state in which even a minimum amount of racial stress becomes intolerable, triggering a range of defensive moves. These moves include the outward display of emotions such as anger, fear, and guilt, and behaviors such as argumentation, silence, and leaving the stress-inducing situation. These behaviors, in turn, function to reinstate white racial equilibrium.

Most Americans, white people included, want to think that they’re not capable of racism — particularly after the civil rights movement, overt racism is widely viewed as unacceptable in American society. Yet racism, obviously, still exists. And when some white people are confronted with that reality, whether it’s accusations of racism against them personally or more broadly, they immediately become very defensive — even hostile.

Es ist schade, dass man da nicht auf die Idee kommt, mal die eigenen Theorien zu hinterfragen. Vielleicht ist es eben einfach kontraproduktiv Gruppen als rassistisch zu bezeichnen und davon auszugehen, dass „alle Weißen rassistisch sein müssen, wenn es Rassismus gibt“. Und natürlich kann man auch diesen Rassismus stark hinterfragen und andere Umstände für bestehende Unterschiede prüfen, von Biologie bis Klassen-Unterschiede.

DiAngelo offered a telling example, from an anti-racism training session she facilitated:

One of the white participants left the session and went back to her desk, upset at receiving (what appeared to the training team as) sensitive and diplomatic feedback on how some of her statements had impacted several people of color in the room. At break, several other white participants approached us (the trainers) and reported that they had talked to the woman at her desk, and she was very upset that her statements had been challenged. They wanted to alert us to the fact that she literally “might be having a heart-attack.” Upon questioning from us, they clarified that they meant this literally. These co-workers were sincere in their fear that the young woman might actually physically die as a result of the feedback. Of course, when news of the woman’s potentially fatal condition reached the rest of the participant group, all attention was immediately focused back onto her and away from the impact she had had on the people of color.

This illustrates just how defensive people can get in the face of accusations of racism: Not only did the woman who faced the criticisms genuinely feel like she was having a heart attack, but the white people around her believed it was totally possible she was. This is the reality of trying to have a conversation about race in America.

Hier ist es auch interessant, dass die eigentliche Bemerkung nicht genannt wird und auch nicht die Art des Vorwurf. Gerade wenn der Vorwurf angesichts der Bemerkung schlicht unverhältnismäßig war illustriert es weniger, dass Leute ungerechtfertigt auf einen Rassismusvorwurf reagieren, sondern eher, dass eben ungerechtfertigte Anschuldigung Leute aufregen.

There’s an unfortunate lack of understanding that interactions across groups can be positive and enrich rather than divide,” Godsil said. “That’s what people who do live in pretty homogeneous parts of the country just don’t know. They’ve never experienced it.”

So how do you get people to see that diversity isn’t a threat to them? Godsil pointed to the transgender canvassing study as one example. Perhaps nonconfrontational conversations with people of color in which both parties share their lived experiences could go a long way to demonstrating that different racial groups don’t have to be at odds. And white Americans could engage in these types of dialogues with other white people to help open their minds to another perspective.

But there’s other ways too, from creating local spaces in which people can talk about race issues and air out their fears to more formal public education campaigns.

The key to these conversations, though, is empathy. And it will take a lot of empathy — not just for one conversation but many, many conversations in several settings over possibly many years. It won’t be easy, but if we want to address some people’s deeply entrenched racial attitudes, it may be the only way.

Deswegen wird der Intersektionale Ansatz mit seiner Gruppeneinteilung immer mehr Ärger machen als Probleme lösen. Er baut nicht auf Empathie und gegenseitigen Einfühlen, sondern auf Vorwürfen und Einforderungen von Definitionsmacht auf. Er erfordert, dass die eine Seite, auch wenn sie selbst nichts gemacht hat, sich als reuigen Täter sieht und die andere Seite als zu entschädigendes Opfer. Das ist für die wenigsten eine interessante Perspektive und erzeugt Widerstand.

 

 

Zur Entstehung der „Critical Whiteness“-Theorien

El Mocho schrieb einen interessanten Kommentar zu „critical whiteness“

 

Man sollte sich bei Bewertung der ganzen “Critical Whiteness“-Geschichte immer wieder vor Augen halten, dass es sich um ein spezifisch amerikanisches Konzept handelt, das von WEIßEN amerikanischen Theoretikern (die beiden Hauptvertreter, David Roediger und Noel Ignatieff sind jedenfalls weiß) entwickelt wurde, um bestimmte konkrete Fragen zu beantworten. In erster Linie ging es darum, zu erklären, warum es in der Geschichte der amerikanischen Arbeiterbewegung nie zu einer Verbrüderung oder auch nur Kooperation von weißen und schwarzen Proletariern gekommen ist, und in zweiter Linie darum, zu erklären, warum seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts so viele weiße Arbeiter Reagan und Bush gewählt haben.

Diesen Ansatz auf die Situation in Deutschland zu übertragen ist, denke ich, völlig verfehlt, denn:

“In moving beyond a binary treatment of race, it is important to keep in mind that African Americans‘ experience of race differed qualitatively from that of other ethnic groups because of the involuntary nature of their immigration, their enslavement, and the unparalleled virulence of the racism directed against them.”, so der Historiker Peter Kolchin.

https://pantherfile.uwm.edu/gjay/www/Whiteness/kolchinreviewessay.htm

Das ist der entscheidende Punkt. In den USA kommt niemand auf die Idee, einen Schwarzen zu fragen, wo er herkommt oder wo er sein gutes Englisch gelernt hat, weil alle wissen, dass die Schwarzen seit Jahrhunderten im Land sind und nicht freiwillig hergekommen sind. Die ach so kränkende Erfahrung, die deutsche „PoC“ mit diesen Fragen machen, bleibt ihnen also erspart. Andererseits gibt es in den USA inzwischen durchaus eine (wenn auch nicht sehr große) schwarze Mittelschicht, schwarze Unternehmer und konservative bis reaktionäre schwarze Politiker und Richter, usw., die so in Deutschland natürlich fehlen. Und letztere haben durchaus ein Interesse daran, dass die schlechte Situation der schwarzen Mehrheit nicht durch politökonomische Analysen erklärt wird, sondern durch den „Rassismus“ der Weißen
.
Entsprechend werden die „Whitenesss-Studies“ von schwarzen Linken in den USA heftig kritisiert. Zwei Beispiele: Adolph Reed, Politologe von der Universität Pensylvania:

“Insistence on the transhistorical primacy of racism as a source of inequality is a class politics. It’s the politics of a stratum of the professional-managerial class whose material location and interests, and thus whose ideological commitments, are bound up with parsing, interpreting and administering inequality defined in terms of disparities among ascriptively defined populations reified as groups or even cultures. In fact, much of the intellectual life of this stratum is devoted to shoehorning into the rubric of racism all manner of inequalities that may appear statistically as racial disparities.”

http://nonsite.org/editorial/django-unchained-or-the-help-how-cultural-politics-is-worse-than-no-politics-at-all-and-why

Oder Barbara Fields. Historikerin von der Columbia-University:

“By its insistence upon marking and naming and making visible, whiteness scholarship first strews race and races everywhere and then, mirabile dictu, discovers them everywhere. Race then becomes so ubiquitous as to lose determinate shape. …

As an organizing concept, whiteness leads to no conclusions that it does not begin with as assumptions. Whiteness is a racial identity; therefore, white people have a racial identity. Whiteness equals white supremacy; therefore, European immigrants become white by adopting white supremacy. Whiteness entails material benefits; therefore, the material benefits white people receive are a reward for whiteness.“

http://blogs.umass.edu/weinbaum/files/2008/05/barbara-fields-article.pdf

Oder besonders gut hier:

“Probably a majority of American historians think of slavery in the United States as primarily a system of race relations—as though the chief business of slavery were the production of white supremacy rather than the production of cotton, sugar, rice and tobacco.”

“Those who create and re-create race today are not just the mob that killed a young Afro-American man on a street in Brooklyn or the people who join the Klan and the White Order. They are also those academic writers whose invocation of self propelling ‘attitudes’ and tragic flaws assigns Africans and their descendants to a special category, placing them in a world exclusively theirs and outside history—a form of intellectual apartheid no less ugly or oppressive, despite its righteous (not to say self-righteous) trappings, than that practised by the bio- and theo-racists; and for which the victims, like slaves of old, are expected to be grateful. They are the academic ‘liberals’ and ‘progressives’ in whose version of race the neutral shibboleths difference and diversity replace words like slavery, injustice, oppression and exploitation, diverting attention from the anything-but-neutral history these words denote. They are also the Supreme Court and spokesmen for affirmative action, unable to promote or even define justice except by enhancing the authority and prestige of race; which they will continue to do forever so long as the most radical goal of the political opposition remains the reallocation of unemployment, poverty and injustice rather than their abolition.”

http://www.solidarity-us.org/pdfs/cadreschool/fields.pdf

es handelt sich also um ein eindeutig auf amerikanische Verhältnisse bezogenes Konzept, dass nichts mit Rassismus in Europa zu tun hat.

Ich finde Herleitungen aus der Geschichte immer interessant, aber man sollte dabei nicht vergessen, dass ein ursprüngliches Konzept seine damalige Bedeutung verlieren kann und mit einer neuen Bedeutung versehen werden kann.

Jetzt bilden die „critical Whiteness“ Theorien eben eine Untergruppe im Bereich der intersektionalen Theorien, in denen im Bezug auf den Bereich Rassismus die Gruppe der weißen privilegiert ist, die Gruppe die „PoC“ (People of Color) hingegen diskriminiert sind. Die eigentliche Erklärung ist dabei in den Hintergrund gerückt, sie ist für diese neue Theorie relativ egal. Auch der Umstand, dass etwa Asiaten als Bestandteil der PoC zumindest in Amerika im Schnitt mehr verdienen als alle andere Menschen, wenn man sie nach Hautfarbe in Gruppen einteilt, ist in dieser Theorie ganz egal. Der Einwand, dass sie nicht für die Situation in Deutschland gemacht ist, wird daher in deren Lager wenige überzeugen. Es geht heute nicht mehr um den Aspekt, warum es nicht zu einer Verbrüderung innerhalb der Klasse gekommen ist, sondern um „Machtstrukturen“. Natürlich geht es auch darum, dass man Virtue Signalling betreiben kann und gegen „die Mächtigen“ zugunsten „der Schwachen“ kämpft und das man den Vorwurf des Rassismus abfangen kann.

vgl. auch:

#nohatespeech und der Sexismus

Gefördert vom Bund startet auch in Deutschland eine von der EU angedachte Kampagne gegen Hatespeech, die „No Hate Speech“-Kampagne. (Homepage / Twitter)  In Deutschland folgt diese anscheinend stark den klassischen Theorien aus den intersektionalen Theorien und richtet sich strikt gegen „Hass“, der sich gegen „diskriminierte Gruppen“ richtet und die anderen Gruppen innerhalb der gleichen Theorie als „Unterdrücker“ ansieht, die sich diskriminiert sein können und daher mehr oder weniger der „Feind“ sind.

Auf ihrer Seite findet sich dazu unter „Wissen – Was ist Hatespeech“ das Folgende:

 

Hate Speech ist, wenn man Worte und Bilder als Waffe einsetzt, bewusst, gezielt und voll auf die Zwölf. Wenn Menschen abgewertet, angegriffen oder wenn gegen sie zu Hass oder Gewalt aufgerufen wird, dann nennt man es Hate Speech. Oft sind es rassistische, antisemitische oder sexistische Kommentare, die bestimmte Menschen oder Gruppen als Zielscheibe haben.Die Online-Hetze richtet sich im Moment insbesondere gegen geflüchtete Menschen, Sinti*ze und Rom*nija, Menschen mit Behinderungen oder Homo- und Transpersonen. In der Zukunft sind es vielleicht Dän*innen, weiße Männer oder Facebook-User*innen.Definitionen von Hate Speech
Es gibt keine einheitliche Definition von Hate Speech, weder in Deutschland noch international. Im Gesetzbuch wird Hate Speech (noch) nicht spezifisch erwähnt – verurteilt werden Beleidigungen oder Volksverhetzung. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass online haten erlaubt ist…, falls jemand auf die Idee käme.EuroparatDer Europarat, der das No Hate Speech Movement ins Leben gerufen hat, fasst den Begriff sehr weit.
Amadeu Antonio Stiftung

Die Amadeu Antonio Stiftung beschreibt Hate Speech aus politischer und sprachwissenschaftlicher Sicht; und erklärt hier die rechtliche Einordnung von Hate Speech.
Wie groß ist das Problem eigentlich?

Es ist schwierig, das genau zu sagen. Denn Hate Speech hat viele verschiedene Facetten und nicht alles kann dokumentiert werden. Drei ausgewählte Beispiele zeigen, wie häufig Hasskommentare sind und wer davon betroffen ist.

2015 hat der Europarat (Abteilung Jugend) eine Online-Meinungsumfrage gemacht: 83% der Befragten gaben an, dass sie online Erfahrungen mit Hate Speech gemacht haben. LGBTI-Jugendliche, Muslim*innen und Frauen waren die drei Haupt-Zielgruppen der Hasskommentare.

Rechtsextreme nutzen das Internet und Soziale Medien, um ihre Propaganda zu verbreiten und Anhänger*innen für ihre Ideologie zu gewinnen. Jugendschutz.net beobachtet diese Strategie und veröffentlicht die Ergebnisse jährlich im Bericht „Rechtsextremismus online“.

Die britische Zeitung The Guardian hat 70 Millionen Kommentare untersuchen lassen, die seit 2006 auf ihrer Website hinterlassen wurden. Das Ergebnis: Von den zehn am stärksten von Hate Speech betroffenen Autor*innen waren acht Frauen und nur zwei Männer, sie sind beide schwarz.

Die Definition des Europarats ist, wenn ich sie dem langen Text richtig entnommen habe:

Hate speech for the purpose of the Recommendation entails the use of one or more particular forms of expression – namely, the advocacy, promotion or incitement of the denigration, hatred or vilification of a person or group of persons, as well any harassment, insult, negative stereotyping, stigmatization or threat of such person or persons and any justification of all these forms of expression – that is based on a non-exhaustive list of personal characteristics or status that includes “race”, colour, language, religion or belief, nationality or national or ethnic origin, as well as descent, age, disability, sex, gender, gender identity and sexual orientation.

Das ist in der Tat eine sehr weitgehende Definition, die allerdings Männer unproblematisch miterfasst und negative Abwertungen von Männern oder ihre Darstellung als „Die Bösen“ ablehnt.

Es geht allerdings auch noch weiter, es werden ein paar Ausnahmen genannt:

At the same time, the Recommendation specifically excludes from the definition of hate speech any form of expression – such as satire or objectively based news reporting and analysis – that merely offends, hurts or distresses. In doing so, the Recommendation reflects the protection for such expression which the European Court of Human Rights has found is required under Article 10 of the European Convention on Human Rights12
.
Nonetheless, it is recalled that the European Court has also recognised that incitement to hatred can result from insulting, holding up to ridicule or slandering specific groups of the population where such forms of expression are exercised in an irresponsible manner – which might entail being unnecessarily offensive, advocating discrimination or using of vexatious or humiliating language or might involve an unavoidable imposition on the audience13 – and these forms would also come within the scope of the
Recommendation’s definition.

Die Amadeu Antonio Stiftung beruft sich auf einen Text von Anatol Stefanowitsch, der ähnliches anführt, und Privilegien nur kurz erwähnt. Er zitiert als Ausgangspunkt im Endeffekt eine sehr ähnliche Definition.

Der Verweis auf die Studie des Guardian ist interessant, weil dort nicht erwähnt wird, dass die Artikel, die sehr kontroverse Meinungen erhalten haben, eben beispielsweise solche von Jessica Valenti waren, die sich über Männer auslässt oder die sonst sehr beleidigende Positionen hatten. Unter dem Artikel ist ein „Test“ bei dem man abgleichen kann, ob man bestimmte Kommentare durchgehen hätte lassen. Unter denen, die als „Hate“ in die Statistik eingehen ist beispielsweise:

“THERE IS NO GENDER PAY GAP! Just more feminist crap portraying women as victims and men as perpetrators. Even worse is the lie we live in a rape culture with one in five women raped over a lifetime. Sure if you re-define what constitutes a rape including a drunk girl gives consent but regrets it next day.”

Finde ich nicht als „Hass“, sondern als sehr berechtigten Kommentar. Wenn die Artikel der Schwarzen zB „Black Life Matter“ betrafen und Hass auf Weiße gepredigt haben, dann finde ich das auch wenig verwunderlich, dass dort Kritik zurück kam.

Eine andere interessante Studie wird dort nicht erwähnt:

A new Demos social media study has mapped the thousands of aggressive and abusive tweets being sent from UK Twitter accounts – by both men and women.

The study, which specifically monitored the use of the words ‘slut’ and ‘whore’ by UK Twitter users over a three-week period, found 6,500 unique users were targeted by 10,000 explicitly aggressive and misogynistic tweets.(…)

The study builds on Demos’ previous research in 2014, which found that ‘slut’ and ‘whore’ dominate misogynistic language on Twitter, and that both male and female users are responsible for the abuse. In this 2016 research, 50 per cent of the propagators were found to be women.

Wobei man zu dieser Studie noch anführen muss, dass bei der Suche nach „Slut“ und „Whore“ Hate GEGEN Männer auch kaum feststellbar ist.

Die Kampagne empfiehlt zu „kontern“ und führt dazu aus:

Counter Speech (engl. für Gegenrede) ist, wenn User*innen mit der Tastatur und ihren Gedanken etwas gegen Hass und Hetze im Netz tun. Viele Menschen wollen die Diskriminierungen, die Generalisierungen und die Herabwürdigungen nicht einfach ertragen und benennen das auch laut und deutlich. Oft reagieren sie auf Hasskommentare nicht mit Hass, sondern mit Argumenten, mit Humor und mit Geschichten aus einer anderen, oft überraschenden Perspektive.

Counter Speech ist ein wichtiges Signal. Denn sie setzt ein Gegengewicht zu Hass und Hetze im Netz. Sie zeigt Betroffenen, dass sie nicht allein sind. Und sie bietet eine andere Sicht auf die Dinge für all diejenigen, die schweigen und die sonst nur die Hasskommentare lesen oder hören würden.

Counter Speech gibt es in vielen Formen, zum Beispiel hat der Verein Mensch Mensch Mensch e.V. im Projekt „Search racism. Find truth.“ in Videos mit Statements von Geflüchteten gezeigt, wie Vorurteile widerlegt werden.

#organisierteliebe ist eine Initiative gegen Hetze, die das Positive im Netz zelebriert. Sie fordert uns auf, die Kommentarspalten zu fluten und Danke zu sagen. Wir alle sollen zeigen, dass Liebe uns näher ist, als Hass.

Wer laut und deutlich seine Meinung kundtut, muss aber mit Gegenwind rechnen. Counter Speech kann die Hetze kurzzeitig verstärken und man sieht sich einem Shitstorm ausgesetzt. Wenn das der Fall ist, weiß man allerdings, dass die Counter Speech genau ins Schwarze getroffen hat!

Das ist auch eine sehr simple Sicht:

Wenn man sich aufregt und Hass kontert und der andere kontert dann auch, dann ist das der Beweis, dass man Recht hatte

Warum das eine sehr simple Betrachtung ist, wird man dort wohl nicht verstehen, weil Hass aus deren Sicht entgegen des obenstehenden eben nur anhand der üblichen Linien verlaufen kann.

Zum Kontern werden dann Memes bereit gestellt, die schon für einiges an Kritik gesorgt haben. Ich will die aus dem Bereich des Sexismus einfach mal durchgehen:

 

nohatespeech_sexismus-weltgendern

„Die Welt“ muss aus meiner Sicht erst einmal gar nichts. Es hat aber etwas ironisches bei dem Hinweis darauf, dass sich die „Welt gendern“ muss ein Symbol mit einer binären Geschlechterzusammensetzung zu verwenden. Ich verweise insofern hier einfach nur auf meine beiden Übersichtsartikel zur Biologie der Geschlechter 1, 2 und auf meinen Artikel zu Geschlechterrollen

nohatespeech_sexismus-stillfabulous

Als Witz und eine „mir doch egal“-Haltung okay.

 

nohatespeech_sexismus-slowclap

Auch jetzt nicht in irgend einer Form besonders.

nohatespeech_sexismus-selber

Das passt gut zu meinem Artikel „Beleidigungen und evolutionärer Partnerwert„. Die Gleichsetzung eines Kritikers mit einem kleinen Kind, welches noch von der Mutter die Sachen herausgelegt bekommt und nichts kann, also noch kein selbständiger Mann ist.

nohatespeech_sexismus-privileg

Das ist klassische feministische Privilegientheorie. Hat irgendwer eigentlich das Bild schon mit einer Frau gemacht? Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass man gleichzeitig behaupten kann, dass derjenige, der Privilegien hat, sich dieser nicht bewußt ist und gleichzeitig als Feministin für Frauen kategorisch auszuschließen, dass man in vielen Bereichen Privilegien hat.

nohatespeech_sexismus-mensrights

Dieses Bild ist wohl das mit umstrittenste Bild der Sammlung, es wurden auf Twitter schon erhebliche Diskussionen mit „nohatespeech“ dazu geführt. Ich verlinke mal eine von mir:

Die Aussage „Es geht um Macht“ macht auch deutlich, dass sie da die klassischen Theorien vertreten: Männer haben die Macht, weil Vorstandsposten. Also können sie nicht diskriminiert werden, also ist das Einsetzen für Männerrechte bizarr, allenfalls eine Verteidigung von Privilegien und damit eine Beeinträchtigung der Rechte der Frau. Immerhin wurde angekündigt, sich das noch mal anzuschauen, aber ich vermute es wird schlicht dabei bleiben.

nohatespeech_sexismus-kitchen

Als konter gegen eine tatsächliche Aussage, dass Frauen in die Küche sollen, würde ich es sogar noch okay finden. Ansonsten ist es natürlich etwas, was man auch ansonsten auf der Gegenseite nicht wirklich gut finden würde. Was wäre da wohl ein „Gegenbild“? Etwas, wo sie zB eine finanzielle Versorgung anfordert und er lieber das Geld für sich ausgibt?

nohatespeech_sexismus-inthesnow

Hat einen gewissen Humor.

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Klassischer Antihumor mit dem „Anti Joke Chicken

 

nohatespeech_sexismus-hername

Auch vollkommen okay als Reaktion auf „Slutshaming“

nohatespeech_sexismus-Haters-gonna-hate-chloe-moretz

Eine recht belanglose Reaktion

nohatespeech_sexismus-hatersgonnahate

Ebenso

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Auch eher in Richtung Ideologie, aber je nach dem, was der andere sagt, durchaus passend.

 

nohatespeech_sexismus-feminism

Ah. ein feministischer Klassiker. Auch gut im Antifeminismus zu verwenden. Denn die meisten Feministen wissen anscheinend tatsächlich nicht, dass es nicht mehr mit „Gleichberechtigung“ gleichzusetzen ist. Üblicherweise wird einem da dann die Definition aus einem Wörterbuch entgegengehalten, ich hatte hier schon mal einen Artikel dazu. Und noch einen, weil es ein häufiger Einwurf ist.

Die beste Erwiderung in Bildform ist aus meiner Sicht dieses Bild:

Da ist aus meiner Sicht gut erklärt, was man eigentlich kritisiert.

 

nohatespeech_sexismus-careerwoman

Die Aussagen, die mit „I need Feminism“ beginnen sind in der Regel wenig durchdacht. Hier ist es eigentlich auch eine recht klassische Position, die ebenfalls darunter leidet. Denn zum einen gibt es durchaus den Karrieremann, zum anderen liegt die Unterscheidung darin, dass Männern die Position des Hausmanns und ein echtes Wahlrecht zwischen Kinderbetreuung und Karriere oder Abstufungen davon quasi entzogen ist: Ein Mann muss berufstätig sein, eine Frau kann es sich hingegen eher auch anders ausrichten. Ein Mann ohne passenden Beruf gilt hingegen als Versager, jedenfalls als jemand, der suspekt ist, auch wenn er die Kinder versorgt.

nohatespeech_sexismus-batman

Eine vollkommen veraltete Aussage, gekontert mit im wesentlichen Blödsinn.

nohatespeech_sexismus-awkward

Ah, da wird es schon wieder interessanter – ein Bekenntnis zur Privilegientheorie. Ist aber eigentlich ganz einfach zu verstehen: Alles was Männer irgendwie Vorteile bringt ist Privileg, weil sie die Macht haben (alle Männer, auch die Bettler, weil sie zur Gruppe der Männer gehören). Alles was Männern Nachteile bringt, ist auch irgendwie Privileg der Männer, denn damit erhalten sich zumindest bestimmte Männer ihre Privilegien. Allen was Frauen Vorteile bringt ist aber kein Privileg, es ist nur wohlwollender Sexismus, mit dem sie von Männern unterdrückt werden. Alles, was Frauen Nachteile bringt ist hingegen Privileg der Männer. Und bei der Frage, wer die Macht hat, darf man immer nur an die Spitze schauen, aber auch das nur in bestimmten Bereichen, also nicht etwa „Macht über Kinder“ oder „Macht in der Beziehung“ oder „Verfügungsmacht über das Haushaltseinkommen“.

Dazu auch:

Generell finde ich diese Art über Memes ohne echte Argumente zu diskutieren, die man ja im Feminismus gern antrifft, eher reichlich bescheuert. Gerade Bilder wie das letzte gehen einfach davon aus, dass man Recht hat und die eigene Theorie gut ist, obwohl sie eigentlich keine rationale Basis hat. Man kann so natürlich gut überspielen, dass man keine Argumente hat und Diskussionen ins lächerliche ziehen. Aber das hat aus meiner Sicht nichts damit zu tun, dass man etwas gegen Hate Speech macht. Eher provoziert man und zeigt sich absolutistisch und diktatorisch und mit dem Bekenntnis zur intersektionalen Gruppentheorie macht man letztendlich deutlich, dass man nicht gegen Hate Speech ist, sondern einen Gruppenkampf Männer gegen Frauen führt, in dem man die Männer als die Unterdrücker ansieht.

Das ist wohl demnach auch der häufigste Vorwurf, der gegen diese Art der Kampagne erhoben wird: Sie stellt sich nicht gegen Hass, sie verbreitet ihn mit ihrer einseitigen Positionierung selbst. Sie kann damit keine befriedende oder aufklärerische Wirkung haben und damit auch wenig erreichen.

Dog’n’Cat hat auch einen guten Comic dazu:

#nohatespeech

#nohatespeech

Sie werden es wahrscheinlich eher so darstellen, dass die Kritik an ihnen zeigt, dass sie dringend benötigt werden. Wir werden sehen, ob Kritik etwas bewirkt oder zumindest Leute darauf aufmerksam macht, dass da etwas schief läuft.

vgl. auch:

Die Bedeutungslosigkeit der Intersektionalität in vielen Geschlechterfragen

Intersektionalität ist bekanntlich die gegenwärtig am meisten gehypte Richtung im Feminismus. Es geht darum, dass man in allen Bereichen, in denen es Unterschiede gibt, eine Gruppe benennt, die diskriminiert wird und eine die privilegiert wird und dann in diesem binären Schema entsprechend die Schuld zuweist.

Dabei sollen insbesondere alle Diskriminierungen sich gegenseitig beeinflussen.

Entlang der Intersektionalität verlaufen dann auch die Grabenkämpfe im Feminismus und es geht üblicherweise darum, dass „weiße Feministen“ diese nicht beachtet haben und damit eben schlecht sind.

Tatsächlich ausgeführt, warum nun beispielsweise in der Geschlechterdiskussion dies so wichtig ist, wird allerdings meist nicht.

Es erfolgen allenfalls vage Aussagen, dass eben beispielsweise schwarze Frauen anders von Sexismus betroffen sind, weil sie gleichzeitig einem Rassismus ausgesetzt sind. Und das es deswegen unglaublich wichtig wäre, deren Perspektive einzubringen.

Tatsächlich ist das denke ich in den wenigsten Bereichen der Fall:

Unterstellt feministische Positionen wären richtig, dann würden schwarze Frauen üblicherweise trotz einer eventuell weitergehenden Diskriminierung von einer Verbesserung der Lage im allgemeinen profitieren.

  • Wenn zB der Gender Pay Gap wie ihn die Feministinnen annehmen, reduziert werden würde, dann würden auch schwarze Frauen wesentlich mehr verdienen, selbst wenn sie aus rassistischen Gründen noch weniger verdienen würden.
  • Wenn die von Feministinnen angenommene Rape Culture reduziert werden würde, dann würden auch schwarze Frauen darunter weniger leiden

Es mag einige Fälle geben, bei denen man mit einer besonderen Einbeziehung der Lage „mehrfach diskriminierter Frauen“ die Sache besser machen kann, aber in der Regel würden sie bereits dadurch profitieren, dass sie in einem Bereich weniger diskriminiert sind. Durch die Grabenkämpfe ist also letztendlich nichts erreicht. Außer natürlich ein „Virtue Signalling“ das man diese Gruppe besonders beachtet und damit besser in der entsprechenden Ideologie ist.

Lustigerweise geht es immer mehr in die Richtung weiße Feministinnen fast schon so wie Männer zu behandeln: Shut. The. Fuck. Up. and listen!

Oder in der etwas deutlicheren Version:

Hier taucht vereinzelt noch das Element auf, dass die jeweiligen eben rassistische Elemente übernehmen, etwas kulturelle Aneignung, aber auch das ist ja leicht von den eigentlichen Problemen in der Geschlechterdebatte zu klären.

Anscheinend hat man auch noch einen eigenen Begriff geschaffen: Misogynoir

Misogynoir is a term referring to misogyny directed towards Black women, where race and gender both play roles in bias. It was coined by queer Black feminist scholar Moya Bailey, who created the term to address misogyny directed toward black women in American visual and popular culture. Trudy of Gradient Lair, a womanist blog about Black women and art, media, social media, socio-politics and culture, has also been credited in developing the lexical definition of the term.[1][2]

The concept is grounded in the theory of intersectionality which analyzes how various social identities such as race, gender, class, and sexual orientation interrelate in systems of oppression.

Da heißt es dann weiter:

On a more broader scale, misogynoir is also characterized by the tropes projected onto Black women by all members of society. Some of these common stereotypes are the „Strong Black Woman“ or the „HyperSexual Jezebel“. In her article “4 Tired Tropes That Perfectly Explain What Misogynoir Is – And How You Can Stop It, author Kisiena Boom breaks down the most common tropes and why they are damaging. For example, while the „Strong Black Woman“ stereotype seems to be a compliment it ignores the racialized physical and mental trauma that Black women have had to endure. Perpetuating the idea that Black women can handle anything justifies the situations Black women are forced into such as the „mammy“ role for white families, the head of household as Black men are lost to the prison-industrial complex, and sexual abuse. This justification eliminates the need and desire to rectify the real problems. Furthermore, this trope forces Black women to bury their issues and put on a „strong“ face for all of those who expect it.

Auch hier kann man die Punkte aus meiner Sicht durchaus einzeln behandeln. Zumal es einen gewissen Humor hat, wenn die „Starke schwarze Frau“ nun als Nachteil dargestellt wird, wo doch sonst Frauen als schwach angesehen werden. Aber naja, diesen Doppeldenk ist man ja durchaus gewohnt.

Die tatsächliche Notwendigkeit alles miteinander zu vermengen und den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen erschließt sich mir nicht. Es würde meist deutlich einfacher sein, einfache Sexismus und Rassismus zu trennen oder als verschiedene Aspekte anzusprechen. Vielleicht kennt ja hier jemand Beispiele

Die Kraft von Kultur und Sozialisiation im intersektionalen Feminismus

Ein recht offensichtlicher Fehler in den Theorien ist der Folgende:

In der normalen Theorie:

Der Mensch wird durch das soziale konstruiert. Er nimmt die sozialen Strukturen und Regeln der Gesellschaft auf und verinnerlicht diese. Wenn eine Gesellschaft frauenfeindlich ist, Vergewaltigungen verharmlost oder auf andere Weise Geschlechterrollen anerkennt und fördert oder Frauen nicht hinreichend in Führungspositionen hat, dann werden die Leute Frauenfeindlich und das wiederum führt zu Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung, sexualisierter Gewalt, sprich all den Strukturen, die der Feminismus bekämpft

In Bezug auf ausländische Personen:

Ich lasse kein Argument zu, dass anführt, dass deren Kultur in vielen Punkten genau in den Punkten schlechter aufgestellt ist, die ich sonst verwende um die Schlechtigkeit unserer Gesellschaft aufzuzeigen. Wenn man mir vorhält, dass es eine Vorhersage meiner Theorie ist, dass Länder mit starken Geschlechterrollen, Einschränkung der Sexualität der Frau, Verachtung von Homosexualität etc, übergriffiger sein müssten, dann bestreite ich alle Faktoren, alle Zusammenhänge, die ich sonst bejahe und sehe das als rassistisch an.

Es ist nicht mit Fakten angreifbar, dass der weiße heterosexuelle Mann und die von ihm hervorgerufene Gesellschaft diejenige ist, die in allen Bereichen mindest genau so schlimm ist. Ich ignoriere alle meine diesbezüglichen Grundlagen, ich ignoriere, dass in diesem Land Feminismus einen wesentlich stärkeren Einfluss hatte und man dann annehmen müsste, dass dieser vollkommen ohne Folgen geblieben ist, wichtig ist nur, dass der Weiße Mann der Schlimmste von allen oder zumindest genau so schlimm ist. Nicht und niemand, auch meine eigenen Theorien, können hieran etwas ändern.

Man kann aus der Kultur und den Verhältnissen eines Landes insofern nichts ableiten, Menschen werden dadurch nicht geprägt und nehmen da auch nicht ihr Bild über die Geschlechter her.

Bei Ausführungen dazu, warum der WHM genau so schlimm ist und was man hier ändern muss:

Wir haben hier eben eine Rape Culture in der die Männer geprägt werden und die wir ändern müssen, dazu brauchen wir mehr Frauen in Führungspositionen und in der Politik, wir müssen die Geschlechterrollen aufbrechen etc

„Nein, wir werden uns nicht beruhigen“ Ton-Überwachung vs. Sachlichkeit und Höflichkeit

Everyday Feminism wird immer mehr eine meiner Feminismus-Lieblingsseiten, weil sie dort im Gegensatz zu den deutschen feministischen Seiten tatsächlich noch was zum Thema Feminismus und nicht nur Intersektionalismus schreiben und zudem immer sehr vereinfachende Grafiken erstellen, kürzlich zB diese:

Tone Policing

Tone Policing

Ich finde es bemerkenswert wie es in diesen Theorien als Recht dargestellt wird, Kritik abzuweisen und keine Argumente bringen zu müssen und gleichzeitig Gefühlsausbrüche als ganz berechtigt darzustellen.

Die Privilegientheorie erlaubt es in dieser Hinsicht wirklich jede Einwendung als ungerechtfertigt darzustellen. Sie ist insofern die Allzweckwaffe des Feminismus und in Verbindung mit internalisierten Sexismus/Rassismus oder welcher Diskriminierung auch immer kann man damit absolut jede rationalere nicht innerfeministische Kritik, die von jemanden ohne Privilegien in dem Bereich kommt, abwehren.

Es scheint nach dieser Vorstellung unmöglich zu sein, eine Diskussion rational zu führen und nicht ein Vergehen zu sein, eine solche Rationalität auch zu verlangen.

Das Argument:

Text: At its core, tone policing suggest that people distance themselves from their own emotions of anger, frustration, or fear in order to be heard.

Person 1: But my anger…

Person 2: And my sadness…

Person 3: And my frustration…

Person 4: And my fear…

All four speakers: … are central to the issue being discussed!

finde ich sehr schwach. Denn man kann natürlich auch rational und im ruhigen Ton darstellen, warum einen bestimmte Situationen belasten. Das ist gerade dann der Fall, wenn es nicht um aktuelle Fälle geht, sondern das allgemeine Leben.

Ich hatte das auch schon einmal hier aufgeführt:

There’s a time for diplomatic tone, but it’s really not your place to suggest when that time is. Doing so comes across as condescending, and you can bet that the feminist making the angry post/tweet/comment/whatever has thought about this more than you.

Ja, weil es irrationales Handeln bei Feministinnen nicht gibt und sie immer alles wohl durchdacht einsetzen. Natürlich ist es mein Recht eine höfliche Behandlung einzufordern, wenn man sich mit mir unterhält. Wer ist sie, das sie denkt, sie könne andere wie ein Untermensch behandeln und für sie würden die Regeln eines zivilisierten Umgangs nicht gelten? Als ob Frauen oder Feministinnen umgekehrt das gleiche Argument gelten lassen würden

Furthermore, even if you’re completely well-meaning and just think you’re offering helpful advice, your suggestion is used by a lot of trolls to try to shut down feminist arguments.

“Die sagen, dass ich nicht unhöflich sein darf, dabei sind die selbst blöd und deswegen darfst du mir auch nichts sagen” ist in der Tat ein gutes Argument (wenn man in einem Kindergarten ist). Ansonsten darf man wohl erwarten, dass es so aus dem Wald herausschallt, wie man in ihn hineinruft. Natürlich kann jemand mal gestresst sein. Aber das gibt ihm dennoch nicht eine Freikarte immer und überall das Schreiprivileg zu nutzen, ohne das man ihn dafür kritisieren darf.

Because of that, telling a feminist to consider a different tone frequently provokes an angry response, one you may be surprised by given your good intentions, but one that is reasonable nonetheless. If her anger at sexist behavior/attitudes makes you uncomfortable, ask yourself if you’re uncomfortable because you think the thing she’s talking about doesn’t exist, or if it’s because you feel like she’s mad at you and that makes you feel bad.

Wir halten fest: Wenn man wegen etwas sauer ist, dann darf man jeden diesbezüglich anmotzen. Auch den, der nichts dafür kann. Die Heizung ist kaputt? Schrei den Reparaturdienst an. Dein letzter Sex war schlecht? Schrei den Kassier an, der dir die Kondome verkauft hat. Ich sehe, der Feminismus ist hier einem Erfolgsrezept auf der Spur.

Tatsächlich ist das „Appellieren an die Emotionen“ sogar etwas, was unter die klassischen Argumentationstrugschlüsse fällt:

Appeal to emotion or argumentum ad passiones is a logical fallacy characterized by the manipulation of the recipient’s emotions in order to win an argument, especially in the absence of factual evidence.[1] This kind of appeal to emotion is a type of red herringand encompasses several logical fallacies, including appeal to consequences, appeal to fear, appeal to flattery, appeal to pity, appeal to ridicule, appeal to spite, and wishful thinking.

Instead of facts, persuasive language is used to develop the foundation of an appeal to emotion-based argument. Thus, the validity of the premises that establish such an argument does not prove to be verifiable.[2]

Appeals to emotion are intended to draw visceral feelings from the acquirer of the information. And in turn, the acquirer of the information is intended to be convinced that the statements that were presented in the fallacious argument are true; solely on the basis that the statements may induce emotional stimulation such as fear, pity and joy. Though these emotions may be provoked by an appeal to emotion fallacy, effectively winning the argument, substantial proof of the argument is not offered, and the argument’s premises remain invalid

Übertriebene Ängste oder nicht vorhandene Unterdrückungsstrukturen werden auch nicht wahr, wenn derjenige in der Annahme, dass sie echt sind oder er tatäsächlich unterdrückt wird, leidet. Die Gefühle ersetzten nicht das Argument.

Movember: „Prostatakrebs ist ein Kennzeichen des männlichen Privilegs“

Ein Artikel von Alex Manley (ein männlicher Feminist), in dem dieser gegen den „Movember“ wettert.

Yes, if Movember was to raise money for people in third-world countries, for illiterate people, or homeless people, or for anything but what it is—which is privileged guys pretending they have it as hard as people with real problems—then it might come close to approaching something vaguely resembling worthwhile.

As far as I can tell though, the whole thing is just a really well-disguised tantrum that guys are content to throw to make it seem like prostate cancer research is as important as research towards curing women’s cancers, or, say, getting food and clean water to starving people.

Das ist so ungefähr die Aussage: „Ihr seid als Gruppe privilegiert, also kümmert euch gefälligst um andere und haltet euren Prostatakrebs aus, weil ihr ja eh schon genug Vorteile habt“.

Men, by and large, are doing okay for themselves. They’re still out-earning women by significant amounts. Cancer doesn’t exist in a vacuum—it affects the whole of a person’s life. Disease aside, the richer a person is, the better their chances are, especially in countries where your cash inflow influences the quality of your care.

Men—or any privileged group—will have an inherent advantage when it comes to beating cancer and landing on their feet than more disadvantaged people.

So this November, let’s not keep patting the Mo-Bros on the head and tolerating this childish self-involvement-fest disguised as selflessness and the propagation online and in the media of the inherent importance of North American men and their problems.

Guys—keep shaving. Educate yourselves. Get checked. Be a man about it—don’t act like you’re hard-done-by.

There are a lot of people in the world who would trade your slight risk of prostate cancer for their serious risk of being raped, being killed, starving to death, or dying of preventable diseases. Prostate cancer is a hallmark of privilege. Deal with it.

Das ist ein derart männerverachtender Artikel, dass es erstaunlich ist, dass er veröffentlicht werden durfte. Zumal in Ländern mit einer Krankenversicherung für den normalen Menschen kein großer Unterschied bestehen dürfte, was die Kosten angeht und Männer insofern auch keine größeren Vorteile haben. Es zeigt auch mal wieder die Verachtung, die aufgrund der Anwendung der Gruppentheorien, bei denen das Individuum ausgeblendet wird, enstehen kann.

Immerhin hat der Autor – wohl aufgrund des Aufschreis, der zurecht diesem Artikel folgte, eine Entschuldigung geschrieben:

When every human life is important, how do you decide whom to prioritize? Whose lives are more important when all lives are important? How do you tell someone that his life or her life is less important?

 

The reality is that many people in the world face being told that—explicitly or implicitly—every day. We may not see these people, or that they are being told this, but that doesn’t mean it’s not happening. If anything’s callous, I think it’s callous that we ignore that fact. That was the thought that was driving my piece.

But that idea doesn’t mean I have—or anyone has—the right to tell sick, suffering and dying people that their suffering is less valid, or less important, than someone else’s. If they have lived privileged lives thus far, that is not any more their fault than anyone else’s lack of privilege.

Verstehe ich das richtig, dass er in seiner Entschuldigung sagt „ja, die Leben von Männern an sich sind tatsächlich weniger wert, weil sie eben privilegiert sind, aber man sollte ihnen das nicht entgegenhalten, weil sie ja nichts für ihre Privilegien können und jedenfalls sollte man es dem Einzelnen nicht sagen, da er ja gerade leidet“?

My “No to Movember” article last week was none of those things. I got caught up in the issue. I got the sense that some lives were being prioritized over others and it made me angry, as my stance made so many of you angry, too. We are passionate human beings. That’s one of the things that makes being alive so exhilarating.

 

Eigentlich wurde er ärgerlich, weil hier Männerleiden beachtet werden, denn bei entsprechenden Aktionen gegen Brustkrebs hat er ja einen solchen Artikel gerade nicht geschrieben. Es ist eben klassischer Intersektionalismus: Die Männer haben die Macht, deswegen ist eine Unterstützung, welcher Art auch immer, und sei es gegen Krebs, eine Benachteiligung von Frauen und damit schlecht.

Es wird aus meiner Sicht immer klarer, dass diese Einordnung in „gute Gruppe – schlechte Gruppe“, die im wesentlichen im Intersektionalismus angesiedelt ist, der Ursprung von einer großen Menge Hass ist und aus meiner Sicht nichts gutes hervorbringt.

Mikroaggressionen

Mikroaggressionen sind eigentlich mal etwas, was einen eigenen Beitrag verdient.

Ich stelle dazu mal was aus dem englischen Wikipediaartikel ein, da dieser der ausführlichere ist:

Microaggression is a term which some use to refer to unintended discrimination. Psychiatrist and Harvard University professor Chester M. Pierce coined the word microaggression in 1970 to describe insults and dismissals he said he had regularly witnessed non-black Americans inflict on African Americans.[1][2][3][4] In 1973, MIT economist Mary Rowe extended the term to include similar aggressions directed at women; eventually, the term came to encompass the casual degradation of any socially marginalized group, such as poor people, disabled people and sexual minorities.[5]

Es geht also um unabsichtliche Diskriminierungen, meist wohl kleinerer Art, die zuerst im Bereich Rassismus festgestellt worden sind, dann aber auf alle andere „marginalisierten Gruppen“ ausgeweitet worden sind.

Psychologist Derald Wing Sue defines microaggressions as „brief, everyday exchanges that send denigrating messages to certain individuals because of their group membership.“[6] Sue describes microaggressions as generally happening below the level of awareness of well-intentioned members of the dominant culture. Microaggressions, according to Sue, are different from overt, deliberate acts of bigotry, such as the use of racist epithets, because the people perpetrating microaggressions often intend no offense and are unaware they are causing harm.[7] Sue describes microaggressions as including statements that repeat or affirm stereotypes about the minority group or subtly demean it, that position the dominant culture as normal and the minority one as aberrant or pathological, that express disapproval of or discomfort with the minority group, that assume all minority group members are the same, that minimize the existence of discrimination against the minority group, seek to deny the perpetrator’s own bias, or minimize real conflict between the minority group and the dominant culture.[7]

Also „kurze im Alltag passierende Austäusche, die eine verunglimpfende Botschaft an eine bestimmte Person senden, weil sie Teil einer bestimmten Gruppe sind.

Ein Beispiel wäre dann wohl die Frage an eine Frau, ob man ihr bei etwas technischen helfen soll, was dann die Botschaft sendet, dass sie als Frau sich eben mit etwas technischen nicht auskennen kann

Die zweite Definition ist dann noch weitgehender: Jedes wiederholen oder bestärken eines Stereotyps ist eine Mikroaggression, wenn sie von der „dominanten Kultur“ gegenüber der Minderheit erfolgt. Da ist wieder die Absicherung, dass es nur in eine Richtung geht, solche Bezeichnungen gegenüber Männern („soll ich das Kind wickeln? zum Vater des Kindes) wären demnach keine Mikroaggressionen.

Die weiteren Gründe, die dort aufgeführt sind, machen eigentlich alles, was irgendwie eine Gruppeneigenschaft ansprechen könnte zu einer Mikroaggression.

Und Mikroaggressionen in Bezug auf das Geschlecht sind dort wie folgt ausgeführt:

omen, including trans women, report experiencing gender-related microaggressions.[13] Some examples of sexist microagressions are „[addressing someone by using] a sexist name, a man refusing to wash dishes because it is ‚woman’s work,‘ displaying nude pin-ups of women at places of employment, someone making unwanted sexual advances toward another person.“[14]

Members of sexual minorities commonly report experiencing microaggressions.[15] These commonly include the sexual exoticization of lesbians by heterosexual men; linking homosexuality with gender dysphoria or paraphilia; and prying questions about one’s sexual activity.[7] Transgender people are commonly misgendered (labelled as having a gender other than the one they identify with), among other forms of microaggression.[16]

The following have been proposed as „microaggressable“ themes:[7]

  • Sexual objectification
  • Second-class citizenship
  • Sexist language
  • Assumptions of inferiority
  • Denial of sexism
  • Second-class citizenship
  • Sexist language
  • Assumptions of inferiority
  • Denial of sexism
  • Traditional gender role assumptions
  • Social invisibility
  • Denial of individual sexism
  • Sexist jokes

Wie „Leugnen von Sexismus“ zeigt ist hier zusätzlich eine wunderbare Immunisierung enthalten: Wer bestreitet, dass ein kleiner Umstand eine Mikroaggression ist, der begeht gleich noch eine weitere Mikroaggression.

Zu den Effekten:

Recipients of microaggressions may feel anger, frustration, or exhaustion. African-Americans have reported feeling under pressure to „represent“ their group or to suppress their own cultural expression and „act white“.[28] Over time, the cumulative effect of microaggressions can lead to diminished self-confidence and a poor self-image, and potentially also to mental health problems such as depression, anxiety and trauma.[24][26][28][29] Many researchers, Greer & Chwalisz, 2007; Solórzano, Ceja, & Yosso, 2000; Watkins, LaBarrie, & Appio, 2010, have argued that microaggressions are actually more damaging than overt expressions of bigotry precisely because they are small and therefore often ignored or downplayed, leading the victim to feel self-doubting rather than justifiably angry, and isolated rather than supported. On the other hand, some people report that microaggressions have made them more resilient.[29] Harvard’s DuBois Institute associate Paula J. Caplan and research assistant Jordan C. Ford, wrote that although microaggressions “might seem minor” they are “so numerous that trying to function in such a setting is ‘like lifting a ton of feathers.“‚ [30]

Studies have shown evidence that when women experience microaggressions, they may become depressed, develop low self-esteem, or experience sexual dysfunction. Some develop eating disorders and body image issues.[29] There are also studies showing evidence that microaggressions can lead people of color to fear, distrust and avoid relationships with white people.[24]

Ich kann mir schon vorstellen, dass viele kleine Mikroaggressionen sich aufstauen. Allerdings ist bei der oben verwendeten Auflistung nahezu alles eine solche. Die meisten Leute werden durchaus in der Lage sein, bestimmte Stereotype für ihre Gruppe zu akzeptieren ohne diese gleiche als sie ärgernde Mikroaggressionen wahrzunehmen. Leider gehören Anhänger dieser Theorie üblicherweise nicht dazu, sie suhlen sich eher in der Opferstellung, was zu einem weiteren dort angeführten Effekt führt:

A study conducted by two sociologists – Bradley Campbell and Jason Manning[31] – argues that the culture of microaggression leads to a culture of victimhood. Jonathan Haidt points out that being a victim is at the height of this culture.[32]

Older cultures relied on either dignity or honor, but this new culture is explicitly a culture of victimhood

Die dort zitierte Studie ist die folgende:

Campus activists and others might refer to slights of one’s ethnicity or other cultural characteristics as “microaggressions,” and they might use various forums to publicize them. Here we examine this phenomenon by drawing from Donald Black’s theories of conflict and from cross-cultural studies of conflict and morality. We argue that this behavior resembles other conflict tactics in which the aggrieved actively seek the support of third parties as well as those that focus on oppression. We identify the social conditions associated with each feature, and we discuss how the rise of these conditions has led to large-scale moral change such as the emergence of a victimhood culture that is distinct from the honor cultures and dignity cultures of the past.

Quelle: Microaggression and Moral Cultures

Und Haidt schreibt:

The key idea is that the new moral culture of victimhood fosters “moral dependence” and an atrophying of the ability to handle small interpersonal matters on one’s own. At the same time that it weakens individuals, it creates a society of constant and intense moral conflict as people compete for status as victims or as defenders of victims.

Haidt zitiert dann lange Stücke aus der oben genannten Studie, ich kopiere hier mal die Zusammenfassung hin:

The emerging victimhood culture appears to share [dignity culture’s] disdain for risk, but it does condone calling attention to oneself [as in an honor culture] as long as one is calling attention to one’s own hardships – to weaknesses rather than strengths and to exploitation rather than exploits. For example, students writing personal statements as part of their applications for colleges and graduate schools often write not of their academic achievements but instead – with the encouragement of the universities – about overcoming adversity such as a parent’s job loss or having to shop at thrift stores (Lieber 2014). And in a setting where people increasingly eschew toleration and publicly air complaints to compel official action, personal discomfort looms large in official policy. For example, consider recent calls for “trigger warnings” in college classes or on course syllabuses to forewarn students they are about to exposed to topics that cause them distress… [This is a clear link between microaggressions and trigger warnings — both make sense in a moral culture of victimhood]

What we are seeing in these controversies is the clash between dignity and victimhood, much as in earlier times there was a clash between honor and dignity…. At universities and many other environments within modern America and, increasingly, other Western nations, the clash between dignity and victimhood engenders a similar kind of moral confusion: One person’s standard provokes another’s grievance, acts of social control themselves are treated as deviant, and unintentional offenses abound. And the conflict will continue. As it does each side will make its case, attracting supporters and winning or losing various battles. But remember that the moral concepts each side invokes are not free-floating ideas; they are reflections of social organization. Microaggression complaints and other specimens of victimhood occur in atomized and diverse settings that are fairly egalitarian except for the presence of strong and stable authority. In these settings behaviors that jeopardize equality or demean minority cultures are rare and those that occur mostly minor, but in this context even minor offenses – or perceived offenses – cause much anguish. And while the authorities and others might be sympathetic, their support is not automatic. Add to this mix modern communication technologies that make it easy to publicize grievances, and the result, as we have seen, is the rise of a victimhood culture.[p.718]

Zudem noch der Passus: „Kritik“ aus der Wikipedia:

Scientific investigation of microaggression has been criticized for lacking a theory that makes any empirically testable prediction.[34]

Several journalists have written pieces questioning or criticizing microaggression theory. Writing for The Federalist, Paul Rowan Brian argued that microaggression theory pools trivial and ignorable instances of racism with real, genuine prejudice and exclusion.[35] Viv Regan, writing for Spiked Online, wondered whether the comfort provided by having a convenient label for alleged rudeness outweighs the damage caused by overreaction.[36] Amitai Etzioni, writing in The Atlantic, speculated that obsession about microaggressions is a distraction from dealing with much more serious acts.[37]

Microaggression theory has also been criticized by several conservative think tanks. Christina Hoff Sommers, in a video for the American Enterprise Institute, has criticized microaggression theory as oversensitive and paranoid.[38] Heather Mac Donald, writing for theManhattan Institute for Policy Research’s City Journal, has said that the theory is simply self-victimization.[39]

Radikaler Feminismus und radikaler Islam

Ich habe einen interessanten Artikel dazu, warum teilweise die Kritik am radikalen Islam in Teilen des Feminismus quasi nicht vorkommt gelesen, auf dessen Thesen ich eingehen möchte

1. Radikaler Islam und Frauenfeindlichkeit

Ich möchte zunächst anführen, dass es meiner Meinung nach auch einen gemäßigten Islam gibt, in der die Anhänger genau wie viele Christen eigentlich mehr Traditionspflege und eine gewisse Gruppenidentität pflegen ohne damit andere auszuschließen oder sich groß um Gott zu kehren.

Vielleicht wird kein Schweinefleisch gegessen, aber es wird dennoch Alkohol getrunken, die Männer haben keinen langen Bart, wenn sie nicht Hipster sind und die Frauen kein Kopftuch, die Frau kann Anwältin sein (wie eine Türkin aus meinem Bekanntenkreis)  man ist in westlichen Ländern sozialisiert und findet das zu strenge Befolgen religiöser Regelungen veraltet.

Daneben gibt es einen radikalen Anteil, der leider religiöse Regeln sehr wichtig nimmt und auf „Ungläubige“ herabsieht und eine Vielzahl altertümlicher Sitten- und Moralvorstellungen für wichtig hält, die unter anderem auch ein sehr essentialistisches Geschlechterbild enthalten, in denen eine gewisse Höherwertigkeit des Mannes angenommen wird, der Vorstand der Familie ist.

Das gibt es natürlich auch noch im christlichen Bereich, ganz besonders in zB freikirchlichen Gemeinden oder anderen traditionellen Bereichen, ist aber üblicherweise im Christentum nicht mehr so ausgeprägt. Zudem ist im radikalen Islam der Gedanke, dass der Islam einen heiligen Krieg gegen die Ungläubigen führt, die insofern ebenfalls minderwertig und zu bekehren oder zu vernichten sind, deutlich ausgeprägter, was zu monströsen Ausprägungen wie ISIS führt.

Wichtig soll hier aber insbesondere das Geschlechterthema sein und ich muss sagen, dass mich solche essentialistischen und insbesondere von einem gewissen Rangverhältnis geprägten Geschlechtertheorien, wie sie sich in diesem radikalen Bereich finden, ärgern, denn es sind unnötige Einschränkungen beider Geschlechter und insbesondere eben auch der Frau. Als Atheist reagiere ich vielleicht noch sensibler, weil ich es doppelt unnötig finde, dass in dem Bereich alte Regeln aufgrund der Annahme einer eigentlich nicht existenten Gottheit umgesetzt werden, die letztendlich den Leuten das Leben erschweren.

In der Hinsicht gäbe es jedenfalls gute Gründe die dortigen Einschränkungen für Frauen, von Kleidungsvorschriften über Fahrverbote über die Weigerung eine Frau in einer bestimmten Position zu akzeptieren bis hin zu den Sexualvorschriften und diesbezüglicher Strafen abzulehnen und daran Kritik zu üben.

2. Der nichtintersektionalistische Genderfeminismus („Beauvoir-Feminismus“)

Der Feminismus „alter Schule“, also der klassische Genderfeminismus geht davon aus, dass sich Männer und Frauen in einem Kampf um die Macht befinden und Frauen mittels entsprechender Rollen unterdrückt werden. Er kämpft daher gegen diese Rollen und für eine Befreiung der Frau von der Unterdrückung bzw dafür, dass Frauen ebenfalls an der Macht teilhaben. Feministinnen dieser Ausrichtung sehen in den Einschränkungen aus religiösen Vorschriften wie etwa dem radikalen Islam eben einen Teil dieser Unterdrückung und äußern sich entsprechend. So hat beispielsweise Alice Schwarzer eine Vielzahl entsprechender Artikel verfasst.

Etwa in einem Artikel wie diesem:

Denn die Gewalt ist nur die Spitze des Eisberges des politisierten Islam, des Islamismus. Ihr geht eine ideologische Indoktrinierung voraus, der Drill der Gläubigen zur Selbstgerechtigkeit und Verachtung der „Anderen“, als da sind: Frauen, Juden, Homosexuelle, Kreative, „Ungläubige“. Dieses Schüren von Hass auf die Anderen ist die Saat der Gewalt. Mit der Kalaschnikow in der Hand geht die Saat auf.

In allen totalitären (Denk-)Systemen ist die Entmenschlichung der Anderen die Voraussetzung dafür, dass die Einen sich zu Herren über Leben und Tod der Anderen aufschwingen. Der Kadavergehorsam der Indoktrinierten beginnt in der patriarchalen Familie, in Koranschulen und in den orthodoxen oder gar islamistischen Moscheen. Und da reden wir nicht nur von salafistischen Moscheen. Wir reden unter anderem auch von den heute etwa 1000 Ditib-Moscheen in Deutschland, die finanziell wie personell von der Türkei abhängig sind. Vor der Machtergreifung Erdogans waren das Stätten eines echten Dialogs, heute weht da ein anderer Wind.

Die frühe Unterwerfung von Söhnen, Töchtern und Frauen findet ihre konsequente Fortsetzung in den Schmieden der Gottesstaatler, die aus Ich-schwachen jungen Männern waffenstarrende Gotteskrieger formen und aus verlorenen jungen Frauen hörige Bräute. (…)

Dennoch zeigen aktuelle Umfragen, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis in Deutschland die Demokratie schätzen. 90 Prozent aller Muslime halten laut Bertelsmann-Studie nicht etwa den Gottesstaat, sondern die Demokratie für „eine gute Regierungsform“; ebenso viele haben „regelmäßigen Freizeitkontakt“ zu Nichtmuslimen. Und 60 Prozent bejahen nicht nur die Homosexualität, sondern sogar die Homoehe – was für Islamisten des Teufels ist.

Das sind wirklich gute Nachrichten! Die Muslime in Deutschland sind also mehrheitlich integriert. Doch genau darum sind sie die ersten Opfer der Islamisten, nicht wir.

Das wäre also eine Stellungnahme gegen den radikalen Islam, eben auch als klassische Vertretung von Frauenrechten (wobei Schwarzer nicht Schwarzer wäre wenn sie da nicht in anderen Artikeln deutliche Dämonisierungen von Männern mit hineingebracht hätte, wenn ich mich da richtig erinnere)

3. Der intersektionalistische Genderfeminismus 

Der intersektionale Genderfeminismus gilt als der „modernere Feminismus“ und fächert wesentlich breiter auf. In ihm kämpfen weniger Männer gegen Frauen, sondern es gibt verschiedene Ebenen, auf denen bestimmte gesellschaftliche Regelungen dafür sorgen, dass einige Menschen, die diese Regelungen umsetzen oder auf die sie zugeschnitten sind, Privilegien haben und damit andere Menschen innerhalb der gleichen Kategorie benachteiligen. Wer die meisten Privilegien hat, der unterdrückt am meisten und ist insofern – sofern er die Privilegien nicht hinterfragt und versucht die Nachteile der anderen auszugleichen – in gewisser Weise böse. Privilegierte Positionen können dabei alle nahezu alle Positionen sein, die irgendwie vorteilhaft sind, mit Ausnahme den Vorteilen einer Opferstellung. Bekannte Einordnungen sind Geschlecht (Mann privilegiert, Frau nicht) Rasse (Weiß privilegiert, andere Hautfarben nicht), sexuelle Orientierung (Heterosexualität privilegiert, andere Ausrichtungen nicht) aber auch Religion (christlich ist privilegiert, andere Religionen nicht) (dieser Punkt ist wohl etwas strittig, es kommt dabei wohl auf den Kontext an).

Hier einmal eine Grafik die einiges auflistet (auch wenn eine solche Zuordnung von Punkten und gerade die hier vorgenommene Wertung (+25 nur für weiß? +25 für jüdisch?) im Feminismus natürlich als problematisch anzusehen ist und zB hier Religion ausdrücklich rausgenommen wurde)

Privilegien Punktetabelle

Privilegien Punktetabelle

Es ist aber auch, wenn man Religion rausnimmt, unschwer zu erkennen, dass der typische Anhänger einer islamischen Religion häufig nicht sehr privilegiert ist: Er ist seltener weiß, er kommt seltener aus dem Westen, er wird häufig aus ärmeren Ländern kommen und arm sein (Saudi Arabien und andere Erdölnationen in der Nähe mal ausgeblendet).

Was hat das nun für Auswirkungen. Dazu hat mich der oben bereits angedeutete Artikel auf eine Idee gebracht:

Feminist can’t condemn radical Islam, for two very simple (and coherent) reasons, stemming from the “gender as a class” paradigm. It has nothing to deal with “double standards” or hypocrisy.

Firstly. They simply can’t condemn Islam, even if inclined to, because doing so they would put a spotlight on the differences among women living in different cultures; thus, tearing down the concept of women as a monolithic class of oppressed beings. Women in the “western” world dress burkas, get it. Indeed, if you carefully analyse the feminist usage of “sharia” victim card, you’ll notice that it isn’t brought up to draw a separation line between women’s status in the “western” world and those under sharia, but to build a bridge between the latter ones and first world grandmothers. The condition of women under radical Islam has nothing to deal with religion, but with lack of feminist enlightenment. Deal with it

Secondly. They can’t stress out men’s misogynistic attitudes under radical Islam otherwise they would downplay the evil implications of first world men’s attitudes, such peeing while standing, staring at women, catcalling and manspreading. Men are an oppressor class, and our grandfathers forced women in burkas as well. Nowaday we don’t thanks to feminism. Feminists, simply put, do not see differences between men; they only see different stages of oppression when male attitudes are not properly confined.

Condemning radical Islam, in essence, would undermine the very pillars of feminism. If feminis accepted just for a second that the status of people is pretty much situational, it would open the door to the possibility that women in the first world (in comparative terms with men) are not oppressed and maybe they have never been. And that men are not oppressors. And that maybe women not only are not oppressed, but they are, as a whole, a priviledged demographic. This is not simply conceivable.

Hier wären also die Argumente:

  • Durch die Betonung, dass es andere Frauen schlechter haben würde die Einheitlichkeit der Frau als unterdrückte Klasse beeinträchtigt
  • Durch die Betonung, dass es in anderen Kulturen Frauenfeindlicher ist, würde die Unterdrückung durch Männer in der westlichen Welt klein geredet werden
  • Dies alles könnte zur Folge haben, dass Frauen im Westen als weniger unterdrückt erscheinen und ihre Unterdrückung als triviale Kleinigkeiten.

Nicht in diesem Text enthalten ist die weitere Einordnung in den Intersektionalismus. Wenn der weiße, heterosexuelle, christliche Mann nicht mehr der oberste Schurke ist, dann stimmt einfach die dortige Hierarchie nicht mehr und man müsste, wie es der Text auch erwähnt, den weißen Mann „aufwerten“ und gleichzeitigt PoCs angreifen. Während man bestimmte Umstände in anderen Ländern noch auf die Kolonialzeit zurückführen kann und so wieder dem „weißen Mann“ zuordnen kann, wird dies beim Islam, der nie wirklich einen weißen Hintergrund hatte, schwierig.

Damit wäre Kritik am Islam nahe am Rassismus, da er das Dogma der Schuld des weißen Mannes in Frage stellt. Es wäre auch problematisch, weil der Islam nicht in  die klassischen Schemata einzuordnen ist, die eben vorgeben, dass die, die gesellschaftlich die meiste Macht haben, die sein müssen, die die Regeln vorgeben und die anderen unterdrücken.

Die verschiedenen Ebenen des intersektionalen Feminsmus erfordern hier also, dass man zu solchen Thema am besten schweigt. Allenfalls darf man darauf hinweisen, dass Frauen aus diesen Kulturkreisen damit nicht einverstanden sind und man sie darin unterstützt (aber ihnen gleichzeitig nicht die westlichen Regeln aufdrückt oder sich ihre Symbole aneignet  und sie natürlich machen können, was sie wollen).

4. Disclaimer

Kommentare, die an Einzelfällen die Fürchterlichkeit des Islams und den Untergang des Abendlandes darlegen wollen, bitte ich in anderen Blogs unterzubringen, hier werde ich sie löschen, da es nicht das Thema ist.