Die Kraft von Kultur und Sozialisiation im intersektionalen Feminismus

Ein recht offensichtlicher Fehler in den Theorien ist der Folgende:

In der normalen Theorie:

Der Mensch wird durch das soziale konstruiert. Er nimmt die sozialen Strukturen und Regeln der Gesellschaft auf und verinnerlicht diese. Wenn eine Gesellschaft frauenfeindlich ist, Vergewaltigungen verharmlost oder auf andere Weise Geschlechterrollen anerkennt und fördert oder Frauen nicht hinreichend in Führungspositionen hat, dann werden die Leute Frauenfeindlich und das wiederum führt zu Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung, sexualisierter Gewalt, sprich all den Strukturen, die der Feminismus bekämpft

In Bezug auf ausländische Personen:

Ich lasse kein Argument zu, dass anführt, dass deren Kultur in vielen Punkten genau in den Punkten schlechter aufgestellt ist, die ich sonst verwende um die Schlechtigkeit unserer Gesellschaft aufzuzeigen. Wenn man mir vorhält, dass es eine Vorhersage meiner Theorie ist, dass Länder mit starken Geschlechterrollen, Einschränkung der Sexualität der Frau, Verachtung von Homosexualität etc, übergriffiger sein müssten, dann bestreite ich alle Faktoren, alle Zusammenhänge, die ich sonst bejahe und sehe das als rassistisch an.

Es ist nicht mit Fakten angreifbar, dass der weiße heterosexuelle Mann und die von ihm hervorgerufene Gesellschaft diejenige ist, die in allen Bereichen mindest genau so schlimm ist. Ich ignoriere alle meine diesbezüglichen Grundlagen, ich ignoriere, dass in diesem Land Feminismus einen wesentlich stärkeren Einfluss hatte und man dann annehmen müsste, dass dieser vollkommen ohne Folgen geblieben ist, wichtig ist nur, dass der Weiße Mann der Schlimmste von allen oder zumindest genau so schlimm ist. Nicht und niemand, auch meine eigenen Theorien, können hieran etwas ändern.

Man kann aus der Kultur und den Verhältnissen eines Landes insofern nichts ableiten, Menschen werden dadurch nicht geprägt und nehmen da auch nicht ihr Bild über die Geschlechter her.

Bei Ausführungen dazu, warum der WHM genau so schlimm ist und was man hier ändern muss:

Wir haben hier eben eine Rape Culture in der die Männer geprägt werden und die wir ändern müssen, dazu brauchen wir mehr Frauen in Führungspositionen und in der Politik, wir müssen die Geschlechterrollen aufbrechen etc

Label, Gruppenzugehörigkeit, Schuldzuweisung und Lagerdenken

DMJ kommentierte zu „Das Patriarchat schadet auch Männern“

Die ganze Sache zeigt, wie viel wichtiger Label, Gruppenzugehörigkeit, Schuldzuweisung und Lagerdenken in der Diskussion sind, als ein Vorankommen.

Wie gesagt: Auch ich meine, dass Geschlechterrollenzwänge schädlich sind. Für Männer, wie Frauen. Wer diese Zwänge auflösen will, hat meinen Segen (wobei er aber nicht über das Ziel hinausschießen sollte – nicht die Rollen sind schlecht, nur ihr Zwang).
Aber ich sehe eben nicht, dass der Feminismus (zumindest in den Strömungen, die obigen Satz am lautesten sagen), das tut.
Im Gegenteil: Bedingung zur Mitgliedschaft ist ja das absolute und rückhaltlose Bekenntnis zu den festen Rollen von Mann und Frau als Unterdrücker und Unterdrückter, wobei das Individuum nichts und die Gruppe alles ist. Was immer gegen diese beiden klaren Schubladen spricht, wird ignoriert oder umgedeutet (als positiver oder internalisierter Sexismus) und darauf zu verweisen gilt als Blasphemie.

Ich erinnere mich noch zu gut daran, wie mir eine Feministin, die weit mehr als ich verdiente erklärte, dass es mir als Mann besser ginge, da die Mehrheit der Aufsichtsratsvorsitzenden und Staatsoberhäupter Genitalien der gleichen Art wie ich hat.
Diese Denkweise ist ebenso bizarr, wie inhuman. Ich lehne alle Ideologien ab, die das Individuum missachten, da sie quasi eine Startrampe für Unmenschlichkeiten sind.

Es ist ja interessant, dass der Feminismus vorgibt, Rollen auflösen zu wollen, aber selbst feste Rollen als Grundlage seiner Ideologie hat, aus denen man kaum entkommen kann: Der Mann hat Privilegien per Geburt, deswegen ist er schuldig und muss Buße zu, in dem er seine Privilegien hinterfragt. Er ist insofern zumindest aus Sicht der radikalen Feministen immer Feind, allenfalls ein Unterstützter, ein Ally, der täglich seinen Wert beweisen muss.

Rauskommen kann der Feminismus oder eine Feministin, die eine menschlichere Betrachtung der Geschlechterverhältnisse will, in der Tat nur, wenn sie neben abstrakten Gruppen, von denen nur eine Macht haben darf, auf eine individuellere Sichtweise umgestellt wird, die berücksichtigt, dass gewisse Unterschiede nur im Schnitt bestehen.

 

Movember: „Prostatakrebs ist ein Kennzeichen des männlichen Privilegs“

Ein Artikel von Alex Manley (ein männlicher Feminist), in dem dieser gegen den „Movember“ wettert.

Yes, if Movember was to raise money for people in third-world countries, for illiterate people, or homeless people, or for anything but what it is—which is privileged guys pretending they have it as hard as people with real problems—then it might come close to approaching something vaguely resembling worthwhile.

As far as I can tell though, the whole thing is just a really well-disguised tantrum that guys are content to throw to make it seem like prostate cancer research is as important as research towards curing women’s cancers, or, say, getting food and clean water to starving people.

Das ist so ungefähr die Aussage: „Ihr seid als Gruppe privilegiert, also kümmert euch gefälligst um andere und haltet euren Prostatakrebs aus, weil ihr ja eh schon genug Vorteile habt“.

Men, by and large, are doing okay for themselves. They’re still out-earning women by significant amounts. Cancer doesn’t exist in a vacuum—it affects the whole of a person’s life. Disease aside, the richer a person is, the better their chances are, especially in countries where your cash inflow influences the quality of your care.

Men—or any privileged group—will have an inherent advantage when it comes to beating cancer and landing on their feet than more disadvantaged people.

So this November, let’s not keep patting the Mo-Bros on the head and tolerating this childish self-involvement-fest disguised as selflessness and the propagation online and in the media of the inherent importance of North American men and their problems.

Guys—keep shaving. Educate yourselves. Get checked. Be a man about it—don’t act like you’re hard-done-by.

There are a lot of people in the world who would trade your slight risk of prostate cancer for their serious risk of being raped, being killed, starving to death, or dying of preventable diseases. Prostate cancer is a hallmark of privilege. Deal with it.

Das ist ein derart männerverachtender Artikel, dass es erstaunlich ist, dass er veröffentlicht werden durfte. Zumal in Ländern mit einer Krankenversicherung für den normalen Menschen kein großer Unterschied bestehen dürfte, was die Kosten angeht und Männer insofern auch keine größeren Vorteile haben. Es zeigt auch mal wieder die Verachtung, die aufgrund der Anwendung der Gruppentheorien, bei denen das Individuum ausgeblendet wird, enstehen kann.

Immerhin hat der Autor – wohl aufgrund des Aufschreis, der zurecht diesem Artikel folgte, eine Entschuldigung geschrieben:

When every human life is important, how do you decide whom to prioritize? Whose lives are more important when all lives are important? How do you tell someone that his life or her life is less important?

 

The reality is that many people in the world face being told that—explicitly or implicitly—every day. We may not see these people, or that they are being told this, but that doesn’t mean it’s not happening. If anything’s callous, I think it’s callous that we ignore that fact. That was the thought that was driving my piece.

But that idea doesn’t mean I have—or anyone has—the right to tell sick, suffering and dying people that their suffering is less valid, or less important, than someone else’s. If they have lived privileged lives thus far, that is not any more their fault than anyone else’s lack of privilege.

Verstehe ich das richtig, dass er in seiner Entschuldigung sagt „ja, die Leben von Männern an sich sind tatsächlich weniger wert, weil sie eben privilegiert sind, aber man sollte ihnen das nicht entgegenhalten, weil sie ja nichts für ihre Privilegien können und jedenfalls sollte man es dem Einzelnen nicht sagen, da er ja gerade leidet“?

My “No to Movember” article last week was none of those things. I got caught up in the issue. I got the sense that some lives were being prioritized over others and it made me angry, as my stance made so many of you angry, too. We are passionate human beings. That’s one of the things that makes being alive so exhilarating.

 

Eigentlich wurde er ärgerlich, weil hier Männerleiden beachtet werden, denn bei entsprechenden Aktionen gegen Brustkrebs hat er ja einen solchen Artikel gerade nicht geschrieben. Es ist eben klassischer Intersektionalismus: Die Männer haben die Macht, deswegen ist eine Unterstützung, welcher Art auch immer, und sei es gegen Krebs, eine Benachteiligung von Frauen und damit schlecht.

Es wird aus meiner Sicht immer klarer, dass diese Einordnung in „gute Gruppe – schlechte Gruppe“, die im wesentlichen im Intersektionalismus angesiedelt ist, der Ursprung von einer großen Menge Hass ist und aus meiner Sicht nichts gutes hervorbringt.

Radikaler Feminismus und radikaler Islam

Ich habe einen interessanten Artikel dazu, warum teilweise die Kritik am radikalen Islam in Teilen des Feminismus quasi nicht vorkommt gelesen, auf dessen Thesen ich eingehen möchte

1. Radikaler Islam und Frauenfeindlichkeit

Ich möchte zunächst anführen, dass es meiner Meinung nach auch einen gemäßigten Islam gibt, in der die Anhänger genau wie viele Christen eigentlich mehr Traditionspflege und eine gewisse Gruppenidentität pflegen ohne damit andere auszuschließen oder sich groß um Gott zu kehren.

Vielleicht wird kein Schweinefleisch gegessen, aber es wird dennoch Alkohol getrunken, die Männer haben keinen langen Bart, wenn sie nicht Hipster sind und die Frauen kein Kopftuch, die Frau kann Anwältin sein (wie eine Türkin aus meinem Bekanntenkreis)  man ist in westlichen Ländern sozialisiert und findet das zu strenge Befolgen religiöser Regelungen veraltet.

Daneben gibt es einen radikalen Anteil, der leider religiöse Regeln sehr wichtig nimmt und auf „Ungläubige“ herabsieht und eine Vielzahl altertümlicher Sitten- und Moralvorstellungen für wichtig hält, die unter anderem auch ein sehr essentialistisches Geschlechterbild enthalten, in denen eine gewisse Höherwertigkeit des Mannes angenommen wird, der Vorstand der Familie ist.

Das gibt es natürlich auch noch im christlichen Bereich, ganz besonders in zB freikirchlichen Gemeinden oder anderen traditionellen Bereichen, ist aber üblicherweise im Christentum nicht mehr so ausgeprägt. Zudem ist im radikalen Islam der Gedanke, dass der Islam einen heiligen Krieg gegen die Ungläubigen führt, die insofern ebenfalls minderwertig und zu bekehren oder zu vernichten sind, deutlich ausgeprägter, was zu monströsen Ausprägungen wie ISIS führt.

Wichtig soll hier aber insbesondere das Geschlechterthema sein und ich muss sagen, dass mich solche essentialistischen und insbesondere von einem gewissen Rangverhältnis geprägten Geschlechtertheorien, wie sie sich in diesem radikalen Bereich finden, ärgern, denn es sind unnötige Einschränkungen beider Geschlechter und insbesondere eben auch der Frau. Als Atheist reagiere ich vielleicht noch sensibler, weil ich es doppelt unnötig finde, dass in dem Bereich alte Regeln aufgrund der Annahme einer eigentlich nicht existenten Gottheit umgesetzt werden, die letztendlich den Leuten das Leben erschweren.

In der Hinsicht gäbe es jedenfalls gute Gründe die dortigen Einschränkungen für Frauen, von Kleidungsvorschriften über Fahrverbote über die Weigerung eine Frau in einer bestimmten Position zu akzeptieren bis hin zu den Sexualvorschriften und diesbezüglicher Strafen abzulehnen und daran Kritik zu üben.

2. Der nichtintersektionalistische Genderfeminismus („Beauvoir-Feminismus“)

Der Feminismus „alter Schule“, also der klassische Genderfeminismus geht davon aus, dass sich Männer und Frauen in einem Kampf um die Macht befinden und Frauen mittels entsprechender Rollen unterdrückt werden. Er kämpft daher gegen diese Rollen und für eine Befreiung der Frau von der Unterdrückung bzw dafür, dass Frauen ebenfalls an der Macht teilhaben. Feministinnen dieser Ausrichtung sehen in den Einschränkungen aus religiösen Vorschriften wie etwa dem radikalen Islam eben einen Teil dieser Unterdrückung und äußern sich entsprechend. So hat beispielsweise Alice Schwarzer eine Vielzahl entsprechender Artikel verfasst.

Etwa in einem Artikel wie diesem:

Denn die Gewalt ist nur die Spitze des Eisberges des politisierten Islam, des Islamismus. Ihr geht eine ideologische Indoktrinierung voraus, der Drill der Gläubigen zur Selbstgerechtigkeit und Verachtung der „Anderen“, als da sind: Frauen, Juden, Homosexuelle, Kreative, „Ungläubige“. Dieses Schüren von Hass auf die Anderen ist die Saat der Gewalt. Mit der Kalaschnikow in der Hand geht die Saat auf.

In allen totalitären (Denk-)Systemen ist die Entmenschlichung der Anderen die Voraussetzung dafür, dass die Einen sich zu Herren über Leben und Tod der Anderen aufschwingen. Der Kadavergehorsam der Indoktrinierten beginnt in der patriarchalen Familie, in Koranschulen und in den orthodoxen oder gar islamistischen Moscheen. Und da reden wir nicht nur von salafistischen Moscheen. Wir reden unter anderem auch von den heute etwa 1000 Ditib-Moscheen in Deutschland, die finanziell wie personell von der Türkei abhängig sind. Vor der Machtergreifung Erdogans waren das Stätten eines echten Dialogs, heute weht da ein anderer Wind.

Die frühe Unterwerfung von Söhnen, Töchtern und Frauen findet ihre konsequente Fortsetzung in den Schmieden der Gottesstaatler, die aus Ich-schwachen jungen Männern waffenstarrende Gotteskrieger formen und aus verlorenen jungen Frauen hörige Bräute. (…)

Dennoch zeigen aktuelle Umfragen, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis in Deutschland die Demokratie schätzen. 90 Prozent aller Muslime halten laut Bertelsmann-Studie nicht etwa den Gottesstaat, sondern die Demokratie für „eine gute Regierungsform“; ebenso viele haben „regelmäßigen Freizeitkontakt“ zu Nichtmuslimen. Und 60 Prozent bejahen nicht nur die Homosexualität, sondern sogar die Homoehe – was für Islamisten des Teufels ist.

Das sind wirklich gute Nachrichten! Die Muslime in Deutschland sind also mehrheitlich integriert. Doch genau darum sind sie die ersten Opfer der Islamisten, nicht wir.

Das wäre also eine Stellungnahme gegen den radikalen Islam, eben auch als klassische Vertretung von Frauenrechten (wobei Schwarzer nicht Schwarzer wäre wenn sie da nicht in anderen Artikeln deutliche Dämonisierungen von Männern mit hineingebracht hätte, wenn ich mich da richtig erinnere)

3. Der intersektionalistische Genderfeminismus 

Der intersektionale Genderfeminismus gilt als der „modernere Feminismus“ und fächert wesentlich breiter auf. In ihm kämpfen weniger Männer gegen Frauen, sondern es gibt verschiedene Ebenen, auf denen bestimmte gesellschaftliche Regelungen dafür sorgen, dass einige Menschen, die diese Regelungen umsetzen oder auf die sie zugeschnitten sind, Privilegien haben und damit andere Menschen innerhalb der gleichen Kategorie benachteiligen. Wer die meisten Privilegien hat, der unterdrückt am meisten und ist insofern – sofern er die Privilegien nicht hinterfragt und versucht die Nachteile der anderen auszugleichen – in gewisser Weise böse. Privilegierte Positionen können dabei alle nahezu alle Positionen sein, die irgendwie vorteilhaft sind, mit Ausnahme den Vorteilen einer Opferstellung. Bekannte Einordnungen sind Geschlecht (Mann privilegiert, Frau nicht) Rasse (Weiß privilegiert, andere Hautfarben nicht), sexuelle Orientierung (Heterosexualität privilegiert, andere Ausrichtungen nicht) aber auch Religion (christlich ist privilegiert, andere Religionen nicht) (dieser Punkt ist wohl etwas strittig, es kommt dabei wohl auf den Kontext an).

Hier einmal eine Grafik die einiges auflistet (auch wenn eine solche Zuordnung von Punkten und gerade die hier vorgenommene Wertung (+25 nur für weiß? +25 für jüdisch?) im Feminismus natürlich als problematisch anzusehen ist und zB hier Religion ausdrücklich rausgenommen wurde)

Privilegien Punktetabelle

Privilegien Punktetabelle

Es ist aber auch, wenn man Religion rausnimmt, unschwer zu erkennen, dass der typische Anhänger einer islamischen Religion häufig nicht sehr privilegiert ist: Er ist seltener weiß, er kommt seltener aus dem Westen, er wird häufig aus ärmeren Ländern kommen und arm sein (Saudi Arabien und andere Erdölnationen in der Nähe mal ausgeblendet).

Was hat das nun für Auswirkungen. Dazu hat mich der oben bereits angedeutete Artikel auf eine Idee gebracht:

Feminist can’t condemn radical Islam, for two very simple (and coherent) reasons, stemming from the “gender as a class” paradigm. It has nothing to deal with “double standards” or hypocrisy.

Firstly. They simply can’t condemn Islam, even if inclined to, because doing so they would put a spotlight on the differences among women living in different cultures; thus, tearing down the concept of women as a monolithic class of oppressed beings. Women in the “western” world dress burkas, get it. Indeed, if you carefully analyse the feminist usage of “sharia” victim card, you’ll notice that it isn’t brought up to draw a separation line between women’s status in the “western” world and those under sharia, but to build a bridge between the latter ones and first world grandmothers. The condition of women under radical Islam has nothing to deal with religion, but with lack of feminist enlightenment. Deal with it

Secondly. They can’t stress out men’s misogynistic attitudes under radical Islam otherwise they would downplay the evil implications of first world men’s attitudes, such peeing while standing, staring at women, catcalling and manspreading. Men are an oppressor class, and our grandfathers forced women in burkas as well. Nowaday we don’t thanks to feminism. Feminists, simply put, do not see differences between men; they only see different stages of oppression when male attitudes are not properly confined.

Condemning radical Islam, in essence, would undermine the very pillars of feminism. If feminis accepted just for a second that the status of people is pretty much situational, it would open the door to the possibility that women in the first world (in comparative terms with men) are not oppressed and maybe they have never been. And that men are not oppressors. And that maybe women not only are not oppressed, but they are, as a whole, a priviledged demographic. This is not simply conceivable.

Hier wären also die Argumente:

  • Durch die Betonung, dass es andere Frauen schlechter haben würde die Einheitlichkeit der Frau als unterdrückte Klasse beeinträchtigt
  • Durch die Betonung, dass es in anderen Kulturen Frauenfeindlicher ist, würde die Unterdrückung durch Männer in der westlichen Welt klein geredet werden
  • Dies alles könnte zur Folge haben, dass Frauen im Westen als weniger unterdrückt erscheinen und ihre Unterdrückung als triviale Kleinigkeiten.

Nicht in diesem Text enthalten ist die weitere Einordnung in den Intersektionalismus. Wenn der weiße, heterosexuelle, christliche Mann nicht mehr der oberste Schurke ist, dann stimmt einfach die dortige Hierarchie nicht mehr und man müsste, wie es der Text auch erwähnt, den weißen Mann „aufwerten“ und gleichzeitigt PoCs angreifen. Während man bestimmte Umstände in anderen Ländern noch auf die Kolonialzeit zurückführen kann und so wieder dem „weißen Mann“ zuordnen kann, wird dies beim Islam, der nie wirklich einen weißen Hintergrund hatte, schwierig.

Damit wäre Kritik am Islam nahe am Rassismus, da er das Dogma der Schuld des weißen Mannes in Frage stellt. Es wäre auch problematisch, weil der Islam nicht in  die klassischen Schemata einzuordnen ist, die eben vorgeben, dass die, die gesellschaftlich die meiste Macht haben, die sein müssen, die die Regeln vorgeben und die anderen unterdrücken.

Die verschiedenen Ebenen des intersektionalen Feminsmus erfordern hier also, dass man zu solchen Thema am besten schweigt. Allenfalls darf man darauf hinweisen, dass Frauen aus diesen Kulturkreisen damit nicht einverstanden sind und man sie darin unterstützt (aber ihnen gleichzeitig nicht die westlichen Regeln aufdrückt oder sich ihre Symbole aneignet  und sie natürlich machen können, was sie wollen).

4. Disclaimer

Kommentare, die an Einzelfällen die Fürchterlichkeit des Islams und den Untergang des Abendlandes darlegen wollen, bitte ich in anderen Blogs unterzubringen, hier werde ich sie löschen, da es nicht das Thema ist.

Kritik an „White Privilege“

Eine kurze Kritik an den Konzept der „Weißen Privilegien„:

But the concept of white privilege has also received a lot of backlash. Here’s a quick list of seven reasons why the term has failed to resonate with many people:

1) They’re white, and don’t feel that privileged.

Many white persons have had to work hard, make sacrifices, experience repeated rejection, come from a broken family, have gone through a divorce, struggle with addiction, or are below the poverty line and trying desperately to make ends meet. #privilege?

2) It’s totalizing.

The white privilege narrative assumes that many people in our society are systematically mistreated because of blanket assumptions made based on the color of their skin. Then it claims that ALL white people are privileged simply because they’re white.

3) It seems bourgeois.

Thinking about white privilege appears itself to be a privilege of single, young adults who have the time and resources to think about it.

4) It sometimes resorts to banal examples.

A survey put out by Pacific Educational Group—a prominent promoter of the idea of white privilege —asks respondents if they “can choose blemish cover or bandages in ‘flesh’ color and have them more or less match the color of my skin.”

5) It feels like it distracts from other pressing issues.

In Intellectual Takeout’s backyard of St. Paul, MN, the public school district has spentmillions training staff to check their white privilege. Meanwhile, less than 40% of St. Paul’s students are at grade level in reading and math.

6) It seems to require a quasi-religious faith.

In a well-read article from last December, Joseph Bottum compared white privilege to the Christian idea of original sin—you can’t necessarily see it, you don’t necessarily recognize it in yourself, but you’re still supposed to believe it’s there.

7) It focuses solely on race.

Most who have gone through the modern education system have received years of instruction on the dignity of all human persons and the virtue of being colorblind. Thus, they’re confused when they hear that they are still subconsciously racist and not focusing enough on race.

As a society, we shouldn’t question the need to be self-reflective, sometimes self-critical, and we should go out of our way to help those in need. But it seems legitimate to question whether the “white privilege” narrative is the best vehicle for accomplishing those things.

vgl auch:

Kulturelle Aneignung / Cultural appropriation

Im Zusammenhang mit der Intersektionalität und darauf aufbauend „Critical Whitness“gibt es auch immer wieder den Vorwurf der „Kulturellen Aneignung“ oder eben auf englisch „Cultural appropriation“.

Darunter versteht man, dass Personen aus einer anderen Kultur sich Symbole oder Praktiken einer anderen Kultur zu eigen machen. Problematisch wird dabei gesehen, dass diese Praktik oder dieses Symbol eine neue Bedeutung bekommt , die meist nichts mehr mit der eigentlichen Bedeutung zu tun hat und meist schlicht mit Spass/Freizeit/Mode zu tun hat.

Ein Beispiel war gerade auf Twitter kurz Gegenstand einer Diskussion:

„Hausverbot für „Weiße“ mit Dreadlocks, Mohawks und Tunneln. Also inwiefern ist das jetzt unterstützend für die Kämpfe von poc ?“

In der Twitter-Diskussion kamen dann die Argumente, dass das eben Rassismus sei, weil es eine kulturelle Aneignung ist, denn so werden diese Symbole zB als Widerstandsymbole entwertet. Dabei spielt man wohl auf diesen kulturellen Hintergrund in der Rastafari-Bewegung und in der Black-Power-Bewegung an:

Gleichzeitig wollten sich die Rastafari auch bewusst von der „importierten“ Kultur und dem Schönheitsideal der weißen Oberschicht, also der britischenKolonialmacht, abgrenzen und so gegen die Zerstörung ihrer Kultur protestieren. Da die verfilzten Locken der Rastafari dem Schönheitsideal der Weißen nun so gar nicht entsprachen, wurden sie von Außenstehenden als bedrohlich oder abstoßend empfunden. Schnell verbreiteten sich aus diesen Gründen allerlei negative Gerüchte auch über die Rastafari selbst, so dass die übrigen Leute begannen, sich auch vor ihnen zu fürchten und nicht nur die Frisur abstoßend zu finden. Daher „dread“ von „Furcht“ oder „dreadful“ von „schrecklich“, „furchtbar“.

Diese entwickelten sich schnell zum Symbol der Rastafari, und mit dem Erfolg der Reggae-Musik wurden auch die Dreadlocks weltweit bekannt und beliebt.

Da viele Rastafari Marihuana („Ganja“) rauchen, entstand auch im westlichen Kulturkreis das Klischee des dreadlocktragenden Kiffers.

Für manche Menschen afrikanischer Herkunft ist ihre, von gewelltem und krausem Haar geprägte, Frisur ein Ausdruck ethnischen Stolzes. So wurde von Afroamerikanern während der Bürgerrechts- und Black-Power-Bewegung in den 1950er und 1960er Jahren das – damals besonders bei Frauen populäre – Glätten der Haare als Anpassung und Unterwerfung an die europazentrierte Kultur der Weißen interpretiert und daher abgelehnt.

Auch Malcolm X trug zunächst kurze glatte Haare (den sogenannten Conk), was er später als „ersten Schritt zur Verleugnung seiner Identität als Schwarzer“ bezeichnete.[10]

Mit der Entwicklung der schwarzen Bürgerrechtsbewegung wurden stattdessen „original afrikanische“ Frisuren beliebt, um Individualität und Freiheit zum Ausdruck zu bringen, aber auch als eine Zurückweisung von Unterdrückung und Imperialismus, als Zeichen schwarzer nationalistischer oder pan-afrikanischer politischen Überzeugungen, als Symbole für schwarze Einheit und Macht sowie um die afrikanischen Wurzeln zu betonen. Zu diesen Frisuren zählte zunächst der Afro-Look, später kamen in Zusammenhang mit der Verbreitung des Reggae auch die Dreadlocks hinzu.Inzwischen ist das Tragen von Dreadlocks jedoch vom Mainstream vereinnahmt worden und hat seine explizit politische Aussage verloren.[11]

Die Anti-Establishment-Philosophie der Rastafari, wiederholt in vielen Reggae-Liedern der 1970er Jahre, zeigte auch in der weißen Bevölkerung Wirkung, besonders bei politisch links-gerichteten Jugendlichen, so dass auch hier Dreadlocks populär wurden. Parallel zur startenden Reggaebewegung wurden Dreadlocks in den 70er Jahren in der Goatranceszene populär, als die in Goa ansässigen Hippies begannen, Haartracht, Schmuck und auch Einstellungen der indischen Sadhus zu übernehmen und zu einer neuen Subkultur umzuformen. Daher sind Dreadlocks auch in der heutigen Goaszene noch sehr verbreitet. Ebenso in der Alternativbewegung, die als Oberbegriff für links-alternative Lebensweisen fungiert. So sind Dreads auch in den Bewegungen der Antiglobalisierungs- und Umweltaktivisten vertreten.

Hier spielt der hierarchische Aufbau nach Gruppen im Intersektionalismus hinein. Dazu hatte ich schon verschiedene Artikel:

Auch hier spielen, wie häufig im Feminismus, einige recht einfache Regeln der Über- und Unterordnung bzw. klare Schema von „Gut“ und „Böse“herein. Ich würde sagen, dass kulturelle Aneignung im wesentlichen folgenden Regeln unterliegt:

  • Bei der Frage, ob es sich um eine Aneignung handelt ist zunächst die übliche Hierarchisierung vorzunehmen. Nur wenn die Gruppe unterhalb der Gruppe steht, in der die Aneignung erfolgt, dann handelt es sich um eine unzulässige Aneignung. Die Hierarchien sind insoweit im Einzelfall schwierig, es ist aber sicher, dass Weiße sich jedenfalls nichts aneignen dürfen, da sie insoweit „Oben“ stehen. Gleichzeitig darf sich von Schwarzen / PoCs jedenfalls nichts angeeignet werden, da sie „unten“ stehen, also diskriminiert werden und keine Privilegien haben. Asiaten stehen irgendwo in der Mitte, wenn ein Schwarzer einen Kimono anzieht wäre es aber schon wieder interessant. Eine Lederhose dürften aber beide unproblematisch anziehen.
  • Der Vorwurf ist um so eher zu erwarten, um so eher man dem jeweiligen Symbol eine besondere Widerstandsfunktion oder eine besondere Symbolik zuweisen kann. Demnach sind eben Rasta-Locken oder Dreadlocks insoweit sehr aufgeladen, Kaffee oder Tee trinken, auch wenn es sicherlich auch einmal ein besonderer kultureller Brauch war oder vielleicht sogar ein Abgrenzungskriterium hingegen taugt weit weniger für einen solchen Vorwurf.
  • Gleichzeitig gilt aber der Grundsatz, dass alles vorgeworfen werden kann, was irgendwie der Abgrenzung dient, auch den Vorwurf der kulturellen Aneignung begründen kann, wenn er aus der nichtprivilegierten Gruppe kommt.

Ein paar Beispiele finden sich bei der Mädchenmannschaft:

Es ist nicht „nur“ ein Foto. Es ist die renitente, kontuinierliche, systematische Aufrechterhaltung der bestehenden Machtverhältnisse, die tausende solcher Fotos sowie eine Gesellschaft produziert, die mehrheitlich der Meinung ist, diese Fotos seien akzeptabel.

Wer bei Google „cultural appropriation“ in die Suchleiste tippt, bekommt einen Eindruck davon, wie gut People of Color es finden, dass die Devotionalien ihrer jeweiligen Kultur von weißen Leuten getragen werden, die es nicht interessiert, was sie damit tun und wen sie damit beleidigen.

Spoiler alert:

Japaner_innen sind NICHT hellauf begeistert davon, dass Polyesterkimono als Karnevals- oder Halloweenkostüme verkauft werden.

Inder_innen sind NICHT erfreut von Hipstern, die sich Bindis auf die Stirn kleben.

Cherokee, Sioux, Choctaw und andere Ureinwohner_innen Amerikas finden es NICHT großartig, dass die gleichen Hipsterkids sich Warbonnets über den Kopf ziehen.

Und Schwarze auf allen Kontinenten sind NICHT total glücklich darüber, dass man Schwarze Models prinzipiell nur mit geglätteten Haaren sieht, aber blonde/brünette Weiße bedenkenlosDreadlocks (und anscheinend auch „Afro“-Perücken) spazieren tragen können, ohne um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bangen.

Interessant auch das die Erwiderung zu dem Argument im gleichen Artikel, dass viele Angehörige dieser Kulturen damit kein Problem haben:

Ich habe selten eine Diskussion mitverfolgt, in der sich nicht früher oder später jemand mit dem Einwand zu Wort meldete, man kenne eine Person of Color, der das ganze nichts ausmache. Manchmal ist es auch eine PoC selbst, die kommentiert, sie fände den diskutierten Vorfall nicht rassistisch. Als eine Person of Color, der es nicht egal ist, habe ich schockierende Neuigkeiten für euch:

Liebe Weiße,

wenn ihr ein paar Uncle Toms [Ergänzung, März 2015: Auf Wunsch der Autorin nun gestrichen, da es sich um einen „African American Vernacular English“-spezifischen Begriff handelt] Leute kennt, die in etwa so ignorant sind wie ihr, gleichzeitig aber einer anderen Ethnizität angehören, könnt ihr daraus keine Legitimation für euer menschenverachtendes Verhalten ableiten.

Wenn euch eine weiße Person sagt, dass ihr sie „dummes Stück“ nennen dürft, weil ihr so gute Freunde seid, lautet eure Schlussfolgerung wahrscheinlich (/hoffentlich) auch nicht, dass jede andere weiße Person es gleichermaßen geschwisterlich auffassen wird.

Hört auf, euch am kulturellen Erbe nichtweißer Ethnizitäten zu bereichern. Ihr dürft unseren Kram nicht tragen.

Warum?

Weil wir ihn selber nicht tragen dürfen, ohne von euch stereotypisiert und exkludiert zu werden. Ihr habt eine Situation geschaffen, in der People of Color in ihren Nationaltrachten oder mit ihrer Naturhaarstruktur mehrheitlich mit rassistischen Klischees konnotiert werden. (Nicht, dass uns das ansonsten nicht passieren würde – wir sind konstant einem Rassismus ausgesetzt, dessen Allgegenwärtigkeit vehement geleugnet wird.)

Ihr habt die Privilegienolympiade gewonnen. Zeigt ein bisschen Anstand, indem ihr eure Medaillen/Warbonnets/Bindi/Kimono/Afroperücken nicht zur Schau stellt.

Das klassische Eifersuchtsargument, welches auch sonst aus meiner Sicht häufig den Boden der „Privilegientheorie“ bildet:

Ihr dürft das nicht haben, denn ich habe es ja auch nicht so wie ich es will.

Ich finde es ja immer wieder faszinierend, dass man einerseits Multi-Kulti. Verständnis unf Akzeptanz füreinander und die Aufgabe von Rassismus will, zum anderen aber Gruppenidentitäten erbittert verteidigt.

Kulturelle Aneignung ist meiner Meinung nach schlicht eines der besten Mittel um gegen Rassismus vorzugehen. Um so normaler und internationaler bestimmte Zeichen werden, um so weniger kann man sie als Mittel des Out-Groupings einsetzen. Wer will, dass jemand mit Dreadlocks nicht blöd angemacht wird, der sollte eben befürworten, dass diese möglichst verbreitet werden.

Es bliebe die Erwiderung, dass diese nicht – wie etwa im Karneval – als Verkleidung benutzt werden sollten, da dies eine Form der Abwertung sei, die Stereotype erzeugt. Aber das hängt meiner Meinung nach doch stark von der Form der Verkleidung ab. Auch hier kann ich mir vorstellen, dass die meisten Angehörigen einer entsprechenden Kultur das entspannt sehen können, wenn es friedlich und als Spass erfolgt und insbesondere, wenn es die weitergehende Vergangenheit betrifft, wie eben bei der ursprünglichen Kleidung von Indianern. Gerade bei Japanern, die ja nun als entsprechende Industrienation nicht gerade stark unterdrückt sind, sollte man meinen, dass da eine gewisse Lockerheit herrscht.

Ansonsten könnte man vielleicht noch anführen, dass es Leute stört, wenn für sich besonders wichtige Symbole entwertet werden, etwa solche mit einem ansonsten starken Tabu gegen eine profane Benutzung. Das wäre vielleicht gerade bei besonderen religiösen Symbole der Fall. Da ist unsere Kultur vergleichsweise Tolerant. Würde ein Papstkostüm besonderes Aufsehen hervorrufen? Oder ein solches hier? Es sind wahrscheinlich eher die Gruppen, die selbst am intolerantesten sind, die solche Taus aufrechterhalten.

Eine weitere Zusammenstellung von Stimmen findet sich in diesem Beitrag auf dem Mädchenblog:

Auch Teariffic beschäftigt sich mit dem Thema; auch hier ist Critical Whiteness ein wichtiger Punkt:

Zweitens ist es mir wichtig zu betonen, dass es einen Unterschied zwischen kultureller Adaption und Aneignung gibt. Adaption ist im Zuge der Globalisierung kaum vermeidbar und ist per se nicht negativ. Das Feiern von Weihnachten in nicht-christlichen Ländern oder multi-kulturelle Küche sind die geläufigsten Beispiele dafür.
Bei der Aneignung ist es allerdings immer mit Privilegien und Rassismus verbunden.

Hier ist mir die Abgrenzung nicht wirklich klar: Ich würde anhand des Beispiels vermuten, dass Adaption „nach oben“ erfolgt, also zB wenn Schwarze etwas von Weißen übernehmen, Aneignung aber „nach unten“, wenn also zB Weiße etwas von Schwarzen übernehmen. In dem Artikel findet sich dazu noch das folgen Zitat: „(…)Appropriation implies taking for oneself, to seize possession (or “adopt”) without consent or consideration in a way that detracts from the source culture’s ability to access or enjoy that which you have taken. It is stealing. It is inherently negative. Unlike cultural adoption or depiction, there is no good kind of cultural appropriation.“ Da spielt dann also vielleicht auch noch mit rein, dass man etwas seiner Symbolik beraubt, aber tatsächlich „stehlen“ kann wahrscheinlich auch nur der, der Macht hat, was einen wieder in die Hierarchie bringt.

Weiter beim Mädchenblog:

Andrew Chin spricht an, wie unsensibel sich Weiße (und in dem Fall die US-amerikanische Gesellschaft) asiatische Kultur aneignen:

The limits of this „willingness to understand“ extend also to a willingness to share cultural power: whites are generally willing to engage in cultural and social transactions with Asian Americans only to the extent that white domination of American culture and society is not challenged. The eating of sushi and the wearing of Chinese-character tattoos as fashion trends do nothing to protect Asian Americans from continuing racial discrimination.

Da geht es also wieder um Macht. Aber richtig logisch erscheint es mir nicht: Denn man wird eben keinen Nazi mit einem Tattoo mit chinesischen Schriftzeichen sehen. Und ein Nazi mit Springerstiefeln und „Ausländer raus“-Schriftzug wird wohl auch eher keinen Döner kaufen.

The Angry Black Woman analysiert das Problem:

I thought it would be appropriate to first define what we mean when we talk about Cultural Appropriation. What is it? What do you mean when you apply that term? If we can all express that and put up a few loose boundary markers around the subject, that will make discussing its effects and manifestations a little easier.
As a writer of color, I’m used to discussing cultural appropriation in the artistic sphere. Remember, though, that the issue extends beyond art – spirituality, style/fashion, speech, attitudes and more. Let’s bring them all in.

Bei Thisisnotindia wird auch nochmal grundlegendes erklärt:

While Hindu iconography is commonplace and used pretty much everywhere, you will never see it imprinted on commonly used items such as t-shirts, pants, shirts or tattooed on bodies.
The context of religion, politics and history is erased completely —- only to be replaced by the vacuous and profitable hook found in the imagery of elephant-heads, multi-hands, multi-heads, and hanging tongues. When Hindu iconography is reduced to its consumerist shock value in the West, it becomes a question of cultural neocolonialism.

Da wäre also wieder der Aspekt, dass es seiner eigentlichen Bedeutung beraubt wird und damit wertlos wird. Wobei man ja auch beispielsweise in Asien Leute mit bescheuerten Aussagen in Englisch auf dem T-Shirt herumlaufen sieht. Es ist eben ein typisches Phänomen, wenn eine Sprache oder eine Symbolik fremd aber für die meisten nicht lesbar ist.

Lady Lukara bloggt bei Reality Rags einen Text mit einer etwas anderen, differentzierteren Sichtweise und fordert respektvollen Dialog (der in den durchaus interessanten Kommentaren auch entsteht):

Ich liebe Multikulti, das ist für mich nicht nur ein Wort, es fühlt sich bis ganz tief in mir drin gut an, wenn Kulturen sich kennenlernen, verstehenlernen und vermischen, auf allen Ebenen! Ich bin Weltbürgerin, yes!!! Natürlich meine ich nicht die „Veroberflächlichung“ zu Fashionstatements. Wie oben schon erklärt finde ich es wichtig, dass der Ursprung und die Bedeutung der Symbole, Rituale und Trachten erhalten und respektiert werden muss, weil sie das Leben ungemein bereichern und ich bin dafür, dass diese respektvolle Bereicherung allen, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, zugänglich sein sollte, da dies – entgegen der ganzen beschissenen Abschottung – uns zusammenführen mag, uns Verständnis und Gemeinsamkeiten unserer Kulturen entdecken lassen kann.

Das finde ich schon eher eine passende Herangehensweise – Keine Abschottung, aber vielleicht ein gewisses Gefühl dafür behalten, was es für die andere Kultur bedeutet.

Feministische Theoriewoche: „Intersektionalität“ (Tag 6)

Dieser Beitrag ist Teil der feministischen Theoriewoche.

Das heutige Thema ist

„Intersektionalität“ 

als ein zentrales Element der gerade im Netz und im „modernen Feminismus“ vorherrschenden Theorie.

1. Was besagt Intersektionalität?

2. Was leitet der Feminismus daraus her/wie setzt er diese Theorie ein?

3. Welche Argumente/Studien sprechen für/gegen diese Theorie?

Sam Harris „The moral Landscape“ über Feminismus

Das Buch „The moral landscape“ von Sam Harris (hier im PDF Volltext) enthält auch einige schöne Stellen die gut auf feministische Theorien passen

Erst geht es um „Moralische Blindheit im Namen von Toleranz“, was sehr gut zum Thema Intersektionalismus passt:

Moral Blindness in the Name of “Tolerance”

There are very practical concerns that follow from the glib idea that anyone is free to value anything—the most consequential being that it is precisely what allows highly educated, secular, and otherwise well-intentioned people to pause thoughtfully, and often interminably, before condemning practices like compulsory veiling, genital excision, bride burning, forced marriage, and the other cheerful products of alternative “morality” found elsewhere in the world. Fanciers of Hume’s is/ought distinction never seem to realize what the stakes are, and they do not see how abject failures of compassion are enabled by this intellectual “tolerance” of moral difference. While much of the debate on these issues must be had in academic terms, this is not merely an academic debate. There are girls getting their faces burned off with acid at this moment for daring to learn to read, or for not consenting to marry men they have never met, or even for the “crime” of getting raped. The amazing thing is that some Western intellectuals won’t even blink when asked to defend these practices on philosophical grounds. I once spoke at an academic conference on themes similar to those discussed here. Near the end of my lecture, I made what I thought would be a quite incontestable assertion: We already have good reason to believe that certain cultures are less suited to maximizing well-being than others. I cited the ruthless misogyny and religious bamboozlement of the Taliban as an example of a worldview that seems less than perfectly conducive to human flourishing.

As it turns out, to denigrate the Taliban at a scientific meeting is to court controversy. At the conclusion of my talk, I fell into debate with another invited speaker, who seemed, at first glance, to be very well positioned to reason effectively about the
implications of science for our understanding of morality. In fact, this person has since been appointed to the President’s Commission for the Study of Bioethical Issues and is now one of only thirteen people who will advise President Obama on “issues that may emerge from advances in biomedicine and related areas of science and technology” in order to ensure that “scientific research, health care delivery, and technological
innovation are conducted in an ethically responsible manner.

Here is a snippet of our conversation, more or less verbatim:
She: What makes you think that science will ever be able to say that forcing women to wear burqas is wrong?
Me: Because I think that right and wrong are a matter of increasing or decreasing well-being—and it is obvious that forcing half the population to live in cloth bags, and beating or killing them if they refuse, is not a good strategy for maximizing human wellbeing.

She: But that’s only your opinion.

Me: Okay … Let’s make it even simpler. What if we found a culture that ritually blinded every third child by literally plucking out his or her eyes at birth, would you then agree that we had found a culture that was needlessly diminishing human well-being?

She: It would depend on why they were doing it.
Me [slowly returning my eyebrows from the back of my head]: Let’s say they were doing it on the basis of religious superstition. In their scripture, God says, “Every third must walk in darkness.”
She: Then you could never say that they were wrong.

(…)

While human beings have different moral codes, each competing view presumes its own universality. This seems to be true even of moral relativism. While few philosophers have ever answered to the name of “moral relativist,” it is by no means uncommon to find local eruptions of this view whenever scientists and other academics encounter moral diversity. Forcing women and girls to wear burqas may be wrong in Boston or Palo Alto, so the argument will run, but we cannot say that it is wrong for Muslims in Kabul. To demand that the proud denizens of an ancient culture conform to our view of gender equality would be culturally imperialistic and philosophically naïve.

This is a surprisingly common view, especially among anthropologists. Moral relativism, however, tends to be self-contradictory. Relativists may say that moral truths exist only relative to a specific cultural framework—but this claim about the status of moral truth purports to be true across all possible frameworks. In practice, relativism almost always amounts to the claim that we should be tolerant of moral difference because no moral truth can supersede any other. And yet this commitment to tolerance is not put forward as simply one relative preference among others deemed
equally valid. Rather, tolerance is held to be more in line with the (universal) truth about morality than intolerance is.

The contradiction here is unsurprising. Given how deeply disposed we are to make universal moral claims, I think one can reasonably doubt whether any consistent moral relativist has ever existed. Moral relativism is clearly an attempt to pay intellectual reparations for the crimes of Western colonialism, ethnocentrism, and racism. This is, I think, the only charitable thing to be said about it. I hope it is clear that I am not defending the idiosyncrasies of the West as any more enlightened, in principle, than those of any other culture. Rather, I am arguing that the most basic facts about human flourishing must transcend culture, just as most other facts do. And if there are facts that are truly a matter of cultural construction—if, for instance, learning a specific language or tattooing your face fundamentally alters the possibilities of human experience—well, then these facts also arise from (neurophysiological) processes that transcend culture

Hier spricht er sich letztendlich gegen die feministische Theorie aus, dass man bestimmte kulturelle Praktiken nicht moralisch verurteilen kann, wenn sie von einer bestimmten Minderheit ausgeübt werden. Es wäre interessant, wie poststrukturalistische intersektionalistische Feministen auf sein Argument reagieren würden. Die Burka an sich wird ja dort auch als etwas gesehen, in das man sich nicht einmischen darf. Wobei dies im Feminismus ja noch etwas anders gehandhabt wird: Man dürfte auch in Boston oder Palo Alto nicht sagen, dass eine Frau keine Burka tragen darf, solange sie ein PoC wäre. Ich vermute allerdings, dass man Eingriffe an Kindern auch dort kritischer sehen würde. Gibt es intersektionelle Betrachtungen zur weiblichen Beschneidung in deutschen Blogs?

Dennoch finde ich die Gegenperspektive interessant, weil sie von einer umfassenden moralischen Bewertbarkeit ausgeht. Ich hatte ja auch schon einmal angeführt, dass ansonsten schnell Unstimmigkeiten auftreten, die jede moralische Wertung beliebig und unverbindlich machen.

Dann geht es um „Moral Science“

There are academics who have built entire careers on the allegation that the foundations of science are rotten with bias—sexist, racist, imperialist, Northern, etc. Sandra Harding, a feminist philosopher of science, is probably the most famous proponent of this view.

On her account, these prejudices have driven science into an epistemological cul-de-sac called “weak objectivity.” To remedy this dire situation, Harding recommends that scientists immediately give “feminist” and “multicultural” epistemologies their due.

First, let’s be careful not to confuse this quite crazy claim for its sane cousin: There is no question that scientists have occasionally demonstrated sexist and racist biases. The composition of some branches of science is still disproportionately white and male (though some are now disproportionately female), and one can reasonably wonder whether bias is the cause. There are also legitimate questions to be asked about the direction and application of science: in medicine, for instance, it seems clear that women’s health issues have been sometimes neglected because the prototypical human being has been considered male. One can also argue that the contributions of women and minority groups to science have occasionally been ignored or undervalued: the case of Rosalind Franklin standing in the shadows of Crick and Watson might be an example of this. But none of these facts, alone or in combination, or however multiplied, remotely suggests that our notions of scientific objectivity are vitiated by racism or sexism. 

Is there really such a thing as a feminist or multicultural epistemology? Harding’s case is not helped when she finally divulges that there is not just one feminist epistemology, but many. On this view, why was Hitler’s notion of “Jewish physics” (or Stalin’s idea of “capitalist biology”) anything less than a thrilling insight into the richness of epistemology? Should we now consider the possibility of not only Jewish physics, but of Jewish women’s physics? How could such a balkanization of science be a step toward “strong objectivity”? And if political inclusiveness is our primary concern, where could such efforts to broaden our conception of scientific truth possibly end? Physicists tend to have an unusual aptitude for complex mathematics, and anyone who doesn’t cannot expect to make much of a contribution to the field. Why not remedy this situation as well? Why not create an epistemology for physicists who failed calculus? Why not be bolder still and establish a branch of physics for people suffering from debilitating brain injuries? Who could reasonably expect that such efforts at inclusiveness would increase our understanding of a phenomenon like gravity? As Steven Weinberg once said regarding similar doubts about the objectivity of science, “You have to be very learned to be that wrong.” Indeed, one does—and many are.

Das finde ich eine schöne Stellungnahme zu der feministischen Standpunkttheorie. Es zeigt durch die Übertreibung der Theorie, dass diese wenig Gehalt hat, indem darauf abgestellt wird, dass Standpunkte verschiedener benachteiligter Gruppen eben nicht zu besseren Ergebnissen führen müssen. Der Schlußsatz „Man muss sehr gebildet sein um so daneben zu liegen“ passt aus meiner Sicht auch sehr gut in die Feministische Theorie: Es wird dort durch allerlei kompliziert klingende Texte versucht, relativ simple Theorien einen intellektuellen Hauch zu geben um sie gegen Kritik zu immunisieren und zu verschleiern, dass ihre wissenschaftliche Basis kaum vorhanden ist. Wer ein Beispiel will, der lese Judith Butler.

Whitepassing ist auch kein Privileg

Gestern wurde in den Kommentaren auf einen Artikel von Heng auf „Teariffic“ hingewiesen, in der diese sich über ihr „White Passing“ und die daraus folgenden Schwierigkeiten für sie als „Person of color“ beklagt.

Auf Twitter findet man folgendes Foto von ihr:

Hier war bisher das Profilbild von Heng bei Twitter, auf Wunsch von ihr entfernt (weitere Bilder: 1, 2)

Also mich wundert ihr „White Passing“ da jetzt nicht so.

Aber es ist vielleicht ein guter Anlass sich mal mit dem Begriff der „Person of Color“ zu beschäftigen. Die englische Wikipedia hat dazu das Folgende:

Person of color (plural: people of color, persons of color) is a term used primarily in the United States to describe any person who is not white. The term encompasses all non-white groups, emphasizing common experiences of racism. The term is not equivalent in use to „colored“, previously used in the US as a term for African Americans only.

People of color was introduced as a preferable replacement to both non-white and minority, which are also inclusive, because it frames the subject positively; non-white defines people in terms of what they are not (white), and minority frequently carries a subordinateconnotation.[1] Style guides for writing from American Heritage,[2] the Stanford Graduate School of Business,[3] Mount Holyoke College,[4] recommend the term over these alternatives. It may also be used with other collective categories of people such as students of color, men of color and women of color. Person of color typically refers to individuals of non-European heritage.[5]

The untranslated English term has also seen some limited usage among Germans of color, especially when stressing the postcolonial perspective,[6] but so far has not found entrance into general German language and is not necessarily known by the general populace.

In der deutschen Wikipedia heißt es:

Person of color (Plural: people of color) ist ein Begriff aus dem anglo-amerikanischen Raum für Menschen, die gegenüber der amerikanischen Mehrheitsgesellschaft als nicht-weiß gelten und sich wegen ethnischer Zuschreibungen („Sichtbarkeit“) alltäglichen, institutionellen und anderen Formen des Rassismus ausgesetzt fühlen

Damit wäre die Definition eigentlich recht dehnbar, gerade durch das „fühlen“. „Non-White“ würde eigentlich Heng schon eher wieder aus den „People of Color“ rausnehmen, auch wenn sie als aufgrund ihrer Herkunft aus dem Iran einen gewissen „ethnischen Hintergrund“ hat. Sie selbst beschreibt sich als “ White-passing Hard Femme of Colour, queer, Studentin.

(Exkurs: Nach dieser Betrachtung bin ich dann mit einer PoC zusammen, Südland ist ja auch eine „ethnische Herkunft“. Gelegentlich werde ich auch mal als „Non-White“ gelesen, Norditaliener gar oder bei bestem Urlaubsbart auch als Nordgrieche, oder was südosteuropäisches, ich scheine da auf einige etwas unbestimmt zu wirken, auch wenn mich die allermeisten „Weiß“ lesen. In einem Französisch-Kurs an der Uni sollten wir beispielsweise jeder als einen der ersten Sätze angeben, welche Nationalität wir  haben, demnach sagte ich, als ich an der Reihe war „je suis allemand“ und brachte die Lehrerin zur Verzweifelung, weil ich auf ihren Vorhalt, dass es falsch sei, es immer wieder mit besserer Betonung versuchte. Bis sie mir dann offenbarte, dass ich doch gar nicht aus Deutschland kommen würde und (endlich) mein richtiges Land einsetzen solle. Naja, anscheinend bin ich auch ein PoC. Exkurs Ende)

Jetzt hätte ich etwas naiv gesagt, dass in diesem Gedankenmodell ja ein „white passing“ eine gute Seite sein muss, denn es eröffnet einem den Zugang zu allen Privilegien: Die Privilegien werden ja nach dem Erscheinungsbild zugewiesen und sie wird damit als privilegiert gelesen.

Bei Heng klingt es dennoch düster:

Zwei coole Middle-Eastern Queens steigt am Hermannplatz ein, die beiden Freundinnen sitzen in einem Viererblock mit mir und einer anderen Person, die ich als Middle-Eastern Mädchen lese. Die beiden Freundinnen unterhalten sich miteinander, die eine hat einen knallroten Lippenstift und lockiges Haar, die andere ein sehr schmales Gesicht und goldene Kreolen. Sie nehmen viel Raum ein, unterhalten sich laut, reclaimen sich den von weißen Yuppies gefüllten Space namens U-Bahnabteil. Ab und zu lächeln sie der vierten Person auf den Sitzbänken zu, es ist keine große Kontaktaufnahme, nur ein Zeichen von “Ich sehe, dass du da bist, Schwester!” Ich beobachte die beiden, bewundere sie. Sie wirken auf mich sehr selbstbewusst und erinnern mich an Töchter von Bekannten. Ich versuchte, nicht starrend auszusehen, also schaute ich immer nur für ein paar Sekunden hin und senkte meinen Blick schnell wieder. Ich lächelte, hätte ihnen gern zugelächelt. Hätte gerne auch ein “Ich sehe, dass ihr da seid und ich bewundere euch, Schwestern!”-Zeichen ausgesandt. Wie ich es oft auf der Straße versuche, wenn ich Muslimas und nicht-weißen Personen über den Weg laufe. Aber ich werde häufig nicht erkannt.

Erst einmal ist es natürlich interessant, dass man hier die Raumeinnahme nicht als Mackerhaft ansieht, sondern als toll, als „Raum zurückerobern“. Da würde sie gerne mitmachen, aber sie ist eben in der Hinsicht nicht privilegiert, kein Opfer, sondern muss Zurückhaltung zeigen. Warum sie sie nicht als Frauen, die hier anscheinend gegen die Männer Raum einnehmen, toll finden kann, erzählt sie leider nicht.

Neuer Raum, neues Glück. Um mich herum unterhalten sich weiße Queers. Sie reden über Feiertage, ihre Großeltern, deutsche Küche, Familienurlaub. Identifikationspotenzial: Null. Ich langweile mich. Einmal versuche ich mich ins Gespräch einzubringen und mache einen Scherz. Über deutsche Küche und seinen mangelnden Geschmack. “Ohne Kurkuma, ohne mich”, lache ich. Außer mir lacht keine_r. “Einmal habe ich Kurkuma über meinen Reis gemacht, das hat voll komisch geschmeckt”, sagt eine Person, die ich kaum kenne, aber sofort scheiße finde. Irgendwann wollen Leute wissen, wie genau mein Name nochmal geschrieben wird. Und woher er kommt. Ach so, Iran, wie exotisch!

Das sind Struggles als Person of Color mit white-passing-Privileg

Da nehmen die sie auch einfach nicht als Person of Color war und ihr kleiner Versuch, dass zu retten, indem sie über die deutsche Küche herzieht, scheitert auch noch. Die stimmen ihr nicht vorbehaltlos zu, sondern widersprechen sogar! Haben einen anderen Geschmack als sie! Widerlich, kein Wunder, dass sie sie nicht mag. Die Beachten eben ihren Opferstatus nicht genug, behandeln sie einfach als weißprivilegierte Person, der man sagen kann, dass einen persönlich Kurkuma nicht schmeckt, ohne dass sie dabei merken, dass das rassistisch ist. Ich kann die arme Heng verstehen. Interessanterweise hätte sie natürlich eine Person, die ihr zustimmt, dass Kurkuma auf Reis das beste ist, auch rassistisch finden können, denn die eignet sich dann ja deren Kultur an, was auch nicht geht. Insofern hätte man wohl allenfalls sagen dürfen, dass andere Küchen eben viel besser sind als die inländische und sie anbetend anschauen können.

In separatistischen BPOC-Räumen (Räume, die nicht für weiße Personen offen sind), fühle ich mich manchmal unwohl. Ich habe Angst, dass die anderen Personen denken, ich eigne mir ihre Struggles an und gehöre nicht dahin. Ich habe Angst, Raum einzunehmen, der mir nicht zusteht. Ich hinterfrage jede meiner Handlungen, bin verunsichert, weiß nicht, was angemessen ist. “Eigentlich sehe ich doch aus, wie eine random Person aus dem Middle-East. Wie aus dem Iran oder aus Israel oder der Türkei. Da sehen doch auch nicht alle gleich aus! Get over yourself!”, denke ich dann immer.
Wenn Menschen mich in diesen Räumen anschauen, werde ich sofort nervös. In Moscheen habe ich ein solches Gefühl nicht, sondern eher in politischen Räumen. In solchen Momenten verfalle ich in problematische Denkmuster wie: Ich wünschte, ich würde iranischer aussehen. Ich wünschte, ich würde mehr wie mein Vater aussehen. Warum wird meine Schwester immer richtig gelesen, wir sehen uns doch total ähnlich?

„BPOC“ sind übrigens „Black People of Color“. Da frage ich mich wirklich, warum sie da meint reingehen zu können. Sie ist eben nicht „Black“. Anscheinend ist sie sich ihrer Privilegierung nicht hinreichend bewußt.

Ich finde es insoweit schon faszinierend, dass sie erst die rassistischen Probleme darstellt und sich dann beklagt, dass sie weiß gelesen wird.

Ihre ganze Angst macht insofern aus meiner Sicht eher deutlich, dass sie insbesondere zur Gruppe dazugehören möchte, eine von den guten sein möchte, keine Weiße, die ihre Privilegien hinterfragen muss, sondern eine PoC, die voller Stolz sagen kann, dass sie diskriminiert wird und deswegen dazu gehört.

Wenn ich dann mit Menschen spreche und meine Daseinsberechtigung innerhalb diesen Raums nicht hinterfragt wird, entspanne ich mich ein bisschen. Weniges empowert mich so sehr, wie von anderen Personen of Color eine Art Anerkennung oder Zugehörigkeitsgefühl vermittelt zu bekommen. Ich kann es nicht richtig formulieren, aber ich fühle mich einfach sichtbar.

Da wird dieses In-Group-Gefühl noch einmal von ihr sehr deutlich ausformuliert. Sie möchte dazugehören, was bei jemanden, der einer Identitätspolitik, die Weißsein stark abwertet, angehört, ja durchaus verständlich ist. Es muss ein schrecklichers Gefühl sein, wenn die anderen einem dem Unterdrücker zuordnen

Die Erleichterung tritt auch ein, weil ich es total nachvollziehen kann, warum Menschen mich in diesen Räumen nicht haben wollen. Weil ich ganz andere Erfahrungen habe als sie, weil ich sehr leicht zu tokenisieren bin. (Aber auch: Alle Personen of Color haben unterschiedliche Erfahrungen. Und komplett andere Erfahrungen als Schwarze Personen. Ich behaupte auch nie, die Oppression Olympia zu gewinnen. Und wenn Personen als Tokens genutzt werden, dann sind die priviligierten Tokenizer das Hauptproblem. Es ist zwar auch eine Entscheidung, Quoten-Whatever zu sein. Aber eine Entscheidung, die mit vielen Faktoren zusammenhängt – im Zweifelsfall mit der Existenz.)

Tokenisierung ist übrigens etwas, bei dem man denjenigen als Vertreter seiner Gruppe sieht und nicht mehr als Individuum. Man sieht also etwa eine Frau, die sich in einem sonst überwiegend männlich besetzen Bereich aufhält, nicht mehr als individuelle Person, sondern lädt die Vorurteile bezüglich dieser Gruppe bei ihr ab und behandelt sie als Vertreter dieser Gruppe. Ob sie damit meint, dass sie dann als „Araberin“ tokenisiert wird bleibt mir etwas unklar. Wobei ich vermute, dass sie nicht als Weiße tokenisiert werden kann, denn das können nur in diesen Theorien üblicherweise nur Minderheiten (weswegen es auch okay ist, einen Mann als Vertreter der Männlichkeit oder der Männer zu sehen und damit im Feminismus nur das schlimmste von ihm zu denken, ohne sich den Vorwurf der Tokenisierung einzuhandeln).

Interessieren würde mich auch, ob der Satz “ Ich behaupte auch nie, die Oppression Olympia zu gewinnen“ nicht eigentlich angesichts ihrer Privilegien gegenüber BPOCs eine Leugnung ihrer Privilegierung ist.

Erst vor kurzem war ich in einer sehr merkwürdigen Situation. Meine Mutter und Schwester sagten am Tisch zu mir, ich sähe gar nicht iranisch aus. Das ist ein unsinniger Kommentar, wie sehen denn auch iranische Personen aus? (…) Ich wusste, dass es Kackscheisze war, die sie sagten. Aber es verletzte mich sehr, von meiner eigenen Familie geothert zu werden. Nicht mal in diesem Raum zu genügen. Nirgendwo reinzupassen.

Das typische Migrantengefühl, dass man nirgendwo reinpasst, kann ich nachvollziehen. Bei ihr kann ich auch nachvollziehen, dass es sie sehr ärgern muss, dass man sie aus der PoC-Kategorie aussortiert. „Othern“ als Unterdrücker. Dabei will sie doch selbst „Othern“, die PoC und nicht Nicht-PoCs, die Weißen.

Ich möchte mich mit diesem Text nicht als Special Snowflake inszenieren. Es sind einfach Gedanken, die in den letzten Monaten sehr aufdringlich in meinem Kopf herumspukten und die mich sehr beschäftigen. Es ist so vieles, bei dem ich mich zwischen zwei Stühlen fühle: Nicht dünn, nicht fett, sondern dick. Nicht cis, nicht binärtrans, sondern nicht-binär weiblich. Auch mit queerfemininer Performance wird eins aufgrund von Lookismus oft falsch gelesen. Community-Räume versetzen mich in Stress und Ängste, weil ich in wenigen das Gefühl habe, wirklich willkommen zu sein. Konkretes Beispiel: Wenn ich in einem Club “ganz natürlich tanze”, hab ich einerseits Anxiety davor, dass Menschen meine Performance für Aneignung halten, und andererseits (in weißen Räumen), dass ich dafür exotisiert_fetischisiert werde. Egal, was ich mache, es könnte problematisch enden. Es ist ein großer Identitätsstruggle, der mit Angst vor Aneignung, unangebrachter Raumeinnahme und Selbstzweifel verbunden ist.

Mit dem Feminismus und dem intersektionalen Feminismus wird alles besser. Jeder ist überall willkommen und keiner wird mehr ausgebremst. Man kann sich einfach verhalten wie man will, ganz ohne Angst davor, nicht akzeptiert zu werden. Alles ist abgeschafft und Gruppendenken, nein Gruppendenken gibt es nicht mehr. Es ist eine gemütliche Welt ohne Abschottung und ohne Grenzen.

Wie könnte man jemals etwas anderes denken?

Der vulgäre Rassismus in seiner linken Variante: Nichtweiße sind gut

Adrian schreibt in einem Kommentar zum Feminismus und zum Intersektionalismus:

Als Faustregel gilt: Alles am Westen darf und muss beständig kritisiert werden, denn der Westen, das sind weiße, heterosexuelle Männer; der Westen ist die Zentrale des Kapitalismus und damit der gewalttätigste, rassistischste, sexistischste Ort auf Erden.

Dazu kommt ein vulgärer Antirassismus (der bei Lichte besehen nichts anderes ist, als eine linke Variante des Rassismus), der jedwedes Phänomen aus „nichtweißen“ Kulturkreisen einen Vertrauensvorschuss gewährt. Daher auch die Liebe der Linken zum Islam, bei gleichzeitiger Verteufelung des Christentums. Ersterer ist halt „schwarz“, letzteres „weiß“; ersterer ist Dritte Welt und damit gut, letzteres ist Westen und damit böse.

Das ist das ideologische Weltbild der hiesigen, postmodernen Linken

Und ich würde zustimmen, dass das in der Tat eine Form des Rassismus ist. Zwar begründen sie diesen hier sozial, das läuft aber auf das Gleiche hinaus: Es werden negative und positive Eigenschaften aufgrund der Hautfarbe zugewiesen.

Es gibt keinen Grund dafür „nichtweißen“ Kulturkreisen einen Vertrauensvorschuss in Sachen Sexismus zu gewähren. Eher im Gegenteil, wenn man sich die jeweiligen Kulturen so anschaut.

Die Theorien sind dort wirklich simpel: Sie scheinen eher der Nützlichkeit für das eigene „Gutsein“ zu folgen: „Ich darf kein Rassist sein, Rassist ist man, wenn man Farbigen seine Meinung aufdrückt, also erkläre ich dort einfach alles für gut, es sei denn, ein Farbiger sagt mir, dass ich das anders sehen darf“.

Das ist unter der Negativspirale, die eine solche Ideologie mit klaren Freund-Feind-Denken hervorbringen muss, auch eine durchaus zu erwartende Folge. Es ist nicht mehr sinnvoll, diese Abgrenzungen zu hinterfragen, wenn das Bewertungskriterium „größtmögliche Solidarität mit den Opfern“ ist und die Opfer per Definition aufgrund eines sehr starren Schemas nur in einer Gruppe vertreten sein dürfen.

Intersektionalismus stellt darauf ab, dass in jedem Merkmal (Rasse, Geschlecht, Stand, sexuelle Orientierung) eine Hierarchie besteht, bei der mit Macht den ohne Macht unterdrückt. Wer sich nicht absolut mit dem ohne Macht solidarisiert, der ist selbst ein Ausbeuter. Da die Weißen in Hinblick auf „Rasse“ nach dieser Ansicht die Macht haben, unterdrücken sie zwangsläufig die anderen, also muss man sie verdammen und die anderen unkritisch von Kritik freistellen, wenn man in diesem System Punkte gewinnen will.

Dabei finde ich es besonders interessant, dass das Kriterium „Rasse“ anscheinend über das Kriterium „Geschlecht“ gewonnen hat und nur bei sehr extremen Fällen die Kritik umschlägt. Vermutlich einfach, weil es als Kriterium in diesem Gedankenschema nicht zu leugnen ist und eben auch hier die absolute Solidarisierung erfolgen musste, sogar noch etwas mehr, weil man ja als weiße Feministin „Täter“ ist.