Heutige feministische Positionen sind in den allermeisten Fällen einfach auf Bestätigung von bereits Bekanntem angelegt.

Schoppe schreibt interessantes dazu, wie im Feminismus die Welt wahrgenommen wird:

Es hat schon einen guten Grund, warum Twitter DAS Medium des heutigen Feminismus ist: Alles, was sich nicht in 140 Zeichen sagen lässt, ist ohnehin irgendwie verdächtig.

Heutige feministische Positionen sind in den allermeisten Fällen einfach auf Bestätigung von bereits Bekanntem angelegt. Rape Culture? Feministisch ist es nicht, ernsthaft zu diskutieren, ob das ein angemessener Begriff ist – das allein wäre eigentlich schon im Ansatz Zeichen für einen „Masku-Troll“ oder „Antifem“. Feministisch ist es, die Wirklichkeit zu scannen, um Bestätigungen für das Konzept zu finden. Und so eine Bestätigung hat Roosh nun einmal geliefert.

Ein derart auf selbstbezügliche Bestätigung des Bekannten angelegtes System braucht keine langen Worte, sondern kann immer mit 140 Zeichen auskommen. „Denken“ heißt in diesem Kontext ja immer nur, erneut auf etwas zu verweisen, was eigentlich ohnehin schon alle wissen.

Wenn man aber schon alles durchschaut hat, dann kann übermäßiges Grübeln (d.h. zum Beispiel, einen Text von mehr als 140 Zeichen zu schreiben) nur in eine Abweichung von der Wahrheit führen, die man eigentlich schon erkannt hat. Das ist wohl auch ein Grund, warum etwa Wizorek bei Twitter sehr erfolgreich wurde, ihr Buch aber hauptsächlich von Gegnern gelesen wurde – ihre politischen Freunde wussten ja ohnehin immer schon, was drinsteht.

Daher ist es auch völlig sinnlos, die Welle stoppen zu wollen, die Roosh – sicherlich kalkuliert – losgetreten hat. Die Doppelbödigkeit einer Satire, die man nur verstehen kann, wenn man zwei verschiedene Gedanken gleichzeitig im Kopf haben kann: Die passt nicht zu einer Weltsicht, in der ein kurzer klarer Gedanke jederzeit ausreicht, um die Welt angemessen darzustellen

Bekanntlich fordern ja auch Feministinnen, dass sie nicht dauernd den Erklärbären spielen müssen, man möge einfach akzeptieren, dass sie Recht haben.

Hinzu kommt, dass IDPol und die Abwärtspirale „wer kämpft am deutlichsten für die Sache“ es gar nicht zulassen, dass man Grautöne wahrnimmt oder Wertungen widerspricht. Eine gute Feministin denkt nicht, sie akzeptiert, dass es eine Untat ist. Und das erst recht bei einer Satire.

Rechtfertigungen, die ich las waren:

  • Er hat jedenfalls etwas widerliches gesagt, also können wir auch dies über ihn sagen
  • Über so ein Thema kann man keine Satire machen, also ist es keine Satire
  • Mit so einem beschäftigt man sich nicht, man verurteilt ihn nicht
  • Er ist jedenfalls irgendwie für Vergewaltigung, also kann ich auch unter „make Rape legal“ vor ihm warnen
  • andere nehmen es vielleicht ernst, also kann man auch davor warnen
  • Es ist jedenfalls ein Skandal

In den Zeitungen haben teilweise auch Feministen darüber geschrieben. Ich kann verstehen, dass Zeitungen wenig Lust haben, sich gegen eine solche Massenpanik zu stellen. Keiner möchte in den Verdacht kommen einen Vergewaltiger oder jedenfalls einen Vergewaltigungsbefürworter zu schützen und dann einen Mob gegen sich zu haben. Auch wenn genau das aus meiner Sicht Aufgabe eines Journalisten ist, bevor er etwas wiedergibt, was falsch ist.

Schoppe hat jedenfalls Recht, wenn er davon ausgeht, dass der Feminismus gar nicht an einer Überprüfung interessiert ist. Wichtig ist nur, dass man etwas findet, an dem man seinen Kampf in der Sache darstellen kann. Man muss dazu auch gar nicht viel über die Sache wissen. Es ist erstaunlich, wie wenig Feministinnen teilweise über Feminismus wissen, es reicht ihnen dann anscheinend auch, wenn man sich eben über so etwas aufregen kann.

 

Identitätspolitik und ihre negativen Seiten

Ein Artikel beleuchtet die negativen Seiten einer Identitätspolitik: Dabei führt er an, dass alle Bereiche und Richtungen durchaus diese Politik gerne nutzen und sich gerne als Martyrer für eine bestimmte unterdrückte Gruppe darstellen, sei es Weiße, die anführen, dass sie nunmehr die Unterdrückten sind, weil andere anderen aufgrund ihres Unterdrücktenstatus gefördert werden und sie ausgeschlossen werden, seien es Religiöse, die sich in dieser Eigenschaft eingeengt fühlen oder eben die klassischeren Minderheiten.

It seems that the more we define our politics with reference to our gender or race or sexuality, the more inclined we are to declare ourselves victims of discrimination or oppression—to interpret a relatively innocuous yoga class as an attack on our personhood, in Monson’s case, while his critics turn their noses up at anyone who ticks the “white privileged male” box.

Identity politics allow people to claim the moral high ground from a precious position of victimhood, whether they’re the offending party or the offended one.

Indeed, it’s not just the personal that’s political anymore but the biological, too, to the extent that political arguments are based entirely on skin color or sex.

Mit einer Identitätspolitik wird es also einfacher, sich zum Opfer zu machen, einfach in dem man Vorurteile gegen die Gruppe anführt und daraus eine Schlechterbehandlung anführt. Das kann natürlich auch durchaus ein Grund sein, problematisch ist es aber dann, wenn man damit andere Gründe generell abtut und sich so einer Begründung enthebt: Das passiert auf beiden Seiten der Geschlechterdebatte gern, gerade wenn man aus dem Umstand, dass ein Geschlecht in einem Bereich in geringerer Anzahl vertreten ist, also zB beim Gender Pay Gap auf der einen Seite oder bei der Frage, wer bei einem Residenzsystem eher das Aufenthaltsbestimmungsrecht bekommt auf der anderen Seite.

Als weiteres Beispiel wird dann der hier auch bereits diskutierte Fall angeführt, dass Jennifer Lawrence sich aufgrund ihres Geschlechts diskrimiert sah, weil sie für den Film „American Hustler“ weniger bekommen hat als männliche Stars. Dabei spielten dann Punkte wie diese keine Rolle mehr:

But her salary on the film may not have boiled down to what’s beneath her underwear after all.

Deadline Hollywood recently reported that Lawrence was brought on to the film later than her co-stars, with whom deals had already been made on a production that was strapped for cash to begin with.

Lawrence reportedly “worked 19 days and was paid $1.25 million and got $250,000 in deferred compensation,” while Bradley Cooper “worked 46 days for $2.5 million and nine points.”

But no one wants to hear the details of why Lawrence may have earned less than her male co-stars: They simply don’t fit the “Hollywood is sexist” narrative that most of us have accepted as fact.

 

Vergleicht man die Arbeitstage (die ihr dann ja auch Zeit für andere Projekte lassen), dann scheint die Bezahlung nicht so ungerecht. Es scheint also nicht nur ihr Geschlecht gewesen zu sein (wenn Tage denn eine entsprechende Rolle spielen bei der Bezahlung, wovon ich aber ausgehe).

Identity politics are increasingly replacing the politics of ideas, weakening the moral and substantive power of any argument on both sides of the political spectrum.

Man braucht eben keine Argumente mehr, wenn man einfach „Diskriminierung“ rufen kann.

Ein weiteres dort aufgeführtes Beispiel (dort etwas länger) wäre Hillary Clintoon:

When asked about a surge in voter support for “outsider” candidates, Clinton said that being a woman certainly made her qualify as an outsider—that she “can’t think of anything more of an outsider than electing the first woman president.”

She was quick to add that there’s a lot more to her candidacy than being a woman, but she’s playing the gender card much more than she did during the 2008 presidential campaign

Das ist sicherlich auch der Versuch direkt zum einen an eine In-Group „Frauen“ aber auch an das Gefühl zu appellieren, dass man an einer „historischen Wahl“ bzw „historischen Chance“ mitwirkt, eben die erste Frau als Präsidentin zu wählen.

Und das Fazit:

Identity politics allow people to claim the moral high ground from a precious position of victimhood, whether they’re the offending party or the offended one. We need a return to a culture that prioritizes the politics of ideas over the politics of identity and biology.

Minorities are victims of very real discrimination, which makes it all the more unseemly when a white man adopts victim rhetoric to make a political point. (Think Bill O’Reilly insisting progressives were waging a “war on Christmas.”)

But to revile and demonize the “white, privileged male” does not make you a more moral person. Likewise to side with the Hollywood star who has a vagina over the Hollywood star with a penis.

The end result is always divisive.

Also der Appell, dass alles weg kommen von einer reinen Identitätspolitik, auch als Reaktion auf andere Identitätspolitiken, da ein Wettlauf in dem Bereich nichts bringt und statt dessen zu Fakten zurückzukehren.

 

Zu Zerfleischungen im Feminismus: Lann Hornscheidt als Rassist

Der radikale intersektionale Feminismus ist aus meiner Sicht nicht der Lage, jemals eine dauerhaft konstruktive Arbeit im größeren Stil zu ermöglichen. Er verliert sich in seinen vielen hierarchisch aufgebauten Diskriminierungsebenen, in der es keine Rücksicht oder keine minderschwere Tat geben darf, sondern alle Taten zu Distanzierungen und Ausschlüssen führen müssen, die eine solche Szene entweder zerreißen oder eben relativ homogen machen müssen. Konflikt ist insbesondere dann vorprogrammiert, wenn nichtintersektionale Feministinnen die anderen Ebenen ignorieren und einfach Feminismus betreiben wollen oder wenn zwei ungeklärte Diskriminierungsebenen aufeinanderstoßten. Dies scheint gerade mal wieder passiert zu sein, und zwar in der Form der Ebenen „Transsexualität“ und „Rasse“.

Die Fachschaftsinitiative der Humbold-Uni aus dem Bereich Gender Studies berichtet:

Liebe Student*innen der Gender Studies, liebe Interessierte,

Anfang Juli 2015 sah sich die weiß und mehrheitlich cis*-positionierte Fachschaft Gender Studies (FSI) dazu gezwungen, eine weiß und trans*-positionierte Person (R.) auszuschließen.

Das ist ja ersteinmal schon ein Skandal: Anscheinend schafft es die Fachschaftsinitiative nicht hinreichend ihre eigenen Privilegien zu hinterfragen und ist weißpositionierte (nicht: mehrheitlich weiß). Eigentlich schon ein Armutszeugnis und selbst Hinweis auf Rassismus. Aus diesem wurde nunmehr eine weiß und transpositionierte Person ausgeschlossen. Eigentlich ist bereits bei dieser Formulierung und Hervorhebung klar, dass es um Rassismus gehen wird.

Im Rahmen seiner_ihrer Fachschaftsarbeit kam es zu massiven rassistischen Äußerungen und Handlungen durch R. Dass erstmalig so ein drastischer Schritt, ein Ausschluss, nötig ist, möchten wir an dieser Stelle begründen und unsere Entscheidung öffentlich darlegen. Denn Rassismus ist keine Privatangelegenheit!

Im Zuge eines Seminars der Gender Studies bei Lann Hornscheidt im Sommersemester 2015 wurde gegen den, von Lann Hornscheidt ausgeübten, Rassismus interveniert. Eine beteiligte, cis-positionierte, PoC (N.) hat nach der Intervention die FSI davon in Kenntnis gesetzt.

Lann Hornscheidt wird Rassismus vorgeworfen, und das ansscheinend in einem Maße, das ein „intervenieren“ der PoC (ist es eigentlich rassistisch eine PoC mit „N.“ abzukürzen?) erforderlich war und die „Fachschaftsinitative verständigt wurde.

Hier ist eigentlich für einen Kenner dieser Theorien bereits klar: Wenn ein PoC Rassismus vorwirft, dann liegt auch Rassismus vor. Widerspruch ist bereits selbst Rassismus, da sich gerade eine Weiß positionierte Fachschaftsinitiative natürlich nicht anmaßen darf, dass sie sich in dem Bereich besser auskennt als die PoC.

R.s Reaktion darauf war in mehrfacher Hinsicht anmaßend und diskriminierend. Als weißeTrans*-Person verlangte R. von der WoC spezifische Auskünfte über die race- und gender-Positionierungen innerhalb der Interventions-Gruppe. Denn schließlich sei derweiße Raum, in dem interveniert wurde, ein Schutzraum für Trans*-Personen. Somit müsse, als Legitimation, ein_e Trans*Inter*GnC (Gender non Conforming) PoC oder Schwarze_r in die Intervention involviert sein. Wenn ein_e solche_r nicht gefragt werden könne, müsse letztlich eine weißeTrans*Inter*GnC Person die Erlaubnis erteilen, in einem „weißen Trans*Schutzraum“ zu intervenieren, zum Beispiel R. selbst.

Ich übersetze das mal: R war der Meinung, dass N. es etwas übertreibt und Lann Hornscheidt hier nicht etwa rassistisch war, sondern die Interessen von Transpersonen vertreten hat. Da R bewußt war, dass ausschlaggebend für das Ergebnis war, wessen Opferperspektive berücksichtigt wird, fragte er, wie sich die Gruppe zusammensetzt: Wenn da nur Schwarze oder sonstige „Nichtweiße“ vertreten wären, dann wäre zu befürchten, dass eine „Verurteilung“ wegen Rassismus erfolgt. Wären hingegen auch Transsexuelle oder zumindest Personen, die sich weniger deutlich einem Geschlecht zuordnen vorhanden, dann wäre die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Position, die er wahrscheinlich bei Lann Hornscheidt sieht, eher berücksichtigt wird und zumindest dem Rassismusvorwurf entgegengehalten wird.

Vergleichbar wäre dies bei einem Vorwurf der katholischen Kirche zur Zeiten der Hexenprozesse, bei der ein Heiler beschuldigt wird, schwarze Magie auszuüben und jemand darauf bedacht ist, dass in der Inquisitionsgruppe nicht nur Geistliche, sondern eben auch Heiler vorhanden sind und dieser Nachfragt, wie sich die Personen, die in Betracht kommen einordnen: Sieht sich einer vielleicht als Heiler? Dann wäre es günstiger.

Es ist also im Prinzip ein klassisches „die Revolution frisst ihre Kinder“, bei dem eine der revolutionären Gruppen bei einem Prozess über einen der seinen möglichst viele eigene unter den Richtern wissen will.

Anscheinend wird auch angeführt, dass in diesem Moment, in dem Lann Hornscheidt seinen Rassismus gezeigt haben soll, nur Weiße anwesend waren und in dieser Zusammenhang eben der Schutz von Transsexuellen vorgehen würde. Also vielleicht so etwas wie „Unter Weißen darf man doch wohl mal sagen, dass Transsexuelle in vielen Ländern mit schwarzer Bevölkerung sehr stark diskriminiert werden, dass ist dann nicht rassistisch, sondern ein Hinweis auf die Diskriminierung von Transsexuellen“.

N. weigerte sich, Auskünfte über die Positionierungen der Beteiligten zu geben. Die WoC wies R.s uneinsichtiges Beharren auf Antworten und diese Argumentationsweise an sich, als Ausdruck rassistischen Derailings und weißen Dominanzgebärens entschieden zurück.

Klar, das Ansinnen, dass man ein Inqusitionsgericht zur Aufklärung von Hexerei nicht mit Geistlichen besetzen kann,sondern auch einen Heiler einbeziehen müsste, ist Anzweifeln der heiligen Ordnung und damit Abwertung der Geistlichkeit. Als ob nur Heiler entscheiden könnten, was Heilerei und was Hexerei ist und da einen Wissensvorsprung hätten!

Interessant wäre es gewesen, wenn R. ein schwarzer Transsexueller gewesen wäre. Dann hätte man diese Unterscheidung schwerer machen können und hätte auch die Transsexualität eher berücksichtigen dürfen. Aber die Verteilung ist ansonsten eben einfach: In der Kategorie „Rasse“ ist der Weiße der Unterdrücker und der Schwarze der Unterdrückte. Damit kann nur ein Schwarzer bzw. ein PoC entscheiden, ob Rassismus vorliegt, niemals aber ein Weißer. Der Wunsch, wenn er auch eigentlich auf eine andere Kategorie bezogen ist, kann nur „weißes Dominanzgebären“ sein.

Die FSI hält R.s Argumentation für falsch und rassistisch:
Eine PoC oder Schwarze Person braucht weder die Erlaubnis einer weißen Person, um gegen Rassismus zu intervenieren, noch ist sie ihr Rechenschaft oder Auskunft schuldig. Deswegen sind die tatsächlichen gender- und race- Positionierungen an dieser Stelle auch irrelevant.

Ein geistlicher braucht keine Erlaubnis eines Weltlichen um gegen Hexerei zu intervenieren. Er muss auch keine Rechenschaft oder Auskunft geben. Natürlich ist es irrelevant, was er sonst noch vertritt, denn die Opferfrage bestimmt die Richter. Wenn Rassimus vorliegt, dann geht es eben nur um Rassismus. Wenn dann eine andere Kategorie mit hineinspielt dann ist es Sache dieser Kategorie, einen Ausweg zu finden. In meinem Beispiel wäre dieser beispielsweise gewesen, darauf hinzuweisen, dass aufgrund des Kolonialismus leider die Binarität der Geschlechter in vielen afrikanischen Ländern noch eine starke Position hat und dieser daher für Transsexuelle problematisch sein kann, dass aber natürlich dafür nicht etwa PoCs verantwortlich sind, sondern eben der Kolonialismus. Oder man hält über dieses Problem einfach den Mund.

Das Nachfragen an sich, als auch der Glaube, ein Recht auf eine Antwort zu haben, sind in diesem Zusammenhang rassistisch. Als weiße Person die Beteiligung einer Schwarzen oder PoC Trans*Inter*GnC-Person an einer antirassistischen Intervention gegen eine weiße Lehrperson zu fordern, verstehen wir als Tokenizing (Instrumentalisierung).

Den letzten Satz finde ich interessant. Denn sie betonen hier ja gerade beständig die Wichtigkeit der Hautfarbe und das er ein Weißer ist. Wenn er nun will, dass auch eine Trans*Inter*GnC-Person beteiligt ist, um ihre besondere Unterdrückungserfahrung einzubringen, dann soll das wieder eine Instrumentalisierung sein.

Die Darstellung dieses, weiß dominierten, Seminarraums als Schutzraum für Trans*-Personen trifft unserer Ansicht nach nicht zu. Es handelt sich um ein Universitätsseminar und nicht um einen Schutzraum. Selbst wenn der Raum trans*freundlich wäre, so wäre er dies nur für weiße Trans*-Menschen, da er rassistisch strukturiert ist, wie alle Uni-Räume hier. Daher kann er kein „sicherer“ Raum für Schwarze oder PoC sein, gleich welcher Gender-Positionierung oder sexuellen Orientierung. Somit kann ein weißer Raum niemals als Schutzraum fungieren.

Der Hinweis ist innerhalb dieser Theorie in der Tat wenig überzeugend. Es kann keine Schutzräume für Rassismus geben, auch nicht, wenn dieser Rassismus eigentlich nach Sicht des Sprechers nur Interessenvertretung von Transpersonen ist. Ob Schwarze im Raum sind ist da natürlich vollkommen irrelevant.

Und: Rassismuskritik zerstört oder destabilisiert keine Räume, sondern Rassismus und white supremacy (weiße Vorherrschaft)! Wenn weiße Räume als „meine Räume“ bezeichnet werden, wie R. es mehrfach tat, ist das nichts anderes als der traurige Versuch, den rassistischen Status Quo aufrechtzuerhalten.

In der Tat. Das ist ein reichlich bescheuerter Einwand, wenn man mitten in der Theorie steckt. „Meine Räume“ finde ich auch eine sehr komische Bezeichnung.

Über diese rassistischen Äußerungen hinaus wurde N. fremdpositioniert und abgesprochen GnC zu sein. Ihr wurde vorgeworfen, das Konzept der Intersektionalität nicht zu verstehen. Dieser Vorwurf ist nicht nur gegenüber einer mehrfachdiskriminierten queeren WoC, sondern auch inhaltlich fehl am Platz. Neben der Zuschreibung Intersektionalität nicht zu verstehen, auch den Missbrauch der Definitionsmacht vorzuwerfen, ist zynisch. Strukturell besitzen weiße Menschen Definitionsmacht, insbesondere über Rassismus.

„Fremdpositioniert“ ist auch ein geiler Vorwurf. Den kann man eigentlich fast immer bringen. Wenn man „Transrace“ vertritt sogar in Bezug auf die Hautfarbe.

R. hat hier also gesagt, dass N nicht versteht, dass es hier nicht um Rasse, sondern um Transsexualität geht und demnach auch eine Person beteiligt werden muss, die diese Perspektive einbringt. Da hat R ja auch durchaus einen Ansatzpunkt, nur wäre das  bereits ein Zugeständnis, dass Transsexualität zu verteidigen einem erlauben soll rassistisch zu sein. Was eben nicht geht. Dazu hatte ich oben bereits etwas geschrieben. Zwar kann ein Zustand Transsexualität und Rassismus betreffen, er muss dann aber so behandelt werden, dass keiner Opfer ist. Auch wenn man dazu etwas unter den Tisch fallen lassen muss.

R. verübte massive Grenzüberschreitungen, unter anderem vor allem dadurch, dass N.s  ausdrückliche Bitte, keine Mails mehr zu erhalten, nicht respektiert und stattdessen verhöhnt wurde. Vielmehr folgten daraufhin, über mehrere Tage hinweg, über 20 weitere E-Mails. Dabei gab es sexistisch-rassistische Beleidigungen und Drohungen durch R.

Die FSI hat den Anspruch, Trans*feindlichkeit ernst zu nehmen und begrüßt die Auseinandersetzung mit und das Vorgehen gegen diese Diskriminierungsform.
Das Nicht-Eingehen auf rassistisch konnotierte Nachfragen zu einer antirassistischen Intervention ist jedoch keine Trans*feindlichkeit. Wir halten R.s Behauptung, N. hätte sich in diesem Konflikt trans*feindlich verhalten, für victim blaiming (Täter_innen-Opfer-Umkehr). Auf eine Rassismuskritik zu reagieren, indem die eigenen, weißen Befindlichkeiten und Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt werden, verstehen wir als Derailing (Ablenkung vom eigentlichen Thema/ vom eigenen diskriminierenden Handeln).

Das problematische ist hier denke ich mal wieder, dass die eigenen Privilegien ungern hinterfragt werden und nicht gesehen wird, dass sich die eigene Ideologie jederzeit gegen einen wenden kann. Gerade Personen, die wie Transsexuelle, sonst sehr weit oben in der Opferhierarchie dieser Ideologie stehen, verkennen, dass sie dennoch in den meisten anderen Katgorien Täter sind und sich entsprechend verhalten müssen. Diese Perspektive ist, gerade wenn man eigene Interessen beeinträchtigt wird („Aber gerade schwarze Länger SIND besonders Transfeindlich“) natürlich schwer einzusehen.

Die dargelegten rassistischen Handlungen können wir nicht tolerieren. Sie sind unvereinbar mit unserem Selbstverständnis als Fachschaft. Eine weitere Zusammenarbeit mit R. ist so nicht möglich.
Fachschaftsinitiative Gender Studies

Klar, denn ein dulden wäre ja auch eine Duldung von Rassismus und damit ein Ende des Selbstverständnisses als „Die Guten“.

Ich bin wirklich gespannt, was Lann Hornscheidt gesagt haben soll und ob man dazu, nachdem die „Interventionsgruppe“ tätig war, etwas mehr erfährt. Auch interessant wird, wie Lann Hornscheidt darauf reagiert.

Es ist ja schon interessant, dass eine Person, die Bücher mit dem Titel “ Rassismus auf gut Deutsch. Ein kritisches Nachschlagewerk zu rassistischen Sprachhandlungen“ mit herausgegeben hat und als „Expertin für Rassismus“ gehandelt wird, des Rassismus beschuldigt wird.

Identitätspolitik versperrt den Blick auf alles außerhalb der Gruppe

Gerade stolperte ich noch mal über einen älteren Kommentar von Nick, den ich gerne noch mal einstellen will:

Es ging in dieser Hinsicht um den „pragmatischen Alltagsfeminismus“ und seine Art, eher auf den konkreten Fall und die persönlichen Erfahrungen abzustellen. Nick meinte dazu:

Hmm. Ich habe auch mit diesem Gedanken gespielt. Bis aus der Ecke der Einwand kam, dass doch schließlich niemand wissen könne wie sie sich in ihrem persönlichen Leben positioniere.

Also darum geht es offenbar: the personal is political. Was sollte “Alltag” in diesem Kontext auch anders bedeuten?

The personal is political, also termed The private is political, is a political argument used as a rallying slogan of student movement and second-wave feminism from the late 1960s. It was a challenge to the nuclear family and family values.[1] It differentiated the second-wave feminism of the 1960s and 1970s from the early feminism of the 1920s, which was concerned with achieving the right to vote for women. The phrase was popularized by feminist Carol Hanisch in her 1969 essay of the same name.

(Diese Sicht auf den 1st Wave ist wohl .. etwas fragwürdig)

http://en.wikipedia.org/wiki/The_personal_is_political

Zu Pragmatismus:

We have not done much trying to solve immediate personal problems of women in the group. We’ve mostly picked topics by two methods: In a small group it is possible for us to take turns bringing questions to the meeting (like, Which do/did you prefer, a girl or a boy baby or no children, and why? What happens to your relationship if your man makes more money than you? Less than you?). Then we go around the room answering the questions from our personal experiences. Everybody talks that way. At the end of the meeting we try to sum up and generalize from what’s been said and make connections.

http://www.carolhanisch.org/CHwritings/PIP.html

Diese Vorgehensweise unterscheidet sich stark von herkömmlicher politischer Theoriefindung. Herkömmliche politische Theoriefindung schaut erstmal, was so alles zu dem Thema schon gedacht wurde und welche Strömungen es gibt, und versucht, dies zu bewerten und sich dazu zu positionieren. Evtl. wird auch alles, was es gibt begründet verworfen. Es wird versucht, Persönliche Erfahrungen (->Alltag) in einen Kontext zu bereits Gedachtem und Praktiziertem zu stellen. Hier wird hingegen versucht, aus gemeinsamen persönlichen Erfahrungen eine Struktur herauszukristallisieren. Man erfindet (scheinbar) das Rad neu.

Wenn man Politik als das Treffen kollektiver Entscheidunden begreift, dann hat man hier also, als wie auch immer geartetes Kollektiv “Feministinnen”, die Entscheidung getroffen diverse persönliche Probleme als Probleme einer Identitätsgruppe in einem gemeinsam herauszuarbeitendem gesellschaftlichen Kontext zu betrachten, und eine Opposition dazu zu formieren.

Grundsätzlich ist das nicht verkehrt: Auch Männerrechtler sehen diverse Probleme in ihrem sozialen Nahbereich als Phänomene eines gesellschaftlichen Kontextes. Allerdings wird bei Männerrechtlern offenbar sichtbarer, was passiert wenn alleine die persönlichen Erfahrungen zum Maßstab gemacht werden und anhand dessen ein Weltbild gestrickt wird.

Eine Neigung, sämtliche persönlichen Probleme in diesen Deutungsrahmen zu stellen ist dabei fast nicht vermeidbar. Da man diese Probleme als Konflikt seiner Identitätsgruppe vs. “der Anderen” deutet, versperrt man sich so den Blick für gegenseitige Bedingtheiten, für individuelle Komponenten und für gesellschaftliche Bedingungen, die auf alle Beteiligten des sozialen Umfeldes einwirken.

Es besteht insbesondere die Gefahr, dass man alles, was irgendwie frustrierend oder verletzend ist, als Symptom eines Interessenskonfliktes der eigenen Identitätsgruppe vs. “der Anderen” deutet. Gruppendynamiken tragen dazu bei, dass man sich darin gegenseitig enorm bestärkt.

Wenn man anhand so entwickelter Theorien dann auch noch Makropolitik entwickelt, ist dann alles zu Spät: Man betreibt eine reine Feindkollektivpolitik.

Das zeigt aus meiner Sicht in der Tat die Gefahr auf, die eine solche Betrachtung mit sich bringt: Wenn man seine eigenen Erfahrungen und Gefühle zugrunde legt und diese nur innerhalb der eigenen Gruppe abgleicht, dann versperrt man sich eben schnell die Perspektive auf die die andere Seite.

Bei radikalen Feministinnen entsteht dann aus dem gemeinsamen Gefühl, dass Männer mehr erreichen können, das Gefühl der Unterdrückung, bei radikalen Maskulisten aus dem Gefühl, dass sie an die Frauen zahlen das Gefühl des Ausgebeutet-Seins etc

Diese Gefühle werden gegenseitig verstärkt und absolut gesetzt, die andere Perspektive kommt dabei schnell zu kurz.

Ein passender Tweet dazu:

https://twitter.com/Mandelbroetchen/status/531376705039241216

„Bewegungen verlieren Realitätsbezug, wenn sie sich mit ihren Zielen gleichsetzen und Kritik an der Gruppe als Angriff auf die Ziele werten.“

 

 

„Liebe Feministinnen, es grüßt die Realität“

Mir kommt es so vor als würde mit zunehmenden Gewicht des radikalen Feminismus in der Netzwelt, sichtbar beispielsweise am Wandel in der Mädchenmannschaft, auch einiges mehr an Kritik laut werden.

Hier ist wieder jemand am schimpfen:

Ich habe keinen Bock, jedes Scheiß-Nomen durchzugendern. Ich habe keinen Bock, bei jeder Äußerung fünf mal nachzudenken, wen ich damit jetzt wenn er-sie-es einen schlechten Tag hat gefühlt diskriminieren könnte, es kotzt mich an, dass Männer/Nichtfeministen/Andersdenkende (jaaaaahaaaa, ich setzt mich grad mit Wonne in die Nesseln) belehrt, bevormundet und rund gemacht werden. Ich finde es ätzend, dass das Weibsvolk statt sich in Solidarität und schlüssiger Argumentation zu üben (und ja, ich denke, das sollte auch Männer und alles dazwischen mit einbeziehen) sich über die “reine Lehre” streitet, sich gegenseitig vorhält, wer wie viel und vor allem viel viel mehr/ härter/ erfolgreicher/ erfolgloser/ geradliniger/ politisch korrekter arbeitet, missioniert, reproduziert oder erzieht. Dabei werden fröhlich Randgruppen ausgegrenzt, Stereotypen abgearbeitet und Energien sinnlos verpulvert, die weissgott anderweitig sinnvoller eingesetzt wären.

Hier geht es also sowohl um den arroganten Ton, der oft innerhalb des Feminismus herrscht gegenüber „Andersdenkende“ als auch um die ewigen Grabenkämpfe wer nun korrekter ist und damit IDPOL besser umsetzt bzw. die Unterdrückungsolympiade gewinnt. Der Feminismus braucht eigentlich Gegner nur am Rande, er ist wunderbar in der Lage sich selbst zu zerfleischen. Momentan ist es gerade der Rassismusvorwurf, der quasi zu einer Lähmung führt, weil man vor lauter Awarnessteams und politischer Korrektheit die Gleichberechtigung komplett aus den Augen verloren hat.

Da stellt also einer so nen Beton-Mensch-ärger-dich-nicht in seinen Eingang. Geht halt woanders hin. Gibts keine Cafés in Berlin mehr? Da war auf dem Slutwalk irgendwas mit *politischkorrekt* People of Color und es gibt ein Riesengeschrei, dass das plötzlich ne rassistische Veranstaltung sein könnte und ausserdem ja kein safe-space wäre und es die Veranstalter/Initiatoren nicht geschafft und sich auch nicht ausreichend bemüht hätten, dafür zu sorgen, dass es einer wird. Hab ihr das selbst schon mal gemacht? So `ne Veranstaltung? Und dafür gesorgt, dass jede/r Anwesende sich uneingeschränkt zu jedem Zeitpunkt sicher gefühlt hat und in seiner Gesamtpersönlichkeit gewürdigt und bei allen Eventualitäten sein uneingeschränktes Wohlbefinden gewährleistet war?

Nein? Wundert mich nicht. Ist nämlich utopisch. Geht nicht. Es grüßt die Realität.

Realität? Welch seltener Aufruf innerhalb des Feminismus mir dies zu sein scheint. Aber sehr berechtigt. Die Auffassung, dass man etwas absolut kritiklos gestalten könnte ist in der Tat naiv und das immer feinere Untergliedern der Benachteiligungen und das Empören über kleinste subjektive Grenzüberschreitungen führt garantiert nicht zu einer besseren Welt, sondern nur dazu, dass sich die verschiedenen Gruppen hin auf Verletzungen belauern und sich gegenseitig beschimpfen, dass die jeweiligen Grenzen nicht eingehalten werden.

Wie also soll man sich entwickeln?:

Anyone sich mal überlegt, dass Dinge die gut gemacht werden sollen auch Spaß machen müssen? So macht Feminismus, Frauenarbeit, Engagement für Weiberkram keinen Spaß. Gestreite, Rechthaberei und Selbstdarstellung. Und zwar auf Kosten anderer. Auf Kosten derer, für die ihr eigentlich sprechen und arbeiten wollt: andere Frauen.

Nehmt doch mal bitte die Stöcke aus dem Arsch. Fasst euch mal an den Händen und seid nett zueinander

Ein nobler Aufruf. Wird aber nicht klappen, denn IDPOL ist wie eine Droge und verstärkt sich selbst.

Ein wenig mehr Nettigkeit und Sachlichkeit wäre aber in der Tat nett.

Tag der deutschen Einheit

Vielleicht noch kurz ein paar Gedanken zum Tag der Deutschen Einheit:

  • Mit Ostdeutschland und Westdeutschland sind zwei Länder zusammengekommen, die nicht lange getrennt waren. Insoweit war es trotz teilweise sehr verschiedener Kulturen und verschiedener sozialer Prägungen durch verschiedene politische Systeme einfacher als zB bei der Europäischen Union sich gegenseitig als In-Group zu sehen.
  • Dennoch zeigten sich auch hier viele Unterschiede, eben auch aufgrund der Kultur und ein gewisses Out-Grouping war die Folge, etwa in Folge von Ossis und diesbezüglichen Witzen oder in Bezug auf Besserwessis, die als eingebildet wahrgenommen wurden.
  • Es zeigte sich dennoch, dass der Mensch weniger an Gleichheit als an Wohlstand interessiert ist. Der Osten mag gleicher gewesen sein, aber er bot ein geringeres technisches Niveau und war ärmer, meiner Meinung nach als Folge der Ausschaltung von Wettbewerb. Insofern ist es kein Wunder, dass die Vereinigung vom Osten ausging und viele Ostdeutsche aus den ärmeren Bereichen des Ostens in den Westen aufgebrochen sind.
  • Interessanterweise sind eher Männer im Osten geblieben als Frauen, insbesondere junge Frauen. Vielleicht war aus deren Sicht der Wechsel leichter, weil sie eben dort auch interessantere Männer vermuteten? Oder sie waren einfach realistischer und weniger an den Ort gebunden.
  • Heutzutage merkt man meist nur noch bei einem Dialekt, ob die Leute aus dem Osten kommen. Insofern ist die Angleichung gut geglückt. Ob dies im Osten noch anders ist und man dort eine ostdeutsche Kultur eher bewahrt hat, würde ich interessant finden.
  • Ein interessanter Aspekt der modernen, hochtechnisierten Welt mit ausgeprägten Sozialstaat ist, dass sich die „Eroberung“ neuer Länder weniger lohnt als zu anderen Zeiten. Heutzutage kann man keinen Tribut aus solchen Ländern mehr herauspressen, man zahlt eher selbst drauf, wenn man dort das gleiche Sozialsystem vorhalten muss. Eine direkte Schlechterstellung ist nicht mehr möglich. Es lohnt sich eher, dort die Handelsbeschränkungen abzubauen und die Länder rein wirtschaftlich zu erobern.Vielleicht auch ein Grund, warum Kriege zwischen kapitalistischen Demokratien mit freier Marktwirtschaft und hohem Lebensstandard nicht geführt werden.

 

 

 

Institutionalisierte Geschlechterpolitik und Identitätspolitik

Leser Nick schreibt in einem Kommentar:

Ich bin äußerst skeptisch gegenüber Identitätspolitik, weil jede Identitätspolitik irgendwann “umkippt” und zur pöstchenerhaltenden Politik der sich dann etablierenden Funktionäre wird.

Der real existierende Feminismus ist ein Paradebeispiel dafür: Er baucht den “Gegner” eben geradezu existenziell, um seine politischen Strukturen am Laufen zu halten.

Die wenigsten Frauen fühlen sich vom real existierenden Feminismus vertreten – warum sollte man ihn also als “Verhandlungspartner” auch nur in Erwägung ziehen?

Ein institutionalisierter Maskulismus würde den Job imho auch nicht unbedingt besser machen, würde sich ähnlich entwickeln, wenn ihm Pöstchen und Staatsmacht verliehen würde.

Weder Männer noch Frauen brauchen eine institutionalisierte Vertretung, die meisten Menschen sind in der Lage, eine Meinung zu vertreten. Die meisten wollen weder einen Maskulismus noch einen Feminisus, und die meisten Frauen lehnen auch z.B. sowohl das aktuelle Sorgerecht als auch die Benachteiligung von Jungen ab.

Ganz vermeiden lässt sich Identitätspolitik zwar offenbar nicht, aber ich würde das Ziel nicht in einer institutionellen Vertretung sehen, sondern darin, auf einer möglichst breiten Basis festgefügte und habitualisierte radikalfeministische bzw. geschlechterreaktionäre Interpretationsmuster ans Tageslicht zu zerren, Selbsthemmungen abzubauen und so möglichst breite Diskussionen zu entfachen.

Wenn die institutionalisierte, vom Staat eingesetzte Diskushoheit in der Geschlechterfrage perdu ist, dann kann man ja wieder jedes einzelne Problem gesamtgesellschaftlich und auf Augenhöhe breit diskutieren und demokratisch lösen.

Es sieht mir ganz danach aus, als wären wir auf gutem Weg dahin, wenn die GesterKempers schon panisch so einen Schrott in die Waagschale werfen.

In der Tat ein großes Problem. Wenn eine bestimmte Identitätspolitik betrieben wird, dann neigt diese Identität dazu eine Abgrenzung zu brauchen und sich anhand ihrer Gegner zu definieren. Genau dies führt dann wieder zu einer Institutionalisierung der ganzen Sache und damit zu verkrusteten Strukturen und Personen, die beweisen müssen, dass sie auch wirklich fest im jeweiligen Lager stehen und „für die Sache kämpfen“.

Andererseits ist eine Institutionalisierung auch kaum zu vermeiden, wenn man einen gewissen Einfluss aufbauen möchte und es um die Besetzung von Positionen und Funktionen geht.

Man kann wohl immer nur versuchen, einen Humanismus, eine Gleichberechtigungspolitik als Ziel auszugeben und eine Instituitionalisierung in diese Richtung zu lenken, wenn sie eintritt.

Wie denkt ihr bekommt man das Problem in den Griff?