Bekleidungsvorschriften in der Schule, Hotpants und Rape Culture

Bei Twitter und in den Medien hat es schon ordentlich die Runde gemacht: Das „Hotpants-Verbot“. Der Spiegel berichtet:

Der Elternbrief war kurz und eindeutig. „In letzter Zeit müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind“, schrieb Bianca Brissaud, Schulleiterin in Horb-Altheim. Das Kollegium habe sich entschlossen, „dass wir an unserer Schule keine aufreizende Kleidung dulden wollen“.

Damit wolle man „zu einem gesunden Schulklima beitragen“, heißt es in dem Schreiben weiter, das der „Schwarzwälder Bote“ am Montag dokumentierte. An der Schule gelte ab sofort die Regel: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants…), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ Trotz geschlechtsneutraler Formulierung an einzelnen Stellen werden im Elternbrief dezidiert nur die Schülerinnen der Realschule angesprochen, heißt es in dem Bericht.

Anderen Schulen ist zu lockere Kleidung ebenfalls ein Dorn im Auge. Die Friedrich-Voith-Schule in Heidenheim hält T-Shirts mit Schullogo für freizügig gekleidete Schüler bereit. Am Würzburger Deutschhaus-Gymnasium sind bauchfreie Tops, Hotpants und – für Jungen – ärmellose Shirts verboten. Und am Heidehof-Gymnasium, einer evangelischen Privatschule in Stuttgart, müssen sich zu leicht gekleidete Schüler in schwarze XXL-T-Shirts hüllen.

 

Aus meiner Sicht etwas sachlicher hier in den Stuttgarter Nachrichten:

Hautenger Minirock, ultrakurze Hose oder tiefer Ausschnitt – gerade Schülerinnen zeigen im Hochsommer gerne Haut und Bein. Für die einen ist das Provokation, andere sprechen von Mode.

In den Klassenzimmern an Baden-Württembergs öffentlichen Schulen dürfen die Kids in der Regel anziehen, was sie wollen. „Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen“, sagte ein Sprecherin des Kultusministeriums am Donnerstag in Stuttgart. Kleiderregeln oder gar Vorschriften gebe es an öffentlichen Schulen nicht. Gefährdeten Hotpants allerdings den Schulfrieden – sprich schauen die Jungs eher auf die Beine der Mädchen denn an die Tafel – darf die Schule eingreifen. (…)

Am Stuttgarter Heidehof-Gymnasium, einer evangelischen Privatschule, liegen auch solche T-Shirts bereit, in schwarz und XXL-Größe. „Es gibt grundsätzlich Gespräche mit den Schülern, wie wir das gerne hätten“, sagte Schulleiter Berthold Lannert über die Kleidungsvorstellungen des Hauses an besonders heißen Tagen.

Wer immer mit zu wenig Stoff am Körper im Klassenzimmer sitze und uneinsichtig sei, müsse solch ein übergroßes Shirt tragen: Bisher sei das aber erst zweimal vorgekommen – und zwar nicht wegen einer zu kurzen Hose eines Mädchens: Zwei Jungen trugen Hänge-Hosen mit dem Schritt in den Kniekehlen – freier Blick auf die Unterhose inklusive.

An dieser anderen Schule waren also nur Jungs bisher die „Opfer“ einer solchen Kleidervorschrift.

Meine Meinung dazu ist gemischt:

  • ich würde auch sagen, dass eine gewisse Zurückhaltung geboten ist. Die persönliche Kleidung des einzelnen geht erst einmal die Schule nichts an.
  • Allerdings sehe ich sehr wohl eine Berechtigung zum Eingreifen, wenn sich dies auf den „Schulfrieden“ auswirkt und gleichzeitig die Maßnahme nicht die Grenzen des Zumutbaren überschreitet. Das ist die im Verwaltungsordnungsrecht sehr verbreitete Figur des „Anscheinsstörers“: Wer den Anlass für Störungen setzt, der kann angehalten werden, diese abzustellen, wenn auf diesem Weg die Störung insgesamt beseitigt werden kann und andere Wege zu schwierig sind.
  • Ich kann mir gut vorstellen, dass zuviel Haut bei schönen Mitschülerinnen Signale gerade bei Teenagern aussendet, die interessanter sind als so mancher langweiliger Unterricht. Um mal von der Kleidung wegzukommen: ich vermute mal, dass die meisten Schüler auch weniger lernen, wenn man neben ihnen im Raum anfängt ein leckeres Büffet vorzubereiten oder dort Artisten einen Auftritt üben. Hier wird man kaum anführen, dass die Schüler eben lernen müssen, diesen Versuchungen zu widerstehen und es verstehen, wenn der Lehrer das für seinen Unterricht auch nicht für ideal hält. Sex ist dabei ein durchaus starkes Signal
  • Wenn eine Ablenkung vorhanden ist, die den Unterricht stört, dann halte ich das Überziehen des T-Shirts für eine vollkommen zulässige Maßnahme
  • Gleichzeitig würde ich der Schule auch im Rahmen ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags das Recht geben, dass auf für den Unterricht angemessene Kleidung geachtet wird, auch wenn dies vorsichtiger gehandhabt werden muss. Dabei ist ähnlich wie in anderen Berufen auch, der sexuelle Reiz auf ein angemessenes Maß zu beschränken. Das bedeutet nicht, dass man nun Kleidung verlangen könnte, mit der man in den Vatikan gelassen wird, aber auch hier gibt es einen gesellschaftlichen Grundkonsens.

Die Frage ist natürlich, was mit „Hotpants“ letztendlich gemeint ist. Nach Wikipedia sind dies:

Hot Pants (englisch: „scharfe Hosen“) sind enge, sehr kurz geschnittene, den Po betonende Shorts für Frauen.

Die Bilder, die man da findet, sind aus meiner Sicht doch sehr verschieden:

Hotpants

Hotpants

Hier hätten wir eine sehr kurze Variante, bei der der halbe Hintern zu sehen ist. Aus meiner Sicht wäre es hier vollkommen okay, auf eine angemessene Kleidung zu bestehen

Hotpants

Hotpants

Das sind schon etwas vorsichtigere Hotpants, die zumindest den ganzen Hintern bedecken. Hier kann man dann geteilter Meinung sein.

hotpants Bauchfrei

hotpants Bauchfrei

Hier wäre die Hose zwar auch Hinternbedeckend, aber das Outfit insgesamt doch reichlich sexuell. Ich hätte hier nichts gegen ein Einschreiten, wenn es stört.

Hotpants

Hotpants

Hier hätte ich verständnis für jeden Junger, der sich nicht voll auf die Unterrichtsstunde konzentrieren kann

Es ist schwer ein Bild von Schülerinnen in Hotpants zu finden und ich wollte bei Google und der NAS auch niemanden auf mich aufmerksam machen. Hier also noch ein Bild von Schülerinnen, die nach einem Hochwasser in kurzen Hosen helfen:

Schülerinnen kurze Hosen

Schülerinnen kurze Hosen

Das scheint mir alles jetzt auch noch vollkommen okay zu sein. Es ist nicht auf besonders sexuell getrimmt, es ist soweit alles angemessen, auch wenn die Hosen kurz sind. Es scheint mir bei warmen Wetter auch vollkommen okay, Jungs könnten vergleichsweise genauso viel Haut zeigen.

Im Gegenzug finde ich persönlich die „tiefsitzenden Gangster Hosen“ wesentlich weniger sexuell, sie wären schon eher ein „zieh dich ordentlich an“:

gangster hosen boxerhsorts

Im ganzen hat vieles davon aus meiner Sicht nichts mit Wärme zu tun, aber einiges mit intrasexueller Konkurrenz unter Frauen und Signalling. Jungs zeigen nachhaltig, dass man auch mit etwas längeren Hosen und einem Tshirt überleben kann, es muss keine Frau quasi nackt herumlaufen. Wenn sie es tut, dann ist ihr auch bewusst, dass sie damit sexuelle Signale sendet und will dies sowohl gegenüber den Jungs als auch gegenüber den Mitschülerinnen. Es ist eben ein zeigen wie heiß man ist und das man sich solche Hotpants leisten kann, ohne das alle darüber lästern, dass da alles rausquillt oder denken, dass man scheiße aussieht. Natürlich scheitern daran auch immer wieder verschiedene Mädchen, weil sie die Mode mitmachen wollen, obwohl sie bei ihnen nicht gut aussieht. Die sind aber auch meist nicht der Grund dafür, dass große T-Shirts verteilt werden.

Die TAZ macht aus dem Verbot erst einmal eine Bestätigung, dass wir in einer Rape Culture leben:

Es gehe dabei, so die Schulleiterin Bianca Brissaud, „nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes“. Vielmehr wolle sie „damit ein kleines Stück zu einem gesunden Schulklima beitragen, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden“. Sie sei von Lehrerinnen und Lehrern darum gebeten worden, „dringend“ etwas zu tun, sagte die Schulleiterin dem Schwarzwälder Boten.

Ja, aber warum? Und was für Werte sind das, die da so dringend gelebt und gefördert werden sollen?

Die Erklärung liefert die Schulleitung in ihrer Wortwahl: Hotpants und bauchfreie T-Shirts seien „aufreizend“. Wird nicht weiter erläutert, heißt aber: Die knappen Klamotten könnten jemanden reizen, etwas zu tun. Hinzugucken. Hinzugreifen. Die Werte, die hier vertreten werden, heißen: Rape Culture und Victim Blaming. Es geht nicht um den Stoff, es geht um Schuld, um Kontrolle und Autonomie

Bis auf die zwei Stuttgarter Jungsärsche wird in allen genannten Fällen davon ausgegangen, dass Mädchen, die sich zu knapp kleiden, das Problem sind: Wenn Jungs oder Lehrer von Mädchen abgelenkt werden, müssen die Mädchen sich etwas anziehen. Als wenn Frauenkörper etwas sind, was versteckt werden muss, damit nichts Schreckliches passiert. Weil – und das ist ebenso sexistisch – davon ausgegangen wird, dass Jungs und Männer sich dann nicht mehr unter Kontrolle halten können.

Es ist genau dieselbe Rhetorik, die angewandt wird, wenn Frauen belästigt oder vergewaltigt wurden, und dann hören müssen: Du hättest etwas anderen anziehen / dein Getränk nicht stehen lassen / diesen Weg nicht langlaufen sollen. Diese Art von Schuldumkehr nennt sich Victim Blaming: Das Opfer wird beschuldigt, an einer Tat selbst Schuld zu sein.

Victim Blaming wiederum gehört in den größeren Zusammenhang von Rape Culture: Eine Kultur, in der davon ausgegangen wird, dass sexualisierte Gewalt etwas ist, was eben passiert. Übergriffe sind dann etwas, was einzelne Opfer eben hinnehmen müssen, wenn sie sich nicht hinreichend verteidigt haben. Das ist dann dumm gelaufen. Nächstes Mal besser aufpassen. Dass es immer wieder dieselben Muster sind, nach denen Grenzen überschritten und Machtstrukturen ausgenutzt werden, kann man ignorieren, wenn man die Schuld den Opfern gibt

Natürlich ist es komplizierter, Jungs und Männern zu erklären, wie sie sich verhalten sollten, als Frauen einen Sack überzustülpen. Es gibt keine einfache und schnelle Lösung für das Problem. Das „Culture“ in „Rape Culture“ beschreibt eben eine ganze Kultur, und die beruht unter anderem auf sehr tief verwurzelten Ansichten darüber, was Frauen in der Öffentlichkeit alles tun und lassen sollten. Die völlige Selbstverständlichkeit, mit der Männer am Strand oben ohne rumlaufen und Frauen nicht, ist nur ein Beispiel. Eine Gesellschaft, in der nackte Frauen in der Werbung einerseits Aufmerksamkeit auf Produkte ziehen sollen und in der Frauen im Alltag andererseits aufpassen sollen, nicht „aufzureizen“, hat ein sehr grundsätzliches Problem.

Da hat man es mal wieder: Frauen sind für nichts veranwortlich, sie sind Opfer. Egal, ob hier eine Schulleiterin handelt, auch diese will nur wieder Mädchen zu Opfern machen und anscheinend Vergewaltigungen verharmlosen. Ebenso wie die Lehrerinnen. Aber diese sind eben auch nur Opfer des Systems. Auch den letzten Satz finde ich durchaus bemerkenswert: Denn Schule und Werbeplakat sind ja durchaus leicht zu erkennen vollkommen verschiedene Orte, für die dann auch verschiedene Regeln gelten. Man würde eben auch keine entsprechenden Werbeplakate in Schulräumen anhängen.
Natürlich hätte man das hier auch ganz anders framen können: Wenn die Schulleiterin gesagt hätte, dass sie bemerkt hätten, dass die Schülerinnen hier nur einem Trend folgen und verschiedene Mädchen sich bei Lehrerinnen beschwert hätten, dass dies auf sie Druck ausübt und sie gemobbt worden wären und einen Safe Space benötigen, dann wäre es eine interessante Diskussion gewesen: Darf man zu Gunsten anderer Schülerinnen Mädchen weniger sexuelle Kleidung vorschlagen? Darf man dann auch erziehen?

Es würde mich ja auch mal interessieren, wie eine feministische Gruppe auf eine stark geschminkte und sexuell gekleidete Frau mit einem durchtrainierten Körüer reagiert, die bei ihnen mitmachen will und das nicht bei einem Slutwalk.

Den nächsten Satz in der TAZ finde ich dann auch wieder typisch feministisch:

Sicher ist: Wenn Jungs im Unterricht nicht mehr auf die Tafel schauen, sondern auf den Bauchnabel des Mädchens neben ihnen, dann ist jede Lösung, die sich nur um den Bauchnabel kümmert, und nicht um den Jungen, eine schlechte. Im schlimmsten – aber nicht unwahrscheinlichen – Fall führt sie dazu, dass Mädchen sich, wenn ihnen etwas Unangenehmes passiert, nicht trauen, es zu erzählen, weil sie denken, sie seien selber Schuld.

Das ist die klassische feministische Lösung: Wenn Jungs etwas sexuelle anziehend finden, dann müssen sie eben damit klarkommen und sie müssen lernen, den Reiz auszublenden. Alles andere ist eben Victim Blaming.

Bei der Mädchenmannschaft fasst man das noch deutlicher:

An wen sich diese Kleidungsvorschrift richtet ist klar: Mädchen. Dies ist natürlich ein Muster der sommerlichen Schulkleidungsdiskussionen, die ja nicht kontextlos stattfinden, sondern sich einreihen in rape culture, victim blaming und weitere sexistische_rassistische_klassistische_fatshamende Körper- und Kleidungspolitiken. In den Erläuterungen heißt es dann oftmals, dass sich Schüler aufgrund der Kleidung nicht auf den Unterricht konzentrieren könnten – aber auch Lehrer abgelenkt seien. Und anstatt sich nun zu fragen, was diese Lehrer eigentlich an einer Schule machen, wird die Verantwortung für alles bei den Mädchen abgeladen, sie sollen sich nicht ‚aufreizend‘ (was soll das eigentlich hier genau sein?) kleiden. Lehrer und Schüler werden als nahezu unfähig zum geraden Gedanken inszeniert, als schutzbedürftig.

(…)

Oftmals wird so getan als wären bestimmte Kleidungsstücke und das Nichtverdecken von Körperstellen noch einmal eine besondere Einladung zu übergriffigem Verhalten: Damit meine ich nicht ausschließlich sexualisierte Übergriffe, sondern auch das allgemeineKommentieren anderer Körper, ungefragte Hinweise dazu wie sich zu kleiden wäre, Bemerkungen/ Blicke/ Geräusche beim Entblößen dicker Oberarme, Zeigen und Starren auf Narben, die sonst unter Stoff bleiben.

Was mir daran nicht gefällt:

Es wird so getan als wäre das Unangenehme, dass die Männer kurz davor wären übergriffig zu werden. Als wäre es so, dass sie sich nicht mehr zurückhalten können. Und als wäre es etwas schlimmes, sexuelle Reize auch sexuell aufzunehmen.

Dabei geht es schlicht darum, dass bestimmte Reize, auch unterhalb einer Übergriffigkeit unpassend sein können. Ich hatte hier schon etwas dazu gesagt, dass es anstrengend ist, wenn man sexuelle Reize, die man nicht wahrnehmen darf, ausblenden muss. Und natürlich kann auch eine 16jährige oder gar eine 19jährige mit tiefen Dekollete oder dem halben hintern unbedeckt ohne Probleme solche Reize aussenden und diese auszublenden kann unangenehm sein, auch wenn man selbstverständlich nicht über sie herfallen wird.

Hier soll letztendlich eine ganz normale Sexualität und den Umstand, dass man solche Reize registriert zur Abwertung verwendet werden. Wer sexuell wahrnimmt, der ist in diesem Denkschema schon ein Vergewaltiger, weil er diesen Drang niederkämpfen muss. Das halte ich für eine extrem sexfeindliche und auch männerfeindliche Sicht.

In dieser Sicht ist alles eine unnötige Sexualisierung von Frauen, die ja eigentlich gar nicht sexuell sind und hier nur durch die Gesellschaft zu „Sexobjekten“ gemacht werden. Es ist eine merkwürdige Zeichnung von Unschuld, die ich für vollkommen naiv halte: Ein Schülerin in Hotpants und mit bauchfreien Top ist sich vollkommen bewußt, dass sie sexuelle Signale sendet, sofern sie nicht in der Grundschule ist. Sie findet sich sicherlich mutig oder eben heiß genug. Die Naivität, dass sie das alles nur trägt, weil ihr einfach warm ist, ist insbesondere, wenn man ansonsten von einer Rape Culture ausgeht, in der jede Frau pausenlos sexuell belästigt wird und in der Nacktheit – so die Botschaft auf die bei jeden Slutwalk herumgeritten wird – als Einladung angesehen wird, von hoher Widersprüchlichkeit. Einerseits gibt es anscheinend eine beständige Botschaft, die Kleidung von Frauen zu regulieren. Andererseits geht diese Botschaft an Frauen vollkommen vorbei, die sich gar nicht bewußt sind, dass sie sexuelle Reize ausstrahlen und daher auch nicht dafür verantwortlich sind.

Der Mann muss eben einfach ausblenden und darf darf darf sich dadurch nicht gestört fühlen.

Die Frau hingegen darf sich durch den Blick aufgrund dieser Reize schon gestört fühlen. Er ist ein Schwein, gleich in die Richtung eines Kindervergewaltigers zu rücken.

Erzählmirnix hat (natürlich ohne Zusammenhang zu den Hotpants, wie sie in den Kommentaren schreibt) einen Comic mit ähnlichen Inhalt:

erzaehlmirnix reiz 12jährige pädophil

erzaehlmirnix reiz 12jährige pädophil

Das geht – so sehr ich Erzählmirnix Comics ansonsten schätze – in eine ähnliche Richtung: Es wird etwas an dem Wort „aufreizend“ aufgehängt, was dann die Wahrnehmung sexueller Signale als pädophil und perserv einordnen lässt.

Aus meiner Sicht sind Hotpants und Miniröcke recht eindeutig etwas, was wir mit sexuellen Reizen assozieren. Den Hintern einer 12jährigen damit zu betonen sendet deswegen auch dann ein sexuelles Signal, wenn es der Hintern aufgrund des Alters des Kindes nicht macht. Und gerade diese Verbindung kann einen natürlich stören. Weil man eben findet, dass ein solches Signal in der Verbindung erst einmal nichts zu suchen hat.  Natürlich kann man es merkwürdig finden, wenn 12jährige Kleidung tragen, die dafür konzipiert ist, sexuelle Signale zu senden, weil das eben eine Sexualisierung von Kindern ist, ohne gleich pädophil zu sein.

Man kann das an einem Beispiel erläutern: Wenn eine 12jährige einen Strip machen würde, in kompletter Kopie der Bewegungen einer erwachsenen Stripperin, dann würde man das auch dann unnötig sexuell aufgeladen finden, wenn sie schlussendlich Sting und BH nicht auszieht. Es passt einfach nicht. und kein Zuschauer würde sagen, dass es altersgerecht ist, sie da so tanzen zu lassen, weil ihr eben die Bewegungen Spass machen.

Es ist erstaunlich, wie gut diese Verurteilungen für die Wahrnehmung sexueller Reize allerdings funktioniert. Sexualität ist eben böse.

 

Ein interessantes Statement in diese Richtung findet sich auch hier:

Das Anliegen der Schule, Standards für die Verhüllung einzelner Körperregionen durchzusetzen, ist berechtigt. Schief liegt die Werkrealschule allerdings mit der Begründung: Dort ist die Rede davon, dass „Mädchen sehr aufreizend gekleidet sind“, und von bauchfreien Oberteilen und Hotpants. Damit stülpt die Schule den Jugendlichen beiderlei Geschlechts eine gefährlich einseitige Weltsicht über: Mädchen, die knappe Kleidung tragen, reizen das andere Geschlecht – und sind im Zweifel selbst schuld, wenn ein derart provozierter Mann nicht an sich halten kann. Den Jungen wiederum wird suggeriert, dass sie in ihrer wehrlosen Lüsternheit für ihren Sexualtrieb nicht mehr Verantwortung tragen als für den Kniesehnen-Reflex.

Eine Schule, die ihre Aufgabe ernst nimmt, sollte Jugendlichen bessere Argumente bieten. Gerade eine Werkrealschule, die ja auf eine Berufsausbildung vorbereitet, könnte erörtern, dass Po und Busen im Arbeitsleben – und in der Schule – bedeckt sein sollen. Und zwar schlicht aus Rücksicht auf unterschiedliche Vorstellungen von Moral und Ästhetik. Das würde dann auch für die tief sitzenden Hosen manch jungen Mannes gelten.

Den zweiten Absatz finde ich okay, der erste behandelt das bereits dargelegte: Das Wahrnehmen eines sexuellen Reizes und dessen Unerwünschtsein in der konkreten Situation ist schon Verharmlosung. Als ob nicht jeden Jungen bewusst ist, dass er eben gerade nichts machen darf, nichts von seinen Gedanken oder seiner Erregung zeigen darf, alles nach Möglichkeit ignorieren muss.

Zumindest bis er einen ungestörten Raum für sich hat.