Schwulenverfolgung in Tschetschenien

Aus Tschetschenien hört man für mich erschreckendes:

Mehr als 100 Männer sollen von Polizei und Sicherheitskräften festgenommen worden sein. Mindestens drei Männer seien dabei getötet worden, vermutlich sogar mehr, heißt es in dem Bericht der regierungskritischen Zeitung. Sie beruft sich auf Aussagen und Hinweise von Aktivisten sowie auf Quellen aus Behörden, dem Geheimdienst und dem Innenministerium in der Region. Die Männer sollen wegen ihrer „nicht traditionellen sexuellen Orientierung“ oder des Verdachts darauf verfolgt worden sein.

(…)

Offizielle Stellen dementierten die Festnahmen. Sie seien auch gar nicht nötig, sagte Alwi Karimow der Nachrichtenagentur Interfax. Der Sprecher des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow sprach von „Lügen“ und „Desinformation“. Und fügte hinzu: „Man kann niemanden verhaften oder unterdrücken, den es in der Republik gar nicht gibt.“ Sollten solche Leute in Tschetschenien existieren, „müssten sich die Sicherheitsbehörden keine Sorgen um sie machen, denn ihre Verwandten würden sie schon an einen Ort geschickt haben, von dem sie nie wiederkehren könnten.“

(…)

Nun sei aber in Tschetschenien der Befehl für eine „vorsorgliche Säuberungsaktion“ erteilt worden, die auch vor Mord nicht zurückschrecke, heißt es in dem Bericht weiter. Demnach sollen Sicherheitskräfte vor allem über soziale Medien wie etwa den Facebookklon VKontakte Schwule ausfindig gemacht haben. Sie sollen den Männern vorgetäuscht haben, auf der Suche nach Dates und Bekanntschaften zu sein. Meist geschieht dies aber in geschlossenen Chatgruppen. Homo- und bisexuelle Menschen in Tschetschenien würden niemals auf die Idee kommen, ihre sexuelle Orientierung öffentlich zu machen. „Das käme einem Todesurteil gleich“, schreibt die Journalistin Milaschina.

(…)

Viele in der LGBTI-Community haben nun Angst. Sie löschen derzeit alle Beiträge in sozialen Netzwerken, die auch nur den leisesten Hinweis auf ihre sexuelle Orientierung geben könnten. Online verbreiteten sich auch die ersten Meldungen über die Festnahmen und Verfolgungen schwuler Männer. Die Nowaja Gaseta zitiert aus einem Post, den zuvor Nutzer von VKontakte geteilt haben und den die Journalistin Eva Steinlein fürsueddeustche.de übersetzt hat: „Sie haben nicht nur junge Leute getötet, sondern auch erwachsene Männer bis zu 50 Jahren. Unter ihnen sind auch berühmte Persönlichkeiten Tschetscheniens. (…) Der Jüngste ist 16 Jahre alt. Er kommt aus unserem Dorf. In diesen Tagen haben sie ihn völlig zusammengeschlagen hergebracht, er war nur ein Sack voller Knochen. Sie haben ihn vor die Tür geworfen und gesagt, man möge ihn töten. Er soll noch immer nicht ganz bei sich sein.“

Das sind fürchterliche Zustände für die dortigen Schwulen, aber wahrscheinlich ebenso für Transexuelle und Lebsen. Es ist traurig, dass es ein solches Denken immer noch gibt und Menschen deswegen leiden müssen. Auch hier ist die Barbarei näher als man sich das in unserer relativ zivilisierten Welt so denkt.

Auch aus anderen Teilen Russlands hört man von sehr negativen Einstellungen gegenüber Homosexualität. Sicherlich kann man über evolutionäre Wurzeln der Homophobie diskutieren, aber das bedeutet ja nicht, dass man andere einschränken muss oder gar schädigen darf, nur weil sie aufgrund bestimmter pränataler Hormonstände andere Attraktivitätsmerkmale in ihrem Gehirn abgespeichert haben.

Mir scheint, dass dabei zwei starke kulturelle Faktoren eine Rolle spielen:

  • Die kommunistische oder sozialistische Zeit Russlands (oder deren Versuch) förderte ein Gleichheitsdenken und nicht Individualität, wie im Westen und behinderte damit auch einen Wandel zu Toleranz. Wenn eine Gesellschaft auf Gleichheit statt auf Individualität abstellt, dann haben es Subkulturen schwerer. Zudem hatten diese Kulturen damit auch ein starkes Bild der Familie und der „Kinder für den Staat“ was Homosexualität eher in die Nähe eines „Verrats“ stellt. Es wäre auch interessant, was das wesentlich striktere Rollenbild in Russland so gut erhalten hat.
  • die orthodoxe Kirche hat nie eine wirkliche Reformation erlebt und auch keine Konkurrenz mit liberaleren Ansichten gehabt, da sie meinst eine Form des Monopols hatte. Sie ist daher wesentlich konservativer geblieben als westliche christliche Kirchen.

Welche Faktoren spielen aus eurer Sicht da mit hinein?

„Heterosexualität ist eine recht neue Erfindung, es gibt sie noch nicht lange“

Wie sehr feministische Theorie die Realität ausblenden kann erstaunt mich immer wieder. Ganz besonders bei der Idee, dass Heterosexualität, wie man aus dieser Ecke hört, eine vergleichsweise neue Sache sein soll.

Dieser Artikel führt dazu beispielsweise aus:

The 1901 Dorland’s Medical Dictionary defined heterosexuality as an “abnormal or perverted appetite toward the opposite sex.” More than two decades later, in 1923, Merriam Webster’s dictionary similarly defined it as “morbid sexual passion for one of the opposite sex.” It wasn’t until 1934 that heterosexuality was graced with the meaning we’re familiar with today: “manifestation of sexual passion for one of the opposite sex; normal sexuality.”

Whenever I tell this to people, they respond with dramatic incredulity. That can’t be right! Well, it certainly doesn’t feel right. It feels as if heterosexuality has always “just been there.”

Okay, also die Bedeutung von _Wörtern_ hat sich verändert, aber auch das Konzept dahinter?

A few years ago, there began circulating a “man on the street” video, in which the creator asked people if they thought homosexuals were born with their sexual orientations. Responses were varied, with most saying something like, “It’s a combination of nature and nurture.” The interviewer then asked a follow-up question, which was crucial to the experiment: “When did you choose to be straight?” Most were taken back, confessing, rather sheepishly, never to have thought about it. Feeling that their prejudices had been exposed, they ended up swiftly conceding the videographer’s obvious point: gay people were born gay just like straight people were born straight.

The video’s takeaway seemed to suggest that all of our sexualities are “just there”; that we don’t need an explanation for homosexuality just as we don’t need one for heterosexuality. It seems not to have occurred to those who made the video, or the millions who shared it, that we actually need an explanation for both.

Und die Erklärung für Heterosexualität ist auch in der Biology gefunden worden. Sie lautet nicht einfach „Fortpflanzung“, dass geht auch ohne Geschlechter, etwa durch Teilung, sondern der Vorteil ist insbesondere, dass wir damit im „Red Queen Race“ gegen Krankheitserreger mit wesentlich kürzerer Lebensdauer und damit wesentlich schnellerer evolutionärer Anpassungsmöglichkeit einen Vorteil haben. Ich schrieb zu den Vorteilen geschlechtlicher Fortpflanzung:

Der große Vorteil von Sex ist dabei, dass zwei verschiedene Genmaterialien gemischt werden, was verschiedene Vorteile bieten kann:

  • „schlechte Gene“ können aussortiert werden, gute übernommen und angesammelt werden. Bei ungeschlechtlicher Fortpflanzung gilt „alles oder nichts“. Die Zelle teilt sich, es entsteht ein Klon. Hat dieser eine Mutation, dann gibt er sie an seine Nachkommen weiter, aber diese Mutation muss direkt in einem seiner Vorfahren aufgetreten sein, sie kann nicht von einem anderen Stamm übernommen werden (oder nur im wesentlich geringeren Umfang). Ebenso wenig kann man ungünstige Mutationen „loswerden“, wohingegen diese bei zweigeschlechtlicher Fortpflanzung nur in einem Teil der Nachkommen landen können (und mit diesen aussterben können)
  • Unterschiede erhöhen die Anpassbarkeit an besondere Situationen. Ein Gen gegen „Kälteresistenz“ kann in einem besonders kalten Winter bestimmte Nachfahren überleben lassen, ein Gen für einen etwas kräftigeren Schnabel kann sie andere Kerne fressen lassen etc
  • Die „Red Queen Hypothese“:  Sie geht davon aus, dass Tiere mit einem langsameren Fortpflanzungzyklus in einem Wettrennen mit Parasiten und Viren stecken, welches sie zu verlieren drohen, da beispielsweise eine Generation bei einem Menschen 20 Jahre dauert, eine Generation bei bestimmten Viren aber nur ein paar Minuten. Demnach können sich Viren viel schneller auf eine Abwehrmaßnahme zB des Menschen einstellen und eine Mutation, die diese austrickst kann schneller eintreten. Wir laufen in dieser Hinsicht beständig mit den Viren und Parasiten um die Wette und wir müssen – genau wie die rote Königin aus Alice im Wunderland – laufen, um überhaupt auf der gleichen Stelle zu bleiben. Der Genpool führt dazu, dass es Millionen von verschiedenen Varianten von „Menschen“ gibt. Hat ein Virus durch Mutation einen Weg gefunden zB das Immunsystem zu umgehen kann das Immunsystem des nächsten Menschen ein klein wenig anders sein und daher diese Umgehung erschweren oder nicht so effektiv machen. Demnach erschwert ein Genpool die Anpassung an den Wirt, die bei ungeschlechtlicher Fortpflanzung wesentlich schneller eintreten kann.

Gleichzeitig hat dieses System aber Kosten:

Wenn sich ein Lebewesen durch Zellteilung fortpflanzt, dann können Nachkommen schneller produziert werden. Wenn sich ein Wesen durch Klonung pro Generation zweimal fortpflanzt, dann bestehen nach 4 Generationen schon 16 Wesen. Bei sexueller Fortpflanzung bestehen hingegen, weil man immer zwei Wesen braucht, um zwei neue zu schaffen, und sich jedes von diesen zweimal fortpflanzt, immer noch nur 2 Wesen.

Da ist auch noch einmal ausgeführt, dass die Kosten des Sex auch dadurch hochgetrieben werden, dass die Sexualpartner sich finden müssen und insbesondere auch den richtigen Partner finden müssen. Das ist jedoch auch gleichzeitig ein Vorteil, da man so „gute Mutationen“ für seine Nachkommen „hinzuerwerben“ kann. Es hat insofern den Vorteil der sexuellen Selektion, die eine „Höherentwicklung“ fördern kann.

Insofern ist auch der Grund für Heterosexualität etwas komplizierter als die Meisten meinen. Allerdings könnte man ihn auf einer einfacheren Ebene auch schlicht auf: „es ist das bei unserer Spezies bestehende System der Fortpflanzung“ reduzieren.

Homosexualität zu erklären ist hingegen wesentlich schwieriger, schlicht weil dabei keine Nachkommen entstehen und es die Weitergabe der eigenen Gene stark erschwert, wenn man Sex mit dem anderen Geschlecht uninteressant findet.

Die gängigste Erklärung ist daher, dass Homosexualität ein Nebenprodukt anderer Selektionen ist, die auf eine Verbesserung der Weitergabe der Gene im heterosexuellen Sex ausgerichtet sind und dort Vorteile bringen, sei es weil zB weibliche Verwandte von Schwulen durch die gleichen Gene fruchtbarer sind oder die Gebährfähigkeit der Mutter auf diese Weise eher erhalten bleibt. Ein Grund dürfte auch sein, dass wir im Rahmen unserer evolutionären Geschichte immer weiter weg von direkten Austragen intrasexueller Konkurrenz durch Gewalt hin zu Kooperation zumindest in der Gruppe gekommen sind und dabei auch der Testosteronspiegel abgesenkt worden ist und nunmehr näher an der relevanten Grenze liegt, so dass Stress etc sich auch stärker auswirken können.

There’s been a lot of good work, both scholarly and popular, on the social construction of homosexual desire and identity.
Über die Qualität dieser Arbeit werden ich und der Autor wohl verschiedener Auffassung sein: In diesem Bereich gilt aus meiner Sicht der „Primat der Biologie„. Heterosexualität und Homsoexualität kann man nicht verstehen, wenn man sich nicht mit der dahinter stehenden Biologie beschäftigt. Wer über die „Konstruktion“ der Biologie redet, der muss zwingend zumindest die Vorteile geschlechtlicher Fortpflanzung und die Bedeutung der Genweitergabe für die Evolution verstehen.
As a result, few would bat an eye when there’s talk of “the rise of the homosexual” – indeed, most of us have learned that homosexual identity did come into existence at a specific point in human history. What we’re not taught, though, is that a similar phenomenon brought heterosexuality into its existence.

There are many reasons for this educational omission, including religious bias and other types of homophobia. But the biggest reason we don’t interrogate heterosexuality’s origins is probably because it seems so, well, natural. Normal. No need to question something that’s “just there.”

But heterosexuality has not always “just been there.” And there’s no reason to imagine it will always be.

Die Heterosexualität war nicht schon immer „einfach so da“. Da würde ich ihm in der Tat zustimmen. Lange Zeit gab es eben keine geschlechtliche Fortpflanzung und damit weder Heterosexualität noch Homosexualität. Die Sexualität hat sich vermutlich erst vor ca. 600 Millionen Jahren im Neoproterozoikum etabliert. In der Tat gibt es keinen Grund anzunehmen, dass es sie immer gab, selbst die Bibel hat vor die menschliche Sexualität (zumindest) 5 Tage gesetzt.

When heterosexuality was abnormal

The first rebuttal to the claim that heterosexuality was invented usually involves an appeal to reproduction: it seems obvious that different-genital intercourse has existed for as long as humans have been around – indeed, we wouldn’t have survived this long without it. But this rebuttal assumes that heterosexuality is the same thing as reproductive intercourse. It isn’t.

“Sex has no history,” writes queer theorist David Halperin at the University of Michigan, because it’s “grounded in the functioning of the body.” Sexuality, on the other hand, precisely because it’s a “cultural production,” does have a history. In other words, while sex is something that appears hardwired into most species, the naming and categorising of those acts, and those who practise those acts, is a historical phenomenon, and can and should be studied as such.

Or put another way: there have always been sexual instincts throughout the animal world (sex). But at a specific point on in time, humans attached meaning to these instincts (sexuality). When humans talk about heterosexuality, we’re talking about the second thing.

Also die Auffassung, dass Sex und die gesellschaftliche Betrachtung sexueller Praktiken etwas anderes ist. Das ist sicherlich richtig, aber auch die sexuellen Praktiken haben eben über das Begehren einen biologischen Hintergrund, weil dieses Begehren auf Biologie beruht wie Zwillingsstudien zeigen.

Sexualität ist insofern eben gerade keine reine kulturelle Konstruktion. Natürlich kann gleichgeschlechtliche Sexualität auch Funktionen in der Biologie haben, die einen Hang zu diesen Praktiken vorteilhaft machen, aber das ist etwas anderes. Und natürlich kann auch die Lust am Sex gerade im Sinn einer Ausweichsexualität entsprechendes Handeln fördern, aber das bedeutet nicht, dass Begehren rein sozial konstruiert ist.

Hanne Blank offers a helpful way into this discussion in her book Straight: The Surprisingly Short History of Heterosexuality with an analogy from natural history. In 2007, the International Institute for Species Exploration listed the fish Electrolux addisoni as one of the year’s “top 10 new species.” But of course, the species didn’t suddenly spring into existence 10 years ago – that’s just when it was discovered and scientifically named. As Blank concludes: “Written documentation of a particular kind, by an authority figure of a particular kind, was what turned Electrolux from a thing that just was … into a thing that was known.”

Something remarkably similar happened with heterosexuals, who, at the end of the 19th Century, went from merely being there to being known. “Prior to 1868, there were no heterosexuals,” writes Blank. Neither were there homosexuals.

Will der Autor wirklich gerade anführen, dass der Umstand, dass man erst ab einem gewissen Zeitpunkt die Bezeichnung „Homosexualität“ und „Heterosexualität“ hat irgend etwas ändert?

In der Bibel heißt es immerhin schon:

Lev 18,22 EU: Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel.

Lev 20,13 EU: Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.

Das Praktiken, die dazu führten, dass man getötet wurde, nicht unbedingt geeignet waren eine positive Identität auszubilden und das man für das „Normale“ eben keinen besonderen Namen hatte, bedeutet eben nicht, dass es keine Homosexualität oder Heterosexualität gab.

It hadn’t yet occurred to humans that they might be “differentiated from one another by the kinds of love or sexual desire they experienced.” Sexual behaviours, of course, were identified and catalogued, and often times, forbidden. But the emphasis was always on the act, not the agent.

Ich bin mir sehr sicher, dass es auch damals schon genug sexuell behaftete Beleidigungen gegeben hat, vom „Eselficker“ bis zum einem Äquivalent von „Schwuchtel“. Siehe zB „„Wer Männer begehrte, die dem Alter eines eromenos entwachsen waren, wurde als weibisch verspottet. (…) Die Römer haben ihren ebenfalls im negativ wertenden Sinne auf die sexuelle Passivität freier Männer abzielenden Begriff cinaedus wahrscheinlich in hellenistischer Zeit aus dem griechischen Wort kinaidos abgeleitet“

So what changed? Language.

In the late 1860s, Hungarian journalist Karl Maria Kertbeny coined four terms to describe sexual experiences: heterosexual, homosexual, and two now forgotten terms to describe masturbation and bestiality; namely, monosexual and heterogenit. Kertbeny used the term “heterosexual” a decade later when he was asked to write a book chapter arguing for the decriminalisation of homosexuality. The editor, Gustav Jager, decided not to publish it, but he ended up using Kertbeny’s novel term in a book he later published in 1880.

The next time the word was published was in 1889, when Austro-German psychiatrist Richard von Krafft-Ebing included the word in Psychopathia Sexualis, a catalogue of sexual disorders. But in almost 500 pages, the word “heterosexual” is used only 24 times, and isn’t even indexed. That’s because Krafft-Ebing is more interested in “contrary sexual instinct” (“perversions”) than “sexual instinct,” the latter being for him the “normal” sexual desire of humans.

Poststrukturalismus und die aus meiner Sicht naive Überzeugung, dass sich eine Ansicht erst bildet, wenn man ein Wort dafür findet. Aus meiner Sicht macht „wer mit einem Mann liegt, wie mit einer Frau, sollte gesteinigt werden“ recht deutlich, dass man dieses Verhalten weder als normal noch als unproblematisch ansieht.

“Normal” is a loaded word, of course, and it has been misused throughout history. Hierarchical ordering leading to slavery was at one time accepted as normal, as was a geocentric cosmology. It was only by questioning the foundations of the consensus view that “normal” phenomena were dethroned from their privileged positions.

Normal muss noch nicht einmal eine Wertung enthalten. Das Häufige ist normal, das Seltene die Ausnahme. Aber es hat eben häufig auch einen wertenden Charakter. Und die Frage, was häufiger ist, ist eben eine Frage, die nicht der Wertung unterliegt, sondern eine faktische Frage. Die meisten Leute sind heterosexuell.

The emphasis on procreation comes not primarily from Jewish or Christian Scriptures, but from Stoicism

For Krafft-Ebing, normal sexual desire was situated within a larger context of procreative utility, an idea that was in keeping with the dominant sexual theories of the West. In the Western world, long before sex acts were separated into the categories hetero/homo, there was a different ruling binary: procreative or non-procreative. The Bible, for instance, condemns homosexual intercourse for the same reason it condemns masturbation: because life-bearing seed is spilled in the act. While this ethic was largely taught, maintained, and enforced by the Catholic Church and later Christian offshoots, it’s important to note that the ethic comes not primarily from Jewish or Christian Scriptures, but from Stoicism.

As Catholic ethicist Margaret Farley points out, Stoics “held strong views on the power of the human will to regulate emotion and on the desirability of such regulation for the sake of inner peace”. Musonius Rufus, for example, argued in On Sexual Indulgence that individuals must protect themselves against self-indulgence, including sexual excess. To curb this sexual indulgence, notes theologian Todd Salzman, Rufus and other Stoics tried to situate it “in a larger context of human meaning” – arguing that sex could only be moral in the pursuit of procreation. Early Christian theologians took up this conjugal-reproductive ethic, and by the time of Augustine, reproductive sex was the only normal sex.

Ein sehr wesentlicher Punkt dürfte auch sein, dass die meisten Menschen sich sexuell nur von dem anderen Geschlecht angezogen gefühlt haben und daher mit diesem Sex wollten und ihre Abneigung gegen gleichgeschlechtlichen Sex, weil dieser eben nicht ihrem Begehren entsprach, dann mit Begründungen versehen haben.

While Krafft-Ebing takes this procreative sexual ethic for granted, he does open it up in a major way. “In sexual love the real purpose of the instinct, the propagation of the species, does not enter into consciousness,” he writes.

In other words, sexual instinct contains something like a hard-wired reproductive aim – an aim that is present even if those engaged in ’normal‘ sex aren’t aware of it. Jonathan Ned Katz, in The Invention of Heterosexuality, notes the impact of Krafft-Ebing’s move. “Placing the reproductive aside in the unconscious, Krafft-Ebing created a small, obscure space in which a new pleasure norm began to grow.”

The importance of this shift – from reproductive instinct to erotic desire – can’t be overstated, as it’s crucial to modern notions of sexuality. When most people today think of heterosexuality, they might think of something like this: Billy understands from a very young age he is erotically attracted to girls. One day he focuses that erotic energy on Suzy, and he woos her. The pair fall in love, and give physical sexual expression to their erotic desire. And they live happily ever after.

Auch hier wird aus meiner Sicht eher eine künstliche Trennung errichtet. Denn die Begründung über den reproduktiven Instinkt (den es so als Instinkt nicht gibt) ist ja eher ein intellektuelles Nachreichen gewesen, die eine Rechtfertigung für ein Unbehagen geben sollte. Das derjenige damit keine Kinder bekommt dürfte den meisten schlicht egal gewesen sein. Wir können den Aspekt der Fortpflanzung natürlich heute eher ausblenden, weil wir Verhütungsmittel haben und damit ist allgemein ein lockeres Verhältnis zur Sexualität aufgetreten, welches dann auch der Homosexualität zugute kommt.

Without Krafft-Ebing’s work, this narrative might not have ever become thought of as “normal.” There is no mention, however implicit, of procreation. Defining normal sexual instinct according to erotic desire was a fundamental revolution in thinking about sex. Krafft-Ebing’s work laid the groundwork for the cultural shift that happened between the 1923 definition of heterosexuality as “morbid” and its 1934 definition as “normal.”
Will uns dieser Artikel wirklich einreden, dass vor diesem Wechsel Sex zwischen Mann und Frau als „krankhaft“ (morbid) angesehen worden ist? Oder das man es als „abnormal und pervers“ angesehen hat? Eher dürfte das Wort an der Stelle, auf die sich Katz dort stützt von dem Autoren vollkommen anders verstanden worden sein als sein heutiger gebrauch, eher im Sinne einer besonders starken, krankhaften Sexualität.
Der Begriff „Heterosexualität“ ist eine hybride Wortneubildung aus dem Jahre 1868, geprägt vom Schriftsteller Karl Maria Kertbeny aus Griech. ἕτερος heteros ‚der andere‘, ‚ungleich‘ und lat. sexus ‚das männliche und das weibliche Geschlecht‘. Gleichzeitig prägte er als Antonym den Begriff „Homosexualität“. Nach ihm verwendete den Begriff erstmals Gustav Jäger 1880 in der zweiten Auflage seines Buches Die Entdeckung der Seele.[1]
Insofern scheint sich der Autor schlicht an einem vereinzelten Eintrag mit einer anderen Ausrichtung hochzuziehen, die eigentlich keine Rolle spielt und nicht der allgemeinen Verwendung enspricht.

Sex and the city

Ideas and words are often products of their time. That is certainly true of heterosexuality, which was borne out of a time when American life was becoming more regularised. As Blank argues, the invention of heterosexuality corresponds with the rise of the middle class.

The invention of heterosexuality corresponds with the rise of the middle class

In the late 19th Century, populations in European and North American cities began to explode. By 1900, for example, New York City had 3.4 million residents – 56 times its population just a century earlier. As people moved to urban centres, they brought their sexual perversions – prostitution, same-sex eroticism – with them. Or so it seemed. “By comparison to rural towns and villages,” Blank writes, “the cities seemed like hotbeds of sexual misconduct and excess.” When city populations were smaller, says Blank, it was easier to control such behaviour, just as it was easier to control when it took place in smaller, rural areas where neighbourly familiarity was a norm. Small-town gossip can be a profound motivator.

Because the increasing public awareness of these sexual practices paralleled the influx of lower classes into cities, “urban sexual misconduct was typically, if inaccurately, blamed” on the working class and poor, says Blank. It was important for an emerging middle class to differentiate itself from such excess. The bourgeois family needed a way to protect its members “from aristocratic decadence on the one side and the horrors of the teeming city on the other”. This required “systematic, reproducible, universally applicable systems for social management that could be implemented on a large scale”.

Ganz im Gegenteil zu den alten Gesellschaften in der Bibel, die sich nicht differenzierten, sondern schlicht eine fröhliche gemeinsame Steinigung durchführten, wenn ein Mann mit einem Mann schlief. Sehr verbindend.

In the past, these systems could be based on religion, but “the new secular state required secular justification for its laws,” says Blank. Enter sex experts like Krafft-Ebing, who wrote in the introduction to his first edition of Psychopathia that his work was designed “to reduce [humans] to their lawful conditions.” Indeed, continues the preface, the present study “exercises a beneficent influence upon legislation and jurisprudence”.

Krafft-Ebing’s work chronicling sexual irregularity made it clear that the growing middle class could no longer treat deviation from normal (hetero) sexuality merely as sin, but as moral degeneracy – one of the worst labels a person could acquire.

Richtig, eine Sünde, für die Mann gesteinigt wird und die so schlimm ist, dass man ihr noch nicht einmal einen normalisierenden Namen gibt, ist natürlich keine moralische Degeneration und auch kein schlimmes Label: Wir weisen dir hier kein Label zu, aber steinigen müssen wir dich eben leider doch, einfach weil wir das Gemeinschaftserlebnis brauchen, das verstehst du doch sicherlich?

“Call a man a ‘cad’ and you’ve settled his social status,” wrote Williams James in 1895. “Call him a ‘degenerate’ and you’ve grouped him with the most loathsome specimens of the human race.” As Blank points out, sexual degeneracy became a yardstick to determine a person’s measure.

Degeneracy, after all, was the reverse process of social Darwinism. If procreative sex was critical to the continuous evolution of the species, deviating from that norm was a threat to the entire social fabric. Luckily, such deviation could be reversed, if it was caught early enough, thought the experts.

The formation of “sexual inversion” occurred, for Krafft-Ebing, through several stages, and was curable in the first. Through his work, writes Ralph M Leck, author of Vita Sexualis, “Krafft-Ebing sent out a clarion call against degeneracy and perversion. All civic-minded people must take their turn on the social watch tower.” And this was certainly a question of civics: most colonial personnel came from the middle class, which was large and growing.

Stimmt, die Bezeichnung Homosexueller ändert gegenüber der Bezeichnung als „weibisch“, als „cinaedus“ oder wie auch Schwule bei anderen Völkern bezeichnet worden sind, alles.

Though some non-professionals were familiar with Krafft-Ebing’s work, it was Freud who gave the public scientific ways to think about sexuality. While it’s difficult to reduce the doctor’s theories to a few sentences, his most enduring legacy is his psychosexual theory of development, which held that children develop their own sexualities via an elaborate psychological parental dance.

For Freud, heterosexuals weren’t born this way, but made this way. As Katz points out, heterosexuality for Freud was an achievement; those who attained it successfully navigated their childhood development without being thrown off the straight and narrow.

And yet, as Katz notes, it takes an enormous imagination to frame this navigation in terms of normality:

According to Freud, the normal road to heterosexual normality is paved with the incestuous lust of boy and girl for parent of the other sex, with boy’s and girl’s desire to murder their same-sex parent-rival, and their wish to exterminate any little sibling-rivals. The road to heterosexuality is paved with blood-lusts… The invention of the heterosexual, in Freud’s vision, is a deeply disturbed production.

That such an Oedipal vision endured for so long as the explanation for normal sexuality is “one more grand irony of heterosexual history,” he says.

Nur hat diese Darstellung von Freud eben heute keinen Wert mehr, wir haben weitaus bessere Erklärungen gefunden und diese Theorien sind inzwischen überholt.

Still, Freud’s explanation seemed to satisfy the majority of the public, who, continuing their obsession with standardising every aspect of life, happily accepted the new science of normal. Such attitudes found further scientific justification in the work of Alfred Kinsey, whose landmark 1948 study Sexual Behavior in the Human Male sought to rate the sexuality of men on a scale of zero (exclusively heterosexual) to six (exclusively homosexual). His findings led him to conclude that a large, if not majority, “portion of the male population has at least some homosexual experience between adolescence and old age”. While Kinsey’s study did open up the categories homo/hetero to allow for a certain sexual continuum, it also “emphatically reaffirmed the idea of a sexuality divided between” the two poles, as Katz notes.

The future of heterosexuality

And those categories have lingered to this day. “No one knows exactly why heterosexuals and homosexuals ought to be different,” wrote Wendell Ricketts, author of the 1984 study Biological Research on Homosexuality. The best answer we’ve got is something of a tautology: “heterosexuals and homosexuals are considered different because they can be divided into two groups on the basis of the belief that they can be divided into two groups.”

In der Tat gibt es keinen Grund dafür, Homosexuelle oder Heterosexuelle anders zu behandeln. Letztendlich geht es um ein paar Hormone und die darauf aufbauenden Ausrichtungen des Gehirns.

Was nicht bedeutet, dass es keinen Unterschied gibt und das die Heterosexualität gerade erst erfunden worden ist. Beides hat nichts miteinander zu tun.

Though the hetero/homo divide seems like an eternal, indestructible fact of nature, it simply isn’t. It’s merely one recent grammar humans have invented to talk about what sex means to us.

Ja und nein. Es ist weitaus mehr als eine grammatikalische Unterscheidung, die gerade erst erfunden worden ist. Es ist aber gleichzeitig auch kein Grund Leute abzuwerten.

Heterosexuality, argues Katz, “is invented within discourse as that which is outside discourse. It’s manufactured in a particular discourse as that which is universal… as that which is outside time.” That is, it’s a construction, but it pretends it isn’t. As any French philosopher or child with a Lego set will tell you, anything that’s been constructed can be deconstructed, as well. If heterosexuality didn’t exist in the past, then it doesn’t need to exist in the future.

Nur wurde das aber eben gerade nicht belegt.

I was recently caught off guard by Jane Ward, author of Not Gay, who, during an interview for a piece I wrote on sexual orientation, asked me to think about the future of sexuality. “What would it mean to think about people’s capacity to cultivate their own sexual desires, in the same way we might cultivate a taste for food?”

Wahrscheinlich würden wir dann alle schwul werden, jede Menge Sex haben und glücklich sterben. Aber bisher sind alle Bemühungen jemanden umzuerziehen, gescheitert. Wenn Leute schwul blieben, obwohl darauf die Todesstrafe stand (teilweise vollstreckt, mit glühenden Eisenstangen, die in den Anus eingeführt worden) dann wird es durch einfaches „Sein lassen“ erst recht nicht klappen. Heterosexualität ist da nicht anders. Und wenn in einer freien Gesellschaft mit Verhütungsmitteln auch kein Grund für eine Ausweichsexualität auf das eigene Geschlecht mehr besteht (sondern dann lieber auf Pornos, wenn man keinen Sex mit dem anderen Geschlecht bekommt) wird gleichgeschlechtliche Liebe auch deswegen wohl der große Durchbruch versagt bleiben.

Though some might be wary of allowing for the possibility of sexual fluidity, it’s important to realise that various Born This Way arguments aren’t accepted by the most recent science. Researchers aren’t sure what “causes” homosexuality, and they certainly reject any theories that posit a simple origin, such as a “gay gene.” It’s my opinion that sexual desires, like all our desires, shift and re-orient throughout our lives, and that as they do, they often suggest to us new identities. If this is true, then Ward’s suggestion that we can cultivate sexual preferences seems fitting. (For more of the scientific evidence behind this argument, read BBC Future’s ‘I am gay – but I wasn’t born this way’.)

Unwahrscheinlich.

Fewer than half British 18-24 year-olds identify as being 100% heterosexual

Once upon a time, heterosexuality was necessary because modern humans needed to prove who they were and why they were, and they needed to defend their right to be where they were. As time wears on, though, that label seems to actually limit the myriad ways we humans understand our desires and loves and fears. Perhaps that is one reason a recent UK poll found that fewer than half of those aged 18-24 identify as “100% heterosexual.” That isn’t to suggest a majority of those young respondents regularly practise bisexuality or homosexuality; rather it shows that they don’t seem to have the same need for the word “heterosexual” as their 20th-Century forebears.

Wäre interessant da mal die Aufspaltung nach Geschlecht zu sehen. Aber leichte Aufweichungen bedeuten da eben auch nicht viel.

Debates about sexual orientation have tended to focus on a badly defined concept of “nature.” Because different sex intercourse generally results in the propagation of the species, we award it a special moral status. But “nature” doesn’t reveal to us our moral obligations – we are responsible for determining those, even when we aren’t aware we’re doing so. To leap from an observation of how nature is to a prescription of nature ought to be is, as philosopher David Hume noted, to commit a logical fallacy.

Why judge what is natural and ethical to a human being by his or her animal nature? Many of the things human beings value, such as medicine and art, are egregiously unnatural. At the same time, humans detest many things that actually are eminently natural, like disease and death. If we consider some naturally occurring phenomena ethical and others unethical, that means our minds (the things looking) are determining what to make of nature (the things being looked at). Nature doesn’t exist somewhere “out there,” independently of us – we’re always already interpreting it from the inside.

In der Tat wäre es ein naturalistischer Fehlschluss aus der Seltenheit der Homosexualität etwas zu deren Moral herzuleiten. Das eine hat mit dem anderen schlicht nichts zu tun. Was aber eben auch noch nicht dazu führt, dass die Sexualität plötzlich unwesentlich wird.

Until this point in our Earth’s history, the human species has been furthered by different-sex reproductive intercourse. About a century ago, we attached specific meanings to this kind of intercourse, partly because we wanted to encourage it. But our world is very different now than what it was. Technologies like preimplantation genetic diagnosis (PGD) and in vitro fertilisation (IVF) are only improving. In 2013, more than 63,000 babies were conceived via IVF. In fact, more than five million children have been born through assisted reproductive technologies. Granted, this number still keeps such reproduction in the slim minority, but all technological advances start out with the numbers against them.

Socially, too, heterosexuality is losing its “high ground,” as it were. If there was a time when homosexual indiscretions were the scandals du jour, we’ve since moved on to another world, one riddled with the heterosexual affairs of politicians and celebrities, complete with pictures, text messages, and more than a few video tapes. Popular culture is replete with images of dysfunctional straight relationships and marriages. Further, between 1960 and 1980, Katz notes, the divorce rate rose 90%. And while it’s dropped considerably over the past three decades, it hasn’t recovered so much that anyone can claim “relationship instability” is something exclusive to homosexuality, as Katz shrewdly notes.

Und all das ist für die Frage, ob jemand homosexuell oder heterosexuell ist, vollkommen ohne Belang.

The line between heterosexuality and homosexuality isn’t just blurry, as some take Kinsey’s research to imply – it’s an invention, a myth, and an outdated one. Men and women will continue to have different-genital sex with each other until the human species is no more. But heterosexuality – as a social marker, as a way of life, as an identity – may well die out long before then.

Ich würde dagegen wetten. Es steht zuviel Biologie dahinter, die sich so schnell nicht ändern wird. Eher driften wir in die virtuelle Heterosexualität ab.

Auch ein lesbisches Paar mit Kind ist eine Familie

Unter beiden Tweets findet sich eine umfangreiche Diskussion, die sich insbesondere darum dreht, ob es überhaupt eine Familie sein kann und ob homosexuelle Paare und Kinder zusammenpassen (ich sehe keinen Grund aus dem das nicht passen sollte). Zudem hat wohl die Telekom bzw deren Twitterer einige patzige Antworten gegeben, die die Diskussion zusätzlich befeuert haben.

vgl auch

 

Homosexualität und Ausweichsexualität

Auf seiner Seite Schantall und Scharia führt der ohnehin für einige noch zu besprechende Texte gute Fabian Köhler aus, warum der Islam zwar einiges an Homophobie, aber gleichzeitig auch einiges an Offenheit für Homosexualität zu bieten hat. (Exkurs: Eine differenzierte Betrachtung von einem intersektionalen Feministen, man wünschte sie würden das auch mal auf andere Bereiche übertragen, etwa: „Warum Männlichkeit zwar viele schlechte, aber auch gute Seiten hat, aber das ist bei einer „Tätergruppe“ nicht zu erwarten).

Sein Fazit ist:

Homophobie hat etwas mit Islam zu tun. Zu dieser Feststellung gehört aber auch ihr Gegenteil: Auch heute noch ist es für einen Heranwachsenden in der islamischen Welt viel wahrscheinlicher gleichgeschlechtliche Erfahrungen zu machen als für seine Altersgenossen im vermeintlich liberalen Westen. Islam bedeutet Gruppenmasturbation und Oralsex mit den pubertierenden Kumpels. Islam, das sind Männer, die Hände haltend arabische Straßen entlanglaufen und sich mit Küsschen überschütten. Islam ist Hamam-Besuch – nicht zur zum Baden. Islam bedeutet für Millionen von Menschen eine gleichgeschlechtliche Intimität, die für die meisten christlich-westlichen Heteros unvorstellbar ist.

Das alles macht die Toten von Orlando nicht wieder lebendig. Und es ändert auch nichts an der Verfolgung von Homosexuellen in der islamischen Welt, nichts an dem religiös legitimierten Hass, den sexuelle Komplexen, den Vorurteilen. Es ändert nichts daran, dass es Menschen immer wieder schaffen werden, die Welt tiefschwarz erscheinen zu lassen. So schwarz wie die Fahne des IS, zu dem sich Omar Mateen bekannte. Aber es erinnert daran, dass sie damit nicht recht haben: Die Welt ist bunt wie die Regenbogenfahne. Auch die islamische.

Ich möchte dabei gar nicht über den Islam diskutieren, sondern eher der Frage nachgehen, wie es dazu kommt, dass bestimmte Gesellschaften oder Gruppen einen anderen Zugang zur Homosexualität entwickeln.

Das Thema ist schon deswegen interessant, weil es auch gerne als Gegenargument zu einer biologischen Grundlage des sexuellen Begehrens (siehe hier Punkt 5) angeführt wird: Andere Kulturen oder Gruppen in der Zeit hätten eben dieses Problem nicht gehabt und wären ganz selbstverständlich für Homosexualität als Bestandteil ihrer Sexualität offen gewesen. Die Unterdrückung dieser Homosexualität hin zu einer „Zwangsheterosexualität“ sei ein Zeichen der modernen westlichen Gesellschaft, die Homophobie fördere

Etwas in dieser Art kommt sehr häufig als Argument und auch als Beleg dafür, dass viele Menschen homosexuelle Neigungen haben. Übliche Argumente sind auch, dass Seeleute, Söldner, Gefangene oder andere Gruppen abseits des überwachenden Einflusses der Gesellschaft eben immer wieder eine Kultur entwickeln würden, bei dem Homosexualität gelebt wird. Auch die alten Griechen oder die afghanische Gesellschaft werden hier gerne angeführt.

Meine Vermutung zur Erklärung dieser Phänomene wäre eine andere:

  • Wir sind mit einer bestimmten Ausrichtung geboren, die zumeist Heterosexuell ist, aber auch Homosexuell oder andere Mischformen umfasst.
  • Wir finden gemäß dieser Ausrichtung Menschen attraktiv. Diese lässt sich nicht ändern.
  • Wir finden unabhängig davon Stimulationen unser Genitalien anregend und das gerade von einer anderen Person. Blasen oder Analverkehr oder lesbische Praktiken können dabei weitaus erregender sein als Selbstbefriedigung
  • In Gesellschaften, die einem die Ausübung unverbindlichen Sex stark erschweren wird es immer wieder zu Ausweichverhalten kommen. Das kann dadurch erfolgen, dass man sich selbst befriedigt, beispielsweise unter Zuhilfenahme von Pornos zur Reizerhöhung. Oder eben zu einem Ausweichen auf Gleichgeschlechtliche.

Folge wäre, dass solche Praktiken wie oben geschildert verstärkt in technisch rückständigeren Gesellschaften (kein Internet, wenig privater Zugriff auf einen Computer, verengte Lebensverhäktnisse) und in solchen Gesellschaften, die die Sexualität besonders einschränken auftreten müsste (ein Gruppenwichsen lohnt sich nicht, wenn man die Option hat, dass es ein sexuell interessanter Partner übernimmt, ist aber ganz klar, dass man dazu heiraten muss, wird es eine realere Option, ebenso dann, wenn man zB in einem Jungeninternat ist oder anderweitig der Kontakt zu Frauen stark eingeschränkt ist). Es bliebe dabei, dass die Anzahl der tatsächlich Homosexuellen relativ gering bleibt. Allgemeine homosexuelle Praktiken würden sich nach dieser Theorie in moderneren Gesellschaften eher nicht durchsetzen.

Evtl könnte ein solche Verhalten auch dadurch begünstigt werden, dass Homosexualität so verpönt ist, dass Signale wie „Händchenhalten“ damit nicht in Verbindung gebracht werden und evtl auch „Ausweichsexualität“ damit nicht in Verbindung gebracht wird, weil es aufgrund der Knappheit anderer sexueller Möglichkeiten eben nicht als Begehren des anderen, sondern nur als Sexualität angesehen wird (was beispielsweise zu dem Bild passt, dass in afghanischen Bergen der Lustknape durchaus noch eine Verbreitung hat, der Vorwurf der Homosexualität aber dennoch als Beleidigung angesehen wird).

Sehr starke patriarchale Gesellschaften, wie es viele islamische sind, und eine Betonung der Heterosexualität würden also evtl dieses Klima schaffen. Sexuelle Freiheiten hingegen würden die Heterosexualität fördern.

Hier auch noch ein interessanter Teil aus einem Buch über den Umgang mit Homosexualität im Islam:

“As with so much else in the sexual realm, Islamic norms differ profoundly from Western ones. The authors establish several points:

(1) Islam treats homosexuality far less harshly than does Judaism or Christianity.

(2) Sex between men results in part from the segregation of women and in part from the poetic and folk heritage holding that the penetration of a pretty boy is the ultimate in sexual delight.

(3) Sex between men is “frowned upon, but accepted” so long as the participants also marry and have children; and also if they keep quiet about this activity.

(4) The key distinction is not hetero vs. homosexual but active vs. passive; men are expected to seek penetration (with wives, prostitutes, other males, animals); the only real shame is attached to serving in the female role.

(5) Youths usually serve in the female role and can leave behind this shame by graduating to the male role.

(6) The great Muslim emphasis on family life renders homosexuality far less threatening to Muslim societies than to Western ones (Muslim men seeking formally to marry each other remains unimaginable).”

Die Betonung, dass man der „Aktive“ sein sollte spricht ebenfalls dafür, dass es nicht einfach eine Akzeptanz der Homosexualität ist, sondern eher eine Ausweichsexualität, bei der einer die Rolle der „Ersatzfrau“ übernehmen muss. Es wird schlicht als etwas gesehen, was man macht, um seinen Trieb auszuleben, nicht als etwas, was eine Beziehung zu einer Frau ersetzt. Eine höhere Offenheit aus dem Bereich mag auch dadurch entstanden sein, dass die Möglichkeit zur Vielehe eine Frauenknappheit begünstigt und damit Ersatzhandlungen attraktiver macht.

 

„Frauen sind irgendwie alle etwas lesbisch“

Eine Studie macht gerade unter dem Stichwort, dass alle Frauen irgendwie etwas lesbisch sind die Runde.

Es handelt sich um diese hier:

Studies with volunteers in sexual arousal experiments suggest that women are, on average, physiologically sexually aroused to both male and female sexual stimuli. Lesbians are the exception because they tend to be more aroused to their preferred sex than the other sex, a pattern typically seen in men. A separate research line suggests that lesbians are, on average, more masculine than straight women in their nonsexual behaviors and characteristics. Hence, a common influence could affect the expression of male-typical sexual and nonsexual traits in some women. By integrating these research programs, we tested the hypothesis that male-typical sexual arousal of lesbians relates to their nonsexual masculinity. Moreover, the most masculine-behaving lesbians, in particular, could show the most male-typical sexual responses. Across combined data, Study 1 examined these patterns in women’s genital arousal and self-reports of masculine and feminine behaviors. Study 2 examined these patterns with another measure of sexual arousal, pupil dilation to sexual stimuli, and with observer-rated masculinity-femininity in addition to self-reported masculinity-femininity. Although both studies confirmed that lesbians were more male-typical in their sexual arousal and nonsexual characteristics, on average, there were no indications that these 2 patterns were in any way connected. Thus, women’s sexual responses and nonsexual traits might be masculinized by independent factors.

Quelle: Sexual Arousal and Masculinity-Femininity of Women

Es ging also gar nicht per se darum, dass getestet wird, ob Frauen „etwas lesbisch“ sind, sondern eher darum, ob 1. Lesben stärker auf sexuelle Reize die dieser sexuellen Orientierung entsprechen reagieren und ob ein Zusammenhang zwischen männlichen und weiblichen Verhalten besteht.

Das wäre mit der Theorie um pränatales Testosteron gut zu erklären: Danach liegen verschiedene Zentren vor, die Verhalten und sexuelle Orientierung betreffen und alle werden zu verschiedenen Phasen durch mehr Testosteron männlicher oder weniger Testosteron weiblicher ausgestaltet. Demnach muss männlicheres Verhalten nicht mit der sexuellen Orientierung zusammenfallen, es ist aber, da für beides die gleiche Ursache vorliegen kann, im Schnitt durchaus zu erwarten.

Die eigentliche Schlagzeile war aber eher, dass eben auch nichtlesbische Frauen auf diese Reize reagierten, wenn auch schwächer.

Aus der Studie:

Hypothesis 1. Lesbians were hypothesized to dilate more strongly to the same sex than to the other sex. One-sample t tests indicated that women of all sexual orientations dilated more to same-sex stimuli, as compared with neutral, p .0001, d 0.61 [0.54, 0.69], and more to other-sex stimuli, as compared with neutral, p .0001, d 0.67 [0.60, 0.75]. However, lesbians dilated more strongly to same-sex stimuli than straight women, p .0001, .23 [.14, .34]. This linear effect was qualified by a curvilinear effect, suggesting that dilation to the same sex was particularly pronounced for exclusively lesbians (i.e., women with a Kinsey 6 score), p .002, .17 [.05, .31] (Figure 3 A). Lesbians responded less strongly to the other sex, p .0001,  .25 [.34, .15]; this result was not qualified by a curvilinear effect, p .20, .07 [.21, .07] (Figure 3 B). Finally, lesbians dilated more strongly to the same sex than the other sex, compared with straight women, p .0001, .27 [.17, .38], and this effect was most pronounced among exclusively lesbians, p .01, .13 [.01, .27] (Figure 3 C).

An der Studie beteiligt war auch Meredith Chivers, die bereits festgestellt hatte, dass Frauen auch auf kopulierende Affen oder andere sexuelle Darstellungen ansprechen, seinerzeit getestet durch Blutfluss im den Genitalien. Die hier verwendete Vergrößerung der Pupillen scheint mir da eher ein noch schlechteres Indiz für tatsächliche Erregung zu sein.

Tatsächlich teilt die Studie aus meiner Sicht viele der Unsicherheiten der Studie von Chivers: Es muss sich eben nicht um tatsächliche Erregung handeln, es kann sich auch schlicht darum drehen, dass Frauen beim Sex das „verletzlichere Geschlecht“ sind und daher eher auf allgemeine sexuelle Reize körperlich reagieren und sei es nur mit einer Vorbeugung gegen Verletzungen in Vorbereitung auf auch unerwünschten Sex.

Auch damals wurde übrigens nicht getitelt, dass alle Frauen etwas zoophil sind.

Eine gewisse höhere Affinität von Frauen zu gleichgeschlechtlichen Sex könnte ich mir dann vorstellen, wenn es in evolutionär wirksamer Zeit viele Beziehungen gab, in denen es „Vielweiberei“ gegeben hat und über diesen Weg auch die Bindung zwischen den beiden Frauen gestärkt werden konnte. Bindung und Absicherung von Unterstützung ist ja durchaus ein Weg, zu dem gleichgeschlechtliche Sexualität auch bei anderen Tieren genutzt wird. Allerdings scheint mir der Hang von Frauen in diese Richtung nicht so groß zu sein – die wenigsten Frauen sind von der Idee eines Dreiers mit zwei Frauen mit lesbischer Einlage begeistert.

Interessant sind aber auch die weiteren Thesen dort:

Hypothesis 2. Consistent with the hypothesis, lesbians reported more masculinity than femininity during their childhood and adulthood, and were evaluated by observers to be more masculine than feminine in adulthood, compared with straight women, p .0001, .29 [.15, .43], p .0001, .42 [.33, .51], and, p .0001, .56 [.46, .66] respectively (Figure 4 A–C). For self-reported childhood masculinity-femininity (but not for other measures) this effect was curvilinear, p .05, .14 [.00, .31]. The linear effect of sexual orientation was stronger for observerrated than self-reported adulthood masculinity-femininity, similar to previous reports, but the effect was also stronger with selfreports from adulthood than from childhood, which varies from previous research (Rieger et al., 2008, 2010).

Gerade anderen kommen lesbische Frauen also als deutlich männlicher vor, was gut in die biologischen Theorien passt.

Eine andere Besprechung dieser Studie beleuchtet die sexuelle Erregung bei Frauen ebenfalls:

And yet, ensuing headlines on Chivers’s research did not read, “Science says women are all kinda into monkeys.”

Sexual desire, arousal, and identity are all complicated forces that often conflict with each other when it comes to women. But the study fails to take into account a few factors that might complicate its all-women-are-a-tiny-bit-gay hypothesis. The first is that women exhibit arousal nonconcordance, which is a sexy way of saying there is only a 10 percent overlap between what a woman’s genitals (or pupils) are doing and her subjective level of arousal. Ten percent! With men, their genitals respond somewhat predictably with their subjective arousal, that is 50 percent of the time. So half the time a man gets an erection, it’s due to something he finds sexually appealing, and the other half of the time, it’s a willy-nilly willy. But with women, 90 percent of the time, her body and brain are on completely different wavelengths. In other words, a woman’s genitals respond to ANY stimuli it deems sexually relevant (hence, chimp fucking), but it doesn’t mean women necessarily find that stimuli sexually appealing (or secretly want to act on it).

Arousal nonconcordance is one of the reasons that simply prescribing Viagra to women doesn’t work. In both men and women, Viagra increases blood flow to the genitals, but just because there’s activity going on down there in women, it doesn’t mean anything’s going on up here, in our brains, which is incredibly important to women actually becoming aroused, as opposed to simply lubricated or exhibiting “ecstasy eyes.”

In fact, a lot of “sexually relevant stimuli” are things we may actively find pretty gross, which probably explains the success of Fifty Shades of Grey.If that’s too easy a target for you, consider the last time you exhibited signs of sexual arousal over a stimulus you found unappealing, say watching a rape scene in a movie. Most of us probably feel a little squicked out by being physiologically turned on by watching a rape scene, even in a potentially fictionalized scenario. But our genitals are trained to notice what’s sexually relevant (for instance, graphic sexual images) and report that back to us, regardless of whether we want to be turned on or not.

Interessanterweise könnten Frauen also auch deswegen von sexueller Dominanz und BDSM angesprochen sein, weil sexuelle Erregung in Kontakt mit solcher Gewalt sinnvoll ist weil es in der evolutionären Vergangenheit günstiger war, in der Nähe solcher Reize bereits erregt zu sein und nicht „unvorbereitet“. Wenn dann noch hinzukommt, dass Sex mit einem „Alphamann“ auch genetisch interessant ist, dann könnte dies zusammen eine entsprechende Erregung und die Abspeicherung einer sexuellen Reaktion auf solche Reize bewirkt haben.

Die hier genannte Quote von 90% ist allerdings tatsächlich recht hoch und macht auch deutlich, dass Männer auf solche optischen sexuellen Reize im Schnitt wesentlich deutlicher reagieren, weswegen Männer wohl auch eher an Pornos und Nacktbildern interessiert sind.

Lebenspartnerschaftsgesetz

Das Lebenspartnerschaftsgesetz im Volltext, einfach damit man mal sieht, wie nahe es bei der „Heteroehe“ ist.

Es wird viel über die „Homoehe“ diskutiert und es werden viele Schreckensbilder an die Wand gemalt. Dabei wird – von beiden Seiten – ausgeblendet, dass die Homoehe schon da ist und eben nur Lebenspartnerschaft heißt. Die Regelungen verweisen im wesentlichen auf die Regelungen aus dem Eherecht, die entsprechenden Vorschriften sind insofern die gleichen.

Der ganze Streit geht also – neben dem Adoptionsrecht – lediglich um eine reine Bezeichnung.

§ 1 Form und Voraussetzungen

(1) Zwei Personen gleichen Geschlechts, die gegenüber dem Standesbeamten persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit erklären, miteinander eine Partnerschaft auf Lebenszeit führen zu wollen (Lebenspartnerinnen oder Lebenspartner), begründen eine Lebenspartnerschaft. Die Erklärungen können nicht unter einer Bedingung oder Zeitbestimmung abgegeben werden.
(2) Der Standesbeamte soll die Lebenspartner einzeln befragen, ob sie eine Lebenspartnerschaft begründen wollen. Wenn die Lebenspartner diese Frage bejahen, soll der Standesbeamte erklären, dass die Lebenspartnerschaft nunmehr begründet ist. Die Begründung der Lebenspartnerschaft kann in Gegenwart von bis zu zwei Zeugen erfolgen.
(3) Eine Lebenspartnerschaft kann nicht wirksam begründet werden

1.
mit einer Person, die minderjährig oder verheiratet ist oder bereits mit einer anderen Person eine Lebenspartnerschaft führt;
2.
zwischen Personen, die in gerader Linie miteinander verwandt sind;
3.
zwischen vollbürtigen und halbbürtigen Geschwistern;
4.
wenn die Lebenspartner bei der Begründung der Lebenspartnerschaft darüber einig sind, keine Verpflichtungen gemäß § 2 begründen zu wollen.
(4) Aus dem Versprechen, eine Lebenspartnerschaft zu begründen, kann nicht auf Begründung der Lebenspartnerschaft geklagt werden. § 1297 Abs. 2 und die §§ 1298 bis 1302 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.

§ 2 Partnerschaftliche Lebensgemeinschaft

Die Lebenspartner sind einander zu Fürsorge und Unterstützung sowie zur gemeinsamen Lebensgestaltung verpflichtet. Sie tragen füreinander Verantwortung.

§ 3 Lebenspartnerschaftsname

(1) Die Lebenspartner können einen gemeinsamen Namen (Lebenspartnerschaftsnamen) bestimmen. Zu ihrem Lebenspartnerschaftsnamen können die Lebenspartner durch Erklärung gegenüber dem Standesamt den Geburtsnamen oder den zur Zeit der Erklärung über die Bestimmung des Lebenspartnerschaftsnamens geführten Namen eines der Lebenspartner bestimmen. Die Erklärung über die Bestimmung des Lebenspartnerschaftsnamens soll bei der Begründung der Lebenspartnerschaft erfolgen. Wird die Erklärung später abgegeben, muss sie öffentlich beglaubigt werden.
(2) Ein Lebenspartner, dessen Name nicht Lebenspartnerschaftsname wird, kann durch Erklärung gegenüber dem Standesamt dem Lebenspartnerschaftsnamen seinen Geburtsnamen oder den zur Zeit der Erklärung über die Bestimmung des Lebenspartnerschaftsnamens geführten Namen voranstellen oder anfügen. Dies gilt nicht, wenn der Lebenspartnerschaftsname aus mehreren Namen besteht. Besteht der Name eines Lebenspartners aus mehreren Namen, so kann nur einer dieser Namen hinzugefügt werden. Die Erklärung kann gegenüber dem Standesamt widerrufen werden; in diesem Fall ist eine erneute Erklärung nach Satz 1 nicht zulässig. Die Erklärung, wenn sie nicht bei der Begründung der Lebenspartnerschaft gegenüber einem deutschen Standesamt abgegeben wird, und der Widerruf müssen öffentlich beglaubigt werden.
(3) Ein Lebenspartner behält den Lebenspartnerschaftsnamen auch nach der Beendigung der Lebenspartnerschaft. Er kann durch Erklärung gegenüber dem Standesamt seinen Geburtsnamen oder den Namen wieder annehmen, den er bis zur Bestimmung des Lebenspartnerschaftsnamens geführt hat, oder dem Lebenspartnerschaftsnamen seinen Geburtsnamen oder den bis zur Bestimmung des Lebenspartnerschaftsnamens geführten Namen voranstellen oder anfügen. Absatz 2 gilt entsprechend.
(4) Geburtsname ist der Name, der in die Geburtsurkunde eines Lebenspartners zum Zeitpunkt der Erklärung gegenüber dem Standesamt einzutragen ist.
(5) (weggefallen)

§ 4 Umfang der Sorgfaltspflicht

Die Lebenspartner haben bei der Erfüllung der sich aus dem lebenspartnerschaftlichen Verhältnis ergebenden Verpflichtungen einander nur für diejenige Sorgfalt einzustehen, welche sie in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegen.

§ 5 Verpflichtung zum Lebenspartnerschaftsunterhalt

Die Lebenspartner sind einander verpflichtet, durch ihre Arbeit und mit ihrem Vermögen die partnerschaftliche Lebensgemeinschaft angemessen zu unterhalten. § 1360 Satz 2, die §§ 1360a, 1360b und 1609 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.

§ 6 Güterstand

Die Lebenspartner leben im Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wenn sie nicht durch Lebenspartnerschaftsvertrag (§ 7) etwas anderes vereinbaren. § 1363 Abs. 2 und die §§ 1364 bis 1390 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.

§ 7 Lebenspartnerschaftsvertrag

Die Lebenspartner können ihre güterrechtlichen Verhältnisse durch Vertrag (Lebenspartnerschaftsvertrag) regeln. Die §§ 1409 bis 1563 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.

§ 8 Sonstige vermögensrechtliche Wirkungen

(1) Zugunsten der Gläubiger eines der Lebenspartner wird vermutet, dass die im Besitz eines Lebenspartners oder beider Lebenspartner befindlichen beweglichen Sachen dem Schuldner gehören. Im Übrigen gilt § 1362 Abs. 1 Satz 2 und 3 und Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs entsprechend.
(2) § 1357 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt entsprechend.

§ 9 Regelungen in Bezug auf Kinder eines Lebenspartners

(1) Führt der allein sorgeberechtigte Elternteil eine Lebenspartnerschaft, hat sein Lebenspartner im Einvernehmen mit dem sorgeberechtigten Elternteil die Befugnis zur Mitentscheidung in Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes. § 1629 Abs. 2 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt entsprechend.
(2) Bei Gefahr im Verzug ist der Lebenspartner dazu berechtigt, alle Rechtshandlungen vorzunehmen, die zum Wohl des Kindes notwendig sind; der sorgeberechtigte Elternteil ist unverzüglich zu unterrichten.
(3) Das Familiengericht kann die Befugnisse nach Absatz 1 einschränken oder ausschließen, wenn dies zum Wohl des Kindes erforderlich ist.
(4) Die Befugnisse nach Absatz 1 bestehen nicht, wenn die Lebenspartner nicht nur vorübergehend getrennt leben.
(5) Der Elternteil, dem die elterliche Sorge für ein unverheiratetes Kind allein oder gemeinsam mit dem anderen Elternteil zusteht, und sein Lebenspartner können dem Kind, das sie in ihren gemeinsamen Haushalt aufgenommen haben, durch Erklärung gegenüber dem Standesamt ihren Lebenspartnerschaftsnamen erteilen. § 1618 Satz 2 bis 6 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt entsprechend.
(6) Nimmt ein Lebenspartner ein Kind allein an, ist hierfür die Einwilligung des anderen Lebenspartners erforderlich. § 1749 Abs. 1 Satz 2 und 3 sowie Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt entsprechend.
(7) Ein Lebenspartner kann ein Kind seines Lebenspartners allein annehmen. Für diesen Fall gelten die §§ 1742, 1743 Satz 1, § 1751 Abs. 2 und 4 Satz 2, § 1754 Abs. 1 und 3, § 1755 Abs. 2, § 1756 Abs. 2, § 1757 Abs. 2 Satz 1 und § 1772 Abs. 1 Satz 1 Buchstabe c des Bürgerlichen Gesetzbuchs entsprechend.

§ 10 Erbrecht

(1) Der überlebende Lebenspartner des Erblassers ist neben Verwandten der ersten Ordnung zu einem Viertel, neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern zur Hälfte der Erbschaft gesetzlicher Erbe. Treffen mit Großeltern Abkömmlinge von Großeltern zusammen, so erhält der Lebenspartner auch von der anderen Hälfte den Anteil, der nach § 1926 des Bürgerlichen Gesetzbuchs den Abkömmlingen zufallen würde. Zusätzlich stehen ihm die zum lebenspartnerschaftlichen Haushalt gehörenden Gegenstände, soweit sie nicht Zubehör eines Grundstücks sind, und die Geschenke zur Begründung der Lebenspartnerschaft als Voraus zu. Ist der überlebende Lebenspartner neben Verwandten der ersten Ordnung gesetzlicher Erbe, so steht ihm der Voraus nur zu, soweit er ihn zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt. Auf den Voraus sind die für Vermächtnisse geltenden Vorschriften anzuwenden. Gehört der überlebende Lebenspartner zu den erbberechtigten Verwandten, so erbt er zugleich als Verwandter. Der Erbteil, der ihm aufgrund der Verwandtschaft zufällt, gilt als besonderer Erbteil.
(2) Sind weder Verwandte der ersten noch der zweiten Ordnung noch Großeltern vorhanden, erhält der überlebende Lebenspartner die ganze Erbschaft. Bestand beim Erbfall Gütertrennung und sind als gesetzliche Erben neben dem überlebenden Lebenspartner ein oder zwei Kinder des Erblassers berufen, so erben der überlebende Lebenspartner und jedes Kind zu gleichen Teilen; § 1924 Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt auch in diesem Fall.
(3) Das Erbrecht des überlebenden Lebenspartners ist ausgeschlossen, wenn zur Zeit des Todes des Erblassers

1.
die Voraussetzungen für die Aufhebung der Lebenspartnerschaft nach § 15 Abs. 2 Nr. 1 oder 2 gegeben waren und der Erblasser die Aufhebung beantragt oder ihr zugestimmt hatte oder
2.
der Erblasser einen Antrag nach § 15 Abs. 2 Nr. 3 gestellt hatte und dieser Antrag begründet war.

In diesen Fällen gilt § 16 entsprechend.

(4) Lebenspartner können ein gemeinschaftliches Testament errichten. Die §§ 2266 bis 2272 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.
(5) Auf eine letztwillige Verfügung, durch die der Erblasser seinen Lebenspartner bedacht hat, ist § 2077 des Bürgerlichen Gesetzbuchs entsprechend anzuwenden.
(6) Hat der Erblasser den überlebenden Lebenspartner durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen, kann dieser von den Erben die Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils als Pflichtteil verlangen. Die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs über den Pflichtteil gelten mit der Maßgabe entsprechend, dass der Lebenspartner wie ein Ehegatte zu behandeln ist.
(7) Die Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs über den Erbverzicht gelten entsprechend.

§ 11 Sonstige Wirkungen der Lebenspartnerschaft

(1) Ein Lebenspartner gilt als Familienangehöriger des anderen Lebenspartners, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.
(2) Die Verwandten eines Lebenspartners gelten als mit dem anderen Lebenspartner verschwägert. Die Linie und der Grad der Schwägerschaft bestimmen sich nach der Linie und dem Grad der sie vermittelnden Verwandtschaft. Die Schwägerschaft dauert fort, auch wenn die Lebenspartnerschaft, die sie begründet hat, aufgelöst wurde.

Abschnitt 3
Getrenntleben der Lebenspartner

§ 12 Unterhalt bei Getrenntleben

Leben die Lebenspartner getrennt, so kann ein Lebenspartner von dem anderen den nach den Lebensverhältnissen und den Erwerbs- und Vermögensverhältnissen der Lebenspartner angemessenen Unterhalt verlangen. Die §§ 1361 und 1609 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.

§ 13 Verteilung der Haushaltsgegenstände bei Getrenntleben

(1) Leben die Lebenspartner getrennt, so kann jeder von ihnen die ihm gehörenden Haushaltsgegenstände von dem anderen Lebenspartner herausverlangen. Er ist jedoch verpflichtet, sie dem anderen Lebenspartner zum Gebrauch zu überlassen, soweit dieser sie zur Führung eines abgesonderten Haushalts benötigt und die Überlassung nach den Umständen des Falles der Billigkeit entspricht.
(2) Haushaltsgegenstände, die den Lebenspartnern gemeinsam gehören, werden zwischen ihnen nach den Grundsätzen der Billigkeit verteilt. Das Gericht kann eine angemessene Vergütung für die Benutzung der Haushaltsgegenstände festsetzen.
(3) Die Eigentumsverhältnisse bleiben unberührt, sofern die Lebenspartner nichts anderes vereinbaren.

§ 14 Wohnungszuweisung bei Getrenntleben

(1) Leben die Lebenspartner voneinander getrennt oder will einer von ihnen getrennt leben, so kann ein Lebenspartner verlangen, dass ihm der andere die gemeinsame Wohnung oder einen Teil zur alleinigen Benutzung überlässt, soweit dies auch unter Berücksichtigung der Belange des anderen Lebenspartners notwendig ist, um eine unbillige Härte zu vermeiden. Eine unbillige Härte kann auch dann gegeben sein, wenn das Wohl von im Haushalt lebenden Kindern beeinträchtigt ist. Steht einem Lebenspartner allein oder gemeinsam mit einem Dritten das Eigentum, das Erbbaurecht oder der Nießbrauch an dem Grundstück zu, auf dem sich die gemeinsame Wohnung befindet, so ist dies besonders zu berücksichtigen; Entsprechendes gilt für das Wohnungseigentum, das Dauerwohnrecht und das dingliche Wohnrecht.
(2) Hat der Lebenspartner, gegen den sich der Antrag richtet, den anderen Lebenspartner widerrechtlich und vorsätzlich am Körper, der Gesundheit oder der Freiheit verletzt oder mit einer solchen Verletzung oder der Verletzung des Lebens widerrechtlich gedroht, ist in der Regel die gesamte Wohnung zur alleinigen Benutzung zu überlassen. Der Anspruch auf Wohnungsüberlassung ist nur dann ausgeschlossen, wenn keine weiteren Verletzungen und widerrechtlichen Drohungen zu besorgen sind, es sei denn, dass dem verletzten Lebenspartner das weitere Zusammenleben mit dem anderen wegen der Schwere der Tat nicht zuzumuten ist.
(3) Wurde einem Lebenspartner die gemeinsame Wohnung ganz oder zum Teil überlassen, so hat der andere alles zu unterlassen, was geeignet ist, die Ausübung dieses Nutzungsrechts zu erschweren oder zu vereiteln. Er kann von dem nutzungsberechtigten Lebenspartner eine Vergütung für die Nutzung verlangen, soweit dies der Billigkeit entspricht.
(4) Ist ein Lebenspartner aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, um getrennt zu leben und hat er binnen sechs Monaten nach seinem Auszug eine ernstliche Rückkehrabsicht dem anderen Lebenspartner gegenüber nicht bekundet, so wird unwiderleglich vermutet, dass er dem in der gemeinsamen Wohnung verbliebenen Lebenspartner das alleinige Nutzungsrecht überlassen hat.

Abschnitt 4
Aufhebung der Lebenspartnerschaft

§ 15 Aufhebung der Lebenspartnerschaft

(1) Die Lebenspartnerschaft wird auf Antrag eines oder beider Lebenspartner durch richterliche Entscheidung aufgehoben.
(2) Das Gericht hebt die Lebenspartnerschaft auf, wenn

1.
die Lebenspartner seit einem Jahr getrennt leben und

a)
beide Lebenspartner die Aufhebung beantragen oder der Antragsgegner der Aufhebung zustimmt oder
b)
nicht erwartet werden kann, dass eine partnerschaftliche Lebensgemeinschaft wieder hergestellt werden kann,
2.
ein Lebenspartner die Aufhebung beantragt und die Lebenspartner seit drei Jahren getrennt leben,
3.
die Fortsetzung der Lebenspartnerschaft für den Antragsteller aus Gründen, die in der Person des anderen Lebenspartners liegen, eine unzumutbare Härte wäre.

Das Gericht hebt die Lebenspartnerschaft ferner auf, wenn bei einem Lebenspartner ein Willensmangel im Sinne des § 1314 Abs. 2 Nr. 1 bis 4 des Bürgerlichen Gesetzbuchs vorlag; § 1316 Abs. 1 Nr. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt entsprechend.

(3) Die Lebenspartnerschaft soll nach Absatz 2 Satz 1 nicht aufgehoben werden, obwohl die Lebenspartner seit mehr als drei Jahren getrennt leben, wenn und solange die Aufhebung der Lebenspartnerschaft für den Antragsgegner, der sie ablehnt, aufgrund außergewöhnlicher Umstände eine so schwere Härte darstellen würde, dass die Aufrechterhaltung der Lebenspartnerschaft auch unter Berücksichtigung der Belange des Antragstellers ausnahmsweise geboten erscheint.
(4) Die Aufhebung nach Absatz 2 Satz 2 ist bei einer Bestätigung der Lebenspartnerschaft ausgeschlossen; § 1315 Abs. 1 Nr. 3 und 4 und § 1317 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gelten entsprechend.
(5) Die Lebenspartner leben getrennt, wenn zwischen ihnen keine häusliche Gemeinschaft besteht und ein Lebenspartner sie erkennbar nicht herstellen will, weil er die lebenspartnerschaftliche Gemeinschaft ablehnt. § 1567 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs gilt entsprechend.

§ 16 Nachpartnerschaftlicher Unterhalt

Nach der Aufhebung der Lebenspartnerschaft obliegt es jedem Lebenspartner, selbst für seinen Unterhalt zu sorgen. Ist er dazu außerstande, hat er gegen den anderen Lebenspartner einen Anspruch auf Unterhalt nur entsprechend den §§ 1570 bis 1586b und 1609 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.

§ 17 Behandlung der gemeinsamen Wohnung und der Haushaltsgegenstände anlässlich der Aufhebung der Lebenspartnerschaft

Für die Behandlung der gemeinsamen Wohnung und der Haushaltsgegenstände anlässlich der Aufhebung der Lebenspartnerschaft gelten die §§ 1568a und 1568b des Bürgerlichen Gesetzbuchs entsprechend.

§ 18 (weggefallen)

§ 19 (weggefallen)

§ 20 Versorgungsausgleich

(1) Wird eine Lebenspartnerschaft aufgehoben, findet in entsprechender Anwendung des Versorgungsausgleichsgesetzes ein Ausgleich von im In- oder Ausland bestehenden Anrechten (§ 2 Abs. 1 des Versorgungsausgleichsgesetzes) statt, soweit sie in der Lebenspartnerschaftszeit begründet oder aufrechterhalten worden sind.
(2) Als Lebenspartnerschaftszeit gilt die Zeit vom Beginn des Monats, in dem die Lebenspartnerschaft begründet worden ist, bis zum Ende des Monats, der dem Eintritt der Rechtshängigkeit des Antrages auf Aufhebung der Lebenspartnerschaft vorausgeht.
(3) Schließen die Lebenspartner in einem Lebenspartnerschaftsvertrag (§ 7) Vereinbarungen über den Versorgungsausgleich, so sind die §§ 6 bis 8 des Versorgungsausgleichsgesetzes entsprechend anzuwenden.
(4) Die Absätze 1 bis 3 sind nicht anzuwenden, wenn die Lebenspartnerschaft vor dem 1. Januar 2005 begründet worden ist und die Lebenspartner eine Erklärung nach § 21 Abs. 4 nicht abgegeben haben.

Abschnitt 5
Übergangsvorschriften

§ 21

(weggefallen)

§ 22 Abgabe von Vorgängen

Die bis zum Inkrafttreten dieses Gesetzes nach Landesrecht für die Begründung der Lebenspartnerschaft zuständigen Stellen haben die bei ihnen entstandenen Vorgänge einer jeden Lebenspartnerschaft an das Standesamt abzugeben, das nach § 17 des Personenstandsgesetzes für die Entgegennahme der Erklärungen der Lebenspartner zuständig gewesen wäre. Sind danach mehrere Standesämter zuständig, so sind die Unterlagen an das Standesamt, in dessen Bezirk beide Lebenspartner ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, abzugeben; haben die Lebenspartner keinen gemeinsamen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt, so ist das Standesamt zuständig, in dessen Bezirk einer der Lebenspartner seinen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Verbleiben auch danach noch mehrere Zuständigkeiten, so ist die abgebende Behörde bei der Wahl unter den zuständigen Standesämtern frei. Der Standesbeamte des danach zuständigen Standesamts hat die in § 17 in Verbindung mit den §§ 15, 16 des Personenstandsgesetzes bezeichneten Angaben unter Hinweis auf die Behörde, vor der die Lebenspartnerschaft begründet worden ist, in ein gesondertes Lebenspartnerschaftsregister einzutragen.

Abschnitt 6
Länderöffnungsklausel

§ 23 Abweichende landesrechtliche Zuständigkeiten

(1) Landesrechtliche Vorschriften, welche am 1. Januar 2009 bestehen und abweichend von den Vorschriften der §§ 1, 3 und 9 bestimmen, dass die jeweiligen Erklärungen nicht gegenüber dem Standesbeamten, sondern gegenüber einer anderen Urkundsperson oder einer anderen Behörde abzugeben sind, und bestehende Regelungen für die Beurkundung und Dokumentation solcher Erklärungen bleiben unberührt. Das Personenstandsgesetz findet insoweit keine Anwendung. Durch die landesrechtliche Regelung ist sicherzustellen, dass die Beurkundungen fortlaufend dokumentiert werden und Mitteilungspflichten, die das Personenstandsgesetz voraussetzt, erfüllt werden. Die Abgabe von Vorgängen nach Maßgabe von § 22 entfällt.
(2) Die Länder können auch nach dem 31. Dezember 2008 abweichend von den Vorschriften der §§ 1, 3 und 9 bestimmen, dass die jeweiligen Erklärungen nicht gegenüber dem Standesbeamten, sondern gegenüber einer anderen Urkundsperson oder einer anderen Behörde abzugeben sind. Das Personenstandsgesetz findet nach Inkrafttreten der landesrechtlichen Regelung insoweit keine Anwendung mehr. Durch die landesrechtliche Regelung ist jedoch sicherzustellen, dass ein Lebenspartnerschaftsregister eingerichtet wird, das gemäß den §§ 16, 17 des Personenstandsgesetzes fortzuführen ist. Die Länder können auch die Zuständigkeit für die Fortführung von Beurkundungen sowie die Abgabe von Vorgängen regeln, die bis zum Inkrafttreten der landesrechtlichen Regelung angefallen sind.
(3) Die nach den Absätzen 1 und 2 zuständigen Behörden sind berechtigt, personenbezogene Daten von Amts wegen an öffentliche Stellen des Bundes, der Länder und der Kommunen zu übermitteln, wenn die Kenntnis dieser Daten zur Ergänzung und Berichtigung sowie zur Fortführung von Unterlagen dieser Stellen im Rahmen ihrer Aufgaben erforderlich ist. Soweit nach Absatz 2 das Personenstandsgesetz nach Inkrafttreten der landesrechtlichen Regelung insoweit keine Anwendung mehr findet, wird das Bundesministerium des Innern ermächtigt, im Benehmen mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und mit Zustimmung des Bundesrates durch Rechtsverordnung das Weitere zu regeln.