Aktionsplan „Für Akzeptanz und gleiche Rechte Baden-Württemberg“

In Baden-Württemberg gibt es einen „Aktionsplan für Akzeptanz und gleiche Rechte„, der Teil des Koalitionsvertrages ist. Dort heißt es:

Der Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung gibt vor, dass in einem landesweiten Aktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ Konzepte entwickelt werden, um Vorurteile gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgendern, intersexuellen und queeren Menschen abzubauen und Baden-Württemberg zu einem Vorreiter für Offenheit und Vielfalt zu machen.

Grundsätzlich aus meiner Sicht ein unterstützenswertes Anliegen. Wenn früh an der Akzeptanz und dem Abbau von Vorurteilen gearbeitet wird entzieht man Feindseligkeiten den Boden. Wenn das dazu führt, dass auch Jugendliche, die von dem Schnitt abweichen, sich allgemein wohler fühlen, vielleicht eher ein offenes Verhältnis zu ihrer Sexualität oder ihrem „Anderssein“ entwickeln, dann würde ich das begrüßen.

Ich würde es beispielsweise sehr begrüßen, wenn in den Schulen eine Aufklärung darüber erfolgt, welche Phasen der Geschlechterentwicklung es gibt, wie pränatales Testosteron da mit hinein spielt und welch geringe Abweichungen teilweise mit Homosexualität verbunden sind. Ich glaube ja, dass in diesem Bereichen insbesondere ein Verstehen der Vorgänge dem ganzen eine wesentlich breitere Akzeptanz geben würde. Und natürlich kann man dann – wenn wohl eher auch mit älteren Schülern – über Geschlechterrollen reden und die sozialen Anteile daran behandeln oder sich Gedanken dazu machen.

Dort heißt es weiter:

Um die Akzeptanz sexueller Vielfalt und geschlechtlicher Identität zu erhöhen, bedarf es einer kritischen Analyse der bestehenden strukturellen Nachteile und vorurteilsmotivierten Ausgrenzungen.

Die Erwähnung von queeren Menschen oben und hier die Erwähnung struktureller Nachteile lassen mich allerdings eher befürchten, dass hier poststrukturalistische Theorien gefördert werden sollen.

Kindern bereits etwas über männliche Erbschuld und den Hass auf den weißen, heterosexuellen Mann (WHM) zu vermitteln wäre aus  meiner Sicht allerdings schädlich und kontraproduktiv. Wer hier die Extremisten an die Macht läßt (was ja keineswegs der Fall sein muss, ich hoffe es wird da auch sehr vernünftige Interessenverbände geben, hier in dieser Übersicht sagt man einiges zu Zielen), der wird schlicht eher die Abneigung vergrößern, weil sich denke ich viele Leute von diesen Theorien abwenden werden.

Insofern wäre eine starke Verbreitung zwar auch vorteilhaft: Nichts ist für den Genderfeminismus und die entsprechenden Theorien gefährlicher als wenn sie offen dargelegt werden und ihre Beachtung erfolgt wird. Solange sie niemanden etwas angehen blenden die Leute es aus,  wenn sie sich aber damit beschäftigen, dann fallen die großen Lücken in diesem Bereich auf. Insofern würde ich einen „Gender Studies Unterricht“ an Schulen ja sogar etwas positives abgewinnen können: Meinen Zugriffszahlen würde es wohl ähnlich gut tun wie seinerzeit der #Aufschrei (der eine deutliche Erhöhnung gebracht hat) und es würde der Kritik eine breite Öffentlichkeit bescheren, die für die Männerbewegung auch vorteilhaft sein dürfte.

Homo- und Transphobie muss in allen Lebensphasen von der Kindheit über die Jugend bis zum Alter und sowohl in der vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bildung als auch in Ausbildung und Studium, Arbeitswelt, Kultur und Sport entgegengewirkt werden.

Auch hier wäre die Frage, was dies konkret bedeutet: Ein paar gelungene Aufklärungskampagnen etc können durchaus etwas bewirken, Genderkram an allen Orten hingegen wird aus meiner Sicht hingegen schlicht ein Overkill sein. Ich vermute aber, dass es größer klingt als es letztendlich wird. Vielleicht werden noch ein paar „geschlechterneutrale Toiletten“ eingeführt (was ja wohl die große Leistung der Berliner Piraten auf dem Gebiet war).

An dieser Querschnittsaufgabe werden alle Landesressorts, in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich mitarbeiten. Gemäß des Leitsatzes „Gute Politik wächst von unten“ werden die Nichtregierungsorganisationen, Verbände und Vereine aktiv in die Erstellung des Aktionsplans „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ eingebunden. Ein breiter Beteiligungsprozess u.a. durch die Einrichtung eines Beirates soll sicherstellen, dass berechtigte Erwartungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, intersexuellen und transgender Menschen auch Gehör finden.

Hier hängt letztendlich alles von der Zusammensetzung ab. Eine breite Einbindung wirkt hoffentlich einem Genderextremismus entgegen.

Die Erstellung des Aktionsplans „Für Akzeptanz & gleiche Rechte Baden-Württemberg“ wird von Anfang an begleitet durch einen Beirat, bestehend aus Vertretungen der Ministerien, aller vier im Landtag vertretenen Fraktionen und 12 Vertretungen des landesweiten Netzwerks LSBTTIQ (Link siehe rechtes), den Kommunalen Landesverbänden, der Liga der freien Wohlfahrtspflege Baden-Württemberg, der Aidshilfe Baden-Württemberg und dem Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Was genau unter den 12 Vertretungen des LSBTTIQ zu verstehen ist wäre interessant. Hier ist eine Liste der Mitglieder dieses Netzwerkes. „Queerraten der Piratenpartei Karlsruhe“ weckt ungute Gefühle, in der Piratenpartei sind ja einige sehr extreme Personen, ich weiß aber nicht, ob hier vielleicht weit weniger extreme Personen anständige Arbeit machen.

Ziel des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg ist es, die Öffentlichkeit für das Recht auf Gleichbehandlung und Nichtdiskriminierung zu sensibilisieren und Maßnahmen zu entwickeln, um Ausgrenzung und Benachteiligung aktiv entgegenzuwirken.

Ich meine, dass man da nicht gleich in Panik verfallen sollte. Vielleicht kommt sogar etwas vernünftiges, was Transsexuellen, Homosexuellen etc tatsächlich hilft, dabei heraus, ohne das es in Abwertung der häufigeren/überwiegend vorhandenen Ausrichtungen (also der „CIS-Gender-Menschen„) umschlägt. Das wäre begrüßenswert. Sonst rückt es Theorien in den Vordergrund, die man dann ebenso aktiv angehen kann.

Es hätte jedenfalls etwas, wenn sich daraus beispielsweise genau das Gegenteil dessen entwickelt, was Gendertheoretiker sich vorstellen, etwa indem sich ein Biologielehrer des Themas annimmt oder Eltern entsprechende Aufnahme von der Forschung entsprechenden Theorien fordern.

Evolutionäre Wurzeln der Homophobie

(Disclaimer: Bitte zunächst diesen Artikel über den naturalistischen Fehlschluss lesen, nur weil etwas auf eine bestimmte Weise ist, ist es nicht gut, wünschenswert oder richtig. Natürlich besteht auch hier eine starke Ausformbarkeit)

Homophobie ist eine Aversion gegen Homosexuelle, eine Feindseligkeit gegen alles, was man mit Homosexualität in Verbindung bringt und eben auch gegen Homosexuelle. Es ist gerade wenn man biologische Theorien zur Entstehung der Homosexualität annimmt eine recht unverständliche Angst, denn letztendlich unterscheiden die jeweiligen Menschen sich darin, dass sie andere abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale haben, ein vergleichsweise geringer Unterschied, der eigentlich Nichthomosexuelle nicht belastet.

Hier noch mal kurz etwas zu biologischen Theorien zur Homosexualität:

Es ist aus meiner Sicht dennoch denkbar, dass hierfür biologische Wurzeln bestehen, die kulturell ausgestaltet werden können:

1. Die Elterntheorie

Eine Theorie ist, dass Eltern ein Interesse daran haben könnten, homosexuelle Einflüsse von ihren Kindern fernzuhalten, wenn Homosexualität einen sozialen Anteil hat. Ein Kind, dass Kontakt mit vielen Homosexuellen hat, könnte eben bei einer entsprechenden Veranlagung genau diese Anteile ausleben können. Das Kind von solchen Einflüssen fernzuhalten würde die verhindern und damit eher zu Enkelkindern führen.

2. Homosexueller Sex ist zu verführerisch

Eine Selektion auf Abneigung gegen homosexuellen Sex und Homosexualität verhindert, dass man sich den Freuden homosexuellen Sexes hingibt und verstärkt damit eine heterosexuelle Ausrichtung und verbessert damit die Chancen auf Nachwuchs. Gerade bei Männern wäre die Gefahr aufgrund des höheren Sexualtriebes und der geringeren Kosten des Sex hoch, dass man hier einfach seine Triebe auf diese Weise stillt, statt aufwändig um Frauen zu werben. Ähnlich wie ein bestimmter Geschmack oder Geruch zur Verhinderung der Aufnahme von verdorbenen oder schädlichen Speisen schützt, könnte hier ein gewisser Ekel davor schützen, gleichgeschlechtlichen Sex zu haben um so die Chance auf Nachwuchs zu erhöhen (wie Käse als verdorbene Milch oder andere Speisen wie 1.000 jährige Eier zeigen kann man auch so etwas kulturell ausformen, vieles ist eben eine Gewöhnungseffekt).

3. Sexuelle Selektion läuft gegen Anzeichen von Homosexualität gerade bei Männern.

Anzeichen für Heterosexuaöität des gewünschten Partners können wichtige Signale innerhalb der Partnerwahl sein, auf die positiv selektiert werden kann. Zum einen bedeutet Heterosexualität eine höhere Chance, dass man nicht verlassen wird, zudem wäre bei Erbbarkeit der Homosexualität, die bei biologischen Komponenten besteht, ein höheres Risiko vorhanden, dass auch Kinder homosexuell sind und damit eine geringere Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Gene weitergegeben werden.

Wenn dies der Fall wäre, dann wäre es für Männer vorteilhaft sich gegen den Eindruck zu wehren, dass sie homosexuell wären.

Vergleichbar wäre das mit dem Bewerben um einen Auftrag zur Zusammenarbeit. Wenn hier der Eindruck entsteht, dass man möglicherweise gar nicht an dem Auftrag interessiert ist, sondern eher einem anderen Auftrag haben will, dann hat man geringe Chancen ihn zu bekommen. Dass ist soweit einfache Spieltheorie: Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand eine für die Durchführung eines Projekts negative Eigenschaft aufweist, fließt als Faktor in die Bewertung ein. Dieser Faktor wäre dann, da eine Frau befürchten müsste, dass das Projekt „Schwangerschaft und Aufzucht der Kinder durch unterstützende Versorgung durch den Mann“ vorzeitig abgebrochen werden würde, und sie dann das „Kinderprojekt“ alleine  (oder jedenfalls ohne den Partner) finanzieren müsste, bei Frauen höher, da ein Mann die Kosten bei einer möglicherweise lesbischen Frau leichter auf diese abwälzen könnte

4. Hormonelle Übereinstimmungen

Da Homosexualität entweder mit einem hohen pränatalen Testosteronspiegel bei Lesben oder einem niedrigen pränatalen Testosteronspiegel bei Schwulen einhergeht, wenn die obigen Theorien stimmen, wären auch inswoweit negative Selektionen denkbar, da beides sich auf Fruchtbarkeit und für das Geschlecht typische Faktoren auswirken kann.

Zudem kann eben Homosexualität als Synonym für weibliche Männer oder sehr männliche Frauen genommen werden so dass die Assoziation eigentlich diese Faktoren meint (was eine kulturelle Ausgestaltung wäre und sich dann eigentlich dagegen wendet, dass Attraktivitätsmerkmale eher in die Richtung weibliche Frauen und männliche Männer gehen .

5. Kulturelle Ausgestaltung

Es gibt verschiedene Formen der Homophiobie. Heutzutage wird gerade in modernen Gesellschaften diese immer weiter zurückgedrängt. Da wäre die Frage, welche Faktoren hier zusammen spielen könnten. Meine Vermutung wäre, dass in modernen, sexuell offenen Gesellschaften, bei denen nicht mehr verlangt wird, dass man sich vor dem Sex bindet, bei dem man also ein Beziehung dank moderner Verhütungsmittel ausprobieren kann, die Notwendigkeit einer Abgrenzung geringer wird. Eine Frau geht eben kein Risiko in dieser Hinsicht mehr ein, sondern probiert sexuelles einfach aus, so dass auch die Notwendigkeit einer  Abgrenzung geringer ist.

Zudem besteht eben in weniger konservativen Gesellschaften auch weniger Notwendigkeit sich zu verheiraten, damit kann jede Beziehung schief gehen und es kommt mehr auf den individuellen Bezug an. Singles sind normaler und es wird insofern weniger erwartet, dass man sein Leben entsprechend einrichtet.

Zudem dürfte auch die zunehmende Selbständigkeit der Frauen und bessere Sozialsysteme auch bedeuten, dass auch Frauen in dieser Hinsicht eher auf andere Kriterien abstellen dürfen.

Nach diesen Kriterien wäre ein höheres Maß an Homophobie zu erwarten, wenn

  • Beziehungen auf Heirat und Versorgung vor dem Sex ausgerichtet sind
  • Frauen besonders abhängig von ihrem Partner sind
  • hohe intrasexuelle Konkurrenz um Partner
  • geringe Flexibilität in der Geschlechterrolle gerade in der Frage inwieweit man

Mildernde Faktoren wären demnach:

  • offenes Ausleben der Sexualität auch ohne feste Bindung
  • höhere Flexibilität mit den Geschlechterollen

Dies ist eher ein Brainstorming, ich freue mich insoweit über Ergänzungen. Das Homophobie letztendlich einfach das Mittel ist, seine eigene Heterosexualität ´zu betonen, dies wiederum kann für die Partnerwahl der Frau wichtig sein. Natürlich gab es auch immer wieder Kulturen, die gleichgeschlechtlichen Sex genutzt haben, um ihre Triebe abzubauen und Sex ohne Schwangerschaftsrisiko zu haben. Hier fallen einem die alten Griechen ein, die aber teilweise einfach eine andere Abgrenzung gebildet haben: Schenkelsex war okay und es sollte schon vermieden werden, dass mit dem anderen „Sex wie mit einer Frau gemacht wurde“. Stattdessen wurde eben betont, dass der andere durch den Ältern gefördert wird etc

Vorteile des Schwulseins

Adrian macht Werbung für die Homosexualität:

Wir bieten:

– ein lockeres Verhältnis zur Sexualität bei gleichzeitiger Abwesenheit von Sexismusvorwürfen und Vergewaltigungsangst

– kameradschaftlich-männlichen Umgang einschließlich interessanter Gespräche über Themen Deiner Wahl

– keinerlei finanzielle Verpflichtungen

– keine Gespräche über Gefühle wenn Du das nicht willst und auch keine Vorwürfe, wenn Du das nicht willst

– Freiheit der sozialen Geschlechtsrolle

Terminvereinbarung zum Vorstellungsgespräch gerne an: gay.west@web.de

Der Wechsel wäre sicherlich für einige Männer verlockend, wenn da nicht die sonstigen sozialen Nachteile und insbesondere der Umstand, dass man es sich nicht aussuchen kann vorhanden wäre. Natürlich gab es in der Geschichte immer wieder Versuche, dass zu umgehen (das antike Griechenland oder wohl auch Afghanistan heute, aber auch Gefängnisse fallen einem ein, aber auch dort ist es mit der Freiwilligkeit häufig nicht sehr weit her), die meisten Menschen werden jedoch keine tatsächliche Alternative darin sehen.

Homosexuelle Paare und das Kindeswohl adoptierter Kinder

In der Süddeutschen ist ein interessanter Bericht über eine Studie, die untersucht, wie es um das Kindeswohl bei Homosexuellen Paaren bestimmt ist:

Egal, ob schwul, lesbisch oder heterosexuell: Die sexuelle Orientierung von Adoptiveltern ist für das Wohl des Kindes offenbar unwichtig.

Hintergrund ist diese Studie:

Coparenting is associated with child behavior in families with heterosexual parents, but less is known about coparenting among lesbian- and gay-parent families. Associations were studied among self-reported divisions of labor, coparenting observations, and child adjustment (Mage = 3 years) among 104 adoptive families headed by lesbian, gay, or heterosexual couples. Lesbian and gay couples reported sharing child care, whereas heterosexual couples reported specialization (i.e., mothers did more child care than fathers). Observations confirmed this pattern—lesbian and gay parents participated more equally than heterosexual parents during family interaction. Lesbian couples showed the most supportive and least undermining behavior, whereas gay couples showed the least supportive behavior, and heterosexual couples the most undermining behavior. Overall, supportive coparenting was associated with better child adjustment.

Quelle: Coparenting Among Lesbian, Gay, and Heterosexual Couples: Associations With Adopted Children’s Outcomes

Den Volltext der Studie habe ich leider nicht gefunden. In dem Artikel in der Süddeutschen heißt es weiter:

Die beiden Psychologinnen stellten zwar fest, dass die homosexuellen Paare sich die Aufgaben der Kinderbetreuung wie Füttern, Anziehen und Spielen eher gleichmäßig aufteilten, während Männer und Frauen in gemischtgeschlechtlichen Paaren sich eher spezialisierten.

Doch das war den Kindern egal. Wichtig war vielmehr, wie die Partner mit der jeweiligen Aufgabenverteilung zurechtkamen: „Diejenigen Eltern, die mit dem Arrangement zufriedenen waren, hatten auch die Kinder mit weniger Verhaltensproblemen“, sagt Farr. „Es ist mit Sicherheit wichtig, wie harmonisch die Eltern miteinander umgehen.“

Ein Effekt der sexuellen Orientierung konnte nicht beobachtet werden.

Es scheint also hier keine großen Unterschiede zu geben. Wichtig ist, wie die Eltern zusammen halten.

Raum einnehmen und Normalität

Gerade findet sich sowohl bei der Mädchenmannschaft als auch bei Helge Hansen texte dazu, dass man natürlich Heterosexuelles Knutschen nicht verbieten wolle, es aber unsolidarisch sei und man es insofern lassen solle.

Ich habe dazu eigentlich bereits alles gesagt.

Es ist aus meiner Sicht der alte Fehler, dass angenommen wird, dass Heterosexuelle, die rumknutschen, es schwerer machen für Homosexuelle oder das diese dadurch eingeschränkt werden. Das eine sexualfeindliche Haltung es eher allen noch schwerer macht und Homosexuelle dann erst recht negativ auffallen, scheint man dort nicht zu sehen.

Begründet wird dies immer wieder mit einem „Raum einnehmen“, etwa wie folgt bei der Mädchenmannschaft:

Der springende Punkt ist: Ob ich will oder nicht – durch meine Hetero(pärchen)performance demonstriere ich nicht nur den Normalzustand und erinnere (schmerzhaft) an ihn, ich stelle ihn auch aktiv her und re_produziere ihn. Heteronormativität ist keine Einbahnstraße: Weil hetero “normal” ist, stelle ich mein Hetendasein unhinterfragt zur Schau (nicht im Sinne von “seht alle her, ich bin hetero und finde das ganz toll!”, sondern im Sinne von “ich muss nicht verstecken, was selbstverständlich für mich ist”) und ermutige andere, dies auch zu tun – und weil so viele ihr Hetendasein unhinterfragt und selbstverständlich zur Schau stellen, ist hetero sein “normal”. Ich inszeniere mich – möglicherweise ungewollt – als einen Teil der “Normalität” und schaffe sie damit erst. Ich trage aktiv dazu bei, ein Klima aufrecht zu erhalten, einen Raum zu schaffen, in welchem lesbische, schwule, queere Zärtlichkeit deutlich als “Abweichung” sicht- und fühlbar ist. Selbst, wenn in der konkreten Situation vielleicht keine konkrete Gefährdung, aktive Ausgrenzung oder exotisiertende Kommentierung befürchtet wird – aber Diskriminierung ist mehr als verbale oder physische Gewalt. Mit meiner Hetero- und Paarperformance nehme ich anderen Ausdrucksformen und Beziehungsweisen den Raum. Auch wenn ich das gar nicht will. Auch, wenn ich “alternative” Beziehungsformen gut finde oder gar lebe, ich mich selbst gar nicht als hetero verorte, Paarsein mir doch gar nicht so wichtig ist und_oder ich mich gegen Homophobie und Heterosexismus engagiere. Und auch, wenn ich das nicht hören will.

Der Gedanke des Raumnehmens scheint also zu sein, dass der Raum die öffentliche Wahrnehmung ist und jede Ausrichtung in ihr gleichwertig oder wohl noch besser gar nicht wahrgenommen werden sollte. Wenn eine Ausrichtung deutlicher auftritt, also Männer prägender wirken als Frauen, Heterosexuelle prägender wirken als Homosexuelle, dann werden diese Ausrichtungen nicht mehr als gleichwertig wahrgenommen, sondern die dominantere, mehr Raum einnehmende  Ausrichtung wird „Normalität“ und die andere wird „Abweichung“, was in dieser Vorstellung zwingend mit einer Abwertung verbunden ist.

Der erste Fehler dabei ist aus meiner Sicht, dass bereits das Grundkonzept nicht stimmt. Es gibt genug Fälle, in denen etwas mehr Raum einnimmt, deswegen aber die Abweichung nicht negativ sein muss. Es gibt sicherlich mehr Golfs als Porsches, was aber nicht bedeutet, dass ein Porsche eine negative Abweichung ist, auch wenn der Golf Normalität darstellt. Bei Schokolade mag einfache Vollmilchschokolade der häufigste Fall sein, aber das bedeutet nicht, dass man Nuss-Nougat-Schokolade als negative Abweichung sieht. Es mag sein, dass einzelne  Nuss-Nougat-Schokolade nicht essen wollen, aber daraus muss nicht folgen, dass sie etwas dagegen haben, dass andere sich diese Schokolade kaufen uns sie gerne essen. Man kann neben einem Nuss-Nougat-Schokolade-Esser eine Vollmilchschokolade essen, ohne diesem damit als Abweichler zu sehen.

Natürlich kann man dagegen anführen, dass Nuss-Nougat-Schokolade im Gegensatz zu Homsoxualität auch nicht umstritten ist und würden eher anführen, dass es vergleichbar damit ist, ein paar mit Schokolade überzogene Insekten zu essen, was negative Reaktionen betrifft. Aber auch hier wird man kaum erwarten, dass ein Schokoladennichtessen aus Solidarität die Lage irgendwie verbessert. Ungewöhnliches wird dann akzeptiert, wenn man es häufiger wahrnimmt, nicht wenn man weitere Verhaltensweisen abschottet. Wer solche weiteren Verhaltensweisen abstellt, der erzeugt kein Verständnis, sondern nur eine striktere Sexualmoral, die eher das Leben für Homosexuelle erschweren wird („wir halten uns ja auch zurück, da könnt ihr es auch lassen“).

Der zweite Fehler ist aus meiner Sicht die Auffassung, dass man durch ein solidarisches Nichtküssen auch nur im geringsten etwas daran ändern kann, dass Homosexualität nicht als Normalfall wahrgenommen wird. Selbst bei günstigen Prognosen sind 90% der Menschen heterosexuell und es dürften eher noch mehr sein. Die Vermutung, dass jemand, den man trifft heterosexuell ist erfordert keine Heteronormativität, sondern ist eine meist zutreffende Erfahrung, die noch dadurch verstärkt wird, dass wir bei denen, auf die es nicht zutrifft, zu einem gewissen Teil erkennen können, dass es nicht zutrifft. Bei bestimmten Personen wird man keine Heterosexualität vermuten, sondern eben direkt tippen, dass sie Homosexuell sind und wahrscheinlich auch dort mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit richtig liegen. Homosexualität ist eben nicht etwas, was bei hinreichender Akzeptanz den gleichen Raum einnehmen kann wie Heterosexualität in dem Sinne, dass es 50% Homosexuelle gibt, weil die sexuelle Orientierung biologische Ursachen hat und nicht einfach ein soziales Konstrukt ist.

Ein Miteinander erfordert nicht, dass man nicht knutscht, sondern das der andere das Gefühl hat, dass man ihn akzeptiert und dafür eintritt, dass er auch knutschen kann.

Kurzum: Wenn niemand knutscht, dann kann homosexuelles Knutschen nicht etwas werden, was man kennt und insoweit akzeptiert. Alle anderen Einschränkungen bringen aus meiner Sicht wenig.

Facebook-Likes und die Erkennbarkeit von Geschlecht, sexueller Orientierung etc.

Eine Studie hat überprüft, inwieweit aus den bei Facebook veröffentlichten Daten persönliche Informationen erlangt werden können:

We show that easily accessible digital records of behavior, Facebook Likes, can be used to automatically and accurately predict a range of highly sensitive personal attributes including: sexual orientation, ethnicity, religious and political views, personality traits, intelligence, happiness, use of addictive substances, parental separation, age, and gender. The analysis presented is based on a dataset of over 58,000 volunteers who provided their Facebook Likes, detailed demographic profiles, and the results of several psychometric tests. The proposed model uses dimensionality reduction for preprocessing the Likes data, which are then entered into logistic/ linear regression to predict individual psychodemographic profiles from Likes. The model correctly discriminates between homosexual and heterosexual men in 88% of cases, African Americans and Caucasian Americans in 95% of cases, and between Democrat and Republican in 85% of cases. For the personality trait “Openness,” prediction accuracy is close to the test–retest accuracy of a standard personality test. We give examples of associations between attributes and Likes and discuss implications for online personalization and privacy

Quelle:  Private traits and attributes are predictable from digital records of human behavior

Ausgewertet wurden die Likes auf verschiedene Seiten und daraus entsprechende Schlußfolgerungen hergeleitet. Hier etwas zu den Eigenschaften und den Wahrscheinlichkeiten, mit denen man sie ermitteln kann aus dem Spiegel:

Eigenschaft Trefferquote
Gebunden/Single 67 %
Zigarettenraucher 73 %
Trinkt Alkohol 70 %
Drogenkonsument 65 %
Weiß/Afroamerikaner 95 %
Christ/Moslem 82 %
Demokrat/Rebublikaner 85 %
Schwuler/heterosexueller Mann 88 %
Lesbische/heterosexuelle Frau 75 %
Geschlecht 93 %

Interessant dabei ist natürlich, welche Art der Like aussagekräftig waren:

Predictive Power of Likes. Individual traits and attributes can be predicted to a high degree of accuracy based on records of users’ Likes. Table S1 presents a sample of highly predictive Likes related to each of the attributes.

For example, the best predictors of high intelligence include “Thunderstorms,” “The Colbert Report,” “Science,” and “Curly Fries,” whereas low intelligence was indicated by “Sephora,” “I Love Being A Mom,” “Harley Davidson,” and “Lady Antebellum.”

Good predictors of male homosexuality included “No H8 Campaign,” “Mac Cosmetics,” and “Wicked The Musical,” whereas strong predictors of male heterosexuality included “Wu-Tang Clan,” “Shaq,” and “Being Confused After Waking Up From Naps.” Although some of the Likes clearly relate to their predicted attribute, as in the case of No H8 Campaign and homosexuality, other pairs are more elusive; there is no obvious connection between Curly Fries and high intelligence. Moreover, note that few users were associated with Likes explicitly revealing their attributes. For example, less than 5% of users labeled as gay were connected with explicitly gay groups, such as No H8 Campaign, “Being Gay,” “Gay Marriage,” “I love Being Gay,” “We Didn’t Choose To Be Gay We Were Chosen.” Consequently, predictions rely on less informative but more popular Likes, such as “Britney Spears” or “Desperate Housewives” (both moderately indicative of being gay)

Die komplette Auswertung ist sicherlich interessant. Es ist schon interessant, dass das Mögen eines Musicals ganz stereotyp eher durch Homosexuelle erfolgt

Hier ist eine  Tabelle dazu:

Dort zu Gender:

Facebook Gender

Facebook Gender

Also Computerspiele, Kriegsfernsehserien und Sport bei Männern und Schuhe, Mode, shoppen bei den Frauen.

Facebook Homosexualität

Facebook Homosexualität

Auch einiges Klischeehaftes dabei. Bei den heterosexuellen Männern Sport, bei den Homosexuellen Männern Gesang und Mode. Bei den homosexuellen Frauen verhältnismäßig direkte Zusammenhänge zur Homosexualität. Interessant vielleicht der Hinweis, dass man nicht schwanger ist. Bei den heterosexuellen Frauen interessanterweise Wrestling

Einige sind also nicht wirklich überraschend und recht eindeutig. Andere sind recht klischeehaft.

Hier kann man übrigens selbst etwas über sich herausfinden, wenn man ein Facebookprofil hat

Evolutionäre Vorteile von gleichgeschlechtlichen Sex

Roughgarden brachte mich auf das Thema „Vorteile gleichgeschlechtlichen Sex“ in evolutionärer Hinsicht. Dabei geht es nicht darum, dass Homosexualität an sich Vorteile bietet,eine reine Homosexualität stellt evolutionär erst einmal einen Nachteil dar, da auf diesem Weg keine Gene weitergegeben werden können.

Dessen ungeachtet kann aber gleichgeschlechtlicher Sex durchaus Vorteile bringen. Hier ein kleines Brainstorming

1. Bindung und Entspannung

Im Gegensatz zu diversen Religionen kennt Evolution keine Moral oder eine Wertung. Es geht nur um effektive Weitergabe von Genen. Dabei ist es bei evolutionären Vorgängen, die immer nur in sehr kleinen Schritten erfolgen können, häufig so, dass bereits bestehende Wege genutzt werden, um andere Effekte zu erzielen.

Ähnlich ist es auch bei Sex. Hier kann der bereits bestehende Weg, bestimmte Hormone durch Sex auszuschütten, genutzt werden, um die Grupenzusammengehörigkeit zu stärken.

Das findet sich zudem bei einigen Affenarten, bei denen die Weibchen die Versorgung der Kinder allein übernehmen und gleichgeschlechtlichen Sex nutzen um Spannungen abzubauen und die Zusammengehörigkeit zu stärken.

Genauso ist dies bei männlichen Wesen möglich. So sollen beispielsweise männliche Makaken auf diesem Weg Bündnisse schließen und ihre Zusammenarbeit stärken, Analsex unter Männchen soll dort sehr häufig vorkommen.

2. Spermienerneuerung

Spermien werden im Hoden bei Nichtverwendung auch wieder abgebaut. Es kann jedoch effektiver sein, alte weniger fruchtbare Spermien auszustoßen und so bei einer Befruchtungsmöglichkeit nur frische Spermien vorrätig zu haben. Eine eigene Triebabfuhr kann gerade für vierbeinige Tiere schwierig sein. Gleichgeschlechtlicher Sex kann dann eine passende Möglichkeit sein, zB bei Giraffen.

3. Triebabbau

Bei Tieren, die in einer starken Konkurrenz stehen und selten Weibchen treffen könnte ein starker Sexualtrieb vorteilhaft sein, damit diese bei Auftauchen eines Weibchens die Chance auch tatsächlich nutzen. Der gelegentliche Abbau dieses Triebes durch gleichgeschlechtlichen Sex kann dann ein Vorteil sein.

4. Abgrenzung zur Homosexualität

Wie bereits oben gesagt geht es um eine Abgrenzung von Homosexualität zu gelegentlichen gleichgeschlechtlichen Sex, also quasi eine Bisexualität. Eine solche kann wesentlich leichter biologisch erklärt werden und auch über einen größeren Anteil der Spezies ohne Nachteile eingerichtet werden, wenn es eben gerade darum geht, dass zB die oben genannten Mechanismen genutzt werden.

Solange dies nicht dazu führt, dass kein Interesse mehr an heterosexuellen Sex besteht ist es möglich, dass sich eine Bereitschaft zu gleichgeschlechtlichen Sex ensteht. Homosexualität wäre hingegen die Vorliebe für nur ein Geschlecht, nämlich das Geschlecht, welches man selbst hat, was aus evolutionärer Sicht wesentlich mehr Erklärungsbedarf erzeugt.

Homosexualität und diesbezügliche Klischees

Über den Blog „Schwulbekennen“ habe ich einen Artikel über einige Studien bezüglich Homosexualität gefunden, den ich ganz interessant finde (auch wenn Bild der Wissenschaft)

Zu Homophobie:

Der Sexualpädagoge Stefan Timmermanns, Leiter des Anti-Diskriminierungsprojekts Triangle, fand bei einer Befragung von 298 Schülern in Nordrhein-Westfalen heraus: 32 Prozent der Schülerinnen und 61 Prozent der Schüler sind schwulenkritisch eingestellt. Zwar haben zwei Drittel von ihnen nichts dagegen, wenn Geschichten von Schwulen und Lesben in ihren Schulbüchern stehen. Diese Toleranz endet jedoch an der eigenen Haustür: Mit einem schwulen Bruder hätten laut Timmermanns Untersuchung zwei von drei Jungen große Schwierigkeiten.

Das sind ja schon recht hohe Zahlen. Wobei eine nähere Aufschlüsselung, was genau schwulenkritisch bedeutet interessant wäre

Zu von der Geschlechterrolle abweichenden Verhalten:

Die Psychologen Gerulf Rieger und Michael Bailey von der Northwestern University in Chicago erforschen seit vielen Jahren den Wahrheitsgehalt geschlechtsbezogener Klischees. Bereits 1995 stellte Bailey fest, dass Homosexuelle sich als Rollenabweichler charakterisieren – und das seit frühester Jugend. Das Problem dieses Befundes: Es blieb unklar, ob Homosexuelle sich im Nachhinein als rollenuntypisch beschreiben – oder ob sie es tatsächlich schon in der Kindheit waren. Dieser Frage sind Rieger und Bailey jetzt nachgegangen. Sie filmten und interviewten 41 Homosexuelle sowie 49 Heterosexuelle beiderlei Geschlechts. Zudem analysierten sie zahlreiche Videofilme aus der Kindheit der Probanden – von Familienausflügen, Geburtstagspartys und Schulaufführungen. Die von den Versuchspersonen mitgebrachten Videoclips deckten alle Altersstufen vom ersten bis zum fünfzehnten Lebensjahr ab. Die Auswertung des Filmmaterials ergab laut Rieger ein klares Bild: Bewegungsmuster und körperlicher Ausdruck von männlichen homosexuellen Jugendlichen waren „femininer“ als bei ihren Geschlechtsgenossen und sie orientierten sich am Verhaltensrepertoire des anderen Geschlechts. Dadurch sei ihre sexuelle Ausrichtung ablesbar – am Gang, an der Stimme und auch an den Hobbys.

Auffallend sei, dass homosexuelle Jungen schon sehr früh wettbewerbsorientierte Sportarten ablehnen. Ihr gesamtes Verhalten erweise sich als viel untypischer für das eigene Geschlecht als das Spielverhalten homosexueller Mädchen.

Das ist nach der Theorie über die Entstehung der Homosexualität aufgrund pränataler Hormone auch zu erwarten. Nicht bei allen Homosexuellen, aber bei eine gewissen Anzahl, weil die Verhaltenszentren eben durch die gleichen Mechanismen betroffen sind, wie die sexuelle Orientiertung.

Zum „Gaydar“

Um zu prüfen, ob Homosexualität für jedermann leicht erkennbar ist, forderten die Wissenschaftler 82 unabhängige Beurteiler beiderlei Geschlechts auf, kurze Videoclips der Probanden anzusehen und danach zu entscheiden, ob sich die Kinder darin eher feminin oder maskulin präsentierten. Die Videosequenzen, die den – sowohl homo- als auch heterosexuellen – Beurteilern vorgespielt wurden, waren lediglich 10 bis 30 Sekunden lang.

Das Ergebnis: Jene männlichen Probanden, deren Verhalten in der Kindheit von den Betrachtern als feminin eingestuft wurde, gaben signifikant häufiger an, homosexuell zu sein. Videogutachtern, die selbst homosexuell waren, gelang es dabei besonders gut, feminines von maskulinem Verhalten zu unterscheiden. Hüftschwung, Gangbild und Schulterhaltung – das waren zentrale Merkmale, auf die sich ihr Urteil stützte.

Hüftschwung,Gangbild und Schulterhaltung sind in der Hinsicht auch sehr klischeehafte Indizien

Zu Anfeindungen aufgrund des abweichenden Verhaltens:

Wie die interviewten homosexuellen Männer und Frauen mehrheitlich berichteten, waren sie als Kinder wegen ihres rollenuntypischen Verhaltens oft gemaßregelt worden – sowohl von ihren Eltern als auch von Freunden. Doch trotz dieser Zurückweisung und Kritik verschwand ihr nonkonformes Verhalten nicht, im Gegenteil: Es verstärkte sich mit der Zeit. Im Lauf der Jahre wurde der Verhaltensunterschied gegenüber gleichaltrigen Heterosexuellen sogar größer.

Auch wieder ein Umstand, der wesentlich besser zu den biologischen Theorien passt. Hier sieht man wie Rollendruck aufgebaut wird und eben gerade keine Wirkung hat. Das Verhalten verstärkt sich mit dem Alter eher noch.

Zu den Abweichungen im Verhalten weiter:

Ein genauer Blick auf Riegers Ergebnisse zeigt: Das Bewegungsmuster homosexueller Jugendlicher weist eine größere Bandbreite auf als das von gleichaltrigen heterosexuellen. Es ist insgesamt weniger stark normiert. Unter den homosexuellen Probanden waren beide Verhaltensextreme stark ausgeprägt – sowohl das besonders feminine als auch das besonders maskuline Auftreten.

Das heterosexuelle Verhaltensmuster ist uniformer als das homosexuelle. Mit anderen Worten: Nicht Homosexualität ist leicht erkennbar, sondern Heterosexualität. Ein Umstand, den Rieger selbst thematisiert hat. Und es gibt eine weitere Ungenauigkeit der Untersuchung: Die sexuelle Orientierung wird nicht direkt aus dem Verhalten abgelesen, sondern nur indirekt erschlossen. Denn die Betrachter der Videoclips gaben lediglich an, welche Personen sich ihrer Meinung nach maskulin oder feminin verhalten hatten. Dieser Gegensatz war also nur ein Indiz für die sexuelle Orientierung, jedoch keinesfalls mit ihr gleichzusetzen.

Dazu hatte ich ja im Prinzip bereits etwas gesagt: Beides steht eben nur in einer gewissen Verbindung, weil beides durch pränatales Testosteron betroffen ist. Da es aber auf unterschiedliche Zeitpunkte und deren jeweiligen Testosteronstand ankommt, besteht kein direkter Zusammenhang.

Auch die Gegenmeinung kommt zu Wort:

Auch sei die simple Unterscheidung von „Maskulinität“ und „Femininität“ weder angemessen noch methodisch ausreichend fundiert, findet Hegarty. Körperhaltung, Schrittgeschwindigkeit und Gangbild sind in hohem Maße kulturell geprägt. So bewegt sich kein Mann heute noch so zackig und militärisch wie zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Auch das Bewegungsrepertoire junger Frauen hat sich verändert: Es ist widersprüchlicher und mehrdeutiger geworden. „Sie gehen am Montag zum Kickboxen, am Mittwoch zum Jazzdance und laufen an Karneval als Prinzessin herum“, meint die Genderforscherin Mart Busche. Passend dazu etabliert sich der Typus der machohaft auftretenden und dennoch heterosexuell begehrenden Frau immer mehr als Rollenmodell.

Das Geschlechterrollen kulturell ausgestaltet werden ist aus meiner Sicht unproblematisch. Natürlich kann es hier ein mehr oder weniger über die Zeit geben. Interessant finde ich die These, dass machohaft auftretende Frauen immer mehr zum Rollenmodell werden sollen. Ich denke es ist weniger ein klassisches „Machoverhalten“ als vielleicht die Kenntnis vieler Frauen, dass sie begehrt sind.

Zu Kunst:

Eine These lautet: Homosexuelle sind kreativer. Das glaubte die renommierte Schriftstellerin Susan Sontag bereits in der 1960er-Jahren bemerkt zu haben. Der Verwaltungswissenschaftler Gregory B. Lewis von der Georgia State University untersuchte mit statistischen Methoden die Bevölkerungsdaten aus dem sogenannten General Social Survey der Jahre 1993 bis 1998. Er stellte fest: Homosexuelle gehen häufiger ins Museum und in die Oper, sie spielen eher ein Musikinstrument als Heterosexuelle, und sie haben tatsächlich eine besondere Vorliebe für Tanz, Musik und Malerei. Das gilt für Schwule und Lesben gleichermaßen. Ein Beispiel: Während 59,6 Prozent der befragten männlichen und weiblichen Homosexuellen angaben, im vorangegangenen Jahr ein Museum oder eine Kunstgalerie besucht zu haben, waren es bei den Heterosexuellen bloß 42,3 Prozent. Von einem angeborenen Kreativitätssinn könne jedoch keinesfalls die Rede sein, betont Gregory B. Lewis. Mit seiner empirischen Forschung fand der Forscher eine bessere Erklärung: Erwachsene Homosexuelle leben bevorzugt in einem städtischen Umfeld, sind im Allgemeinen kinderlos und haben relativ häufig einen hohen Bildungsabschluss. Diese äußeren Faktoren erklären den Sinn fürs Ästhetische, nicht aber die sexuelle Orientierung. Das heißt: Ein Schwuler, der auf dem Dorf lebt und Hauptschulabschluss hat, ist wahrscheinlich ein ebenso großer Kunstmuffel wie ein heterosexueller Familienvater in der Provinz mit niedrigem Bildungsabschluss.

Es könnte eine gewisse  Disposition sein, die bei dem passenden kulturellen Einfluss voll zum tragen kommt. Allerdings gehen ja auch genug heterosexuelle Männer gern ins Theater und mögen Malerei und genug Frauen nicht.

Zur Homophobie:

Der Widerwille gegen Schwule gedeiht besonders gut in älteren Bevölkerungsschichten mit niedriger Bildung, die eine starke Affinität zur Religion besitzen und selten persönliche Kontakte zu Homosexuellen unterhalten, rekapituliert der Psychologe Gregory Herek von der University of California in Davis den Forschungsstand. Nach einer Umfrage des Kieler Psychologen Bernd Simon ist antihomosexuelles Gedankengut zudem bei jungen Männern türkischer Herkunft besonders verbreitet. 74 Prozent der Schüler ohne Migrationshintergrund befürworteten seinen Untersuchungen zufolge eine rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben, aber nur 38 Prozent der jungen Türken.

Ich würde ja vermuten, dass tatsächlich die patriarchischen Kulturen eine stärkere Tendenz zu Homophobie zeigen. Dort ist eben die intrasexuelle Konkurrenz besonders wichtig und damit auch der Status als „echter Mann“.

Es ist im Grunde verwunderlich, dass sich heterosexuelle Männer über Schwule echauffieren, da diese im Wettbewerb um Frauen als Konkurrenten ausfallen und dadurch die eigenen Chancen erhöhen. Der Eindruck, dass Homosexuelle sich einen eigenwilligen, ungebundenen Lebensstil herausnehmen, löst womöglich Neidgefühle aus, spekuliert der Mediziner Marshall Forstein von der Harvard University: „Das ist die Angst, dass da jemand glücklicher ist.“ Außerdem vermutet Forstein, Männer seien homophober als Frauen, weil der Gedanke an die anale Penetration nur zu leicht die Assoziation wecke, „verweiblicht“ zu werden.

Es ist etwas kurzfristig gedacht, dass man einfach nur weniger Konkurrenz hat. Die Gefahr scheint mir eher darin zu liegen, dass man selbst für Homosexuell gehalten wird, quasi durch Assoziation. Da bei Männern Attraktivität wesentlich mehr über Verhalten und Status aufgebaut wird, ist ein Verlust in diesem Bereich für Männer gefährlicher für den Partnerwert.

Ein wichtiges Merkmal der Homophobie ist, dass sich die Betreffenden weniger vor Homosexuellen fürchten, als dass sie sich ekeln. Das ist eine seltsame Zweckentfremdung der Ekelreaktion, die ursprünglich aus der Sphäre der Nahrungsaufnahme stammt und Menschen davor schützen soll, gesundheitsschädliche Lebensmittel zu verzehren. Die Evolution hat das Ekelgefühl offenbar flexibel gemacht, nach dem Motto: Ekle dich vor den Dingen, die in deiner Gesellschaft als ekelhaft gelten! Die erstaunliche Anpassung der Ekelreaktion führt dazu, dass Ekelmetaphern oft missbraucht werden, um unliebsame Menschen oder Verhaltensweisen zu diffamieren. „Unsere Probanden haben erzählt, dass sie auch Rassisten, Kinderschänder sowie politisch links oder rechts Stehende als ekelhaft empfinden“, betont der Psychologe Paul Rozin von der University of Pennsylvania.

Ein weiterer Grund, den ich mir vorstellen könnte ist, dass es für Männer mit ihrem stärkeren Sexualtrieb wesentlich gefährlicher wäre, wenn sie Sex mit Männern gut finden würden. Es kann sich biologisch lohnen, dass frühzeitig durch ein gewisses Ekelgefühl abzufangen.

Um die Rolle des Ekels beim Schwulenhass auszuloten, hat ein Psychologenteam um David Pizarro von der Cornell University mit einem Test 100 Männer und Frauen darauf sondiert, wie leicht sie in den Würgereflex verfallen – sowohl beim Gedanken an widerliche Speisen und Objekte als auch bei der Vorstellung von Verhaltensweisen wie Inzest oder Sex mit Tieren. Dann zeigte Pizarro ihnen Bilder, die eine homosexuelle Thematik hatten, etwa zwei aufeinanderliegende Männer. Gemessen wurde die Geschwindigkeit, mit der die Probanden Assoziationen wie „widerlich“ oder „wunderbar“ beisteuerten. Je schneller eine Person negative Begriffe mit einer Sache verbindet, desto stärker gilt diese als negativ.

Das Ergebnis war eindeutig: Personen, die sich über eine faulige Speise oder eine verwesende Leiche am stärksten ekelten, lehnten auch Schwule besonders schnell und heftig ab. In einer weiteren Studie konnten die Forscher zudem nachweisen, dass sich politisch Konservative leichter ekeln als links Stehende. Dies erklärt wohl auch die Verbindung zwischen Glaube und Schwulenhass. In der fundamentalistisch-religiösen Geisteswelt besteht ein starkes Bedürfnis nach „Reinheit“. Nahrungstabus, die Ablehnung von menstruierenden Frauen und die Abscheu gegenüber „Gottlosen“ gehören zum Symptomen-Komplex. Und der kann sich für Schwule fatal auswirken: In einigen islamischen Ländern sieht die Scharia die Todesstrafe für Homosexuelle vor.

Es ist zu vermuten, dass man „Reinheit“ kulturell verschieden aufladen kann und wenn Homosexualität in diesen Bereich eingeordnet wird, dann entsteht die hier deutlich werdende Verbindung.

Bundesverfassungsgericht zur Adoption von adoptierten Kindern des homosexuellen Partners (Sukzessivadoption)

Heute hat das Bundesverfassungsgericht eine Entscheidung zur Zulässigkeit der Adoption von adoptierten Kindern des homosexuellen Partners getroffen und ein Verbot dieser für Verfassungswidrig erklärt

Aus der Pressemitteilung:

Die Nichtzulassung der sukzessiven Adoption angenommener Kinder eingetragener Lebenspartner durch den anderen Lebenspartner verletzt sowohl die betroffenen Kinder als auch die betroffenen Lebenspartner in ihrem Recht auf Gleichbehandlung (Art. 3 Abs. 1 GG). Dies hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in einem heute verkündeten Urteil entschieden. Der Gesetzgeber hat bis zum 30. Juni 2014 eine verfassungsgemäße Regelung zu treffen. Bis zur gesetzlichen Neuregelung ist das Lebenspartnerschaftsgesetz mit der Maßgabe anzuwenden, dass die Sukzessivadoption auch für eingetragene Lebenspartnerschaften möglich ist.

Der Entscheidung liegen im Wesentlichen die folgenden Erwägungen zugrunde:

1. Nach bisheriger Rechtslage ist die Adoption des leiblichen Kindes des eingetragenen Lebenspartners möglich (sogenannte Stiefkindadoption, § 9 Abs. 7 LPartG). Nicht eröffnet ist hingegen die hier in Rede stehende Adoption des vom eingetragenen Lebenspartner angenommenen Kindes (sogenannte Sukzessivadoption). Ehegatten wird demgegenüber sowohl die Möglichkeit der Stiefkindadoption als auch die der Sukzessivadoption eingeräumt.

2. Hinsichtlich der beiden Ausgangsverfahren wird auf die Pressemitteilung Nr. 81/2012 vom 3. Dezember 2012 verwiesen.

3. Der Ausschluss der Sukzessivadoption durch eingetragene Lebenspartner verletzt den allgemeinen Gleichheitssatz (Art. 3 Abs. 1 GG).

a) Dabei kommt ein – gegenüber dem bloßen Willkürverbot – deutlich strengerer Prüfungsmaßstab zur Anwendung. Mit Blick auf die Ungleichbehandlung der betroffenen Kinder gilt dies schon deshalb, weil Grundrechte berührt sind, die für die Persönlichkeitsentfaltung der Kinder wesentlich sind. Auch die Rechtfertigung der Ungleichbehandlung von Verheirateten und eingetragenen Lebenspartnern unterliegt hohen verfassungsrechtlichen Anforderungen, weil sie die sexuelle Identität betrifft.

b) Die Ungleichbehandlung der betroffenen Kinder im Verhältnis zu adoptierten Kindern von Ehepartnern ist nicht gerechtfertigt. Gleiches gilt für die Ungleichbehandlung der betroffenen Lebenspartner im Verhältnis zu Ehegatten, denen eine Sukzessivadoption möglich ist.

aa) Generell soll mit der Beschränkung von Sukzessivadoptionen insbesondere der Gefahr entgegengewirkt werden, dass ein Kind konkurrierenden Elternrechten ausgesetzt ist, die widersprüchlich ausgeübt werden könnten. Zum Wohle des Kindes soll zudem verhindert werden, dass es im Wege der sukzessiven Adoption von Familie zu Familie weitergegeben wird. Weil diese Gefahren für gering gehalten werden, wenn es sich bei den Eltern um Ehepartner handelt, ist die Sukzessivadoption durch Ehepartner zugelassen. Die Adoption durch den eingetragenen Lebenspartner unterscheidet sich jedoch in beiden Aspekten nicht von der durch den Ehepartner. Insbesondere ist die eingetragene Lebenspartnerschaft gleichermaßen auf Dauer angelegt und durch eine verbindliche Verantwortungsübernahme geprägt wie eine Ehe.

bb) Der Ausschluss der Sukzessivadoption ist nicht damit zu rechtfertigen, dass dem Kind das Aufwachsen mit gleichgeschlechtlichen Eltern schade. Es ist davon auszugehen, dass die behüteten Verhältnisse einer eingetragenen Lebenspartnerschaft das Aufwachsen von Kindern ebenso fördern können wie die einer Ehe. Bedenken, die sich gegen das Aufwachsen von Kindern in gleichgeschlechtlichen Elterngemeinschaften im Allgemeinen richten, wurden in der ganz überwiegenden Zahl der sachverständigen Stellungnahmen zurückgewiesen. Im Übrigen wäre der Ausschluss der Sukzessivadoption ungeeignet, etwaige Gefahren solcher Art zu beseitigen, denn er kann, darf und soll nicht verhindern, dass das Kind mit seinem Adoptivelternteil und dessen gleichgeschlechtlichem Lebenspartner zusammenlebt. Weder die Einzeladoption durch homosexuelle Menschen noch das faktische Zusammenleben eingetragener Lebenspartner mit dem Kind eines der beiden Partner ließen sich ohne gravierende Verstöße gegen das Grundgesetz unterbinden. Das Lebenspartnerschaftsgesetz unterstützt deren familiäres Zusammenleben vielmehr, indem es gerade für diesen Fall Regelungen trifft, die dem Lebenspartner, der nicht Elternteil im Rechtssinne ist, elterntypische Befugnisse einräumen, einschließlich der Möglichkeit, einen gemeinsamen Lebenspartnerschaftsnamen zu verwenden. Auch die Sukzessivadoption an sich beeinträchtigt das Kindeswohl nicht, sondern ist diesem in den hier zu beurteilenden Konstellationen regelmäßig zuträglich. Nach Einschätzung der angehörten Sachverständigen ist sie geeignet, stabilisierende entwicklungspsychologische Effekte zu entfalten. Ferner verbessert sie die Rechtsstellung des Kindes bei Auflösung der Lebenspartnerschaft durch Trennung oder Tod. Dies betrifft zum einen das Sorgerecht, das dann im Fall der Trennung unter Berücksichtigung des Kindeswohls von Fall zu Fall angemessen geregelt werden kann. Zum anderen gilt dies in materieller Hinsicht, denn ein Kind profitiert von der doppelten Elternschaft insbesondere in unterhalts- und erbrechtlicher Hinsicht. Schließlich ist eine Gefährdung des Kindeswohls durch Zulassung der Sukzessivadoption auch deshalb nicht zu befürchten, weil jeder Adoption – auch der Sukzessivadoption – eine Einzelfallprüfung vorausgeht, bei der etwaige individuelle Nachteile der konkret in Frage stehenden Adoption berücksichtigt werden.

cc) Der Ausschluss der Sukzessivadoption wird nicht durch den Zweck gerechtfertigt, eine Umgehung der gesetzgeberischen Entscheidung gegen die Zulassung der gemeinschaftlichen Adoption durch zwei eingetragene Lebenspartner zu verhindern. Dabei bedarf hier keiner Entscheidung, ob der Ausschluss der gemeinschaftlichen Adoption mit dem Grundgesetz vereinbar ist, obgleich das Gesetz diese für Eheleute zulässt.

dd) Der durch Art. 6 Abs. 1 GG gebotene besondere Schutz der Ehe rechtfertigt nicht die Benachteiligung angenommener Kinder eines Lebenspartners gegenüber angenommenen Kindern eines Ehepartners. Zwar ist es dem Gesetzgeber wegen des verfassungsrechtlichen Schutzes der Ehe grundsätzlich nicht verwehrt, diese gegenüber anderen Lebensformen zu begünstigen. Zur Rechtfertigung der Benachteiligung vergleichbarer Lebensgemeinschaften bedarf es jedoch eines hinreichend gewichtigen Sachgrundes, der hier nicht gegeben ist.

c) Auch zwischen der Adoption eines leiblichen Kindes des eingetragenen Lebenspartners und der Adoption eines angenommenen Kindes des eingetragenen Lebenspartners bestehen keine Unterschiede solcher Art, die eine unterschiedliche Behandlung rechtfertigen könnten. 4. Das Recht des Kindes auf staatliche Gewährleistung elterlicher Pflege und Erziehung, das Elterngrundrecht und das Familiengrundrecht sind hingegen – für sich genommen – nicht verletzt. a) Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG verleiht dem Kind ein Recht auf staatliche Gewährleistung elterlicher Pflege und Erziehung. Wie der Staat seine Verpflichtung zu einem effektiven Grundrechtsschutz erfüllt, ist in erster Linie vom Gesetzgeber zu entscheiden. Die Grenzen des dem Gesetzgeber zustehenden Spielraums sind hier nicht überschritten. Die betroffenen Kinder sind nicht elternlos, sondern haben einen Elternteil im Rechtssinne. Zudem hat der Gesetzgeber anderweitig Sorge dafür getragen, dass der Lebenspartner des Adoptivelternteils in gewissem Umfang elterliche Aufgaben wahrnehmen kann, indem ihm praktisch wichtige elterntypische Befugnisse verliehen werden (vgl. § 9 Abs. 1 und Abs. 2 LPartG).

b) Dass ein eingetragener Lebenspartner das angenommene Kind seines Partners nicht adoptieren kann, verletzt nicht das durch Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG geschützte Elternrecht. Zwar schützt Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG nicht nur verschiedengeschlechtliche Eltern, sondern auch zwei Elternteile gleichen Geschlechts. Dies folgt schon aus der Kindeswohlfunktion des Elterngrundrechts. Auch der Wortlaut des Elterngrundrechts bzw. abweichende historische Vorstellungen stehen einer Anwendung auf zwei Personen gleichen Geschlechts nicht entgegen. Jedoch begründet ein allein soziales-familiäres Elternverhältnis zum Kind des Lebenspartners keine verfassungsrechtliche Elternschaft. Träger des verfassungsrechtlichen Elternrechts können grundsätzlich nur Personen sein, die in einem durch Abstammung oder durch einfachgesetzliche Zuordnung begründeten Elternverhältnis zum Kind stehen.

c) Schließlich verletzt der Ausschluss der Sukzessivadoption auch nicht das durch Art. 6 Abs. 1 GG garantierte Familiengrundrecht. Zwar bildet die sozial-familiäre Gemeinschaft aus eingetragenen Lebenspartnern und dem leiblichen oder angenommenen Kind eines Lebenspartners eine durch Art. 6 Abs. 1 GG geschützte Familie. Jedoch kommt dem Gesetzgeber bei der rechtlichen Ausgestaltung der Familie ein Spielraum zu. Dieser ist durch die Verwehrung der Sukzessivadoption nicht überschritten. Der Gesetzgeber ist durch Art. 6 Abs. 1 GG nicht verpflichtet, in jedem Fall einer faktischen Eltern-Kind-Beziehung das volle Elternrecht zu gewähren.

Homosexualität und Queertheorie – Wie als Mann auf Männer stehen sexistisch sein kann

Auf dem Blog „kleiner Drei“ gab es einen Artikel zur Homosexualität aus Sicht der Queertherie:

Ich bin also schwul. Aber ich weiß gar nicht, ob das stimmt und was das überhaupt heißen soll. Nachdem ich Judith Butlers »Gender Trouble« gelesen hatte, dachte ich mir: Na, irgendwie auch doof von sich zu sagen, man sei irgendwas, ob jetzt nun asexuell, lesbisch, bi, trans, inter, queer, schwul oder heterosexuell. Es gibt so viele Sexualitäten wie es Individuen gibt – so! Ich finde es manchmal deswegen sogar problematisch zu sagen, dass ich schwul sei. Ich war mit Menschen zusammen, die ich mochte und ich hatte Sex mit ihnen, weil ich auf sie stand und zufällig waren diese Menschen männlich. Wie könnte ich also jemals ausschließen, dass ich nicht irgendwann auf eine Frau stoße, die ich anziehend finde? Ich kann das doch aus meiner gegenwärtigen Position nur für unwahrscheinlich halten, ganz ausschließen kann ich das jedoch nicht. So wie kein heterosexueller Mann es ausschließen kann, jemals irgendetwas mit einem Mann zu haben (Stichwort: MSM), kann kein Schwuler ausschließen, etwas mit einer Frau zu haben. Wir sind schließlich keine Hellseher. Andererseits wird einem diese Gleichung erst bewusst, wenn man Interesse (und sei es sexuelles Interesse) an den Menschen bindet und nicht an sein Geschlecht dahinter – denn das ist sexistisch.

Diesen Gedanken, dass man nur rein zufällig als Mann bisher nur mit  Männern geschlafen hat, weil ja alles ganz variabel ist und nicht biologisch festgelegt, habe ich von Queertheoretikern schon häufiger gelesen. Es ist eigentlich eine konsequente Weiterentwicklung des dortigen Gedankens, dass eben alles variabel ist und man wird kaum Hetereosexuellen vorhalten können, dass sie nur ganz zufällig auf das andere Geschlecht stehen. Und natürlich gibt es auch Bisexualität und man kann einiges ausprobieren. Aber es ist eben kein Zufall ob man auf das eigene oder das andere Geschlecht steht.

Zu Biologie, Homosexualität und auch Queertheorie hatte ich ja hier schon einiges:

Interessant finde ich dennoch die Einstellung, dass überzeugtes Homosexuell sein nach dieser Vorstellung gleich sexistisch ist. Da würde mich zB Lantzschis Meinung zu interessieren. Es macht innerhalb dieser Theorie auch das Anflirten einer lesbischen Frau als Mann eigentlich zu etwas normalem, warum sollte sie einen nicht als Mensch sehen und was von einem wollen? Es wäre also insofern nicht heteronormativ, sondern sie wäre sexistisch, wenn sie sich darüber aufregt, weil sie eben davon ausgeht, dass ihre Sexualität fixiert wäre.