Rangordnungen, auch Dominanzhierarchie und Geltungshierarchie

Im gestrigen Beitrag ging es auch um die Unterschiede von Dominanz, dazu findet sich hier ein Artikel, der das aus meiner Sicht noch einmal ganz gut darstellt:

Zur grundsätzlichen Defintion:

Rangordnung, soziale Hierarchie, Dominanzhierarchie:
die Ausbildung von sozialen Unterschieden zwischen den Individuen einer Gruppe von Tieren oder Menschen, die durch Dominanz- (Dominanz) und Unterlegenheits-Verhältnisse (Subordination; Demutsgebärde, Hemmlaut) gekennzeichnet sind (biologische Rangordnung).

Zu verschiedenen Ausgestaltungen:

Die Rangordnungsstruktur kann sehr unterschiedlich sein. Im einfachsten Fall kann ein einzelnes Individuum (oder ein Paar) alle übrigen Gruppenmitglieder dominieren. Häufiger als eine solche Zweiteilung in „Herrscher“ und „Beherrschte“ sind abgestufte Rangordnungen, bei denen die jeweilige Rangposition jedes Individuums mit den Buchstaben des griechischen Alphabets bezeichnet wird: Dem ranghöchsten Alphatier folgt das Betatier usw., das rangtiefste Mitglied der Gruppe wird Omegatier genannt. Sind sämtliche Rangbeziehungen in der Gruppetransitiv (wenn A dominant über B ist und B über C, dann ist A auch über C dominant), entsteht eine lineare Hierarchie. Vor allem in größeren Gruppen treten häufig aber auch nicht transitive Rangbeziehungen auf (C ist dominant über A); in solchen Fällen ist die Hierarchie nicht linear. Das Phänomen einer abgestuften Rangordnung in Tiergesellschaften wurde erstmals 1922 von T. Schjelderup-Ebbe als Hackordnung bei Haushühnern beschrieben.

Zu Arten, wie sie aufrechterhalten werden:

Eine Hackordnung (bei Wölfen [vgl. Abb. ] und anderen Säugetieren spricht man auch von einer Beißordnung) ist eine Form aggressiver Dominanz (Aggression, Dominanzverhalten, Drohverhalten,Imponierverhalten, Konfliktverhalten).

Genügen subtile Signale (Status-Signal), um Statusunterschiede deutlich zu machen (oft nur submissive Signale des Unterlegenen), spricht man von formaler oder formalisierter Dominanz.

Operational werden Dominanzbeziehungen über die Häufigkeit und Richtung agonistischer Interaktionen (aggressives und submissives Verhalten; agonistisches Verhalten) definiert und nicht über den privilegierten Zugang zu bestimmten Ressourcen oder über andere Verhaltensweisen, die oft, aber keineswegs zwingend mit Dominanz korrelieren (Dominanz-Konzept). Zugang zu Ressourcen ist vielfach kontextabhängig und kann mit dem Funktionskreis des Verhaltens wechseln (z.B. kann ein Individuum bevorzugten Zugang zum Futter haben, vom Zugang zu anderen Ressourcen jedoch ausgeschlossen werden). Ob und gegebenenfalls wie gut Variablen wie der Zugang zu Ressourcen (und damit unter Umständen derFortpflanzungserfolg von Individuen) oder Verhaltensmuster wie Aggressivität oder die Aufmerksamkeitsstruktur einer Gruppe mit Dominanz korrelieren, ist eine jeweils empirisch zu klärende Frage (vielfach besitzen ranghohe Individuen sowohl im übertragenen wie im wörtlichen Sinn ein „hohes Ansehen“.

Eine weitere Unterteilung nach der Art der Interaktion und der unterschiedlichen Teilnehmer:

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen gerade bei Primaten jedoch vielfach auch Individuen, die keinen hohen (Dominanz-)Rang haben, wie z.B. Jungtiere oder sexuell attraktive Weibchen. Sind agonistische Interaktionen strikt asymmetrisch, spricht man von einer „despotischen“ Beziehung (Despotismus), sind sie – mehr oder weniger – symmetrisch, von einer eher „egalitären“ Beziehung. Der Eindruck einer symmetrischen und damit weitgehend egalitären Beziehung kann aber auch durch Rangwechsel vorgetäuscht werden. Despotische Hierarchien bei Primaten (Affen,Menschenaffen, Mensch) sind meist streng formalisiert und darüber hinausnepotistisch: Der Rang der Nachkommen (oft der Töchter, bei manchen Arten aber auch der der Söhne) hängt von ihrer sozialen Herkunft (dem Rang eines oder beider Elternteile) ab.

Der Arztsohn gilt als besser als der Sohn vom Müllmann sozusagen.

Auch interessant: Paarung und Aufstieg in der Hierarchie

Vermutungen, daß sexuell attraktive Weibchen, die sich mit ranghohen Männchen paaren, oder Weibchen, die Junge haben, in der Hierarchie aufsteigen, haben sich bei nichtmenschlichen Primaten dagegen nicht bestätigt (bedingter Rang, Grundrang). Das Gegenstück zu nepotistischen Hierarchien (die man außer von Primaten auch von den afrikanischen Tüpfel-Hyänen kennt) sind meist weniger formalisierte und oft instabilere „individualistische“ Hierarchien, bei denen der Rang des Individuums allein von „intrinsischen“ Faktoren (Stärke, gegebenenfalls Intelligenz) abhängt. –

Ein „Aufsteigen“ der Weibchen macht wahrscheinlich auch nur in einer Paarbindung Sinn, da ansonsten der gegenseitige Einfluss nicht sehr hoch ist.

Der Grund für Rangordnungen wird dort wie folgt angegeben:

Der adaptive Hintergrund für die Evolution von Rangordnungen ( vgl. Infobox ) sind Konflikte um Ressourcen wie Nahrung, sichere Schlaf- und Brutplätze, Geschlechtspartner (genauer: befruchtungsfähige Eizellen), aber auch Hilfe bei der Aufzucht der Jungen (kooperative Brutpflege).

Also insbesondere Konkurrenzszenarien, wie Konflikte um Nahrung und Ressourcen und Geschlechtspartner die durch eine Hierarchie weniger blutig gestaltet werden, aber auch sexuelle Konkurrenz, insbesondere um Frauen, die dann durch Status als Signal für gute Gene und damit Partnerwahlkriterium noch verschärft wird.

Interessant auch die Frage, wie die Rangverhältnisse zwischen den Geschlechtern ausgestaltet sind

Da sich Männchen und Weibchen hinsichtlich der ihren Fortpflanzungserfolglimitierenden Ressourcen unterscheiden (Weibchen: Nahrung; Männchen: befruchtungsfähige Eizellen), wird zumeist zwischen männlichen und weiblichen Rangordnungen getrennt. Rangbeziehungen existieren jedoch vielfach auch zwischen den Geschlechtern. Bei zahlreichen Säugetieren mit einem ausgeprägten Sexualdimorphismus wie Pavianen oder Schimpansen sind (erwachsene) Männchen grundsätzlich dominant über Weibchen, während bei vielen Arten mit einem geringeren Sexualdimorphismus (z.B. Rhesusaffen) zumindest ranghohe Weibchen auch Männchen dominieren können. Weibliche Dominanz ist bei Säugetieren die Ausnahme und bisher nur für Tüpfelhyänen, zahlreiche Lemuren und – in Grenzen – Bonobos belegt. –

In der menschlichen Spezies können auch ranghohe Frauen über Männern stehen, etwa als Königin und in evolutionär relevanten Zeiten vielleicht dann eher in Rollen wie Shamanin oder Stammesführerin. Vermutlich wird auch die „Frau vom Chef“ damals durchaus einen höheren Rang gehabt haben und das Frauen teilweise im Rang über IHREM Mann stehen konnten, wenn sie ihn „unter dem Partoffel hatten“ ist auch anzunehmen.

Humanethologische Untersuchungen zur Ausbildung von Rangordnungsstrukturen wurden vielfach an Kindergruppen durchgeführt (Humanethologie).

Dabei zeigte sich, daß ranghohe Kinder in Spielgruppen (Peer) zwar über ein gewisses Maß an Bereitschaft zu aggressiven Auseinandersetzungen verfügen, sich aber auch durch Kreativität auszeichnen, häufig Initiatoren vonSpielen sind, Aktivitäten organisieren und bestimmen, schlichtend eingreifen, Kinder, die im Rang unter ihnen stehen, unterstützen und verteidigen usw.

Es haben sich auch geschlechtstypische Unterschiede herauskristallisiert (geschlechtstypische Verhaltensweisen):

Jungen tragen ihre Rangordnung durch Imponieren, Drohen, gegebenenfalls auch durch Handgreiflichkeiten aus (Bully-Verhalten), wodurch sich nach kurzer Zeit eine auf aggressiver Dominanz beruhende Rangordnung innerhalb der Gruppe einstellt, die – einmal etabliert – recht stabil bleibt.

Die Festlegung der Rangordnung innerhalb von Mädchengruppen ist weniger körperlich. Vielmehr wird die Hierarchie durch Kritisieren, Verweigern der Gefolgschaft, Geben von Ratschlägen, Hinwegsetzen über Anordnungen, Rückzug aus Aktivitäten, Herabsetzen anderer usw. erreicht, also mittels indirekter Strategien. Die Rangfestlegung dieser Geltungshierarchie ist bedeutend komplizierter als bei Jungen, schwerer durchschaubar und weniger klar geregelt. Sie erweist sich als instabiler und konfliktanfälliger als die Dominanzhierarchie innerhalb von Jungengruppen.

Treffen Dominanz- und Geltungshierarchie in gemischtgeschlechtlichen Spielgruppen aufeinander, setzen sich Strategien der Dominanzhierarchie durch. Aggressive soziale Exploration,Dominanzsexualität, Rangmimikry.

Eine dazu passende Schilderung hatte ich auch in einem anderen Artikel zu Rangordnungen bei Jungen und Mädchen. Interessant finde ich die Aussage, dass sich die Dominanzhierarchie bei einem Aufeinandertreffen eher durchsetzt. Allerdings kann man ja zB im Büro beim Kampf um die Beförderung schlecht die oben dargelegten Mittel wie Drohungen und aggressives Verhalten verwenden. Es bleibt dann vielleicht eher noch Imponieren, also letztendlich Leistung, übrig, während die Mittel der weiblichen Statuskämpfe wie Ignorieren und Rückzug aus Aktivitäten deutlich schwieriger anzuwenden sind.

Rangausbildung und Dominanz bei Mädchen / Frauen und prosoziale Dominanz

Im Rahmen der gestrigen Diskusssion bin ich noch einmal auf dieses Passage aus einem Vortrag von Doris Bischof Köhler gestoßen:

Mädchen gehen eher indirekt vor. Sie suchen bei anderen Mädchen Anerkennung, die sie entweder erhalten oder die ihnen verweigert wird. Aggression äußert sich kaum brachial, sondern vor allem als sogenannte Beziehungsaggression, die im Wesentlichen auf soziale Ausgrenzung abzielt. Zwei reden beispielsweise abfällig über eine dritte oder ein Mädchen droht einem anderen Mädchen an, es nicht mehr mitspielen zu lassen oder es nicht zum Geburtstag einzuladen, um so seinen Willen durchzusetzen. Typisch für Mädchen mit Ranganspruch ist ferner, daß sie sich um das seelische Wohlbefinden der anderen kümmern, sie also im Fall von Kummer zu trösten suchen. Dieses Sich-kümmern kann schnell einmal die Form ungefragter Ratschläge annehmen. Die Psychologie spricht hier von “prosozialer Dominanz”, wobei es sich um eine Mischung aus Besorgtheit einerseits und Bevormundung andererseits handelt. Schon kleine Mädchen im Kindergarten erklären anderen gern, was gut für sie ist und was sie machen dürfen und was nicht.

Da hätten wir im Vordergrund die Suche nach Anerkennung und dann die Mittel, wie man diese im Hierachiekampf einsetzt. Dabei steht soziale Ausgrenzung relativ weit oben. Diese erfolgt entweder, indem man diejenige von Aktivitäten ausschließt oder sie bei anderen hinabsetzt.

Eine hohe Stufe des Rangs ergibt sich dann daraus, dass man diejenige nicht mehr von Aktivitäten ausschließen kann, sondern sie bestimmt, wie bestimmte Sachen durchgeführt werden, man sich also nach ihr richten soll.

Irgendwie erinnert mich das etwas an die Grundlagen von IDPOL und dem Genderfeminismus. Jede versucht nach Möglichkeit in der Gruppe anerkannt zu werden und hat Nagst vor Ausgrenzung. Zudem versucht man sich in eine Position zu bewegen, wo der Ausschluss von einem selbst negativ auf den Ausschließenden zurückfällt, eben indem man eh schon Opfer ist.

Eine tiefergreifende Kritik ist in dem Fall eine „Nichtanerkennung“ und wird daher vermieden, sofern man nicht meint, die nötige „prosoziale Dominanz“ zu haben, um den anderen mit einer Mischung aus Besorgtheit und Bevormundung behandeln zu können. Ich zitiere dazu mal aus dem Text, der der Mädchenmannschaft Förderung der Rape Culture vorwarf:

Wir sind es von Maskulisten, Antifeministen und anderen Frauenfeinden gewöhnt, dass sie die Grenze zwischen gewolltem und erzwungenem Sex aufzuheben oder zu verwischen versuchen. Und leider ist das auch im Alltagsdenken noch ziemlich stark verankert. Dagegen versuchen Feministinnen üblicherweise anzugehen. Wir als Initiative machen das zum Beispiel mit unserem Medienradar. Jetzt ist allerdings die Mädchenmannschaft in diesen Radar geraten und wir müssen leider innerfeministische Aufklärungsarbeit leisten (…)

Gewalttaten als akzeptable Handlung darzustellen gehört zum Alltagsinstrumentarium des Patriarchats, um männliche Herrschaft und Machtmißbrauch zu kaschieren und zu normalisieren. Aus patriarchaler Perspektive ja auch völlig verständlich. Nur wie kommt ein bekannter feministischer Blog, der normalerweise ambitioniert und tiefgreifend gegen jegliche Diskriminierung und Machtmißbrauch anschreibt, dazu, solcherart zu argumentieren? Das bleibt eine offene und ziemlich verwirrende Frage. Wir sind allerdings weniger an einer Antwort darauf interessiert, sondern vielmehr daran, dass diese unsägliche Verharmlosung aus der Linksammlung der Mädchenmannschaft verschwindet.

Da wird bevormundend die richtige Vorgehensweise erklärt und Besorgnis in den Raum geworfen, dass die Mädchenmannschaft vom rechten Weg abgekommen ist, auf den die Störenfriedas sie zurückführen wollen.
Die Mädchenmannschaft reagiert mit ignorieren und ausblenden der Kritik einschließlich schließen der Kommentare. Keine Anerkennung für die Störenfriedas.

Neuer Peter schrieb hier einmal in einem Kommentar zu verschiedenen Gesprächsstilen:

  • Die Feministen reden über Alltagserfahrungen und sind frustriert, wenn die Maskulisten auf dieser Grundlage stets eine Grundsatzdiskussion führen wollen und eine Positionierung zur feministischen Theorie verlangen. Aus ihrer Sicht muss das wie eine Verharmlosung dieser Erfahrungen, wie ein eristrisches Derailing wirken.
  • Die Maskulisten reden über theoretische Grundlagen, über politische Strukturen und über biologische Dispositionen. Und sind frustriert, weil sie es mit einem Gegenüber zu tun haben, der sich schlicht weigert, sich zu irgendeinem wie auch immer gearteten Standpunkt zu bekennen. Aus ihrer Sicht kommt ihnen das Gespräch vor wie ein unredliches Katz-und-Maus-Spiel, ein immerwährendes Spiel des moving target.

Wenn man davon ausgeht, dass in Diskussionen unter Frauen die Anerkennung eine wichtigere Rolle spielt als der Spaß an der Auseinandersetzung, der Wettstreit der Ideen, dann wäre es verständlicher, wenn es häufig kracht. Mit der Nichtanerkennung der feministischen Positionen lehnt man dann aus dieser Sicht gleich die Person ab und grenzt aus bzw. würde diejenige zwingen sich selbst aus der „feministischen Gemeinschaft“ auszugrenzen.

Abgesehen davon finde ich den Gedanken interessant, dass über das „Sich um jemanden kümmern“ ein Machtanspruch bzw. ein Rangplatz erkämpft wird.

Das rückt das Mädchen, welches eine Teeparty mit ihren Puppen macht, in der sie all diese Rollen spielt und sich um sie kümmert, in ein anderes Licht. Sie fantasiert sich insofern einen Freundeskreis, indem sie sich um alle kümmern und ihnen etwas vorschreiben kann, also eine Position mit hohem Rang.

Und auch eine Prinzessin ist damit als Wunschfigur gut verständlich, denn auch hier hat man eine hohe Position aus der heraus man „prosoziale Dominanz“ entwickeln kann.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum „Mansplaining“ so kritisch gesehen wird. Es ist ja eine Form der „prosozialen Dominanz“ bei der man bevormundend auftritt um dem anderen zu helfen, also in gewisser Weise Rangspiele betreibt.

Möglicherweise sehe ich gerade etwas viel prosoziale Dominanz in allen Bereichen, weil ich es als Konzept interessant finde und es neue Betrachtungen intrasexueller Konkurrenz unter Frauen bietet.

Prosoziale Dominanz kann natürlich auch positiv eingesetzt werden, wenn man die richtige Balance zwischen dem Wohl der anderen und der eigenen Kompetenz erkennt und daraus ein gewisses Selbstvertrauen ableitet. Allerdings klingt „prosoziale Dominanz“ auch gleich wieder ganz anders als etwa „Fürsorglichkeit“, als die sie gerne in Erscheinung treten will.

Ich werde es jedenfalls mal im Auge behalten.

Macht-Status-Theorie

Status ist aus meiner Sicht ein sehr wichtiger Begriff zum Verstehen des menschlichen Handelns und der menschlichen Gesellschaft.

In den biologischen Theorien spielt Status eine große Rolle im Bereich der intrasexuellen Konkurrenz und vermindert dort üblicherweise zu hohe Kosten von Konkurrenzkämpfen, indem man sich in ein System einordnet, statt mit jedem einzelnen einen Kampf auszutragen. Es kann zudem eine hohe Bedeutung innerhalb der sexuellen Selektion haben, wenn Status als Auswahlkriterium für die Partnerwahl herangezogen wird, weil die Fähigkeit, sich gegen andere des gleichen Geschlechts durchzusetzen besondere Fähigkeiten voraussetzt.

Abgesehen davon spielt Status und Hierarchie aber auch in vielen (vermutlich sogar in allen) anderen Theorien zu menschlichen Gesellschaft eine gewisse Rolle. Sei es über eine grobe Einteilung in soziale Schichten als auch bei der Betrachtung menschlicher Interaktionen.

Interessant fand ich dabei die soziologische Macht-Status Theorie:

Deren Grundlagen aus der Wikipedia:

Wenn man in sozialen Beziehungen sein Handeln an dem Verhalten des Anderen orientiert, geschieht dies in zwei Dimensionen – der Macht- und der Statusdimension. Dabei entstehen durch diese beiden Dimensionen und die persönliche Bewertung, Emotionen. Erlangt ein Akteur Macht, ist das gleichbedeutend mit einem Machtverlust für einen anderen Akteur. Kemper unterscheidet bei den Akteuren zwischen:

  • Ego, also die Selbstperspektive des Akteurs
  • Alter, also die Sicht von anderen Akteuren
  • Der dritten Partei, hier kann es sich um Aspekte wie Gott, Schicksal oder Ungreifbares handeln

Die drei möglichen Akteure sind gleichzeitig auch diejenigen, an die sich die Emotionen richten können.

Sein Verhalten an dem Verhalten der anderen orientieren ist etwas, was man bei einer Interaktion fast zwangsweise in einem bestimmten Umfang machen muss, da man die Aktionen der Gegenseite mit einplanen und berücksichtigen muss.

Die Bedeutung von Macht und Status[Bearbeiten]
Macht bedeutet nach Weber „jede Chance innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance besteht.“ Diese Macht kann man zum Beispiel in Form von physischer Gewalt, Maßnahmen wie Hausarrest oder emotionaler Gewalt aber auch durch indirekte Machtformen wie Manipulation, Betrug und Gerüchte, ausgeübt werden. Sobald sich ein Machtgefüge gefestigt hat, kann derjenige mit der größten Macht sicher sein, dass sein Wille befolgt wird, während dem Akteur mit geringer Macht klar ist, dass ein Verstoß gegen das Machtgefüges Bestrafung bedeutet.

Status hingegen wird von den Akteuren freiwillig erteilt. Dies geschieht etwa durch Akzeptanz, Unterstützung und Liebe. Besitzt man einen hohen Status erhält man auch größere Vorzüge von den anderen Akteuren. In kleineren Gruppen sind große Statusunterschiede zwischen den einzelnen Gruppenmitgliedern unwahrscheinlicher, in großen Gruppen gibt es „zentrale“ und „periphere“ Mitglieder. All diese Macht-Status-Beziehungen kann man in einem zweidimensionalen Achsenkreuz abbilden.

Macht und Status spielt auch in der Makroebene eine Rolle, hier spricht man aber von Freiheit (als Adäquat zur Macht) und Gerechtigkeit (als Adäquat zum Status). Als Beispiel hierfür kann man soziale Bewegungen ansehen, die freiheits- und gerechtigkeitsmotiviert sind. Auch innerhalb der Gruppen gibt es Metaprozesse, um Macht und Status zu erlangen, bzw. zu verringern.

Demnach wäre Macht etwas tatsächliches, Status etwas was zwischenmenschlich ausgehandelt oder angenommen wird. Natürlich kann die Akzeptanz eines hohen Status dann auch wieder Macht schaffen. Und Macht wiederum eine Akzeptanz, dass man den eigenen Willen durchsetzen könnte und man dies besser freiwillig zugesteht. Die beiden Verhältnisse beeinflussen sich demnach gegenseitig.

Zu den Zusammenspiel beider:

In jeder sozialen Interaktion spielen Macht und Status entscheidende Rollen: Ist man mit seinem aktuellen Macht oder Status-Rang nicht einverstanden, führt das Neidgefühlen, zu Frustrationen und Unzufriedenheit. Diese Unzufriedenheit führt zu einem Veränderungsprozesse im Macht-Status-Gefälle. Man kann diese Unzufriedenheit aber nicht nur für die eigene Situation empfinden, sondern auch wenn ein anderer Akteur nicht angemessen Macht bzw. Status erhält.

Das wäre ja eine Darstellung einer Konkurrenzsituation auf das das Modell ja auch wohl mehr zugeschnitten ist. Hier kommen Macht und Status und Gerechtigkeit zusammen, der Wunsch anerkannt zu werden und der Wunsch in der Hierarchie aufzurücken. Wir messen uns nicht unbedingt an einem objektiven Maßstab, sondern an unser direkten Umgebung oder unseren Bekannten, weswegen sich ein Millionär herabgesetzt und schlecht fühlen kann, wenn sein Nachbar die schickere Yacht hat, obwohl er mehr hat als die meisten Leute. Und wenn wir uns einer Gruppe zuordnen, dann wollen wir auch, dass diese Anerkennung erfährt und ihre Leistung (und damit indirekt unsere) gerecht bewertet wird, soweit es Vorteile bringt.

Statusdefizit
Ein Statusdefizit entsteht, wenn man der Ansicht ist, ein ungenügendes bzw. unangemessenes Statuslevel zu besitzen. Dies kann zu verschiedenen Reaktionen führen:

Um mehr Status zu erlangen, werden hohe Risiken aufgenommen. Man setzt zum Beispiel sein gesamtes Erspartes im Spielcasino ein, in der Hoffnung zu mehr Geld zu kommen und dadurch auch an Prestige zu gewinnen.
Man versucht in der Gruppe Aufmerksamkeit zu bekommen, indem man sich selbst in einer Opferrolle präsentiert. Dieses Verhalten hat eine höhere Erfolgschance, wenn man den anderen Gruppenmitgliedern seine vermeintliche Opferrolle genau darlegen kann. Um seinen Status zu sichern wird oft die Beschwerde über ungerechte, schreckliche oder aufreibende Ereignisse berichtet. Innerhalb einer Beziehung gibt es diesbezüglich eine Reziprozität: Mal beschwert man sich bei anderen, ein anderes Mal hört man sich die Beschwerden anderer an.
Man kann innerhalb einer Gruppe auch an Status gewinnen, indem man Witze erzählt und den Kasper spielt. Man erhält dadurch Aufmerksamkeit und in gewisser Weise auch Zuspruch. Durch gemeinsames Lachen befinden sich für kurze Zeit alle Beteiligten auf derselben Statusebene gestellt.

Auch diese Theorien betonen die Wichtigkeit von Status für Menschen. Ein Status, der als unverdient niedrig wahrgenommen wird, wird als ungerecht angesehen (im Feminismus wohl auch gerne aufgrund einer Apex-Fallacy), wir versuchen Verbündete zu gewinnen etc. Zudem gibt es Praktiken wie das Lachen, die Statusunterschiede verwischen um das Gruppengefühl zu stärken und zu erleichtern.

Machtdefizit

Wenn ein „Ego“ seine eigene Macht als ungenügend betrachtet, fühlt es sich in gewisser Weise verwundbar und empfindet Angst. Um die dabei entstehenden Emotionen nun genauer beschreiben zu können, muss man bei einem Machtdefizit unterscheiden, ob Ego dieses Defizit auf sich selbst zurückführt oder auf Alter, einen anderen. Führt „Ego“ das Machtdefizit auf sich selbst zurück, fühlt er neben der Angst auch Hilflosigkeit und Unsicherheit; . „Ego“ versucht nun seine Macht wiederzuerlangen, bzw. die Macht von „Alter“ zu verringern, indem es die Abhängigkeit von der machthabenden Person zu verringern versucht, indem es sich Verbündete sucht oder Propaganda betreibt.

Ein Defizit an Macht, gerade im Verhältnis zum eigenen Status, bedeutet innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz und der allgemeinen Konkurrenz, dass andere geneigt sein könnten, sich des eigenen Status zu bemächtigen. Insofern schaltet der Körper wohl um auf erhöhte Wachsamkeit und erhöhte Aufmerksamkeit für Gefahren und besondere Vorsicht, also Angst und Unsicherheit und eine gewisse Hilflosigkeit. Wenn man einen Feind ausgemacht hat, also den Alter, der einem die Macht nimmt, dann wird evtl auf Angriff umgeschaltet oder versucht sich anderweitig von dessen Einfluss frei zu machen.

Bei jeder sozialen Interaktion spielen Macht und Status eine tragende Rolle und es entstehen Emotionen. Kemper unterscheidet hierbei zwischen drei Typen: Strukturell, antizipatorisch und resultierende Emotionen.

Strukturelle Emotionen leiten sich aus stabilen Macht- und Statusbeziehung ab, sie bilden sich also nicht direkt aus Interaktionen. In dyadischen Beziehungen empfindet jeder Akteur, entsprechend seiner Macht bzw. seinem Status oder der Macht bzw. dem Status anderer, Emotionen. Um die Entstehung von strukturellen Emotionen genauer betrachten zu können, schlüsselt Kemper zuerst zwischen Ego und Alter auf und dann noch einmal, ob die jeweiligen Macht- / Status-Verhältnisse mangelnd, angemessen oder überhöhte sind.
Nimmt man zum Beispiel adäquate eigene Macht, so fühlt Ego Sicherheit; hat Alter zu viel Macht, fühlt Ego aufgrund der Reziprozität und dem damit einhergehenden eigenen Machtverlust, Angst. Bei zu viel zugesprochenem eigenen Status empfindet Ego Scham. Dies geschieht, weil man, nach Goffman, eine Rolle spielt und so versucht sich in einem guten Licht darzustellen, erhält man aber mehr Status, als man selbst für angemessen erachtet, empfindet man Scham und in besonderen Fällen auch Schuld.

Antizipatorische Emotionen (auch vorausschauende Emotionen) können die Folge eines geplanten Interaktionsprozesses sein. Sie ergeben sich aus im Voraus erdachten strukturellen Veränderungen in Beziehungen und sind, je nachdem ob man von Grund auf optimistisch bzw. pessimistisch eingestellt ist und ob man viel bzw. wenig Selbstbewusstsein besitzt, ausgeprägt.
Resultierende Emotionen sind das Ergebnis von tatsächlich durchgeführten Interaktionen und den Auswirkungen auf die Macht-Status-Beziehungen. Erhält man zum Beispiel ein Lob von jemandem, ergibt sich daraus Freude.
Kemper versucht, das Modell an manchen Stellen zu vereinfachen und geht deshalb auch bei den strukturellen Aspekten einer Beziehung vornehmlich von den Emotionen Mögen und Nicht Mögen aus; also einem zusammenfassenden Urteil, ob die gesamte Macht-Beziehung angemessen ist.

Ich würde das so beschreiben, dass wir jeweils die Auswirkungen auf Status und Macht bzw. deren Anzeichen prüfen, sowohl bei uns als auch bei anderen bzw. bei den verschiedenen Handlungen. Der König kann insoweit aufgrund seines Amtes eine hohe Sicherheit verspüren, wird sein Kanzler stärker oder ein anderer König baut sein Heer auf, dann mag dies Unsicherheit in Vorbereitung auf die Auseinandersetzung mit einem anderen „Alpha“ bewirken, während er seinem Leiddiener gegenüber immer noch einen sicheren Status hat, hier also der „Silberrücken“ ist. Wer einen Status als der beste Fechter der Stadt hat, der wird selbstbewußter in ein Duell gehen als jemand, der sich eher für einen mittelmäßigen Fechter hält und weiß, dass er gegen jemanden mit einem hohen Status in dem Bereich antritt. Er mag auch bereits deswegen Angst haben, weil der andere ein schlechter Fechter ist, aber der Sohn eines statushohen Mannes, der ihn töten wird, wenn er seinem Sohn etwas tut oder der seinen Einfluss nutzen wird, seine Karriere zu zerstören.

Dazu habe ich neulich auch einen interessanten anderen Gedanken gelesen: Der Umstand, dass man bei jemanden mit hohem Status, sagen wir einem Promi oder einer ganz besonderen Autorität auf einem Gebiet oder auch nur einem Prüfer bei einem Test, nervös wird und das Gefühl hat, schlechter zu sein und auf dessen Wohlwollen angewiesen zu sein, könnte auch ein Schutzmechanismus sein, dem anderen den umfassenden Status deutlich sichtbar zuzugestehen um Statuskämpfe zu vermeiden.

Kemper geht davon aus, dass in jeder sozialen Interaktion Macht und Status eine entscheidende Rolle spielen und man mit ihnen die Entstehung von Emotionen erklären kann. Auch Liebe und Mögen sind Emotionen, wobei man sagen muss, dass es schwer ist, den Unterschied zwischen beiden klar zu definieren. Bei den sieben idealen Beziehungstypen greift Kemper daher wieder auf die zwei Dimensionen Macht und Status zurück: Bei einer Liebesbeziehung muss mindestens einer der Akteure extrem viel Status an einen anderen Akteur erteilen, während die Machtverteilung variabel ist. Mögen sich die Akteure besteht ein angemessener Status bei ihnen und ein geringes Machtdifferential. Anhand dieser Definitionen und den Macht- /Statusdimensionen entwickelte er die idealen Beziehungstypen:

  • Anhimmelung durch Fans: Ein Akteur, der Fan, findet, dass der andere Akteur es Wert ist, viel Status zu empfangen. Der Fan empfindet viel Zuneigung zu dieser Person, während die angehimmelte Person oft noch gar nichts davon weiß.
  • Ideelle Liebe: Beide Akteure empfinden gegenseitig eine hohe Zuneigung, geben sich also viel Status, haben aber keine Macht übereinander. Dieser Beziehungstyp ist oft nur kurzlebig, oft geht die Ideelle Liebe weiter in die Romantische Liebe über.
  • Romantische Liebe: Es findet eine hohe Statuszuschreibung bei beiden Akteuren statt. Gerade durch das „nicht mehr ohne den anderen können“ und das gute Gefühl entsteht zudem auch noch viel Macht zwischen den beiden Akteuren. Idealerweise sollte die Statuszuschreibung hoch bleiben, während die Macht langsam wieder sinkt. Nach der ersten Anhimmelungsphase in diesem Beziehungstyp treten oft Probleme auf, die aber in der Phase der „Aufrechterhaltung“ auch angesprochen werden müssen.
  • Göttliche, Elterliche oder Mentoren-Liebe: Beide Akteure haben einen hohen Status, aber nur einer von ihnen (das Göttliche, die Eltern oder der Mentor) hat viel macht über den anderen Akteur. Kemper führt das Beispiel der Göttlichen Liebe noch einmal genauer aus: Gott liebt die Menschen und hat dennoch extrem viel Macht über sie und bekommt zudem extremen Statuszuspruch. Die anderen Beziehungstypen sind in abgeschwächter Form auch so strukturiert.
  • Untreue Liebe: Beide haben zwar viel Macht übereinander, aber nur einer der Akteure empfängt hohen Status. In diesem Beziehungstyp hat der Betrogene an Status verloren, während der Betrüger sein Geheimnis wahren will und weiterhin Status empfängt.
  • Unerwiderte Liebe: Der Akteur, dem die Liebe zugesprochen wird empfängt auch viel Status und hat zeitgleich auch viel Macht über den Akteur, der ihm den Status zuspricht. Der Akteur ohne Macht und Status gibt dem anderen viel, weil er hofft, dass es erwidert wird. Dieser Beziehungstyp kommt oft bei Heranwachsenden vor, die Blind vor Liebe sind.
  • Eltern-Kind-Liebe: Man kann hier zwischen zwei Liebestypen unterscheiden – zum Einen die bei Nummer 4 beschrieben elterliche Liebe und zum andern der elterlichen Liebe bei Kleinkindern. Bei letzterem bekommt das Neugeborene extrem viel Status zugeschrieben, was immer es braucht, um zu überleben, bekommt es auch, obwohl es nichts zurückgibt. Und obwohl die Eltern keinen Status zurückbekommen haben sie die komplette Macht über das Neugeborene.

Hier finde ich das Modell nicht so stark, weil Liebe eine andere Chemie hat als Status (und das sogar im Sinne der Körperchemie). Aber sicherlich spielen auch in solche Beziehungen Status und Macht mit hinein. Ich würde auch vermuten, dass Kinder ein anderes Verhältnis zu Autorität und Status haben.

Zuzustimmen ist aber, dass in all diese Bereiche auch leicht eine Statusfrage hineinspielen kann – weil wir eben eine hierachisch denkende Spezies sind.

Gesellschaftliche Regeln zur intrasexuellen Konkurrenz

David warf in einem Kommentar einen interessante Punkt auf:

Ich denke jedoch, dass das männliche Pendant zu Slutshaming nicht direkt am Feilbieten der Sexualität ansetzt, sondern am unlauteren Wettbewerb männlicher Attraktivitätsmerkmale: Angeberei.
Intrasexueller Wettbewerb wird daher reglementiert. Bei den Frauen sind es u.a. Kleidernormen, bei Männern haben wir beispielsweise Sport.

Und in einem weiteren Kommentar:

Konkurrenz schafft einen Bedarf an Reglementierung, Wettbewerb braucht faire Regeln, deren Unterlaufen sanktioniert wird.

Das ergibt sich doch schon aus spieltheoretischen Überlegungen, dass sich kulturelle Normen bilden, die die Verluste durch den intrasexuellen Wettbewerb abfedern.

Meine These wäre nun, dass Kleidungsnormen, Slutshaming, Angeber-Shaming (Janteloven) und Sport solchen binnengeschlechtlichen Regulationsmechanismen entspringen.

Der Worldcup für Frauen ist dabei nicht die Frauen-WM, sondern GNTM. Solche Events wecken urplötzlich die weibliche “Sportbegeisterung”.

Welches Ausmaß an Konkurrenz eine Gesellschaft zulässt und wie die diesbezüglichen Regelungen ausgestaltet sind ist aus meiner Sicht eine sehr interessante Frage.

Als Mittel der Regelung intrasexueller Konkurrenz kommen aus meiner Sicht insbesondere folgende Ansätze in Betracht:

  • Regelung des Umfangs
  • Regelung des Mittels /der Art und Weise
  • Regelung von Folgeaktionen
  • Regelung der Gelegenheit

Sicherlich gibt es weitere und das ist eine sich überschneidende Beschreibung, aber dies ist der Versuch einer ersten Ordnung.

Dabei kann es ganz verschiedenen Ansätze geben. Nimmt man beispielsweise die Blutrache, dann ist dies erst einmal eine Regelung, die eine abschreckende Wirkung haben soll. „Bringe mich um und meine Verwandten müssen aus gesellschaftlichen Anstand dich umbringen“. Es hat aber den Nachteil, dass ein solcher abschreckender Ansatz sehr schwer zu stoppen ist, wenn er erst einmal begonnen hat, da jeder neue Tote neue Blutrachen auslöst.

Dies wiederum macht in vielen Fällen ein friedliches Zusammenleben unmöglich, so dass es nachteilig für alle ist. Gleichzeitig besteht auch ein großes Interesse daran, bestimmte Konkurrenzkämpfe durchführen zu können, da wir nun einmal soziale Gruppentiere mit Hierarchie sind und dies in unserer Biologie steckt.

Gerade der Aspekt des Sozialen und der der Hierachie liegen hier häufig in Konflikt: Zu große Konkurrenz beeinträchtigt den sozialen Gruppeneffekt und zu wenig Konkurrenzmöglichkeiten beeinträchtigen den Hierarchieanteil.

Sport wurde hier bereits als gutes Beispiel für solche Regeln angeführt, Es gibt aber viele andere Regelungen, die dazu gedacht waren, die Kosten von Streitigkeiten zu reduzieren. Beispielsweise entstand ein Teil der Essensetikette darin, nach Möglichkeit relativ stumpfe Messer am Tisch zu haben, eine Tradition, aus der auch das Fischmesser entstanden ist. Hintergrund war eben, dass es wesentlich schwieriger ist, jemanden mit einem Fischmesser umzubringen als bei Verwendung des eigenen Dolches zum essen.

Aber auch Kampfregeln bei den Rittern oder die heutige allgemeine Ächtung von Gewalt und Verlagerung des Gewaltmonopols auf den Staat sind solche Regeln.

Andere Regelungen betreffen die Frage welche Form des Signalling erlaubt ist, wie man also gewisse Stärken darstellen darf. Dabei sind wir inzwischen von direkten Unterwerfungsgesten wie etwa der Verneigung oder dem auf dem Boden werfen abgekommen und arbeiten mit subtileren Mitteln, etwa einem Blinzeln und einem Brechen des Augenkontakts als Zeichen, dass man nicht in einen Dominanzwettbewerb eintritt und das Zeigen von Statussymbolen, von Markenkleidung bis teuren Autos oder anderen Mittel. Auch hier hat man sich teilweise darauf geeinigt, die Mittel nur dezent einzusetzen: Bei Anzügen beispielsweise ist der maßgenschneiderte sehr teure Anzug optisch für den Laien nicht unbedingt sofort von einem billigeren Anzug zu unterscheiden, während jemand, der sich in dem Bereich auskennt, das Signal aufnehmen kann. Das ermöglichst nach „unten“ eine relative Gleichheit vorzugeben und dennoch seinen Status zu signalisieren. In den gleichen Bereich fällt dann auch die Bescheidenheit und das Understatement, die Gleichheit betonen (dabei aber gleichzeitig über die Art, dass derjenige eben diese Gleichheit gewährt auch einen Status zeigen können)

Bei Frauen umfasst dies auch und gerade die Frage, wie Sex und Schönheit eingesetzt werden können, denn sexuelle Reize können eine große Macht darstellen. Das regelt dann auch die Frage, wieviel Haut man bei welcher Gelegenheit zeigen darf, ohne das es als „zuviel“ empfunden wird und inwiefern man auch ansonsten Sex anbieten darf, um einen Mann für sich zu gewinnen. Diese Regeln werden dementsprechend auch von Frauen kontrolliert und es kann danach eine Abgrenzung und Ausgrenzung erfolgen.

Männliche Verhaltensregeln sind dabei häufig mit Begriffen wie „Fairness“ und „Ritterlichkeit“ zu beschreiben, bei denen es eben darum geht, dass man gewisse Vorteile nicht nutzt, weil man damit die geschriebenen oder ungeschriebenen Regeln verletzt. Es ist insofern auch mit dem Konzept des „Costly Signals“ zu beschreiben, man macht deutlich, dass man gewinnen kann, während man sich an die Regeln hält, wer dies nicht kann und „schummelt“ gilt daher nach vielen Varianten als „schwach“ oder „feige“ oder eben als unfair. Eine andere gerade in Sportarten wie Fußball anzutreffende Variante ist, dass man gewisse Regelverstöße begehen darf, dann aber mit den Konsequenzen rechnen muss. Wer also beispielsweise im Elfmeterraum foult, der bekommt einen rote Karte und die Mannschaft einen Freistoß. Das kann dann sogar als „heldenhafter“ wenn auch nicht fairer Regelverstoß gesehen werden, weil er sich sozusagen für das Team opfert, wenn dies nicht anders zu verhindern war. Es gilt insofern der Grundsatz, dass auch der Regelverstoß durch die damit verbundene Strafe „fair“ sein kann.

Die aus einem Wettkampf stammende Hierarchie ist dabei selbst ein Mittel zur Reduzierung der Kosten intrasexueller Konkurrenz. Zum einen sind häufig Wiederholungskämpfe unnötig, wenn einmal geklärt ist, wer stärker ist und zum anderen kann man auch ansonsten in der Hierarchie Streitigkeiten vermeiden, da man denjenigen, der höher steht als X wahrscheinlich nicht vom Thron stoßen kann, wenn einem das bei X nicht gelingt (bei Turniersportarten geht es dann darum, in regelmäßigen Abständen genau diese Hierarchie neu auszuhandeln, aber es muss eben eine gewisse Zeit vergehen innerhalb der Veränderungen zu erwarten sind, was zB in der Bundesliga durch Neuzugänge etc ja auch häufig erfolgt).

Zudem gibt es häufig Regelungen, dass das Ergebnis eines fairen Wettkampfes akzeptiert werden muss um Wiederholungen zu vermeiden und das man Streitigkeiten aus kleineren Anlassen auch vergessen können muss, wenn ansonsten die Teamzusammenarbeit gestört wird (wie sagte es ein Freund so schön und etwas idealisiert: „Bei Männern ist es einfach: Man streitet sich, man macht einen Schwanzvergleich, lang sticht kurz und dann ist auch gut und man kann ein Bier miteinander trinken“)

Bei Frauen scheint mir neben Fairness eine Form der Eskalationsvermeidung zu sein, dass man Streitigkeiten eher im Verborgenen austragen muss, sie also weniger direkt ausgetragen werden und damit eher ein gewisses Bild der Einheit gewahrt werden kann. Dabei werden dann nur relativ subtile Spitzen verteilt, die der uninformierte Mann vielleicht gar nicht mitbekommt („Ich dachte ihr hasst euch, dabei habt ihr euch doch gut verstanden, habt ihr euch versöhnt?“ „Versöhnt? Hast du nicht gesehen, wie sie bei dem Kompliment für mein Kleid leicht die Augenbrauen hochgezogen hat und auf meinem Bauch geschaut hat? Und das sie betont hat, dass es MIR ganz wunderbar steht? Die Schlampe!“). Zudem scheint eben eine Reduzierung innerhalb der Gruppe auch dadurch erreicht zu werden, dass Gleichheit häufig stark betont wird und eine Hierarchie in dem Sinne eher heruntergespielt wird: Die Queen-Bee einer Mädchengruppe führt üblicherweise subtiler und kommt vielleicht auch seltener vor. Gerade weil es keine Hierarchie gibt wird sie vielleicht auch eher zum Despoten, denn so kann diese weniger angegriffen werden.

Kleidungsvorschriften sind insoweit auch häufig in zulässige Varianten und unzulässige Varianten aufgeteilt und insofern stark kulturabhängig, weswegen Eltern die Kleidung ihrer Töchter zu freizügig und diese ihre Eltern für zu konservativ halten

 

 

Macht und sozialer Status

Macht und Status sind beide gewisse Anzeichen für eine hohe Position in der Gruppe und damit auch gleichzeitig ein für die Partnerwahl interessantes Zeichen.

1. Sozialer Status

Ich hatte bereits einen Artikel zum sozialen Status und Evolution geschrieben, in dem ich verschiedene Grundlagen dargelegt habe. Aus meiner Sicht geht es für die Partnerwahl um eine direktere Form von sozialen Status als rein die formelle Position in der Gesellschaft.

Aber erst einmal grundsätzliches zB aus der deutschen Wikipedia:

Sozialer Status bezeichnet in Soziologie wie in Sozialpsychologie eine soziale Position innerhalb einer sozialen Struktur oder die Zuordnung der Position zu einem System sozialer Rangordnung. Soziale Struktur ist als ein Netzwerk aufeinander bezogener Statuspositionen zu verstehen, die von den einzelnen Statusinhabern und ihren Gegenspielern in einer Hierarchie unterschiedlich hoch eingestuft, d. h. nach verschiedenen Kriterien oder Statusdimensionen bewertet werden: Macht, Einfluss, Einkommen, Vermögen, Prestige und ähnliche Kriterien. Die so wertmäßig eingestuften Statusgruppen (auch soziale Klassen genannt)[1] bilden das System der sozialen Schichtung einer Gesellschaft. Die Sozialpsychologie verwendet diese Begriffe auch für kleinere soziale Einheiten wie soziale Gruppen und Organisationen.

Hier ist bereits angesprochen, dass Status nach verschiedenen Kriterien gebildet werden kann, die ich einmal etwas anderes definieren möchte:

  • Macht: Die Fähigkeit seinen eigenen Willen durchzusetzen, also Unabhängigkeit von dem Willen anderer, Anführereigenschaften etc
  • Einfluss: Wenn man kennt
  • Vermögen: Welche Ressourcen man kontrolliert und gegen andere durchsetzen kann
  • Prestige: Was andere einem an Fähigkeiten auf einem bestimmten Gebiet zutrauen bzw. das zutrauen hoher Fähigkeiten aufgrund (angeblicher oder tatsächlicher) Taten

All dies kann man natürlich direkt in evolutionäre Vorstellungen einbinden, die sowohl den Faktor betreffen, wie wertvoll man als Verbündeter oder als Partner sein kann. Wer sich häufig duchsetzt, wer viele andere Leute kennt, die sich durchsetzen, wer viele Ressourcen hat und wem diese nicht von anderen weggenommen werden und wer bekannt dafür ist, großes Vollbringen zu können, der kann sowohl ein wertvoller Verbündeter sein oder zumindest ein gefährlicher Gegner, weswegen man ihn entsprechen behandeln muss oder er könnte ein interessanter Partner sein, weil er zum einen gute Gene haben wird, die es ihm ermöglicht haben, sich gegen andere durchzusetzen, aber auch eigene Kinder gut versorgen und wahrscheinlich auch beschützen und ausbilden kann.

Auch die englische Wikipedia enthält einiges interessantes:

Status refers to the relative rank that an individual holds; this includes attendant rights, duties, and lifestyle, in a social hierarchy based upon honor or prestige. Status has two different types that come along with it: achieved, and ascribed. The word status refers to social stratification on a vertical scale.

In society, pariah status groups are regarded with disdain or treated as outcasts by the majority of the population. The term derives from the Paraiyar (Pariah caste), members of which are treated as outcasts in Hindu society.

In modern societies, occupation is usually thought of as the main determinant of status, but other memberships or affiliations (such as ethnic group, religion, gender, voluntary associations, fandom, hobby) can have an influence.

The importance of social status can be seen in the peer status hierarchy of geeks, athletes, cheerleaders, nerds, and weirdos in Hollywood stereotypes of American high schools.[1][2] Achieved status is when people are placed in the stratification structure based on their individual merits or achievements. This status can be achieved through education, occupation, and marital status. Their place within the stratification structure is determined by society’s bar, which often judges them on success, success being financial, academic, political and so on. America most commonly uses this form of status with jobs. The higher you are in rank the better off you are and the more control you have over your co-workers.

In pre-modern societies, status differentiation is widely varied. In some cases it can be quite rigid and class based, such as with the Indian caste system. In other cases, status exists without class and/or informally, as is true with some Hunter-Gatherer societies such as the Khoisan, and some Indigenous Australian societies. In these cases, status is limited to specific personal relationships. For example, a Khoisan man is expected to take his wife’s mother quite seriously (a non-joking relationship), although the mother-in-law has no special „status“ over anyone except her son-in-law—and only then in specific contexts. All societies have a form of social status. Status is an important idea in social stratification. Max Weber distinguishes status from social class,[3] though some contemporary empirical sociologists add the two ideas to create socioeconomic status or SES, usually operationalised as a simple index of income, education and occupational prestige.

Für die Frage, was uns besonders in unserer evolutionärern Vergangenheit geprägt hat, ist eher auf nichtmoderne Gesellschaften abzustellen. in diesen kann es, gerade weil die Gesellschaften wesentlich größer sind zu einem sehr „formellen Status“ kommen, der mit dem ursprünglichen Status nichts zu tun hat. Beispielsweise wird ein Klischeenerd als Studierter und auf seinem Gebiet sehr kompetenter Mensch einen guten Job haben, und insoweit auch ein gutes Einkommen. Weil er aber abseits seines Berufs vielleicht sozial wenig erfahren ist (es ist ein klischeehaftes Beispiel, welches nicht besagten soll, dass alle Nerds so sein müssen), schafft er es nicht diesen höheren formellen Status in voller Höhe in einen direkten sozialen Status zu übermitteln. Er hat keine Macht über Leute, keinen Einfluss und kein Prestige außerhalb seines Berufs und innerhalb seines Berufs auch nur, was berufliches angeht. Er wird daher anders wahrgenommen als dies seinem Status entspricht.

Hingegen kann der Sänger einer Hinterhofband, der bei einem Konzert 200 Leute begeistert, in diesem Augenblick einen subjektiven hohen sozialen Status kreiieren, wenn andere den Eindruck gewinnen, dass die 200 Leute bei dem Konzert begeistert sind, wenn er auf der Bühne stehend und die Reaktionen der Zuschauer steuernd als machtvoll wahrgenommen wird, Prestige hat, Einfluss hat (200 Leute kommen wegen ihm, auch die eigenen Freundinnen und Freunde etc). Bei einem passenden Auftreten kann er damit einen hohen sozialen Status aufbauen, die ihn zum einen attraktiv machen oder eben als Verbündeten interessant machen würde (wenn wir noch in der Steinzeit leben würden)

Weil die heutige Gesellschaft wesentlich mehr Unterteilungen in Privat und Beruflich und dort vielleicht wieder in lauter verschiedene Kreise hat, können Statusverhältnisse auch erheblich abweichen. Wer meint, dass sein Boss ein Wicht ist, den er hasst, und jedesmal die Stunden zählt, bis er aus dem Büro ist, der wird ihm über die reine Berufstätigkeit hinaus keinen Status zusprechen. Wer ihn dort auch auf eine privatere Weise kennenlernt und ihn für seine Fähigkeiten bewundert und als stark wahrnimmt, der wird ihm darüber hinaus einen besonderen Status zuweisen.

Sprich: Auch hier wirkt sich die Subjektivität von Status und die zergliedertere Struktur der Gesellschaft aus und auch der Umstand, dass wir aufgrund dieser Zergliederung Status anders bilden als früher.

Um so eher in der jeweiligen Gesellschaft der formelle Status mit dem sozial wahrgenommen Status übereinstimmt, beispielsweise in einem ärmeren Land, in dem ein guter Job mit entsprechenden Gehalt einen aus der Masse heraushebt und die Lebensqualität erheblich verbesser, um so einfacher ist es über diesen Weg sozialen Status aufzubauen. Um so eher sie auseinander fallen, um so mehr wird die direktere Form von Status interessant.

2. Macht

Macht ist zunächst die Möglichkeit, seine eigenen Vorstellungen auch gegen den Willen oder die Interessen anderer durchzusetzen.

Aus der Wikipedia heißt es dazu:

Als sozialwissenschaftlicher Begriff bezeichnet Macht einerseits die Fähigkeit, auf das Verhalten und Denken von Personen und sozialen Gruppen einzuwirken, andererseits die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, ohne sich äußeren Ansprüchen unterwerfen zu müssen. Die beiden Sichtweisen werden auch als „Macht über“ und „Macht zu“ bezeichnet. Macht gilt als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften und ist als solcher in seinem Bedeutungsumfang umstritten (essentially contested).

Machtverhältnisse beschreiben mehrseitige (Austausch-)Verhältnisse, bei denen oft eine Seite über größere Macht verfügt (zum Beispiel durch Belohnung, Bestrafung, Wissen) und das von anderer Seite akzeptiert wird. Es wird auf Widerspruch verzichtet, nichts gegen die Ausübung der Macht unternommen, oder die andere Seite lässt sich zu Duldung oder Befolgung zwingen.

Macht spielt praktisch in allen Formen des menschlichen Zusammenlebens eine Rolle und bedingt auf unterschiedliche Weise das Entstehen von Sozialstrukturen mit ausdifferenzierten persönlichen, sozialen oder strukturellen Einflusspotenzialen.[1][2][3] Mit Bezug auf die Etymologie von „Macht“ kann der Begriff auch so verstanden werden, dass soziale Macht nur einen – wenn auch sehr bedeutenden – Unterfall eines grundsätzlicheren Machtbegriffs bildet.

Macht ist damit ein Bestandteil von Status, es kann aus ihr Status erwachsen, sie ist aber insbesondere eine subjektive Einschätzung nicht unbedingt der Position in der Gruppe, sondern der Frage, was derjenige tatsächlich umsetzen kann. Reine Macht hat insofern etwas bösartigeres, weil sie eben eine Umsetzung auch gegen den Willen der anderen erlaubt, ein potentielles Zwingen zu einem bestimmten Ergebnis.

Macht ist insofern ein direktes Ergebnis eines gewonnen Konkurrenzkampfes und insofern auch ein starkes Zeichen guter Gene.

In heutiger Zeit kann Macht eher noch als früher aus passenden Positionen in der Gesellschaft geltend gemacht werden, die nicht ohne weiteres angegriffen werden können. Gleichzeitig ist früher eine direktere Macht vorhanden gewesen. Wer der Stammeschef war, der konnte einen anderen aus der Gruppe schmeißen, was vielleicht gleichbedeutend mit dem Tod sein konnte, töten lassen, ihm Ressourcen wegnehmen, sprich: er hatte eine recht direkte Macht über die Person. Ein heutiger Chef kann einen entlassen, was nicht das Ende der Welt sein muss. Er kann einem weitere Aufgaben geben oder einem eine Predigt halten. Sobald man die Betriebsräume verlässt, hat er aber kaum noch Macht über einen.

Was wir daher als Macht wahrnehmen, kann auch insofern sehr verschieden sein. Vielleicht besteht auch gerade wegen dieser direkteren Macht körperlicher Auseinandersetzungen bei einigen Frauen eine gewisse Tendenz hin zu Männern, die diese theoretisch noch ausüben können, von Soldaten, Polizisten oder anderen Männern in Uniform hin zu Gangstern oder Motorad/Rockern/Gangmitglied. Natürlich hat zB ein Polizist nur eine sehr eingeschränkte Macht, er kann aber aufgrund seiner Befugnisse als machtvoll wahrgenommen werden. Und so gesehen hat ein Rocker gar keine gesellschaftliche Macht, aber seine Bereitschaft einen anderen direkt zu verprügeln und eine Selbstsicherheit damit durchzukommen, verleihen ihm Anzeichen von Macht in der direkten Wahrnehmung.

3. Das Verhältnis zueinander

Macht und Status überschneiden sich in gewisser Weise. Bereits bei der Betrachtung von Status wurde deutlich, dass Macht ein Kriterium von Status sein kann. Macht selbst kann also Status bewirken. Zudem stellt eine hohe Position in der Gruppe eben auch eine gewisse Macht zur Verfügung.

Status ist aus meiner Sicht ein besseres und sicheres Kriterium, weil es einen breiteren Bereich abdeckt und Macht mit einbezieht. Weil die Position in der Gruppe auch eine wesentlich sozialerer Komponente haben kann und Status auch solche Leute einbezieht, die einen unterstützen, weil sie es wollen und nicht weil sie es müssen, ist es ein höherwertiges Signal, gerade in einer kleinen Gruppe und gerade in Bezug auf eine langfristigere Strategie. Macht ist in einer gewalttätigeren, unmoderneren Gesellschaft etwas sehr relatives, wenn man sie gegen eine Gruppe durchsetzen muss. Erst mit der Möglichkeit, Eigentum anzuhäufen und über diese Ressourcen Spezialisten mit Schutz und Ausübung direkter Macht zu beauftragen, kann darüber eine gewisse Sicherheit geschaffen werden.

In einer Jäger und Sammler Gemeinschaft ist eine Absicherung nur durch Macht und ohne darüber hinausgehenden Status wohl eher schwierig. Denn unter diesen Bedingungen ist eine Diktatur wesentlich schwieriger, weil jemand, der sich zuviel herausnimmt, immer noch relativ schnell umgebracht oder zumindest durch ein Verbünden mit anderen kleine gehalten werden kann.

Das ist aus meiner Sicht der Grund, warum Status eine sehr hohe Bedeutung erlangen kann.

Jungenkrise, männliche Rollenbilder und Amoklauf

In verschiedenen Artikeln wird der jüngste Amoklauf in Newtown mit der allgemeinen Jungenkrise in Verbindung gebracht:

Walter Holstein schreibt im Tagesspiegel in dem Artikel „Warum Männer Amok laufen„:

Die Zahl der Problemjungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Legastheniker, Kinder mit dem ADHS-Syndrom, Schulversager oder Frühkriminelle sind fast ausschließlich Jungen. Der 18-jährige Amokläufer von Emsdetten bringt es in seinem Abschiedsbrief lakonisch auf den Begriff: „Das Einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin.“ Da liegt dann Rache als „Ausweg“ nahe.(…)

Die Folgen bezeichnet eine große empirische Studie des Heidelberger Sinus-Instituts über „20-jährige Frauen und Männer“: Die jungen Männer „sehen sich unter hohem Performance-Druck. Sie können und sollen heute auf alle Ansprüche flexibel reagieren: Sie sollen Frauenversteher, durchtrainierte Machos, Kinderwagen schiebender Papa und Karrieretyp sein. Das Dilemma ist: Egal, für welche Rolle sie sich entscheiden: der Erfolg ist ihnen nicht garantiert“. Insofern hätten sie immer mehr Angst vor der Zukunft und befürchteten sogar, demnächst überflüssig werden zu können. Zu solchen Ängsten trägt der Zeitgeist fleißig bei. Was einmal in der öffentlichen Darstellung – sicher idealisiert – die „Krone der Schöpfung“ gewesen ist, erscheint nun – sicher übertrieben – als Latrine der Gegenwart: unnütz, böse, aggressiv und degoutant.

Ein anderer Artikel noch zu Columbine sieht eher zu starke Rollenbilder in der Verantwortung:

Numerous other media targeting boys convey similar themes. Thrash metal and gangsta rap, both popular among suburban white males, often express boys‘ angst and anger at personal problems and social injustice, with a call to violence to redress the grievances. The male sports culture features regular displays of dominance and one-upsmanship, as when a basketball player dunks „in your face,“ or a defensive end sacks a quarterback, lingers over his fallen adversary, and then, in a scene reminiscent of ancient Rome, struts around to a stadium full of cheering fans.

How do you respond if you are being victimized by this dominant system of masculinity? The lessons from Columbine High – a typical suburban „jockocracy,“ where the dominant male athletes did not hide their disdain for those who did not fit in – are pretty clear. The 17- and 18-year-old shooters, tired of being ridiculed or marginalized, weren’t big and strong and so they used the great equalizer: weapons.

Ich frage mich auch, ob die Rollenbilder für Jungs sich wirklich so gewandelt haben. Die gesamte Genderdiskussion ist ja in der Bevölkerung selbst nur relativ unzureichend angekommen. Die Jungs orientieren sich nicht an den Lehrerinnen, sondern an ihrem Umfeld, ihren Peers. Sicherlich gibt es unterschiedliche Rollenerwartungen, allerdings gab es auch schon immer coole und uncoole Jungs, brave und weniger brave. Es gab schon immer Aussenseiter und Populäre.

Die Eingebundenheit von Schülern erfolgt nicht über Lehrer, sondern über ihre Cliquen und ein Lehrer kann denke ich nur sehr eingeschränkt in diese Strukturen eingreifen. Ein „Seid doch mal nett zu dem Außenseiter“ bringt wenig, wenn er einfach ein merkwürdiger Kerl ist.

Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass ganz unterschiedliche Erwartungen wie oben geschildert bei einigen Jungs das Gefühl verschärfen, dass gerade sie Außenseiter sind. Problem ist insofern vielleicht auch, dass Kinder heute einfach schon wesentlich mehr Sachen aus dem Erwachsenenbereich machen können, früher Beziehungen haben, früher Sex haben und damit auch einfach früher auffällt, dass sie in dem Bereich Defizite haben. Ob diese Defizite durch mehr männliche Kontaktpersonen aufgehoben werden können ist eine interessante Frage. Ich bin da eher skeptisch.

Hier ist aber besonders zu bedenken, dass gerade dieser Täter hier sehr wahrscheinlich Probleme hatte, die nicht mit seinem Umfeld zusammenhängen. Bei ihm scheint eher einiges für eine gewisse Veranlagung zu sprechen, die vollkommen unabhängig davon ist, ob Lehrer oder Lehrerinnen um ihn herum sind.

Auch anderweitig gab es Kritik an Hollsteins Text:

Aber weil Hollstein anscheinend nur ein Thema kennt, wird halt passend gemacht, was ihm so einfällt: Das muss natürlich sein, dieses Zusammentreffen von Schule und Gewalt aus der Hand eines jungen Mannes, weil in den Schulen die Frauen das Sagen haben, denn: „Jungen wachsen heute in einem engen Frauenkäfig von Müttern, Omas, Tanten, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen auf.“ (Dass in den Einkaufszentren und Kinos Frauen das Sagen hätten, will das auch jemand behaupten?) (…)

Wie ahistorisch ist dieser Blick eigentlich? Bis vor hundert Jahren waren Schulen nahezu ausschließlich männlich geprägt – Lehrer, Erzieher, Psychologen, all das waren seinerzeit Männer, und sind deshalb die wenigen Mädchen, die zur Schule gehen durften, mordende Psychopathinnen geworden? Und ist es nicht auch so, dass schon seit geraumer Zeit – nennen wir es mal: seit Beginn der Aufzeichnungen zu diesem Thema, also geschätzt seit dem Beginn der Geschichtsschreibung – es immer Männer waren, die weltweit den Großteil der physischen Gewalttaten verübt haben? Also auch schon lange bevor der Feminismus zu jener alles umfassenden Krake geworden sein könnte, die Hollstein und seine Glaubensgenossen sich da zusammenphantasieren? (…)

Die Ironie der Haltung Hollsteins liegt ja darin, dass sie alles andere als aufrecht, stolz und weltgegerbt daherkommt, was man früher mannhaft nannte: es ist eine weinerliche, unerwachsene Trotzreaktion darob, dass die Welt sich entwickelt und dabei nicht fortwährend nett zu ihm und den ach so leidenden Männern ist, deren Geschlechtsgenossen seltsamerweise immer noch die Spitzenpositionen weitgehend unter sich ausmachen. Immer sind die anderen schuld, fast immer die Frauen und vor allem die bösen, bösen Feministinnen; und die Weltsicht ist dann so beschränkt, dass man in allem nur diese eine Ursache am Werke sieht.

In der Tat dürfte es männliche Amokläufe schon zu Zeiten gegeben haben, bei denen die Lehrerinnen noch nicht so zahlreich waren. Es ist aber gleichzeitig lustig, dass ein überzeugter Feminist hier kritisiert, dass immer die anderen schuld sind und man in allem nur diese eine Ursache am Werke sieht. Insbesondere wenn man im Satz davor anführt, dass die Männer „seltsamerweise immer noch die Spitzenpositionen weitgehend unter sich ausmachen“.

In eine ähnliche Kerbe haut Dr. Mutti:

Aber vielleicht doch in der Schule? Wäre doch möglich, dass dort andere Regeln gelten als im Kindergarten. Sicher ist das so. Nur waren auch zu einer Zeit, als mehr oder sogar ausschließlich Männer in den Schulen unterrichtet haben, bei Schulmassakern ausnahmslos Männer die Täter – wie etwa bei dem Amoklauf von Bremen 1913, dem Schulmassaker von Bath 1927 oder dem Attentat von Volkhofen 1964. Darüber hinaus richten sich viele Schulmassaker gegen weiterführende Schulen, an denen das Geschlechterverhältnis bei den Lehrenden deutlich ausgewogener als an Grundschulen ist. Hollstein selbst zitiert Robert Steinhäuser, der 2002 in Erfurt 17 Menschen und sich selbst erschoss: “Das Einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin.”. Nur tötete Steinhäuser nicht in einer Grundschule, sondern an einem Gymnasium. Der Amoklauf von Ansbach im Jahr 2009 traf ebenfalls ein Gymnasium. Die Amokläufe von Emsdetten 2006 und Winnenden 2009 geschahen an Realschulen. “Schule ist für viele Jungen in den letzten Jahren zu einem Horrortrip geworden”, behauptet Hollstein. “Da liegt dann Rache als „Ausweg“ nahe.” Warum aber sollten nochmal die Grundschulen, und nicht die Realschulen oder Gymnasien, der Hort des Schreckens sein? Ach ja, wegen der Frauen und der Schmetterlinge, die den Jungen das Mannsein verleiden.

Soweit kann ich die Kritik durchaus teilen.

Hugo Schwyzer schreibt zu solchen Amokläufen:

Are white men particularly prone to carrying out the all-too-familiar mass killings of which last week’s Aurora shooting is just the latest iteration? Is there something about the white, male, middle-class experience that makes it easier for troubled young men to turn schools and movie theaters into killing fields? In a word, yes.

Perhaps the greatest asset that unearned privilege conveys is the sense that public spaces “belong” to you. If you are—like James Holmes last week, or Charles Whitman, who killed 16 people on the University of Texas, Austin campus in 1966—an American-born, college-educated white man from a prosperous family, you don’t have a sense that any place worth being is off-limits to the likes of you. White men from upper middle-class backgrounds expect to be both welcomed and heard wherever they go. When that sense of entitlement gets frustrated, as it can for a host of complex psychological reasons, it is those same hyper-privileged men who are the most likely to react with violent, rage-filled indignation. For white male murderers from “nice” families, the fact that they chose public spaces like schools, university campuses, or movie theaters as their targets suggests that they saw these places as legitimately theirs.

Diese In-Besitznahme-Theorie aufgrund von Privilegien erscheint mir auch eher wenig plausibel. Sie wollen ja nicht Plätze besetzen, sondern sich an Leuten rächen. Und gerade bei dem letzten Vorfall passt es auch gar nicht. Denn eine Grundschule ist kein Platz, den er besonders besetzen muss, dafür war er bereits zu alt.

Ein weiterer Artikel haut ebenfalls in die „White males“-Kerbe:

Rachel Kalish and Michael Kimmel (2010) proposed a mechanism that might well explain why white males are routinely going crazy and killing people. It’s called „aggrieved entitlement.“ According to the authors, it is „a gendered emotion, a fusion of that humiliating loss of manhood and the moral obligation and entitlement to get it back. And its gender is masculine.“ This feeling was clearly articulated by Eric Harris and Dylan Klebold, the perpetrators of the Columbine Massacre. Harris said, „People constantly make fun of my face, my hair, my shirts…“ A group of girls asked him, „Why are you doing this?“ He replied, „We’ve always wanted to do this. This is payback… This is for all the sh*t you put us through. This is what you deserve.“

Warum man Gefühle wie Rache, den Wunsch nach Status, verletzten Stolz, nicht einfach als solche bezeichnen kann, leuchtet mir nicht ein.  Es muss gleich eine Berechtigung zu höherem sein, die man einverlangt.

Der Rücktritt des Bundespräsidenten: Christian Wulff geht

Das Christian Wulff ja nun mal um 11:00 Uhr als Bundespräsident zurücktritt (alles andere würde mich doch sehr überraschen) können wir hier ja schon mal wild darüber diskutieren.

Ich finde Folgendes interessant:

  •  Der Bundespräsident ist letztendlich eine nette Statusposition ohne wirkliche Aufgabe außer moralischer Kompetenz vorzugeben. Diese konnte Wulff nicht mehr erfüllen.
  • Die Abneigung, Wulff an der Spitze zu lassen und ihm seine früheren Fehltritte nachzusehen (als Bundespräsident an sich hat er ja nichts falsch gemacht) passt gut zu unserem Hierarchiedenken und unserem Gerechtigkeitsgefühl. Der oben an der Spitze muss, gerade bei einer Repräsentationsfunktion eine gewisse moralische Überlegenheit verkörpern können oder zumindest eine gewisse Alphafunktion. Interessant wäre die Frage, ob jemand mit mehr Charisma, beispielsweise ein Clinton, das hätte das eher überspielen können. Dagegen würde sprechen, dass einfach nach und nach zuviel rauskam, was ihn angreifbar machte und man sich festgebissen hatte.
  • Wer ist ein guter Nachfolger? Kommt die weibliche Doppelspitze? Wie wäre es mit einer Person mit deutsch/griechischen Hintergrund, um die Wogen andererweits etwas zu glätten (mir fällt da allerdings niemand mit entsprechenden „Migrantionshintergrund“ ein, der eine entsprechende Akzeptanz hat)?