Charles Darwins Gedanken zum Thema Heirat (seiner eigenen)

Bevor er heiratete überlegte Darwin kurz, was die Vor- und Nachteile der Ehe sind:

THE FOLLOWING notes in Charles Darwin’s hand were hurriedly scrawled in pencil on scraps of paper; one is on a letter addressed to him whilst he was living at 36 Great Marlborough Street. The writing of the notes must therefore have been in one of the years 1837 or ’38. He was married to Emma Wedgwood on January 29th, 1839. How these youthful questionings escaped destruction cannot now be known. Perhaps they fell into the hands of Emma herself?

Work finished Work finished
If not marry TRAVEL? Europe— Yes? America????
If I travel it must be exclusively geological — United States — Mexico.Depend upon health and vigour and how far I become zoological. If I don’t travel—Work at transmission of Species—microscope—simplest forms of life—Geology—Oldest formations?? Some experiments—physiological observations on lower animals.

(B).    Live in London—for where else possible—in small house near Regents Park—keep horses—take Summer tours collect specimens some line of Zoolog: speculations of Geograph: range and geological general works—systematize and study affinities.

If marry—means limited—
Feel duty to work for money. London life, nothing but Society, no country, no tours, no large Zoolog: collect., no books. — Cambridge Professorship, either Geolog: or Zoolog:—comply with all above requisites—I couldn’t systematize zoologically so well.
But better than hibernating in country—and where? Better even than near London country house—I could not indolently take country house and do nothing— Could I live in London like a prisoner? If I were moderately rich I would live in London, with pretty big house and do as (B)—but could I act thus with children and poor—? No— Then where live in country near London; better; but great obstacles to science and poverty.
Then Cambridge, better, but fish out of water, not being Professor and poverty. Then Cambridge Professorship,—and make best of it—do duty as such and work at spare times—My destiny will be Camb. Prof. or poor man; outskirts of London—some small square etc.—and work as well as I can.
I have so much more pleasure in direct observation, that I could not go on as Lyell does, correcting and adding up new information to old train, and I do not see what line can be followed by man tied down to London.—In country—experiment and observations on lower animals,—more space—

The second paper is headed:—This is the Question

MARRY Not MARRY
Children—(if it please God)— constant companion, (friend in old age) who will feel interested in one, object to be beloved and played with—better than a dog anyhow—Home, and someone to take care of house—Charms of music and female chit-chat. These things good for one’s health. Forced to visit and receive relations but terrible loss of time.

My God, it is intolerable to think of spending one’s whole life, like a neuter bee, working, working and nothing after all.—
No, no won’t do.—
Imagine living all one’s day solitarily in smoky dirty London House.—Only picture to yourself a nice soft wife on a sofa with good fire, and books and music perhaps—compare this vision with the dingy reality of Grt Marlboro‘ St. Marry—Marry

No children, (no second life) no one to care for one in old age.—

What is the use of working without sympathy from near and dear friends—who are near and dear friends to the old except relatives.
Freedom to go where one liked
—Choice of Society and little of it. Conversation of clever men at clubs.—
Not forced to visit relatives, and to bend in every trifle—to have the expense and anxiety of children—perhaps quarrelling.
Loss of time—cannot read in the evenings—fatness and idleness —anxiety and responsibility—
less money for books etc—if
many children forced to gain one’s bread.—(But then it is very bad for one’s health to work too much)
Perhaps my wife won’t like London; then the sentence is banishment and degradation with indolent idle fool—

It being proved necessary to marry—When? Soon or Late. The Governor says soon for otherwise bad if one has children—one’s character is more flexible—one’s feelings more lively, and if one does not marry soon, one misses so much good pure happiness.—On the reverse side of the page comes the summing up

But then if I married tomorrow: there would be an infinity of trouble and expense in getting and furnishing a house,—fighting about no Society—morning calls—awkwardness—loss of time every day—(without one’s wife was an angel and made one keep industrious)—Then how should I manage all my business if I were obliged to go every day walking with my wife.—Eheu!! I never should know French,—or see the Continent,—or go to America, or go up in a Balloon, or take solitary trip in Wales—poor slave, you will be worse than a negro—And then horrid poverty (without one’s wife was better than an angel and had money)—Never mind my boy—Cheer up—One cannot live this solitary life, with groggy old age, friendless and cold and childless staring one in one’s face, already beginning to wrinkle. Never mind, trust to chance—keep a sharp look out.—There is many a happy slave—

Nochmal: Den Namen des Mannes annehmen

Einen interessanten Gedanken zur Tradition, den Namen des Mannes als Familiennamen zu übernehmen, fand ich auf Twitter:

Der Gedanke wäre insofern, dass die Mutter sicher ist und damit eher kulturelle Praktiken entwickelt werden müssen, die dem Vater die Zugehörigkeit erleichtern. Denn wenn er sich in evolutionär relevanten Zeiten nicht verantwortlich gefühlt hat, dann konnte er die Unterstützung leichter abbrechen.

Das Thema hatte ich hier im Blog schon einmal. Ich schrieb damals:

Ich würde hier die folgenden Gründe sehen:

  •  zum einen hat die Tradition sicherlich einen patriarchischen Hintergrund. Frauen galten über lange Zeit als Besitz des Mannes und über den Namenswechsel gingen sie aus der Verantwortung des Vaters in die Verantwortung des Ehemannes über. Es markierte insofern schon einen Besitz und diente innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz unter Männern auch als entsprechende Abschreckung.
  • beim Menschen verliess nach archäologischen befunden  eher die Frau ihre Familie (virilokal), Die Frau dann der bereits vorhandenen Familie zuzuordnen erleichert sicherlich ein In-Grouping
  • Die Zuordnung zum Mann betont die Zusammengehörigkeit und seine Verantwortung für Kinder und Familie.
  • Ruhm und Status ist für Männer ein klassisches Attraktivitätsmerkmal. Die Beibebehaltung seines Names erlaubt eine kontinuierlichere Betrachtung dieses Mannes und ist insofern für ihn und Leute, die ihn bewerten wollen, wichtiger.
  • Männerbeziehungen sind häufiger auf eine große Gruppe ausgerichtet, Frauenbeziehungen eher persönlicher. In einer großen Gruppe sind Zugehörigkeiten wichtiger und es ist bedeutsamer solche Informationen zu erlangen als in persönlicheren Beziehungen, die eher auch nur über einen Vornahmen laufen können.

Mit dem Gedanken der Zugehörigkeit hatte ich diese Idee auch schon aufgegriffen, aber noch nicht so klar auf die Vaterunsicherheit bezogen. Ich könnte mir vorstellen, dass dies neben dem Umstand, dass es innerhalb des Mate Guarding durch den Mann und dem damit verbundenen „Besitzanzeigen“, welches letztendlich aus den gleichen Gründen erfolgt, zu der Entwicklung der insoweit verbreiteten Tradition beigetragen hat.

Interessanterweise hat sich die Tradition inzwischen in einigen Bereichen und bezogen auf Deutschland verändert. Wenn Eltern nicht verheiratet sind oder beide ihren Namen behalten haben, dann ist es sehr üblich, dass das Kind den Nachnamen der Mutter bekommt. Vielleicht durchaus aus dem obigen Gedanken, dass sie eben das Kind ausgetragen hat und häufiger eine gewisse Zeit aussetzt oder auch nur, weil man meint, dass es für den Fall einer potentiellen Trennung eher zur Mutter kommt. Vielleicht spielt auch hinein, dass Frauen sich da dann schlicht eher durchsetzen als der Mann. Kommt es zu einem gemeinsamen Ehenamen wird dennoch nach wie vor häufiger der Name des Mannes angenommen.

Den Namen des Mannes annehmen bei Heirat

Ein feministischer Streitpunkt ist die Annahme des Namens des Mannes bei der Hochzeit. Es wird in gewisser Weise immer noch als unemanzipiert gesehen, quasi als Besitzmarkierung des Mannes, die antiquiert ist.

Dazu ein paar Überlegungen:

1. Das Vorname – Nachname System

Das Vorname – Nachname System hat sich insoweit in vielen Gesellschaften durchgesetzt. Es hat auch viele direkte Vorteile, die zu seiner geschichtlichen Verbreitung beigetragen haben. Der Nachnahme signalisiert zunächst erst einmal eine Zugehörigkeit zu einer gewissen Gruppe und Familie, liefert also Abstammungsinformationen, die wichtige Indizien bringen können, denn die eigenen Gene setzen sich aus den Genen der Verwandten zusammen, so dass in der Kenntnis von Verwandtschaft Information über gewisse Wahrscheinlichkeiten, nach denen vielleicht gute oder schlechte Eigenschaften vererbt wurden, enthalten sind. Die Verwandtschaft zu erfahren ist also eine interessante Information und insoweit auch ein Costly Signal, welches wir aufgrund der relativ sicheren Vaterschaft beim Menschen und der Paarbindung sowie der Entwicklung von Sprache nutzen können. Wer aus gutem Hause kommt gewinnt an Bedeutung, wer aus schlechten Hause kommt verliert zwar, kann aber auch nichts dagegen machen, was letztendlich die Eigenschaft eines Costly Signals ist.

2. Warum gerade den Nachnamen des Mannes annehmen?

Ich würde hier die folgenden Gründe sehen:

  •  zum einen hat die Tradition sicherlich einen patriarchischen Hintergrund. Frauen galten über lange Zeit als Besitz des Mannes und über den Namenswechsel gingen sie aus der Verantwortung des Vaters in die Verantwortung des Ehemannes über. Es markierte insofern schon einen Besitz und diente innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz unter Männern auch als entsprechende Abschreckung.
  • beim Menschen verliess nach archäologischen befunden  eher die Frau ihre Familie (virilokal), Die Frau dann der bereits vorhandenen Familie zuzuordnen erleichert sicherlich ein In-Grouping
  • Die Zuordnung zum Mann betont die Zusammengehörigkeit und seine Verantwortung für Kinder und Familie.
  • Ruhm und Status ist für Männer ein klassisches Attraktivitätsmerkmal. Die Beeibehaltung seines Names erlaubt eine kontinuierlichere Betrachtung dieses Mannes und ist insofern für ihn und Leute, die ihn bewerten wollen, wichtiger.
  • Männerbeziehungen sind häufiger auf eine große Gruppe ausgerichtet, Frauenbeziehungen eher persönlicher. In einer großen Gruppe sind Zugehörigkeiten wichtiger und es ist bedeutsamer solche Informationen zu erlangen als in persönlicheren Beziehungen, die eher auch nur über einen Vornahmen laufen können.

 

Natürlich kann man Gesellschaften so gestalten, dass diese Vorteile nicht zum Tragen kommen. In einem Matriarchat beispielsweise können viele dieser Vorteile wegfallen und eine Zuordnung zur Mutter wichtiger werden. Es gibt jedoch wiederum Gründe dafür, dass sich solche Matriarchate nicht stark verbreitet haben, sie sind in der Regel nicht konkurrenzfähig und können damit nur in vergleichsweise abgelegenen Gegenden existieren.

 

3. Warum heute noch den Namen des Mannes annehmen?

 

Der naheliegenste Grund ist natürlich die Tradition.

 

Meiner Meinung nach wird diese allerdings noch durch zusätzliche Umstände verstärkt, der mit Attraktivität zu tun hat.

 

Wenn eine gewisse Dominanz und ein männliches Auftreten als sexy wahrgenommen werden, dann stellt die symbolische Unterordnung unter den neuen Namen der Frau erst einmal etwas dar, was unsexy ist. Dies wird auch so kommuniziert. Mit dem Behalten ihres Namens macht damit die Frau indirekt ihre eigene Männerwahl (zumindest für die Frauen, die klassische Attraktivitäsmerkmale gut finden) schlechter und damit auch sich selbst. Ich denke, dass Frauen ihren Männern und sich selbst diesen Statusabzug gerne ersparen.

Natürlich könnte man das kulturell ändern, indem der Statusabzug abgebaut wird oder ein Zufallsprinzip ausgewählt wird. Solange aber mit der Namensannahme durch den Mann verbunden wird,dass dieser weniger Status hat, wird es dabei bleiben, dass Frauen auch eher den Namen des Mannes annehmen.

 

Wenn man auf diese Theorie abstellt, dann wäre es ein Beispiel dafür, wie Attraktivitätsmerkmale sich über die Paarbindung auf das Verhalten auswirken. Dabei muss die Frau gar nicht mal tatsächlich diejenige sein, die Entscheidungen ihrem Mann überlässt oder sich in der Beziehung unterordnet. Sie möchte nur ein bestimmtes Bild wahren, dass sie – ebenfalls aufgrund der Tradition, auf die sie sich berufen kann – nichts kostet.

Heiratsformen und Familienstrukturen

  • Polygyny 
    • Ressourcen gestützte Polygny: In einer Umgebung mit vielen Ressourcen und in Kulturen, die kein Verbot der Polygyny haben, konkurrieren männliche verwandschaftsbasierte Gruppen um die Kontrolle dieser Ressourcen (z.B. Land oder Vieh) und dominante Männer in erfolgreichen Koalitionen heiraten mehrere Frauen. Eine typische Struktur ist ein Ehemann, der von seinen Frauen und seinen Kindern getrennt, also zB in einer eigenen Hütte, lebt
    • Auf soziale Macht gestützte Polygamy: In den Wirtschaftsgemeinschaften, in denen Ressourcen zwar sehr zahlreich sind, aber nicht auf einfachem Wege durch Koalitionen kontrolliert werden können und Vielweiberei nicht verboten ist, kämpfen männliche verwandschaftsbasierte Gruppen um soziale Dominanz und Macht (beispielsweise durch einen Krieg). Dominante Männer in erfolgreichen Koalitionen heiraten viele Frauen. Eine typische Familienstruktur sind ein Ehemann, zwei oder drei Ehefrauen und ihre Kinder. Es gibt daneben aber auch die Struktur Ehemann, Ehefrau und ihre Kinder
  • Polyandry (Eine Frau, mehrere Männer)
    • Brüderliche Polyandry: Wenn es auch selten ist, gibt es in Ländern, in denen das Land nicht sehr fruchtbar ist und nicht viel Ertrag abwirft und daher vererbtes Land nicht aufgeteilt wird. In diesen Gesellschaften erben Brüder das Land gemeinsam und mit ihm kann nur eine kleine Anzahl von Kindern ernährt werden. Die Brüder heiraten daher eine Frau. In diesen Fällen besteht die Famile aus zwei Ehemännern, einer Frau und ihren Kindern. Wenn einer der Brüder zusätzliches Vermögen aufbaut, wird er oft noch eine andere Frau heiraten, die dann nicht die Frau seines Bruders wird.
  • Monogamy
    • wirtschaftlichen durchgesetzt: In einer Gesellschaft mit wenigen oder über eine sehr weite Gegend verteilten Essens-Ressourcen benötigt man ein hohes Level sowohl väterlicher als auch mütterlicher Investition, um erfolgreich den Nachwuchs groß zuziehen. Polygamy ist daher selten. Monogamy und Familienstrukturen, die aus einem Ehemann, einer Ehefrau und den Kindern bestehen, sind üblich
    • sozial durchgesetzt: Das Verbot der Polygamy in westlichen Kulturen unterdrückt die männliche Tendenz, polygyne Heiraten in Ländern mit vielen Ressourcen zu führen. Monogamy und Familieneinheiten aus dem Ehemann, der Ehefrau und deren Kindern sind daher üblicher als es sonst der Fall wäre. Serielle Monogamy und alleinerziehende Eltern (meist die Mutter) sind auch häufig in diesen Gesellschaften
    • Serienmonogamy: In ressourcenreichen Wirtschafsgemeinschaften mit sozial durchgesetzter Monogamy heiraten Männer und und Frauen oft „in Serie“, also mehrmals hintereinander. Dieses Verhalten wird aber auch in anderen Kulturen gefunden. Männer, aber nicht Frauen, die mehrmals hintereinander heiraten, haben, im Durchschnitt, mehr Kinder als Männer, die mit einer Frauen in monogamer Ehe verheiratet bleiben. (Buckle et al 1996; Johanna et al. 1995)

(Nach: David Geary, Male, Female: The Evolution of Sex Differenzes, S. 180)