Hassen, was man liebt oder verehrt, weil man es nicht bekommen kann

Die Geschichte, dass jemand etwas unbedingt will, es dann aber, weil er es nicht bekommen kann, abwertet ist bereits sehr alt:

Es klingt beispielsweise in der alten Fabel von dem Fuchs an, dem die zu hoch hängenden Trauben zu sauer sind.

Der Fuchs ist dabei noch sehr zurückhaltend, aber er hat die Trauben ja auch nur gewollt, aber nicht geliebt oder begehrt und die Trauben konnten ihm auch nicht deutlich machen, dass sie ihn verachten.

Anders ist es bei zwischenmenschlichen Erlebnissen. Dort liegt Hass sehr dicht neben der Liebe, weil Liebe eben ein sehr starkes Gefühl ist, welches damit auch starke Umkehrungen erhalten kann. Unerfüllte Liebe, gerade kombiniert mit starker Ablehnung kann dann eben dazu führen, dass der andere nicht einfach aufgibt und die Person ihm gleichgültig ist, sondern sich die starken Gefühle zu Hass wandeln.

Im englischen gibt es dazu das beispielsweise die schöne Redewendung:

Hell hath no fury like a woman scorned. [William Congreve]

Die Hölle selbst kann nicht wüten wie eine verschmähte Frau

oder in der Langform aus dem Buch:

Heav’n has no Rage, like Love to Hatred turn’d,Nor Hell a Fury, like a Woman scorn’d.

Das Gefühl der Ablehnung durch die jeweilige Person muss eben häufig schlicht relativiert werden

Die eine Deutung wäre, dass man selbst nicht gut genug ist. Sie ist evtl schwerer mit dem eigenen Ego in Einklang zu bringen.

Also bleibt die andere Erklärung:

Die andere Person stellt irrationale Anforderungen, die ein normaler Mensch nicht erfüllen kann, die evtl sogar schädlich für diesen sind, schändliche Anforderungen, die die Person selbst schlecht machen.

Und natürlich kann man das dann auch auf eine ganze Gruppe übertragen, wenn einen viele Vertreter aus dieser Gruppe ablehnen.

Letztendlich bietet sich das für alle Bereiche der intrasexuellen Konkurrenz an:

Bei Frauen würde man eben anführen, dass man Groß sein muss, Reich, Status, sportlich, ein Arschloch, oder eben eher die umgekehrte Version: ein Beta, der sich ausnehmen lässt und der sich nicht zu schade dafür ist, sich sein Geld für etwas Aufmerksamkeit aus der Tasche ziehen zu lassen, während sie selbst nichts macht.

Bei Männern würde man eben anführen, dass sie schlanke sportliche Frauen wollen, die alle Perversitäten der modernen Pornowelt, so demütigend sie auch sein mögen, mitmachen, und das die Frau natürlich keinen eigenen Kopf haben dürfte und Männer sie auch noch finanziell klein halten oder nur an Frauen interessiert sind, die sich nicht gegen sie durchsetzen können. Oder man kann klagen, dass Männer nur ihr eigener Spass interessiert und sie Frauen zum Objekt machen, sie klein halten etc.

Es scheint mir in diesen Fällen eine Mischung aus dem Wunsch, die Schuld für die eigene Ablehnung zu verlagern und Neid auf die, die dennoch gewählt werden zu sein verbunden mit dem Gefühl der Unterlegenheit gegenüber beiden Gruppen.

Aus dieser Mischung entsteht schnell eine Verteufelung beider Gruppen.

Man findet solche Denkstrukturen beispielsweise bei einigen Feministinnen und Maskulisten, aber eben auch bei hasserfüllten Incels, die auch sowohl Frauen ablehnen als auch die „Jocks“ die bei den Frauen ankommen.

Männer und Frauen gehen mit so etwas dann gerade in den Extremen anders um.

Frauen wählen oft die soziale Ausgrenzung: Zu schöne Frauen werden als Anbiederung an den Feminismus gesehen, Männer werden abgewertet, sofern sie nicht über die Unterordnung anerkennen, dass die Frauen über ihnen stehen,

Männer wählen eher als Frauen in den Extremen auch Gewalt, dann eben gegen die Männer und Frauen, die sie hassen, weil sie sich auf diese Weise über die anderen erheben können. Soziale Ausgrenzung würde bei solchen Männern, die weitaus eher selbst ausgegrenzt und mißachtet werden, nicht klappen.

„Feindbild Frau“ – wie man Hass auf Männer rechtfertigt

Ein Text bei den „Störenfridas“ stellt dar, wie sich angeblich ein „Feindbild Frau“ etabliert hat. Es ist ein Text voller Hass, den ich immer wieder erstaunlich finde:

Die Unterschiede der Geschlechter wurden mir selten so deutlich wie in der Pubertät und der Loyalität untereinander, die sich damals verstärkt entwickelte. Wie oft hörte ich von Jungs und später auch (jungen und nicht mehr so jungen) Männern das gute alte „Bros before hoes“, was nichts anderes ist als die Übereinkunft, dass Frauen sich zum Ficken und Putzen gut eignen und auch sonst ganz reizend sein können, aber eine echte Verbundenheit nur zwischen Männern bestehen kann.

Ein gewagter Schluss. Es bedeutet einfach nur, dass gute Freunde etwas sind, was man sein ganzes Leben hat und was man nicht leichtfertig für Sex oder eine vielleicht kurzlebige Beziehung opfern soll – und dürfte auch eher spasshaft verwendet werden.

Denn nur Männer sind Menschen. Frauen sind eine Art Wurmfortsatz, Untermenschen, nicht vollkommen, schließlich stammen sie vom Mann ab.

Da hasst jemand wirklich. Und überträgt vielleicht ihre Selbstzweifel auf andere.

Bei uns Mädchen war es so, dass Jungs natürlich auf Platz eins standen, sie waren das Thema unserer Pausengespräche, stundenlanger Telefonkonferenzen und Ursache erbitterter Streits. Letztere insbesondere dann, wenn sich ein bis dato gebildetes Pärchen auflöste und der Junge im schlimmsten Fall eine weitläufige Bekannte oder gar Freundin datete. Es hieß so gut wie nie, dass der Junge ein blödes Arschloch sei, wenn er fremdging, oh nein, es hieß vielmehr, das andere Mädchen sei eine billige Nutte, Schlampe, Fotze… Dass der Mann einen ebensolchen Anteil daran trug wurde geflissentlich ignoriert. Bei den Jungs, denen das auch wiederfuhr, trug – wie könnte es anders sein – ebenfalls ausschließlich das Mädchen die Schuld, die den besten Kumpel vom Weg abbrachte, aber der männlichen Solidarität tat dies durchaus keinen Abbruch, siehe oben. Bei uns Mädchen führten derartige Konstellationen zu jahrelangen, unauflösbaren Zerwürfnissen. Wir sahen es nicht als das, was es war, zwischenmenschliche Beziehungen, sondern die Freundin wurde zur Konkurrenz um die Gunst von Männern. Das Feindbild Frau. Damals fing es an.

Die Jungs sind an allem Schuld! Nicht, dass man selbst nicht vernünftig mit Konkurrenz umgehen kann oder sich selbst mit seinen Freunden ebenfalls einen stilvolleren Ehrenkodex auferlegt.

Ich hatte selbst mehrmals diese Konstellation in meiner Jugend erlebt und danach große Schwierigkeiten, Frauen zu vertrauen und sie zu mögen. Für mich waren Frauen nur eines – eine unkontrollierbare Gefahr im Kampf um männliche Gunst.

Sie hat grundsätzlich intrasexuelle Konkurrenz erkannt, aber nicht, wer eigentlich dafür verantwortlich ist und das es ihre Sache ist, wie sie darauf reagiert.

Die Verantwortung den fremdgehenden Männern zuzuweisen, darauf kam ich nicht. Denn hinter jedem verführten Mann steht eine Eva, die die Verantwortung trägt. Diesem Konflikt entging ich, indem ich nur noch männliche Freunde hatte (dass diese keine echten Freunde waren, geschenkt, dass ich mir in ihrer Nähe puren Frauenhass angeeignet hatte, ebenfalls), ich ertrug Frauen nicht mehr. Meine Unsicherheit und mein Selbsthass waren gigantisch und Frauen, egal welche, waren nichts anderes als eine Bedrohung. Ich hatte Furcht, meine Freundinnen meinem Partner vorzustellen, weil ich dachte, er würde mich sofort verlassen. Ich wusste nicht einmal, was Solidarität bedeutet. Ich habe Frauen verachtet, weil sie in meinen Augen, den Blick geprägt durch männliche Umgebung, sich als entweder billige Nutten darstellten (große Gefahr) oder als frigide Schlampen (langweilig, aber keine Gefahr, gut zum darüber Lustigmachen). Ich sah in allen Frauen Konkurrenz, und zwar ausschließlich um die Interessen der Männer.

Okay, sie ist männerzentriert. Und das war dann anscheinend ihr Weg zum Feminismus: Von einem Extrem in das andere: Aus der intrasexuellen Konkurrenz ausscheiden, indem man Männer zum Feind erklärt. Ich könnte mir vorstellen, dass das eine männerhassende Form des Feminismus für einige Frauen interessant macht: Wer der Feind ist, der kann eher ausgeblendet werden und damit ist die Konkurrenz vorbei (in der man eh schlechte Karten hatte oder die man nicht auf ein vernünftiges Maß reduzieren konnte.

An Dinge wie Beruf oder ähnliches habe ich keinen einzigen Gedanken verschwendet.

Und daran waren natürlich nur die Männer schuld, wie ich jetzt dank des Feminismus weiß!!!1elf

Frauen waren für mich schwach, lasch, und Feministinnen hysterische ungevögelte Irre, die lieber dahin gehen sollten, wo es echte Probleme gibt, denn in Deutschland hatten wir ja mehr als genug erreicht. Auch hat mir mein männlicher Umgang mit größtem Erfolg beigebracht, wie schlecht es sei, eine Frau zu sein, wir wissen es alle, sie sind zickig, hysterisch, dumm, quatschen den ganzen Tag, umso stolzer war ich, mir mit meiner burschikosen Art und der den Kerlen angepassten Sprache einen vermeintlichen Platz unter ihnen zu sichern, als „cooles Mädchen“, das so ganz anders war als die ollen Waschweiber. Dass ich nie zu ihnen gehören würde, merkte ich im Laufe der Jahre. Zwar lästerten wir gemeinsam über schlaffe Hintern, hängende Brüste und kurzhaarige Mannsweiber, aber ich spürte stets eine andere Atmosphäre, wenn ich als Fremde in die ausschließlich männlichen Zirkel eindrang. Ich war nie ein echter Teil dieser Kreise. Warum sie mich duldeten? Ich schätze, weil ich ein attraktives Mädchen war und sie die Hoffnung hatten, mich mal knallen zu können.

Wie geht der alte Spruch: „Wenn Männer bei dir nur an Sex interessiert sind, dann wahrscheinlich, weil du nicht mehr zu bieten hast“

Denn von echter Nähe, wie es in einer Freundschaft sein sollte, war nie die Rede. Ich akzeptierte diesen traurigen Umstand als mein Schicksal und versuchte, Männern zu gefallen, schminkte mich, trug enge Kleidung, lange Haare, hohe Schuhe, gab mich sexuell betont locker, alles, um die Billigung derer zu erhalten, die das weibliche Dasein so prägend bestimmten.

Ich kann mir auch da vorstellen, dass Frauen, die Sex gegen Gesellschaft und Einbeziehung in die Gruppe tauschten schneller frustriert sind und einen Hass entwickeln. Im folgenden ist dann Feminismus ihre „rote Pille“, die alles ins rechte Licht rückt und sie echte Solidarität erfahren lässt.

So kann sie ihre eigene Verantwortung abgeben und den Männern die Schuld zuweisen. Und das auch gleich auf alle Männer ausdehnen

Ein sicherer Raum, der Menschen willkommen heißt muss eines selbst ausgrenzen: Hass

Im #Gamergate geht es darum, dass Spielern vorgeworfen wird, angeblich Frauen und auch sonstigen Minderheiten gegenüber feindlich eingestellt zu sein. Die GamerGate-Bewegung weist diese Vorwürfe zurück. „Social Justice Warriors“ hingegen werfen genau dies vor.

Im Rahmen der Auseinandersetzung wurde dabei von der Seite, die den Spielern Sexismus vorwirft, eine Kampagne gestartet, in der es darum gehen sollte, dass Computer-Spiele für alle da sind und damit auch alle Leute, egal welches Geschlecht oder welcher sonstigen Diskriminierungszugehörigkeit aufnehmen sollen. Das Symbol sollte ein herzförmiger Avatar sein.

Dieses Symbol machte sich die GamerGate-Bewegung dann gleich zu eigen und betonte, dass sie ebenfalls der Auffassung wäre, dass alle willkommen wären und insofern die Vorwürfe falsch sein. Die Initiatoren der Aktion waren verärgert, denn sie wollten ja weiterhin auf die GamerGate-Anhänger zeigen können und diese als die Bösen, die nicht hinreichend inklusiven, die WHMs eben, darstellen können. Sie erklärten also, dass das Logo nicht für GamerGate-Anhänger verwendet werden dürfte. Diese wiesen dann daraufhin, dass sie als Motto dargestellt hätten, dass Spiele für alle wären, damit ja auch für Anhänger von GamerGate.

Die Erklärung, warum man dennoch, gerade wenn man inklusiv für alle sein will, bestimmte Personen ausschließen will, entspricht klassischer poststrukturalistischer Theorie, wie sie im SJW-Bereich verbreitet ist,  und erklärt damit auch ähnliche feministische Theorien:

Sie werfen “Doppeldenk” – ein Begriff aus George Orwells “1984” – vor und derailendie Diskussion dabei selbst durch ein absichtliches Missverständnis des Wortes Inklusive. Ein Raum kann nicht inklusiv sein, wenn er Platz für Misogynie und Transphobie – also Hass und Ausgrenzung – bietet. So bedeutet die Aussage, “alle” sind willkommen auch immer, dass viele ausgegrenzt werden. Ein sicherer Raum, der Menschen willkommen heißt muss eines selbst ausgrenzen: Hass. Wie schon bei demStatement von Blizzard, das ebenfalls vage formuliert und dann missinterpretiert wurde, zeigt sich wieder, dass diese Abgrenzung von Gamergate nicht klar genug formuliert werden kann.

Das ist ja erst einmal auch durchaus nachvollziehbar: Wer alle willkommen heißen will, der muss die ausschließen, die Andere ausschließen. Mit einer solchen Atmosphäre der Offenheit sind Leute, die gegen diese Offenheit arbeiten, nicht zu vereinbaren. Ich erlebe dies ja selbst, auch wenn ich anfangs davon ausging niemanden sperren zu müssen, wurden einige Leute schlicht zu anstrengend, um sie dauerhaft hier schreiben zu lassen. Und genug Leute werden der Auffassung sein, dass ich hier noch viel zu viel zulasse, und das je nach Ansicht sowohl in die eine als auch die andere Richtung.

Der Kern ist dabei natürlich, wann die Grenze erreicht ist, bei der man noch davon sprechen kann, dass man Hass ausgrenzt und ab wann man einfach andere Meinungen abwürgt. Hier scheinen mir die Maßstäbe innerhalb der SJW-Bewegung arg verschoben zu sein. Was auch gerade wieder gut an einer Block-Aktion bei Twitter zu beobachten war: Es wurde eine Blockliste erstellt, die alle betraf, die auf „GamerGate-Seite“ besonders aktiv waren – und alle, die diesen folgten. Achdomina beispielsweise war meines Wissens nach auch auf der Liste und damit ich wohl auch in zweiter Instanz, da ich ihm folge. Auch von den Blocks betroffen war dann wohl der Vorsitzende der besagten Vereinigung, der wohl auch einigen von „GamerGate“ gefolgt war.

Solche Form der Übertreibungen passen in diese Bewegung, in der es nicht darum geht, dass man tatsächlich beeinträchtigten hilft, sondern eher darum, dass man zeigt, wie gut man selbst ist.

Dazu heißt es gerade in einem Artikel in der Welt:

Andere schon: „Politisch korrektes Englisch wird dazu genutzt, dass sein Sprecher bestimmte Tugenden ausdrücken und sich gleichzeitig dazu beglückwünschen kann“, schreibt David Foster Wallace: „Es dient dem Eigeninteresse des politisch Korrekten viel mehr als irgendeiner der Personen oder Gruppen, von denen es spricht.“

Wer politisch korrekt spricht, will seine Tugend ausstellen. Das ist sehr bürgerlich, in einem schlechten Sinne sogar konservativ, aber etwas ganz anderes als der gute alte Anstand. Der schont ja rücksichtsvoll sein Gegenüber, während sich die politische Korrektheit darüber erhebt. Sie führt die Gleichheit im Munde, zielt aber tatsächlich auf „Distinktionsgewinn“, wie es der französische Philosoph Pierre Bourdieu genannt hätte. Distinktionsgewinn kann man einstreichen, indem man den Nachbarn zeigt, dass man den besseren Wein trinkt, den schöneren Altbau bewohnt oder eine klügere Zeitung abonniert hat. Oder indem man besonders politisch korrekt ist.

Diese Selbstdarstellung macht unter Betrachtung der Signalling Theorie und dem „Costly Signal“ durchaus Sinn. Man signalisiert sein eigenes Gutsein, indem man die Lasten der korrekten Sprache auf sich nimmt. (man sollte sich aber auch vor der gegenteiligen Praxis hüten: Dort lauert die Einschätzung, dass man eine kontroverse Meinung vertreten sollte, weil das zeigt, dass man sich gegen den Strom stellen kann oder gar der Fehlschluss, dass diese Meinung richtig ist, weil ihr Kontroversheit bedeutet, dass andere sie verhindern wollen, obwohl sie richtig ist).

In einer Bewegung, in der politisch korrekte Sprache und absoluter Minderheitenschutz ihrer eigentlichen Bedeutung beraubt sind und nur noch dem Wettkampf um die Darstellung der eigenen Gutheit dienen, sind Grenzen zum Schutz vor Hass nicht mehr zu ziehen. Denn in diesen wird alles Hass, was nicht die Spirale der Richtigkeit mitmacht.

Insoweit wäre die Begründung grundsätzlich tragfähig, allerdings wird sie eben so umgesetzt, dass sie selbst in Hass ausartet und tatsächliche Inklusion nicht mehr leisten kann.

Hass auf das andere Geschlecht, weil Mitglieder dieses Geschlechtes einem übel mitgespielt haben

Bei Erzählmirnix gab es einige interessante Diskussionen, einen Aspekt will ich hier mal rausnehmen:

Nick schreibt dort:

Wer noch nie in seinem Leben die ganze Weiberschaft samt und sonders hätte an die Wand klatschen können, der werfe nur die erste Tomate.

Da geht es darum, dass man bei einer Überreaktion die Sache auch nicht zu ernst nehmen sollte und es einfach mal ein kleines Tief sein kann. Da wird der Wunsch üblicherweise nicht ernst gemeint sein und eher eine Übertreibung eines bestimmten Gefühls sein.

Erzählmirnix kommentiert dazu:

Ich kann von mir behaupten, das noch nie (über Männer) gedacht oder gesagt zu haben. Ich weiß dass das viele mal sagen, im Ärger, ohne es so zu meinen und so weiter und so fort, aber ich frage mich da immer “Kennt ihr wirklich keine einzige Frau die ihr schätzt? Habt ihr keine Mutter, Schwester, Oma, Freundin, Lehrerin oder sonstige, die ihr mögt????” Ich kenne so viele nette Männer, ich käme echt nicht auf die Idee wegen einer Enttäuschung durch einen Idioten diese ganzen Männer als unwert zu erklären.

Ich kann mich auch nicht daran erinnern, das ich dachte, dass alle Frauen Mist sind und darüber bin ich durchaus recht froh. Es ist glaube ich wichtig zwischen der Enttäuschung über einzelne Menschen, die einer Gruppe zugehörig sind, und der Gruppe zu unterscheiden. Zu schnell werden persönliche Erfahrungen da übertragen und ein „weil das ein paar Personen der Gruppe gemacht haben, ist die ganze Gruppe Mist“ aufgebaut. Selbst wenn sich Angehörige der Gruppe einem selbst gegenüber auf eine bestimmte Weise verhalten, sollte man auch überlegen, ob das evtl. mit einem selbst zusammenhängt und warum andere wesentlich positiver gegenüber der Gruppe denken.

Das Gelbe Forum „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land“ wgvdl

Hier ein paar Stellungnahmen zu dem radikalen Antifeministischen Forum „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land“, auch als „Gelbes Forum“ bekannt.

Leser Peter schreibt:

Das wgvdl-Forum ist zu einem Sammelbecken für Maulhelden verkommen, die im Virtuellen Raum ihr Mütchen kühlen, indem sie, ganz die tollkühnen Kämpfer für die Redefreiheit, laut und deutlich “Neger” schreiben, oder von den “Homoperversen” munkeln und sonst so allerlei Heldenhaftes verlautbaren.

Was zum Teufel hat diese rassistische und schwulenfeindliche Scheisse mit Männerrechten zu tun? Ich kann Dir sagen, wie es mit wgvdl enden wird: Es bleiben am Schluss noch ein paar rechtsradikale und vor Hass triefende Spinner übrig, die sich mangels Diskutanten gegenseitig zerfleischen, so wie das auf wgvdl.net exemplarisch vorexerziert wurde. Je eher das wgvdl-Forum im Nirwana verschwindet, umso besser. Diese rechtsradikalen Spinner, die sich auf wgvdl austoben sind wie Hämorrhoiden am Arsch der Männerechtsbewegung und Hämorrhoiden sind nun mal zu nichts nütze.

Die treuesten Leser von wgvdl sind übrigens Kemper, Rosenbrock und Gesterkamp, weil sie dort ihr simples Feindbild bestätigt erhalten

wgvdl war mal deutlich besser, aber das ist schon einige Jahre her.

Und etwas später in einem weiteren Kommentar:

Der Witz ist doch, dass die Relevanz des wgvdl nur durch die Bezugnahme von Kemper, Gesterkamp, Rosenbrock und Co. in Büchern, Radiosendungen, Vorträgen etc. besteht. Ob es einem gefällt oder nicht: Die genannten Herren und ihr Anhang haben nun mal eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit. Diese Herren tun aber so, als sei das wgvdl die Männerrechtsbewegung. Wenn sie nur über wgvdl lästern würden, störte mich das nicht sonderlich.

Ich kenne das wgvdl seit den Anfängen. Schade was aus ihm geworden ist. Es war mal eine gute Anlaufstelle für Männer, die sich informieren und austauschen wollten. Es gab gute Diskussionen, ja sogar zwischen Linken und Rechten. Und jetzt? Eine Menge agressiver Frustabbau von Leuten, die ganz anderes im Sinn haben als Männerrechte.

Mein Eindruck ist auch, dass dort eine stark abwertende und auf Konflikt ausgerichtete Richtung vorherrscht. Viel zu oft wird abwertendes Vokabular verwendet. Es scheint einiges an Hass vorhanden zu sein.

Auf GayWest heißt es dazu:

Das maskulistische Forum “Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land?” kann man mit Fug und Recht als Müllhalde der Männerrechtsbewegung bezeichnen. Denn die Ansichten die dort teilweise geäußert werden, sind grotesk, beleidigend, im schlimmsten Falle widerlich. Kein Wunder, denn es sind überwiegend Gestalten aus dem eher rechten politischen Spektrum, die sich dort äußern, also jener Spezies Mensch, deren Hauptaufgabe es ist, andere beständig über moralisches Verhalten aufzuklären, Moral aber selbst dann nicht erkennnen würden, wenn sie einen in den Hintern beißt.

Ich beschäftige mich nicht viel mit dem Forum, weil es mir entschieden zu radikal ist und die Diskussionen mir dort nicht viel bringen. Allenfalls wenn dort mal ein Link auf einen Artikel von mir erscheint schaue ich mir die Diskussion dort an.

„Feministinnen haben ein positiveres Männerbild als Nichtfeministinnen“

Die Stadtpiratin hat einen Beitrag über eine Studie, nach der Feministinnen gar nicht – wie es das Stereotyp eigentlich vorgibt – schlecht über Männer denken.

Nichtfeministinnen, die das traditionelle Rollenbild nicht hinterfragen, haben durchschnittlich ein deutlich negativeres Bild von Männern als Feministinnen. Besonders interessant finde ich, dass diejenigen jungen Frauen, die weiterhin den Mann als Ernährer und sich selbst vor dem Herd sehen, vorwiegend aus Unzufriedenheit mit der eigenen Rolle eher zu Männerfeindlichkeit tendieren.

Allein die Existenz einer aktuellen Studie zu diesem Thema bestätigt jedoch erneut, dass wir die Diskreditierung des Begriffs Feminismus noch lange nicht überwunden haben.

Es handelt sich um diese Studie:

Despite the popular belief that feminists dislike men, few studies have actually examined the empirical accuracy of this stereotype. The present study examined self-identified feminists‘ and nonfeminists‘ attitudes toward men. An ethnically diverse sample (N = 488) of college students responded to statements from the Ambivalence toward Men Inventory (AMI; Glick & Fiske, 1999). Contrary to popular beliefs, feminists reported lower levels of hostility toward men than did nonfeminists. The persistence of the myth of the man-hating feminist is explored.

Quelle: Are Feminists man haters? Feminists and nonfeminsts attitudes toward men

Interessant ist dabei natürlich, welche Form von Männerfeindlichkeit dabei abgefragt wurde. Der verwendete Test ist dieser:

We present a measure, the Ambivalence toward Men Inventory (AMI), that differentiates between women’s hostile and benevolent prejudices and stereotypes about men. The Hostility toward Men (HM) and Benevolence toward Men (BM) subscales of the AMI tap conventional attitudes toward men that have opposing valences. Each subscale assesses subfactors concerning men’s power, gender differentiation, and heterosexuality. Three studies with predominately White, male and female participants (two with undergraduates and one with a community sample) establish the factor structure, reliability, convergent validity, and predictive validity of the AMI. The AMI was strongly related to its sister scale, the Ambivalent Sexism Inventory (Glick & Fiske, 1996) and to two established scales of attitudes toward men (Downs & Engleson, 1982; Iazzo, 1983). Only the AMI, however, successfully distinguished between subjectively positive and subjectively negative beliefs about men. A copy of the 20-item AMI is provided as a tool for further exploration of women’s ambivalence toward men.

Quelle: Ambivalence toward men inventory

Was da wohl abgefragt wird? Für einen Radikalen Feminismus könnte ich mir so etwas wie „Sollte ein Mann bei Geschlechterfragen mitreden können oder ist nur der Standpunkt der Frau relevant?“ oder „sollten Männer ihre Form der objektifizierenden Sexualität ablegen und endlich die von Frauen übernehmen?“ oder „sollte man von Männern verlangen, dass sie die Frauen nicht mit ihren Gefühlen stören, weil die wichtigeres zu tun haben, nämlich die Probleme zu beseitigen, die die männerdominierte Gesellschaft bewirkt?“ vorstellen. Oder wird gefragt, inwieweit Patriarchat böse oder ultraböse ist oder inwieweit alle Männer an dem Patriarchat mitarbeiten? Werden Bezeichnungen wie „Privilegienpenis“ auf ihren Hassgehalt hin untersucht?

Scheint mir nicht der Fall zu sein.

Das Stereotyp über eine Männerfeindlichkeit im Feminismus ist also in einer Studie wissenschaftlich widerlegt, die nicht einmal fragt, welche Form von Männerfeindlichkeit dem Feminismus vorgeworfen wird und dann die Übereinstimmung mit dieser Form der Männerfeindlichkeit abfragt, sondern statt dessen die feministische Variante von Männerfeindlichkeit abfragt, nach der Feministinnen erstaunlicherweise nicht männerfeindlich sind, sondern die anderen Frauen.

Hier auch noch einmal etwas zu der Skala aus der ersten Studie:

Attitudes toward men. The AMI (Glick & Fiske, 1999) served as the measure of attitudes toward men. The AMI measures two types of attitudes toward men: Hostility toward Men (HM) and Benevolence toward Men (BM). The nature of these attitudes characterizes men as inferior in ways that are regarded as culturally recognized and approved and are not threatening to male power, such as the notion that men behave like babies when they are sick. HM taps into resentment about men’s power relative to women; men’s aggressiveness; cultural attitudes that portray men as superior; and the ways in which men exert control within intimate heterosexual relationships. Individuals with high HM scores tend to agree with statements such as “When men act to ‘help’ women, they are often trying to prove they are better than women” and “Most men pay lip service to equality for women, but can’t handle having a woman as an equal.” BM represents overtly positive or affectionate attitudes toward men. BM consists of a set of beliefs that hold that, just as women are dependent on men, so too are men dependent on women. BM assesses the degree to which an individual believes that the role of women is to take care of men, but only inside the domestic sphere. Experiencing subjectively positive feelings of affectionate protectiveness, admiration, and connection with men in intimate relationships represents benevolence toward men. Those who score high on BM agree with statements such as “Women are incomplete without men” and “Even if both members of a couple work, the woman ought to be more attentive to taking care of her man at home.”

Die tatsächlichen Fragen sind dann, wenn ich es richtig gesehen habe, diese:

Hostility Toward Men:

1. A man who is sexually attracted to a woman typically has no morals about doing whatever it takes to get her in bed.

2. When men act to “help” women, they are often trying to prove they are better than women.

3. Men would be lost in this world if women weren’t there to guide them.

4. Men act like babies when they are sick.

5. Men will always fight to have greater control in society than women.

6. Even men who claim to be sensitive to women’s right really want a traditional relationship at home, with the woman performing most of the housekeeping and child care.

7. Men usually try to dominate conversations when talking to women.

8. Most men pay lip service to equality for women, but can’t handle having a woman as an equal.

9. When it comes down to it, most men are like children.

10. Most men sexually harass women, even if only in subtle ways, once they are in a position of power over them

Benevolence Toward Men:

1. Even if both members of the couple work, the woman ought to be more attentive to taking care of her man at home.

2. Men are less likely to fall apart in emergencies than women are.

3. Every woman needs a male partner who will cherish her.

4. A woman will never be truly fulfilled in life if she doesn’t have a committed, long-term relationship with a man.

5. Men are mainly useful to provide financial security for women.

6. Every woman ought to have a man she adores.

7. Men are more willing to put themselves in danger to protect others.

8. Women are incomplete without men.

9. Men are more willing to take risks than women.

10. Women ought to take care of their men at home, because men would fall apart if they had to fend for themselves.

Hier dürften sich bei der Feindseligkeit insbesondere die Fragen 3, 4, 6 und 9 zugunsten von Feministinnen ausgewirkt haben. Denn sie fragen eine Feindseligkeit ab, die bereits nicht den Stereotypen entspricht.

Wie können Männer ohne Frauen in einer von Männern für Männer gemachten Welt verloren sein? Es widerspricht ja gerade dem Dogma, dass Frauen keine Macht haben und wir in einer patriarchischen Welt leben.

Und es wird Feministinnen auch nicht unterstellt, dass sie Männer für weinerlich halten, wenn sie krank sind, denn das wäre ja wieder Schwäche.

Auch der Vorhalt, dass sie selbst Männern innerhalb der feministischen Bewegung nicht zutrauen, dass sie die traditionellen Geschlechterrollen aufbrechen wollen, ist nun nicht gerade das, was den Vorwurf des Männerhasses gegenüber Feministinnen begründet.

Und auch, dass Männer wie Kinder sein sollen, passt nicht in den Vorwurf gegenüber Feministinnen, die sie ja gerade als machtvoll und nicht als Kinder unter dem Einfluss von Frauen sehen.

Insofern ist ein großer Teil der Fragen schlicht nicht geeignet den gerade als Stereotyp vorausgesetzten Hass abzufragen, der bei Feministinnen gegenüber Männern bestehen könnte

Interessant auch wie in der Studie überhaupt ermittelt wurde, ob es sich bei der Befragten um eine Feministin handelt:

The definition of feminism in the present study included any reference to equal rights for women, the acknowledgement of inequality between women and men, and the need for social change on behalf of women. Two independent raters, using this rather broad definition of feminism, rated a subsample of respondents’ definitions for consistency with our operational definition of feminism. We looked for definitions that included these explanations as well as terms such as liberation and equality and their synonyms. Many of the definitions of feminism that were coded as not consistent with the operational definition of feminism were cases in which feminism was confused with feminine (e.g., “Feminism is being ladylike.”). A few definitions included simple statements such as “feminism is disliking men,” which were coded as inconsistent with the operational definition of feminism. Responses were included as consistent with our operational definition of feminism only if they included some reference to gender equality; a definition was counted as consistent if it made some statement about disliking men, as long as it also included a reference to gender equality. “Feminists are women who dislike men and want to have the same rights as men have” was an acceptable definition. A few definitions referred to feminists as women who want to be superior to men (Feminism is “when women220 ANDERSON ET AL. think they are better than men”), and these definitions were coded as inconsistent with our operational definition of feminism. Inter-rater agreement between two coders on definitions was 94%. Finally, respondents were asked whether they were feminists and were classified according to one of three categories: feminists, nonfeminists, and those who were unsure as to whether they are feminists. The survey included other survey questions that are not part of the present study and concluded with demographic questions.

Also eine sehr weite Definition von Feministin, die einfach nur eine gewisse Ungleichheit benötigt.  Und eine weitere Einteilung durch Selbstbestimmung.

Hier sind die Ergebnisse:

Wie man sieht sind Feministinnen nach dieser Studie weniger feindselig (1.95 zu 2.55) aber auch weniger wohlwollend (1.07 zu 1.83), männliche Feministen liegen noch weiter auseinander: bei Feindseligkeit 0.85 zu 2.04 und bei Wohlwollen gegenüber Männern (1.4 zu 2.55 )

Die etwas niedrigere Feindseligkeit kommt meiner Meinung nach eher aus den 4 oben genannten Fragen.

Im ganzen scheint mir die Studie ungeeignet. Es ist sowohl der dort verwendete Feministen-Begriff zu weit als auch die Fragen ungeeignet.

Es wäre interessant eine erneute Umfrage vorzunehmen, bei der es eher um tatsächliche Feministinnen geht und bei der die Fragen eher die tatsächlichen Stereotypen in dieser Richtung abfragen

Unterschiede zwischen Pickup-Interessierten und Männerrechtlern

Krauser stellt jeweils 2 Typen dar, die seiner Meinung nach im Pickup-Bereich bzw. in der Männerrechtsbewegung zu finden sind:

PUA

  1. Young guy with little life experience, gunning it solo in the clubs and streets, up for adventure and a high laycount
  2. Older guy coming off some bad experiences, trying to relearn the ropes and lower the age of the girls he dates.

MRA

  1. Burned out older guy suffering the consequences of a horrendous divorce raping, finding a community of like-minded sufferers to vent with to ease the pain and disillusionment.
  2. Guys who had a near miss with the forces of misandry and has hurriedly educated himself on the bullet he just dodged. He is seeking to rearm himself before going back into life.

Seine These ist, dass jeweils nur Typ 2 Gemeinsamkeiten haben. PUA Typ 1 möchte einfach nur Spass und hat auch noch keine schlechten Erfahrungen mit Frauen gemacht. Für ihn ist es eben ein Spiel. MRA Typ 1 hingegen möchte im wesentlichen Frauen für sein Leid verantwortlich machen und braucht ein entsprechendes Feindbild der Ausbeutung. Damit ist es nicht vereinbar einfach nur Spaß zu haben, ohne sich ausgebeutet zu fühlen.

Krauser zu den weiteren Differenzen:

A common charge by MRAs against Game is that no matter how successful you are with women the very fact you chase them is supplication and the process of chasing them diminishes you as a man. Thus the PUA lifestyle is supporting the pedestalised position of women to the detriment of men, enabling bad female behaviour, saving them from the loneliness such behaviour deserves, and ultimately it is traitorous to the emancipation of men. (…)

How about the PUA side? Well that’s rather less esoteric. They look at MRAs and see a group of whiny guys not getting laid who are trying hard to rationalise their way out of their sense of inadequacy. Decent PUAs have done their 1,000 Sets Of Hell and are rightly damn proud of that achievement. They don’t take kindly to keyboard jockeys telling them they aren’t masculine when they are going out every weekend and taking rejection after rejection, clawing their way up Pussy Mountain one notch at a time. Being masculine isn’t just about what the MRAs value, it’s also about taking control of your destiny, not relying on somebody else to fix your problems, and getting laid.

Finde ich als Unterschied durchaus ganz interessant.