Der Versuch der Umformung männlichen Begehrens durch Beschämung

Neuer Peter schreibt in einem Kommentar

„Von daher präsentiert sie sich als unabhängig und mutig, und das ist nunmal etwas, was viele Männer (und nicht die besten unter ihnen) unsexy finden“

Schön übrigens auch die Beschämungsstrategie, die hier durchscheint. (…) Hier haben wir einen Fussel des Fadens, der sich durch die feministischen Anstrengungen der neuesten Zeit zieht: Die Umformung männlichen Begehrens durch Beschämung. Das läuft unter den Labels fat-acceptance, anti-ageism, lookism etc.

Der Tenor: Wagen es Männer Standards zu haben und wollen sie lieber junge, hübsche, athletische, und angenehme Frauen vögeln, ist das eine fiese Unterdrückung der fetten, häßlichen und alten Zicken, die abgeschafft gehört. Man up, ihr Memmen, und begehrt mich!!!

Und auch diese Tendenz ist ja wieder nur ein Puzzlestück des großen feministischen Ganzen: Die Preise auf dem Partnermarkt zugunsten von Frauen zu manipulieren, damit diese sich über Wert verkaufen können und Männer sich unter Wert verkaufen müssen

Man könnte auch sagen, dass es diesen Bewegungen darum geht, allgemeine Gleichheit durchzusetzen, alle Körper, alle Charaktere, alle Alterstufen müssen gleich viel wert sein. Was natürlich für alle Frauen, die sonst nicht als schön gelten, eine Preissteigerung ist. Es ist ein Appell an die Gleichheit und der zudem nach außen auf die Männer verlagert wird, die nach dieser Vorstellung den Konkurrenzdruck bewirken.

Der Test: Bin ich ein Feminist?

Joachim hat auf seinem Blog Quantenmeinung einen Beitrag dazu geschrieben, dass er Gleichheitsfeminist ist. Er schreibt:

Einen etwas besseren Test zur Frage, wer Feministin oder Feminist ist, gibt es auf dieser Website. Dieser Test enthält zehn Forderungen, denen ich mit einer Ausnahme allen eindeutig zustimme (strongly agree). An diesen Forderungen wird deutlich, dass es bei Gleichstellung der Geschlechter um mehr geht, als um formal gleiche Rechte für Männer und Frauen. Bei gleichen Rechten für alle Menschen können wir nicht stehen bleiben. Es geht um gleiche Chancen, gleiche Akzeptanz und darum, Ungerechtigkeiten auszugleichen.

Da ich ja auch für die Gleichberechtigung der Frauen bin und damit dem Equityfeminismus nahe stehe dachte ich, ich mach auch mal den Test:

1. Women should be economically and socially independent. They shouldn’t rely on men to take care of them.

Natürlich sollten sie ökonomisch und sozial unabhängig sein. Ich würde „strongly agree“ wählen. Natürlich kann es sein, dass gewisse Sachzwänge, wie etwa die Betreuung eines Kindes, dazu führen, dass man eine Arbeitsteilung vornimmt. Aber wenn dies nicht der Fall ist, dann bin ich absolut dafür.

2. There is no such thing as a „man’s job.“ It is wrong for men to be given preference for any job position, even if women traditionally aren’t in that field.

Da ich eine essentialistische Betrachtung der Geschlechter ablehne und lediglich davon ausgehe, dass es bestimmte Häufungen gibt, auch bei der Berufswahl, würde ich dem deutlich zustimmen, also „Strongly agree“. Natürlich sollte man keine Frau nur weil sie eine Frau ist von einem Job ausschließen, auch wenn in einigen Bereichen dennoch zu erwarten ist, dass sich mehr Männer finden, die die passenden Fertigkeiten und Motivationen haben (umgekehrt ist dies bei bestimmten Berufen, in denen Frauen mehr vertreten sind, ebenfalls so)

3. Men and women should be held to the same sexual standards. If men can sleep around without judgment, women should be able to as well.

Meine Güte, was für eine Frage! Natürlich werden auch Männer teilweise abgewertet, wenn sie mit vielen Frauen schlafen, sie erleben dann Abzüge bei der Beziehungsfähigkeit. Und wenn sie es auf eine billige Art und Weise machen, etwa in dem sie jede Betrunkene kurz vor Diskoschluss billig anmachen, bis eine die richtige Mischung aus Geilheit und Besoffenheit hat, wird er ebenfalls als Creepy und ekelig angesehen werden. Natürlich erfolgt diese Abwertung bei Frauen schneller, weil Frauen es einfacher haben, auf eine billige Weise an Sex zu kommen und deswegen auch dann schneller als billig wahrgenommen werden. Wenn sie es mit ein wenig Stil machen, dann würde ich sie dafür natürlich auch nicht verurteilen, wenn sie dabei billig wirken, dann hat das nichts damit zu tun, dass sie Sex haben, sondern mit der Art. Sind das gleiche Standards? Ich bin vollkommen dafür, dass Frauen viel Sex haben finde das keineswegs schlimm. Ich rate Freundinnen eher dazu, sich ruhig mal auszuleben, wenn sie es wollen und freue mich, wenn sie guten Sex hatten. Ich weiß aber auch, dass viele Frauen damit nicht so gut zurechtkommen. Auch sehe ich die Mehrarbeit, die ein Mann hat um an Sex zu kommen und zolle ihm dafür mehr Respekt. Wie hieß es so schön “ A woman proud of getting laid is like an alcoholic proud of getting drunk.“ Ich würde mir zudem ins eigene Fleisch schneiden, wenn ich was gegen Frauen hätte, die ihre Sexualität ausleben. Ich würde hier eigentlich auch „strongly Agree“ wählen.

4. Women should take an equal role in dating. Women should ask out people they are interested in and take their turn in paying.

Wie könnte ich da etwas dagegen haben? Macht ja die Sache wesentlich einfacher. Ich glaube nicht, dass es sich durchsetzt, weil das passive Flirten für Frauen wesentlich mehr Vorteile bringt, aber ich stimme wieder entschieden zu, also „agree strongly“

5. „Women should accept their bodies as they are. Women should not have to conform to wacky beauty ideals.“

Auch wieder eine merkwürdig formulierte Frage. Natürlich ist es gut, seinen Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Aber das bedeutet eben auch einzusehen, dass er eventuell hässlich ist. Oder formbar. ZB durch eine vernünftige Ernährung und Sport.

Allein die Vorstellung, dass ein Körper auf eine gewisse Weise „ist“ ist ja sehr essentialistisch. Natürlich gibt es bestimmte Körpergegebenheiten, die man nicht ändern kann, aber man wird nicht dick geboren und und muss nicht dick bleiben.

Ich bin sehr dafür, dass Leute eine realistische Betrachtung ihres Körper vornehmen und akzeptieren, dass er einen gewissen Zustand hat. Wer meint, dass er sich zB als Dicker wohl fühlt, der soll so bleiben. Er soll sich dann aber nicht beschweren, dass andere Menschen das dann auch wahrnehmen.

Natürlich bin ich der Meinung, dass Frauen  nicht merkwürdigen Schönheitsidealen entsprechen müssen. Aber schlank und sportlich ist kein merkwürdiges Schönheitsideal.

Wenn die Aussage so zu verstehen ist, dass es keine Schönheitsideale gibt und alle Menschen auf ihre Art schön sind, dann würde ich „strongly disagree“ wählen. Wenn die Aussage so zu verstehen ist, dass eine Frau, die nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht, zwar weniger mein sexuelles Interesse weckt, aber trotzdem eine gute Freundin und ein toller Mensch sein kann, dann würde ich „strongly agree“ wählen.

Ich muss wohl aufgrund der unklaren Frage auf „Not sure“ ausweichen

6. A woman should be able to marry and have kids with anyone she wants – including another woman.

Ja, da hat sie meinen Segen. Warum auch nicht? Strongly agree

7. Women should have the right to choose any path in life – from being a stay at home mom to a Fortune 500 CEO.

Ich bin dafür, dass sie das natürlich versuchen kann und darf und wenn sie einen Partner findet, der das auch will oder sich im Wettbewerb um einen Posten durchsetzt, dann spricht aus meiner Sicht nichts dagegen: Strongly agree

8. Women should be encouraged to pursue education as much as men are.

Eine gute Ausbildung sehe ich für jeden Menschen als wichtig an. Also erneut: Strongly agree

9. Women should have legal, easy access to all types of birth control – including the morning after pill.

Die Pille danach hatten wir ja gerade als Thema. Warum ich etwas gegen andere Arten der Verhütung haben sollte, leuchtet mir auch nicht ein. Ich bin ja selbst daran interessiert, dass eine Frau verhütet. Strongly agree

10. You would support a woman for president (if you agreed with her politics).

Eine Frau als Kanzlerin kann ich mir vorstellen. Ist ja auch in Deutschland einfach. Wenn ich ihre Politik gut finde, dann habe ich auch keine Probleme damit sie zu wählen. Sie nur wählen, weil sie eine Frau ist, würde ich allerdings nicht. Aber das scheint mir auch nicht Inhalt der Aussage zu sein. Strongly agree.

Mein Ergebnis:

You Are 95% Feminist

You are a total feminist. This doesn’t mean you’re a man hater (in fact, you may be a man).

You just think that men and women should be treated equally. It’s a simple idea but somehow complicated for the world to put into action.

Der Test fragt aus meiner Sicht so rudimentäre Positionen ab, dass er – ebenso wie der Sexismus Test – eigentlich nicht geeignet ist. Vielleicht sollte man einmal etwas ähnliches für den Maskulismus erstellen. Es ist natürlich die Idee, dass DER Feminismus eigentlich nur Gleichberechtigung will. Wobei die darüber hinausgehenden Ideen etwa im Gleichheitsfeminismus nicht hinterfragt werden. Das ich bestimmte Richtungen des Feminismus ablehne wäre dann in diesem Test egal.

Wer mag kann seine Ergebnisse, insbesondere die Zustimmung oder Ablehnung zu einzelnen Aussagen, ja mal in den Kommentaren posten. Oder einfach so was zu dem Test sagen.

Warum wollen Menschen soviel Gleichheit?

Ein Modell zur evolutionären Entwicklung des Wunsches nach Gleichheit wird in diesem Artikel (PNAS) besprochen:

The evolutionary emergence of the egalitarian syndrome is one of the most intriguing unsolved puzzles related to the origins of modern humans. Standard explanations and models for cooperation and altruism—reciprocity, kin and group selection, and punishment— are not directly applicable to the emergence of egalitarian behavior in hierarchically organized groups that characterized the social life of our ancestors. Here I study an evolutionary model of groupliving individuals competing for resources and reproductive success. In the model, the differences in fighting abilities lead to the emergence of hierarchies where stronger individuals take away resources from weaker individuals and, as a result, have higher reproductive success. First, I show that the logic of within-group competition implies under rather general conditions that each individual benefits if the transfer of the resource from a weaker group member to a stronger one is prevented. This effect is especially strong in small groups. Then I demonstrate that this effect can result in the evolution of a particular, genetically controlled psychology causing individuals to interfere in a bully–victim conflict on the side of the victim. A necessary condition is a high efficiency of coalitions in conflicts against the bullies. The egalitarian drive leads to a dramatic reduction in within-group inequality. Simultaneously it creates the conditions for the emergence of inequity aversion, empathy, compassion, and egalitarian moral values via the internalization of behavioral rules imposed by natural selection. It also promotes widespread cooperation via coalition formation.

Quelle:  On the evolutionary origins of the egalitarian syndrome

Der Wunsch nach Gleichheit soll also letztendlich ein evolutionär entwickeltes Gruppenverhalten sein, dass dem Individuum Vorteile absichert. Im Gegensatz zu einer kulturellen Entwicklung, bei der wir uns über die egoistische Natur erheben und eine darüber hinaus gehende Moral entwickeln.

Dazu heißt es in dem Artikel:

The origins of moral values have intrigued scholars for millennia. Darwin saw human morality as derived from animal “social instincts” (59) that transform to a “moral sense or conscience as soon as . . . intellectual powers become . . . well developed” (ref. 59, p. 8). In a modern perspective, viewing human conscience as a mere by-product of intelligence is an oversimplification. Boehm (6) convincingly argues that additional processes and factors such as moralistic punishment, internalization of culturally enforced norms, symbolic language and gossiping, and social selection for altruism and self-restraint applied by groups to its members need to be considered. That notwithstanding, identifying evolutionary roots for and the dynamics of genetically controlled egalitarian social instincts is a necessary step in getting a better understanding of the origins of a uniquely human sense of right and wrong.

Und aus der Diskussion der Studie:

Animals living in a group have common interests such as defense from predators and acquisition and defense of various resources (including mating opportunities) from competitors that include conspecifics. These common interests, however, do not necessarily mean an elimination or a significant reduction of competition between group members. A variation between individuals in their fighting abilities (which is always present due to various environmental, genetic, developmental, and stochastic factors) implies that some of them can take resources from others by force. Then natural selection is expected to drive the evolution of a particular psychology with stronger individuals attempting to rob weaker individuals with the latter giving up resources without fighting back. A result is the emergence of group hierarchies in which resources are appropriated in a very nonequal way with high-rank bullies usurping a disproportionally large share (12). The more limited are the subordinates’ options outside the group, the stronger the expected degree of despotism (52). Resisting high-rank bullies alone is costly and unlikely to be successful. However, the same forces that shape the emergence of highly despotic groups dialectically create conditions for the evolution of counterdominant coalitionary behavior and psychology (11). As I have shown above, in such groups seeking personal benefits can lead to a particular other-regarding preference: All others should be more equal. A necessary condition for this preference is that the share of group reproduction obtained by a high-rank bully grows faster than his share of the group resource (increasing marginal efficiency). A way to fulfill the preference is to help the weak against the strong, even at a cost. When everybody acts to enforce equality among all other members of the group, a group-level equality develops. In the model studied here, universal, genetically controlled inequity aversion evolves as a result of each person promoting beneficial to himself (i.e., selfcentered) equality among all other individuals within the context of within-group competition. This evolution could have been the force that drove the egalitarian transition in our lineage. Once the tendencies for egalitarianism (or pair bonding) (40) are well grounded in genes, they can be elaborated and augmented by cultural norms

Also ein Modell, bei dem Zusammengearbeitet wird, um zu starke Hierarchien, die ein Ausnutzen ermöglichen, zu verhindern. Wie der Artikel darlegt klappt das insbesondere in kleinen Gruppen, auch weil man dort Hierachien besser verhindern kann. Diese Prozesse formen dann die Grundlage für ein Ausrichten auf Gleichheit, dass dann kulturell ausgeformt werden kann.