Gendergerechtes Schneeräumen

Dieses Video zeigt wie ungerecht bisheriges Schneeräumen war und wie es durch Gender Mainstreaming gerechter gemacht werden konnte.

 

 

http://www.nzz.ch/panorama/aktuelle-themen/schneechaos-und-gesellschaftspolitik-stockholm-diskutiert-ueber-gender-gerechten-winterdienst-ld.128785

Auch in diesem Artikel wird das Konzept noch einmal kurz dargestellt:

Das Konzept eines «gendergerechten Winterdienstes» hatte sich vor einiger Zeit der Stockholmer Ratsherr Daniel Hellden von den Grünen ausgedacht. Männer benützten tendenziell das Automobil zur innerstädtischen Fortbewegung, während Frauen eher zu Fuss, mit dem Velo oder dem öffentlichen Verkehr unterwegs seien, argumentierte er. Wenn bei Schneefall die grossen Verkehrsadern zuerst geräumt würden, bedeute dies damit im Prinzip eine Benachteiligung der Frauen.

Als Vorsteher des städtischen Verkehrsdepartements liess Hellden deshalb die Weisung in den Leitfaden für den städtischen Winterdienst integrieren, dass wichtige Fusswege und Velorouten sowie Bushaltestellen im Sinne der Geschlechtergleichstellung mit Priorität vom Schnee befreit werden müssten. In den relativ schneearmen Wintern der vergangenen beiden Jahre funktionierte dies ganz leidlich.

Jetzt gab es einen stärkeren Schneefall in Schweden und der weiße alte Mann Väterchen Frost scheint das Patriarchat aufrechterhalten zu wollen:

Ein spektakulärer Wintereinbruch in der ersten Novemberwoche stellte nun allerdings die «gendergerechte Schneeräumung» auf eine harte Probe. Zugegebenermassen ist der grösste Schneesturm der vergangenen rund hundert Jahre, der Stockholm an einem einzigen Tag rund 40 Zentimeter Neuschnee bescherte, nicht unbedingt eine faire Vergleichsgrösse.

Doch die Schwächen von Helldens gesellschaftsideologisch gefärbtem Konzept wurden derart schonungslos offengelegt, dass der Ratsherr selbst einräumen musste, der in seiner Verantwortung liegende Winterdienst habe versagt. Wenn er auch im gleichen Atemzug beifügte, dass die Schuld nicht beim Konzept an sich, sondern in dessen mangelhafter Umsetzung zu suchen sei.
Winterwandern statt Busfahren
Wie auch immer, in der schwedischen Metropole hatte man als Verkehrsteilnehmer an jenem Tag das Gefühl, völlig sich selbst überlassen zu sein. Ein Blick auf die Website des Verkehrsverbunds zeigte, dass zwar die U-Bahn relativ gut und S-Bahn und Tram immerhin noch einigermassen funktionierten, der Busbetrieb aber praktisch vollständig eingestellt war.

Kein Wunder, denn die Busse sind ja auf die Räumung ebendieser Strassen angewiesen, die nach Helldens Winterdienst-Vorstellungen erst mit zweiter Priorität gepflügt werden sollten und von den überforderten technischen Betrieben deshalb wohl gleich links liegengelassen wurden. Vielleicht hatte man zwar das Glück, an eine bereits vom Schnee befreite Bushaltestelle zu gelangen – von viel praktischem Wert war dies an besagtem Tag indes nicht.

«Für alle gleich schlecht»
Denn auch in relativ zentrumsnahen Aussenquartieren fuhren die Busse erst am Tag darauf wieder einigermassen normal. Wer nicht im Einzugsgebiet eines schienengebundenen Verkehrsmittels wohnte und trotzdem in die Stadt wollte oder musste, dem blieb nichts anderes übrig, als sich für eine Winterwanderung zur nächsten Metrostation aufzumachen. Immerhin waren dafür bereits einige Fusswege geräumt.

Der Ratsherr Hellden musste im Gefolge des Schneesturms einigen Spott über sich ergehen lassen. Für die Opposition war die Situation hingegen ein gefundenes Fressen. Eine Vertreterin der Bürgerlichen im Stadtparlament kommentierte das Gleichstellungs-Argument süffisant mit den Worten, nach dem eben erlebten Beispiel zu schliessen, bedeute es eine Situation, die für alle gleichermassen unzumutbar sei.

Bei Breitbart wird dazu berichtet:

Politicians in Stockholm said the policy of “gender-equal” snow removal has failed after the weather brought Sweden’s capital to a standstill last week, with hospitals reporting a fourfold increase in broken bones.
The city switched to a “feminist” system of clearing snow last winter but last week’s burst of snow, which threw the city into chaos, has cast doubt on its effectiveness.

Hundreds of thousands of people were affected, with the majority of bus routes put out of service and commuters having to wait in queues for several hours.

Previously, fresh snowfalls were cleared first from main roads and by areas like construction sites before being removed from pavements and cycle lanes. As men are more likely to drive and women more likely to travel on foot, more women slipped on the ice which led to complaints that the system was sexist.

Vice-mayor of Stockholm, the Green Party’s Daniel Helldén, admitted that “equality snow removal” had failed the city, and apologised to residents who had injured themselves as a result.

But police last week said the system is so bad, with ambulances unable to make their way along Stockholm’s roads, it posed a danger to society. Officer Fredrik Ståhle branded the conditions for drivers in the city “deplorable”.

Opposition vice-mayor Cecilia Brinck called the concept of “gender-equal” snow removal “a little silly”. The Moderate party politician said despite the promise that feminist snow-clearing would make life better for women, its implementation made the weather “bad for everyone”.

Per Ossmer and Martin Westmont from the Sweden Democrats said that the city’s snow clearance plan should not be “characterised by a feminist perspective”.

Speaking for the populist party in a piece for Stockholm Direkt, the pair advised that politicians prioritise delivering an effective transport system over investing “considerable resources” in “gender certifying” various services.

Andere Stellen nehmen das System weiterhin in Schutz:

Daniel Helldén, the city’s Green Party head of transportation, said the policy had nothing to do with the chaos. He instead suggests that there was a lack of gender equality in the snow clearing effort.

“There is a lack of gender equal snow-clearing now, according to the reports I’m getting,” he said. “It’s still difficult to walk on the pavements — and it is important that snow-clearing prioritizes walkways, public transport and cycle paths.”

Aus meiner Sicht ist bereits der Gender Ansatz wenig effektiv bei so etwas. Statt zu schauen, welches Geschlecht was macht sollte man eher Geschlechterneutral schauen, welche Wege wie genutzt werden, welche Vorteile und Nachteile es für wie viele Leute bringt, wenn man auf eine bestimmte Weise räumt und dann nicht versuchen ein Gleichgewicht der Geschlechter zu erzielen, sondern die beste Räummethode insgesamt anzuwenden. Die künstliche Unterteilung in Gruppen und die Zuweisung abstrakter absoluter Vorteile zu dieser Gruppe sollte hingegen unterbleiben. Denn es werden ja auch Frauen mit dem Auto zur Arbeit fahren und auch Männer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein oder Kinder zum Kindergarten bringen. Eine allgemeine Optimierung scheint mir wesentlich effektiver als dieses System, welches nach Geschlecht aufteilt.

Strömungen in Bereich „Gender-Kritik“

Leszek schlug Folgendes vor:

Wie wäre es mal mit einem Artikel speziell zum Thema „Strömungen im Bereich Gender-Kritik“? (Also nicht Feminismuskritik, sondern ganz speziell Gender-Kritik).
Ein solcher Artikel sollte idealerweise einen Überblick geben, aber auch die rationalen und aus unserer Sicht sinnvollen und wichtigen Formen von Gender-Kritik (wie sie z.B. der linke und liberale Maskulismus praktiziert) von frag- und kritikwürdigen Formen von Gender-Kritik abgrenzen.
Dabei wäre übrigens der Vollständigkeit halber auch die Kritik anderer feministischer Strömungen am Gender-Feminismus zu berücksichtigen.

Das ist durchaus ein interessantes Thema, aber aufgrund der Vagheit der Begrifflichkeiten schwer abzugrenzen.

Man müsste dabei wohl erst einmal definieren, was dabei unter „Gender“ überhaupt zu verstehen ist, gerade in der Verwendung in der Geschlechterdebatte.

Dabei können auch die Definitionen vielfältig sein:

  • Das „geistige Geschlecht“, also eine Abgrenzung zum körperlichen Geschlecht. Eine Betrachtung des „geschlechtlichen Verhaltens“ unabhängig davon, ob es auf Biologie oder Sozialisation beruht
  • Das „soziale Geschlecht“, also das Geschlecht, welches alleine auf Sozialisation beruht
  • Das „sozial konstruierte Geschlecht“: Also die Vorstellung, dass das gesamte Sozialverhalten eine reine gesellschaftliche Konstruktion ist, die es nicht geben müsste und die Vorstellung, dass es einen „Neutralzustand“ gibt, in dem Mann und Frau keine wesentlichen Kategorien sind

Wenn es um „Gender-Kritik“ geht, dann wird es meist um das letztere gehen, also die Vorstellung, dass es diesen Neutralzustand geben könnte, der häufig damit verbunden wird, dass der gegenwärtige Zustand ein Ergebnis bestimmter Machtverhältnisse ist, die dann eben zum Nachteil bzw zum Vorteil bestimmter Gruppen das soziale Geschlecht konstruieren (oder wenn es nach Butler geht überhaupt erst bestimmte Körpermerkmale wie etwa Busen oder Genitalien mit bestimmten Verhaltensvorschriften kombinieren)

Kritik setzt dabei aus verschiedenen Richtungen an:

  • Der Grundgedanke ist bereits falsch, weil
  • Es mag eine Sozialisation nach Geschlechtern geben, aber die ist auch gut, weil
    • sie schon immer so war
    • Frauen eben Frauen sein wollen und Männer eben Männer sein wollen, beides hat seine Vor- und Nachteile und Frauen bringen nun einmal die Kinder auf die Welt
    • Männer eben einfach besser sind und das Sagen haben sollten, wenn sie die Regeln so gemacht haben, dann stimmt das schon so
    • sie MIR gefällt und MIR entgegen kommt (passt für Frauen oder Männer)
  • Es mag eine Soziale Konstruktion sein, aber sie übertreiben mit ihrer Idee, dass man deswegen neutral sein soll. Das ist genau so ein Zwang, nur in eine andere Richtung
  • Es mag ein soziale Konstruktion sein, aber die Gründe für die Konstruktion im Genderfeminismus sind falsch, es geht nicht um einseitige Macht für Männer, sondern beide Geschlechter arbeiten auf ihre Weise daran, die Geschlechterrollen zu erhalten und fühlen sich üblicherweise darin wohl. Sie wollen weder neutral noch das andere Geschlecht sein.
  • Die Mittel, die der Genderfeminismus einsetzt, sind falsch: Sie errichten ein einseitiges System der Schuldzuweisung und sind weniger darauf aus, dass man die Geschlechterrollen auflöst, sondern eher darauf, einen Sündenbock für ihnen nicht genehme gesellschaftliche Zustände zu haben.
  • Die im Bereich „Gender“ gewählten neuen Theorien der tausend Geschlechter sind falsch und schießen weit über das Ziel hinaus. Sie errichten unsinnige neue Geschlechter und richten damit weit aus mehr Schaden an als sie nutzen bringen

Das wäre so das erste Brainstorming zu verschiedenen Richtungen aus denen man Kritik an „Gender“ bringen könnte.

Leszek schrieb noch in einem weiteren Kommentar:

Man könnte u.a. folgende Kategorien einbeziehen:

  • Naturwissenschaftliche Gender-Kritik (z.B. Ulrich Kutschera, Axel Meyer): kritisiert schwerpunktmäig die Ausblendung biologischer Forschungsbefunde und Theorien im Gender-Feminismus.
  • Sozialwissenschaftliche Gender-Kritik (z.B. Gerhard Amendt, Walter Hollstein, Anthony Synnott, Christoph Kucklick): Überschneidet sich inhaltlich stark mit Kritik am radikalen Feminismus an sich, im Vordergrund steht bei der sozialwissenschaftlichen Gender-Kritik eher die Kritik an der Ausgrenzung der Forschungsbefunde zu Diskriminierungen, sozialen Problemlagen und Menschenrechtsverletzungen, von denen Jungen und Männer betroffen sind sowie die Kritik an wissenschaftlich widerlegten feministischen Behauptungen zu sozialwissenschaftlichen Themen.
  • Geisteswissenschaftliche Gender-Kritik (Alexander Ulfig wäre ein Beispiel): Hier steht die kritische Analyse von ideengeschichtlichen, theoretischen und speziell auch wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Gender Studies bzw. des Gender-Feminismus im Vordergrund.

(Die genannten Kategorien bilden natürlich nur Idealtypen, die sich in der Praxis häufig überschneiden.)

Dann des Weiteren die politischen Kategorien: Liberale, konservative und linke Gender-Kritik.

Ich gehe ja davon aus, dass Liberale eine Wertepräferenz für den Wert Freiheit, Konservative eine Wertepräferenz für den Wert Sicherheit und Linke eine Wertepräferenz für den Wert Gerechtigkeit haben (wobei es auf Ebene von politischen Unterströmungen und erst Recht auf Ebene von Individuen zu zahlreichen Mischformen kommen kann).

Diesbezüglich gäbe es sicherlich einige Ähnlichkeiten zu dem, was ich in der Vergangenheit schonmal dazu geschrieben hatte, welche spezifischen Formen die Feminismuskritik im Maskulismus unter verschiedenen politischen Perspektiven annehmen kann:

Einordnung im Maskulismus in Bezug auf Feminismuskritik

  • Liberale Gender-Kritik: fokussiert demnach stärker auf die illiberalen Aspekte des Einflusses des Gender-Feminismus, z.B. Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Propagierung neuer Rollenvorgaben, Quoten usw.
  • Linke Gender-Kritik: fokussiert stärker auf die Ungerechtigkeit, zu der der Gender-Feminismus durch seine Ignoranz gegenüber den Problemen von Jungen und Männern beiträgt, überschneidet sich also stark mit der spezifisch männerrechtlichen Sichtweise.
  • Konservative Gender-Kritik: tendiert eher dazu im Gender-Feminismus eine Gefahr für Familie und die Möglichkeit des Lebens nach traditionellen Geschlechterrollen zu sehen. Konservative Gender-Kritiker befürchten eine angebliche Frühsexualisierung (es ist übrigens ein auffallender Unterschied, dass linke und liberale Gender-Kritiker den Gender-Feminismus meist eher als sexuell-repressiv wahrnehmen und ihn deshalb kritisieren während konservative Gender-Kritiker eine Übersexualisierung durch den Gender-Feminismus befürchten). Z.T. nimmt konservative Gender-Kritik leider auch homophobe Züge an, verbindet sich mit irrationalen Veschwörungstheorien, in manchen Fällen beinhaltet sie leider auch antisemitische Elemente.

Des Weiteren gäbe es dann noch Kritik am Gender-Feminismus seitens konkurrierender feministischer Strömungen:

  • klassisch-radikalfeministische Gender-Kritik: Es gibt ja einen Streit um die kulturelle Hegemonie zwischen klassischem Radikalfeminismus und postmodernem Gender-Feminismus. Unterschiedliche Auffassungen gibt es u.a. zu den Themen Intersektionalität, Multikulturalismus, Sexarbeit, Pornographie, BDSM und Transsexualität.
  • liberal-feministische Gender-Kritik: Also die Kritik von liberalen Feministinnen wie Christina Hoff Sommers, Cathy Young, Daphne Patai und Wendy McElroy am Gender-Feminismus.
  • marxistisch-feministische Gender-Kritik (z.B. Nancy Fraser & Tove Soiland): kritisiert den Gender-Feminismus als neoliberalismus-kompatibel und kapitalismus-konform.
  • evolutionär-feministische Gender-Kritik (z.B. Griet Vandermassen): überschneidet sich mit naturwissenschaftlicher Gender-Kritik, kritisiert aber auch die Schaffung neuer Rollenvorgaben und fordert eine Orientierung am Individuum.

Und dann natürlich die maskulistische/männerrechtliche Gender-Kritik, die sich aber auch nochmal in links, liberal und konservativ differenzieren ließe und dementspreched Überschneidungen zu dem bereits Gesagten beinhaltet, aber bei alldem wesentlich auf die Probleme von Jungen und Männern fokussiert.

Alles Genannte wären wie gesagt Idealtypen, die einer besseren wissenschaftlichen Kategorisierung dienen sollen. In der Realität finden sich natürlich zahlreiche Vermischungen der genannten Aspekte.

Das wären so meine ersten Assoziationen, aber vielleicht hast du ja ergänzende – oder auch ganz andere – Ideen dazu.

Wäre interessant, ob man das überein bringen kann mit meinen Gedanken oben. Einiges lässt sich sicherlich wiederfinden.

Leszek hatte noch weitere Ideen:

Ich habe oben also versucht drei Hauptkategorien zu benennen, die für die Perspektiven, aus denen heraus Gender-Kritik formuliert wird, m.E. wichtig sind:

1. Übergreifende Wissenschaftsbereiche: Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften.

Natürlich wären hier potentiell weitere Präzisierungen nach konkreten wissenschaftlichen Disziplinen im Kontext dieser übergreifenden Wissenschaftsbereiche möglich, z.B. biologische Gender-Kritik, soziologische Gender-Kritik, philosophische Gender-Kritik etc.

2. Politische Weltsichten: liberal, konservativ, links

Auch hier wären natürlich weitere Präzisierungen in politische Unterströmungen und Mischformen potentiell möglich.

3. Strömungen/Theorien im Geschlechterdiskurs

Dies lässt sich unterteilen in:

a) konkurrierende feministische Strömungen/Theorien

b) maskulistische/männerrechtliche Strömungen/Theorien

Als Unterpunkt c könnte hier vielleicht noch die – zwar sehr seltene, aber zumindest im Einzelfall vorhandene – Gender Studies-interne Gender-Kritik genannt werden. In Deutschland wäre als jemand, der die Gender Studies von innen her in einem positiven Sinne zu reformieren versucht Stefan Hirschauer zu nennen

Er scheint mit seinen Forderungen innerhalb des Feldes der Gender Studies allerdings bislang ziemlich allein dazustehen.

Und noch als Ergänzung:

Bei dieser Gelegenheit wäre es sicherlich nicht schlecht einmal zu definieren, was mit dem dem Begriff „Gender-Kritik“ eigentlich gemeint sein soll.

Ich würde sagen „Gender“ als Bezugspunkt von Kritik kann sich auf drei miteinander zusammenhängende, aber nicht völlig miteinander identische Aspekte beziehen:

– die Gender Studies als akademisches Feld
– der postmoderne Gender-Feminismus in Theorie und Praxis als soziale und politische Bewegung
– das Gender Mainstreaming als politisches Programm

Gender-Kritik wäre demnach die Kritik – und zwar Kritik im Sinne einer wesentlichen kritischen Infragestellung, eine Kritik, die also auf wesentliche Teilaspekte oder das Ganze der kritisierten Sache abzielt – der Gender Studies als akademischem Feld und/oder des Gender-Feminismus als sozialer und politischer Bewegung und/oder des Gender Mainstreamings als politischem Programm.

„Gender-Kritik“ in diesem allgemeinen Sinne definiert sagt noch nichts darüber aus aus welcher Perspektive, mit welcher Absicht und welchen Argumenten und auf Grundlage welcher Maßstäbe diese Kritik erfolgt, ob es sich um fundierte oder unfundierte, gut oder schlecht begründete Kritik handelt usw.. Diese Definition ist daher umfassend genug um alles einzubeziehen, was ich oben erwähnte.

Dazu vielleicht noch das Folgende:

  • die Gender Studies als akademisches Feld: Hier wäre mein Hauptproblem die Unwissenschaftlichkeit und das Ausblenden anderweitiger Forschung. Die Gender Studies ignorieren im wesentlichen alles, was nicht ihrer Theorie entspricht und überdecken gravierende Löcher in ihren Theorien. Das sie an einer Universität gelehrt werden und sich dort als Wissenschaft verkaufen dürfen ist ein äußert trauriger Zustand.
  • der postmoderne Gender-Feminismus in Theorie und Praxis als soziale und politische Bewegung: Hier wäre mein Hauptkritikpunkt, dass sie vorgeben eine Bewegung zu sein, die soziale Gerechtigkeit will, tatsächlich aber einfaches Gruppendenken praktizieren, mit binären Einteilungen in Gut und Böse. Zudem auch, dass sie das „Normale“ zum Feind erklärt haben statt sich für die Akzeptanz von weniger häufigen einzusetzen.
  • das Gender Mainstreaming als politisches Programm: Hier stört mich die unkritische Übernahme dieser oben kritisierten ideologischen Richtungen und ebenso die Ignoranz gegenüber anderweitigen Ansätzen. Es wird versucht von oben herab eine ideologische Umschulung vorzunehmen, die mehr Probleme verursacht als sie gegenwärtig löst, weil die Ansätze zu radikal und zu sehr geprägt von bestimmten Feindbildern ist um wirklich das Gesetze Ziel des Abbaus von Diskriminierungen erreichen zu können

Wie würdet ihr einteilen? Was findet ihr falsch an dem oben dargestellten? Was ist eure Gender-Kritik und welchen Oberbegriff würdet ihr dafür verwenden?

Gendermainstreaming und der Weihnachtsmann

Hier ein schöner Text zum Gendermainstreaming und Weihnachten:

Betrachtet man die zentralen „Figuren“ der Weihnachtszeit im Hinblick auf deren Geschlechter, so wird schnell klar, dass das weibliche Geschlecht hierbei völlig vernachlässigt wird. Weder der Weihnachtsmann, das Christkind, Knecht Ruprecht noch Santa Claus oder das Jesuskind treten im Rahmen von Weihnachten mittels weiblichen Geschlechts auf. Die Charaktere und weihnachtlichen Figuren sind folglich entweder männlich oder neutral. Von einer weiblichen Weihnachtsfigur ist dabei nie die Rede und war es auch nie. Seit jeher wird der „Weihnachtsbote“ als männliche Figur klassifiziert ; Merkmale wie eine raue Stimme, ein langer weißer Bart, ein etwas dicklicher Bauch sowie ein rotes Kostüm sind dabei besonders essentiell. Eigentlich geben bereits diese Merkmale darüber Aufschluss, dass eine weibliche Weihnachtsfigur absolut untypisch und überhaupt nicht passend wäre. Ein weiblicher Weihnachtsmann? – Also eine richtige WeihnachtsFRAU mit weißen langen Haaren, keinem Bart, normaler Figur? Alleine die Vorstellung eines solchen Charakters würde gar nicht erst zu Weihnachten passen.

Tatsache ist, dass die rund um Weihnachten präsenten Weihnachtscharaktere nicht den Prinzipien des Gender Mainstreamings entsprechen. Doch weshalb ist das so? Liegt es vielleicht daran, dass eine Weihnachtsfrau nicht stark genug ist, um den Sack voller Geschenke zu tragen? Und warum wird dem eigentlichen Christkind kein eindeutiges Geschlecht zugewiesen?

Würde man die Thematik „Weihnachten“ den Grundsätzen des Gender Mainstreams gerecht betrachten, so müssten weibliche und männliche Weihnachtsfiguren gleichermaßen existieren und auch so behandelt werden. Diesen Leitsätzen kann jedoch nicht entsprochen werden, da ein Geschlecht, nämlich das weibliche, gar nicht erst existiert, sondern nur das männliche. Folglich existiert im Rahmen von Weihnachten keine Geschlechtergerechtigkeit bzw. Gleichstellung beider Geschlechter, wodurch das Regelwerk „Gender Mainstreaming“ auf Weihnachten und die damit verbundenen Figuren und Charaktere nicht angewendet werden kann.

Scheint also als wäre Weihnachten damit bezüglich der Figuren kein Fall des Gender Mainstreaming. ist ja auch etwas festliches

Gender Mainstreaming

Der Begriff Gender Mainstreaming bedeutet laut Wikipedia

den Versuch die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen.

Gender-Mainstreaming soll dabei im Gegensatz zu Frauenpolitik beide Geschlechter berücksichtigen.

Eine andere Definition an gleicher Stelle meint, dass unter Mainstreaming #

der Versuch zu verstehen ist, benachteiligte bzw. Randgruppen in die Mitte der Gesellschaft (Mainstream) zu bringen.

Auch der nächste Satz ist bezeichnend:

„Davon ausgehend, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt, ist Gender Mainstreaming nach dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland (2004) ein Auftrag an die Spitze einer Verwaltung, einer Organisation, eines Unternehmens und an alle Beschäftigten, die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern in er Struktur, in der Gestaltung von Prozessen und Arbeitsabläufen, in den Ergebnissen und Produkten, in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit und in der Steuerung (Controlling) von vorneherein zu berücksichtigen und das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern effektiv verwirklichen zu können.

Die Methoden sind dabei die Folgenden

  • Aufstellung geschlechtsspezifischer Statistiken
  • Kosten-Nutzen-Analysen nach Geschlecht und Geschlechterrollen
  • Erarbeitung von Gender-Analysen
  • Checklisten
  • Die 3-R-Methode. Unter den drei Kategorien Repräsentation, Ressourcen und Realität wird jede politische Maßnahme geprüft.
  • Das Gleichstellungs-Controlling als betriebswirtschaftliches Instrument des Gender-Mainstreaming

Vieles daran klingt ja grundsätzlich nicht schlecht. Es klingt aber leider sehr nach Umsetzung eines  Poststrukturalismus.

Dies zeigt sich bereits daran, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit geben soll, was ein klassischer Gedanke des „Doing Gender“ und der Konstruktion der Geschlechterrollen ist. Das ist aber nur sehr eingeschränkt richtig. Über den Schnitt der Männer und Frauen betrachtet gibt es durchaus eine geschelchtsneutrale Wirklichkeit.

Es ist bedauerlich, dass innerhalb der Methoden kein eigener Punkt enthalten ist, der sich darauf richtet, Erklärungen auch in biologischer Hinsicht für bestimmte Bereiche zu finden und dann nicht auf eine Gleichstellung ausgerichtet zu sein, sondern auf die Beseitigung von Diskriminierungen.

Frauen sind in der Mitte der Gesellschaft. Nur eben auf ihre Weise. Und Männer sind ebenso in der Mitte der Gesellschaft . Auch auf ihre Weise.

Einfach darauf abzustellen, dass man künstlich eine 50% Männer, 50% Frauen Verteilung in jedem Bereich erzwingen kann bringt nichts.