Kann es einen humanistischen Feminismus geben?

Eine Abgrenzung im Maskulismus scheint es mir bei der Frage zu geben, ob der Feminismus per se schlecht ist und schlecht sein muss oder ob es einen „gemäßigten Feminismus“ oder einen „humanistischen Feminismus“ geben kann.

Ich hatte dazu schon verschiedene Artikel, die dies aufgegriffen haben:

Ich bin der Meinung, dass die Antwort hier eigentlich fast zwingend „Ja, das ist natürlich vorstellbar“ heißen muss. Andere finden bereits diesen Gedanken als geradezu selbst feministisch.

1. „Feminismus ist immer schlecht“ vs. „Feminismus kann auch gut sein“ als semantisches Problem

Die Hauptfrage scheint mir hier zu sein, wie man Feminismus definiert.

Die Fraktion, die darauf abstellt, dass der Feminismus schlecht ist, scheint mir hier eine sehr enge, essentialistische Definition von Feminismus zu verstehen: Der gegenwärtig vorherrschende poststrukturalistische Feminismus und die weiter vertretenen Spielarten würden bereits auf misandrischen Elementen und einer Opferhaltung aufbauen, so dass diese nicht „kurierbar“ sind. Die Umstellung wäre so enorm, dass man das nicht mehr als Feminismus bezeichnen könnte und daher der Begriff an sich tot ist. Es ist damit eine Argumentation vom „Jetzt“ und ein Ausschluss einer Änderung, die nicht zu einem „Aliud“, also etwas anderen, statt etwas verbesserten, führt.

Ich definiere Feminismus offener über das Anliegen und nicht die gegenwärtigen Theorien: Er betrifft die Vertretung von Frauenrechten. Das ist grundsätzlich in einer humanistischen Ausrichtung möglich, genau wie bei einem humanistischen Maskulismus. Momentan mag es nur Ausrichtungen in den Hauptströmungen geben, die unter einer Vertretung von Frauenrechten die Befreiung von einer Unterdrückung durch den Mann/Männlichkeit/hegenomialer Männlichkeit sehen, dass bedeutet aber nicht, dass man Feminismus, wenn man als Minimalanforderung die (vermeintliche) Vertretung von Fraueninteressen sieht, nicht zukünftig auch anders ausgestalten kann.

Ein vernünftiger und sachlicher Feminismus ist natürlich denkbar. Es ist möglich, Regeln für Frauen und Männer als Vertreter der Frauen oder mit einem besonderen Augenmerk auf Frauen auszuhandeln und solche Lobbyarbeit ist auch üblicherweise bei Gruppenkonflikten notwendig, da ein neutrales Vertreten erfahrungsgemäß kaum denkbar ist. Man kann hinterfragen, ob bestimmte Zustände auf Diskriminierung von Frauen beruhen, etwa im Arbeitsbereich, man kann aushandeln, welche Regeln für Schwangere im Arbeitsrecht und in den Rentenversicherungen gelten, man kann Unterhalts- und sonstige familienrechtliche Regelungen aushandeln und dabei insbesondere auf Fraueninteressen abstellen. Dies würde man dann nach allgemeinen Sprachgebrauch auch nicht „Humanismus“ nennen, sondern Feminismus. Der Begriff ist aus meiner Sicht zu eingeführt, um ihn durch einen anderen zu ersetzen und ich würde die Schaffung eines neuen Kunstwortes auch für eher wenig erfolgsversprechend halten (und so gesehen auch witzigerweise für einen Rückgriff auf feministische Theorie, wonach das Wort den Inhalt bestimmt und nicht umgekehrt

2. Reicht Humanismus und macht Feminismus unnötig?

Aus dem oben gesagten wird aus meiner Sicht bereits deutlich, dass ein Interesse an einer Vertretung einer bestimmten Gruppe besteht. Es ist auch das Recht jeder Gruppe, sich für seine Interessen eine Lobby zu schaffen, die die eigenen Interessen wahrt. Wir haben in Zivilprozessen Richter und Rechtsanwälte für jede Seite und würden es unfair finden, wenn der eine sich keinen Rechtsanwalt nehmen dürfte oder aber der Richter gleichzeitig der Rechtsanwalt der anderen Seite wäre. Wir fänden es bereits unfair, wenn Richter und Staatsanwalt in einer Person zusammenfallen würde.

Zwischen den Geschlechtern besteht bedarf für ein Aushandeln von Regeln. Dies kann auch, wenn das das Ergebnis des Aushandlungsprozesses ist, dadurch geschehen, dass man keine gesetzlichen Regeln vorgibt. Aber dennoch erfordert eine Einigung darüber, dass beide Parteien sich in den Prozess einbringen können.

Es ist eher einer der Missstände der gegenwärtigen Geschlechterdebatte, dass es kaum tatsächliche Lobbyisten für die Männerseite gibt bzw. die feministische Lobby wesentlich besser ausgestaltet ist. Wer dies als Problem wahrnimmt, der kann aus meiner Sicht kaum anführen, dass man auf einen „Humanismus“ vertrauen soll: Der Feminismus beruft sich ja gerade immer wieder darauf, dass er auch die Männerinteressen vertritt, indem er die Geschlechterrollen auflöst und damit auch die Männer befreit. Er sieht sich also als humanistisch, auch wenn es die gegenwärtige Ausrichtung gar nicht ist. Das macht deutlich, dass solche abstrakten Forderungen wenig bringen.

Natürlich sollte aus meiner Sicht jeder gleichzeitig die Anforderung an sich stellen, dass er nicht radikale, sondern humanistische Positionen vertritt, sich also auch die Sicht der anderen Seite bewusst macht und versucht nicht unfair zu sein. Aber was genau fair ist, ist ja immer eine schwierige Frage.

3. Unnötige Opposition gegen den praktizierten Wortsinn

Ich hatte schon in den oben verlinkten Artikeln ausgeführt, dass ich der Meinung bin, dass man mit Sprüchen wie „es gibt keinen guten Feminismus“ üblicherweise umfangreich erklären muss, dass man nicht Frauen per se die Möglichkeit abspricht, sich für ihre Rechte einzusetzen. Dies wird nämlich häufig das sein, was man versteht, wenn man Antifeminismus hört.

Ich finde es wesentlich einfacher und auch verständlicher, darauf abzustellen, dass ich nichts gegen einen humanistischen Feminismus hätte, dieser aber gegenwärtig kaum in Erscheinung tritt. Man kann damit auch eine Aufforderung an Frauen verbinden, sich für einen humanistischen Feminismus oder jedenfalls einen gemäßigten Feminismus einzusetzen. Man kann aus meiner Sicht auch betonen, dass man gegen einen solchen Feminismus nichts hätte und ihn in Zielen, die man teilt auch durchaus unterstützt, etwa gegen zu konservative Rollenvorstellungen, die essentialistische Vorstellungen ausleben, wie Männer und Frauen sein müssen, ohne dabei Häufungen oder Betrachtungen im Schnitt vor Augen zu haben und die sich insoweit gegen Abweichungen sperren. Auch ein Recht auf Abtreibung oder gegen Beschneidungen kann natürlich gerade etwas sein, für das sich gerade Frauenvertreter stark machen, wenn es auch ebenso ein Männerrecht ist (in beiden Fällen, ich bin ebenso als Mann interessiert daran, dass Frauen abtreiben können und ihnen dies nicht verboten wird).

Hier kann man deutlich machen, dass man berechtigte Anliegen auf beiden Seiten unterstützen kann und dies gleichzeitig dann auch von der anderen Seite erwartet.

4. Wer die Gegenseite verbietet, setzt sich selbst absolut

Dagegen wird gerne angeführt, dass dies zwangsläufig bedeutet, dass man Zugeständnisse machen muss, also letztendlich dem „Feind“ nachgeben muss. Was aus meiner Sicht nicht der Fall ist. Wenn ich ein Frauenanliegen als gerechtfertigt betrachte, dann muss es einer humanistischen Position entsprechen, sich dafür einzusetzen, ob es nun von einer Feministin vorgebracht wird oder nicht. Sehe ich ein Anliegen nicht als gerechtfertigt an, dann kann ich es dementsprechend auch ablehnen und darauf verweisen, dass wir in diesem Fall nicht zusammen kommen.

Man kann eben auch Bedingungen vorgeben, mit welcher Form des Feminismus man sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann und mit welcher nicht. Dazu muss man sich nicht verbiegen. Von vorneherein zu sagen, dass alles, was das Label Feminismus trägt, per se schlecht ist und damit eine Verhandlung ablehnen ist dagegen ein reines Lagerdenken, welches nicht auf den eigentlichen Inhalt, sondern auf Zugehörigkeiten abstellt.

Es ist insofern in gewisser Weise eher eine Übernahme von Teilen genau der Theorien, die ich im Feminismus kritisiere: Es ist eben ein Fundamentalismus, der auf Gruppenzugehörigkeit setzt und Abweichler bestrafen will. Es ist eine Ablehnung des Arguments zugunsten der Position. Ich möchte nicht ein maskulistisches „IDPOL“ und auch keine maskulistische Filterblase, ich möchte keine Disziplinierung durch Einfordern einer strikten Linie mit der Androhung, dass jede Abweichung als Übertritt zum Feind gesehen wird .

Ein Maskulismus, den ich unterstützenswert finde, sollte nicht die Fehler des radikalen Feminismus wiederholen und sich absolut setzen. Das bedeutet auch, dass er eine „Opposition“ zulassen muss.

Konservativer und linker Maskulismus

Toxicvanguard schreibt in einem Kommentar

Die meisten rechtskonservativen Männerrechtler versuchen weniger mehr als den Status Quo wiederherzustellen; dort wurden sie als Männer zwar fast gleich unfair behandelt wie jetzt, hatten aber jedoch wenigstens eine Familie und eine Frau, über die sie wenigstens das Gefühl hatten, doch noch etwas Einfluss und Wert in dieser Gesellschaft zu haben. Du hattest sozusagen wenigstens einen kleinen Ausgleich dafür zur Klasse der disposable Males zu gehören.

Das scheint tatsächlich der häufige Gedankengang zu sein. Es ist weniger eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den Nachteilen der Rolle, etwa der Unterhaltspflicht, als vielmehr der Versuch sie wieder auszufüllen. Insofern ist es häufig eher eine Mehrverpflichtung der Männer.

Allgemein wird aus meiner Sicht der Einfluss konservativer Wertvorstellungen zum Nachteil der Männer unterschätzt. Häufig ist es weniger die „feministische Verschwörung“, sondern eher der konservative Anteil, der dazu führt, dass Männern Pflichten auferlegt werden. Die Verschärfungen des nachehelichen Unterhalts hin zu einer stärkeren Betonung der reinen Ehezeit ist beispielsweise meines Wissens nach auf die CDU zurückzuführen. Gerade dort lebt eben auch der Gedanke, dass der Mann Unterhalt zu zahlen hat, weil die Frau ja die Kinder versorgt bzw der Gedanke, dass man dafür die Voraussetzungen schaffen soll.

Zum Glück lässt sich das Rad nicht mehr zurückdrehen, denn der Staat würde ohne die Steuerabgaben der Frauen erst recht sterben und die Frauen wollen auch sicher nicht zurück, ausser ein Kollaps steht kurz bevor, dann fallen wir vielleicht wieder in alte Rollenbilder zurück.

In der Tat: Ich will auch nicht zurück in die alten Zeiten. Denn die Hausfrauenehe ist mit das gefährlichste, was einem Mann im Fall einer Scheidung passieren kann.

Gleichzeitig sieht es aber im linken Maskulismus nicht wirklich besser aus; auch dort glaubt man durch das stumpfe Wiederholen von gescheiterten Taktiken irgendwann ans Ziel zu kommen. Man kopiert dabei die Mechanismen des Feminismus, wundert sich dann, dass statt Mitleid nur Hass als Antwort kommt. Gleichzeitig verschlechtert sich das Bildungsniveau von Jungen und Männern stetig und Quoten werden im “Jahr des Mannes” durchgedrückt, während sich immer mehr Männer aus dieser Gesellschaft zurückziehen.

Ein Kopieren von gescheiterten Taktiken würde ich eher nicht sehen. Vielleicht allenfalls darin, dass auch an einer Opferrolle gearbeitet wird und daran, dass man in verschiedenen Punkten gleichzuziehen versucht, zB  was sexuelle Belästigung etc betrifft.

Andere Richtungen weiten die Opferrolle (und den Hass) denke ich eher aus, in dem sie auf eine Ausbeutung von Männern durch herzlose Frauen, die in den Männern nichts weiter als nützliche Idioten sehen, abstellen, was aber ein sehr radikaler Ansatz ist, der aus meiner Sicht stark im Abnehmen ist.

Abgrenzung zu misogynen Tendenzen innerhalb der Männerbewegung

Verschiedene Kommentare beschäftigen sich damit, inwieweit sich die Männerbewegung von ihrem radikalen Rand und dortigen frauenfeindlichen Tendenzen abgrenzen sollte:

David kommentierte:

Wobei, ich sage es nochmal, ich in den USA eine große misogyne Flutwelle in der Entstehung beobachte.
Man sieht ja (selbst hier gibt es ein Beispiel im Thread) nicht gar so wenige Tweets, die offen mit dem Amokläufer sympathisieren.

Die eigentlich emanzipatorische “Red pill” des MRM in Kombination mit sexueller Frustration junger Männer vermengt sich dort zu einem explosiven Gemisch. Ich bin mir nicht sicher wie kalt der Geschlechterkriegdort drüben bleibt. Feministinnen haben ja schon mit der ebenso radikalen Petition geantwortet, MRAs als Terroristen einzustufen.
Da kocht die Scheiße so langsam.

In Deutschland und Europa ist das ja alles noch ein kleines Randphänomen. Man sollte aber frühzeitig erkennen, welche gefährlichen Potentiale da freigesetzt werden können.

Der Erfolg einer Männerbewegung hängt in erster Linie davon ab, ob sie eine klare Abgrenzung zu misogynen Tendenzen hinbekommt.

 

DMJ kommentierte dazu:

David: “Der Erfolg einer Männerbewegung hängt in erster Linie davon ab, ob sie eine klare Abgrenzung zu misogynen Tendenzen hinbekommt.”

DAS kann man gar nicht deutlich genug sagen!
Wenn wir uns mit dem Thema beschäftigen, neigen wir selbst oft dazu, nur die Extreme zu sehen und könnten schon auf den Gedanken kommen, nur mit eigenen Extremen darauf antworten zu können. Aber dem ist nicht so.
Ich wage (nur nach persönlichen Eindrücken, nicht nach wissenschaftlichen Erhebungen) zu behaupten, dass die MEISTEN Menschen keinen Geschlechterkrieg wollen. Es gibt Scharfmacher auf beiden Seiten und ja, gerade die feministischen davon haben momentan ungesund guten Einfluss. Aber davon dürfen wir uns nicht verleiten lassen, in das Spiel einzusteigen und der friedlichen Mehrheit diese Regeln aufzwingen.

Und in einem früheren Kommentar auch noch:

 So große Gruppen (auch weltanschauliche) sind nicht homogen. Es gibt vernünftige und aufgeschlossene Frauen, die sich als Feministinnen sehen und die können tatsächlich nichts für Alice Schwarzer. – Andererseits haben sie kein Monopol auf das F-Wort, können also nicht einfach abwürgen, was die Dame tut. Ähnlich beim Maskulismus: Es gibt ja nun tatsächlich recht eklige Frauenhasser, die sein Banner beanspruchen. Daraus kann man anderen keinen Strick drehen, aber es sind eben auch Maskulisten, nur eben einer anderen Ausrichtung.

Entsprechend sollte man versuchen, Übergruppen nicht überzubewerten. Unter so weiten Labels wie Feminismus, Maskulismus oder Islam nicht gleich zu einer Assoziation (Männerhasserin, Frauenhasser, Terrorist) greifen, sondern abwarten, mit wem man es hier zu tun hat. Dann muss sich irgendwann niemand mehr gegen Dinge verteidigen, die er eh nicht zu verantworten hat.

Und zudem auch hier:

Interessante Auflistung, aber der Fairness und Vollständigkeit halber sollte man vielleicht auch noch das Fach des radikalen Maskulisten einrichten. Der wäre in der Regel die Steigerung des Konservativen und beruft sich entweder aufgrund persönlicher Traumatisierung oder allgemeiner, unabänderlicher Weltsicht auf eine “Niedrigkeit” der Frau. Sei es intellektuell (“Frauen sind von Natur aus geistig unterlegen”) oder moralisch (“alle Frauen sind falsch und hinterhältig und Vergewaltigungfalschbeschuldigung ist ihr Hobby”) sind sie ja ebenso von Angst getrieben, aber die Ablehnung der Gleichberechtigung ist bei ihnen elementar, wo sie selbst bei Konservativen umstritten sein dürfte.
Ich halte deren Aufnahme trotz der großen Überschneidung mit den Konservativen für wichtig, da es ja leider die sind, nach denen Maskulismus/MRA in der Diskussion und Öffentlichkeit so oft beurteilt wird.Interessante Auflistung, aber der Fairness und Vollständigkeit halber sollte man vielleicht auch noch das Fach des radikalen Maskulisten einrichten. Der wäre in der Regel die Steigerung des Konservativen und beruft sich entweder aufgrund persönlicher Traumatisierung oder allgemeiner, unabänderlicher Weltsicht auf eine “Niedrigkeit” der Frau. Sei es intellektuell (“Frauen sind von Natur aus geistig unterlegen”) oder moralisch (“alle Frauen sind falsch und hinterhältig und Vergewaltigungfalschbeschuldigung ist ihr Hobby”) sind sie ja ebenso von Angst getrieben, aber die Ablehnung der Gleichberechtigung ist bei ihnen elementar, wo sie selbst bei Konservativen umstritten sein dürfte.
Ich halte deren Aufnahme trotz der großen Überschneidung mit den Konservativen für wichtig, da es ja leider die sind, nach denen Maskulismus/MRA in der Diskussion und Öffentlichkeit so oft beurteilt wird.

 

Ich stimme zu, dass gerade in der Ausrichtung, die versucht, den Maskulismus nach Möglichkeit abzuwerten, eher mal auf Seiten wie „Frauenhaus“ verwiesen wird oder versucht wird, die ganze Bewegung in diese Richtung zu drängen. Frauen das Wahlrecht abzusprechen oder sie von Natur aus als geistig unterlegen einzuordnen oder sie pauschal als falsch und hinterhältig oder eben als Parasiten abzutun, dass alles schadet auch aus meiner Sicht mehr als es nützt.

Hier können dann vielleicht Frustrierte und Verbitterte ihren Zorn ablassen, es hindert aber daran als faire Bewegung anerkannt zu werden. Und wenn man langfristig etwas erreichen will, dann muss man eben nicht nur die Wütenden und die gerade Benachteiligten ansprechen, sondern Leuten, die in vernünftigen und gut laufenden Beziehungen stecken und die man mit Zorn nicht erreichen kann, erreichen.

Interessant fand ich dazu auch noch die Schilderung von „M.“ auf Geschlechterallerlei, mit dem dieser schildert, warum er kein Antifeminist mehr sein will:

Erster Kommentar:

Ich bin ein ehemaliger Antifeminist, nicht ein selbst Ernannter, sondern ehemaliges, offizielles Mitglied bei René Kuhn aus Luzern, der den Begriff Antifeminismus international, so kann man heute rückblickend sagen, etabliert hat. Ich war derjenige, der für die Sicherheit bei den Treffen in Winterthur gesorgt hat. Das war nicht immer ganz einfach. Warum ich damals Antifeminist geworden bin? Aus einem ganz anderen Grund: Weil der medial kolportierte Feminismus nur noch die Lebenswirklichkeit und die Interessen von gut bis sehr gut gebildeten- und verdienenden, weissen Mittelschichtsfrauen abbildet. Ich konnte es einfach nicht fassen, wie man die soziale Wirklichkeit einfacher Arbeiter- und Angestelltenhaushalte so konsequent ignorieren kann und ständig etwas von einem Lebens- und Familienideal schwafelt, dass sich in ganz Europa kaum ein Paar leisten kann! Die ganze medial verbreitete Männerverachtung mag bei meinem Beitritt sicher auch eine Rolle gespielt haben- aber im Zentrum stand für mich immer die soziale Frage. Auch heute noch, obwohl ich kein Antifeminist mehr bin.

Zweiter Kommentar:

Nun, die IGAF existiert natürlich heute noch- einfach ohne mich. Warum ich ausgetreten bin? Weil ich der Überzeugung bin, dass man mit Extremen nicht weiterkommt. Zudem gab es innerhalb der IGAF mitunter Tendenzen, mit denen ich absolut nichts anfangen konnte.

Aus Sicht des Diskursverlaufes hat die IGAF innerhalb der Geschlechterfrage allerdings sehr viel bewirkt: Nur schon der Name Anti-Feminismus! Die Negation von Feminismus! Undenkbar! Unfassbar! Skandal! Bemerkenswert ist vor allem, wie schnell sich dieser eigentlich undenkbare Begriff sofort in die Köpfe eingegraben hat- weltweit, versteht sich! Nur schon rein aus werbetechnischer Sicht ist das eine beachtliche Leistung. Anti-Feminismus, das war im Prinzip ein klassischer USP (Unique Selling Proposition)!

Ohne näher auf die Gründe meines Austritts eingehen zu wollen- aber ich bin heute der Überzeugung, dass es die IGAF (nicht zuletzt auch dank der ihr augenblicklich zuteil gewordenen, grossen, medialen Aufmerksamkeit) geschafft hat, den Geschlechterdiskurs mit ganz gezielt inszenierten Provokationen und Skandalen in eine Bahn zu lenken, die auch Kritik am Feminismus auf breiter Ebene ermöglicht hat. Rückblickend war die IGAF ihrer Zeit eigentlich voraus. Sie war ein notwendiges Übel, eine Extremposition, die nötig war, um die öffentliche Aufmerksamkeit endlich auch auf Männeranliegen zu richten. Das lässt sich sehr gut an diesem Beispiel festmachen:

2010, soviel ich mich erinnern kann, hat die IGAF verschiedenen Zivilstandsämtern im Zusammenhang mit den zahlreichen Risiken und Nebenwirkungen, mit denen die Ehe für Männer verbunden ist, diesen Flyer zukommen lassen. Die mediale Aufmerksamkeit- oder vielmehr: der mediale Aufschrei war gross: Die Ehe- eine Gefahr für Männer? Nein, das kann nicht sein! Männer sind niemals Opfer!

Jahre sind seither vergangen. Und jetzt ist diese Position plötzlich gesellschaftsfähig geworden: “Erzeuger und Geldmaschinen”, titelte die taz vor Kurzem im Zusammenhang mit geschiedenen Vätern. Das Publikationsorgan eines Schweizer Grossverteilers will vor wenigen Monaten herausgefunden haben, dass Männer nein zur Ehe sagen: “Sie hüten sich, weil sie (die Väter) bei einer Trennung am kürzeren Hebel sitzen.”

Ich persönlich habe heute mit dem Anti-Feminismus nichts mehr am Hut. Seine Zeit ist abgelaufen.

Auch hier also der Gedanke, dass man inzwischen so weit ist, dass man über das Extreme hinausgehen kann und im normalen Bereich arbeiten kann.

Hat der Maskulismus ein Interesse an der Entstehung und Förderung eines gemäßigten Feminismus?

Leider ist ein tatsächlich gemäßigter Feminismus als Szene kaum zu finden. Selbst relativ gemäßigte Bloggerinnen zu dem Thema scheinen im Hintergrund immer noch „das Patriarchat“ und die „Vergewaltigungskultur“ zu haben.

Aus meiner Sicht wäre es vorteilhaft, wenn es einen solchen gemäßigten Feminismus geben würde.

Dies wäre aus meiner Sicht ein Feminismus, der Männer und Frauen nicht als Gruppen in einem Nullsummenspiel begreift und bereit ist, neben der weiblichen Perspektive auch die männliche Perspektive zu überdenken und der zudem nicht auf den oben genannten pauschalen Phrasen wie Patriarchat und Rape Culture oder einer Deutungshoheit und der Privilegientheorie beruht und bereit ist, Benachteiligungen nicht nur aus Unterschieden im Schnitt herzuleiten, sondern auch über die Gründe hierfür zu diskutieren

Vorteile wären insbesondere die Folgenden:

  • Eine interne Auseinandersetzung kann gerade weil sie dann evtl unter Frauen geführt wird, eine ganz andere Basis haben, weil es den Vorwurf heraus nimmt, dass man nur „als Mann seine Besitzstände waren will“ etc.
  • Ein „gemäßigter Feminismus“ erleichtert Frauen den Anschluss an diesen, da sie nicht das Gefühl haben ohne Interessenvertretung dazustehen (im Gegensatz zu einem „Überlaufen“ zum Maskulismus
  • Ein „gemäßigter Feminismus“ würde es auch Medien erlauben diese Themen eher aufzugreifen

Hierzu finde ich auch eine (wenn auch eigentlich zu martialisch gehaltene) Stelle aus „Die Kunst des Krieges“ interessant:

Lasse ein Schlupfloch frei, wenn du eine Armee umzingelst. Das bedeutet nicht, daß es dem  Feind erlaubt wird zu fliehen. Der Grund ist, ihn glauben zu machen, daß es einen Weg in die Sicherheit gibt, um ihn daran zu hindern, mit dem Mut der Verzweiflung zu kämpfen. Denn du darfst einen verzweifelten Gegner nicht zu hart bedrängen.

Ich will dabei gar nicht sagen, dass der Feminismus bereits umzingelt ist oder es ein tatsächlicher Krieg ist, mir geht es eher um den grundsätzlichen Gehalt:

Solange man deutlich macht, dass man nichts gegen einen (noch zu entwickelnden) gemäßigten Feminismus hat, und nicht JEDEN Feminismus per se ablehnt, weil er nicht gerecht sein kann, solange verhindert man auch, dass Frauen das Gefühl haben, dass sie etwas weggenommen bekommen, was sie brauchen – nämlich eine gewisse Lobby für bestehende Ungerechtigkeiten oder zumindest für ein Aushandeln von Regeln zwischen den Geschlechtern.

Der radikale Maskulismus macht aus meiner Sicht daher einen Fehler, wenn er tönt, dass DER Feminismus immer falsch ist und immer bekämpft werden muss – ich hatte das bereits in meinem Artikel zum Antifeminismus dargelegt. Es erweckt eben die Vorstellung, dass die Interessenvertretung von Frauen aus dieser Sicht nicht geduldet werden wird, auch nicht in anderen, zukünftigen und weniger radikalen Formen. Und damit erzeugt man natürlich Widerstand und schließt die Reihen, obwohl man ja gegen Frauen gar nichts hat.

Diese Energien in einen „humanistischen Feminismus“ umzulenken, deutlich zu machen, dass man natürlich gewillt ist, sich behauptete Benachteiligungen von Frauen oder Bevorzugungen von Frauen argumentativ zu nähren und sie kritisch zu überprüfen statt sie generell abzulehnen, das scheint mir ein besserer und effektiverer Weg.