Liana Kerzner: „Wie ich einige feministische Ausdrücke verwende“ (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Dirk M Jürgens

Nach „guten“ Feministinnen gefragt, verweise ich meist auf Liana Kerzner (Homepage / Twitter), kann Skeptiker aber meistens nicht davon überzeugen, dass sie wirklich für Gleichberechtigung ist, auch wenn sie das vorbelastete F-Wort trägt Und ja, zuweilen weiß auch ich nicht, was ich davon halten soll, wenn sie bestimmte Kampfbegriffe benutzt.

Groß daher meine Freude über dieses Video:

Darin erklärt sie, was sie meint, wenn sie verschiedene Begriffe aus dem Bereich des Geschlechterkampfes benutzt. Sie sagt nicht, dass es jedermanns endgültige Definitionen sein müssen, aber es sind ihre und nur für die möge man sie haftbar machen. Ich fasse sie hier kurz zusammen:

FEMINISMUS

Das Anstreben von Gleichberechtigung in Geschlechtersachen. Da sie eine Frau ist, steht ihr die weibliche Seite näher, sie leugnet aber nicht, dass es auch eine männliche gibt. Entsprechend berechtigt ist es auch, ein Männerrechtler zu sein. Sie bezeichnet sich nicht als „Egalitarian“, weil das auch Komponenten wie Rasse einbezieht und sie sich da nicht für ausreichend qualifiziert hält (wie eben auch in Männersachen).

PATRIARCHAT

Eine Gesellschaft, die einseitig auf den Mann ausgerichtet ist, etwa durch männliche Erbfolge. Sie betont extra, dass der heutige Westen KEINES ist. Religionsgemeinschaften mögen in ihm kleine Patriarchate sein, früher war er es auch mal, aber heute ist er es nicht mehr.

PRIVILEG

Angeborener Vorteil. Hier zieht sie das, meines Erachtens unglückliche Beispiel heran, dass Männer Nachts unterwegs sein können, ohne Angst haben zu müssen, vergewaltigt zu werden (und Raub, Körperverletzung und Mord gibt es wohl in der Welt dieses Beispiels nicht). Doch sie sagt gleich, dass dieser Punkt meist völlig überbewertet wird (vermutlich auch in den Kommentaren unter diesem Artikel, die sich hieran hochziehen werden, statt die anderen Punkte anzuerkennen). Sie stellt klar, dass Reichtum der große Gleichmacher ist, der von der herkömmlichen Privilegientheorie nicht beachtet wird und sie es für falsch hält, wenn man es als Waffe benutzt. Daher will sie auf die Verwendung des Begriffs auch nach Möglichkeit verzichten, er scheint ihr einfach zu vorbelastet zu sein.

MISOGYNIE

Der Hass, die Abwertung von Frauen ist eine eigene Kategorie, nicht einfach eine klangvolle Verstärkung für Sexismus und wird vollkommen überbewertet und viel zu häufig benutzt. Es ist definitiv NICHT misogyn, von Frauen sexuell angezogen zu sein und daher entsprechend reizvolle Darstellungen in den Medien zu mögen. Auch hält sie es für falsch, damit alles zu überlagern: Jemand kann ein einzelnes misogynes Werk schaffen oder eine einzelne misogyne Ansicht vertreten, ohne insgesamt Frauenfeind zu sein.

SEXISMUS

Vorurteil aufgrund von Geschlecht. VON beiden Geschlechtern GEGEN beide Geschlechter möglich. Kein Machtsystem, sondern etwas, dessen sich jeder schuldig machen kann. Frauen betreiben sogar frauenfeindlichen Sexismus, wenn sie Bevorzugung oder Schonung im Vergleich zu Männern verlangen. Der moderne Pop-Mainstream-Feminismus ist daher in ihren Augen sexistisch und das auch gegenüber Frauen.

Die Definition von „Vorurteil + Macht“ lehnt sie eindeutig ab. Die Betrachtung der Frauen als einer sozialen Klasse (die ihr für die erste Welle des Feminismus sinnvoll schien) hält sie für veraltet.

Wie ich finde, eine ganz vernünftige Sichtweise.

„Weshalb ich mich dafür schämen muss, eine Feministin zu sein“

Ein interessanter Text, indem sich eine Feministin um Abgrenzung und Kritik am radikalen Feminismus bemüht.

Ausgangspunkt ist eine Debatte anhand eines Bildes, dass sich damit befasst, dass man Frauen gefälligst nur ansprechen sollte, wenn diese das ausdrücklich wollen, alles andere sei sexuelle Belästigung. Sie diskutiert mit den dortigen Feministinnen und kommt dabei zu dem Ergebnis:

mir wurde klar, mit diesen Frauen lässt sich nicht diskutieren. In ihren Köpfen existiert ein Feindbild und dies ist der Mann. Dabei verkennen sie jedoch das echte Problem. Dieses Problem nennt sich Sexismus. Die Frau wird sich nie aus ihrer Position erheben können, solange sie selbst sexistisch ist. Und wenn eine Frau behauptet, es gäbe keinen Sexismus gegenüber Männern und dass sich Männer am Feminismusdiskurs nicht beteiligten dürfen, nur weil sie ein Mann sind, dann muss ich leider feststellen: Frauen, ihr seid keine Feministinnen.

Eine berechtigte Kritik, mit der sie sich aber gleichzeitig schon weit vom gegenwärtigen modernen intersektionalen Feminismus und seiner klaren Einteilung in Unterdrückte ohne Macht und Täter mit instituioneller Macht entfernt.

Wer immer noch glaubt, Männer denken immer nur an das Eine und sprächen Frauen stets nur an, um sie zu objektifizieren (und ja, es gibt einige pick-up artists, die dies tun), hat etwas Grundlegendes über Feminismus nicht verstanden. Feminismus bedeutet nicht, Männer zu hassen. Feminismus bedeutet, Rollenklischees zu überwinden. Wer Männern bestimmte Verhaltensweisen zuschreibt und sie aufgrund ihres Geschlechtes vom Diskurs ausschließt, der ist diskriminierend.

Das wäre ja noch ein Feminismus bei dem man durchaus mitgehen könnte.

Dies durfte ich selbst erleben, als ich es wagte, es als völlig unproblematisch zu sehen, beim einvernehmlichen sexuellen Akt und auf Verlangen der Frau, dieser Frau Sperma ins Gesicht zu spritzen. Als ein guter Freund mir beipflichtete, wurde dieser von den anwesenden Damen in Stücke gerissen. Laut ihnen sei dies die klassische Meinung eines Mannes, der nichts von Sexismus verstünde. Als Mann sei es ihm darüber hinaus überhaupt nicht erlaubt, sich dazu zu äußern.

Frauen ins Gesicht zu spritzen ist also immer sexistisch, weil der Akt des ins-Gesicht-Spritzen symbolisch aufgeladen werden kann. Dies ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch gefährlich. Denn es verlagert den Diskurs auf eine freudianisch angehauchte Symbolisationsebene, deren Repräsentation wenig realistisch ist. Es geht um gesellschaftliche Denkmuster, Rollenverhalten und Klischees, nicht darum, was man einvernehmlich macht, während man erregt ist.

„Das private ist politisch“ würde man ihr da wohl aus dem Feminismus entgegenhalten. Bestimmte Verhaltensweisen transportieren Geschlechterrollen und wenn jeder sie im privaten hinnimmt, dann bleiben eben auch die Rollen. Wobei es ja auch genug Feministinnen gibt, die ihr wohl zustimmen würden, dann aus dem Gesichtspunkt, dass alles andere Slutshaming und auch wieder eine Festschreibung von Rollen ist.

Sexismus erfolgt dort, wo es geschlechtsbezogene Zuschreibungen gibt, die bestimmte Geschlechter definieren sollen. Es erfolgt dort, wo es heißt, Männer müssten mit Autos und Frauen müssten mit Puppen spielen. Es erfolgt dort, wo eine Frau zu Bescheidenheit und Prüderie erzogen wird, mit dem Argument, dass es sich für Frauen halt so gehört. Sexismus erfolgt dort, wo sich Männer ihr Sorgerecht hart erkämpfen müssen, weil man immer noch der Meinung ist, dass sich nur Mütter wirklich gut um ihre Kinder kümmern könnten.

Es wäre ein Verständnis von Feminismus, welches einiges verbessern würde. Denn es werden hier eben Nachteile beider Rollen angesprochen, es sollen insoweit auch „Privilegien“ der Frauen hinterfragt werden. Mit einem Hinterfragen dessen, was man Muss, der festen Rollenzuweisung also, kann ich auch durchaus leben, wenn man gleichzeitig anerkennt, dass es aufgrund der Biologie des Menschen dennoch zu Häufungen in bestimmten Bereichen kommt. Da wäre die Frage, was sie mit einer Erziehung zu „Bescheidenheit und Prüderie“ meint.

Der deutschen Frau stehen heutzutage rechtlich alle Türen offen. Trotzdem verdient sie oftmals weniger Geld und besetzt selten die Toppositionen. Woran liegt das? Am Mann, der sie aus reiner Boshaftigkeit unterdrückt? Oder vielleicht doch nicht nur am Mann, sondern genauso an der Frau, die in der Regel nicht so hart verhandelt wie der Mann, weil sie von der Gesellschaft dazu erzogen wurde, möglichst selten anzuecken? Frauen, die nach mehr Lohn und höheren Positionen verlangen, aber sich trotzdem in ihre Rolle fügen und anerzogenes Rollenverhalten perpetuieren, machen sich mitschuldig. Wenn eine Frau immer noch glaubt, Männer wären aufgrund ihres biologischen Geschlechts besser im Verhandeln als Frauen und sich Frauen besser um Kindererziehung kümmern können und sollten, ist sexistisch und schadet sich selbst.

Einem Teil würde ich zustimmen, einem Teil nicht. In der Tat müsste man für Änderungen wesentlich mehr bei der Frau ansetzen und nicht die Schuld bei dem Mann suchen, wenn man die Änderungen denn tatsächlich will. Gleichzeitig unterscheiden sich Männer und Frauen in bestimmten Eigenheiten auch aus biologischen Gründen, die sich durchaus auch so auswirken können, dass Männer besser verhandeln: Nicht nur sind Männer da in der Regel risikofreudiger, sie sind auch eher bereit einen neuen, entfernteren Job anzunehmen, sie arbeiten eher Vollzeit, sie arbeiten in leistungsorientierteren Berufen, was ihre Verhandlungsposition verbessert. Ihnen ist das Gehalt auch häufig wichtiger, während Frauen andere Kriterien höher bewerten.

Dies bedeutet nicht, dass eine Frau nicht Hausfrau und Mutter werden soll. Doch es bedeutet, dass eine Frau dies nicht werden soll, wenn sie es nur tut, weil es sich so gehört. Jede Frau, die ihre Rolle kritisch hinterfragt und sich letztlich dafür entscheidet Hausfrau, Mutter oder Prostituierte zu werden, ist emanzipiert. Ich habe bereits erwähnt, ich bin eine Feministin. Ich glaube daran, dass Ungleichheiten existieren, die Frauen benachteiligen. Ich glaube jedoch nicht daran, dass es hilft, sich als Frau in die Opferrolle zu begeben und Männer grundsätzlich zu Tätern zu machen. Wir alle sind gleichermaßen daran beteiligt, dass sich deutsche Frauen nicht trauen, bei Gehaltsfragen stärker zu verhandeln oder außerhalb des sozialen Sektors zu arbeiten. Wir alle sind gleichermaßen daran beteiligt, dass Frauen glauben, sie müssten sich in Karrieresachen zurücknehmen und die Kindererziehung alleine stemmen.

Sie glaubt noch an die Diskriminierung, aber sie ist gleichzeitig bereit zu diskutieren und fordert zum eigenen Handeln auf. Es wäre eine deutlische Verbesserung. Sie scheint zudem auch nicht an einer klaren Schuldzuweisung an Männer interessiert zu sein.

Denn immer noch ist das Bild der Hausfrau und Mutter weit verbreitet und als normal angesehen, während ein Hausmann dafür eher belächelt wird – und zwar nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen. Wir fordern von Männern, dass sie groß, stark und super männlich sind. Wir kritisieren, dass Playboy und Hollywood ein stereotypes Bild der Frau präsentieren und gleichzeitig hängt ein Magic Mike Poster an unserer Wand – oder wir himmeln einen Christian Grey an, der ein hypermaskuliner, creepy stalker ist. Solange wir also stereotype Männer begehren, werden wir selbst nie etwas anderes als ein Klischee sein können.

Das ist ein Punkt, auf den ich ja auch immer wieder gerne Hinweise. Feministinnen sehen in Männlichkeit das Böse. Sehr viele Frauen machen es gleichzeitig zur Grundlage ihrer Partnerwahl.

Es ist anfangs sicherlich nicht leicht, aus diesen Denkmustern heraus zu kommen, doch es ist möglich. Wir müssen bei uns selbst beginnen und aufhören, die Schuld auf andere zu schieben. Die Pseudofeministinnen, die immer nur laut schreien und auf ihr Feindbild Mann oder Hausfrau zielen, werden nie etwas anderes erhalten als Ablehnung. Etwas, was die Feminismusbewegung sicherlich nicht gebrauchen kann. Wir brauchen Unterstützung. Nicht nur von den Frauen, sondern auch von allen anderen Geschlechtern. Lasst sie uns ins Boot holen. Wir haben hier genügend Platz.

Hat natürlich etwas von „No real scotsmen“, aber dennoch bleibt erst einmal eine positive Grundaussage, nämlich die des Miteinander und des anerkennen, das man selbst zu bestimmten Zuständen beiträgt und nicht nur die andere Seite schuld ist.

Kann es einen humanistischen Feminismus geben?

Eine Abgrenzung im Maskulismus scheint es mir bei der Frage zu geben, ob der Feminismus per se schlecht ist und schlecht sein muss oder ob es einen „gemäßigten Feminismus“ oder einen „humanistischen Feminismus“ geben kann.

Ich hatte dazu schon verschiedene Artikel, die dies aufgegriffen haben:

Ich bin der Meinung, dass die Antwort hier eigentlich fast zwingend „Ja, das ist natürlich vorstellbar“ heißen muss. Andere finden bereits diesen Gedanken als geradezu selbst feministisch.

1. „Feminismus ist immer schlecht“ vs. „Feminismus kann auch gut sein“ als semantisches Problem

Die Hauptfrage scheint mir hier zu sein, wie man Feminismus definiert.

Die Fraktion, die darauf abstellt, dass der Feminismus schlecht ist, scheint mir hier eine sehr enge, essentialistische Definition von Feminismus zu verstehen: Der gegenwärtig vorherrschende poststrukturalistische Feminismus und die weiter vertretenen Spielarten würden bereits auf misandrischen Elementen und einer Opferhaltung aufbauen, so dass diese nicht „kurierbar“ sind. Die Umstellung wäre so enorm, dass man das nicht mehr als Feminismus bezeichnen könnte und daher der Begriff an sich tot ist. Es ist damit eine Argumentation vom „Jetzt“ und ein Ausschluss einer Änderung, die nicht zu einem „Aliud“, also etwas anderen, statt etwas verbesserten, führt.

Ich definiere Feminismus offener über das Anliegen und nicht die gegenwärtigen Theorien: Er betrifft die Vertretung von Frauenrechten. Das ist grundsätzlich in einer humanistischen Ausrichtung möglich, genau wie bei einem humanistischen Maskulismus. Momentan mag es nur Ausrichtungen in den Hauptströmungen geben, die unter einer Vertretung von Frauenrechten die Befreiung von einer Unterdrückung durch den Mann/Männlichkeit/hegenomialer Männlichkeit sehen, dass bedeutet aber nicht, dass man Feminismus, wenn man als Minimalanforderung die (vermeintliche) Vertretung von Fraueninteressen sieht, nicht zukünftig auch anders ausgestalten kann.

Ein vernünftiger und sachlicher Feminismus ist natürlich denkbar. Es ist möglich, Regeln für Frauen und Männer als Vertreter der Frauen oder mit einem besonderen Augenmerk auf Frauen auszuhandeln und solche Lobbyarbeit ist auch üblicherweise bei Gruppenkonflikten notwendig, da ein neutrales Vertreten erfahrungsgemäß kaum denkbar ist. Man kann hinterfragen, ob bestimmte Zustände auf Diskriminierung von Frauen beruhen, etwa im Arbeitsbereich, man kann aushandeln, welche Regeln für Schwangere im Arbeitsrecht und in den Rentenversicherungen gelten, man kann Unterhalts- und sonstige familienrechtliche Regelungen aushandeln und dabei insbesondere auf Fraueninteressen abstellen. Dies würde man dann nach allgemeinen Sprachgebrauch auch nicht „Humanismus“ nennen, sondern Feminismus. Der Begriff ist aus meiner Sicht zu eingeführt, um ihn durch einen anderen zu ersetzen und ich würde die Schaffung eines neuen Kunstwortes auch für eher wenig erfolgsversprechend halten (und so gesehen auch witzigerweise für einen Rückgriff auf feministische Theorie, wonach das Wort den Inhalt bestimmt und nicht umgekehrt

2. Reicht Humanismus und macht Feminismus unnötig?

Aus dem oben gesagten wird aus meiner Sicht bereits deutlich, dass ein Interesse an einer Vertretung einer bestimmten Gruppe besteht. Es ist auch das Recht jeder Gruppe, sich für seine Interessen eine Lobby zu schaffen, die die eigenen Interessen wahrt. Wir haben in Zivilprozessen Richter und Rechtsanwälte für jede Seite und würden es unfair finden, wenn der eine sich keinen Rechtsanwalt nehmen dürfte oder aber der Richter gleichzeitig der Rechtsanwalt der anderen Seite wäre. Wir fänden es bereits unfair, wenn Richter und Staatsanwalt in einer Person zusammenfallen würde.

Zwischen den Geschlechtern besteht bedarf für ein Aushandeln von Regeln. Dies kann auch, wenn das das Ergebnis des Aushandlungsprozesses ist, dadurch geschehen, dass man keine gesetzlichen Regeln vorgibt. Aber dennoch erfordert eine Einigung darüber, dass beide Parteien sich in den Prozess einbringen können.

Es ist eher einer der Missstände der gegenwärtigen Geschlechterdebatte, dass es kaum tatsächliche Lobbyisten für die Männerseite gibt bzw. die feministische Lobby wesentlich besser ausgestaltet ist. Wer dies als Problem wahrnimmt, der kann aus meiner Sicht kaum anführen, dass man auf einen „Humanismus“ vertrauen soll: Der Feminismus beruft sich ja gerade immer wieder darauf, dass er auch die Männerinteressen vertritt, indem er die Geschlechterrollen auflöst und damit auch die Männer befreit. Er sieht sich also als humanistisch, auch wenn es die gegenwärtige Ausrichtung gar nicht ist. Das macht deutlich, dass solche abstrakten Forderungen wenig bringen.

Natürlich sollte aus meiner Sicht jeder gleichzeitig die Anforderung an sich stellen, dass er nicht radikale, sondern humanistische Positionen vertritt, sich also auch die Sicht der anderen Seite bewusst macht und versucht nicht unfair zu sein. Aber was genau fair ist, ist ja immer eine schwierige Frage.

3. Unnötige Opposition gegen den praktizierten Wortsinn

Ich hatte schon in den oben verlinkten Artikeln ausgeführt, dass ich der Meinung bin, dass man mit Sprüchen wie „es gibt keinen guten Feminismus“ üblicherweise umfangreich erklären muss, dass man nicht Frauen per se die Möglichkeit abspricht, sich für ihre Rechte einzusetzen. Dies wird nämlich häufig das sein, was man versteht, wenn man Antifeminismus hört.

Ich finde es wesentlich einfacher und auch verständlicher, darauf abzustellen, dass ich nichts gegen einen humanistischen Feminismus hätte, dieser aber gegenwärtig kaum in Erscheinung tritt. Man kann damit auch eine Aufforderung an Frauen verbinden, sich für einen humanistischen Feminismus oder jedenfalls einen gemäßigten Feminismus einzusetzen. Man kann aus meiner Sicht auch betonen, dass man gegen einen solchen Feminismus nichts hätte und ihn in Zielen, die man teilt auch durchaus unterstützt, etwa gegen zu konservative Rollenvorstellungen, die essentialistische Vorstellungen ausleben, wie Männer und Frauen sein müssen, ohne dabei Häufungen oder Betrachtungen im Schnitt vor Augen zu haben und die sich insoweit gegen Abweichungen sperren. Auch ein Recht auf Abtreibung oder gegen Beschneidungen kann natürlich gerade etwas sein, für das sich gerade Frauenvertreter stark machen, wenn es auch ebenso ein Männerrecht ist (in beiden Fällen, ich bin ebenso als Mann interessiert daran, dass Frauen abtreiben können und ihnen dies nicht verboten wird).

Hier kann man deutlich machen, dass man berechtigte Anliegen auf beiden Seiten unterstützen kann und dies gleichzeitig dann auch von der anderen Seite erwartet.

4. Wer die Gegenseite verbietet, setzt sich selbst absolut

Dagegen wird gerne angeführt, dass dies zwangsläufig bedeutet, dass man Zugeständnisse machen muss, also letztendlich dem „Feind“ nachgeben muss. Was aus meiner Sicht nicht der Fall ist. Wenn ich ein Frauenanliegen als gerechtfertigt betrachte, dann muss es einer humanistischen Position entsprechen, sich dafür einzusetzen, ob es nun von einer Feministin vorgebracht wird oder nicht. Sehe ich ein Anliegen nicht als gerechtfertigt an, dann kann ich es dementsprechend auch ablehnen und darauf verweisen, dass wir in diesem Fall nicht zusammen kommen.

Man kann eben auch Bedingungen vorgeben, mit welcher Form des Feminismus man sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann und mit welcher nicht. Dazu muss man sich nicht verbiegen. Von vorneherein zu sagen, dass alles, was das Label Feminismus trägt, per se schlecht ist und damit eine Verhandlung ablehnen ist dagegen ein reines Lagerdenken, welches nicht auf den eigentlichen Inhalt, sondern auf Zugehörigkeiten abstellt.

Es ist insofern in gewisser Weise eher eine Übernahme von Teilen genau der Theorien, die ich im Feminismus kritisiere: Es ist eben ein Fundamentalismus, der auf Gruppenzugehörigkeit setzt und Abweichler bestrafen will. Es ist eine Ablehnung des Arguments zugunsten der Position. Ich möchte nicht ein maskulistisches „IDPOL“ und auch keine maskulistische Filterblase, ich möchte keine Disziplinierung durch Einfordern einer strikten Linie mit der Androhung, dass jede Abweichung als Übertritt zum Feind gesehen wird .

Ein Maskulismus, den ich unterstützenswert finde, sollte nicht die Fehler des radikalen Feminismus wiederholen und sich absolut setzen. Das bedeutet auch, dass er eine „Opposition“ zulassen muss.

Hat der Maskulismus ein Interesse an der Entstehung und Förderung eines gemäßigten Feminismus?

Leider ist ein tatsächlich gemäßigter Feminismus als Szene kaum zu finden. Selbst relativ gemäßigte Bloggerinnen zu dem Thema scheinen im Hintergrund immer noch „das Patriarchat“ und die „Vergewaltigungskultur“ zu haben.

Aus meiner Sicht wäre es vorteilhaft, wenn es einen solchen gemäßigten Feminismus geben würde.

Dies wäre aus meiner Sicht ein Feminismus, der Männer und Frauen nicht als Gruppen in einem Nullsummenspiel begreift und bereit ist, neben der weiblichen Perspektive auch die männliche Perspektive zu überdenken und der zudem nicht auf den oben genannten pauschalen Phrasen wie Patriarchat und Rape Culture oder einer Deutungshoheit und der Privilegientheorie beruht und bereit ist, Benachteiligungen nicht nur aus Unterschieden im Schnitt herzuleiten, sondern auch über die Gründe hierfür zu diskutieren

Vorteile wären insbesondere die Folgenden:

  • Eine interne Auseinandersetzung kann gerade weil sie dann evtl unter Frauen geführt wird, eine ganz andere Basis haben, weil es den Vorwurf heraus nimmt, dass man nur „als Mann seine Besitzstände waren will“ etc.
  • Ein „gemäßigter Feminismus“ erleichtert Frauen den Anschluss an diesen, da sie nicht das Gefühl haben ohne Interessenvertretung dazustehen (im Gegensatz zu einem „Überlaufen“ zum Maskulismus
  • Ein „gemäßigter Feminismus“ würde es auch Medien erlauben diese Themen eher aufzugreifen

Hierzu finde ich auch eine (wenn auch eigentlich zu martialisch gehaltene) Stelle aus „Die Kunst des Krieges“ interessant:

Lasse ein Schlupfloch frei, wenn du eine Armee umzingelst. Das bedeutet nicht, daß es dem  Feind erlaubt wird zu fliehen. Der Grund ist, ihn glauben zu machen, daß es einen Weg in die Sicherheit gibt, um ihn daran zu hindern, mit dem Mut der Verzweiflung zu kämpfen. Denn du darfst einen verzweifelten Gegner nicht zu hart bedrängen.

Ich will dabei gar nicht sagen, dass der Feminismus bereits umzingelt ist oder es ein tatsächlicher Krieg ist, mir geht es eher um den grundsätzlichen Gehalt:

Solange man deutlich macht, dass man nichts gegen einen (noch zu entwickelnden) gemäßigten Feminismus hat, und nicht JEDEN Feminismus per se ablehnt, weil er nicht gerecht sein kann, solange verhindert man auch, dass Frauen das Gefühl haben, dass sie etwas weggenommen bekommen, was sie brauchen – nämlich eine gewisse Lobby für bestehende Ungerechtigkeiten oder zumindest für ein Aushandeln von Regeln zwischen den Geschlechtern.

Der radikale Maskulismus macht aus meiner Sicht daher einen Fehler, wenn er tönt, dass DER Feminismus immer falsch ist und immer bekämpft werden muss – ich hatte das bereits in meinem Artikel zum Antifeminismus dargelegt. Es erweckt eben die Vorstellung, dass die Interessenvertretung von Frauen aus dieser Sicht nicht geduldet werden wird, auch nicht in anderen, zukünftigen und weniger radikalen Formen. Und damit erzeugt man natürlich Widerstand und schließt die Reihen, obwohl man ja gegen Frauen gar nichts hat.

Diese Energien in einen „humanistischen Feminismus“ umzulenken, deutlich zu machen, dass man natürlich gewillt ist, sich behauptete Benachteiligungen von Frauen oder Bevorzugungen von Frauen argumentativ zu nähren und sie kritisch zu überprüfen statt sie generell abzulehnen, das scheint mir ein besserer und effektiverer Weg.