Was würde eine künstliche Gebärmutter verändern?

Laurie Penny sagte neulich in einem Interview:

Wir brauchen technische Alternativen zur Schwangerschaft. Warum gibt es noch keine? Die moderne Medizin kann Gliedmaßen wieder annähen und Gesichter transplantieren. Heutzutage ist so vieles möglich, was vor ein paar Jahrzehnten undenkbar war. Eizellen werden bereits in Petrischalen befruchtet. Warum sollten Babys nicht im Labor entstehen? Wieso ist eine technische Alternative zum Mutterleib so undenkbar? Schon in den Siebzigern haben Feministinnen über künstliche Gebärmütter nachgedacht.

Zumindest sollten Wissenschaftler diesen Fragen nachgehen. Es ist nicht nur eine feministische Frage: Schließlich gibt es auch Menschen, die keine Gebärmutter haben. Ich verstehe überhaupt nicht, was an dieser Idee verrückter ist als an der Idee, einen Arm, ein Herz oder ein Gesicht zu transplantieren.

Wäre es nicht ein Nachteil für Frauen, wenn Maschinen ihnen das Gebären abnehmen? Schließlich ist Kinderkriegenkönnen ein weibliches Alleinstellungsmerkmal.

Es ist sogar eine weibliche Superkraft! Aber Frauen mit Superkräften müssen kontrolliert und kritisiert werden. Deswegen wird Mutterschaft einerseits so überhöht, dass Frauen, die sich dagegen entscheiden, als seltsam gelten. Von Frauen, die abtreiben, wird erwartet, dass sie das irgendwann bereuen. Die Frau, die nie Mutter geworden ist, muss im Alter traurig darüber sein. Gleichzeitig wird Müttern angelastet, dass sie sich über ihre Kinder selbst verwirklichen, obwohl sie tatsächlich etwas Wunderbares und Selbstloses für uns alle tun.

Schwangerschaft und Mutterschaft als Arbeit zu definieren und auch so zu bezahlen, wäre eigentlich das Mindeste. Doch diese Forderung wird meistens als ebenso verrückt empfunden wie die Forderung nach künstlichen Gebärmüttern

Da ist natürlich mal wieder die feministische Eigenschaft alles in eine Opferstellung zu verwandeln, durch die man passiv ist und unterdrückt wird, voll durchgeschlagen. Frauen werden quasi gezwungen ihre Gebärmutter zu nutzen in dem Männer das überhöhen.

Interessanter finde ich aber die Frage, wie es sich auswirken würde, wenn man eine künstliche Gebärmutter herstellen könnte und evtl in einem Szenario deren Einsatz auch einfordert.

Das würde erst einmal bedeuten, dass Frauen nicht mehr aussetzen müssten wegen der Schwangerschaft, natürlich würden sie auch nicht mit den entsprechenden Hormonen zugeschüttet werden und nicht über die Zeit der Schwangerschaft und die Geburt eine gewisse Beziehung zu ihrem Kind aufbauen. Bis man die Robonanny erfunden hat wäre es aber nur eine recht vorübergehende Befreiung. Es wäre interessant, ob sich aber auf dem Weg dann groß etwas ändert oder Frauen nur später aussetzen.

Es wäre auch interessant, wie man den pränatalen Testosteronspiegel einstellt, tatsächlich wäre es eine Möglichkeit für Femininistinnen Geschlechterrollen tatsächlich zu durchbrechen und dazu vielleicht auch die Heteronormativität. Konservative könnten auch ein Interesse daran haben, die Zahl der Homosexuellen zu verringern.