Wilde Kerle, weiches Wasser (Ein Gastbeitrag zur Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des Blogs „Alles Evolution“)

Ich freue mich, dass auch Lucas Schoppe einen Gastbeitrag für Alles Evolution geschrieben hat (der Artikel erscheint parallel auch bei Lucas im Blog)

Wilde Kerle, weiches Wasser

Ein Beitrag zur Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des Blogs „Alles Evolution“

Sex und Macht. Und Feminismus?

Ich fange meinen Beitrag zur Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des Blogs Alles Evolution mit einem Soziologie-Podcast an, verspreche aber, dass ich nicht komplett abschweife bald auch zum Blog kommen werde.
Der Soziopod, der seit Jahren als Gespräch zwischen dem Mainzer Erziehungswissenschaftler Nils Köbel und dem Medienberater Patrick Breitenbach geführt wird, ist so erfolgreich, dass es mittlerweile ein eigenes Buch, Live-Auftritte und Radioversionen für Radio Bremen davon gibt. Ich habe mir vor einer Weile eine der meistgehörten Folgen angehört, die sich unter dem Titel „Sex, Macht und Wahnsinn“ mit dem französischen Philosophen und Soziologen Michel Foucault beschäftigt. 
Obwohl es hier aber um Sex und Macht geht, spielen feministische Positionen 136 Minuten lang fast keine Rolle. Köbel und Breitenbach erwähnen Judith Butler ab und zu, ohne ernsthaft auf sie einzugehen, und etwa ab Minute 113 geht es für eine kurze Zeit um ein zentrales Thema heutiger Genderpolitiken, nämlich die Transsexualität.

Kritik an gegenwärtigen Genderpolitiken können sich Köbel und Breitenbach in dieser kurzen Passage lediglich dadurch erklären, dass Menschen, die klare Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit hätten, sich dadurch existentiell bedroht fühlen würden. Kurz darauf wechseln sie das Thema schon wieder.
Das ist hier nur deswegen interessant, weil es, wie ich glaube, ein gutes Sinnbild für die Stellung feministischer und genderpolitischer Positionen in Politik und Sozialwissenschaften ist. Köbel und Breitenbach haben an solchen Positionen uneingestanden, aber unüberhörbar überhaupt kein ernsthaftes Interesse, und trotz ihrer stundenlangen Auseinandersetzung mit Sex und Macht ziehen sie feministische Positionen kaum heran.

Dort aber, wo sie das tun, tun sie es distanzlos und bestätigend.

Das ist wichtig, weil diese Mischung aus Desinteresse und Unkenntnis auf der einen und kritikloser Zustimmung auf der anderen Seite nach meiner Erfahrung durchaus verbreitet ist, auch unter Wissenschaftlern. Einfach formuliert: Während feministische Positionen wissenschaftlich nicht ernst genommen werden, werden sie moralisch fraglos akzeptiert.
Das ist hier deswegen wichtig, weil Christian das in seinem Blog ganz genau umgekehrt macht. Er nimmt feministische Positionen als wissenschaftliche Positionen ernst, setzt sich mit ihnen intensiv auseinander und verlangt von ihnen entsprechend Belege, Kenntnisnahme einschlägiger Studien und Kohärenz – aber er akzeptiert keine moralisch gefütterte feministische Leitkultur in Geschlechterdebatten.
Das ist ein möglicher Grund, warum die Debatten, die oft durchaus intensiv und polemisch, aber oft auch sehr kenntnisreich geführt werden, kaum einen Anschluss zu den etablierten akademischen Debatten finden. Das wiederum ist nicht allein ein Problem dieses Blogs, sondern auch der Diskusstrukturen in Universitäten, Parteien und Massenmedien.

Das Gedöns und seine Gönner

Simone de Beauvoirs epochemachende Schrift „Das andere Geschlecht“ aus dem Jahr 1949 ist ein Anfangsdatum für die Frauenbewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und danach. Eine politische Bewegung aber, die mittlerweile über 70 Jahre alt ist, die sich umfassend in Universitäten, staatlichen Institutionen und Parteien institutionalisiert hat und die voller ungelöster und scharfer innerer Widersprüche ist – eine solche Bewegung wäre normalerweise, auch bei größtem Wohlwollen, längst zum Gegenstand scharfer, ätzender Kritik in der Öffentlichkeit und in den politischen und wissenschaftlichen Institutionen geworden.

Warum ist das beim Feminismus ausgeblieben? Warum hat sich eine seltsame Melange aus Desinteresse und Kritiklosigkeit etabliert, und dies ausgerechnet in Milieus, die – wie die Parteien oder die soziologischen und politikwissenschaftlichen Institute – von der kritischen Auseinandersetzung leben?

Ein Grund für das traditionelle Desinteresse ist nach meiner Einschätzung, dass insgeheim viele Männer und auch eine ganze Reihe von Frauen Themen nicht recht ernst nehmen, die als typische Frauenthemen erscheinen. „Gedöns“ nannte das einmal ein Kanzler.

Ich kannte in meinem eigenen Germanistik-Studium linke, aufgeklärte Kommilitonen, die über jeden die Nase rümpften, der irgendein entlegenes Gedicht von Brecht nicht kannte – die aber völlig selbstverständlich niemals einen Text von Ingeborg Bachmann oder Marie von Ebner-Eschenbach gelesen hatten. Über eine feministische Professorin, bei der ich wirklich viel gelernt habe, erzählte eine Mitstudentin, dass sie ja leider in ihrem Horizont sehr auf Frauenthemen begrenzt wäre. Das stimmte nicht, passte aber ins Klischee.

Wer mit einem solchen Desinteresse gegenüber feministischen, frauenpolitischen oder auch schlicht geschlechterpolitischen Themen lebt, wer sich deshalb dann eben auch niemals ernsthaft mit feministischen Theorien auseinandersetzt – der lebt dann am sichersten, wenn er diesen Thesen zur Not unkritisch zustimmt und gar nicht erst riskiert, als Frauenfeind oder Masku dazustehen.

Das bedeutet denn auch, dass viele – aber zugestanden: nicht alle – Männer, die im Blog Alles Evolution mitdiskutieren, ein sehr viel egalitäreres Verhältnis zu Frauen haben, als solch ein männlicher Feminist es hat.
Frauen sind für Männer im egalitären Verständnis Mitspielerinnen, vielleicht ab und zu auch Gegenspielerinnen in einem gemeinsamen Spiel, das gemeinsame Regeln braucht.

Für den idealtypischen Feministen hingegen ist dieses Spiel ein Männerspiel, und Frauen müssen vor seinen Konsequenzen geschützt werden: eine Haltung, die ihre Gönnerhaftigkeit nie ganz verdecken kann.
Diese unkritische Haltung gegenüber feministischen Positionen verträgt sich also sehr gut mit einem uneingestandenen Desinteresse an ihnen. Möglicherweise gibt es neben diesem Desinteresse aber noch einen anderen Grund, warum solche Position über relativ enge Zirkel heraus kaum eine Rolle spielen.

Wer immer schon die Wahrheit kennt, der forscht nicht mehr

Viele soziologische Klassiker liefern sehr gute Orientierungen für empirische Forschungen. Pierre Bourdieu beispielweise sieht Menschen weder als reine Produkte sozialer Strukturen noch als ganz freie Akteure, denen jederzeit alle Handlungsmöglichkeiten offenstehen. Er beschreibt, mit seinem zentralen Begriff des „Habitus“, Menschen zwischen beidem, als Akteure, die von gesellschaftlichen Strukturen bestimmt werden und die zugleich Möglichkeiten haben, etwas daraus und aus sich selbst zu machen.
Ganz anders Niklas Luhmann, der Gesellschaft als System verschiedener Subsysteme beschreibt, die jeweils auf sich selbst bezogen („autopoietisch“) sind und ihrer eigenen Logik folgen. Wie enorm fruchtbar Luhmann für eine Analyse von Geschlechterzuschreibungen sein kann, hat Christoph Kucklick in seinem wichtigen, aber in den Gender Studies weitgehend ignorierten Werk „Das unmoralische Geschlecht“ gezeigt.

https://man-
tau.com/2015/01/26/warum-mannerfeindschaft-modern-ist/
https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2015/01/20/warum-die-moderne-gesellschaft-niemals-ein-patriarchat-
gewesen-ist/

Norbert Elias und Michel Foucault haben sich, trotz ganz unterschiedlicher wissenschaftlicher Temperamente, unter anderem mit einem vergleichbaren Phänomen beschäftigt, nämlich mit dem, was Elias „Selbstzwang“ nennt: mit der Verinnerlichung sozialer Strukturen in unser Selbstbild und Verhalten.
Bei Elias aber vergrößert der Selbstzwang die Handlungsmöglichkeiten, ist Grundlage für eine „Verlängerung der Handlungsketten“, die beispielsweise den internationalen Handel oder das Agieren in einer Massengesellschaft überhaupt erst möglich machen. Bei Foucault hingegen werden dadurch äußere Machtstrukturen in das Innere der Menschen hereingezogen, so dass der Prozess der Zivilisation, den Elias deutlich positiv bewertet, als trügerisch und täuschend erscheint.
Es ist nicht nötig zu entscheiden, wer von beiden Recht hat – beide können sehr hilfreich sein für eine soziologische Forschung, die auch historische Veränderungsprozesse beschreibt.

Ein Beispiel: Väterrechtler empören sich mit gutem Grund darüber, dass Väter zwar weiterhin rechtlich benachteiligt und nach Trennungen vom Wohlwollen der Mütter abhängig sind, wenn sie ihre Kinder sehen wollen – dass sie aber trotzdem, und eben gerade deshalb, arbeiten müssen, um Frau und Kinder zu finanzieren. Mit Foucault könnten wir, anstatt uns schlicht darüber zu empören, fragen, warum Väter eigentlich diese Verhältnisse weithin stützen und finanzieren.
Wie also ist eigentlich die gigantische Disziplinierungsleistung möglich, dass Zigtausende von Vätern Monat für Monat arbeiten, um ein System zu stützen und zu ermöglichen, an dem sie und ihre Kinder leiden? Welche institutionellen Bedingungen sind für eine solche Disziplinierungsleistung nötig? Von welchen kulturellen Werten, von welchen Klischees wird sie in den öffentlichen Diskursen orchestriert – und wie prägen diese Diskurse die Selbstbilder von Vätern?

Dies nur als Skizze – auch, um zu zeigen, dass soziologische Forschung keineswegs feministisch sein muss, schon gar nicht mit Foucault. Wichtig daran ist: Während Theorien von Bourdieu, Elias, Luhmann, Foucault und vielen anderen gut geeignet sind, mit ihnen empirische Forschung zu betreiben und tatsächlich Neues zu finden, ist das mit Judith Butler und ähnlich gelagerten Theorien sehr viel schwerer. Wer mit Butler arbeitet, landet eigentlich immer wieder nur bei Butler.
Die begrenzte Bedeutung feministischer Positionen in der Soziologie ist also zumindest zum Teil ein Resultat der uneingestandenen Erfahrung, dass aktuelle feministische Positionen bei der empirischen Forschung kaum nützlich sind. Forschungslogik nämlich ist, nach Peirce, abduktiv – sie konfrontiert konkrete Beobachtungen mit allgemeinen Theorien, sucht nach Vermittlungen zwischen beiden Ebenen und muss immer damit rechnen, die theoretischen Vorgaben ändern zu müssen.
Wer hingegen strikt deduktiv agiert, scannt die Wirklichkeit lediglich nach Bestätigungen des Immer-Schon-Gewussten.

Michael Kimmel („Angry White Men“) https://man-tau.com/2017/04/25/wut-weiss-mann-kimmel/ oder Robert/Raewyn Connell („Masculinities“) https://man-tau.com/2013/03/18/connells-ohrwurmer-feministische-stutzrader-und-die-ostfriesische-weltverschworung/ beispielsweise nutzen Interviews, die sie mit Männern geführt haben, lediglich als Illustrationen bestehender Thesen, ohne dass irgendwo deutlich würde, wie sie diese Interviews überhaupt geführt und ausgewertet haben.
Eine feministische Forschung, die wirklich Forschung wäre, müsste dagegen jederzeit bereit sein, die Phantasie einer „männlichen Herrschaft“ oder eines „male privilege“ oder einer „heterosexuellen Matrix“ aufzugeben – und das ist sie nicht.

Eben das ist ein zentraler Punkt in Christians Blog, und ein zentraler Vorwurf an feministische Forscherinnen.

Was dabei leicht übersehen wird: Eben dieser Vorwurf nimmt sie ALS FORSCHERINNEN überhaupt erst ernst – während der gönnerhafte Verzicht darauf, Feministinnen ihre eigenen Grundlagen in Frage stellen zu lassen, ihnen unterschwellig und unweigerlich abspricht, überhaupt Forschung zu betreiben.

Ein Wettrennen ins Absurde

Der Vorwurf ist also falsch, dass die ganze Soziologie – oder Pädagogik, oder Sprachwissenschaft – rundweg feministisch geprägt wäre. Vorzuwerfen ist Soziologen eher, dass sie feministische Positionen, wenn sie schon als Instrumente nur einen begrenzten Nutzen haben, nicht als Gegenstände ihrer Forschung begreifen Das ist
wohl eine Mischung aus Ignoranz und Feigheit: feministische Politik trotz ihrer flächendeckenden institutionellen Verankerung als Forschungsobjekt nicht ernst zu nehmen, aber auch keine Konflikte mit empörungsbereiten Feministinnen riskieren zu wollen.
Bourdieu liefert mit seinem Text „Die männliche Herrschaft“ selbst ein Beispiel dafür.
https://allesevolution.wordpress.com/2020/05/01/bloggeburtstag-10-jahre-alles-evolution/#comment-469712

Im Vergleich zum Detail- und Gedankenreichtum seines Werks „Die feinen Unterschiede“ ist der Text ein recht lieblos dahergeschlonzter Aufsatz, wie das gedankenlose Lüften eines Hutes zur Begrüßung. Bourdieu sichert sich damit gegen den Vorwurf ab, Geschlechterverhältnisse und feministische Forschung zu ignorieren, und produziert mit spürbar wenig Interesse einen Text, der Erwartungen bestätigt.
So aber wirken feministische Positionen im wissenschaftlichen Diskurs schon seit einer ganzen Weile weniger durch ihre Bedeutung für die Forschung als durch eine moralisch grundierte Distinktion. Wer von dort aus agiert, kann andere beurteilen, nämlich als „Frauenfeinde“, „Misogyne“, „Antifeministen“ oder auch positiv als „kluge Männer“ (Schwarzer) – ohne aber selbst umfassend von diesen anderen beurteilt zu werden, zumindest nicht im offenen Diskurs.

Distinktion durch überlegene Moralität aber produziert ganz besondere Widersprüche. Wer moralisch argumentiert, der ist dann erfolgreich, wenn er möglichst viele andere von der Gültigkeit seiner Position überzeugt. Wer sich aber von anderen unterscheiden will, kann mit solchen Verallgemeinerungen der eigenen Position nichts anfangen, weil diese Position sich ja eben gerade dadurch beglaubigt, dass sie sich vom Allgemeinen – sei es der „Pöbel“, sei es das „Patriarchat“ – unterscheidet.
Distinktion durch Moralität funktioniert als Distinktion also umso weniger, je erfolgreicher die aufgerufenen Moralvorstellungen vertreten werden. Je mehr diese allgemein akzeptiert werden, desto radikaler müssen sie dann variiert werden, um überhaupt noch für einen Distinktionsgewinn zu taugen.

Das erleben wir in Geschlechterdebatten seit Jahren. Wenn die Gleichberechtigung der Geschlechter längst allgemein akzeptiert ist, beschreiben feministisch inspirierte Politikerinnen oder Lobbyistinnen es als Problem, dass Frauen nicht in allen Spitzenpositionen gleichermaßen wie Männer vertreten sind – ganz unabhängig davon, ob sich überhaupt ausreichend viele Frauen um diese Positionen bemüht haben.

Wenn es dann Gleichstellungsprogramme gibt, um Frauen den Zugang zu diesen Positionen zu erleichtern, empören sich Aktivistinnen über einen umfassenden, aber sorgfältig diffus bleibenden männlichen „Alltagssexismus“ – veröffentlichen empört Fotos von Männern, die in Bussen und U-Bahnen sitzen und ihre Knie nicht geschlossen halten („manspreading“) – oder sie machen „alte weiße Männer“, womit angeblich keine alten weißen Männer gemeint sind, für Rassismus und Klimawandel verantwortlich – oder sie beschreien es als „Transfeindlichkeit“, wenn jemand davon ausgeht, dass es grundsätzlich zwei Geschlechter gibt – oder sie erwarten, dass Wörter durchgehend mit Gendersternchen ergänzt werden.

Distinktion durch Moralität begründet so nicht unbedingt einen „race to the bottom“,
https://de.wikipedia.org/wiki/Race_to_the_bottom , aber ein „race to the absurd“: Es kommt ja gerade darauf an, Positionen zu beziehen, die eben nicht von allen geteilt werden können, die dann aber für alle gelten sollen.

Damit haben Männer gute Gründe, die Auseinandersetzung mit dem Feminismus zu scheuen, und zugleich ist es auch eine Falle für ein Blog wie Alle Evolution: Wer jeweils die neuesten Manöver einer moralisch grundierten Distinktion nachvollzieht und sich argumentativ mit ihnen auseinandersetzt, ist beständig in Gefahr, sich in absurden Verzweigungen zu verlieren und nach außen hin lächerlich oder gar zwanghaft zu wirken.

Entlarvungsrituale als Berufsplanung

Denn feministische Distinktionsbedürfnisse spiegeln soziale Bedingungen wider, die Männer in der Geschlechterpolitik in dieser Form schlicht nicht vorfinden. Wer glaubhaften feministischen Aktivismus betreibt, kann sich auch ohne langwierige Ausbildungen in einer Vielzahl institutionalisierter Positionen platzieren. Anne Wizorek beispielsweise gab das grimmebepreiste Blog kleinerdrei, das sie gegründet hatte, auf, als sie Mitglied der Sachverständigenkommission für den Gleichstellungsbericht des Bundestages war. Dass ihre vielen Mitarbeiter*innen tatsächlich aus Arbeitsüberlastung nicht weitermachen konnten, ist ganz unglaubwürdig – vor allem im Vergleich zum Blog Christians, der seit zehn Jahren täglich und fast vollständig im Alleingang Artikel veröffentlicht. https://allesevolution.wordpress.com/2019/01/06/der-feministische-blog-kleiner-drei-wird-eingestellt/

Während aber der feministische Aktivismus durchaus erkennbar auch das Ziel hat, sich einen Namen zu machen, halten in Christians Blog – wie auch in meinem eigenen – die meisten Beteiligten ihren Klarnamen zurück. Als „Masku“ oder „Antifeminist“ dazustehen, ist eben kein Distinktionsgewinn, sondern ein Stigma.
Seine weitflächige Institutionalisierung ist denn auch ein weiterer Grund, warum die Positionen des aktuellen Feminismus sich nicht gut für eine empirische soziologische Forschungsarbeit eignen. Um sich selbst zu legitimieren, müssen nämlich die Positionsinhaber*innen beständig einen Gegensatz zwischen Gesellschaft und staatlichen Institutionen inszenieren, bei dem die Gesellschaft als ungerecht, inhuman, korrekturbedürftig, eben „patriarchal“ erscheint, während staatlich finanzierte Institutionen als dringend benötigtes Korrektiv dastehen.
Wer aber die Gesellschaft immer nur rituell entlarvt, hat gar kein Interesse daran, sie unvoreingenommen zu analysieren.

Ein digitaler Samisdat: Vom Nutzen und Nachteil der Nischen

Unter diesen Bedingungen bleibt das Blog Alles Evolution vorerst eine Nischenplattform, die zwar von sehr vielen besucht wird, zu der viele beitragen, deren Themen aber massenmedial oder in Parteien nur sehr zögerlich aufgegriffen werden – und dann fast immer, ohne die jahrelangen Diskussionen hier zu erwähnen.
Das wertet das Blog nicht ab, im Gegenteil: Es zeigt, was für eine enorme Leistung es ist, solch ein Forum über zehn Jahre hinweg in einem Umfeld zu führen, das weder günstig noch wohlgesonnen ist. Aus der Perspektive einer längst etablierten Geschlechterpolitik sind Männer, die den Feminismus kritisieren, einfach nur primitive
Privilegierte, die um ihre Machtpositionen fürchten würden – und ein Blog wie Alles Evolution ist im Lichte dieser Ressentiments einfach nur ein öder digitaler Ort, wo die wilden Kerle wohnen.

In gewisser Weise ist das, was dort oder von Arne bei Genderama produziert wird, ein digitaler Samisdat – wenn auch, natürlich, unter deutlich komfortableren und weniger
gefährlichen Bedingungen. Es bietet einen Raum für Informationen, für Gedanken, für Positionen, die anderswo als anrüchig oder unverständlich gelten.
In einem solchen Raum können auch Aggressionen wachsen, und ich gestehe, dass ich manchmal im Blog Alles Evolution einfach zu lesen aufgehört habe, wenn sich nämlich jemand rundweg über Frauen, über Feministinnen, über Linke, über die Soziologie oder andere „Geschwätzwissenschaften“ ausgekotzt hat.

Warum solch ein Forum trotzdem sehr wichtig ist, kann ich mit einer kleinen Geschichte beschreiben.
In den ersten Monaten als Trennungsvater hatte ich das Gefühl, umfassend isoliert zu sein – nicht nur von unserem Kind getrennt, sondern politisch auch regelrecht verachtet, ohne dass ich wüsste, was ich eigentlich falsch gemacht hatte. Insbesondere Väter, die sich nicht einfach in ihre Position einfinden wollten und die offen protestierten, standen als aggressive Wirrköpfe oder als Frauenfeinde da.

Die Foren, die es überhaupt gab, gaben sich alle Mühe, diese Ressentiments zu bestätigen. Da geriet ich zufällig auf die Internetseite von Monika Ebeling, die damals noch Gleichstellungsbeauftragte in Goslar war – und ich hätte heulen können, als ich las, dass sie sich auch für Männer einsetzen würde.
Sie wurde dann bekanntlich sehr bald und mit hanebüchenen Argumenten von einer unangenehmen Koalition aus Grünen, Sozialdemokraten und Freidemokraten aus dem Amt gedrängt. Der Eindruck, dass es in den zuständigen Institutionen einen Platz für Trennungsväter gäbe, war eine Illusion gewesen.

Aber außerhalb der Institutionen hatte ich etwas gefunden, das sich hielt und nicht gleich wieder verschwand, insbesondere Genderama von Arne und Alles Evolution von Christian. Bei Christian gab und gibt es zudem einen langen Kommentarstrang, der es allen ermöglicht, sich auch selbst zu äußern. Für die Menschen, die sich dort äußern oder die einfach nur mitlesen, kann es ein enormer Unterschied sein, ob es eine solche Nische gibt oder nicht. Auch wenn die diskutierten Themen, wie im Gleichnis vom weichen Wasser und dem harten Stein, nur langsam, sehr langsam in die allgemeineren Diskurse hinüberfließen.

Der „Diversity DAX“-Index – Ist die Verteilung der Geschlechter in Vorstand und Aufsichtsrat ein Renditetreiber? (Gastbeitrag)

Gastbeitrag von Michael

Die Deutsche Börse möchte zusammen mit dem Beratungsunternehmen Bosten Consulting Group (BCG) und der Technischen Universität (TU) München einen „Diversity Dax“-Index kreieren, der später als Grundlage für sogenannte Indexfonds oder ETFs dienen könnte, wie im Manager Magazin berichtet wurde.

Als Basis für die Zusammensetzung des „Diversity Dax“-Indexes dienen die Daten des „BCG Gender Diversity Index 2018“. Aus der BCG Gender Diversity Studie wurden die Top 30 Unternehmen (von 100 betrachten Unternehmen) für den Index ausgewählt („Für den BCG Gender Diversity Index 2018 wurden die 100 größten börsennotierten Konzerne Deutschlands analysiert. Dabei stand sowohl die Verteilung der Geschlechter in Vorstand und Aufsichtsrat im Mittelpunkt wie auch die Vergütung der Mitglieder in beiden Gremien und nach der Diversity Gesamtbewertung gewichtet, d.h. desto höher die Bewertung je höher auch die Gewichtung im Indexportfolio. Die Unternehmen die im „Diversity Dax“ vertreten sind, sind auch entweder im DAX (große deutsche börsennotierte Unternehmen), MDAX (mittelgroße deutsche börsennotierte Unternehmen), SDAX (kleine deutsche börsennotierte Unternehmen)
und/oder im TecDax (deutsche börsennotierte „Technologiewerte“) vertreten.

Nun zeigte sich, dass in einem zwei Jahreszeitraum (März 2017 bis März 2019) der „Diversity Dax“ den DAX um rund 4,3 Prozentpunkte übertroffen hatte. In der Süddeutschen (SZ) war dazu folgendes zu lesen: „Die Deutsche Börse spielt gerade mit der Idee eines „Diversity Dax“, eines Index, für den sie die Aktien nach der Vielfalt der Manager der Unternehmen aussucht. Er hätte den normalen Dax innerhalb der vergangenen zwei Jahre um 4,3 Prozent übertroffen. Es ist beachtlich, dass der Chauvinismus der Entscheider bisher sogar ihren kapitalistischen Profittrieb übersteigt.“
Und auf Twitter las man: “Männer sind zu emotional für die Börse

Beruhen nun folgende Aussagen auf einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema oder doch eher auf dem Phänomen des “Confirmation Bias“? Also der Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen/bestätigen

Ich möchte dabei vier Punkte zu bedenken geben:
1. Ist der Vergleich mit dem DAX fair?
Die Performance des „Diversity Dax“ wird mit der Performance des DAX verglichen. Allerdings stammen die Unternehmen/Aktien die im „Diversity Dax“ vertreten sind nicht nur aus dem DAX, sondern auch aus dem MDAX, dem SDAX und dem TecDAX.

Welche Performanz hatten diese Indizes also vom 1. März 2017 bis zum 1. März 2019:
 DAX: -3,3%
 MDAX: +5,1%
 SDAX: +9,2%
 TecDAX: +36,8%

Wie man erkennt, hatte der DAX die schlechteste Rendite in dem genannten Zeitraum. Ein Vergleich mit dem DAX lässt den „Diversity Dax“ besonders gut aussehen. Ein Vergleich mit dem DAX wäre jedoch nur redlich, wenn alle Werte aus dem „Diversity Dax“ auch aus dem DAX stammen würde und nicht auch aus den anderen Indizes.

2. Ist die Überrendite des „Diversity Dax“ überhaupt signifikant?

Der „Diversity Dax“ hat eine Überrendite von 4,3% im Vergleich zum DAX. Aber ist dieser Wert überhaupt außergewöhnlich? Wenn man rein zufällig 30 Aktien aus dem DAX, MDAX, SDAX und TecDAX zusammenstellen würde, wie viele der Portfolios würden eine bessere Rendite als der DAX aufweisen? Wie viele der Portfolios hätten eine Überrendite von mehr als 4,3% gegenüber dem DAX? Ohne eine solche Angabe ist eine Bewertung der Überrendite überhaupt nicht möglich.

3. Ein zu kurzer Zeitraum.

Um beurteilen zu können, ob der Diversity-Faktor tatsächlich eine Überrendite liefert, benötigt man Daten von deutlich mehr als zwei Jahren. Zugegeben wird eine Verlängerung der Studie auf fünf Jahre angestrebt („zufolge bietet sich auf Basis der Ergebnisse gemeinsam mit BCG und TU München eine Ausweitung der Studie auf weitere drei Jahre an, um das Konzept über einen längeren Zeitraum zu testen“ .

Aber auch ein fünf Jahres Zeitraum bleibt ein zu kurzer Zeitraum. In der Regel werden Zeiträume von deutlich mehr als 20 Jahren betrachtet, um zu beurteilen ob ein Faktor eine Überrendite produziert (siehe zum Beispiel Fama  French „The Cross-Section of Expected Stock Returns“, The Journal of Finance, 1992).

4. Ein internationaler Vergleich.
Ein recht bekannter weltweiter Aktienindex ist der „MSCI World“. Weniger bekannt ist der „MSCI World Womans Leadership Index“, welcher ein ähnliches Ziel verfolgt wie der „Diversity Dax“ (“The index aims to include companies which lead in their respective countries in terms of female representation in Board and in leadership positions”).

Wenn man nun die Performanz des „MSCI-World“ mit dem „MSCI-World Womens Leadership Index“ vergleicht, so zeigt sich im Zeitraum Mai 2016 bis März 2020, dass der „MSCI World“ eine bessere Performanz hatte als der „MSCI-World Womens Leadership Index“ (da alle Aktien im „MSCI-World Womens Leadership Index“ auch im „MSCI World“ enthalten sind, ist der Vergleich hier legitim/fair).

Das gleiche Ergebnis erhält man, wenn man den „MSCI Europe“ mit dem „MSCI Europe Womens Leadership Index“ vergleicht. Der „MSCI Europe“ hat eine bessere Performanz als der „MSCI Europe Womens Leadership Index“.

Bei beiden ist der Unterschied in der Performanz jedoch noch nicht so groß, als dass man von einem eindeutigen Ergebnis sprechen könnte. Aber beide Ergebnisse stützen nicht die These, dass mehr „Women Leadership“ auch mit einer höheren Rendite korreliert.

Schluss:
Wenn man in Unternehmen/Aktien investieren möchte, die nach dem „BCG Gender Diversity Index“ einen hohen Wert aufweisen, kann ein solcher „Diversity-Dax“-Index natürlich helfen, aber ob man damit auch eine Überrendite erzielt…da wäre ich sehr skeptisch.

Jessica Valenti über Doppelstandards (Gastbeitrag)

Es folgt ein sehr langer Gastbeitrag mit dem Thema

Jessica V. über Doppelstandards von Jochen Schmidt

Gastbeitrag auch als PDF:

Jochen_Schmidt__Gastbeitrag__Jessica_Valenti_ueber_Doppelstandards__03-11-2019 (2)

Wir kommen, um uns zu beschweren (Tocotronic, CD bei L’age d’or, 1996)

1 « Die Sache mit der Team Dresch Platte »

In unserem kleinen, feministischen Kolloquium sind wir mehrfach auf diverse Doppelstandards gestoßen. Diese Phänomene sind so folgenträchtig, dass es ratsam ist, sich genauer damit zu befassen. Glücklicherweise müssen wir bei dieser Auseinan dersetzung nicht bei Null anfangen – vielmehr können wir dabei auf einer Sammlung diverser Doppelstandards aufbauen, die von Jessica Valenti [Link1, Link2, Link3, Link4] veröffentlicht worden ist. Diese Sammlung ist auch deswegen brisant, weil hier soziale Ungleichheit zwischen den Geschlechtern thematisiert wird, ohne den Umweg über statistische Erhebungen zu nehmen, bei denen die betroffenen Personen gar nicht mehr in den Blick kommen, sondern nur noch Mittelwerte und Prozentpunkte.

Aus Valentis Sammlung wollen wir in den nächsten Monaten einige besonders gewichtige Brocken herausgreifen und gemeinsam bewältigen. Dabei werden wir durchaus auch ein wenig in die Tiefe gehen und wesentliche Aspekte im Detail besprechen. Relevante Fragen hierbei sind z. B.: Worin bestehen derartige Doppel standards genau, wie wirken sie sich im Einzelnen aus, und wie weit sind sie in der Gesellschaft verbreitet?

Für den Anfang habe ich einen eher untergewichtigen Doppelstand ausgewählt. Mit diesem ‘Leichtgewicht’ können wir einen bequemen Einstieg in die so komplexe Problematik der Doppelstandards wagen . . .

Noch ein rechtlicher Hinweis in eigener Sache: Der vorliegende Text wird publiziert unter der “Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Deutschland”Lizenz (CC BY-NC-ND 3.0 DE, [Link5]).

2 Wenn zwei das Gleiche tun, . . .

. . . dann ist es noch lange nicht dasselbe? Im zweiten Kapitel ihres Buches “He’s a Stud, She’s a Slut and 49 Other Double Standards Every Woman Should Know” umreißt Valenti den Streitpunkt folgendermaßen:

« There’s no doubt that women will always have a disproportionate amount of responsibility when it comes to sex, because we’re the ones who get pregnant – and if we do get pregnant it’s going to be up to us to decide what to do about it. But the way that birth control is automatically considered a woman’s domain is just irksome, not only from a theoretical feminist perspective – why should it only be up to us!? – but also from a practical one. » [Valenti, 2008, p. 17]

So mancher Leser wird bereits über den ersten Satz dieser Passage die Stirn runzeln – doch gemach, wir befinden uns in einem feministischen Kolloquium und wollen nicht aufmucken. Soweit ich sehe, befasst sich Valenti im zweiten Kapitel ihres Buches mit drei Phänomenen:

A. Behavioural (‘verhaltensmäßig’):

Wenn es einen Mann Y gibt, mit dem eine Frau X Sex haben sollte, und wenn beide, X und Y, eine Schwangerschaft der Frau vermeiden wollen, dann betreibt die Frau einen wesentlich höheren Aufwand als der Mann, um die Verhütung sicherzustellen.

B Psychisch:

Wenn es einen Mann Y gibt, mit dem eine Frau X Sex haben sollte, und wenn beide, X und Y, eine Schwangerschaft der Frau vermeiden wollen, dann besteht die Auffassung oder die Vorstellung, dass es hauptsächlich in der Verantwortung der Frau liegt, die Verhütung sicherzustellen.

C Normativ:

Wenn es einen Mann Y gibt, mit dem eine Frau X Sex haben sollte, und wenn beide, X und Y, eine Schwangerschaft der Frau vermeiden wollen, dann besteht der Doppelstandard, dass es hauptsächlich in der Verantwortung der Frau liegt, die Verhütung sicherzustellen – obwohl Mann und Frau etwa in gleichem Umfang am Sex beteiligt sind und etwa im gleichen Ausmaß an dessen Ergebnis mitwirken (vor allem Konzeption / Empfängnis).

Wie wir im weiteren Verlauf feststellen werden, sollten alle drei Phänomene voneinander unterschieden werden, auch wenn es mitunter Zusammenhänge gibt. Z. B. zieht (C) notwendigerweise (B) nach sich, doch (B) zieht nicht notwendigerweise (C) nach sich. Und weder (C) noch (B) ziehen notwendigerweise (A) nach sich. Dazu später mehr.

Ich habe (A) bis (C) zunächst mal so formuliert, dass sie auch auf einzelne Personen zutreffen können – Valenti möchte diese Phänomene jedoch allgemein verstanden wissen: Sie bestehen angeblich bei den meisten Frauen und Männern, die miteinander Sex haben – womöglich sogar in der ganzen “Gesellschaft” (wegen Patriarchat und so). Auch diese Unterscheidung wird sich später als hilfreich erweisen: Phänomene, die bei einzelnen Personen auftreten (bspw. eine “birth control disparity”), treffen nicht notwendigerweise auf die gesamte Gesellschaft zu.

Soweit ich sehe, entspricht Valentis Passage oben am ehesten dem Phänomen (B) (“. . . is automatically considered . . . ”).

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Brief zu den Plänen den Frauenanteil bei Wahlen durch Änderungen des Wahlrechts zu erhöhen

Stapelchips schrieb mir:

ich habe mir im Laufe der letzten Tage die Mühe gemacht und einen (langen) Brief verfasst bzgl. der Wahlrechtsreform, die auch eine Erhöhung des Frauenanteils beinhalten soll. Diesen Brief bzw. diese Mail will ich an meinen Wahlkreisabgeordneten schicken. Aber ich fände es gut, wenn a) noch einmal jemand gegenlesen würde (Formulierung, Gedankensprünge, Rechtschreibung, Zeichensetzung – die Zahlen überprüfen wäre nett, aber vielleicht etwas viel ;-)) und b) auch andere die Chance hätten diesen brief zu nutzen.

Er regte an, den Brief hier einzustellen, damit man ihn zusammen Korrektur lesen kann. Das mache ich natürlich gerne:

Sehr geehrte/r <Name>

Derzeit wird von einigen Politikern, aber hauptsächlich von Politikerinnen, über eine Wahlrechtsreform gesprochen, die in irgendeiner Form eine Frauenquote beinhalten soll. Grund dafür ist, dass der Frauenanteil im Bundestag vermeintlich sehr niedrig ist.

„Der aktuelle Frauenanteil im Bundestag von 30% ist für das Jahr 2018 beschämend! Da es offenbar nicht von alleine klappt, liegt es im Zweifel am Gesetzgeber etwas zu tun. #quote“

Katarina Barley [Quelle 1]

Es stellt sich mir die Frage, was denn nicht klappt? Wenn es um die Anzahl der Frauen im Bundestag geht, dann wissen wir, dass das sehr wohl klappt, denn in der Wahl davor hatten wir eine Prozentzahl von ~37% [Q2]. Aber – Hand aufs Herz – der Frauenanteil ist doch ziemlich irrelevant. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Frau Barley lieber Heiko Maas, Toni Hofreiter und Cem Özdemir im Bundestag sitzen hat, als Alice Weidel, Frauke Petry und Erika Steinbach.

Warum? Weil sich die politischen Ziele und Vorstellungen der genannten Herren mehr mit Frau Barleys eigenen besser vereinbaren lassen, als die der genannten Frauen.

Es ist halt einfach wesentlich relevanter, was ein Mensch denkt, sagt und tut als was dieser Mensch für ein Geschlecht hat.

Kurz gesagt: Es gibt Menschen in diesem Land, die der Ansicht sind, dass nach demokratischen, freien, gleichen und geheimen Wahlen das Ergebnis nicht angemessen ist und es deshalb eine Reform benötigt um das Ergebnis so anzupassen wie man es gerne hätte. Das ist abzulehnen und als das zu brandmarken, was es ist: Demokratiefeindlich. Das Souverän dieses Staates ist das Volk und keine Regierung dieses Staates hat die Autorität, geschweige denn das Recht, derartig die Willensäußerung des Volkes zu manipulieren.

Natürlich steht es jedem Menschen frei die Parteien (Zweitstimme) und die Personen (Erststimme) zu wählen, die sie – und warum sie – wollen. Dies schließt natürlich auch die Wahl auf Basis des Geschlechtes ein. Das ist der Sinn von freien, gleichen und geheimen Wahlen.

Wie wählte der gesamte Souverän dieses Staates?

Die CDU hat 200 Sitze im neuen Bundestag, die SPD 153, die AfD 94, die FDP 80, die Linke 69, die Grünen 67 und die CSU 46 [Q3 S.332]. Das sind zusammen 709 Sitze. Davon entfallen 420 auf Parteien, die sich nach Wahlprogramm kaum für „Frauenpolitik“ einsetzen oder diese sogar (in Teilen) ablehnen. Also CDU/CSU, AfD und FDP. Das sind rund 59,2% der Sitze. Jetzt ist natürlich nicht garantiert, dass alle diese Wähler die Parteien gewählt haben, wegen des Geschlechterthemas. Man muss aber wohl postulieren, dass das Geschlechterthema den Wählern dieser Parteien (mindestens) weniger wichtig war, als die anderen Themen der Parteien bis hin zu der Möglichkeit, dass die Wähler diese Parteien gewählt haben, WEIL sie die derzeitige Geschlechterpolitik schlecht finden.

Andersherum kann es natürlich sein, dass die verbliebenen Parteien gewählt wurden, eben weil sie so viel Geschlechterpolitik machen bis hin zu der Variante, dass die Wähler das Geschlechterthema nicht so wichtig fanden wie die anderen Themen dieser Parteien.

Die Tendenz ist aber eindeutig als ein Contra zur Geschlechterpolitik zu verstehen.

Wie wählte der weibliche Teil des Souveräns dieses Staates?

Nun wird gelegentlich argumentiert, dass ja nun die Repräsentation wichtig wäre. Das ist richtig. Das Volk wählt seine Repräsentanten in Person und Partei selbst.

Da es hier darum geht, die Repräsentation von Frauen (durch Frauen) in unserem Bundestag zu erhöhen, schauen wir doch einfach mal auf das Wahlverhalten der Frauen dieses Landes:

Es haben ~2mio mehr Frauen als Männer ihre Stimme abgegeben [Q4 S.9]. D.h. die Stimme von Frauen als Gruppe hatte mehr Gewicht, als die von Männern als Gruppe, auch wenn dies für diese Betrachtung von untergeordneter Rolle ist.

Mit der Zweitstimme wählten Frauen folgende Parteien [Q4 S.20]:

CDU: 29,8%, SPD: 20,5%, Grüne: 10,2%, FDP: 9,7%, AfD: 9,2%, Linke: 8,8 %, CSU: 6,6%, Sonstige 5,1%

Daraus folgt, dass 55,3% der Zweitstimmen von Frauen an Parteien gingen, die der Geschlechterpolitik nicht zwangsläufig positiv gegenüberstehen und nur 39,5% an Parteien, die diese Politik betreiben.

Der Erststimme muss in dieser Betrachtung besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da mit dieser eine Person direkt gewählt wird und nicht eine Partei mit ihrer Liste. Frauen wählten folgende Parteiangehörige [Q4 S. 71]

CDU: 32,5%, SPD: 24,5%, Grüne: 9,4%, AfD: 8,4%, Linke 8,2%, CSU: 7,3%, FDP: 6,8%, Sonstige: 2,9%

Auch hier fielen die Mehrheit der Stimmen (55%) auf Mitglieder von Parteien, die wenig mit der Frauenpolitik anfangen. Wohingegen 42,1% auf Mitglieder von Parteien entfielen, die Geschlechterpolitik betreiben.

Jetzt könnte man natürlich sagen: ‚Schauts euch an. Die FDP hat bei Frauen 2,9 Prozentpunkte weniger Stimmen für Direktmandate bekommen, als Parteisitze und die AfD 0,8 weniger. Das liegt daran, dass sie keine Frauen dahaben!‘ Dem möchte ich entgegenhalten, dass auch die Grünen 0,8 Prozentpunkte weniger haben (und den größten Frauenanteil) und sowohl die CDU als auch die CSU sogar mehr Erststimmen bekommen haben (2,7 bzw. 0,7 Prozentpunkte mehr) obwohl sie nur rund 20% Frauenanteil haben.

Gerade der CDU/CSU muss in dieser Debatte (die ja nun schon seit Bekanntgabe der Ergebnisse immer mal wiederaufkommt) besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Denn die Unionsparteien kommen gemeinsam auf 246 Sitze, von denen lediglich 15 durch Listenplätze besetzt sind [Q5] (davon 5 durch Frauen). Somit ist eine Manipulation der Verteilung der Geschlechter durch Listen kaum möglich und die Unionsparteien müssen primär mit den Menschen im Bundestag arbeiten, die die 9.472.300 Wählerinnen und 7.814.000 Wähler mit ihren Erststimmen in den Bundestag gewählt haben. Wobei es natürlich weniger sind, da nicht alle Kandidaten die die CDU/CSU aufgestellt haben auch in den Bundestag gekommen sind, aber ich wollte nur mal die absoluten Zahlen gegenüberstellen.

Das „Problem“

Insgesamt sind bei der CDU/CSU 49 Frauen und 197 Männer im Bundestag. D.h. der Frauenanteil an Bundestagsabgeordneten der Union liegt bei 19,92%. Das liegt unter dem Schnitt von CDU/CSU (26,1 % Frauenanteil CDU, 20,3% CSU) [Q8].

Dieser „geringe“ Frauenanteil unter den Abgeordneten, hat dazu geführt, dass diese Situation als „Problem“ bezeichnet wurde. Es wurde gesagt, dass hier etwas „schiefgelaufen“ sei und der Bundestag ein „exklusiver Club [Anm. für Männer]“ [Q6]. Und das bei einem WDR-Spross. Denn “reporter“ (ehemals WDR360 ist ein Ableger des WDR und wird für funk produziert. Denn hierbei handelt es sich um ein demokratisches Wahlergebnis. Das die Wähler und hier explizit die Wählerinnen in ihrer Gesamtheit so wollten. Wie kann man das als „schiefgelaufen“ oder „Problem“ bezeichnen?

Die CDU/CSU hat „das Problem“, dass zu viele Frauen und Männer gesagt haben: „Ich möchte genau diese Person im Bundestag haben.“

Auch Dr. Merkel äußerte sich über diese Situation abwertend [Q7]. „Die Vorsitzende der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz, forderte, dass bei der Wahlrechtsänderung eine stärkere Berücksichtigung von Frauen festgeschrieben werden müsse. Dies hatte auch CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer gefordert.

Die gemeinsame Kritik gleicht einer Kampfansage der führenden CDU-Frauen an die männlichen Mitglieder. Alle drei Frauen kritisierten, dass der Anteil der Frauen in der Unions-Bundestagsfraktion trotz der Bemühungen um Gleichberechtigung gesunken sei. Dafür gebe es im 21. Jahrhundert keine Entschuldigung mehr, sagte Merkel. Der Rückgang des Frauenanteils in der CDU-Bundestagsfraktion in der laufenden Legislaturperiode von einem Viertel auf ein Fünftel sei keine „Erfolgsgeschichte“.“

Das was hier betrieben wird ist nicht das „was Frauen wollen“. Es ist das was Feministinnen wollen. Diese sprechen jedoch ganz offensichtlich nicht (mehr) für Frauen. Wir reden hier davon, dass demokratische Wahlen manipuliert werden sollen. Dies ist ein Angriff von Ideologen auf die Demokratie.

Der Frauenanteil in den Parteien?

Überhaupt hat keine Partei einen Frauenanteil von auch nur annähernd 50%. Eine gleiche Repräsentanz zu fordern wie in der Bevölkerung ist utopisch UND verfassungswidrig, denn man müsste zwangsläufig Frauen privilegieren (im Neusprech: fördern) um die wenigen Frauen vorbeiziehen zu lassen, damit man ein 50% Ergebnis bekommt. Die Grünen haben den höchsten Frauenanteil mit 39%, dicht gefolgt von der Linken mit 36,9% – trotz intensiver „Frauenförderung“. Beide haben unter 10% der Sitze bekommen und sind damit die schwächsten Parteien im Bundestag.

Vergleichen wir mal:

Die Grünen haben 39% Frauenanteil in der Partei und 58,2% weibliche Bundestagsabgeordnete [Q9]. Bei den Linken sind es 36,8% innerhalb der Partei und 53,6% im Bundestag. Bei der SPD ist es 33,2% zu 41,8%, bei der Union 26,1% bzw. 20,3% zu 19,9% (s.o.), bei der FDP 22,6% zu 22,5% und schlussendlich bei der AfD 16% zu 10,6%.

D.h.: In drei der sieben Bundestagsparteien, sind Frauen ÜBERrepräsentiert im Vergleich zu ihrer Partei (Grüne, Linke, SPD). Bei einer Partei stimmt das Verhältnis nahezu überein (FDP). Und bei drei Parteien sind Frauen im Vergleich zum Anteil in der Partei unterrepräsentiert CDU/CSU und AfD. Wobei hier anzumerken ist, dass das Ergebnis der Union (19,9%) in etwa vergleichbar ist mit dem Frauenanteil der CSU (20,3%; obwohl selbige als einzige Frau Dorothee Bär als Abgeordnete nach Berlin schickt) und ich natürlich noch einmal darauf hinweisen muss, dass dieses Ergebnis der Union in großen Teilen durch das Wahlverhalten von Frauen herbeigeführt wurde.

Muss man also etwas am Wahlsystem ändern und in freie, gleiche und geheime Wahlen eingreifen um den Anteil von Menschen mit einem irrelevanten Geburtsmerkmal zu erhöhen, oder müssten sich Frauen vielleicht einfach mehr in Parteien engagieren. Sind wir mal ehrlich zueinander:

Wir reden hier davon, dass Mitglieder einer willkürlich gewählten Gruppe (Frauen), sich darüber echauffieren, dass die prozentuale Anzahl der Frauen im Bundestag nicht so hoch ist wie die prozentuale Anzahl der Frauen in der Bevölkerung. Sie fordern daher ein gleiches Ergebnis der Gruppe im Vergleich zur Gruppe Männer – bei weniger Eigenleistung der Gruppe. Was für eine vermessene Anspruchshaltung ist das bitte?

Der Mythos Gleichstellung

Es wird häufig formuliert, dass Gleichstellung Staatsauftrag sei und dass dies in Art 3 unseres Grundgesetzes zu finden sei. Das ist vollkommener Nonsens. Man findet den Staatsauftrag zur Gleichberechtigung in Artikel 3. Tatsächlich werden Sie das Wort „Gleichstellung“ in unserem Grundgesetz nirgendwo finden.

Artikel 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Artikel 3 unseres Grundgesetzes [Q10]

Der Unterschied zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung ist, dass die Gleichberechtigung für jedes Individuum gleiche Chancen und Möglichkeiten eröffnet (bei offenem Ergebnis willkürlich gewählter Vergleichsgruppen) und die Gleichstellung gleiche Ergebnisse willkürlich gewählter Vergleichsgruppen erzielt bei unterschiedlichen Chancen und Möglichkeiten.

Ein Beispiel

Das Bundesgleichstellungsgesetz [Q11] sagt in §8 Absatz 1:

„Sind Frauen in einem bestimmten Bereich […] unterrepräsentiert, hat die Dienststelle sie bei der Vergabe […] bevorzugt zu berücksichtigen. […]. Voraussetzung für die Bevorzugung ist, dass Bewerberinnen die gleiche Qualifikation aufweisen wie ihre männlichen Mitbewerber.“

Heißt: In einer Situation, in der ein Mann und eine Frau die beiden besten Bewerber sind und Frauen als Gruppe unterrepräsentiert sind, hat der Mann 0% Chance auf den Job, während die Frau diesen Job zu 100% bekommt, weil sie eine Frau ist. Das wiederspricht Art.3 (1), weil diese beiden Menschen vor dem Gesetz nicht gleichbehandelt werden. Es wiederspricht Art.3 (2), Weil sie hier nicht gleich berechtigt behandelt werden und weil ein Nachteil (für den Mann) hinzugefügt wurde – nicht wie gefordert abgebaut. Zudem wiederspricht dies noch Art.3 (3) Satz 1, da Frauen hier ja wortwörtlich bevorzugt werden.

Man spricht bei der Gleichberechtigung auch von einem Individualrecht bzw. einem Grundrecht UND Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht. Wohingegen Gleichstellung eben auf Gruppenergebnisse abzielt und damit konträr zu dem Menschenrecht auf Gleichberechtigung steht.

Was soll das bringen?

Also, nachdem wir festgestellt haben, dass die Mehrheit des Souveräns dieses Staates und die Mehrheit der Frauen als Teilmenge des Souveräns eine solche Politik ablehnt, nachdem wir festgestellt haben, dass diese Ergebnispolitik verfassungswidrig ist, müssen wir uns die Frage stellen, warum trotzdem diese Politik betrieben werden soll.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Sollten die Frauen, die hier zum Verfassungsbruch und zur Wahlmanipulation aufrufen befürchten, dass Frauen, wenn sie „unterrepräsentiert“ sind, weniger Gehör finden, dann kann ich Ihnen versichern, dass mir noch keine Feministin jemals sagen konnte, wo Frauen in Deutschland rechtlich benachteiligt sind. Wohingegen es mehrere Gesetze gibt, die Männer benachteiligen [Q12].

Demnach sind Frauen rechtlich höhergestellt, oder wie Feministen zu sagen pflegen: „privilegiert“. Und das obwohl es noch nie in der Geschichte der BRD einen Bundestag gab, der einen prozentual gleichen oder höheren Anteil Frauen im Bundestag hatte als der prozentuale Anteil der Frauen in der Bevölkerung.

Auch können wir nicht davon ausgehen, dass wir qualitativ im Bundestag besser werden, weil wir, beim aktuellen Stand der Dinge, Menschen den Vortritt lassen müssten, die sich bisher weniger engagiert haben, weniger qualifiziert sind und/oder vielleicht einfach gar nicht unbedingt wollen.

Fazit:

Es gibt meines Erachtens keine Rechtfertigung dafür in die Wahlen einzugreifen. Weder juristisch noch sachlich noch moralisch gibt es für einen solchen Vorschlag auch nur den Hauch einer Entschuldigung. Es widerspricht dem Prinzip der Gleichberechtigung und damit den Prinzipien einer freien Demokratie.

Jeder soll nach eigenem Gutdünken glücklich werden. Und wenn das bedeutet, dass unterschiedliche Ergebnisse bei willkürlichen Vergleichsgruppen entstehen, dann ist das zu akzeptieren. Aber willkürlich an irgendwelchen Ergebnissen herum zu manipulieren und damit die freie Entfaltung der Individuen einzuschränken, ist für mich als einen libertären Menschen absolut nicht akzeptabel. Daher bitte ich sie, alles in ihrer Macht Stehende zu tun um eine solche Unterwanderung freiheitlich demokratischer Prinzipien entgegenzuwirken.

 

Mit freundlichem Gruß

 

Quellen:

1: https://twitter.com/katarinabarley/status/1041945845091000322 (Archiv: http://archive.is/TeBwr )

2: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-03/gleichberechtigung-frauenquote-parlamente-katarina-barley-annegret-kramp-karrenbauer (Archiv: http://archive.is/i99L6 )

3: https://www.bundeswahlleiter.de/dam/jcr/3f3d42ab-faef-4553-bdf8-ac089b7de86a/btw17_heft3.pdf

4: https://www.bundeswahlleiter.de/dam/jcr/e0d2b01f-32ff-40f0-ba9f-50b5f761bb22/btw17_heft4.pdf

5: https://www.bundestag.de/abgeordnete/

6: https://www.youtube.com/watch?time_continue=76&v=2LRvEnkh_zI

7: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/angela-merkel-kritisiert-mangelnden-frauenanteil-in-der-cdu-a-1206394.html (Archiv: http://archive.is/avBcG)

8: http://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/140358/soziale-zusammensetzung

9: https://www.welt.de/politik/deutschland/article169078778/Diese-Fraktionen-haben-den-geringsten-Frauenanteil.html (Archiv: http://archive.is/ndByt )

10: https://www.bundestag.de/parlament/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01/245122

11: https://www.gesetze-im-internet.de/bgleig_2015/BJNR064300015.html

12: https://auschfrei.wordpress.com/2015/09/09/unterschiedliche-rechte/

Women’s March Analyse der Forderungen und deren Realitäten (Gastartikel)

Es folgt ein Gastartikel von  Martin Kreitl

Am 21. Januar 2017 fand der inzwischen international bekannte Protestmarsch «Women’s March» statt. Ursprünglich war dieser Marsch nur in der U.S. Hauptstadt Washington D.C. geplant. Allerdings kamen durch die Verbreitung der Idee in sozialen Netzwerken in den Vereinigten Staaten von Amerika insgesamt 680 und im Rest der Welt noch weitere 137 an Protestmärschen zusammen, die sich von der Hauptveranstaltung inspiriert – auch in Deutschland – erfolgreich formiert hatten1. Die Hauptorganisation schätzt, dass weltweit insgesamt 5 Millionen Menschen an den Veranstaltungen teilgenommen hätten.² Wenn vom Women’s March die Rede ist, kann man also von einem Phänomen sprechen, das von weltweiter Relevanz zu sein scheint. Der Marsch fand genau einen Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump statt. Trotz des Zeitpunktes habe man laut Organisationsteam keinen Anti-Trump Protest veranstalten wollen. Vielmehr sei der Marsch laut offiziellem Statement eine Reaktion der Frauen und Minderheiten der ganzen Welt, die durch die Rhetorik von dem, was über die Zeit des Wahlkampfes gesagt wurde, sehr besorgt gewesen seien.³

Auch, wenn es innerhalb der Veranstaltung kritische Stimmen gegeben hat, zum Beispiel dass das Event zu wenig inklusiv organisiert gewesen worden sei und man kein Event organisiert haben wollte, welches von weißen Frauen initiiert worden war, so war der Women’s March dennoch eine Veranstaltung, die für sich beanspruchte sich für eine Reihe von Dingen einzusetzen, die als stellvertretend für die Frauenbewegung und der Genderdebatte im Allgemeinen stehen. Auf der offiziellen Webseite der Demonstration lassen sich so einerseits auf der about-Seite4 und andererseits in einer PDF, die durch die about-Seite verlinkt wurde, die Grundsätze finden, für die sich der Women’s March einsetzte. Auf diese Grundsätze möchte ich mich im Folgenden als 5 repräsentativ für den gesamten Women’s March beziehen und die meiner Meinung nach wichtigsten Forderungen der Demonstration extrahierten und diese kritisch hinterfragen. Davon ausgehend möchte ich vom Women’s March als ein Teilphänomen der Frauenbewegung auf diese zurück schließen und darstellen, ob und wann deren Inhalte, vor allem in Bezug auf die Genderdebatte, ins hyperbolische oder redundante führen. Auf der about-Seite der Women’s March Website setzt man sich für folgende Forderungen ein, die jeweils noch einmal einzeln genauer erläutert werden: Die Beendigung von Gewalt, Reproduktionsrechte, LGBTQIA Rechte, Arbeiterrechte, Zivilrechte, Behindertenrechte, Einwanderungsrechte und Umweltgerechtigkeit. In der verlinkten PDF werden noch einmal zwei weitere Dinge zusätzlich angesprochen. Hier fügt man noch Frauenrechte gleich Menschenrechte hinzu und die Forderung der ökonomischen Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern.

Zunächst einmal stellt sich natürlich die Frage, an wen sich diese Forderungen richten. Da die Märsche unmittelbar an das Event der Amtseinführung Trumps gekoppelt waren, lässt sich wohl kaum abstreiten, dass sich die Forderungen nicht an Trump und dessen Administration richten würden, auch wenn man dies dementiert. Man kann aber auch annehmen, dass man primär ein Signal in Richtung Gesamtgesellschaft setzen wollte und erst sekundär ein Gegengewicht zu den als politisch unkorrekt wahrgenommen und sehr polarisierenden Aussagen Trumps, während des vorhergegangenen Wahlkampfes, setzen wollte. Im Allgemeinen lässt sich zu der Gesamtheit der Forderungen grundsätzlich feststellen, dass es sich ausschließlich um Forderungen für und zu gewissen Rechten handelt und es auffallend ist, dass keinerlei Pflichten gefordert werden. Vertragstheoretisch ergeben sich aus Rechten das, was jemand von einer Gesellschaft erhält, Pflichten das, was jemand einer Gesellschaft gibt. Beim Women’s March ergibt sich der Eindruck, dass man sich entweder nicht mit der Kehrseite von Rechten, nämlich den Pflichten, auseinandersetzt hat oder erstens diese automatisch indirekt impliziert oder zweitens man sich derer entledigen möchte. Um diesen Eindruck zu überprüfen, möchte ich im Folgenden diejenigen Forderungen des Women’s Marchs betrachten, die ansonsten häufig in der Genderdebatte zu hören sind.

Frauenrechte sind Menschenrechte

»We believe that Women’s Rights are Human Rights and Human Rights are Women’s Rights. This is the basic and original tenet for which we unite to March on Washington.

We believe Gender Justice is Racial Justice is Economic Justice. We must create a society in which all women—including Black women, Indigenous women, poor women, immigrant women, disabled women, Muslim women, lesbian, queer and trans women—are free and able to care for and nurture themselves and their families, however they are formed, in safe and healthy environments free from structural impediments.«6

Weiterlesen

Eine Frau zum Orgasmus bringen

Dies ist ein Gastartikel von Aurelie

Der weibliche Orgasmus ist kein „Mythos“, den es zu entschlüsseln gilt, und er ist auch nicht kompliziert. Komplex, ja – aber welcher körperliche Vorgang ist nicht komplex?

Wenn ich im Folgenden über Frauen schreibe, so heißt das nicht, dass sich darin jede Frau wiederfinden muss. Es geht vielmehr um eine grobe Richtung, deren individuelle Ausgestaltung jeder Frau oder jedem Paar selbst obliegt. Da ich alles andere als allwissend bin, ergeben sich sicherlich in den Kommentaren noch weitere Anregungen. Man lernt schließlich nie aus.

Der wichtigste Faktor, wenn es ums Kommen geht, ist Zeit. Frauen haben in der Regel eine andere Erregungskurve als Männer. Wie ein Elektroherd, der etwas braucht, bis er so richtig warm ist, dafür aber lange (nach)glüht. Das männliche Äquivalent ist der Gasherd: an – aus bzw. Flamme da – Flamme weg. Ein Orgasmus braucht also – neben der richtigen Technik – Zeit. Die gute Nachricht: Während der Aufwärmphase gibt es viel Richtiges und wenig Falsches. Spricht: Es geht vor allem darum, den Körper und insbesondere die Vulva bereit zu machen, sie aufzuwärmen. Dazu braucht es kein Kerzenlicht-Eros-Ramazotti-Getue, sondern angenehme und stimulierende Berührungen. Eine praktische Stellung, die das gegenseitig entspannt ermöglicht, ist sich gegenüber zu sitzen mit angewinkelten Knien. Wer sich nur der Frau widmen möchte, der kann sie bitten, sich auf den Rücken zu legen, während man sich neben sie legt oder zwischen ihre Beine setzt.

Beim Aufwärmen geht es wie gesagt nicht darum, so schnell wie möglich alle möglichen „magische“ Knöpfe zu drücken, um endlich am Ziel anzukommen. Langsame, wertschätzende Berührungen ebnen dagegen den Weg. Der ganze Körper kann miteinbezogen werden.

Wenn sich der Schwerpunkt der Berührung langsam Richtung Vulva nähert, kann ein hochwertiges Öl (bspw. reines Mandelöl), das Ganze intensivieren. Viele gehen automatisch davon aus, dass die eigene Feuchtigkeit ausreicht. Für eine ausgiebige Massage der gesamten Vulva trifft das in der Regel nicht zu. Manche Frauen scheuen sich, zusätzliche Lubrikation einzufordern, weil sie denken, das würde dem Mann sexuelle Unlust signalisieren. Davon sollte man sich freimachen.

Von dem Gedanken, dass die Vagina jederzeit sexuell aufnahmebereit ist, sollte man sich ebenfalls freimachen. Auch wenn das zugegebenermaßen ein schöner Gedanke ist 🙂 Viele Frauen haben verlernt, auf sich zu hören und zu spüren, wann sie wirklich bereit zur Penetration sind. Je länger man(n) also abwartet, bis man mit den Fingern oder dem Penis eindringt, umso angenehmer wird das in der Regel für die Frau sein. Die Vagina wird mit steigender Erregung weiter, größer und besser durchblutet.

Kleiner Exkurs beendet. Wir sind also bei der Vulva bzw. deren Massage. Dabei es gibt einige Massagetechniken, die ich im Folgenden aufzähle. Wichtig ist, dass du diese Massagegriffe ohne Hektik und möglichst langsam ausführst. Wie gesagt: Je länger du bei jedem Griff verweilst, umso größer ist die Chance eines Orgasmus. Am besten können die Massagegriffe ausgeführt werden, wenn die Frau auf dem Rücken liegt und ihre Beine gespreizt und leicht angewinkelt sind.

Nimm deine ganze Hand und lege sie mit den Handflächen nach unten über die gesamte Vulva. Übe dabei leichten Druck aus, sodass sie deine Hand gut spüren kann. (Dieser Griff eignet sich auch gut, um zwischen den anderen Griffen durch eine kleine Pause die Erregung zu steigern.)

Nimm die großen und danach die kleinen Schamlippen jeweils einzeln zwischen deine Finger und massiere sie (sanft).

Drücke die kleinen Schamlippen mit deinen beiden Daumen zusammen und verschiebe sie gegenseitig (auch versetzt).

Mit den äußeren Handkanten die inneren und äußeren Schamlippen umfassen und wie beim Feuermachen sanft gegeneinander reiben.

Mit zwei Fingern fährst du die inneren und äußeren Schamlippen nacheinander oder gleichzeitig in langen Strichen von oben nach unten entlang und umgekehrt. Ein Finger kann dabei gleichzeitig (bewegungslos) auf der Klitoris liegen.

Die Klitoris zwischen Daumen und Zeigefinger mit leichten Drehbewegungen massieren, ohne die Vorhaut vorher zurückzuziehen. Die andere Hand ruht auf der Vulva.

Mit der einen Hand die Vorhaut der Klitoris zurückziehen und wieder loslassen, mit der anderen Hand die Vulva halten.

Die Klitoris mit einer Fingerspitze direkt massieren. Probiere sehr, sehr sanfte, jedoch kontinuierliche Bewegungen.

An dieser Stelle unbedingt auf genügend Lubrikation und die Reaktion deiner Partnerin achten oder fragen, ob die direkte Berührung der Klitoris so angenehm ist. Falls nicht, beginnst du von vorne oder bittest sie, dir zu zeigen, welche Berührungsintensität für sie angenehm ist. Manchmal reicht eine kleine Modifikation. Wenn ihr eine Intensität gefunden habt, die für sie angenehm ist, bleib dabei. Je nachdem, wie erregt deine Partnerin ist, ist dies bereits der Punkt, an dem sie nach einer gewissen Zeit einen Orgasmus erreicht. Falls nicht, kannst du wieder die anderen Massagegriffe anwenden und später auf die direkte Massage der Klitoris zurückkommen.

Nach der Massage der Klitoris könnt ihr zur Penetration übergehen. Falls du mit den Fingern vorfühlen möchtest, um ihre Bereitschaft (und ihre Lust) weiter zu steigern, erkunde den Scheideneingang (nur den Eingang) langsam mit einem Finger. Das ist der empfindlichste Bereich der Scheide. Umfahre Klitoris und Scheideneingang in einer Achter-Bewegung. Auf die G-Punkt-Massage gehe ich an dieser Stelle nicht mehr ein. Mit den beschriebenen Griffen erreicht man denke ich bereits angenehme Ergebnisse. Selbst wenn sich kein Orgasmus ergibt, so ist die Penetration nach einer solchen Massage etwas völlig anderes.

Wer sich nach dem Beitrag nach dem männlichen Massage-Äquivalent fragt – keine Sorge, das gibt es. Und es lohnt sich für jede Frau (jeden Mann), das ebenfalls zu erlernen.

Sicht eines Transsexuellen auf den Feminismus: Warum der Sozialkonstruktivismus nicht die bessere Theorie ist

Dies ist ein Gastartikel von Philip. Vielen Dank für die Einsendung

Ich befand mich 2,5 Jahren in feministischen Kreisen. Anfangs glaubte ich noch der Feminismus ist für Gleichberechtigung. Je tiefer ich hinein geriet, desto ideologischer kam mir jedoch das alles vor. Es wurde selbstverständlichst vorausgesetzt, dass alle Personen sozialkontruktivistischen Theorie und weiteren feministischen Ansätzen unkritisch zustimmen. John Money wurde von Feminist/innen kein einziges Mal erwähnt.

Als Trans-Mann (sogenannter Frau-zu-Mann-Transsexueller), habe ich nie verstanden wieso ein purer Sozialkonstruktivismus die bessere Theorie sein soll – mal ganz abgesehen davon, dass er keine Beweise hat. Dass ich wegen meines Körpers Leidensdruck verspüre, viele Therapiestunden & Arztbesuche absitzen muss, dabei einen Haufen Geld für Gutachten ausgebe, soll nur daran legen, dass ich von der Gesellschaft manipuliert worden bin und daher glaube etwas(/ein Mann) zu sein, was gar nicht gibt? Ich sehe nicht, wie das das Ansehen von Transsexuellen verbessern soll. Zudem machte ich vermehrt die Beobachtung, dass diese Theorie negative Auswirkungen hat und in der Praxis nicht anwendbar sind. Auf diesem Grund wollte ich eine kurze Übersicht der verschiedenen Punkte erstellen.

Geschlecht als eine Rolle & Entstehung von Pseudo-Transsexuellen („Transtrender“)

Feminist/innen meinten oft, dass man sich Geschlecht aussuchen könne und/oder es bei Transsexualität nur um die gesellschaftliche Rolle und Erwartungen gibt. Genau das sind Vorurteile, die richtige Transsexuelle beseitigen wollen.

Leider entstehen dadurch „Pseudo-Transsexuelle“. Einige von ihnen sagten sogar selbst, sie haben ein Leben problemlos als Mann/Frau gelebt. Doch seitdem sie feministische Literatur gelesen haben, identifizieren sie sich als „Trans“, weil sie nicht in die typische Rolle passen.

Wegen diesen Ansätzen sind schon so manche Leute auf die Schnauze gefallen. Eine maskuline Frau war aufgrund der Rollenerwartung genervt davon eine Frau zu sein, mochte es aber als Drag King aufzutreten. Eine andere lesbische Frau erfüllte viele Männerklischees. Beide wollten deshalb transistionieren und schafften es sich Testosteron verschreiben zu lassen. Aus konstruktivistischer Sicht war das erstmal ein gutes Angebot: Man ist unzufrieden mit den Normen, die an dem Körper festgemacht. Daher verändert man den Körper, damit er zur „Performance“ besser passt und man gesellschaftlich besser zurecht kommt. Die Realität sah aber anders aus: Ihre Psyche reagierte negativ auf die körperlichen Veränderungen. Beide bekamen schweren Depressionen und mussten die Transistion abbrechen bzw. rückgänig machen. Sie sahen ein, dass Geschlecht nicht einfach eine Rolle ist und man es nicht einfach verändern kann. Schließlich lernten sie auf den harten Weg, dass sie einfach maskuline Frauen sind und es akzeptieren müssen.

(Nach reinen sozialen Theorien wäre es sowieso von vorne rein fragwürdig gewesen, warum sie nicht in ein feminines Verhalten rein erzogen werden konnten.)

Ich lernte noch eine weitere Person kennen, die sich aufgrund von vermeintlicher Transsexualität in Therapie befanden, aber noch rechtzeitig aufhörte. Heute lebt diese Person als femininer Mann und Drag Queen.

Menschen dazu zu bringen ihr Geschlecht als wandelbar oder nur eine „Performance“ zu sehen, bringt niemanden etwas und kann in manchen Fällen zu Schaden führen. Zwar gibt es durchschnittliche Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen, jedoch macht feminines Verhalten jemanden nicht automatisch zur Frau, sowieso maskulines Verhalten jemanden nicht zum Mann macht.

Meiner Erfahrung nach werden so Stereotypen sogar verstärkt. Zum Beispiel wollte mit mir eine Sozialkonstruktivistin darüber diskutieren, wie widersprüchlich es ist, wenn ich als Mann eine lange Haare habe. Schließlich sind lange Haare eine „eindeutlich weibliche Repräsentation“. Mein Verweis darauf, dass es heuchlerisch sei gegen Stereotypen zu kämpfen aber Personen ihre Geschlecht aufgrund von Stereotypen abzusprechen. Jedoch wiederholte sie nur ihre Ausgangsposition ließ sich nicht davon abbringen. Sobald wir uns wieder sahen, ging das Thema von vorne los. Ich kam mir vor wie im falschem Film.

Er rechtfertigt Umerziehung und Gruppenzwang

Bei der sexuellen Orienterung ging es schon los: Bisexuellen Frauen wurde im Feminismus unterstellt nicht lesbisch genug zu ein. Manche fühlten sich deswegen schlecht, wenn sie in einer heterosexuellen Beziehung waren. Schließlich waren sie ja jetzt in der priviligierten Position. Teilweise war es ein typischer Gruppenzwang. Besonders bei einer Identitäts-Politik hat es sich angeboten Leute für ihr/e Sexualität/Geschlecht abzuwerten.

Auch richtige Transsexuelle wurden teilweise nicht ernst genommen.

Eine Runde von Feministinnen gab vollkommen ernst schwulen Trans-Männern den Rat, sie können sich doch zu heterosexuellen Frau umkonstruieren, um den Leidensdruck zu entkommen. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass ein anderer bekannter schwuler Trans-Mann dies bereits über einen Zeitraum von 20 Jahre versucht hat. Das Ergebnis waren mehrere psychische Krisen, eine gescheiterte Ehe und bis heute noch bestehende psychische Probleme. Dann erwähnte ich andere Fällen von Menschen, die ihre Sexualität ändern wollten und scheiterten. Trotzdem hielten sie weiter daran fest, man solle es sich nicht unnötig selber schwer machen und einfach umkonstruieren, ohne ein einziges gutes Argument oder Beispiel zu liefern. Das Gefahrenpotenzial wurde konsequent auszublendet.

Würde man dieser Logik folgen, bräuchten Krankenkasse auch keine Kosten mehr zu übernehmen. Stattdessen könnten Transsexuelle sich ja einfach sozial anpassen und das Problem ist gelöst.

Ex-Gay Therapien wären auch gerechtfertigt. Allerdings ist bekannt, dass diese sehr umstritten sind und Selbsthass, sowieso wie andere psychische Probleme verstärken können (vgl. http://www.livescience.com/50453-why-gay-conversion-therapy-harmful.html).

Ich persönlich habe in der Zeit noch weitere Transsexuelle kennen gelernt, die versucht haben als ihr äußeres Geschlecht zu leben und die Geschlechtsidentität entsprechend zu verändern. Die Gründe waren unterschiedlich: Man wollte es sich nicht eingestehen, die Eltern waren gegen die Transistion oder Wunsch nach leiblichen Kindern. Im Endeffekt hat sich ihr psychischer Zustand dadurch verschlechtert, sie wurden selbstmordgefährdet und sie sind doch in Therapie gegangen und haben die Transistion durchgezogen.

Es ist naiv zu glauben, dass die Ansicht „jeder kann alles sein“ zwangsläufig zur Toleranz führt. Menschen werden oft für Entscheidungen abgewertet oder verstoßen. Wie bereits in den Beispielen beschrieben, müssen Umschulungsversuche nicht unbedingt religös oder politisch motiviert sein.

Selbst wenn der Sozialkonstruktivismus stimmen würde und eines Tages alle Identitäten dekonstrukiert werden, kann man nicht davon ausgehen, dass alle Menschen gleich/ähnlich entwickeln werden. Unterschiedliche Umgebungen würden trotzdem zu unterschiedlichen Gruppen führen. Gruppendruck und Ausgrenzung würden somit weiterhin bestehen bleiben. Es gibt auch keine Garantie, dass niemand auf die Idee kommen würde seine Ideale der Masse auszuzwingen.

Umgang mit Intersexualität / Fehlbildung der Genitalien

Es ist garantiert kein neues Argument. John Moneys Theorie, dass Geschlecht durch die Erziehung entsteht, führte dazu, dass im Falle von Missbildungen und Intersexualität die Genitalien der betroffenen Kindern nach Machbarkeit operariert worden sind – meistens war es einfacher „ein Loch zu graben“ als „einen Stamm zu bauen“. Auch Jungen mit einem Mikropenis bekamen eine künstliche Vagina, damit sie ein erfülltes Sexualleben haben können.

In Norwegen bemerkte Trond Diseth, dass diese Methode viel Schaden anrichtet und Betroffene psychische Erkrankungen und Selbstmordgedanken bekommen können. Deswegen veränderte er die Behandlungsmaßnahmen. Bevor das Geschlecht festgelegt wird und eventuell angleichende medizinisches Maßnahmen erfolgen, vergeht in der Regel ein Jahr. In der Zeit soll herausgefunden werden, wie das Gehirn hormonell geprägt worden ist (vgl .http://www.vg.no/forbruker/helse/helse-og-medisin/finner-barnets-egentlige-kjoenn/a/529959/ und http://tidsskriftet.no/article/1661681).

Natürlich kann man sich darum streiten, ob und wann überhaupt eine Geschlechtszuweisung oder eine Operation durchgeführt werden sollte. Jedoch gibt es Fälle, wie zum Beispiel Kloakenekstrophie bei denen immer Operationen an den Genitalien durchgeführt werden, um die Funktion herzustellen oder zu verbessern (vgl. http://www.kloakenekstrophie.de/index.php?navi_main=was-ist-kloakenekstrophie&navi_sub1=kloakenekstrophie-ke).

Obwohl es noch unbekannt ist, wie genau die Geschlechtsidentität entsteht, lässt sich die Wirkung von biologischen Faktoren nicht abstreiten. Die Annahme man könne die Betroffenen in ein Geschlecht rein erziehen, konnte nicht bestätigt werden und hat eine falsche Behandlung von Kindern gerechtfertigt.

 Er verleugnet, dass Kinder männliche und weibliche Rollenvorbilder brauchen

Viele Feministinnen, die ich kennen gelernt habe, wollten es nicht hören, dass Kinder auch einen Vater oder männliche Rollenvorbilder brauchen. Schließlich würde man ja so wieder Stereotypen und Geschlecht an sich reproduzieren.

Tatsächlich geht es Kindern besser, wenn sie sowohl männliche als auch weibliche Bezugspersonen und Rollenvorbilder haben. Ansonsten sind sie anfälliger für Drogenmissbrauch und negativen sozialen Verhalten. Selbst in Mäusen konnten Veränderungen im Gehirn durch Vaterlosigkeit nachgewiesen werden. Sie wurden passend zu den Beobachtungen bei Menschen aggressiver und asozialer. (vgl. http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2518247/Growing-father-permanently-alter-BRAIN-Fatherless-children-likely-grow-angry-turn-drugs.html). Man kann also ausschließen, dass es aufgrund des Stigmas, überforderten Müttern oder anderen Faktoren diesen Kinder schlechter geht.

Eine Studie über gleichgeschlechtliche Eltern hat ergeben, dass ihre Kinder gesund aufwachsen. Neben guten elterlichen Kompetenzen, hatten die Studienteilnehmer eine weitere Gemeinsamkeit: Die legten Wert darauf, dass die Kinder sowohl männliche als auch weibliche Bezugspersonen hatten (vgl. https://www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/Adoption/LSVD_Essentiels-BMJ-Studie.pdf).

Geschlecht zu im Erziehungswesen zu „dekonstruieren“ ist schädlichen für den Nachwuchs. Es geht nicht darum jemanden Rollen aufzuzwingen, sondern Kinder verschiedene Rollenvorbilder und Stabilität zu geben. Dieser Punkt wurde nur kurz angeknackt, aber eigentlich kann man intensiv auf dieses Thema eingehen.

Das Ausbleden körperlicher Unterschiede führt zur Ausblendung unterschiedlicher gesundheitlicher Risiken

Besonders bei familiärer Vorbelastung sollte man sich mit mögliche Risiken auseinander setzen. Geschlecht ist bei einigen Krankheiten ein Faktor, der berücksichtigt werden sollte.

Frauen haben bei Herzinfarkten andere Symptome als Männer. Sie erkrankten aus hormonellen und genetischen Gründen häufiger an Autoimmunerkrankung (vgl. https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-forschung/multiple-sklerose-warum-leiden-frauen-haeufiger-an-autoimmunerkrankungen-als-maenner/). Zudem haben Frauen durch ihre XX-Chromosomen ein höhere Risiko an Alzheimer zu erkranken. (vgl. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/35010).

Auf der anderen Seite erben Männer eher die Bluterkrankheit, weil diese durch X-Chromosoemn vererbt wird.Selbst bei den Symptomen bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen gibt es Unterschiede (vgl. http://www.rcpsych.ac.uk/healthadvice/problemsdisorders/depressionmen.asp).

Teilweise reagieren Frauen und Männer auch aufgrund des unterschiedlichen Stoffwechsels auf Medikamente anders (vgl. https://www.hochdruckliga.de/frauen-leiden-haeufiger-unter-nebenwirkungen.html). Manche Erkankungen wie ADHS oder Autismus kommen bei Männern häufiger vor als bei Frauen.

Die Liste von Krankheiten, die vom Geschlecht beeinflusst werden, ist lang.

Bei der Erforschung und Behandlung von Krankheiten muss Geschlecht mitbedacht werden.

Es aus biologischer/medizinischer Perspektive zu „dekonstruieren“, geschlechtsspezifische Gene, Horme, Körperbau usw. zu ignorieren macht keinen Sinn und ist eher kontraproduktiv.

Er ist unvereinbar mit Sport

Es gibt Sozialkonstruktivisten, die der Meinung sind, dass Unterschiede in sportlichen Leistungen durch die Sozialisation entstehen. Demnach sollte es keine Trennung in Sportteams geben. Eigentlich kann jeder Transsexueller während der Transistion bestätigen, dass sich der Testosteronspiegel stark auf die Muskelkraft ausübt. Weitere Unterschiede entstehen aufgrund der Größe des Herzes, Knochenbau usw. (vgl. http://www.loges.de/prinzip-biologik/sportwissen/der-kleine-unterschied/). Würde man also der Forderung folgen, müssten viele Frauen ihre sportliche Karriere beenden. 2003 schaffte es die B-Jugend-Vizemeister die deutschen Fußball-Weltmeisterinnen mit 3:0 zu besiegen (vgl. http://www.shortnews.de/id/487126/b-jugend-vizemeister-besiegt-deutsche-fussball-weltmeisterinnen). Passend verloren kürzlich eine Frauenmannschaft gegen 0:7 gegen eine U15-Jungenmannschaft (vgl. http://www.dailymail.co.uk/sport/football/article-3609949/Matildas-lose-7-0-Newcastle-Jets-15s-Rio-Olympics-warm-up.html).

Er verhindert ein Verständnis von (durchschnittlichen) Unterschieden

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass biologische Erklärung den Menschen eher helfen, um sich selbst und andere besser zu verstehen. Sie verstanden ebenfalls warum sie Probleme in Beziehungen hatten. Feminine Frauen fingen an ihre Feminität besser zu schätzen und als wichtige Ergänzung zu Maskulinität zu verstehen. Atypische Frauen und Männern realisierten, dass ihr Andersein mit der prenatalen Testosteron-Dosis zu tun hat.

David Buss erwähnte ebenfalls in seinem Gespräch mit Gad Saad, dass sich durch seine Forschung Personen besser verstanden. Jeder, der sich intensiver mit Biologie auseinander setzt, weiß, dass viele Strohmänner (gegen die auch viele Feminist/innen kämpfen) nicht stimmen oder übertrieben sind.

Mit einem falschen Verständnis von Geschlecht hat auch ein Aktivismus wenig Sinn. Wenn zum Beispiel der Großteil der Frauen Pädagogik spannender findet als Informatik, ist eine unterschiedliche Verteilung in der Berufswelt nicht verwunderlich. Hätten wir überall eine 50/50 Verteilung, müssten Menschen gegen ihre eigenen Interessen handeln.

Personen mit einem hohen biologischen/medizinischen Verständnis konnte mich ebenfalls besser akzeptieren. Darunter waren auch viele Frauen mit naturwissenschaftlichen Berufen.

Zuerst war ich dann einfach „die sehr burschikose Tochter“ oder „Frau, die sich wie ein Mann verhält“. Sich dann als bi- oder transsexuell zu outen verlieft mit diesen Personen ebenfalls unkompliziert. Es wurde dann einfach als Eigenschaften gesehen, für die ich selbst nichts dafür kann und nicht veränderbar sind. Bloß weil sich bei mir etwas falsch entwickelt hat, heißt das nicht, dass ich selbst ein Fehler oder weniger Wert bin.

Auf der anderen Seite konnte ich dank der Beschäftigung mit (durchschnittlichen) Unterschieden viele klischeehafte Konflike zwischen mir und Frauen besser nachvollziehen und selbst ein paar Freundschaften funktionieren seitdem besser.

Persönlicher Abschied vom Feminimus

Inzwischen habe ich mich aus den feministischen Kreisen rausgezogen. Ich hatte eher das Gefühl, dass Transsexuelle für die eignen Theorien und politischen Postionen instrumentalisiert werden. Unsere eigentliche Situation wird nicht beachtet oder so verdreht, bis man sie verwenden kann..

Leider werden wir oft mit Feminusmus und Social-Justice-Warrios in Verbindung gebracht. Zwar gibt es welche, die mitmachen, aber ein großer Teil von uns wird davon eher abgeschreckt. Wir haben keine Lust als Opfer darstellen gewerden und „priviligierte“ heterosexuelle Cis-Männer zu verdammen. Viele Transsexuelle sind der Meinung, dass es sowohl Vor- als auch Nachteile hat als Frau (bzw. Mann) gesehen zu werden. Einmal musste ich mich sogar dafür rechtfertigen mit Männern über sexuelles Interesse an Frauen zu reden. Mein Gegenüber war erstaunt als ich betonte, dass in solchen Gesprächen niemand abgewertet wird.

Nur einmal war ein Konstruktivist bereit ein vernünftiges Gespräch zu führen. Sein Ausgangspunkt war, dass Transsexuelle sich nur eine andere soziale Rolle wünschen, weil einen Normendruck unterliegen. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich nicht Therapie, also hatte ich auch keine zusätzliche Hormone genommen. Während der Diskusion erzählte ich ihm wie es wirklich ist transsexuell zu sein, wieso ich weiß, dass ich ein Mann bin und wie sich dies auf mein Leben auswirkte, um sein falsches Bild zu wiederlegen. Letzendlich konnte er es doch nachvollziehen. Obwohl ich kein einziges Mal auf mögliche Ursachen einging, fragte er am Ende, ob ich nicht doch eventuell ein Y-Chromosom habe und intersexuell bin. Ich antworte, dass mir zudem nichts bekannt ist, aber allein mein Äußeres auf viel Testosteron schließen lässt. Dem stimmte er problemlos zu. Spannend: Anscheinend hat er gemerkt, dass der Sozialkonstrukitivismus doch zu schwach sind, um meine Geschlechtsidentität erklären zu können. Er wirkte ziemlich verwirrt und nachdenklich.

Meiner Meinung nach reflektierte dieses Beispiel die Gesamtsituation des Sozialkonstruktivismus und Feminismus: Sie können nur durch Zensur und das Ignorieren von Tatsachen bestehen bleiben. Eine skeptische Betrachtung zeigt allerdings, dass die Theorien viele Schwächen haben. Während meiner Zeit im Feminimus bekam ich allerdings das Gefühl in einer Sekte gelandet zu sein. Transsexuelle werden oft als Beweis verwendet, dass man sein Geschlecht selbst bestimmen und verändern könne. Wir zeigen angeblich, dass es nicht angeboren sei und biologische Theorien somit nicht stimmen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Die Forschung ist inzwischen weit genug, um aus biologischer Sicht die LGBT-Bewegung, nicht-traditionelle Lebensentwürfe und Gleichberechtigung befürworten zu können. Es geht also auch problemlos ohne den Sozialkonstruktivismus. Ein richtiger Aktivismus wäre für Verbesserungsvorschläge und verschiedene Meinungen offen.

Gastbeitrag: „Die Farbe von Pick-Up blättert häufig ab und man sieht den Rost schneller, als er gekommen ist“

Dieser Artikel ist für all diejenigen Männer ein Muss, die es sich vor kurzem zur Aufgabe gemacht haben, den Erfolg bei Frauen zu erlernen, sowie für die Männer, die sich dabei die Finger verbrannt haben und nun mit Frustration, Unverständnis und Aussichtslosigkeit zu kämpfen haben.

Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Weise Worte von unserem Vorgänger Sokrates, der den Weg bereits ging, den jeder von uns zu gehen versucht.

Aber wo stehen wir und wohin möchten wir gehen?

Mein Name ist Mark Lambert, und ich bin hauptberuflich Dating-Coach. Obwohl ich mich sehr für die Dynamiken zwischen Mann und Frau interessiere und ich vielen Theorien in diesem Bereich aufgeschlossen gegenüberstehe, stehe ich der Pick-Up-Bewegung an sich jedoch teilweise skeptisch gegenüber.

Betrachtet man das eigentliche Problem, ist es die (teilweise) Unfähigkeit des Mannes sich seinen Mann einzugestehen, um bei Frauen Erfolg zu haben. Diese Unfähigkeit resultiert aber nur in bedingtem Maß aus seiner Unwissenheit.

Vielmehr sind es innere Probleme, eine falsche Selbsteinschätzung oder nicht bewältigte Erfahrungen aus der Vergangenheit. All das kann nicht durch angelerntes Pick-Up-Wissen übertüncht werden. Das wäre so, als würde man versuchen, ein rostiges Auto neu zu lackieren, ohne vorher den Rost zu entfernen und dafür zu sorgen, dass kein neuer Rost entsteht.

Was durch Pick-Up geschieht, ist es eine natürliche Entwicklung, die jeder von uns (eigentlich) durchlaufen muss, um zu einem reifen, selbstsicheren Mann zu werden, künstlich nachzubauen.

Eine große Gefahr am Pick-Up ist, dass viele Leute Theorien hernehmen, die sie mit ihrem begrenzten Erfahrungswissen als allgemeingültig heranziehen, und sich dann darauf versteifen, damit Zusammenhänge in der Dynamik zwischen Mann und Frau erklären zu können.

Zwar wird jemand, der in dem Bereich Dating und Frauen sehr viel Erfahrung hat, mit diesem Vorgehen zu einem guten Resultat kommen, die Gefahr liegt jedoch gerade bei denjenigen, die nur Teile dieser großen Thematik aufschnappen und sich dann auf diese versteifen. Häufig geschieht es dann, dass ein derartiger Mann zu einer Extremversion mutiert, weil er nur Teile des großen Ganzen kennt.

Das sind die Art Männer, die beispielsweise aufschnappen, dass Frauen geführt werden wollen und dann nicht erkennen, wenn sie zu weit gehen, oder aber diejenigen, die es sich zur Hauptaufgabe machen Frauen aufzuziehen und nicht erkennen, wann Frauen sich nach Verbundenheit sehnen.

Es liegt in der Luft, dass viele Männer, die versuchen mit Pick-Up Frauen zu bekommen, danach noch erfolgloser dastehen als vorher, und als Resultat ihren Frust in Foren auslassen und über Pick-Up herziehen.

Pick-Up kann einem Mann viel helfen, es kann ihm aber auch sehr viel kaputt machen, und ihn in eine Lebenslage bringen, in der er nicht mehr weiß, wer er eigentlich ist und wo oben und unten ist.

Aber warum scheitern so viele Männer, wenn Pick-Up doch angeblich die Lösung des Mannes für seine Frauen-Probleme darstellen soll?

Ich sehe das Hauptproblem an der ganzen Sache darin, dass die meisten Männer mit Pick-Up versuchen, aus einem echten Mann mit Unzulänglichkeiten einen unechten Mann mit nicht-authentischen Fähigkeiten zu machen.

Ein nicht-authentischer Mann ist jedoch gerade das, was Frauen abservieren, denn die meisten Männer merken nicht einmal wie unecht sie herüberkommen.

Die meisten Frauen, und vor allem diejenigen, die selbst reife und gesunde Werte teilen, bevorzugen einen authentischen Mann mit Unzulänglichkeiten gegenüber einem unechten Mann, der nur seine Unzulänglichkeiten versucht mit Pick-Up-Techniken oder übertriebenem Selbstbewusstsein zu übertünchen.

An dieser Stelle möchte ich jedem Neuankömmling mit auf den Weg geben, dass Extrema IMMER schlecht sind. Wenn Du also etwas aufschnappst, betrachte auch die Gegenposition, und die Wahrheit liegt immer zwischen diesen beiden. Wo sie genau liegt, kannst Du nur für Dich selbst herausfinden.

Was wir uns immer im Hinterkopf behalten sollten ist, dass wir alle anders gestrickt sind und wir alle durch eine andere Persönlichkeit definiert werden. Unsere Persönlichkeit baut auf unserem Wertemaßstab auf und definiert unsere Denkweise und letztendlich unser Verhalten im Umgang mit Frauen.

Lernen wir Dinge, die sich nicht mit unserer Persönlichkeit vereinbaren lassen, dann dringt das auch in unserem Verhalten durch, und wir wirken unecht. Nichts können wir annähernd so gut kommunizieren, wie unsere eigene Persönlichkeit, da wir nichts auch nur annähernd so kennen (sollten).

Was sollte ein Mann also am besten tun, wenn er sich im Bereich Frauen verbessern möchte?

Wir alle haben das Potenzial uns weiterzuentwickeln, und die Ketten abzulegen, die wir selbst als Last empfinden. Jedoch sollte jeder Mann dabei nie seinen eigenen Wertemaßstab vergessen und immer wissen wer er eigentlich ist und wer er sein möchte.

Und wenn er selbst an diesem Punkt scheitert, dass er eigentlich gar nicht weiß, wer er ist bzw. wer er sein möchte, dann sollte er sich das zur Hauptaufgabe machen herauszufinden. Er sollte sich nicht darauf versteifen Theorien und Techniken zu lernen, mit denen er sich eigentlich nicht identifizieren kann, ansonsten schafft er ein Kartenhaus, das zum Einstürzen bestimmt ist.

Meiner Ansicht nach ist jedem Mann am besten geholfen, wenn man ihm zeigt, wie er auf sein eigenes Potenzial zugreift und es entwickelt, und ihm auf diese Weise beizubringen, seinen Charakter zu stärken und gezielt einzusetzen, nicht aber ihm Techniken an die Hand zu geben, mit denen er sich selbst nicht identifizieren kann oder ihm Halbwahrheiten zu erzählen, und darauf aufbauend seinen Erfolg zu skalieren.

Techniken sind nur ein Mittel zum Zweck. Mit Techniken versuchen wir wiederzugeben, wer wir sind.

Wenn man seine eigene Persönlichkeit aber in und auswendig kennenlernt, entwickelt und stärkt, dann wird sie selbst zur mächtigsten Technik, und das ist das Ziel auf das jeder hinarbeiten sollte, der sich im Bereich „Frauen“ verbessern möchte.