Eine Replik auf: Vincent-Immanuel Herr „Liebe Männer Europas, wir müssen reden!“ (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Teardown

Der gesellschaftliche Diskurs wird zunehmend unter dem plakativen Begriff des „postfaktischen Zeitalters“ diskutiert. Zentraler Begriff in dieser Debatte ist die „Echokammer“. Meinungen werden nur noch innerhalb eines selbstselektierten homogenen Raums zugelassen. Innerhalb dieses Raums bekommt man nur das zu hören, was man selbst auch sagt, wie es mit dem Ausruf in einem Tal vergleichbar ist. Genau wie beim Echo in einem Berg-Tal scheint es zwar eine bestätigende Antwort zu geben, doch im Zeitverlauf wird es still und wenn man erneut hineinruft, erhält man wieder nur dieselbe bestätigende Antwort. Das Echo ist aber nur die Simulation einer Antwort, ein Gespräch findet nicht statt. So tritt eine verzerrte Wahrnehmung ein, weil anderslautende Meinungen oder Ideen ignoriert und Fakten gar nicht oder falsch interpretiert werden. Ein tatsächlicher Austausch von Meinungen ist in einer „Echokammer“ nicht möglich, da jede hier stattfindende Debatte entlang autoritären synchroneren Mechanismen folgt. Die Debatte innerhalb der Kammer dient nicht dem Austausch, sondern der Bestätigung des Gesagten. Jede Abweichung ist zu vermeiden und die Ablehnung des Gesagten von Menschen außerhalb der Kammer wird als Bestätigung für die Richtigkeit der Aussage gewertet. Es ist offensichtlich, dass unter solchen Voraussetzungen die Qualität der Willensbildung abnimmt. In der Folge entwickelt sich die wahrgenommene Wirklichkeit innerhalb des Schutzraums und dessen, was Menschen außerhalb dieses Schutzareals erfahren immer weiter auseinander. Deutlich sichtbar werden diese Regelmechanismen immer, wenn Insassen der „Echokammer“ ihren Schutzraum verlassen, um ein Gespräch mit dem Anderen suchen.

An einem neuen Aufruf des „Aktivisten, Feministen, Europäer“ (Eigenbezeichnung) Vincent-Immanuel Herr an „die Männer Europas“ lassen sich die Unfähigkeit zu einem redlichen und respektvollen Diskurs beispielhaft explizieren. An diesem offenen Brief zeigt sich, wie weit radikalfeministische Interpretationen der Wirklichkeit von der Lebenserfahrung der Menschen abweichen. Außerdem zeigt sich, dass die Debatte im Schutzraum zu einem hohen Qualitätsverlust der Rhetorik, Sorgfalt und Argumentationsführung führt, was augenscheinlich ist, wenn niemand mehr ernsthaft Gesagtes in Frage stellt.

“Liebe Männer Europas, wir müssen reden!“

Die Texte Immanuel Kants zeichnen sich dadurch aus, dass der Königsberger Philosoph stets seinen zentralen Gedanken in den ersten Satz schrieb. Jeder folgende Satz und jede folgende Bücherseite war nur noch eine Begründung dessen, was sich bereits im ersten Satz manifestierte. Beim Namensvetter Immanuel-Vincent Herr ist es genau umgekehrt. In seinem ersten Satz zeigt sich, worum es im Folgenden genau nicht gehen wird. Der Text ist, wie im Folgenden dargelegt wird, kein Gespräch, sondern eine Inszenierung dessen. Bei Immanuel-Vincent Herrs erstem Text dieser Art war es ebenso. Der Text begründete eben nicht, warum Deutschland mehr Feministen brauchen würde. Allenfalls und mit Wohlwollen begründete der Autor, warum man sich in Deutschland für Gleichberechtigung einsetzen sollte.

Es stellt sich nun die Frage, warum sich der Autor die Mühe macht, ein Gespräch mit europäischen Männern zu inszenieren, und einen offenen Brief zu schreiben. Einen Hinweis auf die Antwort findet sich in dem Adressatenkreis des Twitterposts, denen der Autor seinen Text präsentierte:

Manuela Schwesig (Bundesfrauenministerin), Henrike von Platen (Lobbyistin, Business Professional Women), Alexandra Borchardt (Redaktionsleiterin, Süddeutsche Plan W – Frauen verändern die Wirtschaft), Kristina Lunz (Lobbyistin und Beraterin von UN Women), Teresa Bücker (Redaktionsleiterin, Edition F), Katrin Rönicke (feministische Journalistin) und Robert Franken (Lobbyist, Male Feminists Europe) sowie die Accounts von „UN Woman“, „Edition F“ und „Netzfeminismus“.

Twitteraccounts von Männerechtlern, Autoren und Blogger außerhalb des Feminismus fehlen vollständig. Und mit dem feministischen Aktivisten Robert Franken ist auch nur ein Mann unter den Adressaten des Briefs an „die europäischen Männer“. Die Antwort nach der Motivation für diesen Text ist somit eindeutig zu geben: Es handelt sich hierbei um ein Bewerbungsschreiben des Autoren. Er inszeniert ein Gespräch mit den „europäischen Männern“ um seine richtige Gesinnung vorzuführen und sich für Folgeaufträge zu empfehlen. Es ist naheliegend als feministischer Aktivist und Europäer ein ökonomisches Interesse daran zu haben, dass man von feministischen Journalistinnen, Ministerien unter feministischer Führung und feministischen Völkerrechtsorganisationen wahrgenommen wird. Unter dieser Prämisse wird in der Folge der gesamte Text analysiert.

“In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? In einer gleichberechtigten oder in einer rückständigen? Wollen wir in einem Europa der Chancen oder in einem Europa der Privilegien leben?“

Natürlich fällt den meisten von uns die Beantwortung dieser Frage leicht. Natürlich wählen wir die Gesellschaft, in der Gerechtigkeit und Fairness herrscht. Nicht nur, weil es moralisch oder philosophisch richtig wäre, sondern einfach, weil wir selber auch nicht benachteiligt werden wollen. Wir erwarten eine faire Chance. Wir erwarten, dass man uns nach unserem Einsatz, unseren Ideen und unserer Leistung bewertet, nicht danach, wo wir herkommen, wie wir aussehen oder welchen Namen wir haben. Alles andere ist Diskriminierung und nicht fair.“

Die klassische Rhetorik bezeichnet diesen Abschnitt als das exordium. Mit einigen einleitenden Floskeln möchte der Autor sich die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Lesers sichern. Und ja. Wer könnte auch den Worten des Autors widersprechen? Niemand möchte aufgrund seiner Herkunft, seiner Meinung, seines äußeren Erscheinungsbildes oder seines Namens diskriminiert werden. Warum jedoch fehlt hier mit dem „Geschlecht“ eine für Feministen so entscheidende Diskriminierungskategorie? Die Antwort darauf findet sich im nächsten Abschnitt:

“Die weitverbreitetste Form von Diskriminierung in Europa (und weltweit) ist Sexismus, die Benachteiligung von Mädchen und Frauen aufgrund ihres Geschlechts. Dabei kann man generell sagen, dass es Frauen in Europa besser geht und sie weniger Unterdrückung erfahren, als in vielen anderen Teilen der Welt. In den meisten Europäischen Ländern ist es nicht üblich, weibliche Föten aufgrund ihres Geschlechts schon vor der Geburt abzutreiben. Sogenannte Ehrenmorde, also das Töten eines weiblichen Familienmitglieds aufgrund einer angeblichen Beschädigung der Familienehre, sind zum Glück ebenso selten wie Massenvergewaltigungen. Die Grundrechte der Europäischen Union garantieren Frauen die gleichen Rechte wie Männer. Natürlich dürfen Frauen wählen gehen, Auto fahren, eine Firma leiten oder Präsidentin werden. Heißt das, wir können uns entspannt zurücklehnen? Ganz sicher nicht! Denn nur, weil EU Länder im weltweiten Vergleich gut abschneiden, heißt das nicht, dass wir absolut gut abschneiden. Denn auch in Europa haben wir es mit jeder Menge Sexismus zu tun. Raewyn Connell analysierte hegemoniale Männlichkeit ebenso wie etwas, was sie als „patriarchalische Dividende“ bezeichnet hat. Männer können von Geburt an selbstverständlich von Privilegien ausgehen, die ihnen ihre Kulturen seit Jahrtausenden zuschreiben. Diese Dividende streichen Männer auch in Europa ein.“

Die bereits im vorhergehenden exordium sichtbare sprachliche Herausstellung der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht durch Trennung dieser von anderen Diskriminierungskategorien wird in der Erläuterung des Sachverhalts nun auch inhaltlich deutlich. Der Autor folgt hierbei zwei klassischen radikalfeministischen Narrativen die eine Desinformation einrahmen:

  • Männer könnten keine sexistische Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts erfahren. Warum das so sei oder woran sich das zeigt, erfährt der lesende europäische Mann dabei selbstredend nicht. Der Satz steht einfach so da und ich runzelte zum ersten Mal die Stirn. Es handelt sich um ein Argument qua Definition und somit letztlich um eine Tautologie. Der Feminist erklärt „europäischen Männern“, dass sie durch Sexismus gar nicht diskriminiert werden, weil Feministen Sexismus so definiert haben. Außerdem ist bemerkenswert, dass der Autor Sexismus als weitverbreitetste Form der Diskriminierung auf Welt definiert, ohne auch hierfür einen Beleg zu liefern. Aus meiner Sicht als Demokrat ist nämlich die weitverbreitetste Diskriminierung weltweit die Abwesenheit von Demokratie, also das Zulassen von Meinungsvielfalt. Eine Diskriminierungskategorie, die der Autor eben erst beschrieb und gedanklich schon wieder vergessen hat.
  • Mit Blick auf die „außereuropäischen Männer“, die noch stärker Frauen (und nur Frauen, s.o.) unterdrücken würden, behauptet der Autor: Ehrenmorde bezeichnen das Töten von Frauen aufgrund der Beschädigung der Familienehre. Diese Behauptung ist falsch. Denn auch Männer werden aufgrund der Familienehre getötet, in Deutschland waren zwischen 1996 und 2005 von 109 bekannten Ehrenmorden 43 männliche Opfer zu verzeichnen. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass etwa 30 Prozent aller Ehrenmorde an Männern begangen werden. Sie werden umgebracht, weil sie schwul sind, von der Familie ungewünschte Sexualpartner der Frauen sind oder sogar weil sie sich weigern ihre weiblichen Familienmitglieder zu ermorden.
  • Bei dem zweiten radikalfeministischen Konzept, welches der Autor neben dem feministischen Sexismus-Begriff einführt, wird noch deutlicher, wie weit sich der Autor mittlerweile von seiner Zielgruppe entfernt hat. Er führt den Begriff der „hegemonialen Männlichkeit“ mit dem Konzept der „patriarchalen Dividende“ ein, ohne auch nur eins der beiden Schlagworte zu erklären. Der Leser bleibt zurück mit der belegfreien Aussage, dass Männer „selbstverständlich von Geburt an von Privilegien ausgehen“ können. Dazu später mehr. Da der Autor seinen Brief sorgsam nach den Kategorien klassischer Rhetorik aufgebaut hat, halte ich es für ausgeschlossen, dass er einen solchen schwerwiegenden rhetorischen Fehler macht, Dinge seinem Zielpublikum nicht zu erläutern. Ich kenne aber diese Vorgehensweise aus meiner beruflichen Tätigkeit. Im Marketingbereich würde man das, was der Autor macht als „Buzzword-Dropping“ bezeichnen. Es werden komplexe Vorgänge auf ein Wort zusammengestapft und egal ob man es verstanden hat oder nicht, in einer Debatte fallengelassen. Man signalisiert so Kompetenz oder Zugehörigkeit zu einem bestimmten Kreis. Das Stichwort ist also das Signalisieren einer Gesinnung. Der Autor weiß, dass kein „normaler Mann“ seinen Brief lesen wird und er ist auch gar nicht daran interessiert, dass normale Männer ihn verstehen. Diejenigen die er erreichen will (siehe oben), verstehen was er meint, nämlich seine Zugehörigkeit zur Peergroup. Wir haben hier lupenreine autoritäre Herrschaftssprache in feministischer Anwendung.

Anschließend leitet der Autor den eigentlich argumentativen Teil seines Textes ein. Er gliedert ihn (In der Rhetorik propositio genannt) mit Hilfe der geschlechtlichen Diskriminierungsdimensionen Wissen, Geld, Macht, Zeit, Gewalt, Gesundheit und Arbeit. Diese werden ihm so durch den europäischen Gender Equality Index vorgegeben:

„Tatsächlich zeigt der Gender Equality Index, dass Frauen in der EU im Durchschnitt erstaunlicherweise erst etwas mehr als die Hälfte (52,9 Prozent) der Gleichberechtigung erreicht haben – also des Gleichstandes mit ihren männlichen Zeitgenossen. Die Studie untersucht die Faktoren Wissen, Geld, Macht, Zeit, Gewalt, Gesundheit und Arbeit im Vergleich zu Männern. In der Schule oder der Uni würden wir für 53 Prozent der richtigen Antworten mit Glück noch eine fünf bekommen. In keinem einzigen Land der EU (oder der Welt) sind Frauen tatsächlich selbstverständlich genauso viel wert, unterstützt, ausgestattet wie Männer.“

Ich weiß nicht, ob man an der Universität mit 53 Prozent richtiger Antworten eine Klausur besteht. Was ich aber weiß: Ein Professor wird garantiert eine Hausarbeit nicht für gut bewerten, wenn der Student darin zeigt, dass er seine Quellen nicht gelesen hat. Denn genau das hat gerade der Autor getan, wie meine kurze Quellenrecherche ergab.

Der „Gender Equality Index“ des Europäischen Instituts für Gleichstellung kann hier eingesehen werden. Diese Erhebung bildet Gleichstellung entlang eines Absolutwertes (!) von 1 (absolute Ungleichheit) und 100 Prozent (vollständige Gleichstellung) der Geschlechter ab. Der Index wertet also gleichrangig in beide Richtungen und misst auch Ungleichheit zu Lasten von Männern. Damit unterscheidet sich die methodische Vorgehensweise etwa von dem Gender Inequality Index des World Economic Forums. Dieser Index misst die Parität von Frauen zu Männern und bewertet diese mit höchstens 1, sobald mindestens (!) genauso viele Frauen wie Männer einen Wert erreichen. Diese Konstruktion des GII-Index führt zu der paradoxen Situation, dass ein Staat in dem 100 Prozent der Studenten Frauen sind, den Gleichstellungsidealwert bei höherer Bildung von 1 erhält.

Die richtige Interpretation der 52,9 Prozent im zitierten Gender Equality Index wäre also: Frauen UND Männer sind etwa zur Hälfte in den gemessenen Kategorien gleichgestellt. Das heißt aber eben NICHT, dass nur Frauen benachteiligt seien. So zeigt sich z.B. bei der Bildung, dass in Schweden und Großbritannien prozentual etwa gleich viele Frauen tertiäre Bildung genossen haben, der Index aber für Großbritannien 85 Prozent Gleichstellung berichtet, während Schweden nur etwa 63 Prozent erreicht. Der Hintergrund: In Schweden kommen auf drei Frauen mit Universitätsausbildung nur zwei Männer, während in Großbritannien jeweils beide Geschlechter etwa zu gleichen Anteilen vertreten sind.

Kurzer Einschub: Ich persönlich halte solche Genderindizes für totalen Humbug. Sie werden nur produziert, damit Menschen wie der Autor eine griffige Zahl präsentieren können. Kritikpunkte:

  • In Schweden müssen z.B. auch Krankenpfleger studieren, in Deutschland nicht. Wie vergleichbar sind also die schwedischen mit deutschen Werten, wo in Schweden in den Universitäten mehr Frauen studieren (Sozialbereich) und in Deutschland mehr Männer (Technischer Bereich)?
  • Warum misst man nur Hochschulbildung? Würde man wirklich Gleichstellung in Bildungsfragen messen wollen, müsste man auch Primar- und Sekundärbildung vergleichen. Interessanterweise zeigt sich ja hier eben, dass am unteren Ende Jungen überrepräsentiert sind. Aber wie der Autor schon zeigt, die Gleichstellungsfrage wird immer nur aus der Perspektive von Frauen diskutiert. Denn Männer können gar nicht sexistisch diskriminiert werden. Männer haben von Geburt an ihre Privilegien, auf die sie sich verlassen können. – Verhältnisse zueinander sagen nichts über die tatsächliche Qualität eines Merkmals. Ein Beispiel aus dem Gender Equality Index: Beim Thema Freizeit haben Männer einen kleinen Vorsprung. Hier sinken nun die gemessenen Werte für beide Geschlechter seit 2006, nur eben auch für Männer schneller als bei Frauen. In der Folge wird eine größere Gleichstellung gemessen, aber sowohl Frauen als auch Männer haben heutzutage absolut weniger Freizeit als vor zehn Jahren. Gleichstellung als Beruhigungspille für die freizeitlosen Arbeitssklaven?
  • Welche Parameter wählt man für einen Index aus? Hier ist der statistischen Beliebigkeit Tür und Tor geöffnet. Beim Thema „Power“ führt der methodische Apparat der o.g. Studie die Faktoren political, social und economic auf. Die Politische Macht wird an Geschlechterverhältnissen im Parlament gemessen, ökonomische Macht anhand von Vorständen in Unternehmen. Für die soziale Macht wird kein Parameter identifiziert. Warum? Wäre nicht z.B. die Verteilung von Sorgerechtsentscheidungen ein Fall für soziale Macht? Was würde wohl bei dieser Messung rauskommen?
  • Ein letzter Punkt, Deutschland würde wie die Studienautoren berichten, einen gewaltigen Sprung in der Gleichstellung machen, wenn Frauen mehr in Parlamenten und Unternehmensvorständen vertreten wären. Der deutsche Indexwert könnte sich leicht um fast 15 Prozentpunkte erhöhen, wenn etwa 2.000-3.000 Frauen in die gewünschten Positionen kommen. Das zeigt deutlich: Gleichstellung ist ein Elitenthema.

Aber machen wir weiter im Text.

“Was aber bedeuten diese Zahlen im eigenen Leben? Ihr könnt es leicht herausfinden. Nehmt diesen Brief zum Anlass, um in eurem Umfeld, in der Familie oder im Freundeskreis, Frauen nach ihren Erfahrungen mit Sexismus zu fragen. Dann hört zu. Ich habe das gemacht und von haarsträubende Erlebnissen und Erfahrungen gehört: Frauen, die auf der Straße angefasst oder von Männern in Ecken gedrängt wurden. Frauen, denen zustehende Beförderungen verweigert wurden. Frauen, die lächerlich gemacht oder unterschätzt werden. Frauen, die gestalkt, verfolgt oder missbraucht wurden. Frauen, die genauso gut arbeiten wie Männer, aber schlechter bezahlt werden. Frauen, die in wichtigen Positionen sind, und als „Süße“ oder „Schätzchen“ degradiert werden. Ich war und bin schockiert, dies von den Frauen in meinem engsten Familien- und Freundeskreis zu hören. Die wiederum sagen, dass es keine Frau gibt, die nicht ein Erlebnis dieser Art vorbringen kann. All das sind keine Einzelfälle. Sie zeigen, wie die in der EU nur halb erreichte Gleichberechtigung unmittelbar im persönlichen Leben von Frauen und Mädchen wirksam ist. Daher, nehmt euch Zeit, hört zu, kommt ins Gespräch. Es wird euren Blick erneuern.“

Dieser Absatz ist das Kernargument des Autors, abgeleitet aus seiner falschen Interpretation eines Gleichstellungsindexes. Männer sollen Frauen nach ihren Erfahrungen fragen, wobei diese soweit definiert werden, dass natürlich jede einen solchen Fall berichten kann. Diese Vorgehensweise beschreibt eine weitere Rabulistik feministischer Rhetorik, die Begriffserweiterung ins Unkenntliche. Denn würde man Männer fragen, ob sie schon mal auf der Straße bedrängt wurden, schlechter bezahlt, nicht befördert, missbraucht, geschlagen, abfällig bezeichnet, unterschätzt oder gestalkt würde auch nahezu jeder ein Beispiel geben können.

Und ja, ich habe das was der Autor vorschlägt selbst getan und meine Freundin gefragt. Sie konnte mir von zwei Vorfällen berichten: Einmal begegnete sie in einem Berliner Park einem Exhibitionisten der sich vor ihr entblößte und einmal wurde sie und eine Freundin in Paris am Fernreisebahnhof von einer Gruppe französisch-arabischer Jungs bedrängt. Im ersten Fall war sie amüsiert, im zweiten Fall verängstigt. Welcher Erkenntniswert liegt dem nun zugrunde? Und vor allem, was sollte ich als „europäischer Mann“ dagegen tun? Soll ich meine Freundin stetig begleiten, damit ich sie beschützen kann, wenn ihr so etwas passiert? Wobei das wiederum an Verhaltensweisen außereuropäischer Männer erinnert. Das was der Autor hier macht ist ganz klassisch: Man ignoriert Lebenserfahrungen von Männern (privilegiert), entgrenzt Begriffe ins unermessliche und produziert so ein Horrorszenario und schließt dann aus der Verteilung aus die Grundgesamtheit und formuliert daraus einen Rechtfertigungsdruck gegenüber Männern. Stalking z.B. ist bei etwa 30.000 jährlich angezeigten Fällen in Deutschland kein Massenphänomen und betrifft im Übrigen in etwa 20 Prozent der Fälle auch Männer. Aber was sollen europäische Männer in Deutschland dagegen unternehmen? Was sollen 38 Millionen Männer gegen etwa 24.000 stalkende Männer ausrichten? Der Autor präsentiert hier eine Pseudolösung und appelliert letztlich an die klassische Geschlechterhierarchie, die er eigentlich vorgibt zu brechen: Männer sollen die Beschützer von Frauen sein. Erst wenn keine Frau mehr etwas berichten kann, dann sei Gleichberechtigung erreicht. Nach diesem Absatz habe ich mich ernsthaft gefragt, ob der Autor wirklich so kindlich naiv ist oder er tatsächlich lediglich seine reine Gesinnung signalisieren will.

„Es ist doch ein spannende Umstand, dass Europa als einziger Kontinent der Welt nach einer Frau benannt ist. Ein Ansporn für uns alle, solange wir nicht tatsächliche Gleichberechtigung erreicht haben – in unserem Leben, in unseren Köpfen, in unseren Gesellschaften. Stellt euch vor, was für ein Europa wir haben könnten, wenn wir einander nicht nach dem Geschlecht beurteilen und entsprechend unterschiedlich behandeln würden. Wenn die Anerkennung, die im persönlichen Alltag oft ganz normal ist – der Respekt und die Zuneigung zu unseren Schwestern, Müttern, Freundinnen, Grossmüttern, Patentanten, Cousinen – auch im größeren gesellschaftlichen Kontext gelten würde. Stellt euch vor, was wir zusammen erreichen könnten, wenn wir das volle Potential unseres Kontinents nutzen würden, und nicht nur das halbe. Aus diesen Grund schreibe ich euch heute von Mann zu Mann. Als Männer im 21. Jahrhundert haben wir eine kollektive Verantwortung, nicht wegzuschauen, sondern aktiver Teil eines besseren Europas zu werden. Echte Männer degradieren Frauen nicht. Echte Männer belästigen Frauen nicht. Echte Männer schauen nicht weg. Daher: Werdet Mitstreiter für die Gleichberechtigung. Und das nicht für Frauen oder weil wir es besser könnten (das wäre ja die Bevormundung, die wir gerade nicht wollen), sondern zusammen mit Frauen, Seite an Seite, für eine bessere Zukunft in Europa“

Der letzte Teil formuliert das Pathos mit dem zum Handeln aufgerufen wird. Zunächst wird aus dem Umstand, dass der Kontinent Europa nach einer Geliebten des Zeus benannt wurde, ein Handlungszwang für Männer abgeleitet. Das klingt gut, ist aber reichlich absurd. Schlimmer wiegt hingegen die anschließende Übergriffigkeit. Eine Übergriffigkeit wie sie ebenfalls typisch ist für den Gegenwartsfeminismus. Der Autor behauptet, „wir“ (ob er damit nur die europäischen Männer meint oder auch Frauen bleibt unklar) würden einander nach dem Geschlecht beurteilen und unterschiedlich behandeln. Damit impliziert er zweierlei. Einerseits, dass Männer sich untereinander besser behandeln würden, als Frauen und andererseits das „wir“ das überhaupt tun. Das ist eine Beschämung, die ich entschieden zurückweise. Denn ich habe noch nie eine Frau gestalkt, missbraucht, geschlagen, bedrängt, nicht befördert, schlechter bezahlt etc. pp. Die Beschämung resultiert aus dem Rechtfertigungsdruck, den der Autor einfach so allen „europäischen Männern“ auferlegt. Auch frage ich mich in welcher Realität der Autor lebt, wenn er die Beziehungen von Männern untereinander mit dem Respekt und der Liebe von Männern zu ihren Frauen, Müttern, Schwestern und Töchtern implizit gleichsetzt. Selbstverständlich ist jedes Familienmitglied einem näher, als eine fremde Frau oder ein fremder Mann. Im letzten Absatz schließt der Autor mit einem Appell an „echte Männer“. Die so der Autor, würden Frauen nicht abwerten und misshandeln. Wie absurd dieser Aufruf des Autors ist wird deutlich, wenn man ihn geschlechtsneutral formuliert: Echte Menschen belästigen Menschen nicht. Echte Menschen schauen nicht weg. Echte Menschen degradieren nicht. Denn Anstand hat kein Geschlecht. Und schon gar nicht verfügen Frauen über diesen qua weiblicher Geschlechtszugehörigkeit.

Der offene Brief von Immanuel-Vincent Herr zeigt in verdichtet komprimierter Form das Problem des gegenwärtigen Diskurses über Fragen der Gleichberechtigung auf. In der veröffentlichen Meinung ist dieser die Simulation eines Meinungsaustauschs. Er ist getrieben von den Interessen einer weitvernetzten feministischen Interessensvertretung, die nur vorgibt für einen Ausgleich zwischen den Geschlechtern zu sorgen. Das feministische Kalkül ist letztlich auf eine Befriedigung eigener ökonomischer und sozialpsychologischer Interessen zurückzuführen. Ökonomische Interessen zeigen sich an dem Drang staatliche oder halbstaatliche Versorgungspositionen in Behörden, Ministerien, Bildungseinrichtungen oder Stiftungen und Vereine zu sichern. Sozialpsychologisch zielen Feministen auf eine Bestätigung der eigenen Person durch etwas so profanem wie die Geschlechtszugehörigkeit, sei es durch die gegenseitige Vergewisserung das Frauen immer nur eine Opferlage abbilden und dabei ja eigentlich Männern intellektuell oder emotional überlegen seien. Für feministische Männer wie Immanuel-Vincent Heer mag es ein solches Motiv auch geben, indem sie durch Signalisieren ihres Wohlwollens und der Übernahme feministischer Ideologie einen der besseren Plätze in der feministischen Geschlechterhierarchie einnehmen können. Diese ist wie die Analyse des offenen Briefs zeigt offensichtlich und geradezu grotesk ist es, wenn der Autor dazu auffordert, Menschen nicht nach ihrem Geschlecht zu beurteilen. Denn genau dies tut er vom ersten bis zum letzten Wort.

Eine Meinungsvielfalt und eine tatsächliche Lageverbesserung kann so natürlich nicht stattfinden. Entlang klar hierarchisierter Täter-OpferDichotomien werden unter Ausschluss männerrechtlich interessierter Kreise Theoreme und Axiome gepflegt, die auf eine objektive feministische Hegemonie in der Debatte zielen. Jeder Widerspruch, jedes anderslautende Faktum wird ausgeblendet oder marginalisiert. Feministische Interpretationen zielen daher nicht auf ein besseres Verständnis der Wirklichkeit, sondern auf die Verstetigung des einseitigen feministischen Opfernarrativ, mit dessen in einer sozialstaatlichen Demokratie finanzielle Ressourcen und Aufmerksamkeit gesichert werden.

Und doch haben Feministen ein großes Problem, das sich immer genau dann zeigt, wenn sie die in der Echokammer kultivierten Narrative an die Öffentlichkeit tragen. Ich habe an einem konkreten Beispiel exemplarisch aufgezeigt, welche geringe Qualität feministische Beiträge mittlerweile in der Debatte haben. Hiervon bildet der vorliegende offene Brief nur ein krasses Beispiel. Die massiven Recherchemängel, Logikfehler oder Fehlinformationen, die auch der Autor in seinem offenen Brief zeigte, sind daher kein Einzelfall. Sie stehen exemplarisch für die Qualität feministischer Meinungsbeiträge, Studien oder Konzepte. Mittlerweile werden täglich von feministisch identifizierenden Medienschaffenden, Politikern und Lobbyisten solche schlechten Debattenbeiträge und Analysen produziert. Doch die eigene Argumentation wird nicht besser, wenn man sie in einem sicheren Raum einübt, sondern sie wird griffiger, wenn man sich in einem gleichberechtigten Austausch mit dem Anderen begibt. Mit sozialen Medien und dem Aufkommen neuer politischer Kräfte in Deutschland findet eine neue Polarisierung der Geschlechterdebatte statt. Doch genau diese führt nicht zu einer Qualitätsverbesserung feministischer Argumentation, da Gegenpositionen sprichwörtlich abgeblockt werden.

Je hermetischer Feministen sich einschließen, desto eher führt dies zu einer Pluralisierung der Debatte. Und diese wäre kein „Backlash“, sondern der Aufbruch in eine wirklich gleichberechtigte Geschlechterdebatte.

Sexismus gegen Männer in der Pflege und im Kindergarten (Gastartikel)

Es folgt ein Gastartikel von LAD_in_GAZ:

Auf  Twitter bin ich über die Frage gestolpert „ob man gegen Männer sexistisch sein kann oder das nicht geht, weil sie ja die Macht haben“.

Ich muss zugeben, dass ich allein die Frage schon recht dämlich finde. Genauso könnte man fragen „Gibt es Gewalt gegen Männer oder geht das nicht, weil die ja alle stark sind?“.

Macht aber keiner, weil jeder weiß, dass es Gewalt gegen Männer gibt. Genauso sollte eigentlich jedem klar sein, dass Männer auch kein Copyright auf Sexismus haben. Natürlich geht das in beide Richtungen. Zum Thema Sexismus gegen Frauen, muss ich sicher nichts mehr schreiben. Das machen schon viele, viele andere Frauen. Ich hab es auch selbst erlebt, war nicht begeistert aber nun ja. Hierzu gibt es sicherlich bereits zahlreiche, ausführliche Texte.

In meinem Beruf, also in der Pflege, erlebe ich aber nahezu täglich auch eben jenen Sexismus, von dem offensichtlich doch noch nicht jeder weiß, dass es ihn gibt. (Anders kann ich mir die komische Frage nun mal nicht erklären.) Nämlich Sexismus gegen Männer.

Zur Verteidigung meiner weiblichen Kollegen sei an dieser Stelle erwähnt, dass die Sexismus Tanten eindeutig die Minderheit stellen. Die meisten Pflegerinnen, sei es nun aus Überzeugung oder blanker Verzweiflung ob des Mangels an Fachkräften sei mal dahin gestellt, sind dankbar für jede helfende Hand völlig egal ob männlich oder weiblich. Einige, darunter zähle ich auch mich, sind sogar explizit dankbar für männliche Kollegen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Um das abzukürzen: Solange wir Männer und Frauen pflegen, macht es auch Sinn, dass die Pflege aus beiden Geschlechtern besteht. Allein schon aus Rücksicht den Patienten gegenüber.

So sehe ich das zumindest.

Nun aber zum Sexismus. Es kann sehr schnell, sehr unschön für die Pfleger werden, wenn Frauen im Team sind, die ihnen nahezu jegliche Kompetenz absprechen. Und richtig schlimm, wenn diese Frauen womöglich noch Leitungsfunktionen inne haben, was in unserem Beruf nun mal nicht selten vorkommt.

Hier ein paar Beispiele, die ich persönlich mit erleben durfte:

Chaos auf Station (Männer waren im Dienst) „Das war ja klar, dass das hier so aussieht. Die Kerle sind einfach nicht in der Lage Ordnung zu halten. Die können jetzt mal schön länger bleiben und aufräumen.“

Chaos auf Station (Frauen waren im Dienst) „Oh je, war so viel los heute? Das tut mir leid für euch. Geht ihr mal nach Hause, ich mach das hier schon.“

„Männer kannst du eigentlich nur zum Medikamente verabreichen schicken. Richtig pflegen können die eh nicht.“

„Ich werde nie verstehen warum wir neuerdings auch Schüler haben. Wollen die Mädchen angraben oder warum machen die ne Ausbildung zur KrankenSCHWESTER? Ist doch lächerlich.“

(Ich hielt das eine Weile für ein Problem der älteren Generation aber leider musste ich auch sehr junge Pflegerinnen kennenlernen, die derartigen Stuss von sich geben.)

„Die sind doch alle schwul.“

„Die können alle nur klugscheißen aber nicht richtig pflegen.“

Ganz schlimm wird es dann, wenn Pflegern mal eben „durch die Blume“ sexuell übergriffiges Verhalten unterstellt wird.

„War klar, dass der scharf darauf ist, die in der 3 zu waschen. Die Zimmernachbarin ist noch keine 30. Da könnte man ja nen Blick erhaschen.“

„Wenn irgendwo ein Katheter zu legen ist, ist Pfleger XY sofort am Start. Wenn das mal nicht merkwürdig ist.“

Kann sich irgendjemand vorstellen, wie das ist, als Mann in einem Beruf zu arbeiten, der es notwendig macht auch teilweise in den Intimbereich einer Patientin einzudringen (natürlich nur, wenn diese einverstanden ist), wenn auf der Station so ein Klima herrscht?

Erst letzte Woche bat mich ein Kollege doch bitte mal nach einer Patientin zu sehen. Diese sei sehr jung und psychisch auffällig. Es wäre ihm lieber, wenn da mal eine Frau nachgucken geht. Er habe wenig Lust sich gegen irgendwelche erfundenen Vorwürfe zur Wehr setzen zu müssen, so als Mann halt. Allein im Nachtdienst.

Dieser Kollege arbeitet jedoch auf einer völlig normalen Station und hat ein gutes Verhältnis zu seinen Kolleginnen. Nun stellen wir uns mal vor, dem wäre nicht so. Wie sollte man unter solchen Bedingungen überhaupt noch arbeiten? Immer nur eine Behauptung entfernt vom Vorwurf des sexuellen Übergriffs?

Ein ähnliches Beispiel habe ich in unserem Kindergarten erlebt, in dem eine Zeit lang 2 junge Männer ein Praktikum absolvierten. Während sich die Kinder gefreut haben, gab es mindestens eine Mutter (ich glaube, es waren sogar mehrere) die gesagt hatte: „Der wickelt unsere Tochter aber nicht!“

Was bitte ist das denn für eine Aussage? Und was impliziert diese? Es ist also überhaupt kein Problem, dass sämtliche Jungen im Kindergarten von Frauen gewickelt werden. Aber ein Mädchen von einem Mann? Das geht nicht? Zumal sich in unserem Kindergarten die Kinder aussuchen, von wem sie gewickelt werden möchten. Niemand würde einem Kind gegen seinen Willen die Sachen vom Leib reißen. Natürlich auch keiner der Praktikanten. Aber genau das wird den jungen Männern mit einer solchen Aussage doch unterstellt. Plötzlich müssen die kleinen Mädchen vor dem Zugriff der Männer in ihren Intimbereich geschützt werden. Und warum? Weil sie Männer sind. Punkt. Mehr Sexismus in einem Satz geht nicht, oder?

Es braucht noch mehr Beispiele? Hier bitteschön:

„Ihr Männer wollt doch alle nur Leitungsposten aber bloß nicht am Bett pflegen.“

„Männer haben keine Empathie.“

„Männer sind nicht teamfähig.“

„Männer gehören maximal auf Funktionsabteilungen. Technik geht gerade noch aber pflegen? Ne!“

„Ich will keine Männer in meinem Team. Die machen nur Ärger.“

(Zum Krankenpflegeschüler) „Auf keinen Fall wirst Du bei der Patientin den Katheter legen. Das machen nur Frauen.“

„Die Pfleger sind doch alle faul. Kaum drehst du dich um, hocken die nur noch im Dienstzimmer und trinken Kaffee.“

„Der Pfleger macht nur so viele Nächte, damit keiner sieht, dass er nur rum sitzt. Typisch Pfleger halt.“

„Sollen die doch im Rettungsdienst den Helden spielen. Hier muss gepflegt werden, da brauch ich Kerle für nix.“

Sicht eines Transsexuellen auf den Feminismus: Warum der Sozialkonstruktivismus nicht die bessere Theorie ist

Dies ist ein Gastartikel von Philip. Vielen Dank für die Einsendung

Ich befand mich 2,5 Jahren in feministischen Kreisen. Anfangs glaubte ich noch der Feminismus ist für Gleichberechtigung. Je tiefer ich hinein geriet, desto ideologischer kam mir jedoch das alles vor. Es wurde selbstverständlichst vorausgesetzt, dass alle Personen sozialkontruktivistischen Theorie und weiteren feministischen Ansätzen unkritisch zustimmen. John Money wurde von Feminist/innen kein einziges Mal erwähnt.

Als Trans-Mann (sogenannter Frau-zu-Mann-Transsexueller), habe ich nie verstanden wieso ein purer Sozialkonstruktivismus die bessere Theorie sein soll – mal ganz abgesehen davon, dass er keine Beweise hat. Dass ich wegen meines Körpers Leidensdruck verspüre, viele Therapiestunden & Arztbesuche absitzen muss, dabei einen Haufen Geld für Gutachten ausgebe, soll nur daran legen, dass ich von der Gesellschaft manipuliert worden bin und daher glaube etwas(/ein Mann) zu sein, was gar nicht gibt? Ich sehe nicht, wie das das Ansehen von Transsexuellen verbessern soll. Zudem machte ich vermehrt die Beobachtung, dass diese Theorie negative Auswirkungen hat und in der Praxis nicht anwendbar sind. Auf diesem Grund wollte ich eine kurze Übersicht der verschiedenen Punkte erstellen.

Geschlecht als eine Rolle & Entstehung von Pseudo-Transsexuellen („Transtrender“)

Feminist/innen meinten oft, dass man sich Geschlecht aussuchen könne und/oder es bei Transsexualität nur um die gesellschaftliche Rolle und Erwartungen gibt. Genau das sind Vorurteile, die richtige Transsexuelle beseitigen wollen.

Leider entstehen dadurch „Pseudo-Transsexuelle“. Einige von ihnen sagten sogar selbst, sie haben ein Leben problemlos als Mann/Frau gelebt. Doch seitdem sie feministische Literatur gelesen haben, identifizieren sie sich als „Trans“, weil sie nicht in die typische Rolle passen.

Wegen diesen Ansätzen sind schon so manche Leute auf die Schnauze gefallen. Eine maskuline Frau war aufgrund der Rollenerwartung genervt davon eine Frau zu sein, mochte es aber als Drag King aufzutreten. Eine andere lesbische Frau erfüllte viele Männerklischees. Beide wollten deshalb transistionieren und schafften es sich Testosteron verschreiben zu lassen. Aus konstruktivistischer Sicht war das erstmal ein gutes Angebot: Man ist unzufrieden mit den Normen, die an dem Körper festgemacht. Daher verändert man den Körper, damit er zur „Performance“ besser passt und man gesellschaftlich besser zurecht kommt. Die Realität sah aber anders aus: Ihre Psyche reagierte negativ auf die körperlichen Veränderungen. Beide bekamen schweren Depressionen und mussten die Transistion abbrechen bzw. rückgänig machen. Sie sahen ein, dass Geschlecht nicht einfach eine Rolle ist und man es nicht einfach verändern kann. Schließlich lernten sie auf den harten Weg, dass sie einfach maskuline Frauen sind und es akzeptieren müssen.

(Nach reinen sozialen Theorien wäre es sowieso von vorne rein fragwürdig gewesen, warum sie nicht in ein feminines Verhalten rein erzogen werden konnten.)

Ich lernte noch eine weitere Person kennen, die sich aufgrund von vermeintlicher Transsexualität in Therapie befanden, aber noch rechtzeitig aufhörte. Heute lebt diese Person als femininer Mann und Drag Queen.

Menschen dazu zu bringen ihr Geschlecht als wandelbar oder nur eine „Performance“ zu sehen, bringt niemanden etwas und kann in manchen Fällen zu Schaden führen. Zwar gibt es durchschnittliche Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen, jedoch macht feminines Verhalten jemanden nicht automatisch zur Frau, sowieso maskulines Verhalten jemanden nicht zum Mann macht.

Meiner Erfahrung nach werden so Stereotypen sogar verstärkt. Zum Beispiel wollte mit mir eine Sozialkonstruktivistin darüber diskutieren, wie widersprüchlich es ist, wenn ich als Mann eine lange Haare habe. Schließlich sind lange Haare eine „eindeutlich weibliche Repräsentation“. Mein Verweis darauf, dass es heuchlerisch sei gegen Stereotypen zu kämpfen aber Personen ihre Geschlecht aufgrund von Stereotypen abzusprechen. Jedoch wiederholte sie nur ihre Ausgangsposition ließ sich nicht davon abbringen. Sobald wir uns wieder sahen, ging das Thema von vorne los. Ich kam mir vor wie im falschem Film.

Er rechtfertigt Umerziehung und Gruppenzwang

Bei der sexuellen Orienterung ging es schon los: Bisexuellen Frauen wurde im Feminismus unterstellt nicht lesbisch genug zu ein. Manche fühlten sich deswegen schlecht, wenn sie in einer heterosexuellen Beziehung waren. Schließlich waren sie ja jetzt in der priviligierten Position. Teilweise war es ein typischer Gruppenzwang. Besonders bei einer Identitäts-Politik hat es sich angeboten Leute für ihr/e Sexualität/Geschlecht abzuwerten.

Auch richtige Transsexuelle wurden teilweise nicht ernst genommen.

Eine Runde von Feministinnen gab vollkommen ernst schwulen Trans-Männern den Rat, sie können sich doch zu heterosexuellen Frau umkonstruieren, um den Leidensdruck zu entkommen. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass ein anderer bekannter schwuler Trans-Mann dies bereits über einen Zeitraum von 20 Jahre versucht hat. Das Ergebnis waren mehrere psychische Krisen, eine gescheiterte Ehe und bis heute noch bestehende psychische Probleme. Dann erwähnte ich andere Fällen von Menschen, die ihre Sexualität ändern wollten und scheiterten. Trotzdem hielten sie weiter daran fest, man solle es sich nicht unnötig selber schwer machen und einfach umkonstruieren, ohne ein einziges gutes Argument oder Beispiel zu liefern. Das Gefahrenpotenzial wurde konsequent auszublendet.

Würde man dieser Logik folgen, bräuchten Krankenkasse auch keine Kosten mehr zu übernehmen. Stattdessen könnten Transsexuelle sich ja einfach sozial anpassen und das Problem ist gelöst.

Ex-Gay Therapien wären auch gerechtfertigt. Allerdings ist bekannt, dass diese sehr umstritten sind und Selbsthass, sowieso wie andere psychische Probleme verstärken können (vgl. http://www.livescience.com/50453-why-gay-conversion-therapy-harmful.html).

Ich persönlich habe in der Zeit noch weitere Transsexuelle kennen gelernt, die versucht haben als ihr äußeres Geschlecht zu leben und die Geschlechtsidentität entsprechend zu verändern. Die Gründe waren unterschiedlich: Man wollte es sich nicht eingestehen, die Eltern waren gegen die Transistion oder Wunsch nach leiblichen Kindern. Im Endeffekt hat sich ihr psychischer Zustand dadurch verschlechtert, sie wurden selbstmordgefährdet und sie sind doch in Therapie gegangen und haben die Transistion durchgezogen.

Es ist naiv zu glauben, dass die Ansicht „jeder kann alles sein“ zwangsläufig zur Toleranz führt. Menschen werden oft für Entscheidungen abgewertet oder verstoßen. Wie bereits in den Beispielen beschrieben, müssen Umschulungsversuche nicht unbedingt religös oder politisch motiviert sein.

Selbst wenn der Sozialkonstruktivismus stimmen würde und eines Tages alle Identitäten dekonstrukiert werden, kann man nicht davon ausgehen, dass alle Menschen gleich/ähnlich entwickeln werden. Unterschiedliche Umgebungen würden trotzdem zu unterschiedlichen Gruppen führen. Gruppendruck und Ausgrenzung würden somit weiterhin bestehen bleiben. Es gibt auch keine Garantie, dass niemand auf die Idee kommen würde seine Ideale der Masse auszuzwingen.

Umgang mit Intersexualität / Fehlbildung der Genitalien

Es ist garantiert kein neues Argument. John Moneys Theorie, dass Geschlecht durch die Erziehung entsteht, führte dazu, dass im Falle von Missbildungen und Intersexualität die Genitalien der betroffenen Kindern nach Machbarkeit operariert worden sind – meistens war es einfacher „ein Loch zu graben“ als „einen Stamm zu bauen“. Auch Jungen mit einem Mikropenis bekamen eine künstliche Vagina, damit sie ein erfülltes Sexualleben haben können.

In Norwegen bemerkte Trond Diseth, dass diese Methode viel Schaden anrichtet und Betroffene psychische Erkrankungen und Selbstmordgedanken bekommen können. Deswegen veränderte er die Behandlungsmaßnahmen. Bevor das Geschlecht festgelegt wird und eventuell angleichende medizinisches Maßnahmen erfolgen, vergeht in der Regel ein Jahr. In der Zeit soll herausgefunden werden, wie das Gehirn hormonell geprägt worden ist (vgl .http://www.vg.no/forbruker/helse/helse-og-medisin/finner-barnets-egentlige-kjoenn/a/529959/ und http://tidsskriftet.no/article/1661681).

Natürlich kann man sich darum streiten, ob und wann überhaupt eine Geschlechtszuweisung oder eine Operation durchgeführt werden sollte. Jedoch gibt es Fälle, wie zum Beispiel Kloakenekstrophie bei denen immer Operationen an den Genitalien durchgeführt werden, um die Funktion herzustellen oder zu verbessern (vgl. http://www.kloakenekstrophie.de/index.php?navi_main=was-ist-kloakenekstrophie&navi_sub1=kloakenekstrophie-ke).

Obwohl es noch unbekannt ist, wie genau die Geschlechtsidentität entsteht, lässt sich die Wirkung von biologischen Faktoren nicht abstreiten. Die Annahme man könne die Betroffenen in ein Geschlecht rein erziehen, konnte nicht bestätigt werden und hat eine falsche Behandlung von Kindern gerechtfertigt.

 Er verleugnet, dass Kinder männliche und weibliche Rollenvorbilder brauchen

Viele Feministinnen, die ich kennen gelernt habe, wollten es nicht hören, dass Kinder auch einen Vater oder männliche Rollenvorbilder brauchen. Schließlich würde man ja so wieder Stereotypen und Geschlecht an sich reproduzieren.

Tatsächlich geht es Kindern besser, wenn sie sowohl männliche als auch weibliche Bezugspersonen und Rollenvorbilder haben. Ansonsten sind sie anfälliger für Drogenmissbrauch und negativen sozialen Verhalten. Selbst in Mäusen konnten Veränderungen im Gehirn durch Vaterlosigkeit nachgewiesen werden. Sie wurden passend zu den Beobachtungen bei Menschen aggressiver und asozialer. (vgl. http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-2518247/Growing-father-permanently-alter-BRAIN-Fatherless-children-likely-grow-angry-turn-drugs.html). Man kann also ausschließen, dass es aufgrund des Stigmas, überforderten Müttern oder anderen Faktoren diesen Kinder schlechter geht.

Eine Studie über gleichgeschlechtliche Eltern hat ergeben, dass ihre Kinder gesund aufwachsen. Neben guten elterlichen Kompetenzen, hatten die Studienteilnehmer eine weitere Gemeinsamkeit: Die legten Wert darauf, dass die Kinder sowohl männliche als auch weibliche Bezugspersonen hatten (vgl. https://www.lsvd.de/fileadmin/pics/Dokumente/Adoption/LSVD_Essentiels-BMJ-Studie.pdf).

Geschlecht zu im Erziehungswesen zu „dekonstruieren“ ist schädlichen für den Nachwuchs. Es geht nicht darum jemanden Rollen aufzuzwingen, sondern Kinder verschiedene Rollenvorbilder und Stabilität zu geben. Dieser Punkt wurde nur kurz angeknackt, aber eigentlich kann man intensiv auf dieses Thema eingehen.

Das Ausbleden körperlicher Unterschiede führt zur Ausblendung unterschiedlicher gesundheitlicher Risiken

Besonders bei familiärer Vorbelastung sollte man sich mit mögliche Risiken auseinander setzen. Geschlecht ist bei einigen Krankheiten ein Faktor, der berücksichtigt werden sollte.

Frauen haben bei Herzinfarkten andere Symptome als Männer. Sie erkrankten aus hormonellen und genetischen Gründen häufiger an Autoimmunerkrankung (vgl. https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-forschung/multiple-sklerose-warum-leiden-frauen-haeufiger-an-autoimmunerkrankungen-als-maenner/). Zudem haben Frauen durch ihre XX-Chromosomen ein höhere Risiko an Alzheimer zu erkranken. (vgl. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/35010).

Auf der anderen Seite erben Männer eher die Bluterkrankheit, weil diese durch X-Chromosoemn vererbt wird.Selbst bei den Symptomen bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen gibt es Unterschiede (vgl. http://www.rcpsych.ac.uk/healthadvice/problemsdisorders/depressionmen.asp).

Teilweise reagieren Frauen und Männer auch aufgrund des unterschiedlichen Stoffwechsels auf Medikamente anders (vgl. https://www.hochdruckliga.de/frauen-leiden-haeufiger-unter-nebenwirkungen.html). Manche Erkankungen wie ADHS oder Autismus kommen bei Männern häufiger vor als bei Frauen.

Die Liste von Krankheiten, die vom Geschlecht beeinflusst werden, ist lang.

Bei der Erforschung und Behandlung von Krankheiten muss Geschlecht mitbedacht werden.

Es aus biologischer/medizinischer Perspektive zu „dekonstruieren“, geschlechtsspezifische Gene, Horme, Körperbau usw. zu ignorieren macht keinen Sinn und ist eher kontraproduktiv.

Er ist unvereinbar mit Sport

Es gibt Sozialkonstruktivisten, die der Meinung sind, dass Unterschiede in sportlichen Leistungen durch die Sozialisation entstehen. Demnach sollte es keine Trennung in Sportteams geben. Eigentlich kann jeder Transsexueller während der Transistion bestätigen, dass sich der Testosteronspiegel stark auf die Muskelkraft ausübt. Weitere Unterschiede entstehen aufgrund der Größe des Herzes, Knochenbau usw. (vgl. http://www.loges.de/prinzip-biologik/sportwissen/der-kleine-unterschied/). Würde man also der Forderung folgen, müssten viele Frauen ihre sportliche Karriere beenden. 2003 schaffte es die B-Jugend-Vizemeister die deutschen Fußball-Weltmeisterinnen mit 3:0 zu besiegen (vgl. http://www.shortnews.de/id/487126/b-jugend-vizemeister-besiegt-deutsche-fussball-weltmeisterinnen). Passend verloren kürzlich eine Frauenmannschaft gegen 0:7 gegen eine U15-Jungenmannschaft (vgl. http://www.dailymail.co.uk/sport/football/article-3609949/Matildas-lose-7-0-Newcastle-Jets-15s-Rio-Olympics-warm-up.html).

Er verhindert ein Verständnis von (durchschnittlichen) Unterschieden

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass biologische Erklärung den Menschen eher helfen, um sich selbst und andere besser zu verstehen. Sie verstanden ebenfalls warum sie Probleme in Beziehungen hatten. Feminine Frauen fingen an ihre Feminität besser zu schätzen und als wichtige Ergänzung zu Maskulinität zu verstehen. Atypische Frauen und Männern realisierten, dass ihr Andersein mit der prenatalen Testosteron-Dosis zu tun hat.

David Buss erwähnte ebenfalls in seinem Gespräch mit Gad Saad, dass sich durch seine Forschung Personen besser verstanden. Jeder, der sich intensiver mit Biologie auseinander setzt, weiß, dass viele Strohmänner (gegen die auch viele Feminist/innen kämpfen) nicht stimmen oder übertrieben sind.

Mit einem falschen Verständnis von Geschlecht hat auch ein Aktivismus wenig Sinn. Wenn zum Beispiel der Großteil der Frauen Pädagogik spannender findet als Informatik, ist eine unterschiedliche Verteilung in der Berufswelt nicht verwunderlich. Hätten wir überall eine 50/50 Verteilung, müssten Menschen gegen ihre eigenen Interessen handeln.

Personen mit einem hohen biologischen/medizinischen Verständnis konnte mich ebenfalls besser akzeptieren. Darunter waren auch viele Frauen mit naturwissenschaftlichen Berufen.

Zuerst war ich dann einfach „die sehr burschikose Tochter“ oder „Frau, die sich wie ein Mann verhält“. Sich dann als bi- oder transsexuell zu outen verlieft mit diesen Personen ebenfalls unkompliziert. Es wurde dann einfach als Eigenschaften gesehen, für die ich selbst nichts dafür kann und nicht veränderbar sind. Bloß weil sich bei mir etwas falsch entwickelt hat, heißt das nicht, dass ich selbst ein Fehler oder weniger Wert bin.

Auf der anderen Seite konnte ich dank der Beschäftigung mit (durchschnittlichen) Unterschieden viele klischeehafte Konflike zwischen mir und Frauen besser nachvollziehen und selbst ein paar Freundschaften funktionieren seitdem besser.

Persönlicher Abschied vom Feminimus

Inzwischen habe ich mich aus den feministischen Kreisen rausgezogen. Ich hatte eher das Gefühl, dass Transsexuelle für die eignen Theorien und politischen Postionen instrumentalisiert werden. Unsere eigentliche Situation wird nicht beachtet oder so verdreht, bis man sie verwenden kann..

Leider werden wir oft mit Feminusmus und Social-Justice-Warrios in Verbindung gebracht. Zwar gibt es welche, die mitmachen, aber ein großer Teil von uns wird davon eher abgeschreckt. Wir haben keine Lust als Opfer darstellen gewerden und „priviligierte“ heterosexuelle Cis-Männer zu verdammen. Viele Transsexuelle sind der Meinung, dass es sowohl Vor- als auch Nachteile hat als Frau (bzw. Mann) gesehen zu werden. Einmal musste ich mich sogar dafür rechtfertigen mit Männern über sexuelles Interesse an Frauen zu reden. Mein Gegenüber war erstaunt als ich betonte, dass in solchen Gesprächen niemand abgewertet wird.

Nur einmal war ein Konstruktivist bereit ein vernünftiges Gespräch zu führen. Sein Ausgangspunkt war, dass Transsexuelle sich nur eine andere soziale Rolle wünschen, weil einen Normendruck unterliegen. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich nicht Therapie, also hatte ich auch keine zusätzliche Hormone genommen. Während der Diskusion erzählte ich ihm wie es wirklich ist transsexuell zu sein, wieso ich weiß, dass ich ein Mann bin und wie sich dies auf mein Leben auswirkte, um sein falsches Bild zu wiederlegen. Letzendlich konnte er es doch nachvollziehen. Obwohl ich kein einziges Mal auf mögliche Ursachen einging, fragte er am Ende, ob ich nicht doch eventuell ein Y-Chromosom habe und intersexuell bin. Ich antworte, dass mir zudem nichts bekannt ist, aber allein mein Äußeres auf viel Testosteron schließen lässt. Dem stimmte er problemlos zu. Spannend: Anscheinend hat er gemerkt, dass der Sozialkonstrukitivismus doch zu schwach sind, um meine Geschlechtsidentität erklären zu können. Er wirkte ziemlich verwirrt und nachdenklich.

Meiner Meinung nach reflektierte dieses Beispiel die Gesamtsituation des Sozialkonstruktivismus und Feminismus: Sie können nur durch Zensur und das Ignorieren von Tatsachen bestehen bleiben. Eine skeptische Betrachtung zeigt allerdings, dass die Theorien viele Schwächen haben. Während meiner Zeit im Feminimus bekam ich allerdings das Gefühl in einer Sekte gelandet zu sein. Transsexuelle werden oft als Beweis verwendet, dass man sein Geschlecht selbst bestimmen und verändern könne. Wir zeigen angeblich, dass es nicht angeboren sei und biologische Theorien somit nicht stimmen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Die Forschung ist inzwischen weit genug, um aus biologischer Sicht die LGBT-Bewegung, nicht-traditionelle Lebensentwürfe und Gleichberechtigung befürworten zu können. Es geht also auch problemlos ohne den Sozialkonstruktivismus. Ein richtiger Aktivismus wäre für Verbesserungsvorschläge und verschiedene Meinungen offen.

Die männliche Konkurrenz um Frauen in der evolutiven Vergangenheit des Menschen (Gastartikel)

Es folgt ein Gastartikel von Matthias (aus seinem unten genannten Buch)

Dschingis Khan ist leider kein Einzelfall. Brutale Herrscher haben es oft in der Geschichte zu erstaunlich großen Paarungs- und Fortpflanzungserfolgen gebracht. Ismail der Blutrünstige, ein marokkanischer König, der im frühen 18. Jahrhundert lebte, hat der Überlieferung nach 700 Söhne gezeugt. Töchter wurden erst gar nicht mitgerechnet, aber auch von denen muss er eine vergleichbar große Anzahl gehabt haben. Er hält damit den Weltrekord an Vaterschaften, wenn seine Geschichte so stimmt. Zum Vergleich: Der angebliche Rekord an Mutterschaften beträgt „nur“ 69 Kinder. Er bezieht sich auf eine Russin im 19. Jahrhundert, die mehrfach Drillinge hatte.

Hier spiegelt sich zweierlei wider: zum einen wieder einmal der große Geschlechtsunterschied in den potentiellen Reproduktionsraten, der sich in solchen Extremfällen sehr gut zeigt. Denn nur in solchen Fällen erreichen Menschen einen Fortpflanzungserfolg, der nur oder fast nur von ihrer potentiellen Reproduktionsrate begrenzt wird. Zum anderen zeigen Extremfälle wie Ismail der Blutrünstige oder Dschingis Khan, dass Paarungs- und Fortpflanzungsprivilegien von Männern sehr hart erkämpft werden, hier „sogar“ mit tödlicher Gewalt, und dass unter Umständen sehr wenige Männer hinterher sehr viele Frauen haben und dafür unzählige andere Männer unterdrückt oder umgebracht wurden. Es ist traurig, dass ausgerechnet Jahrhundertmörder ihre Gene häufig viel öfter weitergegeben haben als andere Männer.

Sicherlich sind Dschingis Khan und Ismail der Blutrünstige sehr extreme Beispiele für sexuelle Selektion beim Männchen. Den unnatürlich hohen Fortpflanzungserfolg, den sie gehabt haben, konnte ein Steinzeitmensch oder Buschmann mit Speer und Keule niemals erreichen, auch wenn er zu den durchsetzungsstärksten Männchen seiner Zeit gehörte und Anführer einer erfolgreichen Männchenkoalition war. Man kann allerdings davon ausgehen, dass es das, was von Dschingis Khan und Ismail dem Blutrünstigen historisch überliefert ist, im Kleinen häufig in der evolutiven Vergangenheit des Menschen gegeben hat. Es zieht sich offensichtlich wie ein roter Faden, treffender gesagt, wie eine Blutspur durch die Geschichte unserer Art.

Vielleicht haben Sie schon einmal etwas vom Massaker von Talheim gehört oder gelesen. 1983 war ein Bauer beim Pflügen auf Knochen von Menschen gestoßen. Sie wissen, dass Knochen viele Informationen liefern können: DNAAnalysen sind möglich, ebenso Rekonstruktionen von Gesichtern anhand von Schädelknochen, Geschlechtsbestimmung, Bestimmung des Alters usw. Man erhält durch sie eine Fülle von Informationen, die teils sogar Aufschluss über die geografische Herkunft, Essgewohnheiten, Verwandtschaftsbeziehungen, einige Krankheiten und über die Todesursache liefern können. Im Falle dieser Knochen ist zum einen ziemlich klar, dass es in der Tat ein Massaker war, dass diese Menschen umgebracht worden sind, so z.B. durch Erschlagen. Die Opfer stammten wohl aus drei oder vier Familien, die vor etwas mehr als 7000 Jahren gelebt haben. Eine davon bestand aus vier Männern und acht Kindern – und keiner Frau. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer: Die Frauen dieser Familie wurden offensichtlich von den Angreifern nicht getötet, sondern geraubt. Was alles im Einzelnen passiert ist – am Massaker waren noch andere Menschengruppen beteiligt – lässt sich nicht vollständig aufklären. Es waren auch Frauen, vermutlich vor allem ältere mit Kindern, getötet worden, darunter eine 20-Jährige, die aufgrund ihres Alters natürlich ebenfalls hätte geraubt werden können. Doch auch eine 20-Jährige kann sich sehr gewehrt und damit die eigene Tötung provoziert haben oder war vielleicht auffallend unattraktiv. Dennoch: Dass eine der ermordeten Familien nur aus Männern und Kindern bestand bzw. dass von dieser Familie nur die Knochen von Männern und Kindern, nicht von Frauen gefunden wurden, spricht stark dafür, dass hier Frauen geraubt worden waren.

Einen ähnlichen Fall, der ebenfalls etwa 7000 Jahre zurückliegt, gab es in Österreich, genauer gesagt, in Schletz im Weinviertel. Da wurden auch Knochen gefunden, Knochen, die davon zeugen, dass dort eine ganze Siedlung ausgerottet wurde. Wer war unter den Mordopfern deutlich unterrepräsentiert? Frauen! Offensichtlich hatte hier ein systematischer Frauenraub stattgefunden.48 Hierfür spricht auch, dass insbesondere die Knochen junger Frauen bei diesem Skelettfund fehlten.

Frauenraub findet sich offenbar auch in der Geschichte der Indianer. Bei den Pueblo-Indianern war es offenbar sogar ein Frauenraub im großen Stil. Eine Begräbnisstätte hatte einen erheblichen Frauenmangel, die andere einen erheblichen Frauenüberschuss. Es ist zwar nicht vollständig klar in diesem Falle, dass die Frauen wirklich geraubt worden sind – theoretisch könnten sie freiwillig ihren Wohnort gewechselt haben. Doch es sind, was zur FrauenraubThese passt, damals viele junge Männer gestorben, offensichtlich durch Kriegshandlungen. Offenbar sind auch einige Frauen, deren Skelette Spuren von Gewalteinwirkungen aufweisen, dahingemetzelt worden und anschließend nicht sachgemäß bestattet, sondern nur irgendwie verscharrt worden. Auch das stützt die These vom Frauenraub.50 Denn geraubt werden ja nicht alle Frauen, sondern vor allem bzw. ausschließlich junge und hübsche. Außerdem wehren sich sicherlich auch einige Frauen gegen den Raub und kommen dabei um. Was auch dagegen spricht, dass die Frauen freiwillig einen anderen Wohnort aufgesucht haben, ist die Annahme, dass ihnen dann normalerweise Männer früher oder später gefolgt wären.

Auch bei den brasilianischen Indianern gilt Frauenraub als einer der typischsten Anlässe für Stammesfehden.51 Es gibt also weniger Gründe, solche Ureinwohner bzw. Naturvölker als besonders „edel“ oder moralisch überlegen anzusehen, es sind eben auch nur Menschen.

Frauenraub findet sich auch in ganz anderen Kulturen, so z.B. offensichtlich ebenfalls bei den Wikingern. Eine Handschrift aus dem 12. Jahrhundert deutet darauf hin, dass Island nicht primär von Männern und Frauen aus Skandinavien besiedelt wurde, sondern eher von skandinavischen Männern, die mit ihren Schiffen aufbrachen, sich auf den britischen Inseln ein paar Frauen zusammenraubten und mit diesen dann nach Island fuhren und dort eine Population begründeten. Historische Beweise dieser Art allein mögen nicht in jedem Falle der Wahrheit entsprechen. Dieser allerdings schon, denn eine mtDNA-Analyse von 1700 Menschen aus Island, von den britischen Inseln, aus Skandinavien und anderen Regionen zeigte, dass etwa 60% der weiblichen Vorfahren der heutigen Isländer keine Skandinavier, sondern Kelten waren. Eine vorangegangene Analyse der NRY-DNA der Männer kam dagegen zu dem Ergebnis, dass die männlichen Vorfahren der Isländer zu etwa 80% aus Skandinavien stammten. Hier waren also Wikinger auf Frauenraub gewesen.52

Frauenraub ist laut dem britischen Militärhistoriker John Keegan generell eine der häufigsten Konfliktursachen in primitiven Gesellschaften.53 Vermutlich wussten Sie das auch schon. Einige von Ihnen werden sicher schon einmal vom Raub der Sabinerinnen oder in sonstigen Zusammenhängen von Frauenraub gehört haben. Weibchenraub kennt man sogar von Schimpansen.54 Die Beweise dafür sind vielfältig: Sie reichen von der historischen Überlieferung über z.B. Isotopenanalysen von Knochen bis zur modernen DNA-Analyse. Und diese Belege für Frauenraub passen sehr gut zur verhaltensbiologischen Erwartung. Die neueren Befunde durch die modernen DNA-Analysen werden dabei durch die anderen Beweise für Frauenraub ebenfalls bestätigt. Zweifel an entsprechenden Forschungsarbeiten sind also kaum angebracht.

Vergessen darf man vor lauter Frauenraub eines nicht: Die Konkurrenz der Männer um die Frauen fand und findet beileibe nicht nur auf der intrasexuellen Ebene statt. In modernen Gesellschaften ist sie weitaus eher auf der intersexuellen Ebene ausgeprägt. Dennoch aber ist es wichtig zu wissen, dass die erhebliche intrasexuelle männliche Konkurrenz in unserer evolutiven Vergangenheit und die Anpassungen beider Geschlechter an diese auch heute einen großen Einfluss auf das geschlechtsspezifische Verhalten beider Geschlechter haben, gerade in Sachen Partnerwahl.

Erläuterungen:

Dieser Abschnitt stammt aus dem Kapitel „Die männliche Konkurrenz um Frauen in der evolutiven Vergangenheit des Menschen“ und ist der kürzeste Abschnitt dieses Kapitels.

Im Abschnitt vorher fand auch Dschingis Khan Erwähnung, ebenso die NRY-Region des Y-Chromosoms und die mtDNA. Unter der NRY-Region des Y-Chromosoms versteht man den großen Teil des Y-Chromosoms, der in der Prophase der Meiose I nicht mit dem X-Chromosom rekombiniert („Crossig over“) und deshalb wirklich nur von Vätern auf Söhne vererbt wird. Die mtDNA ist die mitochondriale DNA, die von Müttern auf Nachkommen beider Geschlechter vererbt wird.

Hier  kann man sehen, was vor und nach diesem Textabschnitt im Buch kommt. Hier  kann man es kaufen!

Ideologien, Glaubenssysteme und (Selbst-)Betrug (Gastartikel)

Bei den folgenden Artikel handelt es sich um einen Gastartikel von Axel AE:

Glaubenssysteme wie Religionen sind in jeder Gesellschaft des Planeten präsent – und da, wo es sie angeblich nicht mehr gibt, leben sie im Untergrund weiter, wie man früher in der Sowjetunion beobachten konnte oder heute in China.

Daher ist aus evolutionspsychologischen Gründen davon auszugehen, dass Religionen oder andere Kulte auf einer genetisch verankerten neurologischen Struktur basieren, die sich natürlich wie der Rest des Gehirns durch Mutation und Selektion entwickelt haben.

Richard Dawkins als Religionskritiker sieht das etwas anders, weil er behauptet, dass Religionen ein „Mem-Komplex“ seien; also ein System von imitierten Lerneinheiten. Diese Sicht halte ich für eher politisch motiviert und sachlich unglaubwürdig. Warum sollte das menschliche Gehirn zB eine evolvierte Sprachfähigkeit haben, die Religion ist aber nur eine Art Tradition, die sich zudem merkwürdigerweise über Jahrzehntausende erhalten hat? Dawkins’ Theorie riecht mir etwas zu sehr nach dem „unbeschriebenen Blatt“.
Nein, Religionen haben sowohl aus theoretischer Sicht wie aus Erfahrung ihren evolutionären Nutzen. Der wichtigste Aspekt dabei ist nach meiner Ansicht die Gruppenidentität und –Organisation. Sozialpsychologen lehren uns, dass Menschen sich grundsätzlich in symbolischen Gruppen organisieren. Das kann jeder nachvollziehen: Wer hat langjährige Freunde oder gar Partner, die nicht dem eigenen Kulturkreis und dem eigenen sozialökonomischen Milieu entstammen? Ich kenne nicht viele.

Hier kommt die politische Ideologie ins Spiel, über die wir hier seit Jahren in der Gestalt des Genderismus debattieren. In Gesellschaften, in denen die Religion eine immer geringere Rolle spielt, blühen häufig Ideologien als eine Art „Ersatzreligion“. Ein Beispiel dafür sind die Spielarten des Sozialismus, die idR erklärt atheistisch sind. Auch Genderfreunde sind überwiegend unreligiös; die Vertreter in der evangelischen Kirche darf man getrost auch so sehen, weil das Geschlechtergedöns und andere Inhalte wie Antifaschismus die ursprüngliche Lehre weitgehend verdrängt haben. Das Christentum ist hier nur noch eine leere Hülle, die mit aktuellen Überzeugungen gefüllt wurde.

In anderen Kulturen, wo keine alternativen Denksysteme wie Genderismus zur Verfügung stehen, wird die traditionelle Religion zur politischen Ideologie umgeformt, wie wir zB am Islamismus sehen können.

Wo liegen nun die evolutionären-psychologischen Vorteile eines Glaubenssystems für ein eu-soziales Lebewesen wie den Menschen, sei es nun eine Religion oder eine Ideologie?

    1. Glaubensüberzeugungen sind Gruppen-Symbole, oder Erkennungscodes. Wer zu einer Gruppe gehört oder gehören will, muß die Symbole senden. Ob sie inhaltlich sinnvoll sind oder komplett weltfremder Blödsinn, ist dabei irrelevant. Jan Fleischhauer dazu: „Die meisten Linken sind links, weil es die anderen auch sind.“
      Man überlege sich nur einmal, in welcher gesellschaftlichen Schicht zB der Genderismus oder der Multikulturalismus anzutreffen sind. Bei Handwerkern, Bauarbeitern, Frisösen, Rentnern? Eher nicht. Nein, man findet diese Ismen typischerweise bei Kindern der wohlhabenden akademischen Bürgerschicht. Neonazis als Gegenbeispiel findet man im Oberschicht-Milieu fast gar nicht, dafür sehr viel häufiger bei Geringverdienern.
    2. Glaubensüberzeugungen sind nützlich, um ganz eigennützig an Ressourcen heranzukommen. Das kann verschiedenes sein, wie Arbeitsposten, Geld, Sex, Selbstwertgefühl, Anerkennung, Gesellschaft, Macht + Einfluß, und hängt natürlich unmittelbar mit Punkt 1 zusammen.

Evochris hat in diesem Zusammenhang einmal einen Artikel des Harvard Crimson zitiert, der sich mit den „Kriegern der sozialen Gerechtigkeit“ (SJW) beschäftigte:

„Der Social Justice Warrior zeichnet sich dadurch aus, für das Gute zu kämpfen und zieht daraus einen Selbstwert. Um so härter er gegen das Böse kämpft und um so unbarmherziger er sich diesem Kampf widmen kann, zumindest in der Darstellung nach außen, um so mehr kann er sich damit auszeichnen.“

Euch ist bestimmt schon einmal aufgefallen, daß „progressive“ Studenten, die die Welt/den Planeten/die Tiere/die Natur/die Frauen/die Schwulen/die Flüchtlinge/etc. retten wollen, meist nur politisch arbeiten und selber kaum Ressourcen opfern. So fahren Klimabewegte heutzutage sehr wohl Auto, wenn es situationsbezogen bequemer ist; und Multikulturalisten wohnen, wie zB Paul Joseph Watson von „Infowars“ kürzlich bemerkte (oder Fleischhauer schon 2009), selber lieber in angesagten weißen Vierteln.

Das führt zu Punkt.

3.  Glaubensüberzeugungen sind weitgehend irrational, unrealistisch und häufig betrügerisch.

Klingt nicht wirklich nach einem evolutionären Vorteil; aber aus der Sicht des egoistischen Gens hat der Punkt durchaus seinen Nutzen. Andere zu betrügen ist zwar antisozial, verschafft dem Individuum aber zusätzliche Ressourcen. Um die Geschädigten bei Laune zu halten oder zu erpressen, oder um seinen Egoismus zu tarnen, erfindet man irgendwelche Geschichten und Mythen oder begründet eine neue „Moral“.

Da wir Menschen als „Herdentiere“ sehr moralische Lebewesen sind, die Regeln für das Zusammenleben dringend brauchen, lassen wir uns mit moralischer oder pseudomoralischer Argumentation leicht einwickeln oder wenigstens mundtot machen.

Dabei ist es von besonderem Vorteil, wenn der egoistische Gläubige seinen Mumpitz selber glaubt. So beschreibt Robert Trivers in seinem Buch „Betrug und Selbstbetrug“ von 2013, daß die besten Betrüger die Selbstbetrüger sind, weil sie durch selbtsicheres Auftreten leichter überzeugen können. Hinzu kommt, daß schwachsinnige Überzeugungen (Jungfrauengeburt, 1000 Geschlechter) ein „kostenträchtiges Signal“ sind und somit zuverlässig das Mitglied der eigenen symbolischen Gruppe identifizieren.

Aus dieser Perspektive ist es leicht nachvollziehbar, daß religiöse und ideologische Menschen nicht nur weltfremde Konzepte entwickeln, sondern tatsächlich selber daran glauben.

In der Altsteinzeit, aber auch in historischer Zeit mag das erhebliche Vorteile gehabt haben; in unseren heutigen Staatsgesellschaften híngegen können diese Glaubenssysteme enorme Katastrophen zur Folge haben. Man denke an den Dreißigjährigen Krieg: ein Konfessions-Gemetzel. Der erste Weltkrieg: ein militaristisch-sozialdarwinistisch-nationalistisches Gemetzel. Der zweite Weltkrieg: noch mal das Ganze.

Auch heute stehen die westlichen Gesellschaften schon wieder vor so einem Ideologie-Problem: Die akademischen SJWler rangeln untereinander mit ihrem Kampf für „das Gute“ und versuchen den nicht-akademischen Rest der Bevölkerung mit moralischer Erpressung (Ihr seid Rassisten, Sexisten, Klimazerstörer, etc) zu kontrollieren. Das führt einerseits zu einer erheblichen, lange nicht mehr dagewesenen Spaltung der Gesellschaft in oben und unten.

Was sogar noch schlimmer wiegt, ist der massive Umbau der Gesellschaft durch von den SJWlern forcierten Massenzuzug von Kulturfremden, der die innersoziale Solidarität und die finanziellen Systeme des Landes schwer belastet. Es ist zB Katrin Göring-Eckart durchaus zu glauben, daß sie eine „buntere, jüngere und religiösere“ multikulturelle Gesellschaft haben will. Wir wissen aus der (Stammes-)Geschichte allerdings nun, daß solch ideologische Überzeugungen mehr dem Eigeninteresse des Ideologen dienen und der Gläubige nicht weiß, und auch nicht wissen kann, was er da eigentlich tut.

Wer gerne ebenfalls einen Gastartikel schreiben möchte, der findet hier am Ende meine Emailadresse.

Gastbeitrag: Die wichtigsten Eigenschaften beim Verführen von Frauen sind Authentizität und männliche Polarität

Damit nicht nur meine Perspektive zum Thema Pickup hier rein kommt, hier mal ein  Gastartikel von Anchu Kögl. 

Wahrscheinlich bist du verwirrt. Ist ja auch kein Wunder bei all dieser Dating Informationsüberflutung. Der eine Guru erzählt, dass das wichtigste um Frauen zu verführen, Humor ist. Ein anderer redet von Dominanz, ein weiterer sagt, dass Empathie das A & O ist.

Wer soll da noch den Überblick behalten? Was stimmt nun? Worauf kommt es wirklich an, wenn es darum geht, Frauen zu verführen?

Die Wahrheit ist, viele Wege führen nach Rom. Somit gibt es viele Arten von „Game“, die funktionieren. Der eine ist super humorvoll, ein anderer sehr dominant, ein weiterer kann super zuhören und sehr tiefe, emotionale Bindungen mit Frauen aufbauen – und verführt die Frauen damit.

Mir ist über die Jahre aufgefallen, dass jeder Mann, der wirklich gut mit Frauen ist (ob ein Mann gut mit Frauen ist oder nur quatscht, merkt man oft schon nach 3 Sätzen) eine gewisse Eigenschaft besonders ausgeprägt hat. Dadurch werden diese Männer zu Charakteren.

Bei einem guten Kumpel von mir ist es zum Beispiel die Selbstliebe. Er meinte mal zu mir:

Anchu, egal welchen Scheiß ich Frauen gerade erzähle, ich weiß, dass es geil ist und sie drauf abfahren.“

Ich dachte mir nur: Alter, bist du selbstverliebt. Aber das ist seine herausstechen Eigenschaft. Klar ist er auch locker drauf, aber die Selbstliebe, war sein herausragender Punkt. Bei einem anderen Kumpel ist es die Sympathie, bei einem weiteren die Dominanz. Sobald man mit ihm redet, zieht er einen in seine Welt. Auf einmal ist man in eine Unterhaltung über ein Thema verwickelt, ohne dass man gemerkt hat, wie es dazu kam – denn er führt einen dahin. Und wenn er flirtet, führt er erst die Unterhaltung und dann die Frau – stück für stück bis in sein Schlafzimmer.

Wenn ich eine Eigenschaft bei mir beschreiben müsste, die heraussticht, dann ist es meine sexuelle Seite. Ich bin sehr sexuell – und das merken Frauen sofort. Sie merken es in meiner Ausstrahlung, aber auch an dem was ich sage – ich mag gerne (humorvolle) sexuelle Anspielungen. Gefällt es jeder? Natürlich nicht. Doch darum geht es ja auch nicht. Ganz im Gegenteil.

Worauf es wirklich ankommt

Charaktere hin oder her, es gibt meiner Meinung nach zwei fundamentale Grundlagen, die alle guten Player haben. Auf diesen beiden Grundlagen baut alles auf und ohne sie, klappt das mit den Frauen verführen nicht wirklich.

Diese Eigenschaften sind Authentizität und männliche Polarität. Reimt sogar – ist aber Zufall, schließlich schreibe ich hier keine Poesie.

Authentizität bedeutet für mich, uns so zu geben wie wir sind – also zu unseren Werten und Emotionen zu stehen und in Kongruenz mit ihnen zu handeln. Das heißt, wir versuchen nicht andauernd jemand anderes zu sein oder gewisse Dinge vorzutäuschen. Klingt leichter als es ist, glaub mir.

Wenn ich

Wir versuchen also nicht, unserem Gegenüber irgendein Bild von uns geben zu wollen. Denn das würde bedeuten, dass wir andere beeindrucken wollen – und gerade Frauen hassen das.

Authentisch zu sein bedeutet somit, dass uns nicht jeder mögen wird. Wir polarisieren also – und das ist attraktiv. Klar, nicht für jeden, aber für manche – für die aber eben sehr. Denn dann stehen wir für etwas, wir werden greifbar, wir werden real.

Der zweite Punkt ist männliche Polarität. Männliche Polarität bedeutet für mich, zu wissen, wo es langgeht. Also Entscheidungen zu treffen, zu führen und wenn es ums Flirten geht, das Ganze voran zu treiben und sexuell zu gestalten.

Nicht wenige Männer haben ein Problem, über ein Gespräch mit einer Frau hinauszukommen. Viele Teilnehmer meines online Kurses fragen mich immer wieder, warum die Frauen nach einer Weile das Interesse verlieren. Ganz einfach: Es fehlt die Richtung.

Frauen wollen, dass du sie führst. Und wenn du mit ihr mehr willst, musst du das Ganze auch körperlich vorantreiben. Anfassen, küssen, Sex, also. Ins Bett quatschen klappt nämlich nicht – außer du hast die rhetorischen Fähigkeiten von Obama.

In dem du dem Ganzen eine Richtung vorgibst und im besten Fall sexuell gestaltest, merkt die Frau, dass du ein Mann bist und an ihr als Frau interessiert bist – nicht als Kuscheltier. Sie guckt dir in die Augen und spürt, dass sobald ihr alleine seid, du dein Ding rausholen und es ihr ordentlich besorgen wirst. Das ist männliche Polarität. (Das war jetzt leicht übertrieben, aber ich denke, du verstehst was ich sagen will)

Vor einigen Wochen sprach ich eine Blondine auf der Straße an. Ich plapperte was von ich hab dich gerade gesehen und fand dich süß. Ich guckte ihr tief in die Augen (baut sexuelle Spannung auf) und nach 5min. meinte ich: „Lass uns ein Kaffee trinken“. Bevor sie antworten konnte, hielt ich mir mein Arm hin und sagte: „Hack dich ein, ich kein ein super Café hier gleich um die Ecke“. Sie hackte sich ein und wir gingen Kaffee trinken.

Genau das, bedeutet für mich männliche Polarität. Zu meiner Sexualität zu stehen (ich find dich süß, in die Augen gucken) und dem ganzen eine Richtung geben (hack dich ein; komm, wir gehen Kaffee trinken).

Persönlicher Style

Es geht also darum, diese beiden Grundlagen zu kultivieren. Und darauf basierend, entwickelt jeder seinen ganz eigenen Verführungstil. Basierend auf Sympathie, Humor oder gutem Aussehen (klar spielt aussehen eine Rolle, aber es ist nicht entscheidend) oder was auch immer.

Denn es bringt nicht viel, den Stil eines anderen zu kopieren – denn du bist nicht der andere. Wenn du ihn kopierst, kommt es unauthentisch rüber. Und das, ist eben einer der größten Fehler den Männer im Umgang mit Frauen machen.

Die beiden Grundlagen aber, die sind immer vorhanden und auf denen baut alles auf.

Das ist ein Gastartikel von Anchu Kögl.

Anchu Kögl

Anchu Kögl

Anchu reist um die Welt und schreibt über Frauen, Sex und Männlichkeit. Intensiv, filterlos und schockierend direkt. Sein Blog: http://intensiver.net/

Wer gerne einen Gastartikel einstellen möchte, der kann ihn mir einfach per Email schicken oder vorher eine Anfrage per Email schicken. (am Besten noch einen Hinweis in den Kommentaren, dass eine Email verschickt worden ist, das Postfach ist mitunter sehr voll)

Die Anlage-Umwelt-Debatte aus Sicht der Entwicklungspsychologie und der Soziologie

Leser Chomsky möchte gerne die folgenden Texte zur Diskussion stellen:

1. Die Anlage-Umwelt-Debatte aus der Perspektive der Entwicklungspsychologie

Kontroversen über die Frage, ob den Erbanlagen, dem Genom oder der Umwelt mehr Gewicht in der Entwicklung von Fähigkeiten, Dispositionen, Störungen usw. zukommen, sind so alt wie die Entwicklungspsychologie. Voreingenommene Meinungen sind verbreitet, obwohl diese Frage unsinnig ist. Erbanlagen und die internale und externale Umwelt wirken bei der Entwicklung psychologischer Merkmale immer zusammen, und zwar nicht additiv. Deshalb ist die Frage nach Gewichten so unsinnig, wie es unsinnig wäre, zu fragen, ob die Länge oder die Breite mehr zur Fläche beitrage.

Die sinnvolle Frage an die Wissenschaft lautet: Welche Komponente des Genoms interagieren wann bei der Entwicklung mit welchen Aspekten der internalen somatischen und/oder der externalen Umwelt in welcher Weise und mit welchem Ergebnis? Diese Frage ist aber nicht generell zu beantworten, sondern für jede Entwicklung von Fähigkeiten, Merkmalen und Störungen gesondert. Bei der Beantwortung stehen wir in vielen Feldern erst am Anfang.
Weil die Debatte über Gewichte von Anlagen und Umwelt nach wie von kontrovers geführt wird, muss man sich mit Daten und Argumenten auseinander setzen. Sinnvoll gefragt werden darf, welcher Anteil an Fähigkeits- und Merkmalsunterschieden in einer Population auf Unterschiede

– in den Erbanlagen und
– in der Entwicklungsumwelt

zurückführbar sind. Diese Frage muss erstens für jede Untersuchungspopulation gesondert beantwortet werden, und die Antwort darf nicht von einer Population auf andere generalisiert werden. Zweitens lassen die Antworten keinerlei Rückschlüsse zu auf das relative Gewicht von Anlage- und Umwelteinflüssen bei der Herausbildung von Fähigkeiten und Merkmalen eines Individuums. (Oerter, Rolf/Montada, Leo [Hrsg.] 2008: Entwicklungspsychologie, Weinheim/Basel, S. 19)

2. Die Anlage-Umwelt-Debatte aus der Perspektive der Soziologie

Die moderne Biologie, speziell Genetik und Neurobiologie, scheinen die handlungstheoretische Basis der Soziologie in Frage zu stellen. Widerlegen ihre neuesten Ergebnisse tatsächlich Axiome, deren Fortfall das soziologische Theoriegebäude einstürzen ließe? Diese Axiome beziehen sich auf unser Menschenbild. Diesem Menschenbild zufolge hat der im Prozess primärer und sekundärer Sozialisation geprägte Akteur soziokulturell geformte Präferenzen, die sein Handeln leiten. Er ist offen für seine Umwelt und reproduziert in seinem Handeln kulturell vorgegebene Muster. Die moderne Genetik scheint das Verhältnis zwischen Natur und Umwelt, nature and nurture in der Bestimmung des menschlichen Handelns zugunsten der Natur zu verschieben. Bei genauerer Betrachtung bestätigt sich jedoch, dass der handelnde Mensch der Soziologie ganz überwiegend ein Produkt der Sozialisation in eine historisch geformte Gesellschaft hinein ist. Die Genetik defi niert lediglich die äußerste Grenze soziokultureller Formbarkeit. Die Hirnforschung stellt den autonomen Akteur in Frage und macht Bewusstsein zum Epiphänomen organisch neurologischer Prozesse. Für die Soziologie ist der freie Wille jedoch niemals notwendiges handlungstheoretisches Axiom gewesen. Nicht ob Menschen bewusst handeln, sondern nach welchen – bewussten oder unbewussten – Regeln sie es tun, ist soziologisch relevant. Dabei hat die Hirnforschung selbst festgestellt, dass die ins erwachsene Gehirn einprogrammierten Reaktionstendenzen nicht genetisch determiniert sind, sondern in Interaktion mit der Umwelt „gelernt“ oder zumindest verstärkt oder gehemmt werden. Die nachgewiesene Plastizität des Gehirns bannt die Gefahr des neurologischen Determinismus. Auch inhaltlich stellen die neu entdeckten, neurophysiologisch verankerten Reaktionstendenzen die von Soziologen benutzte Handlungstheorie nicht in Frage. Die Soziologie braucht und benutzt lediglich ein stilisiertes Modell des Menschen: Der homo sociologicus ist ein höchst selektives Konstrukt. Das intellektuelle Schattenboxen mit der modernen Biologie fördert keinen Widerspruch zu fundamentalen soziologischen Axiomen zutage.

Ich füge ergänzend in Vorbereitung einer Diskussion noch ein paar Links an: