Die Evolution der Kooperation

In der Diskussion zu den egoistischen Genen tauchte noch einmal die Frage auf, wie sich dann Kooperation entwickeln konnte.

Ich zitiere dazu aus einem passenden Wikipediaartikel:

Axelrod geht von einem iterativen Gefangenendilemma aus. In diesem einfachen Zwei-Personen-Spiel haben beide Spieler den Anreiz, sich unkooperativ zu verhalten, wenn sie rational und egoistisch handeln – wenn keine weiteren Aspekte wie Moral oder gegenseitiges Vertrauen hinzu kommen, und wenn sie sich nur einmal und dann niemals wieder in dieser Situation begegnen. Das Dilemma des Gefangenendilemmas besteht darin, dass zwar Defektion für jeden Spieler aus seiner Sicht richtig (rational) wäre, es sich jedoch um ein Nichtnullsummen-Spiel handelt, bei dem nicht nur einer gewinnen kann, sondern beide den Gesamt-Gewinn durch Kooperation maximieren können.

Axelrod untersuchte, was sich ergibt, wenn sich diese Situation über viele Male wiederholt; wenn sich die beiden Spieler immer wieder begegnen, ohne zu wissen, wann sie zum letzten Mal zusammentreffen werden (iteriertes Gefangenendilemma). Von vornherein gibt es keine beste Strategie, da die Strategie immer von der Strategie des Gegners abhängt. In zwei Programmierwettbewerben ließ er verschiedene, zum Teil sehr ausgeklügelte Strategien zusammentreffen. Die Programme stammen von vielen Personen aus unterschiedlichen Fachbereichen, darunter Mathematiker, Informatiker, Sozialwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler und Psychologen. Es zeigte sich, dass sich in einem iterierten Gefangenendilemma kooperative Strategien durchsetzen.

Es stellte sich heraus, dass eine sehr einfache Strategie beide Male am erfolgreichsten war: Tit for Tat, gewann beide Wettbewerbe und bekam insgesamt, summiert über alle Spiele eines Turniers, die meisten Punkte. Tit for Tat setzte sich gegen komplexe, teilweise stochastische Verfahren, darunter Strategien, die trickreich versuchten, die anderen zu übertölpeln, durch. Tit for Tat besteht darin, beim ersten Zusammentreffen mit einem anderen Spieler zu kooperieren und in allen weiteren Runden dann stets dessen Verhalten aus der Runde davor nachzuahmen.

Axelrods Experiment liegen idealisierende Annahmen zu Grunde:

  • Alle Spieler sind mit den gleichen Ressourcen ausgestattet. Abgesehen von der Möglichkeit, in den einzelnen Spielrunden zu kooperieren oder zu verweigern, haben sie keine Möglichkeit, anderen Mitspielern Belohnungen zukommen zu lassen oder Repressalien auszuüben.
  • Abgesehen von der bisherigen Geschichte ihrer Interaktion in den vorangegangenen Spielrunden wissen die Spieler nichts voneinander.

Diese Annahmen mögen weltfremd erscheinen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von realen Situationen, in denen sich dieses Mehrrunden-Gefangenendilemma wiederfindet. Im Kern tritt es immer dann auf, wenn eine Gruppe von Personen die Wahl hat, eine gemeinsame Ressource zum maximalen Eigennutz auszubeuten – oder sich zwecks Maximierung des gemeinsamen, nachhaltigen Nutzens zurückzuhalten. Axelrods Arbeit wurde deshalb zur Grundlage einer großen Anzahl weiterer Forschungsarbeiten in den Sozial-, Politik- und Rechtswissenschaften.

Die Analyse der beiden Wettbewerbe ergab folgende Bedingungen für eine erfolgreiche Strategie:

  1. Die Strategie muss freundlich sein, das heißt: Niemals als Erste nicht kooperieren (defektieren)! Alle Strategien, die niemals als Erste defektierten (nicht kooperierten), befanden sich auf den vorderen Plätzen.
  2. Die Strategie muss schlagkräftig sein und nicht nachtragend, das heißt, eine Defektion des Gegners mit einer eigenen Defektion zurückzahlen können und dann wieder kooperieren. Dies ist wichtig, um nicht ausgenutzt zu werden. Die Strategie muss aus den Handlungen des Gegners lernen und sich dessen Züge merken können. Um nicht in einem unendlichen Echo der gegenseitigen Defektion zu enden, sollte der Rückschlag deutlich, aber deeskalierend sein.
  3. Die Strategie darf nicht neidisch sein! Wenn die Strategie niemals zuerst defektiert, kann sie immer nur genauso gut wie der Gegner werden und niemals besser. Indem sie gegnerische Defektionen beantwortet, hinkt sie sogar immer einen Schritt hinterher und hat am Schluss ein paar Punkte weniger. Beim Versuch, diesen Rückstand aufzuholen, wird der Weg der besten Strategie verlassen, man schneidet insgesamt schlechter ab!
    Das heißt konkret, dass Tit for Tat den Wettbewerb nicht gewinnt, weil es eine hohe Zahl von Einzelsiegen erringt, sondern weil Tit for Tat zwar im Gegenteil im direkten Duell recht einfach zu besiegen ist und somit eher wenige Duelle gewinnt, dafür diese Niederlagen aber mit hohen Punktzahlen einhergehen.
  4. Sei nicht zu raffiniert, das heißt, die Strategie muss für den Gegner durchschaubar sein, damit er sich auf sie einstellen kann und nicht glaubt, es sei eine zufällige Strategie (Random hat nicht besonders gut abgeschnitten).
  5. Jede Strategie funktioniert nur, wenn die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Spiels und damit von zukünftigem Gewinn ausreichend hoch ist. Ist diese Wahrscheinlichkeit zu klein, ist es immer besser zu defektieren und den jetzigen Gewinn zu sichern. Wer Kooperation mit seinem Gegner möchte, muss also für eine ausreichend häufige und ausreichend sichere Wiederkehr des Spiels sorgen.

Von allen zum Wettbewerb eingesandten Strategien erfüllte Tit for Tat diese Bedingungen am besten. Ein Nachteil ergibt sich aus den nicht deeskalierend ausgeführten Rückschlägen von Tit for Tat, wodurch diese Strategie nicht fehlerrobust ist. Interpretiert ein Spieler das kooperative Verhalten seines Mitspielers fälschlich als Defektion, dann dauert die gegenseitige Defektion an, obwohl beide Parteien im Grunde auf Kooperation ausgerichtet sind. In der Politik können solche Missverständnisse beispielsweise zum Wettrüsten wider Willen, zu wechselseitigen Handelsembargos oder anderen krisenhaften Entwicklungen führen. Aber nicht nur Missverständnisse, sondern auch das übertriebene Ausspielen von Tit for Tat kann dazu führen, dass auf Defektion immer wieder Defektion folgt, was zu einer kaum Gewinn bringenden Kette führen würde.

Abhilfe kann dadurch geschehen, dass nach zufälliger, d. h. für den Gegner nicht abschätzbarer Anzahl Wiederholungen spontan einseitig Kooperation gespielt wird, um den Kreislauf der Konfrontation zu durchbrechen, was Tit for Tat allerdings nicht vorsieht.

Natürlich ist die Wirklichkeit etwas komplizierter als das von Axelrod konzipierte Spiel. Die tatsächliche Welt muss auch einmalige Spiele beachten, mit Fremden, und hat gleichzeitig nicht nur das Ziel, eine bestimmte Ressource anzuhäufen, sondern benötigt eine Vielzahl verschiedener Ressourcen, die auch nicht gleichmäßig verteilt sind und bei denen Monopole bestehen. Es gibt wesentlich mehr Handlungsptionen, von Gewalt bis hin dazu andere mittels Kooperationen auszuschließen. Und dann kommen noch Verwandte dazu, dann der Wunsch als attraktiver Partner zu erscheinen und viele viele andere Punkte, nicht zuletzt

Dennoch gibt es denke ich ein gutes Grundmodell wieder, welches einem erlaubt die evolutionäre Entstehung nachzuvollziehen.

Vieles in unserem Verhalten lässt sich in diesem Licht verstehen, insbesondere viele unserer Emtionen und unser Sozialverhalten. Wir haben ein starkes Bedürfnis als jemand angesehen zu werden, der fair ist, der die Gruppe nicht ausnutzt, der sich auch nicht ausnutzen lässt, der Potential für eine Zusammenarbeit mit wichtigen Leuten hat. Wir sind entsetzt, wenn jemand, den wir zu unserem Freundeskreis zählen nicht gibt oder gar sich eigene Vorteile zuschustert, womöglich noch zu Lasten der Gruppe. Viele dieser Emotionen entstehen dabei nicht rational, sondern eben unterbewußt, als Teil unserer unterbewußten Programmierung.

 

IDPOL und Privilegientheorien als Prisoners Dilemma

Während ich etwas mehr über Spieltheorie lese fällt mir auf, dass die Abwärtsspirale, die ich unter IDPOL beschrieben habe, im Endeffekt ebenfalls ein klassiches Spiel ist, nämlich ein Prisoners Dilemma in Gestalt eines „Race to the bottom

An economic example of racing to the bottom is tax competition between governments. Each government may benefit from higher tax revenues by having high tax rates on corporate profits, but governments can benefit individually with lower corporate tax rates relative to other jurisdictions in order to attract businesses to their own jurisdictions. In order to maintain equilibrium, each of the other governments would have to lower their corporate tax rates to match that of the government that first lowered the tax rate. The end result is that each government adopts a lower corporate tax rate and, therefore, collects less revenue overall. Assuming the foundational premise is correct, the optimal option for all governments would be an agreement to maintain tax harmonization.

Im Privilegienfeminismus geht es darum, sich mit dem Opferstatus weitestgehend zu identifizieren und immer weitere Privilegien der anderen Gruppe zu entdecken. Da derjenige das Spiel gewinnt, der immer weitere Privilegien aufdeckt und Benachteiligungen ausmacht wird sich beständig unterboten, bis schließlich die normalsten Punkte – sich küssenden Heterosexuelle oder Babies – Privilegien und damit auch gleichzeitig Benachteiligungen sind.

Ein Ausbruch wäre damit nur dann möglich, wenn innerhalb des Feminismus „kooperiert“ wird und man sich auf eine Untergrenze einigt. Das ist allerdings in einem so fließenden Bereich und aufgrund des Gewinnes für den Einzelnen, der eine neue Benachteiligung darlegen kann nicht zu erwarten.

Der Feminismus befindet sich insoweit bezüglich seiner Privilegientheorien in der derzeitigen Form in einem klassischen Prisoners Dilemma.

Spieletheorie und Evolutionäre Spieltheorie

Eine der besten Ansätze Interaktionen von Personen (oder Lebewesen) zu verstehen ist aus meiner Sicht die Spieletheorie.

Sie erlaubt es, die Interessen der einzelnen Personen zu beschreiben und ihr Vorgehen strategisch zu analysieren. Häufig ergeben sich aus diesen Analysen Erklärungen, auf die man nicht ohne weiteres kommt, die aber den Ausgang einer bestimmten Situation bestimmen können.

Natürlich sind der Spieletheorie Grenzen gesetzt: Die haargenaue Aufschlüsselung aller möglichen Interessen und Nutzen ist bei vielen Alltagsentscheidungen kaum möglich und Menschen verhalten sich eben auch deswegen scheinbar irrational.

Meiner Meinung nach wäre eine umfassende Betrachtung des Geschlechterverhältnisses nach diesen Regelungen sehr interessant. Eine solche Aufarbeitung gibt es meiner Meinung nach noch nicht.

1. Spiele

Hier eine Kurzdarstellung einiger Spiele, mit denen man sich aber auf alle Fälle auseinandersetzen sollte:

a) Gefangenendilemma (Prisoners Dilemma)

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Beide Gefangene werden in getrennten Räumen verhört und haben keine Möglichkeit, sich zu beraten bzw. ihr Verhalten abzustimmen. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt sechs Jahre. Wenn die Gefangenen sich entscheiden zu schweigen (Kooperation), werden beide wegen kleinerer Delikte zu je zwei Jahren Haft verurteilt. Gestehen jedoch beide die Tat (Defektion), erwartet beide eine Gefängnisstrafe, wegen der Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden jedoch nicht die Höchststrafe, sondern lediglich von vier Jahren. Gesteht nur einer (Defektion) und der andere schweigt (Kooperation), bekommt der erste als Kronzeuge eine symbolische einjährige Bewährungsstrafe und der andere bekommt die Höchststrafe von sechs Jahren.

Hier sieht man das Dilemma: die sicherste Strategie für beide ist es den anderen zu verraten, weil man damit das geringste Risiko eingeht. Würden aber beide Zusammenarbeiten und Schweigen, dann würden beide einen Vorteil haben (2 Jahre Knast). Diesen können sie aber nur durch Vertrauen haben, was leicht ausgebeutet werden kann (wenn einer schweigt, dann kann der andere ihn verraten und ein Jahr bekommen, verraten aber beide sich jeweils, dann bekommen sie vier, was besser ist als sechs).

Das ist der Grund, warum Verbrechersyndikate zusätzliche Kosten einbauen („wer singt, wird umgebracht“), was dann wieder mit Zeugenschutzprogrammen zu verhindern versucht wird. Das Spiel zeigt sich aber auch in vielen anderen Bereichen und ist das Grundproblem, warum sich Kooperation nur schwer entwickelt.

b) Ultimatumspiel

Einem Akteur A1 wird ein Gut c (z.B. Geld) zur Verfügung gestellt. Hiervon muss er einen Teil s wählen (0\le s \le c) und einem anderen Akteur A2 anbieten. Lehnt dieser den ihm angebotenen Teil ab, so muss auch A1 auf seinen Teil verzichten und beide gehen leer aus. Nimmt A2 an, so erhält er das Angebot s und A1 erhält den Rest c-s.

Das interessante an dem Spiel ist, dass es sich rein logisch bei einem einmaligen Spiel schlichtweg nicht lohnt viel anzubieten. Selbst wenn man von 10 € einen Cent anbietet, dann erhält derjenige, der ablehnt, immer noch einen Cent mehr als er bei einer Ablehnung erhalten würde. Seine beste Strategie wäre es, immer anzunehmen. Tatsächlich zeigt sich aber, dass die meisten Menschen Angebote ablehnen, bei denen der Anbietende einen übergroßen Teil behält. Weswegen viele Anbietende die Hälfte anbieten, was dann angenommen wird.

Dieses Spiel zeigt aus meiner Sicht, dass wir biologisch nicht auf einmalige Interaktionen ausgelegt sind bzw. biologisch immer den Ruf im Kopf haben, man also befürchtet, für jemanden gehalten zu werden, den man leicht ausnehmen kann. Dieses Interesse ist ein zusätzlicher Faktor aus unserer Biologie, der es für uns logischer macht in einer Bestrafung für das schlechte Angebot zu investieren und dafür selbst nichts zu bekommen.

c) Feigling Spiel („Chicken)

zwei Sportwagen fahren mit hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Wer ausweicht, beweist damit seine Angst und hat das Spiel verloren. Weicht keiner aus, haben beide Spieler zwar die Mutprobe bestanden, ziehen jedoch daraus keinen persönlichen Nutzen, weil sie durch den Zusammenprall ihr Leben verlieren.

Das Spiel ist im Prinzip eine Form des kalten Krieges oder die Cuba-Krise. Wer zuerst aufgibt, verliert.

Insbesondere die Grenzen und die Art und Weise, wie man das Spiel gestalten kann, sind dabei interessant:

Wenn das Spiel mit dem Untergang in der Realität gespielt wird, haben die Spieler mehr als nur zwei Optionen (Strategien). So stehen sie nicht einfach vor der Entscheidung weiterzufahren oder auszuweichen, sondern sie können z. B. zu verschiedenen Zeitpunkten ausweichen. Des Weiteren kann ein gleichzeitiges Ausweichen in die gleiche Richtung auch zu einer Kollision führen. Außerdem haben sie vielleicht die Möglichkeit, vor der eigentlichen Mutprobe Handlungen auszuführen, die das Verhalten des Gegners beeinflussen, indem sie beispielsweise versuchen, den Gegner davon zu überzeugen, dass sie selbst keinesfalls ausweichen werden. Das könnte über eine glaubwürdige Selbstbindung geschehen: Wenn es einem der Mitspieler gelingt, die Auszahlungen so zu verändern, dass für ihn ausweichen in jedem Fall zu einem niedrigeren Nutzen führt als weiterfahren (weiterfahren als dominante Strategie), dann ist seine Ankündigung, in jedem Fall weiterzufahren, glaubwürdig. Sein Gegner kann sich sicher sein, dass sein (rationaler) Mitspieler seine Ankündigung wahr machen wird. Etwas konkreter könnte einer der Spieler so überlegen: „Nur wenn ich den anderen davon überzeugen kann, dass mein Auto z. B. explodiert, sobald ich nach links oder rechts steuere, ist meine Drohung glaubwürdig und der andere kann die beste Antwort (best response) auf meine Strategie wählen, was in diesem Fall dann vermutlich ein Ausweichen wäre.“ Ein anderes Beispiel wäre: Wenn einer der Spieler vor der Fahrt eine Flasche Wodka leert, die Sonnenbrille aufsetzt und dann während der Fahrt das Lenkrad aus dem Fenster wirft, macht er dem anderen damit deutlich klar, dass er nicht mehr ausweichen kann. Stanley Kubrick deutet mit der Weltvernichtungsmaschine eine solche Möglichkeit für die Nuklearstrategie eines Staates in seinem Film Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (von 1964) an. Allerdings wurde diese Weltvernichtungsmaschine zu lange geheim gehalten und damit für diese Strategie unwirksam. Wenn diese Möglichkeit der glaubwürdigen Selbstbindung explizit in ein symmetrisches, mehrstufiges Modell eingebaut wird, bei dem beide Spieler vor dem eigentlichen Rennen die Auszahlungen entsprechend beeinflussen können, gibt es allerdings wieder zwei (nicht symmetrische) Nash-Gleichgewichte: Spieler 1 bindet sich glaubwürdig, weicht nicht aus, Spieler 2 weicht aus; Spieler 2 bindet sich glaubwürdig, weicht nicht aus, Spieler 1 weicht aus. Diese Komplizierung des Modells hilft also nicht, eine eindeutige Lösung des Spiels zu bestimmen.

Hier kann man sehen, dass Signale und Zeichen oder Selbstbindungen in diesem Bereich neue Spielmöglichkeiten geben. Dazu, dass wir mit unseren Emotionen teilweise solche Signale setzen, hatte ich bereits etwas geschrieben.

d) Wiederholtes Gefangenendilemma

Beim Gefangenendilemma, dass man nicht nur einmal spielt, sondern immer wieder, kann das bisherige Verhalten als Basis genommen werden um zukünftiges Verhalten zu berechnen. Aber auch hier droht im Prinzip das gleiche Dilemma. Es kann aber mittels verschiedener Strategien daraus ausgebrochen werden, zB Tit for Tat:

In der Spieltheorie bezeichnet Tit for Tat die Strategie eines Spielers, der in einem mehrperiodigen Spiel im ersten Zug kooperiert (sich „freundlich“ verhält) und danach genauso handelt wie der Gegenspieler in der jeweiligen Vorperiode. Hat der Gegenspieler zuvor kooperiert, so kooperiert auch der Tit for Tat-Spieler. Hat der Gegenspieler in der Vorrunde hingegen defektiert („unfreundlich“ reagiert), so antwortet der Tit for Tat-Spieler zur Vergeltung ebenfalls mit Defektion.[3] Die von Anatol Rapoport formulierte Tit for Tat-Strategie beinhaltet nicht nur das gerade dargestellte Prinzip der Reziprozität bzw. des Talions („Auge um Auge, Zahn um Zahn: Tue anderen so, wie sie dir getan haben“[4]), sondern der beschränkten Vergeltung, um Strafen gering und Belohnung hoch zuhalten, unabhängig davon, wie das Gegenüber sich verhält. Die Strategie hat außerdem die Regel, zu Beginn einer Interaktion auf jeden Fall kooperativ zu handeln. Tit for Tat ist daher eine freundliche Strategie. Wenn zwei Tit for Tat-Spieler aufeinander treffen, kooperieren sie immer. Das Potenzial der Tit for Tat-Strategie wurde in einem vielbeachteten Computer-Experiment von Robert Axelrod deutlich. Dabei bat Axelrod Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen, ihm Strategien mitzuteilen, die in Form von Verhaltensregeln die Entscheidungen innerhalb eines wiederholten Gefangenendilemmas bestimmen sollten. Mit diesen Strategien simulierte Axelrod ein Turnier, bei dem jeder Spieler wiederholt gegen jeden anderen antrat. Unter verschiedenen Versuchsbedingungen setzte sich immer wieder Tit for Tat als eine der erfolgreichsten Strategien durch.[3] In einem wiederholten Gefangenendilemma über mehrere Runden kann ein Spieler mit der Anwendung der Tit for Tat-Strategie nie besser abschneiden als der jeweilige Gegenspieler, da ja immer dessen Züge nachgemacht werden. Der maximale Rückstand auf den Gegenspieler ist dafür verhältnismäßig klein. Wenn der andere ebenfalls Tit for Tat spielt (oder eine andere Strategie, die auf Freundlichkeit immer freundlich reagiert), entsteht kein Rückstand, da dann beide Spieler genau gleichmäßig Kooperationsgewinne einstreichen. In einem Spiel mit mehreren Mitspielern dagegen schneidet man in vielen Fällen besser ab als Spieler mit anderen Strategien, da sich dort Kooperation bezahlt macht, die Tit for Tat-Strategie sich aber zugleich nicht „ausbeuten“ lässt. Die Strategie „Kooperiere immer“ schneidet hingegen bei unfreundlichen Gegenspielern oder in gemischten Interaktionsgruppen deutlich schlechter ab, da sie sich ausbeuten lässt.

Wer sich diese Probleme bewußt macht, der versteht, warum die Entwicklung von Kooperation bestimmte menschliche Verhaltensweisen geformt hat. Wir spielen in gewisser Weise kompliziertere Versionen von Tit for Tat, wobei wir unsere Strategie noch nach bestimmten Informationen und auch unserer Kultur anpassen. Wir sind üblicherweise freundlich, gerade gegenüber der Ingroup, aber auch gegenüber Fremden, sofern diese nicht als feindlich eingeschätzt werden (man also meint, dass sie eh „Defekt“ spielen werden). Wir sind um unseren Ruf besorgt, weil man mit Leuten, die den Ruf haben zu defekten nicht spielen will. Wir setzen Vertrauenszeichen unseres guten Willens etc.

2. Evolutionäre Spieltheorie

Interessant ist in dieser Hinsicht natürlich auch die evolutionäre Spieltheorie.:

In der evolutionären Spieltheorie suchen die Spieler keine Lösung. Diejenigen, die eine weniger erfolgreiche Strategie haben, scheiden ganz einfach aus der Population im Laufe der Zeit aus. Dies bedeutet, dass diese Theorie mit einem extrem beschränkt rationalen Entscheidungsverhalten startet. Es bleibt jedoch insofern rational, als der Anteil von Spielern mit einer erfolgreichen Strategie wächst. Die Rationalitätslösung ergibt sich somit nicht aus der Voraussicht rationaler Akteure, sondern ist Folge eines Selektionsmechanismus. Dies kann als Lernen interpretiert werden. Dieses Lernen findet dann aber auf der Ebene der gesamten Population der Spieler statt. Über das Lernen eines bestimmten Spielers werden dabei jedoch keine Aussagen getroffen. Auch die bewusste Wahl einer Strategie in dem Wissen um Interaktion mit anderen Spielern steht in der evolutionären Spieltheorie ganz im Hintergrund. Stattdessen haben die Spieler im evolutionären Kontext automatenhaft bestimmte Verhaltensmuster und die zentrale Frage zielt darauf ab, welche Verhaltensmuster in welchem Ausmaß im Spiel ‚überleben‘ und welche neuen Verhaltensmuster (Strategien) in das Spiel erfolgreich eindringen können.

Das die Selektion auch nach den Regeln der Spieletheorie erfolgt erscheint logisch: Wer über Gene ein Verhalten  bewirkt, welches den Genträger eine besonders sichere Strategie verfolgen läßt, dessen Gene kommen in die nächste Generation und reichern sich dort an.

So gesehen ist das Spiel der Konkurrenzkampf darum, möglichst viele Kopien der eigenen Gene in den Genpool zu bringen, wer die meisten Kopien dauerhaft unterbringt gewinnt und ein aktives Spielen ist insofern nicht erforderlich. Es kann beispielsweise eine erfolgreiche Strategie sein, einen Mann Status aufbauen zu lassen, weil Status ein nicht leicht zu fälschendes Signal ist und damit beiderseitige Vorteile bestehen können: Wer Status aufbaut, kann seine Fitness darstellen. Und Frauen, die das Signal attraktiv finden, erhalten tatsächliche Informationen über den potentiellen Partner. Es kann auch Vorteilhafter für Männer sein, sexuelles Interesse von Frauen zu überschätzen und für Frauen, sexuelles Interesse zu unterschätzen etc.

3. Weiteres zur Spieletheorie in der Biologie

Einige interessante Angaben gibt es auch noch in der Wikipedia

The payoffs for games in biology, unlike those in economics, are often interpreted as corresponding to fitness. In addition, the focus has been less on equilibria that correspond to a notion of rationality and more on ones that would be maintained by evolutionary forces. The best known equilibrium in biology is known as the evolutionarily stable strategy (or ESS), and was first introduced in (Smith & Price 1973). Although its initial motivation did not involve any of the mental requirements of the Nash equilibrium, every ESS is a Nash equilibrium.

In biology, game theory has been used to understand many different phenomena. It was first used to explain the evolution (and stability) of the approximate 1:1 sex ratios. (Fisher 1930) suggested that the 1:1 sex ratios are a result of evolutionary forces acting on individuals who could be seen as trying to maximize their number of grandchildren.

Additionally, biologists have used evolutionary game theory and the ESS to explain the emergence of animal communication (Harper & Maynard Smith 2003). The analysis of signaling games and other communication games has provided insight into the evolution of communication among animals. For example, the mobbing behavior of many species, in which a large number of prey animals attack a larger predator, seems to be an example of spontaneous emergent organization. Ants have also been shown to exhibit feed-forward behavior akin to fashion, see Butterfly Economics.

Biologists have used the game of chicken to analyze fighting behavior and territoriality.[citation needed]

Maynard Smith, in the preface to Evolution and the Theory of Games, writes, „paradoxically, it has turned out that game theory is more readily applied to biology than to the field of economic behaviour for which it was originally designed“. Evolutionary game theory has been used to explain many seemingly incongruous phenomena in nature.[19]

One such phenomenon is known as biological altruism. This is a situation in which an organism appears to act in a way that benefits other organisms and is detrimental to itself. This is distinct from traditional notions of altruism because such actions are not conscious, but appear to be evolutionary adaptations to increase overall fitness. Examples can be found in species ranging from vampire bats that regurgitate blood they have obtained from a night’s hunting and give it to group members who have failed to feed, to worker bees that care for the queen bee for their entire lives and never mate, to Vervet monkeys that warn group members of a predator’s approach, even when it endangers that individual’s chance of survival.[20] All of these actions increase the overall fitness of a group, but occur at a cost to the individual.

Evolutionary game theory explains this altruism with the idea of kin selection. Altruists discriminate between the individuals they help and favor relatives. Hamilton’s rule explains the evolutionary reasoning behind this selection with the equation c<b*r where the cost (c) to the altruist must be less than the benefit (b) to the recipient multiplied by the coefficient of relatedness (r). The more closely related two organisms are causes the incidences of altruism to increase because they share many of the same alleles. This means that the altruistic individual, by ensuring that the alleles of its close relative are passed on, (through survival of its offspring) can forgo the option of having offspring itself because the same number of alleles are passed on. Helping a sibling for example (in diploid animals), has a coefficient of ½, because (on average) an individual shares ½ of the alleles in its sibling’s offspring. Ensuring that enough of a sibling’s offspring survive to adulthood precludes the necessity of the altruistic individual producing offspring.[20] The coefficient values depend heavily on the scope of the playing field; for example if the choice of whom to favor includes all genetic living things, not just all relatives, we assume the discrepancy between all humans only accounts for approximately 1% of the diversity in the playing field, a co-efficient that was ½ in the smaller field becomes 0.995. Similarly if it is considered that information other than that of a genetic nature (e.g. epigenetics, religion, science, etc.) persisted through time the playing field becomes larger still, and the discrepancies smaller.

Ich denke, dass diese Theorien noch eine hohe Bedeutung haben werden. Mit ihnen lassen sich bestimmte eovlutionäre Vorgänge nachvollziehen. Ich denke auch, dass wir viele Verhalten haben, die nur vor dem Hintergrund zu erklären sind, dass sie auf bestimmte Strategien abstellen.

Error Management Theorie

Ein interessanter Aspekt, der letztendlich in den Bereich Spiele Theorie fällt ist die Fehler Management Theorie:

Error Management (EM) is a theory that looks at history of cognitive biases throughout evolution. It was put forth by David Buss and Martie Haselton. Such biases and heuristics over the vast time line of evolutionary history could have only existed if they held at least slight reproductive benefits. The drive to reduce or manage costly reproductive errors is the root of the theory. However, since evolution is purposeless—it has no „intentions“—EM adaptations are not aimed at accuracy but are „designed to err in the direction of lower survival or reproductive cost“.[1]

Letztendlich geht es darum, dass einige Fehler teurer sind als andere: Es ist günstiger sich einmal zuviel vor einer giftigen Schlange zu fürchten als einmal zu wenig, wenn die Kosten auf der einen Seite unnötiger Schrecken und auf der anderen Seite der Tod durch den Biss der Schlange sind. Es lohnt sich dann immer eher, sich auf der Seite des weniger kostenintensiven Fehlers zu irren.

In der Wikipedia dazu:

In the decision making process, when faced with uncertainty, a subject can make two possible errors: type I or type II. A type I error is a false-positive or in layman’s terms, playing it safe. A fire alarm that later turns out to be a false alarm is a type I error. A type II error is a false-negative, or the siding with skepticism. Ignoring the fire alarm because it is often wrong, but it later turning out to be accurate is a type II error.

Wann immer die Folgen eine Irrtums in die eine Richtung geringer sind als eines Irrtums in die andere Richtung lohnt es sich eher einen Fehler in eine bestimmte Richtung zu machen.

Ich kann mir vorstellen, dass darauf ein gewisser Teil menschlichen Verhaltens beruht.

Beispielsweise ist eine übertriebene Gesichtererkennung sinnvoll, weil ein potentieller Mensch in der Gegend gefährlicher ist als die Wahrnehmung eines falschen Gesichtes. Gleichzeitig führt dies dazu, dass wir überall Gesichter zu erkennen glauben und Sachen personalisieren, die nicht menschlich sind.

Auch ein Handlungsmotiv in verschiedenen Zusammenhängen zu erkennen mag vorteilhafter sein als ein solches Motiv zu übersehen, was uns zu allerlei Verschwörungstheorien bringen könnte.

Ein weiteres Beispiel, welches den Geschlechterbereich betrifft, führt die Wikipedia an:

Error Management theory asserts that such errors had an important role in human evolution, with certain errors benefiting certain sexes. In males, a type I error of assuming sexual interest on the part of a female is less costly than assuming the female is not interested when in fact she is. The former costs embarrassment, rejection and in rare cases the anger of her current mate. The latter (type II) cost is the loss of an interested reproductive partner. In women, a type I error is assuming that a man is dedicated to resource commitment when he is not is more costly than assuming he is not when he is. The former is costly in that woman has been abandoned and tricked by the male into giving reproductive access. The latter, she has given up nothing and missed out on one of many commitment-oriented men.

Accordingly, men may be predisposed due to evolutionary incentives to over-perceive female sexual interest whereas females are oriented to under-perceive male commitment signals.

Ich hatte diesen Ansatz hier schon einmal besprochen

Die Biologischen Grundlagen für ein faires Geschäft

Ein interessante Studie zeigt, wie sich bei Kindern ein Sinn für ein faires Geschäft entwickelt

Highlights

Age-related increases in strategic behavior correlate with greater impulse control

Development of DLPFC function subserves impulse control needed for strategic behavior

Age-independent DLPFC thickness predicts individual differences in strategic behavior

Summary

Human social exchange is often characterized by conflicts of interest requiring strategic behavior for their resolution. To investigate the development of the cognitive and neural mechanisms underlying strategic behavior, we studied children’s decisions while they played two types of economic exchange games with differing demands of strategic behavior. We show an increase of strategic behavior with age, which could not be explained by age-related changes in social preferences but instead by developmental differences in impulsivity and associated brain functions of the left dorsolateral prefrontal cortex (DLPFC). Furthermore, observed differences in cortical thickness of lDLPFC were predictive of differences in impulsivity and strategic behavior irrespective of age. We conclude that egoistic behavior in younger children is not caused by a lack of understanding right or wrong, but by the inability to implement behavioral control when tempted to act selfishly; a function relying on brain regions maturing only late in ontogeny.

Quelle: Impulse Control and Underlying Functions of the Left DLPFC Mediate Age-Related and Age-Independent Individual Differences in Strategic Social Behavior

Aus dem Spiegelartikel dazu:

Wie sie im Fachmagazin „Neuron“ berichten, verstehen auch jüngere Kinder durchaus, welche Art des Teilens oder Tauschens gerecht ist und welche nicht. Damit sie jedoch die Situation des anderen mit bedenken und nicht impulsiv aus egoistischer Sicht entscheiden, muss eine bestimmte Hirnregion aktiv werden. Und der sogenannte linke dorsolaterale präfrontale Cortex, der für die Impulskontrolle wichtig ist, entwickelt sich erst relativ spät vollständig. Daher sei faires Teilen noch im Grundschulalter leicht gesagt, doch schwer getan, schreiben die Wissenschaftler

Das finde ich interessant. Für kleine Kinder eines gewissen Alters ist es meiner Meinung  nach durchaus vorteilhaft, egoistisch zu sein. Schließlich sind sie noch sehr verletzlich und sollten sich an Ressourcen sichern, was sie können. Es wäre insofern durchaus sinnvoll, eine Gehirnfunktion, die dies einschränkt erst später zu entwickeln. Das wir ohne diese Gehirnregion egoistischer sind zeigt zudem gut, wie sich soziales Denken auch biologisch entwickeln kann.

Und weiter:

Beim Ultimatumspiel unterbreiteten ältere Kinder häufiger faire Angebote, während die jüngeren Kinder zwischen beiden Spielen kaum Unterschiede machten. Auch die Reaktion auf ein ungerechtes Angebot fiel je nach Alter unterschiedlich aus: Während fast alle 11- bis 14-Jährigen das Geld ablehnten, wenn ihnen nur eine einzige Einheit angeboten worden war, akzeptierten die meisten 6- bis 9-Jährigen dieses Angebot. Dies taten die Jüngeren, obwohl ihnen bewusst war, dass die Aufteilung unfair war und sie es daher im Prinzip ablehnen sollten.

Es ist hier zunächst erst einmal festzuhalten, dass die 6-9jährigen eigentlich logischer handeln. Zumindest, wenn man das Spiel nur einmal gespielt hat. Denn in diesem Fall bringt die Bestrafung nicht, der Spieler hat den größten Vorteil, wenn er jeden angebotenen Betrag und sei er noch so niedrig, sofort annimmt, was der Anbietende sich denken kann und daher den geringstmöglichen Betrag bieten sollte.

Hier zeigt sich auch mal wieder, dass unser Gehirn nicht für absolutes logisches Denken gemacht ist, sondern für die Praxis: Im wahren Leben gibt es eben keine Spielregeln, die festlegen, dass man nur einmal miteinander spielt, sondern die Chance ist groß, dass man weitere Male miteinander zu tun hat oder zumindest andere mitbekommen, dass man bereit ist zu bestrafen, wenn man ein schlechtes Angebot bekommt. Dies hat auf lange Sicht dann wieder Vorteile

Und weiter

Messungen der Hirnaktivität brachten weitere interessante Erkenntnisse: Je älter die Kinder waren, desto stärker wurde der laterale präfrontale Cortex aktiv. Er reift erst spät in der Kindesentwicklung voll heran. Dass Kinder selbst dann nicht fair teilen, wenn es strategisch klug wäre, hat nach Ansicht der Forscher demnach nichts mit mangelndem Verständnis zu tun. Es erklärt sich stattdessen aus der späten Entwicklung dieser für die Impulskontrolle wichtigen Hirnregion.

Andere Studien haben bereits gezeigt, dass Kinder schon sehr früh abschätzen können, wer moralisch richtig handelt und oft auch dementsprechend reagieren – etwa ein Experiment am Leipziger MPI, bei dem 3-jährige Fieslinge abstraften, freundlichen Erwachsenen dagegen halfen.

Die Impulskontrolle scheint also zunächst erst einmal auf den „logischsten Weg“ anzuspringen und wird dann entsprechend gehemmt.

Kritik am Kommunismus

Kommunismus

Der Kommunismus ist in der Wikipedia wie folgt definiert:

Kommunismus (vom lateinisch communis ‚gemeinsam‘) bezeichnet politische Lehren und Bewegungen, die zuerst die Gütergemeinschaft zum Ziel haben, im weiteren Sinne die klassenlose Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist und die Produktion des gesellschaftlichen Lebens rational und gemeinschaftlich geplant und durchgeführt wird.

Meiner Meinung nach stehen diesem Gesellschaftssystem einige Bedenken entgegen:

– unbedingter Altruismus ist keine evolutionär stabile Strategie, Alturismus beim Menschen ist im Rahmen der Durchsetzung eigener Interessen, der Interessen von Verwandten und der Interessen einer In-Group im Rahmen einer (vermutete, indirekten) Reziprozität entstanden.

Wettbewerb erzeugt Wohlstand, was aus dem oben genannten folgt.

– Menschen wollen einen hohen Wohlstand. Ein System, dass ihnen dies nicht bietet, erscheint damit zunächst weniger begehrenswert

– Der Gegensatz von Privateigentum=Ausbeutung, Arbeiter=Ausgbeuteter ist heute nicht mehr haltbar. Die Abgrenzung wird theoretisch und beliebig, Armutsverhältnisse verlaufen nicht anhand dieser. Durch die Möglichkeit für gute Ideen Finanzierungen zu erhalten verwischen die Grenzen immer mehr. Ein Angestellter kann sehr reich werden, innerhalb eines Unternehmens aufsteigen, sich dort ein gutes Einkommen verdienen. Der Staatsdienst, obwohl weniger ausbeuterisch, zahlt häufig schlechter und bietet andere Vorteile wie sichere Arbeitsplätze etc.

– Eine Verteilung von Gütern ohne Markt scheint nicht zu klappen. Märkte können nicht geplant werden, sondern entstehen. Eine Planwirtschaft wird daher immer eine Mangelwirtschaft sein.

– Persönliches Interesse am Erfolg ist ein hoher Motivationsfaktor, der ohne Privateigentum schnell verschwindet.

– Viele Leute wollen sich selbst ausbeuten

– Ebensoviele Leute wollen gerne Luxusgegenstände, die ihnen der Kapitalismus bietet. Luxusgegenstände sind neben ihrer Nutzungsfunktion auch Costly Signals, die etwas über uns aussagen und werden deshalb begehrt. Im Kommunismus sind Luxusgüter üblicherweise nicht die Güter, die selbst hergestellt werden, sondern die kapitalistischen Güter

– Die Menschen sind nicht gleich. Einige haben Fähigkeiten, die andere nicht haben. Für Personen mit besonderen Fähigkeiten ist der Kommunismus kein attraktives System. Sie geben mehr auf als die anderen, ohne dadurch etwas zu gewinnen. Dies führt zu Demotivation oder einer Schattenwirtschaft bzw. Korruption

– Wir sind Hierarchietiere. Der Mensch neigt dazu Hierarchien zu bilden, was der Kommunismus nicht hinreichend anerkennt. Die Menschen, die im Kommunismus am oberen Ende der Hierarchie stehen wollen werden daher um höherwertige Postionen ebenso kämpfen wie in jedem anderen System. Wenn ihnen Regeln dies nicht in einem offenen Wettbewerb ermöglichen, dann wird ein inoffizieller Wettbewerb geführt.

– Der Kommunismus ist nicht gegen Ausbeutung und Parasitentum abzudecken.

– Der Kommunismus muss all diese Unzulänglichkeiten überdecken, wenn das System funktionieren soll. Dazu muss entweder ein besonderes Gemeinschaftsgefühl erzeugt werden, dass zugleich Ausgrenzung anderer voraussetzt und starke Regeln zum wohle der Gemeinschaft oder durch Zwang ein Einsturz des Systems verhindert werden. Die starken Regeln führen wiederum dazu, dass der Kommunismus schnell intolerant wird oder einen Lebensstil erzwingt.

Interessant auch die Rubrik in der Wikipedia zur „Kritik am Realsozialismus“

– fehlende Basisdemokratie: Das von Lenin verhängte Partei- und Fraktionsverbot lähme die notwendige gesellschaftliche Partizipation und Eigeninitiative der Arbeiter und gefährde so den Aufbau des Sozialismus (Rosa Luxemburg).

– Bürokratie: Durch die Isolierung Sowjetrusslands konnte eine neue Bürokratenschicht die „Macht an sich reißen“, was zu einer „Entartung“ des Arbeiterstaates führte (Leo Trotzki).

– Zentralismus: Die von oben nach unten aufgebaute sowjetische Kaderpartei sei strukturell unfähig, die Wirtschaftsprobleme des Landes zu lösen (Wolfgang Leonhard).

-Ideologische Manipulation: Stalins und Maos „Marxismus-Leninismus“ sei ein Bruch mit den ursprünglichen Ideen von Marx, Engels und Lenin und pervertiere sie (George Orwell, Oskar Negt, Iring Fetscher).

– Totalitarismus: Die Herrschaftsform der Sowjetunion lasse strukturell keine Demokratisierung zu und schalte die freie Entfaltung der Menschen ähnlich total aus wie der Faschismus (Hannah Arendt).

– die Gesellschaftsformation der Sowjetunion und Chinas sei kein Sozialismus/Kommunismus, sondern eine bürokratisch erstarrte Form des asiatischen Despotismus (August Wittvogel, Rudolf Bahro, Rudi Dutschke),

– Imperialismus: Die innerstaatliche Diktatur und ökonomische Schwäche der Sowjetunion führe zu äußerem Expansionsdrang und Hegemonialansprüchen, die den Weltfrieden gefährden (Konsens von Reformkommunisten, Antikommunisten und manchen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt)

Meiner Meinung nach passen diese Schwierigkeiten des „Realsozialismus“ genau zu der angesprochenen Kritik. Es sind keine Umsetzungsschwierigkeiten, sondern Folgen des Fehlers im System. Sie ergeben sich wie daraus, dass Basisdemokratie dazu führen würde, dass Leute ihre Interessen und nicht mehr die Gemeinschaftsinteressen durchsetzen wollten und interne Spannungen darüber, was nun eigentlich richtig ist und wie man als Gesellschaft leben will täglich ausgetragen werden müßten.

Basisdemokratie müßte ja, wenn man das System beibehalten würde , den Vorbehalt haben, dass nicht über den Kommunismus an sich entschieden wird. Das keine Öffnung hin zum Kapitalismus eintritt etc. Sieht man sie nur auf einer unteren Ebene, dann verzögern sie eben dort den Entscheidungsprozess, sind langsamer als Hierarchien und erfordern schlichte „Wahlwerbung und Beeinflussung“, weil sich immer Lager bilden werden, die die Interessen ihrer Seite durchbringen wollen.

Zentralismus ist ebenfalls ein Problem, welches genau daraus folgt, dass man im Kommunismus soviel steuern muss, was sonst der Markt erledigt. Es ist kaum zu umgehen, dass dies in einer planenden Stelle zusammenlaufen muss und sich daher ein Machtapparat ausbildet.

Ideologische Manipulation folgt schlicht daraus, dass man eh einen Apparat schaffen muss, der ein starkes „Wir-Gefühl“erzeugt. Uneigennützigkeit ist in unserer Spezies an einem In-Group Out-Group-Modell entwickelt worden (uneingeschränkte Uneigennützigkeit ist keine evolutionär stabile Strategie, da sie zu leicht ausgenutzt werden kann). Nicht umsonst hat der Osten gegenwärtig starke rechtsradikale Tendenzen, weil die praktische Umsetzung der Einigkeit und Wohltätigkeit genau diese Manipulation erfordert. Auch aus China und Russland habe ich durchaus vergleichbares gehört. Der heutige weltweite Kapitalismus kann in übrigen wesentlich einfacher darauf abstellen, dass zwar jeder Konkurrent, aber auch jeder Handelspartner, Zulieferer und Kunde ist. Es muss sein In-Gouping wesentlich weniger vor Ausbeutung schützen, weil jeder jeden ausbeutet aber auch jeder mit jedem zusammenarbeitet und kann daher leichter eine tolerante Gesellschaft aufbauen (toleranter in dem Sinne, dass es nicht darauf abstellen muss, dass andere schlechter sind, es lohnt sich so gesehen nicht rassistisch zu sein (es kann sich natürlich trotzdem lohnen Leute auszubeuten, aber das ist erst einmal unabhängig von ihrer Rasse oder Herkunft). Wenn man also eh eine Propagandaabteilung unterhalten muss, damit alle auf die eigene In-Group eingeschworen werden, dann liegt ein Machtmittel offen dar, welches man auch für Ideologisierung und Führerkult nutzen kann. Weil man den Leuten verklickern muss, dass sie Teil etwas besonderes sind, für das sich die Zurückstellung eigener Interessen lohnt, muss man ihnen auch erzählen, dass die Führung, der sie vertrauen sollen, ebenfalls die eigenen Interessen zurückstellt, weil sonst der Glaube an eine große Gruppe kaum möglich ist. Deswegen ist jedes Vorgehen gegen die Führung auch ein Vorgehen gegen die In-Group-Effekte und damit eine Schwächung der kommunistischen Idee. Es bietet sich an gegenwärtige Führer zu ideologisieren und abgesetzte Personen als Verräter, als Ausnahmen, darzustellen. Eine starke Förderung der In-Group ist mit offener Kritik an dieser in einem Konflikt. Abweichler auszusortieren und mittels der Propaganda zu Verrätern zu erklären ist damit ein guter Weg, das System zu sichern. Auch sicherlich ein Grund, warum der „Urkommunismus“ eher atheistisch war: Religionen bieten Platz für gesonderte Normen, unterschiedliche Religionen betonen Verschiedenheit.

Totalitarismus setzt ebenfalls an diesem Problem an. Wer Einheitlichkeit vorgibt muss Freiheit beschneiden. Wer dabei ist Freiheit zu beschneiden, der kann sie auch noch etwas mehr beschneiden, um sich selbst etwas dadurch zu sichern. Wenn zudem die Führung zwangsläufig als gut und gerecht dargestellt werden muss, dann ist Kritik an ihr eine Schwächung der In-Group, also der Gemeinschaft und natürlich auch eine Gefährdung der Führung an sich, denn der Vorwurf, sich nicht schlicht am Gemeinschaftsinteresse ausgerichtet zu haben, ist der sicherste Weg die Macht zu verlieren. Das muss aber nicht zu einer strikten, freiheitlichen Umsetzung der Gruppeninteressen führen, da diese eh nicht perfekt sein kann. Man kann das Gruppenwohl immer noch selbstloser, noch besser, noch unverschnörkelter fördern, so dass man fast zwangsläufig bei Immunisierungstendenzen ankommt. Das kann man durch Wahlen ändern. Allerdings hat ein „demokratischer Kommunismus“ eben das Problem, dass er erst einmal erklären muss, warum immer wieder neu gewählt wird. Wenn die Führung wegen ihrer Tendenz, statt der Gruppeninteressen ihre Eigeninteressen zu fördern, immer wieder neu gewählt werden muss, dann setzt das bereits am Grundgedanken des Kommunismus an. Ein echtes Mehrparteien- bzw. Mehrkandidatensystem hat gleiche Schwierigkeiten: Abgrenzung der Parteien oder Kandidaten untereinander erfordert die Aussage, dass man etwas anders machen würde, es also nicht nur die Linie der Gruppenförderung gibt, die sachlich und nach besten Gewissen umgesetzt wird. Eine Kandidatenfeststellung, die nur darin besteht, dass man sagt „Ich werde genau wie meine Kollegen das beste für die Gruppe machen, da wir alle den Gemeimwohl verpflichtet sind, wie unser gesamter Staat ist es eigentlich egal, wen ihr von uns wählt“ ist nicht wirklich spannend und wird daher in der Regel durch ein zumindest faktisches Einparteiensystem ersetzt, indem es kein echte Wahl gibt, sondern nur eine Bestätigung der Führung. Eine Abwahl in einem kommunistischen System würde insoweit das Zugeständnis erfordern, dass das System fehlerhaft war. Ersetzt man die Wahl durch ein Berufungssystem, dann verlagert man die Schwierigkeiten lediglich auf die Berufungskommision, die dann wieder Macht erlangt. Zudem ist ein Führerkult ein effektives Mittel der In-Group-Förderung. Es erlaubt zudem den Aufbau von Vertrauen, was ein wesentliches Mittel von Führung ist. Eine anonyme Führung ist nicht verantwortlich und wird selten akzeptiert, eine nicht anonyme Führung muss aber als gut angesehen und aufgebaut werden. Da dies durch Konkurrenz nicht geschehen kann, liegt es nahe, diesdurch Verklärung zu leisten. Anoymität an der Spitze erschwert hier wieder die Arbeit.Warum sollte man aber einen verklärten Führer ablösen und die neue Führung dann genauso aufbauen? Und warum sollte der erst einmal verklärte Führer gehen, wenn ihn alle lieben und er – wie alle wissen – perfekt für den Job ist?

Bürokratie ist ebenfalls eine Folge davon, dass alle Macht beim Staate sitzt und dieser damit der beste und sicherste Arbeitgeber ist. In einem Kommunismus müssen die besten Positionen beim Staat sein, weil alle Positionen staatlich sind. Aufgrund der Vorteile der Abschottung gegen Kritik und der Propaganda ist es zudem ein leichtes Staatspositonen attraktiv zu besetzen. Kritik an der Besetzung lässt sich so leicht unterdrücken, weil sie dem In-Group-Gedanken widerspricht und damit staatsfeindlich ist. Da zudem keine anderen Entfaltungs und Förderungsmaßnahmen möglich sind und eigentlich jede Förderung über die, die allen zukommen soll, ein verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz und das Allgemeinwohl ist, muss man eh gegen gesellschaftliche Regeln verstoßen, wenn man eine Förderung vornehmen möchte. Warum sollte das Kind des #Führungsposition eine bessere Förderung erhalten, wenn der Staat alles für eine bestmögliche Förderung macht und wir alle gleich und der In-Group verpflichtet sind? Der kommunistische Gedanke macht eine Sonderförderung direkt zu einem Verstoß gegen die Gruppeninteressen. Da aber jeder fördern will und der Staatsdienst dazu der beste Weg ist, ist das System besonders anfällig für Vetternwirtschaft und Korruption.

Der Imperialismus ist ebenfalls interessant. Kommunismus hat einen klaren Wettbewerbsnachteil. Der wirkt sich auf die Technik und den Fortschritt aus. Ein kommunistisches System muss in den Bereichen Technik und Entwicklung und auch im Bereich Luxusgüter und Lebensstil zwangsläufig hinter einem kapitalistischen System zurückbleiben. Aus Sicht des Kommunismus mag das mit der Ausbeutung der Arbeiter zusammenhängen oder unmoralisch sein, aber das ändert nichts daran, dass ein Wohlstandsgefälle besteht, das immer mehr wächst und damit auch immer deutlicher wird. Es fällt aber schwer an eine Überlegenheit des eigenen Systems zu glauben, wenn die anderen schlicht besser leben. Die meisten kommunistischen Systeme wählen die offensichtlichen Gegenmaßnahmen: Abschottung, damit das Wohlstandsgefälle nicht mehr wahrgenommen wird (über Verbot von „Westfernsehen“ und Reisen wie in der DDR oder über Internetsperren wie China) und über „Out-Grouping“ und weitere Stärkung der In-Group. Der Kapitalist muss daher böse sein, muss seinen Wohlstand nur durch Ausbeutung erlangt haben, während der Kommunist zwar etwas ärmer ist, aber dafür sozialer, menschlicher, gerechter. Das Bild wird natürlich schwerer umsetzbar, wenn man gleichzeitig Unterdrückungsmaßnahmen gegen die eigene Bevölkerung einleiten muss, damit sie nicht in den Kapitalismus abwandern oder sich zu gut über die dortigen Zustände informieren. Wer erfährt, dass der ausgebeutete VW-Arbeiter besser lebt als mancher Bonze im kommunistischen System, der fragt sich eben, ob er nicht besser im Kapitalismus lebt, selbst wenn dieser zB andere Länder ausbeutet. Das fragt er sich um so mehr um so stärker die Unterdrückung ist, die er selbst erhält, weil ihn diese gleichzeitig daran zweifeln läßt, dass das System zu seinem eigenen besten arbeiet. Es dürfte den meisten Menschen lieber sein, durch ihre Arbeit einen Kapitalisten zu mehr Geld zu verhelfen, der ihnen im Gegenzug einen guten Lohn zahlt als in einem korrupten System die Bonzen durchzufüttern und dabei noch schlechter zu leben als bei einer Ausbeutung durch den Kapitalisten. Ein Gegenmittel ist dabei dann der Imperialismus. Wenn man den anderen überzeugen kann, dass der Kapitalist es nur noch kurzzeitig besser hat, weil das eigene System noch nicht läuft, durch den Kapitalismus ausgebremst wird, es aber nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der böse Kapitalist von dieser Welt verschwunden ist, der macht ein „überlaufen“ zum Kapitalismus unlogischer und zu einem weiteren Verstoß gegen die Gruppeninteressen, denn es ist dann keine Wahl nebeneinander stehender Systeme, bei dem eben das eine Kommunistisch und das andere kapitalistisch ist, sondern ein Überlaufen zum Feind und damit eine Schädigung der In-Goup. Der Kapitalismus als Feindbild ermöglicht daher eine Ideologisierung und Verlagerung aller Fehler auf eine Outgroup. Sie präsentiert ein Ziel auf welches man zuarbeiten kann. Kommunistischer Imperialismus ermöglicht die Präsentation einer besseren Zukunft und über den Kampf ein schließen der Reihen: Wenn wir geschlossen stehen, dann werden wir eine bessere Welt schaffen. Wir sind besser, weil wir eine Gruppe bilden, während der Kapitalismus nur Eigeninteressen kennt. Wenn die Ausbeutung ein Ende hat, dann werden wir alle gleich sein und im Luxus leben. Wir müssen die anderen Arbeiter, Bestandteil unserer In-Group, nur befreien, woran sie tatkräftig mitarbeiten werden. Es hat damit die klassische Funktion, die ein Out-Grouping schon immer hatte.

Und zudem noch ein paar Argumente für den Kapitalismus /gegen die Kritik am Kapitalismus

– Der Ausbeutungsgedanke kann nicht universell gesehen werden, sondern nur im Verhältnis von Lohn und Arbeit. Wer für einen Job gut bezahlt wird, wird nicht ausgebeutet.

– Es wird sogar nicht wenigen Arbeitern lieber sein, lediglich ihre Arbeitskraft verkaufen zu können und kein Risiko für das eingesetzte Kapital zu tragen. Der Arbeitnehmer kann jeden Monat seinen Lohn verlangen, ob es dem Betrieb gut oder schlecht geht. Wenn der Betrieb den passenden Gewinn nicht erzielt oder aus anderen Gründen nicht konkurenzfähig ist, kann er schlicht den Arbeitgeber wechseln. Diese Freiheit hat ein Kapitalist häufig nicht.

– Ein Staat ist nicht in der Lage im gleichen Wege wirtschaftlich zu handeln, wie ein privater. Noch nie in der Geschichte hat ein staatlich geführtes Unternehmen mehr Gewinn und mehr Fortschritt gebracht als ein privates Unternehmen. Dies ist darin begründet, dass private Unternehmen ein interesse am Gewinn haben, den staatliche Unternehmen nicht haben.

– Der Staat kann sich selbst keine Konkurrenz machen, in einer vollständig verstaatlichten Gesellschaft existiert daher ein Monopol für eine Ware. Monopole beeinträchtigen den Wettbewerb

– Menschen mögen Freiheit und Luxus. Sie sind bereit dazu anderen Menschen mehr zuzugestehen, wenn sie selbst ebenfalls dadurch einen höheren Lebensstandard erreichen. Der Bandarbeiter in einem VW-Werk hätte sicherlich nicht mit dem Bandarbeiter in einem Wartburgwerk tauschen wollen. Weil ihm das Gemeinschaftseigentum keine bei ihm ankommenden Vorteile gebracht hätte, im Gegenteil, er hätte aufgrund der geringeren Wirtschaftsleistung für vergleichbare Arbeiten weitaus weniger erhalten und in einem Staat gelebt, der ihn wesentlich mehr einschränkt als jeder Kapitalist. Das fängt bei einfachen Sachen wie einer Banana an und geht über die Ausreisefreiheit bis hin zu dem Recht, Kritik an der eigenen Führung zu üben. In einem (modernen) kapitalistischen System kann man kommunistische Gedanken äußern. In einem kommunistischen System aber keine kapitalistischen (jedenfalls nicht offiziell).