„Mehr Männer als Frauen finden eine offene Beziehung ideal“

Wäre interessant das mit den realen Chancen auf dem Partnermarkt und dem vermuteten Interesse des Partners an weiteren Partnern abzuklären.

Da Frauen reale Chancen haben jede Nacht mit einem anderen zu schlafen, aber weit weniger offen dafür sind, dass auch zu machen, durchschnittliche Männer hingegen es weitaus schwerer haben Sexpartner zu finden als Frauen, wäre es interessant, welche Vorstellungen die daran interessierten jeweils haben.

Sind es gutaussehende Männer/Männer mit Game, die eher keine Probleme haben Sexpartner zu finden und nebenher auch eine Freundin haben oder Männer, die sich eigentlich eine „semioffene Beziehung“ vorstellen (sie dürfen, der Partner nicht/der Partner hat eigentlich kein großes Interesse)?

Oder wären die Leute im gleichen Umfang tatsächlich damit einverstanden, dass beide nach Belieben auch tatsächlich mit anderen schlafen?

 

Sexuelle Fantasien

Justin Lehmiller hat eine Befragung zu sexuellen Fantasien durchgeführt und hier sind 7 seiner Ergebnisse:

 1.) There’s one person who’s more likely to appear in your sex fantasies than anyone else: your current romantic partner. If you’re single, ex-partners are the people who are most likely to appear. Of course, I should mention that most of us have fantasies about other people, too. It’s not the case that most of us only fantasize about our partners—rather, it’s that our partners (or ex-partners) just tend to make the most frequent appearances in our fantasies.

Der Partner ist die wahrscheinlichste Quelle für sexuelles und damit auch häufig derjenige, mit dem man sexuelle Fantasien hat, wobei die vielleicht weniger exotisch oder träumerisch sind als die mit anderen Partnern, die wegen der Fremdheit und Unvertrautheit die Fantasien evtl anders bedienen. Wäre interessant, da etwas näher ins Detail zu gehen, auch bei einer Aufschlüsselung nach Männern und Frauen. Zählt es als Fantasie, wenn man sich zu einem Porno befriedigt?

2.) Having a threesome was the most popular sexual fantasy—but not everyone pictures the same thing when they think about a threesome. For example, some people want to be the center of attention, whereas others want everyone to be equal participants. Likewise, some people want to know who their threesome partners are, while others want them to be strangers. The preferred gender ratio varies a lot as well. In short, the kinds of threesome scenarios that one finds desirable are highly variable across individuals and even within a given gender group.

Das ist das Blöde bei Dreiern: Am Idealisten wäre es, wenn die anderen beiden sich vollkommen aufgeben und nur für die Lust von einem Selbst arbeiten und das auch noch geil finden. Aber in ihren eigenen Fantasien sind sie vielleicht selbst eher der Fokus der Aufmerksamkeit. Und dann hat man natürlich noch neben der Lustebene meist komplizierte Beziehungs- und Gefühlsebenen, die das ganze schnell kompliziert machen: Plötzlich heult eine, weil sie es dann wieder nicht erträgt, dass da gleichzeitig eine andere Frau ist. Wenn man überhaupt zwei Frauen findet, die sich darauf einlassen.

3.) While threesomes were the most popular fantasy, they were also the fantasy that was least likely to turn out well when people acted on it. This is probably due, in part, to the fact that different people prefer different threesome scenarios, which may make it challenging for everyone to get what they want. However, it’s probably also due to the fact that most people don’t have a script for how a threesome should go, which means that many people end up in a multi-partner situation with a lot of uncertainty about who should be doing what with whom and when.

Ja, alles hoch kompliziert. Da weichen Pornos mal wieder erheblich vom tatsächlichen Leben ab.

4.) Most of us fantasize about changing ourselves in some way in our sex fantasies, whether it’s our genital appearance, our body, our age, or our personality. Interestingly, men and women tend to change themselves in different ways. For instance, regardless of sexual orientation, men are more likely to change their genitals, whereas women are more likely to change their bodies. And at least among heterosexuals, women fantasize about being more dominant than they are in reality, whereas men fantasize about being more submissive than they actually are.

Das Frauen sich schöner denken und Männer sich einen größeren Penis herbeifantasieren klingt ganz klischeehaft und passt insoweit. Ich vermute mal, dass Frauen durchaus fantasieren, dass sie jemanden verführen, der dann so hin und weg von ihnen ist, dass sie ihre Rolle als Verführerin ganz einfach ausführen können. Wäre interessant, ob es eher eine Fantasie etwas älterer Frauen ist, die fantasieren, wie sie den jüngern Mann verführen. Bei Männern könnte ich mir vorstellen, dass sie in ihrer Fantasie gerne passiv sind, die Frau sie aber einfach will und sie gar nichts dagegen machen können, was vielleicht auch Schuldgefühle des Betrügens abmildert. Der Vorteil ist auch, dass in beiden Fällen nicht die schwierigere männliche Verführung (also die Verführung durch den Mann) fantasiert werden muss, die ja Witz und Dominanz erfordert.

5.) Men and women have a lot in common when it comes to their sex fantasies. There are certainly some differences in what men and women fantasize about. For instance, men are more likely to have multi-partner fantasies and to have them often; by contrast, women are more likely to have passion and romance fantasies and to have them often. Overall, however, most of the things that men are fantasizing about, women are fantasizing about as well—and vice versa. Ultimately, what this means is that women’s fantasies have much more adventure and variety in them and men’s fantasies have much more emotional content in them than most people give them credit for.

Auch hier alles sehr klischeehaft. Männer setzen „Sperm is cheap, eggs are expensive“ um und Frauen „Sex ist billig, Leidenschaft und Bindung des Mannes ist teuer“.

6.) The vast majority of people (more than three-quarters) said they want to act on their biggest sexual fantasy of all time; however, relatively few (less than one-third) have actually done it. This means that there’s a pretty big gap between fantasy and reality for most people. That said, it’s important to note that people don’t necessarily want to act on all of their fantasies. In other words, not all fantasies are desires—but people’s biggest fantasies certainly seem to be desires for most folks.

Klar, unsere Fantasie kann weiter gehen als etwas, was man real machen würde, schon weil es in der Realität weitere Konsequenzen hätte, die dann wieder weniger gut sind. Aber viele Sexfantasien wären halt auch theoretisch problemlos umzusetzen. Wer nur etwas von Anal-Sex träumt, der wird eher jemanden finden, der das auch machen will als eben beim Dreier oder eine BDSM-Veranstaltung, die einen wesentlich mehr aus der eigenen Komfort-Zone bringen.

7.) For the most part, people who acted on their favorite sex fantasies reported that things turned out well. The numbers varied a bit depending on what it is that they did—and, as mentioned above, group sex was the least likely to turn out well. Overall, though, most people said that acting on their fantasies was at least as good or better than expected and that it improved their relationship. However, some people were more likely to have positive experiences than others, and that included people who were already in good relationships to start with, people with a higher sex drive and thrill-seeking tendencies, and people who are good at adapting to stress and uncertainty (meaning people who are low in the personality trait of neuroticism.

Vieles kann man ja auch problemlos ausprobieren, ein paar Fesselspiele hier, ein wenig Sex an besonderen Orten da. Und gerade die Abwechselung kann es für viele interessant und positiv machen.

 

Die Mutter als Heilige und Hure – Zum Begriffs der MILF

Pinkstinks verwirrt der Begriff MILF:

„Die Bezeichnung MILF ist ein verbales Arschgeweih für ein Sexleben nach der Mutterschaft.“ Die Sexualpädagogin, Autorin und Bloggerin Katja Grach versammelt diesen und andere messerscharfe Sätze in ihrem neuen Buch über das Phänomen MILF. MILF steht für Mother I’d like to fuck und genau darum geht es. Seitdem dieser Begriff durch die US-amerikanische Filmreihe American Pie einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde, ist er aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Vor allem aber nicht aus der Pornografie. Grach nun geht der Frage nach wie das eigentlich passieren konnte: Wieso werden die beiden eigentlich immer sehr getrennten Rollensphären Heilige (Mutter) und Hure (Schlampe) plötzlich in eine zusammengegossen und was genau bedeutet das? Auch diese Trennung war und ist nicht nur in der Realität vorhanden, sondern findet ihren Widerhall in der Popkultur. Im gleichen Jahr wie der erste Teil von American Pie erschien 1999 auch der Film Reine Nervensache. Darin zwingt der von Robert de Niro gespielte Mafiosi einen Therapeuten sich seiner Probleme anzunehmen: Impotenz, Angstzustände und derlei mehr. Auf die Frage, warum er sich einer Geliebten zuwendet und keine sexuelle Erfüllung bei seiner Frau findet, antwortet der Mafiosi:

„Pfui, solche Sachen mache ich nicht mit meiner Frau. Mit dem Mund küsst sie schließlich meine Kinder wenn sie schlafen sollen.“

Anscheinend fällt zumindest Pinkstinks gar nicht auf, dass die Rollen da nicht zusammen gegossen werden:

Es sind verschiedene Personen, die Frauen verschieden sehen.

  • Die Familie betont die Mutterrolle, gerade die Kinder, während der Mann wahrscheinlich eher älter und konservativer sein muss um in seiner Ehefrau nur die Heilige zu sehen, mit der man nichts verdorbenes machen darf.
  • andere Freunde der Kinder sehen die Mutter eben nicht als Mutter, sondern als Frau. Und MILF thematisiert eher den Zwiespalt, dass Mütter von Freunden natürlich Tabu sind, aber auch gut aussehen können (genau wie Schwestern)
  • Frauen selbst, die Mütter sind, wollen natürlich weiterhin auch sexy sein und als solche wahrgenommen werden. Vielleicht nicht unbedingt in einer aufdringlichen Weise von den minderjährigen Freunden ihrer Kinder, aber keine Frau mag wohl die Vorstellung, dass sie gar nichts sexuelles für Männer hat und sie an Sex mit ihr vollkommen desinteressiert sind. Deswegen ist es natürlich zum Teil ein „Ehrentitel“, wenn man trotz Mutterschaft und einem insoweit auch schon fortgeschrittenen Alter als sexy gilt, gerade weil die Schwangerschaft gerne mit Gewicht, Narben etc verbunden ist.

Bei Pinkstinks heißt es:

Ob die Frau dazu womöglich Lust hätte, steht gar nicht zur Debatte. Auftritt der MILF. Mit ihr sind „solche Sachen“ zumindest in der Vorstellung möglich. Wohlgemerkt obwohl sie Mutter ist. Sonst müsste die Mutterschaft nicht extra betont oder eben in einen spezifisch sexuellen Zusammenhang gestellt werden. Die Mutter ist aber nicht sexy, weil sie drei Kinder geboren und womöglich gestillt hat, sondern weil sie sich trotz der Mühen von Schwangerschaft und Kindererziehung „ihren Körper zurückgeholt hat“. Auf diese Optimierungskomponente weist die Autorin sehr bewusst hin. Mitterweile hat sich eine ganze Industrie um den After-Baby-Body, die Erscheinung und die Sexualität von Müttern gebildet. Zum Beispiel gab es vor ein paar Jahren ein Fitness- und Ernährungsprogramm das Month11, der MILF-Macher hieß. Der Name kündigt es an: 9 Monate Schwangerschaft sind nicht genug: Der Zeitraum wird verlängert, damit frau „die Spuren der Schwangerschaft beseitigt“.

Die MILF ist ein Markt„, schreibt Grach. Und an diesem Markt wollen möglichst viele verdienen.

Aber ist das nicht auch irgendwie ermächtigend? Immerhin wird die Heilige-Hure-Dichotomie aufgelöst und frau kann (auch) als Mutter endlich sexuelle selbstbestimmt sein. Das wäre in der Tat eine gute Sache, stimmt hier nur leider nicht. Die MILF mag oberflächlig wie das Ergebnis einer sexuellen Ermächtigung wirken, ist aber das genaue Gegenteil. Mit der Frau des Mafiosi hat sie nicht nur die Namenlosigkeit (Stifler’s Mom) sondern auch die Fremdbestimmtheit der eigenen Sexualität gemein. Schließlich geht es um eine Mother I’d like to fuck und nicht um eine Mutter, die selbst entscheidet, worauf sie Lust hat. Das Konzept MILF ist an ein Publikum gerichtet, dass Mutterschaft als zu überwindene Hürde definiert, als körperliche und durchaus auch seelische Makel, die es auszulöschen gilt.

Hier wird dann angeführt, dass es nicht um die Sexualität der Frau geht: Ja natürlich nicht. Es geht darum sexuelles Interesse an einer Person darzustellen, mit der man wahrscheinlich nie schlafen wird. Es geht darum zu sagen, dass man die Person sexuell anziehend findet, weil man die entsprechenden Reize wahrnimmt.

Auch Mädchen, die sich sich darüber unterhalten, welches Bandmitglied der gerade angesagten Boygroup süsser ist stellen nicht darauf ab, dass dieser sexuell ermächtigt ist, sondern dass er für sie interessant ist, stellen insofern nach diesem Muster eine „Fremdbestimmung“ dar.

Und natürlich ist MILF für Frauen auch nur eine Ausprägung intrasexueller Konkurrenz, die auch gerade den geänderten sozialen Gegebenheiten Rechnung trägt:

Wo der Mafiaboss in einer Welt lebt, in der man sich nicht von seiner Frau scheiden lässt, sondern diese die Familie und die Kinder absichert, während andere Frauen für das sexuelle Vergnügen da sind ist auch seine Frau weitaus eher der intrasexuellen Konkurrenz entrückt. Sie muss natürlich präsentabel aussehen, aber sie muss weit weniger sexuelles bedienen, sondern Beständigkeit.

Mit Beziehungen, die weniger traditionell sind, bei der Frauen nicht darauf vertrauen können, dass eine Ehe hält und der Mann sie nicht für eine andere verlässt, muss eine Frau natürlich auch als Mutter noch eher schön sein und eher mit Frauen in dem Bereich konkurrieren. Sie kann sich weniger erlauben Heilige zu sein oder es besteht ein anderes Interesse daran, auch in diesem Bereich nicht aus dem Rennen zu sein und noch sexuell wahrgenommen zu werden.

Auch hier ist es natürlich interessant, dass es den Begriff „FILF“ („Father i would like to fuck“) nicht gibt (oder vielleicht nur in der Schwulenszene) weil eben casual sex und die Gespräche darüber eher etwas ist, was Jungs interessant finden. Mädchen werden das vielleicht eher schwärmerischer sehen

Auswirkung der Anzahl der Geschlechtspartner auf die Attraktivität

Eine interessante Studie behandelt die Attraktivität als Partner in Verbindung mit der Anzahl der vorherigen Geschlechtspartner:

The aim of this study was to explore how people’s sexual history affects their attractiveness. Using an Internet survey, 188 participants rated their willingness to engage in a relationship with a hypothetical individual with a specified number of past sexual partners, ranging from 0 to 60+. The effect of past partner number was very large. Average willingness ratings initially rose as past partner number rose, but then fell dramatically. For short-term relationships, men were more willing than women to get involved (although the difference was not large). For long-term relationships, in contrast, there was virtually no sex difference. Thus, contrary to the idea that male promiscuity is tolerated but female promiscuity is not, both sexes expressed equal reluctance to get involved with someone with an overly extensive sexual history. Finally, participants with an unrestricted sociosexual orientation (high SO participants) were more tolerant than low SO participants of prospective mates with higher numbers of past sexual partners but were also less tolerant of prospective mates with low numbers of past sexual partners.

Quelle: Sexual History and Present Attractiveness: People Want a Mate With a Bit of a Past, But Not Too Much. (Volltext: Scihub-Link)

Zur Auswahl der Teilnehmer:

Participants were recruited from the subject pool at Swansea University in Wales and via the social network website Facebook, using a targeted ad shown exclusively to UK users aged 18 to 30. The ad explained that participants were sought for a brief study on mate preferences, and cautioned that the study included questions of a sexual nature. The final sample consisted of 188 heterosexual individuals: 84 men and 104 women. The age range of the sample was 18 to 35 years (M = 21.16; SD = 2.49). (Participants older than 30 presumably came from the university subject pool rather than the agetargeted Facebook ad.) The mean age of the men (22.07, SD = 2.73) was significantly higher than that of the women (20.42, SD = 2), t186 = 4.77, p < .01; two-tailed. Participants’ SO was measured with the Sociosexuality Orientation Inventory–Revised (SOI-R; Penke & Asendorpf, 2008; described below). The mean SO score for the sample was 36.15 (SD = 13.74), with men scoring significantly higher (M = 43.2, SD = 12.75) than women (M = 30.5, SD = 11.8), t180 = 6.96, p < .01; two-tailed. A small majority of participants (61%) reported that they were currently in a relationship. The average level of religiosity of the sample was low: On a 1-to-5 scale where 1 represented “very religious,” 3 represented “neither religious nor non-religious,” and 5 represented “very non-religious,” 80.9% of participants chose 3, 4, or 5, and the mean religiosity score was 3.74 (SD = 1.17). The vast majority of participants identified as Caucasian (95.7%); the remainder identified as South Asian, East Asian, or “other” (< 2% in each category).

Also wie in vielen Studien junge Studenten.

Die Ergebnisse sind dennoch interessant:

Attraktivitaet Anzahl Sexualpartner

Attraktivitaet Anzahl Sexualpartner

Wie man sieht sind die Betrachtungen für eine Langzeitbeziehung relativ gleich. Männer sind eher noch toleranter als Frauen, was die Anzahal der Sexualpartner angeht. Bei etwas kürzerem gestehen Männer Frauen mehr Sexualpartner zu.

Wie man auch sieht nimmt die theoretische Bereitschaft bei beiden Geschlechtern mit der Anzahl der Geschlechtspartner ab. Allerdings scheint es mir eine sehr abstrakte Bewertung zu sein, die nicht einbezieht, dass mit den Sexualpartnern üblicherweise auch bestimmte Verhaltensweisen oder ein bestimmtes Aussehen korrespondieren kann.

Ein schüchterner oder sozial unbeholfener Nerd, der ab einem gewissen Alter noch Jungfrau ist, erreicht sicherlich keine 6,5 auf der Skala. Und ab einem gewissen Alter wird auch eine weibliche Jungfrau eher Mißtrauen erregen.

Und eine Frau mit 20 Männern, die aber ansonsten klasse aussieht und nicht billig wirkt, sondern sich lediglich in einer bestimmten Phase etwas „ausgelebt“ hat, ansonsten aber gegenwärtig in ihrem Bekanntenkreis nicht als „Schlampe“ gibt, wird auch keinen Mangel an Interessenten haben. Ebenso der attraktive Alpha, der gut aussieht und „Charme“ oder „Game“ hat.

Es ist ein Nachteil der Studie, dass sie die Frage rein abstrakt gestellt hat und nicht mit Charakteren oder zumindest Fotos verbunden hat. Noch besser wären Filmszenen gewesen. Oder eine Beschreibung, wie sie sich die Leute mit einer hohen Partnerzahl vorstellen und wie sie denken, dass Leute auf sie reagieren. Ich vermute mal, dass ein „wahrnehmbares billiges Verhalten“ Frauen in ihrer Attraktivität sehr schadet und bei Männern vielleicht eher, dass sie ein „falsches Spiel betreiben“ oder Frauen nur als weitere Nummer sehen.

Aus der Diskussion:

The focus of the present study was how a prospective mate’s sexual history affects people’s willingness to get involved with that individual. The study yielded three main findings:

(1) A prospective mate’s number of past sexual partners had a large effect on participants’ willingness to engage in a relationship with them. After an initial upswing in willingness ratings, participants grew progressively less willing to get involved as the number of past partners increased.

(2) Men and women did not differ in their willingness to get involved in a long-term relationship with a target individual with more than two past sexual partners. In contrast, men were more willing (or less unwilling) than women to get involved in a short-term relationship, regardless of how many sexual partners the target had had. These differences between the long- and short-term
contexts have not previously been documented with respect to people’s responses to a prospective mate’s sexual history.

(3) Participants with high SO were more tolerant of prospective mates with a high number of past sexual partners. Interestingly, participants with high SO were less tolerant of prospective mates with a very low number of past partners.

Also: Die Anzahl der Sexualpartner hatte einen starken Effekt, Männer und Frauen unterscheiden sich in der Hinsicht nicht sehr, bei Kurzzeitstrategien sind Männer sogar großzügiger, und Leute mit einer hohen Anzahl an Sexualpartnern waren toleranter, was eine hohe Anzahl an Sexualpartnern angeht, aber weniger großzügig bezüglich einer niedrigen Anzahl von Sexualpartnern

These results suggest two amendments to folk psychology.

The first relates to the nugget of folk psychology embodied in humorist Evan Esar’s observation that “The girl with a future avoids a man with a past.”

Our research suggests that, at least in a modern western society, it depends how much of a past the man has. A little is better than none, but a lot is much worse. Furthermore, this is true of both sexes. For the average woman and the average man in our sample, the ideal mate was not someone without any sexual history. Our participants were reasonably willing to get involved with such a person; however, they were more willing to get involved with someone who had some history. This was especially so for women in the long-term context: When evaluating prospective mates with zero, one, or two past partners, women were less willing to get involved than men. There are several possible explanations for this result. One is that it stems from sex differences in the
importance of mate-choice copying: Women may be more averse than men to a prospective long-term mate who garners little sexual interest from the other sex. A second possibility is that it stems from sex differences in parental certainty: Men may be more attracted than women to a prospective long-term mate with only limited sexual experience, because historically this was correlated with lower cuckoldry risk. Note, though, that the difference was not especially large and that it remains to be seen whether the pattern will replicate.

The second amendment to folk psychology concerns the sexual double standard. Contrary to the common notion that male promiscuity is tolerated whereas female promiscuity is not, both sexes expressed an unwillingness to get involved with someone with a high number of past sexual partners.

For long-term relationships, there was virtually no difference between the sexes in this respect. For short-term relationships, in contrast, men were more tolerant of female promiscuity than women were of male promiscuity (thus, in a certain sense, the traditional double standard was reversed in the short-term context). This is not the first study to question the existence of the double standard (see Allison & Risman, 2013; Kreager & Staff, 2009; Mark & Miller, 1986; O’Sullivan, 1995). It seems that, although the belief that there is a sexual double standard is widespread,the sexual double standard itself is not nearly as widespread as it might once have been—at least not in the kind of liberal western culture in which the present study was conducted (cf. Stewart-Williams, 2002).

Aus meiner Sicht braucht es mehr Faktoren als die reine Partnerzahl um hier eine Bewertung vorzunehmen. Ein interessanter Faktor wäre beispielsweise wie stark der Ruf der jeweiligen Person noch von der Anzahl der Sexualpartner betroffen ist (wenn jeder weiß, dass er jede Nacht mit einer anderen schläft/sie schon mit jedem geschlafen hat, dann dürfte sich dies stärker auswirken, als wenn das gleiche wesentlich diskreter geschehen ist oder diese Phase länger her ist). Interessant wäre auch, wie die Qualität derjenigen leidet, die sich interessieren bzw. wie sich ihr jeweiliger Wert auf dem Partnermarkt verändert. Wird eine 10 auf eine 8 zurückgestuft, dann ist sie natürlich immer noch attraktiv, erst recht für eine 6, aber dann eben nicht mehr für eine 9.
Als abstrakte Studie insofern interessant, aber weitere Forschung mit einer differenzierteren Betrachtung der Faktoren, die bei der Anzahl der Geschlechtspartner eine Rolle spielen, wäre interessant.

„Weibliche Sexualität gilt als ständig verfügbar“

Bei <3, also „Kleiner Drei“, dem Blog von Wizorek, ist ein Beitrag zu Gina Lisa erschienen, aus dem ich einige Absätze ganz interessant fand:

Aber auch ein schärferes Sexualstrafrecht wird das viel tiefer verankerte Problem in unserer Gesellschaft nicht beheben: Vor allem als Frauen gelesenen Menschen wird zu oft in dieser Gesellschaft das Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen, nicht zugestanden. Weibliche Sexualität gilt als ständig verfügbar. Es gilt im Mainstream als selbstverständlich, als Frauen gelesene Menschen für sexuelle Handlungen nicht nach Zustimmung zu fragen.

Das ist eine klassisch feministische Argumentation, die mich dennoch immer wieder überrascht. Die Aussage „Weibliche Sexualität gilt als ständig verfügbar“ ist auch meiner Sicht vollkommen falsch, nichts gilt als schwerer verfügbar als weibliche Sexualität, bei gleicher Begehrtheit. Männer wissen, dass weibliche Sexualität etwas ist, für das man oft hart arbeiten muss oder bei dem man das Glück haben muss, dass sie einen interessant findet. Weibliche Sexualität ist nicht etwas, was man automatisch als gegeben voraussetzt, es ist ein rares Gut.

Und natürlich gilt es im Mainstream als etwas, was man nur mit Zustimmung bekommt, weswegen viele Männer beim Flirten oder beim Sprechen mit Frauen nervös sind, bei dem sie Angst haben, durch die Zurückweisung verletzt zu werden, bei dem sie Interesse daran haben, zu erfahren, wie man diese Zustimmung bekommt.

Es folgt aus dem Umstand, dass viele keine Ahnung haben, wie sie an dieses rare Gut kommen, dass sie auf Masse setzen oder übergriffig werden, weil sie wissen, dass eine Verfügbarkeit ansonsten nicht besteht. Aber die, die das machen, dass sind immer noch wenige, die meisten Männer bekommen allenfalls in einer Flirtsituation den Übergang nicht hin und fassen zu früh ans das Bein des Objekts der Begierde oder versuchen beim Tanzen körperlicher zu werden, weil man ja irgendwie diesen verdammten Übergang hinbekommen muss, wenn man auch meint, dass sie einen mag.

Die Unterstellung, dass weibliche Sexualität als ständig verfügbar gilt ist insofern weit an der Realität vorbei.

Eher gilt männliche Sexualität als ständig verfügbar. Denn Frauen wissen, dass sie immer einen finden können, der mit ihnen schlafen würde, wenn sie es ihm anbieten. Würden Frauen Cold Approachs auf Sex machen, also Männer auf der Straße einfach auf Sex ansprechen und sich dabei zumindest nicht mehr als einen Punkt von ihrem eigenen Schönheitswert auf einer Skala von 1-10 bewegen, dann wäre ihnen der Erfolg gewiss, wenn sie ein paar Männer ansprechen. Einer Frau würde der Satz „von 5 Singlefreunden aus deinem Freundeskreis würde keiner mit dir schlafen wollen, wenn du ihn anrufst und fragst, ob sie etwas „Netflix mit dir schauen wollen““ wohl eher mit einem amüsierten Lachen quitieren. Und wenn eine Frau mit der klaren Ansage Sex zu wollen sich auf einer passenden Internetseite anmeldet wird das Postfach schnell voll sein. Das Ablehnen von Sex, eine Zurückweisung von Sex einfach so, werden Frauen eher als Beleidigung werten, zumindest wenn er Single ist und bei hinreichender Schönheit auch sonst.

Nur beschweren wir uns eben nicht darüber.

Ihr weiteres Fazit ist:

Diese patriarchale Gesellschaft und dieses patriarchale Recht haben diese Übergriffe ins Private und zu oft in die betroffene Person selbst verdrängt. Und so haben wir in einer Gesellschaft, in der weibliche Verfügbarkeit Normalität ist und das Gesetz eine_n nicht schützt, nie gelernt, darüber zu reden. Stattdessen plagen eine_n Selbstvorwürfe. Vielleicht war es dieses Mal ja auch gar nicht so schlimm? Vielleicht hätte ich ja auch (früher) was sagen müssen? Vielleicht hätte ich mich unauffälliger verhalten sollen? Vielleicht meinten sie das gar nicht so?

Das hat aus meiner Sicht wenig mit der patriarchalen Gesellschaft zu tun, sondern schlicht mit der Frage, ob es sich lohnt dagegen vorzugehen, wenn etwas bereits geschehen ist. Und auch damit, dass es eben häufig ein Dialog ist, in dem man gewisse Zeichen setzt, einlädt, dann vielleicht doch Zweifel hat, aber dennoch mitmacht und es später evtl bereut. Und natürlich ist es auch dem Umstand geschuldet, dass eben einige Männer auf eine Massentaktik setzen, die Belästigungen mit sich bringen kann und die damit durchaus eine hohe Zahl von Frauen erreichen. Das Frauen, die an sich gerne Signale senden oder unsicher sind, da eher Opfer werden kann ich mir durchaus vorstellen.

Tatsächlich finden es aber auch viele Frauen nach meiner Erfahrung gar nicht so schlimm, wenn ein Typ etwas versucht, eine gewisse Sympathie vorausgesetzt. Sie sehen privates nicht als politisch an, sondern genießen vielleicht das Gefühl begehrt zu sein, auch stürmisch begehrt zu sein oder sind in einem Zwiespalt von „Sex ist gut und macht Spass“ und „Ist es zu gefährlich oder bin ich dann eine Schlampe“. Es kann da viele Gründe geben. Natürlich kommen noch Enthemmer wie Alkohol etc auf beiden Seiten dazu.

Diese Selbstvorwürfe und diese Sprachlosigkeit machen krank. Es braucht endlich ein Recht, welches wirklich auf der Seite der Opfer, statt der Täter steht. Eine Reformation des Sexualstrafrechts ist deswegen längst überfällig.Ich hoffe, es wird dann auch möglich, das Schweigen zu brechen, all diese Fälle öffentlich zu machen und zu bestrafen. Ich hoffe, dann wird es möglich, endlich in einer Gesellschaft zu leben, in der wir allen Personen mit Respekt begegnen und ein konsensuales Miteinander Selbstverständlichkeit ist.

Das ist ein netter Traum, aber es werden nach wie vor die meisten Fälle nicht angezeigt werden schlicht weil der Aufwand dafür in keinem Verhältnis zu dem Nutzen für die Anzeigende steht.

„Status macht attraktiv“ vs „Anerkennung durch Sex“

Bei den Störenfriedas ist ein interessanter Artikel erschienen:

Ich habe jahrelange eigene, internationale Berufserfahrung, in einem Bereich in dem Frauen sehr selten verantwortliche Positionen einnehmen und dessen Attitude man leicht mit dem altbekannten “Sex, Drugs & Rock n Roll” zusammenfassen könnte. (…)

In diesem Bereich sind Männer qua Status interessant für Frauen, egal ob sie attraktiv sind oder sich pflegen. Ich habe erlebt, dass Frauen diese Männer als uninteressant bewerteten und erst nachdem sie des Status gewahr wurden ihre Meinung änderten. Viele werden jetzt bestimmt denken: “Ich habs doch schon immer gesagt, Frauen sind alle käuflich”. Ich will an der Stelle betonen, dass Geld hier tatsächlich überhaupt keine Rolle spielt: Nicht mit jedem Status ist Reichtum verbunden.

Das klingt nach einem Absatz, dem ich vollkommen zustimmen kann. Gerade wenn es um den Musikbereich geht, ist Status auch abseits des Geldes sehr interessant, es geht inbesondere darum, dass man denjenigen kennt und das er bewundert wird.

Ich muss zur Ehrenrettung der Männer sagen, dass nicht alle ihre Möglichkeiten schamlos ausnutzen. Sehr viele sind nicht interessiert die auch häufig vorkommende Abwesenheit von zu Hause für beispielsweise Seitensprünge oder den “schnellen und unkomplizierten Sex” zu nutzen. Aber bei denjenigen die es tun ist eines mir immer wieder aufgefallen: Die zu 90% vorhandene Respektlosigkeit den Frauen gegenüber mit denen sie in die Kiste gehüpft sind. Wie heißt es immer so schön “Der Gentleman schweigt und genießt”? Forget it! Diese Gentlemänner muss man suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Gegenüber den Frauen geben sie sich respektvoll und supernett. Es kommt nicht selten vor, dass auf einer sehr liebevollen Ebene Kontakte weitergepflegt werden bis zu einem Wiedersehen, an dem Mann die Bettgeschichte wiederholen kann. “Warm halten” heißt das wohl. Hinter dem Rücken der Frauen wird jedoch abfällig über sie geredet und sie wird niemals die Chance haben wieder auf eine Augenhöhe mit diesem Mann zu kommen, von ihm respektiert oder als gleichwertiger Mensch anerkannt zu werden. Sie bekommt einen Stempel “kann gut blasen” oder “für alles offen” und darauf wird sie reduziert. Interesse an der Persönlichkeit besteht nicht.

Warum sollte auch Interesse an der Persönlichkeit bestehen, wenn man mit ihr nur Sex haben möchte? Da ist sie wieder, diese Form des „weiblichen Entitlements„: Ich schlafe mit ihm, also muss er ein Interesse über Sex hinaus an mir haben. Immerhin haben die Frauen ja insoweit auch das sexuelle Interesse an den Männern und diese nehmen nur mit.

Bei der Gruppe derjenigen, die ihren Status nicht ausnutzen, kann man nochmal unterscheiden zwischen jenen, die sich nur über die “dummen Küken” offen lustig machen und jenen die sowohl von ihren Kollegen als auch den Frauen mit denen sie verkehren belustigt sind. Letztere sind meines Erfahrung diejenigen die keinen Unterschied in der Bewertung der jeweils Beteiligten machen und die am ehesten Frauen generell mehr Respekt entgegen bringen. Sie schreiben eine Frau auch nicht grundsätzlich ab, sondern können unter Umständen ein Interesse auf einer anderen Ebene entwickeln.

Das sind dann anscheinend die besseren Menschen.

Was ich sagen will: Aus meiner Erfahrung meinen viele der Frauen, von denen ich einige auch auf einer sehr freundschaftlichen Ebene näher kennen gelernt habe und ihnen schon seit vielen Jahren immer wieder begegne, aus ihrer offenen Sexualität Anerkennung zu ziehen. Das tun sie jedoch nicht. Sie werden von den Männern ausschließlich (!) auf ihre Verfügbarkeit als Sexpartnerin reduziert.

Schlimm, wenn man in der Fuckzone landet. Aber die Folge davon, wenn man meint, dass man bei einem Überangebot an Anbietern bei dem „Käufer“ den Preis diktieren kann. Das ist sicherlich in der Hinsicht ungewohnt für Frauen. Aber eben eine Frage, mit welchen Männern sie sich einlassen.

Die Schlußfolgerung der Autorinnen:

Für mich steht aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen jedenfalls fest: Der Versuch als Frau durch Sex Anerkennung von einem Mann zu erlangen ist zum Scheitern verurteilt. Mir ist wichtig zu betonen, dass es mir nicht darum geht irgendwen zu verurteilen, sondern nur aufzuzeigen welche gesellschaftlichen Mechanismen ich wahrnehme. Mein Umgang damit muss auch keinesfalls für jede der Richtige sein. Er ist nur einer von vielen Versuchen im Patriarchat möglichst schadlos zu überleben…

 

Anerkennung erhält man sicherlich nicht durch Sex. Warum auch? Man kann es sicherlich in einem günstigeren Markt oder bei geschickteren Einsatz durchaus für Vorteile verwerten, aber eben nicht, wenn man nur eine von vielen und eine Nummer ist. Daraus Rückschlüsse auf die allgemeine Möglichkeit, Sex in Vorteile zu verwandeln zu ziehen, ist aber sicherlich nicht ohne weiteres möglich. Männer sind durchaus bereit einiges für Sex aber vielleicht noch mehr für die Liebe, Zuneigung und die Anerkennung einer für sie sexuelle attraktiven Frau zu machen, müssen dabei aber eben diese Frau auch als etwas besonderes ansehen. Viele Frauen können Sex durchaus für Machtspiele einsetzen. Aber eben nicht so plump, dass sie einfach mit jemanden Sex haben, der eh genug andere Frauen hat.

Der Wunsch der Männer Frauen zu gefallen und sie zu befriedigen (wie eine Prostituierte ihn erlebt)

Theressa Bäuerlein hat für die Krautreporter eine (feministische) Prostituierte interviewt. Einige Passagen finde ich ganz interessant:

Dass es nicht immer nur um Sixpack und Flachlegen gehen kann, dämmert ja bereits einigen Männern, aber die Grundfigur vom Phallus bleibt bestehen. Das ist wie ein Schatten, der den Mann noch lange begleitet, auch wenn er sich sehr darum bemüht, verletzlich, vorsichtig, demütig zu werden. Selbst wenn er lernen will, zum Beispiel über Gefühl zu sprechen oder eine Frau wirklich liebevoll zu befriedigen, klebt da irgendwie immer noch so lange dieses Ding dran, dass er das jetzt gleich supergut machen will, dass er das Feedback braucht, dass er das sofort kann und großartig macht. Und wenn wir wirklich von einem echten Lernen reden wollen, dann ist diese Erwartung natürlich lächerlich

Es ist Wahnsinn, was Männern, was kleinen Jungs passiert, dass sie ihr ganzes Leben so bedürftig bleiben. Wer hat sie so sehr verunsichert, dass sie ihr ganzes Leben lang an der Bestätigung durch Frauen hängen, wie ein Junkie an der Nadel? Die gehen aus dem Puff ja nicht mit einem grandiosen Gefühl raus, sie fühlen sich nur etwas weniger beschissen. Das ist einfach krass. Diese klare Aufforderung an die Prostituierte: Sei von vorne bis hinten die Verkörperung, mir recht zu geben! Und sie bemühen sich im Gegenzug häufig sehr um meine Lust, sind sehr liebevoll. Weil sie wirklich bereit sind, die Frau zu lieben, sie zum Orgasmus zu bringen, sobald dieser Raum für sie sicher ist. Und dazu gehört, dass die Frau ihn nicht durchfallen lässt. Dass sie sagt: Du bist richtig, du bist willkommen.

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Ich würde sagen, wenn sie wüssten, dass sie eine reale Chance haben, die Prostituierte auch ganz einfach sexuell glücklich zu machen, würden sich alle Mühe geben. Die Männer sind sehr darauf bedacht, so angenehm wie möglich zu sein. Und ihre Art von Traurigkeit, ihre Isolation oder Aufregung oder Frust können sie davon ablenken, oder ihr heimlicher Unfrieden damit, überhaupt im Puff zu sein.

Ich muss noch etwas sagen, denn das habe ich wirklich in der Prostitution gelernt: Alle, alle Frauen unterschätzen ihren Wert für Männer. Nicht nur sexuell, sie unterschätzen auch nicht nur ihr sexuelles Potential, sondern sie unterschätzen ihre unersetzbare Rolle, den Mann glücklich zu machen. Der Mann ist glücklich, wenn die Frau glücklich ist. Das wissen so wenig Männer, dass sie sich oft leider komplett andersrum verhalten. Das ist sowas wie eine Ur-Sehnsucht von Männern, offenbar, und die ist so tief vergraben, dass man es am liebsten als Macho kompensiert.

Die Männer sind aber so viel mehr bereit, Abstriche an ihrer eigenen Lust zu machen, wenn die Frau dafür total abgeht. Das ist wirklich der Hammer. Der Mann kann sexuell seinen Frieden nicht finden, wenn die Frau durch den Sex mit ihm nicht blüht. Wahrscheinlich gilt der männliche Sextrieb deshalb als stärker als der von Frauen. Die Männer können einfach nicht aufhören, diese Erfüllung zu suchen, und gehen leider in der Suche ziemlich viel falsch an. Das ist eine tiefe, archetypische Sehnsucht im Mann. Die Männer sind im Puff und im Prinzip könnte sie nichts glücklicher machen, als wenn ich eine halbe Stunde wirklich durch sie leuchte. Und das passiert nicht. Dadurch hat dieses ganze Drama von Frust und Lust und Puff und Orgasmus und Ficken überhaupt erst angefangen. Das ist ein absolut zentraler Punkt .

Ich kann mir das durchaus vorstellen. Denn die Lust der Frau ist etwas geiles, was einem Bestätigung gibt. Und ihr Lust ist dann vielleicht auch noch eine Art Schulderlass, man schläft nicht mehr mit einer Frau, die das über sich ergehen lässt, sondern die Frau hat Sex mit einem, weil sie es will. Das ist natürlich sehr viel befriedigender, denn dann ist es eine gegenseitige Sache. Die Lust der Frau ist ein starkes Aphrodisiakum für den Mann, umgekehrt scheint das weit weniger der Fall zu sein. Was auch der Grund dafür ist, dass die Darstellung weibliche Lust in einem Porno weitaus wichtiger ist als die Darstellung männlicher Lust.

Evolutionär ist weibliche Lust auch kein schlechtes Signal: Wenn sie einen sexuell anziehend findet und ihre Lust echt ist, dann dürfte das ein sehr gutes Zeichen dafür sein, dass sie tatsächlich an einem interessiert ist und nicht etwa Sex mit einem anderen lieber will, was die Vatersicherheit erhöht.

Und auch diese Passage ist interessant:

Diese Männer brauchen einen Kanal, wo sie es irgendwie rauslassen können, und sie lassen es sexuell raus, und in dem, was sie den Prostituierten mitteilen. Die Not ist groß, irgendwem zu sagen: „Ich liebe meine Frau, aber sie will keinen Sex mehr mit mir. Es hat trotzdem nichts mit meiner Frau zu tun, dass ich jetzt alle Frauen in diesem Laden durchprobiere.“