Vom Verlassen und Verlassen werden, vom Betrügen und Betrogen werden

Irgendwie gerät er ins Reden über Frauen und Männer. Ich halte mich relativ zurück, eigentlich will ich nach Hause, aber er redet munter vor sich hin. Über seine Vorstellungen zu Beziehungen, über dies und das. Ein Rat an die Jugend quasi. Er ist älter als ich, etwa 10 Jahre. So richtig weiß ich nicht, was ihn zum Reden gebracht hat. Es sollte eher ein kurzes Bier nach dem Geschäftlichen werden.

Eine seiner Thesen gebe ich hier mal wieder:

Man weiß erst, wie Liebe wirklich ist und wie Beziehungen funktionieren, wenn man einmal verlassen hat, und einmal verlassen wurde. Und wenn man einmal betrogen wurde und – auch wenn es nichts ist, worauf man stolz sein sollte –  einmal betrogen hat.

Was sagt ihr?

„Der Fluch des Players bezüglich langfristiger Beziehungen“

Roissy bzw- Heartist bewertet das Verhältnis von Spielern im Gegensatz zu Langzeitbeziehungen im Gegensatz zu Männern, die weniger Erfahrungen mit Frauen haben, wie folgt:

The knowledge that the player possesses at his whim the skill to seduce women is the twin sabotage that undermines relationship endurance. A player will see the world of women lit from every angle, exposed to his exploration, if he knows, through experience, through the touch of a thousand fingertips, that he can bed women fairly consistently, and with manageable effort. The psychological emollient of knowing this power is his is enough to burden the heart of a man contemplating even a facsimile of fidelity. Bound to his lover by, in turns, conscience, social opprobrium, and legal sanction, the streams of waiting conquests slipping past like rivulets of glimmering intimacies, taunting his parched loin loosely moored to the ballast of loyalty, is the torture of a lifetime of short-circuited ejaculations.

In contrast, to be the grateful man with no history of sexual plenitude, for whom omnipresent sensual possibilities seem as remote as the twinkling stars in the heavens and thus unlikely to stir his ancient calling, is to be released with the gift of the constrained vision. Where possibility is dead, or unfathomable, so is dangerous yearning. He is now free to step back from the beautiful painting and dryly ponder its geometric contours. When this man falls in love with an accessible work of art, one he can call his own, he has little else to compare its grip on his imagination. He cherishes his chosen muse, blissfully ignorant of the carelessness and glibness with which he would succumb to, and love, the millions of competing muses were they to be more tangible to him than airbrushed magazine cover placeholders.

The curse of the player, then, is ultimately illumination, tactile and cerebral. His own success in love betrays his quest for the ultimate love. He has seen vistas he cannot unsee.

Ich denke, da hat er durchaus nicht unrecht. Jemand, der weiß, dass er ohne Probleme eine neue Frau bekommen kann, die sich für ihn interessiert und der die Aufregung einer neuen Frau kennt und die besondere Erregung, die davon ausgeht, wertet die Beziehung anders als jemand, der froh ist überhaupt jemanden gefunden zu haben.

Ich kenne einige Player, bei denen ich mir sehr gut vorstellen kann, dass sie gerade aus diesem Grund nie wirklich lange in einer Beziehung bleiben. Andere wieder haben irgendwann auch einfach genug davon, in einer Disko eine für eine Nacht kennenzulernen oder Day Game zu betreiben und wollen die Annehmlichkeiten einer Beziehung und das Beziehungsleben, wobei das gerade in den extremeren Fällen nicht unbedingt ausschließt, dass man nebenher (gelegentlich) noch mit anderen Frauen schläft.

Das Fremdgeh Gen und Dopamin

Die Entdeckung eines „Fremdgeh-Gens“ macht gerade die Runde.

Aus dem Abstrakt:

Background

Human sexual behavior is highly variable both within and between populations. While sex-related characteristics and sexual behavior are central to evolutionary theory (sexual selection), little is known about the genetic bases of individual variation in sexual behavior. The variable number tandem repeats (VNTR) polymorphism in exon III of the human dopamine D4 receptor gene (DRD4) has been correlated with an array of behavioral phenotypes and may be predicatively responsible for variation in motivating some sexual behaviors, particularly promiscuity and infidelity.

Methodology/Principal Findings

We administered an anonymous survey on personal history of sexual behavior and intimate relationships to 181 young adults. We also collected buccal wash samples and genotyped the DRD4 VNTR. Here we show that individuals with at least one 7-repeat allele (7R+) report a greater categorical rate of promiscuous sexual behavior (i.e., having ever had a “one-night stand”) and report a more than 50% increase in instances of sexual infidelity.

Conclusions/Significance

DRD4 VNTR genotype varies considerably within and among populations and has been subject to relatively recent, local selective pressures. Individual differences in sexual behavior are likely partially mediated by individual genetic variation in genes coding for motivation and reward in the brain. Conceptualizing these findings in terms of r/K selection theory suggests a mechanism for selective pressure for and against the 7R+ genotype that may explain the considerable global allelic variation for this polymorphism.

Weitere Ausführungen auch bei „Hooking up smart: Your Cheatin‘ DRD4 Gen Mutation

Bedeutet das, dass man mit dieser Genmutation fremdgehen muss? Nein, es macht es nur im Schnitt wahrscheinlicher, das sagt aber nichts darüber aus, ob der Einzelne tatsächlich fremd geht. Die Personen scheinen einen stärkeren Anreiz für das Fremdgehen zu haben.

Dopamin wirkt im Belohnungssystem unseres Gehirns (das wir ein solches haben macht eigentlich auch schon deutlich, dass wir einer gewissen biologischen Beeinflussung ausgesetzt sind, aber gut). Viele Drogen sprechen genau dieses Belohnungssystem an und produzieren dabei die Sucht. Das Gen scheint nach der Darstellung von Susan Walsh von „Hooking up smart“ die Abenteuerlust oder die Lust auf Aufregendes zu erhöhen und mit Dopaminausschüttungen zu belohnen. Und Sex mit einer neuen Person kann eben auch ein Abenteuer sein.

Natürlich muss man dem nicht nachgehen. Aber dann fehlt eben ein bestimmter Kick, sofern man die Lust am Abenteuer nicht anderweitig befriedigt.

Sollte man ein Fremdgehen beichten?

Eine Freundin wurde von ihrem Freund gebeichtet, dass er sie betrogen hat. Am Anfang habe er die Beziehung nicht ernst genommen und dann sei es dazu gekommen. Aber jetzt, wo er erkannt hat, was für ein wunderbarer Mensch sie ist, weiß er die Beziehung (in der es nicht gerade gut läuft) zu schätzen. Sie sei die erste um die er wirklich kämpfen musste und es habe ihm gequält, sein Gewissen belastet, ihm den Schlaf geraubt, dass er dieses bittere Geheimnis vor ihre  habe. Er wolle ganz neu anfangen und deswegen einen reinen Tisch machen.

Sie hatte schon vorher überlegt Schluss zu machen, aber war sich nie ganz sicher. Jetzt reden sie erst einmal nicht mehr miteinander, sie braucht Zeit um sich die Sache zu überlegen.

Als sie es mir erzählte war mein erster Gedanke „wie kann man so blöd sein, so etwas zu verraten, wenn man nicht muss?“

Ich denke, dass es eine Beziehung zerstört, weil es das Vertrauen der Frau untergräbt, Status raubt, Needyness demonstriert und gerade aus Sicht vieler Frau alle Gefühle, von denen sie glaubte, dass er sie für sie hatte, in Frage stellt.

Letztendlich dient es lediglich dazu, dass er sich dann weniger Gewissensbisse machen muss, weil er es ja gebeichtet hat. Es verlagert die Verantwortung daher in gewisser Weise auf sie, die ihm nun verzeihen muss oder eben Schluss machen muss.

Gegenargumente sind, dass es ehrlicher ist, beide sich nun bewusst entscheiden können, wie sie damit umgehen, beide bewusst daran arbeiten können, wie sie das Problem lösen. Aber letztendlich arbeiten sie an einem Problem, dass ohne die Offenbarung nicht bestehen würde. Es hätte für eine glückliche weitere Beziehung ebenso gereicht, wenn er einfach sein Verhalten geändert hätte.

Was sagt ihr: Beichten oder nicht beichten?

Fremdgehen und Höhe des Einkommens der Partner

In der Daily Mail ist ein Bericht darüber, wie das Einkommen sich auf das Fremdgehen des Partners auswirkt. (via Arne Hoffmann)

Die Kurzfassung:

  • Arbeitet die Frau Vollzeit, während der Mann die Kinder betreut betrügt er sie 5 x häufiger als im Durchschnitt
  • Wenn der Mann sehr viel mehr verdient als die Frau betrügt er sie häufiger als im Durchschnitt
  • Die Männer, die etwa 1/3 mehr verdienten als die Frauen gingen am wenigsten fremd.
  • Die Frauen, die komplett von ihrem Mann ausgehalten wurden gingen 75% weniger fremd als die Frauen, die mehr als der Mann oder alles zum Haushaltseinkommen beitrugen
  • Insgesamt gaben allerdings auch nur 3,8% der Männer und 1,4% der Frauen überhaupt zu untreu gewesen zu sein.

Wie immer bei solchen Studien liegt der Teufel wahrscheinlich im Detail. Die Fremdgehquote ist relativ niedrig und die Frage ist ob die Leute ehrlich waren oder ob sie zumindest innerhalb der Gruppen gleichbleibend unehrlich waren.

Die Gruppe umfasste 18-28jährige, die mindestens ein Jahr zusammen und verheiratet waren.

Nehmen wir mal an, dass die Zahlen richtig sind, dann würde mir folgendes dazu einfallen:

  • Männer, die den Haushalt führen, erleiden zunächst einen Abzug im gesellschaftlichen Status, da von Männern erwartet wird einen Job zu haben. Aber zum einen könnte hieraus ein besonderer Druck entstehen die eigene Attraktivität nachzuweisen, was eben durch die Eroberung anderer Frauen erreicht werden kann. Es wäre ein Mechanismus vergleichbar dem Napoleonkomplex.
    Zudem kann ein solcher „Berufsmalus“ im persönlichen Kontakt und gerade wenn es nur um Sex geht, zB weil beide verheiratet sind durch Game schnell wieder ausgeglichen werden.
    Hinzu kommt, dass er zwangsläufig auf sehr viele Frauen treffen wird, wenn er die Kinder betreut. Bei Krabbelgruppen, Kindergeburtstagen sonstigen Gelegenheiten, wird der Frauenanteil sehr hoch sein. Hier als einer der wenigen Männer männlich zu wirken und über die Ehe und die Gruppe  sexuelle Anziehung aufzubauen wäre gar nicht so schwer. Hinzukommt, dass der Umgang mit dem Kind viele Positive Aspekte darstellen kann. Das Hausmanndarsein ermöglichst zudem eine wesentlich freie Zeit und Ortseinteilung als ein Bürojob
  • Das ein Mann, der sehr viel mehr verdient seine Frau betrügt dürfte mit Status und den sich daraus ergebenen Möglichkeiten zusammen hängen.
  • Frauen, die überhaupt nicht arbeiten, sind vielleicht in heutiger Zeit auch eher konservativ. Das macht die Hemmschwelle für einen Zeitensprung höher (oder die Hemmschwelle es zuzugeben). Vielleicht gestehen sie ihrem Mann auch einen höheren Status zu, was ihn attraktiver macht?
  • Verdient der Mann 1/3 mehr scheint es am besten zu laufen. Vielleicht ist dies ein gutes Gleichgewicht. Vielleicht ist man in diesem Bereich auch am unehrlichsten.

Interessant wäre es, wenn sie ältere Paare hinzugenommen hätten und die Daten noch durch Lügendetektoren, Abstammungstest der Kinder etc. etwas erhärtet hätten. So scheinen mir die Zahlen sehr niedrig für belastbare Aussagen. Gerade bei 3,8 Prozent kann die Variation wenn die Gruppe relativ klein war an Zufällen hängen. Verwendet wurden wohl die Daten einer größeren Erhebung mit langen Interviews.