Schwache Männer für (zu) starke Frauen? Beziehungen im Zeitalter der Emanzipation (Gastartikel)

Kürzlich saß ich einmal mehr mit meinen Freundinnen in trauter Runde zusammen. Wir redeten über dieses und jenes – und irgendwann ging es natürlich um die großen Themen. Beziehungen, um genau zu sein. Und wie sie sich verändert hatten. „Männer sagen mir oft, dass sie Angst vor mir haben“, beklagte sich eine Freundin, die bis heute nach ihrem Prinzen sucht.. „Sie trauen sich häufig gar nicht erst, mich anzusprechen. Oder die Beziehung scheitert über kurz oder lang“. „Wie gut ich Dich verstehen kann!“, fiel eine andere ein. „Mein letzter Freund warf mir vor, dass ich die Hosen anhätte. Und dass er damit einfach nicht klar komme.“

Das Gespräch ließ mich nicht los. Beschäftigte mich noch eine ganze Weile. Und ich dachte über alles nach – über die moderne Frau, den modernen Mann. Unsere Rollen in der derzeitigen Gesellschaft. Ist der Feminismus etwa schuld daran, dass unsere Beziehungen immer kürzer werden? Dass es früher oder später unweigerlich zur Trennung kommt? Doch erst einmal „Hallo“. Mein Name ist Veronika Zintl! Und ich arbeite als Autorin für das Ex zurück Team (hier zu finden)! Wo eben auch genau diese Themen behandelt werden.
Studiert habe ich Politikwissenschaften. Und Themen wie diese beschäftigen mich schon seit längerem! Eigentlich schon immer!

Wer ist eigentlich die „Frau von heute“?

An dieser Stelle eine kleine Vorbemerkung: Ich würde mich nicht als militante und offensive Feministin betrachten. (und auch die Verwendung des Binnen-I ist mir jetzt nicht sonderlich wichtig.)
Ja, ich bin für gleiche Bezahlung, gleiche Rechte, … für Männer und Frauen. Welcher Mensch mit gesundem Verstand wäre das nicht?!? Doch finde ich es falsch, alles auf die Biologie und die (angeblichen) Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu schieben.

Damit macht man sich die Sache zu einfach, denke ich.

Ja also zum Feminismus – im Prinzip. Aber bitte mit Augenmaß! Zumal sich jede( r) erst einmal an der eigenen Nase packen sollte, bevor er (zu) generell wird. Meine Meinung zumindest.

Doch kommen wir nun zur Frage: Wer ist sie eigentlich, die „moderne Frau“? An dieser Stelle muss schon mal eingeschränkt werden: Wir sprechen hier mit allergrößter Wahrscheinlichkeit von einer Dame, die in einer westlichen Industrienation lebt, die sich eine gewisse (materielle) Unabhängigkeit aufgebaut hat. Die intelligent ist (hoffentlich). Und über eine gewisse Weitsicht verfügt. Was viele, viele (den Großteil?) der Frauen dieser Welt also schon einmal ausschließt. Dennoch wird die „Frau von heute“ als quasi übermächtig, als überall präsent angesehen. Vielleicht, weil sie sich oftmals lauter Gehör verschafft als ihre vielen, vielen schweigenden Geschlechtsgenossinnen? Das würde erklären, warum vor allem Stimmen wie Alice Schwarzer (ja, immer noch), Judith Butler, Femen und Co. (von Männern?) als Maßstab gesehen werden.

DIE Frau von heute gibt es jedoch nicht. Ebenso wenig, wie es DEN Mann von heute gibt.
Vielmehr ist jeder Einzelne ein Individuum, mit eigener Prägung, eigenen Bedürfnissen,
seiner ganz persönlichen Entwicklungsgeschichte. Deshalb sollte man auch in Beziehungssicht stets auf den Einzelfall schauen. Bevor man dem Feminismus die Schuld an der (erneuten) Trennung gibt.

Welche Rollen übernehmen wir heute in Beziehungen?

Aber: Wir sind eben doch geprägt durch die Gesellschaftsstrukturen, in denen wir aufwachsen. Diese bestimmen auch, wie „weiblich“ oder „männlich“ wir uns geben. Wie
sich unsere Rollen in der Beziehung gestalten.
Hinzu kommen andere Faktoren: wie etwa das Bild, das uns unsere Eltern vorgelebt haben. Mama blieb brav zu Hause, während Papa sich nur spät abends und am Wochenende blicken ließ? Nicht mit uns, wir machen das anders! Und wir haben solch eine Angst davor, in diese Rollenfalle zu tappen, dass wir uns gar nicht wirklich auf die Beziehung einlassen können. (Diesen Mechanismus habe ich bei mir selbst entdeckt.)

Oder wir meinen, uns nach einem bestimmten Bild richten zu müssen: Eine Freundin von mir wollte unbedingt eine „Traumbeziehung“ führen, eine Beziehung, in der der Himmel voller Geigen hängt. Deshalb verleugnete sie sich selbst. Stellte die Wünsche ihres Partners über die eigenen. (Obwohl sie in beruflicher Hinsicht sehr erfolgreich war.) Und was tat er? Er verließ sie – weil ihm die Beziehung zu langweilig wurde.
Und da ist meine Schwester, die nicht in eine andere Stadt ging, um zu studieren. Weil sie ein Jahr zuvor ihren Freund kennengelernt hatte. Der bereits studierte, in seiner Heimatstadt (was anderes wäre ihm auch niemals in den Sinn gekommen.). Sie blieb – seinetwegen. Und auch später, als das Studium beendet war und es an die Jobsuche ging, blieb sie bei ihm. Er wollte nicht weg – sie also ebenfalls nicht. Das machte das Finden einer Arbeitsstelle für sie nicht unbedingt einfacher (für ihn kein Problem als Maschinenbauer in einer wirtschaftlich prosperierenden Großstadt). Sie „löste“ das Problem schließlich, indem sie schwanger wurde. Ohne jemals wirklich gearbeitet zu haben.

Frauen machen eine Beziehung eher zum Mittelpunkt ihres Lebens

Das sind meine bisherigen Erfahrungen in dieser Hinsicht. Sie lassen sich intensiver auf den Partner, auf die Beziehung ein. Sie investieren mehr – nicht nur, was den Abwasch und das Putzen betrifft. Sie denken intensiver und länger darüber nach, wie sie die persönlichen Bedürfnisse und Wünsche des Anderen erfüllen können.
Sie neigen eher dazu, ihr Leben zugunsten der Beziehung aufzugeben. Auch hier möchte ich ein Beispiel anführen, stellvertretend unter vielen: Meine beste Freundin lernte nach langen Jahren des Single Daseins ihren (damaligen) Traumpartner kennen. Sie war so verliebt in ihn, dass sie sich immer weniger bei ihren Freundinnen blicken ließ. Sie ging nicht mehr zum Handball, hörte mit dem Singen im Chor auf – es hätte weniger Zeit mit IHM bedeutet.

Stattdessen war sie bei ihm. Ging mit ihm zum Segeln (obwohl sie das nicht mal mal besonders mochte). Unternahm etwas mit ihm und seinen Freunden (mit den meisten wurde sie nicht so recht warm). Weil es ihr in diesem Moment das wert war. Und weil sie dachte, es gehöre eben zu einer funktionierenden Beziehung mit dazu. Wie wenig er zurücksteckte, wie wenig er von seinem bisherigen Leben aufgab, das sah sie nicht.

Bis die Sache auseinander ging. Und sie vor dem vermeintlichen Nichts stand. Zurück in ihr altes Leben konnte sie nicht mehr so einfach: Denn alle waren weg. Alle, bis auf eine: ich.

Gut, das war jetzt ein Beispiel von Milliarden. Ich könnte noch viele weitere anführen. Von meiner Cousine, die bis heute, vier Jahre nach Beginn der Beziehung, darauf wartet, dass ER sich zu ihr wirklich bekennt. Mit ihr zusammen zieht. Stattdessen spricht er davon, ins Ausland zu gehen – ohne sie.
Oder die Bekannte, die studiert hat. Einen guten Abschluss vorweisen kann. Während des Studiums ihren jetzigen Mann kennenlernte. Nach der Heirat zwei Kinder bekam, um die sie sich hauptsächlich kümmert. Er fährt hingegen weiter mit seinen Kumpels in den Urlaub – alte Tradition und so.
Eine weitere Bekannte, die seit drei Jahren eine Affäre mit ihrem Chef hat. Darauf wartet, dass er sich endlich darüber klar wird, was er will. Sich entscheidet. Stattdessen lässt sie sich weiter vertrösten. Wider besseren Wissens. (Warum auch sollte er sich entscheiden? Schließlich hat er ja alles…)

wie feministisch sind die „Frauen von heute“? (m)ein vorläufiges Fazit

Was lässt sich also zu diesem Thema sagen? Der Feminismus ist mit Sicherheit NICHT schuld daran, dass die Beziehungen eine immer kürzere Halbwertszeit haben. Da spielen einfach zu viele andere Faktoren eine Rolle:

  • die Angst, dass da draußen noch jemand Besseres sein könnte
  • eine generelle Scheu, sich gefühlsmäßig auf jemanden einzulassen
  •  individuelle Prägungen und Verhaltensweisen
  • Verletzungen aus bisherigen Beziehungen, die ein bestimmtes Verhalten
    hervorrufen
  • externe Faktoren (wie etwa finanzielle Schwierigkeiten, Umfeld ist gegen die Beziehung, kulturelle Unterschiede, Unterschiede in Bildung und Gesellschaftsschicht,…)
  • etc.

Ja, wir jungen, gebildeten, meist weißen Frauen von heute sind Feministinnen – im Grunde genommen. In dem Sinne, dass wir für gleiche Bezahlung, Rechte und Co sind. Doch wenn es ans Eingemachte geht, sieht die Sache oftmals ganz anders aus. Und so rutschen wir sehr häufig in die „Frauenfalle“. In die schon unsere Mütter und Großmütter tappten. Wir richten uns stärker nach den Launen und (vermeintlichen) Wünschen des Partners, als dieser es tut. Wir neigen dazu, uns mehr aufzugeben, unsere eigenen Interessen und Bedürfnisse zugunsten der Beziehung hintenan zu stellen. Weil wir einfach nur glücklich sein wollen – mit jemandem an unserer Seite.
… ein Ausblick – für erfüllte(re) Beziehungen Sind wir wirklich so unemanzipiert? Nicht unbedingt. Nicht, wenn wir uns dessen bewusst werden. (und natürlich ist nicht jede gleich stark davon betroffen.) Nicht, wenn wir uns klar machen: Eine Beziehung sollte auf Augenhöhe geführt werden. Sie besteht aus zwei gleichwertigen Menschen. Die sich lieben, weil sie sich gegenseitig etwas geben. Und nicht deshalb zusammen bleiben, weil sie Angst vor dem Alleinsein haben. Weil sie das Gefühl haben, den Anderen zu brauchen, ohne diesen nichts zu sein. Wenn wir uns dies immer mal wieder vor Augen führen, wäre schon so viel gewonnen. Wir können unser bisheriges Verhalten überdenken. Es besser verstehen. Über Lösungen nachdenken – am besten gemeinsam mit dem Partner. Und wir können vieles für zukünftige Beziehungen lernen. Die dann umso erfüllter werden. Und die nicht deshalb auseinander brechen, weil der Feminismus in die Quere kam. Denn dies ist meist ein vorgeschobener Grund.

Der die wahren Ursachen überdeckt.

Was ist „Weiblichkeit“?

Nachdem gestern die Männlichkeit Thema war ist es nur konsequent, auch die andere Seite noch zu behandeln:

Was ist Weiblichkeit?

Aus meiner Sicht ist es natürlich ebenso ein Konstrukt mit sozialen und biologischen Wurzeln:

  • Es ist häufig eine Beschreibung dessen, was Frauen in intrasexueller Konkurrenz gut sein lässt und zudem als Partner interessant sein lässt, insofern eine idealisierte Verhaltensanforderung (gut in sozialen Dingen,  auf ihr Äußeres achtend, freundlich, auf weibliche Art Status aufbauen etc )
  • Es ist ebenso eine Beschreibung des aufgrund der Geschlechterunterschiede häufiger bei Frauen in dieser Form vorkommenden Eigenschaftsausprägungen (gefühlsbetonter, sensibler etc)

Welche Ausprägungen in welchem Umfang als weiblich gelten hat dabei natürlich wieder mit Kultur zu tun.

Welche Elemente machen für euch „Weiblichkeit“ aus und wie ist es dazu gekommen?

Feministische Fehlschlüsse: Kritik am Feminismus ist keine Kritik an Frauen

Leser David stellt einen häufigen feministischen Fehlschluß bzw. eine beliebte Diskursstrategie im Feminismus dar, nach dem Kritik an feministischen Theorien als Kritik an Frauen umgedeutet wird:

Zur Debatte um Rauchen in der Schwangerschaft schrieb er auf einen Kommentar hin:

Typische feminist fallacy: Kritik am Feminismus ist Kritik an Frauen.

Die allerwenigsten Frauen betrifft das. Frauen sind die größten Gegner von verantwortlungslosem und kindsschädigendem Verhalten

Aber für Feministinnen sind ungeborene Kinder nun mal nicht mehr als Zellhaufen, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Während die Mutter natürlich während der Schwangerschaft ganz ganz besonderem Schutz bedarf. Sie ist schließlich schwanger. Nicht der Zellhaufen.

Es ist sozusagen das Gegenstück zu „wenn du für Gleichberechtigung bist, dann bist du Feministin„. Bei beiden wird versucht die Interessen der Frauen deckungsgleich mit den Forderungen des Feminismus darzustellen.

Beides kann aber, wie das Beispiel zeigt, stark voneinander abweichen und wird es auch häufig tun, denn viele Frauen halten ebenfalls nichts von den extremen Gendertheorien und haben ein weit geringeres Feindbild gegenüber Männern als es die Gendertheorien mit ihrem Vorwurf der Rape Culture und der patriarchischen Unterdrückung verlangen.

Beste Freundinnen – Frauenfreundschaften

Ein Artikel in der Süddeutschen behandelt Frauenfreundschaften und ihre Eigenarten:

. Mädchen sind eher auf wenige, dafür enge Kontakte mit Gleichaltrigen aus, Jungen fügen sich lieber in eine größere Gruppe ein. Dafür sind die Freunde eines kleinen Jungen häufiger untereinander befreundet, als es in vergleichbaren Mädchengruppen der Fall ist. Im Gegensatz zu Jungen neigten zehnjährige Mädchen in Experimenten der Psychologin Joyce Benenson vom Emmanuel College in Boston dazu, Aufgaben lieber zu zweit als in einer größeren Gruppe zu lösen. Sehen Mädchen die Exklusivität ihrer Freundschaft aber in Gefahr, werden sie schnell eifersüchtig, sagt Benenson.

Eifersucht, Exklusivität – bringt man beides nicht eher mit einer Partnerschaft zusammen als mit zwei befreundeten Mädels? „Es gibt große Überschneidungen zwischen einer Partnerschaft und einer engen Freundschaft in Bezug auf das, was sich Mädchen von diesen beiden Arten von Beziehungen erhoffen“, bestätigt Benenson: „Loyalität, Exklusivität, Intimität.“

Danach würden Frauen ihre Freundschaften also eher auf einen sehr direkten, exklusiven Kontakt aufbauen, während Männer sich breiter aufstellen, eher in Gruppen befreundet sind, dafür aber weniger eng. Dass passt ganz gut zu den Gruppenbildungstheorien bei den Männern nach Geary, dort ist man eben auf eine Zusammenarbeit angewiesen und befindet sich gleichzeitig in einer gewissen Konkurrenzsituation.

Interessant wäre es, warum bei Frauen der Trend zu einer höheren Exklusivität vorhanden sind – ich könnte mir vorstellen, dass eine festere Zusammenarbeit insoweit auch ein Schutz vor Ausnutzen ist und mehr Vertrauen generiert, was beispielsweise bei einer Kinderbetreuung besonders wichtig wäre. Insoweit könnte ein solcher Zusammenhalt eben auch die klassische Reziprozität verbessern:

„In sozialen Netzwerken ist es von großer Bedeutung, soziale Akzeptanz darzustellen und dadurch an Image zu gewinnen“, sagt die Medienwissenschaftlerin Ulla Autenrieth von der Uni Basel. Freundschaft wird so zum Wettbewerb, zu einer Inszenierung, deren Misslingen einer Katastrophe gleichkäme. Um Chancen auf einen Sieg zu haben, braucht es ein wohlwollendes Publikum, das jedes neue Profilfoto innerhalb von Minuten lobend kommentiert, das eigene Gästebuch mit langen Liebesbeteuerungen füllt und an der virtuellen Pinnwand in Erinnerungen an all die gemeinsam erlebten Zeiten schwelgt.

Eine mitunter tagesfüllende Beschäftigung, für die sich niemand besser eignet als die beste Freundin. „Bei ihr kann man sich darauf verlassen, dass sie mithilft, den eigenen Status zu verbessern“, sagt Autenrieth. Schließlich macht man es umgekehrt genauso – und auf diese Gegenseitigkeit kommt es an.

Was heute Facebook ist, dass wären früher dann eben Klatsch und Tratsch gewesen oder andere Aktionen, die den jeweiligen Status verbessern. Auch hier käme es eher auf Vertrauen an, denn Gerüchte sind schwer zu kontrollieren. Hier wären gegenseitige Geheimnisse dann gleichzeitig Costly Signals der eigenen Verbundenheit, weil sie eben auch benutzt werden können, den anderen zu verletzten.

Die beste Freundin wird zur Ersatzfamilie erklärt, ohne die das eigene Leben sinnlos wäre: „Ich liebe dich so sehr, dass das Wort Freundin gar nicht mehr reicht“ und „Ohne dich kein mich“ nennt Voigt als Beispiele. Garniert werden diese Sätze mit Herzzeichen (<3) und einer eigenwilligen Schreibweise, bei der Vokale wie i, e, a immer mehr in die Länge gezogen werden: „Hab dich gaaaanz doll liiiieeeeeb <33333“. „Online gibt es eine sehr starke Theatralisierung von Freundschaft“, sagt Autenrieth. „Weil man nichts über Gestik und Mimik ausdrücken kann, muss man alles über Sprache regeln. Das führt zu einer Spirale der Emotionalität.“

Kennt wohl jeder mit einer gewissen Anzahl weiblicher Freunde bei Facebook.

Auffällig häufig thematisieren sie in ihren Online-Postings die Angst vor dem Bruch mit der besten Freundin. Spricht daraus schon die Ahnung, dass die ersehnte Ewigkeit schnell enden könnte? Immerhin haben zahlreiche Studien ergeben, dass enge Freundschaften zwischen Mädchen kürzer halten als zwischen Jungen.

Wer keine anderen Freundinnen neben sich duldet, muss damit rechnen, selbst den Status der „best friend forever“ und damit die gesamte Freundschaft zu verlieren, sobald eine neue allerbeste Freundin auftaucht. Dabei setzt Mädchen der Gedanke an das Ende ihrer engsten Freundschaft weit mehr zu als Jungen. Andererseits erzählten sie der Psychologin Benenson in Interviews häufig, schon einmal etwas getan zu haben, was ihrer engen Freundschaft geschadet hat.

So zeigt sich die Kehrseite des Privilegs, eine allerbeste Freundin fürs Leben zu haben. Dieses Leben kann zur Hölle werden, wenn nicht mehr innigste Verbundenheit, sondern die sprichwörtliche Stutenbissigkeit das Verhältnis beherrscht. Wer erlebt hat, wie übel und unter welch lautem Geschrei sich weibliche Pferde gegenseitig zurichten können, der weiß: Da geht es um alles, mindestens aber um das Ansehen in der Gruppe. Ruhe kehrt erst ein, wenn die Geprügelte still in einer Ecke bleibt.

Was sehr intensiv geführt wird, kann eben auch schneller kaputt gehen, wenn einer der beiden das Gefühl hat, dass er mehr investiert oder der andere nicht genug zurückgibt. Und es wird auch deutlich, dass hier eine gewisse Konkurrenz herrscht, um die besten besten Freundinnen, um Exklusivität, darum der höherwertige Bezug für den anderen zu sein.

Zu den Ursachen noch einmal:

Warum ist deren Beziehung zur besten Freundin so fragil? „Mädchen machen sich mehr Gedanken über die Qualität ihrer engen Freundschaft und darüber, was die anderen über sie denken“, schreiben die amerikanischen Psychologinnen Amanda Rose und Karen Rudolph. Diese Gedanken münden in hohe Ansprüche an die beste Freundin. Sie soll – unter anderem – zuhören, Probleme verstehen und lösen helfen, ohne Abstriche loyal sein und praktische Lebenshilfe geben. Wird ein Mädchen den zahlreichen Erwartungen nicht gerecht, wird aus der allerbesten Freundin schnell die ärgste Feindin.

Hier werden Konflikte eben häufig auf einer sehr emotionalen Ebene ausgetragen, wo sie bei Männern vielleicht eher auf einer Sachebene ausgetragen werden. Wer etwas anders sieht, der ist nicht mehr ohne Abstriche loyal, der schränkt die Fähigkeit als beste Freundin ein.

Bei den Jungs soll es dann wie folgt aussehen:

Verglichen damit wirken enge Freundschaften unter männlichen Teenagern wie ein Kinderspiel. Jungs bestätigen sich ihrer Freundschaften eher beim Fußballspielen. Von einem engen Freund erwarten sie nicht primär seelische Unterstützung, sondern dass er die Bälle der gegnerischen Mannschaft hält. Viel Persönliches muss er nicht von sich preisgeben, um ein guter Kumpel zu werden.

Dort soll es also eher um die Erfüllung einer funktionaleren Funktion gehen als darum, seelische Unterstützung zu geben. Wobei das natürlich auch bei Männern eine Rolle spielt. Ich würde aber zustimmen, dass man häufig nicht so viel Persönliches preisgeben muss. Beste Freundinnen wissen meist sehr viel voneinander, alle Sorgen und Nöte, die Penisgröße der Freunde, was er dann und dann gesagt hat und wie man das auslegen könnte oder was er ihr letzten Geburtstag geschenkt hat und welchen anderen Jungen sie noch toll findet. Dieses Wissen (in der für Jungs angepassten Form) ist bei Jungs meist geringer ausgeprägt.

Zu evolutionären Erklärungen findet sich auch noch was in dem Artikel:

Evolutionär gesehen, hätten Frauen wenig Vorteile von einem weniger komplizierten Verständnis von Freundschaft, argumentieren viele Forscher. Von gleichgeschlechtlichen Verbündeten profitierten Frauen nur in wenigen Fällen – nämlich dann, wenn die andere sehr angesehen ist und etwas von ihrem Glanz auf ihre Umgebung abstrahlt. Ansonsten aber stellten andere Frauen vor allem eine latente Bedrohung dar, könnten sie doch knapp bemessene Ressourcen wie Platz, Nahrung und natürlich Männer für sich beanspruchen. Da erscheint es nur sinnvoll, genau zu schauen, wem man eine enge Freundschaft anbietet – und damit nicht allzu leichtfertig umzugehen.

Männer hingegen tun dieser Argumentationslinie zufolge gut daran, jeden um sich zu scharen, der mit ihnen die Keule schwingen kann – egal, ob es gegen den Säbelzahntiger, eine benachbarte Sippe oder den Gegner beim nächsten Fußballturnier geht. Ein großer Freundeskreis bedeutet zwar auch für Männer mehr Konkurrenz, fördert aber auch die Schlagkraft. Wenn dabei keine Zeit für tiefsinnige Zweiergespräche über die Ungerechtigkeit der Welt bleibt, ist das eben der notwendige Preis.

Dass sich für Männer größere Gruppen mehr lohnten kann ich mir auch gut vorstellen – im Krieg mit steinzeitlichen Waffen ist Gruppengröße ein sehr wichtiger Faktor und die Anzahl der Unterstützer kann über Leben und Tod entscheiden. Bei Frauen ist dieser Vorteil geringer – die Frauengruppe bietet allerdings auch dort Schutz und kann den sozialen Einfluss erweitern.

Interessant auch die beste Freundin im Verhältnis zum Freund:

Was aber, wenn auch zwischen besten Freundinnen diese Zeit nicht mehr bleibt, weil eine von beiden einen Mann kennengelernt hat? Solange die Sache noch nicht ernst ist, muss die beste Freundin wenig befürchten. Schließlich wird sie gebraucht, um ausgiebig über den potenziellen Partner zu reden. In dieser Zeit können die Freundinnen ihre Beziehung sogar als noch inniger empfinden, hat eine Befragung von knapp 450 Amerikanerinnen zwischen 15 und 19 Jahren ergeben. Wird aus dem Flirt jedoch Ernst, kühlt das Interesse an der besten Freundin meist merklich ab.

Noch schneller geht das, wenn sich die Dinge entwickeln wie in Funny van Dannens Lied: „Und nichts könnte uns trennen / gar nichts auf der Welt“, singt er am Schluss, „bis uns eines Tages / derselbe Mann gefällt.“

Hier kann häufig auch schon ein Zeitdefizit auftreten, weil die Zeit mit dem Mann eben von der Zeit mit der Freundin abzuziehen ist. Das ermöglicht wieder anderen Frauen, den Platz als beste Freundin einzunehmen.