Warum Männer ihre Gene anders weitergeben als Frauen

Ein interessanter Bericht über die Auswertung von DNA aus Knochenfunden:

Woher stammen die heutigen Spanier und Portugiesen? Die Jamnaja-Kultur dürfte die Reproduktion übernommen haben

London – Die verbesserten technischen Möglichkeiten, DNA aus alten Knochen zu gewinnen, zu sequenzieren und zu analysieren, haben in den letzten Jahren viele neue Erkenntnisse gebracht und unsere Vorstellungen von der Herkunft der Europäer radikal verändert. So scheint heute gesichert, dass es vor rund 5.000 Jahren zu einer Art Invasion von Vertretern der sogenannten Jamnaja-Kultur kam, die auch als Glockenbecherkultur bezeichnet wird und ursprünglich in der südrussischen Steppe beheimatet war.

Eroberten die Zuwanderer aus dem Osten auch Südwesteuropa? Diese Frage war lange unbeantwortet. Doch nun ging ihr ein Team um David Reich (Harvard University) nach und wertete die DNA von alten Menschenknochen der Iberischen Halbinsel aus. Das Ergebnis der Studie, über die das Fachblatt „New Scientist“ berichtete, brachte ein erstaunliches Ergebnis: Allem Anschein nach haben es die Zuwanderer aus dem Osten jenseits der Pyrenäen geschafft, die Gene am Y-Chromosom der Männer, die ursprünglich in der Gegend lebten, vor rund 4.500 Jahren vollständig zu ersetzen.

Das Y-Chromosom wird nur über die Männer weitergegeben, ist also recht einfach zuzuordnen. Eine vollständige Ersetzung ist dabei natürlich ein sehr interessanter Fund:

Halbnomaden aus dem Osten

Dieser Befund wirft naturgemäß einige Fragen auf: Wie und warum konnten sich die Zuwanderer aus dem Osten durchsetzen? Und wie war es möglich, die ursprünglichen iberischen Männer vollständig aus dem Genpool zu verdrängen? Reich geht davon aus, dass die Halbnomaden aus dem Osten vor allem von zwei Innovationen profitierten und sich deshalb so weit nach Westen ausbreiten konnten: von der Domestikation der Pferde und vom Gebrauch des Rades.

Überlegene Technik gerade für den Kampf kann immer einen entscheidenden Vorteil bringen und dazu führen, dass sich Leute gegen auch zahlenmäßig größere Gruppen durchsetzen

Was nun die Iberische Halbinsel angeht, vermuten die Forscher um Reich eine Art „gewaltsamer Eroberung“, bei der lokale Männer getötet oder versklavt wurden und Frauen von den Jamnaja-Vertretern für sich beansprucht wurden. „Das Zusammentreffen dieser beiden Populationen war nicht freundlich“, ist Reich überzeugt.

Während die erheblichen Auswirkungen der Jamnaja-Kultur in Europa bereits seit längerem bekannt sind, führen die neuesten Erkenntnisse von Reich und seinen Kollegen vor Augen, wie groß dieser Wandel auf der Iberischen Halbinsel war: Denn das kam auch im übrigen Europa nicht vor, dass die gesamte ehemalige männliche Bevölkerung völlig von der genetischen Landkarte verschwand. (tasch, 2.10.2018)

Da greifen recht einfache Prinzipien aus der Biologie:

  • Sperm is cheap, eggs are expensive. Damit sind Frauen unter den damaligen Gegebenheiten eine gute und wichtige Beute. Wegen des Grundsatzes oben kann sich ein Mann eben auch mit mehreren Frauen vermehren und so seine Gene schnell anreichen
  • intrasexuelle Konkurrenz: Der Kampf um die „Ressource Frau“ ist eben damit auch ein intrasexueller Kampf: Die einen betreiben Mate Guarding beziehungsweise die Verteidigung der Frauen und sich selbst, die anderen erobern die Frauen und pflanzen sich mit ihnen fort. Auf diesem kriegerischen Weg lässt sich auch „Female Choice“ ausschalten
  • Der Vorteil von Status: Man darf annehmen, dass die Statushöheren bei einem solchem Kriegszug einen größeren Anteil an der Beute, zu der auch die Frauen zählen, bekommen haben. Sie werden ihre Gene damit noch deutlicher weitergegeben haben.

 

Wikinger-Kriegerinnen

Arne schreibt auf Genderama:

Dass naturgemäß vor allem Männer kämpfend und tötend durch die Lande ziehen, war vermutlich schon immer falsch. Und kaum zeigt sich der hohe Frauenanteil in dieser Gruppe, fragen sich die Forscher, ob die Vorstellung von plündernden und vergewaltigenden Wikingern nicht ebenfalls in die Irre führte …

Ein aus meiner Sicht gerade bezüglich des Frauenanteils bei den Kämpfenden eher gewagter Schluss. Frauen als Kämpfer haben erhebliche Nachteile aufgrund ihrer geringeren Körperkraft und selbst wenn unter den Wikingern vereinzelte Frauen als Kämpfer waren wäre der Schluss darauf, dass bei denen die „Kämpfend und tötend durch die Lande“ zogen nicht die meisten Männer waren, schon deswegen falsch, weil aus sonstigen Armeen eben keine weibliche Beteiligung im größeren Maße diskutiert wird: Es gab keine Frauenheere, kriegerische Auseinandersetzungen fanden unter Männern statt.

Das Männer wesentlich besser für körperliche Auseinandersetzungen aufgestellt sind, zeigt sich schon an Unterschieden des Körpers im Schnitt:

  • Männer wiegen etwa 15% mehr als Frauen
  • Männer sind im Schnitt 15 cm größer als Frauen
  • Der Oberkörper von Männern ist im Schnitt 40-50% stärker
  • der Unterkörper von Männern ist im Schnitt 30% stärker
  • Männer haben relativ zu ihrer Körpergröße mehr Lungenvolumen (ca. 30%)
  • Ellenbogen und Knie sind beim Mann c42-60% stärker
  • die Haut von Männern ist dicker und fettiger
  • Männer haben im Schnitt 5,2 Millionen rote Blutkörperchen pro Kubikmililiter, Frauen 4,6 Millionen
  • Männer haben mehr Hämoglobin als Frauen und können daher mehr Sauerstoff speichern
  • Männer haben im Verhältnis zu ihrem Körper ein um 10% größeres Herz
  • Männer haben stärkere Knochen
  • Männer können mehr Hitze abgeben, weil sie mehr Schweißdrüsen haben
  • Männer haben mehr Gerinnungsfaktoren und Inhibitoren im Blut (schnellere Wundheilung)

Wären Frauen in gleicher Weise an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt gewesen, dann wäre das schon erstaunlich, dass dennoch so klare Unterschiede bei in dem Bereich wichtigen Bereichen auftreten. Auch Unterschiede am Gesicht und der dortigen Verstärkung der Knochen weisen auf unterschiedliche Anforderungen hin, die in Verbindung mit Kämpfen stehen.

Was steht nun eigentlich in der Studie auf die der von Arne verlinkte Text bezug nimmt:

Der Abstract fasst es wie folgt zusammen:

Various types of evidence have been used in the search for Norse migrants to eastern England in the latter ninth century. Most of the data gives the impression that Norse females were far outnumbered by males. But using burials that are most certainly Norse and that have also been sexed osteologically provides very different results for the ratio of male to female Norse migrants. Indeed, it suggests that female migration may have been as significant as male, and that Norse women were in England from the earliest stages of the migration, including during the campaigning period from 865.

Dabei geht es um die alte Frage, ob die Wikinger nur zum Plündern nach England kamen oder sich dort auch niederlassen wollten. Das Mitbringen von Frauen wird dabei in Richtung „sie wollten sich auch niederlassen“ interpretiert.

Insgesamt wurden 13 Skelette untersucht und bei einigen, die sich als weibliche herausstellten, aber auch lange nicht allen, wurden Waffen als Grabbeigabe gefunden.

Aus meiner Sicht ist es für eine von Feinden umgebene Invasionstruppe vielleicht durchaus ein Vorteil, wenn sie eine „Jeder kämpft“-Taktik verwenden. Und eine im Kampf geschulte Frau kann sicherlich nützlicher sein als ein gerade rekrutierter Bauer auf der anderen Seite, der gar nicht weiß, was er mit seinem Speer machen soll und Hemmungen hat ihn zu nutzen. Zudem können feindliche Verwundte endgültig getötet werden oder andere Tätigkeiten übernommen werden. Viele Gegner werden vielleicht auch gerade wegen der Seltenheit von Frauen auf dem Schlachtfeld besonders erschrocken gewesen sein. Und wenn ansonsten alle Männer in den Kampf ziehen, dann ist das Schlachtfeld bei einer Invasion eines anderen Landes vielleicht auch schlicht der sicherste Ort bzw. die Unterstützung zum Sieg der bessere Weg als spätere Beute für den Sieger zu sein.

Mit „Vikings“ wurden die diesbezüglichen Phantasien von Frauen als Kämpferin sicherlich noch einmal angeheizt:

 

Dort kämpfen Frauen, wenn auch überwiegend Frauen nach heutigen Schönheitsideal, also nicht sehr muskulös, gleichberechtigt mit den Männern. (ich schaue die Serie übrigens sehr gern und finde Lagertha, die weibliche Hauptfigur, gut gemacht (zumal ich Katheryn Winnick auch sehr hübsch finde))

Ich bezweifele aber, dass sie wirklich so männermordend über das Schlachtfeld gestürmt sind.

Interessant fand ich dazu einen Kommentar unter dem Artikel:

So far the evidence shows merely that less than 50% of the burials — in a very small sample — that were buried with swords are allegedly female. Having some actual forensic training and experience in sex identification from skeletal remains, I find myself extremely skeptical about the accuracy of McLeod and company’s sexing of these skeletons. It is far from a 100% accurate process, even with a complete modern skeleton which can be compared to extensive contemporary skeletal statistical information. There’s a lot more to it than „pelvic angles,“ as one poster referred to. Burials from a thousand years ago? Let’s just say there’s not much likelihood of McLeod’s claims being accepted in any court.

And it is a completely unwarranted leap from „buried with a sword“ to „warrior.“ A person is no more a „warrior“ because they have a sword than they are a doctor because they have a stethoscope, or a musician because they have a guitar.

There is no evidence provided, for example, that any of these „women warriors“ had any of the physical scars one sees in a warrior of that era: healed damage to the bones of the arms and legs, embedded arrowheads, evidence of enhanced muscular development in the dominant arm… There’s far more to fighting with a sword and shield — or an axe, spear, etc — than merely picking them up and hacking away. Anyone who could be considered a „warrior“ would have spent years in training, and that is going to show up on their skeleton.

And the historical record is very much lacking, as several people have pointed out. The references to female warriors in the sagas are almost nil, and what little there is makes it plain that it was absolutely not typical behavior. Nor is it noted by the vikings‘ enemies.

Even McLeod’s assumptions about the sex ratio as being evidence of a large number of women in the viking settlements is weak. It ignores that this ratio merely considers the people who died in that settlement. The „traditional“ view — that women would have been stay-at-homes (in the settlement) while the men were involved in trade and raiding — is not in the least disproved by McLeod’s findings. Of course there are going to be a higher percentage of women among those buried in the settlement’s graveyard, if many of the men are dying elsewhere.

Und ein anderer Kommentator führt aus:

I did want provide a brief context for the original scholarly article and speak on my knowledge of the documentary evidence for Viking women warriors.

First, As a few commenters already noted, Shane McLeod (the author of the original scholarly article) does not claim that these women were warriors. McLeod wrote his article, „Warriors and Women: The Sex Ratio of Norse Migrants to Eastern England up to 900 AD“, as part of a small debate going on in academia. This debate seeks to find out whether the Vikings who came to England in the 9th century were simply raiders (that is they came to England only to get wealth) or came as setters (that is they wanted a new home). McLeod’s article lends support to the side that claims that the Vikings came as settlers.

To my knowledge, there is no historical documentary evidence that women fought as warriors. Yes, there is some indication that some free early Scandinavian women (ie: not slaves/thralls) had more social power/prestige than that of women elsewhere in Europe at that time. As Andrew W already remarked, there is also some indication of women possibly being burried with weapons. In the old Icelandic saga, The Saga of the people of Laxardal (http://omacl.org/Laxdaela/) we do find a women named Aud the Deep-Minded who is a considered something of a powerbroker in early Icelandic society. With that being said, early Scandinavian society was still patriarchal and Vikings believed that a woman’s place was back at home where she would care for the children and mangage the household.

Now, if we look at Old Norse and Old English legends and myths we do find some women who appear to be warriors of a sort. In the Saga of the Volsungs there are several women who could be consiered warriors. And, we are all familiar with the legendary valkaries. Yet, in every instance, the authors make it clear that these are not women whose example should be followed. These women are typically bearers of bad luck and lead to horrible fates. Take for example, Grendel’s mother from the Old Englis story, Beowulf (no, not the movie, the actual story; I recomend the translation by Seamus Heany). She (and her son) are both not really described as monsters (in fact, many of the same adjectives are used to describe both Beowulf and Grendel). But, the audience would have understood her as monsterous because she lives outisde of society and fights. Something similar could be said about the valkaries. Yes, they are the daughters of Odin and fly about the battlefield encouraging men to fight harder. But, it was not considered a good thing to meet a valkarie (because this means you would die) and when they were not out helping their dad on the battlefield, they were serving drinks to the fallan (male) warriors in Valhalla.

So, unfortunately Viking society was largely patriarchal just like every other early medieval society. With that being said, I agree with you, Andrew W, why should we let this hinder our creation of fantasy worlds in which women are also warriors. (If you wish to learn more about wome in the Viking Age, I recomend Women in the Viking Age by Judith Jesch.)

Judith Jesch schreibt dazu:

The undoubted successes of the Vikings in warfare and conquest were rooted in a well-developed Odinic ideology that sustained and strengthened them through their campaigns. The myth of Valhalla, the idea of death as a reward for the successful warrior, mediated by a female figure, is a powerful part of this ideology. It provided the warrior going into battle with an incentive and the dying warrior with a kind of consolation. Some of the literary texts develop this idea in a romantic way by telling of love affairs between warriors and valkyries though these, too, generally end in death. This martial ideology of which valkyries are a part also seeped into daily life. A typical valkyrie name, like Hild, means ‘battle’, and many ordinary women in the Viking Age also bore names (Iike the very common Gunnhild, or ‘War-battle’) that contained such elements. Yet that did not make them women warriors. Like most periods of human history, the Viking Age was not free from conflict, and war always impacts on all members of a society. It is likely that there were occasions when women had to defend themselves and their families as best they could, with whatever weapons were to hand. But there is absolutely no hard evidence that women trained or served as regular warriors in the Viking Age. Valkyries were an object of the imagination, creatures of fantasy rooted in the experience of male warriors. War was certainly a part of Viking life, but women warriors must be classed as Viking legend.

Man sollte also auch hier nicht in einen unwissenschaftlichen Gleichheitsmaskulismus abgleiten, der Frauen vorschnell und in gleicher Zahl zu Kriegern macht, nur weil es ein besseres Image bedeuten würde.

Interessanter finde ich da das Bild, dass diese Raubzüge von den Frauen wohl kaum moralisch verurteilt worden sind. Im Gegenteil: Der erfolgreich von einer solchen Attacke auf Engländer mit reicher Beute zurückkehrende wird wohl eher als attraktiv beurteilt worden sein als derjenige, dem solche Erfolge nicht gelangen, gerade in einer Gesellschaft die viele Vorstellungen darauf ausrichtete, dass man sich als Kämpfer für Odins Tafel qualifizieren sollte. Sie dürften stolz auf zurückkehrende Söhne gewesen sein, die Gold mitbrachten und sich wenig darum gekümmert haben, dass dafür Engländer starben.

„Ein Weltgastrecht für Frauen“

Die Emma schreibt:

Krieg ist nach wie vor Männersache, auch das macht ihn gespenstisch. Trotz Frauen im Soldatenberuf: In der Eskalation fallen die Geschlechterrollen wieder brutal auseinander. Schon lange sterben in Kriegen prozentual mehr Zivilpersonen als Militärs. Systematische Vergewaltigungen sind ein Instrument auch der Kriegführung des 21. Jahrhunderts. Und das Leben danach mit den Ex-Kämpfern, die das Vergewaltigen und Morden professionell betrieben haben? Frauensache. Das Grauen geht auch nach Kriegsende im Kleinen weiter.

Ein hübsch einseitiges Bild. Frauen, die einen Krieg unterstützen, den Gegner hassen, die Männer, die nicht kämpfen wollen, als Feiglinge ansehen, kommen darin nicht vor. Und anscheinend auch keine Männer, die von einer Seite angegriffen werden, die in einen Krieg hineingezogen werden, die zwangsverpflichtet werden und gegenüber den Frauen den Nachteil haben, erschossen zu werden, wenn sie sich weigern. Sicherlich ist Gewalt innerhalb männlicher intrasexueller Konkurrenz eher ein Mittel gewesen. Das bedeutet aber nicht, dass Männer per se dafür verantwortlich sind und Frauen daran keinen Anteil haben. Auch intersexuelle Selektion der Frauen auf kämpferisch erfolgreiche Männer hat sicherlich seinen Anteil beigetragen und wirkt sich auch heute noch darin aus, dass Frauen Feigheit und fehlende Bereitschaft, für die Gruppe zu kämpfen, wenn diese bedroht wrid, abwerten, wenn eine Gefahr vorliegt oder ein anderweitiger Kampf anstehen kann und die ganze Gruppe betrifft.

Im Bild: Vergewaltiger und Mörder

Im Bild: Vergewaltiger und Mörder

Daraus leitet die Emma dann her:

Ich habe einen Traum: Lasst uns in großem Stil weibliche Flüchtlinge aus Kriegsgebieten aufnehmen! Öffnet die Kindergärten für afghanische Mädchen, bietet ihren Müttern Wohnraum und einen Job, schafft Studienplätze für syrische Studentinnen, holt weibliche afrikanische Vertriebene – kurzum: Schafft ein Weltgastrecht für Frauen! Aufenthalt so weit und so lange sie es wollen. Nehmen wir den kriegführenden Parteien die andere Hälfte der Menschheit weg, ihr Ruhekissen und ihre Zukunft.

Angenommen, diejenigen, zu denen Soldaten, Waffenschmuggler, Milizionäre zurückkehren wollen, könnten mit den Füßen abstimmen.

Angenommen, ihre Frauen, ihre Mütter, ihre Töchter wären keine Geiseln des Territoriums mehr. Dann endlich würde Krieg sich nicht mehr lohnen.

Da würde mich mal eine Einordnung in die feministische Theorie interessieren. Schwarzer als Anhängerin Beauvoirs und damit einer Form des Gleichheitsfeminismus sollte ja eigentlich weniger von der Harmlosigkeit der Frauen ausgehen. Hier scheint aber der Frau etwas grundsätzlich friedfertiges unterstellt zu werden, dass sie zu einem reinen Opfer macht. Eine die entweder getötet oder vergewaltigt wird, oder beides oder danach mit einem Vergewaltiger und Mörder zusammen leben muss.

Es ist eine ziemlich naive und auch männerfeindliche Sicht der Welt.

„Wer annimmt, dass Frauen alles genauso gut, aber nicht genauso schlecht machen können, sagt dass sie höherwertige Wesen sind“

Pele Billing zu dem Argument, dass auch Frauen genau das Gleiche hätten leisten können, wie Männer, wenn sie nicht durch Unterdrückung  daran gehindert worden wären:

Let’s do a little thought experiment to see how we reason about gender in our culture.

Some people argue that the problems that exist in our civilization – such as war, environmental destruction and violence – are the fault of men. Men are the ones who have had power in society since time immemorial, and therefore men should be held responsible for things gone wrong. There is a clear logic to this argument, let us accept it as true.

With the same logic, one can argue that the positive things that have occurred in our civilization – such as technological development, prosperity and democracy – are the result of men’s work. But somehow this reasoning is not put forward as frequently.

Instead of asserting that men have created these positive values ​​it is emphasized that women did not get a chance to participate in the building of society – until relatively late in the process, and therefore it is unfair to pay tribute to the men. The women could have done an equally good job if they had had the chance. This argument has a clear logic to it, so let us accept it as true.

The major question that then arises is: If women would have been able to build a civilization just as well as men, would they not have been able to create as much war, environmental degradation and violence? If we believe that women are just as capable of all the positive characteristics of men, do we believe that women are just as capable of all the negative characteristics that men have?

If you argue that women would have been able to build all that men did, but at the same time believe that women would have created fewer wars and less pollution, then you believe that women are a superior life form. Unfortunately, this type of reasoning is far from unusual.

This kind of thinking is exemplified by the Danish author Hanne-Vibeke Holst when she is interviewed by DN:

“So, I’m not saying that men are not human. But they have a tradition of resolving conflicts through violence. Women have a tradition of resolving conflicts by peaceful means. Therefore, overall, it is very important that women are in the highest positions in the UN, at the highest policy levels. Madeleine Albright has certainly sent men into battle, but I think she really thought about it first.”

Holst believes that women are more peaceful, but does she believe that men have positive qualities that women lack in their leadership? Would she be ready to name a positive quality ín men, that women do not have to the same degree? If not, then she unknowingly carries the idea that women are superior to men.If you believe that women are better at certain things, but do not think that men are better at other things, you are basically a gender racist.

Personally, I believe that both men and women are capable of great deeds and misdeeds, and that both sexes have contributed to the positive and negative conditions that exist in our civilization. To the extent that there are differences between the sexes, I do not believe that these differences make one sex better or worse, just different.

Es ist in der Tat eine immer wieder anzutreffende Meinung, dass Frauen, wenn sie die passenden Führungsaufgaben übernommen hätten, zwar alle Errungenschaften ebenfalls erreicht hätten, aber eben die negativen Seiten weggelassen hätten. Dabei wird meiner Meinung nach ausgeblendet, dass Teil dieser negativen Seiten eben auch Spiegelbilder der positiven Seiten sind. Erst große Reiche haben die notwendigen Finanzmittel und den umfassend erzwungenen Frieden, um große Bauwerke zu bauen und die Technik weiterzuentwickeln. Konkurrenz und Leistungsdruck führen zu besseren Ergebnissen etc.

In der Tat ist kaum vorstellbar, dass alles einfach so besser hätte laufen können und man die negativen Seiten einfach so weglassen kann. Vielleicht wären mit mehr Frauen andere negative Seiten aufgetreten, vielleicht auch positive Seiten gar nicht erst zum tragen gekommen. Geschichtliche Alternativverläufe sind immer nur sehr schwer zu bestimmen. Man kann schließlich immer nur eine geschichtliche Entwicklung haben.

Die Annahme, dass eine rein weibliche Welt ein Paradies wäre, eben dank der Auflösung des Hauptwiderspruchs auch ohne die sich daraus ergebenden Nebenwidersprüche, und damit eine Welt ohne Gewalt, ohne Vergewaltigung und allgemein glücklich erscheint mir sehr naiv.

Es ist jedenfalls eine sexistische Annahme, Frauen nichts böses zuzutrauen und Männern alles böse.

Würden weibliche Oberhäupter Kriege verhindern?

Ein Artikel dazu, wie die Welt mit einer weiblichen Führung wäre:

This is life, we decided, and history proves it. Strong men in invincible armies extend national boundaries and extract tribute from wimps. Male presidents declare war, male generals send male soldiers to kill and conquer weaklings. Torpedoes, bombs, gun muzzles, tank turrets—phallic weaponry seeks the death of all rivals. Civilization is outlined by male-generated violence.

But what if, just what if… that was all changed?

What if empathetic, chatty, risk-adverse girls were suddenly boss of the playground? What if women ruled the governments, all governments, as Prime Ministers, Presidents, MPs, congresswomen, senators, with absolute commander-in-chief authority?

Pearce’s most recent imaginative, ambitious, and pacifist scheme—sent to me via email on February 9th and casually advertised to his Facebook friends—is to install, in 25 years, in every nation on Earth… only women as political executives and representatives. (…)

In Pearce’s words:

There is one crude and spectacularly effective way to reduce global catastrophic risk. For evolutionary reasons, almost all wars are started and waged by men. Enacting legislation that allowed only women to stand for national public office would probably save hundreds of millions of lives this century—possibly more.

I’d estimate the reduction in global catastrophic risk and existential risk would by its implementation lie at between 50% and 95%—actually closer to the latter percentage figure, but let’s be conservative. Can we imagine an all female executive and legislature authorizing, for example, the design and use of nuclear weapons systems?

Pearce admits his idea will be regarded by many as “absurd” but he insists that, “no proposal with such a spectacular benefit of risk-reduction should be dismissed out of hand.” I agree. The potential results deem it worthy of attention. Let’s examine his plan!

Interessant ist auch der dort dargestellte Gegeneinwand:

Women make a lot of emotional, spontaneous and irresponsible decisions. In general, of course. I think if women were heads-of-state in all nations on earth, warfare wouldn’t be reduced at all. In fact, it may be even worse.

Oder:

Critiquing Pearce further, let’s note that history’s violence isn’t 100% masculine—several XX leaders have used militaristic aggression. Zenobia of Palmyra led her chariots into battles against the Romans. Boudicca of Britain also spear-headed revolts. Joan of Arc was a battlefield heroine. “Bloody” Queen Mary burned 300 Protestants and persecuted the Irish. Catherine the Great waged wars against the Ottoman Empire, Sweden, Lithuania, and the Cossacks. Indira Gandhi ordered the attack and subsequent massacre at the Golden Temple in Amritsar. Margaret Thatcher sent sailors to The Falklands and soldiers to Northern Ireland.

Und eine biologische Betrachtung:

The genetic source of most human predatory behavior has been identified: the Y chromosome. Competitive alpha male dominance is perhaps the greatest under-lying threat to what we call civilization. Human history to date can attest to the gruesome effects of testosterone-driven male behavior.

Pearce’s portrayal of testosterone as an evil ingredient has been challenged in recent years, but he maintains a deep distrust of the hormone. Recently on Facebook he asked his friends, “Can we reduce global testosterone production to safer levels?” as he referred them to a recent Utrecht and Cambridge study entitled, “Extra testosterone reduces your empathy.” He also describes the monoamine oxidase-A “warrior gene” as “sociopathic”—this allele (that exists in one of three Western men) has been linked with aggression.

Dem möchte ich zudem noch hinzufügen, dass momentan kein großer Krieg droht. Das Konzept der atomaren Abschreckung ist ebenfalls sehr effektiv darin einen (umfassenden) Krieg zu verhindern, weil er nicht mehr zu gewinnen ist. Die scheint mir – ausgehend davon, dass Menschen Vorteile nutzen, wenn sie leicht zu erlangen sind – eine durchaus effektive Weise Krieg zu verhindern.

Zwar würde ich zustimmen, dass Frauen im Schnitt weniger risikobereit sind und auch der Wettbewerb unter Männern höher ist, aber das sind nicht zwangsläufig Faktoren, die zu einem Krieg führen. Insbesondere dann nicht, wenn andere Arten des Wettbewerbs, wie etwa wirtschaftlicher Wettbewerb möglich sind.

Hinzu kommt, dass das Geschlecht an sich noch nichts über die Aggressivität einer einzelnen Person aussagt. Geschlechtereigenschaften liegen im Schnitt vor, nicht unbedingt bei der (phänotypisch einem Geschlecht zugeordneten) Einzelperson.