Galbrush Paradoxon

Feministinnen prangern an, dass zuwenig Frauen in Filmen vorhanden sind. Interessant fand ich dazu das in den Kommentaren erwähnte „Galbrush Paradox“:

Galbrush Paradox

Galbrush Paradox

Hier noch einmal etwas länger:

Absolutely not. If you can’t tell a two bit con artist from one of your own, you really need to clean up your movement before you start ’suggesting‘ anything.

But maybe you’re just naive and don’t understand the problem. Do you know why there’s so many white male characters in video games? Especially leads? Because no one cares about them.

A white male can be a lecherous drunk. A woman can’t or it’s sexist. Sexualizing women and what all. A white male can be a mentally disturbed soldier who’s mind is unraveling as he walks through the hell of the modern battlefield. A woman can’t or you’re victimizing women and saying they’re all crazy.

Consider Guybrush Threepwood, start of the Monkey Island series. He’s weak, socially awkward, cowardly, kind of a nerd and generally the last person you’d think of to even cabin boy on a pirate ship, let alone captain one. He is abused, verbally and physically, mistreated, shunned, hated and generally made to feel unwanted.

Now let’s say Guybrush was a girl. We’ll call her Galbrush. Galbrush is weak, socially awkward, cowardly, kind of a nerd and generally the last person you’d think of to even cabin boy on a pirate ship, let alone captain one. She is abused, verbally and physically, mistreated, shunned, hated and generally made to feel unwanted.

Now, you might notice that I’ve given the exact same description to both of these characters. But here’s where things deviate. While no one cares if Guybrush takes a pounding for being, for lack of a better term, less than ideal pirate, Galbrush will be presumed to be discriminated against because of her gender. In fact, every hardship she will endure, though exactly the same as the hardships Guybrush endured, will be considered misogyny, rather than someone being ill suited to their desired calling.

And that ending. She goes through ALL that trouble to help, let’s call him Eli Marley, escape the evil clutches of the ghost piratess Le Chuck, it turns out he didn’t even need her help and she even screwed up his plan to thwart Le Chuck. Why, it’d be a slap in the face to every woman who’s ever picked up a controller. Not only is the protagonist inept, but apparently women make lousy villains too!

And that’s why Guybrush exists and Galbrush doesn’t. Men can be comically inept halfwits. Women can’t. Men can be flawed, tragic human beings. Women can’t. And why? Because every single female character reflects all women everywhere.

The horrible truth ls you and Sarkeesian want to craft a box into which you can force every female character into. Some idiotic ‚ideal‘. Putting aside the stupidity of exchanging one unobtainable role model for women with another, this has the added problem of making all female characters exactly the same. And when all characters are exactly the same, that’s boring And boring characters do not sell video games.

Die Idee ist also, dass an weiblichere Charaktere andere Anforderungen gestellt werden, sie dürfen nicht einfach dumm sein, dass wäre sexistisch. Ihre Handlungen dürfen nicht sinnlos sein, dann wäre sie kein Vorbild und es wäre evtl auch sexistisch. Eine Frau kann insofern eigentlich nur die eine ideale Powerfrau sein, die irgendwie ans Ziel kommt. Ein männlicher Charakter unterliegt all diesen Einschränkungen nicht, er kann ein Verlierer sein, er kann scheitern, er kann verarscht werden und alles ist gut.

Resolute Nuss ergänzte dazu:

Leider weiß ich nicht mehr wo oder wer genau es war, weiß nur dass es eine Frau war die mal ausführlich darüber geschrieben hat wie man nur männlichen Charakteren alles antun darf und deswegen entsprechend auch so ziemlich alles sein dürfen. Womit nun mal viele Feministen zu einer eingeschränkten kreativen Freiheit von weiblichen Figuren beitragen. Stimme dem absolut zu, weil jeder Skandal über eine fiktive Frau egal wie groß oder klein dieser auch ist immer mit einem Mann nicht passiert wäre (außer natürlich er tut etwas einer Frau an oder man hätte sie über das fehlen von Frauen beschwert).

Man denke nur jeweils an das bekannte Comiccover von Spiderwoman oder dem Joker mit Batgirl. Da wurden innerhalb kürzester Zeit Beispiele gefunden wo eine fast identische Darstellung mit Männern keine auch nur annähernd vergleichbare Reaktion ausgelöst hat. In dem Film Jurassic World ist das erste mal innerhalb der Reihe soweit ich mich erinnern kann eine Frau gestorben und so gleich hat ein bekannter Netzfeminst sich darüber beschwer es wäre der grausamste Tod im Film gewesen. Obwohl das völlig subjetiv ist. Gebe dir daher deinen abschließenden Sätzen völlig recht. Denke wahrscheinlich wäre die Aufregung über weibliche Minions sogar noch größer gewesen, weil sie “stereotypisch” weibliche Merkmale gehabt hätten und es gebe auch keinen eigenen Film über sie. Ich vermute sogar ein wenig, dass diese Diskussion erst wirklich dadurch ausgelöst wurde, weil sie so eine große Beliebtheit erreicht haben. Ein Satz wie “Like, yes I don’t like minions as much as the next person, but…” deutet zumindest für mich darauf hin (ich mag das zwar eigentlich nicht, aber jetzt wo das so populär ist, müssen auch Frauen auf besondere Weise beachtet werden).

Eigentlich hätte man die Minions auch Henchmens oder so ähnlich nennen können. Ein Henchman definiert sich praktisch über seine Entbehrlichkeit und oft auch über Unfähigkeit. Meistens wird nur zu Comedyzwecken darauf hingewiesen, dass es eigentlich auch Menschen mit einem eigenen Leben sind:

https://www.youtube.com/watch?v=Ag_AFraxj-4

Deadpools Sidekick Bob ist eigentlich die Verkörperung eines solchen Witzes. Darum und aus ein paar anderen Gründen könnte er auch nicht weiblich sein (oder es würde “Misogynie!” Vorwürfe ohne Ende geben).

Wer um jeden Charakter eine Diskussion im Sinne eines „Nicht gut genug“Aktivismus macht, der schränkt halt dessen Möglichkeiten in der Verwendung ein.

„Im Feminismus geht es nicht um die persönliche Entscheidung, sondern die Befreiung der Frau“

Ein Richtungsstreit im Feminismus ist interessant, weil er ausgehend vom klassischen Genderfeminismus etwas mehr das totalitäre deutlich macht und klarstellt, dass es nicht darum geht, dass die freie Entscheidung der Frau im Forderung steht („Choice Feminism“), sondern die Auflösung der Geschlechterrollen und damit das „richtige Verhalten“ im Sinne der feministischen Theorie.

Anita Sarkeesian etwa fasst es wie folgt:

„Feminism is about the collective liberation of women as a social class. Feminism is not about personal choice“

„Im Feminismus geht es um die kollektive Befreiung der Frauen als soziale Klasse. Im Feminismus geht es nicht um die persönliche Verhaltenswahl der Frau“

Der dort verlinkte Text schreibt dazu:

First of all, the choice arguments are fundamentally flawed because they assume a level of unmitigated freedom for women that simply doesn’t exist. Yes, we make choices, but these are shaped and constrained by the unequal conditions in which we live. It would only make sense to uncritically celebrate choice in a post-patriarchal world.

Also der Gedanke, dass die patriarchale Welt die Parameter so gestaltet hat, dass die Frau keine freie Entscheidung trifft, sondern eben nur die beste Entscheidung innerhalb einer für sie nicht freien Welt, also innerhalb der für bestehenden Einschränkungen. Hier wirkt sich wieder aus, dass es im Feminismus eigentlich nur unmündige Frauen gibt, jedenfalls keine, die die Gesellschaft mitgestalten. Das die Gesellschaft ein Produkt der Wünsche und Möglichkeiten beider Geschlechter ist, ist in der feministischen „Alles oder nichts“-Gruppentheorie nicht vorgesehen. Wer mehr Macht hat, gestaltet alles. Und das muss eben der Mann sein. Womit eine freie Entscheidung nicht mehr frei ist, sondern nur noch die Entscheidungen innerhalb des Patriarchats erlaubt.

Second, the idea that more choices automatically equate to more freedom is a falsehood. This is essentially just selling neo-liberalism with a feminist twist. Yes, women can now work or stay at home if they have children, for example, but this “choice” is fairly hollow when child-rearing continues to be constructed as “women’s work”, there is insufficient state support for childcare, and childless women are decried as selfish.

Hier wird noch einmal betont, dass Frauen in ihren Rollen gefangen sind und daher ebenfalls keine freie Wahl haben. Und auch noch einmal ausgebaut, dass das Patriarchat leider keine umfassende Freiheit bietet, in der die Entscheidung in jedem Fall von dem Staat und der Gesellschaft unterstützt wird. Das ist natürlich auch schon eine sehr merkwürdige Vorstellung: Wahre Freiheit ist es, wenn ich nur die Entscheidung treffen muss und mich mit den Konsequenzen nicht auseinandersetzen muss. Es ist ja etwas strohmännig. Denn natürlich gibt es viele Zwischenstufen, bei denen die Frau nicht allein auf staatliche Unterstützung angewiesen ist und eine Frau ohne Kinder kann ihre Selbstbestätigung dann eben aus anderen Bereichen ziehen.

Third, the focus on women’s choices as the be-all and end-all of feminism has resulted in in a perverse kind of victim-blaming and a distraction from the real problems women still face. If you’re not happy with the way things are, don’t blame misogyny and sexism, the pay gap, entrenched gender roles, women’s lack of representation on boards or in parliament, or an epidemic of violence against women. Blame yourself. You obviously made the wrong choice.

Auch eine interessante Aussage: Wir wollen keine eigene Verantwortung übernehmen, wir wollen Opfer sein dürfen! Quasi ein Recht auf Jammern statt der Einstellung, dass man eben die Sache anpacken und sein Leben so gestalten muss, wie man es möchte. Das sie in dem Zusammenhang natürlich auch den Gender Pay Gap erwähnen, der ja gerade einen sehr hohen Anteil persönlicher Entscheidung enthält, ist da innerhalb ihrer Denkweise, die dies gar nicht wahr nimmt, vielleicht folgerichtig, aber ansonsten eher unfreiwillig komisch

As sociologist Natalie Jovanovski points out in her Freedom Fallacy chapter, it is not surprising this kind of liberal feminism has risen to prominence. In privileging individual choice above all else, it doesn’t challenge the status quo.

It doesn’t demand significant social change, and it effectively undermines calls for collective action. Basically, it asks nothing of you and delivers nothing in return.

Instead of resistance, we now have activities that were once held up as archetypes of women’s subordinate status being presented as liberating personal choices. Sexual harassment has been reframed as harmless banter that women can enjoy. Marriage is reconstructed as a pro-feminist love-in.

Labiaplasty is seen as helpful cosmetic enhancement. Pornography is rebranded as sexual emancipation. Objectification is the new empowerment.

Feminismus ist eben der Kampf gegen die Unterdrückung der Frau. Auch wenn sie gar nicht unterdrückt ist, sondern tatsächlich in vielen Bereichen eine bewusste Wahl trifft. Und Frauen eine individuelle Wahl zu lassen, wie sie ihr Leben gestalten können und sie dann auch für diese Wahl verantwortlich zu machen, das ist keine Revolution. Und es passt auch nicht in den IDPOL rein, wenn der Opferstatus durch Verantwortung eingeschränkt wird.

Bei Feministin schreibt man zu dem Thema:

I am certainly not fond of the idea that we should consider every choice a woman makes “feminist” — it puts us well on the road to completely devaluing any affirmative meaning feminism may have. But the real problem with “choice feminism” is its fixation on individual choices, and so the answer to this is not feminist criticism that tries to assign those same choices a negative political value. That’s merely buying into the same binarist, neoliberal logic you criticize.

Conversely, the individual fixation which, as Tyler correctly suggests, renders women invisible as a class is a real issue. But the ideological roots of this, in classical liberalism, capitalist ideologies and so on, are found not in beauty culture or heterosexual marriages but in an antipathy to regarding classes of persons as political subjects unto themselves. The Supreme Court case Wal-Mart Stores, Inc. v. Dukes which ruled that female employees of Wal-Mart could not sue for discrimination as a class, and therefore precluded the possibility of a class-action suit, is typical of this tendency that is now pervasive in our society. This was in spite of overwhelming evidence of a structural problem at the retailer that needed to be addressed by a legal case that pitted a collective against a collective, rather than one woman at a time against the nation’s largest corporation.

This fetish for individualism uber alles is indeed a problem, but it is not best explained — or combated — by attacking women who, say, get married or really enjoy wearing makeup.

The real death of a collective feminist politics lies there, surely, fiddling the same piddling few notes while our society burns.

Das finde ich auch schön: Letztendlich ja die Meinung, dass alles irgendwie gleichzeitig möglich sein muss: Die Meinung, dass Frauen machen können, was sie wollen, verbunden damit, dass sie dennoch ein Spielball der Gesellschaft und der diskriminierenden Strukturen sind. Also letztendlich die Auflösung des Kausalzusammenhanges zwischen den Entscheidungen der Frauen und ihren Folgen. Was auch immer sie machen, auch wenn alle Frauen sich für das Hausfrauendasein entscheiden würden, wäre es nicht die Entscheidung der Frau, sondern nur eine Folge der Strukturen.

Es passt zur „weiblichen Unterveranwortlichkeit“ und dem feministischen Doppeldenk, das letztendlich immer eine Opferstellung der Frau erfordert.

Ausreden, um scheitern zu dürfen

Das menschliche Gehirn ist teilweise darauf bedacht, dass man sich selbst nicht zu schlecht findet und wir Menschen neigen daher dazu, unsere Erfolge unseren Fähigkeiten und unsere Misserfolge externen Umständen oder jedenfalls Umständen außerhalb des eigenen Einflussbereichs zuzurechnen.

Mitunter scheinen mir solche Prozesse auch dazu zu führen, dass bestimmte Theorien, die so etwas einfach machen, populär werden.

Ein Beispiel wäre etwa, dass Schönheit rein sozial konstruiert ist und eigentlich alles schön sein könnte. Und das man sich wegen Poster, die sportlich-schlanke Frauen zeigen, aufregen darf, weil diese ein zu hartes Schönheitsideal kreieren, wie gerade etwas dieses Werbeposter von „Protein-World“, welches für einen Shitstorm sorgte:

Protein World - Beach Body ready

Protein World – Beach Body ready

Die Frau hat ja in der Tat einen klasse Körper und viele Frauen werden auch gerne so aussehen oder viele Männer werden eine solche Frau ansehnlich finden. Hier wird, obwohl dies ja dann eigentlich „Thin-Shaming“ ist, der eigentlich sportliche und attraktive und auch wesentlich gesündere Körper abgewertet und als „krankhaft dünn“ heruntergeredet. Alle Körper seien schön und man müsse Diversität zulassen. Mit solchen Werbungen fördere man nur Magersucht, die armen Mädchen würden unter einem kaum auszuhaltenen Druck stehen, wenn sie solche Bilder sehen würden. Schon hat man eine Ausrede, um eben nicht „Beach ready“ zu werden. Dabei unterschlägt man, dass Magersucht nur etwa 0,6% aller Mädchen betrifft, krankhafte Fettsucht aber weitaus mehr Frauen und das Fettleibigkeit gravierende gesundheitliche Folgen hat, wohingegen einen Körper wie in dem Bild oben zu haben, wohl eher gesund ist

(Renee Sommerfield hat mit einem BMI von 16,6 (Körpergröße 1,77, Gewicht 52 kg) theoretisch Untergewicht, solange sie aber täglich genug ist, ergibt sich daraus meines Wissens nach kein Gesundheitsnachteil:

She admits to working out four to five times per week, including beach running and pilates with weights, and told website Glamour Edition that she has always been on the skinny side: „My physique is naturally very petite and I am quite tall (5’10). Growing up, this felt very awkward but I have grown to love and embrace my body!“

„I work hard to keep my body looking healthy and fit, which means eating 6+ times a day and working out with resistance and weights to make sure I maintain lean muscle… I don’t like looking too skinny!

„Confidence comes from how you feel. I feel my best and my most confident when I am fit and toned…. I love moving, being strong and always full of energy. I think there is definitely a noticeable difference between ’skinny-toned‘ and ’skinny-soft‘ – you know when a girl works for her body!“ she added.

Erzählmirnix hat das gerade auch an einem Beispiel einer Victoria Secret Kampagne und den dann folgenden immer dickeren Protestbildern sehr anschaulich besprochen.

Hier werden den Victoria Secret Modells extrem dicke Frauen gegenübergestellt und dies als positiv verkauft.

Der gesamte Gedanke, dass man sich selbst mit entsprechenden Modellen entlasten kann und dann auch entsprechend scheitern darf, sich also erlaubt, den Vorgaben nicht zu entsprechen und dadurch Druck abbaut, scheint mir ohnehin in den radikaleren Theorien in der Geschlechterdebatte eine große Rolle zu spielen:

Im Feminismus ist eigentlich alles darauf ausgerichtet, schuld von einem Weg hin zu anderen, externen Umständen zu verlagern. Mit dem Geschlecht „weiblich“ hat man bereits verloren, alle anderen sind privilegiert, das Patriarchat hat alle Fäden in der Hand, die Geschlechterrollen sind gegen einen etc. Frauen verdienen nicht weniger, weil sie eigene Entscheidungen treffen, wie etwa niedrigere Wochenarbeitszeiten, Berufe, die eher mit Kindern zu vereinbaren sind und die weniger auf Karriere und Geld ausgerichtet sind, sondern weil das Patriarchat sie unterdrückt und die anderen Privilegien haben. Und diese sollen dann bitte die Privilegien abbauen, auch hier müssen sich also die anderen anstrengen, man selbst muss den Umbau nicht vornehmen, es sind die (externen) Männer, die sich an ihre Privilegien klammern.

Im radikalen Antifeminismus und radikalen Maskulismus findet sich ähnliches. Der Staatsfeminismus macht eh jedes Handeln unmöglich, die Frauen sind so verwöhnt und in einer so hohen Position, dass sie auf Männer herabsehen und sie  nur ausbeuten wollen, alle Frauen sind schlecht und aufgrund dieser Schlechtigkeit lassen sie sich auch nicht auf einen ein. Men Going their own way (MGTOW) kann auch in seiner verbitterten Form in diese Richtung gehen („alle Frauen sind schlecht, also nehme ich sie komplett aus meinem Leben raus – nicht sie lehnen mich ab, ich lehne sie ab).

In der Interview-Reihe von David DeAngelo war auch noch ein interessantes Beispiel aus der Richtung: Er meint, dass Männer mitunter besonders blöde Anmachsprüche machen oder Frauen besonders schlicht anmachen („Ey, ficken?“ oder ein Hinterherpfeifen), weil sie damit in eine Rolle schlüpfen, die sie zum einen ein starker Mann sein lässt und zum anderen bei einer Ablehnung dann eben diese Rolle vorgeschoben werden kann: Sie hat dann nicht ihn abgelehnt, sondern nur die Rolle, die er gerade spielte. Ich hatte am Beispiel des Hinterherpfeifens mal folgendes geschrieben:

Aus diesem Gemisch lässt sich eine Theorie bauen, die ein hinterherpfeifen / hupen erklärt, auch wenn es sinnlos ist.

Es betont, dass man keine Ansprechangst hat und ist ein Umstand, der in der passenden Gruppe sehr schnell sozial bestraft werden kann. Da ein Hinterherpfeifen oder Hupen auch meist rein auf die Schönheit der Frau anspricht und insofern auch häufig sexuelles Gefallen bekundet, stellt es auch eher auf eine Kurzzeitstrategie ab, ein tatsächliches Interesse an der jeweiligen Person wird nicht bekundet. Es ist zudem eine Zeichen “Schau hier her, ich will dich”, was impliziert, dass man sich für gut genug hält, nicht abgelehnt zu werden oder zeigen zu können, dass einen die Ablehnung der Frau oder Sanktionen der Gesellschaft wegen der Überschreitung von Regeln nicht interessieren (“Outcome Indifference“).

Es signalisiert damit in gewisser Weise eine hohe Position und ist insofern gerade innerhalb der Männergesellschaft ein Costly Signal innerhalb der sexuellen Konkurrenz, dass schnell teuer werden kann, wenn die Frau darauf reagiert und man dann doch Ansprechangst bekommt.

Ich würde das ergänzen: Man spielt die Rolle von jemanden, der eine hohe Position hat und sich über die Regeln hinwegsetzen kann. Alle wissen, dass man es übertreibt, aber für den Fall, dass die Frau sich beschwert, regt sie sich quasi nur über den Regelbruch und die Persona auf, sie lehnt einen nicht als Person ab oder man kann eben zumindest sich selbst sagen, dass man es da wohl etwas übertrieben hat ohne es auf sich durchschlagen zu lassen.

Auch Pickuptechniken selbst können zu einer solchen Person sein, die man dem eigenen Ich vorschaltet. Gerade wenn man sie ohne wirkliches verstehen und ohne Kalibrierung auf die Situation anwendet. Wenn man also zB eine 5 ausgiebig neggt und dabei vergisst, dass ein Neg gerade keine Beleidigung ist und viel zu unlustig ist. Erfährt man dann die zu erwartende Ablehnung, dann kann man getrost sagen „Pickup ist Humbug, es ist als solches von der Frau abgelehnt worden, aber nicht ich“ und in seinen alten Trott zurückfallen, davon ausgehen, dass alles einfach irgendwie Glück ist, ohne wirklich an sich zu arbeiten oder eben auch den Gedanken beibehalten, dass Frauen an sich eben schlecht sind und es deswegen auch kein Gegenmittel gibt, außer vielleicht einen plötzlichen Lottogewinn (man flüchtet sich also in eine weitere Ausrede). Dieses Schema war denke ich auch gut bei „PUA-Hate“ zu beobachten, einem Forum bei dem sich nicht umsonst Ablehnung von Pickup mit Frauenhass zusammenfand, weil beides eben gute Ausreden sind, um ohne eigene Schuld scheitern zu können. Es ist eine Verschiebung nach außen, wenn man darauf abstellt, dass man eigentlich eine Frau verdient habe, alles richtig mache, und es nur Schuld der Frauen ist, wenn diese einen trotzdem ablehnen, weil sie eben schlecht sind. Es spart einem, sich den eigenen Fehlern zu stellen und an sich zu arbeiten.

Das zeigt auch schön, wie aus solchen Schuldverlagerungen, die einem erlauben, keinen Erfolg zu haben, Hass entstehen kann. Das Feindbild und die Abwertung ist erforderlich, um sich selbst davon überzeugen zu können, dass der andere das Hindernis ist, nicht man selbst. Der Andere muss einem das Gewollte – sei es „schön sein“, Gleichstellung, eine Partnerschaft oder was auch immer – aus Böswilligkeit vorenthalten bzw. Regeln so gestalten, dass man es nicht erreichen kann. Dann ist die Ausredenfunktion gewährleistet und das eigene Ich entlastet.

„Gender Sponging“

Science Files will einen neuen Begriff einführen:

Gender Sponging beschreibt den erfolgreichen Versuch von Mittelschichtsfrauen, sich unabhängig von Leistung Zugang zu Ressourcen zu verschaffen, und zwar auf Kosten aller anderen gesellschaftlichen Gruppen. Gender Sponging ist gesellschaftlich schädliches Verhalten, da es knappe Ressourcen, die in einer für die Gesellschaft produktiven Weise hätten eingesetzt werden können, einer konsumptiven und somit unproduktiven Verwendungsweise zuführt.

Die direkte Übersetzung wäre wohl „Gender Schmarotzerei„, also das Ausnutzen eines bestimmten Geschlechts, um sich Privilegien, die einem nicht zustehen, einzuverleiben. In gewisser Weise also das, was man im Feminismus den Männern generell vorwirft übertragen auf Einzelpersonen.

Der dabei ausgenutzte Mythos soll der sein, dass Frauen benachteiligt sind und insofern durch Ausgleichsmaßnahmen gefördert werden müssen. Auf diesem Mythos aufbauend kann man dann sich selbst über die Ausgleichsmaßnahmen Vorteile verschaffen.

Ich finde es ein interessantes Reframing über ein neues Wort ein Möglichkeit zu schaffen, solche Ansinnen aus dem allgemein eher verwendeten Frame herauszulösen. Damit man dies nutzen kann, müsste es sich natürlich erst verbreiten. Es kann schnell zu einem ungerechten Vorwurf werden, denn tatsächlich gute Frauen können auch nicht verhindern, dass sie, weil die Unternehmen eben Frauenquoten, besonders begehrt sind.

Ist es aus eurer Sicht ein interessanter Begriff?

„Frauen werden diskriminiert“ als einzig zulässiger Erklärungsansatz

Eigentlich hatte ich vor einen Artikel zu „Frauen werden im Beruf ausgebremst“ zu schreiben, aber Tom hat bereits das Nötige gesagt.

Was mir aber dabei ganz allgemein noch einmal aufgefallen ist, ist der starre Frame, den all diese Artikel haben:

Die Idee, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern nur auf Diskriminierung oder einer Behinderung von Frauen beruhen können

Dieser Frame ist so stark, dass er gar nicht mehr hinterfragt wird, die Kausalität wird quasi automatisch in diese Richtung angenommen. Dabei kann sie eben auch genau andersherum verlaufen:

Nicht die Umstände sind schuld an der Position der Frauen, sondern die Frauen produzieren die Umstände selbst.

Tom führt das sehr berechtigt aus, dass diese Position durchaus nahe liegt:

Wieso ist “ständig verfügbarer Siegertyp auf der Überholspur” eine männliche Rollenvorstellung? Wir reden hier über einen Vorstandsjob. Nicht über den Schichtleiter bei Daimler. Fragt mal einen Gründer, wie verfügbar er sein muss. Und natürlich gehört auch Ehrgeiz dazu.

oder:

Man könnte sich nun hinstellen und sagen, ok, da hatten die befragten Frauen eine falsche Vorstellung, was es heisst, Topmanager zu sein. Das ist doch nicht meine Welt, mir ist mein Privatleben wichtiger als meine Karriere. Absolut ok, nachvollziebar und verständlich.
Aber nein. Die Arbeitswelt muss sich ändern.

Diese einseitige Berichterstattung, die nur eine Betrachtungsweise zulässt und eine Betrachtung der anderen nicht vornimmt, beruht auf einer erfolgreichen Tabuisierung.

Dieses Tabu zu hinterfragen scheint mir eine der vordringlichsten Aufgaben zu sein, der man sich stellen muss, wenn man Rationalität in die Geschlechterdebatte bringen will.

„Natürlich hassen nicht alle Männer die Frauen“

Ich habe über Facebook etwas mit Feministinnen diskutiert und bekam zur Erklärung dafür, dass Feministinnen keine Männer hassen diesen Text von Laurie Penny verlinkt, in dem es darum geht, dass Männer nicht per se die Frauen hassen.

Er hat einige interessante Passagen:

These days, before we talk about misogyny, women are increasingly being asked to modify our language so we don’t hurt men’s feelings. Don’t say, “Men oppress women” – that’s sexism, as bad as any sexism women ever have to handle, possibly worse. Instead, say, “Some men oppress women.” Whatever you do, don’t generalise. That’s something men do. Not all men – just somemen.
This type of semantic squabbling is a very effective way of getting women to shut up. After all, most of us grew up learning that being a good girl was all about putting other people’s feelings ahead of our own. We aren’t supposed to say what we think if there’s a chance it might upset somebody else or, worse, make them angry. So we stifle our speech with apologies, caveats and soothing sounds. We reassure our friends and loved ones that “you’re not one of those men who hate women”.
Ein Mitglied einer Bewegung, die nicht geringe Teile ihrer Theorie darauf abstellt, dass Sprache das wichtigste ist, möchte da lieber ungestört Verallgemeinerungen in den Raum stellen dürfen. Verteidigt wird es damit, dass man damit Frauen ja damit quasi den Mund verbietet. Leider auch nur ohne die geringste Einschränkung oder Wertung. Denn mitunter kann es eben vernünftig sein, dass man fordert bestimmte sprachliche Regelungen anzupassen, beispielsweise eben dann, wenn sie einen vollkommen falschen Eindruck geben oder ein Geschlecht pauschal abwerten.
What we don’t say is: of course not all men hate women. But culture hates women, so men who grow up in a sexist culture have a tendency to do and say sexist things, often without meaning to. We aren’t judging you for who you are but that doesn’t mean we’re not asking you to change your behaviour. What you feel about women in your heart is of less immediate importance than how you treat them on a daily basis.
You can be the gentlest, sweetest man in the world yet still benefit from sexism. That’s how oppression works. Thousands of otherwise decent people are persuaded to go along with an unfair system because it’s less hassle that way. The appropriate response when somebody demands a change in that unfair system is to listen, rather than turning away or yelling, as a child might, that it’s not your fault. And it isn’t your fault. I’m sure you’re lovely. That doesn’t mean you don’t have a responsibility to do something about it.
„Cultur hates women“ also „Die Kultur hasst Frauen“. Die Kultur ist aber leider nichts, was man direkt zuordnen kann, sie besteht zum überwiegenden Teil aus Frauen. Aber natürlich spricht sie hier nicht beide Geschlechter an, sondern mit „you“ sind hier die Männer gemeint. Und die profitieren eben alle von Sexismus. Und als Beleg wird einfach auf das System verwiesen. Die Leute unterdrücken danach nicht, weil sie es richtig finden, sondern weil es weniger Anstrengend ist. Klar: Wenn es so wäre, dann müsste man bei Kritik tatsächlich zuhören und überlegen, was man ändern kann.
Nur ist es eben nicht so. Und das kann man natürlich auch sagen. Und dann sollte wiederum der andere zuhören und seine Argumente bringen. „Patriarchat! Ist halt so!“ ist allerdings kein Argument.
Tatsächlich könnte man weitaus eher vertreten, dass unsere Kultur Frauen liebt. Den Frauenschutz ist weit verbreitet, die Regelungen im Familienrecht sind eher auf die Situation der Frau ausgerichtet, Frauenförderung ist ein großes Thema und Frauen werden eher auf ein Podest gestellt als abgewertet.
It should not, therefore, be as difficult as it is to explain to the average male that while you, individual man, going about your daily business, eating crisps and playing BioShock 2, may not hate and hurt women, men as a group –men as a structure – certainly do. I do not believe the majority of men are too stupid to understand this distinction, and if they are we need to step up our efforts to stop them running almost every global government.
Somehow, it is still hard to talk to men about sexism without meeting a wall of defensiveness that shades into outright hostility, even violence. Anger is an entirely appropriate response to learning that you’re implicated in a system that oppresses women – but the solution isn’t to direct that anger back at women. The solution isn’t to shut down debate by accusing us of “reverse sexism”, as if that will somehow balance out the problem and stop you feeling so uncomfortable.
Merkwürdig, ein Wall der Defensivität, dabei gesteht sie doch zu, dass die einzelnen Männer nicht so schlimm sind, wenn sie normale Alltagstätigkeiten machen. Sondern nur das Männer als Struktur (was damit wohl unter Hinzuziehung des obigen Satzes klar macht, dass Kultur und die darin enthaltenen Errungenschaften Männer gemacht sind) Frauen verletzten. Du dummer Mann musst ja nicht Teil der männlichen Struktur sein (die wir niemals konkret ausschließen, denn im Gegensatz zu ihrer Auffassung enthalten ja auch genug Videospiele Frauenfeindlichkeit oder beziehen Frauen nicht genug ein). Auch schön ist ihr Hinweis doch bitte nicht die Debatte abzubrechen und den anderen (reverse-) Sexismus vorzuwerfen. Das ist nämlich genau das, was sie macht: Die Debatte mit den Männern abbrechen und ihnen Sexismus vorwerfen. Machen diese das Gleiche, dann regt sie sich anscheinend auf.
Sexism should be uncomfortable. It is painful and enraging to be on the receiving end of misogynist attacks and it is also painful to watch them happen and to know that you’re implicated, even though you never chose to be. You’re supposed to react when you’re told that a group you are a member of is actively screwing over other human beings, in the same way that you’re supposed to react when a doctor hammers your knee to test your nerves. If it doesn’t move, something is horribly wrong.
Das hatten wir ja schon mal. Es ist ungefähr die gleiche Sicht aus der heraus man sagen würde „Eine Gefängnisstrafe soll ja eine Bestrafung sein, wie soll er es sonst lernen“. Und auch schön ist der Sippenhaft Gedanken. Du bist ein Mann! Damit Teil einer Gruppe, die aktiv andere Menschen fertig macht! Das findest du also okay du Mistkerl? Das mindeste ist ja wohl, dass du die Erbschuld als Mann akzeptierst und alles wieder gut  machst! Schäm dich, wenn du dich da noch beschwerst!
Saying that “all men are implicated in a culture of sexism” – all men, not just some men –may sound like an accusation. In reality, it’s a challenge. You, individual man, with your individual dreams and desires, did not ask to be born into a world where being a boy gave you social and sexual advantages over girls. You don’t want to live in a world where little girls get raped and then are told they provoked it in a court of law; where women’s work is poorly paid or unpaid; where we are called sluts and whores for demanding simple sexual equality. You did not choose any of this. What you do get to choose, right now, is what happens next.
„Alle Männer sind in eine Kultur des Sexismus eingebunden“ ist doch nun wirklich keine Beschuldigung! Es ist eine Herausforderung! Und die liebt ihr Männer doch.  Wie sie wohl auf solche Herausforderungen gegenüber Frauen reagieren würde? „Alle Frauen können kein Mathe“ –> Eine Herausforderung um zu zeigen, dass man selbst Mathe kann. „Alle Frauen beuten Männer aus“ –> Eine Herausforderung um zu zeigen, dass man sie nicht ausbeutet. Doch wirklich ganz harmlos. Wer will schon in einer Welt leben, in der Frauen schlecht in Mathe und Männer ausgebeutet werden? Aber mal sehen, was sie fordert, was man gegen den Sexismus macht:
You can choose, as a man, to help create a fairer world for women – and for men, too. You can choose to challenge misogyny and sexual violence wherever you see them. You can choose to take risks and spend energy supporting women, promoting women, treating the women in your life as true equals. You can choose to stand up and say no and, every day, more men and boys are making that choice. The question is – will you be one of them?
Du kannst wählen, Risiken einzusehen und Energie aufwenden um Frauen zu unterstützen, für sie zu werben, die Frauen in deinem Leben als echte Gleichwertige behandeln. Als ob Männer nicht täglich Risiken für Frauen eingehen, sie täglich mit ihrem Einkommen unterstützen, ihre Töchter, Mütter, Freundinnen, Frauen nicht täglich unterstützen. Der Feminismus hier wie immer unkonkret. Muss man ihr sagen, dass sie den Gender Pay Gap nie reduzieren wird, wenn sie Gender Studies statt Maschinenbau studiert? Muss man die in Trennung lebende Frau darauf hinweisen, dass sie das Trennungsjahr nicht abwarten sollte ohne voll in die Arbeit einzusteigen, wie es ihr das Gesetz erlaubt? Muss man Frauen sagen, dass sie sich für einen Mann mit gleich hohem oder niedrigeren Gehalt entscheiden sollen und die Babypause nicht zu lang werden darf? Oder das sie mehr Überstunden machen soll, wie die Männer auch? Dazu wird man schwer im Feminismus was finden. Denn tatsächliche Gleichheit ist anstrengend.
Besser ist es, wenn der Mann einfach irgendwie schuld ist.
Einen Sündenbock zu haben ist nicht anstrengend, sondern erleichtert das Ausleben seiner Überlegenheitsphantasien ganz enorm.

Steven Sailers erste Regel zum Verständnis feministischer Vernebelungstaktiken

Steven Sailer stellt eine kurze Regel dar, die dazu dienen soll, feministische Texte besser zu verstehen:

Sailer’s First Rule for Decoding Feminist Obfuscation is

– When feminists can blame men, they blame “men.”

– When feminists would have to blame women, they blame “society” or “our culture.”

Das ist kurz und knackig formuliert und passt häufig genug. Auch wenn statt Männern häufig „Männlichkeit“ oder die Folge männlichen Handelns oder „männlich errichte Strukturen“ benannt werden. Vielleicht wäre es passender zu sagen, dass im Endeffekt immer Männer schuld sind, bei Männern zwar auch durch die Gesellschaft und ihre Rollenbilder bedingt, da wird aber eine Art Erbschuld gesehen, die der Mann akzeptieren und von der er sich frei arbeiten muss, was aber niemals gelingen kann, während Frauen diese Verantwortung für die Gesellschaft und ihre Strukturen nicht haben.

Weibliche Veranwortung kommt aber in feministischen Theorien nicht vor. Sie ist allenfalls die Anpassung an die Lage, wie sie nun einmal für eine Frau innerhalb einer patriarchischen Gesellschaft leider notwendig ist.

Aus meiner Sicht eine sehr nützliche Regel, die deutlich macht, was dem Feminismus am meisten fehlt:

Die Vorstellung, dass eine Frau ohne Gehirnwäsche bestimmte Tätigkeiten macht, weil sie diese will und dafür auch verantwortlich ist und das daraus auch ein Anteil der Verantwortung von Frauen für gesellschaftliche Regeln folgt.