Wie könnten Männer und Frauen wieder näher zueinander finden?

Mir schrieb ein Leser:

Weißt du was ich mir ehrlich wünsche Christian? Dass Frau und Mann wieder näher zueinander finden. Überall ließt man „Frauen sind Schlampen“ und „Alle Männer sind gleich“. Dabei merke ich gerade durch Pick Up, wo ich die Frauen nicht auf ein Podest stelle, keinen Stock im Hintern habe und sie wie normale Mitmenschen behandel, wie viel besser eine Frau/Mann-Dynamik gesellschaftlich entstehen würde.
Das würde ich gerne mehr sehen und nicht nur an mir persönlich oder an einigen anderen.
Gedanken dazu?
Aus meiner Sicht verstehen sich die meisten Männer und Frauen durchaus. „Frauen sind Schlampen“ und „Männer sind Schweine“ ist häufig nur ein Ventil für momentanen Ärger über bestimmte Frauen oder Männer. Aber die Allermeisten gehen davon aus, dass da irgendwo der Richtige für sie ist.
Vieles an Ärger über das andere Geschlecht stammt aber in der Tat daraus, dass man nicht bereit ist, Unterschiede zwischen der Geschlechtern zu verstehen und zu akzeptieren, dass sie (im Schnitt) anders sind. Und auch aus Unwissenheit entsteht viel Frustration, weswegen auch meine Sicht durch Pickup in vielen Punkten wesentlich entspannter geworden ist. Es bringt mit sich, dass man nicht mehr vollkommen planlos ist und sich dann ärgert, weil Frauen auf die eigenen Versuche mit Desinteresse reagieren.
Viele Leute haben sich denke ich ganz gut darin eingerichtet, dass eben das andere Geschlecht doof ist. Dass sie falsch sind und nur Sex oder Geld wollen. Dann ist man selbst nicht schuld. Man kann sogar eher das Bild aufbauen, dass man der Sehende unter vielen Blinden ist und der anderen Seite nicht auf den Leim geht. Das schützt das Ego. Denn an sich selbst zu arbeiten um besser zu werden und dafür diese Schutzansichten aufzugeben, dass wirkt wie ein mühsamer Weg, bei dem man sich einiges eingestehen muss. Die Trauben sind eben sauer.
Das ist schade, weil einen selbst diese Ansicht am meisten schadet. Die Frauen oder Männer, die man ablehnt, werden davon nicht getroffen. Sie treffen sich eben mit anderen.

„Frauen sind böse, weil sie sich nicht gegen den Feminismus wehren und dessen Vorteile mitnehmen“

Ein Argument, dass man immer wieder im Bereich des Maskulismus antrifft, geht ungefähr so:

Frauen wollen die Vorteile des Feminismus. Sonst würden sie etwas dagegen tun. Also unterstützen sie den Feminismus und müssen sich diesen als von ihnen gewollt vorhalten lassen. Daran sieht man, dass sie eigentlich nichts für Männer übrig haben, sonst würden sie nicht einfach die Vorteile mitnehmen, sondern etwas dagegen machen. Damit sind Frauen auch der Feind.

Eine sehr einfache Entkräftung dieses Arguments kam gerade in einem Kommentar von Nick:

Wo ist denn der männliche Aufschrei gegen Feminismus – jenseits der Filterbubble der Manosphere?

 Nach der gleichen Logik müßte man in der Tat anführen, dass die meisten Männer viele für sie ungünstige Regeln hinnehmen und keine Proteste dagegen lostreten, sich nicht bei ihren Politikern dagegen beschweren, tatenlos bleiben.

Wenn schon die Betroffenen nichts dagegen machen, warum soll dann das Nichthandeln der Frauen eine Unterstützung oder eine Schädigungsabsicht gegenüber Männern belegen?

Aus fehlenden Widerstand gegen Regelungen deren Unterstützung herzuleiten ist in sofern eine einfache Form von „Cui bono„. Dazu schrieb ich unter dem gerade gesetzten Link:

Bei der falschen Verwendung als Argument handelt es sich um den klassischen Fehlschluss “Cum hoc ergo propter hoc“. Hierbei werden gemeinsam auftretende Ereignisse ohne genauere Prüfung zu Ursache und Wirkung erklärt. Die Zuordnung erfolgt entsprechend willkürlich und ohne fundierte Begründung. Die lateinische Wendung cum hoc ergo propter hoc lässt sich übersetzen als „mit diesem, folglich wegen diesem“ oder „mit diesem, folglich nahe diesem“ oder auch „mit diesem, folglich daneben dieses“.

Etwas länger ausgeführt “Weil der Nutzen mit dem Ereignis zusammenfällt, muss das Ereignis wegen des daraus folgenden Nutzens eingetreten sein, also von dem Nutznießer verursacht worden sein”.

Tatsächlich kann es viele Gründe geben, warum Leute dann, wenn sie Betroffen sind, bestimmte Regelungen, die für sie günstig sind, mitnehmen und ansonsten diese kaum wahrnehmen.

Da ist einmal der Punkt, dass die meisten Leute die gesetzlichen Regelungen zum Umgang, Unterhalt etc gar nicht kennen. Dann der Umstand, dass sie davon ausgehen, dass sie davon nicht betroffen sind und es eben die Betroffenen ändern sollen. Dann der Umstand, dass man keine Handlungsmöglichkeit für sich sieht, weil die Gesetze eben „die dort oben machen“ und man eh nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein ist. Dann der Umstand, dass man diese Regelungen ja selbst nicht ausbeuterisch, sondern aus Notwendigkeit und für seinen Fall passend in Anspruch nimmt: Er hat sich ja während der Ehe schon kaum um das Kind gekümmert/er kann es nicht/er hat sie ja mit dem Kind alleine gelassen und die Familie kaputt gemacht, es schadet dem Kind, wenn …. Und sie muss ja auch an das Kind denken, dass braucht ja nun einmal Betreuung und was zum leben und außerdem hat sie nur das haben wollen, was ihr eben zusteht, sie hat die Gesetze nicht gemacht etc.

Ich hatte in einer ähnlichen Debatte  schon mal eine Bewertung aus der Sicht der Einzelperson versucht

Ich halte so eine Betrachtung schon an sich für schwierig: Interessanter finde ich eine spieltheoretische Betrachtung:

Bei einer für Frauen günstigen Gesetzeslage, die ihnen bei einer Scheidung abstrakte +5 Punkte gibt und Männern bei einer Scheidung abstrakte -5 Punkte sind viele Frauen gar nicht in der Situation, sich entscheiden zu müssen. Sie leben zB mit einem Mann und unterstützen ihn nach Kräften, haben eine Arbeitsteilung vorgenommen, die beide gut finden. Die Männer, die sich nicht scheiden lassen, haben auch nur den Anlass, die Männer in Scheidung zu unterstützen, wenn sie meinen, dass sie sich scheiden lassen werden. Ansonsten ist es viel Aufwand für nichts. Sie profitieren vielleicht eher davon, auch sehr konservative Politiker, die die Unterhaltsregeln hoch halten, zu wählen, wenn diese ihnen sonst Vorteile bringen.

Die Frauen, die sich selbst scheiden lassen, müssten eine “+5 Empathie” aufbringen, um die Rechte nicht wahrzunehmen. Das auch häufig noch unter dem Gesichtspunkt, dass sie gleichzeitig Interessenwahrerinnen der bei ihnen lebenden Kinder sind oder sich das vorhalten können, denen es mit weniger Unterhalt und mehr Fremdbetreuung evt. auch schlechter geht.

Die Männer, die sich scheiden lassen, müssen nur eine -5 Empathie zu ihrer eigenen Gruppe aufbringen, handeln ist evtl aber erschwert dadurch, dass sie ja auch wollen, dass es ihren Kindern gut geht, dass sie sich sagen können, dass sie erst einmal an sich selbst denken müssen, weil sie in einer schwierigen Lage sind, dass sie sich sagen können, dass es für den einzelnen zu groß ist etc.

Politiker müssen inbesondere schauen, dass sie nicht als frauenfeindliche Machos die große Gruppe der weiblichen Wähler (und auch genug der konservativen oder feministischen männlichen Wähler) verschrecken, wobei sie wissen, dass so etwas schnell in ein falsches Licht gerückt wird und als “Zerstörung der Ehe” oder “Ausbeutung der Frau” zu einem shitstorm führen kann.

etc.

So bekommt man denke ich ein besseres Bild der Interessenlage als einfach darauf abzustellen, dass Frauen weniger Empathie haben.

Für ein Nichthandeln braucht man eigentlich nie wirklich viele Gründe. Keinen einen selbst betreffenden Grund oder sonst genug zu tun zu haben oder sich nicht verantwortlich zu fühlen oder eben keine effektive Handlungsmöglichkeit zu sehen, reicht schon aus.

Um so wichtiger ist es, wenn Ausdrucksformen für Protest bereit gestellt werden und deutlich gemacht wird, dass andere auch dagegen sind. Dazu muss man aber nicht per se einer Gruppe schlechte Motive unterstellen.

„Die Folge ist eine weitverbreitete soziale Inkompetenz von Frauen“

Elmar oder evtl auch die „Fundamentalisten“ haben ein paar „Fragen und Vermutungen“ an denen sie sich abarbeiten wollen, zur Lage der Frauen ins Netz gestellt.

  • i) Die Lage der Geschlechter ist in den verschiedenen Länder verschieden. Kulturelle Einflüsse spielen die Hauptrolle für die Lage der Geschlechter, der Geschlechtsunterschied ist nicht dominant. Der Feminismus sieht mit überwältigender Mehrheit seiner Vertreter anders. Das ist eine Vermutung, für die es nicht so ohne weiteres Statistiken gibt. Es ist Aufgabe der Fundamentalisten herauszufinden, wie man dafür argumentieren kann.

Meiner Meinung nach bereits ein Eingangsstatement, da sehr problematisch ist. Es ist aus meiner Sicht auch sehr ungenau formuliert. Denn die Lage der Geschlechter ist zwar in vielen Ländern verschieden, es zeigen sich aber auch sehr viele Gemeinsamkeiten: Überall auf der Welt . Ich hatte hier ja schon mal eine Liste der „universellen Gemeinsamkeiten“ eingestellt, von denen natürlich auch viele den Geschlechterbereich betreffen.  Dies wären insbesondere „biological mother and social mother normally the same person“, „classification of sex“, „division of labor by sex“, „females do more direct childcare“ „male and female and adult and child seen as having different natures“, „males dominate public/political realm“, „males more aggressive“, „males more prone to lethal violence“, „males more prone to theft“, „rape proscribed“). Es gibt also überall Geschlechter und Mann und Frau werden als verschieden angesehen und überall sind sie so ausgestaltet, dass Frauen mehr Kinderbetreuung übernehmen. Natürlich wird dies alles mittels der Kultur verschieden ausgestaltet. Die grundsätzlichen Geschlechterunterschiede bleiben aber bestehen. Zu dem Punkt, dass kulturelle Einflüsse die Hauptrolle spielen verweise ich mal auf meinen Übersichtsartikel. Hier hat Elmar ja schon häufiger angedeutet, dass er dazu eine „naturalistische Position“ vertritt, bisher ist er dazu aber noch nie konkreter geworden.

Der Satz zum Feminismus ist aus meiner Sicht schlecht formuliert, da nicht hinreichend klar wird, auf was er sich eigentlich bezieht. Er hat es aber in einem Kommentar unter dem Artikel noch einmal klargestellt: Gemeint war, dass Feministen glauben, daß der Geschlechterunterschied dominant ist für die Erklärung sozialer Phänomene. Geht man dabei von dem vorherrschenden Gleichheits- bzw. Genderfeminismus aus, dann müsste man darauf abstellen, dass die sozial konstruierten Geschlechterunterschiede aus Sicht dieser Form des Feminismus für die jeweiligen Phänomene verantwortlich sind, allerdings dann nur, wenn man auf eine reine Rollentheorie abstellt, also davon ausgeht, dass Frauen auf eine bestimmte Weise erzogen werden,  was zu einem Verhalten führt, dass die Unterschiede, die man in der Gesellschaft wahrnimmt, erzeugt. Daneben dürfte gerade in Theorien, die auf „das Patriarchat“ oder die „hegemoniale Männlichkeit“ abstellen, allerdings auch noch ein reiner Machtaspekt eine Rolle spielen: Dabei ergeben sich Vorteile nicht nur, weil Frauen aufgrund sozialer Konstruktion anders sind, sondern weil die Gruppe der Männer Macht hat und sie nutzt um Frauen bewusst auszuschließen und nicht nach oben kommen zu lassen.

Interessant finde ich auch den letzten Satz: Anscheinend hat man erst eine Position entwickelt und will nunmehr die Argumente dafür prüfen. Das an sich ist, wenn man es bewusst als These hält, die auch falsch sein kann, nicht anstößig. Dann allerdings muss man diese Möglichkeit auch zulassen und vorher relativ zurückhaltend sein, da man die These eben noch nicht auf Argumente stützen kann.

  • ii) Beschränken wir uns auf Deutschland, so ist das Leben der Frauen im Vergleich zu dem der Männer deutlich weniger mühevoll, weniger gefährlich und deutlich angenehmer. Nachteile der Frauen als Geschlecht sind nicht prinzipiell ausgeschlossen, aber sie sind wirklich rar. Männer haben als Geschlechterklasse – also via Geschlecht, nicht via der mittleren Leistung des Geschlechtes – keine Vorteile, aber jede Menge Nachteile. Das zu zeigen, ist eine Frage verfügbarer Statistiken.

Das sind aus meiner Sicht erst einmal Verallgemeinerungen, die so stark wertend sind und die man eben auch anders sehen kann. Denn das Leben vieler Menschen ist nicht mühevoll, gefährlich und angenehm und viele empfinden die Arbeitsteilung innerhalb der Familie beiderseitig gut, würden also nicht mit dem anderen tauschen. Hier zeigt sich wieder mal das Problem, wenn man allgemein und nicht über den Schnitt argumentiert und zudem auf so große und nicht homogene Gruppen wie die Geschlechter abstellt. Solche Aussagen, die etwas von Apex-Fallacys haben, weil man eben die Beschwernis einer Gruppe in bestimmten Bereichen, in denen sie schlechter abschneidet auf die gesamte Gruppe überträgt. Der Vergleich, wer mehr Nachteile oder Vorteile hat, kann in dieser Form auch nicht gelingen, da es für diese Betrachtung immer darauf ankommt, was man eigentlich will. Will man Zeit für die Karriere haben, dann wird einem durch einen weiblichen Partner wohl eher der Rücken freigehalten werden, will man mehr Zeit mit der Familie verbringen, dann wird einem wohl durch einen männlichen Partner eher der Rücken freigehalten werden. Die Aufteilung kann für beide ein Gewinn sein, wenn sich ihre Ziele ergänzen.

  • iii) Frauen haben es in der sich unter dem Feminismus entwickelnden Gesellschaft immer schwerer, sich als Frau zu fühlen und als Frau zu handeln. Die Anzahl der Gelegenheiten dafür nimmt ab, was dazu führt, daß sich die Frauen in intimen Beziehungen in kompensatorisch übersteigertem engagement auf die Männer werfen, die ihnen diese Gelegenheiten zurückgeben sollen. Das zeigt sich auch in einer Dramatisierung der sexuellen Vorlieben der Frauen. Die Geduld der Männer für diese Art psychologischer Dienstleistung entschädigungslos zur Verfügung zu stehen, nimmt aber drastisch ab. Auch hier ist unklar, welcher Argumentationstyp an dieser Stelle geeignet ist.

Ein Absatz über den man viel schreiben kann.

Erst einmal scheint er mir in einem gewissen Widerspruch zum ersten Absatz zu stehen. Danach ist der Geschlechterunterschiede weltweit nicht dominant und kulturell bedingt. Wenn es aber eh keinen wesentlichen Geschlechterunterschied gibt und der kulturell bedingt starke Unterschiede aufweist, was bedeutet es dann überhaupt „sich als Frau zu fühlen und als Frau zu handeln“. Das erfordert ja in gewisser Weise einer Essenz der Frau, einen wesentlichen Wesenskern zumindest der Frauen im Schnitt, also deutlich Unterschiede nach denen Frauen sich weltweit verhalten wollen und die demnach auch abweichend von denen der Männer sein müssen.

Zum einen ist die Frage, welchen Anteil der Feminismus gegenwärtig an der Gesellschaft hat und warum genau Frauen sich nicht mehr als Frauen fühlen können. Man kann mit dem Gender Equality Paradox genau das Gegenteil vertreten. Die durchschnittliche Frau ist vom Feminismus gar nicht betroffen: Sie macht ihre Ausbildung in einem Fach mit einem hohen Frauenanteil, sie arbeitet, sie heiratet, sie bekommt Kinder und reduziert deswegen ihren Job, später, wenn die Kinder auf dem Haus sind, stockt sie wieder auf, in der Zwischenzeit wird das Haushaltseinkommen von ihrem Ehemann verdient. Das ist ein Lebensentwurf, der immer noch auf die allermeisten Frauen zutreffen wird, gegebenenfalls mit Zwischenschritten wie etwa einer Scheidung und einer neuen Heirat. Sie interessiert sich in der Regel nicht dafür, dass es eigentlich keine Geschlechter gibt, sie will nicht Vorstandsvorsitzende werden oder in die Politik gehen, sie bemüht sich nicht unbedingt um die Beförderung, weil der Job mit höheren Arbeitsstunden verbunden wäre und sie eh wegen der Kinder zurückstecken muss und will. Natürlich gibt es auch Frauen, die Karriere machen, aber viele bekommen eben trotzdem Kinder, weil sie auch in der Karriere eher im öffentlichen Dienst bleiben und das insofern eher vereinbar ist oder nur bis zu einem gewissen Grad aufsteigen, der ihnen anderweitig Raum lässt. Welche Größenvorstellungen und welche Kerne der Weiblichkeit hier überhaupt gemeint sind, bleibt unklar.

Dann der Umstand, das sich „die Frauen“ mit „kompensatorisch übersteigerten Engagement“ auf die Männer werfen, die ihnen diese Gelegenheiten zurückgeben, also wohl das Frausein, dass eigentlich gar nicht so viel anderes ist als Mann sein, jedenfalls gibt es keine dominanten Unterschiede. Ein Nachweis für die Kausalität dieser Vermutung besteht insofern nicht. Auch offen bleibt, wie Männer den Frauen das „Frausein“ zurückgeben und welcher Männertyp der ist, auf den sich Frauen stützen. Man darf vermuten, dass es der „Alpha“ ist oder nur ein sehr männlich auftretender Mann, der ja nicht ein Alpha sein muss. Hier bleibt die These schlicht inhaltsleer: Irgendwelche Frauen werfen sich um nicht geklärte oder begründete Vorstellungen von Weiblichkeit umzusetzen auf irgendwelche Männer. Ersatzerklärungen wie etwa die durch sexuelle Selektion entstandenen Vorlieben werden insoweit nicht behandelt. Es klingt nach einem sehr konservativen Ansatz: Geht es um Dominanz oder geht es um Kochen und Wäsche waschen?

Das ganze soll auch noch mit einer „Dramatisierung der sexuellen Vorlieben der Frauen“ einhergehen. Aus meiner Sicht wohl eher eine Folge einer allgemein liberaleren Gesellschaft, die einen mehr ausprobieren lässt und bei der man daher auch eher zu seinen Vorlieben stehen kann. Ich sehe aber auch keine Dramatisierung der sexuellen Vorlieben der Frauen, die über eine Dramatisierung der sexuellen Vorlieben der Männer hinaus geht. Es mag einen gewissen Teil BDSMler geben, auch Swinger etc ich würde aber ansonsten vermuten, dass sich im Bett nicht viel dramatisiert hat außer das bestimmte Techniken salonfähiger geworden sind.

Auch der nächste Satz ist nicht klar: Männer, die nicht mehr bereit sind wofür zur Verfügung zu stehen? Für die sexuellen Vorlieben der Frauen und ihren Hang zu bestimmten Männern? Ja, Männer haben häufig das Problem sexuell zu sehr von zu vielen Frauen in Anspruch genommen zu werden, sie können sich dem oft schlecht erwehren. Es ist nicht so, dass Männer gerade ihr Verhalten darauf ausrichten, dass sie diejenigen sind, zu denen die Frauen wollen. Und „entschädigungslos“? Vielen Männern wird Sex durchaus reichen. Im übrigen bleibt die These ja unvollständig: Was ist denn nun dieses weibliche Verhalten, was sie nicht mehr zeigen dürfen und inwiefern stört es Männer oder ist etwas was sie belastet? Wenn Frauen Männer suchen, die sie Frau sein lassen, warum folgt dann daraus, dass Männer, die von Frauen gesucht werden, damit sie Männer sind, sich daran stören?

Oder ist es so gemeint, dass der Feminismus eine bessere Welt gemacht hat und Frauen deswegen zurück in die verantwortungslosere Frauenrolle wollen, in denen ihnen Männer mehr abnehmen, was dann erklären würde warum die Männer genervt sind, aber nicht, warum dies zu sexuellen Dramatisierungen führt. Dann wäre es ein fundamentalistischer Lobgesang auf den Feminismus.

  • iv) Die Anzahl der Gelegenheiten sich als Mann zu fühlen nimmt unter dem Feminismus nichts ab, aber die Zuschreibung pejorativer Eigenschaften zu Männlichkeit hat deutlich zugenommen. Männliche Sexualität ist dämonisch, Männer sind psychologisch simpel, sittlich primitiv, menschlich halb gar, intellektuell einseitig und können froh sein, wenn Frauen sich herablassen, sie zur Kenntnis zu nehmen. Argumentativ haben wir dasselbe Problem wie unter iii).

Auch das wäre etwas, was man kritisch hinterfragen kann: Ich vermute mal, dass bereits in der Steinzeit eine Frau zu der anderen gesagt haben wird, dass Männer das Äquivalent eines steinzeitlichen Schweins sind oder sich über bestimmte Charaktereigenschaften aufgeregt haben oder in der Sexualität der Männer etwas dämonisch (dann aber: tatsächlich dämonisches) gesehen haben.

  • v) Als Frau unter dem Feminismus aufwachsen zu müssen, sich entwickeln und erwachsen werden zu müssen, hat nicht nur für die Männer Folgen. Auch für Frauen ist es ein Problem, denn Frauen werden gesellschaftlich dermaßen gepäppelt und verwöhnt, und es ist so selbstverständlich, daß die Ansprüche und Ewartungen von Frauen vorbedingungslos von Männern kostenlos erfüllt werden, daß die Gelegenheiten, in denen Frauen in Zwangslagen etwas leisten und über sich hinauswachsen müssen, so selten geworden sind, daß Frauen sich – tendenziell – viel langsamer entwickeln als Männer: Weniger Probleme, weniger Gelegenheiten, was falsch zu machen und daraus zu lernen. Die Folge ist eine weitverbreitete soziale Inkompetenz von Frauen, die in ihren 20iger wenig ins Gewicht fällt, danach aber zu langfristigen psychologischen Verwerfungen führt, die Männer immer weniger tolerieren. In diesem Sinne schadet der Feminismus den Frauen massiv. Argumentativ haben wir dasselbe Problem wie unter iii).

Ein Absatz, den ich eher frauenfeindlich finde, gerade wenn man die Vorstellungen dazu von Elmar bereits aus Kommentaren kennt. Es ist dabei die Übertreibung und das Absolut setzen, was mich besonders stört. Natürlich sind auch Frauen Anforderungen ausgesetzt, sowohl was Verhalten als auch Aussehen angeht, aber auch schon so simple Umstände wie gute Noten in der Schule oder andere Punkte. Es wird genug Eltern geben, die ihre Töchter unter Druck setzen, außergewöhnliches zu leisten oder solche, die auch gegenüber Jungs eine laxere Einstellung haben.

Daraus abzuleiten, dass Frauen sich tendenziell viel langsamer entwickeln als Männer scheint mir relativ überzogen. Zumal ein so abstrakter Begriff wie „Entwicklung“ auch kaum geeignet ist, viel auszusagen. Was ist denn beispielsweise das Entwicklungsdefizit einer fleißigen Schülerin, die nebenher als Hobby Volleyball in einer Mannschaft spielt, dann sagen wir mal auf Lehramt studiert und alles gut besteht im Vergleich zu einem Jungen, der sich hauptsächlich für Videospiele interessiert und mit seinen Freunden abhängt um Bier zu trinken und so einigermaßen durch die Schule kommt um danach sagen wir mal ebenfalls Lehramt zu studieren?  Man kann für beide Geschlechter unproblematisch Situationen denken, in denen sie wachsen müssen und in denen sie durchhängen und sich nicht unbedingt besonders gefordert fühlen müssen oder etwas falsch machen müssen. Es passt auch nicht dazu, dass üblicherweise aus biologischen Gründen die Entwicklung bei Mädchen in jungen Jahren eher etwas schneller verläuft.

Elmar leitet aus diesen Ideen eine „weitverbreitete soziale Inkompetenz von Frauen her – und das von jemanden, der mir selbst eher zweifelhafte Vorstellungen von sozialer Kompetenz zu haben scheint, immerhin vertritt er, dass er eine Frau ruhig betrügen kann, wenn sie seinen Ansprüchen nicht genügt und das das ihre Schuld ist, sie hätte ja besser sein können, dann hätte er sie nicht betrügen müssen. Was nun genau der Feminismus wieder damit zu tun hat, wird leider auch nicht aufgeführt und auch nicht wie Frauen sich eigentlich verhalten sollen oder was sie konkret falsch machen und warum das, was Elmar als falsch ansieht, überhaupt falsch ist. Welche Verwerfungen dadurch entstehen und warum Männer diese immer weniger tolerieren und warum das dann nicht wieder Probleme sind, an denen die Frauen wachsen, dazu fehlen leider auch Ausführungen.

Im ganzen finde ich es einen sehr unausgegorenen Text, der zudem von reichlich Leerformeln und Gummibegriffen durchzogen ist, die eigentlich nichts aussagen. Was eigentlich der Vorwurf an Frauen ist, ist aus dem Text nicht zu entnehmen, es bleibt vollkommen vage, was dem Text aber vermutlich eher zugute kommt: So kann man ihm weniger widersprechen und Elmar kann auf zukünftige Ausführungen verweisen, die das alles belegen werden.

Im ganzen scheint mir Elmar eine Ausrichtung zu vertreten, die sehr polarisierend aufgebaut ist und irgendwie Ausdruck seiner eigenen Unzufriedenheit mit Frauen ist, die er allgemein auf Männer überträgt. Ein Teil dieser Probleme scheint mir dann auch dem Umstand geschuldet zu sein, dass Elmar eine sehr hohe Meinung von sich hat und insofern fast zwangsläufig die Kritik auf die Frauen verschieben muss.

Brauchbares ist hier aus meiner Sicht weniges drin.

Aber natürlich werden in naher Zukunft alle Unstimmigkeiten aufgeklärt werden und uns ungläubigen wird es wie Schuppen von den Haaren fallen: Frauen sind eben zu schlecht. Jedenfalls wenn man so gut ist wie Elmar.

Romantische Liebe in einer Langzeitbeziehung

Über Erwin Schmidts Blog bin ich auf diesen interessanten Artikel gestoßen:

This article examines the possibility that romantic love (with intensity, engagement, and sexual interest) can exist in long-term relationships. A review of taxonomies, theory, and research suggests that romantic love, without the obsession component typical of early stage romantic love, can and does exist in long-term marriages, and is associated with marital satisfaction, well-being, and high self-esteem. Supporting the separate roles of romantic love and obsession in long-term relationships, an analysis of a moderately large data set of community couples identified independent latent factors for romantic love and obsession and a subsample of individuals reporting very high levels of romantic love (but not obsession) even after controlling for social desirability. Finally, a meta-analysis of 25 relevant studies found that in long- and short-term relationships, romantic love (without obsession) was strongly associated with relationship satisfaction; but obsession was negatively correlated with it in long-term and positively in short-term relationship

Quelle: Does a Long-Term Relationship Kill Romantic Love?

Es geht also um die romantische Liebe und die Frage, wie sie eine Langzeitbeziehung übersteht.

Aus einer Besprechung der Studie:

Many believe that romantic love is the same as passionate love,“ said lead researcher Bianca P. Acevedo, PhD, then at Stony Brook University (currently at University of California, Santa Barbara). „It isn’t. Romantic love has the intensity, engagement and sexual chemistry that passionate love has, minus the obsessive component. Passionate or obsessive love includes feelings of uncertainty and anxiety. This kind of love helps drive the shorter relationships but not the longer ones.

Es erfolgt also eine Abgrenzung zwischen der romantischen Liebe und der leidenschaftlichen Liebe. Die Leidenschaftliche Liebe soll dabei durch ein Element der Zwanghaftigkeit von der romantischen Liebe zu unterscheiden sein, also das Gefühl, dass es nur noch den anderen gibt und man gar nichts anderes mehr wahrnimmt. Dagegen hat in der späteren romatischen Liebe dieser alleinige Bezug eine geringere Bedeutung.

Aus der Auswertung in der Besprechung:

The review found that those who reported greater romantic love were more satisfied in both the short- and long-term relationships. Companion-like love was only moderately associated with satisfaction in both short- and long-term relationships. And those who reported greater passionate love in their relationships were more satisfied in the short term compared to the long term.

Couples who reported more satisfaction in their relationships also reported being happier and having higher self-esteem.

Feeling that a partner is „there for you“ makes for a good relationship, Acevedo said, and facilitates feelings of romantic love. On the other hand, „feelings of insecurity are generally associated with lower satisfaction, and in some cases may spark conflict in the relationship. This can manifest into obsessive love,“ she said.

Wer es also schafft die romantische Liebe über die Jahre zu retten, der wird insgesamt mit seiner Beziehung zufriedener sein, bei denen, die eher gute Freunde werden, aber die romantische Liebe nicht mehr haben, wird es hingegen schwieriger und echte Bessenheit miteinander hält man nicht so lange durch, sie ist am Anfang nett, aber bei längerer Dauer kann sie eher zu Konflikten führen.

So gesehen keine so großartig überraschenden Neuigkeiten: Gute Beziehungen machen glücklich, wer sich nicht mehr romantisch liebt, sondern eher eine Zweckgemeinschaft gründet, bei dem kann es eher schiefgehen, und wer aus der Besessenheit nicht rauskommt, der hat eben auch nicht das passende Vertrauen zueinander aufgebaut und wird sich durch Eifersucht etc das Leben schwer machen.

In einer anderen Besprechung wird noch auf die Tricks, dies zu erreichen eingegangen:

What’s the secret?

“These people are often very relationship focused,” Acevedo told LiveScience. “Their relationship is something that is very central to their lives, something they spend time on, work on, really care about. They seem to resolve conflicts relatively efficiently and smoothly.”

Das ist bei der teilweise bestehenden Kurzlebigkeit unserer Gesellschaft sicherlich nicht immer einfach. Wo früher sozialer Druck und die Ächtung einer Trennung oft gar keine andere Möglichkeit boten als zusammen zu arbeiten, kann man heute auch viele Ehen oder eben nur Beziehungen hintereinander haben. Das „Prisoners Dilemma“, dass beide viel zu verlieren drohen, wenn sie investieren und der andere dann Schluß macht, sobald er eine bessere Option auf dem Partnermarkt findet, aber beide viel gewinnen können, wenn sie kooperieren wird immer riskanter, wenn Scheidungen normaler werden.

Es werden noch einige weitere Tipps genannt:

Other studies on building strong, romantic relationships also suggest the following may help:

  • Continue exploring and engaging in new activities and opportunities with one another.
  • Resolve conflicts as they occur, respectfully; don’t let conflicts simmer and build into something bigger over time.
  • Find something challenging to do together; a shared challenge can help bring you closer together if you work as a team.
  • Feeling that your partner is “there for you” is invaluable for a good relationship.
  • Guard against insecurity, as it can lead to spark relationship problems that otherwise wouldn’t exist.

Romance doesn’t have to turn into pure friendship over time, nor does it have to die a natural death in long-term relationships. Strive to keep the romance alive in your long-term relationship — it’s not as impossible as it may seem.

Das hat man auch schon alles an anderer Stelle gehört, aber es schadet ja nichts, es sich noch einmal bewusst zu machen.

Die umgekehrte Versorgerrolle und die Liebe

Sie hat irgendwie nie Geld. Dabei hat sie einen guten Job. Sie ist sparsam, wenn sie weggeht, dann trinkt sie ein Bier, an dem hält sie sich dann den Abend über fest. Aber trotzdem reicht es anscheinend nicht wirklich. Zum Monatsende leiht sie sich schon einmal was von Freundinnen.

Ihr Freund ist Student. Im zwölften oder dreizehnten Semester. Architektur oder so. Er studiert es so halb, irgendwie besucht er immer mal wieder Vorlesungen oder schreibt mal eine Klausur mit. Aber voran kommt er nicht wirklich. Sie hält ihn über Wasser, er hat noch irgendwelche Schulden ab zu tragen und sie gibt ihm was dazu, wenn seine Aushilfsjobs als Keller nicht genug abwerfen. Den Haushalt versorgt eh sie.

„Sie liebt ihn eben“ sagt Südländerin. Sie kann ja auch nicht einfach mit ihm Schluss machen, nur weil er länger studiert. Andere Angebote hätte sie bestimmt. Sie ist eine hübsche Frau. Südländerin meint neidisch seufzend, dass sie den perfekten Hintern hat, schlank, aber rund wie eine Kugel. Ich will ihr da nicht widersprechen. Und ein nettes Gesicht hat sie auch noch. Aber momentan interessiert sie kein anderer. Sie sind ja auch schon viele Jahre zusammen, dass will sie nicht aufgeben.

Er hat immerhin wohl eine beachtliche Scheißegal-Haltung. 

Jetzt soll sie ihm eine First gesetzt haben. Wenn er in drei Semestern nicht fertig ist oder man zumindest sieht, dass er sich sehr deutlich bemüht, dann wird es ihr zuviel. Sie wird ja auch nicht jünger und kann auch nicht ewig warten, mit Familie und Kindern. Das alte Zeitproblem.

So langsam fängt sie wohl an sich zu entlieben. Es wird eben immer schwerer eine positive Zukunftsvision aufzubauen. Er lebt in der Gegenwart und hält das hier und jetzt für wesentlicher. Die Zukunft ist noch weit weg, Aus ihrer Sicht ist seine fehlende Bereitschaft für die Zukunft zu planen etwas, was die Gegenwart belastet. Die Zukunft wird immer mehr zu einem drängenden Problem.

So bewegen sich die beiden auseinander. Mal sehen ob sie die drei Semester durchhalten.

Dummheit der Opfer als Voraussetzung für eine maskulistische/feministische Opferrolle?

Kommentatorin Stephi schreibt:

Das ist doch der Trick der Radikalmaskulisten, dem Geschlecht, für die sie eine bedingungslose Loyalität pflegen, trotz aller Überhöhung eine ordentliche Portion (triebgesteuerte) Dummheit – die sie natürlich nicht als solches bezeichnen – unterzuschieben, um sie so wirkungsvoller in die Opferrolle zu schieben, die sie geradezu wehrlos gegenüber weibliche Willkür macht und sie deswegen auf die Rettung der Maskulisten angewiesen sind.

Ähnlich machen es auch die Radikalfeministinnen, nur benutzen sie nach meiner Beobachtung viel mehr das Argument der Angst als das Argument der Dummheit (weil Männer ja den Frauen gegenüber körperlich überlegen sind ect. pp…).

Da ist insofern etwas dran, weil wohl die meisten umfassenden Verschwörungstheorien eine gewisse Dummheit der jeweiligen Opfer voraussetzen, gerade auch im Geschlechterbereich.

Ob es sich dabei darum geht, dass die Männer nur ausgebeutet werden und dies noch nicht einmal merken und naiverweise davon ausgehen, das Frauen Liebe empfinden können oder ob Frauen gar nicht merken, dass sie nur durch soziale Regeln von der Macht getrennt sind und trotz dieser umfassenden patriarchischen Unterdrückung und freien, geheimen, allgemeinen Wahlen keinen Weg finden, dass zu ändern und es teilweise noch nicht einmal bemerken