Sind Frauen / Männer schlecht im Bett?

In den Kommentaren fand eine Diskussion dazu statt, welches Geschlecht sich im Bett weniger anstrengt bzw. schlechter im Bett ist.

Elmar führte an, dass nach seiner Auffassung Frauen eine gewisse Prinzessinneneinstellung haben, bei der sie im wesentlichen das ein müssen, während die meisten Männer sich abrackern würden, um die Frau zu einem Orgasmus zu bringen. Er sieht Gleichgültigkeit und Kälte bei den Frauen, denen die sexuellen Bedürfnisse oder das sexuelle Glück der Männer vollkommen egal ist.

Adrian merkt dazu unter anderem an:

Männer investieren im Schnitt mehr Mühe und Zeit in die Sexualität ihrer Partnerin als umgekehrt.

Nehmen wir z.B. an, die Orgasmusproblematik wäre umgekehrt. Kann sich irgendjemand vorstellen, dass Frau stundenlang an einem Mann rumdoktort, nur um ihn abschließend zu befriedigen?

Atacama führt für die Frauenseite an:

Und ich muss nicht die Englei singen hören, ich habe nur die Erfahrung gemacht und die kannst du mir nicht wegreden, dass ich meistens sehr viel mehr “gearbeitet” habe und an seinem Wohlergehen interessiert war als umgekehrt.

Diese Kritik an angeblicher übersteigerter sexueller Erwartungshaltung kann ich deshalb nicht so ganz nachvollziehen. Für mich wirkt das auch ein bisschen wie Jammern auf Hohem Niveau, der Orgasmus ist nicht “doll” genug, er muss betteln sonst taugt es nicht.
Ich wäre derweil schon froh, wenn mann sich die Zeit nähme, dass ich so ungefähr wenigstens jedes 10.Mal überhaupt einen habe.
Doch eigentlich ganz bescheiden und realistisch, oder?
Und dann sogar noch nach Tipps für bessere Performance gefragt und dafür wird einem auch noch halb an die Gurgel gesprungen, man würde Männer irgendwie “missbrauchen” für egoistische persönliche Befrieidigung während “die” männer sich längst zu eifrigen Lustsklaven weitergebildet haben, die nichts anderes im Sinn haben als die Frau ins Nirvana zu bringen.
Ich merk davon halt nicht so viel. Oder erwische immer die, die diese Ausbildung geschwänzt haben.

Und aus einer Diskussion aus einem anderen Artikel möchte ich auch noch Roslin zitieren:

Für mich muss eine Frau überhaupt keine besonderen Fähigkeiten/Techniken etc. anbieten.

Sie muss ganz einfach MICH begehren, mich wollen, Spass am Sex mit MIR haben.

Ich kann befriedigenden Sex auch nur haben mit einer Frau die ICH WILL, als Person will, die ich riechen mag, die mich lachen macht usw., vor der ich schamlos ICH sein kann, ohne fürchten zu müssen, abgelehnt zu werden, die schamlos vor mir SIE sein kann, ohne fürchten zu müssen, abgelehnt zu werden.

Wenn diese Möglichkeit gegeben ist, voreinander schamlos sein zu dürfen, im tiefsten Sinne voreinander und das geht weit über’s körperliche Nacktsein hinaus, das ist da nur Symbol, Oberfläche einer viel tiefer gehenden Realität, nackt sein zu wollen, weil das Vertrauen in den anderen da ist, weil man weiß, er wird mich auffangen, umfangen, umarmen, dann ergibt sich eigentlich alles von allein und wie von selbst.

Dann wird Sex zum Spiel und man tut, was Spass macht, weil es Spass macht, weil es kein Problem ist, auf der Basis dieses grundsätzlichen Vertrauens, dieses Angenommenseins, Wünsche zu äußern oder auch zu versagen.

Ich finde die Aussage erstaunlich, dass alle Frauen schlecht im Bett sein sollen und sich nicht genug bemühen und würde sie eher als eine Bestätigung von Elmars vollkommen verkorksten Verhältnis zu Frauen an sich sehen als als tatsächliche Wiedergabe der Realität.

Ich denke, dass man das etwas aufspalten muss:

1. Frauen zum Orgasmus bringen ist schwieriger als Männer zum Orgasmus zu bringen

Eine Frau braucht in der Regel wesentlich länger für einen Orgasmus, vom Vorspiel über dann schließlich eine gewisse Stimulation bis zu dem Problem einiger Frauen überhaupt beim Sex zu kommen. Noch schwieriger ist es für sie häufig bei einem One-Night-Stand, zumindest, wenn eine gewisse Unsicherheit und Nervösität vorhanden ist.

Wo Frauen langsam anspringen sind Männer häufig direkt bereit und es kann auch wesentlich schneller vorbei sein. Wenn beide einen Orgasmus haben wollen kann bereits daraus folgen, dass der Mann sich intensiver mit der Frau beschäftigen muss als umgekehrt um das Ergebnis Orgasmus zu erhalten. Ist es dann per se ungerecht, wenn er „mehr“ macht und muss das ein Opfer sein? Ich meine nicht. Es ist eher eine „Systemlogik“.

Natürlich kommt es dann auch darauf an, wie man den Sex will. Will man „gemeinsam kommen“, also relativ zeitgleich, dann muss der üblicherweise schnellere zwangsweise den langsamen mehr stimulieren und es kann sogar kontraproduktiv sein, den schnelleren im Vorfeld zu stark zu stimulieren. Ist einem das relativ egal, dann ergibt sich, wenn der schnellere meist der Mann ist auch entsprechender Mehraufwand.

2. Qualität 

Natürlich könnte man dann noch anführen, dass man ja mit diversen Techniken eine Verzögerung erreichen kann, etwa abwechselndes stimulieren mit „Abkühlungsphasen“ oder das sie eben besondere Techniken verwenden kann, hier wurde anale Stimulation der Prostata angesprochen oder andere Techniken. Allerdings dürfte es genug Männer geben, die das nicht wollen und genug Frauen, die das zu dreckig finden (was beides schade ist). Es müssen also nicht unbedingt die Frauen schuld sein.

Ansonsten würde es mich aber wundern, wenn da Männer sonstwas an Technik haben. Die meisten werden über Lecken und ficken auch nicht so wahnsinnig hinauskommen, nur weil sie länger lecken müssen sie da keine besondere Technik haben. Aus der reinen Zeitverteilung folgt insofern aus meiner Sicht nicht, dass Männer besser im Bett sind, daraus folgt nur, dass Frauen schwerer zum Orgasmus zu bringen sind.

3. Einsatz

Ich würde zustimmen, dass viele Frauen relativ passiver sind. Wirklich gute Reiterinnen gibt es selten. Allerdings muss das ja auch nicht per se etwas schlechtes sein, auch unten liegend kann man die Bewegungen unterstützen oder anderweitig mitmachen und auch in Passivität kann – etwa beim Analsex – ein gewisser Einsatz für den anderen zu sehen sein.

Zur Adrians Frage: Ja, ich kenne genug Freundinnen, die, wenn man mal selbst länger brauchte, aufopferungsvoll lange geblasen und sich sonst bemüht haben, einen zum Orgasmus zu bringen. Nicht-kommen-können beim Mann ist denke ich auch bei vielen Frauen ein Umstand, bei dem sie so einiges versuchen, um es für ihn schön zu machen. Ein weiterer Punkt wäre vielleicht der Mehranfall aufgrund des stärkeren männlichen Sexualtriebs, also der Blowjob zwischendurch.

Auch ansonsten würde ich sagen, dass es nicht so ungleich verteilt ist. Wer geleckt werden will, der muss eben auch blasen und umgekehrt. Finde ich jetzt auch heutzutage nicht so ungewöhnlich.

Vielleicht erregt uns Männer auch sexuelle Lust der Frau selbst mehr als umgekehrt. Frauen, die auf eine sehr aktive Art ihr Lust erleben, mit Stöhnen und erkennbarer Steigerung der Lust, mit extremer Geilheit, das ist aus meiner Sicht etwas sehr erregendes und üblicherweise werden Frauen auch ihre Lust lauter zeigen als viele Männer. Dann aber wäre ihre extrem Lust auch Lust für ihn und das muss nichts falsches, kein Ausbeuten sein. Eine Frau, die sich ihrer Lust hingibt und stark erregt ist, ist mir lieber als eine Frau, die etwas sagen würde wie „mir ist nicht so nach Sex, aber ich kann dich verwöhnen“. Das in Pornos Lust stark übertrieben wird ist ja insoweit auch kein Zufall.

Festen Freundin ist es denke ich nicht egal, ob der Sex gut ist. Sie wollen, dass ihr Freund Spass am Sex hat und geben sich entsprechende Mühe. Wie ihre Freunde hoffentlich auch.

Es gibt keinen Grund, die Lage in den Betten so schwarz zu malen. Wer sich nicht hinreichend versorgt fühlt, der sollte es aus meiner Sicht schlicht ansprechen, einfach mal mitteilen, was er will, einen Vorschlag machen, was man mal ausprobieren kann. Oder ein Sextippsbuch kaufen und einfach mal anregen, dass man es gemeinsam mal ausprobiert. Generell ein Geschlecht zu verurteilen, dass es nicht an der Lust des anderen interessiert sei oder dem anderen Geschlecht zu bescheinigen, dass es sich nur aufopfert, vergiftet aus meiner Sicht eher das Klima.

4. Eure Tipps?

Wo wir aber schon bei schlechten Sex sind und Adrian und Elmar angekündigt haben, dass man da einiges an guten Tipps geben könnte, würden mich eure Tipps für guten Sex und eure Ratschläge an das andere Geschlecht interessieren.

Warum sind Frauen lauter beim Sex?

Ich habe „Sex at Dawn“ angefangen und bin erstaunt, wie sehr dort auf Strohmänner eingedroschen wird. Die Theorien dort scheinen mir – wenn auch vieles interessant sind – größtenteils falsch und die Argumente recht oberflächlich. Aber vor einer Besprechung muss ich ja erst einmal ganz durch sein.
Eine der Thesen ist wohl, dass Männer und Frauen in der Steinzeit keineswegs monogam waren (das sie monogam gewesen sein sollen ist einer der Strohmänner), sondern eher zu Gruppensex neigten.
Eines der Argumente – neben Vergleichen mit Bonobos – ist, dass Menschenfrauen beim Sex laut wären, lauter als Männer. Bei anderen Primaten diene dies gerade dazu, andere Männer ebenfalls zur Paarung hinzuzuholen und so eine Spermienkonkurrenz herbeizuführen.
Die Erklärung kommt mir nicht sehr logisch vor, sie passt nicht zu der Sexual Strategies Theorie, sie berücksichtigt nicht unsere Liebeschemie und sie erklärt viele andere Punkte nicht, auf die das Buch (zumindest nach meinem Stand) noch nicht eingegangen ist. Vielleicht kommt dazu später mehr.
Ich finde diesen Punkt aber tatsächlich interessant und er verdient, da stimme ich den Autoren zu, innerhalb dessen was sie die „Standardtheorie“ nennen, eine Erklärung.
Mir würden dazu zwei Erklärungen einfallen:
1. Wie bereits hier dargelegt, kann Gruppensex eigentlich nur unter bestimmten Bedingungen für Frauen günstig sein. Gruppensex an sich würde bei hinreichend Zeit dazu führen, dass das Interesse an väterlicher Unterstützung der Kinder und Mitversorgung abnimmt, da damit die Vatersicherheit fällt.
Auch aus Sicht des Mannes ist es nicht sinnvoll sich beim Sex der Gefahr auszusetzen, dass andere Männer der Sex erregt und sie die Gelegenheit nutzen um ihrerseits Sex zu haben (evtl. gegen den Willen der Frau und des Mannes). Das dürfte der Grund sein, warum Männer eher leise sind. Ein weiterer Grund wäre das Anlocken von Tieren.
Allerdings könnte es vorteilhaft für die Frau sein, so laut zu sein, dass der Mann, um die Gefahr eines Nebenbuhlers gering zu halten, seinerseits gezwungen ist, vorsichtiger zu sein.
Eine ähnliche Strategie fahren nach einer Theorie laut lärmende Vogelkücken im Nest. Sie ziehen durch ihren Lärm potentielle Raubtiere an, die ihnen selbst gefährlich werden können. Aber die Eltern haben gleichfalls etwas zu verlieren, nämlich ihre gesamte Brut, und die Kücken haben zudem die Chance, dass ein Raubtier nur ihre Geschwister frisst und zudem die Gefahr, dass ein Geschwisterteil die Erpressungsstrategie zuerst einsetzt und dann das Fressen erhält. Also kann es sich für sie trotz der Eigengefährung lohnen, möglichst laut um Essen zu betteln und die Eltern mit ihrem eigenen Leben zu erpressen (ich meine das Beispiel gab es bei Dawkins in „Das egoistische Gen“.)
Hier könnte die Lautstärke der Frau ein „Mach es sicher oder riskiere, dass ein anderer Mann oder andere Männer auch Lust auf mich bekommen“ sein.
2. Des weitern könnte es auch in der Tat ein Zeichen an die anderen Männer sein. Wenn der eigene Mann dann nicht genug Status hat und ein anderer Mann tatsächlich eingreift, dann könnte dies durch aus zum (genetischen) Vorteil der Frau sein, wobei sie wiederum unschuldig wäre, weil sie es ja nicht kontrollieren kann. Gegenüber dem Mann, mit dem sie schläft wäre es insofern in gewisser Weise ein Shittest: Kommst du damit klar, dass ich laut bin und andere es hören?
3. Es könnte sich auch einfach daraus entwickelt haben, dass weibliche Lust und Orgasmus ein wichtiges Zeichen für den Mann sind und daher „Laute Frauen“ trotz der Risiken erfolgreicher in der Weitergabe der Gene waren
Das sind recht spontane Gedanken dazu. Vorher müsste man natürlich noch die Frage stellen, ob Frauen überhaupt tatsächlich lauter sind. Das würde ich durchaus bejahen. Dann wäre noch hinzuzufügen, dass es sicherlich auch möglich gewesen wäre, Sex leise zu machen. Dann stellt sich die Frage, warum keine Selektion in diese Richtung stattgefunden hat, sondern Frauen laut sind.