„Wir Männer haben genug verbockt, jetzt sind andere dran“

Die Zeit veröffentlicht einen Artikel von Oskar Roehler, in dem dieser darauf hofft, dass Frauen endlich mehr machen.

Ich träume von einer Revolution; von einer behutsamen Übernahme durch einen sanften Feminismus. Ich bin mir nicht sicher, ob das ein angenehmer Traum ist, aber er ist notwendig, um die Welt zu retten. Alle Gesellschaftsentwürfe der letzten Jahrhunderte sind gescheitert, männliche Eigenschaften und Strukturen haben dazu geführt, dass sich zerstörerische Systeme wie der Spätkapitalismus etabliert haben.

Gut das keine Frau jemals einen Kapitalismus unterstützt hat. Sie fliehen alle aus den kapitalistischen Ländern in möglichst unkapitalistische.

Und natürlich waren alle von Frauen bestimmten Systeme hoch erfolgreich. Die besten Gesellschaften, mit einem bequemen Leben und hohen medizinischen Standards und Wohlstand für alle wurden im wesentlichen von Frauen errichtet.

Wer würde nicht gern in einem Matriarchat leben? Niemand, außer denen, die nicht anders können? Oh, wie sexistisch

Aber dafür haben sich ja ansonsten überall feministische nicht spätkapitalistische Ländern durchgesetzt, weil sie so ein gutes Leben bieten. Also auf in diese! Ach, gibt es gar nicht. Was für ein schlechter Start.

Die Welt muss weiblich werden – mir fällt nichts anderes ein, was die Welt zum Positiven verändern könnte. Umweltschutz und Tierschutz würden dann ernst genommen, ein neues Gemeinschaftsgefühl würde entstehen und der Spätkapitalismus in seine allerletzte Phase übergehen und sich auflösen.

Noch nicht einmal die meisten Frauen wollen die Grünen an der Macht sehen. Die allermeisten Frauen wählen die CDU. Und Umweltschutz und Tierschutz sind auch bei Frauen nur dann hoch im Kurs, wenn sonst alles in Ordnung ist, wenn man also in einer Welt lebt, in der bereits der durch den Spätkapitalismus verursachte Wohlstand herrscht.

Ein sichtbarer und spürbarer Unterschied zwischen Männern und Frauen zeigt sich in der Reaktion auf Tierfilme: Meine Frau weint nicht nur jedes Mal, wenn ein verhungernder Eisbär gezeigt wird, der Anblick prägt ihr Weltbild und ihr Verhalten so stark, dass sie, anders als ich, bereit ist, sich von bequemen Gewohnheiten zu verabschieden und zum Beispiel keine Plastiktüten mehr zu benutzen. Frauen können viel asketischer und disziplinierter sein, wenn es darauf ankommt.

Aber sie können auch beliebig viele Billigschuhe und Billigmode kaufen, sie lieben genauso Urlaube in exotischen Orten und weinen bringt Eisbären gar nichts. Wenn irgendwelche Menschen in die Arktis gehen um Eisbären konkret zu helfen, dann werden die meisten Männer sein, weil es dort verdammt kalt und unzivilisiert ist und Eisbären gottverdammt gefährlich sind.

Da Frauen am meisten einkaufen, dürften sie im übrigen die meisten Plastiktüten kaufen und benutzen. Plastiktüten werden dann auch gerne für das gute Gewissen durch Wolltaschen ersetzt, aber deren Ökobilanz ist nur dann besser, wenn man sie sehr häufig einsetzt. Was dann auch die Leute nicht unbedingt machen.

Und wo wir gerade beim Plastikmüll sind: Das ist Boyan Slat:

Boyan Slat

Boyan Slat

Aus seinem Wikipediaeintrag:

Boyan Slat (* 27. Juli 1994)[1][2] ist ein niederländischer Erfinder, Unternehmer und Student des Fachbereiches Luft- und Raumfahrttechnik, der die Ozeane vom Plastikmüll befreien will. Er hat ein passives System zum Auffangen des in den Meeresströmungen treibenden Plastikmülls entwickelt. Auslöser für das Projekt war ein Urlaub im Jahr 2011 in Griechenland, in dem Slat im Alter von 16 Jahren beim Tauchen mehr Müll als Fische erblickte.[3] Seine Idee wurde mit dem Preis Best Technical Design der Technischen Universität von Delft ausgezeichnet. Er gründete The Ocean Cleanup für die weitere Entwicklung möglicher Technologien. Anfangs fand das Projekt wenig Anklang. Seit seinem Auftritt beim TEDx talk, “How the Oceans can Clean Themselves” verbreitete sich die Information und brachte tausende von Freiwilligen und zwei Millionen US-Dollar zum Aufbau einer Pilotanlage ein.[2][4] Im November 2014 gewann er den Preis Champions of the Earth des Umweltprogramms der Vereinten Nationen.[5]

“Taking care of the world’s ocean garbage problem is one of the largest environmental challenges mankind faces today”

„Sich um das Abfallproblem der Weltmeere zu kümmern ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit.“

“Not only will this first cleanup array contribute to cleaner waters and coasts but it simultaneously is an essential step towards our goal of cleaning up the Great Pacific Garbage Patch. This deployment will enable us to study the system’s efficiency and durability over time.”

„Dieses erste Reinigungssystem wird nicht nur zu saubereren Gewässern und Küsten beitragen, sondern es ist gleichzeitig auch ein unverzichtbarer Schritt zu unserem Ziel den großen Kunststoffabfallteppich des Pazifiks aufzuräumen. Diese Inbetriebsetzung wird uns ermöglichen, die zeitliche Entwicklung der Effizienz und Widerstandsfähigkeit des Systems zu erforschen.“

– Slat in einem Blogeintrag.

Eine Pilotanlage wurde bei der japanischen Insel Tsushima geplant. Ihr Betrieb wurde auf zwei Jahre angesetzt. Dort strandet je Bewohner ein Kubikmeter Kunststoff pro Jahr.

Boyan ist einer dieser widerlichen Personen des männliches Geschlechts, die natürlich nie an die Umwelt denken und vielleicht noch nicht einmal weinend vor einem Fernseher sitzen.

Er geht nur raus und macht tatsächlich Ozeane sauber. Widerlich!

So eine Revolution wird nie friedlich und ohne Unannehmlichkeiten ablaufen. Aber ich lebe schon jetzt in einer von Frauen dominierten Welt – von meiner Frau, meiner Tochter, meiner Agentin. Gegen so viel weibliche Power kommt man nicht an, da muss man mitgehen. Das muss auch die Gesellschaft tun.

Das ist ja wirklich rührend. „In meiner Welt dominieren eh schon Frauen, also müssen das alle so machen“.

Möglich also, dass es keine sanfte Übernahme wird, wahrscheinlich muss es sogar rigide zugehen, denn viele Männer werden ihren Platz wohl nicht freiwillig räumen. Aber Frauen haben ein Anrecht darauf, die Verantwortung zu übernehmen – einfach weil sie bisher nicht so viel falsch gemacht haben.

„Blut muss fließen und zwar das der Männer“ oder wie soll man das verstehen? Man denke sich den Text umgekehrt.

Und Frauen haben nicht so viel falsch gemacht ist auch herrlich. Sie waren ja schlicht auch seltener in den gleichen Positionen. Allerdings ist es ja nicht so, dass Frauen noch gar nicht in Führungspositionen waren. Und sie sind sie dort, dann machen sie eben auch nicht so viel anders als die Männer. Sie führen Kriege, sie versuchen die Umsätze ihres Unternehmens zu vermehren, sie wählen als Volk Politiker wie Hitler und sie erziehen ihre Söhne dazu, ehrenvoll für ihr Volk zu kämpfen und der Familie keine Schande zu bereiten.

Diese binäre Vorstellung der Geschlechter, Männer zerstörren, Frauen schützen und heilen, ist auch bemerkenswert naiv, eine Margret Thatcher war sicherlich aggressiver als etwa ein Helmut Schmidt.

Ich weiß natürlich nicht, ob das tatsächlich in den Frauen steckt, aber es ist an der Zeit, das herauszufinden. Wir Männer haben es lange genug probiert. Wir haben genug verbockt, die Ressourcen sind erschöpft, jetzt sind andere dran.

Auch hier wieder das Bild der Gruppe, die als quasi eine Person an der Macht war und jetzt Platz machen muss. Tatsächlich waren die wenigsten Männer an der Macht, es waren eben einige wenige Männer an der Macht und es kommen neue nach und sind bereit für neue Aufgaben. Und die Ressourcen sind nicht wegen der Männer erschöpft, die Frauen haben wunderbar mitverbraucht. Und tatsächlich werden es eher männliche Wissenschaftler sein, die neue Technologien entwickeln, die entweder umweltfreundlichere Produkte oder die Nutzung neuer Ressourcen ermöglichen.

In meinem Traum wird es ein ideologisches Zeitalter geben unter dem Postulat des Friedens, auch wenn es vielleicht nur ein Scheinfrieden ist. Möglicherweise kommt sogar eine Diktatur der Harmonie, in der jede Art von Auseinandersetzung unterdrückt wird. Aber auch das wäre nicht wirklich schlimm, verglichen mit der Gewalt, den Kriegen, der Ausbeutung, der Massentierhaltung und all dem anderen Elend, das die Männerwelt bisher hervorgebracht hat.

Wie leben in einer der friedlichsten und sichersten Zeit jemals. Nie waren weniger Menschen arm, nie war die Kindersterblichkeit geringer, nie ging es Menschen besser. Was heute Ausbeutung ist wäre der Traum vieler Menschen vor einem Jahrhundert gewesen.

Insofern eine eher gewagte These.

Kulturell, vermute ich, wird es zunächst zu einer Gleichschaltung kommen. Die sexistische und gewaltaffine Kultur, die wir heute haben, wird ersetzt werden durch politische Korrektheit; eine Wüste der Harmonie, alles Männliche in der Kunst wird eliminiert, übrig bleiben wird nur Wim Wenders. Künstler, die keine Selbstzensur ertragen, werden in die innere Emigration gehen. Aber was bedeutet das schon in Anbetracht dessen, was auf dem Spiel steht? Also gut, verzichten wir auf die Kunst, widmen wir uns dem Leben und retten wir die Welt!

Klingt irgendwie nicht nach einem Paradies, eher nach einer Hölle. Im übrigen scheint mir die Kunst das allerkleinste Problem zu sein. Wer übernimmt die dreckigen, zeitaufreibenden, stressigen, gefährlichen Jobs, die bisher die Männer gemacht haben? Wer produziert den Luxus und die Sicherheit, die die Menschen wollen? Das wären eher reale Frage.

vgl. auch:

„Ich bin nicht davor gefeit, der Versuchung zu erliegen, mich übertrieben feiern zu lassen. Einfach weil ich ein Mann bin“

Nils von Pinkstinks hat mal wieder einen wunderbaren Artikel geschrieben:

Er stellt erst dar, was sie für ein gutes Paar sind und das alles wunderbar ist, aber dann wirft leider etwas einen Schatten auf die Beziehung:

Sie leben in verschiedenen Welten

Denn in meiner Welt ist es zumeist vollkommen ausreichend, mit dem Selbstbewusstsein eines mittelmäßigen weißen Mannes aufzutreten.

In der Welt des Feminismus mag das durchaus so sein, denn mit mehr Selbstbewußtsein aufzutreten würde ja auch gleich zu Tadel führen.

Aber ernsthaft, er fügt gleich noch einen sexistischen Tweet dazu um seinen Punkt zu unterstreichen:

Der Tweet ist in so viele Richtungen sexistisch, dass es erstaunlich ist. Männer, will er wohl sagen, sind so privilegiert, dass sie einfach nicht mehr brauchen. Frauen könnten froh sein, wenn sie alles mit nur dem Selbstvertrauen eines mittelmäßigen Mannes angehen könnten, aber sie werden ja immer niedergemacht. Würde natürlich auch bedeuten, dass Männer eben viel selbstbewußter sind und damit auch weitaus eher für Führungspositionen etc geeignet. Es ist also genauso eine Frauenabwertung: Sie sind noch nicht einmal so selbstbewußt, wie ein durchschnittlicher Mann.

In ihrer Welt ist es viel zu häufig nicht einmal ausreichend, die professionellste, klügste, anpackendste, witzigste oder mitfühlendste Person im Raum zu sein, um Gehör und Beachtung zu finden. Ich erlebe immer wieder Situationen, in denen ich mich einfach nur informiert, selbstsicher, dreist oder tatkräftig geben muss, um das zu erreichen, was ich will. Ich brauche bei Fragen und Problemstellungen nicht lange zu überlegen – zu fast allem habe ich eine Meinung parat. Sie hingegen zieht oft klügere, sinnvollere Schlüsse als ich – ohne dass davon wirklich jemand Notiz nehmen würde.

Das ist eben der Effekt, wenn man einer radikalen Ideologie angehört, in der man meint Schlaues zu sagen, es aber tatsächlich gar nicht sagt. Soweit ich weiß ist seine Lebensgefährtin irgendwo Gleichstellungsbeauftragte, was auch etwas ganz anderes ist als Artikel darüber zu schreiben, wie schlecht Männer sind. Bei dem einen ist man häufiger Leuten im Weg, die einen für vollkommen überzogen finden, bei dem anderen lebt man in einer Filterblase, bei dem einem ähnlich radikale gratulieren, dass man ihre Ideologie teilt.

Während ich vor ein paar Jahren mit unserem Söhnchen ein bisschen im Rock durch die Altstadt spaziert bin, und viele Leute darum viel Aufhebens gemacht haben, hat sie im Gleichstellungsbereich gearbeitet und tagtäglich sehr verbohrten Herrschaften erklärt, wieso Geschlechtergerechtigkeit eine gute und lohnende Sache ist.

Vielleicht sollte sie dann schlicht auch in eine Filterblase ziehen, in dem man ihre Theorien teilt. Dass ist glücklicherweise noch nicht überall so.

Nun könnte man einwenden, dass das einfach unser Ding ist. Wir sind eben verschieden, introvertiert versus extrovertiert, Rocktragen bringt mehr Aufmerksamkeit und was nicht alles. Stimmt aber nicht. Es ist eine Geschlechterkiste. Wenn eine Kollegin mir erzählt, dass sie ein Bewerbungsgespräch mit einem leitenden Redakteur hatte, der die Füße auf den Tisch gepackt und sich über ihren Lebenslauf lustig gemacht hat, dann denke ich nicht mit Schrecken daran, dass mir das auch passieren könnte. Ich überlege, dass ich womöglich meine Füße dazugepackt und den Job genau deshalb bekommen hätte.

Und das wäre auch die bessere Lösung, weil souveräner.

Denn egal wie sehr ich mich um Gleichberechtigung bemühe: Ich bin nicht davor gefeit, der Versuchung zu erliegen, mich übertrieben feiern zu lassen. Einfach weil ich ein Mann bin.

Geil! „Ich komme leider so häufig in die Gelegenheit mich feiern zu lassen, es tut mir leid, dass mich das freut. Hat jemand meine Büßerpeitsche gesehen? Seht ihr wie eifrig ich sie benutze? Ich bin wirklich ein echter Feminist, ich lasse mich noch nicht einmal gerne feiern.“

Der obige Satz sagt eigentlich alles, was man über den Feminismus und Männer in diesem wissen muss.

Mich in einer ziemlich ekligen und ausgesprochen schwachen Sekunde besser zu fühlen als die Frau, die mir vier Kinder geboren hat, jeden Job rockt, in vielem professioneller ist als ich und die ich so sehr liebe.

„Habe ich schon gesagt, dass ich als Mann ein elendiger Wurm bin? Ich vergesse das aber leider ab und zu in wirklich ekelhaften, schwachen Stunden und dann fühle ich mich einfach wohl, obwohl ich ein Mann(!) bin“

 

Die für alle ein freundliches Wort hat und sich schon so lange mit meinen Macken abgibt. Das Ringen um Gleichberechtigung muss viel früher ansetzen als beim zähneknirschenden Anerkennen, dass Frauen über Jahrhunderte und Jahrtausende bis in die Gegenwart benachteiligt wurden und dass es Zeit ist, diesen Missstand zu beheben.

„Ich mag mein Leben, obwohl es auf der jahrhundertelangen Unterdrückung aller Frauen beruht! Was sind wir Männer doch widerlich! Aber wirklich: Ich werde Buße tun! Ich weiß, dass ich schlecht bin!“

Es muss damit beginnen, dass Männer sich eingestehen, wie sehr sie diesen Zustand genießen und von ihm profitieren. Es muss anfangen beim reflexartigen Übertünchen männlicher Unsicherheiten durch Überlegenheitsgebaren auf Kosten des anderen Geschlechts. Es muss sich mit der Frage beschäftigen, wieso Männer ganz allgemein die Leistungen von Frauen eher geringschätzen.

„Ich hingegen schätze die Leistungen von Männern als gering ein, wenn ich nicht gerade eine dieser schwachen Stunden habe (Ekelhaft!)“

Heldinnen täten uns ganz gut. Gerade uns Männern. Je länger wir uns einreden, dass es an ihnen mangelt, desto mehr übersehen wir die so zahlreich vorhandenen: Sportlerinnen, Politikerinnen, Aktivistinnen, Künstlerinnen. Oder eben naheliegender: Meine Lebenskomplizin. Jeden Tag wacht sie in einer Gesellschaft auf, die

ihr Aussehen kritisiert,
ihr Alter moniert
ihre Bedürfnisse ignoriert,
ihren Körper objektifiziert und
ihren Anspruch auf Teilhabe negiert.

Ja, Männer hingegen werden so mit Privilegien vollgestopft, dass sie kaum gehen können. Sie werden nie für ihr Aussehen kritisiert, wer hätte je gehört, dass „alte (weiße) Männer“ abgewertet werden? Oder das ihre Bedürfnisse ignoriert werden? Männer gehen stets vollbefriedigt durchs Leben, während es für Frauen keinerlei Luxus gibt. Gar keinen. Und wo dürfen Frauen schon mitmachen? Dürfen die etwa Studieren, was sie wollen und sind frei in einem Wettbewerb einzutreten, der mit Überstunden etc hart geführt wird? Natürlich nicht!

Sie erhebt sich und ist einfach großartig. Sie lässt sich dort nicht entmutigen, wo mir kein bisschen Mut abverlangt wird. Sie erkämpft sich Räume, in denen ich nur stattzufinden brauche. Sie besteht auf Dinge, die mir einfach zuerkannt werden. Sie ist meine Heldin.

Das ist schön für ihn. Es ist wunderbar, wenn die Beiden so glücklich sind.

Aber ich brauche diese Männerabwertung nicht und ich muss auch nicht künstlich Frauen zu Heldinnen machen.

Das ist keine Gleichberechtigung. Das ist ein Kult, in der der Mann der Sündenbock und die Frau die erlösende Göttin ist.

#Weltfrauentag

 

Jetzt will dieses schreckliche Patriarchat auch noch den Mars unterdrücken, dabei sind da noch nicht mal Frauen

Das Patriarchat hat längst alles unterdrückt, was man auf Erden unterdrücken kann, aber das reicht ihm natürlich nicht. Das hat messerscharf eine feministische Journalistin erkannt und schreibt dementsprechend:

These men, particularly Musk, are not only heavily invested in who can get their rocket into space first, but in colonizing Mars. The desire to colonize — to have unquestioned, unchallenged and automatic access to something, to any type of body, and to use it at will — is a patriarchal one. Indeed, there is no ethical consideration among these billionaires about whether this should be done; rather, the conversation is when it will be done. Because, in the eyes of these intrepid explorers, this is the only way to save humanity.

It is the same instinctual and cultural force that teaches men that everything — and everyone — in their line of vision is theirs for the taking. You know, just like walking up to a woman and grabbing her by the pussy.

It’s there, so just grab it because you can

Das ist so herrlich doof, wie es eben im modernen Feminismus zu erwarten ist: Man kann alles abwerten, indem man es einfach irgendwie in die Nähe von Vergewaltigungen und Raumeinnahme rückt.
Sie führt weiter aus:

In this way, colonizing Mars is a “collective life insurance policy.” Although considering the last 500 years of colonization on this planet alone, one could wonder whose lives, according to Musk and other rich white men like himself, are worth being insured.

But again, this impulse to enter the “space race” isn’t simply the embodiment of the American spirit of invention or forward-thinking entrepreneurship. Neither is it driven by the kind of nationalist Cold War fervor that inspired the creation of America’s space program in the 1950s.

Rather, the impulse to colonize — to colonize lands, to colonize peoples, and, now that we may soon be technologically capable of doing so, colonizing space — has its origins in gendered power structures. Entitlement to power, control, domination and ownership. The presumed right to use and abuse something and then walk away to conquer and colonize something new.

Sie scheint sich wirklich Sorgen um den armen Mars zu machen. Er wird kolonisiert und die armen Marsmenschen werden dann erleben müssen, wie ihre Kultur für neue Faschingskostüme missbraucht werden. Schlimm so etwas. Insbesondere weil auf dem Mars niemand ist. Nichts. Es ist ein unbewohnter Planet, bei dem man niemanden was wegnehmen kann und keine Eingeborenen unterdrücken kann.

Mars ist der rote Planet, und damit ein PoC (Planet of Color)

Mars ist der rote Planet, und damit ein PoC (Planet of Color)

 

Aber ihr  Männerhass muss noch deutlicher ausgeführt werden:

This 21st century form of imperialism is the direct result of men giving up on the planet they have all but destroyed.

As if history hasn’t proven that men go from one land to the next, drunk on megalomania and the privilege of indifference.

The raping and pillaging of the Earth, and the environmental chaos that doing so has unleashed, are integral to the process of colonization. And the connection of the treatment of Mother Earth to women is more than symbolic: Study after study has shown that climate change globally affects women more than men.

“Women in developing countries are particularly vulnerable to climate change because they are highly dependent on local natural resources for their livelihood,” a 2013 United Nations report noted. “Women charged with securing water, food and fuel for cooking and heating face the greatest challenges. Women experience unequal access to resources and decision-making processes, with limited mobility in rural areas.”

This means that while men compete with each other over whose rocket is the biggest, fastest, and best, and send playthings off to become flashy space junk, women around the world are fighting to stay alive against violent assaults on their personhood — and their planet. As reported by Marc Bain for Quartz, in seven separate studies “researchers found evidence that people perceive consumers who behave in eco-friendly ways as ‘more feminine,’ and that those consumers “‘perceive themselves as more feminine.’

Wunderbar. „Männer“ kolonisieren den Mars und sind damit nicht mehr von der Verschmutzung der Erde betroffen. Wie groß war das Raumschiff, welches Musk bauen wollte? Ich meine es war ausgerichtet auf 3,5 Millarden und Musk hatte nur Männertoiletten vorgesehen, weil man zu einer Kolonisierung ja nur Männer mitnimmt.

Der Text ist wirklich selten doof, mit der üblichen feministischen Scheinlösung. Aber anzuführen, dass Männer mit der Kolonisation des Marses der von ihnen allein verursachten Umweltverschmutzung entkommen wollen, ist wirklich unredlich.

Frauen leben auf dem selben technologischen Standard wie Männer und fordern gleichzeitig auch männliches Verhalten von Männern ein. Der Besitzer eines Kleinwagens erscheint vielen Frauen in vielen Fällen immer noch weniger interessant als der eines teuren Sportwagens, ungeachtet des Verbrauchs.

Not only, according to researchers, do women generally have a greater environmental conscience when it comes to the planet we currently live on, but the same researchers have found a connection between men’s insecurity about their masculinity and their lack of environmental conscience. Apparently, caring for the planet is perceived to be a “feminine” quality and concern; the psychology of toxic masculinity spills over into the unethical disregard for the environment.

This masculine insecurity is everywhere in American culture and, increasingly, American politics. Trump himself has spoken about making sure our nuclear bomb is “bigger and more powerful and can often be found “bragging about building a “beautiful,” “great, great wall.”

Trump wurde auch mit einer Mehrheit der Stimmen weißer Frauen gewählt (66%). Und natürlich mögen auch Frauen ihre in China in Indien hergestellte Mode, nutzen Klimaanlagen, heizen gerne und lieben auch sonst jeden Luxus, den diese Gesellschaft zu bieten hat. Sie fliegen ebenso gerne in den Urlaub, sie leben, wenn sie können, lieber in großen Häusern und sie wässern im Sommer ihren Garten, damit er schön grün aussieht. So zu tun als sei alles schwarz und weiß, Frauen die reine Unschuld, die kein Kohlendioxidchen in die Atmosphere entlassen würden und Männer allesamt persönlich an der Abholzung des Regenwaldes beteiligt ist billig und falsch.

Right now, there is a robot dummy propped up in the driver’s seat of a red Tesla convertible, flying through space, away from the manmade garbage fires devouring Earth.

Houston, we have a problem.

And it’s the patriarchy.

Hurr, hurrr, wir haben es mal wieder geschafft. Das Patriarchat zeigt erneut seine Großartigkeit.  Per aspera ad astra. Und das Raue sind eben nun einmal wir selbst.

Mit der Erde sind wir durch. Und es gibt ja auch noch genügend andere Planeten, wenn wir den Mars trotz aller Bemühungen der Frauen auch verwüstet haben.

„Warum Rechtsparteien oft Frauen nach vorne stellen“

Ein interessanter Bericht in der Welt (via) dazu, warum viele rechtere Parteien wie die AfD oder in Frankreich die Front National Frauen in Führungspositionen haben:

Der Papa findet, sein Töchterchen solle lieber einen „sehr aggressiven Ton“ à la Trump anschlagen, statt immer so zu strahlen. Dann seien ihre Chancen besser.

Pardon, Monsieur, umgekehrt wird ein Schuh draus: Nur weil die blonde Frontfrau ihre radikalen Botschaften mit Schleifchen verpackt und bei der Übergabe ein Liedchen singt, ist sie so weit gekommen.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dies ein wesentlicher Teil des Erfolges ist: Eine Frau ist eben harmloser, netter, unverdächtiger und darf auch nicht so hart angegriffen werden, wie ein Mann. Deswegen darf sie weitaus eher auch problematischere Sachen sagen. Zudem versperrt sie kraft Geschlecht Vorwürfe, dass sie Frauen unterdrücken und zurück in die 50er wolle, weil sie eben nicht mit starken Frauen umgehen könne etc.

Radikales kommt gesellschaftsfähiger daher, wenn es nicht von Männern geäußert wird, so zeigt die Erfahrung. Und daher schicken immer mehr Rechte, die bisher vor allem bei männlichen Wählern punkten, Frauen an die Front, aus Marketinggründen. Jüngstes Beispiel: die AfD mit Alice Weidel.

Wäre die 38-jährige Unternehmensberaterin ein Mann, wäre sie nie im Leben Spitzenkandidat der AfD geworden. Nach dem Rückzug von Frauke Petry wollte Alexander Gauland unbedingt eine Frau an seiner Seite, die herzeigbar ist. Beatrix von Storch, der schon mal die Maus ausrutscht, fiel aus.

Die promovierte Volkswirtin Weidel dagegen passt perfekt: Sie wirkt stark und selbstbewusst, ohne Gauland die Stellung streitig zu machen, sie tritt als verpartnerte lesbische Mutter modern, machtbewusst und beruflich erfolgreich auf, schimpft aber dennoch, wie es sich gehört, über „Genderwahn“ und Feminismus. Ihre AfD-kompatiblen Werte: Familie, Volk, Vaterland. Ihre Feinde: die Fremden und die Fremdbestimmung durch die EU.

All das wird aber mit derart angenehmer Stimme und kluger Rhetorik geäußert, dass sich nicht nur Jean-Marie Le Pen nach einer klaren An- und Aussage sehnt. Das Schleifchen sollte nicht verdecken, was wirklich in der Verpackung steckt.

Es dürfte der gleiche Grund sein, den auch der Feminismus indirekt nutzt: Männerhass, Hass auf bestimmte Gruppen, all das ist salonfähiger, wenn man es als Frau sagt.

„Der Tag, an dem die Frauen das Kommando übernehmen, kann nicht schnell genug kommen“

Michael Moore musste wohl etwas Frust oder Ideologie rauslassen und twitterte:

Was mehrere interessante Punkte aufwirft:

Zum einen ist der Gedanke nur dann relevant, wenn man von einem gewissen Essentialismus und einem absoluten Unterschied von Männern und Frauen ausgeht. Wenn Männer und Frauen nur Unterschiede im Schnitt haben, dann wäre es vorteilhafter besonders friedliche Männer statt besonders kriegerischen Frauen an die Macht zu lassen oder man könnte auch sagen: Das Geschlecht als Auswahlkriterium wird uninteressanter wenn man einzelne Personen auswählt.

Sinn macht dies auch nur, wenn Frauen nicht durch die passenden Berufe und das erhalten von Macht letztendlich ebenso wie Männer werden würden, wenn man also eben von einem „guten unabänderlichen Kern“ im Sinne eines Essentialismus der Frau ausgeht. Denn sonst würde eine „Machtübernahme der Frauen“ auch wenig bringen. Allenfalls müsste man davon ausgehen, dass die gegenwärtige Erziehung und Sozialisierung der Frauen sie zu „besseren Menschen“ macht und sie diese „gute Erziehung und Sozialisierung“ nicht aufgeben, sondern lange genug beibehalten. Was dann wieder nur schwer damit in Einklang zu bringen ist, dass die Erziehung und Sozialisierung überwunden werden muss, damit die Frau vorankommt (was generell ein Problem derer ist, die Frauen gleichzeitig als unterdrückt und benachteiligt ansehen, in ihren Verhaltensweisen aber auch gleichzeitig die Rettung der Menschheit sehen).

Das zweite Missverständnis wäre, dass man bei solchen Punkten nur auf „das Böse“ abstellen kann. Ja, Männer haben überwiegend (Leona Woods war am Manhattan Projekt beteiligt) die Atombombe erfunden. Aber eben auch so ziemlich das Meiste, was unser heutiges modernes Leben prägt. Die allermeisten Medikamente, Maschinen etc wurden von Männern entwickelt, ebenso wie das Internet. Ja, Männer neigen stärker zu Wettbewerb, der auch kriegerische Auseinandersetzungen eher beinhaltet. Aber sie neigen auch eher zu beruflichen Wettbewerb oder auch Status durch besondere Leistungen und das bewirkt, neben einem höheren Interesse daran, wie Sachen funktionieren, dass sie weitaus eher Erfinder sind.

Und natürlich haben genug Frauen die Taten von Männern auch unterstützt: Sei es weil sie Politiker wählten, die Krieg wollten oder Männer attraktiver fanden, die reich sind und Status haben, egal wie sie ihr Geld und ihren Status verdienen. Weibliche Herrscher fangen

Natürlich wäre es interessant, was sich ändern würde, wenn „Frauen die Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen“.Wenn tatsächlich noch keine Frau „einen Schornstein gebaut hat (build a smoke stack), dann wird eine solche Gesellschaft nicht sehr weit kommen. Insoweit eine ziemlich Abwertung von Frauen, die er da vornimmt.

Insofern  dagegen finde ich insofern ganz passend:

Das weitaus größere Problem wird aber sein, dass Frauen das Kommando häufig gar nicht übernehmen wollen.

 

„Gender Sponging“

Science Files will einen neuen Begriff einführen:

Gender Sponging beschreibt den erfolgreichen Versuch von Mittelschichtsfrauen, sich unabhängig von Leistung Zugang zu Ressourcen zu verschaffen, und zwar auf Kosten aller anderen gesellschaftlichen Gruppen. Gender Sponging ist gesellschaftlich schädliches Verhalten, da es knappe Ressourcen, die in einer für die Gesellschaft produktiven Weise hätten eingesetzt werden können, einer konsumptiven und somit unproduktiven Verwendungsweise zuführt.

Die direkte Übersetzung wäre wohl „Gender Schmarotzerei„, also das Ausnutzen eines bestimmten Geschlechts, um sich Privilegien, die einem nicht zustehen, einzuverleiben. In gewisser Weise also das, was man im Feminismus den Männern generell vorwirft übertragen auf Einzelpersonen.

Der dabei ausgenutzte Mythos soll der sein, dass Frauen benachteiligt sind und insofern durch Ausgleichsmaßnahmen gefördert werden müssen. Auf diesem Mythos aufbauend kann man dann sich selbst über die Ausgleichsmaßnahmen Vorteile verschaffen.

Ich finde es ein interessantes Reframing über ein neues Wort ein Möglichkeit zu schaffen, solche Ansinnen aus dem allgemein eher verwendeten Frame herauszulösen. Damit man dies nutzen kann, müsste es sich natürlich erst verbreiten. Es kann schnell zu einem ungerechten Vorwurf werden, denn tatsächlich gute Frauen können auch nicht verhindern, dass sie, weil die Unternehmen eben Frauenquoten, besonders begehrt sind.

Ist es aus eurer Sicht ein interessanter Begriff?

„Natürlich hassen nicht alle Männer die Frauen“

Ich habe über Facebook etwas mit Feministinnen diskutiert und bekam zur Erklärung dafür, dass Feministinnen keine Männer hassen diesen Text von Laurie Penny verlinkt, in dem es darum geht, dass Männer nicht per se die Frauen hassen.

Er hat einige interessante Passagen:

These days, before we talk about misogyny, women are increasingly being asked to modify our language so we don’t hurt men’s feelings. Don’t say, “Men oppress women” – that’s sexism, as bad as any sexism women ever have to handle, possibly worse. Instead, say, “Some men oppress women.” Whatever you do, don’t generalise. That’s something men do. Not all men – just somemen.
This type of semantic squabbling is a very effective way of getting women to shut up. After all, most of us grew up learning that being a good girl was all about putting other people’s feelings ahead of our own. We aren’t supposed to say what we think if there’s a chance it might upset somebody else or, worse, make them angry. So we stifle our speech with apologies, caveats and soothing sounds. We reassure our friends and loved ones that “you’re not one of those men who hate women”.
Ein Mitglied einer Bewegung, die nicht geringe Teile ihrer Theorie darauf abstellt, dass Sprache das wichtigste ist, möchte da lieber ungestört Verallgemeinerungen in den Raum stellen dürfen. Verteidigt wird es damit, dass man damit Frauen ja damit quasi den Mund verbietet. Leider auch nur ohne die geringste Einschränkung oder Wertung. Denn mitunter kann es eben vernünftig sein, dass man fordert bestimmte sprachliche Regelungen anzupassen, beispielsweise eben dann, wenn sie einen vollkommen falschen Eindruck geben oder ein Geschlecht pauschal abwerten.
What we don’t say is: of course not all men hate women. But culture hates women, so men who grow up in a sexist culture have a tendency to do and say sexist things, often without meaning to. We aren’t judging you for who you are but that doesn’t mean we’re not asking you to change your behaviour. What you feel about women in your heart is of less immediate importance than how you treat them on a daily basis.
You can be the gentlest, sweetest man in the world yet still benefit from sexism. That’s how oppression works. Thousands of otherwise decent people are persuaded to go along with an unfair system because it’s less hassle that way. The appropriate response when somebody demands a change in that unfair system is to listen, rather than turning away or yelling, as a child might, that it’s not your fault. And it isn’t your fault. I’m sure you’re lovely. That doesn’t mean you don’t have a responsibility to do something about it.
„Cultur hates women“ also „Die Kultur hasst Frauen“. Die Kultur ist aber leider nichts, was man direkt zuordnen kann, sie besteht zum überwiegenden Teil aus Frauen. Aber natürlich spricht sie hier nicht beide Geschlechter an, sondern mit „you“ sind hier die Männer gemeint. Und die profitieren eben alle von Sexismus. Und als Beleg wird einfach auf das System verwiesen. Die Leute unterdrücken danach nicht, weil sie es richtig finden, sondern weil es weniger Anstrengend ist. Klar: Wenn es so wäre, dann müsste man bei Kritik tatsächlich zuhören und überlegen, was man ändern kann.
Nur ist es eben nicht so. Und das kann man natürlich auch sagen. Und dann sollte wiederum der andere zuhören und seine Argumente bringen. „Patriarchat! Ist halt so!“ ist allerdings kein Argument.
Tatsächlich könnte man weitaus eher vertreten, dass unsere Kultur Frauen liebt. Den Frauenschutz ist weit verbreitet, die Regelungen im Familienrecht sind eher auf die Situation der Frau ausgerichtet, Frauenförderung ist ein großes Thema und Frauen werden eher auf ein Podest gestellt als abgewertet.
It should not, therefore, be as difficult as it is to explain to the average male that while you, individual man, going about your daily business, eating crisps and playing BioShock 2, may not hate and hurt women, men as a group –men as a structure – certainly do. I do not believe the majority of men are too stupid to understand this distinction, and if they are we need to step up our efforts to stop them running almost every global government.
Somehow, it is still hard to talk to men about sexism without meeting a wall of defensiveness that shades into outright hostility, even violence. Anger is an entirely appropriate response to learning that you’re implicated in a system that oppresses women – but the solution isn’t to direct that anger back at women. The solution isn’t to shut down debate by accusing us of “reverse sexism”, as if that will somehow balance out the problem and stop you feeling so uncomfortable.
Merkwürdig, ein Wall der Defensivität, dabei gesteht sie doch zu, dass die einzelnen Männer nicht so schlimm sind, wenn sie normale Alltagstätigkeiten machen. Sondern nur das Männer als Struktur (was damit wohl unter Hinzuziehung des obigen Satzes klar macht, dass Kultur und die darin enthaltenen Errungenschaften Männer gemacht sind) Frauen verletzten. Du dummer Mann musst ja nicht Teil der männlichen Struktur sein (die wir niemals konkret ausschließen, denn im Gegensatz zu ihrer Auffassung enthalten ja auch genug Videospiele Frauenfeindlichkeit oder beziehen Frauen nicht genug ein). Auch schön ist ihr Hinweis doch bitte nicht die Debatte abzubrechen und den anderen (reverse-) Sexismus vorzuwerfen. Das ist nämlich genau das, was sie macht: Die Debatte mit den Männern abbrechen und ihnen Sexismus vorwerfen. Machen diese das Gleiche, dann regt sie sich anscheinend auf.
Sexism should be uncomfortable. It is painful and enraging to be on the receiving end of misogynist attacks and it is also painful to watch them happen and to know that you’re implicated, even though you never chose to be. You’re supposed to react when you’re told that a group you are a member of is actively screwing over other human beings, in the same way that you’re supposed to react when a doctor hammers your knee to test your nerves. If it doesn’t move, something is horribly wrong.
Das hatten wir ja schon mal. Es ist ungefähr die gleiche Sicht aus der heraus man sagen würde „Eine Gefängnisstrafe soll ja eine Bestrafung sein, wie soll er es sonst lernen“. Und auch schön ist der Sippenhaft Gedanken. Du bist ein Mann! Damit Teil einer Gruppe, die aktiv andere Menschen fertig macht! Das findest du also okay du Mistkerl? Das mindeste ist ja wohl, dass du die Erbschuld als Mann akzeptierst und alles wieder gut  machst! Schäm dich, wenn du dich da noch beschwerst!
Saying that “all men are implicated in a culture of sexism” – all men, not just some men –may sound like an accusation. In reality, it’s a challenge. You, individual man, with your individual dreams and desires, did not ask to be born into a world where being a boy gave you social and sexual advantages over girls. You don’t want to live in a world where little girls get raped and then are told they provoked it in a court of law; where women’s work is poorly paid or unpaid; where we are called sluts and whores for demanding simple sexual equality. You did not choose any of this. What you do get to choose, right now, is what happens next.
„Alle Männer sind in eine Kultur des Sexismus eingebunden“ ist doch nun wirklich keine Beschuldigung! Es ist eine Herausforderung! Und die liebt ihr Männer doch.  Wie sie wohl auf solche Herausforderungen gegenüber Frauen reagieren würde? „Alle Frauen können kein Mathe“ –> Eine Herausforderung um zu zeigen, dass man selbst Mathe kann. „Alle Frauen beuten Männer aus“ –> Eine Herausforderung um zu zeigen, dass man sie nicht ausbeutet. Doch wirklich ganz harmlos. Wer will schon in einer Welt leben, in der Frauen schlecht in Mathe und Männer ausgebeutet werden? Aber mal sehen, was sie fordert, was man gegen den Sexismus macht:
You can choose, as a man, to help create a fairer world for women – and for men, too. You can choose to challenge misogyny and sexual violence wherever you see them. You can choose to take risks and spend energy supporting women, promoting women, treating the women in your life as true equals. You can choose to stand up and say no and, every day, more men and boys are making that choice. The question is – will you be one of them?
Du kannst wählen, Risiken einzusehen und Energie aufwenden um Frauen zu unterstützen, für sie zu werben, die Frauen in deinem Leben als echte Gleichwertige behandeln. Als ob Männer nicht täglich Risiken für Frauen eingehen, sie täglich mit ihrem Einkommen unterstützen, ihre Töchter, Mütter, Freundinnen, Frauen nicht täglich unterstützen. Der Feminismus hier wie immer unkonkret. Muss man ihr sagen, dass sie den Gender Pay Gap nie reduzieren wird, wenn sie Gender Studies statt Maschinenbau studiert? Muss man die in Trennung lebende Frau darauf hinweisen, dass sie das Trennungsjahr nicht abwarten sollte ohne voll in die Arbeit einzusteigen, wie es ihr das Gesetz erlaubt? Muss man Frauen sagen, dass sie sich für einen Mann mit gleich hohem oder niedrigeren Gehalt entscheiden sollen und die Babypause nicht zu lang werden darf? Oder das sie mehr Überstunden machen soll, wie die Männer auch? Dazu wird man schwer im Feminismus was finden. Denn tatsächliche Gleichheit ist anstrengend.
Besser ist es, wenn der Mann einfach irgendwie schuld ist.
Einen Sündenbock zu haben ist nicht anstrengend, sondern erleichtert das Ausleben seiner Überlegenheitsphantasien ganz enorm.

Steven Sailers erste Regel zum Verständnis feministischer Vernebelungstaktiken

Steven Sailer stellt eine kurze Regel dar, die dazu dienen soll, feministische Texte besser zu verstehen:

Sailer’s First Rule for Decoding Feminist Obfuscation is

– When feminists can blame men, they blame “men.”

– When feminists would have to blame women, they blame “society” or “our culture.”

Das ist kurz und knackig formuliert und passt häufig genug. Auch wenn statt Männern häufig „Männlichkeit“ oder die Folge männlichen Handelns oder „männlich errichte Strukturen“ benannt werden. Vielleicht wäre es passender zu sagen, dass im Endeffekt immer Männer schuld sind, bei Männern zwar auch durch die Gesellschaft und ihre Rollenbilder bedingt, da wird aber eine Art Erbschuld gesehen, die der Mann akzeptieren und von der er sich frei arbeiten muss, was aber niemals gelingen kann, während Frauen diese Verantwortung für die Gesellschaft und ihre Strukturen nicht haben.

Weibliche Veranwortung kommt aber in feministischen Theorien nicht vor. Sie ist allenfalls die Anpassung an die Lage, wie sie nun einmal für eine Frau innerhalb einer patriarchischen Gesellschaft leider notwendig ist.

Aus meiner Sicht eine sehr nützliche Regel, die deutlich macht, was dem Feminismus am meisten fehlt:

Die Vorstellung, dass eine Frau ohne Gehirnwäsche bestimmte Tätigkeiten macht, weil sie diese will und dafür auch verantwortlich ist und das daraus auch ein Anteil der Verantwortung von Frauen für gesellschaftliche Regeln folgt.

„Nur Frauen können Frauen helfen“ (The Masters tools…)

Im Gender-Feminismus kommt wohl über den Gedanken, dass nur die Betroffenen wissen können, wie man ihnen hilft und „“the Master’s tools will never dismantle the Master’s house“ der Gedanke hinein, dass nur Frauen Frauen unterstützen und das man an dem Umstand, wie viele Frauen an einer bestimmten Stelle tätig sind ablesen kann, inwieweit Fraueninteressen dort umgesetzt werden bzw. sogar im Umkehrschluss, dass man daran ablesen kann, inwiefern Fraueninteressen vernachlässigt werden. Man kann dann quasi nach diesem Grundsatz das Verbesserungspotential, welches in einem Bereich noch zu erreichen ist, anhand der Frage bewerten, wie viele Frauen dort bereits tätig sind.

Ein hübsches Beispiel wird hier zitiert:

Die Zukunft der Medizin ist weiblich. Heute sind mehr als 60 Prozent der Studierenden im Fach Medizin Frauen. Auf den Führungspositionen der Medizin stagniert die Quote von Ärztinnen seit Jahren unter 10%, an der Spitze stehen über 90% Männer. Erst wenn auch Ärztinnen an entscheidenden Stellen tätig sind und Therapiekonzepte und Strukturen gestalten, werden wir den Gegebenheiten und Anforderungen unseres Gesundheitswesens gerecht – denn auch mehr als die Hälfte unserer Patienten sind weiblich!

Die zutreffende Wertung der Autorin:

Ja, genau, wenn ich demnächst ärztliche Hilfe benötige, werde ich sicherstellen, dass mein weiblicher kranker Körper nur von weiblichen gesunden Händen wieder in Ordnung gebracht wird. Es ist ein medizinisches Wunder, dass ich die Behandlung durch männliche Ärzte bis jetzt überlebt habe – wahrscheinlich war das aber einfach nur pures Glück. Wie werde ich nur meine weiblichen Kopfschmerzen los, wenn ich einen solchen Schmarrn lese?

Der Gedanke setzt sich auch in vielen anderen Bereichen fort, trifft dort aber auch nicht zu. So können starke weibliche Vorbilder auch durchaus abschrecken, Frauen wählen auch selbst nicht unbedingt die Partei, die die meisten Frauen nach oben bringt und auch weibliche Wissenschaftler scheinen einer gewissen Bias gegenüber Frauen zu unterliegen.

Er unterschätzt auch, dass es eben darauf ankommt, was derjenige der handelt, eigentlich erreichen will. Ein Politiker beispielsweise will gewählt werden und es gibt eben sogar etwas mehr weibliche als männliche Wähler, so dass gerade ein männlicher Politiker die Interessen der Frauen nicht ignorieren kann (während einer Frau eher unterstellt wird, dass sie sie eh vertritt). Es muss dann eben gerade nicht die beste Taktik sein, auf eine Frau zu setzen, sondern eher auf einen Mann, der sich gerade als Beschützer oder Förderer darstellen will.

Der Fehler ergibt sich insoweit zum Teil auch aus den drei Grundannahmen des Genderfeminismus:

Gender feminism is an empirical doctrine committed to three claims about human nature.

  • The first is that the differences between men and women have nothing to do with biology but are socially constructed in their entirety.
  • The second is that humans possess a single social motive — power — and that social life can be understood only in terms of how it is exercised.
  • The third is that human interactions arise not from the motives of people dealing with each other as individuals but from the motives of groups dealing with other groups — in this case, the male gender dominating the female gende

Wer den Politiker nur als Bestandteil der Gruppe Mann sieht, der lediglich deren Gruppeninteressen im Kampf um die Macht vertritt, und nicht als Einzelperson, die Macht für sich will oder zumindest selbst vorankommen möchte und dazu die weiblichen Wähler braucht, oder wer nicht erkennt, dass der Mediziner genauso bestimmte Frauenprobleme angehen möchte, weil er ein guter Arzt sein will und nicht der Gruppe Mann zur Macht verhelfen will, der wird eben diese Unterschiede nicht verstehen und für den hat kein Mann ein Interesse daran, in irgendeiner Form Frauen zu nützen oder sich sogar besonders für sie zu engagieren.

Natürlich ist der Gedanke, dass Mitgliedern einer Gruppe bestimmte Sachen, die gerade sie betreffen, eher auffallen, als Mitgliedern einer anderen Gruppe, aber das bedeutet ja nicht, dass diese Erkenntnisse dann nicht kommuniziert werden können und daher den Fachleuten auf dem Gebiet bekannt sind bzw. dass er sie sich zB wie ein Arzt durch beständigen Umgang mit Patientinnen zulegen kann. Ebenso können Umfragen oder Testgruppen oder eben entsprechende Forschung dieses Wissen bereitstellen.

Interessant an diesen Aussagen finde ich noch, dass damit diese Theorien fast schon in einen Differenzfeminismus übergehen. Denn die Frau wird hier als so grundlegend anders dargestellt, dass Männer sie nicht verstehen können. Man kann das abfangen, indem man eben sagt, dass die Männer eben die Macht der Männer stärken wollen und insofern bösartig sind oder indem man die Sozialisation dafür verantwortlich macht, dass Frauen ganz anders sind.