„Frauen, lasst die Teilzeit sein“

Ein Text widmet sich dem Umstand, dass Frauen häufig in Teilzeit arbeiten:

Warum also setzen die Frauen ihr Arbeitsmarktpotential nicht in vollem Umfang ein?

Die Antwort ist verblüffend: Ganze Kohorten jüngerer Frauen unterschätzten regelmäßig die Kosten, die ihnen durch ihr Muttersein entstehen, vor allem die „emotionalen Kosten“, die durch die Trennung von den Kindern, durch Schuldgefühle gegenüber Familie und Arbeitgeber oder etwa durch zu wenig Schlaf entstehen. Eine realistische Vorstellung davon machten sich junge Frauen kaum, nicht nur in Deutschland. „Man könnte das Mutterwerden als eine Art Informationsschock bezeichnen, der sich dramatisch auf das Verhalten der Frauen niederschlägt“, heißt es in der Studie. Mit erheblichen Folgen: „Die Wahrscheinlichkeit einer Anstellung nach der Geburt des Kindes sinkt für Frauen in den Vereinigten Staaten oder Großbritannien um 30 bis 40 Prozent. Dabei wirkt der Informationsschock nicht nur lange nach. Er verstärkt sich sogar. Frauen, die direkt nach der Geburt einer festen Arbeit gegenüber skeptisch werden, seien es zwei Jahre später erst recht. Und noch stärker sind die Effekte, wenn das zweite Kind geboren wird. Betroffen sind davon vor allem die gut ausgebildeten Frauen. Bei Vätern indes sind derlei Effekte nicht nachzuweisen.

Noch in den 60er und frühen 70er Jahren haben die Frauen ihren Willen und ihre Chancen auf eine Rückkehr an den Arbeitsmarkt nach der Geburt der Kinder regelmäßig viel zu niedrig eingeschätzt, heute tun sie das Gegenteil. „Genau in den Jahren, in denen die Frauen ihre Ausbildungs- und damit Investitionsentscheidungen in ihr eigenes Humankapital treffen, sagen sie die Kosten des Mutterwerdens völlig falsch voraus“, schreiben die Autoren in der Studie.

Caitlyn Collins, Soziologin an der Universität Princeton, hat versucht, diesen Zusammenhängen mit einer Vielzahl von Tiefeninterviews zu Leibe zu rücken, und das Buch „Making Motherhood Work“ dazu verfasst. Dafür hat sie sich nach London, Berlin und Stockholm begeben. Es scheinen vor allem zwei Dinge die hehren Pläne der jungen Mütter zu verändern, sich nach Geburt der Kinder wieder voll ins Berufsleben zu stürzen: Erstens wirkt sich die gemeinsame steuerliche Veranlagung negativ auf die Erwerbsbeteiligung der Frauen aus, denn Paare betrachten ihre beiden Einkommen zumindest in der Zeit, in der es zwischen ihnen einvernehmlich zugeht, als Familieneinkommen. Und zweitens tendieren Frauen, die Mutterschutz und Elternzeit in Anspruch nehmen, dazu, ihren Anteil an der Hausarbeit deutlich auszuweiten, so dass die gefühlte Möglichkeit der Vereinbarkeit immer kleiner wird.

Die gemeinsame steuerliche Veranlagung macht es einfacher, dass einer der beiden Aussetzt, weil dessen Freibetrag dann auch von dem anderen genutzt werden kann und man in der Progression tiefer rutscht. Es bedeutet aber auch: Man kann die finanzielle Absicherung an den Partner abgegeben und muss nicht unbedingt arbeiten

Eine Wertung erfährt diese Entwicklung der so beliebten Teilzeitbeschäftigung bei Frauen erst dann, wenn man sie vor dem Hintergrund bestimmter gesellschaftlicher Zielvorstellungen erzählt, etwa einer möglichst hohen Erwerbsbeteiligung der Frauen. Mit Brachialgewalt hat die CDU-geführte große Koalition einst unter Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) versucht, dies zu erzwingen. Sie hat dafür eine Reform des Unterhaltsrechts durchgesetzt und den Frauen im Scheidungsfall die Unterhaltsansprüche gestrichen. Beide Ehepartner sollten nach der Scheidung auf eigenen Beinen stehen. Das geht jedoch nur, wenn beide auch während der gemeinsamen Zeit vor der Scheidung arbeiten. Aber: Die neue, sehr eindeutige Rechtslage lässt vor allem die Frauen kalt. Zwar hat sich ihre Erwerbsbeteiligung seit der Gesetzesänderung 2008 deutlich erhöht, allerdings fast ausschließlich in Teilzeitbeschäftigung, steht in dem Bericht „Blickpunkt Arbeitsmarkt“ der Bundesagentur für Arbeit vom Juli 2018. Die Zahl der vollzeitbeschäftigten Frauen hat sich demnach faktisch nicht verändert. Bei den Männern hingegen treibt die Zunahme der Vollzeitbeschäftigung deren Arbeitsmarktbilanz.

Das blöde an Änderungen im Familienrecht ist, dass sie keine Sau mitbekommt, wenn sich Fälle nicht im nahen Umfeld zeigen. Aber es ist auch nicht zutreffend, dass der Unterhalt ganz gestrichen wurde. Es gilt nur eine strengere Erwerbsobliegenheit und der Unterhalt ist kürzer als früher, der nacheheliche Unterhalt muss üblicherweise für eine Zeit von „Ehezeit geteilt durch 3“ Jahren gezahlt werden und ehebedingte Nachteile müssen so lange ausgeglichen werden wie sie bestehen. All dies hat anscheinend nicht zu einer Veränderung der Teilzeitbeschäftigung geführt.

Auch mit Blick auf die Unabhängigkeit der Frauen ist der Rückzug in die Teilzeit geradezu fatal. Frauen bleiben von ihren Männern abhängig und werden es häufig auch im Alter noch sein. Im Fall der Trennung sind sie kaum auskömmlich versorgt. 60 Prozent der befragten Frauen gaben nach der Studie des Familienministeriums an, bis zur Rente in Teilzeit bleiben zu wollen, obwohl sie von ihrer eigenen Rente später nicht leben könnten. Ein Viertel will sich damit aber gar nicht erst befassen – zu deprimierend ist das Thema.

Vergessen wird immer: Auch der Mann wird abhängig. Wenn seine Frau nicht arbeitet oder nur gering in die Rente einzahlt, dann ist seine Rente auch stark gefährdet. Wenn sie sich im hohen Alter scheiden lässt, dann werden direkt Rentenpunkte übertragen. Es haben dann beide eine geringe Rente. Und hinter „60% der befragten Frauen wollen bis zur Rente in Teilzeit arbeiten“ verbirgt sich eben auch, dass die meisten Frauen ihre Kinder mit 30-35 bekommen und dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind (also bei einem Alter der Frau von etwa 50-55) die Teilzeit dann noch für 12-17 Jahre fortgesetzt wird.

Mehr noch: Einfluss und Gestaltungsmacht erobern sich die Frauen auf diese Art und Weise in der Wirtschaft ganz bestimmt nicht, solange Karrieren noch immer vor allem auf Lebensläufe mit Vollzeitjobs bauen. Die deutsche Wirtschaft ist männlich und wird es auch noch lange bleiben. Das kann an der berühmten „gläsernen Decke“ liegen, an altbewährten, noch immer hervorragend funktionierenden Männerbünden oder gar an einer unbewussten Wahrnehmungsverzerrung in Bezug auf weibliche Qualifikationen. Es liegt aber auch daran, dass sich wegen der Teilzeit-Vorliebe für die Hälfte der erwerbstätigen Frauen eine größere Karriere kaum ergeben kann. Wenn sich das ändern soll – und das wäre aus vielen Gründen wünschenswert –, müssten sich viel mehr Frauen aus der Teilzeit verabschieden als bisher. Sonst ändert sich nichts.

Das stimmt. Es wird aber leider selten als direkter Appell an die Frauen gerichtet. Über Quoten für Frauen wird hingegen unter Ausblendung dieses Umstandes gern geredet.

„Schatz, such dir bitte endlich einen Job“

Ein interessanter Artikel in der Cosmopolitan, in der ein Mann will, dass seine Frau sich endlich einen Job sucht:

Die Zukunft lag verheißungsvoll vor uns – zwei frischgebackene Anwälte mit hilfsbereiten Eltern im Rücken und dem Traum, eines Tages eine Familie zu gründen.

Meine Karriere ging los, und mit ihr die mörderischen Arbeitszeiten und der brutale Stress, den viele junge Anwälte aushalten müssen. Darauf war ich vorbereitet. Was mich überraschte, war etwas anderes: deine Haltung zum Thema Karriere. Plötzlich wirktest du nämlich gar nicht mehr so überzeugt von der Idee, einen guten Job zu finden – oder überhaupt einen Job.

Es brauchte viel sanften Druck von mir (und etwas unsanfteren Druck von der Bank, bei der du deinen Studienkredit abbezahlen musstest), bis du irgendwann anfingst, Bewerbungen zu schreiben. Für Stellen, die nichts mit Jura zu tun hatten, die auch jemand mit einem halb so guten Lebenslauf bekommen hätte. Und die ein entsprechend bescheidenes Gehalt abwarfen.

Da sagt er ja einmal genau das, was auch in der Gender Pay Gap Diskussion immer vollkommen unter den Tisch fällt: Ein Mehrverdienst kann auch schlicht aus Stress und Überstunden bestehen, schlechter bezahlte Jobs können dafür dann auch weniger stressvoll sein oder weniger Konkurrenz- und Erfolgsbezogen: Wo der Rechtsanwalt in den USA (wo der Text vermutlich herstammt) „billable Hours“ schaffen muss und nach seinen Umsätzen bewertet wird haben es Leute in Rechtsabteilungen oder auf einer Richterposition durchaus einfacher. (zum Gender Performance Gap bei Rechtsanwälten)

Dann wurdest du schwanger. Wir beide hatten uns ein Kind gewünscht. Damit hattest du nun einen Job, sogar den wichtigsten der Welt. Und weil wir Glück hatten, bekamen wir nach ein paar Jahren noch ein Kind. Du hast nie wieder gearbeitet. Obwohl beide Kinder jahrelang auf Ganztagsschulen gingen. Demnächst fängt unser Ältester mit dem Studium an.

Die „Flucht in die Kinderbetreuung“ ist glaube ich gar nicht mal so selten. Gerade wenn der Job sehr aufwändig wäre kann das, wenn der andere Partner genug verdient. Und „sehr stressiger und umfangreicher Job führt nach Geburt des Kindes dazu, dass sie in einen weniger stressigen wechselt, der dann auch schlechter bezahlt wird“ auch. Kinder sind in der Hinsicht auch eine gute Entschuldigung dafür, dass man da kürzer tritt „Das Kind geht vor“, gefolgt von „wenn man ein Kind hat, dann verschieben sich eben die Prioritäten“. Und das kann auch alles stimmen und muss eben noch nicht einmal vorgeschoben sein.

Ich bin die Karriereleiter einigermaßen gut hochgekommen. Wir sind die typische, erfolgreiche Mittelschicht-Familie: hübsches Haus in einer sicheren, ruhigen Gegend. Glückliche, gesunde Kinder. Genügend Rücklagen für ihr Studium. Aber all das hat mich enorm viel gekostet – vor allem Kraft und Gesundheit. Ich stehe seit Jahrzehnten konstant unter Druck. Wenn ich Leute treffe, die mich länger nicht gesehen haben, merke ich, wie sie kurz zusammenzucken. Manchmal höre ich sie hinter meinem Rücken flüstern, wie alt ich doch aussehe.

Um es ganz klar zu sagen: Noch mal 25 Jahre schaffe ich das nicht. Ich träume schon länger heimlich davon, meine Firma zu verlassen und mir woanders eine entspanntere Stelle zu suchen. Und, dass du diesen Schritt finanziell ausgleichst, indem du auch wieder arbeiten gehst. Seit Jahren bitte ich dich darum, dir eine Stelle zu suchen, ein paarmal habe ich dich regelrecht angefleht.

Eine Karriere die Stress ist, die einen fertig macht und die einen vorschnell altern lässt. Nicht einfach nur mehr Geld und Ruhm. Es wäre schön, wenn das mal in der Debatte ankommen würde. Natürlich gibt es auch Leute, die den Stress und die Bestätigung in ihrem Leben brauchen. Aber es muss keineswegs so sein, dass der Mann etwas dagegen hat und bremst, wenn es darum geht, dass sie mehr verdienen könnte.

Fast meine komplette Freizeit geht dafür drauf, im Haushalt zu helfen oder die Kinder zu versorgen. Mir ist klar, dass traditionelle Geschlechterrollen fürchterlich beklemmend sein können – aber das gilt auch umgekehrt. Ich käme mir jedenfalls weniger ausgenutzt und allein gelassen vor, wenn du finanziell mithelfen würdest. Wenigstens ein bisschen.

Daraus wird leider nichts. Mir ist klar geworden, dass es für dich völlig in Ordnung ist, wenn ich mich zu Tode arbeite in einem stressigen Beruf, den ich immer mehr hasse.Hauptsache, du musst nicht zurück ins Arbeitsleben, oder?

Überhaupt interessant, dass er meint sich so dafür rechtfertigen zu müssen, dass er will, dass sie etwas macht, wenn die Kinder schon fast aus dem Haus sind. Man könnte das auch als Selbstverständlichkeit ansehen.

Es ist auch nicht so, als würdest du dich langweilen. Du bist sogar ziemlich gut beschäftigt, mit ein paar Ehrenämtern, Sport und angenehmen Hobbys. Oder du triffst dich mit deinen Freundinnen, denen es ähnlich gut geht wie dir. Und die ebenfalls für sich entschieden haben, dass es sich außerhalb des Arbeitsmarktes einfach bequemer lebt. Da sitzt ihr dann und beschwert euch immer wieder über kleinere finanzielle Engpässe.

Und auch das kann in der Tat sehr angenehm sein: Man ist mit Tätigkeiten beschäftigt, bei denen man freiwillig tätig ist, bei denen Leute weniger verlangen können und bei denen man weniger Druck hat, bei denen man aber darlegen kann, dass man etwas tut. Er verdient das Geld und sie lebt gut.

Aber den Druck auf eure Finanzen und eure ausgebrannten Männer zu verringern, indem ihr mal eigenes Geld verdient – das kommt euch nie in den Sinn (zumindest sprecht ihr nicht offen darüber).

Unsere Familie ist dankbar für all die schönen Dinge, die wir genießen dürfen. Und für das Privileg, unser Geld deutlich weniger hart erarbeiten zu müssen als Millionen anderer Menschen. Mir ist auch durchaus bewusst, dass Arbeit keinen Spaß machen muss. Aber ich will ja auch nicht, dass du arbeitest, damit ich mir endlich einen Porsche oder ein Ferienhaus leisten kann – sondern damit ich beruflich kürzertreten kann, ohne dass wir unseren Lebensstandard einschränken müssen.

Ich will, dass du arbeitest, damit ich nicht mehr nachts wachliege mit der Panik im Bauch, dass nur meine Karriere zwischen uns und dem finanziellen Ruin steht. Ich will, dass du arbeitest, damit sich unsere Ehe wie eine echte Partnerschaft anfühlt. Und ich mich weniger fühle wie dein Geldesel.

Es sind ja durchaus berechtigte Kritikpunkte. Ich könnte mir heute auch keine Hausfrauenehe mehr vorstellen.

Ich will, dass unsere Tochter dich arbeiten sieht, denn ich will, dass auch sie sich später einen Beruf sucht, damit sie nie so abhängig von einem Mann sein muss, wie du es von mir bist. Und zwar egal wie sehr er sie liebt (denn das wird er auf jeden Fall). Aber der allerwichtigste Grund, warum ich will, dass du arbeitest, ist folgender: Ich will mich geliebt fühlen.

In Deutschland wäre ja das interessante: Wenn er von ihr verlangt, dass sie jetzt arbeitet, sie macht es nicht, und er trennt sich von ihr, dann könnte sie noch ein volles Jahr Unterhalt kassieren, ohne dass er sie darauf verweisen könnte, dass sie ja auch arbeiten kann. Sie trifft im Trennungsjahr keine Erwerbsobliegenheit.

Wie planen Frauen ihre Führungskarriere? Ernüchternde Antwort: Fast gar nicht.

Genderama wies auf einen interessanten Artikel hin, der mal wieder darauf hinweist, dass es bei der Besetzung von Führungspositionen sehr schwer ist, die passenden Frauen zu finden:

Wie planen Frauen ihre Führungskarriere? Ernüchternde Antwort: Fast gar nicht.

2006 ließ Lindlpower Personalmanagerent eine Studie durchführen, „Wollen Frauen führen?“, so der Titel. Nun, zehn Jahre später, wurde die Studie wiederholt.

Fazit: Frauen gehen noch immer mit einem völlig anderen Motivations- und Mindset an ihre Karriere heran als Männer. Sie planen weniger zielstrebig, definieren sich über Soft Skills und scheitern an der Vereinbarkeit von Job und Familie. Lindlpower-Geschäftsführerin Manuela Lindlbauer und Studienleiterin Helene Karmasin (Karmasin Behavioural Insights) stellten am Dienstag die Ergebnisse vor.

Das ist eine Formulierung nach dem Scheitern, man könnte sie auch anders ausdrücken: Frauen planen nicht, weil sie gar nicht so sehr an Familie interessiert sind, sie wollen lieber einen bestimmten Zeitrahmen für Familie behalten und suchen Arbeitsbereiche, die zu ihrer Persönlichkeit etc passen. Es ist aus meiner Sicht einer der größten Fehler in der Debatte, dass man davon ausgeht, dass Frauen in der Hinsicht die gleichen Prioritäten haben müssen wie Männer und ebenso an Status, Macht und Geld interessiert sein müssen. Einige Frauen mögen daran interessiert sein, dass Frauen als Gruppe genauso häufig an den „Schaltern der Macht“ sitzen, aber vielen Frauen ist das für sich selbst den Aufwand nicht wert.

Ein Gender Shift, wie er seit Jahren als internationaler Megatrend ausgerufen wird, ist demnach in Österreichs Führungsetagen nicht zu erkennen. Zwar sieht Lindlbauer den Einfluss von Männerbünden und die offene Diskriminierung vom Frauen schwinden, jedoch: „Wir schaffen es oft nicht, geeignete Kandidatinnen zu motivieren, sich für die obersten Führungsebenen zu bewerben.“

Den Unternehmen könne man mittlerweile kaum mehr Vorwürfe machen. Es habe sich herumgesprochen, dass gemischte Führungsteams produktiver sind. Die Nachfrage nach weiblichen Top-Managerinnen übersteige das Angebot bei weitem.

Die Firmen suchen also händeringend nach weiblichen Top-Managerinnen, die sich den Stress antun wollen, und finden keine aus den oben genannten Gründen. Viele Feministinnen werden da zwei Punkte gegenhalten:

  • Das Frauen sich noch nicht trauen/noch nicht motiviert für die Führungspositionen sind, zeigt, dass sie doch noch unterdrückt sind und die Rollenbilder noch mehr aufgebrochen werden müssen.
  • Wenn Frauen die Führungsjobs nicht wollen, dann muss man die Führungspositionen eben ändern: Warum sollte man daraus nicht zB zwei Halbtagsjobs machen oder einfach die Arbeitszeiten verkürzen und den Stress einer Führungsposition verbieten? Dann werden auch mehr Frauen kommen.

Das erste passt nicht zu der Erfolglosigkeit bisheriger Bemühungen, das zweite ist praktisch nicht durchsetzbar.

Woran Frauen scheitern
Trotz frauenfreundlicher Initiativen scheitern Frauen an vier Punkten:

  • Sie arbeiten lieber in den „soften“ Abteilungen, für die man soziale Kompetenz braucht und Einfühlungsvermögen, aus denen aber selten der Weg in die erste Führungsebene führt.
  • Sie definieren sich über Soft Skills.
  • Sie haben weniger Selbstbewusstsein.
  • Sie steuern weniger bewusst eine Führungsposition an.

Interessant: Die wenigen Top-Managerinnen unterscheiden sich in genau diesen Punkten signifikant von ihren Geschlechtsgenossinen. Sie ordnen sich selbst stärker Hard Skills zu und streben auch deutlich bewusster nach Führungspositionen.

Also: Die Frauen, die es schaffen, entsprechen genau in diesem Punkten nicht den übrigen Frauen. Wenn sich demnach jemand ändern müsste, dann wären es eher die Frauen. So etwas zu fordern wäre aber natürlich Sexismus.

Für alle Frauen gilt: Sobald sie sich entscheiden, eine Familie zu gründen, schaffen sie es nur mehr schwer, den Anforderungen an ihre zeitliche Flexibilität gerecht zu werden. Das hat sich auch 2016 nicht geändert.

Auch das kann man anders ausdrücken: Sobald sie eine Familie gründen wollen sie im Gegensatz zur männlichen Konkurrenz auch tatsächlich Zeit mit dieser verbringen und sind auch überwiegend nicht an einem Partner interessiert, der die Kinder für sie betreut.

Weitere Beiträge, die dieses Bild bestätigen:

Überstunden

Auf Twitter wurde ich auf eine Quelle mit einigen interessanten Grafiken zu Überstunden hingewiesen:

Dabei ist insbesondere die Grafik zu der Verteilung nach Geschlecht interessant:

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Wie man sieht ist der Anteil der Männer an den Überstunden durchgängig höher.

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Hier sieht man, dass ein Großteil der Überstunden nicht abgegolten werden, weder in Freizeit noch in Geld, also in dem Gehalt enthalten sind. Der Faktor „nicht bezahlte Überstunden“ wird übrigens in den klassischen Berechnungen zum Gender Pay Gap nicht berücksichtigt, weil diese ja nicht registriert und gemeldet werden.

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Hier sieht man auch gut, dass die Überstunden sich auch auf das Gehalt auswirken. Wer wenig bekommt muss im Gegenzug auch häufig weniger damit rechnen Überstunden zu machen, wer viel bekommt, bei dem werden Überstunden eher erwartet. Jede Beförderung ist damit indirekt auch eine Entscheidung dafür, ob man bereit ist mehr Überstunden zu machen.Wer dazu nicht bereit ist, etwa weil er Zeit für Familie und Kinder haben will, der muss sich eben überlegen, ob er die Beförderung (und das damit verbundene Geld) ablehnt

ueberstunden-nach-gehaltsklasse

In das gleiche Horn stößt auch die nächste Grafik: Mit steigenden Gehalt steigen auch die Überstunden. Statt einer 40 Stundenwoche eine 50 Stundenwoche zu haben macht sich dabei schon deutlich bemerkbar.

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Auch hier sieht man, dass mit steigenden Gehalt diese im Lohn inbegriffen sind. Man wird dafür bezahlt einen bestimmten Job zu machen, mit soviel Einsatz, wie dafür erforderlich ist. Ab gewissen Lohnbereichen machen nahezu alle Mitarbeiter unbezahlte Überstunden.

vgl auch:

Unterschiede bezüglich Arbeitslosigkeit bei Männern und Frauen

Die New York Times stellt unterschiedliche Auswirkungen der Arbeitslosigkeit bei Männern und Frauen dar:

Almost 60 percent of the women say it has improved their relationship with their children, but only 22 percent of men say the same.

Working is in decline for both men and women in the United States. And many of the reasons are the same: weak growth, foreign competition, technological change. But as we highlighted in a pair of articles in recent days, there are also key differences in the out-of-work experiences of men and women — differences with real consequences for the question of what it would take to get people back to work.

The poll results suggest that men are more burdened by pride. They are less willing to take a minimum wage job or an entry-level job in a new field.

So eine Umfrage ist natürlich immer mit Vorsicht zu sehen. Ich kann nicht sagen, wie sauber sie durchgeführt wurde. Die Ergebnisse scheinen mir aber auch nicht ungewöhnlich.

Wenn der Status und das Ansehen bei einem Mann eher davon abhängt, wie er beruflich dasteht und eine Frau eher weniger an Status verliert, wenn sie „ganz Mutter“ ist, dann ist dies durchaus verständlich.

Dann können sich Frauen eher auf die Mutterrolle einlassen und als Ergänzung auch eher einen schlechten Job akzeptieren, da man von ihnen weitaus weniger erwartet, dass sie Haupternährer und Versorger der Familie sind.

Frank Walsh is featured in my article for his unwillingness to work for $10 an hour, which is roughly his wife’s hourly wage as a teacher’s assistant.

“She’s just more willing,” he told me. “She’s just more accepting.”

At the same time, men also come across as more eager to work.

They were almost twice as likely to say they were willing to commute more than an hour each way, and about 50 percent more likely to say they were willing to move to another city. Similarly, men were much more willing than women to return to work for 25 percent less money than they made in their previous job.

Männer waren also eher bereit bestimmte Einschränkungen hinzunehmen, wenn sie dafür den Status ihres alten Jobs wiederbekamen bzw. sich eher von der Familie zu entfernen, wenn dies einen besseren Job bedeutete. Das dies natürlich auch in den „Gender Pay Gap“ einzubeziehen ist, wäre eine andere Sache. Hier zeigt sich, dass sich die Geschlechterrollen und die Erwartungen an den Mann auch so auswirken, dass er einen geringeren Job nicht akzeptiert – Feministinnen würden das vielleicht als Zeichen nehmen, dass er sich für etwas besseres hält, während Frauen es gewöhnt sind schlecht bezahlt zu werden, es ist aber aus meiner Sicht vor dem Hintergrund, dass Männer damit eher ihre Rolle erfüllen, die ihnen bestimmte Pflichten auferlegt, besser zu begründen.

In dem Artikel heißt es weiter:

The reason appears to be that women — particularly those with children — placed a higher value on being at home. Mothers were much more likely than fathers to describe “family responsibilities” as a reason they had not returned to work.

This implies that it will take more to lure those women back to work. “Often the challenge is insurmountable in part because there is a dearth of programs and policies in the United States to support women in their prime career and childbearing years,” my colleagues Claire Cain Miller and Liz Alderman wrote in their article on the recent decline of female employment.

Also auch hier eine Auswirkung der klassischen Rollen: Frauen DÜRFEN eben auch eher zuhause bleiben als Männer. Staatliche Unterstützungen mögen dann ihr übriges tun.

Men who weren’t working reported declines in well-being, with 43 percent saying their mental health was worse and 16 percent saying it was better, and with 41 percent saying their physical health was worse and 19 percent saying it was better. Women reported almost no difference in physical health and a small decline in mental health, with 29 percent saying they felt worse and 25 percent saying they felt better.

The gender difference is also visible in the way nonworkers spend their days.

Nonworking women were more likely to say they were engaged in activities like volunteering, caring for family members and exercising. The activities the men were more likely to be doing than the women? “Non-exercise leisure activities such as reading, watching TV and surfing the Internet.”

A 2013 study of time-used data gathered by the federal government reached a similar conclusion. It found that people who left work in recent years devoted 51 percent of their former working hours to leisure, including sleep, and 30 percent to housework and errands. The study found that women did relatively more housework and got more sleep, while the men watched more television.

Frauen haben also eher eine neue Rolle gefunden, die keine Erwerbsarbeit erfordert, während Männer dies schwierig fanden. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass arbeitslose Männer eher Single waren oder seltener Kinder zu betreuen hatten als Frauen.

„Das Recht zu wählen, was man tut“ vs. „das Recht, die falsche Wahl zu treffen“

Viele Konflikte im Feminismus lassen sich denke ich auf den Unterschied zwischen den beiden Aussagen herunterbrechen:

  • Frauen haben das Recht, zu machen, was sie wollen
  • Frauen haben das Recht, auch die „falsche“ Wahl zu treffen

Ein einfaches Beispiel wäre die Wahl zwischen der Schwerpunktsetzung bei Karriere oder Familie, wobei gleichzeitig nicht hingenommen wird, wenn sich mehr Frauen für einen Schwerpunkt bei Familie entscheiden.

Der Unterschied wird meist wie folgt behandelt:

  • Eine Frau sollte sich entscheiden können, wie sie will, wenn sich aber ergibt, dass sich die Gruppe von Frauen anders entscheidet als es „Richtig“ ist, dann kann es keine freie Entscheidung gewesen sein
  • Schuld daran, dass keine freie Entscheidung getroffen werden kann ist „das Patriarchat“, die „hegemoniale Männlichkeit“ oder „die Geschlechterrollen“, jedenfalls aber kein freier Wille der Frau

Hier entsteht dann die „Unmündigkeit der Frau“, also der Vorwurf, dass der Feminismus den Frauen selbst abspricht, die aus ihrer Sicht beste Entscheidung zu treffen.

Eine andere Variante wäre:

  • Die sich für das Falsche entscheidende Frau trifft eine bewusste, mündige Entscheidung, aber nur innerhalb der bereits für sie nachteiligen Gesellschaft. Würde die Gesellschaft nicht so patriarchisch sein, dann müsste sie die falsche Entscheidung nicht treffen.

Der Nachweis, dass die Gesellschaft negativ für Frauen ist und demnach patriarchisch sein muss wird dann häufig wieder darüber geführt, dass sie sich eben falsch entscheiden. Ein ähnliche Form dieses Arguments wurde zB bei Tom174 besprochen: Die Autorin eines Artikels stellt darauf ab, dass die Männer eben nicht bereit sind innerhalb des Berufs zugunsten der Familie zurückzustecken, deswegen bleibt es eben an der Frau hängen, die deswegen die Kinder betreuen müssen. Hier geben die Väter direkt die Handlung vor, warum sich die Männer durchsetzen und nicht die Frauen und wie diese Willensentscheidung gebildet werden, wird nicht weiter hinterfragt.

In diesem Szenario kann man dann also einen Teil der Unmündigkeit wieder rausnehmen, leider wird eben meist auf den Nachweise dafür, dass Frauen

  1. die Gesellschaft anders gestalten würden, wenn sie könnten
  2. die gegenwärtige Gesellschaft ihre Entscheidung begründet

verzichtet.

Von klugen souveränen Richterinnen und thronenden, kräftemessenden Richtern

In der Süddeutschen ist ein Bericht über immer mehr weibliche Richterinnen, Rechtsanwälte, der interessante Verhaltenszuweisungen enthält:

Zu den früheren Zuständen:

Männliche Anwälte brüllen, schmeißen mit Akten, trommeln auf den Tisch. »Das lassen die Richter an sich abtropfen«, sagt Doris Dierbach. »Das gehört offenbar zum normalen männlichen Verhalten.« Bei Frauen ist das anders. »Ich habe mal den Kopf geschüttelt, da ist ein Richter in Hamburg aufgesprungen und hat sich über die Richterbank gelehnt: ›Sie schütteln in meinem Gerichtssaal nicht den Kopf‹, rief er.« Dierbach sagte: »Ich wüsste keine Norm, wonach Sie mir das verbieten können.«

Es wäre in der Tat ein Unding, wenn Richter auf Frauen anders reagieren als auf Männer, dort sensibler sind und ein anderes Verhalten abfordern. Denn letztendlich muss es dem Richter egal sein, ob der Rechtsanwalt männlich oder weiblich ist.

Und zur gegenwärtigen Situation:

Selbst in Bayern werden seit zehn Jahren mehr Frauen in der Justiz eingestellt als Männer, vergangenes Jahr lag ihr Anteil an den Neueinstellungen bei 65 Prozent. Zwar sind immer noch die meisten Richter männlich, aber der Trend spricht für die Frauen: Mehr als die Hälfte der Richter unter 40 Jahren ist weiblich. Für Doris Dierbach bedeutet das: »Jetzt treffe ich auf viele Vorsitzende Richterinnen – kluge, souveräne Frauen. Ich weiß, bei denen kriege ich ein vernünftiges Urteil, die sind diskussionsfähig, die kann man anrufen. Die thronen nicht über einem. Das ist kein Kräftemessen, kein dummes Gezerre. Aber auch die jungen Juristen haben sich geändert, die empfinden Frauen nicht mehr als Provokation, wenn sie Widerworte geben.« Nur eine Konstante ist geblieben: Die Angeklagten sind zu 90 Prozent Männer. Kurz und ungerecht heißt das: In Zukunft sitzen die Frauen auf der Richterbank und die Männer im Knast.

Meiner Meinung nach keine Frage des Geschlechts, sondern wohl eher einer anderen, gewandelten Rechtskultur. Früher mögen Richter autoritärer gewesen sein, konnten sich das auch noch erlauben. Heute ist dies weniger der Fall. Die „Originale“, die ihre eigenen Prozessordnungen gelebt haben sterben so langsam aus. Mit den jungen männlichen Richtern und auch mit den meisten älteren wird man ebenso reden können.  Zumal man über die Diskussionsstile junger Richterinnen auch schon anderes gelesen hat.

Im ganzen ein recht sexistischer Titel: Als würden alle Richterinnen klug und souverän sein und nur vernünftige Urteile schreiben, die Richter aber nicht. Das Bild der guten Richterin und des patriarchischen Richters, der seine Allmachtphantasien auslebt, hier sehr billig gezeichnet.

Interessant aber auch eine Aufstellung von Frauen diskriminierenden, aber inzwischen abgeschafften Gesetzen auf Seite 2:

– Bis 1953 konnten verheiratete Frauen kein eigenes Bankkonto eröffnen.

– Bis 1957 gab es eine Steuervorschrift, die Ehepaare, bei denen Mann und Frau arbeiteten, höher besteuerte – die Frau sollte damit »ins Haus zurückgeführt« werden.

– Bis 1958 bestimmte der Ehemann den Wohnort.

– Die Frau war auch nicht unbeschränkt geschäftsfähig. Wenn sie einen Kühlschrank kaufte, galt das Geschäft als vom Ehemann abgeschlossen. Mancher Mann schaltete eine Zeitungsanzeige, in der er warnte, seiner Frau etwas zu verkaufen – er werde nicht dafür aufkommen. Rechtlich war das korrekt.

– Bis 1959 hatte der Vater das »Letztentscheidungsrecht« darüber, wie das Kind zu erziehen sei.

– Bis 1974 bekamen nur die Kinder deutscher Väter, aber nicht die Kinder deutscher Mütter die deutsche Staatsbürgerschaft. Erkannte zum Beispiel ein amerikanischer Soldat das Kind mit seiner deutschen Freundin nicht an, war das staatenlos.

– Bis 1977 musste der Ehemann zustimmen, wenn seine Frau arbeiten wollte. Und das ging auch nur dann, wenn sie ihre »häuslichen Pflichten« nicht vernachlässigte.

– Bis 1977 war die Frau verpflichtet, den Haushalt zu führen, also, ihrem Mann hinterherzuputzen.

– Erst von 1978 an konnten Frauen in den ersten Bundesländern Schutzpolizisten werden.

– Bis 1995 durften nur Männer Feuerwehrleute werden, Frauen nicht.

Kann ja mal wer was in den Kommentaren zu schreiben.

Dann noch ein Verweis auf ein altes Urteil:

Manche Richterin zitiert noch heute sarkastisch das Urteil des Bundesgerichtshofs, der 1966 den Frauen die Ehe erklärte: »Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt. Wenn es ihr infolge ihrer Veranlagung oder aus anderen Gründen versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.«

Das Urteil wird ja gerne als tatsächliche, richterlich angeordnete Pflicht zum Beischlaf mit Freude angesehen, dabei geht es nur darum, wer nach dem damaligen Schuldprinzip am Scheitern der Ehe schuld war. Und da werden es wohl die meisten es wohl verständlich finden, dass man nicht alle schuld von sich weisen kann, wenn man beim Sex nur daliegt wie ein Brett.

Der Sachverhalt wird im Urteil wie folgt dargestellt:

Im weiteren Berufungsverfahren hat der Kläger vorgetragen, die Zerrüttung der Ehe sei aus der Einstellung der Beklagten zum ehelichen Verkehr entstanden. Sie habe ihm erklärt, sie empfinde nichts beim Geschlechtsverkehr und sei imstande, dabei Zeitung zu lesen; er möge sich selber befriedigen. Der eheliche Verkehr sei eine reine Schweinerei. Sie gebe ihm lieber Geld fürs Bordell. Sie wolle auch nicht mit einem dicken Bauch herumlaufen; mit Kindern wüßte sie garnichts anzufangen. – In diesem Sinne habe die Beklagte sich auch Dritten gegenüber geäußert.

Die Beklagte habe sich beim ehelichen Verkehr entsprechend verhalten. Auf dieser Einstellung beruhe es, daß er sich mehr und mehr seiner Angestellten, der Zeugin Da., zugewandt und die Zeugin in seine Stuttgarter Wohnung aufgenommen habe. Zum letzten Verkehr mit der Beklagten sei es 1950 gekommen.

Die Beklagte hat der Scheidung widersprochen. Sie hat behauptet, die Zerrüttung der ehelichen Gesinnung beim Kläger habe ihre Ursache in dieser Hinwendung zu der Zeugin Da.. Bis 1950 hätten die Parteien etwa wöchentlich miteinander verkehrt. Sie habe nie Widerwillen oder Gleichgültigkeit gegen den Geschlechtsverkehr oder gegen eine Mutterschaft geäussert. Im November 1950 habe ihr die Zeugin Beziehungen zum Kläger eingestanden. Trotz dieser Belastung des ehelichen Verhältnisses sei es aber bis zum März 1952 durchweg noch alle vier Wochen zum Verkehr gekommen.

Klingt nicht so idyllisch.

Aber weiter damit, warum Frauen besser sind:

»Frauen theoretisieren nicht so viel«, sagt Lore Maria Peschel-Gutzeit. »Frauen haben weniger Zeit, die müssen das Kind vom Kindergarten abholen, noch einkaufen und die Waschmaschine füllen. Die Rechtsprechung wird durch mehr Frauen flotter werden. Meine Herren im Senat gingen stundenlang zum Essen, ich habe durchgearbeitet.« Sie musste ja heim zu den drei Kindern. Frauen erklären auch mehr. »Männer schreiben nur: A – B – C. Frauen erklären, warum aus A erst B und dann C folgt«, sagt die Richterin am Oberlandesgericht München Andrea Titz. Sie erlebt das, wenn sie Examensklausuren korrigiert. »Für ein Urteil ist es ja kein Schaden, wenn man es auch verstehen kann

Also Frauen theoretisieren nicht so viel, begründen aber besser? Erfordert das begründen keine Theorie? Das die Männer dann eben später weitergearbeitet haben und sich dazwischen noch über den Fall ausgetauscht haben bleibt dann eben unerwähnt.

Interessant auch die Passage zur Entwicklung im Familienrecht:

. So wie Peschel-Gutzeit, die lange die einzige Richterin an ihrem Familiensenat in Hamburg war. Häufig ging es darum, ob eine Ehefrau nach der Scheidung wieder arbeiten muss. »Mein Senatsvorsitzender sagte immer: ›Das kann man doch dieser armen Frau nicht zumuten‹«, berichtet Peschel-Gutzeit. »Und ich sagte: ›Wieso? Die Kinder sind groß, sie hat zwei gesunde Hände.‹« Dann hatte der Familiensenat den umgekehrten Fall: Eine Frau, die schon lange erfolgreich im Beruf stand, und ihr Mann, der ewige Student, verlangte nach der Trennung Unterhalt von der Frau. »Da waren meine männlichen Kollegen alle der Meinung, der Mann soll arbeiten«, sagt Peschel-Gutzeit. »Ich habe gesagt: ›Der arme Mann. Ob man ihm das zumuten kann?‹« Natürlich bestimmt die eigene Lebenserfahrung auch das Urteil, weiß die ehemalige Richterin. »Wenn da drei Junggesellen sitzen oder drei geschiedene Männer, die Ärger mit dem Unterhalt für ihre Frauen haben – das fließt alles ein.«

Ich denke auch, dass viele männliche Richter, mit Frau zuhause, die sich um den Haushalt kümmert, eher für Männer ungünstige Urteile gesprochen haben als Richterinnen, die täglich selbst arbeiten und das dann auch von anderen Frauen erwarten.

Und zur Familienfreundlichkeit:

Aber die Zeit der Junggesellen und der Patriarchen ist vorbei. Stattdessen kommen nun – die Mütter. »Es war eine Revolution von oben«, sagt die Vizepräsidentin des Oberlandesgerichts München, Ursula Schmid-Stein. Das bayerische Justizministerium hat die Gerichtspräsidenten dazu vergattert, die Mütter sofort wieder unterzubringen, wenn sie aus der Babypause kommen. Jede Stelle ist nun auch teilzeitfähig – »nur die des Präsidenten nicht«, sagt Schmid-Stein. Der ist ein Mann.

Das OLG München, zu dessen Bezirk mehr als 1000 Richter gehören, hat erkannt, worin der große Reiz des Staatsdienstes für viele Juristinnen liegt: Sie können einen verantwortungsvollen Beruf und die Familie verbinden. Trotz besserer Noten gehen deswegen viele Frauen ganz bewusst nicht in die Großkanzleien, wo sie oft 16 Stunden am Tag arbeiten müssen. Sie wählen die freie Zeiteinteilung, das große Geld in den Law firms machen die Männer. Die Justiz hingegen – wird Frauensache.

Dass das dann auf der anderen Seite den Gender Pay Gap vergrößert wird hier nicht erwähnt. Beide Seiten der Medaille werden selten zusammen in einem Artikel erwähnt.

Und hier noch einmal ein kleiner Hieb:

Uta Fölster, die Präsidentin des Oberlandesgerichts Schleswig, sagt, natürlich sei es sinnvoll, dass Männer und Frauen gemeinsam Recht sprechen: »Frauen können Frauen besser einschätzen und Männer Männer. Die Welt besteht nun mal aus Männern und Frauen. Auch die Welt vor Gericht.« – Ihre Kollegin Schmid-Stein aus München meint: »Juristisch macht es keinen Unterschied, aber ein Gericht sollte die gesellschaftliche Wirklichkeit spiegeln.«

Ein weiterer Beleg für die Effizienz von Juristinnen – die männlichen Kollegen haben für dieselbe Erkenntnis Jahrhunderte gebraucht.

Allerdings auch in anderen Zeiten und damals würden ihnen viele Frauen zugestimmt haben.